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WOJ 17. Jg. - 2/2012 JApril/Mai/Juni 2012 ISSN 0947-5273

1 KAPITEL/ RUBRIK

THEMA

TITEL

West-Ost-Journal

2 2012

April Mai Juni

Elisabeth Christine und der FC Schalke 04 – Lebendige Überlieferung im GHH 03 Vortrag

09 Vortrag

12 Ausstellung

Es hätte wohl gar nicht der großen medialen Aufmerksamkeit bedurft, welche ihrem 200. Todestag im Juli 2010 zuteil geworden ist, um unter Beweis zu stellen, dass die schöne, jung verstorbene Luise im kollektiven Gedächtnis der Deutschen noch immer als schlechterdings die preußische Königin überhaupt rangiert. Fragt man jedoch nach anderen Ehefrauen der HohenzollernMonarchen, so fallen die Antworten wohl in der Regel dürftig aus..

Für Maria Theresia war er einfach der »böse Mann« aus Potsdam. Die Habsburgerin hatte auch wahrhaft gute Gründe für ihre abgrundtiefe Abneigung gegen den preußischen König Friedrich II.

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Am 4. Mai 1904 gründete eine Gruppe 14- bis 15-jähriger Jungen einen Fußballverein namens Westfalia Schalke. Um zum offiziellen Spielbetrieb zugelassen zu werden, fusionierte der Verein 1912 mit dem Turnverein 1877 Schalke. Im Jahr 1924 trennten sich die Kicker wieder von den Turnern und nannten sich fortan FC Schalke 04. Die Vereinsfarben änderten sich zu Blau und Weiß. Seite 12

Sie hatte es nämlich ohnehin schwer, als sie die Nachfolge ihres im Oktober 1740 verstorbenen Vaters, Kaiser Karls VI., antreten mußte.

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02 Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

20 Jahre Gerhart-Hauptmann-Haus 1992-2012

der große Münsteraner Philosoph Josef Pieper (1904-1997) hat sich immer wieder mit dem Problem der Überlieferung , der Tradition auseinandergesetzt. Wie auch sonst in seinem Denken ist es Pieper dabei zunächst um begriffliche Klarheit zu tun. So zeigt er auf, dass der landläufige Sprachgebrauch von »Tradition« im Grunde stets zweierlei meint: Nämlich zum einen den Vorgang des Tradierens, das tradere, und zum anderen das traditum, den zu überliefernden Inhalt. Der generationenübergreifende Vorgang des Tradierens aber müsse immer ein historischer, das heißt ein sich der äußeren Erscheinungsform nach notwendig wandelnder Prozeß sein, dessen Ziel jedoch in nichts anderem bestehe, als in der unveränderten Bewahrung des traditum, des jenseits aller historischen Wandlungen als bewahrenswert anerkannten Inhalts, des Kerns also, auf den es ankommt. Gerade in dieser Zweiseitigkeit liege jedoch, so Pieper weiter, der »neuralgische Punkt«, denn »wenn der ‚Letzte in der Reihe‘ das ihm dargebotene Überlieferungsgut nicht empfängt, nicht wirklich annimmt (um es wiederum weitergeben zu können), dann kommt Tradition gar nicht zustande […]«. Daher sei es entscheidend, um des Zustandekommens von Tradition willen stets die Voraussetzungen des Empfangens im Blick zu behalten. Denn: »Etwas Hoffnungsloseres kann man kaum tun, als einem jungen Menschen, auf dessen kritische Frage, warum und auf Grund von was etwas Überkommenes auch weiterhin gelten solle, die Antwort zu geben: dass es nun einmal ‚Tradition‘ sei. Dieses Argument, das übrigens nicht notwendig ausdrücklich formuliert zu sein braucht, erreicht seinen Mann nicht nur nicht, sondern hindert ihn gerade daran, das traditum seinerseits lebendig zu realisieren.« Wer demnach »etwas überliefern will, der muß nicht von ‚Tradition‘ reden, sondern er muß dafür sorgen, dass die zu überliefernden Inhalte, die ‚alten

Wahrheiten‘, wirklich präsent gehalten des Überlieferns zu ziehen. Das ist eine werden – zum Beispiel durch eine lehöchst anspruchsvolle, jederzeit volle bendige Sprache, durch schöpferische Geistesgegenwart im wörtlichsten SinVerjüngung und ‚Häutung‘ sozusagen, ne fordernde Aufgabe. Eine Aufgabe, durch unablässige Konfrontierung mit an der scheitern muss, wer die Anstrendem unmittelbar Gegenwärtigen […]. gung des unablässigen Strebens nach Dies aber zeige, »wie falsch es ist, mit Gegenwärtigkeit meidet. Eine Teilaufdem Begriff ‚Tradition‘ die Vorstellung gabe in der Bewahrung der historischen des Statischen, der bloßen Beharrung Tradition von uns Deutschen insgesamt oder gar der Stagnation zu verbinden. stellt sich dem Gerhart-HauptmannTradition ist als Vorgang lebendiger Haus, das vor 20 Jahren nicht das tradiÜbermittlung eine höchst dynamische tum, wohl aber den Namen gewechselt Sache. So dass wirkhat, sich »gehäutet« liches Traditionsbehat – um der GegenTradition ist als der wußtsein nur wewärtigkeit willen. Vorgang lebendiger nig zu tun hat mit Die Aufgabe des Übermittlung eine ‚Konservativismus‘. Hauses leitet sich höchst dynamische Es gibt zweifellos aus dem § 96 des Sache.1 Josef Pieper Konservativismen, Bundesver tr iebewelche, im Gegennengesetzes ab und teil, Tradition gerade verhindern – weil es lohnt immer aufs Neue sich dessen sie sich an das zufällige geschichtliche Wortlaut zu – ja, eben zu vergegenwärErscheinungsbild des tradendum klamtigen: »Bund und Länder haben entmern, welches aber vielleicht, wenn sprechend ihrer durch das Grundgesetz überhaupt, nur unter neuen Formen in gegebenen Zuständigkeit das Kulturgut die Zukunft hinübergetragen, ‚überlieder Vertreibungsgebiete in dem Befert‘ werden kann. Es gibt andererseits wusstsein der Vertriebenen und Flüchtzweifellos wirklich sich vollziehende linge, des gesamten deutschen Volkes Tradition, im wahren und großen Sinn, und des Auslandes zu erhalten, Archive, die der unterschiedslos prinzipielle Museen und Bibliotheken zu sichern, Konservativismus der bloßen sogezu ergänzen und auszuwerten sowie nannten ‚Traditionspflege‘ gar nicht Einrichtungen des Kunstschaffens und wahrnimmt – eben weil das traditum der Ausbildung sicherzustellen und zu unter veränderter geschichtlicher Gefördern. […]« stalt dargeboten und auch empfangen Entscheidend für die Arbeit des Hauses wird. Dies aber ist schließlich das Entheute und in Zukunft ist also, alle drei scheidende: dass der überzeitliche Ingenannten Zielgruppen in einer je verhalt und Gehalt durch die Geschlechständlichen Art und Weise anzuspreterfolge hin bewahrt wird.« chen, damit die vom Gesetzgeber geforUnabdingbar sei also die Unterscheiderte Überlieferung stattfinden kann. dung von »Peripherie« und »Kern«. Maßgabe müssen bei der ZukunftsoriDenn »wer immer die wahre Aufgabe entierung der Aufgabenerfüllung des des Tradierens anpackt, der wird sehr Hauses insbesondere das Zahlenverbald gewahr, dass es dabei, sosehr Trahältnis zwischen den Zielgruppen und dition auf Bewahrung zielt, gar nicht ihre generationsbedingt naturgemäß primär aufs Konservieren ankommt, unterschiedlichen Wahrnehmungsgesondern vielmehr auf Verlebendigung, wohnheiten sein. Wer dies ignoriert, Umprägung, Neuformulierung, auf etignoriert den Willen des Gesetzgebers was also, das gar nicht anders zu leisten – der in Demokratien bekanntlich das ist als in der unmittelbaren AnteilnahVolk selbst ist. me an der aktuellen Problematik der In diesem Sinne legen wir Ihnen, liebe Zeit.« Freunde des Gerhart-Hauptmann-HauWem also an lebendiger, zukunftsträchses, unser neues Quartalsprogramm tiger Überlieferung gelegen ist, der tut und die Tätigkeit des Hauses insgesamt gut daran, Piepers luzide Überlegungen ans Herz. Und ein lebendiges Herz eingehend zu erwägen, um daraus prakschlägt immer in der Gegenwart. tische Folgerungen für die äußere Form

Josef Pieper: Tradition in der sich wandelnden Welt, in: Ders.: Tradition als Herausforderung. Aufsätze und Reden, München 1963, S. 11-35; S. 26. Ausführlicher: Josef Pieper: Überlieferung. Begriff und Anspruch, München 1970. 1


03 Vortrag

Vortrag und Buchvorstellung mit Karin Feuerstein-PraSSer

Elisabeth Christine – Preußens unbekannte Königin Es hätte wohl gar nicht der großen meKönigin wieder etwas bekannter zu dialen Aufmerksamkeit bedurft, welche machen – dankenswerterweise mitten ihrem 200. Todestag im Juli 2010 zuteil hinein publiziert in den großen Megeworden ist, um unter Beweis zu steldienrummel, der sich um den 300. Gelen, dass die schöne, jung verstorbene burtstag Friedrichs II. herum abspielt. Luise im kollektiven Gedächtnis der Dies erscheint nicht zuletzt als ein Akt Deutschen noch immer als schlechspäter, allzu später Wiedergutmachung terdings die preußische Königin übergegenüber Elisabeth Christine. Denn haupt rangiert. Fragt man jedoch nach was immer man über die »Größe« anderen Ehefrauen der HoFriedrichs II. als Monarch denhenzollern-Monarchen, so falken mag: Gegenüber seiner len die Antworten wohl in der Frau trat er mit einer KaltherMi, Regel dürftig aus. Dabei waren zigkeit und einem zutiefst ver23.05. alle Könige von Preußen verletzenden Zynismus auf, der 19.15 Uhr heiratet, angefangen von Frieddiesen Aspekt seines Lebens als rich I. (1657-1713) bis hin zu wahrhaft schändlich erscheiWilhelm II. (1859-1941). Ersnen läßt. terer hat sogar zwei Ehefrauen zu preuElisabeth Christine hat sich ihren Mann ßischen Königinnen gemacht (nacheinebenso wenig selbst ausgesucht wie dieander, versteht sich). Vielleicht erinnert ser sich seine Frau. Vielmehr wurden sich die eine oder der andere nach beide miteinander verheiratet; die Enteinigem Überlegen noch an Augusta scheidung über diese fürstliche Ehe war von Sachsen-Weimar-Eisenach (1811bereits gefallen, bevor die beiden sich 1890), die als Gattin König Wilhelms auch nur ein einziges Mal gesehen hatI. (1797-1888) eine auf Gegenseitigkeit ten. König Friedrich Wilhelm I. (1688beruhende Abneigung gegen dessen 1740) betrachtete die 17-jährige Prinlangjährigen Ministerpräsidenten Otto zessin aus dem nicht eben bedeutenden von Bismarck (1815-1898) pflegte und und schon gar nicht vermögenden daher von diesem in seinen vielgeleseHaus der Herzöge von Braunschweignen »Gedanken und Erinnerungen« Bevern als geeignete Frau für seinen wenig schmeichelhaft porträtiert wurdrei Jahre älteren Sohn. Wahrscheinde. Noch schärfer war die Feindschaft lich hoffte er dessen Leben durch die ausgeprägt zwischen Bismarck und Ehe mit der eher unscheinbaren und Augustas Schwiegertochter Victoria schüchternen jungen Frau in ruhigere (1840-1901); der britischen PrinzesBahnen lenken zu können, nachdem sin und Mutter Wilhelms II. Ihr freilich die Unbotmäßigkeit des Thronfolgers waren als Königin von Preußen und in den Jahren zuvor zu einem beinahe deutscher Kaiserin nur etwas mehr als tödlichen Vater-Sohn-Konflikt geführt drei Monate beschieden, da ihr Mann hatte. Die beiden heirateten am 12. Juli Friedrich III. (1831-1888) als bereits 1733. Todkranker den Thron bestieg. Elisabeth Christine freilich tat der preuLuise, Augusta, Victoria, nun gut, die ßische König und nunmehrige Schwiemögen aufbewahrt sein in der Erinnegervater mit der Herbeiführung dieser rung, aber Elisabeth Christine? Wer Ehe am allerwenigsten einen Gefallen. erinnert sich an sie? Dabei hatte sie von Die blutjunge, jedoch dank der gerinallen Hohenzollern-Gattinnen mit Abgen Mittel ihres Elternhauses auf ihre stand am längsten den Rang einer KöRolle an der Seite des bildungsbeflisnigin von Preußen inne, nämlich fast 46 senen Preußen-Prinzen sehr schlecht Jahre lang. Indessen hat ihr Ehemann, vorbereitete Kronprinzessin gab sich König Friedrich II. (1712-1786), schon alle erdenkliche Mühe – ohne je die zu Lebzeiten Elisabeth Christines dafür kalte Abweisung durch Friedrich auch gesorgt, dass so sie weit in den Hinnur ein Stück weit wirklich erweichen tergrund der Wahrnehmung gedrängt zu können. Dass dieser mit seiner Frau, wurde, dass in der Erinnerung an den nachdem Friedrich Wilhelm I. beiden großen Friedrich kaum präsent ist, dass Schloss Rheinsberg als eigenes »Nest« dieser überhaupt verheiratet war. geschenkt hatte, für wenige Jahre ein Mit ihrer unlängst erschienenen Bionach außen hin halbwegs harmonigraphie Elisabeth Christines hat die sches Miteinander inszenierte, war verKölner Historikerin und Autorin Karin mutlich nicht mehr als ein taktisches Feuerstein-Praßer einen wichtigen BeiZugeständnis an den strengen Vater, trag dazu geleistet, diese unglückliche der von seinem künftigen Nachfolger

nicht zuletzt Nachkommen erwartete. Die freilich blieben aus. Und schon die Schwiegermutter – Königin Sophie Dorothea (1687-1757) –, die für ihren Sohn Friedrich sehr viel ehrgeizigere, aber vom König rigoros abgelehnte Heiratspläne verfolgt hatte, machte der unerfahrenen und unbeholfenen Elisabeth Christine das Leben schwer. Friedrichs Schwestern taten ein Übriges. Dem Zeitpunkt, an dem sie selbst Königin werden sollte, der nach dem Tod des ihr freundlich zugewandten Friedrich Wilhelm I. kommen sollte, sah Elisabeth Christine daher wohl eher mit Schrecken entgegen. Dass Friedrich II., nachdem er den Thron bestiegen hatte, sie allerdings mit einem derartigen Maß an Nichtachtung und mangelndem Respekt behandeln würde, hat sie sich vermutlich nicht ausgemalt. Sie bekam ihren Ehemann nur noch dann zu sehen, wenn dieser es bei offiziellen Anlässen gar nicht vermeiden konnte. Auf dem ihr zugewiesenen Wohnsitz, dem damals weit vor den Toren Berlins gelegenen Schloß Schönhausen, kam sie sich wie eine Gefangene vor. Friedrichs Rückzugsort, Schloß Sanssouci, wo er seinen vertrauten Freundeskreis versammelte, hat sie nur zwei Mal sehr kurz gesehen, beide Male in Abwesenheit des Hausherrn. Zu größeren Familienfeierlichkeiten wurde sie meist gar Fortsetzung auf seite 4

Mi, 25.01. 19.00 Uhr


04 Vortrag/Exkursion Fortsetzung von seite 3

nicht geladen; wenn dies einmal anders war, bezeichnete sie Friedrich ungeniert gegenüber Dritten als »ma vieille vache« (meine alte Kuh). Wenig erstaunlich ist, dass die gedemütigte Frau mit dem Älterwerden gegenüber den Angehörigen ihres kleinen Hofstaates ihrerseits manchen nicht leicht zu ertragenden Zug an den Tag legte. Überraschend mag demgegenüber sein, dass sie offenbar ihren Ehemann zeit ihres Lebens liebte und dessen Tod am 17. August 1786 sehr betrauerte. Ihre tiefe Religiosität dürfte ihre wichtigste Lebensstütze gewesen sein. Zwei Hohenzollern haben die Ehre der Männer in der Familie gegenüber der von Friedrich II. so schlecht behandelten Elisabeth Christine gerettet: Ihr puritanisch-strenger Schwiegervater Friedrich Wilhelm I. war ihr, wie schon erwähnt, ehrlich zugetan und schenkte ihr auch offen manches Zeichen dieser Zuneigung. Ihr Neffe, der Nachfolger Friedrichs II. als König von Preußen, Friedrich Wilhelm II. (1744-1797), der dem weiblichen Geschlecht ganz im Unterschied zu seinem Onkel und Vorgänger vielleicht sogar ein bißchen zu sehr zugeneigt war, befreite Elisabeth Christine als Witwe aus der ihr von Friedrich II. zudiktierten Isolation. Seit der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms II. war sie wieder regelmäßiger und gern gesehener Gast im Familienkreis. Das hat ihre letzten Lebensjahre gewiß erhellt. Sie starb am 13. Januar 1797. Karin Feuerstein-Praßer ist studierte Historikerin und war im Schuldienst tätig, bevor sie freie Autorin wurde. Sie hat sich bereits mit mehreren erfolgreichen Büchern als führende Expertin für die FrauWinfrid Halder en im Haus Hohenzollern profiliert.

Sonderführung in der Ausstellung zum 300. Geburtstag König Friedrichs II. von PreuSSen im Oberschlesischen Landesmuseum

300x Friedrich. Preußens großer König und Schlesien Preußens großer König ist derzeit wieder in aller Munde. Sein 300. Geburtstag am 24. Januar 2012 gibt Anlaß dieser außergewöhnlichen historischen Persönlichkeit in verschiedenster Weise zu gedenken. Das Oberschlesische LanOberschlesisches Landesmuseum

x 300 FRIEDRICH 12 9.20 . 6 1 29.1.

