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BETHEL magazin

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STILLEN Eine tolle Zeit Stillen in den ersten Tagen nach der Geburt Stillen nach Bedarf Das Trinkverhalten Ihres Säuglings Anlagetechniken Eigentlich ganz einfach ... Tipps fßr Zuhause Mutter-und-Kind-Tipps auch fßr zu Hause Ausserdem in dieser Ausgabe: Informationen ¡ Interviews ¡ Ratgeber ¡ Empfehlungen


Editorial

GLÜCKWUNSCH! Liebe Eltern, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Baby. Nun sind Sie mit Ihrem Neugeborenen auf dem Weg in das Abenteuer Elternschaft. Sicher haben Sie viele Fragen, die Sie und Ihr Baby betreffen. Wir möchten Ihnen mit diesem Magazin einen Leitfaden mit grundsätzlichen Informationen geben und Sie mit Lösungen vertraut machen, damit Sie ernsten Problemen aus dem Weg gehen können. Wann immer Sie Fragen haben oder Hilfestellungen benötigen, wir stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung und geben Ihnen Ratschläge und Hilfe. Machen Sie aber stets das, was Sie für richtig halten und gehen Sie mit Ihrem Säugling so um, wie Sie möchten, dass man mit Ihnen umgeht. Ihre Schwester Susanne Sorban Pflegedirektorin

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Inhalt

STILLEN 04 05

Wer-Wie-Was-Wo und Wann? Besuchs- und Essenszeiten Geburt im Krankenhaus Bethel

14 Eine tolle Zeit Stillen in den ersten Tagen nach der Geburt

Zweisamkeit genießen... Gespräch über Stillen mit Isolde Läpple

15 Brustentleerungsmaßnahme Die vier Schritte zur Brustentleerung

06 Körperpflege der Mutter Körperpflege des Säuglings 07 08

17 Stillen nach Bedarf Das Trinkverhalten Ihres Säuglings

Stillen - Back to the Roots Nancy Schoenbeck über das „Natürlichste auf der Welt“

18 Anlagetechniken Eigentlich ganz einfach ...

Säuglingsuntersuchung Screenings und „U2“ im Krankenhaus Bethel

20 Tipps für Zuhause Mutter-und-Kind-Tipps auch für zu Hause

10 Alles Paletti? Gesundes Baby ...

23 Zum Schluss Schlusswort, Literaturverzeichnis, Impressum

11 Stillen ist gesund Die Bedeutung des Stillens 12 Rooming in... Kann ich mein Baby verwöhnen?

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Termine

WER-WIE-WAS-WO UND WANN MAHLZEITEN GEBURT - ALL INCLUSIVE Ein Frühstück erhalten Sie am Büffet in der Stationsküche. Variabel von 7.30 10.30 Uhr. Ihr Mittagessen servieren wir Ihnen mit Zimmerservice gern ab 12.00 Uhr. Das Abendessen bieten wir Ihnen als Büffet in der Stationsküche. Ebenfalls variabel von 17.30 - 21.30 Uhr Getränke stehen selbstverständlich jederzeit zur Verfügung. PHYSIOTHERAPIE Gern werktags in der Physiotherapieabteilung oder auch - nach Absprache - auf Station. Nach einer Kaiserschnittentbindung kommt der bzw. die Physiotherapeut/in natürlich zu Ihnen in Ihr Zimmer. BESUCHSZEIT-FAMILIENZEIT Alle wollen Ihr Baby sehen - alle möchten Ihr Baby auf den Arm nehmen ... Bitte nutzen Sie die Zeit im Krankenhaus für sich selbst, das Baby und als Familienzeit. Sorgen Sie dafür, dass Sie in den ersten Tagen nach der Geburt nicht zuviel Besuch bekommen. Zeit und Ruhe tut allen gut.

AMTLICH Wie und wo melde ich mein Kind an? Wir melden Ihr Kind für Sie beim Standesamt in Bückeburg an. Kinder werden immer am Geburtsort angemeldet - laut Gesetz innerhalb von 7 Tagen. Das Standesamt Ihres Wohnortes wird über die Geburt Ihres Kindes automatisch informiert. Dafür wird benötigt: Stammbuch oder die Geburtsurkunde, ggf. eine Vaterschaftsanerkennung oder eine Sorgerechtserklärung oder auch (sofern vorhanden) ein Scheidungsurteil. Bitte geben Sie diese Unterlagen im Stationszimmer ab. Wir kümmern uns um die Vorgänge. Sie bekommen dann von uns eine Geburtsanzeige. Bitte auf Richtigkeit kontrollieren und ggf. berichtigen. Dann unterschreiben und im Stationszimmer abgeben. Ganz einfach. Wir geben die gesamten Unterlagen zum Standesamt und Sie können dort nach ca. 3 - 4 Werktagen die fertige Geburtsurkunde abholen.

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Gespräch über Stillen mit Isolde Läpple

