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WOJ 16. Jg. - 4/2011 Oktober/November/Dezember 2011 ISSN 0947-5273

1 KAPITEL/ RUBRIK

THEMA

TITEL

West-Ost-Journal

4 2011

Oktober November Dezember

Die Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus mit runderneuerter Aussendarstellung 05 Vortrag

13 Künstlerwerkstatt

14 Schulprojekt

Es steht außer Frage, dass der berühmte Arzt, Mathematiker und Astronom Nikolaus Kopernikus (1473-1543) unser heutiges Weltbild stark beeinflusst hat. Er hat in seiner Schrift »De revolutionibus orbium coelestium« (1543 unmittelbar vor seinem Tod veröffentlicht) als erster Gelehrter mit nachhaltiger Wirkung Sonne, Erde und Sterne gewissermaßen ...

»Wir erfinden nicht, was schon da ist – wir übersehen es nur nicht.« Mit diesem Grundgedanken starteten wir 2001 die Künstlerwerkstatt im GerhartHauptmann-Haus in der Düsseldorfer Bismarckstraße. Es war nicht eine Gründungsaktion, die sich damit verbunden hätte, vielmehr ging es darum, eine bereits vorhandene Gemeinschaft ostdeutscher oder mit dem europäischen Osten und Südosten verbundener Künstler beizubehalten.

Ein außergewöhnlicher Ort – so scheint es – für die Präsentation der an unserer Stiftung erarbeiteten Wanderausstellung »Eduard von Simson – Schlüsselfigur des deutschen Parlamentarismus« ist derzeit Stauchitz.

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02 VORWort

INHALT 03  Vortrag und Gespräch mit Dr. Christoph Bergner MdB 05  Filmvorführung und Diskussion mit Helmuth Frauendorfer 07  Vortrag von Prof. Dr. Manfred Wilke 09  Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Born 10  Vortrag von Frau Prof. Dr. Margareta Mommsen 11  »Ex oriente lux« – Aus dem Osten kommt das Licht Kontrapunkt

13  WIR LADEN EIN! 14  Ein ostpreuSSischer Bildhauer in Dortmund 14  Redaktion der beilage KOntrapunkt 14  Alt-Temeswar 1870-1920 15  Hellmut Walters 17  »SO – UND GANZ ANDERS« 19   »Wunderjahre« 21  Ausstellung der Stiftung auf reisen 22  26. KinderKinofest 23  »MIX-MARKT einfach anders« 23  Schau- & Figurenspiel

Liebe Leserinnen und Leser, vielleicht waren Sie ein wenig verwundert, als Sie unser neues Journal in Ihrer Post fanden. Ja, richtig, es hat ein neues Gewand erhalten. Wir haben uns entschlossen, das Aussehen unserer Zeitschrift zu modernisieren – selbstverständlich ohne dass Sie dabei auf das gewohnte inhaltliche Niveau verzichten müssen. Aber in der vielfältigen Medienlandschaft von heute ist es unabdingbar, den Seh- und Lesegewohnheiten von Menschen, die unterschiedlichen Generationen angehören, Rechnung zu tragen. Das Journal ist also »farbiger« geworden, das Satzbild abwechslungsreicher. Darüber hinaus haben wir insbesondere unseren ebenfalls vollständig erneuerten Internetauftritt und das Aussehen des Journals konsequent aufeinander abgestimmt. Das bedeutet, dass die Besucher unserer Internetseite www.g-h-h.de das Journal auf den ersten Blick »wiedererkennen«, und dass umgekehrt auch Sie als Leserinnen und Leser des Journals beim »Surfen« auf unsere Seite sogleich wissen, dass Sie »richtig« sind. Beide Medien sind so enger aufeinander bezogen, und das im wörtlichen Sinne ganz »augenfällig«. Dies gilt auch insofern, als stets die aktuelle Nummer des Journals auf der Internetseite vollständig angezeigt wird. Wer mag, kann unsere Zeitschrift also auch am Bildschirm studieren.

Hier können Sie etwa die Möglichkeit der Vergrößerung nutzen, um die Texte noch angenehmer lesen zu können. Sie können aber auch einzelne Seiten oder das ganze Heft selbst ausdrucken – das gilt natürlich auch für ältere Nummern, die Sie vielleicht nicht mehr greifbar haben. Ferner finden Sie auf der Internetseite ein gegenüber dem bisherigen online-Auftritt deutlich erweitertes Informationsangebot zu allen Tätigkeitsbereichen der Stiftung. Schließlich wissen diejenigen von Ihnen, die wir in jüngster Zeit als Gäste hier im Hause begrüßen durften, bereits, dass wir auch den Eingangsbereich des Gerhart-Hauptmann-Hauses zeitgemäß »aufgefrischt« und vor allem durch den Einbau einer Empfangstheke mit vielfältigem Informationsangebot für Sie nutzerfreundlicher gestaltet haben. Sie sollten, sofern noch nicht geschehen, möglichst bald das neue Foyer selbst in Augenschein nehmen. Dazu bietet Ihnen das wie immer reichhaltige Programm des vierten Quartals 2011 ausgiebig Gelegenheit. Es versammelt in gewohnter Weise Traditionelles, an dem wir mit Überzeugung festhalten – wie etwa unseren Weihnachtsmarkt am zweiten Adventssonntag – und zugleich vielerlei Angebote zu aktuellen Fragen aus Politik, Kultur und Historie. Überzeugen Sie sich auf den folgenden Seiten selbst – und kommen Sie uns bald wieder besuchen! Stets Ihr


03 Vortrag

Vortrag und Gespräch mit Dr. Christoph Bergner MdB, Parlamentarischer Staatssekretär

Di, 04.10. 18.00 Uhr

Gegen ein falsches Bild der Deutschen aus Russland

Gegen Ende der Veranstaltungsreihe, die gemeinsam von Vira e. V., dem Landesverband Nordrhein-Westfalen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland und der Stiftung GerhartHauptmann-Haus anlässlich des 70. Jahrestages des Deportationserlasses vom August 1941 durchgeführt wird, wenden wir uns nach viel – unverzichtbarer – Historie verstärkt der Gegenwart zu. Die unmittelbaren Opfer der Deportation der Deutschen in der Sowjetunion, diejenigen Menschen, die im Zeichen des mörderischen Krieges zwischen NS-Deutschland und der stalinistischen Sowjetunion unter schrecklichen Bedingungen ihre Heimat (und allzu oft Angehörige und Freunde) verloren haben, sind selten geworden. Die seither verflossenen sieben Jahrzehnte haben ihren Tribut gefordert. Umso kostbarer ist das Wissen derjenigen Zeitzeugen, die noch unter uns weilen. Die Nachkommen jedoch der vom gewaltsamen Vertreibungsvorgang in der Sowjetunion direkt betroffenen Menschen sind heute zuallermeist ein bedeutender Teil unserer Gesellschaft. Aus der Sowjetunion bzw. deren Nachfolgestaaten kamen zwischen 1950 und heute mehr als 2,3 Millionen Menschen als Aussiedler oder Spätaussiedler in die Bundesrepublik Deutschland. Schätzungsweise 800.000 davon leben heute in Nordrhein-Westfalen – mehr als in jedem anderen Bundesland. Neben der Geschichte gibt es folglich gerade hier eine außerordentlich bedeutsame Gegenwart der Deutschen aus Russland.

Diese Gegenwart, insbesondere hinsichtlich der erreichten Erfolge in der Integration, aber auch hinsichtlich noch verbliebener Problemlagen, ist der Gegenstand des Abends mit Dr. Christoph Bergner. Ein kompetenterer Referent und Gesprächspartner hierfür ist schwerlich zu finden. Dr. Christoph Bergner fungiert seit Anfang 2006 als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Kurz zuvor war er als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium unter dem damaligen Innenminister Dr. Wolfgang Schäuble in das erste Bundeskabinett unter Kanzlerin Dr. Angela Merkel berufen worden. Im März 2011 wurde Dr. Bergner durch den neuen Innenminister Dr. Hans-Peter Friedrich erneut in dieses Amt berufen. Zusätzlich übernahm er die Funktion des Beauftragten der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer. Christoph Bergner ist folglich seit mehr als fünf Jahren landauf, landab intensiv mit Fragen der Integration von (Spät-)Aussiedlern befasst. Er hat sich durch seine offene und kommunikationsfreudige Art hier rasch das Vertrauen vieler Menschen erworben. Es ist ihm ein besonderes Anliegen, sich in der deutschen Gesamtgesellschaft für eine verbesserte Kenntnis der geschichtlichen Prägung und des schweren Schicksals der Deutschen aus Russland einzusetzen. In ungezählten öffentlichen Auftritten hat Christoph Bergner in diesem Zusammenhang immer wieder für ein verbessertes gegenseitiges Verständnis geworben. Zweifellos profitiert er dabei auch von seiner großen politischen Erfahrung, die er schon zuvor erworben hatte. Christoph Bergner wurde 1948 im sächsischen Zwickau geboren und lebte seit 1961 im thüringischen Saalfeld, wo er – wie im DDR-Bildungssystem vielfach üblich – zugleich mit der Berufsausbildung zum Rinderzüchter das Abitur erwarb. Von 1967 bis 1971 studierte er in Jena und Halle Landwirtschaft, 1974 erwarb er in Halle den Doktorgrad. Seit 1971 war er als evangelischer Christ Mitglied der Blockpartei CDU. Zwischen 1974 und 1990 arbeitete Bergner als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Biochemie der Pflanzen der Akademie der Wissenschaften der DDR in Halle. Im engeren Sinne politisch aktiv wurde er als Unterstützer des Neuen Forums, das 1989/90 eine wichtige Rolle in der Demokratiebewegung der DDR spielte. Im Jahre 1990 wurde Christoph Bergner für die CDU erstmals in den Landtag des neu gebildeten Landes Sachsen-Anhalt gewählt, dem er bis 2002 angehörte, die längste Zeit davon als Fraktionsvorsitzender. 1993/94 war er für einige Monate Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt. Zeitweilig auch Mitglied des Bundesvorstandes der CDU, zog er 2002 erstmals in den Deutschen Bundestag ein. Bei den Bundestagswahlen von 2005 und 2009 erhielt er jeweils neuerlich ein Abgeordnetenmandat. Wir freuen uns auf einen interessanten Abend mit Staatssekretär Dr. Bergner! Winfrid Halder

In Zusammenarbeit mit Vira e. V. und dem Landesverband NordrheinWestfalen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland


04 Vortrag Do, 06.10. 19.00 Uhr

Vortrag und Gespräch mit Dr. Jerzy Sikorski, Janusz CygaŃski (Allenstein) und Prof. Oskar Gottlieb Blarr (Düsseldorf)

Ein Mann aller Jahrhunderte Viel Neues über Nikolaus Kopernikus Es steht außer Frage, dass der berühmte Arzt, Mathematiker und Astronom Nikolaus Kopernikus (1473-1543) unser heutiges Weltbild stark beeinflusst hat. Er hat in seiner Schrift »De revolutionibus orbium coelestium« (1543 unmittelbar vor seinem Tod veröffentlicht) als erster Gelehrter mit nachhaltiger Wirkung Sonne, Erde und Sterne gewissermaßen »an den richtigen Platz gerückt«. Kopernikus hat den wesentlichen Schritt hin zur Durchsetzung des »heliozentrischen Weltbildes« getan und gehört damit zu den Begründern der modernen Naturwissenschaft. Nicht von ungefähr hat ihn der kaum minder berühmte Göttinger PhsyikProfessor und Autor Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), der 1797 eine der ersten Lebensbeschreibungen des Kopernikus in deutscher Sprache veröffentlichte, einen »Mann aller Jahrhunderte« genannt. Der Weg hin zum wissenschaftlichen (Nach-)Ruhm war lang, denn Kopernikus interessierte sich zwar schon als sehr junger Mann für die Astronomie, rein äußerlich stand sie allerdings nie im Zentrum seines Lebens. Kopernikus wurde Ende Februar 1473 als Kind einer deutschsprachigen Kaufmannsfamilie in Thorn geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters (1483) übernahm Dr. Lukas Watzenrode die Sorge um den Zehnjährigen. Der hochgebildete und wohlhabende Onkel, Domherr in Kulm und Frauenburg und seit 1489 mächtiger Fürstbischof des Ermlandes, stellte die Weichen für den offenbar herausragend begabten Neffen nach dem eigenen Vorbild. Der Junge sollte seinerseits eine geistliche Laufbahn einschlagen: Nach dem Schulbesuch vermutlich in Thorn, ermöglichte er dem 18-jährigen Nikolaus seit 1491 den Besuch der Universität Krakau. 1494 wechselte der Student Kopernikus an die Universität Bologna. Neben dem umfangreichen Studienprogramm (darunter nicht zuletzt Jura) beschäftigte sich Kopernikus schon als Student intensiv mit astronomischen Fragen. 1497 erhielt er, dem Wunsch seines bischöflichen Onkels entsprechend, an der Domkirche zu Frauenburg ein Kanonikat. Dieses sicherte ihn materiell ab, brachte allerdings für Kopernikus auch eine Fülle von Pflichten unterschiedlicher Art mit sich, so dass er seinen astronomischen Interessen

gewissermaßen nur als »Freizeitbeschäftigung« weiter nachgehen konnte. Zwischenzeitlich beurlaubte das Domkapitel Kopernikus noch einmal, damit er in Padua und Ferrara Medizin studieren konnte. Mit einem Doktorhut versehen, kehrte Kopernikus 1503 nach Frauenburg zurück. In der Folgezeit hat er nicht nur eine Vielzahl von Tätigkeiten in Politik und Verwaltung des Besitzes des Domkapitels (das neben seiner geistlichen Tätigkeit zugleich über ein eigenes Territorium herrschte) ausgeübt, sondern er war auch ein gefragter

Arzt. Nicht nur sein Onkel, als dessen Leibarzt er zeitweilig fungierte, schätzte ihn als Heilkundigen außerordentlich. Bedingt durch seine unterschiedlichen Beschäftigungen residierte Kopernikus keineswegs andauernd in Frauenburg, sondern hielt sich an vielen verschiedenen Orten des Ermlandes zum Teil auch länger auf, so in Allenstein und Heilsberg. Seine ärztliche Tätigkeit führte ihn auch nach Königsberg. Dadurch hat er auch an verschiedenen Orten Himmelsbeobachtungen vorgenommen, auf deren Grundlage er seine astronomische Lehre entwickelte. An die Öffentlichkeit trat er damit allerdings erst, wie schon erwähnt, kurz vor seinem Tod im Alter von 70 Jahren. Während also Kopernikus’ wissenschaftlicher Rang bekannt und unbestritten ist, klaffen in unserem Wissen über seine Biographie noch immer mancherlei Lücken. Und es herrschte insbesondere über den genauen Ort seiner Bestattung noch bis vor kurzem

