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Nr. 58 / Januar 2010

servants news

ÂŤEine Gesellschaft, in der fast alle achselzuckend Katastrophen zur Kenntnis nehmen, ist zutiefst krank.Âť Dr. Melba Padilla Maggay, Seite 5

2 Was gibts in Myanmar schon zu sehen? | 3 Wenn das Wasser bis zum Hals steht | 10 Vaterlose Gesellschaft


Myanmar EDITORIAL

PIONEERS

Christen im Einsatz für die Armen

«Was gibts hier schon zu sehen?»

Anfang Oktober, als mein Mann Christian in Manila war, erhielt ich E-Mails und Anrufe von Menschen aus der Schweiz und aus Deutschland, die sich um unsere Freunde in Manila sorgten und helfen wollten. Viele nahmen Anteil und beteten. Einzelne und auch ganze Gruppen verschenkten sogar richtig viel Geld. All diese Taten der Liebe waren für die Filipinos ein wichtiges Zeichen der Solidarität und des Teilens mit ihnen: Sie sind in der Not nicht allein!

R. & M. sind seit dem Sommer in Myanmar (Burma) und möchten längerfristig mit Menschen am (unteren) Rand der Gesellschaft unterwegs sein. Dazu wollen sie sich zuerst einleben und dabei Sprache, Kultur und Menschen besser kennen und verstehen lernen.

Immer mehr Christen werden sich bewusst, dass neben dem Beten und Teilen auch ein gemeinsames politisches Engagement nötig ist, um gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit einzustehen. ChristNet ist ein Verein in der Schweiz, der sich mit Informationen, Konferenzen und Strassenaktionen für die Millenniumsziele der weltweiten StopArmut-Bewegung (Micah Challenge) einsetzt. Dazu finden Sie auf Seite 18 einen kurzen Bericht über die Konferenz in Bern vom 3. Oktober. Auch das Benefizkonzert vom 7. November in der Thomaskirche in Basel mit rund 550 Besuchern aus der ganzen Schweiz war ein tolles Zeichen von gemeinsamer Aktion für Menschen in Not! Das Programm bot erschütternde Bilder im Film von Daniel Wahl, bewegende Berichte verschiedener Hilfsorganisationen und berührende Lieder verschiedener Künstler – dazu viele Begegnungen zwischen Snacks und Infoständen, Verkauf von Fairtrade-Taschen aus Manila und Lederwaren, die von Asylbewerbern in Basel hergestellt werden. Der Abend wird noch eine Weile in uns nachklingen! Christine Schneider

Titelbild: Quiapo in der Nähe des Hauses von Onesimo Kids

©Tanja Demarmels www.tanjademarmels.ch

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Yangon (Rangun) ist mit rund rechs Millionen Einwohnern die grösste Stadt in Myanmar. Flächenmässig hat sie sich sehr weit ausgedehnt. Auf der Stadtkarte sieht man Flüsse und Seen sowie die verschiedenen Townships, in welche die Stadt aufgeteilt ist. Ganz im Süden, angrenzend an den Kanal Pazundaung und die Flüsse Hlaing und Yangon liegt «Downtown Yangon»: Innenstadt, Stadtkern, Altstadt. Hier steht im Zentrum die Sulepagode, Ort buddhistischer Gebete und gleichzeitig Mitte eines zentralen Verkehrskreisels. Fast jeder Stadtbus kurvt irgendwann darum herum und als Neuzuzüger sind wir ganz froh zu wissen, dass man schliesslich hier wieder ausgespuckt wird und den Weg nach Hause von hier aus wieder findet. Denn ganz im Osten der Innenstadt sind wir momentan irgendwie zu Hause. Pulsierendes Leben «Was gibts hier schon zu sehen?», fragte uns neulich eine Touristin. Hat man die vier grossen Pagoden und den zentralen Markt gesehen, bleibt tatsächlich nicht mehr viel an touristischen Leckerbissen übrig. Aber dafür gibt es pulsierendes Leben und rege Geschäftigkeit. Wie in einem grossen Dorf findet das Leben auf der Strasse statt. Hier wird gehandelt, gehämmert, gewerkelt, gekocht, gespielt und nicht zuletzt herumgesessen, geschwatzt und dazu viel süsser Tee getrunken. Unzählige Teashops prägen das Strassenbild. Man erkennt sie sofort an den kleinen Holzoder Plastiktischchen und -stühlchen, die ans Mobiliar eines Kindergartens erinnern. Hier trifft man sich zu einem Schwatz oder man wartet geduldig, bis irgend etwas geschieht. Tee trinken gehört auch schon zu einer unserer Hauptbeschäftigungen, sofern unsere Bestellung auch verstanden wird. Unsere etwas älteren Knie haben Mühe, uns wieder auf die Beine zu bringen, nachdem wir eine Stunde auf Stühlen wie aus dem Kindergarten gesessen sind. Zerfall und Neuanfang Entlang der Strassen begegnen wir überall auf Menschen jeden Alters, die

Zerfallende Häuser in der Innenstadt

uns etwas anbieten wollen: Schuh- und Schirmflicker, Gemüse- und Blumenhändlerinnen, Familien, die kleine Strassenküchen betreiben. Und dazwischen Strassenkinder, Mütter mit Säuglingen und ältere Menschen, die bettelnd durch die Strassen ziehen. In der Innenstadt stehen viele baufällige Häuser. Einige werden abgerissen oder renoviert, aber ganze Quartiere sehen so aus, als würden sie gleich vom Moder aufgefressen. Zerfall und Neuan-

Neues versucht mit Energie und Fantasie aus Altem herauszuwachsen. fang, Armut und Geschäftigkeit gehören zusammen. Es sind nicht unbedingt Gegensätze, sondern eher Ergänzungen. Neues versucht mit Energie und Fantasie aus Altem herauszuwachsen. Die Frage jener Touristin, was es denn hier eigentlich zu sehen gäbe, begleitet uns weiter. Wir merken, dass unsere Augen erst allmählich zu sehen beginnen … R. & M.


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Wenn das Wasser bis zum Hals steht Dr. Jennifor Aguilar, liebevoll «Sir Poy» genannt, lehrt an einem College in Manila und koordiniert auch das Schulprogramm von Onesimo. Er berichtet von der grossen Flut, in der er seinen gesamten Besitz verlor. Durch gezielte Spenden konnte ihm alles, auch sein Auto, in kurzer Zeit ersetzt werden. Es ist Samstag und ich schlafe gut bei diesem kühlen Wetter und dem trommelnden Regen. Um sieben Uhr hätte ich zum Unterricht gehen sollen, aber ich verschlafe und wache erst um acht Uhr auf. Ich befolge den Rat eines Nachbarn und fahre unser Auto auf einen höher gelegenen Ort, wo es sicher keine Regenflut geben wird. Als ich zurück bin, reicht mir das Wasser auf der Strasse bis zur Hüfte. Gleich wird der Hausboden nass, darum stellen wir unsere Möbel weiter hinauf. Aber weil das Wasser schnell steigt, wollen wir das Haus verlassen, um der Gefahr zu entgehen. Zusammenspannen mit den Nachbarn Als wir hinausgehen wollen, bringen wir die Tür nicht mehr auf. Um ins Freie zu gelangen, zerstöre ich ein Fenster. Ich hole eine Luftmatratze und

setzte unsere Kinder (3, 8, und 11 Jahre) darauf. Meine Frau, unsere Haushaltsgefährtin und ich stossen dann die Matratze vor uns her. Kurz darauf treffen wir auf eine gelähmte Nachbarin, die von ihrem Sohn getragen wird. Er bittet uns um einen Platz auf der Matratze für seine Mutter. Weil die Wassermasse immer grösser wird und immer schneller strömt, müssen wir umkehren und auf unser Hausdach steigen. Um 9.30 Uhr sind wir zusammen mit den Nachbarn auf dem Dach. Ich entdecke noch einige Kinder, die in einem Haus eingesperrt sind und kann sie befreien. Nun reicht mir das Wasser bereits bis zur Brust. Um 10 Uhr nähert sich der Wasserspiegel unserem Dach. Dann sehen wir zwei Frauen, die am Ertrinken sind und um Hilfe bitten. Zusammen mit zwei Männern, die dazukommen, schaffen wir es, sie auf unser Dach zu heben. Um 10.30 Uhr schwin-

det unsere Hoffnung, denn der Wasserspiegel kommt uns wieder sehr nahe. Die Kinder und Frauen beginnen zu weinen. Wir suchen einen Weg, der uns an einen höheren Ort führt. Bei der nächsten Strasse steht ein Haus, das einen Stock höher ist, doch die Strömung ist nun zu stark, um dort hinzugehen. Aber Gott ist gut: Wir können uns aus

