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Es heißt, dass Frauen für manche Jobs härter arbeiten müssen als Männer. Sehen Sie das auch so? Absolut. Frauen werden härter beurteilt. Ich glaube,

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als in Europa? Auf alle Fälle. Die Gleichberechtigung ist

in den USA stärker als in Europa. Das passt nicht ganz zu dem, was man derzeit von den USA aus den Medien hört, aber die Gleichberechtigung ist auf alle Fälle akzeptierter als in Europa. Das merkt man allein an den Schulen. Schon als ich in der Schule war – zuerst in Europa, dann in den USA – gab es in den USA eindeutig mehr Gleichberechtigung. Woran liegt das? Auch das hat mit Tradition zu tun.

Vielleicht sind die USA anders, weil sie von Leuten aufgebaut wurden, die ihr Land ursprünglich verlassen haben, um religiöse Freiheit zu haben – damit ging es also bereits den ursprünglich Angesiedelten um die Gleichberechtigung des Menschen. Was können wir daraus lernen? Am Ende des Tages

geht es um Werte und um die Wertschätzung der individuellen Person – unabhängig vom Geschlecht.

„Die jüngere Generation erlebt jetzt häufiger, dass Mütter arbeiten und dadurch eine intellektuelle Erfüllung finden. Vielleicht sind sie deswegen auch balancierter.“

Würden Sie sich als Feministin bezeichnen?

Wenn Feministin zu sein gegen Männer sein bedeutet, dann überhaupt nicht. Vielleicht hat das auch mit meiner Erziehung zu tun. Ich habe eine wunderbare Beziehung zu meinem Vater und wurde von ihm immer sehr einbezogen. Wie man zu dem Thema steht, hat meiner Meinung nach viel mit der Beziehung zwischen Tochter und Vater zu tun. Ich habe mich nie von meinem Vater oder meinen zwei Großvätern ausgeschlossen gefühlt, egal ob das nun Geschäftsreisen waren, die Jagd oder das Fischen oder wenn es um harte Arbeit ging. Ich musste am Fließband stehen, mein Vater hat sichergestellt, dass ich so arbeite. Es gab keine Diskriminierung, weil ich eine Frau bin, sondern es hieß: Du bist ein Mensch, jetzt hopp, rein ins Leben. Wie wichtig sind denn Ihrer Meinung nach Netzwerke, speziell Frauennetzwerke? Sehr wichtig,

ganz generell! Man fühlt sich nicht alleine, sondern unterstützt – und hat die Möglichkeit für Gedankenaustausch. Wenn Frauen miteinander reden, verläuft das Gespräch anders als unter Männern. Natürlich ist der Informationsaustausch eine Inspiration, ein Lernen, eine Motivation. Es lohnt sich, sich die Zeit dafür zu nehmen.

manchmal sind sie auch strenger miteinander als Männer, die Dinge leicht übersehen können, auch um sich zu beschützen. Frauen werden von Männern aber auch öfter als Bedrohung wahrgenommen und deshalb strenger beurteilt. Wie schafft man es, die Balance zu finden: Frauen zu fördern, ohne ihnen zu unterstellen, dass sie es nicht ohne Hilfe schaffen würden? You can

take the horse to the water, but you can’t force it to drink. Man kann Hilfe anbieten wie wir es mit unseren Projekten der Swarovski Foundation tun. Und ich muss sagen, sie wird sehr geschätzt und gut angenommen. Swarovski betreibt seit 17 Jahren eine „Wasserschule“ in Brasilien, den USA, Uganda, Indien, China, Thailand und Österreich. Wir unterstützen dabei Lehrerinnen und Lehrer, Kinder über vielfältige Aspekte zum Thema Wasser aufzuklären – etwa den sorgsamen Umgang damit oder auch Hygienethemen. Gemeinsam mit der Filmschule der UCLA (University of California, Los Angeles, Anm.) haben wir dazu einen Dokumentarfilm produziert. Die Filmschule legte dabei den Fokus auf die Mädchen. Man merkt in dem Film genau, wie das Selbstbewusstsein der Mädchen wächst, während ihnen beigebracht wird, wie sie als individuelle Person einen Beitrag leisten können. Sie wachsen, indem sie helfen können. Das ist eine sehr interessante Dynamik; sie ist uns wichtig bei unseren Projekten. Aber auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Das ist ein Prozess, der wahrscheinlich zwei bis drei Generationen dauern wird. Glauben Sie, dass es eines Tages spezielle Frauenförderungsprojekte nicht mehr brauchen wird. Werden wir das noch erleben? Die UN sagt, es wird

217 Jahre dauern, bis die Welt endlich Gleichberechtigung erreicht hat. Das ist noch eine sehr lange Zeit. Aber ich glaube, sie sprechen dabei von der ganzen Welt. In der ersten Welt, wo Bildung relevanter ist, wird es schneller gehen. Die neue Generation denkt schon anders, da werden sich die Dinge schneller entwickeln. Warum sind gerade in der Modebranche so wenige Frauen in Führungspositionen? Gute Frage,

ich glaube, es braucht noch Zeit. Interessanterweise sind die meisten Modeunternehmen in Frankreich oder Italien. Wenn man sich die Tech- und Digitalindustrie in den USA anschaut, da gibt es sehr viele weibliche Vorbilder in Führungspositionen. Wie sieht es diesbezüglich bei Swarovski aus?

Der Anteil von Frauen in Führungspositionen steigt. Unsere Zusammenarbeit mit der UN hat sehr starke Impulse gesetzt; wir konzentrieren uns dabei auf Gleichberechtigungsprogramme in den verschiedenen HR-Abteilungen weltweit. Qualifikation geht über alles, da wird kein Unterschied gemacht vom Geschlecht her. Das heißt, Sie sind nicht für Quoten? (Zögert). Nein, lieber für Qualifikation. Bildung bedeutet Selbstsicherheit.

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