Unklarheit. Erst unlängst konnte mit Sicherheit – unter Verwendung modernster technischer Hilfsmittel – bewiesen werden, dass Kopernikus tatsächlich zu Füßen eines der Seitenaltäre des Frauenburger Doms beigesetzt worden ist. Seit Mai 2010 gibt es dort ein neues, würdig gestaltetes Grabmonument. Wie die Auffindung und Identifizierung der Gebeine des Kopernikus gelang, ist eine Geschichte spannend wie ein Kriminalroman. Wir hören davon aus erster Hand: Dr. Jerzy Sikorski (Allenstein/Olsztyn), studierter Historiker, hat sich in seiner langen wissenschaftlichen Karriere wie kaum ein anderer mit Kopernikus befasst. Dr. Sikorski war derjenige, der den für die letztlich erfolgreiche archäologische Grabung im Dom zu Frauenburg zur Auffindung des Kopernikus-Grabes entscheidende Hinweise gab. Nicht minder intensiv mit der Erinnerung an Kopernikus befasst ist Janusz Cygański, Direktor des Muzeum Warmii i Mazur in Allenstein/Olsztyn. Das heutige Museum in der Allensteiner Burg war eine der Wirkungsstätten von Nikolaus Kopernikus. Beide gemeinsam berichten über den neuesten Kenntnisstand zu Kopernikus einschließlich der aufsehenerregenden Identifizierung der Grabstätte. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen – nicht zuletzt diejenigen, die sich vor der Uraufführung von Prof. Oskar Gottlieb Blarrs Kopernikus-Sinfonie am folgenden 7. Oktober in der Tonhalle Düsseldorf (20 Uhr) noch einmal ganz aktuell über den Mann informieren wollen, der den bekannten Komponisten zu seinem neuesten chorsinfonischen Werk inspirierte (Sinfonie IV »De revolutionibus orbium coelestium. Nicolaus Copernicus in honorem«). Die Düsseldorfer Symphoniker unter Leitung des jungen polnischen Dirigenten Lukasz Borowicz (trotz seiner Jugend bereits seit 2007 Chefdirigent des Polnischen Radio-SinfonieOrchesters Warschau und Gast diverser internationaler Klangkörper) werden in dem groß besetzten Werk ihre ganze Klangfülle ausspielen können. Vier Solisten, der renommierte Chor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf sowie der Jugendchor der ClaraSchumann-Musikschule werden ihrerseits das Werk an der Uraufführung mitwirken. Im Übrigen hat es natürlich Fortsetzung Seite 5


05 Vortrag

Filmvorführung und Diskussion mit Helmuth Frauendorfer, Stellv. Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

»An den Rand geschrieben« – Rumäniendeutsche Schriftsteller im Fadenkreuz der Securitate

Vor ziemlich genau einem Jahr brachte die Frankfurter Allgemeine Zeitung – wie andere Medien auch – eine Meldung, die nicht nur in den an rumäniendeutscher Literatur interessierten Kreisen wie ein Paukenschlag wirkte: Der weithin bekannte Dichter Oskar Pastior war beim Geheimdienst des Ceaucescu-Regimes Securitate als »Informeller Mitarbeiter«, also als Informant geführt worden. Der selbst aus Rumänien stammende Germanist und Direktor des Münchner Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas Stefan Sienerth hatte in

Bukarest eine entsprechende Akte gefunden. Vermutlich wäre das öffentliche Aufsehen um diese Entdeckung unter anderen Voraussetzungen weit geringer ausgefallen: Pastior selbst war bereits 2006, wenige Tage vor seinem 79. Geburtstag, verstorben. Der »Entlarvte« also konnte nicht mehr zur Stellungnahme aufgefordert worden. Aber ein knappes Jahr zuvor hatte Herta Müller den Literaturnobelpreis erhalten, wodurch ein ungeahntes Maß an Aufmerksamkeit auf den relativ kleinen Kreis der deutschsprachigen Autorinnen und Autoren gelenkt wurde, die unter der kommunistischen Diktatur in Rumänien zu schreiben begonnen hatten. Und Herta Müller hatte nie ein Hehl aus ihrer engen persönlichen und künstlerischen Beziehung zu dem weitaus älteren Pastior gemacht. Sie reagierte nun auf die Archivfunde über den bislang verehrten Kollegen bestürzt – wie andere auch. Seither ist die Debatte über Schuld und Unschuld, über existentielle Zwänge

einen ganz eigenen Charme, dass ein Kopernikus gewidmetes Werk in der Tonhalle erklingt – dem früheren Düsseldorfer Planetarium! Prof. Blarr ist gebürtiger Ostpreuße (geboren 1934 bei Bartenstein/Bartoczyce) und unserem Haus seit vielen Jahren verbunden. Zugleich ist er seit Jahrzehnten eine der tragenden Säulen des Musiklebens in Düsseldorf. Oskar Gottlieb Blarr studierte Kirchenmusik und Schlagzeug an der Musikhochschule in Hannover. 1961 wurde er zum Kantor und Organisten an der Neanderkirche in Düsseldorf berufen, wo er bis 1999 wirkte. Daneben studierte er Komposition bei Bernd Alois Zimmermann, Krzysztof Penderecki und Milko Kelemen. Seit 1984 lehrte er selbst an der Düsseldorfer Musikhochschule, an der er 1990 zum Honorarprofessor ernannt wurde. Prof. Blarr hat für seine Tätigkeit als ausübender Musiker und als Komponist zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen im In- und Ausland erhalten, darunter den JohannWenzel-Stamitz-Preis der Künstlergilde Esslingen (1993). Neben vielen anderen Aktivitäten liegt ihm insbesondere die Rettung, Erhaltung und Restaurierung historischer Orgeln in seiner ostpreußischen Heimat am Herzen. Prof. Blarr wird die Entstehungsgeschichte und die Leitgedanken seiner KopernikusSinfonie erläutern – wer ihn kennt, der weiß, dass er dies in einer unnachahmlichen, auch für musikalische Laien fesselnden und verständlichen Art und Weise zu tun versteht. Karten für die Uraufführung der Kopernikus-Sinfonie im Rahmen eines Konzertes der Düsseldorfer Symphoniker am 7. Oktober 2011, 20 Uhr, (auch mit Werken von Sergej Prokofiew und Gustav Mahler) sind erhältlich über die Konzertkasse der Tonhalle (Tel. 0211/8996123) und unter www.tonhalle.de. Wer noch mehr über die an diesem Abend gespielte Musik erfahren möchte, sollte vor dem Konzert den »Startalk« in der Tonhalle (19 Uhr) besuchen. Komponist und Dirigent werden dort dem Publikum zur Verfügung stehen. Nähere Informationen dazu ebenfalls unter www.tonhalle.de. Lassen Sie sich dieses Musikereignis der besonderen Art nicht entgehen! Winfrid Halder

In Zusammenarbeit mit dem Polnischen Institut Düsseldorf

und willige Mitarbeit, über Treue und Verrat, die es auch in der rumänischen Überwachungsdiktatur gegeben hat, nicht abgerissen. Dabei handelt es sich schließlich um ein Thema, das uns unter etwas anderen geographischen Vorzeichen, aber mit vielen sachlichen Parallelen aus der Geschichte NSDeutschlands und der DDR nur allzu bekannt ist. Auch der Referent des Abends, Helmuth Frauendorfer, kennt die Verhältnisse aus eigener Anschauung: Er wurde 1959 in Voiteg (Banat) geboren und ist in Temeswar in die Schule gegangen. Bereits als Schüler begann er selbst zu schreiben und kam in Kontakt mit dem Literaturkreis Adam-Müller-Guttenbrunn. Dort traf er Herta Müller und andere damals noch in Rumänien lebende deutschsprachige Autorinnen und Autoren. Frauendorfer studierte Germanistik und Anglistik, daneben veröffentlichte er eigene Arbeiten in der deutschsprachigen Presse. Der 1984 publizierte Gedichtband »Am Rande einer Hochzeit« brachte Frauendorfer massive Repressalien durch die Securitate ein. 1987 konnte er in die Bundesrepublik Deutschland ausreisen und zog nach West-Berlin. Dort wirkte er weiter als Autor und Journalist (unter anderem für den MDR). Darüber hinaus engagierte er sich intensiv in Menschenrechtsorganisationen. Seit April 2010 ist Helmuth Frauendorfer Referent für politische Bildung und stellvertretender Direktor der Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen. In der ehemaligen zentralen Untersuchungshaftanstalt des DDR-Staatssicherheitsdienstes wird heute an die Repression in der SEDDiktatur erinnert. Helmuth Frauendorfer wird zunächst den von ihm selbst konzipierten und gedrehten Dokumentarfilm »An den Rand geschrieben – Rumäniendeutsche Schriftsteller im Fadenkreuz der Securitate« (2010) vorstellen und zeigen. Darin kommt neben anderen auch Herta Müller zu Wort. Anschließend steht er für Fragen und Diskussion zur Verfügung. Winfrid Halder

Di, 18.10. 19.15 Uhr


06 Buchvorstellung Mo, 24.10. 19.00 Uhr

Buchvorstellung mit Uwe Rada, Berlin

»Die Memel – Kulturgeschichte eines europäischen Flusses« Für die einen ist sie das Symbol einer untergegangenen Geschichtslandschaft – der Strom Ostpreußens. Für andere symbolisiert sie das Zusammenleben von Deutschen und Litauern, Polen und Weißrussen, Russen und Juden in der Zeit von großen Gewalttätigkeiten des 20. Jahrhunderts. Die Memel hat mit ihrer multikulturellen Vergangenheit weite Teile Europas bis in unsere Zeit geprägt. Der Journalist Uwe Rada folgt dem historisch-geographischen Lauf dieses magischen Flusses von Minsk bis ins Kurische Haff und lässt die Städte und Landschaften beiderseits des Flusses lebendig werden. Er begegnet Kaufleuten, Fischern und Flößern, berichtet von der Nationalisierung der Memel, von Flucht, Vertreibung und Neubeginn, und er zitiert Gedichte und Romane, die entlang der Memel spielen. Sein Buch handelt von der Königin Luise und Napoleon, von Ludendorff und Pilsudski, vom Großfürstentum Litauen und dem Memelland, vom letzten europäischen Urwald und der Schönheit der Kurischen Nehrung. Eine bildreiche Reise entlang dieses faszinierenden Stromes. Uwe Rada arbeitet als Redakteur für die »taz« und als freier Buchautor. Er lebt in Berlin. Für seine publizistische Arbeit erhielt er verschiedene Stipendien und Preise, unter anderem von der Robert-Bosch-Stiftung und dem Goethe-Institut. Er hat mehrere Bücher zur Geschichte Osteuropas veröffentlicht, zuletzt »Die Oder. Lebenslauf eines Flusses«. Die Veranstaltung findet im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche »Treffpunkt Bibliothek - Information hat viele Gesichter« statt. Der Deutsche Bibliotheksverband e.V. ist Initiator der Aktionswoche, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. In der Zeit vom 24.-31. Oktober präsentieren sich in ganz Deutschland Bibliotheken mit Lesungen, Ausstellungen, Workshops, Events und vielen weiteren Aktionen als Partner für Medien- und Informationskompetenz sowie für Bildung und Weiterbildung. Der thematische Schwerpunkt in diesem Jahr lautet »Schätze«. Die Memel, die den meisten Deutschen nur aus der ersten Strophe des Deutschlandlieds bekannt ist, ist ein weit entfernter Erinnerungsort, eine verblichene Hinterlassenschaft der Geschichte, ein unentdeckter Schatz. Margarete polok

Suche von zeitzeugen und Literaturhinweisen »Für mein Promotionsvorhaben »Das Leben in den Kriegsund Zivilgefangenenlagern in Polen und den ehemaligen deutschen Ostprovinzen 1944 - 1950« an der Universität Köln suche ich Zeitzeugen, die während dieser Zeit in den betreffenden Lagern in Gefangenschaft waren. Diesbezüglich interessieren mich auch jede Art von Berichten und entsprechende Literaturhinweise. Tobias Metzner, Am Wehrhahn 40 in 40211 Düsseldorf.«


07 Vortrag

Vortrag von Prof. Dr. Manfred Wilke, ehem. Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin

»Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten« Der Bau der Berliner Mauer vor 50 Jahren Am 15. Juni 1961 fand in Ost-Berlin eine Pressekonferenz statt, bei der Walter Ulbricht die Hauptrolle spielte. Ulbricht, 1893 in Leipzig geboren, hatte bereits eine lange politische Karriere hinter sich: 1912 war der gelernte Tischler nach vorangegangener Betätigung in der Sozialistischen Arbeiterjugend in die SPD eingetreten. Während des Ersten Weltkrieges Soldat, wandte er sich der äußerst linken innerparteilichen Opposition um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu und trat dem Spartakusbund bei. Folgerichtig war Ulbricht an der Jahreswende 1918/19 mit Luxemburg und Liebknecht unter den Gründern der KPD. Bald darauf wurde er hauptamtlicher Funktionär der Partei und übte in den Jahren der Weimarer Republik verschiedene Ämter aus; seit 1928 gehörte er für die KPD dem Reichstag an. Noch 1933 verließ er angesichts der Verfolgung durch den NS-Staat Deutschland, nach verschiedenen Stationen in Paris und Prag, lebte Ulbricht seit 1938 in der Sowjetunion. Er war einer der Bewohner des berühmt-berüchtigten Hotels »Lux« in Moskau – dem »Absteigequartier der Weltrevolution« wie es als Gästehaus der sowjetischen Kommunisten genannt wurde. Faktisch übernahm Ulbricht in dieser Zeit gemeinsam mit Wilhelm Pieck die Führung der KPD, da Parteichef Ernst Thälmann schon Anfang 1933 in NS-Deutschland verhaftet worden war, gefangen gehalten und 1944 ermordet wurde. In der Sowjetunion überlebten freilich auch nur diejenigen der dorthin geflohenen deutschen Kommunisten, die sich während der brutalen »Säuberungen« als dem Diktator Josef Stalin absolut ergeben erwiesen. Neuere Schätzungen gehen davon aus, dass von circa 4.600 KPD-Mitgliedern, denen es gelungen war, in die UdSSR zu gelangen, etwa 3.000 Opfer der stalinistischen Verfolgung geworden sind – viele wurden sofort vom Geheimdienst erschossen (darunter etwa Heinz Neumann, in den 1920er Jahren einer der Gegenspieler Ulbrichts in der Partei), noch ungleich mehr wurden viele Jahre im Zwangsarbeitslagersystem des »Gulag« gefangen gehalten. Rund 1.000 angeblich abtrünnige deutsche Kommunisten wurden nach Abschluß des Hitler-Stalin-Paktes (August 1939) von der Sowjetunion den Verfolgungsbe-

hörden des NS-Staates ausgeliefert und danach zumeist in Konzentrationslagern inhaftiert. Ulbricht hatte überlebt und war 1945 im Auftrag Stalins nach Deutschland zurückgekehrt, um die deutschen Kommunisten dort endlich an die Macht zu bringen. Dazu diente nicht zuletzt die brachiale Schaffung der SED mittels der Zwangsvereinigung von KPD und SPD in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) im April 1946. Der Machtbereich der kommunistisch dominierten Einheitssozialisten blieb freilich beschränkt und selbst die Herrschaft in der SBZ/DDR war stets abhängig von der massiven Präsenz der Roten Armee zwischen Elbe und Oder. Niemals stellte sich die SED einer freien Wahl; schon die Abstimmung zum »Dritten Deutschen Volkskongress« im Mai 1949 – aus dem dann im Oktober 1949 die erste »Volkskammer« hervorging – war eine »Listenwahl«, bei der nur einer SED-dominierten Gesamtliste von Kandidaten die Zustimmung gegeben oder verweigert werden konnte. Obendrein wurde massive Wahlfälschung betrieben. Seit 1960 war Walter Ulbricht unter diesen Voraussetzungen der nahezu unumschränkte Machthaber in Ost-Berlin. Denn in diesem Jahr war Wilhelm Pieck verstorben, dessen Präsidenten-Amt wurde nicht wieder besetzt und Ulbricht hielt fortan die Fäden der Macht als Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED und Staatsratsvorsitzender allein in der Hand. Insofern war in jener Pressekonferenz am 15. Juni 1961 klar, dass jemand sprach, dessen Aussagen entscheidende Bedeutung zufiel. Vor dem Hintergrund der schon längere Zeit schwelenden »Berlin-Krise«, in deren Verlauf die Sowjetunion versuchte, die Präsenz der Westmächte in der faktisch schon seit 1945 geteilten Stadt zu beenden, stieß die angekündigte Pressekonferenz Ulbrichts auf ein großes Medieninteresse. Rund 300 Journalisten aus aller Welt folgten der Einladung dorthin. Deren propagandistischer Stellenwert wird auch daraus ersichtlich, dass der SED-gesteuerte Staatsrundfunk der

