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6 Jubiläum

Ein Haus für die Bildung Fest zum Jubiläum der Lateinschule Seit 400 Jahren steht in der Nähe der St.-Nicolai-Kirche die Alfelder Lateinschule. Das freistehende Gebäude ist nicht nur der bedeutendste Fachwerkbau der Stadt Alfeld, sondern ein überregional herausragendes Beispiel der Spätrenaissance. Die farbig bemalten Schnitzereien sind ein Blickfang, aber sie sind mehr als Dekorationen.

Original und Täuschung Viele der Bauten der „Hildesheimer Spätrenaissance“ sind bei den Bombardements des Zweiten Weltkrieges zerstört worden, in erster Linie natürlich die in Hildesheim. Dort hat man aber das berühmte Knochenhaueramtshaus ebenso wieder aufgebaut wie jüngst den „Zuckerhut“. Während aber in Hildesheim nachempfundene „Täuschungen“ stehen, ist die Lateinschule eigentlich ein Original, auch wenn die Anmutung des Gebäudes sich entsprechend dem jeweiligen Geschmack der Zeit beziehungsweise den finanziellen Möglichkeiten gewandelt hat. Im Jubiläumsjahr bietet es sich an, einen genauen Blick auf dieses „Schmuckkästchen“ in der Alfelder Innenstadt zu werfen. 1610 war die Stadt Alfeld ein kleines Handelszentrum und deshalb vermögend. Aufwendige Bauvorhaben wie das Planetenhaus und die Superintendentur konnten realisiert werden – bereits einige Jahre vorher wurde das Rathaus umfangreich im Stil der Weserrenaissance ausgebaut. Auch dass die Stadtväter gerade für das Schulwesen an solche einem wichtigen Ort ein imposantes Gebäude errichteten, ist erwähnenswert. Der Initiator hieß Bartholomäus Sengebähr. Es folgte aber eine Zeit des wirtschaftlichen Rückschritts. Es gibt keine Bilder darüber, man muss sich vorstellen, wie das

Fachwerkgebäude unter dem 30-jährigen Krieg litt. Die Menschen mussten Hungersnöte, Brände, Seuchen und den Rückgang der Einwohnerzahlen verkraften. Der Schulbetrieb wurde zwar aufrechterhalten, seine Qualität war aber wenig begeisternd. 1840 hieß es provokant, dass es in keiner Stadt des Königreiches Hannover so wenige Erwachsene gäbe, die lesen und schreiben könnten, wie in Alfeld. Erst 1845 wurde die Schulpflicht eingeführt. Aber in Alfeld tat sich bereits etwas. Seit 1810 war Johann Heinrich Christoph Seffer in der Stadt. Er gilt als Begründer des Lehrerseminars – er sorgte dafür, dass Lehrer gut ausgebildet wurden, die wiederum Kinder ausbilden konnten. Die Schulformen wechselten, das Gebäude der Lateinschule blieb. Wie auch in anderen Gebäuden üblich, wurden Räume während des Ersten Weltkrieges als Lazarett genutzt. Dann waren dort auch Mietswohnungen untergebracht, als die Lehrer bereits nicht mehr in der Schule wohnten. Schon um das Jahr 1900 herum gab es die Idee, aus dem Fachwerkhaus ein Museum zu machen. Diese Ideen wurden schließlich realisiert. Alois Brandmüller stellte in einem Nebengebäude seine Tierpräparate aus, und im Haupthaus wurde ein Heimatmuseum eingerichtet. Wilhelm Barner war dabei treibende Kraft, er leitete das Museum bis 1973. Gänzliche andere Anmutung In dem Buch wird alles ausführlicher geschildert: Der Band beleuchtet die Geschichte des Lateinschulgebäudes aus verschiedenen Blickwinkeln: In dem Beitrag von Elmar Arnhold wird das Lateinschulgebäude in den Zusammenhang der norddeutschen Fachwerkarchitektur gestellt. Arne Herbote erörtert die eigentliche

