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Ein Reisebericht von Ulrich Flückiger

Nordtunesien die «kleine Schweiz Afrikas» So wird die Umgebung Tabarkas, einer kleinen nordtunesischen Küstenstadt, auch genannt. Der Norden Tunesiens mit dem auslaufenden Atlasgebirge ist grün wie die Schweiz im Gegensatz zu den bekannteren Ferienregionen im Süden Tunesiens. Ich hatte kürzlich Gelegenheit, die wenig bekannte Ferienregion in Nordtunesien auf einer Studienreise kennenzulernen. Nur zwei Flugstunden entfernt Nordtunesien ist die nächste Destination Afrikas von der Schweiz aus. Es liegt näher, als wir meist denken. So liegen Tunis oder Tabarka, das seit diesem Jahr auch von Bern direkt angeflogen wird, näher als zum Beispiel Kreta, Rhodos oder Malaga. Der rund zweistündige Flug führt von der Schweiz aus genau in Richtung Süden. Nach dem Überflug der beiden Mittelmeerinseln Korsika und Sardinien nähert man sich bereits Tunesiens Hauptstadt Tunis, die heute rund zwei Millionen Einwohner zählt. Unfreiwilliger Halt Nach einem ruhigen Flug kamen wir auf unserer Studienreise spät abends in Tunis an und erreichten nach kurzer Busfahrt unseren ersten Über-

Orientalische Stimmung in der Empfangshalle des Hotels El Mouradi in Gammarth.

nachtungsort, den nahe gelegenen Ferienort Gammarth. Die wunderschöne Empfangshalle im luxuriösen Hotel El Mouradi versetzte uns gleich in eine andere Welt, in märchenhafte, orientalische Stimmung. Auf einer Busfahrt sollten wir am nächsten Tag auf dem Weg zum kleinen Ferienparadies Tabarka den National park Ichkeul und die Hafenstadt Bizerte besuchen. Unser Bus kam aber nicht weit. Nach einer Fahrt von einigen Kilometern blieb der Car an einer viel Ein unfreiwilliger Halt ermöglicht befahrenen Ausuns den Kontakt zur einheimischen fallstrasse mit rau­Bevölkerung. ­chendem Motor stehen. Schon nach kurzer Zeit kümmerten sich einige Polizisten um uns. Ein anderer Car musste für die Weiter­reise angefordert werden. Dank dieses unfreiwilligen Aufenthalts konnte ich einen ersten Kontakt zur einheimischen Bevölkerung knüpfen. Einige ärmlich gekleidete Frauen und Männer hackten dem Strassenrand entlang Unkraut aus. Zwei der Frauen suchten Holz und bereiteten im Schatten eines Baumes ein Feuer zu, um Teewasser zu kochen. Die Arbeit dieser Ärmsten der Bevölkerung entspricht etwa dem Beschäftigungsprogramm von Arbeitslosen bei uns. Bezahlt werden sie in Tunesien von den Einnahmen einer Umweltsteuer, die auf Kunststoffprodukte erhoben wird. Die Arbeiter freuten sich, dass ich mit ihnen das Gespräch suchte. Bald war Znünipause. Sie offerierten mir einen tiefschwarzen Tee, der noch mit Gewürzen versehen war. Auch von ihrem Znüni wollten sie mir anbieten. Die Begegnung mit die1


sen Menschen hatte mich berührt; selbst das Wenige, das sie besassen, wollten sie mit mir teilen. Ein erstes Mal hatte ich die Gastfreundschaft der Tunesier erfahren. Der Ichkeul-See, Winterquartier für Hunderttausende von Zugvögeln Nach etwa einer Stunde unfreiwilligem Halt stand ein anderer Bus für die Weiterfahrt bereit. Unser nächstes Ziel war der 12 600 ha grosse Nationalpark Ichkeul. Er wurde 1980 vor allen zum Schutz der bedrohten Vogelwelt eingerichtet und im gleichen Jahr in die Liste der Weltnaturerbe der Unesco eingetragen. Einmalig bei diesem Naturschutzgebiet ist, dass sich der Salzgehalt des Sees im Laufe des Jahres verändert: Er ist niedrig im Winter, wenn es regnet und verschie-

Begegnung mit dem «Star» des Naturschutzgebietes Ichkeul, mit dem schwarzen Wasserbüffel.

