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Bernd Nothen Verlorene Botschaf Lost Messages


Bernd Nothen Verlorene Botschaften Lost Messages


Vorbemerkungen

Preliminary Remarks

Mit Dank für die freundschaftliche Unterstützung an

To Renate Schumann and Olaf Greiser, Mareen Koch and Johannes Esswein, Erika, Romi, Irene and Josef

Renate Schumann und Olaf Greiser, Mareen Koch und Johannes Esswein, Erika, Romi, Irene und Josef

with many thanks for your kind support

Die Arbeiten mit Papier – seit nahezu vier Jahrzehnten – sind, entsprechend ihrer sphärischen Zugehörigkeit, in separaten Kartons sortiert. Viele dieser Blätter werden nach Monaten, manchmal nach Jahren überarbeitet. Oder alte „Themen“ mit ähnlichen Strukturen und Mate­ rialien variiert wieder aufgenommen. Deshalb ist ein fixiertes Datum selten; es gibt keine eindeutig festgelegte Chronologie.

The material for the paper compositions has – for almost four decades – been stored in separate boxes in accordance with its spherical affiliation. Many of these sheets wait months or even years before being worked on further. Sometimes old “themes” with similar structures and materials are taken up again later in a slightly different context. Fixed dates are thus the exception; there is no straightforward chronology.

Bernd Nothen

Bernd Nothen

P.S. Einige Gruppierungen – wie zum Beispiel die der nahezu monochromen – haben keinen Stellvertreter in diesem Buch. Es wäre zuviel des Papiers.

P.S. Several groupings – such as that of the almost monochrome compositions – are not represented in this book. They would require too much paper.

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verkleinerte Abbildung / scaled-down reproduction


Ur-Hölle, Collage, 1988, 129 ∑ 99 cm

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Vorwort Zu den Papier­arbeiten Bernd Nothens

Stefan Tolksdorf

Der Augenblick des Findens geht jedem Erfinden ursächlich voraus. Für den Künstler Bernd Nothen ist dies der Beginn eines kreativen Prozesses, der das Erlebnis des Schauens, Sammelns und Staunens immer wieder neu akzentuiert. Ein Sucher aus Passion, verleiht Bernd Nothen dem Banalen, den Makulaturen unserer Konsum­gesellschaft, oder präziser, ihren papierenen Kommunikations­ fragmenten die Würde des Besonderen. Das gemeinhin Übersehene adelt er zum Artefakt, indem er es buchstäblich dem nivellierenden Tritt der Zeit entzieht und mit subtilen Methoden bearbeitet. Für den vielseitigen Künstler wird das Hin- und Fort­geworfene, unter die Räder und Füße geratene – Überbleibsel von Werbezetteln, Flugblättern und Reklameplakaten – Anregung zur eigenen Bildgestaltung. Nimmt seine ästhetisch versierte Sicht doch im leichthin Übergangenen „Miniatur­dramen“ wahr, deren besonderer Reiz im Wechselspiel analoger Formen und Farben liegt. Im besten Sinn naive Entdecker­lust motiviert diesen Blick, diese aufs Ephemere gerichtete Wahrnehmung, über vier Jahrzehnte. In der bewussten Unzeitgemäßheit und Überzeitlichkeit­ seines Werks gebührt diesem Künstler der leisen Töne Beachtung. Realisiert sich doch im Akt seines Suchens, Findens und Konservierens, im Heraus­arbeiten kleinster optischer Attraktionen, nicht zuletzt auch in der sorgfältigen Präsentation, ein Glücks­ moment der Kunst, das auf den großen Messen eher Seltenheitswert hat: eine sublim poetische Dimension. Neben experimentellen Öl-Pastellbildern, Skulpturen und Assemblagen arbeitet Bernd Nothen kontinuierlich mit vorgefundenem Papiermaterial unterschiedlicher Beschaffenheit. Wesentliches Initial zu seinen facettenreichen Werkgruppen war eine Italienreise im Jahr 1965.

