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HfG Offenbach

Kultur gibt es natürlich noch etwas wesentlich ­Bedeutenderes: unsere ­Freiheit. Wie Nelson Mandela sein Leben den ­Menschenrechten und der Demokratie unter­geordnet hat und wie er ohne Rachegelüste die Wende gebracht hat, ist großartig. Warum sind Sie Designer geworden? Mich hat schon immer der Geruch von ­Stiften und Papier magisch angezogen. Ich habe als Kind am liebsten Landkarten ­gezeichnet und mir Diagramme dazu aus­ge­dacht. Kurzum, ich konnte gar nicht anders. Was ist Ihre ­Motivation, als ­Designer zu arbeiten und zu ­lehren? Was ­waren Ihre Beweg­gründe, an die HfG Offenbach zu gehen? Die Lehre läuft einem dann irgendwann einmal hinterher. Ich habe aus Ehrgeiz, nicht aus Berufung, dazu ja gesagt. Bereut habe ich dies trotz Hochschulbürokratie, Rätedemokratie, Neid und Missgunst nie. Ich empfinde den Freiraum Hochschule als ein einmaliges Privileg und fühle mich aus diesem Grund auch verpflichtet, etwas Kulturverantwortliches für die Gesellschaft daraus zu machen. Offenbach ist für mich zur Zeit eine der interessantesten Hochschulen. Die offene Durchdringung zwischen Kunst und Design ist hier vermutlich ein­malig. Wie möchten Sie die ­Ent­wicklung von Design und Gestaltung beeinflussen? Das ist mir ehrlich gesagt eine Nummer zu groß. Ich kann nur gemeinsam mit ­meiner Partnerin Christine Hesse und unserem Team die Ergebnisse bei Hesse Design beeinflussen. Meine Studierenden kann ich ­beraten und ihnen vorleben, was ich für wichtig halte. Ich kann sie dabei unterstützen, ihren eigenen Weg zu finden.

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Die Globalisierung bietet viele Neue­ rungen, auch in der Kommunikation. Wie können diese für Design genutzt werden? Wie wird sich in Ihren Augen der Beruf des Designers in Zukunft verändern? Die Spreizung zwischen ­Orchestrierung und Spezialisierung wird weiter ­zunehmen. Die Zusammenarbeit in losen ­projektbezogenen Kooperationen wird sich durchsetzen. Die Sehgewohnheiten ­werden sich weltweit weiterhin angleichen. Die Region wird bei der Entwicklung von ­Moden und Innovatio­nen eine Renaissance ­erleben. Aber nur so lange, bis unsere Augen ­alles Eigenständige und Spezifische auf­gefres­sen haben. Oder so lange, bis irgend­ein ­Idiot auf den Stoppknopf gedrückt hat.

PingPongProjekt - Ein Portrait der Grafikdesign-Ausbildung an herausragenden deutschen Hochschulen  
PingPongProjekt - Ein Portrait der Grafikdesign-Ausbildung an herausragenden deutschen Hochschulen  

Severin Wucher, Gao Yi (Hrsg.)

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