Bei der nächsten Strasse steht ein Haus, das einen Stock höher ist, doch die Strömung ist nun zu stark, um dort hinzugehen. dem Flutwasser ein Seil angeln, mit dessen Hilfe wir zu diesem Haus gelangen. Mit dem Antennenkabel des Nachbarn und mit einem Wasserbehälter konstruieren wir ein Rettungswerkzeug, womit die mittlerweile zwanzig Personen alle die Strasse überqueren

Stellenweise stieg das Wasser zu einem reissenden Fluss an

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können. Und das im letzten Moment, denn kurz darauf treiben grosse Holzplanken auf dem wilden Wasser. Angst und Hunger Kurz nach 13 Uhr erreicht uns das Flutwasser auch dort. Durch Gottes Gnade schaffen wir es, auf ein noch höheres Haus umzuziehen. Dort sind ungefähr sechzig Leute und weitere zwanzig füllen bereits das Dach. Kurz nach 14 Uhr steigt das Wasser so hoch, dass wir wieder kniehoch im Wasser stehen. Angst kommt auf, denn es regnet und windet immer noch stark. Um 15 Uhr erreicht das Wasser unsere Hüften und eine Stunde später die Brust. Wir bitten per Telefon um Hilfe, aber niemand kann uns helfen und wir verlieren die Hoffnung. Frauen und Kinder weinen, das Wasser droht, uns zu verschlingen. Meine Kinder hatten noch kein Frühstück und knabbern nun an ungekochten Nudeln. Wir beten miteinander, weinen vor Gott und bitten um ein Wunder, um uns aus dieser Tragödie zu retten. Dabei werden wir ruhig. Aber der Regen wird nochmals stärker und wir verlieren wieder die Hoffnung.

Neue Hoffnung Aber um 17 Uhr realisieren wir, dass der Wasserspiegel nicht mehr steigt, ja sogar etwas sinkt. Neue Hoffnung kommt auf und so beten wir weiter. Um 19 Uhr steht uns das Wasser nur noch bis zu den Hüften, obwohl es immer noch stark regnet. Als der Pegel unter Knietiefe sinkt, holen wir unsere Kinder vom Dach herunter und suchen Hilfe, ein Boot, das uns aus diesen Fluten hinausführen kann. Um 22 Uhr ist das Wasser immer noch rund zwei Meter tief. Die Kinder schlafen zusammengekauert auf uns. Einige unserer Männer machen sich auf in die Fluten, um Hilfe zu finden. Als um 2 Uhr früh die Flut nur noch bis zur Hüfte reicht, entscheiden wir uns, als Familie wegzugehen. Ich befürchte, dass die Flut wieder zurückkommt. Das Timing ist gut, denn gerade fährt ein Lastwagen vorbei und nimmt uns und alle im Haus auf sowie auch die Männer, die Hilfe gesucht haben. So kommen wir geschwächt und hungrig in ein Lager, wo wir Brot und etwas zu trinken erhalten. Dank Kartonbögen können wir auch auf dem nassen Betonboden schlafen.

Danke für die Hilfe Erst beim Aufwachen realisieren wir unser jammervolles Aussehen. Mit dreckigen Kleidern und barfuss stehen wir da. Ich bitte per SMS unsere Freunde um Hilfe. Bald kommen Leute von Onesimo vom Payatas-Zentrum vorbei und bringen uns zu essen. Dann nehmen sie uns mit in ihr Zentrum, wo wir Kleider erhalten und ein Zimmer, um zu schlafen. Ich bin dankbar, dass uns Gott aus Gefahr und Tod gerettet hat! Wir werden die Heldentaten der Menschen, die selber am Rande des Todes waren und uns geholfen haben, nicht vergessen. Nach der Flut fangen wir bei Null an. Wir haben alles verloren. Aber schon am nächsten Tag erhalten wir weitere Hilfe von Freunden. Die Fürsorge und Gebete schätzen wir sehr. So werden wir gestärkt und halten fest im Glauben an Gott. Dr. Jennifor Aguilar

Das grosse Chaos

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Die Flut ruft zum Umdenken auf Dr. Melba Maggay ist Präsidentin eines Instituts für asiatische Kirchen- und Kulturstudien in Manila und Beraterin von Onesimo. Sie lebt in einem normalen Wohnquartier und wurde im Herbst von der Flutkatastrophe überrascht. «Melba, Wasser! Schnell, es hat Wasser!», schreit meine Schwester im Parterre zu mir hinauf. Ich eile hinunter und sehe, wie Wasser durch die Haustüre dringt, das von einem Berg herunterströmt. Ich erschrecke und innerhalb von wenigen Minuten stehen wir knietief im Wasser. Wir schnappen uns etwas Esswaren, ein Portrait unserer El-

Ich entdecke die Einladung, die Tiefen von etwas zu betreten, das ich noch nie bereist habe: das riesige Mysterium von Leben und Tod. tern und ein paar andere Gemälde. Als der Wasserspiegel auf Brusthöhe ist, beginnt der Kühlschrank herumzuschwimmen und knallt in den Tisch und in die Stühle, die sich im Wohnzimmer umherdrehen. Nach weniger als einer Stunde ist das Parterre bis zur Decke im Wasser und der Boden des ersten Stocks beginnt nun auch nass zu werden. Da merke ich, dass ich nun nichts mehr machen kann und gehe auf die Knie, um zu beten.

Zwischen Hoffnung und Verzweiflung Ich setze mich und lasse meine Augen sehnsüchtig über den Boden schweifen. Vielleicht ist das meine Art, mich von liebgewonnenen Sachen zu verabschieden: Bücher, die mir wertvoll geworden sind, und Bücher, die ich noch lesen wollte. Und Fotos und Gemälde, das Portrait meiner Eltern, das ein Freund geschaffen hatte. Ich überlege, falls das Wasser uns umschlingen sollte, könnte ich wohl den Computer mitnehmen, aber alles andere würde ich verlieren. Ich verschiebe die wichtigsten Bücher auf das höchste Regal und denke dann über die Evakuierung der Personen um mich herum, mit Baby und Grossmutter, nach. In mir drin tobt die Schlacht zwischen Hoffnung und Verzweiflung und mein Glaube an den Herrn des Windes und des Regens wird auf die Probe gestellt. Die Natur schlägt nun als Antwort auf unsere Umweltsünden zurück. Gott

hebt seine Naturgesetze nicht auf. Wenn wir dagegen verstossen, tun wir es zu unserem eigenen Verderben. Obwohl ich weiss, dass Gott den Regen stoppen kann, steigt Zweifel in mir auf, als ich spüre, wie sich unsere grosse Mauer durch die Flut leicht bewegt. Ich bete darum, dass sie nicht einstürzt. Ich habe wohl nie zuvor mit solcher Inbrunst, solchen Tränen und solcher Angst zu Gott gebetet. Not macht erfinderisch Tatsächlich hört der Regen auf und der Wasserspiegel steigt nicht mehr weiter an. Eine Rettungsmannschaft kommt mit einem improvisierten Floss. Wir wollen aber nicht als Flüchtlinge ins Quartierlokal umsiedeln und entscheiden uns, in unserem Haus zu bleiben im Vertrauen darauf, dass das Schlimmste vorbei ist. Aus einer Konservenbüchse basteln wir einen Kochherd, den wir mit Zeitungen heizen. Darauf kochen wir etwas Reis und braten Fisch. Wir la-

Hilflos vom Wasser umgeben Da klopft ein Mann ans Fenster und bittet um Einlass. Bei ihm stehen zwei Frauen mit einem Baby auf dem Dach. Sie sind von ihrem Haus aus durch die Fluten geschwommen. Ich kann das Fenster aber nicht öffnen. Über die Terrasse können sie aber doch hereinkommen. Wir erfahren, dass ihre Grossmutter noch immer im Haus ist und voller Angst im ersten Stock wartet. Einer der Männer schwimmt zurück, um sie zu holen, aber sie wagt sich nicht, die Fluten zu überqueren. Ich verspreche, sie bei einer Rettungsaktion nicht alleine zurückzulassen. Der Fluss steigt weiter an und wir suchen telefonisch nach Hilfe. Doch nicht einmal der Chef des Zivilschutzbüros kann uns helfen. Vergeblich telefonieren wir weiter und schon bald sind unsere Handybatterien leer. Wir haben getan, was wir konnten.

