Issuu on Google+

WOJ 15. Jg. - 4/2009

Oktober/November/Dezember 2009

ISSN 0947-5273

PreuĂ&#x;en, Profile, Prominente Begegnungen im Gerhart-Hauptmann-Haus


Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Inhalt Die Gründung der DDR vor 60 Jahren

3

20 Jahre nach dem Fall der Mauer

4

„Es stehen höhere deutsche Dinge auf dem Spiel“

4

Willy Brandt. Der andere Deutsche

5

Das Scheitern Weimars und die Entstehung des Grundgesetzes

6

Gerhart Hauptmann und Heinrich George

6

Kaiser Wilhelm II. (1859-1941)

7

„Uhren auf Schienen“

8

„Falschspieler“ – Michael Zeller liest aus seinem neuen Roman

9

Die friedliche Revolution 1989

9

20 Jahre nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs

10

„Die Flucht nach Ägypten“

10

Marion Gräfin Dönhoff (1909−2002). Ein widerständiges Leben

11

Rumänien konzertant

12

„…alle Menschen werden Brüder …“ 17 Stationen eines Schriftstellerlebens

17

„Die vergessene Front“ – Der Maler Ludwig Dettmann

18

„Kunstsalon Elbing“

19

Parlamentarier in Demokratie und Diktatur: Paul Löbe und Carl Ulitzka

20

Carl Ulitzka. Priester und Politiker in schwieriger Zeit

20

Adler über Schlesien

20

Preußen 1701−1947. Eine deutsche Geschichte

21

„Berlin Alexanderplatz“

22

Heinz lebt!

23

Peter Pan oder die Reise ins Land der Phantasie

24

Russlanddeutsche Kulturwochen

24

Bibliothek

25

Beilage Kontrapunkt: Dynamische Geste und fremde Wirklichkeiten

13

Roda Roda

15

Transparenter Kosmos

16

2

Das Jahr 2009 macht es einem schwer, besonders schwer, wenn es einem um eine das Wesentliche berücksichtigende Erinnerungsarbeit zu tun ist. Zu groß ist die Fülle der denkwürdigen Daten, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Vor 90 Jahren erhielt Deutschland seine erste demokratische Verfassung, vor 80 Jahren begann die Weltwirtschaftskrise, deren katastrophale Auswirkungen wir zur Genüge kennen. Vor 70 Jahren stürzte die NS-Diktatur die Welt in den Krieg, für den Deutschland so bitteren Tribut zahlen sollte. Vor 60 Jahren wurde die Bundesrepublik Deutschland, die zweite Demokratie auf deutschem Boden begründet – aber auch die DDR, welche in einem Teil Deutschlands die totalitäre Diktatur von rechts durch eine ebensolche von links ersetzte. Vor 40 Jahren wurde die erste sozialliberale Bundesregierung unter Willy Brandt als Kanzler gebildet, eine politische Wende, die manche als tiefgreifende „Umgründung“ der Bundesrepublik interpretieren. Und vor 20 Jahren schließlich wurde der „Eiserne Vorhang“ des Kalten Krieges in Europa endlich gelüftet und die Berliner Mauer eingerissen – wahrhaft weltgeschichtlich bedeutsame Ereignisse, die das heutige Gesicht des vereinten Europa überhaupt erst möglich machten. Ein Europa, in dem Grenzen kaum mehr noch sind als virtuelle Linien. Vieles von dem, was gerade genannt wurde, spiegelt sich in unserem Programm des letzten Quartals 2009. Wir hoffen, dass Sie die Gelegenheit zum gemeinsamen Gedenken zahlreich wahrnehmen werden. Kunst und Literatur, die von der Historie ohnehin nie wirklich zu trennen sind, kommen auch zu ihrem Recht. Kommen Sie dazu! Es schmerzt, manches doch beiseite lassen zu müssen – weil nicht Raum genug ist und Zeit. Zu erinnern wäre etwa auch an den 70. Todestag Ernst Tollers, der 1893 in Samotschin geboren wurde. Über sein Aufwachsen in Posen hat Toller mit „Eine Jugend in Deutschland“ ein noch immer eindrückliches Buch geschrieben. 1936, da war er wie so viele andere vom NS-Staat bereits ins Exil vertrieben. Die Machthaber hassten ihn, den Juden Toller, der 1914 begeistert als Freiwilliger für sein Vaterland in den Krieg gezogen war, den aufgrund seiner Tapferkeit zum Unteroffizier beförderten Toller, der aus dem furchtbaren Erlebnis des Grauens in den Schützengräben so ganz andere Konsequenzen zog als der Gefreite Hitler. Ernst Toller gehörte 1919 zu den Protagonisten der Münchner Räterepublik. Als diese blutig zerschlagen wurde, bezahlte Toller sein politisches Abenteuer mit fünf Jahren Gefängnis, zu denen er verurteilt wurde und die er auch abgesessen hat. Anders als Hitler, der wenig später auch in München putschte, zu fünf Jahren Haft verurteilt, jedoch nach neun Monaten wegen „guter Führung“ wieder entlassen wurde. Im Gefängnis reifte Toller zum Lyriker von Rang und bald auch zum furiosen Bühnenautor. 1933 stand sein Name auf der ersten Ausbürgerungsliste, mit der die Nationalsozialisten Toller und anderen das Recht aberkannten, sich Deutsche zu nennen. 1939 ertrug er nicht mehr, was aus seinem Vaterland wurde. Zu erinnern wäre etwa auch an den deutschen Patrioten Ernst Toller …

WOJ 4-2009


Vortrag

Mi, 07.10. | 19 Uhr

„Trabbi“ und Mauer sind zu Symbolen für die DDR geworden.

noch einer zu finden ist. Denn wer kann wie Werner Bader noch von sich sagen, er sei beim Gründungsparteitag der SED im April 1946 dabei gewesen? Wer kann heute noch von sich sagen, einer der Ersten gewesen zu sein, die die aufwühlenden Nachrichten vom Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953 in die Welt hinaustrugen? Das waren Erlebnisse, die für Werner Bader am Beginn seiner langen Journalistenkarriere standen, zu einer Zeit da er noch in West-Berlin für den „Kurier“ und dann für den „Spiegel“ arbeitete. Noch in den fünfziger Jahren freilich ist der gebürtige Brandenburger Bader „tief in den Westen“ gegangen, als er nämlich die Leitung des deutschen Programms der Deutschen Welle in Köln übernahm. Diesem Programm hat er dann jahrzehntelang seinen Stempel aufgedrückt, für die Deutsche Welle bereiste er die ganze Welt. Allerdings hat Bader sein Herkommen nie vergessen (und schon rein sprachlich auch niemals verleugnet), ein Teil seiner journalistischen Aufmerksamkeit blieb stets auf das Land östlich der Elbe gerichtet. In der DDR war er in Anbetracht seines fortwährenden Interesses und seiner kritischen Berichterstattung zeitweilig eine unerwünschte Person. Das hat Bader nicht daran gehindert, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit wieder dorthin zu reisen, um neuerlich Innansichten zu sammeln.

den dürfen sie nicht. Schon um der sicher über 1.000 Menschen willen nicht, die ihren Versuch von Deutschland nach Deutschland zu gelangen zwischen 1945 und 1989 mit dem Leben bezahlten. Und auch um der ungezählten Anderen willen nicht, die vom totalitären SED-Regime ihrer Freiheit, vielfach auch ihrer körperlichen und seelischen Gesundheit beraubt worden sind. So sollen die 60 Jahre der zweiten Diktatur in Deutschland Revue passieren – aus der Sicht eines Zeitzeugen, wie heute kaum

Davon wird Werner Bader berichten – wer ihn schon erlebt hat, weiß, dass der Journalist Bader, der unendlich viel geschrieben hat, noch immer auch ein mitreißender Erzähler ist. Er kennt nicht nur die Geschichte der DDR, sondern er ist auch in der Gegenwart der neuen Bundesländer angekommen – denn Werner Bader lebt inzwischen wieder, aktiv wie eh und je, in seiner brandenburgischen Heimat. Wir freuen uns auf einen spannenden Abend! Winfrid Halder

Kein Jubiläum – Die Gründung der DDR vor 60 Jahren. Zur Geschichte des zweiten deutschen Staates Vortrag von Werner Bader, ehem. Deutsche Welle Köln Im Mai 2009 wurde – zu Recht – mit großem Aufwand der Gründung der Bundesrepublik Deutschland vor 60 Jahren gedacht. Dem Inkrafttreten des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 folgte freilich ein weiterer denkwürdiger Tag, nämlich der 7. Oktober 1949, an dem im östlichen Sektor der Viermächtestadt Berlin die Deutsche Demokratische Republik aus der Taufe gehoben wurde. Mit der Rückendeckung und unter der Anleitung durch die sowjetische Besatzungsmacht schufen die deutschen Kommunisten um Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht die Gegengründung zur Bundesrepublik. Von vornherein sollte die DDR im Zeichen des Kalten Krieges das ideologische Gegenmodell zur entschiedenen Westbindung der Bundesrepublik darstellen. Auf deutschem Boden sollte die Systemkonkurrenz zwischen parlamentarischer Demokratie mit kapitalistisch verfasster Wirtschaft und „Diktatur des Proletariats“ mit sozialistischer Planwirtschaft auf kürzeste Distanz ausgetragen werden. Die KPD-Funktionäre, die sich bereits 1946 mit der SED ein entscheidendes Instrument zur Errichtung einer totalitären Diktatur geschmiedet hatten, gingen voll Selbstgewissheit in diese Auseinandersetzung – in der Überzeugung, dass der Sieg des Sozialismus ohnehin durch die Gesetze des „Historischen Materialismus“ zwangsläufig sei. Es kam, gottlob, anders. Die DDR ist seit fast 20 Jahren von der politischen Landkarte Europas verschwunden. Es gibt keine Mauer mehr, und es wird nicht mehr

WOJ 4-2009

auf Menschen geschossen, die sich etwa, aus Thüringen kommend, den Kirchturm des hessischen Dorfes, da hinten, nur ein paar Kilometer weiter, ansehen wollen. Die Todesschüsse sind Vergangenheit – vergessen wer-

3


Vorträge

Mo, 26.10. | 19 Uhr

Deutschland Ost und West – 20 Jahre nach dem Fall der Mauer. Eine vorläufige Bilanz Ministerpräsident a. D. Prof. Dr. Bernhard Vogel im Gespräch mit Dr. Joachim Sobotta Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Bernhard Vogel ist in mindestens einer Beziehung eine einzigartige Gestalt: Er ist nämlich bislang der einzige Politiker in Deutschland, der Ministerpräsident in einem der alten und in einem der neuen Bundesländer war. Seine Zeit als Regierungschef in Thüringen (1992-2003) bildete dabei den Abschluß einer langen Karriere. Der 1932 in Göttingen geborene Vogel hat Geschichte, Volkswirtschaft, Soziologie und Politikwissenschaft in München und Heidelberg studiert. Nach der Promotion schlug er zunächst die wissenschaftliche Laufbahn ein, bevor er seit Mitte der 1960er Jahre sein politisches Engagement als Christdemokrat in verschiedenen Ämtern verstärkte. Das 1965 erworbene Direktmandat im Deutschen Bundestag legte Vogel zwei Jahre später nieder, als er als Kultusminister in die rheinland-pfälzische Landesregierung berufen wurde. Nachdem Helmut Kohl 1976 die Führung der CDUFraktion im Bundestag übernahm, folgte ihm Bernhard Vogel im Amt des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz. Dieses legte er nach innerparteilichen Querelen 1988 nieder. Danach konzentrierte sich Vogel auf das bereits 1983 zusätzlich

übernommene Amt des Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung. Im Februar 1992 wurde Bernhard Vogel anstelle von Josef Duchac zum Ministerpräsidenten von Thüringen gewählt. Er übernahm damit die Führung dieses Bundeslandes zu einer Zeit, als die größten Probleme der Vereinigung von 1990 noch nicht einmal im Ansatz bewältigt waren. Die Regierung Vogel wurde in zwei Landtagswahlen im Amt bestätigt (1994 und 1999 mit Gewinn der absoluten Mehrheit). Im Jahr 2003 legte Bernhard Vogel das Amt des thüringischen Regierungschefs aus Altersgründen nieder. Im Jahr 2001 kehrte Vogel in das zwischenzeitlich abgegebene Amt des Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung zurück, das er bis heute innehat. Bernhard Vogel ist Träger zahlreicher nationaler und internationaler Auszeichnungen, unter anderem des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Er ist in Anbetracht seiner politischen Laufbahn prädestiniert wie kein Zweiter eine Bilanz der politischen Entwicklung Deutschland seit dem Fall der Berliner Mauer im November 1989 zu ziehen. Als kritischer Gesprächspartner

Di, 06.10. | 19 Uhr

„Es stehen höhere deutsche Dinge auf dem Spiel“ Gerhart Hauptmann und das „Dritte Reich“ Vortrag von Günter Gerstmann Die Rolle Gerhart Hauptmanns im NSRegime ist bis heute umstritten und wird weiterhin immer noch „kontrovers“ diskutiert. Das Verhältnis des Dichters zum NS-Staat war keineswegs eindeutig: es oszillierte zwischen Distanz und Empfänglichkeit für dessen Avancen. Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, hatte Gerhart Hauptmann den Zenit seiner Schriftstellerlaufbahn längst überschritten: Sein Drama „Die Weber“, das sein größter Bühnenerfolg war, erschien bereits 1892 und verschaffte ihm Weltruhm; 1912 wurde Hauptmann der Nobelpreis zuteil; 1922 kursierte das Ge-

4

rücht, der Dichter würde für das Amt des Reichspräsidenten kandidieren. Thomas Mann nannte ihn den ungekrönten „König der Republik“. Und 1932 zu seinem 70. Geburtstag, erhielt er höchste Ehrungen – so den Goethepreis, von der Regierung die Goldene Preußische Staatsmedaille. Aus Anlass des 100. Todestages Goethes hält der Dichter in Amerika Vorträge über Deutschlands größten Dichter. So war der nationalsozialistische Propagandaapparat von Anfang an bemüht, Gerhart Hauptmann für den Hitler-Staat zu nutzen – obgleich ja Alfred Rosenberg ihn in seinem „Mythus des 20. Jahrhunderts“

Prof. Dr. Bernhard Vogel steht ihm Dr. Joachim Sobotta gegenüber. Joachim Sobotta hat als Chefredakteur der „Rheinischen Post“ in Düsseldorf (19691997) die nordrhein-westfälische und deutsche Presselandschaft über viele Jahre hinweg mitgeprägt. Winfrid Halder

In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Düsseldorf. als „innerlich wertlos“ verunglimpfte. Tief enttäuscht über Hauptmanns Haltung nach dem 30. Januar 1933 schleuderte sein Freund Alfred Kerr aus Paris dem in Deutschland verbliebenen Dichter geradezu seine Verfluchung entgegen: „Dieser gar edle Dichter des Altruismus kriecht vor den Machthabern… und vergisst die Opfer. Er, er hatte die Pflicht anders zu sein… Es gibt keine Gemeinschaft zwischen mir und ihm… Hauptmann, Gerhart, ist ehrlos geworden…“ Die jüngsten Veröffentlichungen über das Verhältnis des Dichters zum Nationalsozialismus belegen wohl klar: Gerhart Hauptmann ist gewiss kein Dichter des „Dritten Reiches“ im engeren Sinne gewesen – aber er war auch kein entschiedener Widerstandskämpfer… und „wohl weit entfernt von jener herrscherlichen Attitüde (wie am Neujahrstag 1933) wie ein neuer Polykrates auf die Terrasse des Grandhotels Excelsior in Rapallo trat.“ D.U.