Preußens großer König und Schlesien

Ausstellung im Oberschlesischen Landesmuseum Bahnhofstraße 62 | 40883 Ratingen (Hösel)

desmuseum tut dies mit einer großartiwichtigen Wendepunkt darstellte, begen Schau, die auf die Beziehung Friedsteht ebenso wenig Zweifel. richs II. zu Schlesien konzentriert ist. Der Besuch der Ausstellung ist ein Daran, dass Schlesien im Leben FriedMuss für alle, die sich für die Geschichrichs II. zentrale Bedeutung hatte Preußens im allgemeinen und te, kann gar kein Zweifel bestedie Schlesiens im besonderen inhen. Denn sein schon kurz nach Di, teressieren. seiner Thronbesteigung am 31. 17.04. Mai 1740 gefasster Entschluß, 13.00 Uhr Praktische Hinweise: die bisher zur HabsburgermonDie Führung beginnt um 13 Uhr. archie gehörende, reiche Provinz Der Eintrittspreis in Höhe von 3 gewaltsam dem preußischen StaatsverEuro ist von den Teilnehmerinnen und band einzuverleiben, hat im Grunde Teilnehmern selbst zu entrichten. Auch seine gesamte Herrschaft bestimmt. die Anfahrt zum Museum erfolgt eigenDer König hatte wegen Schlesien nicht verantwortlich. Unmittelbar vor dem nur drei Kriege zu führen (1740-42, Museum bestehen Parkmöglichkeiten. 1744/45 und 1756-63), deren letzter Treffpunkt ist um 12 Uhr 55 vor dem ihn und sein Königreich haarscharf Museum. an den Rand des Untergangs brachte. Es besteht auch die Möglichkeit zur Er hatte darüber hinaus die so schwer gemeinsamen Fahrt mit der S-Bahn errungene Provinz auch in sein Herrnach Ratingen-Hösel mit der Linie S 6 schaftsgebiet zu integrieren und nach (Richtung Essen Hbf ). Abfahrt des Zuden Kriegszerstörungen wieder aufzuges um 12 Uhr 10, Gleis 14. Fahrkarten bauen. Diese Aufgaben jedenfalls waren müssen selbst beschafft werden! mit dem Ende des dritten Schlesischen Krieges 1763 noch keineswegs erfüllt. Zur organisatorischen Planung wird Und daran, dass umgekehrt die Erobeeine formlose Anmeldung unter rung durch Friedrich II. für Schlesien 0211/1699114 (Frau Bittenbinder) bis und seine weitere Geschichte einen zum 13. April 2012 erbeten.


05 Vortrag/Exkursion

Eine historische Einführung zur Exkursion nach Berlin mit Dr. Rudolf Alberg und PD Dr. Winfrid Halder

Berlin – Vom Fischerdorf an der Spree zur Reichs- und Bundeshauptstadt

Das Programm Mit unverkennbarem Stolz verkündet die Bundeshauptstadt Berlin auf ihrer offiziellen Internetseite, dass Landesarchäologen vor wenigen Jahren am Petriplatz im hisSo. 13. Mai torischen Stadtzentrum einen Eichenbalken gefunden haben, der auf das Jahr 1183 13:10 Abfahrt Düsseldorf Hbf, Andatiert wird. Damit würde sich das Alter Berlins gegenüber dem bisherigen Forkunft Berlin Hbf 17:55. Mit U-Bahn schungsstand um nicht weniger als 54 Jahre verlängern. Das mag mancher aus der zum Hotel »Best Western Premier Perspektive der nicht selten in die Römerzeit zurückzudatierenden Ursprünge vieler MOA Berlin« (Stephanstr. 41, 10559 rheinischer Städte belächeln. Köln führt bekanntlich seine Gründung ins frühe erste Berlin). ca. 19:00 Gemeinsames nachchristliche Jahrhundert zurück, und wenn man beide Augen zudrückt und KaiAbendessen im Hotel. serswerth für Düsseldorf nimmt, ist letzteres rund 400 Jahre älter als Berlin. Nimmt Mo. 14. Mai man, vorsichtiger und historisch zutreffender, die ersten urkundlichen Erwähnungen 10:00-13:00 Besichtigung und als Grundlage des Altersvergleichs, so liegt Düsseldorf (1159) immerhin noch 85 Erläuterung der historischen ObJahre vor Berlin (1244) … jekte und Schauplätze von der KarlWelcher Altersberechnung auch immer man sich anschließen mag, kein Zweifel beMarx-Allee bis zum Nikolai-Viertel. steht daran, dass Berlin heute die mit Abstand größte deutsche Stadt ist (3.443.570 15:00-18:00 Unter den Linden mit Einwohner [2009]) und vielleicht die einzige wirkliche deutsche Weltstadt – auch Zeughaus, den Hohenzollernpawenn die nur drei anderen deutschen Städte, welche die Millilais´, Neuer Wache, Universität, onengrenze hinter sich gelassen haben, nämlich Hamburg (nicht Hedwigskathedrale,Linden- Oper, Di, ganz 1,8 Millionen Einwohner), München (rund 1,35 Millionen Friedrich-Denkmal u.a. Einwohner) und Köln (das 2010 08.05. zum ersten Mal knapp die MilDi. 15. Mai lionengrenze überschritten hat) 10:00-13:00 Pariser Platz, Brandenbur18.30 Uhr darüber knurren mögen. Der Weg Berlins bis dahin freilich war wechselvoll. So hatte die ger Tor, Adlon, Russische Botschaft, Stadt um 1400 geschätzte 4.000 Einwohner – da umschlossen Wilhelmstraße, Leipziger Straße, die Mauern Kölns zeitgleich in etwa zehn Mal so viele Menschen. Erst seit 1486 war Potsdamer Platz, Holocaust-Mahnmal, Berlin formell Residenzstadt der brandenburgischen Kurfürsten und seither waren Topographie des Terrors. die Geschicke der Stadt bis 1918 von denen der Herrscherfamilie der Hohenzollern 15:00-17:30 Reichstag, evtl. Kuppel schwerlich zu trennen. Sie haben Berlin natürlich auch architektonisch geprägt, was und Plenarsaal, Bundeskanzleramt, bis zum heutigen Tag unübersehbar ist. Dies wird noch augenfälliger werden, wenn 19:30 Gemeinsames Abendessen bei die Rekonstruktion des Stadtschlosses abgeschlossen sein wird (geplant 2019). Lutter&Wegner, Gendarmenmarkt Denn dessen Ursprünge reichen bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts zurück, wobei die Mi. 16. Mai Rekonstruktion allerdings in der Hauptsache auf die Wiedererstehung des im frühen 10:00-13:00 Schloß und Park Charlot18. Jahrhundert vollendeten Barockbaus zielt. tenburg Spätestens seit die Hohenzollern in die erste Riege der Reichsfürsten aufgestiegen 15:55 Rückfahrt von Berlin Hbf, 20:42 waren – im Jahre 1415 wurde Friedrich I. die Kurwürde verliehen – war Berlin auch Ankunft Düsseldorf Schauplatz deutscher Geschichte im allgemeinen, nicht mehr nur der brandenburLeistungen: Hin-und Rückfahrt mit gischen Historie im besonderen. Im Jahre 1701 machte wiederum ein Friedrich aus der DB 2.Klasse, 3 Übernachtungen im dem Hause Hohenzollern Berlin zur königlichen Residenz. Da erreichte die Stadt 4-Sterne-Hotel mit Frühstück »Best noch keine 60.000 Einwohner. Als etwas mehr als hundert Jahre später der franzöWestern Premier MOA Berlin« (Stesische Kaiser Napoleon I. – wenige Tage nach der Niederlaphanstr. 41, 10559 ge der preußischen Armee bei Jena und Auerstedt – am 27. In Zusammenarbeit mit Berlin [Moabit])., Oktober 1806 als Sieger in die Hauptstadt Preußens einzog, Eintrittsgelder, Fahrdem Freundeskreis des ten gab es etwa 150.000 Berliner. Erst die einsetzende Industrimit öffentlichen Historischen Seminars Verkehrsmitteln, alisierung sprengte dann um die Mitte des 19. Jahrhunderts alle bis dahin bekannten Grenzen städtischen Wachstums: der Heinrich-Heine-Uni- fachkundige FührunEnde 1849 lebten in Berlin nicht ganz 424.000 Menschen. gen. versität Düsseldorf Als Berlin im Jahre 1871 Hauptstadt des gerade gegründeDer Teilnehmerpreis ten Deutschen Reiches wurde, also nur etwa zwei Jahrzehnte beträgt im EZ 480,später, waren es nicht ganz doppelt so viele. Und noch bevor die 1870er Jahre zuende €, im DZ 440,- €, für Studenten im DZ gingen, überschritt die Einwohnerzahl Berlins die Millionengrenze (1877). 1913, am 240,- €. Vorabend des Ersten Weltkrieges, war die Zwei-Millionen-Schwelle längst erreicht. Anmeldung: erfolgt telefonisch oder Als kurz nach der Gründung der ersten deutschen Republik – ausgerufen am 9. Noper E-mail bei Dr. Egbert Gritz mit vember 1918 natürlich in Berlin – »Groß-Berlin« durch die Eingemeindung zahlÜberweisung des Teilnehmerbetrages reicher bisher umliegender Städte als Verwaltungsgebilde geschaffen wurde, machte auf das Vereinskonto des Vereins die Berliner Gesamtbevölkerung einen Satz auf fast 3,9 Millionen Menschen. Der Historisches Seminar III, Lehrstuhl für Höchststand von nicht ganz 4,5 Millionen Einwohnern (Ende 1942) wurde freilich Alte Geschichte Universitätsstraße 1, 40225 Düsseldorf bis heute nicht wieder erreicht. Kontakt: Dr. Egbert Gritz, Telefon: Der Abend zeichnet – neben der skizzierten Größenentwicklung der Stadt – natür0211/70 65 37, E-Mail: egritz@t-onlich auch die wichtigsten politischen Entwicklungslinien in der Geschichte Berlins line.de Bankverbindung: SK Düsselvon den Anfängen bis heute nach. Er dient zur Vorbereitung der folgenden Studiendorf, Konto-Nr.: 30033385, BLZ 300 fahrt nach Berlin. Eingeladen sind dazu aber auch herzlich alle jene, die sich für die 501 10 Geschichte Berlins interessieren, ohne an der Reise teilzunehmen. Winfrid Halder


06 Vortrag

Vortrag von Prof. Dr. Manfred Kittel (Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung Berlin)

Das »Sichtbare Zeichen« nimmt Gestalt an – Stand und Perspektiven der Tätigkeit der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin Die Geschichte des »Sichtbaren Zeigesellschaftlichen wie historischen Aufchens« umfasst, wenn man so will, bearbeitung von Zwangsmigration, Flucht reits mehr als ein Jahrzehnt. Denn der und Vertreibung. Wir wollen im Geiste Beschluß des Präsidiums des Bundes der Versöhnung auch in Berlin ein sichtder Vertriebenen zur Schaffung eines bares Zeichen setzen, um […] an das »Zentrums gegen Vertreibungen« Unrecht von Vertreibungen zu erinnern (ZgV) vom März 1999 kann und Vertreibung für immer zu auch als Ausgangspunkt seiner ächten.« Geschichte angesehen werde. Do, Damit war auch eine EntscheiDurch diesen Beschluß und die 31.05. dung in der umstrittenen Standfolgenden Entwicklungsetappen ortfrage gefallen, denn die Bundes ZgV nämlich wurde die er- 19.15 Uhr deshauptstadt Berlin war nun innerungspolitische Debatte um ausdrücklich genannt. Es dauerte den Umgang mit dem Thema Flucht dennoch wiederum weitere drei Jahre, und Vertreibung in Deutschland und in bis – neuerlich begleitet von kontroverschiedenen unserer Nachbarländer versen öffentlichen Debatten – im Demassiv verstärkt. Unverdrossen durch zember 2008 der Deutsche Bundestag Kritik von vielen Seiten setzte BdVdem vagen Begriff des »Sichtbaren Präsidentin Erika Steinbach – damals Zeichens« Kontur verlieh und mit den noch gemeinsam mit dem inzwischen Stimmen der Großen Koalition die geverstorbenen SPD-Politiker Peter Glotz setzliche Grundlage zur Schaffung der – im September 2000 die Gründung Bundesstiftung »Flucht, Vertreibung, der »Stiftung Zentrum gegen VertreiVersöhnung« (SFVV) beschloß. Dabungen« durch. mit war neben Seither wurde In Zusammenarbeit mit dem die weiterhin i n s b e s o n d e re existierende um den ange- Landesverband Nordrhein- Stiftung Zentmessenen Ort Westfalen des Bundes der rum gegen VerVertriebenen für eine derartreibungen eine tige Einrichweitere Institutung gestritten und auch darüber, wie tion getreten; beide werden zuweilen sie finanziert werden könnte – und, noch immer miteinander verwechselt. wichtiger noch, welche institutionelle Als künftiges Ausstellungs-Gebäude Konstruktion zugrundegelegt werden der Stiftung Flucht, Vertreibung, Verkönnte, wodurch die Machtverhältnisse söhnung wurde schon frühzeitig das und damit die inhaltliche Ausrichtung allerdings stark renovierungsbedürftige bestimmt werden würden. Dass dies im »Deutschlandhaus« in Berlin-KreuzFalle eines seit jeher und immer noch berg ins Auge gefaßt. kontrovers diskutierten Themas wie Mit der Ernennung von Prof. Dr. ManFlucht und Vertreibung aus dem histofred Kittel zum Direktor der SFVV im rischen deutschen Osten am Ende des Sommer 2009 konnte die eigentliche Zweiten Weltkrieges eine zentrale Rolle Aufbauarbeit beginnen. Prof. Kittel war spielen würde, lag auf der Hand. vor seiner Berufung zum SFVV-GrünSpätestens seit 2002 beschäftigte sich auch der Deutsche Bundestag mit der Frage der Schaffung einer derartigen Einrichtung. Die damalige rot-grüne Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder nahm indessen eine distanzierte Haltung ein. Zugleich wurde über mögliche europäische Verbundlösungen diskutiert. Erst nach dem Regierungswechsel im November 2005 und der Bildung der von einer großen Koalition aus CDU/CSU und SPD getragenen Regierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde eine weitere Etappe erreicht. Denn im vorausgehenden Koalitionsvertrag hieß es: »Die Koalition bekennt sich zur

Prof. Dr. Manfred Kittel

dungsdirektor längere Zeit am renommierten Münchner Institut für Zeitgeschichte tätig und lehrte Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Regensburg. Der 1962 in Mittelfranken geborene Kittel hat Geschichte und Politikwissenschaft in Erlangen und München studiert. In unserem Haus ist er spätestens seit der Vorstellung seines Buches »Vertreibung der Vertriebenen? Der historische deutsche Osten in der Erinnerungskultur der Bundesrepublik (1961-1982)« (2007) bekannt. Prof. Kittel wird in seinem Vortrag die Entwicklung der von ihm geleiteten Bundesstiftung erläutern. Der Schwerpunkt wird dabei auf dem Stand und den Perspektiven der bisherigen konzeptionellen Arbeit für die künftige Dauerausstellung im Deutschlandhaus – dessen bauliche Neugestaltung Ende 2011 beschlossen wurde – liegen. Winfrid Halder


07 Vortrag

Vortrag von Dr. Petr Koura (Prag)

Das Grauen. Die brutale Vernichtung Lidices vor 70 Jahren

Brejcha, Josef, Jahrgang 1937, Bulina, wirkte also auf dem 1939 besetzten Josef, Jahrgang 1930, Bulinova, Anna, Gebiet der von den NationalsozialisJahrgang 1928, Bulinova, Jaroslava, ten zerschlagenen Tschechoslowakei. Jahrgang 1931, … so geht es weiter bis Heydrich, zuletzt SS-ObergruppenZid, Ivan, Jahrgang 1934. Die Namen führer, hatte den Unterdrückungs- und von 82 Kindern im Alter von zwei bis Verfolgungsapparat des NS-Regimes vierzehn Jahren – Kinder, die aus Liin Deutschland von 1933 an maßgebdice stammten. Bis heute kennt lich mitaufgebaut, und war seit niemand mit letzter Gewißheit 1939 Chef des Reichssicherihr Schicksal. Die Spur der 82 Di, heitshauptamtes, der Zentrale kleinen Menschen verliert sich 05.06. des Terrors in Berlin. Wenige mit der »Abgabemeldung« eines 19.15 Uhr Monate vor dem Attentat hatSammellagers im damals deutsch te Heydrich die »Wannseebesetzten Lodz vom 3. Juli 1942. Konferenz« geleitet, von der Lange galt als sicher, dass die Kinder ein wesentlicher Impuls zu Ausweitung kurz danach im Vernichtungslager und Systematisierung des nationalsoziChelmno (Kulmhof ) ermordet wuralistischen Völkermords im besetzten den. Vielleicht haben sie länger gelebt, Europa ausging. zwei Berliner Studenten fanden dafür Heydrich wurde bei dem Attentat zuvor einigen Jahren Indizien – zurücknächst nur verletzt, starb aber am 4. Juni gekehrt zu ihren Angehörigen, soweit 1942 an dessen Folgen. Dem Anschlag diese noch am Leben waren, sind sie folgte eine beispiellose Gewaltwelle der jedenfalls nie. Für diese Überlebenden Verfolgungsorgane des NS-Regimes. mag die Ungewißheit quälender geweDiese traf auch Lidice, da von deutscher sen sein, als das sichere Wissen um den Seite angenommen wurde, die AttentäTod. ter seien von dort aus unterstützt worKeine Ungewißheit bestand hinsichtden – zu Unrecht, wie sich herausstelllich des Schicksals der Großväter, Väte. Außer den ter und älteren Brüder der Kinder von Opfern in LiLidice. Die männlichen Bewohner des dice wurden Ortes unweit von Prag sind, waren sie in kürzester 15 Jahre oder älter, an jenem 10. Juni Zeit mehr als 1942 von Angehörigen der SS, des SD, 2.000 weitere der Geheimen Staatspolizei und der Menschen Schutzpolizei sofort ermordet worden, mit und ohne 173 an der Zahl. Die erwachsenen Urteile durch Frauen des Ortes, darunter natürlich »So n d e rg e auch die Mütter der Kinder, sind in richte« erdas Konzentrationslager Ravensbrück mordet. deportiert worden. Dort ging bis zum Schon 1945, Kriegsende mehr als ein Viertel von ihunmittel bar nen zugrunde, nur 143 gelangten nach nach der Wiedem Untergang des NS-Regimes wiedergründung der in Freiheit. Wirklich zurück in ihren der TscheHeimatort konnten sie indessen nicht choslowakei, mehr. Denn den gab es nicht mehr, da begannen die die deutschen Verfolgungsorgane ihn Bemühungen buchstäblich dem Erdboden gleichgezur Schaffung macht hatten. einer GeDas Grauen, das am 9. Juni 1942 über denkstätte für das 500-Seelen-Dorf Lidice hereindas Verbrebrach, beruhte auf nackter Willkür und chen von Liblinder Rache. Am 27. Mai 1942 hatten dice. Der Ort tschechische Widerstandskämpfer, die selbst wurde vom britischen Geheimdienst unternicht wieder stützt wurden, in Prag ein Attentat auf aufgebaut. Reinhard Heydrich verübt. Heydrich Am Rande fungierte seit dem September 1941 als des früheren stellvertretender »Reichsstatthalter im Gebietes von Protektorat Böhmen und Mähren«, Lidice befin-

det sich eine Gedenk- und Begegnungsstätte, die seit der Jahrtausendwende umfassend modernisiert wurde. Der Referent des Abends, der Prager Historiker Dr. Petr Koura, wird die neuesten Erkenntnisse zur Geschichte Lidices und zu den Voraussetzungen und Folgen des Attentats auf Heydrich zusammenfassen und ihre Bedeutung für die jüngere Erinnerungskultur in Tschechien darlegen. Er ist einer der führenden tschechischen Experten für die Geschichte des »Protektorates Böhmen und Mähren«. Er war Stipendiat des Collegium Bohemicum in Ŭsti n. L. und für das Institut für Zeitgeschichte der Tschechischen Republik tätig. Winfrid Halder

