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Département fédéral de l'intérieur DFI Office fédéral de la statistique OFS

Methodenbericht

4

Volkswirtschaft

Neuchâtel, Juni 2013

Von den Daten zu Forschung und Entwicklung zu den Aggregaten Der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung Methode und Konzepte

Auskunft: Pierre Sollberger, BFS, Sektion Wirtschaftsstruktur und -analysen, Tel.: +41 32 71 36865 E-Mail: Pierre.Sollberger@bfs.admin.ch Bestellnummer: 1173-1000-05

Espace de l'Europe 10 CH-2010 Neuchâtel www.statistique.admin.ch


2/19


Inhaltsverzeichnis 1

Einleitung

5

2

Definitionen

6

2.1

Forschung und Entwicklung ....................................................................................................... 6

2.2

Die Kapitalisierung der F+E-Aufwendungen ............................................................................... 6

3

Die Datenquellen zur F+E in der Schweiz

3.1

Verfahren der Datenerhebung in der Schweiz ............................................................................ 7

3.2

Die F+E-Bruttoinlandaufwendungen .......................................................................................... 7

4

Interpolationsmethode zur Ermittlung fehlender Daten

4.1

Interpolation der BAFE ............................................................................................................... 8

4.2

Interpolation von Elementen, die eng mit der BAFE verbunden sind ........................................... 9

5

F+E-Aufwendungen als F+E-Bruttoproduktionswert

5.1

Die Brückentabelle («bridge table») ......................................................................................... 10

5.2

Die Komponenten der Brückentabelle ...................................................................................... 11

5.2.1

BAFE ........................................................................................................................................ 11

5.2.2

F+E-Vorleistungen für die Produktion von F+E ......................................................................... 11

5.2.3

Kapitalaufwendungen .............................................................................................................. 12

5.2.4

Abschreibungen und Betriebsüberschuss geschätzt nach Kapitalleistungen .............................. 12

5.2.5

Andere Produktionsabgaben und sonstige Produktionssubventionen ....................................... 13

6

Vom BPWF+E zu den BIF+E

6.1

Aufkommens- und Verwendungstabelle .................................................................................. 13

6.1.1

Die Etappen der Aufkommens- und Verwendungstabelle ........................................................ 14

6.1.2

Die Problematik der Importe und Exporte von F+E ................................................................... 14

7

Die Kapitalisierung der BIF+E

7.1

Notwendige Daten für die Kapitalisierung ................................................................................ 15

7.2

Die Nutzungsdauer von F+E-Aktiva ......................................................................................... 15

7.3

Die Preisindizes ........................................................................................................................ 16

8

Grenzen

17

9

Bibliografie

18

Abkürzungsverzeichnis

7

8

10

13

15

19

3/19


Verzeichnis der Tabellen Tabelle T1: Bestandteile des BPWF+E zu Herstellungspreisen und der BAFE

10

Tabelle T2: Br端ckentabelle (bridge table)

11

Tabelle T3: Aufkommens- und Verwendungstabelle

14

Schema S1: F+E als Vorleistung

11

4/19


1

Einleitung

Unter Ökonomen, Politikerinnen und Wissenschaftlern ist man sich weitgehend einig, dass der Bereich der Forschung und Entwicklung (F+E) ein entscheidendes Element des Wirtschaftswachstums eines Landes darstellt und als solches zur Sicherung und Verbesserung seiner internationalen Wettbewerbsfähigkeit und des Lebensstandards seiner Bevölkerung beiträgt. Bis anhin erlaubte es das System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung1 jedoch nicht, den Einfluss der F-E-Aufwendungen auf das Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) zu messen. Um diese Lücke zu schliessen, wurde im Rahmen der aktuellen Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) beschlossen, die F-E-Aufwendungen zu identifizieren und so miteinzubeziehen, dass ihr Einfluss auf die Entwicklung und das Niveau des BIP ersichtlich wird. Bis anhin galten die F-E-Aufwendungen im System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ebenso wie andere laufende Aufwendungen (z.B. Elektrizität oder Heizung) als Vorleistung. Neu werden diese Aufwendungen nun aber als Investition behandelt. Dies bedeutet, dass die F-E-Aufwendungen als Kapital betrachtet werden, das am Produktionsprozess beteiligt ist. Indem die F-E-Aufwendungen kapitalisiert werden, kann ihr Einfluss auf den Wert bestimmter Aggregate wie etwa BIP und Kapitalstock sowie auf ihre Entwicklung gemessen werden. Der vorliegende Bericht beschreibt den gegenwärtigen Stand der vom Bundesamt für Statistik (BFS) im Rahmen des Prozesses zur Kapitalisierung der F+E-Aufwendungen durchgeführten Arbeiten. Bei diesen Arbeiten wurden alle Empfehlungen von internationalen Expertengruppen, die sich mit diesem Thema beschäftigen, so eng wie möglich eingehalten. Kapitel 2 widmet sich den Definitionen der verwendeten Konzepte. Kapitel 3 präsentiert die verschiedenen Datenerhebungen im Bereich F+E in der Schweiz ebenso, wie den für die Schätzungen verwendeten Hauptindikator der F+E-Bruttoinlandaufwendungen (BAFE). Da dieser Indikator nicht jährlich zur Verfügung steht, werden in Kapitel 4 die Methoden erläutert, die das BFS zur Schliessung gewisser Datenlücken anwendet. In den Kapiteln 5, 6 und 7 werden die methodischen Schritte aufgezeigt, die eine Kapitalisierung der F+E-Aufwendungen möglich machen. Dazu gehören die Schätzung des Bruttoproduktionswertes von F+E (BPWF+E) (Kapitel 5), die Überführung des BPWF+E in die Bruttoinvestitionen von F+E (BIF+E) (Kapitel 6) und die Einführung der BIF+E in den Kapitalstock (Kapitalisierungsprozess) (Kapitel 7). Diese drei Kapitel bilden den zentralen Schwerpunkt des vorliegenden Berichts. Im abschliessenden Kapitel 8 werden schliesslich die Grenzen dieses ersten Versuchs aufgezeigt. Da die Arbeiten einen experimentellen Charakter haben, unterliegen die Schätzmethoden künftig weiteren Anpassungen, damit die Qualität der Messungen weiter verbessert wird. Parallel zu diesem Methodenbericht publiziert das BFS eine Analyse2 der Resultate dieser ersten Kapitalisierung der F+E-Aufwendungen innerhalb der Schweizer Wirtschaft sowie ihrer Auswirkungen auf die wichtigsten makroökonomischen Aggregate (BIP und Kapitalstock). Der vorliegende Bericht richtet sich an ein Fachpublikum, das bereits mit den Begriffen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung vertraut ist. Aus diesem Grund werden gewisse Konzepte des Systems der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht systematisch erklärt.3