DDR eine rund zweistündige Sondersendung dazu ausstrahlte. Trotz der bereits seit 1952 vorgenommenen Sperrmaßnahmen zur Abschottung der DDR gen Westen konnte die massive Fluchtbewegung aus dem »Arbeiter- und Bauernstaat« bis dahin nicht eingedämmt werden. Die DDR hatte bereits rund drei Millionen Menschen verloren, die ihr dauerhaft den Rücken kehrten. Allein im Jahre 1960 waren es rund 190.000 gewesen. Da die Grenzlinie zur Bundesrepublik an Elbe und Werra inzwischen schon so wirksam gesperrt war, dass ein Überqueren schwierig und hochgradig gefährlich war, nutzte die große Mehrzahl der von der DDR kriminalisierten »Republikflüchtlinge« die Möglichkeit, relativ gefahrlos und rasch die Sektorengrenze von Ost- nach West-Berlin zu überschreiten. Der DDR-Führung war dieses »Schlupfloch« längst ein Dorn im Auge – sie konnte dagegen allerdings nicht vorgehen, da in Berlin der besondere Vier-Mächte-Status galt und die Westalliierten diesen schützten (auch durch die Anwesenheit ihrer Soldaten in West-Berlin). Einstweilen war die Sowjetunion unter Parteichef Nikita Chruschtschow nicht bereit, das internationale Risiko eines solchen Vorgehens in Kauf zu nehmen. Dennoch kursierten längst Gerüchte über eine bevorstehende Absperrung auch West-Berlins. Auf diese Gerüchte richtete sich die Frage der westdeutschen Journalistin Annamarie Doherr (Frankfurter Rundschau), welche sie am 15. Juni 1961 an Walter Ulbricht richtete. Ulbrichts Antwort – jederzeit nachhörbar im entsprechenden Mitschnitt – lautete wörtlich: »Ich verstehe Ihre Frage so, dass es Menschen in Westdeutschland gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, um eine Mauer aufzurichten, ja? Ääh, mir ist nicht bekannt, dass [eine] solche Absicht besteht, da sich die Bauarbeiter in der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigen und ihre Arbeitskraft voll ausgenutzt, ääh, eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.« Keine zwei Monate später begannen in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 mehrere Tausend bewaffnete Angehörige von Nationaler Volksarmee, Fortsetzung auf seite 8

Do, 17.11. 19.15 Uhr


08 Vortrag Do, 17.11. 19.15 Uhr

Volkspolizei und »Betriebskampfgruppen« mit den Absperrmaßnahmen entlang der Sektorengrenze zu West-Berlin, bei der bald auch die Arbeitskraft der Bauarbeiter Ost-Berlins ausgenutzt wurde. Nur wenige Tage zuvor war es der SED-Führung gelungen, sich nun doch die zuvor noch verweigerte Zustimmung der sowjetischen Machthaber zu ihrem Absperr-Plan einzuholen. Schon im März 1961 hatte Ulbricht eine entsprechende Forderung erhoben, zunächst vergeblich, da dies nicht in das geltende deutschland- und weltpolitische Konzept der Moskauer Führungsspitze passte. Da sich der Ton im Ost-West-Konflikt seither verschärfte, gab Moskau dann Anfang August 1961 der SED-Führung doch grünes Licht. Bei der Umsetzung des Mauerbaus machte sich ein jüngerer Nachwuchs-Funktionär der SED besonders verdient: Erich Honecker. Fast 20 Jahre jünger als Ulbricht, bekleidete Honecker zu diesem Zeitpunkt bereits den wichtigen Posten des Sekretärs für Sicherheitsfragen beim ZK der SED. Seit 1958 gehörte der frühere kommunistische Jugendfunktionär und erste Vorsitzende der »Freien Deutschen Jugend« dem Politbüro der SED an und war damit in den engsten Machtzirkel der DDR vorgestoßen. Honeckers Koordinations- und Leitungstätigkeit beim Mauerbau verlief aus der Sicht seiner führenden Mit-Genossen bravourös. Er ebnete sich damit auch den Weg ganz nach vorn an die Spitze der SED und damit der DDR; Anfang Mai 1971 verdrängte er den sich freilich bis zuletzt sträubenden Walter Ulbricht. Trotz Honeckers »erfolgreicher« Arbeit kam es seit Beginn der Absperrmaßnahmen in Berlin unentwegt zu dramatischen Szenen. In den ersten Wochen nach Beginn des Mauerbaus gab es mehrere Hundert Flüchtlinge, allein 85 Angehörige der eingesetzten »Sicherheitskräfte« zogen es vor, sich nach West-Berlin abzusetzen. Aus den zunächst errichteten provisorischen Drahtverhauen wurde jedoch rasch eine »richtige« Mauer, die fortschreitend technisch perfektioniert wurde. Neben den kostspieligen technischen Maßnahmen (in der nicht nur an Baumaterialien notorisch knappen DDR wurden allein bis 1964 für die Mauer rund 400 Millionen DDR-Mark ausgegeben) setzte das SED-Regime entlang der Sperranlagen zu WestBerlin bis 1989 etwa 11.5000 Soldaten ein. Die sieben »Grenzregimenter« waren auch mit schweren Kriegswaffen ausgestattet, darunter eine Vielzahl gepanzerter Fahrzeuge, Granat- und Flammenwerfer. Annähernd tausend scharf dressierte Hunde unterstützten die Grenzwächter. Am Abend des 9. November 1989 endete die Existenz der Mauer als todbringendes Hindernis – wiederum mit einer Pressekonferenz, die nicht minder denkwürdig ist als jene Ulbrichts von 1961. SED-Politbüro Mitglied Günter Schabowski, Repräsentant der durch die Massendemonstrationen in Leipzig, Berlin und anderswo schwer verunsicherten Einheits-Genossen, reagierte verwirrt auf eine Journalistenfrage, wann die von ihm zuvor bekanntgegebene neue und großzügige Regelung für grenzüberschreitende Reisen von DDR-Bürgern in Kraft treten solle. In Unkenntnis der von den anderen SED-Oberen zuvor noch beschlossenen Verzögerungstaktik äußerte Schabowski, dies gelte ab sofort. Kurz darauf setzte ein Massenansturm auf die Grenzübergangsstellen ein, der nicht mehr aufzuhalten war. Mit der Mauer verschwand auch die SED-Diktatur. Bis dahin hatte die Berliner Mauer mindestens 136 Menschen das Leben gekostet, wahrscheinlich erheblich mehr. Genau wird man das nie wissen, denn die DDR-Be-

hörden taten alles, um die wahre Anzahl der Todesopfer zu verschleiern. Immerhin wissen wir, dass zeit der Existenz der DDR rund 75.000 Menschen als sogenannte »Republikflüchtlinge vor Gericht gestellt und meist für mehrere Jahre eingesperrt wurden – oder besser: Noch wirksamer eingesperrt wurden als zuvor schon … Prof. Dr. Manfred Wilke, der Referent des Abends, hat unlängst in seinem neuen Buch »Der Weg zur Mauer. Stationen der Teilungsgeschichte« die Vorgeschichte des Mauerbaus umfassend beleuchtet und analysiert. Professor Wilke ist einer der besten Kenner der Geschichte der DDR. In seiner langen wissenschaftlichen Karriere hat er sich immer wieder intensiv mit dem zweiten deutschen Staat auseinandergesetzt, außerdem mit der Geschichte des Kommunismus im Allgemeinen. Schon seit den 1970er Jahren unterhielt er zahlreiche persönliche Kontakte zu Dissidenten in der DDR und anderen Ostblock-Staaten. 1985 wurde er auf eine Professur für Soziologie an der Fachhochschule für Wirtschaft in (West-)Berlin berufen. Von der Gründung des »Forschungsverbundes SEDStaat« im Jahre 1992 an bis zu seiner Emeritierung 2006 war Professor Wilke einer der beiden Leiter dieser Einrichtung, die für die Erforschung der DDRGeschichte Bahnbrechendes geleistet hat. Manfred Wilke ist noch immer Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gremien und hat eine Fülle von Publikationen vorgelegt. Als Experte für das vorliegende Thema kommt ihm schwerlich jemand gleich. Winfrid Halder

In Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, Bildungswerk Düsseldorf


09 Vortrag MI, 30.11. 19.15 Uhr

Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Born

»Das blühende Danzig« - Die Weichselstadt in Lobgedichten des 17. jahrhunderts. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts erlebte Danzig eine außerordentliche wirtschaftliche Blüte. Die verdankte die Stadt vor allem ihrer Schlüsselstellung an der Mündung der Weichsel: Danzig war der wichtigste Umschlagplatz im Güterverkehr von und nach Polen; begünstigt wurde dieser Handel durch seine seit 1454 bestehende Personalunion mit der Krone Polens, wobei Danzig allerdings ein nahezu selbstständiger Stadtstaat blieb. Ihre Lage an der Mündung des großen Stroms brachte der Stadt beträchtlichen Reichtum. Diese Mittel wurden einmal zu Bauwerken verwandt, die dem Schutz der Stadt dienten: Alte Bastionen wurden verstärkt, neue errichtet, die Niederstadt im Süden wurde in die Befestigungen einbezogen, im südöstlichen Abschnitt das Langgarter Tor erbaut. Adam Wiebe, ein holländischer Ingenieur, konstruierte eine viel bewunderte Seilbahn, die das Erdreich vom Bischofsberg abtrug und auf die gegenüberliegenden Wälle aufschüttete. Die durch den Handel gewonnenen Mittel fanden aber auch Verwendung zu Bauwerken innerhalb der Stadt, die der Repräsentation dienten; das wohlhabende Großbürgertum wollte seinen Reichtum auch zeigen. Prächtige Fassaden nach Formen der italienischen Renaissance zierten Patrizierhäuser auf dem Langen Markt, besonders eindrucksvoll die des »Steffenschen Hauses«. Der von Italien begeisterte Bürgermeister Bartholomäus Schachmann ließ vor dem Artushof einen Brunnen für den Meergott Neptun errichten. Das große Zeughaus entstand nach einem Entwurf von Antony van Obberghen an dem damaligen Domniksplatz, dem späteren Kohlenmarkt. Gleichzeitig mit dieser Entfaltung äußerer Pracht entwickelte sich in Danzig ein Mäzenatentum, das Künstler und Schriftsteller gleichermaßen förderte; es wurde bald über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. So kamen Dichter aus Schlesien aber auch aus Thüringen und anderen Landstrichen in die Stadt an der Mündung der Weichsel. Anders als in den meisten Städten des deutschen Sprachraums, die vom Dreißigjährigen Krieg heimgesucht wurden, konnten sie im Schutz der befestigten Stadt ungestört wirken. So entwickelte sich dort in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein außerordentlich reges

kulturelles Leben. Martin Opitz, durch sein Buch von der Deutschen Poeterey (Breslau 1624) bereits weithin bekannt, kam 1635 in die Weichselstadt, 1640 folgte Georg Greflinger aus Regensburg. Andreas Gryphius besuchte 1634 das dortige Akademische Gymnasium und begann 1635 nach seinen bis dahin in Latein verfassten Versen erstmals Gedichte in deutscher Sprache zu schreiben. Vielen anderen Dichtern bot die Stadt Geborgenheit und materielle Hilfe. Dafür revanchierten sie sich – wenn auch nicht ganz uneigennützig – mit Lobgedichten auf die Stadt, die ihnen Zuflucht, ja gastliche Aufnahme, geboten hatte. Lobgedichte auf Städte (laudes urbium) – sie sind von den Stadtbeschreibungen (descriptiones urbium) nicht genau zu trennen – gehen auf die Antike und das Mittelalter zurück: Athen, Rom, Florenz, Mailand und Paris waren schon früh Gegenstand solcher Gedichte geworden. Vom Mittelalter über die Renaissance fand diese Gattung ihren Weg in das Jahrhundert des Barock. In den vierziger Jahren des 17. Jahrhunderts entstand so eine Reihe von Gedichten auf Danzig. Sie vermitteln ein lebendiges Bild der Stadt, von ihren zum Teil bis heute noch erhaltenen Bauwerken, vom Leben und Treiben ihrer Bewohner, vom Handel und Wandel, ein Bild von einer nie wieder erreichten Blüte der Stadt an der Mündung der Weichsel. Begleitet wird der Vortrag von Lichtbildern: »Ansichten der Stadt aus dem 17. Jahrhundert.« Jürgen Born Prof. Dr. Jürgen born, gebürtiger danziger, studierte Anglistik und Germanistik an der Freien universität Berlin, an der harvard University (m.A. 1955) UND AN DER nORTHwESTERN uNIVERSITY (pH.d. 1963) DANN AN DER bERGISCHEN uNIVERSITÄT wUPPERTAL (aLLGEM. UND nEUERE DEUTSCHE lITERATuRWISSENSCHAFT). zAHLREICHE VERÖFFENTLICHUNGEN ZUR lITERATUR DES 20. jAHRUNDERTS, VOR ALLEM ZUR DEUTSCHSPRACHIGEN lITeRATUR pRAGS UND DER BÖHMISCHEN lÄNDER.


10 Vortrag Sa, 19.11. 09.30 Uhr

Im Gespräch mit Erwin Scholz (Reichenberg/Liberec)

Als Deutscher in Tschechien Es gibt sie noch, einige wenigstens, nämlich die Deutschen, denen es gelungen ist, der großen Vertreibung aus Böhmen und Mähren zu entgehen und in der Heimat zu bleiben. Erwin Scholz hat das geschafft – seine längste Abwesenheit aus seinem Geburtsort Reichenberg war bedingt durch die Einberufung zur Wehrmacht 1944 und die anschließende amerikanische Kriegsgefangenschaft bis 1947. Als 17-Jähriger mußte der 1927 geborene Scholz in den Krieg ziehen, als 20-jährigem gelang ihm die Rückkehr in seine Heimatstadt, die inzwischen Liberec hieß. Da war die große Mehrzahl der anderen Deutschen, die dort bis 1945 die Bevölkerungsmehrheit gestellt hatten, schon vertrieben. Sein Vater, der 1938 als Kommunist nach dem Anschluß des Sudetenlandes an NS-Deutschland inhaftiert worden war und nach Kriegsende bleiben durfte, hat ihm gesagt, er solle froh sein, die erste Nachkriegszeit

Do, 15.12. 18.00 Uhr

nicht zuhause miterlebt zu haben. Der Rückkehrer Scholz wurde zwar wegen »illegalem Grenzübertritt« kurzzeitig inhaftiert, durfte nach der Entlassung aber bleiben. So ist Erwin Scholz weiterhin in Reichenberg geblieben, hat eine Familie gegründet, die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft erworben. Die hat ihm auch beschert, dass er in der »Volksarmee« der CSSR noch einmal als Wehrpflichtiger zu dienen hatte. Später arbeitete er viele Jahre bei einer Produktionsgenossenschaft – weil er sich von der allmächtigen kommunistischen Partei fernhielt, blieb ihm freilich der Aufstieg in Leitungsfunktionen verwehrt. Als mit dem Ende der kommunistischen Diktatur Anfang der 1990er Jahre auch die Deutschen in der Tschechoslowakei beziehungsweise der Tschechischen Republik die Möglichkeit erhielten, sich frei zu organisieren,

war Erwin Scholz einer der ersten, die sich daran aktiv beteiligten. 1992 wurde er der erste Präsident der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Seither blieb er ein stets kritischer Beobachter des Verhältnisses von Deutschen und Tschechen, der Politik der Regierungen in Prag und Berlin und der Vertreter der Sudetendeutschen. Erwin Scholz lebt nach wie vor in Reichenberg – die Fülle der Erfahrungen, die ihm sein ungewöhnlicher Lebensweg beschert hat, macht ihn zu einem herausragenden Zeugen, der viel zu erzählen hat. Winfrid halder

In Zusammenarbeit mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft NRW. Die Veranstaltung findet im Johannes-Haus, CarloSchmid-Str. 24, 40595 Düsseldorf (Hellerhof ) statt.