Aufräumen nach der Flut

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chen leise über unsere Improvisationskünste und sind froh und dankbar, noch am Leben zu sein. Trügerische Schönheit Das Wasser um uns herum ist tief und dunkel. Ich entdecke darin die Einladung, die Tiefen von etwas zu betreten, das ich noch nie bereist habe: das riesige und Furcht einflössende Mysterium von Leben und Tod. Ich denke auch an die Hilflosigkeit unserer Armen. Die Verstossenen lebten eben noch entlang des Flusses und mussten sich auf die Bäume retten oder wurden von den Fluten weggeschwemmt, zusammen mit all dem Abfall und den verrosteten Blechdächern ihrer nun ehemaligen Hütten. Der nächste Morgen ist auf eine unheimliche Weise ruhig. Und er ist auch seltsam schön. Ein Mann treibt alleine auf einem Floss aus Bananenstauden dem Fluss entlang. Das ruhige Wasser mit den daraus hervorragenden Baumwipfeln ergibt ein malerisches, aber trügerisches Bild, denn etliche Menschen sind darin ertrunken.

Arme ohne soziales Netz Neun Tage später gilt es, eine über zehn Zentimeter dicke Schlammschicht von unserem Haus wegzuputzen. Im Vorhof herrscht noch immer ein Chaos, aber das Leben geht weiter und ich versuche, dem Ereignis eine Bedeutung abzugewinnen. Ich bin zum ersten Mal selber Opfer einer Überschwemmung geworden. Früher dachte ich, dass dies nur Menschen trifft, die es sich nicht leisten können, an einem ordentlichen Ort zu leben. Plötzlich bin ich selber sehr verletzlich und auf Hilfe angewiesen. Ich erhalte tausend Freundlichkeiten von Freunden, Nachbarn und meiner Kirchgemeinde, die mir Essen und Wasser schickt, beim Putzen hilft, die Elektroversorgung kontrolliert und mich so auf die Güte Gottes hinweist. Die Armen aber haben keinen Zugang zu solcher Hilfe. Tausende befinden sich in Evakuierungszentren, ohne Haus, ohne Familien, Freunde und Verwandte, die genügend Ressourcen haben, um sie zu versorgen. Im Gegensatz zu uns von der Mittelschicht fehlt ihnen ein tragendes soziales Netz. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als auf die Hilfe der Regierung

zu warten, die meistens zu klein ist und zu spät kommt. Historischen Fingerzeig ernst nehmen Ich frage Gott, was dies alles für mich bedeutet und erkenne, dass ich an der Gemeinschaft seines Leidens teilnehmen soll. In diesem grossen Mysterium der Solidarität treffen der Kummer und die Erniedrigung eines Einzelnen auch alle andern. Wir leben immer in der Gegenwart zueinander – bewusst oder unbewusst. Die Armut der Menschen um uns herum sagt ebenso viel über uns aus wie die Art von Regierung, unter der wir leben. Nun kann ich besser mitfühlen mit denen, die ganz am Rand der Gesellschaft und unter grosser Gefahr leben und sehe es als Skandal, dass so viele Menschen keinen anderen Platz haben. Eine Gesellschaft, in der fast alle achselzuckend Katastrophen zur Kenntnis nehmen, ist zutiefst krank. Rund zwanzig Taifune suchen unser Land jedes Jahr heim. Aber die Vorbereitungen darauf sind mangelhaft und man unterliess es, die vollen Stauseen rechtzeitig etwas zu entleeren. Ich habe den Eindruck, dass neben der Umweltzerstörung das masslose Freisetzen von Wassermassen der Staudämme der entscheidende Faktor war und diese Katastrophe von Menschenhand ausgelöst wurde. Das Schlimmste wäre für mich, wenn wir diesen historischen Fingerzeig übersehen würden und weiterhin nur auf die unmittelbare Gegenwart fixiert blieben. Wir müssen jetzt damit beginnen, den künftigen Fluten entgegenzuwirken. Und wir müssen vor allem die unverschämte Hilflosigkeit und Entwurzelung unserer Leute beenden. Dr. Melba Padilla Maggay www.isacc.org.ph

Gestrandeter Verkehr im Osten Manilas

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Eine Stadt im Ausnahmenzustand Im Oktober wurde Manila von einer grossen Flut heimgesucht, die hier ein unbeschreibliches Durcheinander verursacht hat. Ich war an jenem Samstagmorgen beim Zahnarzt. Die Rückfahrt hat statt einer Stunde das Vierfache gedauert: Busse und auch Privatfahrzeuge konnten nicht mehr fahren; es blieb nichts anderes übrig, als durch die Fluten zu gehen oder zu schwimmen. Viele Menschen gingen dabei verloren, weil entweder die Strömung zu stark war oder sie gar nicht schwimmen konnten. Die Flüsse in meiner Nachbarschaft stiegen um zehn Meter oder mehr an und traten über die Ufer. Die Gegend von Pajo mit den neuen farbigen Häusern stand unter Wasser. Meine Wohnung im dritten Stock blieb verschont. Ein schwimmendes Haus Aber das Teamhaus von Servants stand bei meiner Heimkehr mehr als einen Meter unter Wasser. Niemand vom Team konnte hingehen und etwas retten. Unsere Filipino-Mitarbeiter hatten vorsorglich manches höhergestellt für den Fall, dass das Wasser knietief steigen würde. Das hatte es in dreissig Jah-

ren offenbar nie getan. Diesmal kam es anders. Ich traf ein schwimmendes Haus und zog den letzten Laptop auch noch aus der scheinbar sicheren Schublade, die mittlerweile dreissig Zentimeter unter Wasser stand! Alle Rattanmöbel schwammen obenauf und der Gefrierschank schaukelte auch horizontal daher. Alles schwamm oder versank. Ein Albtraum. Alle Polster waren vollgesogen mit Wasser. Mittlerweile haben wir vieles recht vernünftig getrocknet. Zum Glück bestand unsere Flut hauptsächlich aus Wasser und nicht noch aus Geröll wie in anderen Gegenden. So liess sich mehr retten. Trotzdem, die elektrischen Geräte sind fast alle definitiv kaputt oder befinden sich nun in Reparatur. Wir verbringen Stunden damit, Dokumente zu trocknen und neu zu organisieren; wir haben Dokumente gebacken, gebügelt und geföhnt. Aber wir sind dankbar, dass sich dies überhaupt machen lässt. Es wird also Wochen gehen, bis wir wieder halbwegs eingerich-

tet sind. Wir suchen nun auch dringend ein neues Haus, denn der Eigentümer flickt nichts. Obwohl alles völlig von Termiten zerfressen ist. Nun gäbe es erst recht viel zu flicken, aber was von Termiten befallen ist, ist hoffnungslos verloren. Wir hoffen und beten für ein gutes neues Teamhaus, fünf grosse Zimmer sollte es haben, in relativ ruhiger, zugänglicher Gegend. All dies kostet wieder unglaublich viel zusätzliche Energie. Meine Teamkollegen kamen wie ich relativ ungeschoren davon.