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Bernd Nothen war begeistert von den Originalfresken des Trecento, im Besonderen denen von Cimabue und Giotto. Auch die Wandbilder Pompejis faszinierten ihn, die wunderbaren Kompositionen in der Villa dei Misteri, ebenso die selten beachteten, durch Zersetzung­ abstrakt gewordenen Form- und Farbreste­ an ungeschützten­ Wänden, abseits der spektaku­lären Führungspfade. Zugleich entdeckte er für sich die stark farbig plakatierten­, überklebten und verwitterten Reminiszenzen des aktuellen Lebens. Abgelöst von den Wänden waren ausgewählte Bruchstücke Motivation und Grundmaterial zu kleineren Collagen. Die ausführliche Dokumentation seiner Miniaturen (Trovati = Fundstücke) klassischer objets trouvets erschien im Jahr 1996. In zwei Werkgruppen – Collagen und Flugblätter – gliedern sich die hier gezeigten, in der Regel kleinformatigen Papierarbeiten aus den letzten Jahrzehnten. Den ersten kleineren Collagen aus Altplakatfragmenten folgten größere, teilweise auf zementgrundierten Bildträgern. Vorder- und Rückseiten des Abrissmaterials wurden gleichermaßen einbezogen und durch bildgestaltende Arrangements in eine andere ästhetische Sphäre versetzt. Risskanten – oft durch zahlreiche Papierschichten hindurch – gliedern das Bild, so wie offen gelegte Gesteinsschichten an Bahndämmen und Böschungen den untergründigen Bau einer Landschaft enthüllen.


Während Nothen bei den ersten Werkgruppen, in dadaistischer Tradition, vorgefundenes Material zerreißt und neu arrangiert, bewahrt er bei den „Flugblättern“ im Wesentlichen den ursprünglichen Befund, transformiert jedoch das Vorgefundene in mehreren maltechnischen Arbeitsprozessen – eine Entwicklung zu immer feineren, miniaturhaften Arbeiten, die sich einer kunst­ wissenschaftlichen Terminologie schließlich entziehen. Nicht zufällig erinnern einige der hier gezeigten Bilder an fernöstliche Miniaturen; auch an die Palimpseste alter Handschriften ist zu denken. In jedem Fall handelt es sich um einen Akt vollständiger Neucodierung. Der Geist der Achtsamkeit, Reduktion und konzentrierten Versenkung, der diese Kunst wesentlich bedingt, teilt sich auch beim aufmerksamen „Lesen“ dieses Buches mit. Wenn der Künstler das gleiche Flugblatt in verschiedenen Verwitterungsstufen präsentiert, geschieht dies nicht eigentlich, um den Verfallsprozess im Sinne des Vanitas-Gedankens anschaulich zu machen, vielmehr geht es ihm um den Prozess des Sehens, die Mechanismen der ästhetischen Wahrnehmung. An welchen Fix- und Haltepunkten haftet noch der Blick, wenn die Textur der ehemals farbsatten Fläche sich verflacht, zur Relieflandschaft faltet oder sich auflöst in die Leere des Raums?

Anderen Arbeiten verleiht der kundige Amateurarchäologe die Patina historischer Artefakte – wobei dem Betrachter mitunter Reminiszenzen der Kunstgeschichte in den Sinn kommen. Farbkombinationen und Typographie übertragen aber auch stets einen Hauch Zeitkolorit. Dem Betrachter soll reichlich Freiraum bleiben zur imaginativen Interpretation; aus diesem Grunde bleiben die Bilder – im Sinne Whistlers – unbetitelt.   Der Aktualität entfallen, der Zeit enthoben, sie gleichwohl als Erinnerungsspur in sich tragend, eignet diesen zur Kunst verwandelten Werbeträgern eine wundersame Würde. Die Worte des Kritikers Alfred Polgar über den Schriftsteller Joseph Roth – sie treffen im Kern auch alle Werkgruppen Bernd Nothens: „Er poliert das Alltägliche so lange, bis es ungewöhnlich wird“. Juni 2009

Stefan Tolksdorf lebt in Freiburg im Breisgau und ist als freier Kulturjournalist tätig. Unter anderem ist er Autor des Buches: „Der Klang der Dinge. Paul Klee – Ein Leben“.

Indem die Werbepapiere nicht mehr als öffentliche Informationsträger dienen, im Erlöschen ihrer früheren Botschaft, wächst exponentiell die Freiheit der individuellen­, die Phantasie beflügelnden Betrachtung. Die kindlich-poetische Deutung des „Wolkenlesens“ findet ihre Entsprechung im assoziativen „Bilderlesen“ der Werke Bernd Nothens. Eine Entgrenzungserfahrung wird möglich, die aber gerade nicht zur Beliebigkeit des Sehens verführt, denn Nothen lenkt den Blick durch behutsame Eingriffe. Dabei gelingen ihm nicht nur delikate Form- und Farbarrangements – einige seiner Arbeiten konservieren auch die Atmosphäre ihres Fundortes. Dies gilt besonders für das Lieblingsland des Künstlers, Italien. 5