Vortrag von Frau Prof. Dr. Margareta Mommsen, LudwigMaximilians-Universität München/Feldafing

Russland erneut an einem Scheideweg – Perspektiven im Vorfeld der wahlen 2012 Schon bald, nämlich voraussichtlich am 4. März 2012 werden die Wahlberechtigten in Russland zum fünften Mal seit dem Untergang der Sowjetunion (1991) in die Abstimmungslokale gerufen, um ein Staatsoberhaupt zu wählen. Die bevorstehende Präsidentschaftswahl wird den Charakter einer Richtungsentscheidung haben – nicht allein deswegen, weil im Jahre 2008 per Gesetz die Amtszeit des Präsidenten von vier auf sechs Jahre verlängert wurde. Sondern insbesondere auch, weil der künftige Amtsinhaber wesentlich über Fortgang oder Stillstand des postkommunistischen Reformprozesses in Russland und zugleich über dessen Rolle in der internationalen Politik mitbestimmen wird. Nach längerem Rätselraten im In- und Ausland wurde Ende September 2011 öffentlichkeitswirksam verkündet, das Wladimir Putin neuerlich als Präsidentschaftskandidat antreten wird. Putin hatte das höchste Staatsamt in

Russland schon von 2000 bis 2008 inne – dann folgte die Personalrochade mit Dimitrij Medwedjew. Putin konnte nicht zu einer dritten Amtszeit in Folge antreten, da die russische Verfassung dies nicht zulässt. Zwischenzeitlich war darüber spekuliert worden, ob Putins politischer Adlatus Medwedjew sich vielleicht doch zu einer eigenständigen Machtposition aufschwingen könne. Jedenfalls hat sich Medwedjew mehrfach deutlich von Putins Positionen abgesetzt, so dass er von nicht wenigen Beobachtern als die größere Hoffnung für eine tatsächliche Modernisierung und Demokratisierung Russlands angesehen wurde. Mit dem soeben fernsehwirksam inszenierten Parteitag der von Putin geführten Partei »Einiges Russland« scheint mehr Klarheit eingekehrt zu sein. Demonstrativ gemeinsam planen Putin und Medwedjew den Ämtertausch von 2008 im kommenden Jahr in umgekehrter Richtung zu wiederholen. Bei-

de sind jung genug, um Russland nach innen und außen noch längere Zeit ihren Stempel aufzudrücken – Putin wird im Herbst kommenden Jahres erst 60, Medwedjew gar erst 47 Jahre alt. Wohin die beiden steuern werden, ist allerdings keineswegs völlig klar. Die Bilanz des Gespanns sieht nach mehr als einem Jahrzehnt an der Macht gegenüber den selbstbewusst verkündeten Zielen bislang dürftig aus: Weder die Konflikte in und um Tschetschenien und andere Grenzregionen Russlands sind wirklich als gelöst zu betrachten, noch ist die Modernisierung von Wirtschaft, Bildungs- und Gesundheitswesen entscheidend vorangekommen – genauso wenig wie die Bekämpfung der Korruption. Wie weit reicht also der Arm der vermeintlich mächtigen Männer im Kreml wirklich? Und was sind ihre Ziele und Aussichten für die anstehende längere Amtsperiode des künftigen Präsidenten, der aller WahrFortsetzung auf Seite 11


11 Rezitation/Konzert

»Ex oriente lux« – Aus dem Osten kommt das Licht

Texte und Musik zur Weihnachtszeit – von ostdeutschen Dichtern und Komponisten Sie sind uns allzu geläufig, die Klagen, dass es mit der Besinnlichkeit und dem Innehalten in der Adventszeit nicht mehr weit her ist. Manchmal stimmen wir sie ja selbst an. Doch mit dem Klagen allein es ist ja nicht getan. Daher laden wir Sie herzlich ein zu besinnlichen Stunden bei uns im Gerhart-Hauptmann-Haus. Wir möchten wenigstens für einen Abend unter Beweis stellen, dass mitten in der umtriebigen Großstadt Düsseldorf auch Ruhe einkehren kann. Am besten helfen können uns dabei Dichtung und Musik. Wer Dr. Hajo Buch schon einmal als Rezitator erlebt hat, der weiß, wie unnachahmlich er in

der Lage ist, mit seiner volltönenden Stimme Dichterworte erklingen zu lassen. Er hat letztes Jahr für uns zur Weihnachtszeit aus Otfried Preußlers großartiger, ebenso gehalt- wie humorvoller Erzählung »Die Flucht nach Ägypten« gelesen. Dieses Jahr hat er schon das Kunststück fertiggebracht, das Publikum mit der Lektüre von Heinrich von Kleists ganzem »Michael Kohlhaas« für einen langen und zugleich kurzweiligen Abend zu fesseln. Für den heutigen Abend hat er insbesondere Texte von Dichtern ausgewählt, die aus dem historischen deutschen Osten stammen, darunter Werner Bergengruen (1892 Riga – 1964 Baden-Baden), Jo-

chen Klepper (Beuthen an der Oder 1903 – Berlin 1942), Angelus Silesius (Breslau 1624 – Breslau 1677) sowie Agnes Miegel (Königsberg 1879 – Bad Salzuflen 1964). Im zweiten Teil des Abends laden wir Sie zu einer musikalischen Reise durch fünf Jahrhunderte von den Böhmischen Ländern über Schlesien und Ostpreußen zu den baltischen Landen ein. Musizieren wird für Sie das hochkarätige Malinconia-Ensemble aus Stuttgart. Den Besuchern unserer dortigen Partnereinrichtung, des Hauses der Heimat, sind die professionellen Künstler schon lange wohlbekannt. Sie gehören zum Teil den Stuttgarter Philharmonikern an, haben schon zahlreiche CDEinspielungen veröffentlicht und im In- und Ausland konzertiert. Seit 1996 gestalten sie im Haus der Heimat eine Konzertreihe, die unter dem Motto »Hört, welch ein kostbares Erbe!« Komponisten aus dem historischen deutschen Osten in den Mittelpunkt stellt. Wir sind froh, das MalinconiaEnsemble erstmals bei uns begrüßen zu dürfen. Musikalisches Programm

scheinlichkeit nach wieder der alte sein und Wladimir Putin heißen wird? Als die Sowjetunion noch existierte, waren die Vorgänge und tatsächlichen Machtstrukturen hinter den Mauern des Moskauer Kreml schwer durchschaubar. Damals wurden die gerne als »Kreml-Astrologen« bezeichneten Experten um ihre Prognosen gebeten. Auch heute noch bedarf es ausgeprägter Kenntnisse und langjähriger Erfahrung, um zu einer sachgerechten Einschätzung der Entwicklungsmöglichkeiten in Russland zu kommen. Darüber verfügt ohne Zweifel Frau Professor Dr. Margareta Mommsen. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Osteuropahistorikerin habilitierte sich 1985 an der Ruhr-Universität Bochum. Danach lehrte sie jeweils für kurze Zeit an der Duisburger Universität und der Universität der Bundeswehr in Hamburg, bevor sie 1989 auf einen Lehrstuhl an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität berufen wurde. Diesen hatte sie bis zu ihrer Emeritierung im Jahre 2003 inne. In zahlreichen Veröffentlichungen hat Frau Prof. Mommsen ihre detaillierten Einblicke in Geschichte und Gegenwart Russlands unter Beweis gestellt. Im Jahre 2004 legte sie beim renommierten Münchner C. H. Beck-Verlag ihr vielbeachtetes Buch »Wer herrscht in Russland?« vor. Den interessierten Gästen von Volkshochschule und Gerhart-Hauptmann-Haus ist sie spätestens durch ihren brillanten Vortrag vom Oktober 2010 bekannt. Wir erwarten einen wiederum spannenden und perspektivenreichen Abend. Veranstaltungsort: VHS am Hbf., Bertha-von-Suttner-Platz 1, Saal 1 Eintritt: 6,- €, o. Erm., (VHS-Abo-Karte kann nicht verwendet werden)

Heinrich Albert (Lobenstein 1604 – Königsberg 1651): Lieder aus der »Musicalischen Kürbishütte« Silvius Leopold Weiß (Breslau o. Grottkau 1686 – Dresden 1750 ): »Duetto« Nicolai v. Wilm (Riga 1834 – Wiesbaden 1911) zum 100. Todesjahr: Aus »Six morceaux op. 14« (zum 100. Todestag) Walter Freymann (Riga 1886 – Lager bei Moskau 1945): Rondo für Klaviertrio (1909) zum 125. Geburtstag Hans-Georg Burghardt (Breslau 1909 – Halle 1993): Weihnächtliche Lieder Widmar Hader (Elbogen/Eger 1941, lebt in Regensburg): »HÔmmage an Käthe Kollwitz« (2011) Uraufführung! Malinconia-Ensemble Stuttgart Helmut Scheunchen: Violoncello Chieko Schmidt-Mitsuhashi: Sopran Ramin Trümpelmann: Violine Günter Schmidt: Klavier Der Eintritt ist frei. Da wir jedoch auch mit ein wenig weihnachtlichem Backwerk und Getränken für Ihr Wohl sorgen wollen, wären wir dankbar für eine formlose Anmeldung unter 0211/1699114 (Frau Bittenbinder) oder unter bittenbinder@gh-h.de (bis spätestens 29. 11. 2011).

Fr, 02.12. 18.30 Uhr


12 Preisverleihung Fr, 11.11. 18.00 Uhr

Einladung zur Verleihung des Andreas Gryphius-Preises

Michael Zeller erhält Andreas Gryphius-Preis etwa in seinem Roman »Cafe Europa« Es eröffnen und begrüßt PD Dr. (1994) eine tragende Rolle – inspiriert Winfrid Halder für die Stiftung Gerdurch seine erste (Wieder-)Begegnung hart-Hauptmann-Haus und Dr. Wolfmit Breslau und das Kennenlernen von gang Schulz für Die KünstlerGilde e. V. Krakau und anderen Teilen Polens Die Laudatio hält schon 1991, also sehr kurz nach dem Marta Kijowska, Autorin, LiteraturkriFall des »Eisernen Vorhangs«. Zahltikerin und Übersetzerin (München). reiche weitere Besuche dort folgten; Die musikalische Umrahmung hat Silke 1997/98 erhielt Michael Zeller das InKunz (Sopran) übernommen, sie singt ternationale Schriftsteller-Stipendium Lieder nach Texten von Joseph von der Robert-Bosch-Stiftung und konnte Eichendorff von Robert Schumann und so längere Zeit in Krakau leben und aranderen. Im Anschluß ist ein Empfang beiten. Die literarische Frucht dieser invorgesehen. Um eine formlose Anmeltensiven Begegnungen war nicht zuletzt dung wird gebeten bis spätestens 07. 11. der Roman »Die Reise nach Samosch« 2011 unter 0211/1699114 (Fr. Bitten(2003), in dem Zeller mit seltenem binder) oder unter bittenbinder@g-h-h. Einfühlungsvermögen die Reise eines de. jungen Deutschen nach Polen schilDer Andreas Gryphius-Preis wird seit dert. Sein Protagonist geht dort nicht 1957 durch die 1948 in Esslingen genur – zunächst eher unwillig – den Spugründete KünstlerGilde e. V. verliehen. ren seiner eigenen Familiengeschichte Sein Name erinnert an den großen nach, sons c h l e s i s c h en dern lernt Dramatiker Einladung auch die Geund Dichter zur Verleihung des genwart des Andreas Grymodernen, phius (1616Andreas Gryphius-Preises 1664). Er zählt durch Die KünstlerGilde e. V. an auf dem Weg nach Europa zu den renomMichael Zeller, befindlichen miertesten LiPolen kenteraturpreisen am Freitag, den 11.11.2011, 18 nen, was ihn in der BunUhr, in den Eichendorff-Saal von mandesrepublik der Stiftung Gerhart-Hauptchem VorurDeutschland. teil gründlich Unter den mann-Haus, Bismarckstr. 90, befreit. früheren Trä40210 Düsseldorf. Die genanngerinnen und ten Bücher Trägern befingehören eiden sich nicht ner Lebensphase Michael Zellers an, zuletzt Heinz Piontek, August Scholtis, in der er sich schon als Schriftsteller Johannes Urzidil, Franz Tumler, Horst etabliert hatte. Der Weg dahin freilich Bienek, Manfred Bieler, Wolfgang Kowar für das in West-Deutschland aufeppen, Rose Ausländer, Gertrud Fusgewachsene Flüchtlingskind lang. Zusenegger, Peter Huchel, Frank Thiess, nächst wandte er sich der Literatur vor Reiner Kunze, Saul Friedländer, Hans allem in wissenschaftlicher Perspektive Sahl, Hans Werner Richter, Siegfried zu, studierte Germanistik und wurde Lenz, Otfried Preußler, Peter Härtling, 1974 an der Bonner Universität promoOta Filip, Andrzej Szczypiorski, Javiert, 1981 folgte in Erlangen die Habinosch, Jiri Grusa, Karl Dedecius sowie litation. Geblieben ist Zeller von dieStefan Chwin. sem vermeintlichen Umweg die präzise Michael Zeller wurde 1944 in Breslau Sprache – und seine Leidenschaft Ligeboren, wenig später musste seine Fateratur, ja auch das Schreiben selbst zu milie aus der schlesischen Metropole lehren. So hat er inzwischen bereits vier fliehen. Zeller ist demnach zu jung, »Schulhaus-Romane« vorgelegt, die um noch eigene konkrete Erinneruner gemeinsam mit Schülerinnen und gen an Schlesien – das auch das Land Schülern verfasst hat, die weiterfühvon Andreas Gryphius war – zu haben. rende Schulen in Zellers Wahlheimat Gleichwohl hat er sich als Autor immer wieder mit seiner Herkunftsregion auseinandergesetzt. Die deutsch-polnische Vergangenheit und Gegenwart spielen

Wuppertal und in Duisburg besuchen. Zur Zeit arbeitet er an einem weiteren Schulprojekt. Junge Menschen zur Literatur zu führen ist, zumal im Zeitalter des stets auf Kürze und Geschwindigkeit setzenden Internet, eine ebenso ambitionierte wie überragend wichtige Herausforderung. Michael Zeller hat sie erfolgreich angenommen. Daneben ist Michael Zeller nach wie vor ein produktiver Schriftsteller. Inzwischen hat er nicht weniger als acht Romane (zuletzt »Falschspieler« 2008/09) sowie mehrere Bände mit Erzählungen, Gedichten und Essays veröffentlicht. Dazu kam 2009 noch das am Ort der Handlung erfolgreich aufgeführte Stück »Die Soester Fehde«. Schließlich hat Zeller sein Gespür für zu Unrecht in Vergessenheit geratene hochkarätige Texte vor kurzem durch die von ihm bearbeitete Wiederveröffentlichung der Kriegstagebücher von Gerhard Nebel (Zwischen den Fronten, 2010) unter Beweis gestellt. Michael Zeller ist für sein literarisches Werk bereits mehrfach ausgezeichnet worden, so erhielt er 1997 den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen und 2008 den Von-der-Heydt-Kulturpreis der Stadt Wuppertal. Darüber hinaus wurde ihm eine ganze Reihe von Literaturstipendien im In- und Ausland zuerkannt. Die diesjährige Verleihung des Andreas-Gryphius-Preises unterstreicht den Rang Michael Zellers unter den zeitgenössischen Autorinnen und Autoren mit Bezug zum historischen deutschen Osten und darüber hinaus. Winfrid Halder


13 Kontrapunkt Do, 18.11. 19.00 Uhr

WIR LADEN EIN!

