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WOJ 16. Jg. - 4/2010

Oktober/November/Dezember 2010

ISSN 0947-5273

Von Brandt zur europ채ischen Einigung Welche Wirkung hatte die Neue Ostpolitik?


Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Inhalt 1945 und kein Ende – Kindheit im Krieg 3 Ein Pommer am Rhein

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Wer hat die Macht in Russland? – Putin und Medwedjew zwischen Staatsbürokratie und Wirtschaftsoligarchie

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Fünfkirchen/Pécs – Ungarns Europäische Kulturhauptstadt 2010 4 40 Jahre Neue Ostpolitik – 20 Jahre deutsche Einheit 5 Vorlesung zur Geschichte des deutschen Kaiserreichs (1871-1914)

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Kriegskindheit – konkret

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Die Welt mit allen Sinnen erfassen

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Sabrina Janesch liest „Katzenberge” 8 Die Weihnachtsreise

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Verleihung des Andreas-GryphiusPreises an Dr. Renata Schumann

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„Die Königstochter in der Flammenburg“

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KinderKinoFest 2010

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Freiheits- und Einheitsdenkmal

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Von Schlesien nach Russland

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Das Gerhart-Hauptmann-Haus auf dem „Still-Leben Ruhrschnellweg“ 11 Den Anfang machte Willy Brandt Beilage Kontrapunkt

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Flucht und Vertreibung aus dem historischen deutschen Osten – das Thema im Unterricht 17 Zum 80. Geburtstag von Prof. Dr. Hans Mommsen

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Mordnacht in der „Budinka“

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„Europa - das sind wir!“

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„Von der Leichtigkeit des Seins“

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Flucht und Vertreibung im öffentlichen Bewusstsein

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Auf den Spuren von Gerhart Hauptmann in West und Ost

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Bibliothek

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ein ereignisreiches Jahr neigt sich bereits wieder seinem Ende zu. Bevor 2010 jedoch ganz verstrichen sein wird, gilt es noch wichtige Themen zu behandeln. Im letzten Quartal möchten wir Sie erneut für ein umfangreiches, facettenreiches und – das darf ich wohl sagen – hochkarätiges Programm gewinnen. Wie immer ist hier nicht der Ort, alles im Detail zu erläutern, dazu dient ja das ganze Heft. Gleichwohl möchte ich wiederum nicht versäumen, Sie auf einige Höhepunkte besonders hinzuweisen. Gleich zu Beginn des Quartals haben Sie Gelegenheit mit Prof. Dr. Michael Ermann einen der international besten Experten zu einem nur vermeintlich fernen Thema zu hören – denn ihre „Kriegskindheit“ mit nicht selten furchtbaren Erfahrungen und lebenslang nachwirkenden Traumatisierungen lässt bis heute ungezählte Menschen nicht los. Prof. Ermann (Jg. 1943) weiß dies nicht nur aus ganz persönlicher Erfahrung, sondern er hat als Arzt und Psychiater das bislang umfangreichste Forschungsprojekt über das Thema Kriegskindheit geleitet. Unsere Veranstaltungsreihe „Vierzig Jahre Neue Ostpolitik“ schließt mit zwei weiteren Abenden: Den „Blick von der anderen Seite“ wird uns Dr. Lothar de Maizière bieten. Lothar de Maizière war 1990 der letzte und einzige demokratisch gewählte Ministerpräsident der DDR. Er hat am deutschen Einigungsprozeß wesentlich mitgewirkt. Schließlich werden bekannte Experten aus Polen und Deutschland mit Blick auf den 40. Jahrestag des „Warschauer Kniefalls“ von Bundeskanzler Willy Brandt im Rahmen einer Podiumsdiskussion eine sicherlich kontroverse Bilanz ziehen. Daneben erwarten wir Sie wieder gerne zu Lesungen, Konzerten, Ausstellungen und manch anderem. Und das Jahr darf nicht enden, ohne dass Sie einen letzten Pflichttermin wahrgenommen haben: Wie üblich am zweiten Advent wird wieder unser traditioneller Weihnachtsmarkt das ganze Haus mit seinen vielen Düften, Farben und Klängen erfüllen. Da wünschen wir Ihnen dann auch ein frohes Fest. Mit herzlichen Grüßen

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Vortrag

Fr, 01.10. | 19.15 Uhr

1945 und kein Ende – Kindheit im Krieg, ein unabgeschlossenes Thema Vortrag von Prof. Dr. Michael Ermann, Ludwig-MaximiliansUniversität München Erst in jüngerer Zeit wurde einem Thema, das hierzulande als vermeintlich längst nicht mehr aktuell betrachtet wurde, die notwendige Aufmerksamkeit zuteil. Die Erfahrungen derjenigen, die als Kinder und Heranwachsende das Inferno des Zweiten Weltkrieges erleben mussten, gehören nur scheinbar der Vergangenheit an. Die Erlebnisse, die junge Menschen zwischen 1939 und 1945 hatten, liegen inzwischen gewiss mehr als sechs Jahrzehnte zurück. Gleichwohl hat die wissenschaftliche Forschung in jüngster Zeit gezeigt, dass die damals erfahrenen Prägungen, die erlittenen Traumata bei vielen Betroffenen erst in höherem Alter wieder verstärkt präsent werden – und nicht selten gezielte Hilfe erforderlich machen. Prof. Dr. Michael Ermann, der Referent

des Abends, hat prägnant festgestellt: Es ist immer noch Nachkriegszeit. Die öffentliche Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte kreist unverändert hauptsächlich um die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur. Das hat gute Gründe, der tiefste und verheerendste Absturz in der Geschichte Deutschlands steht zu Recht mahnend im Zentrum der Erinnerungspolitik. Dennoch gibt es Themen, die zur Erinnerung an die NSZeit gehören, und die bislang zu wenig berücksichtigt wurden. Dazu gehört das Thema der Kriegskindheit und besonders ihrer Spätfolgen bis ins hohe Alter. Prof. Ermann weiß, wovon er spricht. Das sollte für jeden Referenten gelten, aber im Falle von Michael Ermann ist das in besonderer Weise der Fall. Er wurde im Oktober 1943 in Stettin geboren – schon

Sa, 30.10. | 13.30 Uhr

Ein Pommer am Rhein Zur Rezeption von Ernst Moritz Arndt 150 Jahre nach seinem Tod „Dieses Haus steht in Gottes Hand und Lülo ist es zugenannt ...“. Nach einem Waldstück in der Nähe seiner Geburtsstätte Groß Schoritz auf Rügen benannte Ernst Moritz Arndt - als Historiker, Schriftsteller und Publizist eine der herausragenden Gestalten des 19. Jahrhunderts - sein Bonner Wohnhaus. Arndt verklammerte damit seine vorpommersche Heimat mit seiner langjährigen rheinischen Wirkungsstätte, das östliche mit dem westlichen Deutschland. Aus Anlaß des 150. Gedenkjahres des Todes von Arndt am 29.01.1860 veranstaltet der Bund der Vertriebenen, Landesverband NRW e.V. im Rahmen seiner Landeskulturtagung eine öffentliche Vortragsveranstaltung im Gerhart-Hauptmann-Haus mit Dr. Norbert Schloßmacher, dem Leiter des Stadtarchivs Bonn und Vorstandsmitglied

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der Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft e.V. Groß Schoritz. Person und Werk von Ernst Moritz Arndt wurden in den vergangenen 150 Jahren von unterschiedlichster Seite immer wieder ideologisch vereinnahmt und politisch instrumentalisiert. Neben überschwenglicher Verehrung findet sich auch schroffe Ablehnung: Noch jüngst gab es wegen Äußerungen Arndts, die man als nationalistisch, militaristisch und antisemitisch wertete, heftige Auseinandersetzungen um die Benennung der Greifswalder „ErnstMoritz-Arndt-Universität“. Zur Landeskulturtagung, die um 10.30 Uhr beginnt, und sich in ihrem Vormittagsprogramm mit der grenzüberschreitenden arbeit beschäftigt, sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Auf den Vortrag über Ernst Moritz Arndt wird aber in besonderer Weise hingewiesen. Markus Patzke

Prof. Dr. Michael Ermann einige Monate zuvor, am 21. April 1943 war die geschichtsträchtige pommersche Metropole an der Odermündung das erste Mal Ziel eines Großangriffs des britischen Bomber Command. Dem ersten Angriff folgten bald weitere, so dass die Stadt längst in Trümmern lag, als die Rote Armee sie im April 1945 besetzte. Als geborener Pommer erlitt Michael Ermann in frühester Kindheit nicht nur die Schrecken des Bombenkrieges, sondern auch die von Flucht und Vertreibung. Das hat ihn, wie er einmal feststellte, mehr geprägt als er sich selbst lange Zeit eingestehen wollte. Denn auch für einen hochqualifizierten Arzt und Psychiater ist der Blick auf sich selbst nicht einfach. Nach der Vertreibung seiner Familie ist Michael Ermann an verschiedenen Orten in Norddeutschland aufgewachsen. Nach dem Abitur hat er in Hamburg, Wien und Freiburg i. Br. Medizin studiert. Danach hat er sich als Psychotherapeut weiterqualifiziert. Nach der Habilitation an der Universität Heidelberg wurde Prof. Ermann 1985 auf einen Lehrstuhl an der Universität München berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung im vergangenen Jahr Psychosomatische Medizin und Psychotherapie lehrte und praktizierte. Von 2003 bis zu seiner Emeritierung leitete Ermann das Forschungsprojekt „Kriegskindheit“. Dabei handelt es sich um das bislang größte einschlägige wissenschaftliche Unternehmen, in dessen Verlauf eine Vielzahl von Interviews mit Betroffenen geführt und systematisch ausgewertet wurde. Prof. Ermann hat zahlreiche Publikationen zum Thema vorgelegt und gilt als einer der international renommiertesten Experten. Winfrid Halder

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Vortrag

Mi, 27.10. | 19 Uhr

Wer hat die Macht in Russland? – Putin und Medwedjew zwischen Staatsbürokratie und Wirtschaftsoligarchie Vortrag von Prof. Dr. Margareta Mommsen Aus europäischer Sicht ist das russische Machtsystem kaum durchschaubar. Intransparente Strukturen und Institutionen, beherrscht von Machtinteressen, Abhängigkeiten und Korruption, bestimmen unser Bild vom „neuen Russland“. Gleichzeitig hat die russische Gesellschaft eine Modernisierung dringend nötig: die Wirtschaft ist rückständig, außerhalb des neuen Glanzes der alten Metropolen ist

ritierung im Jahr 2003 war sie Lehrstuhlinhaberin für Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ihre Forschungsschwerpunkte sind das politische System in Russland, die politischen Systeme Osteuropas und der Nachfolgestaaten der Sowjetunion sowie der Systemvergleich und der Systemwandel.

Suttner-Platz 1 Eintritt: 6,- EUR D.U. In Kooperation mit

Mittwoch, 27. Oktober 2010, 19.00 Uhr WBZ Düsseldorf am Hbf., Bertha-von-

Mi, 10.11. | 19.15 Uhr

Fünfkirchen/Pécs – Ungarns Europäische Kulturhauptstadt 2010 Vortrag von Dr. Harald Roth, Deutsches Kulturforum östliches Europa, Potsdam

das Leben weiterhin mühselig und von Armut bestimmt. Dennoch schätzen die meisten Menschen die neue Ordnung, Medwedjew, der Reformer und Modernisierer, Putin der Beharrende und Undurchsichtige: wer wird die Zukunft Russlands bestimmen, welche Kräfte steuern die Entwicklung? Eine Schicksalsfrage, nicht nur für Russland. Margareta Mommsen studierte die Fächer der Politikwissenschaft und der Osteuropäischen Geschichte an der Université Libre de Bruxelles und der Universität Heidelberg. In den Jahren 1988/89 lehrte sie als Professorin für Politikwissenschaft an der Universität der Bundeswehr in Hamburg. Von 1989 bis zu ihrer Eme-

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Fünfkirchen/Pécs im südlichen Ungarn trägt im Jahr 2010 gemeinsam mit Essen/ Ruhrgebiet und Istanbul den Titel einer Europäischen Kulturhauptstadt. Die Geschichte dieser mittelgroßen Stadt wurde über zweitausend Jahre hin von vielerlei Völkern, Religionen und Kulturen geprägt – neben Römern, Ungarn, Osmanen und Südslawen maßgeblich auch von Deutschen. Rund 150 Jahre unter osmanischer Herrschaft, während der die Stadt ein Zentrum der Wirtschaft und islamischen Kunst war, wurden durch die

Die Kathedrale von Fünfkirchen

habsburgische Eroberung Ungarns Ende des 17. Jahrhunderts beendet. Im Zuge der anschließenden Neubesiedelung der Region erhielt Fünfkirchen wieder den Rang einer Bischofsstadt und entwickelte sich zum Zentrum der „Schwäbischen Türkei“, eines Musterländchens überwiegend deutscher Bauern. Heute ist Fünfkirchen ein lebendiger Wissenschaftsstandort, eine Stadt, in der Barock und moderne Kunst genauso zu Hause sind wie die zum UNESCO-Welterbe zählenden frühchristlichen Grabstätten der späten Römer, eine Stadt, in der zehn Minderheiten leben, die geistige Brücken über den ganzen Kontinent bilden. Dr. Harald Roth studierte osteuropäische und neuere Geschichte sowie ev. Theologie in München, Freiburg/ Br,. Heidelberg und Seattle. Er war langjährig als Geschäftsführer bzw. Leiter des Siebenbürgen-Instituts an der Universität Heidelberg, danach als Mitarbeiter des Südost-Instituts München/Regensburg, tätig. Dr. Harald Roth veröffentlichte zahlreiche Publikationen über Siebenbürgen und den Donau-Karpaten-Raum. D.U.

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Podiumsgespräch

Mi, 24. 11. | 18 Uhr

40 Jahre Neue Ostpolitik – 20 Jahre deutsche Einheit – Ein Blick von der „anderen Seite“ Ministerpräsident a. D. Dr. Lothar de Maizière im Gespräch mit Dr. Joachim Sobotta Gewiss ist, dass die Vorgeschichte der deutschen Einigung von 1990 nicht erst mit den Massenprotesten in der DDR im Herbst 1989 begann. Freilich ist es nicht ganz einfach, die Frage zu beantworten, wann und mit welchen politischen Prozessen diese Vorgeschichte tatsächlich einsetzte. Die nach dem Regierungswechsel von 1969 in der Bundesrepublik Deutschland umgesetzte außenpolitische Kurskorrektur, die sich schon 1970 im Abschluß der Verträge von Moskau und Warschau mit der Sowjetunion bzw. der damaligen Volksrepublik Polen manifestierte, ging – soviel ist klar – auch mit einer deutschlandpolitischen Zäsur einher. Fast genau zwei Jahre nach der Unterzeichnung des Warschauer Vertrages unterschrieben die Staatssekretäre Egon Bahr und Michael Kohl im Dezember 1972 den „Grundlagenvertrag“ zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Dieser wurde nach heftiger Debatte im Mai 1973 vom Deutschen Bundestag ratifiziert und trat wenig später in Kraft. Die DDR, inzwischen unter Führung Erich Honeckers, musste eine gewisse Öffnung zum westdeutschen Teilstaat hin akzeptieren. Zwar konnte von Reisefreiheit für Bundesbürger in den östlichen Teilstaat keine Rede sein – und umgekehrt schon gar nicht –, dennoch wuchsen die Besucherzahlen in den folgenden Jahren ständig. Die beiden Teile Deutschlands rückten im Zeichen der Entspannungspolitik einander wieder etwas näher als dies auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges gewesen war. Die DDR-Bürger konnten verstärkt „nach Westen blicken“, durch persönliche Kontakte und insbesondere auch durch das Medium westdeutsches Fernsehen, dessen Einfluß die DDRRegierung vergeblich zu minimieren versuchte. Journalisten aus der Bundesrepublik wurden nun formell zugelassen und konnten aus der DDR berichten, wenngleich sie nicht selten Behinderungen und Schikanen ausgesetzt waren. Den unterschwellig ständig präsenten