ZWEISAMKEIT GENIESSEN Die Entscheidung zum Stillen war für mich eine reine Gefühlssache. Außerdem ist es für mich die natürlichste Ernährung eines Kindes. Ich habe diese Entscheidung auch für mich alleine getroffen - ohne meinen Partner danach zu fragen. In der Schwangerschaft hat sich mein Körper mehr verändert als in der Stillzeit. Meine Brüste sind während der Stillzeit schön gewachsen, was sich aber nach der Stillzeit wieder normalisiert hat. Die ersten Wochen der Stillzeit habe ich als nicht nur angenehm empfunden. Mit der Zeit wurde es aber immer schöner. Beim ersten Anlegen hatte ich keine besonderen Gefühle. Nur an das Ziepen in der Brust kann ich mich gut erinnern. Stillen hat auch nicht nur schöne Seiten. Es war z.B. unangenehm, wenn meine Brüste so fest und empfindlich waren, weil das Kind zu lange schlief oder ich Stress hatte. Auch fand ich es nicht so angenehm, als meine Brüste nachts „ausliefen“. Beim ersten Kind hatte ich das Gefühl, nur noch zu stillen - trotz 4-Stunden-Rhytmus. Auch jetzt fällt es mir manchmal schwer, bei den Wachstumsschüben alle 2 Stunden zu stillen. Aber das ist ja nach spätestens 2 Tagen wieder vorbei. Bei allen 3 Kindern fand und finde ich das Stillen sehr praktisch, weil ich immer „Alles“ dabei hatte bzw. habe. Bei meinem Kleinsten finde ich die Stillzeit am angenehmsten und genieße sie richtig, weil ich mich dann zurückziehen kann und die Großen es verstehen, dass wir Ruhe brauchen. Die Zweisamkeit beim Stillen ist schon etwas Besonderes, vor allem bei 3 Kindern. Beim 1. Kind habe ich mich zum Stillen immer zurückgezogen und Ruhe gesucht, beim 3. Kind ist Stillen sogar in der Öffentlichkeit kein Problem für mich. Das Abstillen war bei allen Kindern unterschiedlich und hat sich ergeben. Die letzte Stillmahlzeit war jedoch schon ein bisschen traurig und für mich wie ein erster kleiner Abschied. Isolde Läpple,

1. Kind, 6 Jahre, 7 Monate gestillt. 2. Kind, 2 ½ Jahre, 8 Monate gestillt. 3. Kind, 5 Monate, wird noch gestillt.

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Nach der Geburt

KÖRPERPPFLEGE DER MUTTER Bitte melden Sie sich zum ersten Aufstehen nach der Entbindung. Wir begleiten Sie zur Toilette und geben Tipps für die Intimpflege. Nach jedem Toilettengang bitte die Intimspülung benutzen und die Vorlagen wechseln. Danach den Toilettensitz und den Spülkopf desinfizieren und gründlich die Hände waschen. Sobald Ihr Kreislauf stabil ist, können Sie duschen. Bitte verwenden Sie keine stark parfümierten Seifen und Duschgels für Brust und Intimbereich. PFLEGE DES SÄUGLINGS Wir zeigen Ihnen gern das Waschen und Baden Ihres Babys. Ist Ihr Säugling wach, melden Sie sich bitte bei uns. (9.00 - 17.00 Uhr) Wenn Sie sich sicher fühlen, können Sie Ihren Säugling selbstverständlich in der gleichen Zeit selber versorgen. Dabei möchten wir Ihren Säugling gern (nackt) wiegen und die Temperatur kontrollieren. Zu Hause ist das tägliche Wiegen sowie die tägliche Temperaturkontrolle übrigens nicht mehr nötig. Haben Sie das Gefühl, Ihr Säugling müsste gewickelt werden, melden Sie sich bitte bei uns. Wir zeigen Ihnen das Wickeln mit verschiedenen Wickelmethoden. Wickeln Sie Ihr Baby nach Bedarf.

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Nancy Schoenbeck über „Das Natürlichste der Welt“

STILLEN - BACK TO THE ROOTS Für mich war von Anfang an klar, dass ich stille. Es war ein natürlicher Instinkt. Schon in der Schwangerschaft habe ich die Zweisamkeit genossen. Ich habe gar nicht daran gedacht, dass das Stillen mich oder meinen Körper negativ beeinflussen könnte. Auf das erste Anlegen war ich ganz gespannt und überwältig von dem Gefühl, dass ich mein Kind selber versorgen kann. Mein Kind hat ab der 6. Woche bis zum 9. Monat nachts durchgeschlafen. Erst als ich angefangen habe zu zufüttern war es damit vorbei, da Constantin Samuel nachts wieder an der Brust trinken wollte. Durch das Stillen fühle ich mich total unabhängig. Es beruhigt mich und das Kind und gibt ihm Geborgenheit. Ich habe überall gestillt und stille heute noch überall. Mein Kind hat immer seinen eigenen Stillrhythmus gehabt, worauf ich mich aber auch stets einstellen konnte. Dabei konnte ich den Haushalt bewältigen und sogar arbeiten gehen. Constantin Samuel war von Anfang an und ist immer noch viel im Tragetuch. Dadurch ist er immer mittendrin statt nur dabei. Er ist ein sehr zufriedenes Kind. Für mich ist es immer noch ein schönes Gefühl mit dem Tragetuch durch die Stadt zu gehen und meine Aufgaben zu erledigen. Ich möchte so lange stillen, bis er dem Stillen entwachsen ist. Für mich ist Stillen das Einfachste und Natürlichste auf der Welt. „Back to the Roots.“ Nancy Schoenbeck, 1. Kind, 20 Monate, wird noch gestillt

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Screenings und „U2“ im Krankenhaus Bethel

