Page 1

SELBSTHILFE

Verband Angehรถriger und Freunde psychisch Kranker

ENDLICH FERIEN

20 JAHRE VERBAND Poste Italiane Spa - Spedizione in abbonamento postale - D.L. 353/2003 (Conv: in L. 27/02/2004, n. 46) art. 1, comma 2, DCB Bolzano Reg. 3.7.1995, n. 17/95, Nr. 2/2009

Mitgliederversammlung 2009


SELBSTHILFE

IMPRESSUM Dritteljährliche Informationsschrift des Verbandes Angehöriger und Freunde psychisch Kranker Eintragung beim Tribunal Bozen: Nr. 17/95 R. St. vom 3.7.1995

Inhaltsverzeichnis

Herausgeber: Verband Angehöriger und Freunde psychisch Kranker G.-Galilei-Str. 4/a 39100 Bozen Tel. 0471 260 303 Fax 0471 408 687 info@selbsthilfe.it www.selbsthilfe.it

Editorial

Seite

3

Selbsterfahrungswoche in der Toskana

Seite

4

Endlich Sommer, endlich Ferien!

Seite

6

Einmal täglich... ein bisschen Urlaub

Verantwortlich für den Inhalt: Prof. Carla Leverato

Seite

7

Die Verantwortung der Medien

Seite

8

Zuhörecke

Redaktion: Martin Achmüller, Margot Gojer, Carla Leverato, Lorena Gavillucci, Laura Kob

Warum schaust du mich nicht an?

Seite

9

Rede mit uns... Spiritualität und Depression

Seite 10

Mitgliederversammlung 2009

Seite

Schneewittchen ein etwas anderes Märchen

Seite 12

Interessante Hinweise und Veranstaltungen des Verbandes

Seite 15

11

Übersetzung: Lorena Gavillucci, Carla Leverato Martin Achmüller Bilder: Archiv, Martin Achmüller, Margot Gojer, Birgitt Hafner, Alessandra Masiero, Carmen Premstaller Layout: Carmen Premstaller Druck: Karo Druck, Frangart Die Redaktion dankt allen, die durch verschiedene Beiträge zur Veröffentlichung dieser Ausgabe beigetragen haben. Sie behält sich das Recht vor, Kürzungen an den Texten vorzunehmen.

gefördert von der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol Assessorat für Sozialwesen

gefördert von der Stadtgemeinde Bozen




EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser! Carla Leverato Möglichkeit gesucht. Dort konnten die Teilnehmer sich ihres Umgangs mit anderen in normalen Alltagssituationen bewusst werden – in der so freundlichen Natur der bezaubernden Hügel der Toskana.

E

insamkeit behagt den meisten Menschen nicht, sie macht eher Angst. Andererseits ist das Zusammenleben mit anderen Menschen auch oft mühsam und schwierig. Ist es also unmöglich, sich wohl zu fühlen? Wir fühlen uns von den anderen nicht verstanden und ziehen uns deshalb in unser Schneckenhaus zurück, wo es uns noch schlechter geht – gibt es keine Alternative? Doch, es gibt eine! Die Begleiter der „Jungen Gruppe“ von Brixen haben in einer „Selbsterfahrungswoche in der Toskana“ eine

Auch die Ferienaktionen des Verbandes Angehöriger und Freunde psychisch Kranker haben das gleiche Ziel, wenn auch etwas „sanfter“, nicht so klar erkennbar. Nicht zurückziehen, sondern in einer für alle zufriedenstellenden Art mit den anderen zusammen sein. Bei der Unterhaltung in einer „normalen“ Umgebung erkennt man, dass das eigene Verhalten „normal“ ist - nicht wie in Therapie oder Rehabilitation. Die Ferienaktion war die erste Initiative zugunsten der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Jetzt, nach 20 Jahren, ist sie perfekt organisiert: von der Broschüre, die jedem Vergleich mit Reisebüros standhält, über die Auswahl der Ziele bis zur Ausbildung der Begleiter, die ein gutes Klima von Urlaub und zugleich von Sicherheit schaffen. Es wurde zum Glanzpunkt des Verbandes. Es ist ein Standardbeispiel für die “Anti-Stigma-Kampagne” und zeigt besser als jede Tagung auf, dass Menschen mit psychischen Problemen in keiner Weise Menschen sind, vor denen man Angst haben, denen man

aus dem Weg gehen muss, weil sie gefährlich oder gewalttätig sind. Auch die Medien können dazu beitragen, dass eine psychische Krankheit nicht Angst macht: wenn von „positiven“ Ereignissen berichtet wird und nicht nur von Sensationsmeldungen, die Vorurteile und Ausgrenzung verschlimmern. So könnte ein großer Schritt zur sozialen Eingliederung erfolgen. Seit langer Zeit bemüht sich der Verband darum, so wie auch letzthin in einer Veranstaltung für Vertreter der Medien. In dieser Ausgabe unserer Zeitung wird klar aufgezeigt, wie sehr sich der Vorstand des Verbandes dafür einsetzt, das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu verbessern: mit den Ferienaktionen, der Winter- und Sommerolympiade, den verschiedenen Treffen und Veranstaltungen zur Sensibilisierung der Bevölkerung, mit den guten und konstruktiven Kontakten mit den Medien, der Vertretung in den verschiedenen Gremien in der Provinz, auf Staatsebene und auch in europäischen Vereinigungen. Das alles lässt hoffen... mindestens für die nächsten 20 Jahre.




SELBSTHILFE

Selbsterfahrungswoche in der Toskana Ingo Stermann Nach dem erfolgreichen Pilotunternehmen des vergangenen Jahres gab es auch im Sommer 2009 wieder eine Selbsterfahrungswoche in der Toskana. Ferien in der Toskana? – Alter Hut! Gruppendynamik auf dem Bauernhof? – Nur etwas für Öko-Freaks! Selbsterfahrung im Gespräch mit Anderen? – Uncool, wo man doch online chatten kann. Das alles zusammen, und dazu mit Leuten, die alle Psychiatrie-erfahren sind? – Vielleicht doch nicht so ganz selbstverständlich.