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Vergleich der Lebensstandards versuchte die allgewaltige SED-Führung um Honecker durch eine offensive Konsumund Sozialpolitik zu entschärfen. Aus wirtschaftsgeschichtlicher Sicht wurde mit Honeckers exorbitant teurer „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“, die den offenkundigen Rückstand gegenüber dem Leben im Wohlstandsland Bundesrepublik rasch verkürzen sollte, der Weg beschritten, der schließlich 1989/90 in den verdeckten Staatsbankrott der DDR mündete. Gegen Ende der diesjährigen Vortragsreihe zur Bedeutung der Neuen Ostpolitik (Podiumsdiskussion zum Abschluß am 30. 11. 2010, s. S. 12) kommt bewusst ein ehemaliger Bürger der DDR zu Worte. Der „Blick von der anderen Seite“ wirkt auch heute, 20 Jahre nach dem Ende des zweiten deutschen Staates, bereichernd. Zumal wenn er von einer Persönlichkeit kommt, die bewusst „politisch“ gelebt hat und lebt. Und wenn es sich um die Sicht einer Persönlichkeit handelt, die durch ihr Alter die gesamte Existenz der DDR miterlebt hat. Lothar de Maizière wurde 1940 im thüringischen Nordhausen als Sohn eines Rechtsanwaltes geboren. Bereits in sehr jungen Jahren (1956) schloß er sich der DDR-Blockpartei CDU an. Nach dem Abitur studierte de Maizière zunächst an der Hochschule für Musik in Berlin (Viola) und wurde nach dem Abschluß im Jahre 1965 als Berufsmusiker Mitglied mehrerer hochkarätiger Orchester. Bedingt durch gesundheitliche Probleme mußte er seinen ersten Beruf aufgeben und wurde nach einem erfolgreichen Fernstudium 1976 Rechtsanwalt in Berlin. Selbst bekennender evangelischer Christ, vertrat de Maizière in der Folgezeit nicht zuletzt Wehrdienstgegner, da es in der DDR kein Recht auf Wehrdienstverweigerung gab. Daneben war er seit 1985 Mitglied, seit 1986 Vizepräses der Synode des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR. Unmittelbar nach

Ministerpräsident a. D. Dr. Lothar de Maizière dem Fall der Mauer übernahm er im November 1989 den Vorsitz der Ost-CDU, wenige Tage später trat er in die vorletzte DDR-Regierung unter dem SED-Politiker Hans Modrow ein. Nachdem die CDU bei der einzigen freien VolkskammerWahl in der DDR am 18. März 1990 mit fast 40,6 Prozent der abgegebenen Stimmen zur stärksten Partei geworden war, wurde Lothar de Maizière von der Volkskammer am 12. April 1989 zum Ministerpräsidenten gewählt. Daraufhin bildete er auf der Grundlage einer großen Koalition das letzte Kabinett der DDR. Unter Führung de Maizières begannen nur rund zwei Wochen später die Verhandlungen mit der Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl, die schließlich in den am 31. August 1990 unterzeichneten Einigungsvertrag mündeten. Parallel dazu war Ministerpräsident de Maizière an den Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen der beiden deutschen Staaten mit den ehemaligen Siegermächten des Zweiten Weltkrieges beteiligt. Nach der Herstellung der deutschen Einheit wurde Lothar de Maizière einer der Stellvertreter Helmut Kohls im Vorsitz der jetzt als gesamtdeutsche Partei vereinigten CDU. Außerdem übernahm er den Landesvorsitz der brandenburgischen Union, wurde Bundestagsabgeordneter und Minister für besondere Aufgaben im Kabinett Kohl. Kurz darauf wurden Vorwürfe bekannt, wonach de Maizière Fortsetzung auf Seite 6

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Vortrag / Universität Fortsetzung von Seite 5 dem DDR-Staatssicherheitsdienst als Informeller Mitarbeiter Informationen geliefert haben soll. Diese konnten nie bewiesen werden und de Maizière hat sie stets energisch bestritten. Gleichwohl trat er als Minister zurück. Im September 1991 legte er den stellvertretenden CDU-Vorsitz sowie sein Bundestagsmandat nieder und arbeitet seither wieder hauptamtlich als Rechtsanwalt in Berlin. Darüber hinaus fungiert Lothar de Maizière heute als Vorsitzender des deutschen Lenkungsausschusses des „Petersburger Dialogs“. Dieser bemüht sich um eine Verbesserung der deutsch-russischen Beziehungen. Anlässlich seines 70. Geburtstages im März dieses Jahres würdigte ihn Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel – die 1990 im Kabinett de Maizière als stellvertretende Regierungssprecherin gewirkt hat – als „Anwalt der Einheit“. Gesprächspartner von Ministerpräsident a. D. Dr. de Maizière ist Dr. Joachim Sobotta. Unseren Lesern braucht der ehemalige Chefredakteur der Rheinischen Post und gebürtige Schlesier Sobotta nicht vorgestellt zu werden. Er ist im Rahmen seiner

18. September 1990: Nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages, Bundeskanzler Helmut Kohl und Ministerpräsident Lothar de Maizière langjährigen journalistischen Tätigkeit Lothar de Maizière bereits 1990 zum ersten Mal begegnet. Bitte unbedingt beachten: Da Herr Dr. de Maizière noch am gleichen Abend nach Berlin zurückkehren muß, beginnt die Ver-

anstaltung pünktlich bereits um 18 Uhr! Winfrid Halder

In Kooperation mit der

Einladung an Gasthörer – Vorlesung zur Geschichte des deutschen Kaiserreichs (1871-1914) an der Heine-Universität Der Direktor der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, PD Dr. Halder, hält in diesem Wintersemester an der Düsseldorfer Universität wieder eine Vorlesung. Dazu sind auch Gasthörerinnen und Gasthörer herzlich willkommen. Das 1871 gegründete deutsche Kaiserreich ist uns näher als auf den ersten Blick sichtbar sein mag. Zwar werden seit seinem Untergang am Ende des verlorenen Ersten Weltkrieges bald hundert Jahre vergangen sein, dennoch gibt es recht besehen noch immer Elemente unserer Gegenwart, die mit dem Kaiserreich in Beziehung stehen. Das gilt etwa für unser Sozialversicherungssystem, dessen Grundprinzipien im Kaiserreich entwickelt und gesetzlich verankert wurden. Unser Parlament, der Deutsche Bundestag, residiert in dem Gebäude, das für das Parlament des Kaiserreichs geschaffen wurde. Weitere Beispiele ließen sich unschwer anfügen. Die Vorlesung umreißt die Geschichte die Geschichte des Kaiserreichs von der Gründung bis zum Vorabend des Ersten Weltkrieges.

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Die Vorlesung beginnt am 15. Oktober 2010, 9 Uhr c. t. Sie findet in der Heinrich-Heine-Universität, Raum 2321/2321. U1.46 statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Winfrid Halder

Di, 16.11. |19.15 Uhr

Kriegskindheit – konkret Einladung zur Abschlußpräsentation eines Zeitzeugenprojektes Im vergangenen Sommersemester haben Studierende der Heinrich-HeineUniversität Düsseldorf unter Leitung von PD Dr. Halder ein „oral history“-Projekt durchgeführt. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben nach entsprechender Vorbereitung Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geführt, die zwischen 1925 und 1943 geboren wurden. Die meisten der Interviewten gehören Geburtsjahrgängen aus den 1930er Jahren an. Ziel der Befragung war es, die erinnerte Lebenswirklichkeit von Menschen zu beleuchten, die NS-Diktatur,

Krieg und Nachkriegszeit als Kinder oder Heranwachsende erlebt haben. Die Ergebnisse sind in Interviewtexten festgehalten worden. Sie stellen eine spannende und in vieler Beziehung beeindruckende Lektüre dar. Bombenkrieg, Flucht und Vertreibung, Hunger und geschlossene Schulen sind nur einige der immer wieder genannten Erinnerungselemente. Die Studierenden stellen ihre Ergebnisse vor, eingeladen sind auch die befragten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Alle Interessierten sind herzlich willkommen! Winfrid Halder

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Ausstellung

Vom 05.11. bis 09.12.2010

Die Welt mit allen Sinnen erfassen Ausstellung von Gabriele Hornig und Karin Flörsheim Im Rahmen des traditionsreichen Herbstsalons der Künstlerwerkstatt zeigt das Gerhart-Hauptmann-Haus eine Ausstellung mit Werken von Gabriele Hornig und Karin Flörsheim. Nicht nur die spezifischen Ausdrucksformen beider Künstlerinnen sondern gerade ihre kontrastive Gegenüberstellung wird den Reiz dieser Präsentation eindrucksvoll unterstreichen. Gabriele Hornig, im schlesischen Altweistritz geboren, studierte an der Universität Köln Philosophie, Kunstgeschichte, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften. Sie besuchte die Europäische Akademie für Bildende Kunst in Trier und ist Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler. Nach ihrer Tätigkeit als Redakteurin beim

Forschen, Fantasieren. Die Faltungen auf der Leinwand ähneln dem Fächer, der Waffe der Frauen – im Gegensatz zu den Schwertern der Männer. Sie sind das Symbol lockenden Versprechens und abschirmender Distanz.“ Gabriele Hornig war 1995 als erste deutsche Künstlerin mit dreißig Bildern im Zentralen Künstlerhaus Moskau vertreten. Für ihr schriftstellerisches Werk erhielt sie den Literaturpreis des Ostdeutschen Kulturrates und war 1981 Stadtschreiberin von Bad Harzburg.

Ein umfangreiches Werk der Malerei und Grafik, ihrer speziellen „Wallhangings“, zahlreiche Buchprojekte und lyrische Texte umfasst das Schaffen der in Chemnitz geborenen Künstlerin Karin Flörsheim. Neben einem Studium an der FamousArtists School Amsterdam in Grafik, Illustration und Design prägte sie das Malstudium bei Otto Piene, einem Mitbegründer der Düsseldorfer Zero-Gruppe, die seit den 1960er Jahren Gabriele Hornig, „Martin Opitz“, Öl, 2006 das natürliche Licht zum mystischen WDR arbeitet sie seit 2005 als freischafGegenstand ihrer Kunst erklärte. Karin fende Künstlerin. Flörsheim benutzt das Fremde, um ihre Ein spezifisches und unverwechselbaeigene Welt mit anderen Augen zu sehen. res Attribut vieler ihrer Werke sind die „ Alte Bild- und Schriftzeichen“, erklärt „Faltungen“, reliefartige Verfremdungen die Künstlerin, „magische Symbole und mit Motiven aus Malerei und Fotografie. Hieroglyphen haben mich inspiriert. So „1988 entdeckte ich“, so die Künstlerin, bin ich auf numerische, akkadische, he„die Technik der Faltungen als plastisches, bräische Zeichen und Mythen gestoßen dreidimensionales Element. Sie sollen die und habe diese Inspirationen in meinen Bildaussagen ergänzen oder kontrastieren. Arbeiten verwendet“. In einer Zeit, in der alles offengelegt ist, Für Karin Flörsheim sollen Bilder mit almöchte ich durch die Faltungen verbergen, len Sinnen erfasst werden. So kombiniert verformen, verstecken, verfremden. Ich sie in ihren Arbeiten nicht nur verschiewill den Betrachter anregen zum Finden, dene Maltechniken sondern verwendet

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Karin Flörsheim, „Zwei Formen mit dem Buchstaben Schin“, Acryl auf Leinen auch zusätzlich Objekte wie Schrauben, Scherben oder Steine. „Ich arbeite gern mit Steinen. Sie sind Ausdruck vergangenen Lebens – durch Wind, Wasser, Sonne, Wärme und Kälte geprägt.“ Wort und Bild sind für Karin Flörsheim untrennbar verbunden, denn „es gibt Zeiten, in der das Gedicht und das Bild zusammen entstehen. So habe ich dann Texte oder einzelne Worte aus dem Gedicht in das Bild geschrieben. Der Text ist als Rhythmus im Bild zu verstehen.“ Zu den Künstlerinnen Gabriele Hornig und Karin Flörsheim sowie zur Ausstellungseröffnung beachten Sie bitte auch die Beilage „Kontrapunkt“ in diesem Heft. Dirk Urland Eröffnung: Freitag, 5. November 2010 – 18 Uhr, Ausstellungsraum Begrüßung: PD Dr. Winfrid Halder Direktor des Gerhart-Hauptmann-Hauses Moderation: Franz Heinz Schriftsteller und Publizist, Düsseldorf Lesung: Dr. Michael Zeller Musikalische Umrahmung: Klaus Peter Diller (Violine) Dieter Döllenbacher (Akkordeon)

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Lesung / Theater

Fr, 29.10. | 19.15 Uhr

Sabrina Janesch liest „Katzenberge” Junge Autorin präsentiert ihren Roman über Vertriebene Sabrina Janesch, 1985 geboren, legte in diesem Jahr einen Familienroman vor, der sich auf die Reise zu den Vorien und fahren nach Schlesien Galizien macht. Katzenerlag) berge (Aufbau Verlag) ist eine Recherche nach den Wurzeln der Verwundungen, aber auch eine Suche nach den er Möglichkeiten einer besseren Zukunft. Sabrina Janesch,, geboren 1985, studierte Kreati-ves Schreiben und Kulturjournalismus in Hilm desheim, außerdem

Polonistik in Krakau, war u.a. Gewinnerin des O-Ton Literaturwettbewerbes des NDR, Stipendiatin des Schriftstellerhauses Stuttgart und des h Literarischen Colloquiums Berlin. Als erste Stadtschreiberin von Danzig erwarb sie sich viel Medienaufmerksamkeit. Träger des Stadtschreiberstipendiums war das d Deutsche Kulturforum östliches Europa. Den Blog, ö den Sabrina Janesch im d vergangenen Jahr in Danzig ve führte, kann man hier nachfüh lesen: lese www.stadtschreiberdanzig.de. Sabrina Janesch las danz als ganz junge Kandidatin für g

Sabrina Janesch den Ingeborg-Bachmann-Preis 2010. „Ein trauriges, aber zugleich wunderschönes Buch über die oft unheimliche Macht der Fantasie – und über familiäre Bindungen über Zeit- und Staatsgrenzen hinweg.“ Pressestimme – NDR Kultur (23.7.2010)

Sa, 20.11. | 15 Uhr

Die Weihnachtsreise Eine Theaterstunde mit Liedern und Geschichten Es ist der 24. Dezember. Drei Reisende begegnen sich zufällig in einem Zugabteil. Draußen wird es langsam dunkel. In der Dämmerung des heiligen Abends erzählen sie sich Geschichten: Vom großen Kummer mit einem kleinen Stoffhund und von der Geburt eines berühmten Kindes, das schon an seiner Wiege heilige Könige besuchten. Eine Reise übers weite Land und vor dem Zugfenster spielen die Schatten der Vergangenheit. Doch keine Angst, bevor es Nacht wird, sind wir alle wieder zu Hause. Die Reisenden sind: Eine Sängerin: Alexandra Lachmann Eine Gitarristin: Dorothea Brinkmann Ein Puppenspieler: Thomas Mette Zeichnungen und Dias von John Chambers Die „Weihnachtsreise“ beginnt auf dem Bahnsteig. „Es hat Einfahrt der Interregio Hans Fallada aus Greifswald“ ertönt es aus dem Lautsprecher. Die Reisenden greifen

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zu ihren Koffern und kaum ist der imaginäre Zug akustisch eingefahren, erwächst aus diesen Koffern ein Zugabteil. Was machen drei fremde Leute, die am 24. Dezember zufällig im gleichen Abteil sitzen und durch die Dämmerung des Heiligen Abends rauschen? Sie erzählen sich Geschichten – alte Geschichten. Und plötzlich erscheinen vor dem Zugfenster Schatten aus längst vergangener Zeit: König Herodes, Maria und Joseph, die Hirten, der Engel… Das Abteil wird zum Schattentheater und aus den Reisenden werden eine Sängerin mit Opernstimme, eine echte Konzertgitarristin und ein „fahrender“ Puppenspieler. Aber auch vom kleinen Stoffhund „Hoppelpoppel“ erfahren die Mitreisenden, der im Zugabteil verloren geht, viel Kummer verursacht und auf wundersame Weise zurückkehrt, und dessen Geschichte einst Hans Fallada aufgeschrieben hat. Und wie es so ist beim Geschichten erzählen und spielen, die Zeit

vergeht wie im Flug. Und schon rollt der Zug im Zielbahnhof ein. Schnell verschwindet das Abteil im Koffer und die Reisenden gehen in weihnachtlicher Stimmung nach Hause. Anmeldung erforderlich unter Tel.: 0211 - 1699118 - Eintritt frei Mattias Lask

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Preisverleihung

Mi, 17. 11. | 19.15 Uhr

Verleihung des Andreas GryphiusPreises 2010 an Dr. Renata Schumann Der Andreas Gryphius-Preis wird seit 1957 durch die 1948 in Esslingen gegründete KünstlerGilde e. V. verliehen. Sein Name erinnert an den großen ßen schlesischen Dramatiker ker und Dichter Andreas as Gryphius (1616-1664).. Die KünstlerGilde, ursprünglich eine Selbsthilfeorganisation von Künstlern, die zumeist aus dem ehemals deutschen Osten hatten fliehen müssen oder vertrieben wurden, ist seit dem vergangenen Jahr mit der Preisverleihung wieder an den ursprünglichen Ort hier in Düsseldorf zurückgekehrt. Daher freuen wir uns besonders, dass der langen Reihe bisheriger Preisträgerinnen und Preisträger – darunter etwa Horst Bienek, Wolfgang Koeppen, Rose Ausländer, Reiner Kunze, Hans Sahl, Hans Werner Richter, Siegfried Lenz, Otfried Preußler, Peter Härtling, Ota Filip, Andrzej Szczypiorski, Jiri Grusa, Karl Dedecius, Gertrud Fussenegger und zuletzt Arno Surminski – ein weiterer würdiger Name hinzugefügt wird. Und ein Name, der unserem Hause seit vielen Jahren eng verbunden ist. Renata Schumann wurde 1934 im oberschlesischen Hindenburg geboren. Die Geborgenheit ihrer Kindheit endete jäh als sie beim Einmarsch der Roten Armee 1945 ihre Eltern verlor. Anders als die große Mehrheit ihrer deutschen Lands-

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leute konnte Renata Schumann zwar in ihrer Heimat bleiben, wuchs in der Obhut ihrer Großmutter aber unter sehr schw wi schwierigen Bedingungen f. Nach dem Besuch der auf. jetz je tzz polnischsprachigen jetzt Oberschule konnte sie O Ob an der Pädagogischen Hochschule in Kattowitz H Polonistik studieren. Inzwischen verheiratet und Mutter zweier Kinder, war Renata Schumann später als Lehrerin in Oppeln tätig. Im Jahre 1979 wurde sie am Germanistischen Institut der Universität Breslau promoviert. Sie konnte zwar in Kattowitz eine akademische Lehrtätigkeit aufnehmen, ihr berufliches Fortkommen wurde aber wegen ihrer deutschen Herkunft behindert. Im Jahre 1983 siedelte sie in die Bundesrepublik Deutschland über und wurde in Düsseldorf sesshaft. Hier wurde sie als Journalistin und Publizistin tätig; ihre eigentliche literarische Produktion begann erst nach dieser „Heimkehr in die Muttersprache“. Seither hat Renata Schumann eine beachtliche Zahl von Erzählungen, Romanen und Gedichten vorgelegt. Sie wurde für ihr Werk bereits mit verschiedenen Stipendien und Preisen ausgezeichnet. Unter anderem erhielt sie im Jahre 2007 den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen. W.H.

