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Interviews

Was würden Sie beruflich ­machen, wenn Sie Ihr Leben nochmals ­beginnen könnten? Was ich verbessern würde, wenn ich nochmals leben könnte: das versuche ich in mei­nem realen Leben zu verbessern. Wie sehen Sie den Bezug zwischen gesellschaftlichem Engagement und Visueller Kommunikation? Dieser Bezug ist ganz offensichtlich: ­Design hat immer eine gesellschaftliche Relevanz, es reagiert auf die Gesellschaft und es agiert in ihr. Zum Glück kommen wir langsam aus dieser langen des-enga­gier­ten Phase heraus. Das Ende der inhaltslosen Phrasen, der Nicht-Kommunikation und der Unterordnung unter die Marketingideologie könnte schneller kommen, als man denkt. Ich freue mich schon auf diesen Kollaps. Machen Sie Kompromisse, um eine Idee attraktiv für den Markt, ver­ kaufbar und realisierbar zu machen? Es gibt gute und schlechte Kompromisse. Die schlechten darf man nicht machen, und die anderen sind nicht so wichtig. Und manchmal hat ja auch der Auftraggeber Recht. Es geht also nicht um Kompromisse, sondern um Verbesserung. Sehen Sie aktuelle Arbeitsfelder von Grafikdesignern auch außerhalb der Designbüros? Wir leben in einer Gesellschaft des Bildes. Gute Designer werden an so vielen Orten gebraucht – aber nur gute, mit einem auf­geklärten und kritischen Bewusstsein dafür, was wirklich gebraucht wird. Design kann unser Leben auch verschlimmern. Wir ­brauchen auch eine Kultur des ­Designs bei den Auftraggebern, damit wir brach­ liegende Potenziale aufzeigen und mit sozia­ler Verantwortung klug nutzen ­können – und um die kurzfristige Ideologie des Marke­tings zu relativieren. Dafür sollten Designer sich engagieren.

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PingPongProjekt - Ein Portrait der Grafikdesign-Ausbildung an herausragenden deutschen Hochschulen  
PingPongProjekt - Ein Portrait der Grafikdesign-Ausbildung an herausragenden deutschen Hochschulen  

Severin Wucher, Gao Yi (Hrsg.)

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