Die groSSe Herbstveranstaltung der Künstlerwerkstatt im Gerhart-Hauptmann-Haus »Wir erfinden nicht, was schon da ist – wir übersehen es nur nicht.« Mit diesem Grundgedanken starteten wir 2001 die Künstlerwerkstatt im Gerhart-Hauptmann-Haus in der Düsseldorfer Bismarckstraße. Es war nicht eine Gründungsaktion, die sich damit verbunden hätte, vielmehr ging es darum, eine bereits vorhandene Gemeinschaft ostdeutscher oder mit dem europäischen Osten und Südosten verbundener Künstler beizubehalten. Die Selbstauf-lösung der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der Künstlergilde Esslingen, der wir bis dahin angehört hatten, stellte zwingend die Frage nach einer tragbaren Alternative, die sinnvoll und machbar war. Kein von Satzungen befrachteter beitragspflichtiger Verein sollte es sein, nicht ein Salon und schon gar nicht eine Institution, sondern schlichtweg eine Werkstatt,die im freien Miteinander einer kreativen Gemeinsamkeit Vorschub leistet, das Gespräch und den Gedankenaustausch fördert sowie den Zugang zur Öffentlichkeit ermöglicht. Das sei illusorisch, war zu hören, aber die meisten blieben dabei, und so haben sich im Lauf der Jahre produktive, temporär projektgebundene Arbeitsgruppen gebildet, die ansprechbar geblieben sind,wenn es darum geht, eine Ausstellung auszurichten oder die Beilage »Kontrapunkt« zusammen zu stellen, die jedem zweiten Heft der Programmzeitschrift«WestOst-Journal« der Stiftung GerhartHauptmann-Haus beigefügt ist. Heute erscheint die zwanzigste Ausgabe von

Helga von berg-Harder: Entwicklung

»Kontrapunkt«, und es dürfte für unsere Freunde von Interesse sein, auf bisher insgesamt 80 Heftseiten nachzulesen, wie vielfältig die Aktivitäten der Künstlerwerkstatt in den letzten zehn Jahren waren, und wie diese in der Öffentlichkeit wahrgenommen worden sind. Der Gegenwart angemessen Es ist nicht zu übersehen, wie die verschiedenen Kunstsparten ineinander wirkten, sich ergänzten und gegenseitig anregten. Auffallend ist zudem die breite regionale Streuung der Künstler, die von Moldawien am Schwarzen Meer bis ins ehemalige Ostpreußen reicht und sich unverkennbar im Werk äußert. »Weiter, weiter, drüben schreit ein Kind./Lass es liegen, es ist halb zerrissen./Häuser schwanken müde wie Kulissen/durch den Wind. Die aus Breslau stammende Dichterin Dagmar Nick findet das angemessene Wort für die Not der Flucht (Kontrapunkt WOJ 3/2010),indessen zwei Ausgaben zurück (Kontrapunkt 2/2009) die aus Moldawien zugewanderte Künstlerin Era Freidzon Visionen alter und neuer Erfahrungen eindringlich in ihre Bilder überträgt und ihnen Gegenwart verleiht. Ganz ohne Verwaltungsaufwand und Zuordnung kommt allerdings auch die Künstlerwerkstatt nicht aus. Von Anbeginn an und bis heute ungebrochen findet sie in der Stiftung GerhartHauptmann-Haus eine Heimstatt und

Foto: Gerda M. Schmidt

ein Forum, das ihre Aktivität ermöglicht und fördert. 2007 hob Dr. Winfrid Halder, nach Dr. Walter Engel neuer Direktor des Hauses, Vielfalt und Zusammenklang der verschiedenen Kunstformen in der Künstlerwerkstatt hervor, die für ihre Arbeit kennzeichnend sind und ihre Veranstaltungen auszeichnet. Wir dürfen darin eine Aufforderung sehen, beides weiter zu pflegen. Auch in diesem Jahr wird im Ausstellungssaal im Erdgeschoss des GerhartHauptmann-Hauses in der Bismarckstraße 90 die bereits traditionelle große Herbstveranstaltung der Künstlerwerkstatt mit Musik, Kunst und Literatur stattfinden. Diesmal ist es die Kunstfotografie, die sich mit neuen Varianten im Werk des Foto-Teams Lyrografik Hilden präsentiert. Geleitet wird das seit mehr als zehn Jahren bestehende Team von Helga von Berg-Harder. Sie ist Dozentin für künstlerische Fotografie im Rahmen der Erwachsenenbildung und hat in vielen künstlerischen Fachgremien aktiv mitgewirkt. Im Oktober 2006 stellte sie (gemeinsam mit Michael Richter, Malerei) Kunstfotografien mit Schachfiguren aus der Sammlung Dr. Klaus Lefringhausen aus, in denen Farben, Licht und Arrangement spannungsgeladene gegenwartsbezogene Synthesen ergeben. PD Dr. Winfrid Halder wird die Gäste begrüßen und in den Abend einführen, Michael Zeller und Franz Heinz tragen Gedichte aus Schlesien und dem Banat vor und umreißen damit heute kaum noch in unserem BewusstFortsetzung auf Seite 14


14 Kontrapunkt

Ein ostpreuSSischer Bildhauer in Dortmund

Siegfried Erdmann feierte seinen 85. Geburtstag Am 27.August wurde der aus Allenstein/Ostpreußen stammende und in Dortmund ansässig gewordene Bildhauer Siegfried Erdmann 85 Jahre alt. Die Dortmunder Presse würdigte zu diesem Anlass sein künstlerisches Schaffen in ausführlichen Artikeln. Nach dem Krieg studierte Erdmann an den Kölner Werkschulen bei den Professoren W. Wallner und L. Giess. Seine Frau Doris, als Kunststickerin und Keramikerin tätig, lernte er während der Kölner Studienzeit kennen. Sie sind seit 56 Jahren verheiratet. Siegfried Erdmanns Arbeitsgebiete sind freie Plastik, Bauplastik, Plaketten und Wandreliefs in Stein, Holz, Bronze, Beton und Keramik. Während seiner künstlerischen Tätigkeit entwickelte er für den öffentlichen Bereich zahlreiche Großplastiken und Reliefs als Auftrag oder durch Wettbewerbe. In Zusammenarbeit mit seiner Frau Doris entstanden mehrere keramische Arbeiten, so ein großflächiges plastisches Wandrelief in Unterglasurmalerei für die Räume der katholischen Gemeinde in Dortmund-Schüren. Erdmann hat sein

Fortsetzung von Seite 13

sein vorhandene deutsche literarische Landschaften. Am Klavier spielt Roger Dretzler drei Stücke des französischen Komponisten Erik Satier (1866-1925). Wir erlebten den in Münster geborenen Pianisten bereits im August 2009, als er zur Eröffnung der Jahresveranstaltung der Künstlerwerkstatt in Zusammenarbeit mit der russischen Tänzerin Irina Goubernik Kompositionen von Astor Piazolla interpretierte. Gern erwarten wir am 18. November, 19 Uhr, alle unsere Freunde zu diesem Herbstabend mit Kunst, Musik und Literatur im gepflegten Rahmen des Gerhart-Hauptmann-Hauses. Franz Heinz

künstlerisches Werk in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im Inund Ausland vorgestellt. Bereits 1952 wurde er mit dem Preis der Ausstellung »Eisen und Stahl« in Düsseldorf ausgezeichnet. Für seine Arbeiten sind intensive Natur- und Anatomiestudien kennzeichnend. Anfangs entstanden

Siegfried Erdmann

Akte und figürliche Plastiken sowie Arbeiten, die Eindrücke aus der Kriegsund Nachkriegszeit zum Thema hatten.

Später wurden die Formen straffer und themenunabhängiger. Der Vorgang der Beschränkung auf das Wesentliche führte schrittweise durch Verdichtung der Aussage zur Abstraktion. Schon immer war es der Traum Erdmanns, einen Skulpturenpark zu haben. Er hat sich diesen Traum im eigenen Garten erfüllt, wo zwischen Bäumen, Stauden und Blumen von ihm geschaffene Figuren, Stelen und abstrakte Formgebilde stehen. Die in den letzten Jahren entstandenen Arbeiten aus gebranntem Ton sind überwiegend im terrakottafarbenen Material belassen, zeigen keine glatte Außenhaut, sondern wirken durch eine matte, porige, das Licht absorbierende Oberflächenstruktur. Die abstrakten Gebilde erhalten aus dem nach außen drängenden Volumen ihre innere Kraft. Alle Arbeiten sind intuitiv, emotional und klar geprägt. Siegfried Erdmann ist auch im hohen Alter noch immer tätig. »Die geistige Unabhängigkeit, die haben wir uns behalten«, sagt er. Und das ist das Geringste nicht. Ulla Dretzler

Alt-Temeswar 1870-1920 Der Banat-Verlag Erding brachte eine Neuauflage von Josef Gemls 1927 erschienenen Monografie »Alt-Temeswar im letzten Halbjahrhundert 18701920« heraus. Betreut und gestaltet haben das Werk Aneta und Walther Konschitzky, die vor wenigen Jahren den Erdinger Verlag mit dem Ziel gegründet haben, Beiträge zur Geschichte der Banater Deutschen und ihrer Kultur zu publizieren. Josef Geml (1858-1929), städtischer Angestellter und von 1914 bis 1919 Bürgermeister von Temeswar, stellt mit dokumentarischer Akribie die urbane Entwicklung seiner Stadt nach der Schleifung der Befestigunsanlagen dar – einen mit ungewöhnlicher Zielstrebigkeit verfolgten Plan zum Ausbau und zur Modernisierung der Stadt, auf dessen Grundlage noch heute zurück

Redaktion der beilage KOntrapunkt: Franz heinz

gegriffen wird. So bietet das Buch einen Einblick in den wohl bedeutendsten Abschnitt städtebaulicher Entwicklung von Temeswar, ergänzt mit einer Fülle wissenswerter Details über den damaligen Magistrat und die Bürger. Es ist ein wichtiges Quellenwerk für jeden, der sich mit der Geschichte des Stadtwesens im Banat beschäftigt. Orientierungshilfe bietet dem heutigen Leser ein Straßenverzeichnis im Anhang, das neben den deutschen die einstigen ungarischen sowie die heute amtlichen rumänischen Bezeichnungen enthält. Im gleichen Verlag sind die sorgfältig gestalteten Künstlermonografien »Friedrich Schreiber – Maler und Grafiker« und »Walter Andreas Kirchner. Maler, Grafiker, Bildhauer« erschienen.


15 Kontrapunkt

Hellmut Walters

Erinnerungsstücke DvoŘakgasse

Spejbl & Hurvinek

Die alten Skoda-Wohnungen, drei- bis vierstöckig, Tschechen und Deutsche auf einem Flur, Hausmeister Smola duldet kein Nationalitätengezänk im Treppenhaus; dazu, sagt er, sei die Straße da, für Straßenkämpfe, Barrikaden und so. Der Lichtschacht mit dem Gitterschutz, eine löchrig gestanzte, kupfermatte Metallfläche, und das Kind steckt den Finger in eines dieser Löcher, hört plötzlich Stimmen und will flüchten, kann den Finger nicht herauskriegen, brüllt, dass das Haus zusammenläuft, doch Smola schimpft nicht, lächelt, wischt dem Kind die Tränen ab. Vom Schlafzimmerfenster aus den Blick in Richtung Doudlewetz, offenes Gelände; die Felder krochen damals noch ganz nah an den Stadtrand heran, und auf den Feldern die Zigeunerbaracken; einige täglich von den glutäugigen Weibern, den schwarzhaarigen (seltsam blauschattig das Haar, violettstichig), Säuglinge auf den Rücken gebunden, vor dem Guckloch der Wohnungstür; und die vielen Bettler, die Drateniken auch, die Rastelbinder; Bärentreiber kamen damals nicht mehr, aber Leierkastenmänner gab es genug noch. Vorsicht, wenn sie die Hymne orgeln; Kde domov muj, kde domov muj, voda huči po lučinách etc., da muss man stehenbleiben, da muss man die Mütze abnehmen, da muss man den Hut ziehen: so wird es dem Kind eingehämmert, während der ersten Schultage schon, und nachher immer wieder. Später wird die Straße weitergeführt, werden die Baracken weggerissen, moderne Vorstadthäuser errichtet, betonierte Höfe mit Mülltonnen und Teppichstangen aus Holz und transportabel: zwei auf den Kopf gestellte Y, verbunden durch zwei Querlatten. Mit dem Kolobezka, dem hölzernen Roller, schräg über den Beton hin, und das Geplärre: Mysicko, myš, pojd’ ke me bliż, nebujdu, kocourku, nebo me zniš, Mäuschen, Maus, komm her zu mir! Katerchen, ich komme nicht, denn sonst frisst du mich. Immer noch fest im Ohr, nicht rauszukriegen.

Gaststätte Tivoli, wo man das Bier holt, im Krug, kein Flaschenbier; daneben ein langgestrecktes Gebäude mit großem Saal, und darin die Attraktion: Spejbl & Hurvinek. Gastspiele in tschechischer Sprache, die Bewegungen der Marionetten ruckartig und überaus verständlich. Sonst dient der Saal der tschechoslowakischen Kavallerie zu Übungsritten; unter den im

Kreis trabenden Reserveoff i z i eren a u c h einige Deutsche; später dann wird der Saal von der SA für Deutschland beritten. Die Spejbl- und Hurvinek-Marionetten übrigens hatten riesige Augen, riesige Ohren sahen und hörten mehr, als sie sagten; sahen, schien es, in die Zukunft, ein gutes Stück.

Die Fidlovacka, Schaschek In der Nähe des Schützenhauses, primitive Ringelspiele, Schiffsschaukeln, Buden. Die Fidlovacka war ständig, scheint es im Rückblick, in Betrieb. Der Platz klein, eng, der Gegend entsprechend: Armeleuteviertel, und da ist Schaschek zu Hause, besser: hat Unterschlupf irgendwo, eine Maus, die plötzlich wegtaucht in irgendein Loch, und man weiß nicht wohin. Dreiviertellange, zerrissene Hosen, breite zusammengestückelte Hosenträger über dem Sweater, auf den Ellbogen graue Flicken, langzottelig die Haare im Winter, sonst kahlgeschoren der Kopf. Kindereiche Familie, asozial, sagt man, verblödet, sagt man. Schaschek aber sitzt seine Zeit in den normalen Volksschulklassen ab (gab es keine deutsche Hilfs- oder Sonderschule in P.?), und er ist der Prügelknabe. Herr Lehrer, das hab nicht ich gemacht, das hat der Schaschek gemacht. Und Schaschek wehrt sich nicht, hat’s versucht ein paar Mal, später geht er dem Lehrer entgegen von selbst, wortlos, nickt nur, legt sich über die Bank. Es gibt, bekanntlich, den Sündenbock, keine Gesellschaft kommt aus ohne ihn, einer muss es ja immer sein, und damals war es der Schaschek. Vom Klassenzimmer auf die Straße, auf die Spielplätze, von dort in die Wohnungen: Wer hat denn das wieder verbrochen? Der Schaschek! – Und auf der Fidlovacka schiebt er Ringelspiele, trottet im Kreis, trabt manchmal, und wenn er mich sieht, lächelt er, mehr ein trauriges Grinsen, stiert auf den Honigabstich (türkischer Honig von dem Mann mit dem roten Fez), den ich zwischen die Zähne schiebe; große hungrige Augen hat er, der Schaschek und es schmeckt mir nicht mehr recht, aber abbeißen, soweit ich mich erinnere, hab ich ihn auch nicht lassen, nicht einmal. Gekürzt aus KK