WOJ 4-2009


Vortrag

Mi, 04.11. | 19 Uhr

Willy Brandt. Der andere Deutsche Vortrag und Buchvorstellung mit Prof. Dr. Helga Grebing, ehem. Ruhr-Universität Bochum „Es ist eine kühne Vision, voller Möglich- gemacht, musste er vor dem NS-Regime keiten und Gefahren, ein Wiederaufleben ins Exil fliehen. Der Zwangsaufenthalt in der Träume von Einheit, die Europäer von Norwegen und später in Schweden hat Karl dem Großen bis Napoleon inspiriert Brandt zeit seines Lebens geprägt – und haben. Sie mag lange Zeit noch nicht die damals begründeten Freundschaften Wirklichkeit werden, wenn überhaupt. hat er gepflegt, etwa die mit dem späteren Aber indem er sie zum Ziel für alle Euro- österreichischen Bundeskanzler Bruno päer macht, ist Willy Brandt zum Mann Kreisky oder dem einflussreichen schwedes Jahres geworden.“ So begründete dischen Wirtschaftswissenschaftler und das renommierte New Yorker „Time“- Politiker Gunnar Myrdal. Magazin seine Wahl für 1970. Der sozi- Nach dem Zusammenbruch des NS-Regialdemokratische deutsche Bundeskanzler mes ist Willy Brandt rasch nach DeutschWilly Brandt, gerade land zurückgekehrt, zuetwas mehr als ein Jahr nächst als Korrespondent im Amt als Regierungsfür skandinavische Zeichef, hatte zu diesem tungen. In West-Berlin Zeitpunkt bereits den hat er sich jedoch bald der Moskauer Vertrag mit aktiven Politik gewidmet. der Sowjetunion und den Bereits seit 1949 gehörte Warschauer Vertrag mit er für die SPD dem ersten der Volksrepublik PoDeutschen Bundestag an. len abgeschlossen. Sehr Von Berlin aus wurde Wilrasch nach der Bildung ly Brandt in den folgenden der ersten sozialliberaJahren eine aus der westlen Koalition in der Gedeutschen Politik nicht schichte der Bundesremehr wegzudenkende publik im Oktober 1969 Prof. Dr. Helga Grebing Persönlichkeit. Wesenthatte Brandt begonnen, liche Zwischenstationen sein Konzept der „Neuen waren seine Wahl zum Ostpolitik“ in die Tat umzusetzen. Allen Regierenden Bürgermeister von Berlin innenpolitischen Widerständen zum Trotz (1957) und die als Nachfolger Erich Olist Brandt diesen Weg weitergegangen – so lenhauers zum SPD-Vorsitzenden (1964). war es in gewissem Sinne die Krönung Seit 1966 gehörte Brandt als Außenminisseines politischen Lebenswerkes, die ter und Vizekanzler der Bundesregierung Einlösung der von „Time“ 20 Jahre zuvor unter Kanzler Kurt Georg Kiesinger in der ausgemachten Vision, als er am Tag nach Zeit der ersten Großen Koalition zwischen dem Fall der Berliner Mauer 1989 den CDU/CSU und SPD an. berühmten Satz prägte, dass jetzt zusam- In seiner eigenen Kanzlerschaft errang menwachse, was zusammen gehört. Brandt große Anerkennung, etwa durch Bis dahin hat Willy Brandt in seinem die Verleihung des Friedensnobelpreises politischen Lebensweg manche Höhen an ihn im Jahre 1971, aber auch tiefe und Tiefen durchschritten. Der 1913 in Feindschaft. Im Mai 1974 endete seine schwierigen familiären Verhältnissen ge- Zeit als Regierungschef abrupt, als mit borene Lübecker hat frühzeitig begonnen, Günther Guillaume ein Spitzel des DDRsich politisch zu engagieren. Schon 1930 Staatssicherheitsdienstes in seiner unmitwurde er SPD-Mitglied, zu einer Zeit, als telbaren Umgebung enttarnt wurde. sich viele von den Parteien der die erste Bis zu seinem Tod im Oktober 1992 hat deutsche Republik tragenden „Weimarer sich Willy Brandt danach insbesondere Koalition“ ab- und den demokratiefeind- in der internationalen sozialistischen lichen Extremen von links und rechts zu- Bewegung und in entwicklungspolitiwandten. Kaum hatte der junge überzeugte schen Fragen engagiert. Im Dezember Sozialist in seiner Heimatstadt Abitur 1990 hat er als Alterspräsident die erste

WOJ 4-2009

Sitzung des kurz zuvor gewählten ersten Bundestages des vereinten Deutschland in Berlin eröffnet. Prof. Dr. Helga Grebing ist eine der führenden Expertinnen für die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung – und sie war viele Jahre eine politische Weggefährtin Willy Brandts. Die gebürtige Berlinerin war, nach der Promotion an der Freien Universität Berlin bei Hans Herzfeld, in verschiedenen Positionen in der Erwachsenenbildung tätig. Im Jahre 1971 wurde sie als Professorin für politische Wissenschaft an die Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität in Frankfurt am Main berufen. Bald darauf wechselte sie nach Göttingen; 1988 schließlich erhielt sie einen Lehrstuhl für vergleichende Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung an der Ruhr-Universität Bochum, wo sie 1995 emeritiert wurde. Helga Grebing hat zahlreiche Standardwerke zur Geschichte der Arbeiterbewegung und zur Sozialgeschichte verfasst. 1996 erhielt sie den Staatspreis des Landes NordrheinWestfalen. In ihrem Vortrag stellt Frau Prof. Grebing ihr im vergangenen Jahr erschienenes Buch über Willy Brandt vor. Winfrid Halder Das Buch: Helga Grebing „Willy Brandt. Der andere Deutsche“ ist 2008 im Wilhelm Fink Verlag erschienen ISBN: 978-3-7705-4710-4, EUR 19.90

5


Vorträge

Mi, 11.11. | 19 Uhr

Das Scheitern der Weimarer Republik und die Entstehung des Grundgesetzes Vortrag von Prof. Dr. Hans Mommsen Im Herbst 1929, vor 80 Jahren, ging mit dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft zugleich der Anfang vom Ende der ersten deutschen Republik einher. Die Weimarer Republik ging an der ökonomischen Misere zugrunde, aber auch an strukturellen Schwächen und langfristig angelegten problematischen Entwicklungen in der deutschen Geschichte. Nach dem beispiellosen politischen und moralischen Niedergang der zwölf Jahre der NS-Diktatur versuchten die verantwortlichen Politiker in Westdeutschland aus der Geschichte ganz unmittelbar Lehren zu ziehen. Ihnen wurde – im Unterschied zu den deutschen Kommunisten, die auf Geheiß der Sowjetunion zeitgleich die SED-Diktatur in der SBZ/ DDR errichteten – von den Westalliierten keine fünf Jahre nach dem von deutscher Seite begonnenen und verlorenen Krieg dazu erheblicher Gestaltungsspielraum eingeräumt. Das ist noch immer ein bemerkenswerter, ja staunenerregender Umstand. Und der Spielraum wurde auch genutzt. Schon 1956 schrieb der Schweizer Journalist und DeutschlandKorrespondent Fritz René Allemann „Bonn ist nicht Weimar“ und prägte damit einen Satz, der sprichwörtlich werden sollte. Tatsächlich haben insbesondere die Mitglieder des Parlamentarischen Rates 1948/49 die Schwächen der Weimarer Republik beständig vor Augen gehabt. Von den 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rates, die im am 1. September 1948 in Bonn zusammentraten, um eine neue Verfassung zu erarbeiten, waren 48 noch im 19. Jahrhundert geboren worden, so dass sie die Begründung der Weimarer Republik 1918/19 als längst erwachsene Menschen bewusst miterlebten. Um wie viel mehr galt dies für ihr Ende; die meisten der Mitglieder des Rates hatten ihre politische Tätigkeit längst vor 1933 aufgenommen und erlebten die folgende Katastrophe zum Teil sehr nah am eigenen Leibe. Der Vortrag richtet sich darauf, die historischen Entwicklungslinien zwischen „Weimar“ und „Bonn“ aufzuzeigen und

6

kritisch zu beleuchten. Prof. Dr. Hans Mommsen wurde 1968 auf den Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der damals neu gegründeten Ruhr-Universität in Bochum berufen. Von dort aus hat er jahrzehntelang die deutsche und internationale Zeitgeschichte mitgeprägt. Er hat entscheidende wissenschaftliche Beiträge insbesondere zur Geschichte der Weimarer Republik beigesteuert. Noch heute gehört Hans Mommsen zu den renommiertesten deutschen Historikern überhaupt. Winfrid Halder

In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Düsseldorf.

Prof. Dr. Hans Mommsen im November des vergangenen Jahres als Gast im Gerhart-Hauptmann-Haus

Di, 17.11. | 19 Uhr

Gerhart Hauptmann und Heinrich George: Ihre Beziehungen seit den Tagen des Kaiserreichs bis zum Jahre 1945 − Vortrag von Prof. Dr. Sigfrid Hoefert In den Darstellungen, die sich mit dem Leben und Werk Gerhart Hauptmanns befassen, ist das Verhältnis zu dem Schauspieler und Intendanten Heinrich George (1893 - 1946) meistens nur an untergeordneter Stelle beachtet worden. Relevante Äußerungen und die verschiedenen Begegnungen, zu denen es mit George kam, werden festgehalten. Die Untersuchung erfolgt mit dem Blick auf HauptmannRollen, die George verkörpert hat, sie berücksichtigt Pläne und Vorschläge, die von Hauptmann und George erörtert wurden, und schließt auch Begebenheiten auf persönlicher Ebene mit ein. Insgesamt ist George in 15 verschiedenen Hauptmann-Rollen aufgetreten, auf der Bühne und im Film. Sie reichen von Nebenrollen bis zu bedeutenden Hauptrollen, wie die des Florian Geyer oder Fuhrmann Henschel in den gleichnamigen Werken. Vor und während des Ersten Weltkrieges spielte George lediglich Nebenrollen. In der Zeit der Weimarer Republik übernahm er in stärkerem Maße Hauptrollen in Hauptmanns Dramen und avancierte

zu einem der besten Charakterdarsteller auf der deutschen Bühne. Die Gestaltung der Henschel-Figur im Jahre 1924 sowie sein Auftreten als Florian Geyer während der Heidelberger Festspiele im Jahre 1929 sind besonders zu vermerken. Während der Nazizeit übernahm George die Leitung des Schillertheaters. Was George auszeichnete, war seine Natürlichkeit und das Erfassen von Gegebenheiten, die im Text nur angedeutet sind. Das eigene Erleben der Rolle war für ihn die Voraussetzung für den schöpferischen Prozess. Für Hauptmann war George einer der wichtigsten Schauspieler für seine Rollen. Die vorliegende Korrespondenz umfasst die Zeit von 1925 bis 1945. Ein Schwerpunkt im Schriftverkehr bildet sich in den 40er Jahren. Der pommersche Schauspieler und der schlesische Dichter waren Weggefährten in einer schwierigen Zeit. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wurde George von der NKWD inhaftiert. Er starb während der Haftzeit.

Sigfrid Hoefert

WOJ 4-2009


Vortrag

Do, 03.12. | 19 Uhr

Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) in neuerer Sicht Vortrag von Prof. Dr. Christopher Clark, University of Cambridge Ohne Zweifel gehört Kaiser Wilhelm II. zu den nach wie vor bekanntesten, aber auch umstrittensten Persönlichkeiten in der deutschen Geschichte. Dies gilt auch noch 150 Jahre nach seiner Geburt (27. Januar 1859) fast 70 Jahre nach seinem Tod (04. Juni 1941). Der letzte deutsche Kaiser und zugleich letzte König von Preußen hat ungezählte und höchst widersprüchliche Urteile provoziert. Und dies schon während seiner Regierungszeit (18881918) und erst recht nach dem Untergang der Monarchie und der Abdankung des Kaisers 1918, die Wilhelm II. im niederländischen Exil noch um mehr als 20 Jahre überleben sollte. Auch nach seinem Tod – als die Niederlande, die Wilhelm II. trotz des politischen Drucks seitens der Siegermächte des Ersten Weltkriegs Asyl gewährt hatten, schon von den Truppen des NS-Staates überrannt und besetzt worden waren – blieb er Gegenstand heftiger Kontroversen. Bis heute weisen die Bewertungen selbst der Fachleute sehr große Unterschiede auf. Der britische Historiker John Röhl betrachtet Wilhelm II. aufgrund seiner angeblich zentralen Machtstellung an der Spitze des Reiches als den schlechterdings Hauptverantwortlichen für den Ersten Weltkrieg. Der lange Zeit an der Düsseldorfer Universität lehrende Wolfgang J. Mommsen sah den letzten Kaiser dagegen im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessengruppen eher als Getriebenen denn als souveränen Lenker. Und Hans-Ulrich Wehler, zweifellos einer der besten Kenner der Geschichte

WOJ 4-2009

des Kaiserreichs, kann in ihm gar nur den „Schattenkaiser“ erkennen, der von anderen mächtigen Persönlichkeiten an der Spitzen des Reiches überspielt oder gar instrumentalisiert wurde. Prof. Dr. Christopher Clark wird sich in seinem Vortrag mit der großen Spannbreite der Bewertungen Wilhelms II. auseinandersetzen. Clark gehört zu den führenden britischen Experten für die neuere deutsche Geschichte. Mit seiner 2007 erschienenen Geschichte Preußens hat Clark eines der erfolgreichsten historischen Bücher der letzten Zeit geschrieben. Inzwischen liegt „Preußen 16601947. Aufstieg und Niedergang“ in der achten Auflage vor, eine Sonderausgabe wurde außerdem in das Programm der Bundeszentrale für politische Bildung übernommen. Die enthusiastischen Besprechungen zu diesem Band reichten von der FAZ über Die Zeit bis zur TAZ. Vor wenigen Monaten erschien Clarks Buch „Wilhelm II. Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers“, welches seinerseits überaus positiv aufgenommen wurde. Der gebürtige Australier Christopher Clark hat zeitweilig an der Freien Universität Berlin studiert und lehrt an University of Cambridge Neuere europäische Geschichte. Prof. Clarks Vortrag steht in Zusammenhang mit der Jahrestagung der Preußischen Historischen Kommission, die diesmal im Gerhart-Hauptmann-Haus stattfindet. Dieses Gremium, das in enger Beziehung zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Prof. Dr. Christopher Clark steht, befasst sich mit der Erforschung der Geschichte Preußens in ihrer gesamten Bandbreite. Die Kommission versammelt die international führenden Experten. Das Rahmenthema der diesjährigen Tagung lautet „Kaiser Wilhelm II. und die Kunst“. Die einzelnen Vorträge, die vom 03. bis zum 05. 12. 2009 stattfinden, sind öffentlich. Das genaue Programm wird noch bekannt gegeben. Winfrid Halder In Zusammenarbeit mit der Preußischen Historischen Kommission. Anzeige

Ich war ein Wolfskind aus Königsberg Biographischer Roman von Ursula Dorn Über sechs Jahrzehnte sind vergangen, bis die 1935 in Königsberg (Ostpreußen) geborene Ursula Dorn den Mut fasste, das zu erzählen, was sie als 10jähriges Kind erfahren musste. Sie lebt heute mit ihrer Familie in der Nähe von Göttingen. In ländlicher Abgeschiedenheit hat sie die Ruhe gefunden, ihre Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg zu bewältigen. Die Erinnerungen an ihr Dasein als Wolfskind hat sie in einer packenden Geschichte verarbeitet. Edition riedenburg, ISBN 9783902647092

€19,90

7


Lesung

Di, 13.10. | 19 Uhr

„Uhren auf Schienen“ Ana Blandiana und Franz Hodjak lesen aus dem neuen Gedichtband der rumänischen Lyrikerin Ana Blandiana sei „die große Dame“ der rumänischen Lyrik. Sie sei, wenn auch spät, mit totalem Publikationsverbot belegt worden, politisch engagiert und leite gemeinsam mit ihrem Mann eine Gedenkstätte für die Opfer aus der Zeit der Diktatur in Rumänien. Diese spärlichen Informationen waren

Ihre Lyrik ist von täuschender Sanftheit; Schärfe gewinnt sie durch eigenwillige metaphorische Kombinationen, die sich zu vielschichtigen Gedankengebäuden fügen. Profanität und die Göttlichkeit verbinden sich in Ana Blandianas Lyrik zu überzeugender Harmonie. Es wurde über die Dichterin oft gesagt, dass ihre Lyrik eng an ihre soziale Biografie geknüpft sei. Das mag stimmen; aber es bedeutet doch nur, dass sie mit Mitteln der Poesie die Bedingungen der menschlichen Existenz am eigenen Beispiel reflektiert: unhermetisch, aufrichtig und subjektiv; dabei aber zu distanziert, um naiv zu wirken.“ Ernte

Ana Blandiana zunächst alles, was ich über die Dichterin erfuhr. Aber es gibt ja das Internet. Nach einigem Suchen finden sich Besprechungen und auch eine informative und umfangreiche Homepage der Dichterin. Ich lese: „Ana Blandiana ist nicht nur Lyrikerin, sie ist eine rumänische Kulturinstitution. Obwohl sie bis 1988 zu den am meisten gelesenen Autoren gehörte, mit einer Position im offiziellen Kulturbetrieb, mit Auslandsreisen, Preisen und fester Kolumne, war ihr Werk durchaus nicht staatstragend; aber es war eben auch lange Zeit nicht so offenkundig dissident, dass es der Zensur – von wenigen Ausnahmen abgesehen - unangenehm aufgefallen wäre. 1988 wurde sie mit völligem Publikationsverbot belegt; einzig ein Gedichtband konnte ein Jahr später erscheinen. Ihre Lyrik machte nicht die himmelschreienden Missstände des Ceauşescu-Regimes zum Thema, sondern das, was sie subjektiv auslösten: Entfremdung, Ich-Verlust, Angst. Und sie bedient sich dabei oft einer nur scheinbar harmlosen Naturmetaphorik.

