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Nr. 127 - April 2013

Insight

SEKEMs Journal für Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Ökologie in Ägypten

Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser, in den kommenden Monaten finden in Deutschland eine Reihe von öffentlichen Veranstaltungen unter Beteiligung von SEKEM-Mitarbeitern statt. Auf diese möchten wir Sie gerne hinweisen.

Kartoffeln

Bildung

Kirchentag 2013

Bioprodukte aus Ägypten oder Europa?

Workshop mit Scilla Elworthy

Vorträge von SEKEMMitarbeitern

Wie Demeter-Kartoffeln Entwicklung in Ägypten fördern In den vergangenen Monaten wurde in deutschen Medien oft die Frage gestellt: ist der Kauf von Bio-Kartoffeln aus Ägypten vertretbar? Sind deutsche Lagerkartoffeln nicht ökologischer? SEKEM Insight erläutert die Zusammenhänge.

Vom 23.-24. Mai wird in Frankfurt die 7. KarmaKonsum-Konferenz stattfinden. SEKEM-Geschäftsführer Helmy Abouleish wird die Keynote zum Thema „Be the change“ halten. Näheres zu der Veranstaltung finden Sie auf der letzten Seite dieser Ausgabe. Am 4. Mai spricht der SEKEM-Vertreter für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Europa, Bijan Kafi, anlässlich des evangelischen Kirchentages in Hamburg auf der Veranstaltung „Ernährungssicherheit durch ökologische Landwirtschaft“. Im Anschluss wird eine Podiumsdiskussion stattfinden. Das von dem SEKEM-Partner oikocredit zusammengestellte Programm finden Sie auf den Seiten 6 und 7 in dieser Ausgabe. Unmittelbar im Anschluss werden Mitarbeiter von oikocredit SEKEM auf dem „Partnership 2013“, einer Veranstaltung der ökumenische Arbeitsstelle Weitblick, vorstellen (http://partnership2013.de).

Ihr Redaktionsteam SEKEM finden sie im Internet auch auf:

SEKEM produziert auf der Sinai-Halbinsel auf 22 Hektar Demeter-Kartoffeln, die auf zurückgewonnenem Wüstenboden kultiviert werden.

S

andige Hügel und Senken so weit das Auge blickt, Windböen blasen Staub durch die Luft, ein paar stachlige Reste von vertrockneten Sträuchern in der stechenden Sonne. Nirgendwo zeigt sich ein Schatten, kein Vogel, kein Gras, kein Grün. Die Wüste auf dem Sinai ist ein lebensfeindlicher Ort. Nichts lädt an diesem Tag im Sommer 2008 zum Verweilen ein. Und doch beginnen hier erfahrene SEKEM-Landwirte in diesen Tagen

mit einem Team von tatkräftigen Mitarbeitern mit dem biologisch-dynamischen Landbau. Schon nach dem ersten Jahr ihres Einsatzes ist die gleiche Gegend kaum wieder zu erkennen: sanft wiegt sich jetzt der satt-grüne Klee im Wind und erste Reihen von Kasuarinen-Bäumen schaffen einen natürlichen Windschutz für die später anzubauenden Nutzpflanzen. Auch die Artenvielfalt unter den Tieren verbessert sich in dem Moment, in dem SEKEM Insight | April 2013 | Seite 1