G

enau diese Mischung ausprobiert und das Wagnis nicht bereut haben acht Menschen aus Südtirol, die alle einmal gedacht hatten, dass eine psychische Erkrankung etwas ist, das andere erwischt und eigentlich nicht von dieser Welt ist – bis es sie selber ereilte: den einen früh, noch vor der Matura, die andere vielleicht erst nach erfolgreichem Berufsabschluss und Gründung einer Familie, die eine ohne jede Vorwarnung, den anderen allmählich, aber nachhaltig. Irgendwann haben sie alle auch eine oder mehrere stationäre Erfahrungen in

der Psychiatrie gemacht. Aber sie sind auch wieder herausgekommen und haben neue Lebensanläufe genommen, mit allen Kräften und Hilfen: Psychotherapie, Medikamente, regelmäßige Arztvisiten – und der „Jungen Gruppe“: ein seit Mai 2006 in Brixen bestehender wöchentlicher Treffpunkt, bei dem man „unter sich“ ist und über alles miteinander reden kann, ohne dass die Überschrift „Beratung“, „Therapie“ oder „Visite“ heißt. „Dialoggruppe“ steht stattdessen als Untertitel unter diesem Namen, und was dabei entwickelt werden kann, ist auch für „Normale“ ein seltenes Gut: angstfrei sprechen können, respektvoll zuhören, sich mitteilen, Nein sagen, „ich“, „du“ und „wir“ auseinanderhalten und zusammen bringen, ohne gleich ins Schwitzen zu geraten. Die Idee zu dieser Gruppe und ihre Organisation geht zwar auf einen Psychiater des Psychiatrischen Dienstes Brixen zurück, der die Gruppe auch einberuft und zusammen mit zwei weiteren Kolleginnen bei den Treffen anwesend ist, aber diese „Profis“ fungieren hier nicht in ihren angestammten ärztlichen oder psychologischen Rollen. Sie sitzen mit im Kreis und ge-

Foto: Birgitt Hafner



ben acht, dass niemand aus dem Dialog ausgeschlossen bleibt und dass ihn auch niemand auf Kosten anderer dominiert, dass auch das Schweigen dazugehört und die Körpersprache gesehen und beachtet wird. ie Gruppe ist offen: Wie so viele psychiatrische Krankheitsverläufe hat sie kein Ende, aber eine Zukunftsperspektive, und dazu gehören auch Urlaubspläne und Neugier auf Neues: beides zusammen trug für die „Junge Gruppe“ den Namen: Selbsterfahrungswoche in der Toskana, und diese Idee wurde erstmals im Juli 2008 umgesetzt und im heurigen Sommer wieder: acht Teilnehmer und die drei Gruppenbegleiter starteten am 25. Juli nach eigenen Tourenplänen von Brixen aus Richtung Barberino Val d’Elsa im Herzen der Toskana: Reiseziel: der Bauernhof der Frau Sardella, älter als jede psychiatrische Anstalt Europas und sicher schöner und offener gelegen, nämlich zwischen Wein- und Olivenhängen hoch auf einem Hügel thronend, mit Fernblick auf die weltberühmten Türme von San Gimignano. Idyllisch schon, aber es gibt ja auch Reiseängste, Mücken, verschiedene Vorstellungen von heiß und kalt, Ordnung und Sauberkeit, Aufgabenverteilung im Haushalt, nicht zu reden von Schnarchtönen, Langschläferwünschen und Frühaufsteherlaunen, von verschiedenen Frühstücksvorlieben und Meinungen über Fahrradausleihe und Mietautomöglichkeiten. All das war auch im „Projekt“ inbegriffen und wurde Gegenstand der morgens und nachmittags stattfindenden Gruppensitzungen. Denn darum geht’s bei einer Selbsterfahrungswoche: Ich, wie ich bin, in der ganz alltäglichen Begegnung mit dir, wie du bist, und der gemeinsamen Erfahrung von Neuland ringsum: das Obst schmeckt anders, das Bett knarrt ungewohnt, und dass ringsum kilometerweit Hügel und darüber ein riesiger Himmel ist, bringt die eine Südtiroler Seele zum Schwärmen,

D


SELBSTHILFE

Aber auch das schaffen alle, und am 01. August gegen Mitternacht sind die Teilnehmer wieder am Brixner Bahnhof. Eine Woche ohne Unfälle, ohne Alkohol- und Drogenexzesse à la Rimini und Riccione, ohne unflätige Auseinandersetzungen zwischen Campingplatz-Rivalen. Ohne Psychose. Normal oder eigentlich besser: ich und du und wir im mitmenschlichen Umgang, mitten in der Welt, konkret: im Herzen der Toskana. Viele wollen ein weiteres mal hin! Toskana - nächstes Jahr wieder? Könnte gut sein.

Foto: Birgitt Hafner

während die andere sich eher unbehaglich, weil ohne Berge ungeborgen fühlt. n den Gruppensitzungen können alle diese hochindividuellen Eindrücke ihren Platz und – wörtlich - ihren Anspruch bekommen. Da wird dann aber auch spürbar, wie streng in vielen von uns alteingewurzelte Sprachverbote wirken und wie erleichternd es sein kann, jenseits der Kinderstube und der Familientradition mal andere Zuhörer zu haben und sich freizusprechen: zu erleben, dass es normal und sagbar ist, was ich für völlig verrückt und unsagbar hielt, dass jemand zuhört, sich einfühlt und ganz anders reagiert, als ich es kenne. Alte Ängste können so zu wackeln beginnen und verschwinden; Neues mag nicht mehr nur ängstigend oder als Zumutung wirken, sondern möglicherweise zu einem ungeahnten Genuss werden. Überrascht muss ich vielleicht feststellen, dass ich gemeinsam anscheinend besser klar komme als allein, oder umgekehrt mag ich nach einem Tag mit der Gruppe abends unbedingt mal allein sein wollen und finde das nicht mehr ängstigend, sondern toll. Dergleichen kann einem in einer Selbsterfahrungswoche passieren,