1

2

3

Das System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist eine Sammlung von Empfehlungen, deren Ziel darin bestht, wichtigsten makroökonomischen Ergebnisse verschiedener Länder international vergleichen zu können. Die neuste Version dieser Empfehlungen wurde 1993 von verschiedenen interationalen Organisationen herausgegeben («The System of National Accounts 1993», Organisation der Vereinten Nationen (UNO), Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) , Brüssel/Luxemburg, New York, Paris, Washington D.C., 1993). Um die in der wirtschaftlichen Realität beobachteten Veränderungen bestmöglich miteinzubeziehen, werden diese Empfehlungen periodisch revidiert. Die Europäische Union hat eine Version des Handbuches herausgegeben, welche die Eigenheiten der europäischen Wirtschaften besser berücksichtigt (vgl. Statistisches Amt der Europäischen Gemeinschaften (Eurostat), «Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen, ESVG 1995», Luxemburg, 1996). Die Schweiz setzt die Richtlinien des ESVG 1995 in die Praxis um. Bundesamt für Statistik (BFS), «Beitrag von Forschung und Entwickung für die Schweizer Wirtschaft aus Sicht der makroökonomischen Statistik – Vorläufige Ergebnisse», BFS Aktuell, Neuchâtel, 2012. Ausführlichere Informationen zum System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung sind zu finden in: «Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung: Eine Einführung in Theorie und Praxis – Methoden und Konzepte des ESVG», Publikation des BFS, Neuchâtel, 2003.

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2

Definitionen

Um besser verstehen zu können, wie die F+E-Aufwendungen in der vorliegenden Kapitalisierung behandelt werden, sind einige Definitionen erforderlich. Im vorliegenden Kapitel werden daher Konzepte wie etwa die «Bereiche», die durch den Begriff F+E abgedeckt werden (Abschnitt 2.1), und der Begriff der Kapitalisierung (Abschnitt 2.2) erläutert. 2.1

Forschung und Entwicklung

Die 6. Ausgabe des Frascati-Handbuchs (FH)4, das von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verfasst wurde, dient als oberste Referenz für alle statistischen Produkte und Analysen zu F+E-Aktivitäten. Das Frascati-Handbuch definiert F+E wie folgt: «Forschung und experimentelle Entwicklung (F+E) ist systematische schöpferische Arbeit zur Erweiterung des Kenntnisstandes, einschliesslich der Erkenntnisse über den Menschen, die Kultur und die Gesellschaft, sowie deren Verwendung mit dem Ziel, neue Anwendungsmöglichkeiten zu finden.» Gemäss diesem Handbuch umfasst der Begriff F+E die drei folgenden Bereiche: 1. Grundlagenforschung 2. Angewandte Forschung 3. Experimentelle Entwicklung Folglich setzen sich die F+E-Aufwendungen insbesondere aus den Ausgaben zusammen, die mit der Planung und Verwaltung von Forschungsprojekten, mit der Herstellung, Tests und der Entwicklung von Prototypen bis hin zur Fabrikationsstufe sowie mit der Konstruktion und dem Betrieb von Pilotinstallationen verbunden sind. Im Allgemeinen betrifft dies sämtliche Aufwendungen im Zusammenhang mit der Umsetzung eines Projekts, dessen Abschluss neue Erkenntnisse bzw. einen wissenschaftlichen und/oder technologischen Fortschritt erfordert und das dem Ziel dient, eine Ungewissheit zu klären. Diese Definition schliesst also alle Aktivitäten aus, die keinem Forschungszweck dienen oder nicht mit einem Forschungsprojekt verbunden sind. Beispiele dafür wären technische oder wissenschaftliche Beratungsdienste, Marketingstudien, Normungsarbeiten usw. 2.2

Die Kapitalisierung der F+E-Aufwendungen

Das Konzept der Kapitalisierung der F+E-Aufwendungen beinhaltet ein mehrstufiges Verfahren. Die drei folgenden Schritte sind notwendig, um die jährlich erfassten F+E-Aufwendungen in einen F+E-Kapitalstock überführen zu können5: 1. Umwandlung der F+E-Aufwendungen in eine Schätzung des F+E-Bruttoproduktionswertes. Die Kontensequenz der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung beginnt mit einem Aggregat, das den Bruttoproduktionswert wiedergibt. Die F+E-Aufwendungen müssen daher ebenfalls als BPW ausgewiesen werden, damit sie in dieses Aggregat integriert werden können. Die dazu notwendige Datenumwandlung erfolgt mithilfe der «Brückentabelle» (bridge table), die in Kapitel 5 erläutert wird. 2. Bestimmung des Anteils des BPWF+E, der als Investitionsaufwendungen zu betrachten ist (oder im Jargon der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung als Bruttoinvestitionen für F+E). Diese Schätzung erfolgt anhand der Aufkommens- und Verwendungstabelle, auf die in Kapitel 6 eingegangen wird.

4

5

Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), «Frascati Manual 2002: Proposed Standard Practice for Surveys on Research and Experimental Development», 6. Ausgabe, Paris, 2002. In den letzten Jahren wurden auf internationaler Ebene verschiedene Arbeiten lanciert, um Lösungen für eine Integration der F+E-Aufwendungen in die VGR zu finden. Diese Arbeiten haben zu Empfehlungen geführt, die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im «Handbook on Deriving Capital Measures of Intellectual Property Products », Paris, 2010, publiziert wurden.

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3. Zusammenfassung aller BIF+E, damit der Kapitalstock von F+E berechnet und in den bereits bestehenden Kapitalstock der schweizerischen Wirtschaft integriert werden kann. Diese Kapitalschätzung lässt sich mithilfe der in Kapitel 7 präsentierten Kumulationsmethode (PerpetualInventory-Methode) durchführen. Der Einfluss dieser Berechnungen lässt sich auf verschiedenen Ebenen analysieren. So führt die Integration der F+E-Aufwendungen in die BI zu einer Steigerung des BIP und beeinflusst zudem nicht nur die Höhe des Kapitalstocks der Schweizer Wirtschaft, sondern auch die Entwicklung der Multifaktorproduktivität. All diese verschiedenen Einflüsse werden im BFS Aktuell zum Thema F+E analysiert und an dieser Stelle nicht näher erläutert.

