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Actualités OFS BFS Aktuell Attualità UST 14 Gesundheit 

Neuchâtel, 4.2013

Todesursachenstatistik Sterblichkeit und deren Hauptursachen in der Schweiz Im Jahr 2010 starben in der Schweiz 62’649 Menschen. Die Lebenserwartung bei Geburt betrug 80,2 Jahre für die Männer und 84,6 Jahre für die Frauen. Die Mehrzahl der Menschen sterben heute im Alter von über 80 Jahren. Weil die Krankheiten bei Jüngeren abnehmen oder wirksamer behandelt werden können, sterben mehr Menschen in höherem Alter und an den für dieses Alter typischen Krankheiten. Die Wahrscheinlichkeit, in jungen Jahren zu sterben, ist gering. Für Säuglinge beträgt die Sterblichkeitsrate 38 pro 10’000 Lebendgeburten. Kinder zwischen 1 und 12 Jahren haben ein Sterberisiko von weniger als 2 zu 10’000. Die Sterberate steigt im weiteren Alter exponentiell an und kann nur auf einer logarithmischen Skala abgebildet werden (G1).

Häufigste Todesursachen nach Altersklassen 2010 Männer

0–24 25–44

45–64

100 000

G1

85 und älter

Frauen

0–24 25–44 45–64

Sterberate nach Alter, 2010

65–84

65–84

Quelle: BFS, Todesursachenstatistik

85 und älter

G2

Herz-KreislaufKrankheiten Krebskrankheiten Atemwegserkrankungen Unfälle und Gewalteinwirkungen Demenz Alle übrigen Todesursachen Die Flächen sind proportional zur absoluten Zahl der Todesfälle. © BFS

pro 100’000 Einwohner/innen logarithmische Skala

10 000 1 000 100 10

0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85 90 10 0 9 u. 5 ält er

1

Männer

Quelle: BFS, BEVNAT

Frauen

© BFS

Die Verteilung der Todesfälle nach Alter und Geschlecht ist in Grafik G2 ersichtlich. 1% der Verstorbenen waren bis 24-jährig, 2% 25- bis 44-jährig, 12% 45- bis 64-jährig, 43% 65bis 84-jährig und 41% über 85-jährig. Espace de l’Europe10  CH-2010 Neuchâtel  www.statistik.admin.ch

Insgesamt am häufigsten sind die durch Herz-Kreislauf-Krankheiten bedingten Todesfälle. Diese Aussage trifft aber nur für das Total der Todesfälle und für die über 80-Jährigen zu. Dagegen gilt sie für die jüngeren Altersgruppen nicht. Bei den 47- bis 79-jährigen Männern ist Krebs die häufigste Todesursache. Bei den Frauen ist Krebs schon vom 36. bis zum 77. Altersjahr die häufigste Ursache. Die externen Ursachen, vor allem Unfälle und Suizid, stehen bei den 16- bis 46-jährigen Männern und den 16- bis 35-jährigen Frauen an erster Stelle. Bei den Neugeborenen sind angeborene Krankheiten und geburtsbedingte Probleme zu 88% Ursache des Todes.

Multimorbidität In der Todesursachenstatistik werden bis zu vier Diagnosen verzeichnet, in Ausnahmefällen bis zu fünf. 11% der Todesfälle haben eine, 24% zwei, 30% drei und 31% vier Diagnosen. Die


BFS aktuell

Anzahl der Diagnosen nimmt mit dem Alter zu (G3). Am meisten Diagnosen werden bei den 85- bis 94-Jährigen registriert.

Multimorbidität nach Alter, 2010 Prozent der Todesfälle

1– 0 15 14 – 20 19 –2 25 4 – 30 29 – 35 34 –3 40 9 – 45 44 – 50 49 – 55 54 – 60 59 – 65 64 – 70 69 –7 75 4 – 80 79 – 85 84 –8 90 9 –9 10 0 95 4 un – 9 d 9 äl te r

80 70 60 50 40 30 20 10 0

G3

Altersgruppen

3 Diagnosen

4 Diagnosen

Quelle: BFS, Todesursachenstatistik

© BFS

Falls zwei oder mehr Krankheiten zum Tod beigetragen haben, erscheinen die zusätzlichen als Nebendiagnosen. Diese Diagnosen können aus derselben oder aus einer anderen grossen Krankheitsgruppe stammen. In der folgenden Tabelle T1 sind nur die Nebendiagnosen aus einer anderen als der Krankheitsgruppe der Hauptdiagnose berücksichtigt. Die häufigste Todesursache bilden die Herz-Kreislauf-Krankheiten, an denen rund 22’000 Menschen sterben. Weitere etwa 18’000 Verstorbene mit einer anderen Haupttodesursache weisen ebenfalls eine Herz-Kreislauf-Krankheit auf, die zu ihrem Tod beiträgt. Die Hauptdiagnosen machen also 55% aus.