8

Der Himmel beginnt beim Scheitel der Ähren, es scheint, als trüge jede von ihnen auf dem Kopf ein großes Gefäß voll heißen Himmels, und als schüttelte der Wind, ihre Häupter wiegend den Wein des Himmels. Der Himmel beginnt beim Scheitel der Ähren, und wenn unter der Mähmaschine die Ähren voll Wehmut knicken und fallen, ist es, als beugten sie sich bloß, um vorsichtig das Gefäß voll Himmel auf die Erde zu stellen. Die Homepage der Dichterin enthält auch Daten zu ihrer Biografie. 1942 wurde sie in Timişoara geboren. Ihr Vater war orthodoxer Priester; sie ist verheiratet mit Romulus Rusan. Ana Blandiana studierte Romanische Philologie an der Universität Cluj. Sie war lange Jahre als sehr erfolgreiche Schriftstellerin in Rumänien tätig, ihr Werk wurde auch im europäischen Ausland verbreitet. Wegen ihres bürgerschaftlichen Engagements wurde sie 1988 zur „Unperson“. Sie erhielt Publikationsverbot, ihre Bücher wurden aus den Bibliotheken entfernt, ihre Texte durften in den Schulen nicht mehr gelesen werden. Nach der Revolution in Rumä-

Franz Hodjak nien war Ana Blandiana u.a. eine der Initiatoren der Bürger-Allianz und leitete die Stiftung Bürgerakademie. Zusammen mit ihrem Ehemann initiierte und leitet sie die Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus im ehemaligen Gefängnis Sighet und das angeschlossene Zentrum für Studien über den Kommunismus in Bukarest. Das Dichten hat Ana Blandiana bei allem politischen Engagement nicht vernachlässigt. Ihr Werk, das neben der Lyrik auch Erzählungen und Romane, Texte für Kinder, Essays und Hörspiele umfasst, ist kontinuierlich weiter gewachsen und hat ihren Ruf als herausragende Poetin bestätigt und gefestigt. Ihr fünfter Gedichtband ist soeben in Deutschland erschienen: „Uhren auf Schienen“. Aus diesem zweisprachigen Buch liest die Lyrikerin hier im GerhartHauptmann-Haus ihre rumänischen Gedichte, eine Auswahl aus Texten, die in den letzten Jahren entstanden sind. Begleitet wird sie von ihrem kongenialen Übersetzer, dem Lyriker und Romancier Franz Hodjak, der ihre Gedichte übertragen – im besten Sinne „nachgedichtet“ – hat. Ob seiner Lyrik und Prosa und auch ob seiner Übertragungen aus dem Rumänischen wird Franz Hodjak von der Kritik hoch gelobt. Ebenso wie Ana Blandianas Werk ist auch sein Werk mit vielen Preisen ausgezeichnet und aus seiner Biografie ergibt sich die besondere Sensibilität für die Gedichte der Dichterkollegin. Er wird seine deutschen Übertragungen der Gedichte der Lyrikerin lesen. Helmut Braun

WOJ 4-2009


Lesung/Vortrag

Mo, 02.11. | 19 Uhr

„Falschspieler“ – Michael Zeller liest aus seinem neuen Roman Man hat’s nicht immer leicht mit den Kollegen der schreibenden Zunft. Das weiß auch Michael Zeller, der in seinem Leben als Autor gewissermaßen schon einmal die Seiten gewechselt hat. Hatte sich der 1944 in Breslau geborene Autor doch zunächst der Literaturwissenschaft verschrieben und in diesem Fach mit Promotion und Habilitation einige akademische Meriten geerntet. Daneben hat er für das Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gearbeitet, als Literaturkritiker mit wissenschaftlich geschultem Blick. Dann freilich hat Zeller etwas getan, was

Zeller im Frühjahr 2009 den Von-derHeydt-Kulturpreis in seiner Wahlheimat Wuppertal. Sich auf Lorbeeren auszuruhen, ist freilich Michael Zellers Sache nicht. In einem Alter, indem die meisten anderen an den geruhsamen Verzehr ihrer Rente denken (was im übrigen ganz legitim ist), ist er als Autor produktiver denn je. Vor kurzem ist „Der Schüler Struwe“ erschienen; auf den ersten Blick ein „kleines“ Werk, eine Erzählung von überschaubarem Umfang. Doch näher besehen handelt es sich um das beeindruckend dichte Porträt eines Menschen, der zum Außenseiter wird, jedoch keineswegs durch eigene Wahl. Am 21. August 2009 wurde unter freiem Himmel in der alten Hansestadt Soest Michael Zellers zweiaktiges Schauspiel „Die Soester Fehde“ uraufgeführt – er hat sich nun auch unter die Bühnenautoren begeben. Und das mit Erfolg. Kaum einer der ungezählten Zuschauer dürfte unberührt davon geblieben sein, wie Zeller das zeitlose Thema eines jungen Liebespaares, das zwischen die Mühlsteine gegensätzlicher Interessen gerät, mit dem authentischen historischen Stoff eines blutigen Machtkampfs der Jahre 1444/49 zwischen dem Erzbischof von Köln, der Stadt Soest und etlichen „großen

Herren“, darunter der Herzog von Kleve, verwoben hat. Und nun liegt unter dem Titel „Falschspieler“ Michael Zellers achter Roman vor, aus dem er lesen wird. Wir dürfen alle gespannt sein, denn das Thema, mit dem sich das Buch beschäftigt, ist der Betrug im Literaturbetrieb und das bürgt für Brisanz. Michael Zeller ist dem Gerhart-Hauptmann-Haus seit vielen Jahren verbunden. Eine Würdigung dieser Beziehung wird vor der Lesung Dr. Walter Engel vornehmen. Winfrid Halder

Mo, 09.11. | 19 Uhr Michael Zeller

nicht viele wagen: Er hat die sicherlich nicht unberechtigte Hoffnung auf eine wohlversorgte Professur drangegeben zugunsten der Existenz als freier Schriftsteller, ein Dasein also, das seit eh und je mit Gewissheit nur Ungewissheiten zu bieten hat. Das war 1982 – und es hat sich gelohnt, jedenfalls für die Leser. Seither hat Zeller sieben Romane, etliche Gedichtbände und zahlreiche andere literarische Arbeiten vorgelegt. Für sein Werk wurde er mit etlichen Stipendien und Preisen ausgezeichnet. Zuletzt erhielt Michael

WOJ 4-2009

Die friedliche Revolution 1989 Vortrag von Stephan Hilberg Stephan Hilsberg gehörte im Oktober 1989 zu den mutigen Gründern der sozialdemokratischen Partei in der DDR (damals SDP) – zu einem Zeitpunkt, als der baldige Zusammenbruch des SEDRegimes noch keineswegs sicher absehbar war. Für kurze Zeit stand Hilsberg, der aus der Bürgerrechtsbewegung kam, an der Spitze der Partei. 1990 ist er in den Deutschen Bundestag eingezogen, dem er bis vor kurzem angehört hat. Der stets streitbare Politiker zieht eine kritische Bilanz der vergangenen 20 Jahre und diskutiert mit der Staatsekretärin im Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und

Integration Dr. Marion Gierden-Jülich. Die Gesprächsleitung hat Tom Hegermann (WDR). In Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung NRW Veranstaltungsort: Maxhaus. Katholisches Stadthaus in Düsseldorf, Schulstr. 11, 40213 Düsseldorf Nähere Informationen und Anmeldung: Dr. Harald Bergsdorf, Landeszentrale für politische Bildung, Tel.: 0211/8618-4639; harald.bergsdorf@mgffi.nrw.de oder Herbert C. Cormann, Tel. 0211/8618-4622; herbert.cormann@mgffi.nrw.de

9


Lesung

Di, 10.11. | 19 Uhr

20 Jahre nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs Erinnerungen und Perspektiven aus tschechischer und ungarischer Sicht Jiří Gruša und György Dalos lesen und diskutieren Die damalige Tschechoslowakei und Ungarn haben beide im dramatischen Jahr 1989 eine besondere Rolle im Prozess des europäischen Umbruchs gespielt. Ungarn war das erste Land, das den Eisernen Vorhang lüftete, nämlich schon Anfang Mai. In den folgenden Monaten flohen Tausende DDR-Bürger über die geöffnete ungarische Grenze in den Westen. Eine weitere wichtige Etappe auf dem Weg zum Zusammenbruch der DDR und zur Herstellung der deutschen Einheit stellten die Vorgänge in und um die bundesrepublikanische Botschaft in Prag im Sommer und Herbst 1989 dar. Anfang November erlaubte die tschechoslowakische Regierung DDR-Bürgern die unbeschränkte Ausreise Richtung Westen. Seither haben beide Länder einen spannungsreichen Weg in die Europäische Uni-

on beschritten. Geschichte und Gegenwart sollen im Mittelpunkt der Reflexionen von Jiří Gruša und György Dalos stehen. Beide sind prädestiniert dazu: Der 1938 in Pardubice geborene Tscheche Gruša gehörte schon bald nach seinem Studium in Prag der literarischen Dissidentenszene dort an (so wie etwa Václav Havel auch). Rasch geriet er in Konflikt mit der Zensur; als er 1978 verhaftet wurde, entschloss sich Gruša zur Emigration noch im gleichen Jahr. Über Kanada und die USA kam er in die Bundesrepublik Deutschland. 1981 wurde Jiří Gruša die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft aberkannt. Nach der politischen Wende auch in seinem Heimatland wurde Gruša schon 1990 erster postkommunistischer Botschafter der Tschechoslowakei in der Bundesrepublik Deutschland. 1997 war er für kurze Zeit

Mi, 16.12. | 19 Uhr

„Die Flucht nach Ägypten. Königlich böhmischer Teil“ Eine adventliche Lesung aus Otfried Preußlers Werk Seit Jahrzehnten kennt (fast) jedes Kind Otfried Preußlers unvergleichliche Figuren: Den Räuber Hotzenplotz etwa, den Kater Mikesch, das kleine Gespenst oder etliche andere. Der 1923 geborene Preußler, der viele Jahre im oberbayerischen Rosenheim als Grundschullehrer wirkte, bevor er seine Erzählerleidenschaft ganz zum Beruf machte, ist nach wie vor einer der bedeutendsten lebenden Kinderund Jugendbuchautoren in Deutschland und weit darüber hinaus. Weltweit sind schätzungsweise 50 Millionen seiner Bücher in junge Hände gelangt. Weniger bekannt ist, dass er auch Bücher für Erwachsene geschrieben hat – dazu werden gewiss seine Erlebnisse aus der fünf Jahre andauernden Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion zählen, in die der blutjunge Soldat Preußler 1944 geriet. Die hat er, wie er im vergangenen Jahr in einem Interview zu seinem 85. Geburtstag erwähnte, zwar schon niedergeschrieben,

10

will sie aber erst nach seinem Tod der Öffentlichkeit übergeben wissen. Da wollen sich wohl alle Preußler-Leser gerne noch lange in Geduld fassen. Derweil können sie ja sein Buch „Die Flucht nach Ägypten“ lesen – oder wieder lesen. Otfried Preußler hat es 1981 publiziert. Hier schöpft der 1923 im böhmischen Reichenberg geborene Autor in besonderer Weise aus dem Geschichtenschatz seiner Heimat, in die er 1949 nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft nicht mehr zurückkehren konnte. „Die Flucht nach Ägypten“ ist eine Hommage an das alte Königreich Böhmen des 19. Jahrhunderts, auch eine augenzwinkernde Reverenz an die vermeintlich so unzeitgemäße Habsburgermonarchie, die 1918 zerschlagen, aber nicht wirklich durch Besseres ersetzt wurde. Das Buch ist darüber hinaus eine sprachliche Meis-

Bildungsminister in Prag bevor er den Botschafterposten Tschechiens in Österreich übernahm. Im Jahr 2004 wurde er, nach dem Ausscheiden aus dem diplomatischen Dienst Präsident des Internationalen P.E.N. Jiří Gruša ist Autor zahlreicher Gedicht- und Prosabände. György Dalos, sieben Jahre jünger als Jiří Gruša, wurde 1943 in Budapest geboren. Sein Vater starb an den Folgen der Zwangsarbeit, zu der er wegen seiner jüdischen Herkunft festgesetzt wurde. Nach dem Geschichtsstudium u. a. in Moskau arbeitete Dalos in Budapest im Museumsbereich, begann aber zugleich Anfang der 1960er Jahre erste Gedichte zu publizieren. Ähnlich wie Jiří Gruša geriet auch er schnell ins Visier der Behörden, da er zur demokratischen Opposition stieß. Seit 1984 lebte Dalos in der Bundesrepublik Deutschland und dann in Österreich. Dalos ist seinerseits nicht nur als Lyriker, sondern auch als Prosaschriftsteller von internationalem Rang hervorgetreten. Winfrid Halder In Zusammenarbeit mit dem Literaturbüro NRW und dem Heinrich-HeineInstitut Düsseldorf terleistung, angefüllt mit lebensklugem Humor. Wir wollen Sie dazu anregen, die Flucht, zu der sich Josef und Maria mit dem Jesuskindlein vor den Häschern des Herodes gezwungen sahen, mitzuerleben – jedenfalls deren Königlich-böhmischer Teil. Otfried Preußler weiß aus sicherer Quelle – nämlich den Erzählungen seiner Großmutter –, dass das heilige Paar mit seinem Kind von Bethlehem auf dem Weg ins Pharaonenreich ein ganzes Stück entlang des Sudetengebirges reisen musste, um seinen Weg dann durch Schlesien fortzusetzen. Was ihnen aber zwischen Schluckenau und Schatzlar widerfahren ist, das lässt uns Otfried Preußler wissen. Wir laden Sie ein zu einer adventlichen Lesung mit dem bekannten Rezitator Dr. Hajo Buch, der auch im GerhartHauptmann-Haus schon oft mit seiner Vortragskunst große Literatur zum Leben erweckt hat. Genießen Sie Otfried Preußlers Sprachkunst aus Hajo Buchs Mund und lassen Sie es sich zugleich mit Weihnachtgebäck gut gehen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch! Winfrid Halder

WOJ 4-2009


Lesung

Di, 08.12. | 19.30 Uhr

Marion Gräfin Dönhoff (1909−2002). Ein widerständiges Leben Alice Schwarzer liest aus ihrer Dönhoff-Biographie Am 2. Dezember 2009 wäre Marion Gräfin Dönhoff 100 Jahre alt geworden. Dies ist gewiss Anlaß genug der 2002 verstorbenen großen Publizistin zu gedenken. Nichts deutete auf ihre künftige Rolle als eine der einflussreichsten und prägendsten Journalistinnen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hin, als Marion Dönhoff 1909 als jüngstes von sieben Kindern August Graf Dönhoffs und seiner Ehefrau Maria auf Schloss Friedrichstein, unweit von Königsberg, geboren wurde. Wäre ihr Leben nicht durch das „Zeitalter der Extreme“ (Eric Hobsbawm) bestimmt worden, dann hätte sie ihre Tage womöglich als wohlsituierte Gutsherrin in ihrer ostpreußischen Heimat beschlossen. So wurde die promovierte Volkswirtin zwar noch die Verwalterin der Familiengüter (1938), dies aber zu einem Zeitpunkt, als die größte Katastrophe der deutschen Geschichte längst begonnen hatte und als das Wetterleuchten des großen Untergangs bereits gesehen werden konnte. Marion Dönhoff gehörte zu den Sehenden, wie nicht wenige aus ihrem engsten persönlichen Umfeld – und etliche davon haben ihre Wendung gegen das NS-Regime mit dem Leben bezahlt. Der Unscheinbarkeit ihrer Rolle als Kurier verdankte sie, dass sie nach dem 20. Juli 1944 von der Gestapo zwar verhört, aber nicht als Mitwisserin verhaftet wurde. Marion Dönhoff hat das mörderische Regime überlebt, freilich um den auch sie fürchterlich treffenden Preis des Heimatverlustes. Nach ihrer Flucht aus Ostpreußen im

WOJ 4-2009

Januar 1945 hat Marion Dönhoff rasch in Westdeutschland Fuß gefasst, sicherlich auch weil sie entschlossen war, die große „Wendung nach Westen“, die der freie Teil Deutschlands vollziehen konnte, aktiv mitzugestalten. Ihre journalistische Karriere begann schon Anfang 1946. Damals

lud das Gründungsteam der Wochenzeitung „Die Zeit“ um Gerd Bucerius sie zur Mitarbeit ein. Seither hat Dönhoff diese Zeitung mitgeprägt, nur kurz unterbrochen durch eine Tätigkeit für den britischen „Observer“ in London. Seit 1955 war sie in der Redaktion der „Zeit“ eine mit entscheidende Kraft, 1968 schließlich wurde sie Chefredakteurin. Spätestens seit dieser unruhigen Phase der Entwicklung der Bundesrepublik galt

