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Kunsthochschule Kassel Visuelle Kommunikation Ekel Andrea Fleischer


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Inhaltsverzeichnis


Einleitung 4 Grundlagen und Begriffserklärung »Ekel« 6 Historische Betrachtung und Erläuterungen 6 Synonyme und Definitionen von Ekel 10 Erklärungsansätze 12 Neurobiologie und Psychologie 14 Physiologie 18 Soziologie 22 Philosophie 28 Kunst und Medien 32 Dokumentation der Praktischen Arbeit 46 Fazit 50 Abbildungsverzeichnis 54 Literaturverzeichnis 56 Impressum 60


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Einleitung


Die vorliegende Abschlussarbeit für den Studiengang Visuelle Kommunikation befasst sich mit dem Themengebiet Ekel und wurde von den Lehrstühlen Fr. Prof. Gabriele Götz, Hr. Prof. Nicolaus Ott und Hr. Prof. Bernard Stein betreut. Die Abschlussarbeit besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Ziel ist dabei, eine Interpretation von Ekel zu erarbeiten und einen groben Überblick über die existierenden wissenschaftlichen Erkenntnisse wiederzugeben. Dieses Dokument umfasst den theoretischen Teil der Arbeit und soll einen Einblick in das Thema Ekel geben. Es gliedert sich in die Abschnitte Begriffserklärung, Erklärungsansätze aus den einzelnen Wissenschaften, Kunst und Medien, Gedanken zur praktischen Arbeit und dem Fazit. »Ekel« – Ein kurzes knappes Wort, das leichte bis starke Reaktionen auslösen kann. Im ersten Kapitel wird das Wort Ekel vorgestellt und anschließend versucht, die Defini­ tionen zu Ekel dem geneigten Leser näherzubringen. Dabei sind die Grundlage das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm und, eines der umfassendsten Werke zu Ekel, das Buch »Ekel: Theorie und Geschichte einer starken Empfindung« von Winfried Menninghaus. Das nächste Kapitel erläutert das Thema Ekel aus der Perspektive der unterschiedlichen Wissenschaften. Dabei wird kurz aus neurobiologischer Sicht erklärt, wo Ekel in unserem Nervensystem ausgelöst wird. Folgend wird im Kapitel Physiologie beschrieben, welche Körperreaktionen ein Ekelreiz auslöst. Die soziologischen Aspekte und die bisherigen wis­ senschaftlichen Erkenntnissen werden darauf folgend in einem eigenen Abschnitt dargelegt. Zum Abschluss werden die Arbeiten der zwei Philosophen Kolnai und Peker in aller Kürze vorgestellt. Ein weiteres Kapitel befasst sich mit der Darstellung von Ekel in der Kunst und den Medien. Es werden exemplarisch Künstler und deren Arbeiten rund um das Thema Ekel dargestellt. Gedanken zum praktischen Teil, der Abschlußarbeit, sowie die Intention zur künstlerischen Umsetzung von Ekel erfolgt im vorletzten Kapitel. Dabei werden die Gedanken und Ziele der praktischen Arbeit erklärt. Im abschließenden Kapitel werden die Erfahrungen und Erkenntnisse reflektiert und auf das für den Autor Wesentliche zusammengefasst.

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grundlagen der Begriffserkl채rung


Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Thematik Ekel auseinander. Am Anfang steht der Begriff Ekel im Vordergrund und widmet sich den Fragen. Wie ist Ekel definiert? Wo hat Ekel seinen Ursprung? Welche Bedeutungen führt dieser Begriff mit sich? Historische Betrachtung und Erläuterungen Ekel kommt aus dem Frühneuhochdeutsch, sprich Mitteldeutsch.1 Die genauere Herkunft bleibt allerdings ungeklärt. Im Zeitraum von 1854 – 1961 erschien im S. Hirzel Verlag das Deutsche Wörterbuch von den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm, welches auch als digita­ les Nachschlagewerk existiert. In diesem Werk analysieren die Brüder die Bedeutung sowie die Verwendung des Wortes und schlussfolgern, dass im Neuhochdeutschen Ekel vor dem 15. Jahrhundert nicht benutzt wurde. Die Brüder Grimm beschreiben dieses Wort wie folgt: »EKEL, m. fastidium, taedium, nausea, eins der auffallendsten wörter unserer spra­ che, heute feststehend und besonders im adj. zu feinen unterscheidungen ausge­ prägt, war es ehmals unerhört, tritt auch in den übrigen deutschen sprachen fast nirgends auf. man spricht das anlautende e durchweg lang, und die frühere schrei­ bung eckel ist darum zu verwerfen, […] Eher als im 15 jh. ist nun nhd. ekel noch nicht gefunden.«2 Die Übersetzung der lateinischen Wörter in dem obigen Zitat soll beitragen einen Einblick in die Geschichte des Wortes zu erhalten. Die lateinischen Begriffe fastidium und taedium sind mit Überdruss, Widerwill, Abscheu, Abneigung und Ekel zu übersetzen,3 der Begriff nausea mit Brechreiz, Ekel und Seekrankheit.4 Für den Autor dieser Arbeit existierte eine Gleichsetzung von Ekel und Seekrankheit bis dato nicht, denn bei der Suche nach deutschen Synonymen für Ekel in den heutigen Wörterbüchern findet sich der Begriff Seekrankheit nicht (siehe Abschnitt Synonyme ). Zur damaligen Zeit wurde die Seekrankheit mit Ekel auf eine Ebene gestellt. Dies spiegelt sich in der nachfolgenden Erläuterung im Werk der Brüder Grimm wider: »Das substantivische ekel drückt aus nausea, ναυτία, sinnlichen widerwillen und abscheu, zumal, wie das griechische wort ausdrückt, im schiffe seefahrender, bis zum erbrechen: einen ekel vor etwas haben, […] darumb wird euch der herr fleisch geben, das ir esset, nicht einen tag, nicht zween, nicht fünfe, nicht zehen, nicht zwanzig tage lang, sondern einen monden lang, bis das euch zur nasen ausgehe und euch ein ekel sei.«5 1 2 3 4 5