I

und das kostet Kraft. Die fließt einem dann aber auch wieder zu, wenn man beginnt, gerade auf dem Hintergrund der Gruppen“arbeit“ nach ein paar Tagen das Umland mit anderen Augen zu sehen: die Anstrengung des SichEinlassens auf das Du der Begegnung und auf das Wir des Gruppenerlebens führt zu einer anderen, offeneren und kombinationsfrohen Wahrnehmung der Welt, die mich umgibt. Deshalb wurde dann auch Mitte der Woche ein Tagesausflug gemacht: noch weiter gings nach Süden durch Landschaften wie Meereswellen, durch Farbfelder wie aus dem Malkasten, hin zu dem ehrwürdigen Kloster Sant’ Antimo, wo heute wieder Benediktiner junge Stimmen in die Höhe der alten Architektur schicken. Dort wurde unter Bäumen gerastet für die auch an diesem Tag nicht ausfallende Gruppensitzung; dann gings nachmittags weiter in die Stadt Siena mit ihrem jahrhundertealten Straßenbild und ihrem muschelförmigen Zentralplatz. Dann wird das Ende absehbar. Die Gespräche und Begegnungen in der Gruppe vertiefen sich noch einmal, dann muss wieder die Aufmerksamkeit auf die Realität, auf Packen, Zahlen und Rückreise gerichtet werden.

BEGLEITER DER GRUPPE: Dr. Ingo Stermann, ehemals Psychiater im Psychologischen Dienst Brixen und seit nunmehr zwei Jahren Koordinator des landesweiten Dienstes für psychische Gesundheit im Kindes- und Jugendalter, Dr. Katrin Tasser und Dr. Sabine Unterthiner, beide Psychologinen beim Psychiatrischen Dienst Brixen. Die drei betreuen gemeinsam die seit drei Jahren existierende „Junge Gruppe“ in Brixen. Die Selbsterfahrungswoche als Gruppenerfahrung verfolgt keine therapeutischen Ziele, soll keine Beratungsstelle und kein „Kummerkasten“ sein. Sie sondert sich auch nicht von sogenannten normalen Mitmenschen ab, sondern baut im Gegenteil auf der Überzeugung auf, dass jeder Mensch mit und ohne Worte, verrückt oder „vernünftig“, kommunizieren kann und will und dass der zwischenmenschliche Dialog für alle schwierig ist: - eine Sache von Übung und gemeinsamer Kultur.




SELBSTHILFE

Endlich Sommer, endlich Ferien! Lorena Gavillucci - Interview mit Silvano Polinetti den Ferienangeboten des Verbandes. Es gibt eine Menge Arbeit für die Planung und Durchführung; auch werden verschiedene Ziele für die verschiedenen Wünsche ausgesucht (inklusive Kostenfrage). Die Begleiter sind Bezugspersonen, die bei Bedarf zur Verfügung stehen und damit eine sichere Atmosphäre schaffen.

S

o weit, so gut. Aber wahre Ferien, die dem Körper und dem Geist wirklich gut tun, die Menschen »aufladen«, die das ganze Jahr hindurch Höchstleistungen und vor allem kontinuierliche volle Leistung erbrachten, solche Ferien brauchen gewisse besondere Überlegungen. Silvano Polinetti, der beim Zentrum für Psychische Gesundheit in Meran arbeitet und im Sommer mit Freude als Begleiter bei unseren Ferienaktionen mitmacht, drückt seine Vorstellung von »Erholung« so aus: „Die meisten Menschen verstehen unter »Ferien« ausspannen, ausruhen, sich unterhalten, genießen im weitesten Sinn, ohne die üblichen Alltagsverpflichtungen. Und wie steht es mit dem, dessen Alltag eine Krankheit ist (in unserem Fall eine psychische Erkrankung)? Wie sieht es mit seinem Recht auf Urlaub, Erholung, Entspannung… aus? Oder mit all jenen, die auf jeden Fall mit einbezogen sind, also Familienangehörige und Freunde…?“ Sich einer Krankheit stellen „ist üblicherweise eine Vollzeitbeschäftigung;



es wird so zu einer Pflicht und einem Recht eines jeden, diese Verpflichtung für eine gewisse Zeit wegzulassen und vielleicht zu vergessen.“ So werden Ferien zur Erholung, wenn es einem „auch nur für kurze Zeit gelingt, die Krankheit zu vergessen, die eigene Belastung oder die des Menschen neben dir zu lindern. Das ist ein großer Erfolg.“ Der Sommer erlaubt mit seinen längeren Tagen und seiner Wärme den Abstand vom Alltag und lässt die gemeinsamen Erlebnisse und Ziele reifen. Urlaub kann auch zur Belastung werden. Aus diesem Grund steht Silvano Polinetti voll und ganz hinter

Das Geheimnis liegt im »guten Gespür«: auswählen lassen, nicht aufdrängen; alle Voraussetzungen schaffen, dass es wirklich Erholung und Unterhaltung wird; die Situation der Einzelnen richtig einschätzen und in einer Vertrauen erweckenden und aufbauenden Art in Beziehung bleiben. Wichtig ist es, nicht nur die Bedürfnisse der »Betreuten« zu sehen, sondern auch die Fähigkeiten, die jeder Einzelne mitbringt und einsetzen kann. Hier liegt es am Betreuer, die einzelnen Bedürfnisse zu erkennen und die Betroffenen zu motivieren und zu fördern, damit es – wie gesagt – eine wirkliche Erholung wird.


SELBSTHILFE

Einmal täglich... ein bisschen Urlaub Luce

W

enn Sie diese Zeitung in der Hand haben, ist Hochsommer – für einige noch Urlaubszeit, für andere schon das Ende der Ferien. Ferien – nach einer arbeitsreichen Zeitspanne vom Alltag loslösen, abschalten, ausrasten, sich erholen… sicher angenehme Vorstellungen.