Dr. Renata Schumann

Einladung zur Verleihung des Andreas Gryphius-Preises 2010 durch Die KünstlerGilde e. V. an

Dr. Renata Schumann Eröffnung und Begrüßung PD Dr. Winfrid Halder, Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus Dr. Wolfgang Schulz, Die KünstlerGilde e. V. Laudatio Franz Heinz Musikalische Umrahmung Anja Gier, Violine, Marina Stricker, Klavier Anschließend Empfang Anmeldung erbeten bis spätestens 10. 11. 2010 unter 0211/1699114 (Fr. Bittenbinder) oder unter

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Programm für Kinder / Podiumsdiskussion

Fr, 19.11. | 17 Uhr

Di, 09.11. | 13 Uhr

„Die Königstochter KiKiFe 2010 – Das 25. KinderKinoFest in der Flammenburg“ Zauberhaftes rund um „Die kleine Hexe“ Märchen aus Siebenbürgern und Osteuropa - Drachen mit sieben Köpfen, mutige Mädchen und Dummlinge, die am Ende doch die Königskrone gewinnen – tretet ein und lauschet! Hannelore Rehm erzählt Märchen aus Siebenbürgen, Russland und Ungarn. Hannelore Rehm ist Märchenerzählerin aus Düsseldorf. In ihrer Märchenwerkstatt bietet sie ein umfangreiches Programm für Alt und Jung. „Ihre“ Märchen enstprechen exakt dem Wortlaut, den die Brüder Grimm in ihrer Märchensammlung vorgegeben haben. Dennoch trägt sie frei vor und zieht das Publikum mit ihrem einfühlsamen Gestus in ihren Bann. Zum 8. Mal in Folge finden im November die Düsseldorfer Märchenwochen statt. Kurz vor Ende des Jahres präsentieren wir Ihnen ein Festival, das ausnahmsweise nicht die lautesten Töne anspielt sondern bewusst Wert auf eine ruhige und persönliche Atmosphäre legt. Im Mittelpunkt steht dabei die Kunst des freien Erzählens als eine ursprüngliche, direkte und spontane Form der mündlichen Vermittlung. Eine leise Veranstaltung bedeutet aber definitiv keinen Mangel an Spannung. Bei den Düsseldorfer Märchenwochen entfaltet sich die gesamte Vielfalt der prächtigen Märchenwelt: aufmunternd und bedrohlich, gerecht und grausam, geistreich und einfältig. So vielseitig wie die Märchen selbst, ist auch unser Festival. Hören Sie phantastische, mythische und sagenhafte Geschichten aus allen Teilen der Welt an den unterschiedlichsten Orten der Stadt, z. B. auf Theaterbühnen, in einem Klosterhof, im Polizeipräsidium oder in der Backstube. Blättern Sie durch das Programm und wir versprechen Ihnen, dass Sie etwas passendes finden werden. Und zwar sowohl für Ihre Kinder, Enkelkinder als auch für Sie selbst – die Düsseldorfer Märchenwochen richten sich im besonderen Maße an das erwachsene Publikum. K.S. Wann: 19.11.2010 um 17.00 Uhr Wo: Gerhart-Hauptmann-Haus Information und Anmeldung unter Tel. 0211 - 169 910

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Die Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus zeigt „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler und übernimmt die KiKiFePatenschaft für die Otfried-Preußler-Schule Duisburg, die seit Juli 2004 den Namen des 1923 geborenen weltberühmten Schriftstellers trägt. „Die kleine Hexe“ ist eines seiner bekanntesten Bücher. Die Geschichte handelt von einer kleinen Hexe, die im zarten Alter von 127 Jahren von den großen Hexen nicht ernst genommen wird. Sie erlernt die Hexenkunst mithilfe ihres Hexenbuches und kämpft um ihre Anerkennung, indem sie sich bemüht, eine „gute“ Hexe zu sein. Zum Film gibt

es einige kleine, zauberhafte Aktionen. Eine ganz besondere Überraschung für alle: Der Zauberer MATTEO zeigt Zauberkunststücke. Übrigens: Überall im Schulgebäude gibt es Figuren aus den Werken des im nordböhmischen Reichenberg (heute Liberec, Tschechien) geborenen weltberühmte Schriftsteller. Im Logo der Schule ist die kleine Hexe abgebildet. K.S. Weitere Informationen zum Düsseldorfer KinderKinoFest: http://www.kinderkinofest.de/ Dienstag, 09.11.2010 von 13.00 bis 15 Uhr im GerhartHauptmann-Haus, Eintritt frei!

Di, 07.12. | 19 Uhr

Das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin Podiumsdiskussion mit der „Deutschen Gesellschaft e.V. Aus Anlass des 20. Jahrestages der friedlichen Revolution, des darauf folgenden Mauerfalls und der Wiedervereinigung initiiert die Deutsche Gesellschaft e. V. eine breite öffentliche Diskussion über die Errichtung eines Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin. Die Ereignisse von 1989/1990 haben einen dauernden Platz im nationalen Gedächtnis verdient. Das Denkmal soll Rückblick, aber auch Anstoß sein, den demokratischen Aufbruch fortzusetzen, Demokratie und Einheit zu festigen. Es soll zugleich die freiheitlichen Bewegungen und Einheitsbestrebungen der vergangenen Jahrhunderte in Erinnerung rufen. Als ein Zeichen des Stolzes und der

Freude, die Diktatur überwunden und die Einheit Deutschlands wiederhergestellt zu haben, soll ein Denkmal auf der Berliner Schloßfreiheit errichtet werden. Seit Jahren initiiert die Deutsche Gesellschaft eine breite öffentliche Debatte, Vorträge, Diskussionen und Hearings. Im Gerhart-Hauptman-Haus findet eine Podiumsdiskussion mit Arndt Klocke MdL, Prof. Dr. Thomas Sternberg MdL, Dr. Norbert Reichling, Dr. Maria Nooke, und Florian Mausbach statt. Die Veranstaltung moderiert Dr. Guido Hitze von der Landeszentrale für politische Bildung. Anmeldung erbeten bis zum 29.11. bei der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus unter Tel. 0211/ 16 99 11 4.

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Konzert /Rückblick

Freitag, 19.11. | 19.15 Uhr

Von Schlesien nach Russland Konzert mit Klaus-Peter Riemer (Flöte) und Miyuki Brummer (Klavier) Der international tätige Konzertflötist und Pädagoge Klaus-Peter Riemer gestaltet gemeinsam mit der renommierten Pianistin Mijuki Brummer im GerhartHauptmann-Haus ein Konzert, das u. a. mit Werken von Antonín Dvořák, Franz Schubert, Peter Tschaikowsky, Frederic Chopin und Karl Ditters von Dittersdorf bedeutende Kompositionen der Klassik, Romantik und der gemäßigten Moderne präsentiert. Klaus-Peter Riemer, 1944 in Halle a. d. Saale geboren und im niederschlesischen Halbau getauft, sammelte seine ersten Orchestererfahrungen bei den Düsseldorfer Symphonikern (Deutsche Oper am Rhein), dem Gürzenich Orchester Köln (Kölner Oper) und dem Bach-VereinOrchester Bonn. Dabei spielte er unter Dirigenten wie Jean Martinon, Eugen Szenkar, Alberto Erede, Horst Stein, Marek Janowski und Günther Wich. Klaus-Peter Riemer konzertiert die französische Querflöten Spielart nach M. Moyse

und A. Jaunet, die ein modulationsfähiges Vibrato beinhaltet, die perfekte Intonation und klangfarbliche Veränderungen vom hellen Ton der Metallflöte bis hin zum holzflötenartigen Ton mit Hilfe der speziellen Unterkiefertechnik. Namhafte Komponisten, wie Jürg Baur, Ulrich Leyendecker und Yojiro Minimani schrieben eigene Werke für den Künstler. Klaus-Peter Riemer begeistert europaweit die Zuhörer seines virtuosen Spiels. Gemeinsam mit der Pianistin Miyuki Brummer nahm er eine aktuelle CD auf, die in diesen Wochen erscheint. Die kongeniale japanische Konzertpianistin Miyuki Brummer trat im Alter von 12 Jahren erstmalig in ihrer Heimat als Solistin auf. Nach dem Besuch des Musikgymnasiums folgte das Klavierstudium an der Hochschule der Kunst in Kyoto. Anschließend setzte sie ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik in München und an der Universität Mozarteum Salzburg fort. Zu ihren Lehrern zählen u. a.

Das Konzert-Duo Klaus-Peter Riemer und Miyuki Brummer in Paris

Michael Schäfer, Alfons Kontarsky, Brian Lamport und Brigitte Engelhard. Miyuki Brummer wurde für ihre Kunst mehrfach in Japan und als Finalistin beim „Internationalen Klavierwettbewerb A. M. A. Calabria“ ausgezeichnet. Dirk Urland

Das Gerhart-Hauptmann-Haus auf dem „Still-Leben Ruhrschnellweg“

Mit einem gemeinsamen Tisch an der „längsten Tafel der Welt“ informierten die Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, das Oberschlesische Landesmuseum und die Stiftung Martin Opitz Bibliothek über das Am Sonntag, dem 18. Juli 2010, wurde fuhren, drängelten und stauten sich bei 35 Thema „Deutsche Kultur und Geschichte die A40/B1 zur autofreien Zone für das Grad auf der A 40. im östlichen Europa“ in NordrheinRuhr.2010-Projekt „Still-Leben RuhrWestfalen. Die Mitarbeiter schnellweg. Gleich zu des GHH informierten über Ferienbeginn machProjekte, Vorträge und Veranten sich geschätzte 3 staltungen der Stiftung. Auf Millionen Menschen dem Tisch wurden Exemplare zum Kulturfest auf der des hauseigenen Magazins Ruhrgebietsautobahn „West-Ost-Journal“ und Puauf. 20.000 Tische auf blikationen des Hauses prärund 60 km zeigten sentiert. Ebenfalls zur Ansicht das Programm und lag die kürzlich erschienene Anliegen von vielfältiLehrerhandreichung „Flucht gen Vereinen, Bürgerund Vertreibung“ aus, die im initiativen und OrganiAuftrag der Landesregierung sationen und sollten so Nordrhein-Westfalens und des einen Einblick in die Ministeriums für Schule und Vielfalt der Metropole Weiterbildung in Kooperation Ruhr widerspiegeln. mit verschiedenen Partnern Fußgänger, Inliner und u.a. des OSLM entstanden ist. Fahrradfahrer liefen, Gewohntes Bild: Gedränge auf der A 40, diesmal nur keine Autos KS/Pk

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Podiumsdiskussion

Di, 30.11. | 19 Uhr

Den Anfang machte Willy Brandt - Zur Entwicklung der EU vom Warschauer Vertrag bis zu den Östlichen Partnerschaften Podiumsdiskussion zur Bilanz der Neuen Ostpolitik Diskutanten: Dr. habil. Kazimierz Wóycicki (PL), Zentrum für Internationale Beziehungen, (Warschau) Prof. Dr. Bernd Faulenbach (D), Historiker, Ruhr-Universität Bochum Dr. Angelica Schwall-Düren (D), Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes NordrheinWestfalen, Düsseldorf Prof. Dr. Hermann Schäfer (D), Gründungsdirektor der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Moderation: Dr. Richard Kiessler, Chefredakteur und Ressortleiter Außenpolitik der WAZ Mediengruppe Am 7. Dezember 2010 liegt eine der aufsehenerregendsten Gesten in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland genau vierzig Jahre zurück: Auf dem Weg zur Unterzeichnung des Vertrages „über die Grundlagen der Normalisierung ihrer gegenseitigen Beziehungen“ zwischen der damaligen Volksrepublik Polen und der Bundesrepublik Deutschland legte die deutsche Delegation unter Führung von Bundeskanzler Willy Brandt einen Zwischenstopp ein. Die Fahrt durch Warschau wurde am Denkmal für die Opfer des Warschauer Ghetto-Aufstandes von 1943 unterbrochen. Es erinnert an die jüdischen Bewohner der polnischen Metropole, die den verzweifelten Versuch unternommen hatten, sich gegen die bevorstehende Deportation in die Vernichtungslager durch die deutschen Besatzer zu wehren und die zumeist an Ort und Stelle ermordet worden waren. Als Bundeskanzler Brandt vor das Denkmal trat, sank er auf die Knie und verharrte einen Moment schweigend in dieser Haltung. Die anwesenden Journalisten sorgten dafür, dass das Bild des knienden Bundeskanzlers sofort um die Welt ging. Besonders in Deutschland löste Brandts Geste sehr kontroverse Reaktionen aus – nach seinem eigenen Zeugnis folgte er

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mit dem Niederknien einem spontanen Gedanken, war sich aber schon zuvor bewusst gewesen, dass „etwas getan werden“ müsse. Heute besteht kein Zweifel daran, dass Brandts Bild vor dem Warschauer Denkmal zu den zeitgeschichtlichen „Ikonen“ Deutschlands schlechthin gehört. Jenseits dieses Stellenwertes als „Erinnerungsort“ stellt sich heute, 40 Jahre später, zugleich die Frage nach der langfristigen Wirkung der seit 1970 in konkrete Vertragswerke umgesetzten Neuen Ostpolitik, deren zentrale Symbolfigur nach wie vor Willy Brandt ist. Welche Bedeutung hatte sie auf dem Weg zur europäischen Einigung, auf deren Boden wir heute stehen? Darüber debattieren Experten aus Polen und aus Deutschland. Kazimierz Wóycicki ist habilitierter Historiker und arbeitet heute am Zentrum für Internationale Beziehungen in Warschau. Vielen in Düsseldorf ist er als erster Direktor des damals neu gegründeten Polnischen Instituts in bester Erinnerung. Prof. Dr. Bernd Faulenbach lehrt seit langem Neuere und Neueste Geschichte an

der Ruhr-Universität Bochum. Prof. Dr. Hermann Schäfer war von 1987 bis 2006 Direktor der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Dr. Angelica Schwall-Düren ist ihrerseits promovierte Historikerin und amtiert seit Juli 2010 als Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Aufgrund der beschränkten Platzkapazitäten ist eine persönliche Anmeldung erforderlich. Informationen erteilt das Polnische Institut Düsseldorf (Tel. 0211/866960) 30. November 2010, 19 Uhr, Staatskanzlei NRW In Kooperation mit