Vgl. Bibliographisches Institut GmbH, 2011 Grimm, DWB, 1854-1961 Vgl. Pons GmbH, Stuttgart, 2001-2011 Vgl. Paul Hemetsberger, 2002-2011 Vgl. Grimm, DWB, 1854-1961

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Die Brüder Grimm trugen weitere Beispiele der Schreibweise und Zitate aus Ihrer Epoche im Deutschen Wörterbuch zusammen, die im kommenden Abschnitt aufgeführt werden sol­ len. Besonders hervorzuheben sind hierbei die vergangenen Schreibweisen von Ekel. Sie reicht von eickel, häkel, erkeln bis hin zu ërklich. 6 Des Weiteren werden Verbindungen mit der deutschen Schreibweise zu anderen Sprachen wie Englisch, Niederländisch und Dänisch aufgezeigt: »mich überfährt ein schauder, mir grauet; die Zürcher bibel von 1530 […] verdeutscht ›es erkelt irer seel vor aller speis‹, […] erken, scheu, schüchtern sein etwas zu nehmen […] ›gergeln‹ d. i. geergeln für ekeln, […] ›erggelen, verdrieszen‹ […] ist aber zu glau­ ben, dasz aus erklich unser eklich, aus ergeln ekeln entspringe? zumal in erken nau­ seare, in erkung nausea das l fehlt und kein eken, ekung auftaucht. scheine ich also die vormals angenommne gleichstellung von erklich und eklich selbst wieder in zweifel zu ziehen, so kommt auch noch eine weiter einleuchtende analogie in betracht. ekel ist in andern oberdeutschen mundarten deutlich heikel oder haikel […] es ist gar ein hekeler mensch, […] Adelung hat, ohne an ekel zu denken, häkelig einge­ tragen und bei ekel zwar häkel als synonym angeführt, buchstäbliche verwandtschaft beider wörter nicht angenommen, wie sich freilich häkel auch für häkelich difficilis, morosus halten liesze. eikel, ekel und heikel, hekel verhalten sich aber wie eischen und heischen, eit und heit, die herleitung von ekel aus erkel könnte daneben bestehen, zumal bei erklich die lesart herklich vorbricht. […] es wäre landschaftliche abweichung, dasz die Schweizer erkel, andere stämme ekel, Schwaben und Baiern heikel sagen. […] ein äken, zum ekel […] man denkt zunächst an ahd. ërchan, hërchan genuinus, dessen bedeutung sehr umschlagen müste um den sinn von morosus zu erreichen. Das substantivische ekel drückt aus 1) nausea, […] siehe vorherige Seite. die erste schiffart zeugt den eckel vor der see. […] das erregt mir ekel, ich esse mit ekel, widerwillen; ekel machen, bringen, verursachen, vertreiben. 2) geistigen widerwillen: und meine seele wird an euch ekel haben, […] du solt einen ekel und grewel daran haben, […] dasz ich von ihrer gegenwart einen eckel bekam. […] alles was ich zuvor an ihr verwunderte und liebete, war in einen eckel verwandelt. […] weil ich dennoch einen starken eckel bei mir verspüre, mit einem frauenzimmer solches schlages ins ehebette zu steigen.

