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Jahresbericht 2007

Bachs Erbe – Ein Auftrag für die Zukunft


Jahresbericht 2007

Bachs Erbe – Ein Auftrag für die Zukunft


Impressum Bach-Archiv Leipzig Stiftung bürgerlichen Rechts Postfach 101349 04013 Leipzig Deutschland info@bach-leipzig.de www.bach-leipzig.de Tel.: +49-(0)341-9137-0 Fax: +49-(0)341-9137-105

Vertretungsberechtigter Vorstand Prof. Dr. Dr. h. c. Christoph Wolff (Direktor) Dr. Dettloff Schwerdtfeger (Geschäftsführer)

Stiftungsaufsicht Regierungspräsidium Leipzig Stiftungsregisternummer: 3/97

Steuernummer: 231/140/18481 USt-IdNr.: DE 192542521 Redaktion: Miriam Grabowski Gestaltung: Kassler Grafik-Design


Inhalt

1. Grussworte Staatsminister Bernd Neumann, Beauftragter für Kultur und Medien,

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Bundesrepublik Deutschland

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Dr. Eva-Maria Stange, Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Freistaat Sachsen

Burkhard Jung, Oberbürgermeister, Stadt Leipzig

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2. Vorwort

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Prof. Dr. Dr. h. c. Christoph Wolff und Dr. Dettloff Schwerdtfeger, Vorstand der Stiftung Bach-Archiv Leipzig

3. Bach-A rchiv Leipzig

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4. Berichte der A bteilungen

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4.1. Forschungsinstitut 4.2. Bibliothek 4.3. Bach-Museum 4.4. Veranstaltungen

5. Sonderprojekte

5.1. Kooperationsprojekt Bach-Mendelssohn-Schumann 5.2. Umbau- und Erweiterung Bosehaus

41 41 45

6. Vereinigung der Freunde des Bach-A rchivs Leipzig e.V.

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7. Zahlen – Fakten – Personen

50 50 55 59 60 62

7.1 7.2 7.3 7.4 7.5

Zahlenmäßiger Rechenschaftsbericht Veröffentlichungen Mitarbeiter Gremien Förderer


1. Grussworte

Schon seit rund 18 Jahren ist der Bund an der Förderung des Bach-Archivs beteiligt. Durch die Gründung einer Stiftung bürgerlichen Rechts wurde es dann 1998 möglich, im Verbund mit dem Freistaat Sachsen und der Stadt Leipzig eine dauerhafte Struktur für den kulturellen Leuchtturm „BachArchiv Leipzig“ zu schaffen. Bis heute beteiligt sich der Beauftragte der Bundes­regierung für Kultur und Medien (BKM) mit 40 % am Basishaushalt der Stiftung. Das Bach-Archiv Leipzig übernimmt eine Botschafterfunktion in und für Deutschland. Mit seinem breiten Spektrum, das nicht nur Forschung, wertvolle historische Bestände, eine weltweit einzigartige Fachbibliothek und ein ständiges Museumsangebot umfasst, sondern auch das viel beachtete Leipziger Bachfest sowie den Internationalen Bach-Wettbewerb einschließt, vermittelt das Bach-Archiv Leipzig die Erinnerung an Johann Sebastian Bach und die Bedeutung seines Erbes für unsere heutige Zeit. Bach-Forschung und -Pflege sind nicht nur ein wichtiger Teil deutscher Musikund Kulturgeschichte, sondern auch ein Symbol der jüngeren deutsch-deutschen Wissenschaftsgeschichte. Mit dem Festakt zum Abschluss der Neuen BachAusgabe im Juni 2007 konnte der Öffentlichkeit die erste einer jener großen Musikergesamtausgaben präsentiert werden, die nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen wurden. Gleichzeitig wurden die Archiv- und Forschungsbestände des Göttinger Bach-Instituts, das während der deutschen Teilung zusammen mit dem Bach-Archiv die editorische Ver­antwortung geteilt hatte, nach Leipzig gebracht und mit den dortigen Unter­lagen vereinigt. Nunmehr hat die BachForschung damit in Leipzig, der historischen Hauptwirkungsstätte Johann Sebastian Bachs, ihre angestammte Heimat. Das Bach-Archiv Leipzig entfaltet damit weit über seine fachlichen Aufgaben hinaus Strahlkraft als eine Kulturund Forschungseinrichtung von nationaler Bedeutung. Ich freue mich sehr, dass die Stiftung Bach-Archiv Leipzig erstmals einen ausführlichen Jahres- und Rechenschaftsbericht vorlegt, der die Breite und Vielfalt ihres Wirkens darstellt.

Bernd Neumann, MdB Staatsminister bei der Bundeskanzlerin Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien

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Höfischer Prunk, kirchliche Tradition, freier Handel, Standorte von Forschung und Lehre, sowie bahnbrechende Bild-, Ton- und Baudenkmäler des Barock können exemplarisch als Metaphern für Herkunft, Erfolg und Identität des heutigen Freistaates Sachsen gewertet werden. Johann Sebastian Bach war ein Virtuose, Kapellmeister, Kantor und Musikdirektor, der sich in diesem Klima nicht nur etabliert, sondern es mit den Mitteln seines Metiers zu einem Höhepunkt geführt und damit eine musikalische Zeitenwende eingeleitet und geprägt hat. Zwischen dem thüringischen Eisenach und dem sächsischen Dresden gibt es auch heute kaum einen Flecken, der nicht Bachsche Spuren aufweist. Es gehört infolge dessen zu einem wichtigen Bestandteil sächsischer Kulturpolitik, die Bewahrung des Bachschen Erbes im Rahmen der Aufgaben des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst (SMWK) durch institutionelle und projektbezogene Zuwendungen zu unterstützen. Das Bach-Archiv Leipzig nimmt dafür die wichtigste fachliche und auch koordinierende Stellung in Sachsen ein. So konnte etwa eine Studie der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen zur Festivalstruktur in Sachsen 2007 zeigen, dass das Leipziger Bachfest für die Wahrnehmung Sachsens als Musikland eine bedeutende Rolle einnimmt. Als starke Forschungseinrichtung kann das Bach-Archiv mit seiner anhaltinischen Schwestereinrichtung Stiftung Händelhaus Halle einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Ständigen Konferenz Mitteldeutscher Barockmusik leisten. Auch die vom Freistaat und vom Bund wesentlich geförderte Sanierung des historischen Bosehauses am Leipziger Thomaskirchhof wird ab 2009 dazu beitragen, dass das Bach-Archiv mit seinem renommierten Forschungsinstitut ein erneuertes Zentrum im Herzen Leipzigs erhält.

Dr. Eva-Maria Stange Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst

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Leipzig ist aus historischer Perspektive immer „Bach-Stadt“ gewesen, der große Komponist und Thomaskantor verkörpert bis heute für die Bürger­ innen und Bürger eine herausragende Identifikationsfigur und ein Sinnbild ersten Ranges. Bezüge dazu finden sich im Kultur- und Stadtbild zuhauf: die Thomas- und die Nikolaikirche, der Thomanerchor mit dem Thomaskantor als direktem Amtsnachfolger Bachs sowie nicht zuletzt das Gewandhausorchester als bürgerlich gegründeter Spross des Collegium musicum, welchem Bach als Director musices seinerzeit vorstand. Ein von Felix Mendelssohn Bartholdy in tiefem Respekt gestiftetes Denkmal erinnert an den wohl berühmtesten Musiker unserer Stadt ebenso, wie das vor genau 100 Jahren von Carl Seffner geschaffene Monument am Thomaskirchhof, ins­ besondere selbstverständlich das ungeheure musikalische Vermächtnis, das Bach uns aus seiner Leipziger Zeit hinterlassen hat. All dies prägt das Selbstverständnis unserer Stadt, erfüllt ihre Bürgerschaft mit Stolz und ist für Bachfreunde rund um den Globus ein Faszinosum von einzigartiger Authentizität. Das Bach-Archiv spürt den Verbindungen, welche sich zwischen der Person Johann Sebastian Bachs und der Stadt Leipzig ergeben, auf vielfältigste Weise nach. Mittlerweile erstreckt sich seine Arbeit auf alle städtischen und sogar mitteldeutschen Stadt-, Kirchen- sowie Privatarchive. Durch aufge­fun­ dene Dokumente und Quellen ergibt sich so ein zunehmend vollstän­ digeres Bild der persönlichen wie beruflichen Beziehungen innerhalb der Musikerszene des 18. Jahrhunderts. Die Bibliothek integriert ihre wert­ vollen Bestände in zeitgemäße, weltweit nutzbare Recherche- und Katalogsysteme. Das Bach-Museum mit seiner museumspädagogischen Abteilung entwickelt erfolgreich Kontakte zu Leipziger Museen, Schulen und anderen öffent­l ichen wie privaten Bildungsträgern, um ein breites Vermittlungs­ angebot abzusichern.

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Ein Höhepunkt im kulturellen Leben unserer Stadt sowie auch im Wirken der Stiftung Bach-Archiv schließlich ist das Leipziger Bachfest. Es versteht sich als authentisches, mit den Originalspielstätten verbundenes und einer werkgetreuen Aufführungspraxis verpflichtetes Festival, welches in seinenProgrammen immer wieder auch den Wirkungen und Auswirkungen, Re­ flexionen und Spiegelungen nachspürt, die alle nachfolgenden Musikerund Künstlergenerationen dem Bachschen Schaffen abgewonnen haben und bis heute abgewinnen. Das Bachfest Leipzig schreibt nicht nur die über ein­hundertjährige Tradition der Leipziger Bachfeste fort, sondern ist seit 1999 zu einem der wichtigsten Klassikfestivals gewachsen. Der erste Jahres- und Rechenschaftsbericht der Stiftung Bach-Archiv resümiert einerseits die erfolgreiche Gründungsphase der Stiftung und gibt andererseits einen Ausblick in fortzuführende wie künftige neue Aufgaben. Ich wünsche der Stiftung weiterhin viel Erfolg für ihre Arbeit und Ihnen, den musikinteressierten Leserinnen und Lesern des vorliegenden Berichtes, eine anregende Lektüre.

Burkhard Jung Oberbürgermeister der Stadt Leipzig

Grusswort e

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2. Vorwort

Mit Ablauf des Berichtsjahres 2007 kann die Stiftung Bach-Archiv Leipzig auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Anfang 1998 war die im Bach-Gedenkjahr 1950 gegründete Einrichtung der Stadt Leipzig in eine von Stadt, Bund und Land geförderte Stiftung überführt worden. Hatte das Bach-Archiv bereits seit Auf­hebung der Teilung Deutschlands er­heb­liche Unterstützung durch die Bonner Regierung erfahren, so wurde mit der Stiftungsgründung zugleich die überregionale Bedeutung der Einrichtung besiegelt, die dann bereits 2001 im sog. Blaubuch der Bundesregierung als „Leuchtturm“ unter die „wichtigsten gesamtstaatlich bedeutsamen Kultureinrichtungen“ der neuen Bundesländer gezählt wurde. Zehn Jahre nach Stiftungsgründung halten wir es im Blick nicht nur auf unseren stetig wachsenden Freundes- und Interessentenkreis, sondern gerade auch auf unsere staatlichen Zuwendungsgeber und privaten Förderer für sinnvoll und angemessen, den Jahresbericht 2007 in neuer Gestalt vorzulegen. Er bietet zwar keinen Rückblick auf das vergangene Jahrzehnt, sondern nur auf ein einzelnes Jahr, doch soll gerade in diesem “pars pro toto” deutlich werden, welche Funktion das Bach-Archiv mit seinen viel­ fältigen Tätigkeits­feldern jahraus-jahrein innerhalb der weiteren Kultur­ landschaft ausübt. Johann Sebastian Bach zählt unter die besonderen Glücksfälle der Menschheitsgeschichte. Die weltweit benutzte wissenschaftlich-praktische Gesamtausgabe seiner Werke, deren Abschluss wir 2007 nach mehr als 55 Jahren feierlich begehen konnten, bietet dafür ein eindrucksvolles Zeichen. Die Ausstrahlung seiner Musik kennt seit langem keine Grenzen mehr. Das Bach-Archiv Leipzig, an der wichtigsten Wirkungsstätte des großen Kom­ ponisten angesiedelt, ist auf lange Sicht und in besonderer Weise mit der Pflege des Bachschen Erbes betraut. Da es sich hier jedoch nicht um eine retrospektive Angelegenheit handelt, stehen wir gemeinsam mit der BachStadt Leipzig und unserem ganzen Land vor einer kulturellen Heraus­for­ derung und einer Verpflichtung für die Zukunft. Der Name Bach ist heute in aller Munde. Wohl aber kann seine Musik in immer wieder neue Kontexte gestellt werden, die das ästhetische Erlebnis vertiefen, das Kunstverständnis fördern und sein Leben und Werk auf breiter