16 Kontrapunkt

kURZ NOTIERT

bANATER FENSTER Europäische Kulturhauptstadt 2020? Die Stadt Temeswar im Banat – rumänisch Timisoara – bewirbt sich für das Jahr 2020 um den Titel Europäische Kulturhauptstadt. Banater Politiker sind in dieser Angelegenheit bereits mehrfach in Brüssel vorstellig geworden. Temeswar besitzt eine ins 18. Jahrhundert zurückreichende gut erhaltene innere Stadt und eine bis heute gepflegte kulturelle Tradition in rumänischer, ungarischer, deutscher und serbischer Sprache. Neben Temeswar bewerben sich aus Rumänien auch die Städte Klausenburg/Cluj und Jassy/Iaşi für den Ehrentitel. Die Bewerber müssen bis 2014 ein Kulturprogramm erarbeiten und einer EU-Kommission vorlegen, die 2016 die Entscheidung fällen wird. Wallfahrtskirche MariaRadna wird restauriert Kloster und Gnadenkirche Radna, idyllisch im Tal der Marosch gelegen und seit dem 18. Jahrhundert ein vielbesuchter Wallfahrtsort der katholischen Bevölkerung im Banat, soll vor dem Verfall gerettet werden. Nach vorangegangenen Untersuchungen der Bausubstanz und der Durchführung notdürftiger Schutzmaßnahmen wird nun die unfassende Instandsetzung der Gebäude angestrebt. Die rumänische Entwicklungsministerin und der rumänische Innenminister waren vor Ort und haben, vor dem Hintergrund des Restaurierungsprojekts, dessen Ausführung zugestimmt. Eine Beteiligung zuständiger ausländischer Stellen wird erwartet. Deutsche Buchhandlung in Temeswar Am Domplatz der Banater Metropole wurde die Buchhandlung »Am Dom« eröffnet, in der Bücher in deutscher Sprache angeboten werden. Das Sortiment enthält Bücher zur Banater und siebenbürgischen Landeskunde, Belletristik, Kinder- und Jugendbücher, Wörterbücher, Lernhilfen für den Deutschunterricht sowie Spielwaren. Aus dem deutschsprachigen Raum eingeführte Bücher können ohne Importzuschlag erworben werden. Ein Bestell-

Stadthaus mit Piaristenkirche (abgetragen) in der temswarer Inneren Stadt

service ermöglicht die Zulieferung des gewünschten Buches innerhalb einer Woche. Mitglieder des Deutschen Forums in Rumänien und des Deutschen Wirtschaftsclubs erhalten einen Rabatt von drei bis zehn Prozent. Für Schulen und Kindergärten gibt es Sonderangebote.- Eine Deutsche Buchhandlung in Temeswar gab es bereits vor 1945. Sie befand sich am St. Georgs-Platz in der Inneren Stadt und hatte auch Schreibwaren im Angebot. dombuch@buechercafe.ro oder www. buechercafe.ro/angebot Stafette-Literaturpreis Im Foyer des Deutschen Staatstheaters Temeswar ist zum ersten Mal der Libeth-Rieping-Literaturpreis verliehen worden. Der Preis wurde im Gedenken an die 2009 verstorbene Elisabeth Rieping von ihrem aus dem Iran stammenden und in Köln lebenden Ehemann Ali Shafii gestiftet. Sie hatte sich mehrfach fördernd für die Nachwuchsautoren des Temeswarer Literaturkreises verwendet. »Die Stafette« wurde 1992 in der Nachfolge des früheren »AdamMüller-Guttenbrunn«-Literaturkreies gegründet und ist im Rahmen des De-

mokratischen Forums der Temeswarer Deutschen um die Förderung der deutschsprachigen Literatur im Banat bemüht. Städte und Dörfer im Banat Die Landsmannschaft der Banater Schwaben in München hat in der Reihe »Das Banat und die Banater Schwaben« den fünften Band herausgebracht. Er enthält auf 670 Seiten im Großformat umfassende Beiträge zur Siedlungsgeschichte von rund 150 Banater Ortschaften mit deutscher Bevölkerung. 45 Euro plus Versand. ISBN 3-922979-637. Bestellungen bei: Landsmannschaft der Banater Schwaben, Sendliger Straße 46, 80331 München. In Zusammenarbeit mit der Landsmannschaft der Banater Schwaben und der Interessengemeinschaft Banater Landkarten ist im Höfer-Verlag die Landkarte »Nördliches Banat und Arader Land« erschienen. Die zweisprachige (deutsch-rumänisch) Landkarte ist über die LM der Banater Schwaben in München zum Preis von 10,90 Euro zuzüglich Porto zu beziehen.


17 Ausstellung Fr, 18.11. 19.00 Uhr

»SO – UND GANZ ANDERS«

Die Fotowelt in Kontrasten Im Rahmen der Künstler–Werkstatt zeigt das FotoTeam LYROGRAFIK unter diesem Titel seine aktuelle Ausstellung in der Galerie des Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Hauses. Zwei Bilder, zwei Fotokünstler, zwei Sichtweisen auf das jeweils unmittelbar erlebte und zugleich mit »liebevoll-ironischer« Distanz reflektierte eigene Umfeld. Unter diesem Motto wurden für die Ausstellung geeignete Bildpaare ausgewählt. Durch die besondere Formatauswahl der Bilder – ein großformatiges Bild wird jeweils einem kleinformatigen Bild gegenüber gestellt – konnten die Gegensätze der Bildinhalte weiter intensiviert werden. Die gewohnte Sichtweise »in-Fragestellen«, immer neue Perspektiven wahrnehmen und dabei den gestalterischen Spielraum ausnützen - darin sieht das vor mehr als zehn Jahren gegründete FotoTeam LYR O G R A FIK unter der Leitung von Helga v. BergHarder seine kreative Aufgabe. Das FotoTeam ist stets auf der Suche nach dem Besonderen im Alltäglichen. Teamwork wird sehr groß geschrieben. 2009 entstand so im »Kunstraum Gewerbepark Süd« in Hilden nach mehr als einjähriger kreativer Tätigkeit in den Lagerräumen, Handwerksbetrieben und Produktionsstätten eine große vielbeachtete Ausstellung. Zwei Jahre zuvor hatten die Fotokünstler bereits das Schlossund Beschlägemuseum Velbert in den jeweils eigenen Blick genommen. Ihrer Sichtweise auf die in den Magazinen verborgenen Schätze spiegelte eine große Ausstellung im Museum wie auch ein Jahreskalender mit ausgewählten Ausstellungsmotiven wider. Gleich im Anschluss hieran versuchte sich das Team an den Räumlichkeiten und Gegebenheiten eines modernen Schloss- und Zylinder-Betriebes. Ausdruck dieser kreativen Beschäftigung waren Bilder, die sich im firmeneigenen Verkaufskatalog und zur Ausgestaltung eines Messestandes wiederfanden. Das FotoTeam stellte nicht nur regional, sondern auch überregional aus – wie beispielweise in Hamm und der Galerie im Turm in Wuppertal. Hinter dem FotoTeam LYROGRAFIK stehen eine Reihe engagierter Fotoamateure aller Altersstufen aus Hilden und Umgebung. Der Schwerpunkt der Arbeit in der Gruppe wird auf mehrere Aspekte gelegt: • das »Sehen-lernen«, • die daraus entstehende Kreativität des Einzelnen, • das Hinterfragen gewohnter Sehweisen, • das Erzeugen von Fotopoesie durch

• •

Farbenspiele sowie das Verfremden von Alltagsgegenständen bis hin zur völligen Abstraktion. Damit fordert die Umsetzung den jeweiligen Betrachter heraus, sich ebenfalls auf bewussteres Sehen einzulassen. Die Themenbereiche, mit denen sich die Mitglieder des Teams beschäftigen, sind breit gefächert. Sie reichen von Natur über Technik und Arbeitswelt bis zur Architektur – im Konkreten wie im Abstrakten. Zahlreiche Exkursionen in die nähere und weitere Umgebung sind die Basis der gemeinsamen Arbeit. Die Bildergebnisse werden bei den wöchentlichen Treffen diskutiert und kritisch gewürdigt. Mitglieder des Teams sind derzeit: Axel Altfeld, Marlies Bender, Helga von Berg-Harder, Günter Bulst, Thomas Decken, Dagmar Friedrich, Harry Hohberger, Sabine Ibach, Magnus Jung, Bettina Kadelka, Hans P. Küppersbusch, Grudrun Meckel, Eva Pannée, Heidi Peukert, Roland Schmeiß, Gerda-Maria Schmidt, Dagmar Schmitz, Josef Schmitz, Thomas Schneider, Viola Schröder, Jochen Wurzer. Das FotoTeam trifft sich jeden Mittwoch von 19 bis 21 Uhr in Hilden im Haus Buche Do ro t h e en park, Graf Recke Stiftung, Horster Allee 7. Interessenten sind immer willkommen! Helga von Berg-Harder

Eröffnung im Rahmen der Künstlerwerkstatt: Freitag, 18. November – 19.00 Uhr Ausstellungsraum Begrüßung: PD Dr. Winfrid Halder Direktor des Gerhart-Hauptman-Hauses Einführung: Franz Heinz Präsentation der Ausstellung: Helga von Berg-Harder Lesung: Michael Zeller, Franz Heinz Musikalische Umrahmung: Roger Dretzler, Klavier


18 Ausstellung Mo, 21.11. 19.00 Uhr

Einladung zur Ausstellung und zum Vortrag

Die Deportationen der Juden aus dem Rheinland im Herbst 1941 in das Ghetto Litzmannstadt Im Oktober 1941 begannen die systematischen Deportationen jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus dem heutigen NordrheinWestfalen. Am 22. und am 30. Oktober wurden über Köln, am 27. Oktober über Düsseldorf insgesamt 3.014 Menschen aus dem Rheinland in das Ghetto Litzmannstadt verschleppt. Die meisten kehrten nie zurück, sondern wurden in Vernichtungslagern ermordet oder starben im Ghetto an den Arbeits- und Lebensbedingungen. Die Deportationen nach Litzmannstadt bildeten den Auftakt für weitere Transporte aus Rheinland und Westfalen in Ghettos und Lager der Nationalsozialisten. Die Ausstellung ist ein gemeinsames Produkt des Arbeitskreises der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte NRW. Die Wissenschaftler haben für die Ausstellung sehr viele Schicksale einzelner Menschen dokumentiert, die von den Nazis deportiert und ermordet wurden. Basis sind intensive Forschungen in vorhandenen Archiven – den Staatsarchiven in Deutschland, in Łodź, in Washington und in Yad Vashem. Die Forscher fanden Fotografien, Briefe und zahllose Dokumente, die nicht nur vom Alltag im zweitgrößten Ghetto des Deutschen Reiches berichten, sondern auch von den Familienschicksalen, die in den Nachkommen der Deportierten noch immer präsent sind. Selten wurden bisher die Umstände und Hintergründe einer Massendeportation durch die Nationalsozialisten so gründlich dokumentiert. Ausstellungsdauer: 3. bis 26. November 2011 Ort: Landtag Nordrhein-Westfalen

Vortrag im Rahmen dieser Ausstellung: »Deutsche Juden im Ghetto Litzmannstadt« von Dr. Andrea Löw (Institut für Zeitgeschichte München) Wann: Montag, 21. November um 19.00 Uhr Wo: im Landtag NRW. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Besucher werden gebeten, einen gültigen Personalausweis mitzubringen.

Führungen durch die Ausstellung werden angeboten. Eine gemeinsame Veranstaltung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf mit dem Gerhart-Hauptmann-Haus.


19 Kinemathek/Schulprojekt Di, 17.11. 11.00 Uhr

»Wunderjahre«

Jugendliche erforschen die Geschichte und Kultur der 1950er Jahre. Schulprojekt und Film »Wunderjahre« lautet der Titel eines Schulprojekts, das im September im Rahmen des Förderprogramms »Kulturinstitution und Schule« mit der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus und dem Geschichtskurs der 12. Klasse des Schloss-Gymnasiums Benrath startete. Der Titel des Projektes »Wunderjahre« zitiert den gleichnamigen Jugendfilm von 1991, der die unterschiedlichen Facetten der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft Mitte der Fünfziger Jahre zeigt und den Einstieg in das Projekt bildet. Da ist auf der einen Seite das sogenannte »Wirtschaftswunder«, verbunden mit Wohlstand und wirtschaftlichem Aufschwung, mit Luxus, Mode, Design, Musik- und Jugendkultur der 50er Jahre – Ereignisse, die bis in die kleinsten Kleinstädte dringen und deren Bilder bis heute ihren festen Platz im kulturellen Gedächtnis der Deutschen haben. »Wunderjahre«, das sind aber auch die Schattenseiten und die Lasten der Vergangenheit, die die deutsche Gesellschaft nach Kriegsende verarbeiten muss und die zu Konflikten und Trübungen in der heilen Welt, wie heute oft Werbe- und Modebilder aus den 1950ern vermitteln, führen. Das Projekt ergänzt praxisorientiert die im Geschichtsunterricht vermittelten Kenntnisse zur wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung Deutschlands in den 1950er und 1960er Jahren nach Gründung beider deutscher Staaten (Zeitraum 1945 bis 1961). Es soll die Schülerinnen und Schüler anregen, sich intensiver mit der deutschen Vergangenheit und der Geschichte ihrer Eltern- und Großelterngeneration zu befassen und ihnen zugleich die Arbeitsmethoden und -inhalte einer wissenschaftlichen Institution, die auf historische Breitenbildung setzt, vermitteln. Zusammen mit der Koordinatorin für

Mit: Gudrun Landgrebe, Jens Weisser, Silvia Lang, Christian Mueller-Stahl, Kirill Falkow, Jan Hinrichsen, Jaecky Schwarz, Mariele Millowitsch, Nicole Motzek, Jakob Kleineidam, Oli Böttcher, Elisabeth Romano, Julia Martineck

Jugend und Schulprojekte Dr. Katja Schlenker und der Geschichtslehrerin Frau Marie-Theres Offermanns arbeiten die Schülerinnen und Schüler in einzelnen Projektgruppen zu Themenblöcken wie Wirtschaft und Gesellschaft, Außen- und Deutschlandpolitik, aber auch Jugendkultur, Mode oder Werbewelt. Dabei geht es nicht nur um erstes wissenschaftliches Arbeiten, sondern auch um Arten der öffentlichkeitswirksamen Vermittlung von Geschichte. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler erlernen Grundkenntnisse der schriftlichen, mündlichen und bildlichen Darstellung historischen Wissens, indem sie ihre Projektergebnisse im kommenden Jahr in einem Projekttag in der Stiftung und in der Schule öffentlich auf verschiedenste Weise präsentieren: in Filmen, Interviews, Plakaten und Geschichten und Inszenierungen. Das Projekt soll die Eigeninitiative und Kreativität der Schülerinnen und Schüler

und den Spaß an der Erforschung von Geschichte fördern. »Wunderjahre« gehört zu den wertvollen Kinder- und Jugendfilmen, der einfühlsam Geschichten aus dem Familienalltag der fünfziger Jahre erzählt. Stuttgart. 1957 – eine deutsche Kleinstadt zur Zeit des Wirtschaftswunders. Hanna, ein Waisenkind, kommt in eine propere mittelständische Pflegefamilie mit Eigenheim, Auto und zwei Söhnen. Hanna fühlt sich unwohl und erfährt bald von dem Schatten, der auf dem Familienleben lastet: die Mutter, Frau Hoffmann, hatte 1945 auf der Flucht ihren Sohn Clemens verloren und ist besessen von der Idee, dass er eines Tages auftauchen wird. Clemens kommt tatsächlich wieder – aber nicht als Sohn, sondern als Fremder. Es ist Hanna, die ihn entdeckt und immer wieder zu ihm findet. Er bleibt ein Fremder und unberechenbar für die Familie. Wie ein gejagtes Tier verschwindet er. Der Familie Hoffmann mit Gudrun Landgrebe als ordentlicher Mutter und Hausfrau, mit den Kindern Hanna, Clemens, Timo und Bernhard, steht die Familie Körber gegenüber. Hier ist die Wirtschaftswunderzeit noch nicht angekommen, dafür aber ist Leben im Haus. Die Kinder der beiden Familien kümmern sich nicht um die Probleme der Erwachsenen oder um Sätze wie: »Das ist kein Umgang für dich« und finden genau so zusammen, wie es die Eltern nicht wollten. Katja Schlenker