SÄUGLINGS-UNTERSUCHUNG VORSORGEUNTERSUCHUNG Die sogenannte „U2“ erfolgt zwischen dem 3. und 10. Lebenstag. Wir informieren Sie früh genug über den genauen Zeitpunkt. Sie können bei der Untersuchung selbstverständlich dabei sein. Zwischen 8.30 und 9.00 Uhr wird sie an Wochentagen von unserem Kinderarzt durchgeführt. Ihr Baby wird von uns für diese Untersuchung vorbereitet. Ihr Baby bekommt - ebenso wie bei der U1 und ggf. auch bei der U3 - Vitamin K zur Unterstützung der Blutgerinnung. Sie erhalten von uns außerdem Vitamin D Tabletten für die ersten 4 Wochen. Danach werden die Tabletten weiterhin von Ihrem Kinderarzt verschrieben. Ab dem 10. Lebenstag geben Sie Ihrem Baby bitte täglich eine Tablette zur Unterstützung des Knochenaufbaus. Es gibt Tabletten mit Fluorid (Kariesprophylaxe) und ohne Fluorid. Ihre Fragen beantwortet Ihnen gern unser Kinderarzt. NEUGEBORENEN-SCREENING Informationen zum Screening erhalten Sie auf gesonderten Infoblättern. OAE UNTERSUCHUNG Die OAE Untersuchung ist eine Funktionsprüfung des Innenohrs bei Ihrem Kind und wird ab dem 2., möglichst 3. Lebenstag durchgeführt. Bisher war es nicht möglich, Hörfehler von Neugeborenen frühzeitig zu diagnostizieren. Es verstrich somit wertvolle Zeit (durchschnittlich mehr als zwei Jahre), um zu erkennen, ob ein Kind hören kann oder nicht. Diese Zeit deckt sich mit der Entwicklungsphase für das Hör- und Sprechvermögen. Die Entwicklungsphasen des Hör- und Sprechvermögens sind untrennbar voneinander. Denn: wer nicht hören kann, kann auch nicht sprechen lernen. Die Folge ist somit auch eine geistige und seelische Behinderung durch diese Fehlentwicklung. Zu einer gezielten Diagnostik des kindlichen Hörvermögens bieten wir Ihnen einen Funktionstest an. Dafür wird ein Ton über eine Sonde in den Gehörgang des Kindes geleitet. Dieser Ton versetzt bestimmte Haarzellen im Innenohr in Schwingung. Diese Schwingungen erzeugen wiederum Schallwellen, die – ähnlich einem Echo – über eine im äußeren Gehörgang liegende Sonde aufgefangen werden. Mit dieser Methode wird einfach und schnell sichergestellt, dass Ihr Kind die Voraussetzung für eine gesunde Hörfähigkeit besitzt. Lediglich extrem seltene Erkrankungen des Innenohrs, der Hörnerven und des Gehirns können mit dieser Funktionsprüfung nicht erfasst werden. Bei einer Entwicklungsstörung des Kindes können (trotz eines unauffälligen Ergebnisses dieses Funktionstestes) ggf. weitere Untersuchungsmethoden der Hörfähigkeit nötig sein.

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Gesundes Baby

GENITALBLUTUNGEN Am 3. bis 9. Tag kann es sein, dass bei einem weiblichen Baby blutiger Schleim aus der Scheide austritt. Dies steht im Zusammenhang mit der Hormonumstellung durch den Entzug der mütterlichen Hormone. Der Schleim dient der Reinigung der Scheide. BLÄHUNGEN BEIM SÄUGLING Die Darmflora wird erst aufgebaut. Deswegen haben die meisten Babys Blähungen. Was hilft, ist Wärme, Fliegergriff, Kümmelzäpfchen, Windsalbe, Kümmelöl, leichte Babymassage nach Anleitung und viel Tragen und Nähe. KARIES UND BAKTERIEN Bitte nehmen Sie nicht den Schnuller oder Löffel Ihres Babys in den Mund. Dadurch können Karies und andere Bakterien übertragen werden. BABY - LAGERUNG Wie liegt das Baby am besten? Die Rückenlage ist die richtige Lagerung für Ihr Baby.

ALLES „PALETTI“? BABY‘S HAUT Gerade bei übertragenen Kindern, aber auch sonst kann es zu einer ausgedehnten Schuppung der Haut am ganzen Körper kommen. Dieses hat keine besondere Bedeutung und lässt auch keine Rückschlüsse auf die spätere Hautbeschaffenheit zu. Schon einige Tage nach der Geburt kann ein Ausschlag auftreten, der meist in der 2. oder 3. Lebenswoche seinen Höhepunkt erreicht. Dieses nennt man Neugeborenenakne. Es sieht im Grunde genauso aus wie die Akne bei Jugendlichen, nur dass die Veränderungen auf der Babyhaut etwas kleiner sind. Es handelt sich um eine Folge der hormonellen Umstellung, die nicht bei allen Babys auftritt. Es kann sein, dass Ihr Baby nach der Entbindung (und auch noch ein paar Tage später) bläuliche und kühle Füße hat. Dies liegt am Kreislauf des Babys, der erst richtig „auf Touren kommen“ muss. GEWICHTSVERLUST Viele Babys verlieren in den ersten Lebenstagen an Gewicht. Es ist jedoch noch innerhalb der Toleranz, wenn Ihr Baby bis zu 7% vom Geburtsgewicht abnimmt. Das Geburtsgewicht soll allerdings spätestens bis zum 10. - 14. Tag wieder erreicht sein. SCHWELLUNG DER BRUSTDRÜSEN Eine Schwellung der Brustdrüsen kann, ebenfalls bedingt durch die hormonelle Umstellung, auftreten. Häufig am Ende der 1. Lebenswoche. Diese - harmlose - beidseitige Schwellung wird nicht behandelt. Bei Rötung der Brustdrüsen und bzw. oder einer einseitigen Schwellung ist jedoch eine Untersuchung durch unsern Kinderarzt nötig. BABY‘S URIN Wenn der Urin orangefarbene Bestandteile enthält, nennt man das Harn- oder Nierengrieß. Das klingt nicht gut - ist aber normal. Es fällt durch orange Flecken in der Windel auf.