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Basis vermitteln. Aktueller denn je sind zudem die Aufgaben der Forschung, und das Bach-Archiv bewegt sich hier an vorderster Front. Von Neu­ ent­deckungen und Neuerkenntnissen profitieren Wissenschaft und Praxis weltweit. Und da Bachs Name wie kein anderer mit den Grundlagen der klassischen Musik und ihrem Qualitätsanspruch verbunden ist, werden auch ans Bach-Archiv entsprechend hohe Erwartungen gestellt, immer wieder als treibende Kraft zu fungieren. Dies wiederum führt dazu, dass unsere Mitarbeiter in allen Abteilungen in besonderem Maße gefordert sind. Der vorliegende Bericht dokumentiert nicht nur eine dynamische Teamarbeit, sondern auch herausragende Leistungen einzelner. Als Stiftungsvorstand nehmen wir darum gerade auch an dieser Stelle die Gelegenheit wahr, den Dank an unsere Mitarbeiter nach außen hin sichtbar zu machen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Wolff

Dr. Dettloff Schwerdtfeger

Vorwort

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Eingangshalle im Bosehaus

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3. Bach-A rchiv Leipzig

Das Bach-Archiv ist eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts und wird getragen von der Stadt Leipzig, der Bundesrepublik Deutschland und dem Freistaat Sachsen. Im Zentrum seiner Tätigkeit stehen • kustodiale Verpflichtungen – Pflege und Ausbau eines umfassenden Archivs kostbarer Bachscher Originalhandschriften und Dokumente sowie wichtiger historischer Quellen- und Anschauungsmaterialien zum Thomas kantor Bach und seinem näheren und weiteren Umfeld; • wissenschaftliche Ziele – Erforschung von Leben, Werk und Umfeld Johann Sebastian Bachs, der Wirkungsgeschichte seiner Musik unter Einbeziehung der bedeutenden thüringisch-sächsischen Musikerfamilie Bach vom 16. bis ins 19. Jahrhundert; • bibliothekarische Funktionen – Bereitstellung und Aktualisierung eines umfassenden Bestandes einschlägiger Fachliteratur, Musikalien und Tonträger sowie bibliographische Erfassung des internationalen Bach Schrifttums in einem Online-Katalog;

„Komponistensonne“, Stich von 1799

Bach-A rchi v L eip zig

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• •

Der Thomaskirchhof, Stich von 1723

museale Aufgaben – Vermittlung von Johann Sebastian Bachs Leben und Wirken im historischen Kontext mit Schwerpunkt Leipzig in einer Dauerausstellung und wechselnden Sonderausstellungen, ergänzt durch vielfältige museumspädagogische Angebote; musikalische Veranstaltungen – Planung und Organisation des jährlichen Bachfestes der Stadt Leipzig, des Internationalen Bach-Wettbewerbs sowie von Konzerten, Vorträgen und Meisterkursen.

Als gut ausgestattetes Forschungsinstitut bietet das Bach-Archiv Musikwissenschaftlern, Musikern und Musikliebhabern aus aller Welt ein attraktives Studienzentrum. Das vielseitige Veröffentlichungsprogramm (Bücher, Periodika, Kataloge, Editionen, Faksimile etc.) richtet sich an einen breiten Interessentenkreis. Weiterhin unterstreichen das täglich geöffnete Bach-Museum und ein reiches Veranstaltungsangebot den bewussten Öffentlichkeitsbezug und die lokale Präsenz des Institutes. So leistet das Bach-Archiv mit seiner vielfältigen Aufgabenstellung einen wesentlichen Beitrag zur internationalen Ausstrahlung der Bachund Musikstadt Leipzig. Das Bach-Archiv befindet sich an historischer Stätte im Bose­ haus am Thomaskirchhof gegenüber der Thomaskirche. Ein besonderes Kleinod des stattlichen Gebäudes, das einst dem wohl­ habenden und kunstliebenden Kaufmann Georg Heinrich Bose gehörte und in dem Bach ein und aus ging, ist der einzigartige barocke Festsaal mit seiner Musiker­ empore. Patenschaften stifteten enge Bande zwischen den benachbarten Familien Bach und Bose, und Anna Magdalena Bach fand in Christiana Sybilla Bose gar ihre „Hertzens-Freündin“.

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4. Berichte der A bteilungen

4.1. Forschungsinstitut Internationales Zentrum der Bach-Forschung Zu den zentralen Aufgaben des Bach-Archivs gehören die Erforschung von Leben und Werk Johann Sebastian Bachs, der weit verzweigten thüringischsächsischen Musikerfamilie Bach, der Wirkungsgeschichte Bachs und der Geschichte des Thomaskantorats sowie die Vermittlung der Forschungs­ ergebnisse an Wissenschaft und Praxis.

Aufgaben und Ziele

Den Vermittlungsauftrag erfüllen die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Instituts nicht allein durch Veröffentlichungen, sondern auch durch Vorträge, Referate bei wissenschaftlichen Tagungen und regelmäßige Lehraufträge an den Universitäten Leipzig, Halle-Wittenberg, Berlin und Dresden. Das Bach-Archiv arbeitet auf nationaler und internationaler Ebene eng mit verschiedenen Institutionen zusammen, darunter die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und das Packard Humanities Institute (Los Altos, California, und Cambridge, Massachusetts). Bach-Experten aus aller Welt sind regelmäßig in Leipzig zu Gast, um die einzigartigen Recherchemöglichkeiten des Bach-Archivs zu nutzen und den wissenschaftlichen Austausch zu pflegen.

Schwerpunkte 2007 Abschluss der Neuen Bach-Ausgabe (NBA) Gefördert von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften 2007 fand ein einzigartiges Editionsprojekt nach mehr als 50 Jahren seinen Abschluss: die NBA, herausgegeben seit 1954 vom Johann-Sebastian-BachInstitut Göttingen und dem Bach-Archiv Leipzig. Die Ausgabe, in der nun erstmals Bachs gesamtes kompositorisches Schaffen vorgelegt wurde, umfasst 103 Notenbände, zu denen jeweils ein kritischer Bericht gehört, und füllt mehr als vier Regalmeter. Dazu kommen fünf Addenda-Bände, ein Supplementband und acht Dokumenten-Bände. Mit dem Abschluss dieses Projekts liegt das Gesamtwerk eines der wichtigsten deutschen Komponisten in einer Weise vor, die bis heute Vorbildcharakter für alle großen Musiker-Gesamt-

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Kooperationen


ausgaben besitzt. Wissenschaft und Praxis profitieren von den bahnbrechenden Editionsmethoden der NBA. Aufgrund der Aufsehen erregenden Erkenntnisse, die im Zusammenhang mit den Arbeiten an der NBA gewonnen wurden, kam der Bach-Forschung stets eine Vorreiterfunktion innerhalb des Faches zu. Wasserzeichen- und Schriftuntersuchungen wurden in der Folge – zum Teil in modifizierter Form – auch in anderen Zweigen der Forschung angewandt und bestimmten maßgeblich die Methoden­d iskussion in den 1960er und 1970er Jahren. In ihrem Ergebnis spiegelt die Neue Bach-Ausgabe als gesamtdeutsches Unternehmen auch ein beträchtliches Stück deutsch-deutscher Geschichte und Wissenschaftsgeschichte wider. Aktualisierung der NBA

Die NBA – insgesamt gut 210 Bände

Revidierte Edition der Neuen Bach-Ausgabe – Neuausgabe der h-Moll-Messe Die jahrzehntelange Laufzeit der NBA brachte es mit sich, dass während der Arbeiten weitere Quellen entdeckt, Erfahrungen gesammelt und Erkenntnisse gewonnen wurden, die sich auch auf bereits erschienene Bände beziehen. Bach-Archiv und Bärenreiter-Verlag haben daher eine Vereinbarung über eine dauerhafte wissenschaftliche Aktualisierung der NBA getroffen. Als erster Band der revidierten Edition soll 2009 die h-Moll-Messe neu herausgegeben werden, deren Partitur derzeit unter Mitwirkung der Bundesanstalt für Materialforschung erstmals auf die authentische autographe Textgestalt der Messe hin untersucht wird. Es ist bekannt, dass Johann Sebastian Bachs zweitältester Sohn Carl Philipp Emanuel vor allem im Credo erheblich in den Notentext eingegriffen hat. Oftmals ist an dem – zudem durch Tintenfraß geschädigten – Manuskript nicht mehr zu erkennen, was der Vater und was der Sohn geschrieben haben. Zur eindeutigen Unterscheidung der ursprünglichen Niederschrift Johann Sebastian Bachs von späteren Bearbeitungen wurde im September 2007 probeweise eine Auswahl an problematischen Stellen mittels Röntgenfluoreszenzanalyse untersucht. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Zusammensetzung der Tinten bei Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach hinreichend unterschiedlich ist, um sie mit hoher Sicher-

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heit getrennt zu identifizieren. Daher wurden die Untersuchungen am Autograph im ersten Quartal 2008 systematisch fortgesetzt. Die Ergebnisse könnten die allen bisherigen Aus­gaben des Werkes zugrunde liegenden Thesen widerlegen und werden mit Spannung erwartet. Röntgenfluoreszenzanalyse am Bach-Autograph

Expedition Bach: Dokumentation der Musikerfamilie Bach in den staat­lichen, städtischen und kirchlichen Archiven Mitteldeutschlands Gefördert von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung Dem Ziel einer vollständigen Sichtung der Aktenmaterialien zu Kantoren, Organisten und musikalischen Belangen in sämtlichen Städten des historischen Mitteldeutschlands ist das 2002 begonnene Langzeit-Projekt im vergangenen Jahr ein weiteres Stück näher gekommen. Mittlerweile wurden in 260 von insgesamt 400 Orten die Akten ausgewertet. Besonders im thüringer Raum konnte eine Reihe von bisher unbekannten Archivalien und Briefen der Bach-Familie erschlossen, digitalisiert und aufbereitet werden, darunter 20 Dokumente, die direkt Johann Sebastian Bach betreffen. Daneben gab es andere, wenn auch nicht Bach-bezogene, so doch musikgeschichtlich bedeutsame Funde, etwa unbekannte Autographen von Heinrich Schütz, Georg Friedrich Händel, Heinrich Grimm und Georg Philipp Telemann. Der 2006 gelungene Fund der frühesten bislang bekannten Notenhandschriften Johann Sebastian Bachs in der sogenannten „Weimarer Orgel­ tabulatur“, der das Wissen über die frühe Biographie des Komponisten wesentlich konkretisiert hat, konnte 2007 im Faksimile (mit Übertragung und Kommentar) vorgelegt werden. Die Sichtung der historischen Archivalien aus dem Ohrdrufer und Lüneburger Gebiet ebenso wie in den Weimarer Bibliotheken und Archiven wurde 2007 fortgesetzt. Daneben werden seit März 2007 auch Johann Sebastian Bachs Kontakte ins heutige Tschechien in die „Expedition Bach“ einbezogen. Bekannt waren Bachs Kontakte zu

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Feldforschung


katholischen Grafen in den böhmischen und mährischen Reichsgebieten zwar schon lange, der „eiserne Vorhang“ machte aber detaillierte Studien in tschechischen Archiven bis vor wenigen Jahren unmöglich. Heute zeigt sich, dass die betreffenden Aktenüber­l ieferungen erstaunlich reichhaltig sind und nur mit großem Zeitaufwand systematisch ausgewertet werden können. Insbesondere neue Erkenntnisse über Bachs Kontakte zu dem Reichsgrafen Jan Adam von Questenberg, residierend in Jaromeˇrˇ ice (bei Brno), deuten an, dass hier tatsächlich noch eine Grauzone in Bachs Bio­ graphie vorliegt, deren weitere Erkundung ganz fundamentale Fragen zu Bachs Wirken beantworten könnte. Staubiges Archiv irgendwo in Mitteldeutschland

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L aufende Projekte Editionen • Neue Bach-Ausgabe (NBA), revidierte Edition • Carl Philipp Emanuel Bach: The Complete Works Ein Projekt des Packard Humanities Institute in Zusammenarbeit mit dem Bach-Archiv Leipzig, der Sächsischen Akademie der Wissenschaften und der Harvard University • Wilhelm Friedemann Bach: Gesamtausgabe Gefördert aus Mitteln des Packard Humanities Institute • Edition Bach-Archiv Leipzig: Musikalische Denkmäler (ausgewählte Werke aus J. S. Bachs Notenbibliothek und dem Umfeld Bachs) Musikalische Quellenforschung Dieser Aufgabenbereich dient zum einen dem Nachweis und der Erforschung der Überlieferungsgeschichte von musikalischen Werken der Bach-Familie, zum anderen der philologischen Revisionsarbeit an den verschiedenen BachAusgaben. Das Auffinden unbekannter Handschriften und das Aufspüren verschollener Quellen, insbesondere aus dem Bestand kriegsbedingt ausgelagerter Materialien auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, zählen zu den vordringlichen Aufgaben. 2007 gelang in der Russischen Staats­ bibliothek Moskau die Entdeckung des aus Dresden stammenden singulären Originaltextdruckes der Kantate BWV 205a. Bach-Repertorium Langfristiges Forschungsprojekt der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, angesiedelt im Bach-Archiv Leipzig und gefördert aus Mitteln des Packard Humanities Institute Projekt zur Erarbeitung von Werkverzeichnissen, Quellenkatalogen und Dokumentensammlungen zu den musikalischen Aktivitäten der Familienmitglieder um Johann Sebastian Bach. Derzeit in Arbeit bzw. vor dem Abschluss befindlich: • Werkverzeichnis Johann Christoph Friedrich Bach • Werkverzeichnis Wilhelm Friedemann Bach • Werkverzeichnis Carl Philipp Emanuel Bach (Vokalwerke) • Die Bach-Quellen der Bibliotheken in Wien und Alt-Österreich Bach-Rezeption Gefördert aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und des Freistaates Sachsen, Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (siehe Kapitel 5.1, S. 41)