Ferien bedeutet auch Frei-Zeit - freie Zeit für uns. Nicht selten kann es bei der Rückkehr vom Urlaub mehr belasten, wieder dem üblichen Alltagsdruck ausgesetzt zu sein als den Eindruck zu haben, dass „unsere Zeit“ sich auflöst, der Anstrengung Platz macht, uns sozusagen gestohlen wird. Muss Urlaub so selten stattfinden? Könnten wir uns in den 24 Stunden des Tages nicht von Zeit zu Zeit ein bisschen „Urlaub“ gönnen? Für eine kurze Zeit die Aufgaben, die Probleme warten lassen, mir Zeit für mich selbst nehmen, für etwas, was mir Spaß macht oder was mir gut tut, zu meiner Erholung - und das ohne irgend ein Schuldgefühl? Auch einmal gar nichts tun? Urlaub muss nicht nur ferne Länder heißen, sondern kann vor allem meine innere Einstellung von Frei-Sein bedeuten, von Wohl-Fühlen. Stellen Sie sich vor: jeden Tag ein solcher „Mini-Urlaub“, der uns auftan-

ken lässt, wo wir mit uns in Einklang kommen und damit auch leichter mit den anderen – wäre es nicht ein Recht und eine Pflicht für uns selbst und für die anderen? Könnten wir uns das zugestehen? Was hält uns davon ab? Was könnte uns diese kurze Zeit in der oft undankbaren Routine des Alltags streitig machen? Eigentlich gehört die Zeit immer uns, nur unsere Wahrnehmung der Zeit täuscht uns – so als wäre alles von anderen vorgeschrieben und ließe uns weder Kraft noch Freiraum für eine Verschnaufpause. Wenn wir dieses Gefühl haben, dann heißt es, einen Augenblick innehalten, nachdenken, einen Ausweg finden aus den Fesseln des Alltags. Wer bis hierher gelesen hat, ist schon auf gutem Weg dazu. Es fehlt nur mehr das Schild “wegen Ferien geschlossen“ ein paar Mal täglich für 10 Minuten – und die Umsetzung!




SELBSTHILFE

Die Verantwortung der Medien Carla Leverato Die Rolle des Journalisten als Vermittler zwischen dem Sozialgeschehen und der Information ganz klar aufgezeigt hat Dr. Alessandro Svettini, Leiter des psychiatrischen Rehabilitationszentrum „Gelmini“ in Salurn. Alle Vertreter der Medien waren dazu kürzlich vom Dachverband der Sozialverbände Südtirol eingeladen worden. Hauptthema war das (meist verzerrte) Bild des psychisch Kranken. Die Worte „psychisch krank“ rufen allgemein ein Gefühl der Angst oder der Aggression hervor, ohne dass dem weiter nachgegangen wird. Die Betroffenen werden als gefährlich, gewalttätig, unberechenbar, unheilbar krank eingeschätzt, und zudem denkt man meistens, sie seien selbst schuld an ihrer Situation. Diese schmerzhaften Vorwürfe werden natürlich auf die Angehörigen ausgeweitet. Im günstigsten Fall wird der Mensch mit psychischen Problemen lächerlich gemacht. Wir selbst begehen wohl auch sehr schnell den Fehler, einen Menschen als „Spinner“ zu bezeichnen, wenn er sich etwas anders benimmt als üblich, oder von einer „verrückten“ Situation zu sprechen, wenn wir irgendwie negative Gefühle empfinden. Der Weg vom „Stigma“ zur Ausgrenzung ist vorgezeichnet. Wer an den Rand gedrängt wird, fühlt sich immer mehr „draußen“, grenzt sich in der Folge selber weiter aus.



Dieser Teufelskreis geht immer weiter, wird immer kritischer. Das „Abgestempelt-Sein“ verschlimmert nicht nur die Lebensqualität, sondern wird zu einer zusätzlichen Krankheit, die das Leben noch mehr erschwert. Die Diagnose erkennt und beschreibt die Krankheitszeichen, die das „menschliche und soziale Funktionieren“ beeinträchtigen; darauf beruht die medikamentöse Therapie für den emotionalen Bereich und die Rehabilitation für die Wiedereingliederung. Das „Stigma“ hingegen ist ein Vorurteil, etwas wie ein Feindbild. Dies macht die Wiedereingliederung fast unmöglich. Warum sollte man „Verrückten“, „Spinnern“, „Verbrechern“ eine Wohnung oder eine Arbeit vermitteln? Dabei vergisst man zu gerne, dass Wohnung und Arbeit zu den Grundrechten eines jeden Menschen gehören.

D

er Verband Angehöriger und Freunde psychisch Kranker bemüht sich seit Jahren, gegen dieses „Stigma“ anzukämpfen. Es reicht noch lange nicht. Zu weit verbreitet, zu tief verwurzelt sind die Vorurteile in der öffentlichen Meinung, auch in den Berichten der Medien. Diese verstärken leider dieses negative Bild von Menschen mit psychischen Pro-

blemen. Damit entziehen sie vielen Erkrankten den Boden der Änderung, der Sicherheit, des Selbstvertrauens. Oder ist es etwa nicht so, dass beinahe bei jeder Gewalttat ohne weitere Nachfrage eine „psychische Erkrankung“ angehängt wird? Wer anders als ein „Verrückter“, ein psychisch Kranker sollte einen Mord begehen? Keine Rede von Hintergründen, von Auslösern, von Hilflosigkeit, von Verzweiflung in den Schlagzeilen. Denn psychiatrische Hilfe zu benötigen ist an sich schon diskriminierend. Keine Rede von Behandlungserfolgen oder von der Tatsache, dass die allermeisten Menschen mit psychischen Problemen nicht zu Gewaltanwendung oder gar Mord neigen. Auch in Filmen, sogar Zeichentrickfilmen für Kinder überwiegen Gewaltszenen. Die Personen, die sie verüben, werden als dämonisch, gefährlich, unberechenbar… - kurz gesagt, als Menschen mit psychischer Erkrankung dargestellt, jedenfalls immer mit negativer Charakterisierung. Auch in Geschichten von Menschen mit psychischen Problemen geht es in 75% um Gewalt. In Wirklichkeit gibt es nur einen geringen Bezug zwischen „Geisteskrankheit“ und Gewalt. Risikofaktoren für Gewalt (allgemein