dene Flüsse den See mit Süsswasser speisen und die Sumpfgebiete überfluten. Dagegen sinkt der Wasserstand während der trockenen Sommerzeit durch Verdunstung, und die Sümpfe trocknen aus. Der Salzgehalt steigt und Meerwasser fliesst in den See. Vom Besucherzentrum mitten im Nationalpark hatten wir einen der schönsten Blicke auf die grünen Buchten des Sees. Hier wurde ein Öko-Museum eingerichtet mit verschiedenen Exponaten, Fotos und Schautafeln, welche die ausserordentliche Flora und Fauna dieses Gebiets aufzeigen und ökologische Zusammenhänge erklären. Im feuchten Biotop beziehen Hunderttausende Zugvögel aus Europa – Schwalben, Stare, Drosseln, Reiher, Grau­gänse und vielerlei Entenarten – ihr Winterquartier. Auf unserer Fahrt dem See entlang entdeckten wir eine grössere Gruppe von Flamingos. Auch dem «Star» des Nationalparks, dem schwarzen Wasserbüffel, begegneten wir. Bizerte mit malerischem altem Hafen Etwa 25 km nordöstlich des Naturschutzgebiets Ichkeul liegt Bizerte, die viertgrösste Stadt Tunesiens (95 000 Einwohner). Die strategisch günstige Lage – ein geschützter Hafen am nördlichsten Punkt Afrikas, Sizilien direkt gegenüber – machte die Stadt im Laufe ihrer langen Geschichte zu einem begehrten Ort. Bizerte zeigt heute drei 2

Tunesien auf einen Blick

Tunesien hat eine Fläche von rund 162 000 km2 und ist damit etwa vier Mal so gross wie die Schweiz. Es weist eine Einwohnerzahl von rund 10 Millionen auf. Vergleichen wir das mit der Einwohnerzahl der Schweiz (7,6 Mio.), so sehen wir, dass Tunesien viel dünner besiedelt ist. Amtssprache ist Arabisch, Handels- und Bildungssprache Französisch, das an der Schule als Zweitsprache gelehrt wird. Mit Französisch kann man sich mit der Bevölkerung gut verständigen. 98% der Bevölkerung sind Muslime; daneben gibt es auch Christen und Juden. Die Niederschläge nehmen von Nord nach Süd ab. Der Norden weist feuchte Winter und trockene Sommer auf. Die vom wechselhaften Klima bestimmte zentraltunesische Steppenregion hat heisse Sommer, und im Süden herrscht Wüstenklima. Mit zunehmender Entfernung vom Mittelmeer weicht sein ausgleichender Einfluss einem kontinentalen Klima. An der Nordküste und im Atlasgebirge wächst mediterraner Laub- und Buschwald (Macchie) mit Steineichen, Korkeichen und Aleppo­ kiefern, wo neben Kleinwild auch Wildschweine Nahrung finden. Zwischen 1990 und 2000 hat der Waldbestand um 0,2 % zugenommen. In den sich anschliessenden südlichen Steppen leben Gazellen. In den Wüstengebieten kommen vor allem Heuschrecken, Skorpione, Schlangen und Bussarde vor. Gesichter: das moderne einer von einer Raffinerie und Wohnblocks geprägten Hafenstadt, das touristische entlang der Meerespromenade Corniche, die einen schmalen, feinen Sandstrand säumt, und das romantische der nahezu intakten Medina. Das letztere Gesicht konnten wir auf einem Stadtbummel kennenlernen. Besonders malerisch ist der alte Hafen mit der Hafen­mauer und den Cafés, wo wir einen Pfefferminztee oder Kaffee trinken konnten. Die Mauern der Kasbah und des Forts el-Hani bilden einen schützenden Wall um das Hafenbecken. Im Hafen begegneten wir Fischern, die auf bunten Barken ihre Netze richteten.

Der pittoreske Hafen von Bizerte.