T 1  Haupt- und Nebendiagnosen, 2010 Anzahl Haupt- Anzahl Neben- % als Hauptdiagnosen diagnosen diagnosen

Herz-Kreislauf-Krankheiten 21 959 Krebskrankheiten 16 277 Atmungsorgane 3 726 Äussere Ursachen 3 566 Demenz 5 195 Alle übrigen Diagnosen 11 926

17 712 1 537 11 400 1 366 4 488 26 584

55,4 91,4 24,6 72,3 53,7 31,0

Krebs hingegen erscheint 16’000-mal als Haupttodesursache, das sind 91% der Krebsfälle. Umgekehrt sind die Krankheiten der Atmungsorgane nur zu 25% wichtigste Ursache. Dies

liegt daran, dass Personen, die von einer anderen ernsthaften Krankheit geschwächt sind, häufig eine Lungenentzündung erleiden und an dieser sterben. Lungenentzündungen machen einen grossen Anteil der Atemwegserkrankungen aus. Auch Grippe (Influenza) betrifft häufig Menschen, die von anderen Grundkrankheiten geschwächt sind, und erscheint deshalb meist nicht selbst als Haupttodesursache. Während 5200 Personen an Demenz verstarben (54%), waren weitere 4500 ebenfalls von dieser Krankheit betroffen (46%). Insgesamt wurde also bei 9700 Verstorbenen Demenz registriert.

Kann man an Demenz sterben? In der Todesursachenstatistik ist diejenige Krankheit die Haupttodesursache, welche am Anfang eines Krankheitsverlaufs steht. Die Kausalkette ist ausschlaggebend, Folgekrankheiten und Begleitdiagnosen erscheinen als solche, der letztendliche Auslöser des Todeseintritts, meist ein HerzKreislauf-Stillstand, bleibt in der Regel unberücksichtigt.

Die Sterblichkeit im Jahresverlauf 2010 Die Zahl der Todesfälle ist einer deutlichen saisonalen Schwankung unterworfen. Würden sich die etwa 60’000 Todesfälle gleichmässig über alle Monate des Jahres verteilen, wären dies 5000 Todesfälle pro Monat. In Wirklichkeit sterben mehr Menschen im Winterhalbjahr, mit einem Maximum von rund 5900 Fällen jeweils im Januar. Im Sommerhalbjahr (Mitte Mai bis Mitte September) sterben deutlich weniger Menschen, mit einem Minimum von rund 4600 Fällen im September. Diese normale saisonale Schwankung betrifft fast ausschliesslich die über 65-Jährigen. Das Modell, mit dem fortlaufend geprüft wird, ob aktuell eine Übersterblichkeit besteht, beruht auf den vorangegangenen zehn Jahren. Nur die in der Schweiz verstorbenen und in der Schweiz wohnhaften Personen werden berücksichtigt, d.h. die 500 im Ausland verstorbenen Personen mit Schweizer Wohnsitz werden in diesem Modell nicht gezählt. Im Jahr 2010 starben mit 62’100 Personen 600 mehr, als aufgrund des 10-Jahres-Trends zu erwarten war. Die Abweichung ist mit 1% als gering zu bezeichnen. Sie kann auf eine leichte Übersterblichkeit der 65-Jährigen und Älteren in den Monaten März, September und Oktober 2010 zurückgeführt werden (G4).

Wöchentliche Zahl der Todesfälle 2010

G4

1400 1200 1000 800 600 400 200 0 1

4 65+

Quelle: BFS, BEVNAT

2

7

10 0–64

13

16

19

22

25 28 Kalenderwoche

31

34

37

40

43

46

49

52

Das mit den dünnen Linien angezeigte Band zeigt das 95%-Vertrauensintervall der Prognose. © BFS


BFS aktuell

Entwicklung der Mortalitätsrate Seit etwa 50 Jahren sterben in der Schweiz jedes Jahr ungefähr 60’000 Menschen (±2000 Todesfälle; G5). Wegen des hohen Frauenanteils unter den Betagten sind es seit 1995 mehr Frauen als Männer.

Anzahl Todesfälle nach Geschlecht 1969 bis 2010

G5

35 000

Die standardisierte Rate der VPL pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner hat seit 1969 um mehr als die Hälfte der damaligen Zahl abgenommen (G7). Während bei den Frauen die Abnahme kontinuierlich verläuft, zeigte sich bei den Männern in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre infolge der AidsEpidemie vorübergehend ein Stillstand. Seither verläuft diese Entwicklung bei den Männern aber etwas rascher als bei den Frauen.