Dönhoffs Wort viel. Bundeskanzler Willy Brandts „Neue Ostpolitik“ hat sie nachdrücklich unterstützt, doch wie schweren Herzens! Die Einladung Brandts, bei der Unterzeichnung des Warschauer Vertrages im Dezember 1970 dabei zu sein, hat sie ausgeschlagen – sie wollte nicht bei einem Schlüsselereignis einer Politik dabei sein, die sie für richtig hielt und die sie gleichwohl nur unter Schmerzen mitzutragen vermochte. Dönhoff gewann schon früh, viel früher als so viele andere, Klarheit darüber, dass Ostpreußen, ja dass der gesamte historische deutsche Osten durch den von deutscher Seite begonnenen fürchterlichen Krieg endgültig verloren war. Diese Einsicht hat sie auch immer wieder öffentlich formuliert und sich damit viele Feinde gemacht. Unbequem blieb sie immer, auch nachdem sie 1973 von der Chefredaktion in das Herausgeberkollegium der „Zeit“ gewechselt hatte. Noch nach der deutschen Vereinigung von 1990 blieb sie eine Mahnerin, die sich nicht scheute, Wahrheiten auszusprechen, die mancher lieber nicht gehört hätte. Marion Dönhoff hat neben ihren zahllosen Beiträgen für die „Zeit“ und andere Presseorgane eine erstaunliche Anzahl von Büchern geschrieben, darunter „Namen, die keiner mehr nennt“ (zuerst 1962 erschienen), ein elegisch-schönes Erinnerungsbuch an ihre Heimat in Ostpreußen, das 1988 mit „Kindheit in Ostpreußen“ seine kongeniale Ergänzung erhielt. Aus der Vielzahl der Auszeichnungen, die sie in ihrem Leben erhalten hat, sind der Friedenspreis des deutschen Buchhandels (1971) und sieben Ehrendoktorwürden hervorzuheben, darunter die der NikolausKopernikus-Universität in Thorn und die der Universität Kaliningrad. Referentin des Abends ist Alice Schwarzer, ihrerseits seit vielen Jahren eine der profiliertesten Publizistinnen in Deutschland. Alice Schwarzer hat Marion Dönhoff 1987 kennengelernt. Aus einem ersten Interview entwickelte sich eine enge persönliche Beziehung, so dass Frau Schwarzer 1996 die erste, noch von Marion Dönhoff selbst autorisierte Biographie ihrer großen Kollegin vorlegen konnte. Winfrid Halder

In Zusammenarbeit mit der VHS Düsseldorf. Veranstaltungsort: VHS Düsseldorf, WBZ, Bertha-von Suttner-Platz 1, Saal 1 Eintritt: 10 Euro (nur Abendkasse)

11


Jubiläen

Fr, 30.10. | 19 Uhr

Rumänien konzertant Bukarester „Archaeus“-Ensemble gastiert im GHH Das Ensemble „Archaeus“, 1985 in Bu- Preis der rumänischen Musikkritiker, der karest gegründet, zählt heute zu den be- Fachzeitschrift „Actualitate musicală“ und deutendsten Interpreten zeitgenössischer der „Soros“-Stiftung. Musik. Erst im September begeisterte Der Komponist, Musikwissenschaftler das Orchester das Publikum mit seinem und Dirigent Liviu Dănceanu, Gründer Auftritt beim international renommierten und künstlerischer Leiter des „Archaeus“„George Enescu-Musikwettbewerb“ in Ensembles, wurde 1954 in Roman (Molder rumänischen Hauptstadt. dau/Rumänien) geboren. Studium am Mit dem Ziel, eine „Werkstatt“ für rumäni- Musiklyzeum in Bacău und Bukarest sche Gegenwartsmusik zu schaffen, führte sowie am Konservatorium „Ciprian der Komponist Liviu Dănceanu Anfang Porumbescu“, der heutigen Nationalen der 1980er Jahre eine Gruppe gleichge- Musikuniversität Bukarest, u. a. bei Ştefan sinnter Musiker zusammen. Niculescu, Aurel Stroe, Dinu Ciocan, Das umfangreiche Repertoire des Liviu Comes und Adrian Raţiu. „Archaeus“-Ensembles basiert auf der by- Lehrtätigkeit als Professor für Musikgezantinischen Musiktradition der Orthodoxen Kirche und umfasst darüber hinaus Stilelemente der Renaissance, des Barocks, der Klassik und Romantik. Die Präsentation der verschiedensten Entwicklungen zeitgenössischer Musik ist für die Künstler jedoch die hervorragendste Aufgabe ihrer Arbeit. Über 300 Konzerte gaben die Musiker inzwischen in Europa und in den USA, bei denen sie Das Bukarester „Archaeus“-Ensemble über 550 Werke rumänischer und internationaler Komponisten interpretierten – viele schichte und Musiktheorie, Komposition davon in einer Premiere. und Instrumentenkunde in Bukarest. Neben den Auftritten bei weltweiten Liviu Dănceanu organisierte „Die zeitFestivals, u. a. in Paris, Berlin, Salzburg, genössischen Musiktage“ in Bacău und Kopenhagen, Moskau, Rom und New die „Internationale Woche für die neue York, veröffentlichte „Archaeus“ zahl- Musik“ in der rumänischen Hauptstadt. reiche CD’s, Audio- und Videokassetten, Gastprofessor an den Musikhochschulen die das vielfältige künstlerische Schaf- in München und Detmold sowie am „Exfen dokumentieren. Für Dokumentar-, perimental Music Centre“ der MusikuniAnimations- und Experimentalfilme versität Carbondale. schuf das Ensemble die eindrucksvolle Für seine Arbeit wurde Liviu Dănceanu u. Filmmusik. a. mehrfach vom rumänischen KomponisDer Kritiker Costin Cazaban hob in der tenverband ausgezeichnet. Zeitschrift „Le Monde de la Musique“ die Ohne die aktive Präsenz des „Archaeus“„Kontinuität und Tiefgründigkeit“ des Or- Ensembles ist ein Festival der zeitgenöschesters hervor, das seit seiner Gründung sischen Musik in Rumänien heute nicht mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet mehr vorstellbar. wurde. So erhielt die Gruppe u. a. den Liviu Dănceanu betrachtet sich selbst als

12

„music-trotter“, einen Musikwanderer, der in der Landschaft der zeitgenössischen und der klassischen Musik stets unterwegs ist; auf der Suche nach dem Wesentlichen unter dem oberflächlichen Aspekt verschiedener Techniken: „Ich glaube, ich könnte nicht bei derselben Beschäftigung bleiben, der Sklave eines einzigen Themas sein, sei es auch ein Thema mit Variationen. Der Komponist, wie jeder Schaffende, ist ein virtueller Wanderer, als Irrender, Missionar, Eroberer vermummt. Manchmal funktioniere ich wie ein Bumerang: einmal das Ziel erreicht, komme ich wieder zurück nach Hause. Während meiner Wanderungen ist jedes Ereignis ein virtuelles Ziel; ich bin neugierig auf Impressionen, die ich von aller Musik sammle. Ein andermal bin ich von einem einzigen Gedanken geleitet, ich suche etwas bestimmtes, eine neue Klangfarbe, eine neue Form von Klangrelief.“ Aufgeführt werden Werke von: Dan Dediu – „Gothic Concert“; Corneliu Dan Georgescu – „Studiu pentru columna infinita”; Horia Surianu – „Diffractions brisées”; Eugen Wendel – „Transsonant”; Liviu Dănceanu – „La musique du rire et de l’oubli” Ausführende: Dorin Gliga (Oboe), Alexandru Matei (Schlagzeug), Rodica Dănceanu (Klavier, Keyboard), Şerban Novac (Fagott), Ion Marius Lacraru (Violine). Anca Vartolomei (Cello), Vasile Mocioc (Klarinette), Dirigent: Liviu Dănceanu Dirk Urland Gemeinsame Veranstaltung mit dem Rumänischen Kulturinstitut Titu Maiorescu, Berlin Eintritt frei!

WOJ 4-2009


kontrapunkt Dynamische Geste und fremde Wirklichkeiten Die Künstlerwerkstatt und ihre komplementäre Funktion 34,4 Grad im Schatten. Es war der heißeste Tag des Jahres in Düsseldorf. Ein kurzer Regenschauer zerschmolz auf dem aufgeheizten Stein der Stadt, begleitet von einem verzagten Windchen, dem schon vor der nächsten Ecke an der Graf Adolf-Straße der Atem wegblieb. Der Sommer zeigte an diesem 20. August alles, was er zu bieten in der Lage ist, und wer den Sommer mag, wird bei aller mit Hitze verbundener Unbequemlichkeit diesen Tag nicht nur als ungewöhnlich angenommen haben, sondern auch mit der inneren Befriedigung, dass richtige Sommer am Niederrhein nicht undenkbar geworden sind. Ein Pendant mit der für ausgerechnet diesen Abend angesetzten Jahresveranstaltung der Künstlerwerkstatt im Ausstellungssaal des Gerhart-Hauptmann-Hauses in der Bismarckstraße drängt sich zwar nicht gerade auf, lässt aber die erfreuliche Feststellung zu, dass ein Jahr der Pause die Aktivität der Künstlerwerkstatt eher beflügelt als stillgelegt hat. Die neue Kunstausstellung mit Werken von Era Freidzon und Reim Kasper und das künstlerische Programm des Eröffnungsabends haben jene Frische gezeigt, die für eine Arbeitsgruppe existentiell ist und ihren Bestand rechtfertigt. Die Künstlerwerkstatt im Gerhart-Hauptmann-Haus wollte von Anfang an nicht eine von Satzungen und Sentenzen eingeschnürte Körperschaft sein, nicht ein Verein von Liebhabern, ja nicht einmal von Gleichgesinnten. In einer freien, lockeren Verbindung wollte und will sie Künstler und Autoren dazu anregen, Gedanken auszutauschen, Interferenzen wahrzunehmen und diese kreativ umzusetzen. Dabei haben sich beachtliche künstlerische Annäherungen ergeben, die zur Gestaltung desselben Themas mit unterschiedlichen Ausdrucksmitteln führten: zu einem Bild wurde ein Text gestellt oder umgekehrt, oder man gewann in angeregter Gegenseitigkeit einen geschärften Blick für das, was uns bewegt und zur Gestaltung drängt. Das ist, zugegeben, so neu nicht. Professor Oskar Gottlieb Blarr hat bereits im Vorfeld zur Künstlerwerkstatt zwei Duos für Klarinetten B auf zwei Bilder der Dortmunder Künstlerin Ulla Dretzler komponiert (sie wurden wiederholt zur Aufführung gebracht), und Franz Heinz hat mehrfach Texte zu Farbholzschnitten von Marie-Luise Salden geschrieben. Diese erfolgreiche Dualität im Vorfeld der Künstlerwerkstatt war mitentscheidend für die Überlegung, gegenüber kreativer Interferenzen offen zu sein. Die nicht seltenen Doppelbegabun-

WOJ 4-2009

gen im unmittelbaren Umfeld kommen diesem Anliegen entgegen und zeigen, wie gegenwärtig Wille und Fähigkeit für eine zweite Ausdrucksform auch bezogen auf die Einzelperson sein können. Helga von Berg-Harder, in Ratingen-Lintorf ansässig, ist als Kunstfotografin und Aquarellistin hervorgetreten, Horsthardi Semrau (Duisburg) und Gepa Klingmüller (Düsseldorf) sind als Maler und Dichter bekannt, und Reim Kasper (Kamen) firmiert zugleich für Malerei, Grafik, Plastik und Gestaltung im urbanen Raum. Eine solche Vielseitigkeit äußert sich vor allem in einem packenden Oevre, wie es auch in der Ausstellung im GerhartHauptmann-Haus sichtbar geworden ist. Der grafischen Begabung und Ausbildung von Reim Kasper verdanken wir Plakat, Einladungskarte und Katalogblatt zur Jahresveranstaltung, jedes für sich künstlerisch gediegen und eigenwillig gestaltet. Was Reim Kasper in der Düsseldorfer Ausstellung zeigt, bestätigt seine Fähigkeit, mit Einfallsreichtum und technischer Raffinesse zu überraschen. Er verzichtet auf die herkömmliche Rahmung und verleiht seinen Arbeiten auf in den Raum vorragenden Kästen und nach außen gewölbten Bildflächen eine ebenso unübersehbare wie unaufdringliche Plastizität. Ulla Dretzler, die in die Ausstellung einführte, wies auf die dynamische Geste hin, die das Werk des Kamener Künstlers bestimmt, auf die neue poetische Existenz der in die Bildobjekte eingefügten, teils gefundenen, teils gefertigten Materialien. Seine „Landschaften“, Visionen und Motive aus dem unmittelbaren persönlichen Umfeld lassen erkennen, wie der Künstler seine Themen, Motive und Inspiration vor der Haustür findet und in ihrer universellen Gültigkeit künstlerisch verwendet. Es mag nicht zuletzt diese spürbare humane Dimension im Werk von Reim Kasper Fortsetzung auf Seite 14

Literatur aus Südosteuropa vorgetragen von Dr. Walter Engel und Franz Heinz (oben), Irina Goubernik tanzt zur Komposition von Astor Piazolla. Am Klavier Roger Dretzler; Blumen für Ulla Dretzler (l.) und die Künstler Era Freidzon und Reim Kasper; Besucher in der Ausstellung

13


kontrapunkt sein, die am Eröffnungsabend vordergründig auf die Besucher wirkte. Die großen dramatischen Tafeln von Era Freidzon, im Gegenüber zu Reim Kaspers durchhellten Objekten, überwältigen durch Intensität und Schonungslosigkeit der Darstellung. Fern aller Gefälligkeit überlagern sich Rot- und Grauflächen und umfließen Körper, Köpfe und Gliedmaßen, überzeichnet von Geräten und Wirbeln und überschattet von unstillbarem Leid. Aus der Republik Moldova 1992 zugewandert und vom jüdischen Schicksal in Osteuropa nachhaltig versehrt, aber auch gestärkt, appellieren ihre Bilder an das Gewissen der Welt. Für das Gerhart-Hauptmann-Haus hat die Künstlerin Bilder aus den Zyklen „Medea“ und „Meine Ahnen“ ausgesucht, in denen das Unfassbare geschieht und unbewältigt bleibt. Ulla Dretzler sprach von Erinnerungsbildern im Werk von Era Freidzon, von Fragmenten verschiedener Wirklichkeiten, von Erträumtem und Erlebtem. Es sind „Gedankenbilder aus dem Unbewussten“, die sich nicht immer auf den ersten Blick erschließen, um dann eine um die Wahrheit besorgte Unruhe zu hinterlassen. Von geradezu plastischer Tonalität war der musikalische Vortrag, mit dem der Pianist Roger Dretzler den Eröffnungsabend bereicherte. Er spielte „Las Cuatro

Nachrichten

Nachrichten

Z

um Thema „Reflexionen zu Sein und Schein“ zeigte die Künstlerin Hildegund Rißler Plastiken aus Papier in der Hauptstelle der Sparkasse Essen. Ausgestellt waren neben zwei Meter hohen Tafeln (Japanpapier und Acryl auf Leinwand) Köpfe aus dem gleichen Material. „Hier wird nicht auf dem Papier, sondern mit ihm gearbeitet“, erklärt die Künstlerin auf einem Leporello zur Ausstellung, das auf 12 Tafeln Reproduktionen der in Essen ausgestellten Arbeiten präsentiert und in einem Begleittext in englischer und deutscher Sprache auf das Thema und seine künstlerische Umsetzung eingeht. „So wie Papier verletzlich, leicht zerstörbar ist, so ist es auch der Mensch“, vermerkt Hildegund Rißler zu ihren Arbeiten, „ wenn sein Schein konsequent hinterfragt wird.“

Z

ur Aktion „Kunstpunkte 2009 - Offene Ateliers in Düsseldorf und Umgebung“, hat die Foto-Künstlerin Helga

14

Estaciones Portenas“ von Astor Piazolla, für das Klavier bearbeitet vom Interpreten, tänzerisch begleitet von Irina Goubernik. In St. Petersburg geboren und bereits mit neun Jahren an der dortigen Waganowa Ballettakademie eingeschrieben, erfolgte ihre künstlerische Weiterbildung beim Marinskij Balletttheater. Szenisch ebenso einfallsreich wie elegant übertrug sie die quirligen musikalischen Passagen des Klaviervirtuosen in fließende Bewegungsabläufe mit erzählerischen Sequenzen und grazil eingeflochtener Ballettkunst. Das Publikum applaudierte ausgiebig für die Darbietung und zeigte sich dankbar für den dadurch aufgewerteten Ausbau des Programms. Mit wachem Interesse wurde die Lesung aufgenommen. Anders als bisher lasen nicht Autoren der Werkstatt eigene Texte. Mit einer Auswahl von Gedichten und Kurzprosa, vorgetragen von Dr. Walter Engel und Franz Heinz, wurde auf die vor dem Zweiten Weltkrieg entstandene und heute kaum noch bekannte literarische Landschaft Südosteuropas hingewiesen. Ausgewählt wurden Texte jiddischer und deutscher Autoren, in denen schon früh die bedrohte Existenz einer vielsprachigen Kulturlandschaft heraufdämmert. Sie reichte von den Waldkarpaten im Norden bis zur Drau im Süden und umfasste eine der vielfältigsten sprachlichen und ethni-

Nachrichten

Nachrichten

von Berg-Harder in Ratingen-Lintorf die Besucher mit neuen Arbeiten überrascht. Es sind Bilder, die in einem neuen technischen Verfahren entwickelt wurden, wobei in einer Wechselwirkung von Fotografie und Aquarell ungewöhnliche Effekte erzielt und zu Bildaussagen verdichtet werden. Helga von Berg-Harder ist bereits mit ihrer „Fotolyrik“ und der viel beachteten Schachfiguren-Reihe hervorgetreten und hat sich als Mentorin der Foto-Arbeitsgruppe „Haan-Creativ“ Verdienste erworben.