Wirtschaft

Pflanzen in der Wüste Einzug halten. Die ersten weißen Kuhreiher stolzieren bereits jetzt durch den jungen Klee und picken nach Insekten. Wieder vier Jahre später ist die Arbeit auf SEKEMs Sinai-Farm in vollem Gange. Jedes Jahr wurden bisher neue Flächen erschlossen, indem zunächst große Mengen Kompost auf den Wüstenboden aufgebracht wurden. Orangenbäume wurden gepflanzt, die einmal Zitrusfrüchte für die Verarbeitung in SEKEMs Lebensmittelfirma ISIS liefern werden. Es werden Gemüsesorten wie Bohnen und Zucchini angebaut und immer wieder Leguminosen wie Klee und Erdnüsse, die Stickstoff in die noch kargen Böden bringen. Inzwischen ist sogar eine Schafherde eingezogen. Kritische Fragen Bereits zum zweiten Mal wurden im vergangenen Herbst auch Kartoffeln auf der SEKEM-Farm gesetzt. 50 Mitarbeiter waren damit beschäftigt, die Setzlinge Anfang Oktober in den Boden zu bringen. Während der Wintermonate wurden sie mit Kompost gedüngt und bewässert. Da die Kartoffeln gemäß den Vorgaben des biologisch-dynamischen Anbaus angebaut werden, wurden auch die Präparate Hornmist und Hornkiesel aufgebracht. Mitte Februar wurde dann geerntet: mit einem Traktor werden die Kartoffeln an die Erdoberfläche geholt. Dann aber werden sie – wie in Ägypten noch häufig üblich – per Hand eingesammelt. Die kleine Menge von „nur“ 300 Tonnen benötigt keine mechanisierte Ernte und verschafft so vielen Menschen in der besonders strukturschwachen Sinai-Region Arbeit. So festigt SEKEM durch den hiesigen Anbau auch soziale und kulturelle Strukturen. Der Großteil der Kartoffelernte jedes Jahr wird nach Deutschland exportiert. Hier importiert SEKEMs Handels­ partner Biotropic die Kartoffeln und vertreibt sie auf dem deutschen Bio-Markt.

Hier in Deutschland wird seit einiger Zeit auch von Verbrauchern die Frage gestellt, ob es ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, Kartoffeln aus Ägypten zu kaufen. Ist es nicht möglich, deutsche Lagerkartoffeln vom Vorjahr zu erwerben? Vergleicht man ausgewählte Parameter der Anbauorte, so finden sich schnell Argumente, die gegen den Import von Kartoffeln aus Ägypten sprechen. So ist durch den Frachtschifftransport der Ausstoß von CO2 höher, als bei der Lagerung einheimischer Kartoffeln. Auch wird argumentiert, dass Kartoffeln in Ägypten künstlich bewässert werden müssen, während in Deutschland der natürliche Niederschlag bereits ausreicht. Doch Mohamed Helmy, Betriebs­ leiter auf der Sinai-Farm von SEKEM, ist der große Zusammenhang wichtiger, als die isolierte Betrachtung einzelner Aspekte: „Wir halten den Export von demeter-Kartoffeln von unseren Farmen trotzdem für gerechtfertigt“, erklärt er, „und zwar aus Gründen, für die wir den größeren Zusammenhang betrachten müssen.“

Die Mitarbeiter SEKEMs wohnen und leben direkt auf der Sinai-Farm, in unmittelbarer Nähe zum Suez-Kanal.

Gegen Monokulturen: Vielfalt für Tier, Natur und Mensch

ursprünglichen SEKEM-Farm angesiedelt. Dazu zählen vor allem Vögel und Insekten, aber auch Säugetiere wie Mungo und Fuchs.

„Zunächst sind Kartoffeln Teil unserer Fruchtfolge auf der neuen SinaiFarm. Sie lassen sich auch auf den noch kargen Böden anbauen und helfen uns so im Wechsel mit Bohnen, Sesam und Klee, aus trockenem Wüstenboden eine fruchtbare Lebensgrundlage mit einer reichhaltigen Artenvielfalt zu schaffen.“ Durch die Fruchtfolge wird einerseits die Bodenqualität verbessern (Klee, Bohnen), als auch Futter für Nutztiere wie Schafe produziert (Klee). Diese produzieren den dringend benötigten Kompost, der die Produktion gesunder Produkte für den lokalen Markt und den Export ermöglicht.

Durch die landwirtschaftliche Wüs­ ten­er­schlie­ßung schafft SEKEM aber auch Lebens- und Arbeits­grund­lagen für viele Menschen, die in den ländlichen Regionen Ägyptens oft unterhalb der Armutsgrenze leben. In den Wüsten des Landes, wie dem Sinai, liegt die An­al­pha­be­ten­quote oft noch bei fast 70%, besonders unter Frauen. SEKEM ist hier oft der einzige Arbeitgeber und trägt zur Bildung von Strukturen bei, die Unterstützung zum Beispiel von Entwicklungs­hil­fe­or­g a­ni­ sa­tionen langfristig ersetzen sollen.