20 Schülerexkursion

Schleschische Spuren in der Bundesrepublik Deutschland

Schlesien für Schüler erfahrbar machen Ein Schulprojekt im Schuljahr 2011/2012 Die Exkursion vom 14.-17. Oktober 2011 möchte die schlesischen Spuren in Deutschland und die deutschen Spuren in Polen aufzeigen. Zur Einführung wird die 13. Klasse des Schlossgymnasiums Benrath mit der polnischen Geschichte und den Beziehungen zu Deutschland vertraut gemacht. Danach wird eine viertätige Exkursion nach Berlin und Stettin unternommen. Vor Ort werden die Schüler von der Schriftstellerin Roswitha Schieb begleitet. Die studierte Germanistin und Kunstwissenschaftlerin hat bereits durch ihre Bücher: »Literarischer Reiseführer Breslau. Sieben Stadtspaziergänge« und »Reise nach Schlesien und Galizien. Eine Archäologie des Gefühls« Erfahrungen mit dem Thema gesammelt. Passend zu dem Projekt erscheint in diesem Jahr ihr aktuelles Buch Jeder zweite Berliner. Schlesische Spuren an der Spree. Zusammen Frau Dr. Schlenker wird sie anhand von Bauwerken und Denkmälern die Geschichte der Stadt lebendig aufzeigen. Und in der Tat gibt es in der deutschen Hauptstadt jede Menge schlesische Spuren, die man auf den ersten Blick vielleicht übersehen würde. So sind die berühmten Berliner Bären, die sich auf der Autobahn 115 im Süden und Westen Berlins befinden, Werke der Bildhauerin und Grafikerin Renée Sintenis. Bekannt geworden ist sie vor allem durch kleinformatige Tierplastiken. Aber auch weibliche Aktfiguren und

Sportstatuetten gehörten zu ihrem Repertoire. In Berlin finden sich weitere Statuen von ihr, wie das »Grasendes Fohlen« (1929) auf dem nach ihr benannten Renée-Sintenis-Platz in Friedenau. Renée Sintenis ist gebürtige Schlesierin, sie wurde am 20. März 1888 in Glatz geboren. Beerdigt wurde sie in ihrer neuen Heimat Berlin; in einem Ehrengrab auf dem Waldfriedhof in Berlin-Dahlem. Ein weiteres – wenn Renée Sintenis: Grasendes Fohlen. 1929, Bronze. Renéenicht sogar das Sym- Sintenis-Platz, Berlin-Friedenau. bol Berlins – stammt ebenfalls von einem Schlesier. Carl Gotthard Langhans tuellen Stadtplans und alten Post- und wurde am 15. Dezember 1732 in LanAnsichtskarten werden sie eine Schnitdeshut geboren. Er war als Baumeister zeljagd unternehmen. Ziel ist es, die beziehungsweise Architekt tätig und dargstellten Gebäude zu finden und war einer der frühesten Vertreter des dem heutigen Stadtbild zuzuordnen. Klassizismus in Deutschland. Ein weiEin nicht unwesentliches Problem dürfteres von ihm erbautes Gebäude ist ten dabei die geänderten Straßennamen das ehemalige Schloss Charlottenburg, und Umbauten spielen. So erleben die welches nun als Museum für Vor- und Schüler nicht nur das heutige moderne Frühgeschichte genutzt wird. BedauerStettin, sondern erleben auch, wie sich licherweise haben von seinen Bauwereine Stadtansicht in über 100 Jahren ken nicht alle die Zeit überdauert. verändern kann. In Stettin werden die Schüler dann Katja Schlenker besonders gefordert. Mithilfe eines ak-

ehemaliges Schlosstheater (Langhansbau) Charlottenburg, Berlin, heute Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin


21 Schulprojekte

Ausstellung der Stiftung auf reisen

Eduard von Simson in Stauchitz/Sachsen Ein außergewöhnlicher Ort – so scheint es – für die Präsentation der an unserer Stiftung erarbeiteten Wanderausstellung »Eduard von Simson – Schlüsselfigur des deutschen Parlamentarismus« ist derzeit Stauchitz. Am 12. September eröffnete hier die Koordinatorin für Jugend- und Schulprojekte Dr. Katja Schlenker auf Einladung der Mittelschule »Anne Frank« die Ausstellung in der »Alten Post«. Stauchitz ist eine 3000-Seelen-Gemeinde im Westen des Landkreises Meißen im Freistaat Sachsen, an der Bahnstrecke Dresden-Riesa-Chemnitz und besitzt mit der Mittelschule »Anne Frank« eine ganz besondere Schule, die mit ihrem pädagogischen Konzept Modellcharakter für Sachsen hat. Demokratie unter Lehrern und Schülern wird besonders großgeschrieben und als wesentliche Leitidee auf der Homepage der Schule verkündet. So heißt es: »Schüler, Lehrer und Eltern unserer Schule begreifen sich als Partner, die ein Stück Lebensweg gemeinsam gehen. In unserer Schule wollen wir mit Kopf, Herz und Hand lernen. Jeder soll die vielfältigen Fähigkeiten seiner Person - geistige, künstlerische, praktische, emotionale und soziale - entfalten, sich hier wohlfühlen und seine Basis für ein sinnerfülltes eigenverantwortliches Leben in der Demokratie schaffen.«. Die Ausstellung Eduard von Simson findet in Stauchitz eine würdige Ad-

resse. Der Protagonist der Ausstellung, Eduard von Simson, der sich zeitlebens für Demokratie und Parlamentarismus einsetzte, steht für die Geschichtslehrer der Mittelschule Stauchitz und für weitere Schulen in der Umgebung in den nächsten vier Wochen mit seiner Person und seinem Wirken im Mittelpunkt eines Unterrichtsthemas. Nach der Eröffnung der Ausstellung führte die Koordinatorin für Jugend- und Schulprojekte mit einem Workshop für den Geschichtskurs der 10. Klasse gemeinsam mit der Geschichtslehrerin Frau Gabriele Gill in die Ausstellungsinhalte ein. Für die engagierte Lehrerin der Mittelschule »Anne Frank«, Gabriele Gill, sind Projekte und Ausstellungen wie diese über Eduard von Simson und seine Zeit ein Beitrag, um mit den jungen Leuten im Rahmen des Geschichtsoder Gemeinschaftskundeunterrichtes über Verantwortung für Demokratie und das eigene Handeln dafür in der Gesellschaft zu diskutieren. In der Gemeindezeitung Stauchitz schrieb sie treffend: »In der heutigen Zeit, in der die Politikverdrossenheit einen Großteil der Bevölkerung erfasst hat, wie will man sonst die Wahlbeteiligung zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern von nur 53% erklären, soll die Schule einen Beitrag zur demokratischen Erziehung der Heranwachsenden leisten. Aus diesem Grunde nutzen

die Geschichts- bzw. Gemeinschaftskundelehrer der 8. bis 10. Klassen die Gelegenheit, sich gemeinsam mit den Schülern diese Ausstellung anzuschauen.« In den ersten Tagen besuchten bereits 8., 9. und 10. Klassen mit ihren Geschichtslehrern die Ausstellung und nutzen das in der Stiftung Gerhart-HauptmannHaus vorbereitete Unterrichtsmaterial, um auf den sieben Schautafeln anhand von Texten, historischen Fotos und Bildern die Herkunft und Heimat, die Jugend und das geistig-politische Umfeld, die Karriere und Eduard von Simsons Wirken als Rechtsgelehrter und Richter kennenzulernen. Weitere Stationen in diesem Jahr sind das Friedrich-Leopold-Woeste-Gymnasium in Hemer und zu Jahresbeginn 2012 das Museum der Stadt Königsberg in Duisburg. Weitere Informationen zum Schulprojekt in Stauchitz auf der Homepage der Mittelschule »Anne Frank«: http:// www.schulfreunde-stauchitz.de.v u

Dr. Katja schlenker in der Mittelschule in Stauchitz

Katja Schlenker


22 Theater/Kinder D1, 22.11. 14.00 Uhr

Für Grundschulkinder und Märchenliebhaber

»Schilli billi« – Die »Düsseldorfer Märchenwochen« zu Gast im Gerhart-Hauptmann-Haus Sabine Kolbe und Kerstin Otto vom Berliner Erzähltheater FabulaDrama, ausgebildet an der Universität der Künste Berlin, haben sich alten Mythen, Legenden, Sagen und Märchen verschrieben. Schilli billi – es lebten einmal, es waren einmal – so beginnen alle Märchen, von Fuchs und Wolf, der Froschzarin, den wilden Schwänen, der Hexe Baba Jaga und dem vorwitzigen

Sa, 19.11. 15.00 Uhr

Pfannkuchen. Zauberhafte Märchen aus dem russischen Zarenreich, spannend und vergnüglich erzählt von Sabine Kolbe und Kerstin Otto. Besonders geeignet für Grundschule und alle Märchenliebhaber. Eintritt: frei Kartenreservierung: 0211 16991 0, schlenker@g-h-h.de

Musikalisch-literarisches Programm

Die Nacht ist kalt und Klar Mitwirkende: Alexandra Lachmann – Sopran, Elke Jahn – Gitarre, Uli Hoch - Lesung. Wir läuten die beginnende Winter-, Advents- und Weihnachtszeit ein mit einem besinnlichen, aber auch amüsanten Abend, nicht nur für Anhänger des Weihnachtsfestes, mit internationalen Winter- und Weihnachtsliedern (polnisch, spanisch, englisch, französisch), Gitarrenmusik und Geschichten, u. a. von J. Bobrowski, R. M. Rilke, R. Gernhardt, L. Rathenow und C. Morgenstern. Eintritt frei. Anmeldung wird erbeten unter Tel.: 0211 - 1699118

Do, 17.11. 11.00 Uhr

26. KinderKinofest

Vom FuSSballquiz zum Fortunabrötchen Mit dem Film »Der ganz große Traum« blicken wir zurück in die Geschichte des Fußballs. Wusstet Ihr, dass die Geburtsstunde des modernen Fußballs erst vor 148 Jahren war; dass sich besonders Lehrer für den Ballsport einsetzten? Und, dass in Deutschland Fußball erst viel später als in anderen Ländern als Sport akzeptiert wurde? Die Schweiz das erste Land in Europa war, in dem Fußball gespielt wurde? Dass die ersten Fußballklubs in Deutschland aus Schülervereinen hervorgingen oder von Engländern im 19. Jahrhundert

gegründet wurden? Testet Euer Wissen im Quiz, lernt dabei spannende Geschichten über deutsche (Sport-) Geschichte kennen und stärkt Euch anschließend mit Fortuna-Brötchen. Übrigens: Wisst Ihr eigentlich wer das Fortuna-Brötchen erfunden hat? Eine Aktion der Stiftung GerhartHauptmann-Haus Für 40 Teilnehmer Eintritt frei!


23 Aussiedler Sa, 26.11. 17.00 Uhr

»MIX-MARKT einfach anders«

Ein Theaterstück von und mit Maria und Peter Warkentin, Russland-Deutsches Theater »Der weite Weg zurück« war der Titel des ersten Programms, das Maria und Peter Warkentin vom RusslandDeutschen Theater Niederstetten zur Geschichte der Deutschen in Russland präsentierten. Seither wurde dieser bunte Szenenreigen in ganz Deutschland über 250 Mal aufgeführt. Nun sind die Russlanddeutschen schon eine geraume Zeit in ihrer ursprünglichen Heimat – Zeit genug für ein Stimmungsbild, für Vergleiche von gestern und heute, von dort und hier. Dafür haben die beiden Schauspieler wieder Szenen, Gedichte, Witze, Kabarettistisches, Lieder und Texte gesammelt und sie zu einem äußerst kurzweiligen, abwechslungsreichen Programm verarbeitet, das den Titel »Mix-Markt einfach anders« trägt. Nach der Ankunft im gewünschten Land weiß man ja am Anfang nicht, was so alles mit einem geschieht. Auf jeden Fall muss man zuerst mit dem Laufzettel in der Hand alle Ämter abklappern und sich überall anmelden. Die ganzen Anträge und Formulare – eine Riesenherausforderung!!! Die Sprache Da diese Beamtensprache völliges Neuland für unsere Landsleute war, formte sich der neue Wortschatz nur sehr mühsam. Deutschsprachkurse, Aussiedlerwortschatz – Gedichte von Wendelin Mangold. Aufgrund sprachlicher Defizite entstehen Missverständnisse, die zuerst zu Ärger führen, dann aber als Witze in die Sprachkultur eingehen. Diese Witze werden von Mund zu Mund weitergegeben und gesammelt. Eine Serie von diesen Witzen finden Sie in diesem neuen Programm. Nach zwölfjähriger Verborgenheit kehrt der Dichter Heinrich Heine nach Deutschland zurück und hält dies in »Deutschland. Ein Wintermärchen »fest. Viktor Heinz »kehrt« nach 250 Jahren zurück und dichtet in Anlehnung an Heinrich Heine »Deutschland. Ein Herbstmärchen«. Der Alltag Plötzlich fragt sich eine Oma (Maria Warkentin) nach einem russischen Laden bei den Zuschauern durch. Sonst kauft sie immer gemeinsam mit der Tochter ein, aber heute ist die Tochter

Die Schauspieler Peter und Maria Warkentin in Mix-Markt

auf der Arbeit. Und die Oma, die plötzlich Hunger nach Cholodez (Sülze) gekriegt hat, weiß, dass man nur im russischen Laden alles Nötige dazu kaufen kann. Im wolgadeutschen Dialekt plaudert sie gerne mit den Zuschauern über die Notwendigkeit dieser Läden, über die Sattelitenschüssel, unterhält sich über Politik und Politiker und über vieles andere, was ihr so auf dem Herzen liegt. Danach taucht ein Versicherungsagent (Peter Warkentin) auf. Unsere Landsleute wurden von denen in den 90-ern förmlich überrumpelt. Auch haben wir einen Handwerker, der über die »Privi-

legien« der Aussiedler spricht und damit seine einheimischen Kollegen zur Weißglut bringt. Lebensversicherung und Migrantenprivilegien von Alexander Reiser. Kritische Pfeile in Richtung Machthaber werden auch abgefeuert (z. B. wenn es um die Nichtanerkennung der Berufe geht). Zudem werden Lieder zur Gitarre gesungen, Gedichte zum Nachdenken rezitiert und Erinnerungen, die einen nicht loslassen, beschworen. Veranstaltungsort: Haus der Familie, Lutherplatz, Krefeld

Sa, 12.11. 15.00 Uhr

Schau- & Figurenspiel

»Der kleine Lord« Mit dem Stück »Der kleine Lord« setzte das Kölner Künstler Theater den liebenswert-heiteren Klassiker der internationalen Kinderliteratur als Schauspiel- und Figurentheater um. Ab November spielen wir die Geschichte des Halbwaisenjungen Cedric aus New York, dem es gelingt, die Menschenfeindlichkeit seines englischen Großvaters, des alten Earl of Dorincourt, zu besiegen und die Familie zu versöhnen. Mit seinem weltoffenen Charme und seinem unerschütterlichen

Glauben an das Gute im Menschen erweicht der Junge seinen verbitterten Großvater. Mit seiner großherzigen Mutter setzt sich Cedric zudem für die arme Bevölkerung aus der Grafschaft ein. Gemeinsam mit alten Freunden hat er noch ein Abenteuer zu lösen, bevor dann alle zusammen feiern können. Für Kinder ab fünf Jahren. Eintritt frei. Anmeldung erbeten unter Tel.: 0211 1699118