In Zusammenarbeit mit dem Tschechischen Zentrum Düsseldorf


08 Vortrag Do, 17.11. 19.15 Uhr

Vortrag von Prof. Dr. Bernd Faulenbach (Ruhr-Universität Bochum)

Preußens Ende. Der »Preußenschlag« vom 20. Juli 1932

Äußerlich betrachtet lässt sich das Ende Geschichte Preußens seit 1871 ziemdes preußischen Staates scheinbar lich einsilbig. Und nicht von ungefähr genau datieren: Mit der Verkündung raunzte Wilhelm I. am Vorabend jenes und dem gleichzeitigen Inkrafttreten geschichtsträchtigen 18. Januar 1871 des Kontrollratsgesetzes Nr. 46 vom den von ihm berufenen preußischen 25. Februar 1947 erklärten die vier Ministerpräsidenten und Architekten Besatzungsmächte in einer zu diesem der Reichsgründung, Otto von BisZeitpunkt bereits selten gewormarck, an: »Morgen ist der denen Eintracht den Staat Preuunglücklichste Tag meines LeDi, ßen, seine Zentralregierung bens. Da tragen wir das preußi19.06. sowie alle nachgeordneten Besche Königtum zu Grabe. Und hörden für aufgelöst. Zugleich daran sind Sie, Graf Bismarck, 19.15 Uhr wurde eine Neugliederung des schuld!« bisherigen preußischen TerritoImmerhin: Daran, dass Preuriums verkündet. Unterzeichnet ist das ßen als Verwaltungsgebilde über 1871 Gesetz von den Oberbefehlshabern der hinaus Bestand hatte, ist kein Zweifel. Besatzungszonen, nämlich von MarUnd dieser Fortbestand ist auch unbeschall Wassili D. Sokolowski (Sowjetstritten für die Zeit nach der Ausrufung union) sowie den Generälen Pierre Koder Republik und der Abdankung Wilenig (Frankreich), Brian H. Robertson helms II., des letzten Königs von Preu(Großbritannien) sowie Lucius D. Clay ßen, im November 1918. In Preußen (USA). Sie unternahmen diesen Schritt übernahmen nun Sozialdemokraten im Auftrag ihrer Regierungen kraft der für mehr als ein Jahrzehnt die Federim Juni 1945 – fast genau vier Wochen führung der Politik, allen voran der nach der bedingungslosen Kapitulation Königsberger Otto Braun. Braun, aber der Wehrmacht – von den Siegermächauch andere führende sozialdemokratiten förmlich übernommenen obersten sche Politiker wie etwa Friedrich Ebert, Regierungsgewalt in Deutschland. wehrten gegen den preußischen StaatsKenner der Materie haben diesen Akt verband gerichtete Auflösungsbestreallerdings drastisch als »Leichenschändung« bezeichnet – denn Preußen war bereits tot, seine staatliche Eigenexistenz vernichtet. Nach wie vor herrscht allerdings keine Einigkeit über das eigentliche »Sterbedatum«. Mit einigem Recht ist etwa der 18. Januar 1871 angeführt worden, also genau jener Tag, an welchem im französischen Königsschloss zu Versailles der preußische König Wilhelm I. zum deutschen Kaiser proklamiert wurde und der seitdem als Gründungstag des Deutschen Reiches gilt. Tatsächlich ist es seither schwierig geworden, eine eigenständige preußische Politik zu identifizieren. bungen 1918/19 energisch ab. Seither Zwar beließ die wenige Monate später formierten sie – mit Unterstützung vor verabschiedete Reichsverfassung wichallem der zweitstärksten politischen tige Rechte bei den Bundesstaaten des Kraft in Preußen, der Zentrumspartei Reiches – vor allem im Bereich von Bil– das Land zum »Bollwerk der Demodung und Kultur – dennoch verschokratie«. ben sich die Gewichte eindeutig zum Dass dieses Bollwerk – das seit 1920 Reich hin. Bezeichnenderweise werden mit nur zwei sehr kurzen Unterbredie einschlägigen Standardwerke zur chungen von Otto Braun als Minister-

präsident regiert wurde – den demokratiefeindlichen politischen Extremen von rechts und links ein Dorn im Auge war, versteht sich von selbst. Die antidemokratischen Aktionen verschärften sich zunächst vor allem im Zeichen der Weltwirtschaftskrise seit Ende 1929 auf den Straßen. In zahlreichen preußischen Kommunen kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, aber auch zu Angriffen auf die Polizei, in der die sozialdemokratischen Innenminister Carl Severing und Albert Grzesinski eine demokratiefreundliche Personalpolitik betrieben hatten. Die Regierung Braun wurde allerdings erheblich geschwächt, als mit der Landtagswahl vom 24. April 1932 die bisherige Mehrheit der Regierungskoalition aus SPD, Zentrum und linksliberaler DDP verloren ging. Die NSDAP konnte dagegen im Vergleich zur vorangehenden Landtagswahl vom Mai 1928 einen gewaltigen Stimmengewinn von fast 35 Prozent erzielen und stellte seither die stärkste Fraktion weit vor den Sozialdemokraten. In Anbetracht der Unmöglichkeit einer parlamentarischen Mehrheitsf indung blieb die Regierung Braun geschäftsführend im Amt. Bald darauf wurde jedoch auf Reichsebene das sogenannte zweite Präsidialkabinett installiert. Der weit rechts stehende, ehemalige Zentrumsparlamentarier Franz von Papen wurde am 1. Juni 1932 von Reichspräsident Paul von Hindenburg anstelle von Heinrich Brüning zum Reichskanzler berufen. Eines der ersten Projekte Papens war die Beseitigung der Regierung Braun. Mit Hilfe einer auf dem problematischen Artikel 48 der Weimarer Reichsverfassung beruhenden Verordnung, die Papen bei Hindenburg erwirkte, wurde das Kabinett Braun am 20. Juli 1932 für abgesetzt erklärt. Zugleich wurde Papen selbst als »Reichskommissar« für Preußen installiert. Die Absetzung der Regierung Braun in


09 Vortrag dieser Form – die bald als »Preußenschlag« bezeichnet wurde – war verfassungswidrig, soweit besteht Klarheit. Gestritten wurde damals und weit darüber hinaus insbesondere über die Reaktionen auf das von Hindenburg sanktionierte Vorgehen Papens. Der Vortrag richtet sich nicht zuletzt auf diese Folgewirkungen des »Preußenschlages« und ihre umstrittene Bewertung. Klar ist allerdings auch, dass der 20. Juli 1932 mit Fug und Recht als eigentliches Todesdatum Preußens betrachtet werden kann. Denn seither gab es keine eigenständige preußische Regierung mehr, vielmehr wurde Preußen nunmehr endgültig durch die Reichsregierung mitregiert. Papen als Reichskanzler und zugleich Reichskommissar für Preußen folgte im Dezember 1932 Kurt von Schleicher, der ebenfalls an der Spitze eines nicht demokratisch legitimierten Präsidialkabinetts stand. Als Hindenburg am 30. Januar 1933 Hitler zum Reichskanzler und Franz von Papen zum Vizekanzler berief, wurde letzterer erneut Reichskommissar für Preußen. Am 10. April 1933 jedoch ernannte Hitler Hermann Göring zum preußischen Ministerpräsidenten (wiederum in verfassungswidriger Weise). Förmlich behielt Göring dieses Amt bis zum Zusammenbruch NS-Deutschlands im Frühjahr 1945. Doch Preußen spielte längst keine Rolle mehr. Die »Gleichschaltung« der Länder, das heißt die Beseitigung jeglicher politischer Eigenständigkeit zugunsten der Kompetenzerweiterung der Reichsregierung, begann sofort nach der Installierung der Regierung Hitler. Das sogenannte »Gesetz über den Neuaufbau des Reiches« vom 30. Januar 1934 schloß diesen Prozeß lediglich ab. Die eigentlichen Totengräber Preußens waren also Hindenburg und Papen und dann Hitler und Göring. Prof. Dr. Bernd Faulenbach war bis 2007 stellvertretender Direktor des Forschungsinstituts Arbeit, Bildung, Partizipation an der Ruhr-Universität Bochum. Er lehrt seit vielen Jahren an dieser Hochschule Neuere und Neueste Geschichte sowie Zeitgeschichte und ist durch eine Vielzahl von Veröffentlichungen als Experte vor allem für die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts ausgewiesen. Er hat in verschiedenen Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages mitgewirkt und zahlreiche Beratungsfunktionen bei Museen und anderen wissenschaftlichen Institutionen wahrgenommen. Bernd Faulenbach ist darüber hinaus Vertrauensdozent bei der FriedrichEbert-Stiftung sowie Vorsitzender der Historischen Kommission beim ParteiWinfrid Halder vorstand der SPD.

Vortrag von Prof. Dr. Matthias Stickler, Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Der »böse Mann« und die Folgen. Böhmen und Mähren in der Habsburgermonarchie nach dem Verlust Schlesiens Für Maria Theresia war er einfach der »böse Mann« aus Potsdam. Die Habsburgerin hatte auch wahrhaft gute Gründe für ihre abgrundtiefe Abneigung gegen den preußischen König Friedrich II. Sie hatte es nämlich ohnehin schwer, als sie die Nachfolge ihres im Oktober 1740 verstorbenen Vaters, Kaiser Karls VI., antreten musste. Es war nämlich keineswegs sicher, dass es ihr gelingen würde, die gewaltige, aber heterogene Ländermasse des zuvor über mehrere Jahrhunderte hinweg angesammelten habsburgischen Herrschaftsbereichs zusammenzuhalten. Denn sie war »nur eine Frau« – und daher stand ihr Erbanspruch für die habsburgischen Ländereien auf schwachen Füßen. Karl VI. hatte sich zuvor jahrzehntelang bemüht, der ältesten seiner drei Töchter die Nachfolge zu sichern – nachdem sein einziger Sohn bereits kurz nach der Geburt gestorben war. Ein nach dem habsburgischen Hausgesetz unstrittig voll erbberechtigter männlicher Nachkomme war ihm also versagt geblieben, dennoch wollte er unbedingt verhindern, dass der habsburgische Besitz nach seinem Tod zerstückelt werden würde. Daher bemühDo te er sich um die Anerkennung des vollen Erbanspruchs Maria 21.06. Theresias. Die »Pragmatische Sanktion«, die das habsburgische 19.00 Uhr Hausgesetz entsprechend änderte, entstand bereits 1713 – noch bevor Maria Theresia überhaupt geboren war. Ihr Wert war jedoch nur begrenzt, solange nicht andere potentiell Erbberechtigte sie als gültig akzeptierten – und die habsburgische Verwandtschaft war groß in den anderen europäischen Herrscherhäusern. Hatten doch gerade die Habsburger über Generationen hinweg schlechterdings das Musterbeispiel erfolgreicher dynastischer Heiratspolitik geliefert. Eine große Verwandtschaft ist eine schöne Sache, allein sie bringt auch viele Begehrlichkeiten mit sich, sobald es etwas zu erben gibt. Und es gab etwas zu erben, als Karl VI. mit gerade 55 Jahren starb. Das mag nebenstehende Karte (Europa 1721) verdeutlichen. Maria Theresia war im Oktober 1740 23 Jahre jung, aber bereits seit mehr als vier Jahren mit Franz Stephan von Lothringen verheiratet und Mutter dreier Kinder. Als sie die Herrschaft antrat, war sie neuerlich im vierten Monat schwanger. Und diejenigen, die ihr Erbe streitig machen wollten, ließen ihr nicht lange Zeit, um ihren Vater zu trauern. Allen voran glaubten der bayerische Kurfürst Karl Albrecht und der sächsische Kurfürst Friedrich August II. (zugleich als August III. König von Polen) ihre Ansprüche anmelden zu müssen. Diese beiden waren immerhin mit Frauen aus dem Hause Habsburg verheiratet – weitaus dreister war der angebliche Erbanspruch, den ein weiterer Kurfürst geltend machte. Nämlich der Fortsetzung auf seite 10


10 Vortrag Fortsetzung von seite 9

zurückzuerobern ihr – der vielleicht Kurfürst von Brandenburg Friedrich II., größte politische Schmerz ihres Lebens zugleich preußischer König. – nie gelang. Obwohl sie ihre Armee Mit dem militärischen Einmarsch in die deswegen in drei Kriege ziehen ließ, die habsburgische Provinz Schlesien am 16. jedes Mal blutiger wurden. Dezember 1740 strebte Friedrich II. – Durch den Verlust Schlesiens (abgeseinen eigenen Worten zufolge – nach sehen von einem kleinen Rest) wurdem »Rendezvous mit dem Ruhm«. den ein Teil Böhmens und vor allem Dazu brauchte er nicht wirklich irMähren unversehens Grenzland in der gendwelche stichhaltigen erbrechtliHabsburgermonarchie. Mit dem ungechen Gründe – die vorgeschobenen liebten Nachbarn Preußen stand man waren, an den Haaren herbeigezogen, auch nach dem Ende der kriegerischen das wusste Friedrich A us e i nan d er s e tselbst am besten. In Zusammenarbeit mit zungen 1763 noch Wie wenig es ihm in einem permadem Tschechischen um die Erfüllung anSpannungsZentrum Düsseldorf nenten geblicher Ansprüche verhältnis. Auch zu tun war, zeigt der dies trug dazu bei, Umstand, dass er den Ablauf des von dass die Wiener Politik bestrebt war, die ihm selbst an Maria Theresia gestellten alten Kronländer Böhmen und MähUltimatums zur Abtretung Schlesiens ren zu stabilisieren und an die neue nicht einmal abwartete, sondern seiner Grenzsituation anzupassen. Zugleich Armee schon zuvor den Marschbefehl mußte man auf die Reformpolitik, die erteilte. Friedrich II. in seiner neuen Provinz Für Maria Theresia war er eben seitSchlesien betrieb, reagieren. Denn auch her der »böse Mann«, der ihr wider die ökonomische Bedeutung Böhmens alles Recht Schlesien geraubt hatte, das und Mährens für den habsburgischen

Herrschaftsbereich war nach dem Wegfall Schlesien stark angestiegen. Umso größer war das Interesse an der Schaffung effizienter Verwaltungsstrukturen. Der Vortrag von Prof. Dr. Matthias Stickler beschäftigt sich mit den Folgen der Auseinandersetzungen um Schlesien – und richtet den Blick gewissermaßen auf die andere Seite der neuen Grenze entlang des Sudetenkamms. Prof. Stickler ist ein herausragender Experte für die Geschichte der Habsburgermonarchie, wozu er eine Vielzahl von Publikationen vorgelegt hat. Daneben ist er auch Fachmann für das Thema Flucht und Vertreibung sowie den geschichtspolitischen Umgang damit. Er gehört seit 2009 dem Wissenschaftlichen Beraterkreis der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin an. Beinahe zeitgleich wurde er zum Außerordentlichen Professor an der Universität Würzburg ernannt. In unserem Haus ist Matthias Stickler schon durch mehrere Vorträge als lebendiger und höchst beschlagener Referent bekannt. Winfrid Halder

Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Born

Gerhart Hauptmanns »Bahnwärter Thiel« – Im Spannungsfeld von Gewalten Hauptmanns Erzählung erschien erstmals 1888 in der Zeitschrift »Die Gesellschaft«mit dem Untertitel: »Eine novellistische Studie aus dem märkischen Mo, Kiefernforst.« Sie ge- 25.06. hört zu den herausragenden und zu Recht 19.15 Uhr meistgelesenen Prosadichtungen dieses Autors. Der Vortrag nimmt die Bildsprache des damals sechsundzwanzigjährigen Autors in den Blick. Dabei zeigt sich, dass diese Dichtung in vielem den Grundsätzen des Naturalismus folgt; sie weist jedoch in manchen Zügen – Kennzeichen des großen, von literarischen Programmen unabhängig schaffenden Künstlers –über den Naturalismus hinaus. Der Gehalt dieser packenden Erzählung wird aus ihrer eindringlichen Bildsprache heraus interpretiert: Denn die Bewegungen im Innern der Hauptfigur haben ihre Entsprechungen in der sie umgebenden Natur, in den wechselnden Bildern des märkischen Kiefernforsts.