Willy Brandt am Denkmal für die Opfer des Warschauer Ghetto-Aufstandes

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kontrapunkt „Ich male nicht schimpfend vor mich hin“ Kontrapunkt-Gespräch mit der Kölner Künstlerin Gabriele Hornig Gabriele Hornig ist eine jener Doppelbegabungen, wie sie in der Künstlerwerkstatt im Gerhart-Hauptmann-Haus mehrfach vorkommen. Sie war bis 2005 Redakteurin beim WDR, 1981 Stadtschreiberin in Bad Harzburg und wurde mit dem Literaturpreis des Ostdeutschen Kulturrates ausgezeichnet. In den letzten Jahren widmet sie sich fast ausschließlich der Malerei. Professor Dr. Frank Günter Zehnder, ehemaliger Direktor des Rheinischen Landesmuseums in Bonn, bezeichnet ihre Arbeiten als „autonom, erfindungsreich und unverwechselbar“.- Geboren wurde die Künstlerin 1945 in Altweistritz/Schlesien. Aus der Heimat vertrieben, fand die Familie in Plettenberg im Sauerland eine neue Heimat. Nach dem Abitur in Fulda studierte Gabriele Hornig in Köln Philosophie, Kunstgeschichte, Theater-, Filmund Fernsehwissenschaften und besuchte die Europäische Akademie für Bildende Kunst in Trier. Sie ist Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler (BBK). Frau Hornig, Sie sind Malerin, Journalistin und Schriftstellerin und haben in jedem dieser Bereiche Erfolge aufzuweisen. Nun scheint es so, als hätten Sie sich endgültig für die Malerei entschieden. Hat die Vielseitigkeit von Material und Form diese Entscheidung mitbestimmt? Die Malerei ist für mich die schönste Möglichkeit, meiner Phantasie freien Lauf zu lassen. Sie ist eine Form des Abtauchens in die eigene, selbst geschaffene sichtbare Welt. Wenn dabei Mitteilungen entstehen, so sind sie weniger für andere beabsichtigt – sie sind Ausdruck von Ideen und Gedanken, die mich gerade beschäftigen. Ich experimentiere gerne

mit Materialien, Farben und Formen, fasse gerne an. Schreiben hat so was Endgültiges. Wenn das Visuelle auf mich einen großen Eindruck ausübt, so hängt das vielleicht auch mit meinen 25 Jahren Fernseherfahrung zusammen. Die Schriftstellerei hat für mich zu viel mit outing zu tun. Ich bewundere Friederike Mayrökker, aber ich kann das nicht. Dennoch könnte ich mir vorstellen, eines Tages wieder zu schreiben. Journalistin zu sein ist spannend, aufregend, stressig und, je nachdem wie engagiert man ist, auch gefährlich. Das Geschriebene ist allerdings schnell vergessen und bewirkt letztendlich wenig. Werden in Ihren Texten, Filmen und Ma-

Gabriele Hornig lereien dieselben Themen behandelt oder unterscheiden sich diese kenntlich voneinander? Welchen Raum nimmt in Ihrem malerischen Werk die Abstraktion ein? Überwiegend neutralisiert die Abstraktion in meinen Bildern. Sie kontrastiert oder ergänzt die Gegenständlichkeit in den Faltungen. Die Malerei - das bin ich, die bearbeiteten Faltungen sind die Hommage an das Andere oder die Anderen. Aus beidem entsteht eine Komposition, eine Integration, eine Aussage. Caspar David Friedrich sagt: „Ein Maler malt nicht, was er vor sich sieht, sondern was er in sich sieht. Wenn er aber nichts in Fortsetzung auf Seite 14

Ostdeutsche Kunst global Die Künstlerwerkstatt veranstaltet ihre traditionelle Herbstveranstaltung Seit nahezu einem Jahrzehnt veranstaltet die Künstlerwerkstatt im Gerhart-Hauptmann-Haus ihren Herbstsalon mit Musik, einer Kunstausstellung und Autorenlesung. Literatur- und Kunstfreunde aus Düsseldorf und der näheren Umgebung bilden ein Stammpublikum, das neben der Freude an der Veranstaltung ein waches Interesse dafür auszeichnet, wie die inzwischen integrierte ostdeutsche Kultur sich heute darstellt, welche Themen sie beschäftigt und wie sie es versteht, kreative Beziehungen zu den östlichen und südöstlichen Nachbarn herzustellen und auszubauen. Es sind vornehmlich die Kinder und Enkel der Erlebnisgeneration, die heute das Publikum bilden und als Künstler ihre Werke in Bild und Wort vorstellen. Auch in der diesjährigen Herbstveranstaltung der Künstlerwerkstatt

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fällt es auf, wie erkennbar das kulturelle ostdeutsche Erbe geblieben ist und wie sich zugleich Auge und Sinn ins Globale öffnen. In den Bildern von Gabriele Hornig und Karin Flörsheim, die in diesem Jahr vom 5. November bis zum 9. Dezember im Gerhart-Hauptmann-Haus zu sehen sein werden, ist diese kulturelle Doppelbödigkeit die tragende Substanz. Die aus Schlesien stammende Gabriele Hornig weist mit ihren ins Bild eingefügten Faltungen deutlich auf das Herkunftsgebiet hin und greift nicht weniger unmissverständlich Symbole unserer Zeitgeschichte auf. Bei Karin Flörsheim sind es vorwiegend hebräische Gegenstände und Rituale, die das Werk bestimmen und sinnvertiefend ausloten. In den Eröffnungsabend im Ausstellungs-

saal in der Düsseldorfer Bismarckstraße werden Klaus Peter Diller (Violine) und Dieter Döllenbacher (Akkordeon) einstimmen. Mit Stücken von Hermann Zilcher, Strawinsky/Pergolesi und Astor Piazolla bereichern sie mit ebenso anspruchsvollen wie zeitnahen musikalischen Einlagen die Vernissage. Von der Werkstatt eingeladen wird der Wuppertaler Autor Michael Zeller aus einem noch unveröffentlichten Manuskript lesen. Durch den Abend führt der aus dem Banat stammende Düsseldorfer Publizist Franz Heinz.

Die Künstlerwerkstatt im GerhartHauptmann-Haus lädt ein zur großen Herbstveranstaltung am Freitag, dem 5. November 2010, 18 Uhr im Ausstellungsraum Bismarckstraße 90

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kontrapunkt Fortsetzung von Seite 13 sich sieht, dann soll er auch nicht malen, was er vor sich sieht.“ Die Themen in den Faltungen sind oft andere als in meinen Texten und Filmen, aber ohne mein Studium und meine journalistische Tätigkeit hätte ich viele Bilder nicht malen können. So entsteht zurzeit eine Philosophen-Serie (Epiktet, Marc Aurel, Kant, Rumi), in der ich die Porträts mit lateinischen, griechischen, deutschen und arabischen Zitaten kombiniere.

geistert. Das regte meinen Galeristen an, auch jüngere, weniger bekannte Künstler in Moskau auszustellen. Allerdings war das mit Kosten verbunden, und so sprangen, bis auf mich, alle angesprochenen Künstler ab. So bekam ich eine Einzelausstellung, und die empfand ich als Sensation. Nie vorher haben so viele Menschen sich so viel Zeit gelassen, meine Bilder zu betrachten. Auch Kinder waren unter den Besuchern – sie verharrten vor zwei Bildern, auf denen alte belgische Comics zu sehen waren. Viele Besucher stellten Fragen, einer machte ein Gedicht und schenkte es mir.

Die Fachwelt wertet diese Faltungen in Ihren Bildern als formalkünstlerischen Aspekt und ebenso als aussa„Gib mir dein Bild und gestarkes zusätzliches ich mach dir mein Bild“ Element. Oft haben die Gabriele Hornig: „Michael ist der Titel einer Aktion, Faltungen eine konkre- Jackson“, Öl, 2010 mit der Sie Außenstete, erkennbare, auch hende zur aktiven Mitgestaltung von Kunst zeitnahe Vorlage und wirken somit wie auffordern. Verbinden Sie damit ein kunstManifeste. Ist Ihre Kunst politisch? pädagogisches Anliegen oder doch eher Mit den Faltungen in meiner Malerei kann eine kommerzielle Variante Ihrer Arbeit? ich nahezu alle Themen aufgreifen, auch politische, die aber sind eher die Ausnahme. Die Freilassung Nelson Mandelas, die Niederschlagung des Studentenaufstandes 1989 in China oder die Öffnung der ungarischen Westgrenze – das hat mich schon sehr berührt. Aber, wie Professor Zehnder einmal gesagt hat, male ich nicht schimpfend vor mich hin. Dass meine Bilder eine Aussage haben, hat sicher auch mit meiner eigenen Vergangenheit zu tun. 1995 hatten Sie Gelegenheit, als erste deutsche Künstlerin 30 Bilder im Zentralen Künstlerhaus in Moskau auszustellen. Wie kam es dazu und wie nahe oder wie fremd wurde Ihre Bildwelt dort empfunden? Einer meiner Galeristen hatte durch seine russische Ehefrau nach der Wende Kontakte nach Moskau geknüpft. Im Zentralen Künstlerhaus am Krimsky Val stellte er erstmalig Dali und Ernst Fuchs aus. Das Moskauer Kunstpublikum – der Zugang zu zeitgenössischer westlicher Kunst war damals noch eher spärlich – reagierte be-

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Mein Angebot ist nicht kunstpädagogisch. Die Idee dazu kam auch nicht von mir, sondern von einer Kunstliebhaberin. Sie sah bei Bekannten mein Bild „Können Sie sich auch keinen Picasso leisten?“ (Picasso-Vorlage als Faltung) und wünschte ein Bild mit Michelangelos Sixtinischer Kapelle als Faltung. Erworben hat sie dann auch noch das Bild „Christoph Columbus“, das ich zur 500-Jahrfeier der Entdeckung Amerikas gemalt hatte. In der Folge übergab mir ein Ehepaar zwei Porträt-Fotos, die ich überarbeitet und verfremdet malerisch integriert habe, sozusagen als Ersatz für das Familienfoto an der Wand. Anders wieder das Bild für eine Naturheil-Praxis: in das Gemälde mit Ginkgo-Blättern habe ich Beipackzettel von Arzneimitteln gefaltet. Dennoch sind solche Auftragsarbeiten eher die Ausnahme. Auch hier möchte ich frei bleiben, und für den Betrachter und potentiellen Käufer mag es gleichfalls schöner sein, spontan zu sagen: Das Bild gefällt mir. Das Gespräch mit der Künstlerin führte Franz Heinz.

Nachrichten

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iele Kulturräume im östlichen Europa sind über Jahrhunderte auch von Deutschen geprägt worden. Ein Erbe, das bis in die Gegenwartskunst hinein wirkt. Ihm widmet sich seit vier Jahrzehnten das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg. Ob Lovis Corinth, Max Pechstein und Otto Müller oder Sigmar Polke, Markus Lüpertz und Katharina Sieverding – sie alle sind in der Sammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie vertreten. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Wurzeln im Osten und Südosten Europas haben: in Schlesien, Ostpreußen oder Böhmen, in Rumänien oder der Ukraine. Es sei das große Verdienst des Kunstforums, dass dieser Kontext nicht vergessen werde, erklärte Kulturstaatsminister Bernd Neumann in seiner Rede zum 40jährigen Bestehen des Museums. „Hier werden nicht nur zu Unrecht in Vergessenheit geratene Künstler neu entdeckt und eine hervorragende Arbeit in der Kunstvermittlung geleistet, sondern vor allem auch der Blick geöffnet auf das zeitgenössische künstlerische Geschehen in diesen Regionen heute.“

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in Edith-Stein-Archiv ist im Kölner Karmelitinnenkloster St. Maria vom Frieden eingerichtet worden. Das Magazin mit 25.000 Seiten Originalhandschriften der Philosophin und Märtyrerin, eine museale Abteilung mit Informationen über ihr Leben und Werk sowie ein Lesesaal sollen vor allem dem wissenschaftlichen Austausch dienen. Edith Stein wurde am 9. August 1942 im Alter von 50 Jahren in Auschwitz ermordet. Da sie kein Grab hat, ist das Archiv auch eine „Gedenkstätte an ihre konkrete irdische Existenz“. Die zum Katholizismus konvertierte Jüdin und Karmelitin ist 1998 heilig gesprochen worden.

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ls erster Partnerbezirk hat Bayerisch Schwaben im Bukowiner Haus der Freundschaft in der rumänischen Stadt Suceava ein Büro eingerichtet und technisch ausgestattet. Der Bezirk Schwaben ist hier bereits mit mehreren Kulturveranstaltungen an die Öffentlichkeit getreten. Suceava gehörte zur historischen Provinz Bukowina, deren Hauptstadt Czernowitz heute zur Ukraine gehört. Der Bezirk Schwaben unterhält auch mit den Czernowitzer Institutionen Arbeitskontakte.

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kontrapunkt Und die Zeit lief davon Karin Flörsheim Zum achtzigsten Geburtstag von Karin Flörsheim ist im Geest-Verlag, Vechta ihr autobiografischer Roman „Die Wandlungen der Esther Flor“ erschienen. Auf 467 Buchseiten verdichtet die Autorin die Erfahrungen ihres Lebens zu einer fiktiven Künstlerbiografie unserer Zeit, in der die Stationen des eigenen Lebens schicksalhaft aufleuchten. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Chemnitz geboren, gelangt sie 1950 nach Düsseldorf, heiratet und konvertiert zum Judentum. Sie studiert Farb-, Form- und Kompositionslehre bei Otto Piene (Zero) sowie Grafik an der Famous Artists School Amsterdam. Ihr künstlerisches Schaffen geschieht unter dem Einfluss der Auseinandersetzung mit der Kabbala. Neben der grafischen Arbeit veröffentlich Karin Flörsheim drei Lyrik-Bände. Mit ihrem zweiten Mann, dem Künstler Abu Abdele, unternimmt sie ausgedehnte Reisen vor allem durch Afrika und Asien, was die Formen, Farben und Inhalte ihrer Bilder verändert, die sie in zahlreichen Ausstellungen zeigt. - Mit dem freundlichen Einverständnis der Autorin und des Verlags veröffentlichen wir einen Auszug aus dem Roman „Die Wandlungen der Esther Flor“. Die Zeit läuft mir davon, so dachte Esther. Blicke ich zurück, so gleicht mein Leben einem Laufband, das mit einem schmalen, langen Filmband bestückt ist. Ab und zu bleibt es stehen. Dann betrachte ich ein kleines Filmstück, das mir wie ein Teppichmuster ins Auge springt. Zeit will ich zeichnen mit weißer Farbe, unsichtbar im Morgennebel. Auch die Schattenräume im Abendnebel will ich zeichnen und malen, tief violett. Glück werde ich tiefrot und sichtbar malen. Blätter, die im Winde verwehen, Jahr um Jahr, werde ich nicht zählen, auch will ich den verblühten Rosen nicht nachtrauern. Meine Lieblingsblume, die Malve, werde ich in meine Teppichmuster hineinweben in rosa oder lachsfarben. In klaren Nächten werde ich mein Gesicht in das Funkeln der Sterne eintauchen. Den Veränderungen der Lebensjahre werde ich wohl nachsinnen. Ja, ich werde mein Teppich-Lebens-Muster weiterweben. Und an den grauen und kalten Tagen will ich das Licht, die Wärme, den Frühling erfinden. In meinen warmen Räumen werden duftende, farbige Gärten und grüne Wiesen blühen. Trunken laufe ich auf und ab im flirrenden Licht in den Gärten meiner Träume. Doch wache ich auf, ist der Tag kalt, bewölkt und ich höre und lese vom Krieg in dieser Welt, in der es keinen Frieden geben will. Warum? Warum? So müde bin ich, so viel Tod trage ich auf meinem Rücken. Mein Herz will den Tod nicht annehmen. So viel Leid höre ich, trage es in den Ohren und Augen, bin müde vom Hören. Tage gibt es, an denen ich mich selbst nicht trage, sitze starr schon wie der Tod. Doch muss ich mich der Welt öffnen, will mitteilen, was mich bewegt. Ohne Sprache, ohne Worte kann ich nicht leben, werde ich ersticken an den aufgestauten Worten und Bildern. So muss ich auch weitermalen, damit die Mauer sich öffnet für das lebende Blatt. Das kleine, grüne, lebenslustige, in der Sonne zitternde und wispernde Blatt, wird die Mauer durchbrechen. Davon bin ich überzeugt. ... Wo bin ich zu Hause? Nicht hier und nicht dort. Da, wo der Horizont sich rötet, erblüht, da, wo man Landschaft und Meer neu erfindet, wo die Vögel

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Karin Flörsheim

tanzen, ihr großes Lied, eine neue Vogelsprache erfinden, da, wo unter dem Sonnenglanz alle Flüsse zusammenfließen, da bin ich zu Hause. Wo finde ich mein Sternenkissen, mein Ruhekissen? Wenn der Himmel in Flocken auf die Erde fällt. Wenn der Nebel die Starre der Bäume umhüllt, die scharfen Kanten und Konturen dieser Stadt aufweicht, die Sterne in das schwarze Tuch der Zeitlosigkeit fallen, die Nacht ihr blaues Zelt aufbaut und das Hohe Lied der Einsamen, der Geknechteten, der Liebenden und der Propheten anstimmt, dann leuchtet mein Sternenkissen auf, lädt mich ein zum Träumen, zum Ruhen. Und wohin fliegt meine Seele? Wer bin ich, was ist meine Seele? Wird meine Seele nach dem Ableben des Körpers mit dem Fluss der Zeit davonfliegen, in der Zeit weiterleben? Ist sie verbunden mit Himmel und Erde oder löst sie sich (auf)? Ist sie Gedanke, die mit dem Hirn stirbt? Für mich bist du Rätsel, geheimnisvoll und schattenhaft. Für mich bist du nicht nur ein Teil des Menschen, sondern auch Teil des Seins. ... Und die Tage wehen dahin, wolkengleich, lösen sich auf im Meer der Zeit. Tage, Jahre beschädigen den Körper. Langsam wird er mit dem Wind verwehen, vergehen. Er wird sich auflösen im großen Meer der blauen Töne, der tiefen Klänge. Esther saß sinnend auf dem Balkon. Wieder war die Welt erfüllt vom Gesang der Vögel. Wieder standen die Obstbäume in voller Blütenpracht, leuchteten weiß und rosarot. Der Fliederbaum verbreitete seinen bezaubernden Duft. Im Baumgrün, im Licht-Schatten-Spiel verweilte der Blick. Aus den fernen Gärten trug der Wind süße Blumendüfte auf den Balkon. Esther dachte an Sternengärten, an Himmelsgärten und lauschte in den Tag. Doch dann fiel die Zeit in ihre Welt, in die Welt ihrer Träume. Esther wehrte sich. Die Welt zeigte wieder Krieg, Leid und Neid. Esther ging in den Raum, in ihren Raum. der weiße Tisch winkte: „Komm, schreib! Schreib dich in das Leben!“ Wege durch Worte finden, wie schwer ist das doch, dachte Esther. Eine Spur muss ich suchen, die verlässlich ist. Mit dem Wind will ich den Anfang suchen, mit der Abendsonne den Untergang erproben.