24 Leserbrief

Verengter Blickwinkel

Falsches und Fehlerhaftes zum Thema Vertreibung »Die Vertreibung im deutschen Erinnern« Untätigkeit kann dem schreibenden Ehepaar Hahn aus Oldenburg nicht vorgeworfen werden, legen sie doch mit 726 Seiten Text eine umfangreiche Arbeit über »Die Vertreibung im deutschen Erinnern« vor, erschienen im Ferdinand Schöningh-Verlag Paderborn. Wer sich allerdings die Mühe macht, da hinein zu schauen, stößt auf ein seltsames Potpourrie von zutreffenden und falschen Behauptungen, eine kunterbunte Mischung von Informationen sachlicher Art und seltsam schrägen Bewertungen, die vielfache Zweifel an der Kompetenz der beiden Verfasser hervorrufen. Vielleicht ist es auch die Doppelverfasserschaft, die diese Mixtur so schwer verständlich, ja so schwer verdaulich macht. Im Folgenden sollen einige Ausführungen betrachtet und bewertet werden, in denen die Autoren mit dem Anspruch auftreten, einen Überblick über das Thema »Vertreibung« in 60 Jahren in der Geschichtsschreibung, durch die Vertriebenenverbände und ihre Politiker, in der Publizistik und in einem Teil der Medien zu geben. Man geht hier von »völkerrechtlich legitimierten Zwangsumsiedlungen« durch die Potsdamer Vereinbarung der Alliierten aus »Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn«…aus. (S. 25) Schon zu Beginn ungenaue Begriffe und falsche Behauptungen; es gab und gibt keine völkerrechtlich legitimierte Zwangsumsiedlung, weder aus dem eigenen noch aus fremden okkupierten Staatsgebiet. Mit dem Satz: »die Alliierten sollen sich eines Verbrechens der Vertreibung schuldig gemacht haben«, wird diese Tatsache in Frage gestellt. Ausführlich wird jedoch das Massaker von tschechischen Banden an sudetendeutschen Zivilisten in Aussig behandelt, wobei die Darstellung von O. Pustejovsky weitgehend übernommen wird. (S. 76) Unterschlagen wird, dass nach den Ausschreitungen sofort zwei Minister der Beneš-Regierung anreisten und die von ihnen eingesetzte Kommission unter Leitung von Bedrich Pokorny (des Hauptorganisators des Verbrechens!) sofort die Deutschen als Urheber der vorangegangenen Explosionen beschuldigt wurden. Völlig unverständlich ist die nachgeschobene Behauptung, es gäbe »keine plausible Erklärung für die

Organisation dieses brutalen Gewaltaktes«. Doch, die liefert nämlich Pustejowski, der ziemlich einleuchtend einen Zusammenhang mit der Potsdamer Konferenz sieht, und im Übrigen hätten die Hahns hier nur die einschlägigen Schreiben und Reden von E. Beneš und seinen Helfershelfern nachlesen müssen. Das »Aussig« als »Symbol einer kollektiven tschechischen Hysterie gelte« behauptet im Übrigen niemand. Ganz im Gegenteil ist heute u. a. nach Th. Stanĕk und der Dokumentation »Odsun II« und vielen weiteren Untersuchungen bekannt, dass dieses Verbrechen und die zahlreichen weiteren eine Form des gelenkten Staatsterrors waren, die die Flucht und Vertreibung der Sudetendeutschen bewirken sollten. Mit dem Begriff »Vertreibung« können sich die Schreiber nicht anfreunden, denn dieser »stelle bei der Suche nach den historischen Ereignissen und deren Erklärung eine große Hürde dar«. (S. 78) Wenn man ihnen zugeben kann, dass »unterschiedliche Umstände zugrunde lägen«, so bleibt doch das Ergebnis gleich. Nicht umsonst hat er sich als zutreffend durchgesetzt, erst kürzlich in dem umfassenden »Lexikon der Vertreibung« aus dem Böhlau-Verlag, an dem zahlreiche Fachwissenschaftler mitgearbeitet haben. Es ist nicht neu, dass auch in der vorliegenden Veröffentlichung führende Vertriebenenpolitiker in die Nähe des nationalsozialistischen Systems gerückt werden. Selbst einzelne weithin verwendete Begriffe wie »Volksgruppe« hält man für einen »von den Nazis eingeschmuggelten Begriff«. Bei anderen in dieser Hinsicht völlig unverdächtigen Persönlichkeiten wie Wenzel Jaksch oder Herbert Hupka werden andere Abwertungen gefunden. Wahrheitswidrig wird behauptet »Keiner von ih-

nen ( Jaksch, Czaja, Becher, Hupka, der Verfasser) konnte zum Erinnern an die Vertreibung persönlich beitragen«… (S. 538) Herbert Hupka wurde zum Verlassen seiner Heimatstadt Ratibor (OS) gezwungen. Auf viele der pauschalen Behauptungen in diesem Konvolut kann sich der Leser keinen Reim machen. Denn wie kann man sich solche Sätze erklären: »Niemand fragte weiterhin, wie es mit der Vertreibung eigentlich gewesen sei, wie jene rund 11 Mio. Deutsche ihre Heimat und wie viele ihr Leben verloren haben sollen«… Andere Historiker und Völkerrechtler werden abschätzig beurteilt. Über den Völkerrechtler Alfred de Zayas und sein Buch »Nemesis at Potsdam« heißt es »Seine Leser werden somit irregeführt und erhalten keine Gelegenheit, die international geltenden völkerrechtlichen Normen kennen zu lernen.« (S. 619) Zu Detlef Brandes Werk »Der Weg zur Vertreibung« schreiben die Hahns: »Seine mühsame Suche nach den Ursachen der Vertreibung zeitigt keine neuen Ergebnisse«. (S. 103) Die Feststellung von D. Brandes, dass die polnischen und tschechischen Exilpolitiker die Entscheidungen der Großmächte entscheidend mit bestimmt hätten, können sie nicht akzeptieren, denn: »Dieses Szenario ist allerdings einzig und allein das Produkt seines eigenen verengten Blickwinkels«. (S. 101) Ja, es ist zu fragen, wer hier einen verengten Blickwinkel beweist. Es scheint sich um eine unbewusste Selbstcharakteristik zu handeln. Von einer sachgerechten, vorurteilsfreien Darstellung der Vertreibung im deutschen Erinnern kann beim vorliegenden Werk nicht gesprochen werden. Rüdiger Goldmann


25 Bibliothek

Die Wildgans Geschichten aus Siebenbürgen Künstler, Jäger, Bauern, Taschendiebe, Offiziere – Frauen und Männer: In neun Erzählungen treten sie als Liebende und Gejagte, Aufrechte und Mörder auf. Die Geschichten spannen den Bogen von den Kriegsjahren bis zur Wende 1989. Mal dramatisch, mal heiter, oft abgründig, verzaubern sie den Leser mit der Magie südöstlicher Landschaften und ungewöhnlichen Schicksalen. Hans Bergel, der Autor großer Romane wie »Tanz in Ketten« oder »Die Wiederkehr der Wölfe«, lotet durch seinen genauen Blick und der emotionalen Wucht seines Erzähltons die Dimensionen der Menschlichkeit aus.

Hans Bergel: Die Wildgans. Geschichten aus Siebenbürgen. München, LangenMüller 2011.

Flucht und Vertreibung der Deutschen Voraussetzungen, Verlauf, Folgen

Mathias Beer: Flucht und Vertreibung der

Deutschen.

Das gesellschaftliche Interesse an der Flucht und Vertreibung der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkriegs ist groß. Dennoch fehlt seit Jahren eine qualifizierte Überblicksdarstellung zu diesem Thema. Der Historiker Mathias Beer legt nun eine solche vor. Übersichtlich und komprimiert skizziert er die Forschungsentwicklung und den Forschungsstand zu der Thematik, gibt einen Überblick über die Literatur, um dann die Voraussetzungen für Flucht und Vertreibung, den Verlauf sowie die Folgen und die Erinnerungsgeschichte zu beschreiben. Das Buch wendet sich an ein breites Publikum und kann als Einführung in das Thema gut von Schülern und Studenten benutzt werden. Gut strukturiert und fundiert bietet es eine wissenschaftliche Einführung in das komplexe Thema, die mit Hilfe der weiterführenden Literaturhinweise vom Leser weiter vertieft werden kann.

Voraussetzungen,

Verlauf, Folgen. München, Beck 2011.

Tallinn Kleine Geschichte der Stadt

Karsten Brüggemann und Ralph Tuchtenhagen:

Tallinn.

Kleine

Ge-

schichte der Stadt. Köln, Böhlau 2011.

Die estnische Hauptstadt Tallinn, das alte Reval, geht in seinen Ursprüngen auf eine estnische Burg zurück, die zu Beginn des 13. Jahrhunderts von Dänen erobert wurde. Seit ihrem Beitritt zur Hanse führte die Stadt trotz wechselnder Oberherrschaften ein Eigenleben, das vor allem durch Handel und Handwerk geprägt war. Ungeachtet der Zugehörigkeit zu Schweden und zum Russischen Reich dominierten die deutschen Bürger die städtischen Belange bis in das 20. Jahrhundert hinein. In der Stadt lebten neben Esten und Deutschen auch Schweden, Finnen, Russen und Juden. Nach dem Sturz des Zaren wurde Tallinn für zwei Jahrzehnte Hauptstadt der Republik Estland. Infolge des Hitler-Stalin-Paktes und der sowjetischen Annexion des Landes lag Tallinn dann für ein halbes Jahrhundert jenseits des Eisernen Vorhangs. Nach der »Singenden Revolution« und dem Zusammenbruch der UdSSR wurde es wieder zur Hauptstadt Estlands. Heute ist die mittelalterlich geprägte Altstadt UNESCO-Weltkulturerbe und im Jahre 2011 Kulturhauptstadt Europas.


26 Chronologie

Mi jeweils 18.10 bis 20.30 Uhr Probe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft Ostpreußen-Westpreußen- Sudetenland - Leitung: Radostina Hristova

Mi 05.10., 02.11., 07.12. | jeweils 15 Uhr Ostdeutsche Stickerei mit Helga Lehmann und Christel Knackstädt Raum 311

Do 06.10., 03.11., 01.12., 08.12. | jeweils 19.30 Uhr

Fr 21.10. | 18.00 Uhr

Mo 21.11. | 19.00 Uhr

Ausstellungseröffnung Unsere Vorfahren – 90 Jahre Familienforschung in Düsseldorf Eichendorff-Saal

Landtag NRW »Deutsche Juden im Ghetto Litzmannstadt« Vortrag von Dr. Andrea Löw (Siehe S. 18 )

Sa 22.10. | 14.30 Uhr Kultur- und Begegnungsnachmittag mit Gästen aus Sankt Petersburg Gemeinsame Veranstaltung mit dem IKZ Mettmann Eichendorff-Saal, Raum 312

Mo 24.10. | 19.15 Uhr

Offenes Singen mit Barbara Schoch Raum 312, 412

»Memel – Kulturgeschichte eines europäischen Stromes« Vortrag von Uwe Rada Konferenzraum (Siehe S. 06)

Bis 6.10.

Fr 11.11. | 18.00 Uhr

Kunstausstellung »Eine Welt der Kontraste« Werke von Michael Disterheft und Alexander Stroh

Verleihung des Andreas-GryphiusPreises durch die Künstlergilde e. V. Eichendorff-Saal (Siehe S. 12 )

Bis 14.10.

»Der kleine Lord« Schau- & Figurenspiel Eichendorff-Saal (Siehe S. 23)

Dokumentarausstellung »In memoriam Alfred Kittner« (1906 - 1991)

Di 04.10. | 19.15 Uhr »Gegen ein falsches Bild der Deutschen aus Russland« Vortrag und Gespräch mit Dr. Christoph Bergner MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim BM des Innern. Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten (Siehe S. 03)

Do 06.10. | 19.00 Uhr »Ein Mann aller Jahrhunderte.« Viel Neues über Nikolaus Kopernikus Vortrag und Gespräch mit Dr. Jerzy Sikorski, Janusz Cygański und Prof. Oskar Gottlieb Blarr Konferenzraum (Siehe S. 04)

Fr. 07.10 | 20.00 Uhr, Tonhalle Düsseldorf Uraufführung der Kopernikus-Sinfonie von Prof. Oskar Gottlieb Blarr

Di 18.10 | 19.15 Uhr »An den Rand geschrieben – Rumäniendeutsche Schriftsteller im Fadenkreuz der Securitate« Filmvorführung und Diskussion mit Helmuth Frauendorfer, Stellvertretender Direktor der Gedenkstätte Berlin – Hohenschönhausen Konferenzraum (Siehe S. 05 )

Sa 12.11. | 15.00 Uhr

Do 17.11. | 11.00 Uhr Schulprojekt »Wunderjahre« Eichendorff-Saal (Siehe S. 19 )

Do 17.11. | 19.15 Uhr »Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten…« Der Bau der Berliner Mauer vor 50 Jahren – Voraussetzungen und Folgen Vortrag von Prof. Dr. Manfred Wilke Konferenzraum (Siehe S. 07)

Fr 18.11. | 19.00 Uhr Herbstveranstaltung der Künstlerwerkstatt im Gerhart-Hauptmann-Haus Siehe S. 13 Ausstellungseröffnung »So – und ganz anders« – Die Fotowelt in Kontrasten Ausstellungsraum (Siehe S. 17)

Sa 19.11. | 9.30 Uhr Johannes-Haus, Carlo-Schmid-Str. 24, Düsseldorf (Hellerhof) »Als Deutscher in Tschechien« – Im Gespräch mit Erwin Scholz, Reichenberg / Liberec (Siehe S. 10)

Sa 19.11. | 15.00 Uhr »Die Nacht ist kalt und klar« Musikalisch-literarisches Programm Eichendorff-Saal (Siehe S. 22)

Di 22.11. | 14.00 Uhr Düsseldorfer Märchenwochen »Schili bili« mit dem Berliner Erzähltheater FabulaDrama Raum (Siehe S. 22 )

Sa 26.11. | 17.00 Uhr Haus der Familie, Krefeld »Mix-Markt einmal anders« mit dem Russland-Deutschen Theater Niederstetten (Siehe S. 23 )

Mi 30.11. | 19.15 Uhr »Das blühende Danzig« – Die Weichselstadt in Lobgedichten des 17. Jahrhunderts Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Born Konferenzraum (Siehe S. 09 )

Fr 2.12. | 18.30 Uhr »Ex oriente lux« – Aus dem Osten kommt das Licht« Texte und Musik zur Weihnachtszeit – von ostdeutschen Dichtern und Komponisten mit Dr. Hajo Buch und dem Malinconia-Ensemble Stuttgart Eichendorff-Saal (Siehe S. 11)

So 4.12. | 10.00 - 16.00 Uhr »Ostdeutscher Weihnachtsmarkt«

Mi 7.12. | 19.15 Uhr »Tschechische Weihnachtstraditionen im 20. Jahrhundert im Spiegel der Geschichte« Vortrag von Dr. Peter Koura, Prag Konferenzraum

Sa 10.12. | 18.00 Uhr Herz-Jesu-Kirche, Roßstr. 75 Adventsgottesdienst für alle Landsmannschaften mit der Düsseldorfer Chorgemeinschaft Ostpreußen-Westpreußen-Sudetenland

Do 15.12. | 19.00 Uhr VHS Düsseldorf, Bertha-von SuttnerPlatz 1, Saal 1 »Russland erneut an einem Scheideweg – Wie weiter mit Wladimir Putin? Perspektiven im Vorfeld der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen Vortrag von Prof. Dr. Margareta Mommsen (Siehe S. 10)


27

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Einweihung des neuen Foyers im Gerhart-Hauptamnn-Haus

Gemeinsam

mit

Architektin

Marie-

Céline Schäfer (M.) freuten sich der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung, Reinhard Grätz (l.), und der Vorsitzende des Vorstandes, Helmut Harbich (r.), einer interessierten Öffentlichkeit das neu gestaltete Foyer übergeben zu können.

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Das Titelblatt zeigt den neuen Empfangsbereich im Foyer der Stiftung Gerhart-HauptmannHaus. Neben dem Foyer wurde auch die Internetseite und das West-Ost-Jornal neu gestaltet. Die Stiftung präsentiert sich nun mit einem einheitlichen Außenauftritt, dessen markantestes Zeichen die hellblaue Farbe ist, die sich überall wiederholt. Im Foyer bekommen Besucher durch Mitarbeiter des Hauses Hilfestellung und können sich mit Informationsmaterial der Stiftung und befreundeter Organisationen versorgen.

Profile for Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus

WOJ 4-2011  

West-Ost-Journal 4-2011

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West-Ost-Journal 4-2011

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