I

schen Übergangsregionen in Europa. PD Dr. Winfrid Halder, Direktor des Gerhart-Hauptmann-Hauses, verwies in seiner Begrüßung auf die komplementäre Funktion der Künstlerwerkstatt im Rahmen des vielseitigen und anspruchsvollen Programms der Stiftung. Dieses bleibt in Zuordnung und Ausrichtung nicht ohne Auswirkung auf die Tätigkeit der Künstlerwerkstatt. Auf den traditionellen Stammtisch, der zum regelmäßigen Gespräch einlud und programmatisch auf die Tätigkeit der Werkstatt einwirkte, wird weiterhin verzichtet; über die laufende Aktivität und die Zielvorhaben wird jeweils von einer projektgebundenen Arbeitsgruppe entschieden. Beibehalten wird die jedem zweiten „West-Ost-Journal“ beigefügte Beilage „kontrapunkt“ mit Künstlerporträts, literarischen Texten, Werkstattberichten und Nachrichten aus der Kulturszene. Es wird daran gedacht, im kommenden Jahr die Albumblatt-Reihe der Werkstatt wieder aufzunehmen und kontinuierlich fortzusetzen. Die bisher erschienenen vier Albumblätter (Gerhard Schwarz, Marie-Luise Salden – Franz Heinz, Gepa Klingmüller, Franz Kumher – Paul Celan) fanden eine gute Aufnahme, wobei es gelang, die kreative Kooperation innerhalb der Werkstatt zu befördern und herauszustellen. F.H.

m Bukowiner „Haus der Freundschaft“ in Suceava/Rumänien hat Bayerisch Schwaben als erster Partnerbezirk sein Büro eingerichtet. Die Eröffnung erfolgte am 8. August gelegentlich des ersten „Tages des Bezirks Schwaben“ im Bezirk Suceava und der Eröffnung der Ausstellung „Farben Europas“ mit Gemälden des schwäbischen Künstlers Jacob Vogt

Nachrichten

(Rom). Betreut wird das Büro von einer Fachkraft der Universität Suceava, die auch die Herausgabe des mit Hilfe des Europabüros des Bezirkes in deutscher Sprache erscheinende Info-Blattes der Universität betreut.

D

ie Stelle eines Stadtschreibers wurde vom Literaturhaus Berlin in Zusammenarbeit mit der siebenbürgischen Stadt Hermannstadt/Sibiu zum zweiten Mal ausgeschrieben. Als Bewerber sind Autoren zugelassen, die deutschsprachige Veröffentlichungen vorweisen können. Die Stadtschreiberstelle ist mit einem monatlichen Stipendium von 1200 Euro sowie einer kostenlosen Wohnmöglichkeit in einem alten Stadtbürgerhaus verbunden. Die Dauer des Aufenthalts beträgt fünf Monate, mit Beginn am 1. Oktober.Hermannstadt war 2007 Europäische Kulturhauptstadt und besitzt ein intaktes mittelalterliches Stadtbild.

WOJ 4-2009


kontrapunkt Roda Roda Johannes Amandus Wagenschmierer Geboren wurde Roda Roda, alias Sándor Friedrich Rosenfeld, am 13. April 1872 in Mähren, aufgewachsen ist er auf der Puszta Zdenci in Slawonien, 1945 verstarb er in New York. Er war österreichischer Offizier, Publizist und Autor von Romanen und Komödien. In seinen Satiren begleitet er die ihrem Ende entgegen gehende alte Donaumonarchie mit literarischer Verdrossenheit und schicksalhafter Zugehörigkeit. Er bezeichnete die Satire als „Weisheit, die sich geärgert hat“. Uns Jungen klingt der Name Johannes Amandus Wagenschmierer so vertraut, daß wir ihn uns vom Sternenhimmel deutscher Kunst kaum mehr wegdenken können. Und doch gab es eine Zeit, wo Wagenschmierer völlig unbekannt war – und mit ihm die ganze von ihm vertretene Richtung. Mein Oheim, der berühmte Kritiker Roda, litt bekanntlich an Gehirnerweichung; trotz seinen körperlichen Qualen trug er bis an sein Ende heldenmütig der jüngeren Kunst das Banner voran. Er darf auch das Verdienst beanspruchen, Wagenschmierer entdeckt zu haben. Ich habe alle Kämpfe meines Oheims für seinen nun so großen Schützling fühlend miterlebt – Kämpfe, die unserem Zeitalter so fern liegen, daß die Kunde davon uns wie Legende klingt. Es war in den Tagen der großen Erhebung. Die Kunst hatte vormals nur auf den Brettern, dem Papier, der Leinwand und im Marmor gelebt – nun begann sie, sich langsam weitere Gebiete zu erobern. Dem Haus und seiner Einrichtung, der Kleidung, dem Juwelenschmuck, ja bald auch jeglichem Gegenstand des täglichen Gebrauchs drückte die Kunst ihren Stempel auf. Was uns heute unumstößliche, kaum mehr beachtete Alltäglichkeit dünkt – die edel geschwungene Zigarre, der stilisierte Zylinder- Roda Roda hut, das anmutig beschnittene Zeitungsblatt – all das stak damals in starren, eckigen Formen und mußte erst stückweis der neuen Linie unterjocht werden. Wer je eine Lebensbeschreibung meines Oheims gelesen hat, weiß, wie unstillbar seine Ehrgeize waren. Ich erinnere mich deutlich des Tages, wo das Beerdigungswesen mit Sarg und Klang in unser Lager einschwenkte. Mein Oheim hatte – im Drang andrer Geschäfte – das Beerdigungswesen zu veredeln vergessen und fühlte sich nun beinahe verletzt, jedenfalls aber zu schier fanatischem Eifer angespornt für die Erschließung unbeachteter Kunstgebiete. Er stellte eine schöne schlanke Dame vor die Öffentlichkeit, die – statt der hergebrachten Walzer − Gravitationslehre tanzte und Einsteintheorie. Doch soviel Beifall ihm für die Verquickung von Wissenschaft und Tanz wurde – mein Oheim war nicht befriedigt. Der Lärm des Kunstmarktes übertäubte die stille Übung der Mänade. Tag und Nacht marterte mein Oheim sein armes Hirn, um noch mehr zu leisten, alle Mitstrebenden zu übertrumpfen. Es gelang ihm. Johannes Amandus Wagenschmierer war es, der für den berühmten Kritiker die Staffel abgab zum Gipfel des Ruhmes und damit selbst eine Stufe gediegenen Erzes wurde am Altar der Kunst. Auf einem sommerlichen Ausflug vor die Mauern Wiens hörte

WOJ 4-2009

mein Oheim Musik aus einem Biergarten schallen. Es war ein Schrammelquartett mit Harmonika, Gitarre und zwei Geigen, zu dem der Wagenschmierer-Schani seine rohen Dudler pfiff. Wie ein elektrischer Schlag durchfuhr es meinen Oheim: einen Kunstpfeifer hatte die Welt noch nicht. Eine Viertelstunde später war der Wagenschmierer-Schani gewonnen. Emsiges gemeinsames Studium begann. Niemand wird zweifeln, daß Schani ein gelehriger Schüler war. Nach vier Wochen pfiff Hans Wagenschmierer schon Beethoven wie eine Nachtigall – nach zwei Monaten debütierte Johannes Wagenschmierer mit Arnold Schönberg in einem intimen, begeisterten Kreis – und pfiff bald auch öffentlich im großen Musikvereinssaal. Welche Brünste er entfachte, muß man gesehen und gehört haben. Als er Pan pfiff, lallten die weltentrückten Zuhörer in edeln Wahnsinnen mit. Herren und Damen zerrissen ihre Gewänder und wollten nackte Pelasger werden. Johannes Amandus Wagenschmierer stimmte den Sang Zarathustras an – und viertausend Brauen runzelten sich, die Augen rollten, das Mitleid floh aus den erstarrten Herzen. Nur eins blieb weich: das Hirn meines Oheims. Am Tag nach dem großen Triumph folgten wir seinem Sarg – dem ersten übrigens, der sich in schwungvollen Kurven krümmte. Johannis Amandi Wagenschmierers Wege aber führte auch ohne die Leitung des ästhetischen Mentors hinan. Man weiß, was ein Kunstpfeifer heute der Musik bedeutet, wie gründlich er den Wert des Wagnertenors zu seinen Gunsten umgewertet hat. --- Unlängst habe ich Johannem Amandum Wagenschmierern wiedergesehen. Er war, mit Schätzen reich beladen, aus Amerika zurückgekehrt. So unzugänglich der Meister sonst für Besucher ist – mich, den Neffen seines Vorkämpfers, empfing er in seinem scharlachenen Arbeitszimmer, wo er über der Menschheit große Gegenstände grübelt, um sie in Töne umzulinieren. Zagend hatte ich mich genaht – er aber, der einen Blick für echte Andachten hat, richtete mich auf. Mit einfachem Wort rief er die Erinnerung wach an seine vormaligen Verborgenheiten. „Manchmal schlagt mir noch der Wiener in den Nacken“, sprach er, „und ich möchte fast zurückfallen in das Alte, ‚das ist dem Wiener sein Genre‘ – doch schnell besinne ich mich auf meine heiligen Sendungen und pfeife die Schrecken der Seele.“ „Und womit gedenken Sie uns beim nächsten Symposion zu erheben, Meister?“ fragte ich bewegt. „Ich weiß noch nicht. Vielleicht pfeife Ich Mich oder den andern Eignen: Darai Khan Mahrib, den Weißen Elefanten Siams --oder wird Mich Wenzeslaus Rutilius Wotahal, der kongeniale Tambour von der bosnischen Infanterie, im Zyklus, Napoleon‘ begleiten.“

Mit einer gnädigen Handbewegung des Meisters war ich entlassen. Noch ist das Leben wert, gelebt zu werden, da Er unter uns weilt, um uns zu bannen und zu vertiefen.

15


kontrapunkt Transparenter Kosmos Gespräch mit Dr. Ruth Fabritius, Leiterin des Glasmuseums Rheinbach Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Landesplanungsbehörde dafür gewonnen werden, Rheinbach als Standort für die Ansiedlung sudetendeutscher Glasveredlungsindustrie vorzusehen. Anfang 1947 erklärte sich die Stadt bereit, die ersten 25 Glasfachleute aufzunehmen. Im gleichen Jahr wurde durch Entscheidung des damaligen Ministerpräsidenten Karl Arnold die Glasfachschule in Rheinbach gegründet. Das gab auch den Anstoß für das Sammeln von kostbarem Glas vor allem aus dem nordböhmischen Raum. Am 24. April 1968 gründeten Rheinbacher Bürger den Verein „Freunde edlen Glases e. V.“, der sich die Einrichtung und Unterhaltung einer Glas-Sammlung zur Aufgabe stellte und schon wenige Monate danach das Rheinbacher Glasmuseum im alten Rathaus eröffnete. 1980 wurde die Trägschaft von der Stadt übernommen. – Seit 1990 leitet Dr. Ruth Fabritius das Museum. Sie baute zielgerichtet die Bestände aus, förderte den publikumswirksamen Ausbau des Museums und gab der wissenschaftlichen Tätigkeit des Hauses Auftrieb. Das Glasmuseum Rheinbach hat 2008 seinen 40. Geburtstag gefeiert. Welches waren die bedeutendsten Ereignisse?

Eines der resonanzstarken Ereignisse ist der jährliche Glaskunstpreis. Wird der Wettbewerb fortgeführt?

Seit 1990, als ich meine Tätigkeit im Glasmuseum Rheinbach aufgenommen habe, wurde das Haus kontinuierlich ausgebaut. Ein Meilenstein war das Jahr 1992, als dank der Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen der zweite Bauabschnitt des Himmeroder Hofes seiner Bestimmung übergeben wurde. Mit einer intensiven Tätigkeit von vier bis sechs Ausstellungen pro Jahr haben wir versucht, das Museum regional und überregional bekannt zu machen. Das Ausstellungsprogramm widmete sich vor allem der Förderung junger Glaskünstler aus Deutschland und Europa, behandelte aber auch historische Themen wie böhmische Glastradition, Hinterglasmalerei aus Siebenbürgen, Rekonstruktion antiker Gläser u. ä.

Der Internationale Rheinbacher Glaskunstpreis soll auch in Zukunft alle zwei Jahre als Nachwuchsförderpreis verliehen werden. Er richtet sich an die deutschen und europäischen Glasfachschulen. Für 2009 haben sich elf Schulen angemeldet – so viele waren es noch nie.

Vor kurzem wurde der neue Museumsshop eröffnet. Ist dies der Anfang einer strukturellen und inhaltlichen Erneuerung? Strukturell muss man eigentlich schon etwas früher ansetzen, nämlich bei der Einrichtung der „Offenen Museumswerkstatt“ im Herbst 2006. Der umgestaltete Eingangsbereich mit Museumsshop im November 2008 war eine erste Umsetzungsetappe des „Masterplans“ zur Neukonzeption des Hauses und gleichzeitig ein weiterer Schritt hin zu mehr Kundenorientierung und Modernität. Geplant ist unter anderem, dass neben dem bisherigen Sammlungsschwerpunkt, der das böhmische Glas in den Mittelpunkt stellte, im

16

In welcher Weise ist der Verein der Freunde edlen Glases an der Neugestaltung des Museums beteiligt?

Fußbecher, Böhmen, Mitte 19. Jh. Farbloses Glas mit rotem und weißem Überfang (Zinnemail); Schliff (Foto: Glasmuseum Rheinbach) sogenannten „Glaskosmos“ der Werkstoff in seiner Vielfalt und Schönheit mit allen Sinnen begreifbar und erlebbar gemacht werden soll. Finden dabei auch grenzüberschreitende Projekte ihren Platz? Der Dialog über die Grenzen hinweg wird innerhalb der Neupositionierung seinen Platz finden bzw. beibehalten. Durch die Wurzeln des Rheinbacher Glases im nordböhmischen Steinschönau ist die Zusammenarbeit mit dem heute tschechischen Kamenický Senov gewissermaßen programmiert.

Trotz allgemeiner konjunktureller Schwierigkeiten schafft es der Förderverein immer wieder, die Museumssammlung mit wertvollen Neuzugängen zu ergänzen, sei es durch Stiftungen seiner Mitglieder, sei es durch gezielte Ankäufe. Während der gesamten Phase der Neupositionierung brachte und bringt der Förderverein seine „Glaskompetenz“ in vielerlei Hinsicht ein. Was möchten Sie persönlich, als Forschungsarbeit, weiterführen? Gern würde ich mich mit unserer umfangreichen Sammlung von Vedutengläsern intensiver beschäftigen. Die 700 Gläser mit landschaftlichen und architektonischen Sehenswürdigkeiten aus dem 19. Jahrhundert sind eine äußerst interessante kulturhistorische und kunstgeschichtliche Fundgrube. Dieter Göllner Redaktion der Beilage: Franz Heinz

WOJ 4-2009


Jubiläen

Mi, 21.10. | 19 Uhr „…alle Menschen werden Brüder …“ Polen, Deutsche und die Macht der Musik. Oskar Gottlieb Blarr zum 75. Geburtstag Ein Mittler ist er zwischen Polen und Deutschen und sein Medium ist die Musik. Und zugleich ist er seit vielen Jahren eine Institution in Düsseldorf: Professor Oskar Gottlieb Blarr stammt aus Ostpreußen, vor 75 Jahren wurde er in Bartenstein geboren. Schon bald nach dem Verlust der Heimat im Jahre 1945 hat er erste Kompositionen geschaffen. Seit 1952 hat Oskar Gottlieb Blarr in Hannover Kirchenmusik studiert, die sein besonderer Lebensinhalt werden sollte. Im Jahre 1961 wurde die Düsseldorfer Neanderkirche seine

Hauptwirkungsstätte, hier wirkte er bis 1999 als Kantor und Organist, seit 1974 mit dem Titel eines Kirchenmusikdirektors ausgezeichnet. Daneben hat er sein Kompositionsstudium fortgesetzt – mit großen Vertretern der zeitgenössischen Musik als Lehrern: Krzysztof Penderecki, Bernd Alois Zimmermann und anderen. Vor allem seit den frühen 1980er Jahren ist er mit eigenen Kompositionen hervorgetreten, und zwar nicht nur für sein „Hauptinstrument“, die Orgel, sondern auch für Kammermusikensemble und Sin-

Mo, 23.11. | 19.30 Uhr Perjamosch, Bukarest, Düsseldorf – Stationen eines Schriftstellerlebens Franz Heinz zum 80. Geburtstag Eine Lesung mit Freunden und Kollegen Der Weg ist weit von der Marosch bis an den Rhein. Und der im Banat geborene Franz Heinz ist ihn nicht freiwillig gegangen. Vielmehr gehört er zu den vielen Rumäniendeutschen, die sich der fortwährenden Bedrängung in der Diktatur des „Conducator“ Nicolae Ceauşescu schließlich entzogen haben durch die Ausreise in die „fremde Heimat“ Bundesrepublik Deutschland. 1976, da war er längst ein erwachsener Mann, Franz Heinz der beruflich einiges zu verlieren hatte, in Rumänien als deutschsprachiger Journalist und Autor bereits anerkannt. In Westdeutschland musste er ganz neu anfangen. Das war schwer – hat aber sicherlich auch

WOJ 4-2009

beigetragen zur weiteren Reifung des Schriftstellers Franz Heinz. Heute kann er auf ein ungewöhnlich vielseitiges Werk zurückblicken, in dem neben der Fülle der journalistischen Arbeiten Erzählungen, Essays und Hörspiele eine besondere Rolle spielen. Schon ein kleiner Ausschnitt daraus wird den Abend anfüllen. Es lesen selbst gewählte Texte von Franz Heinz: Barbara Gaug, Dirk Urland M.A., Dr. Walter Engel und PD Dr. Winfrid Halder. W.H. In Zusammenarbeit mit der Landsmannschaft der Banater Schwaben.