Wir haben Dokumente gebacken, gebügelt und geföhnt. Alles weg – und keine Hilfe in Sicht Viel schlimmer betroffen sind viele Familien, deren Hütten direkt an einem Flussufer klebten. Diese hat es weggespült und die Familien sind nun vollständig obdachlos. Schon zwei Wochen

Aufräumen nach der Flut

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zuvor hatte es an einer solchen Stelle eine Hütte weggespült, mitsamt der ganzen Familie und all ihrer Habe. Der Mann folgte der Anweisung seiner Frau und packte die beiden Kinder und konnte in Sicherheit schwimmen. Die Frau fand man leider einen Tag später in einem anderen Stadtteil tot im Fluss hängend. Es wäre schön und tröstlich zu wissen, dass von der Regierung Hilfe bereitgestellt würde und Obdachlose sinnvoll umgesiedelt würden. Aber nach allem, was wir in den letzten Jahren an Bürokratie beobachtet haben, ist klar, dass die Leute hundertmal eine neue Hütte zusammengeschustert haben, bis von der Regierung her auch nur klar ist, wie die Hilfe aussehen soll. Allerdings muss ich auch gestehen, dass Servants vermutlich dieses Mal auch kaum helfen kann. Wir sind logistisch gar nicht in der Lage und selbst zu sehr havariert. Wir schieben ständig Krisen, aber glücklicherweise nicht alle zur gleichen Zeit. Wir sind dankbar, dass es für uns nicht schlimmer kam.

Die Stadt dagegen macht ein erbärmliches Bild: Die Bretterverschläge der Familien, die unter Brücken wohnten, wurden weggerissen, und nun siedeln sie mit ihrer Habe auf den Gehsteigen und begrünten Mittelstreifen der grossen Strassen. Trotz allem wissen die Menschen, dass zum Beispiel ein Erdbeben oder ein Tsunami noch gewaltsamer gewesen wäre und mehr Leben gefordert hätte. Sehr dankbar waren wir, dass uns der später angesagte Supertaifun nicht traf und sich etwas abschwächte. Diesmal hatte ich das erste Mal Angst vor einem Sturm und das allgemeine Gefühl war: Bitte nicht! Wir sind nicht bereit, haben uns noch nicht erholt. Wir waren froh, als der Tag dann ruhig anbrach. Manche fragten uns, wie sie helfen könnten. Die meisten Menschen hier brauchen im Moment eine Extraportion Kraft von Gott, das gilt auch für uns.

Lernen im Ernstfall – für den Ernstfall Bei Lilok wurde entschieden, eine nachhaltige Hilfsaktion mit ehemaligen und gegenwärtigen Schülern durchzuführen, vermutlich in Tatalon, einem stark betroffenen Armenviertel. Das Ziel ist, dass die Hilfsaktion gleichzeitig als Lernmodul für Katastrophenmanagement genutzt wird. Nie lernt man so etwas besser als im Ernstfall. Meine Kolleginnen und Kollegen bei Lilok sind speziell frustriert, dass viele Hilfsaktionen der Politiker gar nicht anlaufen, solange nicht gleichzeitig alle Kampagnenplakate perfekt platziert sind. Egal, ob die Bürger leiden oder nicht. Das ist wirklich unglaublich enttäuschend. Tragisch ist auch, dass für viele helfende Gruppen die Sache erledigt ist mit einigen Dosen Nahrungsmitteln, Reis und Nudeln. Wir möchten anders vorgehen und zum Beispiel Schulmaterial ersetzen, Schlafmatten, Decken, Kocher und Essutensilien bereitstellen, damit sich das Leben in ersten Schritten normalisieren lässt. Regula Hauser

Der Hausrat, versunken im Schlamm

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Ein neues Klima?

Das Klima hat sich geändert! Diesmal bezieht sich diese Aussage weniger auf das Wetter als auf die Politik. In letzter Zeit war ich oft fürchterlich frustriert über das korrupte System hier. Alles ist unglaublich verkommen und verlogen. Die Wahlen stehen an und ein Kandidat scheint durchtriebener als der andere. Dann starb Cory Aquino, die 1986 mit ihrer Wahl zur Präsidentin einen Volkaufstand auslöste und den damaligen Diktator Ferdinand Marcos vom Präsidentensitz stiess. Und es ist, als ob sie mit ihrem Sterben noch den letzten entscheidenden Streich gespielt hätte! Ihr Tod hat die Leute aufgerüttelt, vor allem die frustrierten, die eigentlich höhere Ideale haben als das, was im Moment hier üblich ist. Es ist fast ein bisschen mysteriös. Plötzlich sind da wieder positive und begeisterte Kräfte zu spüren. Corys Sohn, Noynoy Aquino, bisher ein Senator, wurde angefragt, ob er kandidieren würde. Gleichzeitig trat Mar Roxas, ein anderer Kandidat mit relativ guten Chancen, zu Noynoys Gunsten zurück. Noynoy liess sich nicht so schnell überzeugen, er hatte nicht die Absicht gehabt, Präsident zu werden. Hier braucht man unglaublich viel Geld für eine Kandidatur – um die Stimmen zu kaufen! Und Noynoy hätte gar kein Geld dafür. Das macht ihn attraktiver. Schliesslich sagte er zu. Nun hat er in den Meinungsumfragen bereits alle anderen Kandidaten hinter sich gelassen. Auch ich hoffe, dass es so weitergeht und er gewählt wird. Zwar bin ich nicht so sicher, ob er ein hochbegabter Präsident sein wird. Aber vermutlich werden sich die guten Elemente besser um ihn sammeln können als um eine hochqualifizierte, korrupte Person wie die derzeitige Präsidentin Gloria Arroyo. «Irgendwie ist neue Hoffnung in die politische Landschaft gekommen», diese Aussage höre ich nun immer wieder. Hoffen wir, dass alle halbwegs fähigen Leute nun ihr Bestes tun, um die Sache voranzubringen. Das Volk sehnt sich nach Integrität und Ehrlichkeit – Werte, die in der Aquino-Familie viel gelten. Cory war damals auch nicht besonders qualifiziert für ihr Amt – und sie war stets die Erste, dies zuzugeben. Regula Hauser Kinder werden auf den Dächern in Sicherheit gebracht

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Vaterlose Gesellschaft Am ersten sonnigen Wochenende nach der grossen Flut machten sich fünf Väter mit je einem Sohn auf zur Lilok Farm ins Abenteuerlager für Vater und Sohn. heiten, wo sie ihr Vatersein ausleben können, sind darum sehr wichtig. Ich hoffe, das Abenteuerlager hat die kleinen und grossen Männer gestärkt. Beziehungs- statt Geldarmut Viele Eltern verstehen sich primär als materielle Versorger ihrer Kinder. Häufig reisen Väter ins Ausland, weil sie dort mehr oder überhaupt etwas verdienen. Dies wird als positives Opfer gewertet; dass aber die Beziehungen darunter leiden, nimmt kaum jemand wahr. Darum wachsen viele Kinder nicht bei den Eltern, sondern bei Grosseltern oder andern Verwandten auf. Das ist eine weitere Facette der Armut. In konsumorientierten Städten wird einem suggeriert, dass die Armut ein Ende hat, sobald man Geld hat. Dabei wird vergessen, dass die Art des Geldverdienens zu einer anderen, noch schlimmeren Form der Armut führen kann.

