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Gabriele Schindowski liebt die französische Lebensart, weswegen ihre Wohnung in der Main-Metropole

Savoir Vivre

ebenso gut in Paris liegen könnte

im Herzen Frankfurts

Feine Adresse Gemeinsam mit ihrem Mann Hans Heller und ihren zwei erwachsenen Kindern bewohnt Gabriele Schindowski das zweite Stockwerk dieses 1888 erbauten Hauses in der Frankfurtert Innenstadt

Freude am Detail Silberne Cloches, feines Porzellan und edle Accessoires machen für das Frankfurter Ehepaar Gastfreundschaft ebenso aus wie eine gute Küche. Diese ist natürlich nicht selten französisch inspiriert

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Fotos: Bernhard Schmerl/Prod.: Andrea Sundermann

Mit geschmack Die Hausherrin arbeitete früher bei einer großen Frankfurter Werbeagentur. 2004 eröffnete sie dann gemeinsam mit ihrem Mann „Schindowski Heller Home Interiors“ gegenüber der Alten Oper

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altes Andenken Bild unten links: Dieses Buffet hat die Familie in einem Antiquitätengeschäft in der Bretagne erstanden, später stand es in dem dortigen Ferienhaus. Im Inneren wird das Geschirr aufbewahrt

Vor dem Menue Der Tisch ist gedeckt, die Gäste können kommen. Von dem silbernen Schild in der Mitte der Tafel lässt sich die Speisefolge ablesen, die Beschriftung übernehmen stets die Kinder des Hauses

Fotos: Bernhard Schmerl/Prod.: Andrea Sundermann

Feuerstelle Verglichen mit den übrigen Räumen der Wohnung fällt die Küche etwas kleiner aus. Als sie 1888 gebaut wurde, standen die großbürgerlichen Hausherren eben noch nicht selbst am Herd. Wie viel Freude damit jedoch verbunden sein kann, zeigt das „Reich“ von Gabriele Schindowski

Zur französischen Lebensart zählt die Familie besonders eine herzliche Gastfreundschaft

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Festlich gedeckt Formvollendet zelebriert Gabriele Schindowski auch eine geschmackvolle Tafelkultur: „So sieht es bei uns immer aus.“ Service, Besteck und Blumenschmuck stimmt sie farblich stets passend aufeinander ab

edel kredenzt Die Hausherrin hegt eine besondere Vorliebe für Produkte von „Flamant“, zu denen auch dieses Tablett zählt. Die gestreifte Tapete im Esszimmer (Bilder links) stammt ebenfalls aus dem belgischen Einrichtungshaus

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unächst versucht Gabriele Schindowski ihre Leidenschaft in möglichst nüchterne Worte zu verpacken: „Ich bin frankophil eingestellt“, sagt sie. Doch je länger der Besuch bei ihr dauert, desto mehr gibt sie preis von ihrer Geschichte, von ihrem Leben, in dem Frankreich eine bedeutende Rolle spielt. Bis heute. Über ihrem Bett hängt eine Luftaufnahme von Paris, schwarz-weiß, ein feiner Nebel umhüllt die Brücken über die Seine. Das elegante Leben des Pariser Bürgertums zelebriert sie denn auch in ihrer großen Wohnung in Frankfurt. Sie verfügt über sieben Zimmer, der Stuck an den hohen Decken ist so alt wie das ganze Haus, mehr als 120 Jahre. „Man darf nicht überall so genau hin sehen“, sagt sie mit einer Nonchalance, wie sie ein Pariser nicht besser über die Lippen brächte. Zum „Savoir Vivre“ gehört eben auch die Lässigkeit, den ganz alltäglichen Verfall betagter Bausubstanz nicht allzu tragisch zu nehmen. Allerdings nutzt Gabriele Schindowski diese „historische Kulisse“ nur allzu gerne, um davor ihre geschmackvollen Arrangements und Dekorationen zu inszenieren. Schon von Berufs wegen ist ihr Geschmack erlesen, nur zehn Minuten von ihrer Wohnung in der Innenstadt

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Eingangsbereich Bild unten rechts: Reich verziert präsentiert sich das Entrée der Wohnung, der Stuck ist so alt wie das ganze Haus, mehr als 120 Jahre. Links geht es ins Wohn-, rechts ins Arbeitszimmer der Familie

Eine Wohnung wie ein Album – die Stationen des Lebens lassen sich an der Einrichtung ablesen

Petit déjeuner Das Gedeck fürs französische Frühstück im Bett: Dazu gehören selbverständlich ein Croissant und ein Café au lait, das Wasser kommt aus einer kannelierten Karaffe. Die Hausherrin weiß eben Gaumen und Auge gleichermaßen zu verwöhnen

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Fotos: Bernhard Schmerl/Prod.: Andrea Sundermann

Historische Ecke Die Mußestunden bevor sie ins Bett geht, verbringt Gabriele Schindwoski gerne an dem kleinen Sekretär im Schlafzimmer. So hätte es hier auch in jenen Tagen aussehen können, als das Haus noch nagelneu war