SELBSTHILFE

häufiger bei jüngeren Männern) sind Alkohol- und Drogenkonsum und ein niedriger sozialer oder ökonomischer Status. Statistisch gesprochen, verüben 99,97% von Menschen mit psychischen Problemen keine schweren Gewaltakte. Zu Gewalttaten kommt es beim psychiatrischen Patienten bei der Zuspitzung psychotischer Symptome, durch Drogen oder Medikamenteninteraktionen und vor allem bei denen, die kein Behandlungskonzept haben oder den Kontakt zu den

Zentren verlieren. Menschen mit psychischer Erkrankung sind weit häufiger Opfer von Gewalt- oder Eigentumsdelikten (10-40 mal so oft wie die „gesunde“ Bevölkerung). Die Medien könnten einen großen Beitrag leisten, das Bild des psychisch Kranken in der Gesellschaft eindeutig zu verbessern. Es gibt ausreichend positive Lebensgeschichten von Menschen mit Rehabilitation und Heilung, mit großen Fähigkeiten und Leistun-

gen, mit einer deutlich verbesserten Lebensqualität. Solche Meldungen wären auch für die Dienste positiv. Es wäre ein Riesenerfolg, wenn die Medien vermitteln könnten, dass es keine Schande bedeutet, psychiatrische oder psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Und es gibt solche Hilfen auch in Südtirol! Auf diese Weise könnte eine fruchtbringende Zusammenarbeit zwischen der Gesellschaft und den Medien entstehen.

auch nur anzurufen; ganz zu schweigen vom Aufstehen am Morgen, vom Anziehen… - ich muss ja »den Erwartungen entsprechen«, obwohl ich von mir aus auch im Pyjama hinginge. Dann der Weg zur Praxis und dort – noch weit schlimmer: warten, warten, warten… in einer endlosen Einsamkeit und Wertlosigkeit. Ich muss mich um alles kümmern – doch woher soll ich die Kraft nehmen? Und auch damit ist es noch nicht vorbei. Wenn ich endlich drankomme, schaut mich der Arzt kaum an, schreibt ein Rezept, gibt die üblichen Ratschläge, auf die ich gar nicht mehr höre… und wenn ich heimkomme, geht es mir noch schlechter als vorher.“ Leider höre ich oft solche oder ähnliche Geschichten. Woran das wohl liegen mag? In einer Depression ist das Selbstwertgefühl äußerst schwach; man unterschätzt seine Fähigkeiten, hat dauernde Selbstzweifel und fühlt sich kaum liebenswert – gleichgültig, ob solche Botschaften ausgesprochen

wurden oder ob es nur Interpretationen sind. Ganz besonders empfindlich reagiere ich bei den Menschen, die helfen sollten. Gerade bei ihnen leide ich, wenn der Blickkontakt fehlt: ich werde nicht wahrgenommen, es entsteht keine Beziehung – so als wäre ich ein lästiger Störenfried, der möglichst fern bleiben sollte. Diesen Eindruck habe ich, wenn der Arzt vorwiegend auf die Rezepte schaut oder auf den Computer, in den er irgend etwas über mich eintippt. Schön wäre es, wenn er mich anschaut, wenn ich in sein Zimmer komme, mich mit einem Lächeln begrüßt, mich mit wahrem Interesse fragt, wie es mir geht, und mir schließlich mit einem Abschlusslächeln das Rezept überreicht… Ist so etwas wirklich so schwer oder unmöglich?

Zuhörecke

Warum schaust du mich nicht an?

Carla Leverato

W

er auf Hilfe angewiesen ist, leidet am meisten darunter, wenn er keine Aufmerksamkeit erhält, so als gäbe es ihn nicht. Jemand aus der Selbsthilfegruppe erzählt mir ein derartiges Erlebnis - enttäuscht und erzürnt zugleich - und man erkennt an seinem Gesichtsausdruck, wie miserabel es ihm dabei geht. „Zum Arzt gehe ich, wenn es mir schlecht geht – und gerade dann kostet es mich eine riesige Überwindung,

Wie erlebt ihr es üblicherweise? Erzählt es uns, wir hören euch gerne zu! 


SELBSTHILFE

Rede mit uns...

Spiritualität und Depression menschliche Nähe und Sicherheit vermitteln können, kann er sich vielleicht geborgener fühlen, aber nicht schmerzfrei oder gesund. Dann macht also die Psychiatrie nur Symptombekämpfung?

Martin Achmüller

Wie kann es sein, dass religiöse Menschen an einer Depression leiden? Ich nehme an, Sie beziehen sich dabei vor allem auf die oft geäußerte „Hoffnungslosigkeit“ oder die „Sinnlosigkeit des Lebens“. Genau. Denn es ist so oft vom „wahren Lebens-Sinn“ die Rede oder davon, „zu sich selber zu finden“. Sind das dann nur leere Versprechungen? Zum einen ist für mich klarzustellen, dass es sich bei der Depression um eine Krankheit handelt, und Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit oder Verzweiflung sind nur einzelne, oft empfundene Gefühle der Kranken. Vor einer Krankheit kann ein religiöser oder spiritueller Halt nicht bewahren. Aber man müsste doch viel leichter damit fertig werden? Nicht vergessen: auch ein Schmerzmittel wird die Ursachen nicht beseitigen, sondern die Schmerzen nur lindern können; und wenn Sie dem Leidenden