3

Die Datenquellen zur F+E in der Schweiz

Wie bereits erwähnt, werden die in der Schweiz verfügbaren Daten zu den F+E-Aktivitäten gemäss der Empfehlung des Frascati-Handbuchs erhoben, wodurch die internationale Vergleichbarkeit der Ergebnisse sowie eine zeitliche Konstanz gewährleistet sind. Dieses Kapitel umfasst einige Informationen zum Verfahren der Datenerhebung in der Schweiz (vgl. Abschnitt 3.1) und zum Inhalt der bedeutenden Statistik der F+E-Bruttoinlandaufwendungen, in der diese Daten zu Analysezwecken strukturiert werden (Abschnitt 3.2). 3.1

Verfahren der Datenerhebung in der Schweiz

Die für die Kapitalisierung der F+E-Aufwendungen erforderlichen Grunddaten sind in der Schweiz bereits vorhanden und stammen mehrheitlich aus verschiedenen Erhebungen im Zusammenhang mit Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen. Das Frascati-Handbuch empfiehlt eine Erhebung der Daten in vier nationalen Sektoren: im Wirtschaftssektor, im Sektor Staat, im Hochschulsektor und im Sektor private Organisationen ohne Erwerbszweck (POoE).6 In der Schweiz wird die Datenerhebung wie folgt durchgeführt:

3.2

Privatunternehmen: Seit 1992 wird alle vier Jahre eine Umfrage durchgeführt.7

Bund: Die Daten werden mittels eines Fragebogens erhoben und von ARAMIS verwaltet. Dabei handelt es sich um ein Informationssystem über Forschungsprojekte, die von der Schweizerischen Bundesverwaltung realisiert oder finanziert werden. Diese Erhebung wird alle zwei Jahre durchgeführt und ermöglicht auch den Zugang zu Daten der vier Forschungsinstitute der Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH).

Hochschulen: Dieser Sektor betrifft die kantonalen Universitäten, die ETH und die Fachhochschulen. Im Rahmen einer alle zwei Jahre durchgeführten Erhebung werden über das Schweizerische Hochschulinformationssystem (SHIS) Daten gesammelt.

Private Organisationen ohne Erwerbszweck: Die Daten der POoE werden alle 4 Jahre intern durch das BFS geschätzt.

Die F+E-Bruttoinlandaufwendungen

Der wichtigste Indikator, der anhand der verschiedenen F+E-Erhebungen ermittelt wird, ist ein Aggregat mit dem Namen «F+E-Bruttoinlandaufwendungen» (BAFE). Diese Synthesestatistik wird auf der Grundlage der F+E-Aufwendungen der vier oben erwähnten Sektoren erstellt.

6 7

Zu den POoE gehören insbesondere Gewerkschaften, Verbraucherverbände, politische Parteien und Kirchen. Es wurden bereits vor 1992 Erhebungen zur F+E durchgeführt. Aufgrund grösserer konzeptueller Änderungen im Forschungsbereich können diese Daten heute jedoch kaum mehr verwendet werden.

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Die BAFE bildet den Ausgangspunkt für die F+E-Kapitalisierung und umfasst drei Komponenten: 1. F+E-Personalaufwendungen 2. Andere laufende F+E-Aufwendungen 3. F+E-Kapitalkosten Zu den Personalaufwendungen gehören Löhne, Gehälter, dazugehörige F+E-Personalkosten und Nebenleistungen wie Prämien, Urlaubsgeld, Zuschüsse zur Altersvorsorge und sonstige Sozialversicherungszahlungen (Bruttobeträge). Die anderen laufenden Aufwendungen für F+E umfassen mit Ausnahme der Abschreibungen sämtliche Kosten für Material-, Bedarfs- und Ausrüstungsgegenstände, die nicht zu den F+E-Kapitalkosten (Gebäude, F+E-Installationen und -Einrichtungen) gehören, Miete, Leasing usw. Die Kapitalkosten entsprechen den Ausgaben für den Erwerb von Boden, Gebäuden, schweren Ausrüstungen und Grossmaschinen zur Durchführung von F+E-Aktivitäten. Ebenfalls dazu gehört die Beschaffung von einzeln identifizierbarer Software für die Durchführung von F+E-Aktivitäten. Falls diese Investitionen auch zu anderen Zwecken eingesetzt werden, wird der F+E-Anteil geschätzt.

4

Interpolationsmethode zur Ermittlung fehlender Daten

Wie in Kapitel 3 erwähnt, werden die F+E-Erhebungen nicht jährlich durchgeführt. Für die VGR sind jedoch jährliche Angaben erforderlich. Damit die Kontinuität der Datenreihen gewährleistet ist, müssen die fehlenden Daten aus den Jahren ohne Erhebung deshalb durch ein Interpolationsverfahren ermittelt werden. In diesem Kapitel wird die Methode vorgestellt, die das BFS zur Schätzung der gesamten BAFE für die Jahre anwendet, für die keine Daten vorhanden sind (Abschnitt 4.1). Dieses Gesamttotal reicht jedoch nicht aus, da auch die einzelnen Bestandteile der BAFE und ihre Entwicklung im zeitlichen Verlauf bekannt sein müssen. Der entsprechende Berechnungsschritt wird in Abschnitt 4.2 erläutert. 4.1

Interpolation der BAFE

Die vom BFS verwendete Methode zur Schätzung der BAFE in den Jahren ohne Datenerhebung erfolgt nach der folgenden Formel: Sei

t h , das Jahr der h-ten F+E-Erhebung.

Sei

nh+1 = t h+1 − t h , die Anzahl der Jahre zwischen zwei F+E Erhebungen.

Sei

BIPt , die Hilfsvariable des Jahres t, definiert durch das nominale BIP.