Preface On Bernd Nothen’s Paper Compositions

Stefan Tolksdorf English translation by David Hyde

The moment of finding is the catalyst of every act of discovery. For the artist Bernd Nothen, this moment marks the beginning of a creative process which again and again places new emphasis on the experience of observation, collection, and astonishment. A seeker with a passion, Bernd Nothen imparts the dignity of the particular to the banal, to the blemishes of our consumer­ society, or more precisely to its paper communication fragments. He elevates that which is typically overseen to the status of artifact by removing it from the destructive passage of time and applying subtle methods to give it new shape. He appropriates that which has been crumpled up and thrown out, caught beneath the wheel and trampled under foot – scraps from advertisements, handbills, and posters – and uses it as inspiration for his own images. His aesthetically trained eye turns objects which the casual observer would pass over without a second glance into “dramas in miniature” whose special appeal lies in the interplay between analog forms and colors. A penchant for discovery which is naive in the best sense of the word has been the primary motivation of this observing eye, this uncanny awareness for the ephemeral, for four decades. It is exactly the intentionally anachronistic and timetranscending quality of his work which makes this master of the subtle nuance worthy of attention. The act of searching, finding, and conserving, of bringing seemingly insignificant optical details to light and, last but not least, of meticulous presentation ultimately results in a moment of artistic bliss which is all too rare at the big conventions: a sublime poetical dimension. In addition to creating experimental oil pastel paintings, sculptures, and assemblages, Bernd Nothen has always worked with various forms of found paper material. A defining formative experience which fundamentally shaped his multifaceted oeuvre was a trip to Italy in 1965.

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Bernd Nothen was captivated by the original frescos of the Trecento, especially those of Cimabue and Giotto. He was also fascinated by the wall paintings of Pompeii, the wonderful compositions in the Villa dei Misteri, and the rarely perceived forms made abstract through decay – as well as remains of paint on unprotected walls far from the beaten path of guided tours.   At the same time, he discovered the colorfully overpasted, worn and weathered reminiscences of everyday life. Removed from the context of the walls, selected fragments served as the motivation and basic material for small collages­. An extensive documentation of his miniatures (Trovati = found objects) of classical objets trouvets came out in 1996.   The mostly small-scale paper works displayed here were made in the past decades and may be grouped into two categories: collages and handbills. The first small collages­ made of fragments from old posters were followed by larger ones, some on cement-based surfaces. Both the front and back sides of the torn material were incorporated and brought to another aesthetic level by way of calculated compositional arrangements. Broken edges – often cutting straight through numerous layers of paper – give structure to the pictures, much as the exposed layers of rock of a railroad cutting or at the side of a mountain road reveal the underside of a landscape. Whereas Nothen tears up found materials and rearranges them in Dadaistic manner in the first group of works, the original find remains mostly intact in the “handbills” but is transformed through a series of painting processes – a development resulting in compositions which take on the form of ever finer miniatures which ultimately defy categorization in conventional artistic terms.


It is no accident that several of the pictures on display here are reminiscent of Far Eastern miniatures; another parallel is the palimpsest of medieval manuscripts. In each case the result is a complete recodification. The spirit of attentiveness, reduction, and concentrated absorption at the core of this work also becomes evident during an attentive “reading” of this book. When the artist presents the same handbill in various stages of alteration, the point is not really to illustrate the process of decay in the sense of the classical vanitas motif. Rather, it is about the process of seeing, the mechanisms of aesthetic perception. What point does the eye remain fixed on when the texture of the previously colorful surface is now flattened out, folded to make a landscape in relief, or dissolved into the emptiness of space? When the handbills no longer serve as public conveyors of information, when their former message has been removed or distorted, the freedom of the individual grows, thus stimulating the imagination of the viewer. The associative “picture reading” of the compositions of Bernd Nothen has a lot in common with the naive-poetic “reading” of clouds patterns. They enable a transcendence of spatial barriers which, however, does not lead to an arbitrary visual experience thanks to Nothen’s carefully calculated interventions. However, the quality of the works lies not only in the delicate form and color arrangements – several of his works also conserve the atmosphere of the location the material was drawn from. This is especially true of the artist’s favorite country, Italy.

No longer current, removed from time, but at the same time preserving the past as a trace of memory, these metamorphosed advertising media acquire a wondrous aura of dignity. Maybe the best way to describe the essence of these works is in the words of the critic Alfred Polgar on the writer Joseph Roth: “He polishes the commonplace so long that it becomes uncommon”. June 2009

Stefan Tolksdorf lives in Freiburg im Breisgau and works as a freelance journalist for culture and the arts. Among other things he is the author of the book: “Der Klang der Dinge. Paul Klee – Ein Leben”.