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kontrapunkt Dem Meister über die Schulter geblickt Respektvolle Begegnung mit dem Holzschnitt-Werk von Hans Thuar Durch Herrn Dr. Til Macke, den Enkel Das Bild seiner Persönlichkeit entstand von August Macke und Hans Thuar, den vor mir, geprägt von markanten wie beiden gefeierten Künstlern des Rhei- sanften Zügen, von emotionaler Stärke nischen Expressionismus, fiel mir eine und feinfühliger Hingabe an das jeweilige Aufgabe von besonderer Bedeutung zu: Thema. ich durfte einige Nachdrucke von Hans Tiefer Respekt vor seinem Schaffensweg Thuars Druckstöcken für die Familie per erfüllte mich, und ich spürte seiner KonHand anfertigen. zentration und großartigen Disziplin nach, Herr Dr. Macke überließ mir die Druck- die er durch das schwere Schicksal als stöcke einzeln verpackt. Als ich sie nach 12jähriger Junge besonders schmerzvoll seinem Verlassen des Hauses vorsichtig, geübt und entwickelt hatte. 1899 verlor ja feierlich, aus der Folie befreite, eröffne- er bei einem Unfall beide Beine. te sich mir ein Ich möchte berührender meine BeobBlick über die achtungen so Schulter des formulieren: 1945 verstorDie Identität benen Meisters des Künstlers Hans Thuar. liegt in der Die mir vorlieWahrhaftigkeit genden Holzdes Umgangs schnitte, in der mit seinen klassischen WahrnehmunSchwarzgen auf seinem Weiß-Technik Weg. Erst dageschaffen, durch kann er entstanden künstlerisch 1921, als er 34 den FacettenJahre alt war. reichtum zum Das Erlebnis Klingen brinseiner Kunst gen, der den hatte ich mit Bogen von meinen Schüschonungslolern viele Jahre ser Offenheit im Kunstmubis hin zur seum Bonn Erhabenheit vor seinen Ge- Hans Thuar: Brücke, 1921 spannt. mälden geteilt, Hanns Thuar doch nun erhielt dieses Erleben beim setzt sich tiefgründend mit dem Bild des Drucken eine gesteigerte Intensität. Menschen auseinander. Er gibt seinen Nach Auswahl und Zuschnitt geeigneten Schnitten etwas Vibrierendes, wie in Papiers und der Vorbereitung der aus „Mutter und Kind“, um die enge seelische Kirschholz geschnittenen Druckstöcke Verbundenheit sichtbar zu machen. Die galt es, die Feinheiten der recht kleinen Essenz der Persönlichkeit „beschreibt“ Formate gewissenhaft auf das handge- er z. B. im „Portrait von J. F. Ankersmit“ schöpfte Japanpapier mit seiner leicht durch feinste Linienschnitte mit kubistiwolkigen Transparenz zu übermitteln. schen Elementen. Narrative Details sind Als ungeahnte Hürde erwiesen sich dabei hier, wie auch im Blatt „Bajazzo“ im die abgeschrägten Kanten der Druck- Bildhintergrund ausgesprochen. Oft verstöcke, denen ich nur schwer eine klare dichten sich Thuars Holzschnitte zu PsyDruckkante abgewinnen konnte. chogrammen, wie in den Colombine und Aus der Nähe des eigenen Arbeitens mit Pantalone-Gestalten der Comedia del’arte Thuars Druckstöcken begann ich in seinen aus dem Venedig des 16. Jahrhunderts. sensiblen Schnitten und filigranen Linien- Immer zeichnen sein Werk Eleganz der geflechten zu lesen, sie zu erleben und in Schneidetechnik und hohe Ästhetik aus. sie einzutauchen. Das Drucken der Thuar’schen Blätter wur-

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de so zu einem inspirierenden Erlebnis. Ich bin für dieses Geschenk sehr dankbar. Marie-Luise Salden

Mit Macke befreundet Hans Thuar wurde am 29. Oktober 1887 in Treppendorf, heute zu Lübben eingemeindet, geboren und starb am 24. Oktober 1945 in Bad Langensalza. Er malte hauptsächlich Landschaften und wird dem Rheinischen Expressionismus zugeordnet. Die Familie übersiedelte 1892 nach Köln, wo sein Vater eine leitende Stellung erhielt. Ostern 1897 lernte er August Macke kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Am 12. Mai 1899 wurde er von einer Pferdebahn überfahren und verlor beide Beine. Macke sorgte dafür, dass er neuen Lebensmut fassen konnte. Beide unternahmen erste Malversuche und blieben auch nach Mackes Umzug nach Bonn in Kontakt. 1903 entstand Thuars erstes Ölgemälde; er nahm Unterricht bei Professor Wegelin in Köln. 1907 - 1908 besuchte er die Kunstakademie Düsseldorf, um sich dann frei weiterzubilden. Nach dem Tod seines Freundes zu Anfang des Ersten Weltkriegs malte er jahrelang nicht mehr. Seine wichtigste Schaffensperiode dauerte von 1920 bis 1926. Aus Thuars Ehe mit Henriette Rasch (1890 - 1977) gingen drei Töchter hervor. Tochter Gisela heiratete Wolfgang Macke (1913 - 1975), den Sohn August Mackes, der später die erste Monographie über Hans Thuar veröffentlichte und dessen erste Einzelausstellung organisierte. Das Kunstmuseum Bonn vergibt zu seinem Andenken jährlich den Hans-Thuar-Preis an einen in der Bonner Region lebenden Künstler / eine Künstlerin. Marie-Luise Salden, international in der Holzschnittkunst ausgewiesen, verfügt über den kreativen Bereich hinaus über eine besondere didaktische Begabung. Sie vermittelt in ihren Kursen die Gestaltung des Holzschnitts von der Idee bis zum fertigen Druck. Lehrgänge der Künstlerin zur Einführung in die Holzschnittkunst bieten das Käthe-Kollwitz-Museum Köln und die Internationale Kunstakademie Heimbach Eifel an.

Redaktion der Beilage: Franz Heinz

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Schule

Flucht und Vertreibung aus dem historischen deutschen Osten – das Thema im Unterricht Lehrerhandreichung für die Schulen in Nordrhein-Westfalen erschienen Lange Zeit wurde – zu Recht – darüber geklagt, dass das Thema Flucht und Vertreibung aus den historischen deutschen Ostgebieten im schulischen Geschichtsunterricht zu wenig Beachtung gefunden hat. Da Ähnliches auch für die Lehrangebote in den Lehramtsstudiengängen für Geschichte an den Universitäten galt, war es selbst für Lehrerinnen und Lehrer, die das Thema behandeln wollten, schwierig, sich gezielt darauf vorzubereiten. Hier wurde nunmehr Abhilfe geschaffen: Im Auftrag der Landesregierung hat seit Anfang 2008 ein vierköpfiges Autorenteam eine „Lehrerhandreichung Flucht und Vertreibung“ erarbeitet, die nunmehr zur Verfügung steht. Ziel der Handreichung ist es, eine knappe und trotzdem hinreichend differenzierte Heranführung an das Thema zu bieten. Die vier Autoren – alle Historiker, zwei davon als Geschichtslehrer im aktiven Schuldienst – waren sich der Schwierigkeit des Unterfangens von vornherein bewusst. In die Entstehung der Handreichung eingebunden waren ständig auch Vertreter der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei, des Schulministeriums sowie der Landeszentrale für politische Bildung. Das erste Kapitel (Dr. Thorsten Altena) umreißt die Geschichte des „Jahrhunderts der Vertreibungen“ seit dem Vorabend des Ersten Weltkriegs bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. Die unmittelbare Vorgeschichte und den Verlauf von Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den damaligen Ostgebieten des Deutschen Reiches behandelt das zweite Kapitel (Dr. Stephan Kaiser). Bewusst sollte die Handreichung auch Anknüpfungspunkte für die nordrhein-westfälische Landesgeschichte bieten. Daher werden die unfreiwillige Zuwanderung von letztlich rund 2,4 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen in das junge Land an Rhein und Ruhr, ihre Integration, ihre Mitwirkung am Wiederaufbau des Landes sowie ihre weitere Rolle ausführlich in den beiden folgenden Kapiteln thematisiert. Sie behandeln den Zeitraum von 1945 bis

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zur Gegenwart (Dr. Wolfgang Maron/PD Dr. Winfrid Halder). Zu jedem der Darstellungskapitel gehört ein Abschnitt des Dokumentenanhangs, in dem ausgewählte Quellen für den Unterrichtsgebrauch enthalten sind. Darüber hinaus werden in einem gesonderten Abschnitt konkrete didaktische und methodische Empfehlungen für die Behandlung des Themas im Unterricht gegeben. Schließlich gibt eine ausführliche Bibliographie Aufschluss über einschlägige wissenschaftliche Standardwerke und neuere Forschungsergebnisse, so dass alle interessierten Nutzer sich sehr schnell vertieft informieren können. Der Band enthält eine Vielzahl meist farbiger Abbildungen, Karten und Graphiken. Die Lehrerhandreichung Flucht und Vertreibung ist verfügbar als pdf-Datei auf der Internetseite der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen (www.politische-bildung.nrw.de) oder

in gedruckter Form ebenfalls über die Landeszentrale, Horionplatz 1, 40213 Düsseldorf (e-mail: info@politischebildung.nrw.de). Für das Frühjahr 2011 ist eine öffentliche Präsentation der Handreichung mit den beteiligten Autoren im Gerhart-Hauptmann-Haus geplant. Nähere Informationen dazu im nächsten Heft. Winfrid Halder

Peters Fahrt ins alte Sudetenland Ein Reisebuch für Kinder Ein lehrreiches Reisebuch mit Wissenstest ist von Helga Lehmann über das Sudetenland verfasst worden. In den Ferien fährt Peter mit seinem Vater ins Sudetenland. Peters Großeltern stammen von dort. Nun

will er ihre alte Heimat kennenlernen, von der sie ihm schon so viel erzählt haben. Im nordböhmischen Liberec, das einst Reichenberg hieß, schauen sie sich das schöne alte Rathaus und das einstige Wohnhaus der Großeltern an. Im Bäderdreieck, das von den bekannten Kurorten Karlsbad, Marienbad und Franzensbad gebildet wird, trinken sie von den heilsamen Quellen. In Jablonec/Gablonz werden bis heute die berühmten böhmischen Granat-Imitate hergestellt, rote Schmucksteine aus Glas. Neben vielen anderen Dingen lernt Peter, dass der Schriftsteller Otfried Preußler aus dem Sudetenland kommt, von dem er schon den Räuber Hotzenplotz gelesen hat. Nach den Ferien berichtet Peter seiner Klasse von der geschichtsträchtigen Reise. Das Buch kann in jedem Buchhandel für 6 Euro bezogen werden. ISBN-13: 9783828027794 D.U.

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Gratulation

Zum 80. Geburtstag von Prof. Dr. Hans Mommsen am 5. November 2010 Eigentlich sollte man meinen, der konnte gar nicht anders, der musste Historiker werden. Ein Mommsen eben. Doch zunächst wollte der 1930 in Marburg geborene Spross aus der Familie, die wie wohl keine andere die deutsche Geschichtswissenschaft mitgeprägt hat, Germanistik studieren. Und Zwillingsbruder Wolfgang hat mit Physik angefangen, beide entschlossen gerade nicht in die Fußstapfen von Vater Wilhelm und Urgroßvater Theodor Mommsen zu treten. Dann sind beide doch der Anziehungskraft von Klio erlegen, aber gründlich. Und folgenreich. Nachdem er nun doch den Weg in die Geschichtswissenschaft angetreten hatte, wurde Hans Mommsen in Tübingen Schüler von Hans Rothfels. Dessen Biographie wurde von der deutschen Zeitgeschichte gleich mehrfach gebrochen: Der 1891 in Kassel geborene Schüler von Friedrich Meinecke verlor im Ersten Weltkrieg ein Bein. 1926 wurde er auf einen Lehrstuhl für Neuere Geschichte in Königsberg berufen. Den verlor der „Jude“ Rothfels, der schon seit 1910 Protestant war, 1934. Und 1939 blieb ihm nur die Emigration nach Großbritannien und dann in die USA, obwohl Rothfels sich als national denkender Deutscher mit Haut und Haar verstand. Anders als die meisten anderen Emigranten, kehrte er schon 1951 als akademischer Lehrer nach Deutschland zurück. Und wurde zum wohl bedeutendsten Begründer der von ihm auch konzeptionell geprägten „Zeitgeschichte“, die er als wissenschaftliche Erforschung der „Epoche der Mitlebenden“ definierte. Rothfels also: Ein Remigrant, der von der auch nach 1945 noch überwiegend konservativ geprägten (west-)deutschen „Zunft“ der Historiker, im Unterschied zu den meisten anderen rückkehrwilligen Akademikern, mit offenen Armen empfangen wurde. War er doch, so wie man ihn schon vor 1939 kannte, gewiss kein „Linker“, und auch die Emigration hatte keinen aus ihm gemacht. Ein einflussreicher Lehrer, der es hinnahm, dass sein Schüler Hans Mommsen andere politische Sympathien hegte als er selbst, wenn auch vielleicht mit einem gewissen Stirnrunzeln. Dass Mommsen sich bereits in seiner Doktorarbeit intensiv mit der Sozialdemokratie auseinandersetzte, kam nicht von ungefähr. Nach der Tübinger Promotion und einer

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kurzen Zeit als Assistent bei Rothfels wurde Hans Mommsen 1961 Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte in München. Schon 1963 ging er jedoch wieder in den Hochschuldienst und wurde Assistent Werner Conzes in Heidelberg. Mit Conze traf er auf einen weiteren akademischen Lehrer, der mit Rothfels eng verbunden war. Die Arbeit am Lehrstuhl Conzes, bei dem sich ähnlich wie im Falle von Rothfels eine persönlich konservative Grundhaltung mit wissenschaftlicher Innovationsfreudigkeit verband, schärfte Mommsens Sensibilität für sozialgeschichtliche Fragestellungen und Methoden. Mit der in Heidelberg entstandenen Habilitationsschrift über „Beam-

tentum im Dritten Reich“ betrat er ein Forschungsgebiet, das ihn seither nicht mehr losgelassen hat. Schon sehr kurz nach seiner Habilitation erhielt Hans Mommsen einen Ruf an die Ruhr-Universität Bochum, die als Neugründung erst wenige Jahre zuvor ihren Lehrbetrieb aufgenommen hatte. Als Lehrstuhlinhaber für Neuere Geschichte prägte Hans Mommsen von 1968 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1996 mehrere Generationen von Studierenden. Sein nahezu zeitgleich an die ebenfalls noch junge Düsseldorfer Universität berufener Zwillingsbruder Wolfgang, der 2004 allzu früh verstarb, wirkte als Ordinarius für neuere Geschichte nicht minder beständig, wenn auch mit anderen thematischen Schwerpunktsetzungen. Beide Momm-

sens haben der geisteswissenschaftlichen Landschaft in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus fast drei Jahrzehnte lang ihren Stempel aufgedrückt. Hans Mommsen blieb Bochum treu, seine Lehrtätigkeit dort wurde lediglich durch Gastaufenthalte an den Universitäten von Princeton, Harvard, Berkeley, Washington D.C. und Jerusalem unterbrochen. In Bochum war Mommsen darüber hinaus einer derjenigen, die die Gründung des Instituts zur Geschichte der Arbeiterbewegung wesentlich vorantrieben. Mommsens wissenschaftliche Hauptarbeitsgebiete blieben die Geschichte der Weimarer Republik und die der NS-Diktatur. Hier hat er mit einer imponierenden Fülle von Publikationen der Forschung wichtige Impulse gegeben. Der Band „Aufstieg und Untergang der Republik von Weimar 1918-1933“ (zuerst 1998 erschienen) zählt zweifellos zu den unverzichtbaren Standardwerken. Die Geschichtswissenschaft hat „die Aufgabe, einem Rückfall der deutschen politischen Kultur in autoritäre und nationalistische Denkhaltungen durch historische Aufklärung entgegenzutreten.“ Das Zitat von Hans Mommsen zeigt, dass er stets überzeugt war, dass es Aufgabe der Geschichtswissenschaft ist, aufgrund exakt erarbeiteter Faktenanalyse zu pointierten Urteilen zu gelangen und so erzieherisch zu wirken. In diesem Sinne ist er immer ein „politischer“ Historiker geblieben, der bei aller wissenschaftlichen Genauigkeit seinen eigenen Standpunkt nicht nur nie verhehlt, sondern immer offensiv vertreten hat. Damit macht man sich naturgemäß nicht nur Freunde. Wenn Hans Mommsen charakterisiert wird, trifft man fast immer die Vokabel „streitbar“ an. Tatsächlich hat er nie gezögert, sich vor allem in den großen Debatten in der Historikerzunft zu Worte zu melden, ob es sich nun um den „Historikerstreit“, die „Goldhagen-Debatte“ oder die in den späten 1990er Jahren eskalierende Auseinandersetzung um das Verhältnis zwischen der deutschen Historikerschaft und dem Nationalsozialismus handelte. In letzterem Streit sah Mommsen auch seine Lehrer Rothfels und Conze heftiger Kritik ausgesetzt und hat deren wissenschaftlichen Rang verteidigt ohne ihr politisches Verhalten zu exkulpieren oder auch nur zu beschönigen. Zu wünschen ist, dass Hans Mommsen noch oft Gelegenheit haben wird, sich einzumischen. Winfrid Halder