»Gefesselt« ist Thiel nämlich nicht nur – durch die triebhaft-vitalen Kräfte seiner Natur – an Lene, seine zweite Frau; seine Spiritualität bleibt beschränkt auf die einsamen Stunden in seiner Bahnwärterbude, (die er dem Andenken seiner ersten Frau widmet). »Gefesselt« ist Thiel auch – durch seinen Beruf als Streckenwärter – an die vom Autor deutlich als Gewalt charakterisierte Welt der Technik, konkret: die mit der Pünktlichkeit eines Uhrwerks über seine Strecke jagenden Züge. Die Bildsprache dieser Dichtung kennzeichnet, schon zwölf Jahre vor der Jahrhundertwende, die unaufhaltsame Bedrohung des Menschen durch die Technik. Diesem Aspekt der novellistischen Studie widmet der Vortrag seine besondere Aufmerksamkeit. Jürgen Born, em. Professor der Bergischen Universität Wuppertal. Studium der Anglistik und Germanistik an der Freien Universität Berlin, an der Harvard University (M. A. 1955) und an der Northwestern University (Ph. D. 1963). Lehrtätigkeit an der University

of Massachusetts, dann an der Bergischen Universität, Wuppertal (Allgemeine Literaturwissenschaft und Neuere deutsche Literaturgeschichte). Jürgen Born


11 Lesung

Rezitationsabend mit Dr. Hajo Buch

3,7 Millionen – Gerhart Hauptmanns Erzählung »Bahnwärter Thiel« Wer kennt sie nicht, die gelben – oder wohl auch in Köpfe gelangt. noch früher – die bräunlichen kleiAllein seit 1948 jedenfalls hat der Renen Bände, die unverkennbar aus der clam-Verlag (zeitweilig einer deutsch»Universal-Bibliothek« des Reclamdeutschen Teilung unterliegend) rund Verlages stammen? Wer hat nicht einst 35 Millionen Exemplare der Univerwenigstens eines davon im Schulransal-Bibliothek produziert und verzen durch die Gegend getragen und im kauft. Käme man auf den Gedanken, Deutschunterricht hastig durchaus der Anzahl der in Umlauf geblättert, um noch irgendein gekommenen Bände auf den halbwegs zur im Raum schweDi, Bekanntheitsgrad der Texte zu benden Lehrerfrage passendes 26.06. schließen, ergäbe sich folgendes Stichwort aufzuklauben? Oder: 19.15 Uhr Bild: Die Nummer 12 der noch Wer hat gar eines gelesen? immer ordentlich durchnumeTheoretisch zumindest müssten rierten Universal-Bände, nämdiese Frage sehr viele Menschen lich Friedrich Schillers Drama »Wilbejahen können. Die »Universal-Bibhelm Tell« hat Goethes unverändert liothek« geht auf eine Idee zurück, die die Nummer 1 tragendem »Faust« den der Leipziger Buchhändler und Verleger Rang abgelaufen – 5,4 Millionen stehen Philipp Anton Reclam (1807-1896) in »nur« 4,9 Millionen Exemplaren geden 1860er Jahren hatte: Reclam wollgenüber. Der am weitesten verbreitete te die Texte der »Klassiker« der deutschen Literatur einem breiten Publikum zugänglich machen, einem Publikum, von dem sich der größte Teil die schönen, aufwendig gedruckten und kostbar gebundenen Ausgaben, die es bislang gab, niemals würde leisten können. Reclam erfand somit die Vorform des heutigen Taschenbuchs: Klein im Format, einfach in der Ausstattung, aber groß im Inhalt. Bezeichnenderweise war das erste »Heft« der Universal-Bibliothek Johann Wolfgang von Goethes »Faust I« (1867) – es kostete gerade zwei Silbergroschen, später betrug der Preis pro Heft jahrzehntelang 20 Pfennig. Reclam also war es, der Goethe, Schiller & Co. buchstäblich zu Auflagenmillionären machte – wovon sie selbst allerdings nichts mehr hatten, denn das zugrundeliegende Geschäftsprinzip bestand darin, nur die Werke solcher Autoren zu drucken, die nach dem gelProsa-Text stammt von Gottfried Keller tenden Urheberrecht lange genug tot – »Kleider machen Leute« (Universalwaren, dass keine Tantiemen mehr fällig Bibliothek Nr. 7470) und ist bei Rewurden. In ungezählte wenig begüterte clam 4,4 Millionen Mal gedruckt worHaushalte hielten die optisch unspekden. Und siehe da: Gleich dahinter, an takulären, aber gehaltreichen Bände Platz 6 der Reclam-Hitliste, rangiert ein Einzug. Und die optimale Schullektüre Text des schlesischen Nobelpreisträwurden sie auch: Das Argument, der gers Gerhart Hauptmann. Von Hauptverordnete Kauf eines Reclam-Bändmanns Novelle »Bahnwärter Thiel« chens sei ihnen finanziell nicht zuzu– Nummer 6617 in der Universalbiblimuten, vermochten nur wenige Schüothek – wurden 3,7 Millionen Exemplerinnen und Schüler ihren Lehrkräften lare hergestellt. Sie zählt – 1888 zuerst plausibel zu machen. Schon gar nicht erschienen – zum Frühwerk Gerhart zu Zeiten, da das Gymnasium noch die Hauptmanns, der erst 26 Jahre alt war, schulgeldbewehrte Domäne des stanals sie im Jahr vor dem Erscheinen entdesstolzen Bildungsbürgertums war. So stand. Nur kurz nachdem »Bahnwärter sind die im materiellen Sinne wohlfeiThiel« erstmals publiziert worden war, len Klassiker massenhaft in Tornistern ging die Uraufführung von Gerhart gelandet und manchmal ist ihr Inhalt

Hauptmanns erstem Drama »Vor Sonnenaufgang« im Berliner Lessing-Theater über die Bühne (20. Oktober 1889). Hauptmanns drastische Darstellungsweise und Sprache, die auch im »Bahnwärter Thiel« zu spüren ist, führte zu einem Theaterskandal, der den jungen, bis dahin nahezu unbekannten Autor schlagartig bekannt machte. Der »Naturalismus« begann seinen Siegeszug. Und Hauptmann machte sich auf den Weg zum Literaturnobelpreis, auf den er allerdings noch 23 Jahre warten mußte (auch weil es ihn vor 1901 gar nicht gab, versteht sich). Alle diejenigen, die ihre Erinnerungen an den »Bahnwärter Thiel« auffrischen wollen – oder diejenigen, die den Text endlich einmal (ganz) kennenlernen wollen, sind herzlich zur Lesung mit

Dr. Hajo Buch eingeladen. Hajo Buch ist den Gästen unseres Hauses als wirkungsvoller und einfühlsamer Rezitator bestens bekannt. Er hat – seitdem er nicht mehr am Mettmanner HeinrichHeine-Gymnasium Direktor und Lehrer ist – seine alte Leidenschaft für das Vortragen literarischer Texte perfektioniert – zum Nutzen und zur Freude ungezählter Zuhörer. Viele werde sich gerne seiner eindrucksvollen Lesung von Heinrich von Kleists »Michael Kohlhaas« im vergangen Jahr erinnern. Und eine Besonderheit: Die Person, welche die älteste Reclam-Ausgabe des »Bahnwärter Thiel« zur Lesung mitbringt, erhält einen kleinen Preis! Winfrid Halder


12 Ausstellung

Viele ostpreuSSen fanden im FuSSballclub Schalke 04 ein Stück Heimat in der Fremde

»Ihre Eltern KAMEN AUS mASUREN« - Kuzorra, Szepan und das goldene Jahrzehnt des FC Schalke 04 Am 4. Mai 1904 gründete eine Gruppe 14- bis 15-jähriger Jungen einen Fußballverein namens Westfalia Schalke. Um zum offiziellen Spielbetrieb zugelassen zu werden, fusionierte der Verein 1912 mit dem Turnverein 1877 Schalke. Im Jahr 1924 trennten sich die Kicker wieder von den Turnern und nannten sich fortan FC Schalke 04. Die Vereinsfarben änderten sich von Rot Mi, und Gelb zu Blau und 04.04. Weiß. In diesem Zu19.15 Uhr sammenhang existiert die schöne Geschichte, dass die masurischen Einwanderer, die bereits ab 1871, verstärkt aber ab 1890 ins Ruhrgebiet kamen, um den Arbeitskräftemangel in der Stahl- und Kohlegewinnung zu mindern, angeblich ihr Hab und Gut in blau-weißer Bettwäsche eingewickelt hatten. Das soll der Grund für die späteren Vereinsfarben des Fußballclubs gewesen sein. In dieser Zeit – also nach 1924 – begann der Aufstieg zur berühmtesten deutschen Mannschaft. Der »Schalker Kreisel« – eleganter Kombinationsfußball, basierend auf schottischem Flachpassspiel – wird zum Markenzeichen der Elf um den charismatischen Führungsspieler Ernst Kuzorra. Gemeinsam mit seinem Schwager Fritz Szepan bestimmt Kuzorra in jeglicher Hinsicht die Geschicke des Vereins, der

genauso wie seine Spieler in enger Verbindung zum Bergbau steht. Das bringt den Schalkern den Spitznamen »die blau-weißen Fußballknappen« ein. Ihre 1928 eingeweihte Spielstätte nennen sie nach dem Gruß der Bergleute »Kampfbahn Glückauf«. Zur Legende wurde Kuzorras Tor, das die Schalker Elf 1934 zu ihrer ersten Deutschen Meisterschaft führte: In letzter Minute schoss er das 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg. Trotz eines Leistenbruchs war Kuzorra zum Endspiel angetreten. Mit dem Schlusspfiff brach er bewusstlos zusammen. Sein Kommentar zu diesem sensationellen Tor: »Ich wusste nicht, wohin mit dem Ball, da hab ich ihn einfach reingewichst.« Insgesamt sechsmal holte Kuzorra mit dem Schalker Team die Deutsche Meisterschaft. Spieler wie Ernst Kuzorra, Fritz Szepan, Otto Tibulski oder Ernst Kalwitzki beziehungsweise deren Eltern und Familien stammten aus dem südlichen Ostpreußen, genauer gesagt aus Masuren. Das war nicht allen klar. In der großen polnischen Sportzeitung Przegląd Sportowy schrieb ihr Berliner Korrespondent Glinner am 30. Juni

1934: »Die deutsche Meisterschaft in den Händen von Polen! – Triumph der Fußballspieler von Schalke 04, der Mannschaft unserer polnischen Landsleute ...«. In jenen Jahren nannte man Schalke 04 bei seinen Gegnern, und davon gab es im Ruhrgebiet nicht wenige, respektlos den »Polackenverein«. Dabei handelte es sich bei den Eltern der Schalke-Spieler um Ostpreußen, um Masuren genauer gesagt, die im Zuge der Industrialisierung in den Westen gewandert waren. Die Eltern von Ernst Kuzorra, des »berühmtesten Gelsenkircheners« etwa kamen Ende des 19. Jahrhunderts in das aufstrebende Ruhrgebiet. Nach der Eingemeindung Schalkes in die Stadt Gelsenkirchen machten die aus Masuren Zugezogenen ein Viertel der Gelsenkirchener Gesamtbevölkerung aus. Gelsenkirchen erhielt den Spitznamen »Klein-Ortelsburg«. In Schalke lebten überwiegend die Zuwanderer des Bergbaus. Die Belegschaft auf der Zeche Consolidation, auf der auch Kuzorra arbeitete, bestand zu 50% aus masurischen Einwanderern. Thematisiert wird das in der Ausstellung »Ihre Eltern kamen aus Masuren« des Kulturzentrums Ostpreußen, die ein anschauliches Bild der Ostpreußen auf Schalke vermittelt. Der Direktor des Kulturzentrums wird in die Ausstellung einführen. Als besonderen Gast begrüßen wir den Präsidenten des FC Schalke Gerhard Rehberg, der 1936 selbst in Powunden/Ostpreußen geboren wurMarkus Patzke de. Die Ausstellung ist bis zum 01.06.2012 geöffnet. Eröffnung: Mi, 04.04.2012 19.15 Uhr Es sprechen: PD Dr. Winfrid Halder Direktor des Gerhart-Hauptmann-Hauses Dr. Wolfgang Freyberg Direktor des Kulturzentrums Ostpreussen

Die Grafik ist der Teil der Ausstellung des Kulturzentrums OstpreuSSen

Gerhard Rehberg Ehrenpräsident des FC Schalke 04


13 Kontrapunkt

Künstler der Künstlerwerkstatt spenden für den guten Zweck

Kunst gegen Krebs Als medizinkundiger Auktionator wird der Essener Kabarettist Dr. Ludger Stratmann am 22. April 2012 durch eine Kunstversteigerung der besonderen Art führen. Unterhaltsam, kreativ und für die gute Sache – so lauten die Vorgaben für die Benefiz-Auktion, die gemeinsam von der Krebsstiftung Nordrhein-Westfalen und dem BKK-Landesverband NORDWEST veranstaltet wird. Unter den Hammer kommen Gemälde, Drucke, Fotografien und Objekte von renommierten sowie von jungen aufstrebenden Künstlern. Der Erlös kommt Förderprojekten der Krebsstiftung NRW zu Gute. Die Stiftung unterstützt ein wissenschaftliches Forschungsprogramm zur Bekämpfung der Metastasen, von deren Folgen immer noch So, viele Menschen betroffen sind. Ein interdis22.04. ziplinäres Forscherteam am Universitätsklinikum Düsseldorf arbeitet an der Isolierung 11.00 Uhr und Charakterisierung von so genannten Vorläuferzellen. Die dabei erzielten Ergebnisse können Grundlage für neue Therapieansätze bilden.

Benefiz Krebsstiftung, Era Freidzon »Die Bürden 3«, Serigraphie

Die Kunstauktion vom 24. April in Essen ist die erste große Benefiz-Aktion zugunsten der noch jungen Krebsstiftung. Zu den Künstlern, die dazu Kunstwerke gestiftet haben, gehören auch die Mitglieder der Künstlerwerkstatt im GerhartHauptmann-Haus Helga von Berg-Harder, Ulla Dretzler, Era Freidzon, Karl-Ulrich Peisker und Reinhardt Schuster. Die Auktion »Mit Kunst gegen Krebs« findet Sonntag, den 22. April 2012, 11 Uhr in den Räumlichkeiten des BKK-Landesverbands NORDWEST, Kronprinzenstraße 6, 45128 Essen statt. Kontakt: Tel. 0211-15760990, www.krebsstiftungnrw.de, info@krebsstiftung-nrw.de

Dortmunder Künstler unterstützen stationäre Hospizarbeit Auf Anregung eines Initiativkreises Dortmunder Bürgerinnen und Bürger haben 49 Künstler und Künstlerinnen aus Dortmund und Umgebung Arbeiten für die Januar-Versteigerung 2012 zugunsten der stationären Hospizarbeit zur Verfügung gestellt. Bürgermeisterin Birgit Jörder hatte die Schirmherrschaft übernommen. Insgesamt brachte die Versteigerung der gestifteten Kunstwerke einen Erlös von über 10.000 Euro ein. An der Aktion beteiligte sich auch die aus Pommern stammende Künstlerin Ulla Dretzler mit den Arbeiten »Tanz der Nachtgespenster« und »Erlkönigs Tagtraum« sowie der dazu gehörenden Komposition »Zwei Duos für zwei Klarinetten B« von Professor Oskar Gottlieb Blarr. Zu der Komposition hatte ihn der Komponist und Musikpädagoge Krzysztof Penderecki angeregt. Die Uraufführung des Werks fand am 22. Oktober 1999 gelegentlich einer Vernissage im Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Haus statt. Benefiz Krebsstiftuing, Karl-Ulrich Peisker »Rotsegel«, Lichtbildwerk


14 Kontrapunkt

Neue Bücher

Zeitreise ins kaiserliche Wien Nach wie vor ist die österreichische Hauptstadt Wien ein Besuchermagnet, und es sind keineswegs nur die Ostund Südosteuropäer, denen, historisch begründet, eine besondere Beziehung zu Wien nachgesagt wird. Wer Wien noch nicht gesehen hat, heißt es, wird das früher oder später nachholen, wer schon dort war, wird wieder kommen. Zu den Besonderheiten der Donaumetropole gehört gewiss ihr Flair als Kaiserresidenz, der Nachglanz einer Zeit, in der die Zweimillionenstadt Wien unangefochten neben Paris als europäische Kultur-Metropole ihren Platz behauptete. Obwohl die Monarchie bereits 1918 untergegangen ist, bestimmen noch heute ihre Prachtbauten, imperiale Anlagen sowie die gern zur Schau gestellte Tradition Bild und Charakter der einstigen kaiserlichen Haupt- und Residenzstadt. Mancher Besucher stellt die Frage, was tatsächlich historisch ist, und wie es die Zeit überdauert hat. Der Primus Verlag Darmstadt legt mit »Ganz Wien in 7 Tagen« ein Buch vor, das uns um das Jahr 1900 durch Wien führt und die Stadt so erleben lässt, wie sie auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung ausgesehen hat. In 13 Stadtspaziergängen führt der Autor Anton Holzer zu den Palästen,

Wo der Kaiser frühstückt. Die Gloriette steht am höchsten Punkt des Schlossgartens von Schönbrunn. Von hier aus genieSSen Besucher eine wunderbare Aussicht.

aber auch in die Einkaufsstraßen und Vergnügungsmeilen, in Kaffeehäuser, Weinstuben sowie auf den Zentralfriedhof. Unterwegs informiert er den Leser über den damaligen Alltag und seine Menschen, über Essen und Trinken Preise und Öffnungszeiten eingeschlossen. Es ist eine Fiktion, die im Wesentlichen nichts erfinden muss. Denn »fast das das gesamte habsburgische Wien ist erhalten«, verrät uns das Vorwort. »In

kaum einer anderen europäischen Stadt ist die Vergangenheit so präsent.« Und kaum anderswo, lässt sich hinzufügen, auf so schöne Weise zugänglich. Orientierungskarten erleichtern das Zurechtfinden während der StadtwanFH derungen. Anton Holzer: Ganz Wien in 7 Tagen. Ein Zeitreiseführer in die k.u.k. Monarchie. Primus Verlag Darmstadt 2010. 144 Seiten mit zahlreichen historischen Fotos.