A knowledgeable amateur archaeologist, Nothen gives other compositions the patina of historical artifacts which often evoke reminiscences from the history of art. However, the color combinations and typography of the compositions always convey a note of contemporary life as well. Nothen wants to give the viewer ample room for imaginative interpretation; his works thus remain – in the spirit of Whistler – untitled.  

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Prefazione I lavori in carta di Bernd Nothen

Stefan Tolksdorf Traduzione italiana di Maria Luigia Wigand

Il momento del trovare è la causalità originaria di ogni ritrovato. Per l’artista Bernd Nothen questo è l’inizio di un processo creativo che mai cessa di accentuare l’avventura del guardare, del raccogliere e del meravigliarsi. Un cercatore per passione, Bernd Nothen conferisce al banale, alle cartacce da macero della nostra società dei consumi, o meglio ai loro messaggi in frammenti cartacei, la dignità dello speciale. Egli nobilita facendone arte quello che nemmeno più vediamo, strappandolo letteralmente all’instancabile livella del tempo, ed elaborandolo con metodi raffinati. Per il poliedrico artista ciò che si butta o si getta, ciò che finisce sotto le ruote e i passi indifferenti – stralci di annunci­ pubblicitari, volantini, manifesti murali – diventa stimolo di propria creatività. Nel tralasciato, il suo sguardo concentrato, esteticamente capace, riconosce “drammi in miniatura”, il cui fascino particolare­ sta nel gioco alterno di analoghe forme e analoghi colori. Con geniale ingenuità, il piacere di scoprire motiva questo sguardo, questa percezione volta all’effimero, da ormai più di quattro decenni. Bernd Nothen non è mai stato uno sceneggiatore della sua arte del “caso” felice. Proprio per la cosciente estemporaneità­ della sua opera spetta a questo artista dai toni pacati la nostra stima. Si materializza infatti nell’atto del cercare, trovare e conservare, nell’elaborazione di piccolissime attrazioni ottiche, e non per ultimo, nella curata presentazione, un momento felice dell’arte che nelle grandi fiere ha valore di rarità: una sublime dimensione poetica. Oltre a dipinti sperimentali ad olio e pastello, a sculture ed assemblaggi, Bernd Nothen continua a lavorare con il materiale cartaceo di materico differente che gli capita di trovare. Lo spunto iniziale, essenziale per il seguente sfaccettato gruppo di opere, fu un viaggio in Italia nel 1965.

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Entusiasmanti per Bernd Nothen si rivelarono gli affreschi del Trecento, in particolare quelli di Cimabue e Giotto. E non per ultimo lo affascinarono i dipinti murali di Pompei, le meravigliose composizioni nella Villa dei Misteri ma anche le forme e le macchie di colore, divenute astratte per indifferenza e rovina su parerti dimenticate, lontane dai percorsi spettacolari dell‘antica città. Contemporanemante l’artista scoprì per sé stesso le reminiscenze­ della vita odierna nei manifesti colorati e spesso incollati l’uno sull’altro sui muri, fortemente rosi dalle intemperie. Staccati dalle pareti, frammenti da lui scelti divennero motivazione e materiale di base per piccoli collages. La dettagliata documentazione delle sue miniature (Trovati) di classici oggetti ritrovati è apparsa nel 1996. In due gruppi di opere – Collages e Volantini – si dividono qui i lavori in carta degli ultimi decenni, quasi sempre di formato minore. Ai primi piccoli collages eseguiti con frammenti di carta da macero ne seguono più grandi, in parte su una base di muraglia. Sia il diritto che il rovescio del materiale di strappo sono assieme inseriti e, mediante arrangiamenti di forma, trasposti in una diversa sfera estetica. I bordi delle crepe delineano l‘immagine – spesso attraverso numerosi strati di carta – così come gli strati pietrosi occhieggianti lungo i terrapieni delle ferrovie ed i pendii erbosi rivelano la struttura del paesaggio. Mentre Nothen nel primo gruppo di lavori, in dadaistica tradizione, strappa ed arrangia di nuovo il trovato, egli mantiene esssenzialmente nei “Volantini” il reperto originale, trasformandolo tuttavia nel corso di numerosi processi pittorici – uno sviluppo che porta ad opere miniaturistiche sempre più delicate, sottraentesi ad una classificazione terminologica.