MIT DEM BABY NACH HAUSE Sie entscheiden gemeinsam mit uns, wann Sie nach Hause gehen möchten. Bitte informieren Sie uns spätestens einen Tag vorher, wann Sie gehen möchten. Wir organisieren alles Nötige (z.B. auch eine Entlassungsuntersuchung) für Sie. Am Entlassungstag geben Sie bitte Ihren Kinderzimmerchip bei uns ab und vergessen Sie bitte nicht Ihren Mutterpass und das Kinderuntersuchungsheft. Ihre Telefonkarte können Sie am Automaten einlösen. Wir empfehlen Ihnen, erst dann nach Hause zu gehen, wenn alle Untersuchungen vom Säugling und von Ihnen abgeschlossen sind. Das ist in der Regel nach ca. 3 Tagen nach Entbindung der Fall. Wenn Sie sich dann wohl fühlen, gehen Sie mit Ihrem Kind nach Hause. SPAZIEREN FAHREN Sie können gleich nach der Entlassung mit Ihrem Baby spazieren gehen. Ziehen Sie Ihren Säugling dem Wetter entsprechend an. Wichtig ist, im ersten Lebensjahr immer eine Mütze aufzusetzen und ggf. das Gesicht einzucremen. 10


Die Bedeutung des Stillens

STILLEN IST GESUND Das Stillen fördert die Beziehung von Mutter und Kind. Stillen wirkt sich positiv auf die Gesundheit der Mutter aus. Es unterstützt die Rückbildung der Gebärmutter und den schnellen Abbau von eingelagerten Fettreserven aus der Schwangerschaft. Beim Baby werden alle 5 Sinne angeregt. Das ist für die seelische Entwicklung des Kindes wichtig. KUSCHELSTUNDEN Wenn Sie ein halbes Jahr ausschließlich stillen, haben Sie und Ihr Kind 500 - 700 Stunden Hautkontakt („Kuschelstunden“).

MUTTERMILCH · mindert das Allergierisiko · liefert einen Immunschutz · schützt das Kind vor Krankheiten · ist keimarm · ist immer verfügbar · ist immer richtig temperiert

KOLOSTRUM = VORMILCH Kolostrum (Vormilch) kleidet die Darmwände aus und schützt das Kind vor Allergien und Infektionen. Es wirkt aufgrund der vielen Abwehrstoffe wie eine erste Impfung.

· ändert sich in der Zusammensetzung z.B. nach der Tageszeit oder entsprechend dem Alter des Kindes sowie während einer Stillmahlzeit (am Ende mehr Fett als am Anfang)

MUTTERMILCH Muttermilch ist die normale Säuglingsernährung und genau auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt. Bis heute sind über 300 Inhaltsstoffe der Muttermilch bekannt. Säuglingsnahrung dagegen enthält nur 70 Inhaltsstoffe.

· paßt sich der Entwicklung des Kindes an · liefert Aufbaustoffe für das Wachstum des Kindes · bringt schnell Energie und fördert damit die Entwicklung des kindlichen Gehirns · enthält im 1. Lebenshalbjahr alles, was Ihr Kind zur Ernährung braucht.

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Kann ich mein Baby verwöhnen?

ROOMING IN... 24h ROOMING IN „24h Rooming in“ bedeutet, dass Mutter und Kind nicht voneinander getrennt werden. Manchmal weint ein Baby auch, wenn es keinen Hunger hat. Was auch der Grund sein mag, versuchen Sie immer ruhig und zärtlich zu ihm zu sein. Vielleicht möchte es nur getragen werden oder saugen. Weinen ist für das Baby die einzige Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Sie können Ihr Baby nicht verwöhnen! Neben der Ernährung ist das zweite Hauptbedürfnis Ihres Babys berührt, gehalten und getragen zu werden. Es braucht Ihre Wärme und Nähe wie vor der Geburt. Deshalb behalten Sie Ihr Baby wenn möglich viel bei sich, auch nachts. Wenn Sie möchten, legen Sie Ihr Baby nackt auf Ihren nackten Oberkörper. Es fördert die Mutter-Kind-Beziehung. Neugeborene schlafen meist gar nicht so viel wie erwartet, sondern sind interessiert und aufgeweckt. Gehen Sie mit Ihrem Baby so um, wie Sie möchten, dass man mit Ihnen umgeht und entscheiden Sie ruhig aus dem „Bauch“ heraus. Bitte sorgen Sie dafür, dass Sie in den ersten Tagen nach der Geburt nicht zuviel Besuch bekommen, um Zeit und Ruhe für sich selbst und das Baby zu haben. Nutzen Sie die Zeit im Krankenhaus als Familienzeit. Die ersten 4 - 6 Wochen sind eine Zeit der Anpassung für alle. Getröstet zu werden, gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Wenn Sie als Eltern diese erfüllen, tun Sie Ihrem Kind einen weitaus größeren Dienst, als es durch „Allein - Lassen“ in eine scheinbare Selbstständigkeit zu drängen. Babys gedeihen viel besser, wenn sie oft gestreichelt, getragen, massiert - also berührt werden. Lediglich durch Weinen ist das Baby in der Lage, auf seine Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Reagieren Sie auf das Weinen Ihres Kindes, stärken Sie mit Ihrem Verhalten das (Ur-)Vertrauen des Kindes zu Ihnen. Sie können sicher sein, dass Ihr Baby am besten weiß, was es braucht. Also: Sie können es nicht verwöhnen!

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Stillen in den ersten Tagen nach der Geburt

