Page 79

DIE IKONE „Any girl can be glamorous. All you have to do is stand still and look stupid.“ Mit diesem Bonmot wird Hedwig Eva Maria Kiesler – besser bekannt als Hedy Lamarr – schon seit den 1940ern gerne zitiert. Weniger berühmt, aber genauso treffend, ist der folgende Sager der Hollywood-Legende mit österreichisch-ungarischen Wurzeln: „Films have a certain place in a certain time period. Technology is forever.“ 1914 als Tochter des damaligen CreditanstaltBankverein-Direktors und einer Konzertpianistin in Wien geboren, wird Kiesler schon früh von Theaterlegende Max Reinhardt entdeckt, der sie als „schönste Frau der Welt“ bezeichnet. Ihre Karriere beginnt als Teenager: Mit noch nicht einmal sechzehn Jahren ist Kiesler in ihrem ersten Film „Geld auf der Straße“ zu sehen. Die tschechoslowakisch-österreichische Produktion „Symphonie der Liebe“ – alias „Ekstase“ – avanciert 1933 zum Skandal. Eine zehnminütige Nacktszene – ein Bad in einem See und der anschließende Gang nackt durch einen Wald – sorgt ebenso für Aufsehen wie eine Liebesszene, in der „nur“ ihr von einem Orgasmus erregtes Gesicht zu sehen ist. Im August 1933 heiratet sie den Metall- und Rüstungsindustriellen Fritz Mandl. Der eifersüchtige Ehemann schränkt ihren Freiheitsgrad massiv ein, untersagt ihr die Schauspielerei und investiert eine Stange Geld, um möglichst viele Kopien von „Ekstase“ zu erwerben und den Film somit vom Markt zu holen. 1937 trennt sie sich Kiesler fluchtartig von Mandl und reist über Paris nach London, wo sie vom Hollywoodproduzenten Louis B. Mayer unter Vertrag genommen wird. Mit ihm fährt sie 1938 in die USA und begründet eine spektakuläre Hollywood-Karriere unter jenem Namen, den Mayer – Bezug nehmend auf den Stummfilmstar Barbara La Marr – für sie ausgewählt hat: Hedy Lamarr. Sie wirkt in mehr als zwei Dutzend Filmen mit, darunter „Tortilla Flat“ (1942), „Samson and Delilah“ (1949) oder „The Story of Mankind“ (1957) und ist an der Seite von Weltstars wie Spencer Tracy, Clark Gable, Judy Garland oder den Marx Brothers zu sehen. „Nebenbei“ beweist sie herausragend innovatives technisches Talent. Gemeinsam mit dem Komponisten George Antheil entwickelt sie einen Entwurf für eine störungssichere Funkfernsteuerung für Torpedos – sie will damit dem US-Militär helfen, die Nazis zu besiegen. Ein Problem der Navy ist, dass die abgefeuerten Torpedos zu oft das feindliche Ziel verfehlen. Lamarr, die als Frau des Waffenherstellers Mandl Zugang zu höchst geheimen Informationen im Bereich der Funktechnik gehabt haben soll, und der Musiker, der schon in den 20er-Jahren überlegt hat, wie man 16 mechanische Klaviere untereinander und mit einem Film synchronisieren könnte, tüfteln miteinander eine Lösung aus: ständig wechselnde Funkfrequenzen – auch als „Frequency Hopping“ oder Frequenzsprung-Verfahren bezeichnet –, die zwischen Funkstation und Torpedo mittels identischer Lochstreifen ähnlich wie die Klaviere und der Film sychnchronisiert sind. Durch die ständigen Wechsel ist die Funkstation schwerer vom Feind anzupeilen, das Signal wird weniger störungsanfällig.

DER HEDY LAMARR-PREIS B Im ersten Halbjahr 2018 initiieert Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler zu Ehren der Wissenschaftlerin Hedy Lamarr sehr kurzfristig den Hedy-LamarrPreis für innovative Frauen in der IT. Ganz neu war die Idee nicht, denn den Preis gab es schon zu früheren Zeiten: Maria RauchKallat hatte ihn 2006 als Frauenministerin ins Leben gerufen. Zurück zum aktuellen Förderer, die Stadt Wien: „Es gab ein Window of Opportunity“, erzählt ein Mitarbeiter, der an der Umsetzung des Projekts maßgeblich beteiligt war, „sogar die Finanzierung mit 10.000 Euro konnten wir relativ problemlos realisieren.“ Aktuell greift man auf das Know-how des Wissenschaftsfonds FWF zurück. Dieser bezieht sich für seine erste Wahl von rund 20 wissenschaftlichen Einreichungen auf aussichtsreiche Kandidatinnen, deren Projekte bereits 2017 bewilligt wurden. Danach geben vier Referentinnen und Referenten des FWF ihr Votum ab: Roderick Bloem, Ruth Breu, Silvia Miksch und Bernhard Rinner. Gemeinsam zeichnet sie ihre internationale Publikationstätigkeit und Vernetztheit sowie ihre wissenschaftliche Anerkanntheit aus. Sie küren dann drei Projekte aufgrund deren Forschungspotenzials, Innovationsgrad und Originalität. B Rückfragen und Kontakt: Mag. Alfred Strauch Mediensprecher StRin Mag.a Veronica Kaup-Hasler Tel.: +43 1 4000 81169 alfred.strauch@wien.gv.at B Hedy Lamarr wird auch von der B&C Privatstiftung als InspiraDER tion für den von ihr vergebenen HOUSKA-PREIS Houska-Preis genannt, der sich als „Österreichs größter privater Preis für anwendungsnahe Forschung“ versteht. Bereits zum 14. Mal soll die mit 500.000 Euro dotierte Auszeichnung 2019 in den Kategorien „Universitäre Forschung“ und „Forschung & Entwicklung in KMU“ vergeben werden. Die Einreichung ist noch bis 30. November 2018 möglich. www.bcholding.at/houskapreis-1

conomy 79

performance_LAMARR_78_81 TO_k1.indd 3

19.11.18 17:51

Profile for Sigrid Raditschnig

SHEconomy  

Das neue Wirtschaftsmagazin für Frauen von Frauen

SHEconomy  

Das neue Wirtschaftsmagazin für Frauen von Frauen

Advertisement