Non è un caso che alcuni dei lavori qui presentati ricordino miniature dell’Estremo Oriente; anche a palinsesti di antiche scritture viene da pensare. Si tratta in ogni caso di un atto di codificazione del tutto nuovo. Lo spirito dell’attenzione, riduzione e concentrata immersione spirituale che informa quest’arte, è sperimentabile attraverso un’attenta “lettura” di questo libro. Quando l’artista presenta lo stesso volantino in diversi stadi di disfacimento, ciò non avviene in primo luogo per rendere visibile il processo della decadenza, nel senso di una riflessione sulla vanità delle cose. Gli interessa invece il processo del vedere, dei meccanismi di percezione estetica. Allora, su quali punti si può fissare lo sguardo quando la tessitura della superfice già pregna di colore si appiattisce, si sviluppa in un paesaggio a rilievo o si dissolve e nel vuoto?

Persi all’attualità, tolti dal loro tempo, ma conservanti la traccia del ricordo, questi annunci pubblicitari trasformati in arte ci rivelano la loro dignità. Le parole del critico Alfred Polgar sullo scrittore Joseph Roth colpiscono a segno i lavori di Bernd Nothen: “Egli leviga a lungo l’ordinario quotidiano, fino a farlo diventare straordinario”. Giugno 2009

Stefan Tolksdorf vive a Friburgo (in Brisgovia) e lavora come giornalista per la cultura. Tra l’altro è autore della biografia su Paul Klee: “Der Klang der Dinge. Paul Klee – Ein Leben”.

Mentre i testi pubblicitari non servono più come bollettini ufficiali di notizie, nello spegnersi del loro originale messaggio­ cresce la libertà dell’osservazione individuale che vola sulle ali della fantasia. L’infantile, poetico gioco del “leggere nelle nuvole” trova il suo corrispettivo nel “leggere nelle immagini” delle opere di Bernd Nothen. Si crea nello spettatore un’esperienza dell’illlimitato che non porta ad uno sguardo disattento ma è guidata da pacati, voluti interventi dell’artista. Non solo infatti gli riescono arrangiamenti gentili di forme e colori – alcuni dei suoi lavori conservano addirittura l’atmosfera­ del luogo del ritrovamento. Questo vale soprattutto per il Paese preferito dell’artista, l’Italia. Ad altri lavori l’artista, archeologo per passione, conferisce la patina di reperti storici, e allo spettatore visitatore tornano in mente reminiscenze della storia dell’arte. Ugualmente, combinazioni di colori e tipografia portano un soffio di tinteggiatura del mondo attuale. Allo spettatore è dato così spazio per l’interpretazione immaginativa, e per questa ragione i quadri rimangono – come nelle intenzioni di Whistler – senza titolo.

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»Unter diesen Vorschriften soll aber eine neue Erfindung in der

überlegenen Betrachtung nicht fehlen; die wenn sie auch ärmlich und beinahe lächerlich erscheint, dennoch von größtem Nutzen ist, den Geist zu mannigfachen Erfindungen anzuregen. Und das geschieht, wenn du manches Gemäuer mit verschiedenen Flecken oder mit einem Gemisch aus verschiedenartigen Steinen anschaust; wenn du dir gerade eine Landschaft ausdenken sollst, so kannst du dort Bilder verschiedener Landschaften mit Bergen, Flüssen, Felsen, Bäumen, großen Ebenen, Tälern, Hügeln verschiedener Arten sehen; ebenso kannst du dort verschiedene Schlachten und Gestalten mit lebhaften Gebärden, seltsame Gesichter und Gewänder und unendlich viele Dinge sehen.«

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ÂťI will not forget to insert a new theoretical invention into these rules

for the sake of knowledge which, although it seems of little import and good for a laugh, is nonetheless of great utility in bringing out the creativity in some of these inventions. This is the case if you cast your glance on some walls dirty with stains or walls made up of rock formations of different types. If you have to invent some scenes, you will be able to discover them there in diverse forms, in diverse landscapes, adorned with mountains, rivers, rocks, trees, extensive plains, valleys, and hills. You can even see different battle scenes and movements made up of unusual figures, faces with strange expressions, and myriad things which you can transform into a complete and proper form constituting part of similar walls and rocks.ÂŤ

Leonardo da Vinci

1452 – 1519 11


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17,7 ∑ 13,3 cm

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19 ∑ 13,5 cm


17 ∑ 23,3 cm

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21,7 ∑ 15,7 cm

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11,8 ∑ 16,7 cm


10,2 ∑ 16,5 cm

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18,7 ∑ 24,5 cm

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16,5 ∑ 20,9 cm


9,5 ∑ 12,5 cm

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Das Buch „Verlorene Botschaften / Lost Messages“ ist ab April 2010 im modo Verlag erhältlich: www.modoverlag.de


Bernd Nothen: Verlorene Botschaften / Lost Messages