10

Nein, im Gegenteil! Man versucht den Stoffwechsel der Botenstoffe im Gehirn zu beeinflussen, die für diese Gefühlsebene zuständig sind. Und zudem wird bei weitem nicht nur mit Medikamenten behandelt. Gerade die Psychotherapie versucht, den einzelnen Menschen zu sich selber zu führen, zu seinem tiefen Inneren, zu einem „wahren Leben“ – freilich nicht primär auf religiöser oder spiritueller Basis. Oder nehmen Sie gerade das Umfeld des Menschen mit psychischen Problemen: wenn er sich in seiner Familie, seiner Arbeitsstelle, in der Gemeinschaft… so angenommen fühlen könnte, wie es eine ehrliche religiöse oder spirituelle Gruppierung manchmal bieten kann – der Mensch könnte sich dadurch sicher besser fühlen. Da verstehe ich nicht, was das übersetzt auf den psychisch Kranken heißt? Ein großer Teil der Menschen verbindet mit „psychisch krank“ vor allem verrückt und gewalttätig; solchen Menschen geht man lieber aus dem Weg. Sie werden abgestempelt und ausgegrenzt, nicht aufgefangen und integriert. Und damit erleben Menschen mit einer psychischen Erkrankung genau das Gegenteil von dem, was Religion oder Spiritualität oder Humanität vermitteln sollte – nicht Halt durch andere Menschen,

sondern Isolation. Das sind spannende Parallelen zwischen Religion und Medizin. Wie sieht es aus mit „Priestermangel – Psychiatermangel“? Da sehe ich einmal vor allem eine sehr unliebsame Ähnlichkeit zwischen Priestern und Ärzten: Priester sind zunehmend Manager in ihrem Betrieb und viel weniger Seelsorger. Ärzte sind immer weniger für die Menschen da, sondern für ein System. Nicht Gesundheit und Vorsorge des Einzelnen stehen im Vordergrund, sondern Statistiken, Rechenschaftsberichte und Rentabilität. Und wenn man von der „Religion“ weggeht, dann werden „spirituelle Angebote“ vermarktet nach modernen Erkenntnissen und verlockenden Modetrends. Viele spielen sich als Gesundheitsapostel auf, weil sie die Marktnischen erkannt haben. Das ist ein gefährlicher Weg. Also nur „moderne Erscheinungen eines Zeit-Trends“? Der Mensch hat immer schon gesucht – nach der Wahrheit, nach dem Sinn des Lebens, nach Glück, nach Erfüllung, nach Freude, nach Selbsterkenntnis… Derzeit wird sehr viel diktiert, welcher Sport gerade „in“ ist, welche Freizeitbeschäftigung, welche Lektüre… Anpassung ist wichtig, Leistung zählt. Der einzelne muss oft beweisen, wer oder was er ist; er überfordert sich damit selbst und geht unter. Die „gute“ Gemeinschaft ist sehr selten geworden.


SELBSTHILFE

Mitgliederversammlung 2009 Lorena Gavillucci

V

on der ehemaligen Präsidentin Margit Morini stammt eine der wohl aussagekräftigsten Erinnerungen an die ersten Jahre des Verbandes: an die Jahre, in denen „deutsche“ Patienten nach Hall, „italienische“ nach Pergine geschickt wurden, getrennt durch die Sprache, vereint in der Ausgrenzung in riesige psychiatrische Krankenhäuser, in der Entwurzelung aus Familie und Umgebung auf Grund fehlender Dienste in der Nähe. Und diese Erinnerung ist wohl der aussagekräftigste Maßstab dafür, dass sich etwas geändert hat. Mit der Psychiatriereform von 1978 hat sich das Gesetz geändert: man stellte sich dem „Kultursprung“, mit dem die Familien in die Betreuung mit einbezogen wurden. Man ging hinaus als Mensch unter Menschen, mit einer Krankheit wie andere auch und vor allem mit einer sozialen Belastung. Was die Stigmatisierung betrifft, sind der Weg und der Kampf wohl noch weit, genauso wie für die Kinder- und Jugendpsychiatrie, für die Zusammenarbeit der Einrichtungen mit den Angehörigen – leider gibt es neben einzelnen lobenswerten Beispielen auch einige Leerläufe, die für

verletzliche Menschen noch schwerwiegender sind… so haben uns in einer einzigartigen Bearbeitung des Märchens von „Schneewittchen“ Martin Achmüller, Margot Gojer und Carmen Premstaller die Realität kritisch aufgezeigt.

planmäßig über die Bühne. Der Rechnungsbericht und der Tätigkeitsbericht 2008 wurden einstimmig angenommen, und dem Vorstand, den Mitarbeiterinnen und den zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfern wurde ein verdienter Dank ausgesprochen. Auch für das laufende Jahr plant der Verband viele Initiativen, von den Ferienaktionen zur Sommer- und Winterolympiade, von eigenen Veranstaltungen und Festen zur Teilnahme an nationalen und internationalen Tagungen, von den Kontakten mit den Medien bis hin zur Information der Mitglieder in offener, aber ernster Art über unsere Zeitschrift. Und es werden auch heuer einige Treffen mit der Öffentlichkeit stattfinden (Welttag der psychischen Gesundheit, Gesundheitsmesse u.a.m.)

D

ie Präsidentin Siglinde Jaitner eröffnete die Vollversammlung mit einer Schweigeminute für die Menschen, die uns im vergangenen Jahr verlassen hatten: Bischof Wilhelm Egger, Helmut Falkensteiner, Leiter des Rehabilitationszentrums „Bartgaishof“ und Willi Falk, Vorsitzender des Vereins „Lichtung“. Die Anwesenheit einiger Funktionäre und Vertreter der Öffentlichkeit war eine gute Gelegenheit für unsere Mitglieder, auf die wichtigen Aspekte des Alltags hinzuweisen, in erster Linie auf die Wiedereingliederung in die Arbeitswelt. Noch immer fehlen ausreichende Möglichkeiten, und damit bleibt jede Rehabilitation in der Schwebe. Die restliche Vollversammlung 2009 ging 11


Martin Achmüller, Margot Gojer, Carmen Premstaller

Alessandra Masiero, Aquarellzeichnungen

s war einmal... ...mitten im Winter - am 18. Februar 1989 - die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab. Da saß eine Königin an einem Fenster und nähte. Und wie sie so nähte und nach dem Schnee blickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. eil das Rote in dem weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich: „Hätt‘ ich ein Kind so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie Ebenholz!“ Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz und ward darum Schneewittchen genannt. ie Jahre vergingen, Schneewittchen wuchs heran und war ein liebevolles Mädchen, hübsch und klug und zugleich aufmerksam für jede Not bei den Menschen.

o blieb es ihm auch nicht verborgen, dass seine Mutter seltener lachte und oft traurig und wehmütig war. Jedes Mal, wenn Schneewittchen die Mutter fragte, antwortete diese ihm liebevoll und zärtlich: „Aber nein, mein liebes Kind; ich bin wohl etwas müde, aber sorg dich nicht um mich!“ it der Zeit schenkte Schneewittchen den Worten seiner Mutter keinen Glauben mehr. Aber was sollte es tun, mit wem sollte es reden? Doch keineswegs mit den Leuten am Hof. Diese würden es nicht verstehen und nur schlecht von seiner Mutter denken. chneewittchen war traurig und sorgte sich immer mehr. ft ging es in den nahen Wald, um für sich allein zu sein und nachzudenken.

