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PER FOR MANCE

Im Juni 1941 wird das Patent für das „Secret Communication System“ angemeldet und im August 1942 mit einer Patentnummer bewilligt. Das US-Militär hält die revolutionäre Erfindung jedoch unter Verschluss, das Verfahren kommt erstmals während der Kuba-Krise in den 1960er-Jahren zum Einsatz. Erst zu Beginn der 1980er-Jahre wird die Technologie für die zivile Nutzung freigegeben – und bildet die technische Grundlage für die komplette moderne Mobilfunk-, Bluetooth- und WLANTechnologie. Und erst mit der Realisierung auf digitaler Basis erkennt man die ungeheure Bedeutung von Lamarrs Beitrag. Gedankt wird ihr dafür überhaupt erst in den späten 90er-Jahren, als erste Fachmedien die Verbindung herstellen. Lamarrs knapper Kommentar: „Das wurde auch Zeit.“ Auf die Feststellung, ihr Patent sei der Zeit um Jahre voraus gewesen, erklärt sie: „Das bin ich immer.“

ner, freundlicher und temperamentvoller Mann, der eigens für die Preisverleihung nach Österreich gereist ist. In seiner Rede synthetisiert er zwei Jahrhunderte: „Meine Mutter wäre tief bewegt zu sehen, dass ihr in ihrer Heimat in erster Linie als Erfinderin gedacht wird. Sie wäre glücklich zu wissen, dass unter ihrer Patronanz eine neue Generation von erfolgreichen österreichischen Wissenschaftlerinnen heranwächst.“ Der Sohn der Ikone hat noch einen wichtigen Wunsch: „Gutenberg hat eine Statue in Wien, weil er die Verbreitung von Worten als Buch möglich gemacht hat. Warum hat meine Mutter keine? Sie hat es möglich gemacht, das digitale Wort zu verbreiten!“

Es soll Hedy Lamarrs letzter Wille gewesen sein, dass ihre Asche im Wienerwald verstreut wird. Nach ihrem Tod am 19. Jänner 2000 in Florida sorgt Anthony Loder, ihr Sohn aus dritter Ehe, gemeinsam mit seiner Schwester Deedee im Grüngebiet „Am Himmel“ für die Erfüllung dieses WunFILM-TIPP sches. Die Szene wird Teil von „Calling Hedy Lamarr“, B Nach „Calling Hedy Lamarr“ (2004) einer Dokumentation des erscheint 2017 unter österreichischen Filmemadem Titel „Geniale chers Georg Misch über die Göttin“ ein weiterer „Göttin der Leinwand“, Film, der dieses Jahr die dreifache Mutter, die auch in den österreiemanzipierte Frau, die chischen Kinos lief und bahnbrechende Erfinderin mittlerweile auch auf – und über das gescheiterDVD erhältlich ist. Weil te Genie. Lamarr nie öffentlich

DIE TÖCHTER Am 4. 10. 2018 wird erstmals der Hedy-Lamarr-Preis vergeben, der Österreicherinnen auszeichnet, die wie die Namensgeberin die digitale Welt von morgen prägen. Damit wird die Bedeutung von Frauen in der IT hervorgehoben, die mit ihrer Geschichte als Vorbilder dienen. Im Vorfeld nominiert sind Francesca Finotello (33), die in der Bioinformatik auf dem Gebiet Genome Sequencing bzw. Grundlagen von Lungenkarzinomtherapien arbeitet – ein sehr aktuelles Thema mit hohem Potenzial für die Zukunft –, sowie Andrea Salfinger (33), die über „Situation awareness in crisis situations“ forscht und die „wissenschaftlich jüngste“ Kandidation ist, und die Salzburger Forscherin Verena Fuchsberger-Staufer (35), die in ihrer Arbeit „re:tangent – Remote Tangible Engagements“ die Chancen und Risiken der Verschmelzung von Mensch und Maschine untersucht. Alle drei verfügen über eine sehr gute Publikationslage.

Anthony Loder ist ein großgewachse-

Die Jury entscheidet sich für Verena Fuchsberger-Staufer, die für „ihre außergewöhnlichen Leistungen auf dem Gebiet der Informationstechnologie“ ausgezeichnet

FOTOS: POLYFILM, MARTIN MURER

über ihr Leben als Wissenschaftlerin gesprochen hat, beziehen sich Regisseurin Alexandra Dean und Produzent Adam Haggiag dabei auf vier Kassetten, auf denen Hedy ihr unbekanntes Leben dokumentierte.

Immerhin: Zu Ehren von Hedy Lamarr wird in Österreich, Deutschland und der Schweiz der „Tag der Erfinder“ an ihrem Geburtstag – dem 9. November – gefeiert.

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