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Wissenschaft für die Praxis

Überlieferungsgeschichte

Bach-Familie


Bach-Autographe im www

Literaturnachweis

Titel „Johann Sebastian Bach d. J.“

Digitalisierungsprojekte Bach Digital Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Ein Konsortium aus Staatsbibliothek zu Berlin (federführend), Bach-Archiv Leipzig, Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek Dresden und Rechenzentrum der Universität Leipzig plant, die Originalhandschriften der Bachschen Werke zu digitalisieren und über das Internet für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Über 90% der er­h altenen Quellen befinden sich in Berlin und Leipzig; langfristig an­gestrebt wird darüber hinaus der internationale Zusammenschluss sämtlicher Quellenbesitzer. Diese digitale Autographenbibliothek ist ein musik­geschichtliches Pilotprojekt ersten Ranges und für Wissenschaftler wie Praktiker gleichermaßen von Interesse. Bach-Bibliographie Gefördert aus Mitteln des Packard Humanities Institute Die von Yo Tomita (Queen’s University, Belfast) entwickelte, Internet-basierte „Bach Bibliography“ (www.npj.com/bach) wird institutionell an das BachArchiv angebunden. Vorgesehen sind eine direkte Verbindung mit dem Online-Katalog des Bach-Archivs und langfristig die Übernahme der Bibliographie. 2007 wurden die technischen Voraus­setzungen für das Projekt überprüft. Veröffentlichungen (siehe S. 55) Das Veröffentlichungsprogramm des BachArchivs besteht derzeit aus folgenden Fort­ setzungsreihen: • Neue Bach-Ausgabe, revidierte Edition • Bach-Dokumente • Faksimile-Reihe Bachscher Werke und Schriftstücke – Neue Folge • Edition Bach-Archiv Leipzig • Leipziger Beiträge zur Bach-Forschung • Bach-Repertorium • W. F. Bach: Gesamtausgabe • C. P. E. Bach: The Complete Works • Bach-Jahrbuch (in Verbindung mit der Neuen Bachgesellschaft)

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4.2. Bibliothek Gesa mmeltes Wissen, wachsende Erkenntnis Die Bibliothek des Bach-Archivs bietet eine einzigartige Spezialsammlung zum Thema Bach und zur Geschichte des Leipziger Thomaskantorats, der ältesten und bedeutendsten kirchenmusikalischen Institution Deutschlands, die 2012 ihr 800-jähriges Bestehen feiern kann. Zu den Schätzen der Sammlung zählen Bach-Handschriften und Originaldrucke sowie die Restbestände der alten Thomasschulbibliothek. Ein großer Bestand an wissenschaftlicher Literatur, Musikalien und Tonträgern ergänzt die Möglich­keiten der Bach-Recherche, die Musikwissenschaftler, Musiker und Studenten aus aller Welt schätzen und nutzen.

Erwerbungen und Erschliessung Die tabellarische Übersicht zeigt die kontinuierliche Bestandsentwicklung aller Sammlungsbereiche in den letzten fünf Jahren. Im Berichtsjahr konnte die Sammlung beispielsweise um 429 Monografien, 711 Musikalien, 264 Tonträger sowie 33 Handschriften erweitert werden. Damit ist der Gesamtbestand auf 52.688 BE (Bestandseinheiten) angewachsen.

Bestands-

entwicklung

B e s ta n d s e n t w i c k l u n g B i b l i o t h e k 2 0 0 3 – 2 0 0 7 2003

2004

2005

2006

2007

Monographien

8.877

9.371

9.828

10.294

10.723

Musikalien

9.335

9.535

9.778

10.193

10.904

Handschriften und Autographen

789

810

812

812

845

Erst- und Frühdrucke (Rara)

418

440

470

500

516

13

13

13

18

19

5.062

5.159

5.299

5.459

5.723

13.664

15.011

16.358

17.705

19.052

23

23

23

23

24

Sammlung Münzen und Medaillen

137

138

138

138

139

Sammlung Graphik

553

556

653

684

687

1.920

1.999

2.200

2.296

4.056

40.791

43.055

45.572

48.122

52.688

Gelehrten-Nachlässe Tonträger Sammlung Mikroformen Sammlung Plastiken und Büsten

Sammlung Quellenkopien Gesamtbestand

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Rara-Bestände in der Bibliothek

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Die Retrokatalogisierung der Musikalien wurde Anfang 2007 abgeschlossen. Somit sind diese wichtigen Bestände im Online-Katalog recherchierbar. Noch in Vorbereitung ist hingegen die elektro­nische Katalogisierung der Gelehrten-Nachlässe in der Datenbank „Kalliope“ (Helmut Banning, Friedrich Ehrlinger, Martin Falck, Gottfried Fauck, Georg Feder, Conrad Freyse, Manfred Gorke, Winfried Hoffmann, Hans Löffler, Rudolf Mauersberger, Fritz Müller, Werner Neumann, Bernhard Friedrich Richter, Ernst Friedrich Richter, Irmgart Rubardt, Wilhelm Rust, Karl Straube, Max Schneider, Wolfgang Schmieder, Ernest Warburton). Die Erschließung der hauseigenen Graphikbestände wurde im Berichtszeitraum fertig gestellt und ihre Überführung in das geplante umfassende Online-Bildarchiv zum Thema Bach vorbereitet.

Erschließung

Einige die Sammlung ergänzende antiquarische Raritäten verdienen besondere Hervorhebung: Carl Philipp Emanuel Bach: Sei Sonate per Cembalo ... Nürnberg: Balthasar Schmid, [1742] Erworben mit Unterstützung der Vereinigung der Freunde des Bach-Archivs Leipzig e. V. Johann Sebastian Bachs zweitältester Sohn war 1738–1768 als Cembalist am Hof Friedrichs d. Gr. tätig und trat 1742 zum ersten Mal mit einer repräsentativen Sammlung von Klavierwerken an die Öffentlichkeit. Er widmete sein Opus 1 seinem damaligen Dienstherrn, und aus dieser Zueignung leitete sich der noch heute gebräuchliche Titel „Preußische Sonaten“ ab. Mit dem Ankauf der besonders seltenen Ausgabe der Sechs Sonaten Wq 48 konnte das Bach-Archiv seine Reihe der Originaldrucke C. P. E. Bachs um ein bedeutendes Objekt erweitern.

Wertvolle

Erdmann Neumeister: Fünfffache Kirchen-Andachten: bestehend in ... Arien, Cantaten und Oden auf alle Sonn- und Fest-Tage ... Leipzig: Großens Erben, 1716 Erdmann Neumeister, der Weißenfelser Hofprediger, dessen Porträt dem Band als Frontispiz beigefügt ist, stellt eine Schlüsselfigur in der Geschichte der Kirchenkantate dar. Seine Dichtungen wurden von allen führenden Komponisten der Zeit – darunter Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach – vertont. Die für die Höfe zu Weißenfels, Rudolstadt und Eisenach geschriebenen und 1702–14 gedruckten fünf Kantatenjahrgänge erschienen 1716 in einer Gesamtausgabe.

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Erwerbungen


Johann Sigismund Scholze: Singende Muse an der Pleisse in 2 mahl 50 Oden, der neuesten und besten musicalischen Stücke mit den dazugehörigen Melodien Enthält außerdem: Erste Fortsetzung in 2. mahl 25 Oden. – Zweyte Fortsetzung in 2. mahl 25 Oden. – Dritte Fortsetzung in 2. mahl 25 Oden. 4 Teile in einem Band. Leipzig: 1747 Die ab 1736 erschienenen Liedersammlungen des Leipziger Komponisten Johann Sigismund Scholze zählen zu den zentralen Zeugnissen des deutschen Liedes in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die unterschiedlichen Auflagen und Teile sind rare und begehrte Sammelobjekte. So ist es ein großer Glücksfall, dass der Ankauf einer vollständigen Reihe gelungen ist. Zwei der von Scholze veröffentlichten Lieder sollen – einer älteren Über­ lieferung zufolge – Kompositionen Johann Sebastian Bachs sein. Johann Ernst Bach: Sammlung auserlesener Fabeln mit darzu verfertigten Melodeyen, I. Theil Nürnberg: Johann Ulrich Haffner, [1749] Der Eisenacher Organist und Kapellmeister Johann Ernst Bach war nicht nur ein Neffe und Patenkind Johann Sebastian Bachs, sondern genoss während seiner Leipziger Studienzeit in den späten 1730er Jahren auch dessen Unterricht. Neben den Bach-Schülern Johann Friedrich Doles und Gottfried August Homilius zählt Bach zu den wichtigsten Komponisten von Kirchenkantaten in der Zeit nach 1750. Sein umfangreiches Schaffen wird derzeit vom Bach-Archiv im Rahmen des Repertorium-Projektes verzeichnet. Die Liedersammlung von 1749 (ein zweiter Teil ist nicht erschienen) gehört zu den wenigen gedruckten Werken Johann Ernst Bachs. Von diesem Originaldruck waren bislang weltweit nur drei Exemplare bekannt; das nunmehr aus Privatbesitz erworbene Exemplar ist das vierte.

Brief Forkels von 1801

Johann Nikolaus Forkel: 26 Briefe an Hoffmeister & Kühnel, 1801–1814 Im Jahr 1800 – genau fünfzig Jahre nach Johann Sebastian Bachs Tod – begann der Leipziger Verlag Hoffmeister & Kühnel (später C. F. Peters) mit einer ersten Gesamtausgabe der Bachschen Klavierwerke. Als Fachberater dieses Unternehmens diente der Göttinger Musikdirektor und BachKenner Forkel, der sich 1802 mit der ersten Bach-Biographie einen besonderen Namen erwarb. Die umfangreiche Korrespondenz Forkels mit dem Verlag gehört somit zu den wichtigsten Dokumenten der frühen Bach-Rezeption. Im Mai 2007 gelangten die in Privatbesitz befindlichen Original-

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briefe Forkels bei Sotheby’s (London) zur Versteigerung und wurden von Elias N. Kulukundis erworben. Herr Kulukundis, Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Bach-Archiv Leipzig, übereignete dem Institut die Forkel-Briefe anlässlich der Kuratoriums­sitzung zu Beginn des Bachfestes 2007. Wissenschaftlicher Nachlass des Johann-Sebastian-Bach-Instituts Göttingen Nach dem Abschluss der Neuen Bach-Ausgabe wurde die 1951 als Editionsinstitut gegründete Göttinger Einrichtung geschlossen. Der wissenschaft­ liche Nachlass wurde der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz übereignet, die im Rahmen des Akademienprogramms für die Musiker-Gesamtausgaben zuständig ist. Die Mainzer Akademie übergab den Nachlass dem Bach-Archiv, damit er auf Dauer öffentlich zugänglich ist. Der Großteil der Göttinger Bestände wurde im Januar 2007 übernommen. Damit wurde es möglich, den Leipziger Bestand an Handschriften, Quellen­ kopien, Musikdrucken, wissenschaftlicher Literatur und CDs sinnvoll zu ergänzen und vorhandene Sammlungslücken zu schließen. 2007 wurde mit der Erschließung der Materialien begonnen. Die Übergabe der restlichen Bestände wird im August 2008 erfolgen.

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: 23

Ankunft des Göttinger Nachlasses (erste Lieferung)


Bestandserhaltung und interimistische Auslagerung Mit Hilfe der Alfried Krupp von Bohlen und HalbachStiftung konnten im Berichtszeitraum wertvolle Handschriften und historische Buchbestände restauriert und digitalisiert werden. Außerdem wurden Blätter der graphischen Sammlung restauratorisch behandelt und digitalisiert. Im Dezember wurden die Rara-Bestände der Bibliothek (Handschriften und Drucke) im Vorgriff auf die Anfang 2008 einsetzenden Bauarbeiten im Bosehaus mit säurefreien Kassetten versehen und in das Spezialmagazin der Universitätsbibliothek Leipzig verbracht. Sie sind dort während des Interims bedingt zugänglich. Nutzung Im Berichtszeitraum haben 310 Besucher die Serviceleistungen der Bib­ liothek vor Ort in Anspruch genommen. Nicht eigens ausgewiesen sind Dauernutzer, denen die Bibliothek für bestimmte, oft längerfristige Forschungsprojekte dient. Außerdem wurden von den Mitarbeitern zahlreiche

Quittungsbuch des Nathanischen Legats

Bibliotheksbenutzung 400

394

350 300

370

360

338

328

316

310 280

250 200 150 100

111

133

50 2003

2004

Zahl der Benutzer im Lesesaal

2005

2006

Zahl der beantworteten Fragen

24 : Ber icht e der A bt eilu ngen

2007


Nutzeranfragen bearbeitet, die neben Recherchen und Auskünften zu Bilddokumenten auch reprographische Leistungen einschlossen. Im seit 2005 zur Verfügung stehenden Online-Bibliothekskatalog recherchieren monatlich durchschnittlich ca. 450 Nutzer. Die Zahl der Anfragen stieg 2005 mit dem Online-Zugang des Kataloges sprunghaft an – vergleichbar der Steigerung der Benutzerzahl, die 2001 vor Einrichtung des öffentlichen Lesesaals 181 betrug. Umsignierung für Freihandaufstellung Im Oktober wurde mit der Umsignierung des Buchbestandes für die spätere Freihandaufstellung im Lesesaal des neu strukturierten Bibliotheksbereichs im Bosehaus begonnen. Ziel ist die Umsignierung des gesamten Buchbestandes nach einer modifizierten Form der Regensburger Verbundklassifikation. Das in den 1950er Jahren für das Bach-Archiv entwickelte Signaturensystem hält dem Wachstum des Bestandes und seiner Nutzung auf Dauer nicht stand. Zeitschriftenverbund Seit 2007 sind die Zeitschriftenbestände des Bach-Archivs im zentralen Verbund der Zeitschriftendatenbank (ZDB) verzeichnet. Alle Veränderungen im Bestand werden an die ZDB gemeldet und im Katalog abgebildet.