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Baugeschichte des Hauses, unter anderem geht er dabei auf Sanierungsmaßnahmen ein, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zum Erhalt der Fassaden durchgeführt wurden. Ina Gravenkamp beschreibt die zahlreichen Umnutzungen, die das Gebäude im Zeitraum von 400 Jahren erfahren hat, und Horst Berndt erläutert die Inschriften und das Bildprogramm an den Fassaden im Bezug zum Konzept der evangelisch-reformatorischen Lateinschule. Nach 400 Jahren wollten die Autoren das Gebäude neu unter die Lupe nehmen. Das Interessanteste hat vielleicht Elmar

Arnhold herausgefunden: So war der Gebäudeeindruck ein ganz anderer, weil die Dachkonstruktion in der heutigen Form erst 1880 entstand. Man kann noch heute in den Holzbalken Reste davon sehen, dass schneckenförmige Brüstungen in das Holz geschnitzt wurden. Die Rekonstruktionen in dem Buch sind faszinierend. Auch gab es fast die doppelte Anzahl von Fenstern, also kaum ausgemauertes Fachwerk. Die Innenräume waren hell und lichtdurchflutet. Ganz so, wie beim zweiten bedeutenden Bau, den Alfeld zu bieten hat: Dem Fagus-Werk. (hst)

Live-Musik mit Qualität Kulturverein für Konzerte, Ausstellungen und Kleinkunst in Alfeld gegründet Seit knapp drei Jahren gibt Michael „Micha“ Saenz-Montes Musikern die Möglichkeit, sich im Café Live an der Holzer Straße einem Publikum zu präsentieren. Die Gäste sind meist begeistert, und die Künstler kommen gerne. Um das Musikprogramm weiterhin so qualitativ hochwertig und vielleicht sogar noch vielseitiger zu gestalten, hat sich eine Gruppe von elf Musik- und Kleinkunstfans zusammengefunden. Gegründet wurde der Kulturverein Café Live e.V., über den künftig das Veranstaltungsprogramm laufen soll. Für den Gastronom SaenzMontes eine willkommene Unterstützung bei der Organisation und dem Ausrichten der Konzerte. So ein Kulturprogramm mit Musik und Slam-Poetry, mit Ausstellungen und Lesungen bedeutet viel Arbeit und ist nicht selten ein finanzielles Risiko. Für einen Verein fallen geringere Abgaben an, was den Wirt in die Lage versetzt, seine Gastronomie weiter betreiben zu können.

Der Vorstand des neuen Vereins

Für den Verein gilt es jetzt, viele Freunde von Live-Musik als Mitglieder zu gewinnen. Deshalb gibt es einen ermäßigten Beitrag für Schüler und Studenten. Die nächsten Veranstaltungen sind am Donnerstag, 2. September, Der Schulz mit Band, und am Freitag, 3. September, treten zwei Songwriter im Doppelpack auf: Mick Thomas und Michael Barclay. Am 24. September kommt mit Werner Lämmerhirt ein weiterer Hochkaräter (siehe rechts). (hst) Wer sich für eine Vereinsmitgliedschaft interessiert: 0170 / 47 10 782 www.cafe-live.de

Fotos/Reproduktionen: H. Stumpe

In einem neuen Buch, das von Dr. Horst Berndt herausgegeben wurde, werden zum Jubiläum viele interessante Hintergründe und Zusammenhänge erläutert. Nicht zuletzt wird deutlich, dass die Lateinschule nicht immer so aussah, wie Betrachter sie heute sehen. Die Anmutung des Bauwerks hat sich in den 400 Jahren seines Bestehens stark gewandelt.

SiebenRegionalSept 2011  

Vier Wochen lang wird die SIEBEN: als Informationsmedium genutzt. Anspruchsvoll gestaltet und hochwertig produziert bietet unser Magazin Ihn...

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