Geschichte der Pest im Banat

Der Pestheilige Rochus auf dem mariendenkmal

Der Banat Verlag Erding hat in den wenigen Jahren seit seiner Gründung vor allem mit aufwändigen Ausgaben zur Kunst- und Kulturgeschichte des Banats und monografischen Bildbänden über heutige, aus dem Banat stammende Künstler, Aufmerksamkeit erregt. In seinen anspruchvoll gestalteten Kalendern setzt er nicht nur eine schöne Tradition des Herkunftsgebietes fort, vielmehr erweitert er das althergebrachte Hausbuch zu einem Kompendium mit neuen und ergänzenden Erkundungen zur regionalen Kulturgeschichte. Nach der Wiederauflage von Josef Gemls »Alt-Temeswar« bringt der Verlag nun Anton von Hammers »Geschichte der Pest« der Jahre 1738 - 40 im Banat auf den Markt. Ein Nachdruck der Originalausgabe von 1839, Hammers »Topographisch-historische Beigabe« inbegriffen, in der anschaulich über die Stadt und Festung Temeswar

im 18. Jahrhundert berichtet wird. Die Herausgeber Dr. Walter Konschitzky und Prof. Dr. Costin Fenesan heben hervor, dass Hammer in seiner Pestgeschichte Archivquellen eingesehen und ausgewertet hat, die heute nicht mehr erreichbar sind. Eine sinnvolle Ergänzung findet das Buch durch die Lageskizzen, Stadtpläne, Faksimile, die zahlreichen Fotos und historischen Ansichtskarten der Inneren Stadt. Das Buch, so Professor Dr. Fenesan, verdient es, sowohl der Forschung wie auch dem breiten Leserkreis zugänglich gemacht zu werden. Der Banat Verlag Erding ist diesem Anliegen in bester Weise nachgekommen. Anton von Hammer: Geschichte der Pest, die von 1738 bis 1740 im Temeswarer Banat herrschte. Nachdruck mit Bildteil im Anhang. 184 Seiten. Banat Verlag Erding , 2011


15 Kontrapunkt

Standortbestimmung

Neue Stimmen in der ungarndeutschen Literatur »Wir können zeigen, dass die ungarndeutsche Literatur… nicht nur schlechthin noch am Leben ist, sondern dass sie inzwischen über neue Stimmen verfügt, dass sie das Vergangene nicht vergessen hat und das Heutige mit frischem Geist und kritischem Blick begleitet.« Das ist im Nachwort zur Ungarndeutschen Anthologie von 2005 zu lesen, und was dort die Herausgeber Johann Schuth, Horst Lambrecht und Robert Becker feststellen, ist auch heute kennzeichnend für die Standortbestimmung einer auslanddeutschen Literatur mit Tradition. Krieg und Vertreibung haben die deutsche Bevölkerung in Ungarn nicht nur zahlenmäßig empfindlich verringert, sondern auch ihr Selbstverständnis in diesem Raum verändert. Die meisten sind im Raum Pécs/Fünfkirchen, in der so genannten Schwäbischen Türkei, ansässig, wo sich auch ihr kulturelles Zentrum befindet. Aber auch in Szeged/Szegedin und nicht zuletzt in Budapest wird die deutsche Kultur des Landes in wissenschaftlichen Instituten und Verlagen gepflegt. Der Lehrstuhl für Deutsch als Minderheitenkultur an der Universität Szeged/Szegedin hat eine Reihe wissenschaftlicher Veröffentlichungen herausgebracht, die verschiedene Aspekte der ungarndeutschen Kultur und Literatur untersucht. Dazu gehören die Titel »Über Sinn und Unsinn von Minderheitenprojekten« (Hrsg. Erzsébet Drahota-Szabó und Eszther Propszt), »Untersuchungen zur interdiskursiven Konstruktion ungarndeutscher Identität in der ungarndeutschen Gegenwartsliteratur« von Eszther Propszt u.a.- Die in unserer heutigen Beilage erschienenen Leseproben ungarndeutscher Autoren sind Band 9 der VUdAK-Buchreihe entnommen.

ERIKA ÀTS Lokalnachricht

VALERIA KOCH Leidenschaft unwiderstehlich

Josef Michaelis Braunauer Schwäbin

Die Einödbäuerin Maria geborene Frei, verwitwete Faber war fünfundachtzig geworden am Tag , an dem man zur Zwangsschlachtung wegbrachte ihre todkranke einzige Kuh, Ernährerin, Gefährtin.

Lieb mich im Meer lieb mich im Sand lieb mich beim Mond am Waldesrand

Mit ihrer Enkelin spricht sie Ungarisch. Deutsch mit ihrem Hund, ihrer Katze, mit Fotos, ihrem Gebetbuch, ihren Verstorbenen, mit sich selbst. Bald, im Kleindorf als Letzte mit Gott.

Die Tür ließ sie offen, »damit Leere hinauskann«, die Theiß trug den Himmel und Wolken von Lehm, Pappeln sahen sie lange dort stehn, schwarz, bis sie löste den Knoten unter dem Kinn und das Kopftuch zog vom weißen Haar wie vor dem Zubettgehn.

Lieb mich noch mehr lieb mich geschwind lieb mich grausam wie Wüstenwind Lieb mich im Tod lieb mich auch krank lieb mich in Not und ohne Dank

Redaktion der Beilage: Franz Heinz

Rechenschaft / Stefan Valentin Liebe Mitbürger! In den letzten zehn Jahren haben wir auf dem Weg zur wahren Demokratie große Fortschritte gemacht. Die Bürger unseres Landes können ihre Meinung frei äußern, und wenn doch nicht, dann können sie wenigstens frei denken. Aber das brauchen sie nicht häufig zu tun, weil wir ihnen immer sagen, was sie frei denken sollen. Man kann sich frei versammeln, wenn vor der Versammlung die Zahl der Teilnehmer, der Name der Haupt- und Nebenorganisatoren, die Ziele und der Ablauf der Veranstaltung und schließlich der genaue Weg des Demonstrationszuges auf dem zuständigen Polizeirevier gemeldet werden. Die Versammlung kann stattfinden, wenn die Demonstrierenden deklarieren, dass sie keinen Krawall machen und die Personen, gegen die sie protestieren, in ihrem menschlichen Recht und Gefühl nicht beleidigt werden. Diese Spielregeln tragen dazu bei, dass die Devianten und Unzufriedenen unsere feste Demokratie nicht stören und die friedlichen Mitglieder der Gesellschaft die idyllischen Zustände der eurosozialistischen kapitalistisch-humanistischen Einrichtung ein Leben lang genießen können.

Liebe Mitbürger! Unsere Wirtschaft ist stark. Sie entwickelt sich dynamisch. Wir haben neue Arbeitsplätze geschaffen und die Löhne parallel zur Inflation erhöht. Die Arbeiter beschweren sich nicht über ihr Lebensniveau, denn sie freuen sich darüber, dass sie überhaupt arbeiten dürfen. Die finanzielle Lage der Familien ist so gut wie noch nie in diesem Jahrtausend. Gegen die Verarmung kämpfen wir nach besten Kräften. Wenn es trotzdem arme Leute gibt, dann ist das auf die vorangehenden Regierungen zurückzuführen. Ich kann also ruhigen Gewissens feststellen, meine lieben Mitbürger, dass unser Staat ein blühendes, freies, optimistisches Land ist, das stolz auf seine Ergebnisse sein kann. Die Institutionen der Demokratie funktionieren ausgezeichnet, und … Guten Tag, Herr Doktor! … Ich habe eben die Schränke abgestaubt. … Jawohl, Herr Doktor, ich komme vom Tisch herunter. … Danke, mir geht es gut. Wie bitte? Politik? Neeein, das interessiert mich nicht mehr. … Auf Wiedersehen, Herr Doktor!


16 Kontrapunkt

Reinhardt Schusters neue Wandgestaltung in der Bonner Musikschule

»Una fantasia quasi instrumentale« »Una fantasia quasi instrumentale« nennt Reinhardt Schuster seine neue Wandgestaltung in der Musikschule in Bonn-Poppelsdorf. Witz und Ernst sind hier benachbart, Vorstellungskraft und – herausgefordert von dem Zusatz »quasi« - eine spürbare, vom Künstler gewollte Leichtigkeit. So war die Übergabe des Kunstwerks eine fröhliche Stunde mit Musik und unverkrampften Ansprachen vor einem Publikum, das sich auch für weniger übliche Kunst aufgeschlossen zeigte. Denn eine solche ist die neue Wandgestaltung von Reinhardt Schuster sowohl von der Idee her wie in Material und Ausführung. Fund- und Versatzstücke werden einander zugeordnet, Holzteile, Linien, Saiten und Röhren, die jedes für sich an Musikinstrumente erinnern und zusammen orchestral wirken. Ein einziges Originalteilchen - das Mundstück einer Blockflöte, ins Hauptpaneel eingefügt – ist auszumachen. Eine Solisten- Funktion kommt ihm indessen nicht zu. Die Wand tönt im Tutti. Die Schüler der Musikschule bedankten sich gelegentlich der Übergabe des Kunstwerks mit einem festlichen Konzert, das mit dem Lieblingsstück des Künstlers »Spiegel im Spiegel« von Arvo Pärt eingeleitet wurde.

Der Dank von Schülern und Schule galt nicht allein dem Künstler, sondern in gleicher Weise seiner Frau Valentina, die hier 25 Jahre lang unterrichtete und deren Kammermusikklase Arvo Pärt zu Gehör brachte. Schusters eindrucksvolle Wandgestaltung ist ein Geschenk an die Schule und ebenso eine Selbstbestätigung des Künstlers, der hier nicht einer Auftragsarbeit nachkam, sondern einer selbst gestellten Herausforderung. Die Merkmale des Künstlers sind in der »Wand« leicht zu erkennen, in der wir Form- und Farbelemente finden, die uns aus anderen Arbeiten bekannt sind und gedankliche Überleitungen zum Gesamtwerk begünstigen. Sie hat ihren markanten Platz im Gesamtwerk des Künstlers, ist lesbar ohne simpel zu sein, dem Ort angemessen und in sich selbst geschlossen. Das geordnete Chaos, dem wir in seiner vor einigen Jahren entstandenen Montage »TRaumstation« (einer Hommage an den Raumfahrt-Pionier Hermann Obert) begegnen, ist in Bonn einer übersichtlichen Anordnung gewichen, die freilich der jeweils eigenen »fantasia« nichts vorwegnimmt. Die einzelnen Elemente, auf den ersten Blick austauschbar und in scheinbar naiver Anordnung

um das zentrale Paneel gruppiert, korrespondieren miteinander und ergeben, um es modern auszudrücken, einen beschwingten Sound. »Ein Werk«, wie die Schüler meinen, »in dem ein Ton den anderen gibt und das uns in seiner Klangfülle begeistert.« Nach der in Düsseldorf-Bilk von Reinhardt Schuster gestalteten Tordurchfahrt ( zwei 15 Meter lange und 3,25 Meter hohe Wände) und der großformatigen »T-Raumstation«ist die Montage in der Bonner Musikschule bereits das dritte Monumentalwerk, mit dem der Künstler innerhalb der letzten Jahre an die Öffentlichkeit getreten ist. Wer ein eher abgeklärtes Alterswerk des heute Vierundsiebzigjährigen erwartet hat, wird verwundert feststellen, dass dieser wie nie zuvor nicht nur das große Format wagt, sondern auch von geradezu jugendlicher Freude am Experiment durchdrungen ist. Eine schöne und befreiende Sorglosigkeit mag dahinter stehen, vor allem dem Markt gegenüber und alldem, was ihn bestimmt. Es war nie Schusters Sache vorlaut zu sein, zaghaft in der Kunst war er indessen nicht. Somit überrascht es eher nicht, wenn er im Alter zu großen Entwürfen neigt und diese auch auszuführen nicht nur gewillt, sondern auch in der Lage ist. Franz Heinz

Reinhardt Schuster wurde 1936 in Brenndorf, Burzenland geboren, erhielt ersten Malunterricht in Kronstadt bei Hans Mattis-Teutsch, besuchte das Kunstlyzeum und anschlieSSend die Kunstakademie in Bukarest. Zahlreiche Einzelausstellungen in europäischen Kunstzentren. Bilder von Reinhardt Schuster befinden sich in staatlichem und privatem Besitz in Rumänien, Deutschland, Japan, GroSSbritannien, Österreich, Dänemark, Finnland, Luxemburg, in den USA und in der Schweiz. Im Mai und Juni 2012 zeigt das Menuhin-Forum Bern eine unfassende Ausstellung mit Malerei und Montagen des Künstlers.


17 aUSSTELLUNG

»Tout le monde kaputt«

Der Erste Weltkrieg im Comic Die ganze Welt in Trümmern, die Menschen zerbrochen, zerstört, versehrt oder tot. So lässt sich aus heutiger Sicht der Erste Weltkrieg bilanzieren. Auch fast 100 Jahre nach dem Beginn der »Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts« ist das Interesse an diesem zerstörerischen Ereignis ungebrochen. Wo liegen die Ursachen, wen trifft die Schuld? Wieso misslang der Friedensschluss, warum entbrannte wenige Jahre später ein noch brutalerer Weltkrieg? Weit reichende Fragen beschäftigen bis heute Historiker, Politiker und Ausstellungsmacher – aber nicht nur sie: Auch Schüler, Studierende, Journalisten, Filmemacher und Schriftsteller suchen nach Antworten, fragen, forschen, begeben sich auf die Spurensuche. Viele Medien zeigen uns den Krieg – jedes auf besondere Weise. Comics und Graphic Novels stehen dabei weniger im Zentrum des öffentlichen Inter- Mo, esses. Das soll sich ändern! In einer einzigartigen Ausstel- 04.06. lung, die am 4. Juni 2012 um 19 Uhr im Gerhart-Hauptmann 19.00 Uhr Haus eröffnet wird, werden zwei Serien vorgestellt: »Notre Mère la Guerre« und »Svoboda!« und mit diesen beiden Comicreihen die Autoren und Zeichner: Kris, Maël und Pendanx. Sie entwickeln vor den Augen ihrer Leser erschütternde Szenen des Krieges an der West- und Ostfront. Die Geschichten kreisen nicht um große Schlachten oder Generäle, nicht um Heldenmut oder Siege. »Notre Mère la Guerre« schildert die Suche nach einem Mörder, der in Frontnähe junge Frauen grausam umbringt. Die Suche nach einem Täter provoziert die Frage, wo die Grenze zwischen einem Mord, der juristisch verfolgt wird, und dem zehntausendfachen Töten im Krieg verläuft. Inmitten der Grausamkeit der Kämpfe entstanden aber auch Visionen einer besseren Zukunft: Svoboda! (Freiheit!) – erzählt von jungen Männern, die in den Wirren der russischen Revolution aus einem Kriegsgefangenenlager fliehen können. Ihr Ziel ist die Schaffung einer tschechischen Republik. Der Comic schlägt den Bogen bis zum Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Erstmals wird das Werk von Kris, Maël und Pendanx in Deutschland gezeigt. Im Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf werden vom 4. Juni bis zum 14. September 2012 Auszüge aus den beiden Serien gezeigt, aber auch Zeichnungen, die in den Comics nicht veröffentlicht wurden. Die Ausstellung bietet Einblicke in die Arbeit der Autoren: wie recherchieren sie, wie entwickeln sie die Geschichten, wie nehmen die Protagonisten Gestalt an, welche Themen werden verworfen? Die Ausstellung findet in enger Kooperation mit dem renommierten französischen Weltkriegsmuseum Historial de la Grande Guerre (Péronne/Somme) und dem Institut für Geschichtswissenschaften II der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf statt. Seit Jahrzehnten besteht ein intensiver wissenschaftlicher Austausch zwischen dem Lehrstuhl von Prof. Gerd Krumeich, seinem Nachfolger Prof. Christoph Cornelißen und dem Museum, das eine der weltweit größten Sammlungen zur Geschichte des Ersten Weltkrieges besitzt. Seit drei Jahren haben Studierende die Möglichkeit, in Péronne ein Praktikum zu absolvieren. Auf ihrer Arbeit im Museum fußt die Ausstellung zu großen Teilen. Einmalige Objekte aus dem Bestand des Museums verdeutlichen, dass die Comic-Autoren ihre Geschichten nicht erfinden, sondern exakt recherchieren und mit vielen Quellen stützen. Diese Arbeit beherrscht der Historiker Kris. Und manchmal beginnt ein Comic mit einer der Fantasie entsprungenen Geschichte eines Frauenmörders – und endet unversehens in der Wirklichkeit: Inzwischen kennen die Autoren einige historisch verbürgten Mordfälle, die in der Nähe der Front verübt wurden. In der Ausstellung »Tout le monde kaputt« sollen sich die Besucher selbst anhand von Fotos, Briefen und außergewöhnlichen Objekten aus den Jahren 1914-1918 überzeugen können, dass in diesen Comics weitaus mehr Dokumentarisches als Erdachtes steckt. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Gerhart-HauptmannHauses www.g-h-h.de unter »Ausstellungen« – wenn Sie Interesse an der Ausstellung, an Führungen u. ä. haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung: Dr. Katja Schlenker: schlenker@g-h-h.de Dr. Susanne Brandt, Institut für Geschichtswissenschaften II, Heinrich-Heine Susanne Brandt Universität Düsseldorf: susanne.brandt@phil.hhu.de

Fotos: Kris MaËL, Pendanx und Futuropolis

Eröffnung: Mo, 04.06.2012 | 19.00 Uhr Es sprechen: PD Dr. Winfrid Halder Direktor des Gerhart-Hauptmann-Hauses Frédérick Hadley Stellv. Kurator des Historial de la Grande Guerre, Péronne/Frankreich Kris Maël Autor von »Notre Mére la Guerre« und »Svoboda!«


18 Ausstellung

Ein Beitrag zur deutsch-tschechischen Verständigung

»Porträts aus Böhmen und Mähren« Fotografien von Petra Flath Am 29. Dezember 1989 wurde der mage an Künstler, Wirtschaftsmanager, Schriftsteller und Bürgerrechtler VáSchriftsteller, Politiker, Volkskundler, clav Havel zum Staatspräsidenten der Priester oder Journalisten und stellt Tschechoslowakei gewählt. Mit dieser die Frage: Wer sind diese sudetendeutWahl wurde eine bedeutende Etapschen, tschechischen und jüdischen pe im Demokratisierungsprozess des Frauen und Männer aus Böhmen, MähLandes erreicht, die als »samtene Reren und Schlesien, die nach Jahrzehnvolution« in die Geschichtsbücher ten der politischen Abschottung und eingegangen ist. Die alte kompersönlicher Trennung eine Anmunistische Macht gab schon näherung wagten? Alle ließen nach weniger als zehn Tagen sich z. T. auf schwierige DiskusMi, friedlicher Demonstrationen sionen ein, machten verschütte20.06. und unter Androhung eines tes Wissen wieder zugänglich, 19.00 Uhr Generalstreiks dem Druck der knüpften Freundschaften und protestierenden Bevölkerung schufen eine neue Atmosphäre nach. der Entspannung und des VerDie »samtene Revolution« in der trauens. Tschechoslowakei, der letztendliche Zur Vorbereitung der Ausstellung, die Zusammenbruch des »Ostblocks« 54 Porträts der Fotografin Petra Flath und die deutsche Wiedervereinigung umfasst, trat im Jahre 2010 eine Jury aus stellten die deutsch-tschechischen BeVertretern deutscher und tschechischer ziehungen auf eine neue Grundlage Einrichtungen zusammen. Ihre Aufgaund vor neue Herausforderungen. be war es, Persönlichkeiten aus Politik, Noch immer ist das bilaterale VerhältWirtschaft, Wissenschaft, Kirche, Kulnis zwischen Deutschen und Tschetur und Verbänden zu wählen, die vor chen - mehr oder weniger stark - von allem seit der »samtenen Revolution« den jeweiligen Erinnerungen an die von 1989 durch ihr Engagement für die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges und deutsch-tschechischen Beziehungen an die anschließende Flucht und Veroder ihr besonderes berufliches oder treibung geprägt. künstlerisches Werk hervorgetreten Die Ausstellung des Adalbert-Stiftersind. Alle sollten in Böhmen oder MähVereins München zeigt Porträts von ren aufgewachsen und mindestens 60 Persönlichkeiten, die sich im Rahmen Jahre alt sein. ihrer beruflichen Tätigkeit oder ihres »Auf diese Weise«, so Dr. Peter Becher, privaten Engagements für die deutschGeschäftsführer des Adalbert Stifter tschechische Verständigung engagiert Vereins, » verfolgt die Ausstellung ein haben. zweifaches Ziel: Zum einen sollen Die Fotodokumentation ist eine HômPersonen gewürdigt werden, welche

die vergangenen zwanzig Jahre der deutsch-tschechischen Beziehungen geprägt und mitgestaltet haben. Für viele war diese Zeit der Höhepunkt ihres Schaffens. Zum anderen soll gezeigt werden, wie stark Menschen aus allen Bereichen beteiligt waren, Politiker wie Künstler, Sudetendeutsche wie Tschechen, im Land Verbliebene ebenso wie Vertriebene und Exilanten. Dabei konnten nicht alle Persönlichkeiten eines Verbandes, einer Gruppe, einer Partei berücksichtigt werden. Die Auswahl stellt einen Querschnitt dar, keine Auszeichnung der Besten«. Die Fotografin Petra Flath wurde 1952 in Wiesbaden geboren und wuchs in Waldkraiburg auf. Sie absolvierte in den 1970er Jahren die Fach- und Meisterklasse der Bayerischen Staatslehranstalt für Fotografie, München, sowie die Grafik-Weiterbildungsklasse an der Hochschule für Gestaltung in Basel. Seit 1976 ist Petra Flath freie Fotografin mit dem Schwerpunkt Architektur, Industrie und Produkte. Sie beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen. Dirk Urland

Die Ausstellung ist bis zum 27. Juli 2012 geöffnet. Eröffnung: Mi, 20. Juni 2012 - 19.00 Uhr Es sprechen: PD Dr. Winfrid Halder Direktor des Gerhart-Hauptmann-Hauses Dr. Peter Becher Geschäftsführer des Adalbert Stifter Vereins Die Fotografin Petra Flath portraitiert.