12


abei bemerkte es Gestalten, die es an seine Mutter erinnerten: freundlich und hilfsbereit, aber auch traurig. Schneewittchen folgte ihnen und sah, wie kleine weiße Kügelchen vom Himmel auf die Bäume und Sträucher fielen. Die Gestalten aßen sie. Nicht lange darauf schienen sie gelöster, beinahe fröhlich.

chneewittchen wunderte sich sehr über sie. Es wusste nicht recht, ob es wachte oder träumte. Oftmals verspürte es den Wunsch, hinzugehen und sie zu fragen, was sie dort taten. Doch es traute sich nicht recht: es wollte nicht stören und sorgte sich, ausgelacht und weggeschickt zu werden. Wie sollten sie seine Sorgen um die Mutter verstehen können?

chon wollte es auch zu den Bäumen eilen und die Kügelchen für seine Mutter sammeln. Da bemerkte es, dass der Zauber nur von kurzer Dauer war. n anderen Tagen begegneten ihm Gestalten mit schweren Rucksäcken. Auch ihnen folgte Schneewittchen. Erstaunt beobachtete es, wie diese an einem bestimmten Ort ihre Rucksäcke öffneten und schwere Steine herausholten. Sie betrachteten sie lange, und manchmal brachen sie davon Teile herab. Einige Steine warfen sie wütend in den tiefen Wald, andere legten sie behutsam neben sich. Es verwunderte Schneewittchen zu sehen, wie die Gestalten die meisten schweren Steine nach einiger Zeit wieder in ihren Rucksack luden. iefer im Wald traf es auf Gestalten, die in Gruppen auf Baumstümpfen saßen, einige Zeit miteinander redeten und wieder auseinander gingen. 13


ines Tages flüchtete Schneewittchen wieder verzweifelt in den Wald und warf sich am Waldesboden auf die Knie. Und wie es da so weinte und flehte: „Bitte, bitte, kann mir niemand helfen?“, geschah etwas Sonderbares: es erschien eine wunderschöne Fee in einem glanzvollen Kleid. Sie überreichte Schneewittchen einen wunderbaren, goldenen Spiegel und sagte: „Sei reinen Herzens und schau zuversichtlich in den Spiegel hinein. Er wird dir den Weg weisen!“ erwundert blickte Schneewittchen in den Spiegel und sagte: „Spieglein, Spieglein in meiner Hand, wie kannst du helfen? Ich bin gespannt!“ a antwortete der Spiegel: „Schneewittchen, hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen steht ein blauer Glaspalast. Dort lebt seit zwanzig Jahren ein Verband mit langem Namen. Du findest dort, sei ohne Angst, Rat und Tat, wenn du’s verlangst!“ ilig machte sich Schneewittchen auf den Weg über die sieben Berge zu den sieben Zwergen. Sie klopfte an die Tür und rief: „Guten Tag, mein Name ist Schneewittchen. Könnt ihr mir helfen?“

autlos öffnete sich die Tür, und eine liebliche Stimme sagte: „Wir sind der Verband Angehöriger und Freunde psychisch Kranker. Wir werden versuchen, dir zu helfen! Komm herein!“

chneewittchen ward nun geholfen. Die sieben Zwerge erklärten ihm, was es mit dem seltsamen Verhalten der vielen Gestalten im Wald auf sich hatte: Die weißen Kügelchen, welche vom Himmel auf die Bäume und Sträucher fielen, sind Wundermittel gegen die Traurigkeit. Die Steine in den Rucksäcken sind die Lasten, die jeder von ihnen zu tragen hat, und die Gestalten, die auf den Baumstümpfen zusammen saßen, teilten ihre Gefühle und Sorgen miteinander. och von einigen anderen Wegen sprachen die Zwerge und sie wollten Schneewittchen helfen, zusammen mit ihrer Mutter den besten Weg zu finden...

...und wenn der Drache Bü-

rokratius den Verband mit dem langen Namen nicht verschlungen hat, dann hilft er noch weiterhin!

14


SELBSTHILFE

Interessante Hinweise und Veranstaltungen des Verbandes: Gruppentreffen für Angehörige in ganz Südtirol Nach der Sommerpause treffen sich die Gruppen für Angehörige wieder: Bozen: 10.09.2009, freies Treffen Wipptal: 15.09.2009 Treffen mit der Psychologin Dr. Diana Pfister Meran: 17.09.2009, freies Treffen Leifers: 18.09.2009, freies Treffen Bruneck: 28.09.2009 Treffen mit dem Psychologen Dr. Erwin Steiner Kaltern: 06.10.2009, freies Treffen St. Ulrich: 19.10.2009 Treffen mit dem Psychlogen Dr. Ludwig Santifaller Informationen im Verbandsbüro oder unter www.selbsthilfe.it

tationszentrums „Gelmini“ ist nun im europäischen Vorstand vertreten.