Lagerfeuerromantik in der Lilok Farm

Das Ziel des Lagers war, miteinander einige ungewöhnliche oder mutige Dinge zu unternehmen, um die Beziehung zu stärken und den gegenseitigen Respekt zu fördern. Sie übernachteten allein im Zelt, erforschten die grosse Höhle und den Wasserfall, der sich durch die Erdrutsche stark verändert hatte und einige Überraschungen bot. Alle waren beeindruckende, unterschiedliche Persönlichkeiten, die aufeinander angewiesen waren. Einige kapitulierten vor den schwierigen Seilübungen. Für andere bestand das grösste Abenteuer wohl darin, zwei volle Tage allein mit dem Sohn oder Vater zusammen zu sein ohne den Rest der Familie. Ein Vater sagte: «Wir sind das erste Mal allein unterwegs, mein Junge steht der Mutter näher. Aber hier kuschelt er sich auch an mich!» Kuscheln musste sein, denn die Nacht im Zelt war kalt. Ein anderer meinte abschliessend zu seinem Sohn: «Merk dir, wenn ich je mit dir schimpfe, dann nur, damit du dein Leben gut zu meistern lernst.» Matriarchale Gesellschaft Solche Männerzeiten scheinen einem Bedürfnis zu entsprechen. Tiefe Gespräche zwischen Familienmitgliedern sind

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Regula Hauser in den übervölkerten Slums erschwert. Das Überleben als Eltern ist hart, und nur wenige nehmen sich bewusst Zeit mit einem einzelnen Kind. Die philippinische Gesellschaft ist matriarchal geprägt. Die Mütter sind oft dominant und gleichzeitig überfordert. Das ist für die Männer oft schwierig und Gelegen-

Vater und Sohn beim Wasserfall


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SERVANTS MANILA

ONESIMO

Zurück nach Manila

Das Trauma der Flut

Dank einem Auftrag der Weltgesundheitsorganisation in Mikronesien kann ich unverhofft drei Tage in Manila verbringen.

Gott sei Dank! Wieder einmal hat er uns wunderbar bewahrt: Während der grossen Überschwemmung waren wir in Camp Rock auf Mindoro.

Wie geht es wohl einigen meiner armen Freunde? So gehe ich auf die Suche nach Joey und Janis, die ich im Dezember 2008 zum Abschied in der Provinz besucht hatte. Ich erfahre, dass sie zurück in Manila sind, dort, wo ich vor 21 Jahren meine Diplomarbeit schrieb. Damals war es ein ekelhafter Müllhaufenslum, nun ist es ein kalter Wohnsiloslum: Grosse Wohnblöcke bieten zwar vom Wetter geschützte Kleinwohnungen an, aber sozial gesehen ist das Leben in diesen Hochhäusern eher lebensfeindlich. Vor einem der zahlreichen Wohnblöcke treffe ich bei einem Fahrradtaxi auf Joey. Auf seiner nackten Brust prangen zwei eintätowierte Namen: Altea und Almira. Altea ist die Tochter, die durch den Hebammendienst von Janice bei uns zur Welt kam im 2007. Almira wird wohl die zweite Tochter sein – Janis war damals im Dezember schwanger. Ich schaue Joey an: Etwas Trauriges ist in seinen Augen. Er erzählt mir von seinen Bemühungen, das Leben der neugeborenen Almira, die um ihr Leben rang, im schlechten Spital zu retten: Er rannte von Krankenschwester zu Krankenschwester und von Arzt zu Arzt, um jemanden zu finden, der seine sterbende Tochter behandeln würde. Zwischenzeitlich hatte er damit sogar Erfolg trotz langer Wartezeiten. Dennoch, Almira war zu schwach: Sie starb zwei Tage nach ihrer Geburt. Das Fischverkaufen in der Provinz klappte auch nicht mehr, und so ging er zurück nach Manila. Nun hat Joey Arbeit als Fahrer eines Fahrradtaxis, das Einkommen ist jedoch sehr klein. Janis sagt aber dankbar, dass sie dreimal am Tag essen würden, wenn auch oft mit einigen Stunden Verspätung; das Geld käme halt erst im Laufe des Tages rein. Schwierig ist, dass Joey und Janis Schulden haben beim Vermieter ihrer letzten Wohnung. Und wo sie jetzt wohnen, sind sie eigentlich unerwünscht. Ich gebe ihnen etwas Geld, und gemeinsam beten wir in der Trauer und Not. Mein Geld hilft ein wenig für den Moment. Meine Hoffnung ist, dass durch Gottes Hilfe das Leben der drei sich zum Guten wendet.

80% von Manila und der angrenzenden Provinzen standen unter Wasser. Erst zwei Tage danach war die Fahrt mit Boot und Bus zurück nach Manila möglich. Ingrid fand eine völlig verstörte und traumatisierte Nachbarschaft vor. Wir haben zwar öfters unter Überschwemmungen zu leiden, weil wir direkt an einem kleinen Bach liegen, der sich schon mal in einen reissenden Wildbach verwandeln kann. Aber so etwas hatten sie noch nicht erlebt – selbst unser Nachbar, der seit vierzig Jahren in unserem Slum lebt. In unserer Küche stand das schwarze Flutwasser ca. 1,20 m hoch. Jessica konnte viele unserer Habseligkeiten in unser Schlafzimmer im zweiten Stock bringen, wohin sich schon unsere Nachbarsfamilie mit ihrem Hab und Gut gerettet hatte. Unser Nachbar Ricardo (75) sass auf der Treppe und weinte. Er hatte versucht, seine Haustür mit aller Kraft zuzustemmen, bis ihm das Wasser buchstäblich bis zum Hals stand. Sich selbst konnte er noch in Sicherheit bringen. Aber das Wasser riss alles fort, was sie nicht hatten sichern können. Als die Wände des gegenüberliegenden Hauses einstürzten, kletterte Jessica in Todesangst aufs Dach. Sie befürchtete, dass auch unser Haus einstürzen würde. Dort oben bemerkte sie, dass die Nachbarn zu unserer Linken eingeschlossen waren: Sie konnten nicht mehr zur Haustür hinaus und hatten auch keinen anderen Fluchtweg. So versuchte sie, eine Stelle am Dach zu finden, wo sich das Blech hochbiegen liess. Mit aller Kraft gelang ihr das. Nun wurde zuerst Klein-Nonoy (2) hochgereicht und dann konnten seine Eltern hinausklettern. Sie wären sonst im eigenen Haus ertrunken. Unsere Jonelyn fand eine Möglichkeit, bis hinter unser Haus zu gelangen. Dabei fiel sie in ein grosses Loch und stand bis zum Kinn im Wasser. Glücklicherweise war jemand bei ihr. Mit vereinten Kräften gelang es, sie herauszuziehen. Erst Stunden später begann der Wasserspiegel zu sinken. Gott sei Dank ist in unserem Slum niemand ums Leben gekommen. Insgesamt haben an diesem Samstag Hunderte von Menschen ihr Leben verloren und Hunderttausende ihr Hab und

Christian Auer

Gut. Unsere Freunde und Gemeinde in Deutschland reagierten schnell. So konnten wir für viele Familien Schlafmatten, warme Decken, kleine Gaskocher, Lebensmittel und Reis kaufen und verteilen, um ihnen einen Neuanfang zu ermöglichen. Die Schrecken der Flut haben sich tief eingebrannt: Bei jeder Nachricht über einen neuen Taifun bricht Panik aus. Ingrid & Lothar Weissenborn

Danke! Lothar und Ingrid Weissenborn kehren nach sieben Jahren Ende Februar definitiv nach Deutschland zurück. Sie haben in letzter Zeit sehr viel in die Arbeit der Leuchtturm-Gemeinschaft von Onesimo und in das Freizeitzentrum Camp Rock investiert. Ganz herzlichen Dank für das einzigartige und mutige Engagement dieses Ehepaares im «Unruhestand».