25 000 20 000 15 000 10 000 5 000 0 1969

1975

1980

Männer

1985

1990

1995 2000

2005

2010

Frauen

Quelle: BFS, BEVNAT

© BFS

Altersstandardisierte Rate pro 100’000 Einwohner/innen

Verlorene potenzielle Lebensjahre 1969 bis 2010

30 000

9000 8000 7000 6000 5000 4000 3000 2000 1000 0 1969

1975

1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010

Männer

Die Sterberate der Frauen ist in jedem einzelnen Altersjahr niedriger als die der Männer (siehe auch Grafik G1). Fasst man diese altersspezifischen Sterberaten in der standardisierten Sterberate zusammen, lässt sich ihr Verlauf über die Jahre darstellen (G6). Dieser zeigt die beträchtliche Abnahme der Mortalitätsraten in den letzten Jahrzehnten.

Altersstandardisierte Sterberate pro 100’000 Einwohner/innen

Entwicklung der Sterberate 1969 bis 2010

G6

G7

Frauen

Quelle: BFS, Todesursachenstatistik

© BFS

Entwicklung in den kommenden Jahren Die Szenarien der Bevölkerungsentwicklung des BFS zeigen, dass die Zahl der Todesfälle in den kommenden Jahren und Jahrzehnten stark zunehmen wird (G8). Dies liegt hauptsächlich an der demografischen Entwicklung, der Zunahme des Anteils alter Menschen in unserem Land.

1400

Entwicklung der Anzahl Todesfälle bis 2060

1200

G8

1000 120 000

800 600

100 000

400

80 000

200

60 000

0 1969

1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 Männer

20 000

Frauen © BFS

0

19 7 19 0 75 19 8 19 0 85 19 9 19 0 95 20 0 20 0 0 20 5 10 20 1 20 5 20 20 2 20 5 3 20 0 3 20 5 40 20 4 20 5 50 20 5 20 5 60

Quelle: BFS, Todesursachenstatistik

40 000

Entwicklung der verlorenen potenziellen Lebensjahre Die «vorzeitige» Sterblichkeit wird mittels der Anzahl der verlorenen potenziellen Lebensjahre (VPL) gemessen. Im Jahr 2010 waren dies 111’000 Jahre bei den Männern und 64’000 Jahre bei den Frauen.

Definition Die verlorenen potenziellen Lebensjahre (VPL) sind ein Indikator für vorzeitige Mortalität. Zur Berechnung der VPL werden die Todesfälle jeder Altersgruppe addiert und anhand der Zahl der bis zur Altersgrenze von 70 Jahren verbleibenden Lebensjahre gewichtet. Tritt beispielsweise der Tod im 5. Lebensjahr ein, werden 65 VPL gezählt. Die Grenze von 70 Jahren ist festgelegt, aus Gründen der Vergleichbarkeit wird sie oft so gewählt (z.B. von der OECD).

Effektive Zahlen Quelle: BFS, Szenarien

Prognose mittleres Szenario © BFS

Indikatoren für Todesursachen Todesursachen lassen sich durch verschiedene Indikatoren darstellen, mit denen unterschiedliche Aspekte gezeigt werden können. Tabelle T2 zeigt acht Indikatoren. Die einfachsten davon sind die absolute Zahl und der Prozentanteil an allen Todesfällen. Diese Zahlen können direkt miteinander verglichen werden und sie zeigen auf sehr einfache Art, welche Todesursachen häufig und welche selten sind. Die rohe Rate gibt ein Mass in Bezug auf die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner, berücksichtigt aber den Altersaufbau der Bevölkerung nicht. Die standardisierten Raten berücksichtigen diesen und können deshalb für den Vergleich der Mortalität zwischen verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlichen Regionen dienen. Die verlorenen poten-

3


BFS aktuell

T 2  Indikatoren der häufigsten Todesursachen, 2010 Anzahl

% aller Todesfälle

Rohe Rate1

Standardisierte Rate 2

VPL abs.3

% der VPL

VPL standardisierte Rate 4

Mittleres Sterbealter (Jahre)

Männer Herz-Kreislauf-Krankheiten Krebskrankheiten Atmungsorgane Äussere Ursachen Demenz Alle übrigen Diagnosen Alle Todesursachen

9 924 9 054 2 007 2 112 1 598 5 588 30 283

32,8 29,9 6,6 7,0 5,3 18,5 100,0

258,0 235,0 52,1 54,8 41,5 – 786,0

181,0 176,0 36,0 45,6 27,4 – 577,0

19 760 33 258 2 515 30 539 203 24 645 110 920

17,8 30,0 2,3 27,5 0,2 22,2 100,0

508,3 861,6 66,3 862,4 5,0 – 2 964,2

79,2 72,7 80,2 60,4 85,4 72,0 75,0

Frauen Herz-Kreislauf-Krankheiten Krebskrankheiten Atmungsorgane Äussere Ursachen Demenz Alle übrigen Diagnosen Alle Todesursachen