Petra Flath


19 Ausstellung

Das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst erinnert an den Deutsch-Sowjetischen Krieg

»Juni 1941 – Der tiefe Schnitt« Jener Sonntag, der 22. Juni 1941, ein und militärische Strategie im Vorfeld strahlendschöner Sommertag, hat sich des deutschen Angriffs, der in den folbis heute tief in das Gedächtnis von genden Jahren zu unfassbaren millioRussen, Weißrussen, Ukrainern und nenfachen Tragödien führte. darüber hinaus den meisten Menschen Heute – 71 Jahre nach jenem 22. Juni der ehemaligen Sowjetunion einge1941 – hat der deutsch-sowjetische prägt, die den Überfall der Deutschen Krieg in der Erinnerungskultur beider Wehrmacht auf ihr Land erlebten. An Länder noch immer einen höchst unterjenem Tag begann das nationalsozialisschiedlichen Stellenwert. Seit 1996 als tische Deutsche Reich auf brei»Tag des Gedenkens und Trauter militärischer Front zwischen er« offiziell begangen, brennen der Ostsee und den Karpaten in russischen Wohnungen KerMo, einen rasseideologischen Verzen, an Kriegsdenkmälern und 23.04. nichtungskrieg, der insgesamt Ehrenfriedhöfen finden Zere19.00 Uhr monien unter gesenkten Staatsdie Ermordung der europäischen Juden, die Eroberung von fahnen statt. Getrauert wird um »Lebensraum« im Osten und ca. 27 Millionen Kriegsopfer, seiner wirtschaftlichen Ausbeutung um Sowjetsoldaten und Zivilisten. durch Zwangsarbeit zum Ziel hatte. Es ist ein stiller Gedenktag an die Opfer Für den Kampf gegen die Sowjetunides Krieges, von dem fast jede zweite on, als Träger des »jüdischen Bolscherussische Familie betroffen wurde und wismus«, lieferte bereits der wenige er gehört zur anderen Seite der nationaTage zuvor erlassene und berüchtigte len Erinnerungskultur an den »Großen »Kommissarbefehl« vom 6. Juni 1941, Vaterländischen Krieg«, der am 9. Mai der die sofortige Liquidierung gefangealljährlich mit militärischen Paraden als ner kommunistischer Kommissare der glorreicher Tag des Sieges gefeiert wird. Roten Armee anordnete, ein selbstreAllerdings hatte auch in Moskau das dendes Zeugnis für die ideologische stalinistische Regime die »Geschichte« des Kriegsausbruches einer strengen Zensur und Deutungshoheit unterworfen, die u. a. kritische Fragen nach militärischen Fehlern der Sowjetführung untersagte. Als ein bedeutender Gedächtnisort des Zweiten WeltJ u n i krieges hat sich in der Bundesrepud e r i e f e S c h n i T T blik Deutschland vor allem der 1. September 1939, der Angriff auf Polen, eingeprägt. Darüber hinaus werden der Aufenthalt als Soldat im Ausland, die B o m b enang r i f f e auf die eigenen Heimatstädte, das Kriegsende, Flucht, Vertreibung, Gefangenschaft und Besatzung assoziiert. Mit dem

T

1941

»Russlandfeldzug« ist vor allem die »Wende von Stalingrad« verbunden. Als »der tiefe Schnitt«, wie er in Russland memoriert wird, ist der 21. Juni 1941 im öffentlichen Bewusstsein Deutschlands nicht empfunden worden. Erst in den letzten Jahren setzte sich unter Historikern und der deutschen Öffentlichkeit die vieldiskutierte und bis dahin umstrittene These durch, die Ereignisse von 1941 bis 1945 als deutschen »Vernichtungskrieg« zu bezeichnen, der von weiten Teilen der politischen und militärischen Eliten des Deutschen Reiches mitgetragen wurde. Trafen im Sommer 1941 auch zwei totalitäre Staaten mit unterschiedlichsten ideologischen Systemen aufeinander, so war es doch letztlich der einfache Mensch, der unter den beiden Diktatoren Hitler und Stalin leiden und zumeist sterben musste. Die Ausstellung »Juni 1941. Der tiefe Schnitt« des Deutsch-Russischen Museums, Berlin-Karlshorst, zeigt Biografien von 24 Menschen, deren Leben »getroffen« wurde. Im direktesten Sinn, dass es gewaltsam ausgelöscht wurde, oder als Bruch eines Lebensplanes neu zu bestimmen war. Aus Millionen Lebensgeschichten präsentiert die Dokumentation Fragmente deutscher und sowjetischer Biografien, oft nur in wenigen Fotos, Briefen und Dokumenten überliefert. Diese Zeugnisse sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der Totalität einer Lebensgeschichte. Sie fordern aber den Betrachter auf, mit eigenen Erfahrungen Lücken zu schließen und sich auf der »anderen Seite des Krieges« in die fremde Person hineinzuversetzen. Dirk Urland

Die Ausstellung ist bis zum 10. Juni 2012 geöffnet. Eröffnung: Mo, 23.04.2012 - 19.00 Uhr Es sprechen: PD Dr. Winfrid Halder Direktor des Gerhart-Hauptmann-Hauses Dr. Jörg Morré Direktor des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst Prof. Dr. Beate Fieseler Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf


20 Lesung

Im Rahmen der Düsseldorfer Literaturtage 2012 Moderation: Michael Serrer, Literaturbüro NRW

Am 17. Juni. Eben darum. Monika Maron liest aus »Zwei Brüder. Gedanken zur Einheit« Es muß 1992 gewesen sein, vor zwanzig oder die GPU oder das NKWD oder der Jahren also. Da war ich (gerade) noch KGB (nur der Name wechselte, Geist Student und in Freiburg i. Br., der schöund Zweck blieben zwischen 1917 und nen Universitätsstadt am Rande des 1992 immer gleich) mithalten. Schwarzwaldes. Im Studiogebäude des Die IM in der DDR also waren Joachim Südwestfunks SWF (heute SWR) hörGaucks Thema – und eines habe ich nie te ich zum ersten Mal »live« Joachim vergessen: Er betonte mit Nachdruck, Gauck. Der leitete seit noch nicht mal dass kein IM dem anderen geglichen einem Jahr die Institution, für die sich habe und dass demzufolge jede einzelbald die Bezeichnung »Gauckne Akte genau geprüft werden Behörde« oder »Stasi-Untermüsse, um zu einem zutreffenSo, lagenbehörde« einbürgerte, den Urteil gelangen zu können, 17.06. weil sich kaum jemand den ofwarum eine Person dem Bespitfiziellen Namen merken konnte 18.00 Uhr zelungssystem gedient habe und – oder aber weil zu wenig Zeit wie genau. Denn das Spektrum war, diesen immer wieder anzuder Motive reiche von Neid, führen: »Der Bundesbeauftragte für die Missgunst, bösem Willen, allen Arten Unterlagen des Staatssicherheitsdienspersönlicher Feindschaft bis hin zu blantes der ehemaligen Deutschen Demoker Not, die aus jeder denkbaren Form kratischen Republik«. von Erpressung resultierte. DementspreWir standen dicht gedrängt auf einer der chend unterschiedlich fielen auch die Treppen im völlig überfüllten SWF-Stuvon den IM abgelieferten Berichte aus: dio; Joachim Gauck zog die Menschen Von extrem infam und schädlich für die auch schon an, als noch niemand im Bespitzelten über Belangloses bis hin zur Traum daran dachte, der einstige Rosbewußten Irreführung des »VEB Horch tocker Pfarrer könne einmal Staatsoberund Guck«, wie der Apparat des Minishaupt der Bundesrepublik Deutschland teriums für Staatssicherheit in der DDR werden. Daran dachte im südbadischen mit bitterer Ironie genannt wurde. Freiburg erst recht niemand, denn weiNur wenige Monate nach diesem Schlüster weg – im geographischen wie auch selerlebnis mit Joachim Gauck verschlug im mentalen Sinn – von der für Gauck mich ein – wie sich zeigen sollte höchst prägenden Erfahrungswelt »DDR« ging glückliches – Schicksal nach Dresden. In es kaum in der Bundesrepublik, die auch eine Stadt, die mir zuvor nicht mehr als noch keine zwei Jahre ihre fünf »neuen ein Name auf einer Landkarte gewesen Bundesländer« hatte. Aber Gauck fasziwar, weit jenseits alles dessen, was ich bis nierte – mich jedenfalls – kraft Ausstrahdahin kannte. Hier bekam ich beruflich, lung und Rhetorik. Sein Thema damals genauer wissenschaftlich mit der DDR war, natürlich, der Umgang mit den Hinzu tun und auch ganz anders, persönlich. terlassenschaften des riesigen BespitIch bin mir bis heute unsicher darüber, zelungsapparates, den die kommuniswo ich mehr über die DDR gelernt habe: tischen SED-Gewaltigen insbesondere Im ehemaligen Zentralen Parteiarchiv zur Überwachung der eigenen Bürgeder SED (in Berlin-Lichterfelde) oder in rinnen und Bürger im »Arbeiter- und den meist etwas heruntergekommenen Bauernstaat« geschaffen hatten. Die Kneipen, in die mich meine Fußball(1989) rund 91.000 hauptamtlichen truppe mitnahm. Denn zu der stieß ich Mitarbeiter des Ministeriums für Staatsbald in Dresden, durch Zufall, nein Füsicherheit wurden in der DDR von etwa gung. Sie beschnupperten mich vorsich189.000 Inoffiziellen Mitarbeitern (IM) tig, aber durchaus freundlich, den ersten unterstützt (lassen wir einmal die pea»Wessi«, der dazukam, ließen mich mitnuts beiseite, nämlich die circa 3.000 in spielen, rasch auf der Stammposition als der alten Bundesrepublik lebenden IM linker Außenverteidiger, der, vorsichtig und die paar Hundert, die im westlichen gesprochen, balltechnisch wenig versiert Ausland ihrer Tätigkeit nachgingen). war, aber unermüdlich (meist hinterher) Damit immerhin war die DDR in einer rannte. Beziehung wirklich Weltspitze: Nämlich Sie gingen beileibe nicht hausieren mit in der Dichte des Überwachungsnetzes, ihren Erfahrungen aus der Zeit vor 1990, wenn man das Zahlenverhältnis Stasiwaren eher wortkarg in der Beziehung. Leute/Bevölkerung zugrunde legt. Da Über Jahre hinweg erhielt ich vielmehr konnten weder die Gestapo des NSnur Puzzleteile, im Gespräch beim Bier Staates noch die sowjetische Tscheka (bzw. meiner Apfelschorle) nach dem

Spiel. Da war der Bibliothekar, der von der TU Dresden flog, unmittelbar nachdem er als Student einen Ausreiseantrag gestellt hatte, der sich statt im Hörsaal Bücher schleppend im Tiefkellermagazin der Sächsischen Landesbibliothek wiederfand, denn leben mußte man ja von etwas. Da waren die Ehemaligen des ehrwürdigen Dresdner Kreuzgymnasiums, auf dessen Hof ein Stasi-Mann – natürlich bewußt gut sichtbar – Mitschüler ansprach. Über wen sprachen die gerade? Und was? Die wirksamsten Gifte zur Zerstörung zwischenmenschlicher Beziehungen sind Mißtrauen und Furcht, diese alte Weisheit war eine wesentliche Arbeitsgrundlage der Stasi. Und wir indessen? Wir sprachen auf dem Hof meines oberbayerischen Gymnasiums über die neueste Folge von »Raumschiff Enterprise« im Fernsehen. Captain Kirk, Mr. Spock & Co. in den unendlichen Weiten des Weltraums waren uns nämlich näher als die Lebenswirklichkeit unserer Altersgenossen in der DDR. Viel näher. Nun, man kann gottlob auch heute noch einiges über die DDR lernen, und man sollte auch. Denn die Erfahrungswelt von ehedem ist ja gespeichert nicht nur im Kopf unseres neuen Bundespräsidenten oder dem der Kanzlerin. Und wirkt von dort sehr gegenwärtig, wenn auch nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Sie, diese Erfahrungswelt, gehört zu uns – und zwar selbst für die, welche Elbe und Werra noch nie in Richtung Osten überschritten haben (die gibt es, o ja). Monika Maron gehört zu denen, bei denen man etwas lernen kann. Und das beileibe nicht nur über die DDR. Etwa auch einiges über das beklemmende Schicksal ihres jüdischen Großvaters, der 1942 ermordet wurde. Als Monika Maron ihm ein literarisches Denkmal errichtete (Pawels Briefe, 1999) war sie allerdings längst eine der profiliertesten Autorinnen im vereinten Deutschland. Die Mauer hatte die gebürtige Berlinerin ( Jahrgang 1941) zuvor ausgiebig von beiden Seiten kennengelernt. Da ihre Mutter als »Halbjüdin« diskriminiert wurde, blieb Monika Marons leiblichem Vater die Heirat verwehrt. Nach dem Zweiten Weltkrieg lernte ihre Mutter dann Karl Maron kennen. Als dieser Monika Marons Stiefvater wurde, katapultierte dies das junge Mädchen als Zaungast ins Zentrum der Macht


21 Lesung/Kinemathek des SED-Staates. Denn Karl Maron, der 1926 mit 23 Jahren KPD-Mitglied geworden war, hatte der »Gruppe Ulbricht« angehört. Damit war er einer jener Männer aus dem Dutzend ausgewählter kommunistischer »Kader«, die in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges in Stalins Auftrag aus dem sowjetischen Exil in das zusammenbrechende NS-Deutschland transportiert wurden, um dort, gestützt auf die Rote Armee, an die Macht gebracht zu werden. Maron gehörte zur von Walter Ulbricht persönlich geführten Gruppe, deren Aufgabe darin bestand, in Berlin die Kontrolle zu übernehmen. Wolfgang Leonhard, damals kommunistischer Nachwuchsfunktionär, hat darüber eingehend berichtet. »Es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben«, war die von Ulbricht ausgegebene Devise. Foto: Jürgen Bauer Und Karl Maron gehörte zu den eifrigsten Helfern bei deren Umsetzung. Im September 1950 wurde er Chef der »Deutschen Volkspolizei«, die bereits teilweise militärisch ausgebildet und ausgerüstet wurde, lange bevor förmlich die »Nationale Volksarmee« geschaffen wurde, auch lange bevor die Bundeswehr aus der Taufe gehoben wurde. Seit 1954 Mitglied des Zentralkomitees der SED, wurde Maron 1955 Innenminister der DDR. 1963 trat er aus gesundheitlichen Gründen zurück und starb 1975. Ohne die intime Kenntnis der Funktionärselite der SED hätte Monika Maron kaum ein Buch wie »Stille Zeile Sechs« (1991) schreiben können. Die Hauptfigur, eine desillusionierte Historikerin, soll die Memoiren eines ehemals hochrangigen SED-Funktionärs aufschreiben – und die beiden geraten über die Art und Weise, mit der eigenen Vergangenheit umzugehen, aneinander. Das Buch erschien zehn Jahre nach Monika Marons Debüt-Roman »Flugasche«, der zugleich eng mit ihrem Bruch mit dem SED-Regime verknüpft ist. Sie hatte nach einem Studium der Theaterwissenschaft eine journalistische Tätigkeit aufgenommen. In diesem Zusammenhang schrieb sie 1974 eine Reportage über die Lage in Bitterfeld, wo in Anbetracht der rücksichtslosen Braunkohleverwertung katastrophale Umweltschäden entstanden waren und die Gesundheit der Be-

völkerung beeinträchtigt wurde. Teile des kritischen Artikels fielen der Zensur zum Opfer. Aus dieser Erfahrung ging »Flugasche« als Roman hervor, der allerdings in der DDR nicht erscheinen durfte und Anfang 1981 in der Bundesrepublik herauskam. Zwischenzeitlich war Monika Maron freie Schriftstellerin geworden. 1976 versuchte die Stasi sie als IM zu gewinnen, sie lehnte es jedoch ab, eine entsprechende Verpflichtungserklärung zu unterschreiben. Infolge eines ihr erlaubten Besuchs in West-Berlin schrieb sie jedoch zwei Berichte für das Ministerium für Staatssicherheit – wer diese liest, weiß, was Joachim Gauck meinte, wenn er betonte, die Berichte seien so verschieden wie die Motive derer, die der Stasi Schriftliches lieferten. Monika Marons erster Bericht ist eine engagierte Abrechnung mit dem Alltag in der DDR vor dem Hintergrund der schockartigen Erfahrung von dessen Andersartigkeit in West-Berlin (nachlesbar: http://www.fischerverlage. de/autor/monika_maron/3516). Im zweiten Bericht, in dem sie Treffen in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin schildert, verweigert sie ausdrücklich die Nennung der Namen von beteiligten DDR-Bürgern, da sie eine derartige »Bespitzelung« ablehne. Nachdem Monika Maron 1978 ihre Zusammenarbeit mit der Stasi von sich aus beendete, wurde sie für diese zum »Operativen Vorgang ‚Wildsau‘«. Sie wurde bis zu ihrer Ausreise in die Bundesrepublik 1988 observiert. Seit 1992 lebt Monika Maron wieder in Berlin. Sie hat neben den genannten Büchern zahlreiche weitere Romane und Essay-Bände veröffentlicht. Für ihre literarische Arbeit hat sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter den Kleist-Preis (1992), den Deutschen Nationalpreis (2009) und zuletzt den Lessing-Preis des Freistaates Sachsen (2011). Monika Maron liest. Im Gerhart-Hauptmann-Haus. Am 17. Juni. Da war doch mal was …? Eben darum. Winfrid Halder

PS: Und Fußball gibt’s auch. Nach der Lesung besteht die Möglichkeit, gemeinsam das Europameisterschaftsspiel Deutschland-Dänemark zu verfolgen.