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Hoffnung für Strassenkinder Jedes Kind hat seine eigene Geschichte. Für die Mitarbeiter ist es immer sehr schwer zu sehen, wie ein Kind, in welches sie viel investiert haben, zurück auf die Strasse geht. Dennoch sind wir überzeugt, dass Liebe, die in ein Kind investiert wird, nie verloren ist. Veränderung scheint ein geheimnisvoller Prozess zu sein, eine Kombination aus Gottes Gnade mit der eigenen inneren Motivation. Hier zwei erfreuliche Kindergeschichten: Die Verantwortung lastet auf uns Jane sah aus wie ein Gespenst. Gesicht, Bauch, Arme und Beine waren mit einer Schicht Zahnpasta überzogen, angeblich sollte dies ihre schlimmen Verbrennungen kühlen. Anstatt zur Schule zu gehen, musste Jane zu ihrem zweijährigen Bruder schauen, weil ihre drogenabhängigen Eltern im Gefängnis sind. Ein weiteres vierjähriges Kind ist verschwunden. Bei einer Müllexplosion erlitt sie schwere Verbrennungen, während sie sich schützend über ihren Bruder beugte. Viele Leute gaben Pflegetipps, aber niemand hatte die Mittel für eine bessere Behandlung als mit

Veränderung scheint ein geheimnisvoller Prozess zu sein, eine Kombination aus Gottes Gnade mit der eigenen inneren Motivation. Zahnpasta. Wir konnten Janes Tante überzeugen, sie ins Gesundheitszentrum zu bringen. Zuvor bildeten die Kinder einen Kreis um das Mädchen, das auf seinem Stück Karton lag. Ein Freund betete: «Lieber Gott, bitte mach

Strassenkinder in Quiapo, wo Jane und Ruel aufgewachsen sind

Jane wieder gesund.» Wir gingen mit schwerem Herzen. Drei Tage später fanden wir Jane trotz ihrer Schmerzen auf der Strasse betteln. Wir mussten sie ins Krankenhaus bringen aus Sorge, dass ihre Wunde infiziert wird. Schmutzig und übel riechend kamen wir mit Jane und zwei anderen Strassenmädchen dort an und wurden

Kinder verkaufen Halsketten auf der Strasse

zunächst abgelehnt mit der Begründung, dass die Abteilung für Verbrennungen voll belegt sei. Aber wir wollten nicht gehen, bevor Jane behandelt wurde. Ihre tägliche Wundreinigung war eine Qual und der Arzt zeigte keinerlei Gefühl. Nachts hielt Jane unsere Hände und bat uns inständig, sie nicht zu verlassen. Sie wollte nach Hause, aber der Arzt riet davon ab und sagte, er könne sie nur entlassen, wenn wir unterschrieben, dass wir die Verantwortung dafür übernähmen. Sie konnte mit ihren Brandwunden nicht auf die Strasse zurück, aber wir fanden eine andere Institution, welche sie zusammen mit ihrem Bruder aufnahm. Nun besucht sie erfolgreich die Schule. Ihre Wunden sind verheilt, nur eine verblasste Narbe im Gesicht erinnert noch an ihren tragischen Unfall. Selbstbewusstsein entwickeln Als wir Ruel das erste Mal trafen, war er ein elfjähriger Strassenjunge. Sein Vater war fast jede Nacht betrunken und Ruel musste Wasser holen und für beide den Lebensunterhalt verdienen. «Meine Eltern sind getrennt und ich lebte mit meinem arbeitslosen Vater auf der Strasse, wo ich Halsketten verkaufte, um für uns etwas zu essen zu verdienen. Die Schule musste ich nach der ersten Stufe

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Philippinen ONESIMO KIDS

Spielen im Drop-in-Zentrum

verlassen. Dann lernte ich Ferdie kennen, ein Mitarbeiter von Onesimo. Ich sagte ihm, dass ich wieder studieren wollte und Onesimo Kids unterstützte mich dabei. Dies ist nun über fünf Jahre her.» Ruel war der Erste, den wir in der Schule unterstützen wollten, während er noch auf der Strasse lebte. Das ging fast ein Jahr lang gut, aber die Belastung von Ruel war gross. Neben der Schule musste er seine Hausaufgaben auf der Strasse erledigen und arbeiten, um für den Lebensunterhalt zu sorgen. Er kämpfte, um in der Schule mitzukommen, fehlte aber immer öfter, bis er fast aus der Schule flog. Wir waren nur ein paar Nächte pro Woche dort und beschlossen, als Team von Freiwilligen in dieses Gebiet zu ziehen, um nahe bei Kindern

Niederschwellige Hilfe in der Nähe Wir haben vieles versucht, um nicht nur das Leben von Kindern, sondern von ihren ganzen Familien zu verbessern und wir wollen innerhalb unserer Strassengemeinschaft arbeiten. Obwohl

wir manches wieder aufgeben mussten, beteiligen sich die Eltern nun stärker an der Veränderung ihrer Nachbarschaft. Sie haben etwa zusammen gegen ihre Vertreibung unter der Brücke gekämpft, wenn auch erfolglos. In einem niederschwelligen Drop-in-Zentrum mitten in der Nachbarschaft können wir die Kinder begleiten, pädagogische Hilfe anbieten und frühzeitig eingreifen. Auch viele Mitarbeiter leben hier, denn wir wollen eine Gemeinschaft sein, wo andere geheilt werden können. Dabei haben wir gelernt, dass wir zuerst selber geheilt und verändert werden müssen, damit dies auch andere erleben können. Daniel Wartenweiler Bilder: ©Tanja Demarmels

Kleider waschen im Drop-in-Zentrum

wie Ruel und Jane zu leben und um zu erkunden, wie wir sie besser unterstützen können. Vier Jahre lang lebte Ruel dann im Zentrum, wo er die Schule besuchte und sich zu einem selbstbewussten Teenager entwickelte: «In meinem Leben hat sich viel verändert. Ich fluche nicht mehr und hänge nicht mehr den ganzen Tag ziellos herum. Ich habe an Gewicht zugenommen, früher war ich sehr dünn. Ich helfe bei der Betreuung der kleineren Kinder und die Mitarbeiter vertrauen mir. Einmal in der Woche gehen wir auf die Strasse, um neue Kinder zu erreichen.» Ruel bereitet uns als Nachwuchsleiter und Vorbild für die Kinder grosse Freude. Nun lebt er bei seinem Onkel, wo er seine Ausbildung mit unserer Hilfe fortsetzen kann. Kinder geniessen den Garten

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Philippinen ONESIMO

Nach der grossen Flut Bereits im letzten Frühjahr plante ich für den Herbst einen Besuch in Manila. Die Hauptgründe waren der Ausbau von Camp Rock mit erweitertem Spielgelände und das geplante neue Freizeitareal in der Nähe von Manila.

Ich hatte vor, die Mitarbeiter von Onesimo an ihrer Retraite zu ermutigen, in ihrer kräftezehrenden Arbeit durchzuhalten. Wenige Tage vor meiner Abreise erreichte mich die Schreckensnachricht von unserem Leiter Dennis Manas: «Betet für uns; fünf unserer Gemeinschaftshäuser und auch unsere Wohnhäuser stehen im Wasser.» Am Tag darauf sahen wir am Schweizer Fernsehen die schlimmen Bilder einer Fünfzehnmillionenstadt, die zu achtzig Prozent von einem tropischen Regensturm überschwemmt war. Hunderttausende wurden über Nacht obdachlos und um die tausend Menschen verloren ihr Leben in den Fluten und Erdrutschen. Rettung aufs Dach In Manila konnte ich mir viel Zeit nehmen, um den Menschen zuzuhören. Nach dem ersten Schock spürte ich auch bald Erleichterung und Dankbarkeit darüber, dass alle Mitarbeiter mit dem Leben davonkamen. Einige erlitten aber grossen materiellen Schaden. In Frisco sind drei Kinder ertrunken, während über das stabile Slumhaus unserer dortigen Gemeinschaft sechzig Leute aus den Fluten auf das Dach gezogen werden konnten. Noli, ein neuer Teilnehmer von Onesimo aus dem Gräberslum Navotas, ist ein guter Schwimmer und erwies sich dort als Held. Unsere langjährige Mitarbeiterin Hazel erzählte mir, dass sie hilflos zusehen musste, wie eine Frau vom Wasser mitgerissen wurde. Später sah sie eine Leiche, die wie ein toter Hund am Strassenrand lag. Die Polizei war mit dem Aufräumen überfordert. Der Jugend von Onesimo konnte ich meine Betroffenheit ausdrücken und die Solidarität unserer Freunde zusichern. Ich glaube, das hat ihnen wohlgetan. Dank einer Soforthilfsaktion erhielten gegen dreihundert Familien das Nötigste zum Leben. Unserem Ausbildungsleiter Sr. Poy floss das Wasser über das Dach und riss alles samt Auto mit. Auch seinen Sachschaden konnten wir ersetzen. Mitarbeiter-Retraite im neu ausgebauten Camp Rock