4.3  Bach-Museum Lebendige Geschichte, bleibende Inspir ation Das Bach-Museum widmet sich mit der Dauerausstellung, wechselnden Sonderausstellungen und einem umfangreichen museumspädagogischen Programm in vielfältiger Weise dem Leben und Wirken Johann Sebastian Bachs. Dabei ist die besondere Struktur des Bach-Archivs mit seiner engen Verbindung zwischen Museums- und Forschungsabteilung von großem Vorteil: Wichtige Erkenntnisse und Funde der Bach-Forschung können im Museum schnell, verständlich und öffentlichkeitswirksam einem breiten Publikum präsentiert werden. Ein Glücksfall ohnegleichen ist die Authentizität des Ortes: Bach war im Haus seines Nachbarn Georg Heinrich Bose sicherlich oft zu Gast, und der Blick vom Bosehaus über den Thomaskirchhof hin zu Bachs einstiger Wirkungsstätte, der Thomaskirche, fasziniert Museumsbesucher immer wieder aufs Neue.

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: 25

Verbundsystem


Sonder ausstellungen 2007 Kompositionskunst anders. Der Zeichner Johann Sebastian Bach d. J. 25. Januar bis 18. April 2007 Johann Sebastian Bach der Jüngere (1748–1778), der gleichnamige Enkel des berühmten Thomaskantors und Sohn Carl Philipp Emanuel Bachs, machte sich als bildender Künstler einen Namen. Die Zeichnung war sein wichtigstes künstlerisches Medium, die Landschaft sein bevorzugtes Genre. Die Ausstellung zeigte die Lebensstationen Bachs und gab einen umfassenden Einblick in sein Schaffen. Kostbare Leihgaben kamen aus Berlin, Coburg, Darmstadt, Dresden, Hamburg und Leipzig sowie aus Privatbesitz. Zur Ausstellung erschien ein Œuvre-Katalog, der erstmals das Gesamtwerk des Bach-Enkels verzeichnet und abbildet (siehe S. 56). Die Erarbeitung des Katalogs wurde gefördert durch die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.

Zeichnungen von J.S. Bach d. J. im Bach-Archiv

Bach in Mühlhausen 26. April bis 19. September 2007 300 Jahre nach Bachs Amtsantritt als Organist in Mühlhausen widmete das Bach-Museum diesem kurzen, aber bedeutsamen Lebensabschnitt des Komponisten eine Sonderausstellung. Johann Sebastian Bach war gerade 22 Jahre alt, als er sich 1707 mit Erfolg um das Organistenamt an der Mühlhäuser Blasiuskirche bewarb. In seiner nur einjährigen Tätigkeit in dieser Position schuf er bedeutende Werke wie die Ratswahlkantate „Gott ist mein König“ BWV 71 – die erste seiner Kompositionen, die im Druck erschien. Außerdem erlebte er hier sein erstes Ehejahr mit seiner ersten Frau Maria Barbara. Zur Ausstellung erschien ein kleiner Katalog.

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Autographe zum Bachfest 23. Mai bis 20. Juni 2007 Anlässlich des Leipziger Bachfestes 2007 präsentierte das Bach-Museum Autographe von Johann Sebastian Bach. Zu sehen waren Originalhandschriften von Kompositionen, die während des Festivals aufgeführt wurden, darunter das Partiturautograph und Originalstimmen der Kantate „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ BWV 12, die autographe Partitur der Kantate „Es erhub sich ein Streit“ BWV 19 sowie das berühmte „AndreasBach-Buch“, das u. a. die Fantasie c-Moll BWV 1121 enthält. Die Neue Bach-Ausgabe 23. Mai bis 19. September 2007 Zum Abschluss der über 50-jährigen Arbeit an der Neuen Bach-Ausgabe zeigte das Bach-Museum eine Auswahl an Musikalien, Schriftstücken, Dokumenten und Fotos, die diesen wichtigen Abschnitt der Bach-Forschung lebendig werden ließen. Die Ausgabe ist nicht zuletzt ein einzigartiges Zeugnis deutsch-deutscher Wissenschaftsgeschichte, die über die Zeit des Kalten Krieges und der deutschen Teilung hinausreichte. Dieterich Buxtehude „ein weitberühmter Musicus und Organiste“ 27. September bis 30. Dezember 2007 Zum 300. Todestag des Organisten und Komponisten zeigte das Bach-Museum im Herbst 2007 eine reich bestückte Ausstellung zu dessen Leben und Wirken. Im Mittelpunkt standen Buxte­ hudes Zeit als Organist an der Lübecker Marienkirche, seine Aufsehen erregenden Abendmusiken sowie seine Wirkung auf Johann Sebastian Bach. Buxtehude war seinerzeit der unbestrittene Mittelpunkt des musikalischen Lebens in Lübeck. Dort entstand u. a. die Kantate „Herr, ich lasse dich nicht“, deren Originalstimmensatz aus der Universitätsbibliothek Uppsala in der Ausstellung präsentiert wurde und damit erstmals öffentlich zu sehen war. Zur Sonderausstellung erschien ein reich bebilderter Katalog.

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Ausstellungsplakat


Materialdruck / Bauzaunausstellung

Trompetenbasteln beim Sommerfest

Museumspädagogik 2007 wurde eine Reihe neuer museumspädagogischer Angebote entwickelt, darunter das Programm „Bach im Druck“, bei dem Künstlerbücher aus selbst gestalteten Materialdrucken hergestellt werden. Daneben wurde die Zusammenarbeit mit dem Forum Thomanum und dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig ausgebaut. So fanden sowohl Veranstaltungen in der mit dem Forum Thomanum kooperierenden Kindertagesstätte Hohe Straße als auch gemeinschaftliche Angebote und Lehrerfortbildungen mit dem Stadtgeschichtlichen Museum statt. Ein Höhepunkt der museumspädagogischen Arbeit war im Sommer der erstmals ausgelobte Malwettbewerb, der auf eine außerordentlich große Resonanz stieß. 342 Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 18 Jahren reichten selbst gestaltete Porträts von Johann Sebastian Bach ein, die von einer Jury unter der Schirmherrschaft von Juliane Kirchner-Jung, der Ehefrau des Leipziger Oberbürgermeisters, bewertet wurden. Jurymitglieder waren u.a. Dr. Hans-Werner Schmidt, Direktor des Museums der bildenden Künste Leipzig, und Prof. Dr. Thomas Fabian,

28 : Ber icht e der A bt eilu ngen


Dezernent der Stadt Leipzig für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule. Alle eingereichten Porträts waren von Ende Mai bis Ende Oktober 2007 auf einer Bauzaunausstellung gegenüber dem Leipziger Hauptbahnhof zu sehen. Die museumspädagogische Arbeit wurde 2007 unterstützt durch die Deutsche Bank. Museumspädagogische Sonderveranstaltungen 2007 • Ferienprogramme (Winterferien/Sommerferien/Herbstferien) • Geburtstagsfest für Johann Sebastian Bach (21. März) • Museumsnacht (21. April) • Internationaler Museumstag (20. Mai) • Sommerfest des Bach-Museums (4. August) (Gefördert von der Commerzbank A.G. Filiale Leipzig und der BW-Bank) • Sonderführungen zum Bachfest und Familientag des Bach-Museums • Tag des offenen Denkmals (9. September)

Bach-Museum auf Zeit

Neugestaltung des Bach-Museums/ Interimslösungen Wegen der anstehenden Umbau- und Erweiterungs­ arbeiten im Bosehaus wurde das Bach-Museum am 31. Dezember 2007 geschlossen. Um weiterhin in Leipzig präsent zu sein und auf die Neugestaltung des Museums hinzuweisen, wurden Mitte Januar 2008 in den benachbarten Gebäuden Thomaskirchhof 13/14 eine kleine Interimsausstellung und ein Museumsshop mit Café eröffnet. Das „Bach-Museum auf Zeit“ gibt den Besuchern einen Einblick in das Leben und Wirken des berühmten Thomaskantors sowie in die Umbaupläne des Bach-Archivs. Der Shop dient gleich­ zeitig als Informations- und Anlaufstelle für alle Bach-Interessierten. Für die neue Ausstellung im künftig deutlich erweiterten Bosehaus wurden im Berichtszeitraum der Besucherrundgang, das inhaltliche Raumkonzept sowie die Schnittstellen mit den anderen beteiligten Planern festgelegt und wichtige museumsrelevante Fragen wie Klimatisierung und Sicherheit geklärt. Mit dem Entwurf und der Realisierung der Ausstellungsgestaltung wurde das Büro „Homann Güner Blum. Visuelle Kommunikation“ aus Hannover beauftragt; die inhaltliche Konzeption wird von den Mitarbeitern der Abteilungen Museum und Forschung ausgearbeitet.

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Blick in die Ausstellung im Bach-Museum auf Zeit


Besucherentwicklung Im Berichtszeitraum besuchten 31.588 Personen das Bach-Museum. Die insgesamt 434 Führungsangebote und museumspädagogischen Programme wurden von 5.454 Personen genutzt. Ein nachhaltiges Wachstum ist mit der knapp zehn Jahre alten Dauerausstellung und angesichts der räumlichen Beschränkung nicht mehr zu erzielen; nach der Wiedereröffnung des Museums ist mit einer deutlichen Besuchersteigerung zu rechnen.

B e s u c h e r s tat i s t i k B a c h - M u s e u m Besucher 35.000 30.000 25.000

30.199

30.534

2004

2005

31.300

31.588

2006

2007

27.399

20.000 15.000 10.000 5.000 0

2003

Jahr

B e s u c h e r s tat i s t i k B a c h - M u s e u m n a c h M o n at e n Besucher 5.000 4.000 3.000 2.000 1.000 0

1

2

2003

3 2004

4

5

6

2005

7 2006

8

9

10

11

12

Monat

2007

Die Verteilung der Besucher im Bach-Museum weist saisonale Schwankungen auf. Die Verschiebung des Bachfestes von Ende Mai auf Anfang Juni in den Jahren 2006 und 2007 zeigt deutlich den Einfluss des Bachfestes auf die Museumseintritte.

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Auswärtige Ver anstaltungen der A bteilungen Forschung und Museum Wanderausstellungen Expedition Bach Auf der Suche nach unbekannten Bach-Dokumenten durchforsten Mitarbeiter des Bach-Archivs seit 2002 flächendeckend die Archive und Bibliotheken Mitteldeutschlands (siehe S. 15). Die seit 2006 laufende Wanderausstellung macht auf dieses für die regionale Kulturgeschichte bedeutsame Forschungsprojekt aufmerksam und stellt die bislang spektakulärsten Funde vor. Die Ausstellung wird in verschiedenen Filialen der Commerzbank gezeigt. Stationen 2007: Jessen: April 2007 Halle: Mai 2007 Köthen: Mai 2007 Leipzig: Mai bis Juni 2007 Merseburg: Juni 2007 Delitzsch: September 2007 Dessau: September bis Oktober 2007

Ausstellungstresen Expedition Bach

Bach – Mendelssohn – Schumann. Triumvirat der Musikstadt Leipzig Gefördert vom Goethe-Institut und Aus­wär­tigem Amt Die Wanderausstellung, die in Kooperation der Leipziger Komponisten­ häuser Bach-Archiv, Mendelssohn-Haus und Schumann-Haus erarbeitet wurde, informiert nun in einer chinesischen Fassung im Bach-Zentrum des Nanjing Arts Institute dauerhaft über Leben und Werk der drei Kompo­ nisten sowie über die musikhistorischen Verbindungen zwischen ihnen (siehe S. 41). Eröffnung: 25. Oktober 2007 Ausstellungseröffnung in Nanjing

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Johann Sebastians „Frau Liebste“ – Anna Magdalena Bach Anna Magdalena Bach war eine hervorragende Sängerin, eine zuverlässige Notenkopistin und Mutter von 13 Kindern, die in einem großen Haushalt lebte. Familie, Schüler, Dienstangelegenheiten des Leipziger Thomaskantors, häufige Besuche von Verwandten und Freunden – die Kantorenwohnung in der Thomasschule glich einem „Taubenhause u. deßen Lebhaftigkeit“. Mit einer Tafelausstellung, einer modifizierten Fassung der Originalausstellung zum 200. Geburtstag Anna Magdalenas im Jahr 2001, erinnert das BachMuseum an das Leben und Wirken dieser bedeutenden Frau. Stationen 2007: Hamburg: Dezember 2006 bis Januar 2007 Dresden: Dezember 2007 bis Januar 2008 Bach-Archiv Leipzig Vorstellung des Bach-Archivs und seiner Arbeit in Vortragsform im Rahmen der Sektion „Institutes, Societies, and Research Projects“ beim 18. Kongress der International Musicological Society, Zürich: 13. Juli 2007 Ausstellungsbeteiligungen Musikalische Gesamtausgaben, darin: Beitrag zur Neuen Bach-Ausgabe Universität Zürich (18. Kongress der International Musicological Society): Juli bis September 2007; Universität Basel (Musikwissenschaftliches Institut): Oktober bis Dezember 2007

KNK-Ausstellung in Warschau

Nationalschätze aus Deutschland. Von Luther zum Bauhaus Ausstellung der Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen im Königsschloss zu Warschau, Oktober 2007 bis Januar 2008 Als Mitglied der Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen war das BachArchiv mit einer Reihe von Leihgaben in der Ausstellung vertreten. Unter anderem wurden Originalstimmen der Kantate „Ach Gott, wie manches Herzeleid“ BWV 58 und das „Nathanische Legat“ mit Originaleinträgen Johann Sebastian Bachs auf die Reise geschickt.