Also

BAFEth +i

 BAFEth +1 = BAFEth ⋅   BAFEt h 

   

i

nh +1

BIPth +i +1  BIPth +1 +1   BIPth +1 ⋅   BIPt +1  h  

i

nh +1

i = 1,..., nh+1

Die Wahl der Hilfsvariablen beruht auf der Annahme, dass die BAFE mit der konjunkturellen Entwicklung zusammenhängt. Folglich entspricht die gewählte Indikatorvariable dem Niveau des nominalen BIP. Das bedeutet, dass sich die BAFE zwischen zwei Jahren, in denen statische Erhebungen zu diesem Aggregat durchgeführt werden, gleich entwickelt wie das nominale BIP, das an die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate zwischen diesen beiden Grenzen angepasst wird. Beim Interpolationsverfahren wird

8/19


jedoch die Entwicklung der F+E-Aufwendungen gegenüber der Entwicklung des nominalen BIP um ein Jahr nach hinten verschoben. Dies bedeutet, dass die Veränderungsrate der BAFE für das Jahr t ausgehend von der Entwicklungsrate des nominalen BIP des Jahres t+1 interpoliert wird. Durch diese Verschiebung sollen die von den F+E-Produzenten getroffenen Entscheide für Investitionen in F+EProjekte berücksichtigt werden, die sich auf Prognosen zur konjunkturellen Entwicklung (forecasts) stützen. Das Interpolationsverfahren braucht zwei Grenzen. Aus diesem Grund konnten die Daten für die Jahre 2005, 2006 und 2007 erst dann geschätzt werden, als die Zahlen zu den F+E-Aufwendungen 2008 zur Verfügung standen. Diese Methode ist also mit einer langen Wartezeit (maximal 4 Jahre) verbunden, bis neue Ergebnisse vorgelegt werden können. 4.2

Interpolation von Elementen, die eng mit der BAFE verbunden sind

Die verschiedenen Elemente der BAFE wie etwa die Kapitalkosten (gemäss Definition in Abschnitt 3.2) müssen ebenfalls interpoliert werden, damit eine Schätzung des BPWF+E vorgenommen werden kann (vgl. nachfolgender Abschnitt). Dabei kommt eine etwas andere Methode zur Anwendung. Sie stützt sich nicht nur auf die jährliche Entwicklung der (zuvor interpolierten) BAFE, sondern berücksichtigt auch die Veränderung der Ausgabenstruktur von Elementen der BAFE zwischen zwei statistischen Erhebungen. Das BFS verwendet die folgende Methode: Sei Eth , ein konstituierendes Element der BAFE des Jahres der h-ten F+E Erhebung.

Eth

Sei

δt =

Sei

nh+1 = t h+1 − th , die Anzahl der Jahre zwischen zwei F+E Erhebungen.

h

DIRDth

, der relative Anteil von E an der BAFE.

Gegeben sei:

τ=

δt − δt h +1

nh+1

h

, die durchschnittliche Entwicklung des relativen Anteils E an der BAFE.

Folgt:

Eth +i = BAFEth +i ⋅ (τ ⋅ i + δ th )

τ

,

i = 1,..., nh+1

nimmt also nicht nur Rücksicht auf den relativen Anteil von Et in Bezug auf die BAFE, sondern auch

auf die Entwicklung dieses relativen Anteils in einem Zeitintervall, das durch die Erhebungen vor und nach dem Betrachtungsjahr begrenzt wird.

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5

F+E-Aufwendungen als F+E-Bruttoproduktionswert

Wie bereits ausgeführt, wird die Kapitalisierung schrittweise vorgenommen. Der erste Schritt besteht in der Umwandlung der vom BFS erhobenen Daten in ein Aggregat, das kompatibel ist mit den Anforderungen der VGR. Zu diesem Zweck werden die F+E-Aufwendungen so parametrisiert, dass sie letztlich als «Produktion» ausgedrückt werden können. Diese «Parametrisierung» erfolgt über eine Brückentabelle, deren Aufbau in Abschnitt 5.1 beschrieben ist. Der eigentliche Inhalt dieser Tabelle wird in Abschnitt 5.2 im Einzelnen erläutert. 5.1

Die Brückentabelle («bridge table»)

Die Brückentabelle («bridge table») umfasst eine Reihe von Operationen, die einen Übergang vom Konzept der F+E-Aufwendungen zum Konzept des F+E-Bruttoproduktionswertes (BPWF+E) ermöglichen. Die Anwendung dieser Tabelle ist aus zwei Gründen erforderlich. Da zum einen die grosse Mehrheit der F+E-Aufwendungen auf eigene Rechnung erfolgt, kann der Produktionswert der F+E nicht direkt gemessen werden. Um den BPWF+E dennoch möglichst gut bewerten zu können, stützen sich die Schätzungen wie beim nichtmarktbestimmten Sektor auf die Produktionskosten. Als Basis dienen dabei die Grunddaten zu den F+E-Aufwendungen, die durch Umfragen bei den privaten Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen bereits erhoben worden sind. Zum andern entsprechen die Daten, die in Übereinstimmung mit den Richtlinien des Frascati-Handbuchs durch Umfragen zum Thema F+E erhoben werden, nicht den Definitionen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. So stellen gemäss dem Frascati-Handbuch die F+E-Aufwendungen den Hauptbestandteil der zu erhebenden Daten dar, während das Referenzhandbuch der VGR eine Erhebung des Bruttoproduktionswertes zu Herstellungspreisen empfiehlt. 8 Wie die nachfolgende Tabelle T1 zeigt, gibt es zwar Gemeinsamkeiten zwischen dem Konzept der BAFE und dem des BPWF+E, aber sie weisen auch wichtige Unterschiede auf. Tabelle T1: Bestandteile des BPWF+E zu Herstellungspreisen und der BAFE Bestandteile

Bruttoproduktionswert von F+E zu Herstellungspreisen X

BAFE

Andere laufende Aufwendungen von F+E F+E Kapitalaufwendungen

X

X X

Anschaffung von F+E als Input für die Produktion von F+E Abschreibungen des Kapitals, das in der F+E-Produktion eingesetzt wird

X X

In der F+E-Produktion enthaltener Betriebsüberschuss zu Herstellungspreisen

X

Andere Produktionsabgaben abzüglich sonstige F+EProduktionssubventionen

X

F+E Personalaufwendungen

X

Es müssen also Anpassungen an die BAFE vorgenommen werden, um letztlich den BPWF+E zu erhalten. Aus der Gesamtheit dieser Anpassungen ergibt sich letztlich die eigentliche Brückentabelle:

8

Zur Erinnerung: Der Herstellungspreis ist der Betrag, den der Produzent je Einheit der von ihm produzierten Waren oder Dienstleistungen vom Käufer erhält, ohne die auf die produzierten oder verkauften Güter zu zahlenden Steuern (also ohne Gütersteuern), zuzüglich aller empfangenen Subventionen, die auf die produzierten oder verkauften Güter gewährt werden (also einschliesslich Gütersubventionen). Vom Produzenten getrennt in Rechnung gestellte Transportkosten rechnen nicht dazu. Dagegen zählen im Preis enthaltene Transportkosten zum Herstellungspreis, selbst wenn sie auf der Rechnung getrennt ausgewiesen werden. (ESVG; §3.48)