Abwechslungsreiche Fahrt nach Tabarka Auf unserer Weiterfahrt von Bizerte nach Tabarka bekamen wir einen Eindruck von der Landschaft Nordtunesiens. Hier verlaufen die letzten Ausläufer des Atlas. Sie sind verantwortlich, dass in diesem Gebiet mehr Niederschläge fallen als im restlichen Land. Wir fanden hier eine zauberhafte Vegetation mit Korkeichen und Eukalyptusbäumen, mit Pinienwäldern, Kornfeldern und Wiesen sowie bunten Büschen und Hecken. Immer wieder trafen wir auf unserer Fahrt Hirten an, die Kühe oder Eine Tunesierin beim Töpfern. Schafe hüteten. In Seynane bewunderten wir die vielen Störche, die sich auf den Hausdächern und einer stillgelegten Förderbahn eines Bergwerks zum Nisten niedergelassen haben. Bekannt ist auch die BerberKeramik in dieser Gegend. Wir hatten Gelegenheit, drei Frauen beim Töpfern zuzuschauen. Die Keramik gefällt durch ihre einfachen Formen und Muster; häufig werden Tiere dargestellt.

Kostbares Nass für die Kühe.

Am Abend wurden wir im Fünf-Stern-Haus Iberostar Tabarka Beach erwartet. An wunderschöner Lage, direkt am Meer, bietet das luxuriöse Hotel eine tolle Aussicht auf die ganze Bucht von Tabarka bis zum markanten Genueser Fort. Aktivurlaub in Tabarka Tabarka kennt keinen Massentourismus. Das Hafenstädtchen mit französischem Flair eignet sich für einen Aktivurlaub. Es ist Ausgangspunkt für verschiedene Sportarten. Einer der schönsten Golfplätze Tunesiens ist der Tabarka Golf Course. Der wunderbar gelegene Platz inmitten von Pinien, Weihern und Sanddünen ist von einer bezaubernden Berglandschaft umgeben. Der Parcours, der nichts zu wünschen übrig lässt, führt

Der Tabarka Golf Course ist einer der schönsten Golfplätze Tunesiens.

teilweise der Küste entlang und bietet atemberaubende Ausblicke auf das Meer. Eine Golfschule und ein schönes Klubhaus machen diesen von Turnierveranstaltern beliebten Golfplatz perfekt. Ob Golfer oder nicht, keiner wird zu Massagen und Bädertherapien in den Hotels Nein sagen. Das Hotel Iberostar bietet dem Besucher komplette Thalasso-Therapien an. Zur Anlage gehört ein Meerwasserhallenbad mit einem Düsenjetprogramm. Das Thalasso-Angebot steht unter ärztlicher Leitung und umfasst europäische, afrikanische und asiatische Anwendungsformen. Die Bezeichnung «Korallenküste» verdankt diese Region den hier noch intakten Korallenbänken, die diesen Abschnitt zu den interessantesten Tauchspots des Mittelmeers machen. Sporttaucher finden hier ideale Voraussetzungen für ihr Hobby: Tauchausflüge zum Unterwasser­felsen «Roche Merou» mit seiner Zackenbarschkolonie oder zum «Riff der schwarzen Korallen» machen den Tauchurlaub in dieser Region unvergesslich. Als weitere Freizeitaktivitäten werden Bike- oder Quad-Touren, Reiten, Wandern und Bootsfahrten entlang der abwechslungs­reichen Küste angeboten. Ein Rundgang durch das beschauliche Tabarka Auf einem kleinen Rundgang lernten wir das kleine Hafenstädtchen kennen, das vom Massentourismus verschont geblieben ist. Tabarka, im fünften Jahrhundert v. Chr. von den Phöniziern gegründet, wurde in der Folgezeit römisch. Das Städtchen mit französischem Flair bietet einen kleinen Fischerhafen. Ein Wahrzeichen von Tabarka ist das im 16. Jahrhundert von der Genueser Adelsfamilie Lomellini erbaute Fort. Ein pittoresker Aussichtspunkt sind die Felsen «Les Aiguilles», bis 25 m hohe bizarre Felsnadeln, die westlich vom Hafen aus dem Meer ragen. Mitten in Tabarka befindet sich eine der schönsten Kuriositäten des Städtchens, das Café Andalous. Das alte Café im maurischen Stil lebt voll und ganz von den herrlichen Kacheln, die alle Wände bedecken, und dem Hausrat, mit dem der Baldachin der kleinen Empore vollgestopft ist. Die Atmosphäre in diesem besonderen Café, in dem wir nur Männer antrafen, ist einmalig. Wäh3


den aufhalten. Auf unserem Rundgang konnten wir auch zahl­reiche Mosaike, Säulchen und Brunnen, zum Teil in einem hervorragenden Zustand, bewundern. Die Julia-Memmia-Thermen am Anfang der Stätte ist eines der besterhaltenen römischen Bäder. 25 Jahre Xenotours Wer das besondere Tunesien kennenlernen möchte, ist am besten beraten mit dem Tunesien-Spezialisten Xenotours. Dieser Reisever­ anstalter organisiert seit über 25 Jahren Tunesienreisen und betreut Sie individuell Eine Welt aus längst vergangener Zeit empfängt den Gast im Café des Andalous.