EINE TOLLE ZEIT Während der Schwangerschaft wurde das Baby rund um die Uhr über die Nabelschnur mit Nahrung versorgt. Daher braucht das Baby nach der Geburt viele kleine Mahlzeiten. Zudem ist Muttermilch leicht verdaulich. Nach ca. 1,5 Stunden ist sie nicht mehr im Magen. In den 24 Stunden nach der Geburt sollten Sie Ihr Baby so oft es möchte anlegen. (ca. 6 - 8 mal). An den folgenden Tagen ca. 8 - 12 mal in 24 Stunden und auch in der Nacht. Wecken Sie es, wenn es immerzu schläft. Babys haben auch nachts Hunger. Das liegt daran, dass ihr Verdauungssystem noch nicht auf lange Nahrungspausen eingestellt ist, und Ihr Baby den Unterschied zwischen Tag und Nacht nicht kennt. Behalten Sie Ihr Kind Tag und Nacht bei sich. Wenn das Neugeborene erste Stillzeichen zeigt, können Sie es gleich anlegen. Zeichen dafür sind saugende Bewegungen, Sauggeräusche, Schlecken an den Lippen, Zunge herausgestreckt oder das Baby führt die Hand zum Mund. All das sind Stillzeichen, genauso wie schnelle Augen- oder Kopfbewegungen, Stirnrunzeln und Ruhelosigkeit. Manche Babys können sofort kräftig und effektiv saugen, andere brauchen einige Tage, ehe sie es beherrschen. Ein Schnuller kann Ihr Kind dazu bringen, seltener nach der Brust zu verlangen. Durch den Schnuller hat es zudem ein anderes Saugverhalten. Das kann dann z.B. auch wunde Brustwarzen hervorrufen. Also: Zuerst einmal das Saugen an der Brust lernen. Schläfrige Kinder oder solche, die die Brust scheinbar ablehnen, können nackt angelegt werden. So funktionieren die Instinkte des Babies besser. Die Muttermilch ist leicht und schnell verdaut, darum ist Ihr Baby häufig hungrig. Legen Sie Ihr Baby häufig an. Je häufiger Sie stillen, desto mehr Milch haben Sie! Sie müssen dennoch die Stillmahlzeiten nicht begrenzen. Babys zeigen ein unterschiedliches Trinkverhalten. Einige Babys lieben längere Mahlzeiten und andere kürzere. Durch Zufüttern von Fertignahrung und abgekochtem Wasser verringert das Baby seine Nachfrage nach Muttermilch. Das hat dann zur Folge, dass die Milchproduktion zurückgeht. Selten muss aus medizinischen Gründen zugefüttert werden. Sofern nötig, informieren wir Sie darüber. Denken Sie aber auch an sich und trinken Sie ausreichend. Sorgen Sie bitte auch dafür, dass Sie in den ersten Tagen nach der Geburt nicht zuviel Besuch bekommen. Zeit und Ruhe ist gut, damit Sie Ihr Baby und seine Bedürfnisse besser verstehen lernen. Haben Sie Geduld mit sich, setzen Sie sich nicht unter Druck. AUFSTOSSEN Es gibt Kinder, die nach dem Stillen nicht „aufstoßen“. Das ist nicht weiter schlimm, legen Sie es zum Schlafen auf den Rücken. Bitten Sie ruhig um Hilfe beim Anlegen. Eine gute Stillposition und richtiges Anlegen vermeiden die meisten der üblichen Stillprobleme und führen zu einem positiven Beginn der Stillzeit.

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Die vier Schritte zur Brustentleerung

BRUSTENTLEERUNGSMASSNAHME Ziel dieser Massage ist es, dass sich die Milch im vorderen Bereich der Brust befindet und der Milchspendereflex ausgelöst wird. Diese Vorbereitung erleichtert das Anlegen des Säuglings an die Brust. Eine sanfte kreisförmige Brustmassage erleichtert die Milchgewinnung. DIE ENTLEERUNGSTECHNIK Man nimmt die Brust in die Hand, Daumen und Zeigefinger formen ein „C“ und liegen mit den Fingerspitzen ca. 2–3 cm hinter der Basis der Brustwarze (dabei ist nicht der äußere Rand des Brustwarzenhofs gemeint, der individuell verschieden groß ist). Die Brustwarze sollte auf einer imaginären Verbindungslinie zwischen den Spitzen des Daumens und des Zeigefingers liegen. Die Brust wird mit den übrigen Fingern leicht angehoben. Anschließend sollten folgende Bewegungen durchgeführt werden: Schritt 1: Daumen und Fingerspitzen drücken waagerecht etwas in Richtung Brustkorb. Schritt 2: Daumen und Zeigefinger werden anschließend mit leichtem Druck auf das Brustgewebe nach vorne zur Brustwarze geführt – ohne auf der Haut zu rutschen – und schieben dabei die Haut des Brustwarzenhofs zusammen, ohne dabei Schmerzen zu verursachen. Auf diese Weise wird Milch aus der Brust entleert. Schritt 3: Damit wieder Milch nach fließen kann, wird die Brust anschließend locker gelassen, Finger und Daumen gehen in ihre Ausgangsposition zurück, die Haut des Warzenhofs glättet sich wieder. Bei diesem Schritt darf kein Druck auf das Brustgewebe ausgeübt werden, das würde die Milch zurückschieben. Nun wird wieder von vorne begonnen. Die Entleerung sollte den Rhythmus eines stillenden Babys nachahmen. Wenn Sie die Bewegung beherrschen, können Sie sich beim Entleeren entspannen und an Ihr Baby denken. Sobald der Milchfluss versiegt, entleeren Sie weitere Bereiche der Brust, indem Sie die Position von Daumen und Fingern um die Brustwarze herum ändern und anschließend die Hand wechseln.

linke Hand rotieren

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rechte Hand rotieren

Quelle: babyfreundlich.org


Wann das Entleeren der Brust hilfreich sein kann

BRUSTENTLEERUNGSMASSNAHME · Wenn die Brust nach dem initialen Milcheinschuss zu voll ist, kann das Baby die Brustwarze möglicherweise nicht korrekt erfassen. Entleeren von etwas Milch erleichtert das Trinken und hilft, Verletzungen der Brustwarze zu vermeiden. Darüber hinaus lindert es das Spannungsgefühl in den Brüsten. · Manchmal ist eine kurz- oder längerfristige Trennung vom Baby nicht vermeidbar, wie z.B. bei Erkrankungen von Mutter oder Kind bzw. bei einer Berufstätigkeit der Mutter. Das Baby kann in solchen Fällen mit der gewonnenen Milch ernährt werden. Es kommt auch vor, dass das Baby die Brust verweigert. Dies kann unter anderem bei bestimmten Krankheiten passieren, z.B. wenn das Baby Schnupfen oder eine Mittelohrentzündung hat. Auch in solchen Fällen hilft das Entleeren der Brust, unangenehme Spannungsgefühle zu vermeiden und das Risiko von Milchstau und Brustentzündung zu senken. · Bei Milchstau- oder Brustentzündung kann das Entleeren der Brust den Heilungsprozess unterstützen, wenn das Baby alleine die Brust nicht effektiv entleert. Da das Handentleeren in diesen Fällen unangenehm sein kann, sind hier gute elektrische Milchpumpen möglicherweise besser geeignet. · Falls eine Verletzung der Brustwarzen aufgetreten ist, kann es in manchen Situationen entlastend sein, die Brust vorübergehend manuell zu entleeren und das Baby mit der gewonnenen Milch zu füttern.