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Tabelle T2: Brückentabelle BAFE – Anschaffung von F+E als Input für die Produktion von F+E – Kapitalaufwendungen für F+E + Abschreibungen des Kapitals, das in der F+E-Produktion eingesetzt wird + In der F+E-Produktion enthaltener Betriebsüberschuss zu Herstellungspreisen + Andere Produktionsabgaben abzüglich sonstige F+E-Produktionssubventionen = Bruttoproduktionswert von F+E zu Herstellungspreisen

5.2

Die Komponenten der Brückentabelle

5.2.1

BAFE

Die in Abschnitt 3.2 vorgestellte BAFE liefert die Grunddaten für die Schätzung des BPWF+E. 5.2.2

F+E-Vorleistungen für die Produktion von F+E

In Übereinstimmung mit dem Frascati-Handbuch und um im Falle einer Schätzung der F+E-Transaktionen zwischen verschiedenen F+E-Produzenten jede Doppelbuchung zu vermeiden, wird die BAFE anhand der Summe der gesamten Intramuros-F+E-Aufwendungen9 bewertet. Gemäss dem neuen System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung sind von nun an sämtliche Aufwendungen zu berücksichtigen, die im F+E-Bereich getätigt werden. Es stellt sich daher die Frage, wie F+E-Anschaffungen zu behandeln sind, die F+E-produzierende Unternehmen bei andern F+E-Produzenten tätigen. Im nachfolgenden Schema S1 ist diese Situation dargestellt. Schema S1: F+E als Vorleistung

9

Unternehmen A, das auf die Umsetzung und Vermarktung von F+E spezialisiert ist (Haupttätigkeit)

Unternehmen B als F+E-Dienstleistungsunternehmen

Unternehmen C als Unternehmen, das F+E-Leistungen beim Unternehmen A beziehen möchte (Extramuros-F+E-Aufwendungen)

Die Intramuros-F+E-Aufwendungen sind die F+E-Aufwendungen, die unabhängig von ihrer Finanzierungsquelle innerhalb einer statistischen Einheit (z.B. eines Unternehmens) getätigt werden. Demzufolge sind Ausgaben im Zusammenhang mit in Auftrag gegebener F+E nicht Teil der IntramurosAufwendungen.

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Wie bereits erwähnt, liegt das Ziel dieser Schätzungen darin, alle F+E-Aufwendungen als Investitionen zu betrachten. Die Beschaffung von F+E-Leistungen durch Unternehmen, die auf die Durchführung und den Verkauf von F+E an Dritte spezialisiert sind (Extramuros-Aufwendungen von Unternehmen der Branche 73 «Forschung und Entwicklung» gemäss der Allgemeinen Systematik der Wirtschaftszweige NOGA, 2002), ist allerdings eine Ausnahme. Tatsächlich ist es sinnvoll davon auszugehen, dass ein Unternehmen, das seinem Kunden F+E-Leistungen anbietet (im obigen Schema das Unternehmen A bzw. das Unternehmen C), nur ganz spezifische F+E-Projekte bei einem Drittunternehmen (Unternehmen B) in Auftrag gibt. In Auftrag gegebene F+E-Leistungen (F+E B) werden demnach nur realisiert, um danach in ein umfassenderes F+E-Projekt (F+E A) integriert zu werden, das vom auftraggebenden Unternehmen durchgeführt und an den Kunden verkauft wird (F+E C). Da die in Auftrag gegebenen F+E-Leistungen demzufolge Teil eines umfassenderen F+E-Projektes sind, müssen die Kosten für diese Arbeiten (ExtramurosAufwendungen der Branche 73) als Vorleistungen betrachtet werden. 5.2.3

Kapitalaufwendungen

Wie in Abschnitt 3.2 erwähnt, setzt sich die BAFE namentlich aus den Kapitalaufwendungen zusammen, die mit F+E-Aktivitäten zusammenhängen (wie etwa Ausgaben für Gebäude oder Werkzeugmaschinen, die einzig der Umsetzung von F+E dienen). In der obigen Tabelle T2 ist jedoch zu erkennen, dass die Kapitalaufwendungen nicht Bestandteil des BPWF+E sind. Sie müssen daher von der BAFE abgezogen werden. Es scheint allerdings klar zu sein, dass das in den Kapitalaufwendungen enthaltene Anlagevermögen genauso aktiv am Produktionsprozess von F+E beteiligt ist wie die anderen Vermögenswerte. Aus diesem Grund müssen die Kapitalleistungen10, die zur Realisierung des BPWF+E beitragen, mitberücksichtigt werden. Die diesbezügliche Schätzungsmethode wird in dem folgenden Abschnitt vorgestellt. 5.2.4

Abschreibungen und Betriebsüberschuss geschätzt nach Kapitalleistungen

Die Schätzung der F+E-Kapitalleistungen basiert auf der Annahme, dass sich die Kapitalaufwendungsstrukturen der Sektoren Private Unternehmen, Öffentliche Verwaltung (einschliesslich Hochschulen) und POoE sowohl in der F+E-Produktion als auch in der gesamten Wirtschaftsaktivität entsprechen. Unter Einbezug der entsprechenden Daten zu den Kapitalaufwendungen der F+E der einzelnen Sektoren können die Kapitalleistungen dieser Sektoren geschätzt werden. Zur Schätzung der Kapitalleistungskosten in der F+E-Produktion Kapitalleistungskosten der Gesamtwirtschaft wie folgt genutzt:

wird

die

Struktur

der

Entspricht KLt den Gesamtkosten der Kapitalleistungen der gesamten Schweizer Wirtschaft im Jahr t;

KLFE t

den Kosten der Kapitalleistungen für die F+E-Produktion,

KA tFE

den F+E Kapitalaufwendungen im Jahr t (gemäss FM),

BI tCH

den Bruttoanlageinvestitionen der Schweizer Gesamtwirtschaft im Jahr t, und

CH

KL

t

den Kosten der Kapitalleistungen der Schweizer Gesamtwirtschaft im Jahr t.

Dann gilt:

10

Für eine Definition der Kapitalleistungen vgl.: OECD Productivity Manual: A Guide to the Measurement of Industry-Level and Aggregate Productivity Growth, OECD, Paris, März 2001.