Professor Oskar Gottlieb Blarr fonieorchester. Besonders hervorzuheben sind zudem seine bislang fünf oratorischen Werke. Darüber hinaus hat Oskar Gottlieb Blarr frühzeitig wieder enge Kontakte in seine ostpreußische, jetzt zu Polen gehörende Heimat geknüpft. Im für Polen besonders unruhigen Jahr 1980 etwa hat er mit dem Chor der Neanderkirche eine Tournee dorthin unternommen. Zweifellos wurde dies von vielen Hörern damals auch als Zeichen der Verbundenheit empfunden. Um die Erhaltung zahlreicher Orgeln in den Kirchen seiner Heimat hat Blarr sich mit seinem unermüdlichen Einsatz große Verdienste erworben. Manches historische Instrument von unschätzbarem Wert würde wohl ohne ihn gar nicht mehr existieren. All dies ist gewiss Anlaß genug, den Musiker und Menschen Oskar Gottlieb Blarr zu würdigen. Wir wollen dies aus unterschiedlichen Perspektiven tun: Janusz Cygański, Direktor des Muzeum Warmii i Mazur w Olsztynie auf der Allensteiner Burg, wird das Wirken Blarrs aus polnischer Sicht beleuchten. Dr. Walter Engel wird die langjährige Verbundenheit Oskar Gottlieb Blarrs mit der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus Revue passieren lassen. Dazu und zum anschließenden Empfang laden wir herzlich ein! Winfrid Halder In Zusammenarbeit mit dem Muzeum Warmii i Mazur w Olsztynie, Allenstein.

17


Ausstellung

Vom 28.10. bis 26.11.

„Die vergessene Front“ – Der Maler Ludwig Dettmann und der Erste Weltkrieg in Ostpreußen 1914/15 Ein Ausstellungsprojekt mit Studierenden der HeinrichHeine-Universität Düsseldorf Der Maler Ludwig Dettmann dürfte heute nur noch den im engeren Sinne Kunstinteressierten ein Begriff sein – gleichwohl ist er zu Lebzeiten ein bekannter und erfolgreicher Vertreter seines Faches gewesen. Der 1865 in der Nähe von Flensburg geborene Dettmann studierte zunächst an der Hamburger, später an der Berliner Kunstakademie. Hier entwickelte er seinen Stil als Landschaftsmaler unter dem Einfluss von Max Liebermann und gehörte zum Umfeld der „Berliner Secession“. Seit 1895 war Dettmann Professor an der Berliner Kunstakademie, im Jahre 1900 wurde er zum Direktor der Kunstakademie in Königsberg berufen. Seither schuf Dettmann auch großformatige Wandbilder, etwa für die Technische Hochschule in Danzig. Den Ausbruch des Ersten Weltkrieges erlebte Dettmann in Königsberg. Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters konnte er sich nicht mehr zum Militärdienst melden, fungierte in den folgenden Jahren aber als offizieller „Kriegsmaler“, dessen Tätigkeit von den höheren Kommandostellen gefördert wurde. Auf diese Weise hat Dettmann eine Vielzahl von Werken geschaffen, in denen er vor allem Eindrücke aus der ersten Phase des Krieges verarbeitet hat. Dettmann war Zeuge des Einbruchs rus-

sischer Truppen in die damalige Provinz Ostpreußen und der folgenden Kämpfe, die mit den Schlachten von Tannenberg (Ende August 1914) und bei den Masurischen Seen (Mitte September 1914) ihren vorläufigen Höhepunkt fanden. In der heutigen Wahrnehmung ist die Ostfront im Ersten Weltkrieg gegenüber der Westfront in Frankreich und Belgien stark in den Hintergrund getreten, so dass eine neuere Darstellung sogar den Begriff der „vergessenen Front“ geprägt hat. Dennoch sollte auch an die Geschehnisse auf dem östlichen Kriegsschauplatz erinnert werden, da auch diese von sehr weittragender, zum Teil bis heute nachwirkender Bedeutung waren. Auch nach dem Ende des Ersten Weltkrieges war Dettmann, inzwischen als freischaffender Künstler neuerlich in Berlin lebend, erfolgreich als Maler nicht zuletzt von Schlachtenszenen. 1933 ist er in die NSDAP eingetreten und hat zeitweilig in verschiedenen Künstlerorganisationen des NS-Staates eine wichtige Rolle gespielt. Im November 1944 ist Dettmann in Berlin gestorben. Die Ausstellung ist Ergebnis eines Projektseminars mit Studierenden der HeinrichHeine-Universität. Sie zeigt anhand ausgewählter Beispiele den Umgang Dettmanns mit dem Thema Krieg und ordnet sein Schaffen in den kunst- und allgemeinhistorischen Kontext ein. Das junge Ausstellungsteam freut sich auf Ihren zahlreichen Besuch! Winfrid Halder

Wandgemälde (1913)von Ludwig Dettmann im Foyer des Kieler Rathauses

18

Prof. Dr. Ludwig Dettmann Eröffnung: Mittwoch, 28.10. | 18 Uhr Foyer Eichendorff-Saal

Der weite Weg gen Westen

Geflohen - vertrieben - angekommen an Rhein und Ruhr Hrsg. Winfrid Halder, Michael Serrer Die Autorinnen und Autoren des vorliegenden Bandes berichten von ihren eigenen Erfahrungen. Ihre damalige Perspektive war die von Kindern und Jugendlichen, daher richten sich ihre Zeugnisse insbesondere auch an die junge Generation von heute, die dafür sensibilisiert werden soll. Das Buch ist im Buchhandel erhältlich oder für Multiplikatoren bei der Landeszentrale für politische Bildung NRW zu beziehen. Schöningh-Verlag, ISBN 9783506766830

€18,90

WOJ 4-2009


Ausstellung

Vom 09.11. bis 16.12.

„Kunstsalon Elbing“ Ausstellung polnischer Gegenwartskunst im Gerhart-Hauptmann-Haus Die frühere evangelische Hauptkirche zu St. Marien in Elbląg / Elbing ist der imposante Ausstellungssaal des dortigen Kunstzentrums „Centrum Sztuki Galeria EL“. Der wuchtige gotische Backsteinbau, erbaut in der Mitte des 13. Jahrhunderts, zählt seit 1961 – nach aufwendiger Restaurierung durch die Elbinger Künstler – zu einem der kulturellen Mittelpunkte Polens. Konzerte, Theateraufführungen und Ausstellungen bringen Künstler von internationalem Rang in dieses ehemalige Kirchengebäude mit seiner unvergleichlichen Ausstrahlung. Im Rahmen des umfangreichen Veranstaltungsprogramms des Hauses nimmt der „Elbinger Salon“ darüber hinaus eine bedeutende Stellung in der gesamten polnischen Kunstszene ein. In diesem Jahr konnte das 25. Jubiläum dieser Ausstellungsreihe begangen werden. Seit seiner Gründung ist der „Elbinger Salon“ das herausragendste Forum

zur Präsentation der zeitgenössischen Elbinger Künstler und ihrer Werke. Die im zweijährigen Rhythmus stattfindende Veranstaltung dokumentiert die Vielfalt der Themen und ihrer künstlerischen Umsetzung. Zwanglos – ohne ein vorgeschriebenes Programm oder gar in Form eines Wettbewerbes mit Preisverleihung – präsentiert die Ausstellung u. a. Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Grafik und Glaskunst, aber auch der Filmkunst und Fotografie. Der „Elbinger Salon“ ist, so Artur Mieczkowski, ohne Titel, Fotografie, 2009 Jarosław Denisiuk, Direktor des In diesem Zusammenhang kommt auch „Centrum Sztuki Galeria EL, „ein Jahrmarkt, eine Art Turm zu Babel, dem regelmäßig erscheinenden Begleitdessen Baumeister mehrere Sprachen katalog große Bedeutung zu, der es vielen sprechen. Diese Vielfalt und Vielsprachig- – zumeist jungen – Künstlern erstmalig keit ist eine Regel und die unentbehrliche ermöglicht, ihre Arbeiten repräsentativ vorzustellen. Eigenschaft der Ausstellung“. Direktor Denisiuk sieht Für das künstlerische Probieren, die Suche in der traditionsreichen nach Stil und Ausdrucksform, oft durch Veranstaltungsreihe kei- extremen Individualismus geprägt, stellt nen Rückfall in einem der „Elbinger Salon“ das bedeutendste „altmodischen Regio- Forum der zeitgenössischen Kunst im nalismus“, sondern die nördlichen Polen dar. notwendige Förderung Neben etablierten Namen, dem dortigen künstlerischen Schaf- Publikum schon seit Jahren bekannt, sind fens, das sich jenseits es in diesem Jahr vor allem junge Künstder großen Stadtzent- ler wie Aleksandra Matulewicz, Bogdan ren entwickelt und dem Kiliński, Anna Kawalczuk und Dariusz deshalb keine geringere Liszewski, die mit ihren Arbeiten das Bedeutung zukommt: hohe Niveau der Jubiläumsausstellung „Der gut verstandene garantieren, die im Gerhart-HauptmannRegionalismus ist keine Haus unter dem Titel „Im Zeichen der Apologie des provinzi- Aktualität - Kunstsalon Elbing“ in einer ellen Milieus, die um Auswahl zu sehen ist. Dirk Urland jeden Preis vollendet Eröffnung: wird.“ Vielmehr gehe es um die Popularisierung Montag, 09.11. | 19.00 Uhr der regionalen Kultur Ausstellungsraum und ihre Einbeziehung Es sprechen: in die polnische und die PD Dr. Winfrid Halder internationale Kunst- Direktor des Gerhart-Hauptmann-Hauses szene, die ohne den re- Jarosław Denisiuk nommierten Elbinger Direktor des Centrum Sztuki Galeria EL Katarzyna Smeja - Skulimowska, „Regenschirme“, Kunstsalon kaum mög- Marta Karaś Kuratorin, Elbląg / Elbing Malerei, 2008 lich wäre.

WOJ 4-2009

19


Ausstellungen/Vortrag

Do, 03.12. | 09 Uhr

Vom 08.11.bis 21.02.

Parlamentarier in Demokratie und Diktatur: Paul Löbe und Carl Ulitzka

Adler über Schlesien

Ausstellung im nordrhein-westfälischen Landtag Paul Löbe (1875-1967) und Carl Ulitzka (1873-1953) hatten die Herkunft aus Schlesien gemeinsam und blieben ihrer Heimat zeit ihres Lebens eng verbunden. Beiden gemein war auch die Überzeugung, dass die 1919 begründete erste deutsche Demokratie bewahrt werden müsse

Paul Löbe (l.) und Carl Ulitzka – den Untergang der Republik von Weimar konnten sie freilich nicht verhindern. Und schließlich wurden beide aufgrund ihrer politischen Überzeugungen Opfer des nationalsozialistischen Verfolgungsapparates. Parteipolitisch freilich sind Ulitzka und Löbe unterschiedliche Wege gegangen: Der in Oberschlesien geborene katholische Theologe und Priester Ulitzka engagierte sich bereits vor dem Ersten Weltkrieg im Zentrum. Von 1920 bis 1933 gehörte er dem Reichstag an. Der aus dem niederschlesischen Liegnitz stammende Löbe war gelernter Schriftsetzer und stieß schon als sehr junger Mann zur SPD (1895). Er gehörte seit 1904 der Breslauer Stadtverordnetenversammlung an, später war er wie Ulitzka von 1920 bis 1933 Reichstagsabgeordneter. Deutschlandweit bekannt wurde Löbe spätestens als Präsident des Reichstages. Dieses Amt übte er

20

mit einer nur kurzen Unterbrechung von 1920 bis 1932 aus. Für beide Politiker war der Heimatverlust infolge der Vertreibung 1945 ein tiefer Einschnitt. Während Ulitzka allerdings im Ostteil Berlins im Zeichen der frühen SED-Diktatur politisch kaum noch aktiv sein konnte, wurde Paul Löbe 1949 in den ersten Deutschen Bundestag gewählt und fungierte als dessen Alterspräsident. Die vom Schlesischen Museum in Görlitz erarbeitete Ausstellung zeigt den Lebensweg der beiden überzeugten Demokraten und Schlesier.

Eröffnung am 03. Dezember 2009, 09 Uhr, mit Landtagspräsidentin Regina van Dinther. In Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung und dem Schlesischen Museum in Görlitz W.H. Bitte beachten Sie, dass Sie für den Zutritt zum Landtag ein gültiges Ausweisdokument benötigen!

Eine Ausstellung des Oberschlesischen Landesmuseums Der alte Ikarus-Traum, sich in die Lüfte erheben zu können wie ein Adler, ist vielleicht ebenso alt wie die Menschheit selbst. Schlesien hat in der Entwicklung der Luftfahrt im frühen 20. Jahrhundert eine interessante Funktion eingenommen. Bereits im Revolutionsjahr 1789 stieg der Franzose Blanchard mit seinem Aerostaten in Breslau auf. Am Fuße des Riesengebirges entstand nach dem ersten Weltkrieg die Segelflugschule Grunau, die Weltruf erlangte. Mit Gleiwitz und Breslau wurden schon früh Verkehrsflugplätze in das Netz der Lufthansa integriert. In der militärischen Luftkriegsführung zeichnen sich gebürtige schlesische Flieger wie Manfred von Richthofen aus. Der Blick auf die Luftfahrtgeschichte in Schlesien ist gleichzeitig ein Blick auf die Entwicklung des Flugwesens im Allgemeinen. Das Oberschlesische Landesmuseum zeigt vom 8. November 2009 bis 21. Februar 2010 die große Sonderausstellung „Adler über Schlesien. Ereignisse und Pioniere der Luftfahrtgeschichte“. Sie informiert umfassend über die Geschichte von Luftfahrt, Luftsport und Luftkrieg von den Anfängen bis heute. Flugpioniere, Flugzeuge, Flugtage und Flughäfen werden in Erinnerung gebracht.

Begleitend zur Ausstellung erscheint das Buch „Adler über Schlesien. Aus der Geschichte der Luftfahrt in Schlesien“.

Di, 15.12. | 19 Uhr

Carl Ulitzka. Priester und Politiker in schwieriger Zeit Beleitend zur Ausstellung: Vortrag von Dr. Guido Hitze im Gerhart-Hauptmann-Haus Der Vortrag richtet sich auf die schwierigen Bedingungen, unter denen Carl Ulitzka gleichwohl – neben seiner Tätigkeit als Pfarrer und Seelsorger in Ratibor – Politik machte. Der Höhepunkt des öffentlichen Wirkens Carl Ulitzkas lag nicht zufällig in der Zeit nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, als um die künftige staats-

rechtliche Zugehörigkeit Oberschlesiens heftig gerungen wurde. Dr. Guido Hitze hat 2003 seine voluminöse Biographie Ulitzkas veröffentlicht und ist nicht nur der beste Kenner von dessen politischem Lebenswerk, sondern auch ein ausgewiesener Experte für die Geschichte (Ober-)Schlesiens. W.H.