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4.4. Ver anstaltungen Historische Stätten, klingende Bach-Pflege Neben der Arbeit in den Abteilungen Forschung, Bibliothek und Museum trägt das Bach-Archiv mit der Durchführung von jährlich weit mehr als 100 Konzerten, Meisterklassen, Vorträgen und Workshops zur Pflege des musikalischen Erbes von Johann Sebastian Bach und seiner Familie bei. Aktuelle Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Arbeit fließen direkt in die Auf­ führungen ein.

Musikalischer Höhepunkt ist jedes Jahr das Bachfest Leipzig, das das BachArchiv für die Stadt Leipzig organisiert und durchführt. Beim Internatio­ nalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb, der alle zwei Jahre stattfindet, begegnet sich der künstlerische Nachwuchs, der Spielweisen und Verständnis Bachscher Musik verinnerlicht und in der ganzen Welt vermittelt. Mit dem Sommersaal steht im Bosehaus zudem eine einzigartige historische Spielstätte für Kammermusik zur Verfügung, in der die Besucher die Musizier­ atmosphäre zur Zeit Bachs nahezu authentisch erleben können.

Veranstaltungen des Bach-Archivs

Bachfest Leipzig 2007 „Von Monteverdi zu Bach“ 7. bis 17. Juni 2007 Unter dem Motto „Von Monteverdi zu Bach“ trafen sich 2007 Sir John Eliot Gardiner, Nikolaus Harnoncourt, Gustav Leonhardt und viele andere namhafte internationale Künstler in Leipzig. Sie führten an den originalen Wirkungsstätten des großen Thomaskantors in nahezu 100 Konzerten Kom­ positionen Monteverdis, Bachs und anderer bedeutender Komponisten des Barock auf. Kaum eine Epoche hat das musikalische Denken und Fühlen stärker revolutioniert als das Barock-Zeitalter. Leben und Werk Claudio Monteverdis, dessen Oper „L’Orfeo“ vor 400 Jahren uraufgeführt wurde,

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Highlights


Konzert in der Nikolaikirche mit Sir J. E. Gardiner, Bachfest 2007

34 : Ber icht e der A bt eilu ngen


sowie das Schaffen Johann Sebastian Bachs markieren die erste Blütezeit dieser Epoche und ihre späte Reife. Der dramaturgische Schwerpunkt des Bachfestes 2007 bot einen passenden Rahmen, diesen spannenden Abschnitt der Kulturgeschichte nachzuzeichnen. Das neunte jährliche Bachfest Leipzig zählte fast 50.000 Besucher. Neben den traditionellen Konzertveranstaltungen in den Leipziger Hauptkirchen, im Alten Rathaus, im Gewandhaus und vielen anderen traditionellen Spielstätten wurde 2007 auf dem Augustusplatz ein großes, mehrtägiges Open-Air-Festival gefeiert, bei dem Jazz-, Pop- und Rock-Musiker ihre Inter­pretationen der Musik Johann Sebastian Bachs zum Besten gaben. Tausende Gäste erlebten dabei die fortwährende Aktualität der Musik Bachs und ihre vielfältigen Reflexionen in der Klang­sprache unserer Zeit. Künstlerisches Direktorium: Georg Christoph Biller, Thomaskantor Elmar Weingarten, Intendant Tonhalle Zürich Christoph Wolff, Harvard University und Bach-Archiv Leipzig

Tölzer Knabenchor, Bachfest 2007

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Besucherent wicklung Bachfest Leipzig 20 03 –20 07 Besucher 60.000 50.000 40.000 30.000

45.000 34.000

37.000

37.000

2004

2005

50.000

20.000 10.000 0

2003

2006

2007

Jahr

„Bach on Air“ auf dem Augustusplatz

Kammermusikreihe

Konzerte im Sommersaal Das Kleinod des historischen Bosehauses ist der barocke Sommersaal mit seiner Schallkammer. Hier hat zur Bach-Zeit der Kaufmann Georg Heinrich Bose seine Gäste empfangen, während die Musik gleichsam direkt „aus dem Himmel“ spielte. Diese einzigartige Aufführungssituation stellt das BachArchiv in zahlreichen Konzerten nach, wobei die Veranstaltungen im Sommersaal in erster Linie der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts gewidmet sind. Mit dem Beginn der Umbauarbeiten im Dezember 2007 musste der

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Sommersaal

Konzertbetrieb unterbrochen werden. Konzerte im Alten Rathaus sowie diverse Vortragsveranstaltungen in anderen Leipziger Spielstätten werden jedoch fortgesetzt. Internationaler Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb Alle zwei Jahre richtet das Bach-Archiv den Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb aus. Dabei wechseln die Fächer Cembalo, Klavier und Violine/Barockvioline turnusmäßig mit den Fächern Orgel, Gesang, Violoncello/Barockcello ab. In den Zwischenjahren – so auch 2007 – bereiten renommierte Interpreten die potenziellen Teilnehmer des Wettbewerbs auf das Ereignis vor. Philippe Muller (Violoncello), Michael Radulescu

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Nachwuchsförderung


(Orgel) und Barbara Schlick (Sopran) leiteten im Jahr 2007 die Meisterklassen Präsident des Wettbewerbes ist seit 2002 Robert Levin, Harvard University. In der Vergangenheit haben namhafte Künstlerinnen und Künstler wie Christoph Genz (Tenor), Ragna Schirmer (Klavier) oder Martin Stadtfeld (Klavier) als Preisträger des Internationalen Bach-Wettbewerbs ihre Karrieren gestartet. Te i l n e h m e r - u n d B e s u c h e r s tat i s t i k 2 0 0 0 – 2 0 0 6 Teilnehmer

Anmeldungen

2000

2002

2004

2006

2 Fächer keine Vorauswahl

3 Fächer keine Vorauswahl

3 Fächer mit Vorauswahl

3 Fächer mit Vorauswahl

113

214

183

158

149

133

Zulassungen Teilnehmer

89

162

112

109

200

180

190

205

1. Runde, 2. Runde, Finale, Preisverleihung

1.400

4.300

4.850

1.500

Preisträgerkonzerte *

1.100

500

636

700

2.700

4.980

5.676

2.405

Orgel Cembalo

Klavier Gesang Violine

Orgel Gesang Cello

Klavier Cembalo Violine

Besucher Eröffnungskonzert

Gesamt Fächer (nachrichtlich)

* Anmerkungen 2000 zwei Preisträgerkonzerte, eines im alten Rathaus und eines in der Thomaskirche 2002 Preisträgerkonzert im Großen Saal der Hochschule für Musik- und Theater „Felix Mendelssohn-Bartholdy“ (480 Plätze) 2004 in der Thomaskirche 2006 im Großen Saal des Gewandhauses Die drei Wettbewerbsrunden wurden in der Kartenstatistik bis 2006 nur zusammen erfasst.

Impressionen vom Bach-Wettbewerb

38 : Ber icht e der A bt eilu ngen


Mayumi Hira, Preisträgerin beim Bach-Wettbewerb 2006

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Übergabe des letzten NBA-Bandes

Festakt zum Abschluss der Neuen Bach-Ausgabe Als Sonderveranstaltung des Bachfestes fand am 13. Juni 2007 in der Thomaskirche ein offizieller Festakt zum Abschluss der NBA statt. Es erklangen Werke, die erstmals in der NBA vorgelegt wurden: Thomasorganist Ullrich Böhme spielte Präludium und Fuge C-Dur, BWV 545a (Frühfassung) und die Fantasie c-Moll, BWV 1121; Thomanerchor und Gewandhausorchester unter Thomaskantor Georg Christoph Biller brachten die Kantate „Lobe den Herrn, meine Seele“ BWV 69a und das Sanctus D-Dur, BWV 232III (Frühfassung) zu Gehör. Den Redeteil des Festaktes eröffnete der Leipziger Ober­bürgermeister Burkhard Jung. Es folgten Ansprachen des Bundestagspräsidenten Dr. Norbert Lammert (wegen Sondersitzung des Bundestages verlesen durch Kulturbür­ger­meister Dr. Georg Girardet) und der Bundes­ministerin für Bildung und Forschung (wegen Verhinderung aus gleichem Grund vertreten durch ihren Staatssekretär Prof. Dr. Frieder Meyer-Krahmer). Nach der abschließenden Rede des Präsidenten der Union der deutschen Akademien der Wissen­schaften, Prof. Dr. Gerhard Gottschalk, erfolgte die Überreichung des Bandes „Frühfassungen zur h-Moll-Messe“ (NBA II/1a) an Vertreter der Bundes­republik Deutschland, des Landes Niedersachsen und des Freistaates Sachsen. Im Anschluss an den Festakt gab es im Alten Rathaus einen Empfang für die zahlreichen Ehrengäste aus Politik, Kultur und Wirtschaft, die Mitglieder des Ausschusses für musikwissenschaftliche Editionen der Akademienunion und des Herausgeber-Kollegiums der NBA, die Mitarbeiter der beiden herausgebenden Institute, externe Bandbearbeiter und Mitarbeiter des Verlages. Zum Festakt erschien eine Dokumentation „Die Neue Bach-Ausgabe 1954–2000“ (siehe S. 55) mit Grußworten von Altbundeskanzler Helmut Schmidt und der Präsidentin der Mainzer Akademie, Prof. Dr. Elke LütjenDrecoll, persönlichen Rückblicken auf die Editionsgeschichte von Georg von Dadelsen (†), Alfred Dürr, Hans-Joachim Schulze und Frieder Zschoch sowie mit einer Chronik und Übersichten zu Organisation, Personal, Finanzierung, Anlage und Inhalt der Ausgabe.

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5. Sonderprojekte

5.1 Kooper ationsprojekt Bach – Mendelssohn – Schumann Gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und vom Freistaat Sachsen, Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst Partner: Bach-Archiv Leipzig (federführend), Mendelssohn-Haus, Schumann-Haus, Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig

Bach in der Romantik

Die Rezeptionsgeschichte der Musik Johann Sebastian Bachs wurde seit den 1830er Jahren durch das enge Zusammenwirken von Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann in Leipzig so nachhaltig geprägt, dass ihr Engagement dauerhafte Auswirkungen auf die europäische Musikkultur hatte. Die historischen Zusammenhänge werden im Rahmen eines von Bund und Land geförderten Kooperationsprojektes systematisch aufgearbeitet. 2007 wurden folgende Projekte durchgeführt: Plakat

Festivalkonferenz „Die Orgel im Zeitalter der Romantik“. Mendelssohn, Schumann und die BachTr adition Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft Unter diesem Titel fand vom 3. bis 6. Oktober 2007 in Leipzig eine internationale Festivalkonferenz statt. Im Zentrum der Veranstaltung stand das Symposium „Mendelssohn und die europäische Orgellandschaft seiner Zeit“, das im Museum für Musikinstrumente durchgeführt wurde. Diverse Konzerte, eine Orgelexkursion und zwei Orgelworkshops für Studenten ergänzten das Symposium. Dabei zeigten die neuesten Forschungsergebnisse – von der Konferenz wesentlich mit angestoßen –, dass die bislang übliche Geringschätzung des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts als Zeit des Niedergangs in den Bereichen Orgelbau, -spiel und -komposition einer kritischen Überprüfung nicht mehr standhält. Zweifelsfrei lässt sich inzwischen sagen, dass es

Son der proj ek t e

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Pedalflügel (um 1840)

auch nach 1800 lebendige Traditionen des gottesdienstlichen wie konzertanten Orgelspiels und der Bach-Pflege gegeben hat; zu ihnen traten viel­ fältige neue Entwicklungen, die die Romantik als eine lebendige Übergangsepoche kenntlich werden lassen. Projektverantwortlich: Bach-Archiv Leipzig.