Durch die landschafts­ pflegerische Arbeit SEKEMs haben sich in den vergangenen 35 Jahren mehr als 40 Tier- und Pflanzenarten auf der SEKEM können sie auch besuchen:

www.sekem-reisen.de www.aventerra.de

Geringerer Wasserverbrauch Mohamed Helmy ist es wichtig, seine Farm in einem organischen Zusammenhang mit ihrer Umwelt zu betrachten — der der pflanzlichen und tierischen Natur, wie der der Menschen. Diese Einstellung steht im deutlichen Gegensatz zu SEKEM Insight | April 2013 | Seite 2


Wirtschaft

ausgebaut. SEKEM arbeitet außerdem mit vielen demeter-Bauern, deren Produkte sie verarbeitet und verkauft. Dort, wo SEKEM tätig wird, profitieren nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch die Menschen. Und nur durch die verlässliche Abnahme von demeter-Produkten durch Handelspartner und Kunden kann SEKEM Entwicklung nicht nur anregen, sondern auch langfristig garantieren. Deshalb ist die Entscheidung für ein ägyptisches Bioprodukt stets auch eine Entscheidung für eine gesunde, nachhaltige Lebensweise an einem Ort, der positiver Entwicklungsimpulse heute besonders bedarf. SEKEMs landwirtschaftliche Entwicklung hilft dabei, soziale Entwicklung in Ägypten anzuregen und langfristig finanziell zu unterstützen.

den in Ägypten üblichen landwirtschaftlichen Großinvestitionen, die auf abgelegenen Wüstenböden durch umfassenden Einsatz von Wasser, Kunstdünger und Pestiziden Intensiv­ wirt­ schaft ermöglichen. Für einige Jahre werden dann hier zum Beispiel ausschließlich Kartoffeln angebaut, bis der Boden nichts mehr hergibt. SEKEM geht einen anderen weg. Zunächst gilt: gleichgültig, welche Feldfrucht angebaut wird, in Ägypten ist praktisch jede Pflanze auf künstliche Bewässerung angewiesen, weil der Niederschlag im Durchschnitt sehr niedrig ausfällt. Er reicht von „Null Millimeter“ in den südlichen Wüstengebieten bis zu 100 Millimeter im Nildelta. Auf dem Sinai beträgt er durchschnittlich 30 Millimeter im Jahr. Entwicklung bedeutet daher in Ägypten immer, den Eingriff des Menschen im umfassenden Maße tolerieren zu müssen. Gerade deshalb ist es wichtig, die Bodenfruchtbarkeit durch die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise zu verbessern. Denn sie hilft, die Fähigkeit der Wüste, Wasser aufzunehmen und zu speichern, zu erhöhen. Bereits heute braucht SEKEM auf der Sinai-Farm, auf der erst seit wenigen Jahren demeter-Anbau betrieben

wird, laut einer Studie etwa 12% weniger Wasser, als konventionelle ägyptische Bauern auf vergleichbarer Fläche. Eine weitere Studie weist außerdem die hervorragende Wirkung des SEKEM-Komposts auf die Bo­den­­ fruchtbarkeit nach, die durch die Bildung von Humus nachhaltig verbessert wird, da dieser Mikro­organismen als Lebens­grund­lage dient. Entwicklung braucht Einsatz und Zeit Nur durch Projekte wie den SEKEMFarmen wird Ägypten neue Flächen des Wüstenbodens, der 96% der Landesfläche ausmacht, nachhaltig nutzen können. Und nur so entsteht die Möglichkeit, eine wachsende Bevölkerung nicht nur zu ernähren, sondern mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen, die mit weniger Wasser und Dünger auskommen. Diese Arbeit braucht Zeit und Ein­ satz­­be­reit­schaft. Der globale Handel hilft dabei, Ent ­wick­lungs­hilfe durch Partnerschaft auf Gegenseitigkeit zu ersetzen. So ist es durch die langjährige Zusammenarbeit mit Han­ dels­ partnern in Europa und Kunden in Ägypten möglich geworden, eine zukunftsweisende Initiative aufzubauen. Dabei wurde der Anbau von biologisch-dynamischen Flächen stark