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KLFE = t 5.2.5

KAtFE BI

CH t

⋅ KLt

CH

Andere Produktionsabgaben und sonstige Produktionssubventionen

Da im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der BPW zu Herstellungspreisen ausgedrückt wird, müssen andere Produktionsabgaben berücksichtigt und sonstige Produktionssubventionen abgezogen werden. Zur Erinnerung: Die anderen Produktionsabgaben umfassen sämtliche Steuern, die von Unternehmen aufgrund ihrer Produktionstätigkeiten, unabhängig von der Menge oder dem Wert der produzierten oder verkauften Güter und Dienstleistungen, zu entrichten sind. Die sonstigen Produktionssubventionen umfassen alle Subventionen, die gebietsansässigen Produktionseinheiten aufgrund ihrer Produktionstätigkeit gezahlt werden und die nicht zu den Gütersubventionen zählen. Bis anhin gibt es keine «andere Produktionsabgabe» oder «sonstige Produktionssubvention», die für die gesamte F+E-Produktion in der Schweiz in Anwendung kommt. Dementsprechend taucht in der Brückentabelle der Schweizer Wirtschaft keine entsprechende Zahl auf.

Vom BPWF+E zu den BIF+E

6

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem zweiten Schritt des Kapitalisierungsprozesses, das heisst mit dem Übergang vom F+E-Bruttoproduktionswert zu den F+E-Bruttoinvestitionen. Diese Etappe erfordert die Erstellung einer «Aufkommens- und Verwendungstabelle», anhand derer die BIF+E geschätzt werden können. 6.1

Aufkommens- und Verwendungstabelle

Die nachstehende Aufkommens- und Verwendungstabelle T3 geht von der in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung definierten Gleichgewichtsgleichung aus, laut der die Verwendung dem Aufkommen entsprechen muss. Basierend auf diesem Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zeigt die Tabelle die verschiedenen Faktoren, die bei der Überführung des gemäss den Ausführungen des vorangehenden Kapitels geschätzten BPWF+E in die BIF+E zu berücksichtigen sind. Tabelle T3: Aufkommens- und Verwendungstabelle #

Aufkommen

1

Bruttoproduktionswert von F+E

2

Importe von F+E

3

Gesamtangebot von F+E

Verwendung

= Gesamtnachfrage von F+E

4

Vorleistungen F+E

5

Exporte von F+E

6

Sektorale Anpassungen

7

Vorratsveränderung F+E

8

Bruttoinvestitionen F+E

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6.1.1

Die Etappen der Aufkommens- und Verwendungstabelle

In einer ersten Etappe muss das Gesamtangebot der auf Schweizer Territorium verfügbaren F+E geschätzt werden (Aufkommen an F+E). Zu diesem Zweck werden der BPWF+E (Zeile 1) und die F+E-Importe (Zeile 2) addiert. Da die Schweiz eine offene Wirtschaft betreibt, muss der internationale Austausch zwingend miteinbezogen werden. Dies bedeutet, dass die Gesamtheit aller F+E-Importe in die Schweiz in der Schätzung des globalen F+E-Angebots in unserem Land enthalten sein muss. Die Summe dieser beiden ersten Elemente ergibt das Gesamtangebot an F+E in der Schweiz (Zeile 3). In einer zweiten Etappe müssen die verschiedenen Verwendungen von F+E in der Schweiz geschätzt werden. Das fundamentale makroökologische Gleichgewicht (Verwendung = Aufkommen) gilt auch für den Bereich der Forschung und Entwicklung. Dies bedeutet, dass die Nachfrage nach F+E der Summe des Aufkommens an F+E entspricht. Aus dieser Gleichung lässt sich der Saldo (Zeile 8) der Bruttoinvestitionen F+E ermitteln. Dazu sind fünf Berechnungsschritte erforderlich. Die Vorleistungen (Zeile 4) werden gemäss den Ausführungen in Abschnitt 5.2.2 geschätzt, das heisst sie entsprechen dem Verbrauch der privaten Unternehmen, die auf die Durchführung (zu kommerziellen Zwecken) von F+E für Dritte spezialisiert sind. Zeile 5 umfasst die Exporte von F+E und gibt die Finanzierung von F+E durch Gebietsfremde wieder. Dabei wird von der Hypothese ausgegangen, dass eine Finanzierung durch ausländische Akteure einem Verkauf von F+E an Gebietsfremde entspricht. Zeile 6 betrifft die notwendigen Anpassungen bei einer sektorbezogenen Darstellung der Aufkommensund Verwendungstabelle. Dabei geht es um den Einbezug von intersektoralen Nettokäufen, wodurch der Austausch zwischen den verschiedenen Sektoren innerhalb der Schweizer Wirtschaft berücksichtigt werden kann (private Unternehmen, öffentliche Verwaltung und POoE). In Zeile 7 werden Vorratsveränderungen von F+E miteinbezogen. Da jedoch keine Daten zu diesem Punkt erhoben wurden, wird von einer Vorratsveränderung von Null ausgegangen. Dabei handelt es sich um eine Hypothese, die auf internationaler Ebene üblicherweise verwendet wird. Die letzte Zeile der Tabelle schliesslich enthält den Saldo, welcher der Schätzung der Bruttoinvestitionen von F+E entspricht (F+E-Gesamtangebot abzüglich aller oben genannten Verwendungen [Zeilen 4 bis 7]). 6.1.2

Die Problematik der Importe und Exporte von F+E

Die Messung der Importe und Exporte von F+E ist mit erheblichen praktischen und konzeptuellen Problemen verbunden. Auf praktischer Ebene leiden die Schätzungen der F+E-Exporte und -Importe unter dem Mangel an Daten über den internationalen Austausch. Die diesbezüglichen Informationen der Zahlungsbilanz sind ungenügend. Aus diesem Grund stammen die verwendeten Daten direkt aus den F+E-Erhebungen, die bei privaten Unternehmen oder im nicht markwirtschaftlichen Sektor durchgeführt werden. Diese Erhebungen liefern Daten, die eine gute Schätzungsgrundlage bilden. Ausgehend von den erhobenen Daten wird angenommen, dass die Importe den F+E-Aufträgen entsprechen, die an Gebietsfremde vergeben werden. Es werden jedoch gewisse Hypothesen formuliert, um die Kohärenz und Kompatibilität mit den Rahmenbedingungen der VGR zu sichern. So wird von der Annahme ausgegangen, dass die verfügbaren Daten keine Beiträge oder Lizenzen umfassen, die im Rahmen der VRG auf eine andere Weise behandelt würden.11