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Bericht

Mordnacht in der „Budinka“ Von Herma Kennel Um Mitternacht des 19. Mai 1945 wurden im Ort Dobrenz/Dobronín eingesperrte deutsche Bauern aus ihren Behelfsgefängnissen von betrunkenen tschechischen Männern herausgeholt und zu einer Wiese unweit des Dorfes getrieben. Es regnete in Strömen. Die deutschen Männer, elf bis fünfzehn an der Zahl, mussten ihre Gräber ausheben, danach schlugen die Betrunkenen mit Spaten, Schaufeln und Hacken auf die Wehrlosen ein. Einer der Täter, von großer Statur, spaltete mit einem einzigen Schlag den Kopf seines Opfers in zwei Hälften. Wer nach dieser Tortur noch lebte, wurde erschossen. Die Getöteten wurden in aller Eile in die flachen Gruben geworfen und mit Erde bedeckt. Die Mörder machten sich zum Wirtshaus auf, wo sie bis in die Morgenstunden hinein ihre nächtlichen Taten mit reichlich Alkohol feierten. In Dobrenz wusste jeder Bewohner Bescheid, aber viele schwiegen verschämt, andere verdrängten jeden Gedanken an die Mordnacht, überzeugt, dass mit der Zeit Gras darüber wachsen werde. In den 80-er Jahren wurden Entwässerungsarbeiten auf der Wiese „Budinka“, benannt nach dem Namen des kräftigsten Täters, durchgeführt. Ein Traktorist hob einen Schädel aus, begrub ihn rasch und arbeitete an anderer Stelle weiter. Er meldete seinen „Fund“ dem Vorgesetzten, sprach im Dorf darüber, stritt Jahre später alles ab, nichts sei gewesen. Mitte der 90-er Jahre begann Fritz Hawelka, dessen Vater Ende der 30-er Jahre Schulleiter im benachbarten Bergersdorf/ Kamenná gewesen war, mit Recherchen über die Mordnacht in der „Budinka“. Tschechische Freunde vor Ort unterstützten ihn engagiert. Seine „Dokumentation über den Massenmord in der Iglauer Sprachinsel vom 19. Mai 1945“, in der die Namen von Opfern und Tätern stehen, veröffentlichte er im Internet. Ich habe bei Recherchen für mein Buch „BergersDorf“ von Angehörigen der Opfer über die Mordnacht Einzelheiten erfahren und mit Hilfe der Informationen tschechischer Freunde in meinem Buch ein Kapitel darüber geschrieben. Im Sommer 2008 nahm der Autor Jirí Vybihal aus Iglau/Jihlava Kontakt mit mir auf. Er hatte „BergersDorf“ gelesen und fragte besorgt, ob das Kapitel nicht erfunden sei, schließ-

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lich wisse keiner in Iglau etwas über eine sogenannte Mordnacht. Wir lernten uns bei meiner Lesung aus „BergersDorf“ in Iglau kennen, trafen uns danach öfter, tauschten Informationen und Unterlagen aus. Im Juni 2009 erschien sein Buch „Iglau unterm Hakenkreuz“, das er in einem Fernsehinterview vorstellte. Zum Schluss sprach er über „BergersDorf“ und über die Mordnacht in der „Budinka“. Die Sendung löste großen Wirbel aus: „Ein Massengrab mit ermordeten Deutschen, ganz in der Nähe? Das kann nicht sein!“ Miroslav Mareš, ein Iglauer Journalist, wollte der Sache nachgehen. Er bat mich um eine notariell beglaubigte Erklärung, übergab sie der Polizei und erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Einige Angehörige der Opfer lieferten ebenfalls amtlich beglaubigte Erklärungen ab. Die Kriminalpolizei in Brünn/Brno begann mit den Ermittlungen, nahm Kontakt mit deutschen Behörden auf, überprüfte die Namen auf den Transportlisten der „abgeschobenen“ Deutschen - die Namen der Opfer tauchten auf diesen Listen nicht auf. Zum 1. Januar 2010 übernahm der Iglauer Kriminalbeamte Michal Laška die Funktion des Chefermittlers im „Fall Budinka“. Engagiert und zügig trieb er die Sache voran. Mitte April 2010 wurde mit Georadar auf der „Budinka“-Wiese die Lage der möglichen Opfer ermittelt. Der Journalist Miroslav Mareš war fast jeden Tag vor Ort und schrieb Artikel darüber. Die regionale und überregionale Presse in der Tschechischen Republik berichtete über den „Fall Budinka“. Der Prager Filmregisseur David Vondracek, der durch seinen TV-Film „Töten auf Tschechisch“ Aufsehen erregt hatte, wurde durch die Berichte in den Medien darauf aufmerksam. Im Mai 2010 war er zu Dreharbeiten auf der „Budinka“Wiese und befragte den kommunistischen Bürgermeister von Dobrenz nach dessen Meinung. Dieser gab an, davon habe er auch schon davon gehört, aber das seien nur Gerüchte, an denen nichts dran sei. Der Filmbeitrag wurde am 25. Mai 2010 im Tschechischen Fernsehen gesendet. David Vondracek plant ein großes Filmprojekt mit dem Titel „Sag mir, wo die Toten sind“, in dem auch der „Fall Budin-

Herma Kennel ka“ eine Rolle spielen sollte. Ein Iglauer Freund überreichte dem Filmregisseur „BergersDorf“ und vermittelte ein erstes Treffen zwischen uns. Anfang Juni und Anfang Juli waren wir zu Dreharbeiten und Interviews in Iglau. Danach ging alles sehr schnell: Jirí Vybihal schrieb mir, dass Mitte August mit der Exhumierung begonnen werde. Am frühen Morgen des 16. August hob ein Bagger Erde an der vom Georadar bezeichneten Stelle aus, die auch der Neffe eines Opfers so skizziert hatte. Er war am Tag nach der Mordnacht mit seiner Tante zur „Budinka“-Wiese gegangen, wo frische Blutspuren und erhöhtes Erdreich den Weg zu den Opfern wiesen. Zur Exhumierung waren tschechische und deutsche Journalisten, auch David Vondracek gekommen. Der Chefermittler Michal Laška überwachte die Exhumierung, Polizisten hatten die Wiese mit Absperrbändern abgeriegelt. Bereits nach einer Stunde und 12 Minuten kam der erste menschliche Knochen zutage. Die Archäologen bargen weitere menschliche Überreste. Reste von Werkzeugen, Kleidungsstücken, auch eine Zahnprothese wurde gefunden. Miroslav Mareš informierte seine Kollegen, ein ARDKorrespondent in Prag rief mich an, er sei die nächsten beiden Tage in Iglau und bat mich, zu kommen. Am 18. August um 10.00 Uhr hatte sich auf der „Budinka“ eine Schar von Journalisten versammelt. Sie interviewte Michal Laška, Miroslav Mareš und mich. Ein drei Meter hohes Holzkreuz war zum Blickfang der FoFortsetzung auf Seite 20

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Bericht Fortsetzung von Seite 19 tografen geworden. Am Abend zuvor hatten unbekannte Dorfbewohner dieses Kreuz errichtet, weit genug von der Exhumierungsstelle entfernt, so dass die wachhabenden Polizisten keinen Grund sahen, einzugreifen. Der Bürgermeister von Dobrenz antwortete in Interviews auf die Frage, was er über die Knochenfunde denke, dass es sich hierbei auch um rumänische Soldaten handeln könne, die ab 12. Mai 1945 in Bergersdorf stationiert gewesen seien. Der Traktorist, der in den 80-er Jahren bei Meliorationsarbeiten einen menschlichen Schädel ausgehoben und wieder eingegraben hatte, sagte in einem Interview (Zitat): „Ich verabscheue Herma Kennel aufs Schärfste. Weil sie hier rumstochert. Außerdem ist sie Deutsche.“ Am Abend des 18. August wurde in tschechischen und deutschen Nachrichtensendungen über die Exhumierung bei

Dobrenz berichtet. Die Presseagenturen verbreiteten die Nachricht weltweit.

wurde die Exhumierung beendet. Sechs Skelette konnten geborgen werden, von drei weiteren Opfern wurden Knochenteile gefunden. Die sterblichen Überreste werden jetzt von Anthropologen der Masaryk-Universität in Brünn untersucht und zu einem späteren Zeitpunkt mit den DNA-Analysen der Angehörigen verglichen. Wie David Vondracek richtig feststellt, ist damit ein neues Kapitel aufgeschlagen: Die Tschechen wollen wissen, was nach Kriegsende mit den Exhumierung bei Dobrenz Foto: DENÍK/ Michaela Hasíková Deutschen geschah. Dass dies im „Fall Budinka“ Auch in den folgenden Tagen wurde in möglich wurde, ist engagierten Tschechen den Medien über den Fortgang der Ex- wie Miroslav Mareš, Jirí Vybihal und dem humierung berichtet. Nach fünf Tagen Kommissar Laška zu verdanken.

„Europa - das sind wir!“ - Neuer Schülerwettbewerb 2011 „Begegnung mit Osteuropa“ erfolgreich gestartet Der internationale Schülerwettbewerb des Landes Nordrhein-Westfalen „Begegnung mit Osteuropa“ ist jetzt mit dem Thema „Europa - das sind wir!“ für das Jahr 2011 gestartet. "Europa - das sind wir!" macht deutlich, dass mit dem Mauerfall und dem Ende des Kalten Krieges im Jahr 1989 das friedliche und demokratische Engagement vieler Menschen in Mittel- und Osteuropa unüberwindlich erscheinende Grenzen beseitigt und neue freiheitliche Verbindungen in Europa geschaffen hat. Durch die Aufnahme weiterer osteuropäischer Staaten in die EU wird die Idee eines „Europa ohne Grenzen“ immer mehr zur Wirklichkeit, in der alle Staaten nachbarschaftlich miteinander verbunden sind. Immer mehr erfüllen sich Träume, Menschen aus anderen europäischen Ländern zu begegnen, die vorher unerreichbar waren. Gerade junge Menschen stellen sich die Frage, wie sich die „Erfolgsgeschichte Europa“ fortsetzen lässt, eine Frage, die über unsere Zukunft mitentscheidet. Dazu wollen sie auch genau wissen, wie die Menschen in Mittel- und Osteuropa leben, was sie bewegt, wie die Geschichte sie geprägt hat.

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Nur durch einen Dialog der Menschen aus den verschiedenen Ländern können wir die kulturelle Vielfalt Europas als Chance erkennen und uns unserer eigenen Erfahrungen und Positionen bewusst werden. Nur so können wir die Reize der Verschiedenheit wahrnehmen, die das Leben abwechslungsreicher, vielfältiger und bunter gestaltet. Je mehr wir über das Leben der Menschen in anderen Ländern wissen, um so mehr können wir die Grenze vom Fremd- zum Freundsein überschreiten, Toleranz und Verantwortung entwickeln und den Zusammenhalt im „Europäischen Haus“ stärken. "Europa - das sind wir!" lädt ein, NRW und Osteuropa in Kunst, Musik, Tanz, Literatur, Politik/Wirtschaft, Gesellschaftslehre, Sozialwissenschaften, Geschichte, Geografie, Fremdsprachen und Informatik zu erkunden, um so das eigene Wissen über die Lebensweise der Menschen zu erweitern und neue Wege der Freundschaft und des Miteinander im Herzen Europas zu finden. Die neuen Wettbewerbsunterlagen sind auf dem Weg zu rund 6500 Schulen in Nordrhein-Westfalen und etwa 500 deutschsprachigen Schulen in Mittel- und

Osteuropa. Die Broschüre ist über unsere Internetseite abrufbar. Alle Schulen haben bis zum Ende des Schuljahres die Broschüren mit den neuen Aufgaben und Projekten vorliegen. Lehrer und Schüler können schon jetzt gemeinsame Projektarbeiten für das neue Schuljahr planen. Die Projektvorschläge des Wettbewerbs orientieren sich an den Richtlinien und Lehrplänen für die Schulen in Nordrhein-Westfalen. Damit das Lernen in den fächerübergreifenden Projekten des Schülerwettbewerbs besonderen Spaß macht, werden die besten Schülerbeiträge mit wertvollen Geld- und Sachpreisen belohnt. Auch aus den östlichen Nachbarländern werden sich wieder viele Schulen mit deutschsprachigem Unterricht beteiligen. Sie suchen aber noch Partner in Nordrhein-Westfalen für gemeinsame Projekte. Schulen, die an solchen Partnerprojekten interessiert sind, können sich direkt bei der Wettbewerbsleitung registrieren lassen.

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Bericht

„Von der Leichtigkeit des Seins“ Der Maler Otto Mueller und die Dichter Carl und Gerhart Hauptmann Apolda, die thüringische Kreisstadt, etwa 30 Autominuten von Weimar entfernt, war früher durch seine Wirkerei- und Strickerei-Erzeugnisse, die Glockengießerei und das Glockenmuseum bekannt. Heute bildet das „Kunsthaus Avantgarde Apolda“, vor über 15 Jahren gegründet, den besonderen Anziehungspunkt für alle Kunstliebhaber aus Nah und Fern. Hier wurden in den letzten Jahren Ausstellungen mit Werken von Max Liebermann, Lovis Corinth, Henri de Toulouse-Lautrec, Feininger, Karl Lagerfeld, Maillol oder auch mit Bildern von Hermann Hesse gestaltet. Unter dem Titel „Von der Leichtigkeit des Seins“ erinnerte man an den weniger bekannten Maler Otto Mueller (1874 1930) und an seine verwandtschaftlichen Beziehungen zu Carl und Gerhart Hauptmann; es wurde auf großen Texttafeln über Leben und Werk des Künstlers informiert. Der Kurator dieser Retrospektive und des 2bändigen Ausstellungskatalogs, H. D. Mück, hat dabei auf viele Begegnungen mit Carl und Gerhart Hauptmann (1894, 1896, 1897, 1906) aufmerksam gemacht, die nicht in der „Chronik von Gerhart Hauptmanns Leben und Schaffen“ (Behl/ Voigt) enthalten sind. Auch in der Ausstellung der Hypo-Kulturstiftung München „Otto Mueller – eine

Retrospektive“ im Sommer 2003 wurden die Beziehungen der Familie Hauptmann zu Otto Mueller dargestellt. Diese bilden, neben Angaben zu seinem Schaffen und besonders wichtigen Ausstellungen, den Schwerpunkt dieses Beitrages. Wer war Otto Mueller? Er sagte einmal über sich: „Meine Bilder ersetzen jede Biographie, in meinen Werken zeige ich mein Leben und Erleben.“ Vieles, was wir heute über ihn wissen, haben wir seiner Schwester Emmy (1876 - 1962) zu verdanken, die in ihren „Erinnerungen an Otto Mueller“ (unveröffentlichtes Manuskript aus den 1950er Jahren) sehr ausführlich über die wichtigsten Ereignisse aus dem Leben ihres Bruders berichtet. Mario Andreas von Lüttichau hat in seinem reich bebilderten Buch über „Otto Mueller, ein Romantiker unter den Expressionisten“ einfühlsam wesentliche Informationen mit einbezogen. Seine Mutter, Marie Maywald, war das uneheliche Kind einer böhmischen Magd. Sie wurde durch die Gattin des Gutsbesitzers Julius Göhler – eine Schwester Robert Hauptmanns, dem Vater von Carl und Gerhart Hauptmann – vor ihrer Heirat mit dem Leutnant Julian Mueller, adoptiert. Damit wurden die Brüder Hauptmann zu Verwandten von Mueller, entwickelten sich auch viele direkte familiäre Bezie-