„Nachhaltigkeit sollte nicht hinsichtlich einzelner, ausgewählter Aspekte bewertet, sondern im weltweiten Zusammenhang betrachtet werden“, meint Christina Anlauf, die für SEKEM in Bochum den Import nach Deutschland betreut. „Der Kauf von demeter-Kartoffeln aus Ägypten bietet Kunden in Deutschland eine konkrete Gelegenheit, international mit ägyptischen Partnern daraufhin zu ­wir­ken, dass mehr nachhaltige Landwirtschaft konventionellen Anbau ersetzt, Bio­ pro­duk­te auch in ärmeren Regionen der Welt erschwinglich werden und soziale Entwicklung nicht auf Entwicklungshilfe angewiesen bleibt“. Bijan Kafi, Christina Anlauf

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Die Studien über die bodenpflegerische Arbeit SEKEMs sind auf Anfrage bei der Redaktion erhältlich.

BioTropic GmbH BioTropic GmbH ist ein deutscher Importeur von Bioprodukten mit Niederlassungen in mehreren Ländern. Ihr Ziel ist die transparente und erzeugernahe Beschaffung von Bio-Lebensmitteln sowie die Sicherung der Produkt-Herkünfte aus ökologischer Landwirtschaft. Begonnen hat die Entwicklung 1997 mit dem Import von Bio-Bananen aus der Dominikanischen Republik. Mittlerweile werden Bio-Produkte aller Art aus vielen Teilen der Welt nach Europa eingeführt.

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Kultur

“Es erfordert viel Empathie, Konflikte zu bewältigen” Im März führte Scilla Elworthy, langjährige Freundin SEKEMs und Aktivistin der weltweiten Bewegung für Friedensförderung, einen Kurs in Konfliktbewältigung für Mitarbeiter durch. SEKEM-InsightAutorin Fatma Sami sprach mit ihr und einer Teilnehmerin.

D

r. Scilla Elworthy gründete im Jahr 1982 in Großbritannien die Oxford Research Group mit dem Ziel, einen fruchtbaren Dialog zwischen den Entscheidern der weltweiten Atompolitik und ihren Kritikern zu ermöglichen. In den folgenden Jahren unterstützte sie den Austausch von chinesischen, russischen und westlichen Atomwissenschaftlern und Vertretern des Militärs durch eine Reihe von Dialogveranstaltungen. Im Jahre 2002 gründete sie die gemeinnützige Einrichtung „Peace Direct“, um lokale Peace Builder („Friedensstifter“) in den Krisengebieten der Welt zu finanzieren, zu fördern und von diesen zu lernen. Dies führte zur Anerkennung des Werts und der Wirtschaftlichkeit lokal geführter Initiativen durch die Vereinten Nationen. Peace Direct wurde im Jahre 2005 mit dem Preis „Beste Neue Non-Profit-Einrichtung“ ausgezeichnet. Scilla Elworthy erhielt 2003 den Niwano Peace Prize und wurde dreimal für den Friedensnobelpreis nominiert. Sie beriet außerdem den Musiker Peter Gabriel, Erzbischof Desmond Tutu und den Unternehmer Richard Branson bei der Einrichtung der „Elders“, einer Gruppe erfahrener Persönlichkeiten, die weltweit beratend auftreten. Elworthy ist außerdem Mitglied des chinesischen Hanwang Forums, Ratsmitglied des World Future Council und Autorin zahlreicher Bücher. SEKEM-Insight-Autorin Fatma Samy sprach mit Scilla Elworthy und Veranstaltungsteilnehmern anlässlich eines von ihr organisierten Workshops über SEKEM und die Zukunft der Heliopolis Universität. Der Workshop mit dem Titel „Akteure des Wandels werden“ hatte zum Ziel, junge Menschen darin zu bestärken,