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Das Trinkverhalten des Säuglings

STILLEN NACH BEDARF Ihr Baby hat einen kleinen Magen. „Wartezeiten“ für‘s Essen kann es somit nicht verstehen. Während der Schwangerschaft wurde das Baby zudem rund um die Uhr über die Nabelschnur mit Nahrung versorgt. Somit braucht Ihr Baby nach der Geburt also viele kleine Mahlzeiten. Die Muttermilch ist außerdem leichte Kost und deshalb schnell verdaut. Darum ist Ihr Baby oft schon nach kurzer Zeit wieder hungrig. Legen Sie es deshalb häufig an. Lassen Sie das Kind lange und wenn möglich an beiden Brüsten trinken. Stillmahlzeiten müssen Sie nicht begrenzen. Säuglinge zeigen ein unterschiedliches Trinkverhalten. Vielleicht liebt Ihr Baby eher längere Mahlzeiten oder doch lieber eine kürzere? In der Ruhe liegt die Kraft. Die fettreiche Hintermilch bekommt Ihr Baby, wenn es länger trinkt und der Milchspendereflex ausgelöst wird. Der Milchspendereflex kann sich als ein „Ziehen oder Prickeln“ in der Brust bemerkbar machen. Es kann aber auch durchaus sein, dass Sie ihn gar nicht wahrnehmen. Der Reflex dauert zwischen 2 - 5 Minuten. Es ist also wichtig, in Ruhe länger zu stillen. Schluckt oder saugt Ihr Kind seltener oder schläft es an der Brust ein, bieten Sie ihm die andere Brust an. Aber lassen Sie es bitte solange trinken, wie es will. Je häufiger Sie stillen, desto mehr Milch haben Sie! Der Tag-Nacht-Rhythmus kann sehr unterschiedlich sein. Es muss aber nicht so sein, denn Ihr Baby kennt keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht. Am Anfang haben Sie das Gefühl, Sie stillen ununterbrochen. Sie werden nach einer Zeit aber bemerken, dass sich die Pausen zwischen den Mahlzeiten verlängern. Das so genannte „Clusterfeeding“ bedeutet, dass Ihr Baby viele kleine Mahlzeiten hintereinander trinkt. Damit stillt das Baby seinen Hunger und das Bedürfnis nach Nähe. Sowohl vor, als auch nach dem Clusterfeeding kann es sein, dass Ihr Baby mehrere Stunden schläft. Wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Brust bräuchte dringend Entleerung, wecken Sie Ihr Kind einfach und legen Sie es an.

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Eigentlich ganz einfach

ANLEGETECHNIKEN ANLEGEN Sie, als Mutter, wählen die Stillposition. Sorgen Sie für eine bequeme Lagerung von Ihnen und Ihrem Kind. Das Ohr des Kindes bildet eine Linie mit der kindlichen Schulter. Der Mund des Kindes sollte auf gleicher Höhe mit Ihrer Brustwarze liegen. Die Lippen des Kindes sind nach außen gestülpt (geflunscht). Der Mund Ihres Kindes muss weit geöffnet sein, ähnlich wie beim Gähnen. Halten Sie Ihre Brust im „C-Griff“. So wird Ihr Kind „angedockt“. Achten Sie bitte darauf, dass Ihr Kind reichlich Brustgewebe im Mund hat. Und vergessen Sie nicht: Sie haben Zeit. Die Stillmahlzeit bitte nicht begrenzen und wenn möglich immer an beiden Seiten anlegen. Wir geben Ihnen gern Hilfestellung für ein positives Stillerlebnis.

WIEGEGRIFF Nehmen Sie eine bequeme Sitzposition ein. Ihr Rücken und Ihre Arme sollten gut gestützt sein. Halten Sie Ihr Baby im Arm und drehen Sie es auf die Seite. Der Bauch Ihres Babys ist Ihnen zugewandt, der Kopf liegt in der Armbeuge und der Po wird von Ihrer Hand gestützt. Mit der anderen Hand bieten Sie dem Baby Ihre Brust im „C-Griff“ an. Nun bringen Sie Ihr Baby zur Brust - nicht umgekehrt - und es trinkt... RÜCKENGRIFF Dabei stützt Ihr Unterarm den Rücken Ihres Babys. Der Kopf des Babys ist Ihrer Brust zugewandt. Die Beine zeigen nach hinten. Die Brust bieten Sie im „C-Griff“ an und führen dann den geöffneten Mund zur Brustwarze.

STILLPOSITIONEN Bei allen Positionen gilt: Das Baby kommt zur Brust, nie die Brust zum Baby! Der Körper des Babys ist immer ganz Ihnen zugewandt. Der Mund Ihres Babys liegt auf gleicher Höhe wie Ihre Brustwarze. Die Lippen des Babys müssen glatt um den Warzenhof liegen. Bevor Sie mit dem Stillen beginnen, setzen oder legen Sie sich bequem hin, damit Sie entspannt stillen können und stellen Sie sich etwas zu trinken bereit. Auch Ihr Baby sollte gut gestützt sein, um ein Abrutschen von der Brust und damit ggf. wunde Brustwarzen zu vermeiden. Es ist gut, im Laufe eines Tages die Stillpositionen zu wechseln, um eine gute Entleerung der Brust zu erreichen und gleichzeitig wunde Brustwarzen zu vermeiden.