WOJ 4-2009


Vorlesung/Film

Fr, 16.10. | 09 Uhr

Preußen 1701−1947. Eine deutsche Geschichte Vorlesung von PD Dr. Winfrid Halder an der Heinrich-Heine-Universität Gasthörerinnen und -hörer sind herzlich willkommen! Beginn: Freitag, 16. Oktober 2009, 09 Uhr c. t., Heinrich-Heine-Universität, Geb. 23.01, Hörsaal 3C Formal wurde Preußen mit der 1947 durch die alliierten Siegermächte verordneten Auflösung des preußischen Staates aus der weiteren Entwicklung Deutschlands getilgt. Gleichwohl sind seine Spuren und ein Teil seines historischen Erbes auch heute noch präsent, wenn auch nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. So ist etwa der preußische Einfluss gerade aus der (Vor-)Geschichte Nordrhein-Westfalens gar nicht wegzudenken. Die Vorlesung, die sich über das Wintersemester 2009/10 erstreckt, geht der in vieler Hinsicht umstrittenen Geschichte Preußens seit seinem Aufstieg zum Königreich (1701) bis zum staatlichen Ende nach, stets eingebettet in den weiteren Kontext der deutschen und europäischen Geschichte. Begleitend zur Vorlesung bieten wir eine Reihe „Preußen im Film“ an (Veranstaltungsort: Gerhart-HauptmannHaus!). Exemplarisch soll der Wandel des Preußen-Bildes in der öffentlichen Wahrnehmung thematisiert werden. An (Spiel-)Filmen, die sich mit Episoden aus der Geschichte Preußens beschäftigen, ist kein Mangel. Schon frühzeitig hat sich die Filmindustrie auch dieses Stoffes angenommen. Der erste deutsche Film, der König Friedrich II. in den Mittelpunkt der Handlung stellte, stammt aus dem Jahr 1896 – also aus einer Zeit, da die Technik der bewegten Bilder noch in ihren ersten Kinderschuhen steckte. Allein in den Jahren der Weimarer Republik (19181933) entstanden 27 Produktionen, die Themen aus der preußischen Geschichte verarbeiteten – übrigens insgesamt deutlich mehr, als zwischen 1933 und 1945 folgten, während denen die Filmindustrie dank der zielgerichteten Förderung durch die NS-Diktatur noch massiv expandierte und zugleich vollständig unter staatliche Kontrolle gebracht wurde. In Anbetracht der Fülle der in Frage kommenden Filme kann eine derartige

WOJ 4-2009

Reihe nur anhand ausgewählter Beispiele vorgehen. Vor jeder Filmvorführung findet eine kurze Einführung in das Handlungsgeschehen und die Entstehungsgeschichte des jeweiligen Films statt. Teil 1, Mittwoch, 04. 11. 2009, 15 Uhr, Eichendorff-Saal

Der Choral von Leuthen, Deutschland 1932 Die Produktion der berühmten Reihe der „Fridericus“-Filme wurde bereits während der Zeit der Weimarer Republik aufgenommen. Schon 1920 wurde der erste Streifen dieser Art gedreht, es folgten bis 1932 acht weitere, allerdings von unterschiedlichen Firmen und Regisseuren realisierte Filme, in denen der „große

Schauspieler sollten in den folgenden Jahren zu den von Propagandaminister Joseph Goebbels besonders geförderten Stars der Ufa gehören. Darunter waren etwa Olga Tschechowa oder Otto Gebühr, der hier bereits zum siebten Mal als König Friedrich II. in einem Spielfilm auftrat – seine eigentliche Lebensrolle, in der er bis heute in Erinnerung geblieben ist. Andere der Akteure in diesem Film konnten sich mit dem NS-Regime nicht befreunden, etwa Werner Finck, der 1935 ins KZ Esterwegen gebracht wurde. Der junge Wolfgang Staudte sollte eine zwiespältige Karriere machen. Teil 2, Mittwoch, 25. 11. 2009, 15 Uhr, Konferenzraum

Fridericus, Deutschland 1936

Otto Gebühr König“ im Mittelpunkt stand. Der vorliegende Film wurde 1932 produziert und am 3. Februar 1933, also vier Tage nach der Berufung Hitlers in das Amt des Reichskanzlers, uraufgeführt. Er versammelte ein gediegenes Darstellerensemble; einige aus dem Kreis der Schauspielerinnen und

Es handelt sich um den ersten nach 1933 produzierten Film, in dem Otto Gebühr wieder die Rolle Friedrichs II. verkörperte. Er entstand zu einer Zeit, da Propagandaminister Goebbels die deutsche Filmproduktion schon weitgehend kontrollierte. Interessant sind insbesondere die Akzentverschiebungen seit 1933. Auch hier sind neben Otto Gebühr zahlreiche bekannte Gesichter zu sehen, darunter Lil Dagover, Käthe Haack, Paul Dahlke und Bernhard Minetti. Eine „gereinigte“ Fassung lief unter dem Titel „Der Alte Fritz“ in den 1950er Jahren neuerlich erfolgreich in den westdeutschen Kinos. Winfrid Halder

21


Kinemathek

Mo, 19.10. | 15 Uhr

„Berlin Alexanderplatz“ Vor 80 Jahren erschien Alfred Döblins berühmtester Roman Wir zeigen die erste Verfilmung mit Heinrich George und Bernhard Minetti (Deutschland 1931) Wer weiß schon, dass Alfred Döblin gebürtiger Pommer war? Die meisten werden seinen Namen mit Berlin in Verbindung bringen, zumal die damalige Reichshauptstadt eben auch im Titel des Buches erscheint, mit dem sich Döblin 1929 in die Weltliteratur hineingeschrieben hat. Und Berlin hat natürlich in Alfred Döblins Leben auch eine zentrale Rolle gespielt. Geboren wurde er jedoch 1878 in Stettin, wo er die ersten zehn Jahre seines Lebens verbrachte. Nach der Trennung seiner Eltern zog der junge Alfred 1888 mit seiner Mutter und vier Geschwistern nach Berlin, wo er Abitur machte und 1900 ein Medizinstudium aufnahm. Als Student begann Döblin zu schreiben, beruflich freilich blieb er noch längere Zeit der Medizin verpflichtet. Die praktischen Erfahrungen als Arzt in unterschiedlichen Fachbereichen, nicht zuletzt als Nerven- und Militärarzt während des Ersten Weltkrieges haben sein künstlerisches Schaffen tiefgreifend beeinflusst. Als Döblin 1916 den FontanePreis für seinen Roman „Die drei Sprünge des Wang-lun“ erhielt, begann sein Ruhm als Schriftsteller zu wachsen. Nach Berlin zurückgekehrt, erlebte er dort den Zusammenbruch und die Revolution, was ihn zu seinem umfangreichsten Roman „November 1918“ inspirierte. Döblin sollte das Werk erst 1940 im amerikanischen Exil abschließen. Bis dahin führte sein Weg über seinen größten literarischen Erfolg bis zur Vertreibung durch das NS-Regime in die schwierigen Jahre der Emigration. Der rasche auch internationale Erfolg des 1929 erschienenen Romans „Berlin Alexanderplatz“ verschaffte Döblin endlich die Möglichkeit, seine ärztliche Praxis aufzugeben und sich ganz dem Schreiben zu widmen. „Berlin Alexanderplatz“ gilt auch heute noch als Prototyp des modernen epischen Romans in Deutschland. Döblins jüdische Abstammung und sein politischer Standort im linken Spektrum (ohne unmittelbare Parteibindung) waren

22

die Ursache für die sofortige Verfolgung durch das NS-Regime. Alfred Döblin, inzwischen auch Vater dreier Söhne, floh bereits Ende Februar 1933 zunächst in die Schweiz, von dort aus nach Frankreich. Seine Bücher wurden in Deutschland bereits nach der berüchtigten Bücherverbrennung vom Mai 1933 verboten, Döblin bald darauf ausgebürgert. 1936 konnte er die französische Staatsbürgerschaft erwerben. Nach dem raschen Zusammenbruch Frankreichs und der beginnenden Besetzung des Landes durch die Wehrmacht 1940 mußte Döblin erneut fliehen. Mit Mühe gelang ihm die Überfahrt von Portugal nach New York. Im Exil tat sich Döblin wie so viele andere schwer, mit dem Schreiben von Drehbüchern für die amerikanische Traumfabrik in Hollywood kam er nicht zurecht. Dürftige Jahre folgten, in denen Döblin auch zur katholischen Kirche übertrat, was viele seiner Freunde und Kollegen nicht verstanden. Anders als die meisten Emigranten ist Alfred Döblin noch 1945 nach Deutschland zurückgekehrt. In Baden-Baden arbeitete er für die französische Besatzungsverwaltung als Kulturoffizier. In den folgenden Jahren wuchs bei Döblin, der auf eine grundlegende geistige Wende in Deutschland gehofft hatte, die Enttäuschung. Zudem gelang es ihm nicht, wieder im Literaturbetrieb Fuß zu fassen, da seine neueren Arbeiten kaum Beachtung fanden. Gesundheitlich angeschlagen und verbittert, pendelte Döblin zwischen Deutschland und Frankreich. Am 29. Juni 1957 ist er in Emmendingen, unweit von Freiburg i. Br. gestorben. Der gewaltige Erfolg des Romans „Berlin Alexanderplatz“ führte dazu, dass er auch Gegenstand einer sehr frühen Literaturverfilmung wurde. Bereits 1930 hatte Döblin eine Hörspielfassung geschaffen, danach wirkte er am Drehbuch des Films mit. Das von der kleinen Produktionsfima Allianz-Tonfilm GmbH unter der Regie Phil Jutzis realisierte Projekt wurde meist

an den Originalschauplätzen in und um Berlin gedreht – so zeigt er heute nicht zuletzt das längst untergegangene Berlin der frühen 1930er Jahre. Und noch etwas macht ihn unverändert sehenswert: Die Hauptrolle des Franz Biberkopf spielt Heinrich George. Der wurde in Stettin geboren (1893) wie Alfred Döblin, stammte also auch aus Pommern. 1931 hatte George bereits eine steile Karriere als Bühnenschauspieler hinter sich und war zudem in einer Vielzahl von Filmen aufgetreten. Anders als manchem Kollegen bereitete George in Anbetracht seiner Bühnenerfahrung auch der Umstieg vom Stumm- auf den Tonfilm keine Probleme. Politisch engagierte er sich in den 1920er Jahren zeitweilig in der KPD, arbeitete auch mit Erwin Piscator und Bert Brecht. Das hinderte ihn nicht daran, nach 1933 einer der wichtigsten Stars des deutschen Films, der sich besonderer Förderung durch Propagandaminister Goebbels erfreute, zu bleiben. Im Unterschied zu vielen anderen Ufa-Stars war es Heinrich George allerdings nicht vergönnt, seine Karriere nach 1945 fortzusetzen. Er starb im September 1946 unter erbärmlichen Bedingungen (wie Tausende andere Häftlinge vor und nach ihm) im von der sowjetischen Besatzungsmacht zum „Speziallager“ für tatsächliche oder vermeintliche NS-Belastete umfunktionierten Konzentrationslager Sachsenhausen. Zu Heinrich George siehe auch S. 6 (Vortrag Prof. Dr. Sigfrid Hoefert) Winfrid Halder

WOJ 4-2009


Theaterrevue

Mo, 05.10. | 19 Uhr

Heinz lebt! Eine Geburtstagsrevue zum 100. Geburtstag von Heinz Erhardt Heinz Erhardt kam nicht etwa aus der Hochburg der Lebensfreude, aus dem Rheinland, sondern aus dem hohen Norden, aus Riga, der Hauptstadt Lettlands, dessen Kultur jahrhundertelang von Deutschen geprägt wurde. Auch die Familie von Heinz Erhardt stammte von deutschen Einwanderern ab, die 1760, einem Aufruf des dänischen Königs folgend, sich in Livland niederließen. Die aus der Pfalz kommenden siedelten vor allem auf den beiden Krongütern Hirschenhof und Helfreichshof. Von ersterem bekamen sie die Bezeichnung „Hirschenhöfer“, zu der auch die Familie Erhardt gehörte, der Großvater der Familie Erhardt war noch in Hirschenhof geboren und brachte es als Kaufmann und Stadtrat in Riga zu hohen Ehren. In Riga kam Heinz Erhardt am 20.2.1909 zur Welt. Der Vater war Komponist und bekannter Kapellmeister und sein Großvater mütterlicherseits, Paul Neldner, Inhaber eines großen Musikhauses und einer Konzertagentur in Riga. Er wuchs im Hause seines Großvaters auf, in dem Künstler von internationalem Ruf verkehrten, wie Arthur Rubinstein und der Tenor Enrico Caruso. Das prägte natürlich auch seine musikalische Entwicklung. Schon mit fünf Jahren erhielt er Klavierunterricht. Das Leben von Heinz Erhardt war von klein an von großen Wechseln geprägt. 1916, mitten im Ersten Weltkrieg nahmen seine Mutter und ihr zweiter Mann ihn mit nach St. Petersburg, das damals Petrograd hieß. Später ging seine Mutter mit ihm wieder nach Riga. Er besuchte dort das traditionsreiche Deutsche Gymnasium, 150 Jahre zuvor Wirkungsstätte von Johann Gottfried Herder. Er zeigte keine überdurchschnittlichen schulischen Leistungen, aber seine musikalischen und schauspielerischen Leistungen traten deutlich hervor. Er entdeckte später ein anderes Talent an sich: das Verfassen humoristischer Gedichte. Die trug er in

WOJ 4-2009

Szenenfoto aus „Heinz lebt!“ Foto: Künstleragentur Jutta Tempelmann

Cafés vor deutschbaltischem Publikum vor. Das Deutsche Schauspiel in Riga gab ihm die Möglichkeit, die musikalische Begleitung für Lustspiele zu verfassen und als Schauspieler aufzutreten. 1935 heiratete er Gilda Zanetti, die als Tochter des italienischen Konsuls in St. Petersburg geboren und aufgewachsen war. Eine Existenzgrundlage für die kleine Familie – eine Tochter war inzwischen geboren – gab es nicht in Riga, es fehlte an Publikum, denn viele Deutschbalten wanderten infolge der zunehmend repressiven Politik des Staatspräsidenten Ulmanis der kleinen deutschen Minderheit gegenüber aus. Auch Heinz Erhardt verließ Lettland. Er stellte sich zuerst in Danzig, dann in Breslau beim Rundfunk vor und erhielt erste Engagements. Seine Erfolge wurden durch den Zweiten Weltkrieg eingeschränkt. Nach britischer Gefangenschaft in Kiel begab er sich zu seiner Familie nach Plön in SchleswigHolstein, wohin seine Frau mit den inzwischen vier Kindern geflüchtet war. Graues Nachkriegselend und Resigna-

tion in allen Teilen Deutschlands. Nun witterte Heinz Erhardt seine Chance. Die Menschen lechzten nach Entspannung, wollten endlich wieder fröhlich sein, die so genannten „Bunten Abende“ hatten überall regen Zulauf. Heinz Erhardt wurde ein gefragter Künstler und trat mit Stars wie Lale Andersen, Vico Torriani und Helmut Zacharias gemeinsam auf. Sketche mit unverwechselbarem Erhardtschen Zungenschlag machten die Runde. Günter Fortmeier, Frank Sauer und Volkmar Staub widmen sich Heinz. Zum runden Geburtstag haben sie ihren erfolgreichen Klassiker „HEINZ!“ noch mal ausgepackt, poliert und ergänzt. Alle drei und jeder für sich nähern sich dem Genie mit eigenem Schalk. Herr Sauer trägt dazu sein Haar meist offen, Herr Staub ist wohlbeleibt – noch’n Gewicht – und Herr Fortmeier lässt die Puppen tanzen. M.L. Eintritt frei. Anmeldung erforderlich. Kartenvorbestellung unter Tel.: 0211 - 16 99 118.

23


Aussiedler

Sa, 21.11. | 15 Uhr

Peter Pan oder die Reise ins Land der Phantasie von Georg zum Kley, nach Motiven von James Matthew Barrie Aufführende: Ensemblemitglieder des Kölner Künstler Theaters - Ein Theaterstück mit Musik für Kinder ab 5 Jahren zur Vorweihnachtszeit. Vor dem Schlafengehen spielen Paula und Lukas Geschichten aus Peter Pan und anderen Inselabenteuern nach. Mit Hilfe von Requisiten, die in jedem Kinderzimmer zu finden sind, entsteht vor unseren Augen das „Land der Phantasie“. Mit viel Spaß wird hier die Welt der kindlichen Phantasie heraufbeschworen, in der Wunschträume, Freuden und Ängste Gestalt annehmen, in der aber auch beim heftigsten Kampf kein Blut fließt, die schlimmsten Feinde nicht triumphieren dürfen und immer alles zu einem guten Ende kommt „Wie ist es möglich die Magie einer so

fantastischen Geschichte auf eine kleine Bühne zu bringen? Im KKT haben sie ein Rezept dafür gefunden: Man nehme ein Kinderzimmer, das zur Bühne wird und zwei Schauspieler, die zu Kindern werden. Außerdem benötigt man einen Musiker, der zum Krokodil werden kann sowie eine Hand voll großer und kleiner funkelnder Ideen. Gewürzt wird das Ganze mit einem kräftigen Schuss Bewegung, Farbe und Witz. Georg zum Key hat aus diesen Zutaten einen wunderbar leichten und köstlichen, Peter Pan' zubereitet.“ Petra Hoffmann in „Känguru“.

Vom 01.10. bis 30.11. Russlanddeutsche Kulturwochen 2009 Traditionsgemäß finden die Kulturwochen der Deutschen aus Russland auch in diesem Jahr zur Förderung der Integration der Spätaussiedler statt. Die Aktionswo-

chen werden von VIRA e. V. veranstaltet und finden im Gerhart-Hauptmann-Haus statt. Die Veranstaltungsreihe wurde am 28.09.09 mit der Ausstellung der Künstler Waldemar Weimann und Nikolaus Rode eröffnet. Die Ausstellung ist bis zum 30.10.2009 zu sehen. In diesem Jahr beabsichtigt V I R A e . V. mehr Jugendliche in das Projekt einzubeziehen.