11

Aus konzeptueller Sicht decken diese verschiedenen Elemente nicht die gleiche Realität ab. So unterscheiden sich Aufträge von Beiträgen durch die Tatsache, dass der Auftraggeber ein Interesse am Forschungsergebnis hat. Im Gegensatz dazu erwartet jemand, der einen Beitrag leistet, keine Gegenleistung. Im Sinne der VGR entspricht ein Auftrag einem Kauf von Dienstleistungen, wobei dieser eine Produktionsleistung im Sinne der VGR

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Eine weitere, ebenfalls praktische Problematik betrifft die multinationalen Unternehmen (oder Unternehmensgruppen). Ein gewisser Anteil des Wissenstransfer zwischen Niederlassungen solcher Unternehmen in verschiedenen Ländern wird nicht gemessen, wenn er keine finanzielle Transaktion auslöst. Aus diesem Grund entzieht sich ein grosser Teil des internationalen Wissensaustauschs dem Kapitalisierungsprozess der F+E. In diesem Bereich müssen noch Fortschritte erzielt werden. Schliesslich muss aus konzeptueller Sicht auch die Behandlung der F+E-Exporte noch optimiert werden. Ein Export von F+E bedeutet ja nicht, dass das Wissen, das auf einem Territorium durch das Betreiben von F+E erlangt wurde, durch den Export verschwindet. Hier geht es gewissermassen um eine «Vervielfältigung von Wissen» aufgrund des Exports (Forschungs- und Entwicklungs-Knowhow auf Territorium, in dem die F+E realisiert wurde, und im Importland der F+E). Die Frage, wie diese Problematik adäquat behandelt werden soll, wird innerhalb von Sachverständigengruppen auf internationaler Ebene gegenwärtig noch diskutiert. An dieser Stelle wird von der Hypothese ausgegangen, dass das Wissen in Verbindung mit exportierter F+E verschwindet, sobald die F+E die Landesgrenze hinter sich lässt (diese Hypothese wird auf internationaler Ebene üblicherweise vertreten).

7

Die Kapitalisierung der BIF+E

7.1

Notwendige Daten für die Kapitalisierung

Wenn die Ergebnisse der BIF+E einmal bekannt sind, liegt das nächste Ziel darin, einen Nettokapitalstock für F+E (NKSF+E) zu berechnen. Dieser Schritt ermöglicht die eigentliche Kapitalisierung. Dazu wird die Kumulationsmethode (Perpetual-Inventory-Methode, PIM) eingesetzt, die kompatibel ist mit der Methode, welche die VGR für die Schätzung des nichtfinanziellen Kapitalstocks der Schweiz verwendet.12 Zur Durchführung dieser Schätzungen sind drei Elemente notwendig: 1. BIF+E, 2. Nutzungsdauer der F+E-Aktiva, 3. Preisindizes, dank denen die Bruttoinvestitionen preisbereinigt werden können. Die beiden letzteren Punkte werden in den folgenden Abschnitten (7.2 und 7.3) erörtert. 7.2

Die Nutzungsdauer von F+E-Aktiva

Bis heute haben verschiedene OECD-Länder Pilotstudien zur Schätzung der Nutzungsdauer von F+EAktiva durchgeführt. Nach Einsatz zahlreicher ökometrischer Modelle hat sich gezeigt, dass einzig Umfragen bei den F+E-Produzenten zu zufriedenstellenden Ergebnissen führen können. Allerdings wurde noch keine grossangelegte Erhebung durchgeführt, um diese Nutzungsdauer konkret zu messen. Dies lässt sich insbesondere dadurch erklären, dass dieses Forschungsgebiet noch relativ jung ist. Aufgrund der ersten Ergebnisse aus Pionierländern (wie etwa Israel, Italien oder Grossbritannien) scheint die Nutzungsdauer von F+E-Aktiva jedoch von zwei Hauptfaktoren abhängig zu sein. Es sind dies: 1.

die Bedeutung des F+E-Projekts (z.B. einfache Modifizierung eines bereits bestehenden Prozesses versus revolutionäres neues Herstellungsverfahren) und

ist («Produktionsgrenze»). Demgegenüber wird ein Beitrag als eine Art einseitiger Transfer betrachtet, der nicht innerhalb der Produktionsgrenze liegt.

12

Weiterführende Informationen zur Kumulationsmethode vgl. «Nichtfinanzieller Kapitalstock – Methodenbericht», Neuchâtel, 2009. Dieses Dokument kann unter www.bfs.admin.ch unter Thema 4, Volkswirtschaft, heruntergeladen werden.

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2.

der Wirtschaftszweig, in dem die F+E-Tätigkeit durchgeführt wird (z.B. Metallindustrie versus chemische Industrie).

Zum heutigen Zeitpunkt stehen keine weitergehenden Erkenntnisse oder Daten zu diesem Thema zur Verfügung. Aus diesem Grund legt das BFS in Übereinstimmung mit den Beobachtungen und Meinungen von Experten der verschiedenen internationalen Arbeitsgruppen, die sich mit dieser Problematik beschäftigen, die mittlere Nutzungsdauer für die BIF+E für die gesamte Schweizer Wirtschaft auf 10 Jahre fest. Diese Zahl liegt innerhalb der Bandbreite der Nutzungsdauer, von der in den verschiedenen Pionierländern der Kapitalisierung der F+E-Aufwendungen ausgegangen wird. In der nahen Zukunft sollten vom BFS weitergehende Analysen durchgeführt werden, um die Nutzungsdauer von F+E in der Schweiz besser bestimmen und damit die Qualität der durchgeführten Analysen verbessern zu können. 7.3