Konzerte Für ein mit musikalischen Fragen und Entdeckungen beschäftigtes Projekt ist die Veranstaltung von Konzerten von zentraler Bedeutung. Im direkten Kontakt mit der Forschung wurden auch 2007 von allen Projektpartnern mehrere Konzerte mit teilweise erheblichem Aufwand initiiert, die auch unerschlossenes Repertoire vorstellten. Teilweise musizierten die Interpreten dabei auf Originalinstrumenten der Zeit.

42 : Son der proj ek t e


Ausstellungen „Schumann, Bach und die Orgel“ Robert Schumann ist vor allem als Komponist zahlreicher innovativer Klavierwerke sowie als Liedschöpfer berühmt geworden, hat sich aber auch immer wieder mit der Orgel beschäftigt. Fortwährend finden sich in seiner Biographie Bezugspunkte zu diesem Instrument. Eine herausragende Stellung nimmt auch hier das Werk Johann Sebastian Bachs ein. Wie Schumann damit umging, welche Rolle Bachs Musik in Schumanns kompositorischem Verständnis spielte und wo es Berührungspunkte mit Felix Mendelssohn Bartholdys Orgelinitiativen gibt, zeigte eine Sonderausstellung im SchumannHaus Leipzig. Begleitend erschien ein Katalog. Projektverantwortlich: Schumann-Haus Leipzig 4. Oktober bis 30. Dezember 2007

Ausstellungskatalog

Station im Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, Dresden

„Bach – Mendelssohn – Schumann. Triumvirat der Musikstadt Leipzig“ Die reich mit historischem Bildmaterial illustrierte Wanderausstellung geht Mendelssohns und Schumanns Einsatz für Bachs Werk in Leipzig und andernorts nach. Die Ausstellung ist seit Sommer 2006 bereits in zahlreichen Orten in ganz Deutschland gezeigt worden. Stationen 2007: Dresden, Berlin, Eisenach, Mühlhausen, Leipzig, Bonn. Außerdem wurde eine zweite, ins Chinesische übersetzte Fassung der Wanderausstellung zur dauerhaften Präsentation im Nanjing Arts Institut eröffnet. Projektverantwortlich: Schumann-Haus Leipzig / Station Nanjing: BachArchiv Leipzig

Son der proj ek t e

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Station im Bildermuseum Leipzig

DV D „K l ang Quartier Leipzig“ Unter Federführung des Mendelssohn-Hauses wurde eine DVD zur multimedialen Präsentation der Museen Bach-Archiv, Mendelssohn-Haus, Schumann-Haus und des Museums für Musikinstrumente konzipiert und hergestellt. Die DVD konnte am 8. Dezember im Rahmen der Eröffnung der Wanderausstellung „Triumvirat der Musikstadt Leipzig“ im Stadtmuseum Bonn präsentiert werden. Der crossmediale Ansatz ermöglicht es, die auf der DVD angebotenen Audio- und Videobeiträge z. B. auf ein mobiles Abspielgerät herunterzuladen. Außerdem sieht der Ansatz die Kopplung mit einer Internetplattform vor, die es den Kooperationspartnern erlaubt, ständig Aktualisierungen und Ergänzungen vorzunehmen.

44 : Son der proj ek t e


Publik ationen „Zu groß, zu unerreichbar“ Bach-Rezeption im Zeitalter Mendelssohns und Schumanns (siehe S. 56) Im Ergebnis zur ersten Projektkonferenz im November 2005 konnte Anfang 2007 der 488 Seiten starke, mit zahlreichen Notenbeispielen und Abbildungen versehene Konferenzbericht vorgelegt werden, der seither in der Fachpresse sehr positiv besprochen wird. Projektverantwortlich: Bach-Archiv Leipzig

5.2  „Ein neues Dach für Bach“ Umbau und Erweiterung des Bosehauses Das Jahr 2007 war geprägt von der Konkretisierung der seit 2005 intensiv betriebenen Planungen für den Umbau des Bosehauses, denn die Sanierung des historischen Gebäudes und seine den vielfältigen Anforderungen entsprechende Erweiterung sind dringend erforderlich. Die anstehenden Arbeiten konzentrieren sich einerseits auf notwendige Sicherheitsmaßnahmen wie Brandschutz und Klimatisierung, andererseits auf die Er­ weiterung von Museum und Bibliothek. Die Gesamtkonzeption der Umbauten zielt zudem auf eine deutliche Verbesserung der institutionellen Infrastruktur, um das Zusammenwirken der Abteilungen zu erleichtern und damit die Anforderungen zu erfüllen, die an ein internationales BachZentrum gestellt werden. Nicht zuletzt gilt es, das Bosehaus wieder zu einem attraktiven architektonischen Kleinod am Leipziger Thomaskirchhof aufblühen zu lassen, das in seiner Ausstrahlung dem anspruchsvollen Bachschen Erbe würdig ist. Der offizielle Baubeschluss wurde vom Leipziger Stadtrat am 19. Juli 2007 gefasst, nachdem die entscheidenden Planungsarbeiten schon seit 2005 geleistet worden waren. Ende 2007 war kein Verzug der Baumaßnahme, deren Beginn für den 20. Januar 2008 vorgesehen war, erkennbar. Der Betrieb aller Abteilungen des Bach-Archivs wurde nach Weihnachten 2007 in das Interimsquartier im Gebäude „Wünschmanns Hof “ verlegt. Hier konnte auch die Bibliothek wieder aufgestellt und für externe Be­ sucher nutzbar gemacht werden. Lediglich die kostbaren Bach-Hand­ schriften und wertvolle Originaldrucke wurden aus Sicherheitsgründen schon Anfang Dezember für die Dauer des Umbaus in den Magazinräumen der Univer­sitätsbibliothek eingelagert.

Son der proj ek t e

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Bauvorbereitung


Bosehaus vor dem Umbau

46 : Son der proj ek t e


Um die Präsenz des Bach-Archivs im Stadtbild weiterhin zu sichern, wurde ab Januar 2008 ein interimistisches „Bach-Museum auf Zeit“ am Thomaskirchhof 14 eröffnet; der Museumsshop wird seitdem nebenan im Thomaskirchhof 13 in Kooperation mit der Café Kandler GbR fortgeführt. Ermöglicht wurde die Gestaltung und Einrichtung der Interimsräume durch eine Sonderförderung des Freistaates Sachsen, Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Außerdem sind seit März 2008 Bauzäune zu verschiedenen Themen wie z. B. „Bach unterwegs“ und „Bachs Wirkungsstätten in Leipzig“ an verschiedenen Stellen im öffentlichen Raum zu sehen.

Fundraising Mit Unterstützung seines Freundeskreises warb das Bach-Archiv noch vor Beginn der Bauarbeiten einen erheblichen Anteil der notwendigen Eigenmittel für die Ausstattung von Museum und Bibliothek ein: Von den benötigten 2 Mio. Euro Spenden konnten bereits 1,4 Mio. Euro gesichert werden.

Son der proj ek t e

: 47

Präsenz in der Stadt

Neuer Anbau für das Bach-Museum


6. Vereinigung der Freunde des Bach-A rchivs Leipzig e.V. Zunehmend wichtiger Partner für die Zukunft Förderkreis

Ohne Hilfe privater Förderer wäre das Bach-Archiv Leipzig heute nicht das, was es ist: Zentrum der internationalen Bach-Forschung und Anlaufstätte für Bach-Freunde aus aller Welt. Die Vereinigung der Freunde des Bach-Archivs Leipzig e. V. – kurz: die Freunde des Bach-Archivs – unter­ stützen ideell und materiell die Arbeit des Hauses. Der als gemeinnützig anerkannte Verein, 2001 gegründet, zählte Anfang 2007 128 Mitglieder, Ende 2007 waren es 166. Wir freuen uns über den Aufwärtstrend und hoffen, dass die Fundraising-Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Umbau des Bose­h auses auch den Freunden des Bach-Archivs dauerhafte Impulse verleihen werden. Denn niemand kann die Zukunft der öffentlichen Finanzen voraussagen, sicher ist nur, dass die Abhängigkeit kultureller Einrichtungen von privaten Unterstützern weiter wachsen wird. Angesichts der kurzen Zeit seines Bestehens sind die Möglichkeiten des Vereins noch begrenzt. Jedoch konnten die Mitglieder in den vergangenen Jahren u. a. Ankäufe bibliophiler Kostbarkeiten, die Ausschreibung von Sonderpreisen beim Internationalen Bach-Wettbewerb 2006 und den Ankauf eines neuen Cembalos maßgeblich unterstützen – wichtige Projekte, die das Bach-Archiv aus eigenen Mitteln nicht realisieren konnte. Kontakt Vereinigung der Freunde des Bach-Archivs Leipzig e. V. c/o Bach-Archiv Leipzig Miriam Grabowski Steuernummer 231/141/08103 VR 3528 Amtsgericht Leipzig Registergericht Vorstand Vorsitzender: Burkhard Schreiber Stellvertretender Vorsitzender: Dr. Dettloff Schwerdtfeger

48 : Ver ei n igu ng der Fr eu n de de s Bach-A rchi vs L eip zig e .V.


Förderprojekte 2007 (Auswahl)

Präsentation der DolesLiedersammlung

Umbau und Erweiterung des Bosehauses Der Freundeskreis hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Bach-Archiv in den Jahren 2008/2009 bei der Einwerbung von Spenden für den Umbau und die Erweiterung des Bosehauses zu unterstützen. 2007 wurde ein Unter­ konto für die Spendenakquisition eingerichtet, auf dem schon im ersten Jahr beträchtliche Zuwendungen für das Bauvorhaben eingingen. Von den benötigten 2 Mio. Euro Spenden konnten bis Ende 2007 bereits 1,4 Mio. Euro gesichert werden. Anschaffung einer kostbaren Liedersammlung von Johann Friedrich Doles (1750) Ebenfalls mit Hilfe des Freundeskreises konnte das Bach-Archiv eines von weltweit nur drei bekannten Exemplaren von Johann Friedrich Doles’ „Neue Lieder nebst ihren Melodien“ aus Privatbesitz erwerben. Doles war Schüler Bachs und wirkte von 1755 bis 1789 als Thomaskantor in Leipzig. Unterstützung beim Cembaloankauf Der Zuschuss für den Ankauf eines Cembalos italienischer Bauart als Ersatz für den „Harraß“, ein Cembalo deutscher Bauart, war eines der Hauptförderprojekte in den beiden Jahren 2006 und 2007. Das Instrument wird beim Bachfest 2008 erstmals präsentiert.

Ver ei n igu ng der Fr eu n de de s Bach-A rchi vs L eip zig e .V.

: 49


7. Zahlen – Fakten – Personen

7.1  Zahlenmässiger R echenschaftsbericht Haushaltstruktur Teilhaushalte

Der Haushalt des Bach-Archivs Leipzig gliedert sich in folgende Teil­haus­halte: a) Institutioneller Haushalt (Bach-Archiv): Im institutionellen Haus halt sind die Personal- und Sachkosten der Abteilungen Forschung (Re ferat I & II), Bibliothek, Museum und Veranstaltungen sowie Verwaltung zusammengefasst. Er enthält darüber hinaus die Querschnittsaufgaben für Sekretariate, Personal- und Finanzbuchhaltung, EDV und Haustech nik sowie den Vorstand. Die Finanzierung ist durch eine Anteilsverein barung zwischen Stadt (50 %), Bund (40 %) und Land (10 %) sowie Ver waltungseinnahmen (Museumseintritte, Shoperlöse, hauseigene Konzerte, Mieten) gegeben. Der Stellenplan kann im Rahmen der Ausstattungen aktuell nicht voll erfüllt werden. Nachbewilligungen konnten im Haus haltsjahr 2007 vermieden werden. b) Veranstaltungen: Im Veranstaltungshaushalt sind das jährliche Bach fest der Stadt Leipzig und der zweijährliche Internationale Bach-Wett bewerb zusammengefasst. Beide Projekte enthalten vor allem Sachmittel, aus denen auch befristete Aushilfen beschäftigt werden können. Die Finanzierung ist durch die Stadt Leipzig, private Förderer und Eigen­ einnahmen gesichert. Land und Bund beteiligen sich mit – gemessen am Gesamtetat – kleineren Projektförderungen. c) Projekte: Im Projekthaushalt sind zum einen zusätzliche öffentlich ge förderte Projekte (z. B. das Kooperationsprojekt „Bach – Mendelssohn – Schumann“ und das Projekt Bach-Repertorium), zum anderen drittmittel finanzierte Projekte zusammengefasst. Außerdem werden öffentlich geförderte Anschaffungsetats (etwa Mittel aus der ZEIT-Stiftung oder der Deutschen Forschungsgemeinschaft [DFG]) in diesem Haushalt ge führt. Einnahmen sind aus Anzeigen und Verkaufserlösen (z. B. Bach Magazin) sowie aus Spenden zu verzeichnen.