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Nicht aufgeben Die Jahresretraite fand trotz Flutkatastrophe oder erst recht statt. Etwa vierzig erschöpfte Mitarbeiter, auch Daniel Wartenweiler und seine Leute, genossen die gemeinsame Zeit ausserhalb der Stadt. Während einer gegenseitigen Fusswaschung konnte man einander zuhören und füreinander beten. Wenn wir einander tragen, finden wir Zugang zu Gottes Quelle und werden erfrischt. Auf der Insel Mindoro feierten wir zusammen mit den Arbeitern das neu ausgebaute Camp Rock. Lothar Weissenborn hat ganze Arbeit geleistet! Alles erstrahlt in frischem Glanz und ist jetzt erst noch sicher vor Termiten und Erdbeben. Wir besuchten auch das zusätzlich gekaufte Spielgelände und konnten die Ausbaupläne vor Ort diskutieren. Als Abschluss durfte ich wieder an der fröhlichen Jahresfeier teilnehmen. Die Menschen haben die Hoffnung nicht aufgegeben. «Das Leben in Manila geht weiter», sagte mir Pastor Dennis Manas, «wir müssen vorwärts sehen.» Christian Schneider

Die Hausmeister Joriel und Arlin Abdon mit Dennis Manas, Leiter von Onesimo


Philippinen SERVANTS

Abschied vom Familienliebling Christian Schneider hat über zehn Jahre in den Slums von Manila gelebt und berichtet in loser Folge über seine Erlebnisse, die er in seinem Tagebuch festgehalten hat.

«Jesus hatte Joel so lieb, er hat ihn zu sich genommen», tröstet mich Noel. Voller Bestürzung stehe ich vor dem kleinen Sarg in unserer Hütte. Es ist das Slumhaus der Familie Rinion. Seit sieben Wochen bin ich hier zu Hause. Noel ist der Vater des fünfzehn Monate alten Knaben. Nun ist der von uns allen geliebte Sonnenschein tot. Ich kann es kaum fassen. Er liegt vor mir aufgebahrt, wo normalerweise seine Eltern schlafen. Eigentlich sollte ich jetzt Noel trösten und seine Frau Josselyn, nicht umgekehrt! Ich bin wie benommen und unfähig, irgendetwas zu tun oder zu sagen. Noel ist mein Sprachhelfer und Freund geworden, der mir hilft, eine mir unbekannte Welt, Kultur und

Wo sind die hunderttausend Christen aus den klimatisierten Mittelklasskirchen dieser Stadt? Sprache zu entdecken. Jetzt ist sein erstes und einziges Kind gestorben und ich und niemand sonst konnte es verhindern. Fassungslos und stumm starre ich auf das bleiche aufgedunsene Gesichtchen im kleinen Sarg. Mir ist zum Weinen, aber Tränen kommen keine. Ich bin wie gelähmt. Das darf nicht wahr sein, nicht auch noch in «meiner» Familie! Zu viel Elend habe ich gesehen in diesen wenigen Wochen. Was ist passiert? Joel hatte ein wenig Durchfall, nichts Aussergewöhnliches bei Säuglingen. Er wurde gestillt, war gut genährt und völlig gesund. Erst war er noch voll Lachen und sprudelndem Leben. Vor drei Tagen habe ich die Familie verlassen, um eine Pause in unserem Retraitehaus in Manila einzulegen. Vorher habe ich den Eltern für alle Fälle nochmals eine Dehydrationslösung ans Herz gelegt und die Anwendung erklärt. «Chris, wir haben alles nach Vorschrift verabreicht», versichern sie mir nun, ohne dass ich sie gefragt hätte. «Der Durchfall wurde stärker und Joel immer schwächer. Schliesslich fuhren wir mit ihm den weiten Weg ins Spital, aber es war zu spät.»

Was ist das für eine Regierung, die ihre Menschen an einem Ort lässt, wo es weder sauberes Wasser noch Arbeit gibt und somit das Nötigste zum Leben fehlt? Was ist das für eine Welt, die solch unnötiges Elend zulässt? Wo sind die hunderttausend Christen aus den klimatisierten Mittelklasskirchen dieser Stadt? Totenwache Das tote Kind liegt nun schon neun Tage im Haus. Um die Verwesung etwas zu verzögern, wurde Formalin in den kleinen Körper gespritzt. Alle sollen ausgiebig Abschied nehmen können. Verwandte aus der Provinz reisen an und trauern mit der Familie. In dieser Zeit dürfen die Angehörigen nicht schlafen, sich nicht waschen und der Boden darf nicht gekehrt werden. Gemäss dem animistischen Glauben würde bei einer Missachtung ein anderes Familienmitglied dem Toten folgen und ebenfalls sterben. Die Stimmung ist sonderbar. Man weint, lacht, spielt und trinkt die ganze Nacht bis zum Morgengrauen. Nur Josselyn, die Mutter, sitzt da, starrt wie abwesend vor sich hin und schluchzt zwischendurch laut auf. Geldspiel für die Bestattung Der kleine Sarg ist jetzt verschlossen und man sieht das verstorbene Kind nur noch durch ein kleines Glasfensterchen. Trotzdem nehme ich Verwesungsgeruch wahr. Auf dem Tisch liegen ein paar verwelkte Blumen neben einer brennenden Kerze und einer offenen Büchse, die den Besuchern als Sammelkasse dient, um etwas Geld für die Beisetzungskosten einzulegen. Dazu dient auch das ununterbrochene Geldspiel der Nachbarn vor der Hütte. Eine Stoffplane schützt sie vor Sonne und Nachttau. Ein Anteil der Spielsumme geht an die trauernde Familie. Mir fällt auf, dass sich drei der Familienmitglieder waschen. Ein klares Zeichen dafür, dass sie als aktive Christen ihre Angst vor Geistern weitgehend abgelegt haben und sich vom Animismus lösen. Sie singen auch frohe Lieder und bringen damit etwas Licht in die sonst drückende Stimmung.

Ich bin froh, dass mich Christian Auer, ein Freund aus der Schweiz, besucht. Wir übernachten in einem Nachbarhaus. Das Gespräch mit ihm und unser gemeinsames Gebet tun mir gut und helfen mir, richtig zu trauern und neuen Mut für die Zukunft zu schöpfen. Christian Schneider Juli 1988

Familienglück, kurz vor dem Tod von Joel

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Servants SWITZERLAND

Eindrückliches Benefizkonzert Am 7. November fand in Basel ein Benefizabend für verschiedene Hilfsorganisationen statt. Rund 550 Personen besuchten den Anlass in der Thomaskirche und informierten sich über die Arbeit der vier veranstaltenden Organisationen.

Neben Onesimo waren auch die Gassenarbeit Elim, der Mitenand-Gottesdienst (Integrationsarbeit im Kleinbasel) und Weihnachten im Schuhkarton (Sammelaktion für Moldawien) beteiligt. Onesimo wurde mit einem Film vorgestellt, worin der Fernsehjour-

nalist Daniel Wahl den Liedermacher Ernie Opiasa bei einem Besuch in Manila begleitete, wo er mitten im Gräberslum ein Konzert gab. Opiasa trat auch am Benefizabend auf sowie weitere Musikerinnen und Musiker wie Irene Dörpfeld, Chris Mühlberger, Emanuel Heitz, Armina Riethmüller, Carmen Hengartner von Elim und Jean-Daniel Roth von Weihnachten im Schuhkarton. An Verkaufsständen von Kamay Kraft und Rehovot waren Fair Trade-Artikel zugunsten von Servants und der Integrationsarbeit im Kleinbasel erhältlich.

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Besucherstatements «Die Idee, neben Onesimo auch Organisationen einzuladen, die in Basel aktiv sind, finden wir super. Genau dies braucht es, damit wir nicht «nur» an Manila denken, sondern auch an unsere Möglichkeiten, hier in der Schweiz vor Ort zu handeln. Wir denken, dass der Abend für viele aktive Leute eine Ermutigung war.» Simon und Barbara Stankowski, Wyssachen «Ich freue mich sehr, wenn ihr den nächsten Anlass wieder bei uns macht. Auch für mich persönlich sind diese immer ein Gewinn. Ich habe beim Zuhören richtig Gänsehaut bekommen.» Marcel Isler, Sigrist Thomaskirche


«Das habt ihr fantastisch auf die Reihe gekriegt! Der Mix zwischen Informationen, Unterhaltung und Tiefgründigkeit hat exakt die Pulsader getroffen. Bei einem solchen Event kann man gut auch Aussenstehende mitnehmen. Auch könnte man alles filmen und das auf der Website veröffentlichen.» Benjamin Gröhbiel «Der Film hat mich stark zum Nachdenken angeregt. Ich hatte in der Jungschar und Kirchgemeinde Bubendorf immer wieder von Onesimo gehört und spendete auch gerne Geld, weil ich weiss, dass es dort dringend gebraucht und sinnvoll eingesetzt wird.» Matthias

Neuer Film über Onesimo auf DVD! Der neue Film von Daniel Wahl mit Ernie Opiasa ist auf DVD (CHF 15.- + Porto) erhältlich. Auch die Musik des Benefizkonzerts wurde aufgezeichnet und kann als CD für CHF 10.- + Porto bestellt werden: christian.schneider@onesimo.ch Telefon 061 301 42 66

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Servants SWITZERLAND

Buchtipp

Jesus for President Shane Claiborne & Chris Haw Brunnen-Verlag CHF 36.30 Was sollen Christen tun, wenn politische Korrektheiten, wirtschaftliche oder nationale Ansprüche mit dem persönlichen Glauben in Konflikt geraten? Nach Claibornes Bestseller «Ich muss verrückt sein, so zu leben» ist nun ein weiteres provokatives Buch erschienen, das den Leser mit ungewohnten Perspektiven auf biblische Texte herausfordert. Die Darstellung der sozialen und ökonomischen Ordnungen der Bibel wirft ein erhellendes Licht auf die Rolle der Christen in der Gesellschaft. Jesus forderte seine Jünger auf, mitten in der Welt nach anderen Spielregeln zu leben – nach denen des Reiches Gottes.

Einige Mitarbeiter von Servants Switzerland treffen Shane Claiborne an einer Veranstaltung auf St. Chrischona bei Basel

«Mit diesem zweiten Buch erweist sich Claiborne als umgänglicher, intelligenter und humorvoller Prophet seiner Generation. Seine Botschaft ruft heraus aus der Business-as-usual-Mentalität einer korrupten Welt, hinein in die radikal andere soziale Ordnung des Gottes der Bibel.» Publishers Weekly

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Unrecht verstehen – gerecht handeln

Von den Armen beschenkt

Dies war das Thema der diesjährigen StopArmut-Konferenz. Als kleine Basler Gruppe reisten wir nach Bern und freuten uns, einige bekannte Gesichter von Onesimo-Freunden zu sehen, welche die rund zweihundert Besucher mit einem Fairtrade-Frühstück bewirteten. Der Leiter des internationalen Micah Challenge, Joel Edwards, redete über die Verantwortung der Christen zur integralen Mission, welche auch soziale Anliegen der Armen auf der Welt miteinschliesst. Die folgende Podiumsdiskussion, unter anderem mit dem Präsidenten der EVP Schweiz und Exnationalrat Heiner Studer, Martin Bühlmann und Esther Bodenmann, beleuchtete die Frage, was wir Schweizer konkret zum Erreichen der Millenniumsziele tun können.

Neu: Discovery Team Möchten Sie für zwei oder vier Wochen in die Slums von Manila, um einen Einblick in die Arbeit von Onesimo zu erhalten? Dies ist nun möglich mit dem Discovery Team. Dabei können Sie zeitgemässe Mission mit nachhaltigen Entwicklungsprojekten kennenlernen. Und als Höhepunkt begleiten Sie einen mehrtägigen Ausflug an den Strand von Camp Rock auf der Insel Mindoro. Eine persönliche Begegnung mit armen Menschen hinterlässt bleibende Spuren. Wenn Sie den Kulturschock wagen möchten, informieren Sie sich am Orientierungsabend am 14. Januar in Basel. Anmeldung bitte an christian. schneider@onesimo.ch, Telefon 061 301 42 66. Weitere Informationen finden Sie im Internet: www.onesimo.ch «Entdeckungsreisen 2010».

Die gut besuchte StopArmut-Konferenz in Bern

Nach einem afrikanischen Mittagessen ging es weiter mit Workshops zu Themen wie gerechter Konsum und Klimaschutz. Ermutigt zu kleinen Alltagsschritten reisten wir nach Basel zurück, dankbar für die wachsende Zahl von Menschen, die versuchen, solidarisch mit den Armen dieser Welt zu leben. Monika Thiel / Christine Schneider

Wer der Armut ins Gesicht sieht, lernt liebenswürdige Menschen kennen, die sein Leben bereichern


Impressum

Servants Switzerland Rotbergerstrasse 12 CH-4054 Basel Telefon: +41 61 382 80 30 E-Mail: switzerland@servantsasia.org Auflage: 2 000 Exemplare Druck: Jost Druck AG, Hünibach Redaktion: Melanie Böhm, Markus Siegenthaler Layout: wortbild gmbh, David Meyle Zweckgebundene Spenden gehen zu 100% an den Bestimmungsort. Wählen Sie unter folgenden Projekten • Administration • Onesimo Kids • Onesimo Patenschaften • Onesimo Youth • Projekte Indien • Projekte Kambodscha • Projekte Manila • Unterstützung für (Name angeben) Zahlungen innerhalb der Schweiz Postfinance: 40-38079-9 IBAN: CH83 0900 0000 4003 8079 9 Oder: UBS AG 8098 Zürich Postkonto: 80-2-2 zugunsten von: Servants Switzerland CH29 0023 3233 9078 4640J Konto für Onesimo in Deutschland Sparda-Bank Hessen BIC: GENODEF1S12 zugunsten von: AFEK e.V. Oder IBAN: DE52 5009 0500 0000 2414 89 Verwendungszweck: Onesimo

Links www.servantsasia.org www.onesimo.ch www.asatrade.ch www.kamay-krafts.org www.bornpoor.com Servants Kambodscha G.P.O. Box 538 Phnom Penh Cambodia Telefon/Fax: +855 23 425 045 E-Mail: cambodia@servantsasia.org Servants Philippinen P.O. Box AC-569 1109 Quezon City Metromanila, Philippines Telefon: +632 926 76 88 E-Mail: philippines@servantsasia.org Servants Indien c/o Servants Switzerland Rotbergerstrasse 12 CH-4054 Basel Telefon: +41 61 382 80 30 E-Mail: switzerland@servantsasia.org

je­den Fall bei den Bundessteuern und bei den Kantonssteuern von Appen­zell Aus­ serrhoden, Basel-Stadt, Baselland, Bern, Freiburg, Graubünden, Solothurn und Thurgau. Bei allfälligen Problemen in an­ deren Kantonen rufen Sie Nicolai Fullin zu Bürozeiten an: 061 264 90 20. Spenden für Onesimo lassen sich auch in Deutschland von der Steuer abziehen.

Ehrenkodex Servants Switzerland hat den Ehrenkodex der Schweizerischen Evangelischen Allianz unterzeichnet. Dies verpflichtet zu einer wahren, sachgerechten und ak­tuellen Informationspolitik, Datenschutz in Bezug auf Adressen von Spendern und Freunden und zum wirtschaftlichen Ein­satz der anvertrauten Mittel für den sta­tutarischen Zweck.

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Servants Switzerland ist Teil der internationalen Bewegung Servants to Asia’s Urban Poor

Projekte Indien

Projekte Kambodscha

Lilok

Onesimo Patenschaft

Onesimo

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Projekte Manila

Administration

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ÂŤGott hilft denen, die anderen helfen.Âť John Wesley

Mitarbeiter-Retraite von Onesimo: Fusswaschung

Servants Newsletter Januar 2010  

«Eine Gesellschaft, in der fast alle achselzuckend Katastrophen zur Kenntnis nehmen, ist zutiefst krank.» Dr. Melba Padilla Maggay, Seite 5...

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