September 2009

Seminar

„Mut zum Glück“ - Wege aus Angst und Depression Leitung: Dr. Marieluise Rob, Schwaz Datum: 19. und 20. September 2009 Inhalt: Impulse zu heilsamen Veränderungen im Körper, in der Psyche und im Geist werden gegeben. Ebenso Impulse für eine bewusste, aktive Verbesserung der Beziehung zu uns selbst und zur Mitwelt. Alle Dimensionen des Lebens gehören zusammen - auf dem Weg zum Glück! Ängste und Depressionen sind Schattenseiten des Lebens. Die Kunst ist es, immer öfter - mit professioneller Hilfe sowie

Selbsthilfe - zur Sonnenseite zu wechseln. Dann verlieren die Schatten ihre Macht und wir erleben vermehrt die innere und äußere Sonne! Ort: Ferienhof Masatsch, Kaltern Auskunft/Anmeldung: Verband Angehöriger u. Freunde psychisch Kranker

Oktober 2009

Deutsch-Italienische Psychiatrietage „Suizid- und Präventionsstrategien“ Datum: 08. und 09. Oktober 2009 Ort: Cusanus-Akademie, Brixen Organisator: Regionale Sektion SIP (Società Italiana di Psichiatria) und Cusanus-Akademie Keine Teilnahmegebühr! Auskünfte und Anmeldung: CusanusAkademie, Tel. 0472 832 204

wir gratulieren Neuigkeiten bei der Sozialgenossenschaft „Aquarius“ Im Mai 2009 fand die alljährliche Mitgliederversammlung der Sozialgenossenschaft„Aquarius“ in Bozen statt. Bei den diesjährigen Neuwahlen der Organe wurde Frau Dr. Fernanda Mattedi Tschager, ehemalige Direktorin der Sozialdienste der Bezirksgemeinschaft Überetsch/Unterland als Vertreterin unseres Verbandes in den Vorstand gewählt. Neuigkeiten beim „EUFAMI“ Im Juni 2009 fand die Mitgliederversammlung von EUFAMI (Europäische Föderation von Organisationen der Angehörigen psychisch Kranker) in Bled/Slowenien statt. Dabei wurden unter anderem auch die Vorstandsmitglieder neu gewählt. Unser Vorstandsmitglied Dr. Alessandro Svettini, ärztlicher Leiter des Rehabili 15


SELBSTHILFE

Oktober 2009

November 2009

Welttag psychische Gesundheit

Seminar

Den Auftakt bildet das Theater „One Reel“ welches am Abend des 09. Oktobers im Stadttheater Gries in Bozen aufgeführt wird. Am 10. Oktober wird auf den Talferwiesen in Bozen zu einem JazzKonzert geladen. Die beteiligten Verbände sind dort mit einem Informationsstand vertreten. Die Gesundheitsbezirke planen einen Tag der offenen Tür in den Krankenhäusern des Landes. Am Abend wird die „Klezmer-Band“ den Tag im Grieser Stadttheater ausklingen lassen.

„Umgang und Begleitung junger Erwachsener mit psychischen Störungen und einer Suchterkrankung“

Freiwillige gesucht Am 17. Oktober 2009 findet der zweite Freiwilligentag statt. Er bietet allen die Möglichkeit, sich ohne weitere Verpflichtung dem Motto „Gutes tun - für einen Tag“ anzuschließen und in den Alltag einer sozialen Tätigkeit hineinzuschnuppern. Auch unser Verband beteiligt sich an dieser Aktion und sucht Freiwillige, die helfen möchten, ein Fest im Rehabilitationszentrum „Gelmini“ zu organisieren. Mehr Informationen unter www.freiwilligentag.it (Projekte Süd)

Datum: 05. und 06. November 2009 Ort: Bildungshaus „St. Georg“, Sarns Ziel: Kennen und Verstehen lernen von psychischen Störungsbildern im Zusammenhang mit Suchterkrankungen. Organisator: Aut. Provinz Bozen Keine Teilnahmegebühr! Auskünfte und Anmeldung bis 05.10.09 unter Tel. 0471 418 222 Tagung „aktiv.selbst.hilfe“ Vierter Osttiroler Selbsthilfetag Datum: Samstag, 07. November 2009 Ort: Lienz, Wirtschaftskammer Tirol Inhalt: Vorträge, Workshops, Beratungen, ein Konzert und ein interessantes Rahmenprogramm. (Unsere ehemalige Präsidentin Margit Morini wird einen Vortrag halten.) Organisator: Dachverband der Tiroler Selbsthilfevereine und -gruppen, Zweigstelle Osttirol Informationen: Tel. 0043 4852 606 290 oder osttirol@selbsthilfe-tirol.at

StützPunkt in schwierigen Lebenslagen Beratung & Information

Mo - Fr 10.00 - 11.00 Uhr 0471 262 262 consult@selbsthilfe.it Verband Angehöriger und Freunde psychisch Kranker, Bozen - www.selbsthilfe.it

16

Seminar „Familienrekonstruktion“ Leitung: Dr. Hagen Kasslatter Datum: 07. und 08. November 2009 Inhalt: Jeder trägt die Erfahrungen einer Familie in sich. Die Familienrekonstruktion beschäftigt sich mit deinen Erfahrungen in deiner Familie, deiner Lerngeschichte und deiner Art, die Welt wahrzunehmen und das Leben zu interpretieren. Wenn wir bestimmte Prägungen in unserem Leben verstehen und verändern wollen, müssen wir deren Ursprung kennen. Die Teilnahme an diesem Seminar erfordert eine gründliche Vorbereitung. Anleitungen zur Aufgabenerstellung können Interessierte im Verbandsbüro anfordern. Ort: Bildungshaus Schloss Goldrain Auskunft/Anmeldung: Verband Angehöriger u. Freunde psychisch Kranker Gesundheitsmesse Gesund & Vital Im Rahmen der Internationalen Herbstmesse vom 18. bis 22. November 2009 findet in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Ressort für Gesundheit eine Messe rund um das Thema Gesundheit statt. Unser Verband wird dabei am Donnerstag, 19., und Freitag, 20. November 2009 vertreten sein und über das Thema psychische Gesundheit informieren. Schaut vorbei, wir freuen uns auf euch! Internationale Konferenz „The forgotten Children - Die vergessenen Kinder“ in Litauen Organisator: EUFAMI in Zusammenarbeit mit Lietuvos Sutrikusios Psichikos Žmonių Globos Bendrija (LSPŽGB) Datum: 26. und 27. November 2009 Inhalt: Kinder von Menschen mit psychischen Problemen In Vorträgen und Workshops wird dieses Thema in englischer Sprache erarbeitet. Informationen: www.eufami.org

Selbsthilfe_02-2009  

Zeitung des Verbandes Angehöriger und Freunde psychisch Kranker - Bozen (Italien)

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you