Carl Hauptmann und Otto Mueller (r.) in Schreiberhau 1908

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Otto Mueller, Anfang bis Mitte der 1920er Jahre, Fotos: Archiv Lüttichau hungen und Kontakte. So eröffnete ihm 1894 sein Onkel Gerhart Hauptmann „ideell und materiell den Weg ins Gebiet der Kunst“, er beginnt ein Kunststudium an der Akademie in Dresden. Während des Dresdener Studiums wohnte er zeitweise bei Marie Hauptmann, der ersten Frau des Dichters, (mit der er gern und viel in der Umgebung Dresdens radelte) und seiner Schwester Johanna, genannt Lotte. Die beiden Frauen umsorgten ihn liebevoll und versuchten, ihm seine etwas bohème Art abzugewöhnen – aber vergebens, er blieb seiner Art treu. 1896 beendet Mueller vorzeitig das Studium an der Dresdener Kunstakademie; im Juni Treffen mit Hauptmann im Kloster auf Hiddensee, wo dieser mit Margarete Marschalk weilt. (Neue Themen: Meer und Badende). Mück informiert über weitere gemeinsame Unternehmungen, so „1897 mit Gerhart Hauptmann auf Bildungsreise durch Italien, erste Begegnung mit sinnlich-heidnischer Kunst (Thema: Akte.) Oder: „1900 mit Ivo Hauptmann Besuch bei dessen Vater Gerhart in der Schweiz.“ Aus Sicht des Dichters wird dazu in der „Chronik“ u. a. vermerkt (17. Februar bis mindestens 16. März): „In den Osterferien mit Ivo und Otto Mueller (ohne Margarete) in Genf, Lausanne, Luzern und Pallanza.“ Auch für das Jahr 1901, vom 20. Juli bis Anfang August wird notiert: „Vitte auf Hiddensee; mit Ivo, Eckart und Klaus

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Bericht und mit Otto Mueller in der Pension von Theodor Nehls, Logierhaus zur Post“. Im gleichen Jahr malte er ein Porträt von Marie Hauptmann und das Aquarell „Die Tänzerin“, die er beide Hauptmann schenkte. Zwei Jahre zuvor, 1899, kam Mueller zurück nach Dresden. Hier hatte er im Herbst die für ihn schicksalhafte Begegnung mit der aus Böhmen kommenden Kunsthandwerkerin Maria (Maschka) Mayerhofer, die seine Geliebte, Muse, Modell und 1905 in Schönfeld bei Dresden seine Frau wurde. Im Frühsommer 1906 erfolgt der Umzug nach Mittel-Schreiberhau, wo er mit Maschka am gesellschaftlichen und kulturellen Leben seines Onkels Carl Hauptmann teilnimmt; 1908 Umzug nach Berlin-Steglitz. 1914 – der Erste Weltkrieg bricht aus; „Paß mal auf, die werden ohne mich nicht fertig!“ äußert er gegenüber seiner Schwester Emmy. Trotz seines schwachen Körpers wurde er im Juli 1916 als Armierungssoldat einberufen. Hauptmanns Söhne, als Offiziere bereits im Felde, wollten ihn davon befreien. Er lehnte ab, wollte seine „Pflicht“ erfüllen. Eingesetzt im flämischen Namur, ab Februar 1917 in Frankreich, bekam er im April Lungenbluten / Lungenentzündung und wurde in das Lazarett in Neuss eingeliefert. In fürsorglich-liebevollen Briefen, so vom 11. April 1917, spielt er seinen Gesundheitszustand herunter, wenn er schreibt: „Liebe Maschka Sende Dir einen herzlichen Gruß und hoffe vor allem, dass es Dir besser geht – ich selbst bin seit dem Osterfeiertag im Lazarett ich habe mich erkältet habe aber auf jeden Fall keine Sorge es wird alles gut werden ich schreibe Dir bald mehr. Herzlichst Dein Otto“ Nach Genesung ab September 1917 Versetzung zum Landsturm-Bataillon im Osten (Russland); zuletzt Zeichner für die Luftschifffahrtsabteilung in Berlin. Im Februar 1918 organisiert er – noch von der Front aus – seine erste Einzelausstellung im „Nassauischen Kunstverein“ Wiesbaden. Gleichzeitig ist er bemüht, Gemälde, die sich noch bei Galeristen befanden, zu verkaufen oder erneut auszustellen. Durch Porträtaufträge versucht er – mit Erfolg – zusätzlich Geld zu verdienen. 1918 beteiligt er sich mit drei Werken an der Sommerausstellung der „Freien Secession“, bevor im April 1919 seine erste große Einzelausstellung in der Ga-

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lerie von Paul Cassirer, Berlin, Wirklichkeit wird. Im gleichen Jahr erfolgt die Ernennung zum Professor und Berufung an die Breslauer Kunstakademie, an der er bis zu seinem Tode 1930 unterrichtet. Hier beginnt er eine Liebesbeziehung zu der 17jährigen Kunststudentin Irene Altmann, die ihn zu besonderes gelungenen Werken inspiriert. Aber bereits im November 1921 erfolgt die Trennung von Irene und die Scheidung von Maschka. Trotz eines erneuten Liebesabenteuers (Elsbeth Lübke), mit Eheschließung 1922 (Scheidung 1927) nimmt er den persönlichen Kontakt zu Maschka wieder auf. Es besteht ein ständiger Briefkontakt, neben rein „geschäftlichem“ Inhalt auch mit vielen lieben Worten. Otto Mueller 1924/27: Akt zwischen Bäumen, So schreibt er Ende Januar Farblithographie 1923: „Die Ausstellung bei Möller dauert noch bis 15. Februar, ich waren nicht so freundschaftlich-intensiv habe bei Möller 300000 M hinterlegt, die wie zu Marie und Carl Hauptmann, die Du jederzeit bei ihm abholen kannst…“. auch mehrere Bilder für ihre Sammlung Im Sommer 1924 reist er mit ihr nach von ihm erworben haben. Literarisch hat Sarajewo und 1925 nach Szolnok in der Otto Mueller als Person bei beiden DichNähe von Budapest, wo er das Leben der tern Eingang in ihr Werk gefunden. Bei Zigeuner studiert. Sie halten sich längere Carl ist es besonders der Roman „Einhart Zeit in einem Zigeunerdorf auf, es entder Lächler“ (1907), in dem er ein Künststehen viele, wichtige Zigeunerbilder. lerschicksal – mit Anklängen an seinen eiTrotz der 1927 aufkommenden Liebesgenen und Gerharts Lebenslauf – gestaltet. beziehung zu der Kunststudentin Elfriede Gerhart Hauptmann hat ihm zu Lebzeiten Timm hegt er mit Maschka Anfang des im „Michael Kramer“ (1899/1900), „WanJahres 1928 Auswanderungspläne nach da“ (1926) und im „Till Eulenspiegel“ ein Brasilien und kündigt eine vertragliche „Denkmal“ gesetzt; Mueller identifizierte Regelung ihres Erbes an. sich mit der Figur des Arnold Kramer so, Die chronische Erkrankung seiner Atemdass er mehrfach den Wunsch äußerte, ihn wege veranlasst ihn ab Juli 1930 zu auf der Bühne geben zu dürfen. Im „Till einem Kuraufenthalt in Bad Salzbrunn, Eulenspiegel“ (1927) nahm Hauptmann von wo er nach drastischer Verschlechteihn im neunten Abenteuer als Vorbild für rung seines Gesundheitszustandes in die den malenden Halbzigeuner Lips, oder Lungenheilstätte Obernigk bei Breslau Quarkspitz wie Eulenspiegel ihn nennt. eingeliefert wird. Hier stirbt Otto MuelDie Berührung mit der Familie Hauptler am 24. September wenige Tage vor mann endete erst mit seinem Tod, wobei seinem 56. Geburtstag; kurz vor seinem nicht erklärt werden kann, dass Gerhart Tode hatte er Elfriede Timm geheiratet. der Beerdigung fernblieb und auch keine Die Werke von Otto Mueller wurden Werke zur Gedächtnisausstellung 1931 nicht nur in Deutschland (Dresden, auslieh. Seinem Tagebuch vertraut er aber Weimar, Jena, Leipzig, Hannover, Düs1941 an: „Noch heute empfinde ich es als seldorf, Berlin u. a.) ausgestellt, sondern kummervoll, dass ich die laufenden Äuauch in Basel, Moskau und bei der New ßerungen seines zu einer Art Philosophie Yorker Ausstellung „Modern German gewordenen Zigeunertums nicht notiert Art“ gezeigt. habe.“ Die Beziehungen zu Gerhart Hauptmann Konrad Hüther

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Bericht

Flucht und Vertreibung im öffentlichen Bewusstsein – eine Bestandsaufnahme Washington und London habe ich gesehen, Lissabon und Barcelona genossen, selbst an einem so fernen Ort wie Aschgabat, das Hauptstadt Turkmenistans ist und im fernen Zentralasien liegt, bin ich gewesen, aber in Paide war ich noch nie, obwohl Estland in unserer globalisierten Welt lächerlich nah ist und man in jedem Reiseführer lesen kann, die Bevölkerung strebe nach Europa und sei des Englischen durchaus mächtig. Mein Großvater lebt nicht mehr. Doch würde er leben und mit mir fahren, so führen wir nach Weißenstein, einem kleinen hübschen Ort im nördlichen Zipfel Estlands, eben nach Paide. Ich kann mich nicht daran erinnern, im Schulunterricht jemals etwas über die Umsiedlung der Deutschbalten 1939, über die Geschichte der Siedlungsgebiete Deutscher östlich der heutigen Grenzen oder über Flucht und Vertreibung im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg gehört zu haben. Die Flucht vor den sowjetischen Soldaten im Winter 1944/45 kenne ich aus den Erzählungen meiner Großmutter, von der Umsiedlung, als er „heim ins Reich“ geholt wurde, erzählte mein Großvater nur auf mein Drängen hin. Meine Mutter hat von ihrem Vater juristisch den Status einer Heimatvertriebenen geerbt. Ich bin mir sicher, sie weiß es gar nicht. Auf die Frage, was er mit dem historischen deutschen Osten verbinde, antwortete mir ein Freund, er sei beim Fall der Mauer 15 Jahre alt gewesen und könne mir deshalb einiges über den Alltag in der DDR erzählen. Der historische deutsche Osten, so muss man es wohl konstatieren, gehört nicht mehr zur Lebenswelt junger Menschen. Während meine Eltern – manchmal auch zu ihrem eigenen Leidwesen – noch in ihren Eltern und Lehrern die Erlebnisgeneration derjenigen vor Augen und Ohren hatten, die Zeitzeuge von Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg waren, habe ich davon wenig erfahren, bevor ich begann, mich aus eigenem Antrieb damit zu beschäftigen. Das Wissen um die Jahrhunderte lange Geschichte deutschen Volkstums in den Gebieten östlich der heutigen Landesgrenzen Deutschlands, um friedliche Koexistenz, Flucht und Vertreibung ist bei Menschen meiner Generation weitestgehend nicht mehr vorhanden

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– und vor allem nicht mehr von Interesse. In den Köpfen vieler hat sich eine Brücke manifestiert, die das Reden von Flucht und Vertreibung, ja die simple Erwähnung der früheren deutschen Ostgebiete mit ewiggestrigem Gedankengut gleichsetzt, mit dem Aufrechnen von Opfern und hässlichen Bildern von röhrenden Hirschen in miefig-spießigen Wohnzimmern, vor Jahrzehnten eingerichtet und den Geruch des Gestern verströmend. Es hat sich eine Grundüberzeugung eingebürgert, die das Erinnern an Zeiten und Landschaften, die vergangen sind, an Kulturen, die ihren Orten entrissen wurden, schlicht für Zeitverschwendung hält: Wir leben jetzt! Wichtig ist die Zukunft, die Vergangenheit ist nicht zu ändern! In Gesprächen mit Freunden und Kommilitonen über den historischen deutschen Osten und seine Kultur und Geschichte habe ich oft die Augenbraue meines Gegenübers zucken sehen: Historischer deutscher Osten – das klang in ihren Ohren nach Revanchismus, nach längst überholten Parolen wie „Schlesien bleibt unser“. Meine Generation lebt ein unhinterfragtes, aber fragwürdiges Paradox: Wer einen Basar mit Leckerem aus der Türkei, dem Libanon und dem Maghreb veranstaltet, kann für sich Weltoffenheit und Modernität reklamieren, doch wer einen Weihnachtsmarkt mit Spezialitäten aus Schlesien, Siebenbürgen und dem Buchenland veranstaltet, macht sich nach dieser Denkart der Unmodernität und der dumpfen Deutschtümelei verdächtig. Einen Generationenkonflikt anderer Art konnte ich besichtigen bei Unterhaltungen mit älteren Freunden aus den Kreisen meiner Studentenverbindung, die eher der Generation meiner Eltern zuzuordnen wären als meiner eigenen, einige selber Nachfahren Vertriebener. Flucht und Vertreibung aus dem historischen deutschen Osten waren präsent in den Köpfen. Die Antworten auf meine Fragen waren differenziert, traurig, manche erbost, viele enttäuscht darüber, dass die „jungen Leute“ nichts mehr davon wissen wollen. Doch ich bin davon überzeugt, dass die schlichte Unwissenheit und das Desinteresse vieler junger Menschen auch mit der Verweigerung ihrer Lehrer und ihrer Verwandten zu tun hat, ihnen von Flucht und Vertreibung zu erzählen. Die Unfä-

higkeit oder die Unwilligkeit, die eigenen Opfer zu beweinen und auf das unsagbare Leid hinzuweisen, das verknüpft ist mit dem Exodus aus dem Osten 1944/45, und die Scham über die in deutschem Namen begangenen Verbrechen oder selbst erlittene Erniedrigung haben sie schweigen lassen. Doch Wissen lebt wie Traditionen von der Überlieferung an nachfolgende Generationen. Die Tatsache, dass im politischen Leben Deutschlands die Vertretung der Interessen der Vertriebenen als Erbstück aus der konservativen Mottenkiste gilt, das nicht mehr so recht zu passen scheint, in diese globalisierte Welt und ein geeintes Europa, verstärkt den geschilderten Eindruck und macht die unterlassene Vermittlung bestimmter Kenntnisse plausibel. Zwar wurden Flucht und Vertreibung der Deutschen aus dem Osten am Ende des Zweiten Weltkriegs in den vergangenen Jahren durch Filme und Bücher verstärkt öffentlich thematisiert, doch die Schwierigkeiten um die Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ lassen erahnen, in welchem Ausmaß der Wille der politisch Verantwortlichen vorhanden ist, ein eigenes selbstbewusstes Erinnern an die Ereignisse, die im Herbst 1944 begannen und sich im Schwerpunkt bis 1950 hinzogen, zu gestalten. Ein Erinnern, das die etwa zwei Millionen deutschen Opfer des Flucht- und Vertreibungsgeschehens in den historischen Kontext einordnet, ohne sie ihrer Individualität zu berauben und ihr Schicksal als gerechtfertigte Vergeltung für deutsche Verbrechen zu marginalisieren. Mein Großvater ist tot und mit ihm die Erinnerung an Weißenstein/Paide, das schon zwei Namen hatte, als er dort als Sohn eines Gutsverwalters aufwuchs. Bei ihm hat sich vollzogen, was einige zynisch die „biologische Lösung“ des Vertriebenproblems nennen, obwohl er sich nie selbst als Vertriebenen sah. Es gibt ein Sprichwort, demzufolge jeder Mensch erst dann wirklich stirbt, wenn niemand mehr an ihn denkt. Das gilt auch für die Kultur, die Lebenswelt und die Erlebnisse der Menschen, die ihre Heimat in Gebieten jenseits der heutigen Bundesrepublik hatten und haben und dennoch Deutsche waren und sind. Eines Tages möchte ich einmal dort hinfahren, nach Paide, in dieses kleine Städtchen, zentral im Herzen Estlands gelegen, eben nach Weißenstein. Sebastian Westphal, Praktikant

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Studienfahrt

Vom 26.04. bis 01.05.2011

Auf den Spuren von Gerhart Hauptmann in West und Ost Die Studienreise bietet an bedeutenden Orten Einblick in das Werk und Schaffen Gerhart Hauptmanns. Die Informationen vor Ort vermitteln ein umfassendes Bild von dem Nobelpreisträger der Literatur. Schüler, Studenten und Interessierte sind herzlich zu der eindrucksvollen Studienreise eingeladen.

stein in Agnetendorf. Gerhart Hauptmann ließ Haus Wiesenstein 1900 erbauen. 1922 schuf der Maler Avenarius in der Halle Jugendstil-Wandgemälde. „Eine Burg zum Schutz und Trutz“ nannte Ger-