Zwei Mal deutschtschechische Historie im Film – Notwendige Geschichte(n) Nein, Unterhaltungsfilme sind diese beiden jüngst veröffentlichten Spielfilmproduktionen wirklich nicht. Vielmehr übersetzen sie die dunkelste Etappe der deutsch-tschechischen Beziehungen in einprägsame, verstörende, nicht leicht wieder zu vergessende Bilder. Sie geben dem Grauen und der Gewalt Gesichter, indem sie Geschichte nicht wissenschaftlich-abstrakt abhandeln, sondern mit Hilfe ganz konkreter menschlicher Personen. In »Habermann« (10.05.)steht ein (fiktiver) deut- Do, scher Sägewerks- und Mühlenbesitzer im 10.05. Mittelpunkt, der ver- 18.00 Uhr geblich versucht, sich gegen die Vernichtung der jahrhundertealten deutsch-tschechischen Symbiose im Zeichen der Zerschlagung der Tschechoslowakei durch den NS-Staat seit 1938/39 zu stemmen. Er gerät letztlich mit seiner Familie zwischen die Fronten und bezahlt dies mit dem Leben. Die Filmhandlung setzt ein in der Zeit der Münchner Konferenz (29./30. September 1938), der der Einmarsch deutscher Truppen in die Tschechoslowakei folgte. Sie endet mit der gewalttätigen Vertreibung der deutschen Einwohner am Ende des Zweiten Weltkrieges. Regie in der deutsch-österreichisch-tschechischen Koproduktion führte der aus der Slowakei stammende Juraj Herz. Juraj Herz erhielt für »Habermann« 2009 gemeinsam mit Hauptdarsteller Mark Waschke den Bayerischen Filmpreis. Daneben spielt ein hochkarätiges Ensemble, unter anderem Ben Becker und Hannah Herzsprung. Im Anschluss findet ein Gespräch zwischen dr. Günther reichert und Juraj Herz (angefragt) statt. »Lidice« (12.06., Ort: Bambi Filmstudio Kino, Klosterstr. 78, 40211 Düsseldorf Eintritt: 5/7 Euro, Originalfassung Di, mit Untertiteln) ist mit »Habermann« 12.06. durch die zeitliche 19.00 Uhr Nähe und den sachlichen Zusammenhang der beiden Filmhandlungen verbunden. Schon der Titel macht deutlich, dass die 2011 fertiggestellte tschechische Produktion das schreckliche Schicksal des gleichnamigen Dorfes unweit von Prag 1942 und seiner Bewohner behandelt (vgl. S. 7) Auch hier wird das Grauen anhand konkreter Personen aufgezeigt. In beiden Filme spielt im Übrigen Karel Roden eine Hauptrolle. Winfrid Halder


22 Kinemathek

PreuSSenfilmreihe

Der große König (Deutschland 1941), Kadetten (Deutschland 1939), Der Choral von Leuthen (Deutschland 1932/33) Nicht zufällig kam dieser aufwendig allgemeinen Kinostart von »Der Große inszenierte Film »Der große König« König« ging Lübeck als erste deutsche Ende März 1942 in die deutschen Großstadt in einem britischen FlächenKinos. Der von Joseph Goebbels gebombardement unter (28./29. März steuerte Propaganda-Apparat des NS1942). Staates wusste längst, dass bei vielen Nicht zuletzt zahlreiche militärische Deutschen der Glaube an den Sieg im Experten auf deutscher Seite hielten in Gang befindlichen Krieg im Schwinden Krieg Anfang 1942 für verloren den begriffen war. Als Ende 1941 der – auch wenn niemand wagte, dies öfWinter eingesetzt fentlich zu äußern. hatte, war der verBezeichnenderweise In Zusammenarbeit mit meintliche Sieges- dem Oberschlesischen entließ Hitler Mitte Landesmuseum lauf der Wehrmacht Dezember 1941 den Ratingen-Hösel im Ende Juni befür einen geordneten gonnenen Feldzug Rückzug eintretengegen die Sowjetden Oberbefehlshaunion ins Stocken geraten. Vor Moskau ber des Heeres, Generalfeldmarschall begann in eisiger Kälte der Rückzug der Walter von Brauchitsch, und übernahm schlecht ausgerüsteten deutschen Soldiese Funktion persönlich. Der Gedaten. Die deutsche Heeresgruppe Mitfreite des Ersten Weltkriegs entfernte te, die zuvor auf die sowjetische Hauptnoch mehrere andere Generäle, die stadt vorgerückt war, verlor in den drei ähnlich wie Brauchitsch dachten, von Monaten zwischen November 1941 ihren Posten, darunter den bisherigen und Januar 1942 annähernd 400.000 Befehlshaber der Heeresgruppe Mitte, Mann an Gefallenen, Verwundeten Generalfeldmarschall Fedor von Bock. und Gefangenen. Der völligen VernichDa kommt der Film »Der große Kötung entging sie nur knapp. Obwohl die nig« wie ein Spiegelbild daher: Die Winterkatastrophe im Krieg gegen die Handlung spielt 1759, um die Mitte des Sowjetunion unübersehbar war, hatten Siebenjährigen Krieges. Die preußische die NS-Machthaber am 10. Dezember Armee ist bereits zur Hälfte vernichtet. Am 12. August 1759 hatte Friedrich II. in der Schlacht bei Kunersdorf (unweit von Frankfurt an der Oder) gegen die verbündete russisch-österreichische Armee die schwerste Niederlage seiner militärischen Laufbahn hinnehmen müssen. Friedrichs Heer verlor an diesem einen Tag fast 19.000 Mann an Toten und Verwundeten. In der Realität dachte Friedrich II. unmittelbar nach der Schlacht an Selbstmord und traf Vorbereitungen für seine Nachfolge durch seinen jüngeren Bruder Heinrich – bevor ihn die überraschende Unfähigkeit des Gegners, die preußische Niederlage sofort zu einem vollständigen Sieg zu nutzen, dazu bewog, weiter zu kämpfen. Im Film indessen ist der königliche Feldherr nur kurz verzagt, Di, und schwingt sich dann zu dem auf, was die Nationalsozialisten sich von 10.04. allen Deutschen wünschten, zu »fana18. 00 Uhr tischem Siegeswillen« nämlich. Seine zaudernden Generäle zwingt er, ihm zu folgen. Und der einfache Feldwebel 1941 den Vereinigten Staaten von AmeTreskow lässt als vorbildlicher Soldat rika den Krieg erklärt, die unmittelbar unmittelbar nach der Hochzeit seine zuvor vom deutschen Bündnispartner junge Frau zurück und opfert sich in der Japan angegriffen worden waren. Damit nächsten Schlacht für seinen König und hatte der Krieg endgültig eine globale Führer … Dimension erreicht. Am Tag vor dem

Im Film ist zum letzten Mal Otto Gebühr in der Rolle Friedrichs II. zu sehen – wie überhaupt »Der Große König« die Reihe der zu Beginn der 1920er Jahre »erfundenen« Fridericus-Filme

Di, 12.06. 15. 00 Uhr schließt. Neben Gebühr agierte ein bewährtes Starensemble mit Kristina Söderbaum, Gustav Fröhlich, Paul Wegener, Elisabeth Flickenschildt und anderen. Regie führte Söderbaums Ehemann Veit Harlan, der sich besonderer Förderung durch Goebbels erfreute. Und der reale Krieg und die Verfolgung durch das NS-Regime waren so nah: In der Rolle des jungen Prinzen Heinrich ist Klaus Detlef Sierck zu sehen, eines der vielversprechendsten Schauspielnachwuchstalente in Deutschland. Sierck ist indessen fast genau zwei Jahre nach der Premiere des Films bei den Rückzugskämpfen in der Ukraine gefallen – 14 Tage vor seinem 19. Geburtstag. Klaus Detlefs Siercks Vater war Detlef Sierck. Dieser konnte, als er sich wegen seiner Ablehnung des NS-Regimes 1937 zur Emigration entschloß, seinen Sohn aus erster Ehe nicht davon überzeugen, ihn zu begleiten. Unter dem Namen Douglas Sirk setzte er seine Karriere als Regisseur in den USA fort und schuf mehrere Hollywood-Klassiker. Bezeichnenderweise war Sirks erster Film in den USA der Streifen »Hitler’s Madman« (1943) – ein Film, der sich mit dem Attentat auf Reinhard Heydrich und dessen mörderischen Folgen (vgl. Seite 21) aus-


23 Kinemathek einandersetzt. Fast zeitgleich griff diesen Stoff Fritz Lang auf, der deutsche Erfolgsregisseur der 1920er Jahre, der schon 1933 emigriert war (Hangman Also Die, Drehbuch: Bert Brecht, Musik: Hanns Eisler, 1943). Der früh umgekommene Klaus Detlef Sierck ist auch in »Kadetten« zu sehen. Darin spielte er bereits als Vierzehnjähriger die Rolle des Kadetten Hohenhausen, daneben agierten unter anderem Mathias Wieman und Martin Brendel. Regie führte Karl Ritter; der frühere Berufsoffizier war bereits seit 1925 NSDAP-Mitglied und hatte schon an verschiedenen Propaganda-Streifen mitgewirkt (darunter »Hitlerjunge Quex«, 1933). »Kadetten« macht die politische Instrumentalisierung des Kinos in NS-Deutschland noch augenfälliger als »Der große König«: Fertiggestellt wurde der Film 1939. Entstanden war er vor dem Hintergrund der scharf »antibolschewistischen«, gegen die Sowjetunion gerichteten Propaganda des NSStaates. Die Handlung spielt ihrerseits während des Siebenjährigen Krieges. Eine Gruppe sehr junger preußischer Kadetten gerät in russische Kriegsgefangenschaft und wird misshandelt, sie ertragen dies jedoch tapfer. Ein zuvor zu den Russen übergelaufener preußischer Offizier entschließt sich mit den Jungen zur Flucht, die auch gelingt. Gegen die sie verfolgenden Russen verteidigen sich die Kadetten heroisch, bis die preußische Armee ihnen zu Hilfe eilt. Vorgesehen war die Premiere von »Kadetten« im Rahmen des »Reichsparteitages« der NSDAP von 1939, der unter der Bezeichnung »Reichsparteitag des Friedens« ab dem 2. September stattfinden sollte. Die propagandistische Großveranstaltung wurde jedoch Ende August 1939 ohne Angabe von Gründen abgesagt – die NS-Führung wusste natürlich, dass der Krieg gegen Polen unmittelbar bevorstand. Tatsächlich begann der deutsche Angriff auf das östliche Nachbarland bekanntlich am 1. September 1939. »Kadetten« wurde danach weiterhin zurückgehalten – denn der Film passte nicht mehr in das mit atemberaubender Geschwindigkeit gewandelte Propaganda-Konzept der Machthaber. Die beiden Diktatoren Hitler und Stalin hatten sich überraschend am 23. August 1939 auf einen Nichtangriffs-Pakt geeinigt, welcher der Vorbereitung der dann von beiden Diktaturen noch vor Jahresende vollzogenen fünften Teilung Polens diente. Ungeachtet ihrer weiter bestehenden fundamentalen ideologischen Feindschaft begründeten Hitler und Stalin aus ausschließlich taktischen Gründen einen vorübergehenden modus vivendi

ihrer Herrschaftsbereiche. Dazu gehörte ein blitzartiges Verschwinden der zuvor in den straff gesteuerten Medien vorgetragenen wechselseitigen Angriffe. »Passend« wurde »Kadetten« erst wieder nach dem Ende des Scheinfriedens durch den deutschen Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941. Nicht von ungefähr wurde die 1939 ausgefallene Filmpremiere jetzt nachgeholt – und zwar am 2. Dezember 1941, als die oben beschriebene Winterkatastrophe für die deutsche Wehrmacht längst in vollem Gange war. Da war heroischer Widerstand gegen »die Russen« wieder gefragt.

Di, 08.05. 15. 00 Uhr »Der Choral von Leuthen« markiert die Schnittstelle der »Fridericus«-Filme zwischen dem patriotischen Kino der Weimarer Republik und der vollständigen propagandistischen Instrumentalisierung des deutschen Films im NS-Staat. »Der Choral von Leuthen« wurde 1932 produziert, kam aber erst seit dem 3. Februar 1933 in die deutschen Kinos. Hitler war eine knappe Woche zuvor zum Reichskanzler ernannt worden und der rasante Aufbau der NS-Diktatur begann gerade erst. Der Versuch der ideologischen Steuerung des gesamten künstlerischen Schaffens gewann mächtig an Fahrt, als Mitte März 1933 das »Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda« mit Joseph Goebbels an der Spitze geschaffen wurde. Aufgabe des neuen Ressorts war ausdrücklich die »geistige Mobilmachung« Deutschlands. Und dabei spielte der Film in der Folgezeit eine herausragende Rolle. Davon war »Der Choral von Leuthen«

noch unberührt – er setzte vielmehr die bereits seit Beginn der 1920er Jahre publikumsträchtige Reihe der »Fridericus«-Filme fort. Die Handlung spielt einmal mehr im Siebenjährigen Krieg, den der historische Friedrich II. zwar selbst verschuldet und begonnen hat – dass er ihn aber wider alles Erwarten, wenn auch nur mit knapper Not am Ende siegreich überstanden hat, trug entscheidend zur Entstehung des Friedrich-Mythos in Deutschland bei. Otto Gebühr übernahm zum sechsten Mal die Rolle des Königs. Der Film kann gewissermaßen auch als eine Art Wasserscheide für und wider die Anpassung an die NS-Diktatur gesehen werden: Während viele der beteiligten Filmschaffenden – darunter neben Otto Gebühr etwa auch Veit Harlan (als Schauspieler) oder Carl Froelich (Regie) – im Anschluß daran ihre Karrieren unter der Ägide von Goebbels fortsetzten, entschieden sich einige Andere ganz anders. Werner Finck etwa (in der Rolle des Theologie-Kandidaten Christian) konzentrierte sich wieder auf das Kabarett und riskierte mit seinen legendären Frechheiten Kopf und Kragen (»Ich stehe hinter jedem, bei dem ich nicht sitzen muß, wenn ich nicht hinter ihm stehe.«). 1935 war er für einige Monate im Konzentrationslager Esterwegen inhaftiert, danach erhielt er Auftritts- und Arbeitsverbot. 1939 meldete sich Finck freiwillig zur Wehrmacht, da er als Soldat dort einen freilich höchst fragilen Schutz vor weiterer politischer Verfolgung genoß. Er hat fast sechs Jahre Kriegsdienst überlebt und trat gleich 1945 wieder als Kabarettist auf (»Es gibt manche, die haben sich derartig getarnt, dass sie vor lauter Tarnung Gauführer wurden.«). Ludwig Trautmann wurde nach 1933 wegen seiner homosexuellen Neigung mehrfach inhaftiert. Jack Mylong-Münz emigrierte über mehrere Stationen in die USA und ist nie wieder dauerhaft nach Deutschland zurückgekehrt. Paul Otto gelang es für längere Zeit seine jüdische Herkunft vor den NS-Machthabern zu verbergen. Als diese im November 1943 doch bekannt wurde, beging er mit seiner Ehefrau Charlotte Klinder, ebenfalls Schauspielerin, gemeinsam Selbstmord. Fritz Spira mußte 1933 emigrieren und wurde 1938 nach der Annektierung Österreichs verhaftet. Er ist vermutlich 1943 in einem Konzentrationslager in der Woiwodina ums Leben gekommen. Die Geschichte der an der Entstehung von »Der Choral von Leuthen« beteiligten Menschen spiegelt brennglasartig die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts. Winfrid Halder


24 Kinemathek/Theater

Filmvorführung und Gespräch mit dem Filmemacher Andrzej Klamt

Szenische Lesung

Die geteilte Klasse (Deutschland/Polen 2011)