12 035 7 223 1 719 1 454 3 597 6 338 32 366

37,2 22,3 5,3 4,5 11,1 19,6 100,0

303,0 182,0 43,3 36,6 90,5 – 814,0

116,0 111,0 18,6 20,4 31,7 – 376,0

6 770 30 401 1 472 10 352 325 14 882 64 202

10,5 47,4 2,3 16,1 0,5 23,2 100,0

176,1 791,3 38,6 297,1 7,9 – 1 732,7

86,0 72,9 83,4 73,9 87,8 78,7 81,2

3 4 1 2

Rohe Rate: Anzahl Fälle pro 100’000 Einwohner/innen Standardisiere Rate: direkte Altersstandardisierung mit Standardpopulation Europa 1980 VPL: Verlorene potenzielle Lebensjahre der vor dem 70. Altersjahr Verstorbenen VPL standardisierte Rate: VPL pro 100’000 Einwohner/innen, altersstandardisiert

ziellen Lebensjahre sind ein Indikator für vorzeitige Todesfälle. Sie zeigen, wo Prävention einen besonders hohen Nutzen erbringen kann. Das mittlere Sterbealter veranschaulicht, dass je nach Lebensphase unterschiedliche Gesundheitsprobleme auftreten. Die grösste Diskrepanz zeigt sich zwischen den äusseren Ursachen (v.a. Unfälle und Suizid) und der Demenz. An Demenz stirbt ein Mann im Mittel mit 85 Jahren, an Unfall oder Suizid 25 Jahre jünger. Deshalb entfallen bei den Männern nur 0,2% der verlorenen potenziellen Lebensjahre auf die Demenz, aber 27,5% auf die äusseren Ursachen. Bei den Frauen ist die Diskrepanz zwischen Demenz und Krebs am grössten. An Demenz sterben sie mit durchschnittlich 88 Jahren, an Krebs mit durchschnittlich 73. Sie verlieren 0,5% der potenziellen Lebensjahre aufgrund Demenz, aber 47% aufgrund von Krebs. Das Alter verunfallter Männer und Frauen unterscheidet sich stark, weil bei den Frauen die häufigen Sturzunfälle im Alter stark ins Gewicht fallen.

Fehlende Angaben Für 2,5% der Todesfälle des Jahres 2010 ist die Todesursache nicht bekannt, sei es, dass keine Diagnose gestellt werden konnte, sei es, dass diese dem BFS nicht mitgeteilt wurde. Der Anteil der unbekannten Todesursachen ist bei Verstorbenen über 70 Jahren etwas kleiner als bei den in jüngerem Alter Verstorbenen.

Weitere Informationen zur Todesursachenstatistik im Internet: www.statistik.admin.ch R 14 Gesundheit R Gesundheit der Bevölkerung R Sterblichkeit, Todesursachen R Daten, Indikatoren

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Datenquelle und Methoden Die schweizerische Todesursachenstatistik wurde 1876 eingeführt. Sie beruht auf der ärztlichen Bescheinigung der Todesursachen. Die Angabe der Diagnosen erfolgt in Worten, die Kodierung nach ICD-10 wird im Bundesamt für Statistik nach den von der WHO definierten Regeln vorgenommen. Alle erhobenen Daten werden anonym und vertraulich behandelt und unterliegen den Vorschriften des Bundesgesetzes über den Datenschutz (DSG) vom 19. Juni 1992 (SR 235.1). Die Publikationen zur Todesursachenstatistik beziehen sich auf die in der Schweiz wohnhaft gewesenen Personen, d.h. auf die ständige Wohnbevölkerung unabhängig von der Nationalität und vom Ort des Todes. Impressum Herausgeber: Bundesamt für Statistik (BFS) Konzept, Redaktion: Christoph Junker Serie: BFS Aktuell Fachbereich: 14 Gesundheit Layout: DIAM, Prepress/Print Übersetzungen: Sprachdienst BFS, Sprachen: verfügbar Deutsch (Originaltext), Französisch, Italienisch und Englisch Auskunft: Bundesamt für Statistik, Informationsdienst Gesundheit, Tel. 032 713 67 00, E-Mail: gesundheit@bfs.admin.ch Bestellungen: Bestellnummer: 1257-1000, gratis. Tel. 032 713 60 60, E-Mail: order@bfs.admin.ch, Fax 032 713 60 61


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