Rückschau: Mehr als hundertzwanzig - meist junge - Besucher kamen zur Veranstaltung 3. pro rok mit der Band Spider Pigs und ONI (im Bild). Foto: Vasile Lemenyi

24

Kultur-Festival Am 23. Oktober um 15.00 Uhr veranstaltet der Verein ein KulturFestival für

Peter Pan (Lars Oberhäuser) auf Entdeckungsreise Kölner Künstler Theater Eintritt frei. Anmeldung erforderlich unter Tel.: 0211 - 16 99 118 Jugendliche im Gerhart-HauptmannHaus. Angesprochen sind Gesang-, Tanz- Kulturgruppen aus NRW sowie alle Musikfreunde, die in einer Band oder einer Gruppe musizieren. Film-Videowettbewerb Im November 2009 ist eine Foto- & Videopräsentation des Lebens in NordrheinWestfalen und der Aktivitäten von Jugendlichen in Vereinen und Jugendgruppen geplant. Angesprochen sind Aussiedler, die gerne fotografieren oder Filme und Videos über sich selbst, ihre Freunde oder gemeinsame Aktivitäten aufnehmen. Fotos können mit der Digital-Kamera aufgenommen und per E-Mail (info@akdwerbung.de) zugeschickt werden. Digitale Bilder werden im Format A2 gedruckt. Eine Veranstaltungsreihe von VIRA e.V. (Verein zur Integration rußlanddeutscher Aussiedler) Anmeldung für Kultur-Festival bei Lydia Bitsch, Tel.: 0211 - 7496132 bzw. 0211 - 1711114. Anmeldungen für Foto- und Videopräsentation bei Ella Kühl, Tel.: 02136 933533. Leiterin des Netzwerks „Kultur“ der VIRA e. V. Lydia Bitsch M.L.

WOJ 4-2009


Bibliothek

Kur- und Badeorte Schlesiens − einst und jetzt

Deutschbalten, Weimarer Republik und Drittes Reich

Die Tradition der berühmten Kurund Badeorte Schlesiens lebt. Bad Warmbrunn, Bad Salzbrunn, Bad Kudowa und andere - zumeist am Fuße der Sudeten gelegen hatten und haben einen guten Klang. Das Buch porträtiert diese Orte der Heilung und des gesellschaftlichen Lebens in Bild und Text. In sechs Kapiteln werden die Kurorte im Riesen- und Isergebirge, im Waldenburger Bergland, in der Grafschaft Glatz , in der niederschlesischen Oberlausitz sowie im Reichensteiner und Altvatergebirge beschrieben. Ergänzt werden die Texte durch alte Ansichten und Fotos von heute, eine Übersichtskarte, Literaturhinweise und Anschriften der KurverMa.Po. waltungen.

Nach dem Hitler-Stalin-Pakt 1939 verließ die traditionsreiche Volksgruppe der Deutschbalten nahezu geschlossen ihre Heimatstaaten Estland und Lettland und wurde in die neueroberten Gebiete Polens umgesiedelt. In unterschiedlichem Maße war sie vorher und nachher der Ideologie und der Herrschaftspraxis des Nationalsozialismus ausgesetzt. Die Beiträge dieses zweibändigen Werkes zeigen, wie das Leben der Deutschbalten unter dem Einfluss nationalsozialistischer Herrschaft aussah, wie die NS-Ideologie auf einzelne Persönlichkeiten und Gruppen wirkte und welche Formen des Widerstands geleistet wurden. Die Spannweite reicht dabei von aktiver Unterstützung des nationalsozialistischen Systems bis zum politischen Widerstand von Abgeordneten, Schriftstellern und der am Attentat des 20. Juli 1944 beteiligten OffizieMa.Po. re.

MARSCH, ANGELIKA: Kur- und Badeorte Schlesiens – einst und jetzt. Bergstadtverl. Korn, 2009.

DEUTSCHBALTEN, WEIMARER REPUB L I K UND DRITTES REICH Bd. I und II. Hrsg. von Michael Garleff. Böhlau, 2008.

„Nix Zipzerip“

Eine autobiographische Erzählung von Bernhard Grund 1945/46: Schlesien kommt unter polnische Verwaltung, doch nicht alle Deutschen werden von den polnischen Behörden vertrieben. In Industrie, Bergbau und Landwirtschaft braucht man dringend fachkundige, billige Arbeitskräfte, ansonsten droht der wirtschaftliche Kollaps. Die Familie des dreizehnjährigen Leon bleibt in Waldenburg, doch das Leben der deutschen Bevölkerung in der Volksrepublik Polen ist von Rechtlosigkeit und Ausbeutung geprägt. Nach den bitteren Erfahrungen mit Hitlers Unrechtsregimes erleben die Deutschen nun das stalinistische System. Erst ab 1950 erlaubt die polnische Regierung unter dem Schlagwort „Gleichberechtigung“ deutschsprachige kulturelle Einrichtungen. Diskriminierung und Ausbeutung werden gemildert, nicht wirklich beseitigt. Schließlich gelangen ab 1955 Tausende Niederschlesier als Spätaussiedler in die Bundesrepublik oder die DDR. Bernhard Grund hat seinen Landsleuten 2007 in der autobiographischen Erzählung „Nix Zipzerip“ eine literarische Stimme gegeben. Ma.Po. GRUND, BERNHARD: „Nix Zipzerip“. Pro Business, 2007.

WOJ 4-2009

Buchausstellung 14.10. – 19.11.2009 Die Varusschlacht Im Herbst des Jahres 9 n. Chr. erlitt das Heer der Römer unter dem Feldherrn Publius Quinctilius Varus eine Niederlage gegen ein germanisches Heer unter Führung von Arminius („Hermann“), einem Fürsten der Cherusker. Die Varusschlacht sollte eine der schwersten Niederlagen des römischen Reiches werden. Gleichzeitig wurde sie in der Neuzeit für das deutsche Volk identitätsstiftend. Die Buchausstellung zeigt eine Auswahl der umfangreichen Literatur, die sich mit der Varusschlacht und ihren Folgen beschäftigt. 23.11.2009 – 04.01.2010 Geschenkideen zum Weihnachtsfest

25


Chronologie Mo | jeweils 19 bis 20.30 Uhr Tanzkreis für junge Spätaussiedler und Einheimische Eichendorff-Saal Mi | jeweils 19 bis 20.30 Uhr Probe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft Ostpr.-Westpr. - Sudetenland Leitung: Iskra Ognyanova Mo 05.10. | 19 Uhr „Heinz lebt!“ - Revue zum 100. Geburtstag von Heinz Erhardt Eichendorff-Saal (Siehe S. 23) Di 06.10. | 10 Uhr Herbsttagung und Mitgliederversammlung der AG Heimatstuben „Bestandssicherung von Kulturgut in Heimatstuben“ Eichendorff-Saal Di 06.10. | 19 Uhr „Es stehen höhere deutsche Dinge auf dem Spiel“ – Gerhart Hauptmann und das „Dritte Reich“ Vortrag von Günter Gerstmann Konferenzraum (Siehe S. 4) Mi 07.10. | 19 Uhr „Kein Jubiläum – Die Gründung der DDR vor 60 Jahren.“ Vortrag von Werner Bader Konferenzraum (Siehe S. 3)

Fr 23.10. | 15 Uhr Kultur-Festival für Jugendliche Veranstalter: VIRA e. V. Eichendorff-Saal (Siehe S. 24) Mo 26.10. | 19 Uhr „Deutschland Ost und West – 20 Jahre nach dem Fall der Mauer“ Ministerpräsident a. D. Prof. Dr. Bernhard Vogel im Gespräch mit Dr. Joachim Sobotta Eichendorff-Saal (Siehe S. 4) Mi 28.10. | 18 Uhr „Die vergessene Front“ – Der Maler Ludwig Dettmann Foyer Eichendorff-Saal (Siehe S.18) Fr 30.10. | 19 Uhr Konzert - „Archaeus“- Ensemble Eichendorff-Saal (Siehe S. 12) Mo 02.11. | 19 Uhr „Falschspieler“ - Autorenlesung mit Dr. Michael Zeller Konferenzraum (Siehe S. 9) Mi 04.11. | 15 Uhr Kinemathek - „Der Choral von Leuthen“ Eichendorff-Saal (Siehe S. 21)

George“- Vortrag von Prof. Dr. Sigfrid Hoefert Konferenzraum (Siehe S. 6) Do 19.11. | 19.30 Uhr „Familienforschung in Schlesien“ Vortrag von Hans Fuhrich Veranstaltung mit dem Verein für Familienkunde e. V., Raum 312 Sa 21.11. | 15 Uhr Theater - „Peter Pan oder die Reise ins Land der Phantasie“ Eichendorff-Saal (Siehe S. 24) Mo 23.11. | 19.30 Uhr Perjamosch Bukarest Düsseldorf – Stationen eines Schriftstellerlebens Franz Heinz zum 80. Geburtstag Konferenzraum (Siehe S. 17) Mi 25.11. | 15 Uhr Kinemathek - „Fridericus“ Konferenzraum (Siehe S. 21) Do 03. bis Sa 05.12. Tagung der Preußischen Historischen Kommission Konferenzraum (Siehe S. 7) Do 03.12. | 09 Uhr Ausstellungseröffnung - „Parlamentarier in Demokratie und Diktatur: Paul Löbe und Carl Ulitzka“ Landtag NRW (Siehe S. 20)

Do 08.10. 05.11. 10.12. | 19.30 Uhr Offenes Singen mit Barbara Schoch Raum 412

Mi 04.11. | 19 Uhr „Willy Brandt. Der andere Deutsche“ Buchvorstellung mit Prof. Dr. Helga Grebing, Eichendorff-Saal (Siehe S. 5)

Di 13.10. | 19 Uhr „Uhren auf Schienen“ - Lesung mit Ana Blandiana und Franz Hodjak Konferenzraum (Siehe S. 8)

Mo 09.11. | 19.00 Uhr „Die friedliche Revolution von 1989“ Diskussion mit Stephan Hilsberg Maxhaus Düsseldorf (Siehe S. 9)

Do 03.12.| 19 Uhr „Kaiser Wilhelm II. (1859 - 1941) in neuerer Sicht“ - Vortrag von Prof. Dr. Christopher Clark Eichendorff-Saal (Siehe S. 7)

Mi 14.10. 04.11. 02.12. | 15 Uhr Ostdeutsche Stickerei mit Helga Lehmann und Christel Knackstädt Raum 311

Mo 09.11. | 19.00 Uhr Ausstellungseröffnung - „Im Zeichen der Aktualität – Kunstsalon Elbing“ Ausstellungsraum (Siehe S. 19)

So 06.12. | 10 - 16 Uhr Ost- und Mitteldeutscher Weihnachtsmarkt im GHH

Fr 16.10. | 09 Uhr „Preußen 1701 - 1947. Eine deutsche Geschichte“ - Vorlesung von PD Dr. Winfrid Halder, HeinrichHeine-Universität (Siehe S. 21)

Di 10.11. | 19 Uhr „20 Jahre nach Öffnung des Eisernen Vorhangs“ - Lesung und Diskussion mit Jiří Gruša und György Dalos Konferenzraum (Siehe S. 10)

Mo 19.10. | 15 Uhr Kinemathek - „Berlin Alexanderplatz“ Konferenzraum (Siehe S. 22)

Mi 11.11. | 19 Uhr „Das Scheitern der Weimarer Republik und die Entstehung des Grundgesetzes“ - Vortrag von Prof. Dr. Hans Mommsen Eichendorff-Saal (Siehe S. 6)

Mi 21.10. | 19 Uhr „… alle Menschen werden Brüder…“ – Oskar Gottlieb Blarr zum 75. Geburtstag, Eichendorff-Saal (Siehe S. 17)

26

Di 17.11. | 19 Uhr „Gerhart Hauptmann und Heinrich

Di 08.12. | 19.30 Uhr „Marion Gräfin Dönhoff (1909 2002). Ein widerständiges Leben“ Autorenlesung mit Alice Schwarzer VHS Düsseldorf (Siehe S. 11) Di 15.12. | 19 Uhr „Carl Ulitzka. Priester und Politiker in schwieriger Zeit“ - Vortrag von Dr. Guido Hitze Konferenzraum (Siehe S. 20) Mi 16.12. | 19 Uhr „Die Flucht nach Ägypten. Königlich Böhmischer Teil“ - Lesung mit Dr. Hajo Buch, Konferenzraum (Siehe S. 10)

WOJ 4-2009


M

it zahlreichen Schülern und „Stammgästen“ der Stiftung rundete das GerhartHauptmann-Haus die Veranstaltungsreihe zur „Varusschlacht“ mit einer Exkursion an den Originalschauplatz nach Kalkriese ab. Neben dem Besuch der Dauerausstellung und der Sonderausstellung „Konflikt“ konnten auch die neuen Ausgrabungsschnitte besichtigt und Gespräche mit den dort arbeitenden Archäologen geführt werden.

Geöffnet

Servicezeiten der Verwaltung Mo-Do 8 - 12.30 ● 13 - 17 Uhr Fr 8 - 14 Uhr Servicezeiten der Bibliothek Mo-Mi 10 - 12.30 ● 13.30 - 17 Uhr Do 10 - 12.30 ● 13.30 - 18.30 Uhr Öffnungszeiten der Ausstellungen Mo - Fr 8 - 17 Uhr Sa auf Anfrage ● Sonn- und feiertags geschlossen

Viele weitere Informationen über das Gerhart-Hauptmann-Haus und zu den im Heft behandelten Themen finden Sie - rund um die Uhr - auch im Internet unter www.g-h-h.de.

Das „West-Ost-Journal“ erscheint vierteljährlich.

Herausgeber: Stiftung „Gerhart-Hauptmann-Haus. Deutsch-osteurpäisches Forum“ Vorsitzender des Kuratoriums: Reinhard Grätz Vorsitzender des Vorstandes: Konrad Grundmann † Bismarckstr. 90 40210 Düsseldorf Postanschrift: Postfach 10 48 61 40039 Düseldorf Telefon: (02 11) 16 99 10 Telefax: (02 11) 35 31 18 Mail: bergmann@g-h-h.de Internet:www.g-h-h.de

Redaktion: PD Dr. Winfrid Halder, Chefredakteur; Dirk Urland M.A. Satz und Layout: Markus Patzke Herstellung: Rautenberg Druck, Rautenberg Druck GmbH, Blinke 8, 26789 Leer/Ostfriesland

Absender:

Bitte ausreichend

Abo-Bezugsmöglichkeit durch die nebenstehende Bestellkarte zum Jahresbezugspreis (Versandkostenpreis) von 6,50 €

frankieren

Antwortkarte

Anzeigenannahme: „Gerhart-Hauptmann-Haus“

Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus Deutsch-Osteuropäisches Forum Postfach 10 48 61

Also - Schon entschlossen? Dann: Bestellkarte ausfüllen und noch heute einsenden

40039 Düsseldorf

WOJ 4-2009

Impressum

27


Absender: Stiftung „Gerhart-Hauptmann-Haus“ Postfach 10 48 61 40039 Düsseldorf Postvertriebsstück Entgelt bezahlt G 9353 F

Stiftung „Gerhart-Hauptmann-Haus“ - Bismarckstr. 90 - 40210 Düsseldorf - Postvertriebsstück Entgelt bezahlt G 9353 F

D

er Schriftsteller Arno Surminski wurde am 11. September 2009 im Gerhart-Hauptmann-Haus mit dem AndreasGryphius-Preis ausgezeichnet. Mit dem Literaturpreis werden seit 1957 Autoren und Übersetzer geehrt, deren Publikationen deutsche Kultur und Geschichte in Mittel-, Ost- und Südosteuropa reflektieren und die zur Verständigung zwischen den Deutschen und ihren östlichen Nachbarn beitragen. Arno Surminski ist gegenwärtig zweifellos neben Siegfried Lenz der prominenteste Schriftsteller aus Ostpreußen. Er hat für sein Werk, in dem die Erinnerung an Ostpreußen wesentlicher Bestandteil ist, bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Zuletzt wurde ihm 2008 der Hannelore-Greve-Preis verliehen, der einer der angesehensten Literaturpreise in Deutschland ist. Die Künstlergilde Esslingen zeichnete ihn jetzt mit dem AndreasGryphius-Preis aus und würdigte damit sein Gesamtwerk in besonderer Weise. Ma.Pa.

Titelblatt

Bestellschein

Ich abonniere das "West-Ost-Journal" zum Preis von € 6,50 jährlich (4 Ausgaben inkl. Porto und Versand). Kündigungsfrist: 3 Monate vor Jahresende Vor- und Zuname: Straße, Nr.: PLZ, Wohnort

Ich überweise den Jahresbeitrag auf Ihr Konto bei Stadtsparkasse Düsseldorf (BLZ 300 501 10) Konto-Nr. 36 005 007

Datum und 28Unterschrift

Das Titelblatt zeigt Persönlichkeiten, denen die Besucher der Stiftung im vierten Quartal 2009 im Gerhart-HauptmannHaus oder bei unseren Partnern real oder thematisch begegnen können. Informationen über alle abgebildeten prominenten Personen finden sich im Inneren des Heftes wieder.

WOJ 4-2009


WOJ 4-2009