In Zeiten des Krieges

Der Autor Andrzej Klamt hat sich auf sind? Empfinden sie ihre »deutschen« die Suche gemacht nach ehemaligen Klassenkameraden als Verräter oder als Mitschülerinnen und Mitschülern. Sie Glückskinder, die das bessere Los im gehörten wie der 1964 in Bytom (dem Leben gezogen haben? früheren Beuthen O/S) geborene FilDer Film behandelt viele bisher in den memacher selbst ein und derselben deutsch-polnischen Beziehungen weSchulklasse an. Später trennten nig beachtete Fragen auf einer sich ihre Wege: Die eine Hälfte Ebene, die von den Zuschauern ist nach Deutschland ausgeals echt und unmittelbar empDi, wandert, nach und nach in den 22.05. funden wird. Westen »verschwunden«. Die Thomas Urban nannte den 19.00 Uhr Film unlängst in der Süddeutandere Hälfte der Klasse blieb in Polen. schen Zeitung »ein leises »Die geteilte Klasse« behanStück Zeitgeschichte, über das delt ein bisher in der deutschen wie Zurechtfinden zwischen zwei Kultuauch der polnischen Öffentlichkeit zu ren und Nationen, die sich lange als wenig beachtetes Thema: Die IntegraErbfeinde ansahen, erzählt durchaus tion der sogenannunterhaltsam, geleten Spätaussiedler gentlich mit einem (Deutschstämmige leisen Anflug von aus Polen) in der Ironie.« Bundesrepublik »Die geteilte KlasDeutschland. Er se« ist eine deutschbehandelt expolnische Koproemplarisch die duktion, gefördert Geschichte von von der Hessischen unzähligen NeuFilmförderung und bürgerinnen und dem Polnischen InNeubürgern in der stitut für Filmkunst Bundesrepubli k , sowie der Stiftung die nicht so befür deutsch-polnirühmt geworden sche Zusammenarsind wie Miroslav beit mit Beteiligung Klose oder Lukas von RBB. Das DrehPodolski, gleichbuch wurde von der wohl eine ähnliche Robert-Bosch-StifVorgeschichte hatung gefördert. ben. Die ehemaDer Autor des ligen Schüler der Films, Andrzej geteilten Klasse stehen für Schicksale Klamt, lebt seit seiner Übersiedlung und Empfindungen von vielen hun1979 in der Bundesrepublik Deutschderttausenden Menschen deutscher land. Er hat seit 1985 in Frankfurt/M. Herkunft aus Osteuropa, die vor allem Filmwissenschaft und Slawistik stuin den 1970er und 1980er Jahren nach diert. Seit 1990 ist er als freier FilmemaWestdeutschland eingewandert sind. cher und Produzent tätig. Seine Filme Diese bis heute zumeist »schweigenwurden auf zahlreichen Festivals, u. a. de« Minderheit kommt in diesem der Berlinale, bei der IDFA Amstersehr persönlichen Film ausführlich zu dam und in Nyon gezeigt. Er hat bereits Wort und erzählt die Geschichte ihrer verschiedene Preise und AuszeichnunKindheit im damals kommunistischen gen erhalten, darunter den Hessischen Polen, der Ausreise in den »goldenen Filmpreis (2000). Winfrid Halder Westen«, wie die der schweren ersten Jahre in der Bundesrepublik. Heute sind die meisten von ihnen in der deutschen In Zusammenarbeit mit Gesellschaft angekommen. Doch wie CULTURA Polnischspra»ticken« diese Einwanderer und wie chige Gemeinschaft e. V. hat das Leben sie geformt? Düsseldorf Und was ist aus den in Polen Gebliebenen geworden? Sind sie neidisch auf die, die nach Deutschland gezogen

Zwei Soldaten, Jafarka, ein afrikanischer Warlord und Jürgen, ein deutscher Stabsoffizier sowie die zwei Soldatinnen, die Heilige Johanna und Jane, eine amerikanische Sanitäterin, kämpfen in ihren Monologen mit ihrem Feind und mit sich selbst. Fr, Gemeinsam ist ih15.06. nen, dass ihre mili19.00 Uhr tärischen Ränge, die ihnen Macht über Menschen und Situationen geben, sie verführen, eher unmenschlich als menschlich zu sein. Der 5. Soldat, der Gefreite Jaroslav, erfährt, während er mit seinem an AngstDiarrhöe leidenden Hauptmann durch die Aborttüre plaudert, dass es auf der Stelle Frieden für Welt und Bäuche geben könnte, wenn per Knopfdruck alle rangbasierte Macht zu beseitigen wäre. Diese Utopie geht zumindest im Stück für den »Kompanietrottel« in Erfüllung. Anregungen für die fünf Monologe »In Zeiten des Krieges« hat der Autor Georg-Achim Mies Texten von T. Marinetti, E. Jünger, J. Haŝek, F. Schiller Sa, und amerikanische Mitteilungen aus den 16.06. 19.00 Uhr Irakkriegen entnommen. Mittels Verfahren der literarischen Montage, der Überschreibung und Ergänzung sind fünf literarische Portraits von Soldatinnen und Soldaten entstanden. Der Schauspieler Günter Barton stellt diese fünf Rollen in szenischer Lesung vor. Der Schauspieler und Regisseur sind nach der Aufführung zu einem Austausch bereit. Begrenzte Platzzahl. Karten und Information unter: 0211-1699118 Eintritt: 5,00 € ermäßigt: 3,00 € Fünf Monologe Text: Georg-Achim Mies Szenische Lesung: Günter Barton


25 Nacht der Museen

Begegnung der Kulturen im Gerhart-Hauptmann-Haus

Die lange Nacht der Museen in Düsseldorf

Der in Berlin lebende Schauspieler Günter Barton ist vielen Zuschauern durch zahlreiche Film - und Fernsehproduktionen beknnt. Ebenso erhielt er Leseaufträge für Theater und kulturelle Einrichtungen u. a.: Böll Stiftung, Goethe Institut, Gerhart Hauptmann Museum. Als Theaterschauspieler gastierte er u.a. am Schauspielhaus Frankfurt, Thalia Theater, Theater an der Wien, Der Kreis (George Tabori) Wien, Renaissance Theater Berlin, Theater des Westens und war Mitglied der Berlin Comedian Harmonists, eine Erfolgsproduktion des Theaters am Kurfürstendamm Berlin. Für seine Leistungen erhielt er Auszeichnungen wie: Goldener Vorhang 1998 Berlin , BZ Kulturpreis 1998 Berlin www.guenterbarton.de

Prof. Dr. Georg-Achim Mies war bis 2008 Hochschullehrer am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein (Mönchengladbach). Lehrgebiet: Theater- und Interaktionspädagogik. An der Hochschule Niederrhein hat er zahlreiche »klassische«, »moderne« und »verrückte«, Theaterprojekte mit Studierenden »drinnen und draußen« initiiert. Außerdem war er als Regisseur und Dramaturg an verschiedenen Deutschen Theatern, Musiktheatern und auch als Dramaturg für Konzertzyklen tätig. Aktuelle Veröffentlichung: Meis /Mies (2012): Künstlerisch-ästhetische Methoden in der Sozialen Arbeit: Kunst, Musik, Theater, Tanz und digitale Medien, Stuttgart (Kohlhammer).

Programm »Begegnung der Kulturen« lautet der Titel für die Veranstaltungen im Gerhart-Hauptmann-Haus, die Eindrücke vom Schaffen einiger Künstler aus dem östlichen Europa zeigen und den Dialog zwischen Düsseldorfern und Persönlichkeiten östlicher Prägung vermitteln.

Ausstellung Gezeigt wird die Dokumentarausstellung »Ihre Eltern kamen aus Masuren – Kuzzora, Szepan und das goldene Zeitalter des FC Schalke 04«. (Siehe S. 12)

Bühnenprogramms auf. The Spiderpigs steht für Rock’n’Roll, Drive und entfesselte Energie! Eine Symbiose aus eigenen Texten und Melodien, heißer Show und impulsivem, ansteckenden Sound sorgt für heiße Sohlen und Atemnot. DiSa, rekter und ehrlicher 28.04. Rock’n’Roll wird 19.00 Uhr zum experimentellen Medium und fusioniert mit Reggae, Funk, Jazz und Kraut zum Pulsschlag der Band. Nach langem Hin und Her haben sich die Musiker der Bands The Nafigators und Travpunkt Ende 2011 entschlossen, ein neues Musikprojekt unter dem Namen »Unty Murugana« zu starten. Das Projekt stellt eine bunte Mischung aus Ethno-Rock und Elektro-Jazz dar, wobei es den Musikern selber schwer fällt, den eigenen Stil zu beschreiben. Den Abschluss gestaltet die Band »Bark Up The Wrong Tree« mit Alternativ/ Pop/Thrash. Die Bandmitglieder sind Sängerin Marina, Gitarrist/Bassist Patrick, Gitarrist/Bassist Rouven und Schlagzeugerin Dominique aus Mettmann.

Livemusik

An der Theke:

Die russische Rock’n‘Roll Band ‚The Spiderpigs‘, Hausband des GerhartHauptmann-Hauses, tritt zu Beginn des

Samowar Ecke mit heißem Trank und kühlen Tropfen

Lesung »So eine Krone ist lediglich ein Hut, in den es hineinregnet.« Ins GerhartHauptmann-Haus regnet es nicht nur nicht rein, es sind dort auch ein paar kleine kulturelle Kronen zu bewundern. So werden »Kartoffel-Lesungen« u. a. mit Myriana Marconi-Dybowski und Volker Neupert über Toleranz, Windhunde, Erdfrüchte und die Freuden der Poesie angeboten und über Portraits, gesprochene und musikalische Statements sowie Fußballhistorie die Vielfalt der menschlichen Lebenswege gezeigt.


26 Chronologie

Mi jeweils 18.00 bis 20.30 Uhr Probe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft Ostpreußen-Westpreußen-Sudetenland Leitung: Radostina Hristova

Mi 04.04., 16.05., 06.06. | jeweils 15 Uhr Ostdeutsche Stickerei mit Helga Lehmann und Christel Knackstädt Raum 311

Mi 04.04. | 19.15 Uhr

Do 10.05. | 18.00 Uhr „Habermann“ (Deutschland, Österreich / Tschechische Republik) Konferenzraum (Siehe S. 21)

Sa 19.05. | 08.30 Uhr Muttertagsfahrt der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Kreisgruppe Düsseldorf, nach Leutersdorf am Rhein Infos bei Karin Fuhrmann, Tel.: 02159/ 7375

Di 22.05. | 19.00 Uhr

„In Zeiten des Krieges“ Eichendorff-Saal (Siehe S. 24)

Vom 15. bis 17.06. Pommerntage im Pommernzentrum Lübeck Travemünde, Infos bei Heinz Butzbach, Tel.: 0211/ 36 24 81

So 17.06. | 18.00 Uhr Autorenlesung Monika Maron „Zwei Brüder. Gedanken zur Einheit“ Eichendorff-Saal (Siehe S. 20)

Di 19.06. | 19.15 Uhr

Ausstellungseröffnung „Ihre Eltern kamen aus Masuren“ Ausstellungsraum (Siehe S. 12)

Kinemathek „Die geteilte Klasse“ (Deutschland / Polen 2011) Konferenzraum (Siehe S. 24)

Di 10.04. | 18.00 Uhr

Mi 23.05. | 19.15 Uhr

Kinemathek „Der große König“ (Deutschland 1942) Konferenzraum (Siehe S. 22)

„Elisabeth Christine – Preußens unbekannte Königin“ Vortrag und Buchvorstellung von Karin Feuerstein-Praßer Konferenzraum (Siehe S. 3)

Mi 20.06. | 19.00 Uhr

Do 31.05. | 19.15 Uhr

„Der ‚böse Mann’ und die Folgen. Böhmen und Mähren in der Habsburgermonarchie nach dem Verlust Schlesiens“ Vortrag von Prof. Dr. Matthias Stickler Konferenzraum (Siehe S. 9)

Do 12.04., 10.05., 14.06. | jeweils 19.30 Uhr Offenes Singen mit Barbara Schoch Raum 312

Di 17.04. | 13.00 Uhr Sonderführung im Oberschlesischen Landesmuseum „300 x Friedrich. Preußens großer König und Schlesien“ (Siehe S. 4)

Mo 23.04. | 19.00 Uhr Ausstellungseröffnung „Juni 1941 – Der tiefe Schnitt“ Konferenzraum (Siehe S. 19)

Sa 28.04. | 19.00 Uhr „Begegnung der Kulturen“ Die lange Nacht der Museen (Siehe S. 25)

Di 08.05. | 15.00 Uhr Kinemathek „Der Choral von Leuthen“ (Deutschland 1932/33 Konferenzraum (Siehe S. 23)

Di 08.05. | 18.30 Uhr „Berlin – Vom Fischerdorf an der Spree zur Reichs- und Bundeshauptstadt“ Vortrag von Dr. Rudolf Alberg und PD Dr. Winfrid Halder Konferenzraum (Siehe S. 5)

„Das ‚Sichtbare Zeichen’ nimmt Gestalt an – Stand und Perspektiven der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ Vortrag von Prof. Dr. Manfred Kittel Konferenzraum (Siehe S. 6)

Mo 04.06. | 19.00 Uhr Ausstellungseröffnung „Tout le monde kaputt“ – Der Erste Weltkrieg im Comic Ausstellungsraum (Siehe S. 17)

Di 05.06. | 19.15 Uhr „Das Grauen. Die brutale Vernichtung Lidices vor 70 Jahren“ Vortrag von Dr. Peter Koura Konferenzraum (Siehe S. 7)

Di 12.06. | 15.00 Uhr Kinemathek „Kadetten“ (Deutschland 1939) Eichendorff-Saal (Siehe S. 22)

Di 12.06. | 19.00 Uhr Bambi Filmstudio Kino, Klosterstr. 78, Düsseldorf „Lidice“ (Siehe S. 21)

Fr. 15.06., Sa 16.06. | 19.00 Uhr Szenische Lesung

„Preußens Ende. Der ‚Preußenschlag’ vom 20. Juli 1932“ Vortrag von Prof. Dr. Bernd Faulenbach Konferenzraum (Siehe S. 8)

Ausstellungseröffnung „Porträts aus Böhmen und Mähren“ Konferenzraum (Siehe S. 18)

Do 21.06. | 19.00 Uhr

Mo 25.06. | 19.15 Uhr „Gerhart Hauptmanns ‚Bahnwärter Thiel’ – Im Spannungsfeld von Gewalten“ Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Born Konferenzraum (Siehe S. 10)

Di 26.06. | 19.15 Uhr Lesung „3,7 Millionen – Gerhart Hauptmanns Erzählung ‚Bahnwärter Thiel’“ Rezitationsabend mit Dr. Hajo Buch Konferenzraum (Siehe S. 11)


27

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WOJ 17. JG. - 1/2012 JANUAR/FEBRUAR/MÄRZ 2012 ISSN 0947-5273

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Dirk Urland M.A. Chefredakteur:

PD Dr. Winfrid Halder

WEST-OST-JOURNAL

Satz und Layout:

1 2012 JANUAR FEBRUAR MÄRZ

Markus Patzke

Zum 300. Geburtstag eines großen Königs mit neuer Veranstaltungsreihe

Herstellung: 03 VORTRAG

09 VORTRAG

11 AUSSTELLUNG

Wohl kein anderer König von Preußen erfreut sich heutzutage eines ähnlichen Bekanntheitsgrades in der deutschen Öffentlichkeit, auch und gerade jenseits der fachwissenschaftlichen Kreise wie Friedrich II., dessen Geburtstag sich am 24. Januar 2012 zum dreihundertsten Mal jährt. Das Porträt des »Alten Fritz« hat hohen Wiedererkennungswert, er gilt wohl noch immer Vielen als die Verkörperung Preußens schlechthin.

Als Wilhelm Matull im Jahre 1973 sein umfangreiches Werk »Ostdeutschlands Arbeiteiterbewegung. Abriß ihrer Geschichte, Leistung und Opfer« vorlegte, steuerte der amtierende Bundeskanzler Willy Brandt ein Geleitwort bei. Darin verlieh er der Hoffnung Ausdruck, das Buch möge dazu beitragen, »dass die ostdeutsche Arbeiterbewegung die ihr zukommende historische und politische Würdigung findet.«

Die Dönhoffs, ursprünglich aus Westfalen stammend, stiegen im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts im Dienst der polnisch-litauischen Krone zu einer bedeutenden Magnatenfamilie auf. Ein Zweig des Hauses ließ sich 1640 in Preußen nieder, wo sie sich zu einer der angesehensten Adelsfamilien entwickelten. De Bodt, schuf mit der Schlossanlage ein eindrucksvolles Zeugnis ...

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Kriegsnachwirkungen… Analytische Gesprächsgruppe für Kriegs- und Nachkriegskinder Etwa 16 Millionen Kinder haben in Deutschland den Krieg erlebt. Bomben, Flucht, Vertreibung, Vaterlosigkeit, Hunger und Gewalt haben in ihren Seelen tiefere Spuren und Verletzungen hinterlassen, als man früher vermutete. Meist blieben sie unaufgearbeitet und unausgesprochen. Um weitermachen zu können, hatte man früh gelernt, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zurückzustellen, sich das Weinen abzugewöhnen und die Angst zu vergraben. Der Dialog zwischen den Generationen war schwierig und versagte oft. Heute weiß man, dass die unverarbeiteten, teilweise traumatischen Kriegs- und Gewalterlebnisse weiterwirken, auch noch in die nachfolgenden Generationen hinein. Sie prägen Lebens- und Beziehungsmuster. Im Alter, wenn die Verpflichtungen aufhören, der Körper gebrechlicher und der »sichere Lebensrahmen« brüchiger wird, kommen oft die alten Erinnerungen wieder stärker hoch. Die Gruppe ist ein Angebot für Betroffene aus diesen Generationen, die ihre Gedanken, Erfahrungen und Gefühle mit anderen teilen und austauschen wollen. Sie können die Gruppe nutzen, um Ihre Biographie näher anzuschauen und besser zu verstehen. Es können aber auch aktuelle Fragen und Probleme angesprochen werden, die vielleicht noch eine Nachwirkung Ihrer besonderen Erlebnisse sind. Regelmäßig, einmal in der Woche, immer zur selben Zeit, können Sie im vertraulichen und geschützten Rahmen frei und offen über alles sprechen, was Sie zu diesem Thema beschäftigt und bewegt. Für Rückfragen stehe gerne zur Verfügung. Eine Teilnahme ist nur mit Anmeldung möglich. In diesem Fall werde ich mich wegen eines Vorgesprächs mit Ihnen in Verbindung setzen. Ab 5. September 2012 - Jeden Mittwoch, 10.30 – 12 Uhr - (nur mit Anmeldung !) Gerhart-Hauptmann-Haus, Raum 311 Kosten: 10 Euro pro Gruppentreffen, Leitung: Doris Taschner Anmeldungen können Sie per mail, Fax, Fon oder Post tätigen unter: Bitte dabei Name, Adresse, Kontaktdaten und das Geburtsjahr (!) angeben. doris.taschner@t-online.de, Fon/Fax: 0211 – 68 61 22

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Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern, Königin von Preußen, (* 8. November 1715 in Wolfenbüttel; † 13. Januar 1797 in Berlin) war die Tochter des Herzogs Ferdinand Albrecht II. von Braunschweig-Wolfenbüttel (Haus Bevern) und dessen Gemahlin Antoinette Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel. Sie war als Gemahlin Friedrich II. Königin in Preußen. Ihr widmet sich ein Vortrag in diesem Quartal. Das von Antoine Pesne gemaltes Porträt hängt im Schloss Charlottenburg.

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