Foto-Kabinett Ein kurzer Blick ins Schlafzimmer: Die Aufnahmen an der Wand rechts sind alte Familienbilder, die das Ehepaar vergrößert und elegant gerahmt hat. Direkt über dem Bett prangt großformatig Paris

Dunklere Töne Nein, sagt Gabriele Schindowski, bei aller Liebe zu Frankreich könne sie auch einen gewissen Hang zum Kolonialstil nicht leugnen. Am deutlichsten zeigt er sich im Wohnzimmer, in dem sie verstärkt auf Brauntöne setzt

entfernt befindet sich ihr Interieur-Geschäft, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Hans Heller betreibt (siehe Kasten auf Seite XY). So zieren elegante Tapeten die hohen Wände, das Mobiliar wirkt ausgesucht und spielt mit Stoffen und Strukturen. Selbst das stimmungsvoll eingesetzte Licht weiß dem Auge zu schmeicheln. „Wohnlich soll es sein“, sagt sie. „Von der Wohnung muss eine gewisse Wärme ausgehen. Dazu gehören Großzügigkeit und Farbe.“ Doch auch die Stationen ihres Lebens lassen sich an der Einrichtung ablesen. Und da ist sie wieder, die Liebe zu Frankreich: Im Esszimmer steht ein Buffet, das sie und ihre Mann einst bei einem Antiquitätenhändler in der Bretagne für ihr altes Bauernhaus in Saint-Brieuc gekauft haben. Das Haus besitzen sie heute nicht mehr, aber die Erinnerungen sind geblieben: Die Nachbarin Rosalie, erzählt sie, die in einem Rosengarten lebte, hat sie bei ihrer Ankunft stets mit frischen Crepes begrüßt. Auf der Weide standen vier Kühe, die Rosalie und ihre Familie ernährten. Die schönsten Möbel aus Saint-Brieuc hat Gabriele Schindowski schließlich mit nach Frankfurt genommen, wo die Lust an französischer Lebensart weiterlebt. Sie liebt Ofengerichte wie

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auf einen happen Bild rechts: Die Küche ist den „schnellen Mahlzeiten“ und der Familie vorbehalten – darum nur vier Stühle. Dennoch achtet Gabriele Schindowski auch hier auf ausgesuchte Details wie eine gläserne Cloche Tapetenwechsel Bild unten: Ein „letzter“ Blick ins Wohnzimmer, das bald schon wieder ganz anders aussehen kann. Gabriele Schindowski liebt die zuweilen rasche Veränderung – sehr zum Leidwesen ihrer Familie

kleines Refugium Neben dem Bücherregal bietet sich diese Ecke zum Schmökern an. Es ist nicht die einzige in dem beinahe sechseckigen Raum. In der Vertiefung, in der heute die große Uhr hängt, befand sich früher ein Ofen

t „Boeuf Bourgignon“, die sie Familie und Freunden allein mit Baguette, gesalzener Butter und einem edlen Tropfen von jenseits des Rheines kredenzt. Wer einst ein Haus in der Bretagne hatte und in Paris und Cannes gelebt hat, den lässt der „Savoir Vivre“ nicht mehr los. Allein ihre Familie, dazu gehören noch die zwei erwachsenen Kinder, hat mit dem anspruchsvollen Geschmack von Gabriele Schindowski zuweilen ihre liebe Not. Was allerdings weniger für die Gaumenfreuden, als vielmehr für die regelmäßigen Umgestaltungen des gemeinsamen Zuhauses gilt. Derzeit sei sie mal wieder mit einem „Streichverbot“ belegt, erzählt sie vergnügt. „Neue Farbe verändert eben die Wohnung. Mein Problem ist nur, dass ich, immer wenn etwas fertig ist, es schon wieder verbessern könnte. Auf diese Weise verändert sich die  Laden-adresse  Wohnung ständig.“ Dennoch vererbt sich, was so tief in Schindowski Heller Home Interiors einem Menschen verankert ist: Wo hat Bockenheimer Landstraße 5 wohl Gabriele Schindowskis Tochter Lena 60325 Frankurt am Main studiert, eine angehende Juristin? Genau, Telefon 069/97 99 59 55 in Paris – le style c´est l´homme. www.schindowski-heller.de  Florian Wachsmann 

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Fotos: Bernhard Schmerl/Prod.: Andrea Sundermann

Nach Georges-Louis Leclerc de Buffon: Le style c´est l´homme – der Stil, das ist der Mensch

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WohnenTräume 1/10. Interior Designerin Gabriele Schindowski  
WohnenTräume 1/10. Interior Designerin Gabriele Schindowski  

Savoir Vivre im Herzen Frankfurts. Im Frühjahr 2010 besuchte die Zeitschrift WohnenTräume die Interior Designerin Gabriele Schindowski in ih...

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