50 : Z a hl en – Fa k t en – P er son en


Haushaltsl age Tarifsteigerungen sowie die im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung des Bundes und des Freistaates fixierten Zuwendungen führen dazu, dass der institutionelle Haushalt der Stiftung seit Jahren strukturell defizitär ist. Der Vorstand muss deshalb darauf hinweisen, dass sich dadurch für die Erfüllung des Stiftungszweckes insbesondere in drei Bereichen erhebliche und auf Dauer wachsende Probleme ergeben: • der Stellenplan wird im Bereich Forschung nicht mehr voll erfüllt, weil eine vor drei Jahren altersbedingt frei gewordene Stelle dauerhaft nicht wieder besetzt werden kann, • die Sachkostenetats, insbesondere für Anschaffungen der Bibliothek und die Ausrichtung von Sonderausstellungen, mussten eingespart werden, • regelmäßige Ersatzbeschaffungen für die technischen Büroanlagen können nicht erfolgen, da seit Einrichtung der Stiftung 1998 kein Vermögens haushalt bereitgestellt werden konnte. Ein schwer wiegendes zusätzliches Risiko dieser Haushaltsschieflage besteht darin, dass künftig wichtige Drittmittel nicht mehr bewilligt werden, weil Drittmittelgeber die Finanzierung der Grundausstattung voraussetzen und ausschließlich zusätzliche Projekte fördern. So hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) am Jahresende 2007 die laufende Bibliotheksförderung wegen des fehlenden Eigenanteils ausgesetzt.

Jahresergebnisrechnung 2007 Gesamthaushalt Der Gesamthaushalt des Bach-Archivs Leipzig schließt in der kostenrechnerischen Betrachtung (KR) mit 72 Tsd. EUR ab. Im Sinne einer EinnahmeÜberschuss-Rechnung (EÜR) wurde ein Ergebnis von 35 Tsd. EUR erzielt. Die Tabellen zum Gesamt- und zu Teilhaushalten weisen in einzelnen Fällen Rundungsdifferenzen auf. Das positive Ergebnis entsteht ausschließlich durch die Übertragung zweckgebundener Zuwendungen von Seiten Dritter in den neuen Jahreshaushalt. Die öffentlich geförderten Haushalte schließen in der haushaltsrechtlich erforderlichen Einnahmen-Ausgaben-Betrachtung mit Null ab.

Z a hl en – Fa k t en – P er son en

: 51

Finanzprobleme


G e s a mt h au s h a lt Entwicklung Gesamthaushalt

2006

Einnahmen Öffentliche Zuwendungen Eigeneinnahmen Drittmittel Einnahmen Gesamt

+

Ausgaben Personalkosten Sachkosten

2007

Ist (Tsd. A)

Plan (Tsd. A)

Ist./.Plan (Tsd. A)

Ist (Tsd. A)

Plan (Tsd. A)

Ist./.Plan (Tsd. A)

2.812 895 933

2.795 714 755

17 181 178

2.846 861 784

2.879 623 658

- 33 238 126

4.640

4.264

376

4.491

4.160

331

1.642 2.653

1.644 2.621

- 2 32

1.670 2.629

1.712 2.448

- 42 181

Ausgaben Gesamt

./.

4.295

4.265

30

4.299

4.160

139

Umsatzsteuer (Zahllast)

./.

49

0

49

44

0

44

Finanzergebnis

+

6

0

6

12

0

12

302

- 1

303

160

0

160 - 20

Ergebnis (EÜR) Bestandsveränderungen

+

66

0

66

- 20

0

Ergebnis lfd. Jahr

=

368

- 1

369

140

0

140

Saldo der Sonderposten

+

- 288

0

- 288

- 68

0

- 68

Ergebnis (KR)

=

80

- 1

81

72

0

72

Quelle: Stiftung Bach-Archiv Leipzig, Finanzbuchhaltung

Institutioneller Haushalt Der Institutionelle Haushalt ist ausgeglichen. Lediglich die rein kalkulatorischen Bestandsveränderungen im Warenbestand des Shops führen zu einem negativen Ergebnis. Darin kommt zum Ausdruck, dass der früher tenden­ ziell zu hohe Warenbestand im Shop – und die damit zu hohe Kapital­ bindung – im Jahr 2007 reduziert werden konnte. Institutioneller Haushalt

2006

Einnahmen Öffentliche Zuwendungen Eigeneinnahmen Drittmittel Einnahmen Gesamt

+

Ausgaben Personalkosten Sachkosten

2007

Ist (Tsd. A)

Plan (Tsd. A)

Ist./.Plan (Tsd. A)

Ist (Tsd. A)

Plan (Tsd. A)

Ist./.Plan (Tsd. A)

1.510 252 163

1.510 206 149

0 46 14

1.731 260 10

1.731 220 77

0 40 - 67

1.925

1.865

60

2.001

2.028

- 27

1.441 493

1.442 423

- 1 69

1.453 513

1.522 506

- 69 7

Ausgaben Gesamt

./.

1.934

1.865

68

1.966

2.028

- 62

Umsatzsteuer (Zahllast)

./.

12

0

12

12

0

12

Finanzergebnis

+

0

0

0

7

0

7

- 21

0

- 21

30

0

30

0

66

- 20

0

- 20

Ergebnis (EÜR) Bestandsveränderungen

+

66

Ergebnis lfd. Jahr

=

46

0

46

10

0

10

Saldo der Sonderposten

+

0

0

0

- 30

0

- 30

Ergebnis (KR)

=

46

0

46

- 20

0

- 20

Quelle: Stiftung Bach-Archiv Leipzig, Finanzbuchhaltung

52 : Z a hl en – Fa k t en – P er son en


Der Shop entwickelt sich gut. Durch den Abbau der Lagerbestände und die Erhöhung der Margen wurde vor allem der Deckungsbeitrag I gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert: Deckungsbeitragsrechnung Shop 2006 

 Ist (Tsd. A)

Umsatz Wareneinsatz

Deckungsbeitrag I

2007 

 Ist (Tsd. A)

124 87

127 69

53

54

38

anteilige Personalkosten Deckungsbeitrag II

59

- 15

kalkulatorische Positionen Abschreibungen Bestandsveränderungen Jahresabgrenzungen

5

0 66 0

Deckungsbeitrag III

0 - 20 0

51

- 16

Quelle: Stiftung Bach-Archiv Leipzig, Finanzbuchhaltung

Im Haushaltsjahr 2008 ist mit der Betriebsunterbrechung im Museum wegen des Umbaus im Bosehaus auch eine Unterbrechung der guten Umsatz- und Ergebnisentwicklung im Shop zu erwarten. Veranstaltungshaushalt Im Bachfest 2007 konnten die Planansätze leicht unterschritten werden, so dass nicht alle zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel der Stadt Leipzig in Anspruch genommen werden mussten. Der Bach-Wettbewerb 2007 wurde turnusgemäß als Meisterklasse zur Vorbereitung des Wettbewerbs 2008 durchgeführt. Der Haushalt ist aus­geglichen. Bachfest

2006

Einnahmen Öffentliche Zuwendungen Eigeneinnahmen Drittmittel Einnahmen Gesamt

+

Ausgaben Personalkosten Sachkosten

2007

Ist (Tsd. A)

Plan (Tsd. A)

Ist./.Plan (Tsd. A)

Ist (Tsd. A)

Plan (Tsd. A)

Ist./.Plan (Tsd. A)

784 418 263

804 483 270

- 20 - 65 - 7

950 431 306

1.005 402 334

- 55 29 - 28

1.465

1.557

-92

1.688

1.741

- 53

91 1.376

145 1.413

- 54 - 36

115 1.578

160 1.581

- 45 - 3

Ausgaben Gesamt

./.

1.468

1.558

- 90

1.694

1.741

- 47

Umsatzsteuer (Zahllast)

./.

12

0

12

25

0

25

Finanzergebnis

+

0

0

0

- 1

0

- 1

- 14

- 1

- 13

- 32

0

- 32

Ergebnis (EÜR) Bestandsveränderungen

+

0

0

0

0

0

0

Ergebnis lfd. Jahr

=

- 14

- 1

- 13

- 32

0

- 32

Saldo der Sonderposten

+

43

0

43

32

0

32

Ergebnis (KR)

=

29

- 1

30

0

0

0

Quelle: Stiftung Bach-Archiv Leipzig, Finanzbuchhaltung

Z a hl en – Fa k t en – P er son en

: 53


Projekthaushalt Im Projekthaushalt werden zweckgebundene, private Mittel für Forschungsvorhaben geführt. Diese Mittel sind nicht an Haushaltsjahre gebunden. Daher werden die Mittel am Jahresende in zweckgebundene Sonderposten aufgelöst und ins neue Jahr übertragen. Auf diese Weise kommt das positive Ergebnis des laufenden Jahres zustande: Projekte

Ist (Tsd. A)

Plan (Tsd. A)

Ist./.Plan (Tsd. A)

Ist (Tsd. A)

110 55 385

73 2 284

37 53 101

550

359

63 273 ./. +

Einnahmen Öffentliche Zuwendungen Eigeneinnahmen Drittmittel Einnahmen Gesamt Ausgaben Personalkosten Sachkosten

Ausgaben Gesamt

Umsatzsteuer (Zahllast) Finanzergebnis Ergebnis (EÜR)

Bestandsveränderungen Ergebnis lfd. Jahr

2006

+

./.

+

2007

Plan (Tsd. A)

Ist./.Plan (Tsd. A)

110 36 449

88 1 246

22 35 202

191

595

335

260

30 330

33 - 57

56 357

30 305

26 51

335

359

- 24

413

335

77

6

0

6

7

0

0

221

0

0

0

5

0

221

184

0

0

0

0

5

7

0

184

0

0

=

221

0

221

184

0

184

Saldo der Sonderposten

+

- 220

0

- 220

- 91

0

- 91

Ergebnis (KR)

=

1

0

1

93

0

93

Quelle: Stiftung Bach-Archiv Leipzig, Finanzbuchhaltung

Ver mögen und Investitionen Vermögen Das Bach-Archiv verfügt über kein Grundstockvermögen. Das Vermögen der Stiftung besteht aus unveräußerlichen Archivalien, Dokumenten, Musikalien, Büchern und sonstigen Sammlungsgegenständen. Mit Schreiben des Stiftungsratsvorsitzenden vom 29. Januar 2003 wurde das Vermögen anhand der Versicherungswerte auf rund 87 Mio. Euro (Totalverlust) bzw. 0,51 Mio. Euro (Einzelschäden) beziffert. Es wurde jedoch darauf verwiesen, dass damit „keine Aussage über den tatsächlichen Wert des Stiftungsvermögens“ ge­t roffen wurde. Für 2008 ist eine Vermögensbewertung angestrebt, um zum Stichtag 1. Januar 2010 eine Eröffnungsbilanz erstellen zu können. Investitionen Im Verfahren der Haushaltsaufstellung für das Jahr 2008 wurden bei der Stadt Leipzig Mittel für Investitionen beantragt. Diese Mehrbedarfe wurden im Zuge der Haushaltsaufstellung der Stadt Leipzig nicht bewilligt. Im Rahmen der Haushaltsanmeldungen werden diese Bedarfe weiter angemeldet.

54 : Z a hl en – Fa k t en – P er son en


7.2  Veröffentlichungen Angeführt werden im Berichtszeitraum erschienene Publikationen (Bücher, Schriften, Periodika, wissenschaftliche Editionen, praktische Ausgaben, CDs), die als Eigenprojekte des Bach-Archivs oder als Kooperationsprojekte ausgewiesen sind. Beiträge der Mitarbeiter des Hauses zu nicht-BachArchiv-eigenen Veröffentlichungen bleiben unberücksichtigt. Neue Bach-Ausgabe (NBA) • Serie IV (Orgelwerke), Band 10: Orgelchoräle aus unterschiedlicher Überlieferung, hrsg. von Reinmar Emans. Notenband. Kassel (Bärenreiter) 2007 • Serie V (Klavier- und Lautenwerke), Band 3: Inventionen und Sinfonien, hrsg. von Georg von Dadelsen und Klaus Hofmann. Kritischer Bericht. Kassel (Bärenreiter) 2007 • Serie IX (Addenda), Band 3: Die Kopisten Johann Sebastian Bachs, hrsg. von Yoshitake Kobayashi und Kirsten Beißwenger. Text- und Abbildungsband. Kassel (Bärenreiter) 2007 Dieser Schreiberkatalog wurde mit dem Deutschen Musikeditionspreis ausgezeichnet. • Die Neue Bach-Ausgabe. 1954–2007. Eine Dokumentation, hrsg. von Uwe Wolf. Kassel (Bärenreiter) 2007 Bach-Dokumente (Supplement zur NBA) • Band V: Dokumente zu Leben, Werk, Nachwirken 1685–1800, hrsg. von Hans-Joachim Schulze, unter Mitwirkung von Andreas Glöckner. Kassel (Bärenreiter) 2007 • Band VI: Ausgewählte Dokumente zum Nachwirken Johann Sebastian Bachs 1801–1850, hrsg. von Andreas Glöckner, Anselm Hartinger und Karen Lehmann. Kassel (Bärenreiter) 2007 Studienpartitur-Edition (Urtext der NBA mit Korrekturen) • Sämtliche Kantaten, Choräle und Motetten, 18 Bände; Band 19: Einführung/Introduction von Christoph Wolff. Kassel (Bärenreiter) 2007 Diese Ausgabe wurde mit dem Deutschen Musikeditionspreis ausgezeichnet. Faksimile-Reihe Bachscher Werke und Schriftstücke – Neue Folge • Band II: Johann Sebastian Bach, Messe in h-Moll, BWV 232, mit Sanctus D-Dur (1724), hrsg. von Christoph Wolff. Kassel (Bärenreiter) 2007 Dieser Band wurde mit dem Deutschen Musikeditionspreis ausgezeichnet.