STILLEN IM LIEGEN Legen Sie sich dabei bequem auf die Seite. Ihr Kopf sowie Ihr Rücken sind gut mit Kissen gestützt. Ihr Baby liegt zu Ihnen gedreht und sein Mund ist auf Höhe Ihrer Brustwarze. Ohr, Schulter und Hüfte bilden dabei eine Linie. Nun ziehen Sie Ihr Baby eng zu sich heran und reichen ihm die Brust. STILLEN NACH DEM KAISERSCHNITT Auch bei einem Kaiserschnitt bleiben Sie oder Ihr Partner in ständigem Hautkontakt mit Ihrem Baby und können sobald wie möglich Ihr Baby anlegen.

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Ihr Baby bekommt bestimmt genug

TIPPS FÜR ZUHAUSE Ob Ihr Kind ausreichend Nahrung erhält, sehen Sie an dem, was übrig bleibt... Wenn Ihr Säugling in den ersten 6 Wochen 6 - 8 nasse Windeln und 2 - 5mal Stuhlgang am Tag hat, erhält es genug Nahrung. Der Stuhlgang des Babys kann weich bis dünnflüssig sein. Farbe und Festigkeit können wechseln. Später kann es viel seltener Stuhlgang haben. Verlässliche Anzeichen für ausreichende Nahrungsaufnahme sind z.B. hörbare Schluckgeräusche des Babys beim Trinken und häufige Stillmahlzeiten (mindestens 8 Mahlzeiten). VERMEHRTER BEDARF Nach ca. 10 Tagen, dann nach rd. 6 Wochen und wieder nach 3 Monaten kann Ihr Kind einen Wachstumsschub haben. Dabei ist Ihre Milch nicht weniger geworden, sondern der Appetit Ihres Kindes ist gestiegen. Häufigeres Stillen steigert Ihre Milchproduktion. Sie werden sehen, nach 48 Stunden hat sich die Brust an den erhöhten Bedarf angepasst. BEIKOST - WANN & WIE Die meisten Kinder sind ab dem 7. Lebensmonat bereit für die Einführung von Beikost. Es sollte trotzdem weiter gestillt werden. Ein guter Zeitpunkt für den Beginn der Zufütterung ist, wenn Ihr Kind Interesse am Essen zeigt, indem es u.a. ganz aufmerksam den Weg jedes einzelnen Bissens in den Mund verfolgt. Außerdem sollte es gestützt aufrecht sitzen und die Hand zum Mund führen. Meist ist der Zungenstoßreflex dann auch zurückgebildet, so dass es nicht alles mit der Zunge aus dem Mund schiebt. Manche Kinder zeigen erst später Interesse an der Beikost. Das ist nicht schlimm, da Muttermilch das Kind im ersten Lebensjahr voll ernähren kann. Lassen Sie sich nicht von Etiketten mit der Aufschrift „Ab dem 4. Monat“ in die Irre führen. Solange Sie und Ihr Kind sich mit dem Stillen wohlfühlen und zufrieden sind, braucht Ihr Kind in den ersten 6 Monaten keine Beikost. Die WHO empfiehlt, weiter zu stillen, solange es Ihnen beiden gefällt - gerne bis zum zweiten Geburtsjahr oder länger. TUN SIE AUCH ETWAS FÜR SICH Vergessen Sie nicht sich auszuruhen und ruhen Sie auch, wenn Ihr Baby schläft. Vergessen Sie auch nicht zu essen und zu trinken. Ernähren Sie sich ausgewogen. Probieren Sie alles aus und beobachten Sie, ob Ihr Kind es auch verträgt.

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Verwöhne ich mein Kind, wenn ich es zuviel trage?

TIPPS FÜR ZUHAUSE In den ersten Wochen nehmen Stillen, Wickeln, Versorgen und Tragen des Babys viel Zeit in Anspruch. Es ist die wache Zeit Ihres Babys. Gelegenheit, es kennen zu lernen und auch Gelegenheit, es in Ruhe mit der neuen Welt bekannt zu machen. Schenken Sie sich und Ihrem Baby Geduld und Zeit. Auch Ihrer Familie wird es gut gehen, wenn Sie auch Ihre eigenen Bedürfnisse ernst nehmen und die Partnerschaft erfüllt leben. Pflegen Sie Ihre Brustwarzen, indem Sie z.B. viel Luft heranlassen und sie mit Muttermilch einreiben. Lassen Sie die Muttermilch antrocknen. Bei sehr wunden Brustwarzen verwenden Sie Wollwachssalbe. Diese sollten Sie nicht vor dem Stillen abwaschen. Achten Sie immer auf korrektes Anlegen. Das vermeidet Komplikationen. Im Laufe des Wochenbettes kommt es immer wieder mal zu Stimmungsschwankungen. Ursache dafür ist in der Regel ein Hormonabfall. Das ist vollkommen normal. Gönnen Sie sich dann Ruhe. Ihr Baby hat 9 Monate in konstanter Wärme in Ihnen gelebt. Vertraut und verliebt in Ihre Stimme und Ihre Bewegungen. Es ruft Sie in den ersten Wochen, sobald es nicht in Kontakt mit Ihrem Körper ist. Tragen, Schaukeln und beruhigende Worte, sowie Ihr Geruch machen es Ihrem Kind leichter, sich mit der neuen Welt anzufreunden. Während des Tragens werden alle Sinne des Babys angesprochen, allen voran der Gleichgewichtssinn und der Tastsinn. 2 Sinne, die sich schon früh während der Schwangerschaft bilden und die wesentlich dazu beitragen, die anderen Sinne des Babys zu koordinieren und somit die Entwicklung des kindlichen Gehirns zu fördern. Das Urbedürfnis nach Nähe und Geborgenheit wird dadurch befriedigt. Tragen führt also nicht dazu, dass Ihr Kind verwöhnt wird, sondern dass seine Bedürfnisse adäquat befriedigt werden und es sich dadurch zu einem selbstbewussten kleinen Menschen entwickeln kann. Es ist übrigens unbestritten, dass das Tragen die Bindung zwischen Mutter, Vater und Kind fördert. Der Rücken des Babys streckt sich von alleine. Die dazu erforderlichen Rückenmuskeln werden aktiv ausgebildet. Um diese Entwicklung zu begünstigen, ist es ratsam, das Baby zu tragen. Allerdings ist es dabei wichtig, dass der Rücken richtig gehalten wird. Die Spreizstellung der Beinchen im Tragetuch, hat übrigens eine positive Auswirkung auf die Entwicklung der Hüften. SCHLAFUMGEBUNG Legen Sie Ihr Kind zum Schlafen bitte auf den Rücken. Lassen Sie Ihr Kind in Ihrem Schlafzimmer, im eigenen Bett (oder Babyzustellbett „Babybalkon“) und grundsätzlich in einem Schlafsack schlafen. Die Umgebungstemperatur sollte bei 17–18 Grad liegen. Und noch eine wichtige Bitte: Sorgen Sie für eine rauchfreie Umgebung!