Samstag, 30. April 2011

Dienstag, 26.04.2011 Abfahrt von Düsseldorf nach Berlin Treffpunkt: Reisebushaltestelle Hauptbahnhof Besichtigung der Gerhart-Hauptmann-Anlage und des Wohnhauses in Berlin Schiffsrundfahrt Übernachtung in Berlin Mittwoch, 27.04.2011

Haus Wiesenstein in Agnetendorf

Stadtrundfahrt und Besichtigung der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße Fahrt nach Erkner und Besichtigung des Gerhart-Hauptmann-Museums in der Villa Lassen. Die Ausstellung vermittelt einen Gesamtüberblick über Leben und Werk des Nobelpreisträgers. Die Einrichtung ist aus dem Teilnachlass des Dichters rekonstruiert worden. Gerhart Hauptmann selbst schrieb über seine Jahre in Erkner: „Ich habe vier Jahre in Erkner gewohnt, und zwar für mich grundlegende Jahre. Mit der märkischen Landschaft aufs innigste verbunden, schrieb ich dort Fasching, Bahnwärter Thiel und mein erstes Drama Vor Sonnenaufgang. Die vier Jahre sind sozusagen die vier Ecksteine für mein Werk geworden.“ Übernachtung in Berlin. Donnerstag, 28.04.2011 Fahrt ins Riesengebirge, nach Petersdorf in der Nähe von Hirschberg. Hotelbezug. Anschließend Fahrt zum Haus Wiesen-

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sauern bezahlten ihren Einsatz mit dem Leben. Seit 1998 ist hier eine internationale Jugendbegegnungsstätte. Sodann Fahrt nach Peterswaldau und Langenbielau, wo es 1844 zu einem Aufstand der Weber kam, der von preußischem Militär blutig niedergeschlagen wurde. Weiterfahrt nach Breslau. Stadtbesichtigung. Besichtigung des gotischen Rathauses der Universität mit Aula Leopoldina sowie der Dominsel und der Jahrhunderthalle. Übernachtung in Petersdorf im Riesengebirge.

hart Hauptmann seine Villa im Riesengebirge. Am späten Nachmittag Fahrt nach Schreiberhaus/Szklarska Poreba zum Carl und Gerhart Hauptmann Haus. Übernachtung in Petersdorf im Riesengebirge Freitag, 29.04.2011 Erste Station des Tages ist in Schömberg. Hier stehen die Holzlaubenhäuser „Zwölf Apostel“, die als Webersiedlung dienten. Weiterfahrt nach Kreisau/Krzyzowa. Dort befindet sich der ehemalige Gutshof der Familie von Moltke. In den Jahren 1942 und 1943 kamen hier Sozialdemokraten und Konservative, adlige Gutsbesitzer und Bürgerliche, Protestanten und Katholiken zusammen, um gemeinsam an Plänen für eine gerechte Nachkriegsordnung zu arbeiten und für eine Überwindung des Nationalsozialismus zu kämpfen. Die Gruppe erhielt nach dem Ort ihrer Zusammentreffen später den Namen „Kreisauer Kreis“. Acht von den Krei-

Fahrt in die geteilte Europastadt Görlitz/Zgorzelec. Zunächst kleiner Rundgang im polnischen Zgorzelec. Sodann Stadtführung in Görlitz. Anschließend Besuch des Schlesischen Museums in Görlitz. Nächste Station ist Radebeul, hier steht das Hohenhaus. Der junge Gerhart Hauptmann lernte dort seine spätere Frau Marie, eine der fünf Töchter aus dem Hohenhaus kennen. Im Hohenhaus debütierte der junge Gerhart Hauptmann mit seinem Erstwerk, dem Lustspiel „Liebesfrühling…“ Hohenhaus ist ein ehemaliger bischöflicher Weinbergbesitz in romantischer Lage mit einem weiten Blick über das Elbtal von Dresden bis hin zur Albrechtsburg nach Meißen. Heute befindet sich in dem ehrwürdigen Kulturdenkmal eine Gedächtnisstätte für Gerhart Hauptmann und seine Frau Marie. Zum Abschluss des Tages steht noch ein Rundgang durch die Altstadt von Dresden auf dem Programm. Übernachtung in Dresden. Sonntag, 01.05.2011 Frühstück im Hotel. Möglichkeit zum Besuch eines Gottesdienstes in Dresden. Anschließend Heimreise nach Düsseldorf. Der Reisepreis beträgt bei Unterbringung im Doppelzimmer bei Halbpension 549,00 €, Für Schüler und Studenten 349,00 €. Einzelzimmerzuschlag 125,00 €. Anmeldung und Information unter Tel.: 0211-1699118

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Bibliothek

Europäische Stadtansichten von Friedrich Bernhard Werner Friedrich Bernhard Werner war im 18. Jahrhundert der populärste Zeichner europäischer Städteansichten. Der aus dem niederschlesischen Kamenz stammender Künstler hielt auf zahlreichen Reisen durch Europa, die ihn von Glückstadt im Norden bis Sizilien im Süden, vom Baltikum im Osten bis über die Grenze nach Frankreich im Westen führten, jeweils das aktuelle Aussehen der Städte in Zeichnungen fest. Als Kupferstiche errangen seine Zeichnung eine große Verbreitung und Popularität in Europa. In jahrelanger Recherche nach Ansichten von Friedrich Bernhard Werner hat Angelika Marsch in Archiven, Bibliotheken und Museen in Deutschland, Österreich, Polen und Tschechien 68 Sammlungen gesichtet und etwa 5000 Ansichten des Künstlers in Reisemanuskripten, Topographien und auf Kupferstichen erfasst. Diese Ansichten werden nun erstmalig in einem über 600 Seiten schweren Werk vorgestellt. Unter Berücksichtigung der heutigen Länderaufteilung sind es Ansichten von 14 verschiedenen Ländern. Neben Schlesien, dem Schwerpunkt von Werners Schaffen, geben 574 Ansichten das Aussehen von 305 Städten und Orten in Deutschland wieder, 1596 Ansichten von 754 Städten in den zwölf weiteren Ländern. Alle ermittelten Ansichten sind in diesem Band mit ihren Standorten verzeichnet, dabei gibt das reich illustrierte Werk einen Einblick in die verschiedenen Kupferstichserien, Reisemanuskripte und Illustrationen zu den Topographien. Paul Bretschneider (1921) verdanken wir, dass uns die hier wieder abgedruckte Autobiographie von Friedrich Bernhard Werner überliefert ist. Sie gibt uns nicht nur einen Einblick in die abenteuerlichen Reisen durch Europa, sondern ermöglicht auch, einzelne Ansichten zu datieren. Angelika Marsch: Friedrich Bernhard Werner 1690-1776. Corpus seiner europäischen Städteansichten, illustrierten Reisemanuskripte und der Topographien von Schlesien und Böhmen-Mähren. Anton H. Konrad Verlag, 2010.

„Adel in Schlesien“ Adelskultur und -geschichte sind keine nationalen, sondern nationenübergreifende Phänomene. Im größeren europäischen Kontext besitzen sie derzeit eine hohe wissenschaftliche Aktualität und haben im Kontext der erweiterten Europäischen Union eine besondere gesellschaftspolitische Bedeutung erlang. Bislang wurde dieses speziell für die schlesische Geschichte und Kultur zentrale Thema lediglich in Einzelaspekten aufgegriffen, jedoch noch nie in seiner Gesamtheit umfassend in den Blick genommen. Das deutsch-polnische Kooperationsprojekt „Adel in Schlesien“ untersucht Adelsherrschaft daher interdisziplinär unter historischen, kunsthistorischen und literaturwissenschaftlichen Aspekten. Das Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Schlesien hat nun in zwei Bänden die Forschungsergebnisse dieser Kooperation herausgegeben. Im ersten Band „Herrschaft, Kultur, Selbstdarstellung“ werden die Beiträge der gleichnamigen internationalen Tagung, die 2006 im Breslauer Rathaus stattfand, als erste Ergebnis der Zusammenarbeit polnischer, tschechischer und deutscher Fachleute abgedruckt. Der zweite Band „Repertorium: Forschungsperspektiven – Quellenkunde – Bibliographie“ versteht sich als Hilfsmittel für die internationale Adelsforschung. Erstmals werden die reichen Quellenbestände zur Geschichte des schlesischen Adels im Überblick erfasst und vorgestellt. Zugleich werden Besonderheiten der schlesischen Adelslandschaft vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert aufgezeigt und neue Forschungsperspektiven eröffnet. Eine ausführliche, auch literatur- und kunstgeschichtliche Themen einschließende Auswahlbibliographie dokumentiert nicht nur bisherige Schwerpunkte in verschiedenen Nationalhistoriographien, sondern regt auch gezielt zu neuen und vergleichenden Fragestellungen an. Adel in Schlesien Bd. 1: Herrschaft – Kultur – Selbstdarstellung. Hrsg. von Jan Harasimowicz. Oldenbourg, 2010. Bd. 2: Repertorium: Forschungsperspektiven – Quellenkunde – Bibliographie. Hrsg. von Joachim Bahlcke. Oldenbourg, 2010.

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Chronologie Mi jeweils 18.10 bis 20.30 Uhr Probe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft Ostpreußen-WestpreußenSudetenland Leitung:Radostina Kristova Do 04.11., 02.12., 09.12. | jeweils 19.30 Uhr Offenes Singen mit Barbara Schoch Raum 412 Fr 01.10. | 19.15 Uhr „1945 und kein Ende – Kindheit im Krieg, ein unabgeschlossenes Thema“ Vortrag von Prof. Dr. Michael Ermann Konferenzraum (Siehe S. 3) Fr 22.10. | 19 Uhr Theateraufführung „Der Biberpelz“ Komödie nach Gerhart Hauptmann Eichendorff-Saal Mi 27.10., 10.11., 15.12.| jeweils 15 Uhr Ostdeutsche Stickerei mit Helga Lehmann und Christel Knackstädt Raum 311 Mi 27.10. | 19 Uhr „Wer hat die Macht in Russland? Putin und Medwedjew zwischen Staatsbürokratie und Wirtschaftsoligarchie“ Vortrag von Prof. Dr. Margareta Mommsen WBZ Düsseldorf (Siehe S. 4) Fr 29.10. | 19.15 Uhr Autorenlesung Sabrina Janesch „Katzenberge“ Konferenzraum (Siehe S. 8 ) Sa 30.10. | 13.30 Uhr „Ein Pommer am Rhein – Zur Rezeption von Ernst Moritz Arndt 150 Jahre nach seinem

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Tod“ Vortrag von Dr. Norbert Schloßmacher Konferenzraum (Siehe S. 3) Do 4.11. | 10 Uhr „Wege nach Ratingen“ Projekttag mit den Schülerinnen und Schülern der KätheKollwitz-Schule Ratingen Fr 05.11. | 18 Uhr Jahresveranstaltung der Künstlerwerkstatt mit Ausstellungseröffnung von Gabriele Hornig und Karin Flörsheim Ausstellungsraum (Siehe S. 7) Di 09.11. | 13 - 15 Uhr Kinder Kino Fest „Die kleine Hexe“ Eichendorff-Saal (Siehe S. 10) Mi 10.11. | 19.15 Uhr „Fünfkirchen/Pécs – Ungarns Europäische Kulturhauptstadt 2010“ Vortrag von Dr. Harald Roth, Deutsches Kulturforum östliches Europa, Potsdam Konferenzraum (Siehe S. 4) Di, 16.11. | 19.15 Uhr „Kriegskindheit - konkret“ Präsentation eines Zeitzeugenprojekts Konferenzraum (Siehe S. 6) Mi 17.11. | 19.15 Uhr Verleihung des Andreas Gryphius-Preises 2010 Eichendorff-Saal (Siehe S. 9) Fr 19.11. | 17 Uhr Lesung Hannelore Rehm „Die Königstochter in der Flammenburg“ Konferenzraum (Siehe S. 10 ) Fr 19.11 | 19.15 Uhr „Von Schlesien nach Russland“ Konzert mit Klaus-Peter Riemer und Miyuki Brummer

Eichendorff-Saal (Siehe S.11) Sa 20.11. | 15 Uhr „Die Weihnachtsreise“ – Eine Theaterstunde mit Liedern und Geschichten Eichendorff-Saal (Siehe S. 8) Mi 24.11. | 18 Uhr Podiumsgespräch „40 Jahre Neue Ostpolitik – 20 Jahre deutsche Einheit – ein Blick von der ‚anderen Seite‘“ Ministerpräsident a. D. Dr. Lothar de Maizière im Gespräch mit Dr. Joachim Sobotta Eichendorff-Saal (Siehe S. 5) Do 25.11. |10 Uhr „Flucht und Vertreibung in Schulen und außerschulischer Bildung“ Herbsttagung und Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Ostdeutscher Heimatstuben Museum Stadt Königsberg, Karmel-Platz 5 in Duisburg Di 30.11. | 19 Uhr Staatskanzlei NRW Podiumsdiskussion „Den Anfang machte Willy Brandt. Zur Entwicklung der EU vom Warschauer Vertrag bis zu den östlichen Partnerschaften“ (Siehe S. 12) So 05.12. | 10 – 16 Uhr Ost- und Mitteldeutscher Weihnachtsmarkt in den Räumen des GerhartHauptmann-Hauses Di 07.12. | 19 Uhr Podiumsdiskussion „Das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin – Welchen Beitrag kann das Denkmal zur Förderung des nationalen und ferner des europäischen Zusammenhalts leisten?“ Eichendorff-Saal (Siehe S. 10)

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Der Architekt Erich Mendelsohn erbaute 1913 in seiner Heimatstadt Allenstein/ Olsztyn das Haus der Reinigung Bet Tahara, heute eines der letzten Zeugnisse des dortigen jüdischen Lebens. Die Kulturgemeinschaft Borussia, wichtigste Nichtregierungsorganisation im Nordosten Polens, setzt sich für den Erhalt des Gebäudes und den Ausbau zu einem Zentrum des interkulturellen Dialogs ein. Unter dem Titel „Polnisch-Jüdisch-Masurischer Dreiklang“ fand im September d. J. – u. a. in Zusammenarbeit mit dem GerhartHauptmann-Haus ein Benefizkonzert zugunsten des Projektes in der Düsseldorfer Stephanuskirche statt, das auch von dem bekannten Düsseldorfer Komponisten und Organisten Prof. Oskar Gottlieb Blarr (Bildmitte) unterstützt wurde.

Geöffnet

Servicezeiten der Verwaltung Mo-Do 8 - 12.30 ● 13 - 17 Uhr Fr 8 - 14 Uhr Servicezeiten der Bibliothek Mo-Mi 10 - 12.30 ● 13.30 - 17 Uhr Do 10 - 12.30 ● 13.30 - 18.30 Uhr Öffnungszeiten der Ausstellungen Mo - Fr 8 - 17 Uhr Sa auf Anfrage ● Sonn- und feiertags geschlossen

Viele weitere Informationen über das Gerhart-Hauptmann-Haus und zu den im Heft behandelten Themen finden Sie - rund um die Uhr - auch im Internet unter www.g-h-h.de.

Herausgeber: Stiftung „Gerhart-Hauptmann-Haus. Deutsch-osteurpäisches Forum“ Vorsitzender des Kuratoriums: Reinhard Grätz Vorsitzender des Vorstandes: Konrad Grundmann † Bismarckstr. 90 40210 Düsseldorf Postanschrift: Postfach 10 48 61 40039 Düseldorf Telefon: (02 11) 16 99 10 Telefax: (02 11) 35 31 18 Mail: bergmann@g-h-h.de Internet:www.g-h-h.de

Redaktion: PD Dr. Winfrid Halder, Chefredakteur; Dirk Urland M.A. Satz und Layout: Markus Patzke Herstellung: WAZ-DRUCK GmbH & Co. KG vorm. Carl Lange Verlag, Theodor-Heuss-Straße 77, 47167 Duisburg

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uf dem Podium: Professor Dr. Winfried Schulze (Bochum) als Leiter der Sektion 2 (Die Erfahrung des Nationalsozialismus) und Ute von Lüpke (Bochum) im Anschluss des Referats über „Geschichtsschreibung nach der `deutschen Katastrophe´ – Friedrich Meinecke und die deutschen Historiker in der Nachkriegszeit“. Die Konferenz „Historische Zäsuren und historiographische Konjunkturen im kurzen 20. Jahrhundert“ wurde veranstaltet vom Lehrstuhl für Neueste Geschichte und Landesgeschichte der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Prof. Dr. Christoph Nonn) in Kooperation mit der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus (PD Dr. Winfrid Halder). Die Tagung ging der Frage nach, welchen Niederschlag Zäsuren in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts in den Biographien und dem wissenschaftlichen Werk bedeutender Vertreter der Geschichtswissenschaft gefunden haben.

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Datum und 28Unterschrift

40 Jahre nachdem Willy Brandts Bild vor dem Warschauer Denkmal entstand, stellt sich die Frage nach der langfristigen Wirkung der seit 1970 in konkrete Vertragswerke umgesetzten Neuen Ostpolitik. Welche Bedeutung hatte sie auf dem Weg zur europäischen Einigung, auf deren Boden wir heute stehen?

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