Scilla Elworthy, Gründerin der Organisation für Friedensförderung Peace Direct, führte im März 2013 einen Kurs in Konfliktbewältigung für Mitarbeiter SEKEMs in der Heliopolis Universität durch.

sich aktiv für nachhaltigen Wandel einzusetzen. Scilla, welchen Eindruck haben Sie bisher von der Heliopolis Universität gewonnen? Ich denke, die Heliopolis Universität ist eine sehr zukunftsweisende Einrichtung. Mir gefällt besonders, dass sie sich so sehr bemüht, die Vielfalt des menschlichen Wesens auf einem sehr hohen Niveau in die eigene Arbeit einzubeziehen. Es freut mich besonders, wie an der neuen Einrichtung Fähigkeiten wie Malen, Singen und Tanzen dazu eingesetzt werden, die Fähigkeiten der Menschen ganzheitlich zu entwickeln und auf eine breitere erlebnismäßige Basis zu stellen. Was glauben Sie, ist der Schlüssel zum Erfolg für die Verwirklichung neuer Ideen in einer Kultur, die sich innovativem Denken sperrt?

Nun, Pioniere innovativer Ideen haben zumeist anfangs eine harte Zeit des Scheiterns zu durchleben. Sie rechnen damit, dass es nicht einfach sein wird, neue Ansätze durchzusetzen. Im Falle der nachhaltigen Entwicklung ist das Ziel jedoch so dringlich und von solch elementarer Bedeutung für die Zukunft von uns und vor allem unserer Kinder und ihrer Enkel, dass ein Scheitern gar nicht in Frage kommt. Wenn wir uns nicht für den Weg der nachhaltigen Entwicklung entscheiden, werden sie keine Zukunft haben. Könnte die Heliopolis Universität ein angemessener Weg sein, Nachhaltigkeit in Ägypten zum Durchbruch zu verhelfen? Ja, das glaube ich und das hoffe ich sehr! Maii El Shorbagy ist Kommuni­ ka­tions­f ach­f rau an der Heliopolis

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Kultur

Wir fanden heraus, dass es sehr wichtig ist, die emotionale und geistige Verfassung einer Person zu kennen, zu wissen, wie sie wirklich ist, wie sie empfindet. Wir sprachen darüber, wie wichtig es sei, die Begegnung genau zu empfinden, genau darauf zu hören, was gesagt wird und welche Emotionen sich hinter ihnen verbergen. Konflikte zu bewältigen, erfordert viel Empathie. Scilla hat uns dazu in die „Dayad Übung“ eingeführt. In dieser Übung sitzen sich Personen paarweise gegenüber, um sich darin zu üben, einander genau zuzuhören und die eigene volle Aufmerksamkeit auf das Gesagte zu lenken, mit dem Ziel, emotional und geistig zu ergründen, was sich darin ausspricht.

Scilla Elworthy während ihres Kurses in SEKEM.

Universität. Sie nahm ebenfalls an der Arbeitsgruppe teil: Maii, wie waren Deine Eindrücke von der Veranstaltung? Ich empfand den Workshop als wunderbar nützlich, weil er unsere Wahrnehmung des Themas in Bewegung gebracht und viele Dinge in uns angeregt hat. Wir haben gleich zu Beginn festgestellt, dass wir raus mussten aus unserem „Workshop“, um auch andere Seiten von uns kennenzulernen. Dazu begannen wir mit der „Aung San Suu Khi Meditation“. Hier hatten wir die Chance, frei zu atmen, uns zu entspannen und den Tag auch innerlich erfrischt zu beginnen. Dann begannen wir, über menschliche Beziehungen zu sprechen, wie wir einander begegnen und wie es zu Konflikten kommt. Es ging uns darum, zu verstehen, die Wege nachzuvollziehen, wie Konflikte entstehen, wie wir mit ihnen umgehen können und wie wir sie lösen können. Ein wichtiger Teil unserer gemeinsamen Arbeit war die Analyse der Faktoren, welche die Entstehung von Konflikten beeinflussen.

Scilla klärte uns auf, dass Konflikte in der Regel entstehen, wenn wir uns nicht auf der gleichen Ebene der Kommunikation befinden, vor allem dann, wenn Begegnungen emotional werden. Würden wir uns zwei Minuten Zeit nehmen, das Problem zu benennen, so würde jedem bewusst werden können, dass die Situation „kippt“. Dann könnte jeder einen Moment schweigen und dann eher die eigene Unsicherheit benennen, als andere zu beschuldigen. Wir haben diesen Ansatz dann in unser „Werkstatt“ praktisch angewendet! Zuletzt fragte uns Scilla, welche Fähigkeiten der Konfliktbewältigung und Begegnungsführung uns am wichtigsten waren. Jeder von uns entschied sich, was sie für ihn oder sie, für die Entwicklung ihrer Persönlichkeit besonders wertvoll sein würde. Wir diskutierten dann diese Aspekte ausführlich untereinander und in der Gruppe. Dabei wurde uns deutlich, wie sehr die konkrete Erfahrung der Begegnung und des Gewinns neuer praktischer Erfahrung im Umgang mit Konflikten uns dabei geholfen hatte, auch uns selbst besser zu verstehen! Fatma Sami Fatma Sami arbeitet im Team für neue Medien und Kommunikation in Kairo. Sie unterstützt SEKEM Insight außerdem als Autorin.

ISIS-Online-Shop neu gestartet

ISIS Organic, SEKEMs Firma für Bio-Lebensmittel, hat ihren OnlineShop überarbeitet und bietet jetzt dem Großraum Kairo ein umfassendes Angebot an Bio- und DemeterProdukten via Online-Bestellung. Die Lieferung erfolgt durch eine Partnerfirma direkt an die Haustür innerhalb von 36 Stunden. „Wir freuen uns sehr, dass wir nun starten können! Es war nicht leicht, vor allem die logistischen Probleme bei der Lieferung unserer empfindlichen Bio-Produkte zu lösen, aber es ist uns gelungen“, sagt Osama Rashad aus dem Bereich des digitalen Marketing von ISIS. „Wir haben bereits viele neue Ideen und werden den Ausbau der neuen Plattform weiter vorantreiben“, fügt Moataz Ahmed hinzu, der www. myISIshop.com mitentwickelt hat. Die Kombination von ISIS‘ Website und dem neuen OnlineShop erlaubt die Zusammenführung aller Produktinformationen. Jetzt sind alle Daten von Produktqualität über Ernährungswerte, Herkunft der Rohstoffe bis zu gesundheitlichen Informationen an einem Platz verfügbar. „Eine Besonderheit des neuen Angebots liegt in der Integration von ISITrace, Ägyptens erstem, von SEKEM entwickeltem Werkzeug für die Rückverfolgung von Agrarprodukten“, sagt Thomas Abouleish, der die Entwicklung leitet. „Neue Werkzeuge für noch mehr Transparenz im nachhaltigen Konsum sind bereits in Arbeit.“ Fatma Sami

SEKEM Insight | April 2013 | Seite 5


kapital aften und Schwelh der t eger, eld sozial

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Mit Verkostung von sEkEM-Produkten

Einladung

ErnährungssichErung durch ökologischE landwirtschaft Vortrag von Bijan Kafi, Vertreter des ägyptischen Sozialunternehmens SEKEM Podiumsdiskussion mit Agnes Bergmeister (Naturland) Carolin Callenius (Brot für die Welt) Matthias Lehnert (Oikocredit) 34. Deutscher Evangelischer Kirchentag, Hamburg Samstag, 4. Mai 2013, 13:30 Uhr Congress Center Hamburg (CCH), Saal B

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Vortrag

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» Bijan Kafi berichtet über die Entwicklung von SEKEM und zeigt auf, wie das ägyptische Sozialunternehmen mit ökologischem Landbau zur Ernährungssicherung beiträgt (Vortrag auf Deutsch)

Podiumsdiskussion mit:

» Bijan Kafi,

Kommunikation Europa, SEKEM

» Agnes Bergmeister,

Koordinatorin Öko+Fair-Kampagne, Naturland

» Carolin Callenius,

Referentin Recht auf Nahrung, Brot für die Welt

» Matthias Lehnert,

Geschäftsführer Oikocredit Deutschland

Moderation: Anke Butscher 34. Deutscher Evangelischer Kirchentag Samstag, 4. Mai 2013, 13:30 Uhr Congress Center Hamburg (CCH), Saal B Am Dammtor/Marseiller Straße, 20355 Hamburg

Fotos: SEKEM

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Impressionen

Impressionen aus SEKEM

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EKEMs Frühlingsfest ist der Tag des Feierns der natürlichen Vielfalt des Lebens auf der SEKEMFarm, die durch 35 Jahre Entwicklungsarbeit in der Wüste dauerhaft Wurzeln geschlagen hat: die reiche Vielfalt an Blumen und Pflanzen, Vögeln und Insekten und nicht zuletzt der Menschen, die hier zusammenkommen. Das Fest ist eine Besonderheit, weil es Traum und Wirklichkeit verbindet: die Realität SEKEMs heute symbolisiert die Freunde über das Erreichte, während der Wunsch, eine menschengemäße Form des Zusammenwirkens der Kulturen zu gestalten, Herausforderung und Ansporn bleiben wird. Das Fest wird zeitgleich mit dem Geburtstag Dr. Ibrahim Abouleishs gefeiert. In Darbietungen präsentierten SEKEM-Mitarbeiter, Freunde und Partner Ergebnisse aus ihrer Arbeit. Schüler der SEKEM-Schule gratulierten Dr. Abouleish durch Gedichte J.W. v. Goethes in drei Sprachen (Deutsch, Englisch und Arabisch). Studierende und Mitarbeiter der Heliopolis Universität berichteten aus ihrer Forschungstätigkeit. Studenten der Zagazig Universität hatten sich zuletzt mit den Umweltproblemen in Ägypten beschäftigt. In ihren Ergebnissen, die sie präsentierten, bezogen sie sich auf SEKEM als herausragendes Beispiel. Den Abschluss bildete ein Stück aus Mozarts Zauberflöte, welches die geistige und seelische Veredelung des Menschen durch Studium und Weisheit versinnbildlichte. Es sollte darauf hinweisen, dass der Mensch Hindernisse als Herausforderungen zu bestehen habe, um das Gute zu verwirklichen. Fatma Sami SEKEM Insight | April 2013 | Seite 8


Kurznachrichten

7. KarmaKonsum Konferenz mit Helmy Abouleish

Frühlingsfest beim FAIR Handelshaus Bayern

Die 7. KarmaKonsum Konferenz findet in diesem Jahr unter Beteiligung von SEKEM zwischen dem 23. und 24. Mai 2013 in der IHK Frankfurt statt. Helmy Abouleish wird den KeynoteVortrag der Veranstaltung zum Thema „Be the Change“ halten. “Unity in Diversity. Kooperation zwischen Grassroots und Mainstream im Zeichen der Nachhaltigkeit”: Unter diesem Motto treffen sich Entscheider und Vordenker auf der siebten KarmaKonsum Konferenz zum Kongress und NetworkingVeranstaltung für verantwortungsvolles Wirtschaften und nachhaltige und gesunde Lebensstile (LOHAS). Referenten aus Forschung, Wirtschaft, Politik und Kultur diskutieren im Rahmen eines Kongresses am 23. Mai die sozialen, geistigen und kulturellen Nachhaltigkeitsströmungen in Theorie und Praxis und deren Einfluss auf Unternehmens-, Mitarbeiter- und Konsumentenseite. Am 24. Mai ermöglicht die innovative Ideen- und Networking-Börse GreenCamp den Teilnehmern ein gemeinsames Arbeiten in Workshops und führt Gleichgesinnte für die Umsetzung von Ideen zusammen. In der begleitenden Messe präsentieren Aussteller Alternativen für nachhaltiges Wirtschaften und Leben. Die Abendveranstaltung GründerAward am 23. Mai als Abschluß der Fachtagung ist für Besucher des GreenCamps geöffnet. Ziel des Awards ist die Förderung von öko-sozialen Existenzgründungen durch Herstellung von relevanten Branchenkontakten und Präsentation der Geschäftsideen in einem attraktiven Forum.

Am 27. April feiert das FAIR Handelshaus Bayern eG mit Kunden, Freunden und Interessierten sein diesjähriges Frühlingsfest. Von 10:00 bis 16:00 Uhr gibt es auf dem Gelände am Firmensitz in Amperpettenbach (nähe Unterschleißheim) schmackhaftes Essen und Trinken aus biologischer und fairer Erzeugung, verschiedene Stände befreundeter Unternehmen, den Kaffee-Röst-Landrover von Original Food und die Sonder-Schau „Glas, Keramik & Garten“. Die Kinder dürfen sich über Ponyreiten freuen und die Popa-Raff-Band bringt mit Livemusik gute Laune auf. Das FAIR Handelshaus Bayern eG ist das landesweite Regionalzentrum des Fairen Handels und wird von einer Genossenschaft getragen, die aus Weltläden und Aktionsgruppen sowie entwicklungspolitisch engagierten Einzelpersonen gebildet wird. Der Tätigkeitsbereich umfasst Weltladenberatung, Bildungs-, In­ for­ mations-, und Lobbyarbeit sowie die Großhandelstätigkeit für Weltläden und Fair-Handels-Gruppen. SEKEM Produkte sind Teil des umfassenden Sortiments, über das man sich auf der webseite http://www.fairbayern. de informieren kann. Die Adresse des Handelshauses: FAIR Handelshaus Bayern eG, Alte Kreisstraße 29, 85778 H a i m­h a u­s e n­- A m­p e r­p e t t e n b a c h . Tel.: 08133/1482 oder 8436, Fax: 08133/6744, info@fairbayern.de

Quelle: KarmaKonsum

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Mehr Informationen: http://www.karmakonsum.de

Christina Anlauf

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Mehr Informationen:

SEKEM Produkte – Verkauf in Deutschland Seit Anfang des Jahres kooperiert SEKEM für den Verkauf der SEKEMMarkenprodukte in Deutschland mit dem online-shop www.amorebio. de. Alle Produkte, die in Deutschland unter der Marke SEKEM angeboten werden, können nun auch über Amorebio online bestellt werden. Das bisherige Angebot auf www.sekemshop.de wurde damit aufgelöst. Kunden können nun in einem Einkauf sowohl SEKEM Datteln, Kro­kant­riegel und Sonnenfrucht-Aufstriche, als auch Produkte anderer Bio-Marken wie Lebensbaum oder Rapunzel bestellen. Somit können die Versandkosten besser ausgenutzt werden. „Die SEKEM Kro­ kant­ riegel verkaufen wir besonders häufig“ freut sich Adriana Zambrano, die bei amorebio für die Sortiment-Gestaltung zuständig ist. Amorebio bietet seit über 10 Jahren Bio-Produkte und ergänzt das Angebot durch Sonder-Aktionen und Hinter­ grund­be­rich­te. Selbstverständlich sind die SEKEM­-Mar­ken­produkte weiterhin auch in Bio­su­per­märkten, Natur­kost­f ach­ge­schäf­ten und vielen Hofläden oder Weltläden erhältlich. Christina Anlauf

SEKEM Insight abonnieren Herausgeber v.i.S.d.P.: SEKEM, Egypt. Die Redaktion von SEKEM Insight dankt allen Korrespondenten, die an dieser Ausgabe mitgewirkt haben. Redakteure: Bijan Kafi und Christina Anlauf Kontakt: SEKEM-Insight c/o SEKEM Holding P.O.Box 2834, El Horreya, Heliopolis, Cairo, Egypt insight@SEKEM.com Bildnachweis: 3, 4, 5, 8, 9: SEKEM; 1, 2: Bijan Kafi Keine Vervielfältigung ohne schriftliche Einwilligung des Herausgebers. Markenzeichen sind Eigentum der jeweiligen Markeninhaber.

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SEKEM Insight | April 2013 | Seite 9


SEKEM Insight 04.13 DE