rend sich einige Männer dem Rauchen der Wasserpfeife hingaben, sassen andere um einen Tisch beim Kartenspiel. Die schummrigen Räume des Cafés waren erfüllt von Stimmengewirr und sanftem Pfeifenrauch. In den Cafés wird aber nur wenig Kaffee getrunken, sondern vor allem Tee, der durch stundenlanges Köcheln einen leicht bitteren Geschmack aufweist. Bulla Regia, eine antike römische Stadt Am Nachmittag des zweiten Reisetages besuchten wir den Luftkurort Ain Draham und die antike römische Stadt Bulla Regia. Ain Draham ist etwa 30 km von Tabarka entfernt und liegt 800 m ü. Meer. Die Gegend um diesen Luftkurort passt nicht zum Bild, das wir von Tunesien haben. Hier liegt sogar im Winter Schnee. Um­ geben wird Ain Draham von immergrünen Korkeichen-, Kiefern und Eukalyptuswäldern, in denen Wild- und Stachelschweine und Schakale leben. So ist der Ort auch bekannt als Jagdparadies. Ziel unseres Halbtagesausflugs war die archäologische Stätte Bulla Regia. Sie zählt zu den sehenswertesten Relikten der Römer. Sie war eine antike Stadt der römischen Provinz Africa proconsularis und zählte einst etwa 5000 Einwohner. Die Wohnhäuser sind besonders gut erhalten und vermitteln einen guten Eindruck vom Leben der reichen Bürger. Das Be­sondere an Bulla Regia ist, dass man hier Wohnhäuser mit Souterrain­etagen gefunden hat. Um der Sommer­hitze zu entfliehen, konnten sich Die römische Ausgrabungsstätte die Bürger in den anBulla Regio gehört zu den genehm kühlen Räumen unter dem Boschönsten in Tunesien.

Karl Hochstetter, Leiter von Xenotours.

und kompetent bei der Planung und während des Aufenthalts. Wie Karl Hochstetter, Leiter von Xenotours ausführte, hat er auf die Veränderungen in der Touristikindustrie reagiert und sein Portfolio umgebaut: So wurde die Angebotsflut bei Massendestinationen ausgedünnt und durch innovative Spezialitäten und Destinationen ergänzt. Feriensuchenden bietet Xeno­tours nun nebst Klassikern wie Hammamet, Djerba und Badeferien vermehrt hochwertige individuelle Angebote für den Aktivurlaub in Tunesien an. Wie Sie Ihre Ferien in Nordtunesien gestalten könnten, zeigt Ihnen dieser Reisebericht. Rundreisen und Kameltrekkings zu den schönsten Orten des Landes und neuerdings sogar eine exklusive Rund­reise von Djerba ins benachbarte Libyen stehen im Angebot. Weitere Informationen erhalten Sie bei Xenotours AG, Alte Post­ strasse 11, 5417 Untersiggenthal, Telefon 056 511 77 77 oder unter www.xenotours.ch. Auskunft über die Angebote von Xenotours erhalten Sie auch in Reisebüros, so auch im Reise­büro Reiat, Bahnhofstrasse 2, 8240 Thayngen, Telefon 052 640 08 08. Die kurze Zeit, die ich in Nordtunesien verbringen durfte, zeigte mir eindrücklich, dass diese Region sowohl landschaftlich als auch kultur­ geschichtlich sehr viel zu bieten hat. Daneben ist sie mit den schönen Sandstränden auch ideal für Badeferien und weist ein sehr vielseitiges Sportangebot auf für einen Aktivurlaub.

Impressum: Verlag, Druck und Expedition, Druckerei Karl Augustin AG, 8240 Thayngen Telefon 052 645 41 11 • Fax 052 645 41 99 • Eine Beilage des «Heimatblatts» • Verleger: Karl Augustin

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Nordtunesien  

Tabaraka, die "Kleine Schweiz Tunesiens", Reisebericht des "Heimatblatts"

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