Z a hl en – Fa k t en – P er son en

: 55


Band III: Weimarer Orgeltabulatur. Die frühesten Notenhandschriften Johann Sebastian Bachs sowie Abschriften seines Schülers Johann Martin Schubart. Mit Werken von Dietrich Buxtehude, Johann Adam Reinken und Johann Pachelbel. Faksimile und Übertragung, hrsg. von Michael Maul und Peter Wollny. Kassel (Bärenreiter) 2007

Edition Bach-Archiv Leipzig • Zwischen Empfindsamkeit und Klassizismus. Der Zeichner und Landschaftsmaler Johann Sebastian Bach d. J. (1748–1778). Oeuvre-Katalog. Von Susanne Fröhlich, mit einem biographischen Essay von Maria Hübner. Leipzig (Evangelische Verlagsanstalt) 2007 • „Zu groß, zu unerreichbar“ – Bach-Rezeption im Zeitalter Mendelssohns und Schumanns, hrsg. von Anselm Hartinger, Christoph Wolff und Peter Wollny. Wiesbaden (Breitkopf & Härtel) 2007 Ausstellungskataloge des Bach-Museums Leipzig • Bach in Mühlhausen 1707–1708. Sonderausstellung vom 26. April bis 19. September 2007. Leipzig (Bach-Archiv Leipzig) 2007 • Dieterich Buxtehude (um 1637–1707) – „ein weitberühmter Musicus und Organiste“. Sonderausstellung zum 300. Todestag von Dieterich Buxtehude vom 27. September bis 30. Dezember 2007. Leipzig (Bach-Archiv Leipzig) 2007

56 : Z a hl en – Fa k t en – P er son en


Bach Magazin • Hefte 9–10. Redaktion: Alexander Hiller und Christiane Sporn. Leipzig (Bach-Archiv Leipzig) 2007 Publikationen zu Bachfest und Bach-Wettbewerb • Bachfest Leipzig 2007 „Von Monteverdi zu Bach“. Programmbuch. Redaktion: Andreas Glöckner und Patricia Steer. Leipzig (Bach-Archiv Leipzig) 2007 • Bachfest Leipzig 2007 „Von Monteverdi zu Bach“. CD. In Zusammenarbeit mit dem MDR. Leipzig (Bach-Archiv Leipzig) 2007 • XV. Internationaler Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb Leipzig 2006. CD. In Zusammenarbeit mit dem MDR. Leipzig (Bach-Archiv Leipzig) 2007 Bach-Jahrbuch Veröffentlichung der Neuen Bachgesellschaft, Internationale Vereinigung, Sitz Leipzig, redaktionell unterstützt vom Bach-Archiv Leipzig. – 93. Jahrgang 2007, hrsg. von Peter Wollny. Leipzig (Evangelische Verlagsanstalt) 2007

Z a hl en – Fa k t en – P er son en

: 57


Carl Philipp Emanuel Bach: The Complete Works Ein Projekt des Packard Humanities Institute in Zusammenarbeit mit dem Bach-Archiv Leipzig, der Sächsischen Akademie der Wissenschaften und der Harvard University. • I/5.1: Miscellaneous Sonatas from Prints I, hrsg. von Darrell M. Berg. Los Altos (PHI) 2007 • I/5.2: Miscellaneous Sonatas from Prints II, hrsg. von Darrell M. Berg. Los Altos (PHI) 2007 • I/10.1: Arrangements of Orchestral Works I, hrsg. von Douglas A. Lee. Los Altos (PHI) 2007 • III/7: Keyboard Concertos from Prints, hrsg. von Elias N. Kulukundis. Los Altos (PHI) 2007 • III/9.13: Keyboard Concertos from Manuscript Sources XIII, hrsg. von Arnfried Edler. Los Altos (PHI) 2007 • IV/71: Passion according to St. John (1772), hrsg. von Paul Corneilson. Los Altos (PHI) 2007 Stuttgarter Bach-Ausgaben Edition für die Praxis in Zusammenarbeit mit dem Bach-Archiv Leipzig. • Johann Sebastian Bach, „Bereitet die Wege, bereitet die Bahn“ BWV 132, hrsg. von Uwe Wolf. Stuttgart (Carus) 2007 • Johann Sebastian Bach, „Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe“ BWV 25, hrsg. von Uwe Wolf. Stuttgart (Carus) 2007 Gottfried August Homilius: Ausgewählte Werke In Zusammenarbeit mit dem Bach-Archiv Leipzig. – Der Dresdner Kreuzkantor Homilius war Schüler von J. S. Bach und einer der wichtigsten Komponisten für die Hamburger Kirchenmusikpflege C. P. E. Bachs. • I/1: „Die Freude der Hirten über die Geburt Jesu“. Weihnachtsoratorium, hrsg. von Uwe Wolf. Stuttgart (Carus) 2007 • I/2: Passionskantate „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“, hrsg. von Uwe Wolf. Stuttgart (Carus) 2007 • I/3: Johannespassion, hrsg. von Uwe Wolf. Stuttgart (Carus) 2007

58 : Z a hl en – Fa k t en – P er son en


7.3  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Im Berichtsjahr waren insgesamt 47 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, davon ein knappes Drittel in Teilzeit und eine Person ehrenamtlich. Projektbezogene Stellen sind als solche ausgewiesen. Der bewil­ ligte Stellenplan der Stiftung Bach-Archiv Leipzig weist insgesamt 31 volle Stellen aus, von denen eine wissenschaftliche Mitarbeiterstelle seit 2005 unbesetzt ist. • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • •

Katrin Ahlmann, Finanzen Gabriele Anders, Vorstand (Sekretariat) Greta Anton, Veranstaltungen (Sekretariat) Ingrid Baumbach, Bach-Museum (Shop/Aufsicht) Mareile Bernard, Veranstaltungen* Hartmut Bischof, Haustechnik (EDV) Dr. Christine Blanken, Forschung** Brigitte Braun, Bach-Museum Jennifer Bröcher, Pressearbeit* Clemens Buchwald, Marketing* Iris Burschberg, Finanzen Dr. Wolfram Enßlin, Forschung** Kristina Funk-Kunath, Bibliothek (Leitung) Dr. Andreas Glöckner, Forschung und Dramaturgie Sebastian Gosch, Veranstaltungen* Silka Gosch, Veranstaltungen Miriam Grabowski, Vorstand (Referentin) Clemens Harasim, Forschung** Frauke Heinze, Studentische Hilfskraft** Wolfhard Henze, Veranstaltungen (Ticketing)* Maria Hübner, Bach-Museum Dagmar Hürdler, Bach-Museum (Sekretariat) Gerhard Kuhtz, Haustechnik Dorothee Ladewig, Bach-Museum (Shop/Aufsicht) Dr. Elisabeth Liebau, Veranstaltungen Andrea Ließke, Bach-Museum (Shop/Aufsicht) Viera Lippold, Bibliothek Anette Mai, Bach-Museum (Shop/Aufsicht) Claudia Marks, Bach-Museum (Museumspädagogik) Sabine Martin, Veranstaltungen (Leitung) Dr. Michael Maul, Forschung Thomas Meier, Haustechnik (Leitung) Peggy Reinboth, Veranstaltungen (Ticketing)

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• • • • • • • • • • • • • •

Eva Schiffmann, Veranstaltungen und Bach-Museum Prof. em. Dr. Hans-Joachim Schulze, Forschung**** Alexandrina Schwenke, Bach-Museum (Shop/Aufsicht) Dr. Dettloff Schwerdtfeger, Vorstand (Geschäftsführer) Kathrin Seemann, Bach-Museum (Shop/Aufsicht) Marion Söhnel, Forschung Carola Sonntag, Veranstaltungen Patricia Steer, Veranstaltungen* Akio Takano, Pressearbeit*** Kerstin Wiese, Bach-Museum (Leitung) Kathrin Winkler, Bach-Museum (Museumspädagogik) Dr. Uwe Wolf, Forschung (Leitung Referat II) Prof. Dr. Dr. h. c. Christoph Wolff, Vorstand (Direktor) Dr. Peter Wollny, Forschung (Leitung Referat I)

* Teilzeit Bachfest Leipzig ** Projekt „Bach Repertorium“ der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, angesiedelt im Bach-Archiv Leipzig *** freie Mitarbeit **** ehrenamtliche Mitarbeit

7.4  Gremien Das Bach-Archiv Leipzig ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts. Sie wird getragen von der Stadt Leipzig, der Bundesrepublik Deutschland und dem Freistaat Sachsen. Ihrer Satzung gemäß verfolgt die Stiftung Bach-Archiv Leipzig ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke. Die Stiftung wird von einem Vorstand geleitet. Die Aufsicht übt ein Stiftungsrat aus, in dem die Zuwendungsgeber vertreten sind und dem der Stiftungsvorstand beisitzt. Vorstand und Stiftungsrat werden von einem Kuratorium beraten, dem renommierte Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft angehören.

Vorstand Prof. Dr. Dr. h. c. Christoph Wolff, Direktor Dr. Dettloff Schwerdtfeger, Geschäftsführer

60 : Z a hl en – Fa k t en – P er son en


Stiftungsr at Dr. Georg Girardet, Bürgermeister für Kultur der Stadt Leipzig (Vorsitzender des Stiftungsrates) Herbert Begri, Referatsleiter K 22 beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (Stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates) Björn Deicke, Referatsleiter K 14 beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Rodica Tines, Regierungsrätin, Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst Prof. Dr. Martin Petzoldt, Vorsitzender der Neuen Bachgesellschaft Leipzig e.V. Jochen Müller-Berndorff, Mitglied des Stadtrates der Stadt Leipzig

Kur atorium • Dr. Arend Oetker, Berlin (Sprecher) • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • •

Prof. Gilles Cantagrel, Vaueresson Riccardo Chailly, Leipzig Peter Dussmann, Berlin Dr. Helmut Hell, Berlin Sir Nicholas Kenyon, London Gerhard R. Koch, Kelkheim Dr. h. c. Martin Kohlhaussen, Frankfurt/M. Dr. Ralph Kohn, London Prof. Dr. Ulrich Konrad, Würzburg Elias N. Kulukundis, Greenwich, Connecticut Barbara Lambrecht-Schadeberg, Territet-Veytaux Prof. Dr. h. c. Jutta Limbach, München Prof. Dr. Helmut Loos, Leipzig Johann Michael Möller, Halle/Saale Dr. Michael Naumann, Hamburg Prof. Franz Xaver Ohnesorg, Köln Dr. Gertrud Peters, Köln Dr. Stephen Roe, London Dr. h. c. William H. Scheide, Princeton, New Jersey Prof. Dr. Hans Schneider, Tutzing Dr. Giuseppe Vita, Berlin Dr. Reiner Zimmermann, Kreischa

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7.5  Förderer Der Grundhaushalt des Bach-Archivs ist aus öffentlichen Mitteln finanziert und wird von der Stadt Leipzig, der Bundesrepublik Deutschland, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), und dem Freistaat Sachsen, Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK), getragen. Nachfolgend genannt werden alle institutionellen und individuellen, öffentlichen wie privaten Förderer, die die Arbeit des Bach-Archivs im Jahr 2007 unterstützt bzw. konkrete Projekte ermöglicht haben. Ihnen gilt unser herzlicher Dank. Öffentliche Förderer Stadt Leipzig Bundesrepublik Deutschland, Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) Freistaat Sachsen, Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Private Förderer Elias N. Kulukundis William H. Scheide Stiftungen und Vereine Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung Chorherren zu St. Thomae * Commerzbank-Stiftung * Packard Humanities Institute Vereinigung der Freunde des Bach-Archivs Leipzig e. V. ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius Förderer und Sponsoren AON Jauch & Hübener Versicherungsmakler * BW-Bank Commerzbank AG * Deutsche Bank AG BMW Niederlassung Leipzig Alte Messe * Evangelisch-Lutherisches Landeskirchenamt Sachsens * HypoVereinsbank * Krostitzer Brauerei GmbH * Leipziger Volkszeitung *

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Marketing Leipzig GmbH * Marriott Hotel Leipzig MDR Figaro * Seaside Park-Hotel Leipzig * Sparkasse Leipzig  * Veolia Wasser GmbH * * Förderer Bachfest Leipzig

Um- und Erweiterungsbau, Museums- und Bibliotheksausstattung Private Förderer Dr. Rüdiger Bettenhausen Eberhard und Karen Blume Dr. Eckehard Drews Dr. Ing. Otto Happel Christian Peter Henle Susanne Klatten Prof. Dr. Dietrich Kramm Barbara Lambrecht-Schadeberg Michael Niss Dr. Arend Oetker Burkhart Ostersehlte Ernst-Herbert Pfleiderer Dr. Johannes Ullrich András Schiff Ernst Willenbrock Stiftungen Commerzbank-Stiftung Henkel-Stiftung Hertie-Stiftung Packard Humanities Institute Stiftung Denkmalschutz Vereinigung der Freunde des Bach-Archivs Leipzig e. V. ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius Förderer ALDI Nord OHG Daun und Cie AG

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Bach-Archiv Leipzig - Jahresbericht 2007  
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