Die Preisindizes

Zur Kapitalisierung der BI mit dem Ziel, einen Kapitalstock zu erhalten, müssen die Bruttoinvestitionen in Preisen eines Referenzjahres ausgedrückt werden. Zu diesem Zweck sind Preisindizes erforderlich, dank denen die Bruttoinvestitionen preisbereinigt werden können. Die Bestimmung von Preisindizes für F+E ist mit zwei Schwierigkeiten verbunden. Die erste Schwierigkeit liegt darin, dass die F+E-Produktion aufgrund des nahezu einzigartigen Charakters eines jeden Projektes äusserst heterogen ist und keine standardisierten Herstellungsverfahren existieren, was eine Beobachtung der Preise eines F+E-Projekts im Zeitverlauf erschwert. Die zweite Schwierigkeit hängt damit zusammen, dass die grosse Mehrheit der F+E-Tätigkeiten auf eigene Rechnung erfolgt. In diesem Sinne gibt es für solches Projekt keinen eigentlichen Markt. Zur Erinnerung: F+E auf eigene Rechnung wird auf der Grundlage der Gesamtkosten geschätzt. Aus diesen Gründen ist es notwendig, ausgehend von den Kosten einen Preisindex für F+E zu schätzen. Anders ausgedrückt wird ein Deflator für F+E geschätzt, der die Preisveränderung aller Bestandteile von F+E miteinbezieht. Da dieses Thema noch neu ist, wurden bis anhin auf internationaler Ebene erst wenige Analysen dazu durchgeführt. In der Schweiz wurde eine erste Schätzung eines Preisindexes auf der Grundlage der Kosten vorgenommen. Es handelt sich dabei um einen synthetischen Indikator, der durch die Kostenstruktur des BPWF+E gewichtet wird. Da jedoch ausreichende Daten fehlten, wurden ausschliesslich die F+E-Personalkosten sowie die anderen laufenden Aufwendungen im Rahmen der F+E-Produktion für die Schätzung des Preisindexes verwendet (wobei diese beiden Posten fast 75% der Gesamtproduktionskosten ausmachen). Dabei wurde der Schweizerische Lohnindex der NOGA-Branchen 70–74 (SLI 70–74)13 als Deflator für die «F+E-Personalaufwendungen» benutzt. Als zweiter Index wurde für die «anderen laufenden Aufwendungen» der implizite BIP-Deflator herangezogen. Diese Methode ist relativ rudimentär, weshalb in der nahen Zukunft Analysen zur qualitativen Verbesserung durchgeführt werden sollten. Eine solche Qualitätssteigerung erfordert eine Verbesserung der Preisindizes für die mit der F+E-Produktion verbundenen Kosten, wodurch die verschiedenen Bestandteile des BPWF+E besser berücksichtigt werden können.

13

Der SLI umfasst die folgenden Wirtschaftszweige: Immobilienwesen; Vermietung; Informatik; F+E; Erbringung von Dienstleistungen für Unternehmen.

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8

Grenzen

Die Kapitalisierung der F+E-Aufwendungen steckt in den meisten OECD-Ländern noch in der Versuchsphase, weshalb der diesbezügliche konzeptuelle Rahmen noch nicht vollständig ausgereift ist und sich im Laufe der Zeit noch verändern wird. Gewisse methodische Probleme müssen noch gelöst werden, so beispielsweise der internationale Handel im F+E-Bereich, die Schätzung der F+E-Preisindizes oder auch Überschneidungen bei der Verbuchung von F+E-Aufwendungen und Software-Ausgaben. Die ersten Ergebnisse zeigen jedoch, dass das Vorhaben umsetzbar ist, wenn gewisse Hypothesen formuliert werden, und dass die mit den verschiedenen Schätzungen verbundenen Hindernisse nicht unüberwindbar sind. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die Schweizer Schätzungen zur Kapitalisierung der F+E-Aufwendungen den Empfehlungen internationaler Expertengruppen entsprechen und folglich eine erhebliche Qualität der Endergebnisse gewährleistet ist. Aufgrund der vielfältigen Erfahrungen der statistischen Ämter der verschiedenen Länder werden der konzeptuelle Rahmen und die Schätzmethoden im Laufe der Zeit reifer und stabiler werden und an Qualität gewinnen.

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9

Bibliografie

economiesuisse – Bundesamt für Statistik (BFS), «Forschung und Entwicklung in der schweizerischen Privatwirtschaft 2004», Zürich, 2006. Bundesamt für Statistik (BFS), «Strukturelle Analyse der Schweizer Wirtschaft – Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes von 1991 bis 2005», BFS Aktuell, Neuchâtel, 2008. Bundesamt für Statistik (BFS), « Beitrag von Forschung und Entwickung für die Schweizer Wirtschaft aus Sicht der makroökonomischen Statistik – Vorläufige Ergebnisse», Arbeitsdokument, Neuchâtel, 2012. Bundesamt für Statistik (BFS), «Kapitalentwicklung als wichtigster Wachstumsmotor der Schweizer Wirtschaft in den vergangenen 13 Jahren», BFS Aktuell, Neuchâtel, 2006. Bundesamt für Statistik (BFS), «Nichtfinanzieller Kapitalstock – Methodenbericht», Neuchâtel, 2009. Bundesamt für Statistik (BFS), «Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung: Eine Einführung in Theorie und Praxis – Methoden und Konzepte des ESVG», Neuchâtel, 2003. Bundesamt für Statistik (BFS), «Arbeitsproduktivität – Methodologie und Analyse der wichtigsten Resultate von 1991 bis 2006», Neuchâtel, 2008. Statisches Amt der Europäischen Gemeinschaften (Eurostat), «Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen, ESVG 1995», Luxemburg, 1996. Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), «Handbook on Deriving Capital Measures of Intellectual Property Products », Paris, 2010. Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), «Frascati Manual 2002: Proposed Standard Practice for Surveys on Research and Experimental Development», Paris, 2002. Organisation der Vereinten Nationen (UNO), Weltbank und Internationaler Währungsfonds, «The System of National Accounts 1993», Brüssel/Luxemburg, New York, Paris, Washington D.C., 1993. Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), «Productivity Manual: A Guide to the Measurement of Industry-Level and Aggregate Productivity Growth», OECD, Paris, 2001.

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Abkürzungsverzeichnis Abs

Abschreibungen

BAFE

F+E-Bruttoinlandaufwendungen

BFS

Bundesamt für Statistik

BI

Bruttoinvestitionen

F+E

BI

Bruttoinvestitionen von F+E

BIP

Bruttoinlandprodukt

BPW

Bruttoproduktionswert

BPWF+E

Bruttoproduktionswert von F+E

Betriebsüberschuss

ESVG 95

Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen 1995

Eurostat

Statistisches Amt der Europäischen Gemeinschaften

F+E

Forschung und Entwicklung

FH

Frascati-Handbuch

MFP

Multifaktorproduktivität

NABS

Systematik zur Analyse und zum Vergleich der wissenschaftlichen Programme und Haushalte

NKS

Nettokapitalstock

NKSF+E

Nettokapitalstock für F+E

NOGA

Allgemeine Systematik der Wirtschaftszweige

OECD

Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

OSE

Sozioökonomische Zielsetzung

PIM

Kumulationsmethode (Perpetual-Inventory-Methode)

POeE

Private Organisationen ohne Erwerbszweck

SHIS

Schweizerisches Hochschulinformationssystem

SVGR

System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung

UNO

Organisation der Vereinten Nationen

VGR

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung

VL

Vorleistungen

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Von den Daten zu F + E zu den Aggregaten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung