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Bernd Hofmann LIPSIA | ......04 ORANGE À TROIS | ......05 DAS COVER - Abbildungen und Legende | 06-08 Erläuterungen zu DAS COVER / 4 ZENTNER VINYL VERPACKEN | ......09 4 ZENTNER VINYL VERPACKEN | 10-11 RED CAN RECORDS - Cover, Abbildungen und Legende | 12-14 Andreas Richter CAN AS CAN CAN | ......16 CAMPING ACADEMY | 17-20 Alexander von Streit & Dirk Wagner im Gespräch mit Bernd Hofmann | 21-22 Karl Bruckmaier ÄNDERE DIE WELT, SIE BRAUCHT ES | ......24 ~OR BURNS - Siebdruck und Arbeiten | 25-36 SEN Auf Seite 19 befindet sich die Vinyl-Schallplatte zum Projekt CAMPING ACADEMY BILDNACHWEISE Daniel Kappla (links unten) | ......04 Martin Segattini | ......10 Martin Klindtworth | ......18 Jean Sebastian | ......25 Jean Sebastian (zweite Reihe, links) | ......34 Tobi Kühn | ......36 alle anderen Fotos und Abbildungen Bernd Hofmann

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ARBEITEN & PROJEKTE

SENOR BURNS´ CAMPING ACADEMY & THE ONE MAN RED CAN SHOW

Inhalt | ......01 Impressum, Vita und Dank | ......02


Herausgeber - published by Bernd Hofmann, The Red Can Company 2009 Konzeption & Gestaltung - conception & design Bernd Hofmann Texte - texts Karl Bruckmaier, Andreas Richter, Alexander von Streit & Dirk Wagner Übersetzung - translation Roland Jüptner Litho - litho Andreas Sturm Druck - printing Aumüller Druck GmbH, Regensburg Bindung - binding Conzella Verlagsbuchbinderei, Aschheim-Dornach Siebdruck Einband - screenprint cover The Red Can Company, München Vinylherstellung - vinyl pressing Handle with care, Berlin Papier - paper ON Offset 150g/m² von Deutsche Papier Schrift - typeface Warnock Pro

Vita - vita geboren 1974 in Würzburg, seit 1983 in München 1992-1995 Ausbildung zum Schreiner 2000-2006 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Fridhelm Klein und Prof. Jerry Zeniuk 2006 Geburt der Zwillinge Marina und Alba lebt und arbeitet in München born 1974 in Würzburg, in Munich since 1983 1992-1995 apprenticeship as a carpenter 2000-2006 study at the Akademie der Bildenden Künste München with Prof. Fridhelm Klein and Prof. Jerry Zeniuk 2006 birth of the twins Marina and Alba lives and works in Munich Danke - thanks Anick / Mam / Christoph / Jean Sebastian / Yves Florian / Marina & Alba nur mit Euch ist das alles möglich. Michael Golf / Fridhelm Klein / Jerry Zeniuk / Alexandra Rusitschka / Alexander Laner / Olaf Unverzart / Alex von Streit / Marie-Luise Hess / Dirk Wagner / Sebastian Zehetbauer / Karl Bruckmaier / Andreas Richter / Andreas G.Rag Staebler / Daniel Ernie Kappla / Walter Schreifels / Ivi Vukelic / Robert Steng & André Möhl / Matthias Hauer, Aumüller Druck GmbH / Andreas Sturm / Tatjana Lawnik & Patrick Mücke, Deutsche Papier / Britta Fanck, Handle with care / Roland Jüptner / Marion Haide, LfA Förderbank Bayern / Luise Ramsauer und Akademieverein der AdBK / Christian Kiesler / Michael Heilrath / Melanie Lutter & Stefan Vogelmann & Holger Fleder, Broken Silence / Ingo Leistner, Flight13 / Jürgen Franke, Substanz

Auflage - print run 800 printed & manufactured & pretty much handcrafted in germany

Schnipfl / Steve / Wuffi / Björn / Christopher / Niko / Josef / Hans / O. / Josh / Hannes / Andrej / Friedemann / Boris / Heiner / Emu / Helge / Udo / Ralf / David / Hugo / Dinzi / Schwerti / Erik / Matze / Andy / Hase / See / Jochen / Charly / Chris/ Martin / Gab / Flo

ISBN 978-3-00-024876-4

Bürgerhaus Glockenbachwerkstatt e.V. / KafeKult / Feierwerk e.V. / Club 2

Alle Rechte vorbehalten - all rights reserved Gefördert von - supported by Akademieverein der Akademie der Bildenden Künste München LfA Förderbank Bayern Deutsche Papier Christoph Amerian The Red Can Company Kirchenstr. 26 D-81675 München [t]+[f ] 0049 89 44 11 84 28 info@red-can.com

AKADEMIEVEREIN VEREINIGUNG DER FREUNDE UND FÖRDERER DER A K A D E M I E D E R B I L D E N D E N K Ü N S T E e . V.

Gewidmet - dedicated Horst Hofmann / Klaus Götzfried / Liebhard Löffler sen.

geht weiter... - goes on... www.red-can.com


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lipsia Leipzig. Immer wieder Leipzig. Ohne große Bedeutung für meine eigene Biografie, eigentlich. Aber: immer wieder Leipzig. Immer wieder präsent, immer öfter Station, immer Input. Olaf und Martin und Heinrich am Anfang. Brandvorwerk. Markkleeberg und Xenia und Anna und Tati. HGB, MagaPon, Ilse, PNG. Ruzi und Philipp, Lipa, Jimmy gimme more und das kleine Buch Flann. Immer wieder Leipzig. Orange à trois mit Camping und Bus über Bordeaux, Carcans Plage, Biarritz, San Sebastian, Bilbao, Narbonne, Avignon - no time Toulouse. Einer strandet am Ende und bleibt. Yves Florian. Wettiner. Leipzig. Als Song und in Bildern, Tänze, ohne Worte. Roter Kanister im vermessen der musikalischen Relevanz neben anderen. (pop-up. Da capo, Jahr um Jahr, immer wieder. Nochmal OAT, nochmal Kulturbundhaus, das polarisiert. „Scheiße“ ruft einer. Das ist Leipzig, immer wieder. Letzte Station: Faraday. Und aus Platten gebautes platt gemacht. Mein Leipzig lob ich mir.


ORANGE À TROIS „leipzig“ (be your own artist be your own star)

performance zum kurz zuvor eingespielten song „leipzig“, video aufgenommen im schwimmstadion leipzig, november 2002 performing the just recorded song „leipzig“, video shot at the swimming-stadium leipzig, november 2002

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ABBILDUNGEN „DAS COVER“

(vorherige Seiten 06/07 - images on previous pages 06/07) obere Reihe v.l.n.r.: top row f.l.t.r.: SUPERTRAMP „Breakfast in America“ | 1979 (Aquarellzeichnung, 12,5x12,5cm) (watercolour, 5“x 5“) U2 „War“ | 1984 (Bleistiftzeichnung, 22,5x22,5cm) (pencil, 9“x 9“) R.E.M. „Green“ | 1986 (Aquarellzeichnung, 12,5x12,5cm) (watercolour, 5“x 5“) CHARLATANS „The only one I know“ | 1990 (Acryl, 22,5x22,5cm) (acrylic, 9“x 9“) RIDE „Leave them all Behind“ | 1992 (Aquarellzeichnung, 12,5x12,5cm) (watercolour, 5“x 5“) FUGAZI „Repeater“ | 1992 (Aquarellzeichnung, 12,5x12,5cm) (watercolour, 5“x 5“)

untere Reihe v.l.n.r.: bottom row f.l.t.r.: SUPERCHUNK „On the Mouth“ | 1992 (Wachskreidezeichnung, 22,5x22,5cm) (wax crayon, 9“x 9“) BEASTIE BOYS „Check your Head“ | 1993 (Aquarellzeichnung, 12,5x12,5cm) (watercolour, 5“x 5“) RAGE AGAINST THE MACHINE „R.A.T.M.“ | 1993 (Wachskreidezeichnung, 22,5x22,5cm) (wax crayon, 9“x 9“) QUICKSAND „Slip“ | 1994 (Aquarellzeichnung, 12,5x12,5cm) (watercolour, 5“x 5“) BLUMFELD „L´etat et moi“ | 1995 (Collage, 22,5x22,5cm) (collage, 9“x 9“) FLUF „Home Improvements“ | 1996 (Aquarellzeichnung, 12,5x12,5cm) (watercolour, 5“x 5“)


DAS COVER (2000)

4 ZENTNER VINYL VERPACKEN (2006)

Das Ergebnis einer zeichnerisch/bildnerischen Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie zu Beginn des Studiums an der Akademie der Bildenden Künste München war die Arbeit „Das Cover“.

Anlässlich der Jahresausstellung 2006 in der Akademie der Bildenden Künste wurde ich von Michael Golf, Leiter der Siebdruckwerkstatt, eingeladen, die kurz zuvor bezogenen Räume der Siebdruckwerkstatt im Neubau der Akademie mit meinen Arbeiten zu bespielen.

Musik als Erscheinung und Fetisch hat mich schon seit frühen Kindheitstagen begleitet. In Verbindung zum akustischen Eindruck stand schon damals das optische Pendant, die Verpackung, die Hülle, das Cover mitsamt seinem Artwork. Von dieser Beobachtung ausgehend ist eine erste Arbeit entstanden, die sich mit der assoziativen Wirkung von Bildhülle und dem musikalischen Inhalt derselben beschäftigt. Jeder Griff zu der einen oder anderen Platte bedingt die Konfrontation mit dem jeweiligen Cover. Das Motiv der Hülle und diese Selbst sind nicht nur Umschlag und Artwork, sondern stehen schon für sich optisch repräsentativ für das, was im Inneren steckt. Der Auswahl der zwölf Platten für „Das Cover“ liegt die Gemeinsamkeit zu Grunde, eine - wenn auch subjektive - initiatorische Funktion gehabt zu haben. Jedes Album steht für einen Moment der Veränderung persönlicher Hörgewohnheiten. Neues Terrain wurde entdeckt, der auditive Horizont erweitert. Jedem Album obliegt auch ein je nachdem kürzerer oder längerer Lebensabschnitt. Bestimmte Erinnerungen und Erfahrungen lassen sich mit den einzelnen Platten ins Bewusstsein zurückholen. Über die gleiche Wirkung verfügt aber schon alleine das Bildmotiv. Um mir das zu verdeutlichen, habe ich die Motive der zwölf Platten mit zeichnerischen Mitteln neu interpretiert. Auf die Wiedergabe der Typografie allerdings wurde bewusst verzichtet. „The Cover“ is the result of an artistic approach to my own biography and was an early part of my studies at the Akademie der Bildenden Künste (Academy of Fine Arts) in Munich. Music as a phenomenon and fetish has been with me since my early childhood. From the beginning, I felt that the acoustic impression is linked to its optical counterpart, the package, the sleeve, the cover along with its artwork. Based on this observation I drafted a first paper that dealt with the associative effect of the visual sleeve and its musical content. Every record brings us face to face with its cover. The image on the sleeve and the sleeve itself are more than an envelope and artwork, they are a visual representation of what is inside. The twelve records chosen for „The Cover“ have one thing in common: they all had an – albeit subjective – initiatory function. Each album stands for a moment that made personal listening routines change. New currents became visible and auditive horizons were broadened. Each album is associated with a certain chapter in life. With each record, certain memories and experiences come back to mind. This can be achieved by looking at the cover alone. To illustrate this point, I artistically reinterpreted the sleeves of the twelve records chosen. However, I have deliberately decided to not reproduce the typography.

Die gezeigte Installation 4 ZENTNER VINYL VERPACKEN sollte die Bedeutung der Verpackung in Verbindung zu Musiker, Werk, reproduziertem Transportmedium und Konsument vermitteln. Live-Auftritte von Bands, auf Paletten gestapelte VinylPlatten und Verpackungen, Plattenspieler und Präsentationsflächen waren als Stationen dafür gesetzt. Die zur Ausstellung gezeigten Plattencover wurden in den Jahren 2003 bis 2006 ausnahmslos in der Siebdruckwerkstatt der Akademie gefertigt. On the occasion of the yearly exhibition 2006 in the Akademie der Bildenden Künste, Michael Golf, head of the Siebdruckwerkstatt, asked me to exhibit my works in the rooms of the new Academy building. The installation 4 ZENTNER VINYL VERPACKEN was designed to communicate the importance of packaging in relation to the musician, the work, its reproduced transport medium and the consumer. Live appearances by bands, vinyl records and packagings stacked on pallets, record players and presentations were part of the installation. All record covers on display were produced in the Academy’s Siebdruckwerkstatt (silk screen workshop) between 2003 and 2006.

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VERÖFFENTLICHUNGEN - RELEAESES (vorherige Seiten 12/13 - previous pages 12/13)

Katalog-Nr. | Interpret und Titel | Format und Erstveröffentlichung | Aufmachung | Gestalter cat.-no. | artist and title of record | format and street date | packaging | designer obere Reihe v.l.n.r.: top row f.l.t.r.: ~ can001 | RUSS DEFENSE „four song forge“ | CD, Juli 2001 | . | Senor Burns can014 | ANNA ZOITKE „wieviel liebe kannst du tragen“ | CD, Oktober 2007 | 3-farbiger Siebdruck, Einleger | Andreas Höfer ~ can005 | RUSS DEFENSE „a.m./the devils car“ | 7“-Single, Februar 2004 | . | sleeve: Christopher Henry / labels: Senor Burns can005 | Single - 7“ can012 | Rückseite - backside can012 | MITOTE „starter“ | 12“-LP/CD, Oktober 2006 | 3-farbiger Siebdruck, schwarzes Vinyl, Einleger | Erik Weingarten can003 | Rückseite und Single - backside and 7“ zweite Reihe v.l.n.r.: 2nd row f.l.t.r.: can011 | Single - 7“ ~ can002 | GEPETTO „gepetto“ | CDR, Januar 2001 | . | Senor Burns can003 | FLUF „2klb“ | 7“-Single, September 2003 | . | Josh Higgins can007 | Einleger und CDR - Inlay and CDR can007 | PURREN „purren“ | 12“-LP, Februar 2004 | 4-C Offset auf Transparentpapier, klares Vinyl, Einleger, CDR | Erik Weingarten can008 | ARE WE ELECTRIC? „novoc“ | 12“-LP/CD, März 2004 | 2-farbiger Siebdruck, schwarzes Vinyl, Einleger | Steffen Gumpert can009 | TSFA „where´s my rabbit?“ | 12“-LP/CD, Mai 2005 | 3-farbiger Siebdruck, schwarzes Vinyl, Einleger | David da Cruz can006 | JAKOV GOODNIGHT „anybody else but us“ | 12“-LP, September 2003 | 2-farbiger Siebdruck, orange Vinyl, Einleger | Matthias Weinzierl dritte Reihe v.l.n.r.: 3rd row f.l.t.r.: can011 | Rückseite - backside ~ can011 | PURREN/MITOTE/THE NINE/TSFA „red.can.festival.06“ | 7“-Single, Mai 2006 | 4-farbiger Siebdruck, Einleger | Senor Burns can008 | Einleger - Inlay can007 | 12“, transparentes Vinyl - 12“, transluscent vinyl can008 | 12“, schwarzes Vinyl - 12“, black vinyl can009 | 12“ und CD - 12“ and CD can006 | 12“, orangenes Vinyl - 12“, orange vinyl untere Reihe v.l.n.r.: bottom row f.l.t.r.: ~ can004 | JESUS KID CANAVERAL „respekt!“ | 7“-Single, Februar 2004 | . | Severin Mayer & Senor Burns can006 | Einleger - Inlay can015 | Innenhülle mit Sticker und 12“ - Innersleeve with sticker and 12“ ~ can015 | THEE NINE „nitty magik“ | 12“-LP, Januar 2008 | 1-farbiger Siebdruck, schwarzes Vinyl, Sticker, Poster, CDR | Senor Burns can017 | TSFA „i went to ny to see...“ | 7“-Single, Mai 2008 | 1-farbiger Siebdruck/Lasercopy auf Transparentpapier, rotes Vinyl | David da Cruz ~ can018 | V.A. „circles+squares“ | CD, Juli 2008 | 3-farbiger Siebdruck auf Kartonbox, Einleger | Senor Burns

ed can record

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Andreas Richter CAN AS CAN CAN In den meisten Fällen ist ein Medium zur Fixierung von Musik nur ein Material, ein Staubfänger, eine Last. In den meisten Fällen werden um das Nichtausschöpfen ästhetischer Potenziale Effizienzlegenden gestrickt. Labels, die die ästhetische Relevanz von Verpackung, die die evidenten Kommunikationsmöglichkeiten qua intermediäre Aspekte realisieren und ausschöpfen, Labels wie Constellation, Ipecac, Kranky, Fat Cat gehören neben einer kleinen Zahl von DIY-Unternehmungen zu Ausnahmeerscheinungen. RED CAN RECORDS aus München, und nun nähern wir uns endlich dem Wesentlichen, gehört zu diesen Ausnahme-Labels, die sich das Primat der Vollwertigkeit einer Veröffentlichung über die eigene Arbeit schreiben. Der Design-Überbau eines RED CAN-Releases verfolgt dabei nicht allein die haptische Erfahrbarmachung von Songs, er konstruiert nicht nur weitere Ebenen von Sinnlichkeit um Songs herum, der Design-Überbau stellt sich insbesondere in den Dienst der jeweiligen Band. Label-Initiator Bernd Hofmann geht es auch um Positionierung: „Ich habe ursprünglich nach einer Möglichkeit gesucht, mit den Releases, die ja zumeist von unbekannten Künstlern stammen, aus der Masse hervor zu stechen. Der erste Kontakt, den ein Konsument oder Kritiker mit einem Tonträger aufnimmt, ist in der Regel optischer und/oder haptischer Natur, entsprechend naheliegend war es, mit aufwändigen Artworks, verschiedenen Papierarten und Drucktechniken, mit Vinylpressungen eine eigene Nische zu schaffen. Ein Release ausschließlich als CD im Jewel Case kommt daher für RED CAN nicht mehr in Frage. Eigentlich bin ich ständig damit beschäftigt, die Formate, Artworks, Farben, Papier und Druck für anstehende Releases und Bands auszuwählen, die deren Idee am besten transportieren.“ Die Idee des Münchner Labels selbst entwickelte sich gerade so wie der Verlauf der Dinge es vorweg nahm. Das Logo und der Name markierten und präzisierten zunächst den DIY-Gestus, mit dem Bernd die Releases der eigenen Bands publizierte. Eine Labellogistik entwickelte sich erst später und mit ihr sowie der Erweiterung des Rosters die konzeptionelle Verknüpfung mit Bernds Studium an der Akademie der bildenden Künste. Fortan erkennt man jede Veröffentlichung als ein eigenes Projekt. Es sind Veröffentlichungen von u.a. Jakov Goodnight, Purren, Are We Electric? und der Subrosa Falcon Association, allesamt Bands, die in unmittelbarer Beziehung zu Bernd und RED CAN stehen. Es ist eben niemals NUR ein Katalog auf diesem Label, es ist eben niemals NUR eine Veröffentlichung. Bernd: „Das Motto des Labels ist ‚Musik und Platten aus Leidenschaft’. Leidenschaft lässt sich allerdings nur entwickeln, wenn man sich in das was man tut voll und ganz einbringen und sich damit identifizieren kann. Jedem Release gehen in der Regel ein, zwei, vielleicht mehr Jahre voraus, in denen man die Band, deren Songs, die Musiker und deren Entwicklung beobachtet und begleitet. RED CAN ist ein Label, das nicht nur die Platten der Bands produziert, sondern die Musiker eben auch in den gesamten Prozess der Veröffentlichung einbindet. So entsteht zwischen Label, Musikern und der Veröffentlichung eine stärkere Identifikation und ein beinahe familiärer Geist.“ Ein gemeinschaftlicher Geist, der das Selbstverständnis von Idealisten kommuniziert, eine Bewahrmentalität und einen freundlichen Wertkonservatismus. Ein gemeinschaftlicher Geist, der freilich größere Energiereserven verbraucht als der Geist eines durchkalkulierten Unternehmens, das durchkalkulierte drei Releases pro Monat ausscheißt. Bei RED CAN sind es vielleicht drei im Jahr. Der Kraftaufwand ist dennoch enorm. Jede dieser geschätzten drei Veröffentlichungen meint auch Bandinitiation, Bandaufbau, Tourbemühungen, unbeugsamen Glauben. Die Kraftreserven in einer sich wandelnden Labellandschaft müssen sich zwangsläufig bündeln. Die Bedingungen scheinen es zu erzwingen. Fortschreitende digitale Speicherung und Portionierung von Musik sind konkrete Anforderungen, auf die auch Kleinstlabels früher oder später zu reagieren haben. Woher bezieht RED CAN RECORDS seine Kraftreseven, die Frage muss erlaubt sein. Bernd: „Ich glaube nicht daran, dass es darauf hinausläuft, irgendwann keinen einzigen physischen Tonträger mehr verkaufen zu können. Scheiße, das wäre auch ganz schön dramatisch! Ich hoffe und vertraue darauf, dass die Leute auch weiterhin durch erleb- und greifbare Medien zu begeistern sind. Sicher wird es zunehmend

schwieriger, gerade der jungen Generation dieses Verständnis zu vermitteln. Im Prinzip sind wir, gemeinsam mit anderen ambitionierten Indies Nostalgiker, die versuchen, ihre Idealvorstellung von Musikkonsum auch an eine jüngere Generation weiterzugeben und zu zeigen, dass es auch anders geht.“ Mostly, a medium for fixing music is just material, a dust catcher, a burden. Mostly, legends about efficiency arise if aesthetic potentials cannot be exploited to the full extent. Labels that fully realise and exploit the aesthetic relevance of packaging, the evident opportunities for communication based on intermediate aspects, labels like Constellation, Ipecac, Kranky, and Fat Cat are exceptions – together with a small number of DIY enterprises. RED CAN RECORDS, based in Munich, is one of those exceptional labels that takes into account every aspect of a release. The design framework of a RED CAN release is not only intended to give a haptic experience of music and generate additional levels of sensuality around the songs but is specifically designed to represent the artist in question. The label’s founder, Bernd Hofmann, has positioning in mind when he says: „Initially, I was looking for a way to make our releases, which are mainly by unknown artists, stand out from the crowd. The first contact a consumer or critic has with an album usually occurs in a visual and/or haptic way. So it is only natural that we should carve out our own niche with elaborate artwork, special paper and printing methods and unique vinyl pressings. RED CAN does not release albums in just a jewel case any longer. As a matter of fact, I am constantly thinking about formats, artworks, colors, paper and printing methods for future releases and bands which best convey their ideas.“ The concept of the Munich based label changed in line with whatever happened on the way. At first, the logo and name represented and accentuated the DIY spirit that characterized the way in which Bernd managed the releases of own bands. A proper kind of label logistics was only developed later when the roster was extended in unison with Bernd‘s studies at the Akademie der Bildenden Künste. From there on, every release can be recognised as an individual project. Among those releases are Jakov Goodnight, Purren, Are We Electric? and the Subrosa Falcon Association, all of which are closely linked to Bernd and RED CAN. They are NEVER just part of the label’s catalogue, they are NEVER just a release. Bernd explains: „The idea behind the label is: music and records with passion. But you can only develop passion if you fully identify with what you are doing. Usually, it takes one, two or even more years of supporting a band, its songs and musicians before a record is ready for release. RED CAN is a label that not only produces the bands’ records but integrates the musicians in the entire process of releasing the album. This makes for a strong, sometimes almost family-like bond between the label, the musicians and the release.“ A collective spirit that conveys the self-conception of idealists, a mentality of preservation and a likeable sense of maintaining values. A collective spirit which naturally calls for a lot more energy than an efficiently run enterprise would need that manages to churn out three new releases a month. At RED CAN, we may release three albums a year instead. And even that requires a lot of energy. Each of these three releases calls for the initiation and development of the band, touring and unbreakable faith. The energy reserves in a changing label environment inevitably have to be pooled. This seems to be a necessary step given the current conditions. The advancement of digital storage and the new way of offering of music in portions are requirements that small labels have to address sooner or later. Where does RED CAN RECORDS get its energy from? Bernd says: „I do not believe that one day we will no longer be able to sell physical media. Shit, that would be a sad thing! I hope and trust that people will continue to be excited about tangible media. To be sure, it will be increasingly difficult to convey this notion to a younger generation. But like other dedicated indie labels we are nostalgics who are trying to pass on our ideal notion of how to consume music to a younger generation. We are trying to show them that there is an alternative.“


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G.RAG

ROCKET FREUDENTAL

~ gracias to gutfeeling and senor burns und den freunden selbstgemachter unterhaltung. mambo no. 13 reloaded is a new version of the mambo g.rag y los hermanos patchekos destroying on their second album „0321H“. you can see a fine difference. who the fuck is perez prado? and what da fuck is postrock? check out all gutfeeling stuff. photo: hagen keller www.gutfeeling.de

André Möhl & Robert Steng Lyrics by By Metabolismus, Music by Rocket Freudental photo: unknown www.myspace.com/rocketfreudental

WALTER SCHREIFELS

LIGHTNING IVI

thanks. Lyrics and Music by Walter Schreifels photo: unknown www.myspace.com/walterschreifelsmusic

Lyrics and Music by Lightning Ivi ivi@club2.de

DJ ERNESTO & RASCAL

ORANGE À TROIS

„I gave you this song, now I take it back from you ...“ DJ Ernesto: Vocals, Guitars Rascal: Guitars, Background Vocals, Programming, Bass & more Lyrics by By DJ Ernesto, Music by DJ Ernesto & Rascal Recorded & Produced by Rascal @ Minga Studios, München www.gutfeeling.de | www.minga-records.de | www.myspace.com/djernestoandrascal

Yves Florian: Vocals, Diaprojektor, Keyboard, Harps ~ Senor Burns: Guitar, Bass, Vocals, Accordion, Steel Drum Jean Sebastian: Guitar, Vocals, Rhythms

„Das Leben ist eine Melodie“

„mambo no.13 reloaded“

„Goin´ Camping“

„counting the days“

„safe and sound“

„en vacances“

Mastering: Michael Heilrath, bereich03 | www.bereich03.de all rights reserved by the red can company 2008 can010 | LC 09441 | red can records| www.red-can.com

Recorded at the red can atelier and in Schillingstadt during 2007 www.myspace.com/orangea3


Dirk Wagner & Alex von Streit im Gespräch mit Bernd Hofmann „Vielleicht braucht der Mensch so etwas: eine Leidenschaft - damit er etwas besonders gut macht.“ Franz Xaver Gernstl D.W.: Der Kunstakademie ist es ja indirekt zu verdanken, dass Du Platten produzierst. Wie kam das? B.H.: Das „Label“ RED CAN RECORDS war ja ursprünglich als reines Projekt im Rahmen des Studiums angelegt, mehr als konzeptionelle Arbeit. Als Label war das zunächst nur eine Idee, ein Name, ein Signet. Im Lauf der Zeit hat sich das allerdings so weiter entwickelt, dass unter dem Label tatsächlich Platten anderer Künstler, anderer Musiker erschienen sind und immer noch erscheinen. A.v.S.:

Aber hat denn ein Plattenlabel überhaupt etwas mit Kunst zu tun?

B.H.: Warum nicht? Alles hat die Möglichkeit Kunst zu sein, sich im KunstKontext zu präsentieren. Verallgemeinernd zu bewerten ob etwas Kunst sein kann oder nicht finde ich ohnehin sehr schwierig, im schlimmsten Fall sogar anmaßend. Abgesehen von Fachleuten die Kunst unter qualitativen Aspekten beurteilen, liegt es doch immer am Auge des jeweiligen Betrachters, was es und wie es die Dinge sehen möchte. Gut, wenn ich mir unter einem Plattenlabel eine Firma vorstelle, die Tonträger mit Musik produziert, diese als Ware betrachtet und damit handelt – das ist weit weg von Kunst. In meinem speziellen Fall fällt es mir leichter, das zu bejahen; ich definiere das aus meiner Betrachtungs- und Herangehensweise heraus, aus dem Verständnis meines Arbeitens mit dem Label und den Prozess einer Tonträgerwerdung. Für mich zählt neben der Idee auch immer der Hintergrund und die Motivation, das „wie es ist und warum, nicht was“ einer Arbeit und der Umgang mit ihr. Der Tonträger an sich ist nicht zuletzt eine Ansammlung künstlerischen Schaffens. Einerseits der Musik wegen, durch die sich der einzelne Musiker oder die Band Ausdruck verleiht. Ergänzend dazu die Verpackung mit ihrem Artwork, den grafischen Spielereien, den verwendeten Materialien. Allein das wiederum hat schon einige Tradition und etliche bekannte Vertreter aus Grafik und bildender Kunst. D.W.: Andy Warhols berühmte Banane auf dem Velvet Underground-Debüt oder Gerhard Richters brennende Kerze auf einem Sonic Youth-Cover zum Beispiel… B.H.: Ja, gerade zeitgenössische Grafiker arbeiten immer wieder mit Musikern zusammen, siehe Peter Blakes Arbeiten für die Beatles und für Paul Weller, Klaus Voormann ebenfalls für die Beatles oder Stefan Sagmeister für Lou Reed und Iggy Pop, Peter Saville der dem kompletten Factory-Labelkatalog ein Gesicht gegeben hat. Dazu kommen dann noch aberdutzende Anlehnungen und Zitate an Motive aus der klassischen Malerei – von Manets „Frühstück im Freien“, über Caspar David Friedrichs „Eismeer“ bis hin zu Roy Liechtenstein und Jackson Pollock. D.W.: Art?

Die Idee hinter Deinem Projekt „Label“ war also ursprünglich Cover-

B.H.: Das war zumindest der Ausgangspunkt für diese Arbeit. Platten und ihre Cover, das Artwork, Grafik, Konzertplakate – bildende Kunst, auch in angewandter Form, als das eine Ausdrucksmittel und die Musik zum anderen – damit habe ich mich schon immer beschäftigt. Spannend ist doch wie gerade diese Kunstformen und die am Prozess beteiligten Künstler miteinander kommunizieren, sich gegenseitig befruchten, austauschen, ergänzen. Der Tonträger ermöglicht eine Kommunikation auf zwei künstlerischen Ebenen; und als Nutzer kann ich den Zugang zu Beiden auf dualem Weg finden: entweder über die Musik zum Artwork oder über das Artwork zur Musik. Beides dient sich gegenseitig als Vehikel, als Transporter. A.v.S.: Neben Akustik und Optik spielt bei Deinen Veröffentlichungen offensichtlich gerade auch die Haptik eine große Rolle. Die Cover sind überwiegend in Siebdruck gefertigt, das Vinyl schwarz, farbig oder durchsichtig, es gibt variierende Karton- und Papiersorten… B.H.: Ich sehe tatsächlich jeden Tonträger als ein eigenes Objekt, als ein Teil des Projekts, das seine spezifische Aufmerksamkeit erhält und eine individuelle Auswahl – ausgehend von der Musik hin zum Artwork und wie sich das mit welchen Mitteln umsetzen lässt. Um am Ende ein ganzheitliches, schlüssiges und stimmiges Gesamtwerk zu erhalten.

D.W.: Da schwingt für mich ein bisschen Jenny Holzer mit: „die Kunst herausholen aus den white cubes“ – bei Dir nur eben in Gestalt von Plattencovern, weil da gehört Kunst drauf…? B.H.: Ein bisschen passt der Ansatz schon, allerdings auch mit der Idee das weiterzuführen, indem ich versuche mit meinem Projekt und den Einzelobjekten sowohl in Kunsträumen und „white cubes“ als auch in klassischen „Konsumtempeln“, also Plattenläden präsent zu sein. A.v.S.: Um diesen Ansatz umzusetzen gäbe es aber bestimmt auch weniger waghalsige Möglichkeiten, oder? Heutzutage interessieren sich die meisten Leute doch eher für CDs und mp3s als für Schallplatten. B.H.: Was die Musik angeht: ernsthaftes Hören und eine Auseinandersetzung mit dem Kulturgut Musik benötigt meiner Meinung nach einen physischen Tonträger und den vorzugsweise in Form von Vinyl, mp3 ist kein Musikformat. Ansonsten befinden wir uns hier natürlich auf einer Gratwanderung zwischen Romantik und Pragmatismus. Digitale Musik mag vielleicht noch praktisch und Platz sparend sein, allerdings finde ich es totalen Quatsch wenn ein Peter Saville behauptet, dass „Platten und CDs eine sentimentale Kulturtechnik“ seien. Die Schallplatte ist nach wie vor der qualitativ hochwertigste Tonträger und größenmäßig auch der Erhabenste. Der wirtschaftliche Aspekt – und hier spricht wieder der Künstler und nicht der kalkulierende Labelboss - stand ohnehin nie im Vordergrund. Das Label, jede neue Veröffentlichung als eigenständiges Projekt bedingt sich aus einem subjektiven Bedürfnis, einer Notwendigkeit heraus, umgesetzt werden zu müssen. RED CAN RECORDS ist für mich eine der Möglichkeiten, meinem Kunstverständnis Ausdruck zu verleihen. A.v.S.: Als eine weitere Möglichkeit hast Du die „Popkonzertinformation“ in Form von kunstvoll gestalteten Siebdruckplakaten gewählt. Das liegt nah beieinander, verstärkt zusammen genommen allerdings schon den Eindruck eines gewissen Anachronismus deiner Arbeiten. B.H.: Naja – ich besitze auch keinen ipod. Deshalb fühle ich mich aber auch nicht zwangsläufig rückwärtsgewandt – ein bisschen Romantik und Nostalgie kann ich mich eben nicht erwehren. Für mich ist das aber tatsächlich eher ein Zeichen von Qualität, wenn gewisse Techniken oder Darstellungsformen erhalten bleiben bzw. wieder aufgegriffen werden. Malerei mit Öl auf Leinwand ist auch immer noch da. Warum nicht auch Vinylplatten? Warum nicht auch Siebdruck? Der bietet mir fantastische Möglichkeiten, handwerkliche und künstlerische Techniken, Fähigkeiten und Elemente ein und umzusetzen; bei der Wiedergabe schließlich bin ich nicht nur auf einen Untergrund oder einen Farbstoff beschränkt. Und was die Schallplatte angeht: deren Geschichte überdauert die der CD schon jetzt mehr als 100 Jahre. D.W.: Diese Publikation, deine erste Werkschau gründet ja in dem Projekt „Camping Academy“ und einer Schallplatte gleichen Namens. In welchem Zusammenhang stehen die beiden Begriffe und die Musiker bzw. deren Songs zueinander und zu Dir? B.H.: „Camping Academy“ bezeichnet meinen Studienaufenthalt an der Kunstakademie; bedingt durch eine ständige Baustellensituation war man als Student gezwungen sich mit mehrmals wechselnden örtlichen und räumlichen Situationen neu zu arrangieren, vergleichbar einem Camping-Trip. Das Projekt war ursprünglich als Diplomarbeit gedacht, hat sich aber aus zeitlichen und finanziellen Gründen immer weiter verzögert; es sollte eine Dokumentation meiner Arbeiten im Rahmen des Studiums, insbesondere des Labels werden. Deshalb auch der Tonträger, für den ich befreundete Musiker und Kulturschaffende gebeten habe, mir einen durch das Thema angeregten Song zur Verfügung zu stellen. Der kommunikative Kreis zwischen mir und den anderen Musikern schließt sich am Ende mit meiner bildnerischen Umsetzung der entstandenen Musikstücke als Artwork.

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Dirk Wagner & Alexander von Streit having a conversation with Bernd Hofmann „Perhaps we all need something, a particular passion that helps us to excel in a certain field.“ Franz Xaver Gernstl D.W.: To some degree, the Academy of Arts was instrumental in starting you off on your present career. How did you come to produce records? B.H.: The label RED CAN RECORDS was originally a project I did as part of my studies, it was more of a conceptual project. At first, the label was just an idea, a name, a signet. Over time, however, the label started publishing records of other artists and other musicians. And this is what we are still doing today. A.v.S.:

But does art have anything to do with record labels?

B.H.: Why not? Anything can represent art or be presented in the context of art. I think it’s difficult to generalize and judge whether something is art or not – in the worst case this may even be hubristic. Apart from experts who evaluate art in terms of quality, it is always down to the individual to see what they want and how they want to perceive it. Ok, if one considers record labels as companies that produce music records and sell them as commercial products, then they have little to do with art. In my case, I find it easier to answer in the affirmative. This is based on my approach, my understanding of the work I do for the label and the process of creating records. Other than the idea, I appreciate the background and motivation, „the how and why” of a work as opposed to the “what“. Ultimately, a record is an accumulated artistic creation consisting firstly of the music in which the musicians ands bands manifest themselves and secondly of the packaging which involves the artwork, graphic ideas and the materials used. Various well-known representatives in the field of graphic design and visual arts already form part of a newly established tradition. D.W.: Andy Warhol’s famous banana on the debut album of the Velvet Underground or Gerhard Richter’s burning candle on the cover of a Sonic Youth album for example… B.H.: Yes, contemporary graphic designers in particular enjoy working with musicians, like Peter Blake for the Beatles and Paul Weller, Klaus Voormann again for the Beatles or Stefan Sagmeister for Lou Reed and Iggy Pop. Peter Saville gave the entire Factory catalogue a unique style. And then there are countless quotations from classical painting – from Manet’s „Breakfast in the Open Air“ to Caspar David Friedrich’s „Sea of Ice“, from Roy Liechtenstein to Jackson Pollock. D.W.:

So, initially, the idea behind your „Label“ project was cover art?

B.H.: Well, let’s say that was the starting point. Records and record covers, artwork, graphic design and concert posters – visual art in its practical form as one means of expression and music as another – this has always interested me. It is fascinating to see how these art forms and the participating artists communicate with each other, how they fertilise and complement each other. Records communicate on two artistic levels. As a user I can gain access both ways: from the music to the artwork or from the artwork to the music. They both serve as a vehicle for each other. A.v.S.: Next to the acoustic and visual effects, the haptic feel plays an important role in your publications. Cover prints usually involve silk screen printing, the vinyl is black, colored or transparent, there are different sorts of cardboard and paper… B.H.: I think every record is an individual object, part of a project that merits specific attention and careful selection – from the music to the artwork and the means to achieve the final result. The goal is to create a holistic, coherent and harmonious piece of work. D.W.: This sounds a bit like Jenny Holzer: „to extract art from the white cubes“ – except that you do it in the form of record covers because they need art…?

B.H.: Yes, in a way, but my idea is to go further by trying to present my project and the individual objects in art galleries and „white cubes“ but also in classic „temples to consumerism“, that is record shops. A.v.S.: There must be less risky ways to put this idea into practice, don’t you think? Most people are more interested in CDs and MP3s than in records these days. B.H.: In my opinion, you need a physical sound carrier, preferably in the shape of vinyl, in order to seriously relate to that cultural artifact called music. MP3 is not a musical format. Generally, we are of course performing a balancing act between romanticism and pragmatism. Digital music may be practical and space-saving but I think that Peter Saville’s claim that „records and CDs are a sentimental technology“ is nonsense. The record still has the best sound quality and is the most noble in terms of size. The financial aspect – this is the artist speaking and not the calculating label boss – has never been overly important. The label and each new release as a distinct project is based on a subjective desire, a necessity that has to be put into practice. For me, RED CAN RECORDS is one way of realizing my understanding of art. A.v.S.: You have also chosen to publish the „Popkonzertinformation“, which consists of elaborate posters produced with silk screens. Both projects are closely related and reinforce the notion that your work is a bit anachronistic. B.H.: Well – I do not own an iPod either. But that does not mean I’m necessarily backward-looking – I cannot entirely avoid being romanticist and nostalgic. I think it is a sign of quality if certain techniques or ways of presentation are not forgotten and get used again. Painting with oil on canvas is still around. Why not records on vinyl? Why not silk screen printing? It offers fantastic opportunities for using practical and artistic techniques, skills and elements. Moreover, I am not confined to one base coat or one coloring. The record, by the way, has outlived the CD by more than one hundred years. D.W.: This publication, your first presentation of works, is based on a project called „Camping Academy“ and a record of the same name. How are the two terms, the musicians and their songs related to each other and to you? B.H.: The name „Camping Academy“ describes my studies at the Academy of Arts. Due to ongoing construction works, we as students were forced to adjust to a repeatedly changing local and spatial environment. This is comparable to a camping trip. The project was meant to be my diploma thesis but was delayed due to time and financial reasons. It was designed to be a documentation of my work at the Academy, of the label in particular. This is why I asked musician and artist friends to contribute songs inspired by the theme „Camping Academy“. The communicative circle formed by the musicians and myself is complete with the artistic execution of the musical pieces as artwork.


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Karl Bruckmaier ÄNDERE DIE WELT, SIE BRAUCHT ES - CHANGE THE WORLD, IT NEEDS IT Was sich so heroisch anhört – oder wahlweise: menschenverachtend, wenn man den Kontext von Brechts Stück „Die Maßnahme“ kennt – schnurrt in unseren Leben meist zusammen zur bittersüßen Pille einer de facto bürgerlichen Existenz, auch wenn wir versuchen, dies durch bestimmte Kodierungen unkenntlich zu machen: Klamotten, Liebesleben, Kindererziehung, Kunst. Aber: „You can stick a needle through my eye – I’m middle class until I die“, singt Pop. Pop ist seit jeher so eingebettet in diese Bürgerlichkeit, dass ein Außerhalb kaum erzwungen werden kann. Es gibt ein Vorher, die Musik marginalisierter Bevölkerungsgruppen, von der Pop zehrt. Es gibt ein Danach: die Transzendenz des Individuums zum Star.Aber für die Mehrzahl von uns gibt es nur ein Mittendrin: Die Freiheit zur Selbstausbeutung. Trennt man diese beiden Begriffe voneinander, hat man „Deutschland sucht den Superstar“. Nimmt man sie ernst, lebt man die Mechanismen, nach denen seit den sechziger Jahren hunderttausende Menschen in den USA und Europa ihr Sein gestalten. Pop erzählt vom Ich. Die Ichs ganz vieler Anderer sprechen zu Deinem Ich in fremden Zungen: „A-wop-bop-a-loo-lop-a-lop-bam-boo, tutti frutti, all rootie, awop-bop-a-loo-lop-a-lop-bam-boo“. Das versteht Ich sofort. Und mehr gibt es nicht zu sagen. Nur anders vielleicht. Dieses Andere will gesucht werden. Ich tritt einen Schritt zurück: aus einer Schreinerlehre, aus der Werkstatt hinaus, vielleicht. Hinein in die Kunstakademie. Meinetwegen. Ich sagt „Künstler“ und ist bereit, für diesen Begriff Opfer zu bringen (keine ganz ganz großen, kein Ohr abschneiden, kein Dynamit umschnallen oder so was) und sein ganzes Ich einzusetzen. Oder was man dafür hält. Denn der „Künstler“ hat einen Wert. Und der wird in Dollar oder Euro berechnet. Und hier kommt Pop schon wieder ins Spiel. Pop: Die Liebe aller zum Anderen. Wo der Dollar selbst zur Kunst erklärt wird. Oder der Euro. Yen. Renminbi. So suchen die Vielen im Pop, die nicht bereit sind, ihr Ich gegen ein Dasein als Star einzutauschen, einen Weg, den Kreis quadratisch erscheinen zu lassen. Man kann auch Freiheit dazu sagen. Musik machen. Bands gründen. Labels. TShirts drucken, Cover entwerfen. Fotos machen. Siebdruck. Poster. Päckchen packen. Hände waschen. Kinder kriegen. Und am Monatsende einfach die Dollars und Euros NICHT zählen. Nicht die endlosen Stunden im Übungsraum, im Studio, vor dem Rechner, in der Werkstatt, hinter Büchern. Dies alles unter Selbstverständlichkeit und nicht unter Dienstleistung verbuchen. Da hat das Ich schnell den Dreh raus, wie das geht. Ich ist dann einer von den Anderen. Von den vielen Anderen, die auch so herumkrebsen, in zu kleinen Wohnungen hausen, in zu kleinen Ateliers arbeiten, von zu kleinen Honoraren leben – die Bohème hat im Pop ausgedient. Heute sagen wir „selbständig“ dazu. Dabei sollten wir ganz einfach nur den Mut haben, zu dieser immanenten Selbstausbeutung zu stehen: Ich hat sich freiwillig dazu entschieden. Denn Ich sollte nie vergessen, dass Ich immer eine Alternative hat. Steht bei Lenin. Bis wir diese Alternative gefunden haben, ähneln wir Ichs am Ende zwar alle mehr den Bremer Stadtmusikanten als Brecht’schen Klassenkämpfern, aber, hei, etwas Besseres als den Tod haben wir dennoch gefunden. Ich verändert seine Welt. Denn Ich braucht es. What may sound very heroic – or rather inhuman if you consider the context of Brecht’s work „The Decision“ (The Measures Taken) – boils down to nothing more than a bittersweet pill representing a de facto bourgeois existence, even if we try to obliterate this fact by certain codings: clothing, love, children and art. However: „You can stick a needle through my eye – I’m middle class until I die“ sings Pop. Pop music has always been so deeply embedded in that bourgeois way of life that an outside is barely conveivable. There is a before: the music of marginalized parts of the population that pop music draws on. There is an after: the transcendence of the individual who becomes a star. But for most of us, there is only one place right in the middle of it: we have the freedom to exploit ourselves. If you separate both terms from each other you get „American Idol“. If you take them seriously, you live according to the mechanism by which hundreds of thousands of

people in the US and Europe have been living since the 1960ies. Pop music tells us about the self. The selves of many other people talk to your self in strange tongues: „A-wop-bop-a-loo-lop-a-lop-bam-boo, tutti frutti, all rootie, awop-bop-a-loo-lop-a-lop-bam-boo“. This, the self understands immediately. And there is nothing more to say. Or perhaps just differently. This differentness wants looking for. The self takes a step back: from being an apprentice and out of the carpenter’s workshop, maybe. Into the Academy of Arts. Perhaps. The self says „artist“ and is prepared to make sacrifices (not huge ones, no cutting off ears, no dynamite around the waist) and is ready to use its entire being. Or whatever is meant by that. For the „artist“ has a value. Which you can calculate in dollars or euros. And here, we are talking pop again. Pop: the love of all for the other. Where the dollar itself is declared art. Or the euro. The yen. The renminbi. Thus, the many people in pop who are not willing to trade their selves for being a star are looking for a way to make the circle look square. You could also call it freedom. To play music. To start a band. Or a label. To print Tshirts, to design covers. To produce photos. Silk screens. Or posters. To pack parcels. To wash your hands. To have a baby. And at the end of the month to simply NOT count the dollars and euros. And to not count the endless hours in the rehearsing room, the studio, in front of the computer, in the workshop, immersed in books. To consider all this natural and not a service to someone else. The self understands pretty quickly how it works. The self is then one of the others. One of the many others who drag themselves about in the same way, who live in apartments, work in studios and live on incomes that are all way too small – Bohemia in pop was yesterday. Today we call it „self-employment“. We should simply muster the courage to admit to our immanent self-exploitation: the self has taken the voluntary decision to be part of it. For the self should never forget that it always has an alternative. So Lenin says. Until we have found this alternative we resemble the Town Musicians of Bremen much more than the class warriors of Brecht. But hey, we have found something better than death. The self changes its world. For the self needs it.


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Für das Konzert der Gruppe VALINA aus Linz im Rahmen der THIS CITY HAS NO SEASONS-Veranstaltungsreihe hatte ich das Plakat schon fertig, wenige Tage vor der Veranstaltung musste die Band allerdings absagen. Für das Nachholkonzert gestaltete ich das Plakat im gleichen Stil und außerdem so, dass es sich mit dem ersten in Kombination hängen lässt. VALINA konnten das Konzert spielen, allerdings mussten EUROPEAN TRANSLATION OF absagen - sie haben sich Tage vor der Veranstaltung aufgelöst... For the showcase of Austrian band VALINA from Linz within the THIS CITY HAS NO SEASONS-presentation I had the poster already done, that just a few days in advance the band had to cancel the show. For the rerun-show I designed a poster in a familiar style and in addition with the ability to combine it with the the first one. VALINA came to play that show, although another band, EUROPEAN TRANSLATION OF cancelled their participation - they split a few days before the show...


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ABBILDUNGEN SIEBDRUCKE

(vorherige Seiten - screenprints on previous pages)

01 | POSTER, PLATTEN & CAFÉ 1

3 Siebe, 42x18cm, Auflage 54, 2007 - 3 screens, 17“x 7“, edition of 54, 2007

02 | POSTER, PLATTEN & CAFÉ 2

3 Siebe, 42x18cm, Auflage 72, 2007 - 3 screens, 17“x 7“, edition of 72, 2007

03 | G.RAG Y LOS HERMANOS PATCHEKOS / JR. DISORDER 3 Siebe, 64x19 cm, Auflage 100, 2008 - 3 screens, 25“x 7“, edition of 100, 2008

04 | GORILLA BISCUITS EUROPEAN TOUR 07

3 Siebe, 70x33 cm, Auflage 200+80, 2007 - 3 screens, 27“x 13“, edition of 200+80, 2007

05 | LUKE / THE VELVET NOISE

3 Siebe, 70x50 cm, Auflage 52, 2006 - 3 screens, 27“x 20“, edition of 52, 2006

06 | LEATHERFACE / A DEATH IN THE FAMILY / SANTIAGO 3 Siebe, 70x50 cm, Auflage 80, 2006 - 3 screens, 27“x 20“, edition of 80, 2006

07 | GUZ / BERNADETTE LA HENGST / KNARF RELLÖM

2 Siebe, 64x26 cm, Auflage 200+15, 2008 - 2 screens, 25“x 10“, edition of 200+15, 2008

08 | DISASTER DISASTER FESTIVAL

2 Siebe, 63x32 cm, Auflage 150, 2007 - 2 screens, 25“x 13“, edition of 150, 2007

09 | DOS HERMANOS

3 Siebe, 64x23 cm, Auflage 150, 2007 - 3 screens, 25“x 9“, edition of 150, 2007

10 | MOCK ORANGE / MONDO RAY / JORDAN

3 Siebe, 64x34 cm, Auflage 35, 2006 - 3 screens, 25“x 13“, edition of 35, 2006

11 | ANNA ZOITKE / CARGO CITY

3 Siebe, 64x34 cm, Auflage 55, 2008 - 3 screens, 25“x 13“, edition of 55, 2008

12 | LOCAS IN LOVE / CLICK CLICK DECKER / HERZ

3 Siebe, 64x34 cm, Auflage 33, 2005 - 3 screens, 25“x 13“, edition of 33, 2005

13 | VALINA / KITTY EMPIRE / WISHES ON A PLANE

2 Siebe, 50x35 cm, Auflage 75, 2007 - 2 screens, 20“x 14“, edition of 75, 2007

14 | VALINA / KITTY EMPIRE / EUROPEAN TRANSLATION OF 2 Siebe, 70x21 cm, Auflage 75, 2008 - 2 screens, 27“x 9“, edition of 75, 2008

15 | MENOMENA! / UPHILL RACER

3 Siebe, 64x22 cm, Auflage 150, 2007 - 3 screens, 25“x 9“, edition of 150, 2007

16 | THE RABBIT THEORY / GRAVE, SHOVEL..LET´S GO / WOAP 3 Siebe, 64x22 cm, Auflage 44, 2008 - 3 screens, 27“x 9“, edition of 44, 2008

17 | KIMYA DAWSON / ANGELO SPENCER

3 Siebe, 48x36 cm, Auflage 78, 2007 - 3 screens, 19“x 14“, edition of 78, 2007

18 | THE SUBROSA FALCON ASSOCIATION

2 Siebe, 64x23 cm, Auflage 100, 2007 - 3 screens, 25“x 9“, edition of 100, 2007

19 | WALTER SCHREIFELS

3 Siebe, 50x35 cm, Auflage 67, 2007 - 3 screens, 20“x 14“, edition of 67, 2007

20 | KAFE KUNST FEST

3 Siebe, 50x28 cm, Auflage 40, 2007 - 3 screens, 20“x 12“, edition of 40, 2007

21 | RED SPAROWES / MAJMOON

3 Siebe, 64x44 cm, Auflage 150, 2006 - 3 screens, 25“x 17“, edition of 150, 2006


Profile for bernd hofmann

SENOR BURNS´ CAMPING ACADEMY & THE ONE MAN RED CAN SHOW  

complete catalogue

SENOR BURNS´ CAMPING ACADEMY & THE ONE MAN RED CAN SHOW  

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