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UdK Berlin

realisiert hat. Sein Haus aus ­Halbfertigteilen in Kalifornien sowie ­seine beispielhaften Möbel zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht nur auf dem technisch höchsten ­Niveau standen, sondern auch in ihrer Gestalt und Funktion über Jahrzehnte bis ­heute Gültigkeit bewahrt haben und nicht einer Mode oder einem künstlichen Verschleiß unterliegen. Ich kann noch andere nennen, z. B. meine Lehrer Otl Aicher, Tomas Maldonádo oder Herbert W. Kapitzki. Aicher, eine der heraus­ ragenden Persönlichkeiten im Deutschland der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der mit einer unglaublichen Ruhe überzeugen konnte, war ein charismatischer Gestalter und Selbstdenker mit dem Anspruch des autonomen, ganzheitlichen Blicks auf die Welt. Das sind Gestaltungsansätze und Haltungen, die meine Lehre sicher beeinflusst haben. Von meinen Studierenden ­erwarte ich, dass sie Sachverhalte und Prozesse nicht verhübschen, sondern komplexe Themen auch inhaltlich, als Autoren-Gestalter, bearbeiten und visuell anschaulich machen. Insofern bringen Gestaltungsprozesse, die auf Vermittlung von Wissen angelegt sind, auch Erkenntnisgewinn für den Gestalter selbst. Warum sind Sie Designer/­Gestalter ­geworden? Was ist Ihre ­Motivation, als Designer zu arbeiten und zu ­lehren? Was ­waren Ihre Beweg­ gründe, an die UdK Berlin zu gehen? Nach meiner Ausbildung an der zum ­Mythos gewordenen Hochschule für Gestaltung in Ulm beteiligte ich mich an dem Aufbau eines Designinstituts, das nach dem ­Vorbild amerikanischer Denkfabriken kon­ zipiert war: Ein Team von Experten unter­ schiedlichster ­Disziplinen bearbeitete ­Gestaltungsaufgaben für Industrie, Wirtschaft und ­Kultur. 1973 ging ich an die Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd und konnte dort maßgeblich die Programmatik einer moder­nen Gestaltungs­ ausbildung realisieren. Die Schule ­gehört auch heute noch zu den ­Orten, die genannt

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werden müssen, wenn es um vernunft­ bestimmte Gestaltungs­ansätze geht. Nach 20 Jahren Schwäbisch Gmünd – während dieser Zeit hatte ich einige Gastpro­fessuren in den USA und Kanada – nahm ich 1993 den Ruf an die Universität der Künste ­Berlin an, um dort die Nachfolge von Herbert W. ­Kapitzki anzutreten. Wie möchten Sie die Entwicklung von Design und Gestaltung beeinflussen? Vielleicht, indem man auch ein Bewusstsein dafür schafft, dass nicht alles »designt« sein muss. Viele bewährte Dinge des täglichen Gebrauchs, deren Urheber unbekannt bleiben, sind so selbstverständlich funk­tional und unaufdringlich gelöst. Die Globalisierung bietet viele Neuerungen, auch in der Kommunikation. Wie können diese für Design genutzt werden? Wie wird sich in Ihren Augen der Beruf des Designers in Zukunft verändern? Es könnte eine völlig neue Definition des Gestalters geben: Der Gestalter der Zukunft bremst seinen Drang, alles und jedes zu designen, der gesellschaftliche Auftrag lenkt seine Fähigkeiten auf neue Ziele: Als Anwalt emanzipierter Ge-Braucher sinnvoller Produkte unter Vermeidung sinnlosen Konsums. Das könnte ein völlig neuer Ansatz sein, sowohl in der Kommunikations- als auch in der Produktgestaltung. Niemand braucht den 1001. designten Kaffeelöffel. Der neue Gestalter erzeugt und propagiert keinen künstlichen Bedarf, sondern gestaltet im Sinne eines ökonomischen, ressourcenschonenden Umgangs sozial verträgliche Prozesse und Produkte.

PingPongProjekt - Ein Portrait der Grafikdesign-Ausbildung an herausragenden deutschen Hochschulen  

Severin Wucher, Gao Yi (Hrsg.)

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