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Wie wirken Getränke und Medikamente?

MEHR MILCH MIT MALZBIER? FÖRDERT MALZBIER WIRKLICH DIE MILCHPRODUKTION? Eigentlich nicht. Malzbier fördert vor allem die Bildung von „Mutter‘s Hüften“. Aber es schmeckt gut, das ist ja auch schon mal ´was. COLA, KAFFEE, TEE BEIM STILLEN. WIE WIRKT DAS? Bestandteile dieser Getränke sind sog. „Muntermacher“. Diese gehen mit der Muttermilch auch auf das Kind über. Die Wirkung ist selbstverständlich genauso wie bei Erwachsenen. Eben munter... Bitte kein Alkohol in der Stillzeit. Auch davon bekäme Ihr Baby über die Milch etwas ab! MEDIKAMENTE UND STILLEN. VERTRÄGT SICH DAS? Die pharmazeutischen Bestandteile können, wie die o.g. „Muntermacher“, ebenfalls in der Muttermilch „landen“. Bitte nicht ausprobieren, sondern vor jeder Einnahme auf jeden Fall Ihren betreuenden Arzt fragen. Wichtig!

STILLEN VERHINDERT EINE SCHWANGERSCHAFT. STIMMT DAS? Stillen ist keine sichere Methode, die Schwangerschaften verhindert. Auch, wenn viele Menschen daran glauben. Der Hormonhaushalt der Mutter ist während der Stillzeit zwar verändert, jedoch schützt er nicht vor Schwangerschaften. Bitte fragen Sie Ihre Hebamme.

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Elternschule Info-Abend „Geburt“ · Info-Veranstaltung „Großeltern werden“ · Geschwisterkurs · Geburtsvorbereitungskurse · Vorbereitung auf die Elternzeit · Akupunktursprechstunde · Hebammensprechstunde · Termine: Tel. 05722 - 202-300

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ZUM SCHLUSS Machen Sie immer das, was Sie für richtig halten. Wir geben Ihnen lediglich Ratschläge und Hilfestellungen. Sie wählen, was für Sie in Frage kommt und was nicht. Für uns ist es wichtig, dass Sie mit dem guten Gefühl nach Hause gehen: „Ich komme mit meinem Baby gut klar, und das Stillen klappt auch...“ Sie haben einen Anspruch auf Hebammenbetreuung. Denken Sie daran und erkundigen Sie sich nach einer Stillgruppe in Ihrer Nähe. Hebamme und Stillgruppe stehen Ihnen zum Erfahrungsaustausch, für Informationen und Ermutigungen zur Seite. Wir übrigens auch... „Wenn wir einfühlsam auf die Signale unseres Kindes achten, die es uns übermittelt, so wird das Kind zu dem Menschen heranwachsen, den wir uns wünschen.“

LITERATURVERZEICHNIS Marta Guoth-Gumberger, Elisabeth Hormann: Stillen – so versorgen Sie Ihr Baby rundum gut Jule Friedrich: Stillen - Was Mütter wissen sollten Iris-S. Brandt-Schenk: Stillen - Praxisbuch Katharina Lutze-Pers, Stillbeauftragte Hebammenverband Schleswig-Holstein 1/2007 Hebammenforum. WHO | Unicef Initiative „Babyfreundliches Krankenhaus“ Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns bei der Erstellung dieses Magazins unterstützt haben.

IMPRESSUM: Fachliche Inhalte: Heike Reyes-Küpper, Krankenhaus Bethel Herminenstraße 12 / 13 31675 Bückeburg Telefon: 05722 202-0 www.krankenhaus-bethel.de Texte: Heike Reyes-Küpper, Simone Möller, E. Klaubert Fotos: Christine Pannwitz, Bückeburg E. Klaubert, Bückeburg, flickr. Konzept & Design: ©BACH20 · 2009 - 2013 www.bach20.de Satz und Realisation: Schaumburger Druckhaus KG Friedrich-Bach-Straße 20 31675 Bückeburg Telefon: 05722 - 906990 www.druckhaus-online.de Das BETHEL magazin sowie alle darin veröffentlichten Beiträge, Grafiken und Fotos sind urheberrechtlich geschützt. Jedwelche Verwendung nur mit schriftlicher Genehmigung der SD KG.

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Jule Friedrich Kompetente Antworten auf alle Fragen zum Thema Stillen, Stillzeit sowie zur Ernährung der Mutter. Informationen aus langjähriger Praxis.

William Sears „Wie gehe ich mit einem schreienden Baby um?“ Antworten auf diese und weitere Fragen zu Kindern mit starken Bedürfnissen vom Kinderarzt. Iris-S. BrandtSchenk Praxisbuch für die schönste Zeit mit Ihrem Baby. Fundierte und ausführliche Erklärungen einer kompetenten Beraterin und Mutter von 3 Kindern.

GU Ratgeber Stillen „Baby‘s Sprache verstehen“, sowie weitere Themen für eine glückliche Stillzeit werden in diesem Ratgeber behandelt.


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