6 Vgl. Grimm, DWB, 1854-1961


wär unser herz von ekel leer, so würde bald ein wollustmeer aus jedem hügel in uns flieszen. Haller 114; ein starker schall war mir zuwider, krankhafte gegenstände erregten mir ekel und abscheu. Göthe 25, 251; gott sei mein zeuge, ich verabscheue euch, ich habe einen ekel an euch, und das herz gällt mir im leibe, wenn ich euch anschaue. Schiller 960a; er ist mir zum ekel, abscheu, ganz zuwider, widersteht mir. Kant sagt 10, 158: der ekel, ein anreiz sich des genossenen durch den kürzesten weg des speisekanals zu entledigen (sich zu erbrechen) … weil es aber auch einen geistesgenusz gibt, der in der mittheilung der gedanken besteht, das gemüth aber diesen, wenn er uns aufgedrungen wird und doch für uns nicht gedeihlich ist, widerlich findet … , so wird der instinct seiner los zu werden, der analogie wegen, gleichfalls ekel genannt. 3) den gegenstand des ekels und widerwillens selbst, die sache oder auch die person: von einem widrigen menschen heiszt es ›der ekel!‹ ähnlich dem persönlich gebrauchten der unflat, abschaum, eigensinn u. s. w. 4) synonyme: ahd. unwillo, unwillido, wullido, wullunga; unlust EKEL, adj. 1) fastidium afferens, ekelerregend, […] widerstehend, nicht vor dem 17 jh. im gang. 2) fastidiosus, ekel empfindend.«7 Aus der obigen Darstellung von den Brüdern Grimm ist ersichtlich, dass der Begriff Ekel zwei Bedeutungen besitzt. Die erste Bedeutung liegt im Bereich der Sinne und Gefühle. Bei­ spiele dafür sind die Abscheu vor dem Zischen der Schlange, der unangenehme Geruch der Duranfrucht (auch Stinkfrucht genannt) oder der eingetretene Kaugummi unter den Schuhen. Die zweite Bedeutung dreht sich um einen Menschen als Ekel, der mit seinem Verhalten und Charakterzügen unangenehm und abstoßend auf sein Umfeld wirkt. Ein Mensch der Kinder zu seinem Vergnügen und Befriedigung ausnutzt – Pädophilie ist für den Autor dieser Arbeit ein Beispiel. D. h. nicht nur Dinge können abstoßend wirken, sondern auch Verhaltensweisen.

7 Vgl. Grimm, DWB, 1854-1961

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Synonyme und Definitionen von Ekel Neben der geschichtlichen Erläuterung im vorhergehenden Abschnitt sollte die Sinn- oder Verwendungsgleichheit von Ekel nicht vergessen bleiben. So werden in der Online-Version des Dudens folgende Synonyme aufgelistet: »Abscheu / Widerwillen hervorrufen, abscheulich, abtoßend, ekelerregend, entsetz­ lich, furcht­bar, gemein, niederträchtig, schrecklich, unangenehm, unappetitlich, un­ ausstehlich, uner­träglich, widerwärtig; (Gehoben) degoutant, ruchlos, übel; (bildungs­ sprachlich) infernalisch; (umgangssprachlich) fies, grässlich, gräulich; (salopp) zum Kotzen; (oft umgangssprachlich übertreibend) schaurig; (besonders bayrisch, öster­ reichisch, umgangssprachlich) grauslich; (emotional) scheußlich; (abwertend) schäbig, widerlich; (umgangssprachlich abwertend) mies, schauderhaft, schofel; (abwertende veraltend) widrig; (veraltet) abdominabel; (Jugendsprache) ätzend«8 Diese Auflistung zeigt auf, dass entsprechend dem Bildungsgrad, der regionalen Zuordnung sowie dem Alter der Mensch im deutschen Sprachraum eine Vielzahl an Ausdrücken besitzt, um Ekel zu beschreiben. Im nachfolgenden Abschnitt werden Auszüge von Definitionen zu Ekel angegeben. Eine Definition von Ekel gibt es von Charles Darwin; in seiner wissenschaftlichen Forschung beschäftigte er sich auch mit Emotionen von Menschen und Tieren. Dazu veröffentlichte er das Werk ›The Expression of the Emotions in Man and Animals‹ im Jahr 1872, welches auch als Kopie im Internet verfügbar ist. Nach Charles Darwin ist Ekel etwas Widerwärtiges, in erster Linie hinsichtlich des Geschmacks sowie durch die Belästigung von Gerüchen oder Berührungen, was sich durch einen negativen Blick oder Bewegung äußert.9 »Hochabstrakt formuliert, ist die Abwehrhandlung des Ekels ein spontanes und besonders kräftiges Nein-Sagen.«10 Laut Winfried Menninghaus hat so der Schriftsteller und Philosoph Friedrich Nietzsche Ekel zu seiner Schaffenszeit beschrieben.

8 Bibliographisches Institut GmbH, 2011 9 Vgl. Darwin, 1872: The term ›disgust,‹ in its simplest sense, means something offensive to the taste. It is curious how readily this feeling is excited by anything unusual in the appearance, odour, or nature of our food. […] As the sensation of disgust primarily arises in connection with the act of eating or tasting, it is a natural that its expression should consist chiefly in movements around the mouth. But as disgust also causes anno­ yance, it is generally accompanied by a frown, and often by gestures as if to push away or to guard oneself against the offensive object., S. 257 ff. 10 Lt. Menninghaus, 1999, S. 8 nach Friedrich Nietzsche


Winfried Menninghaus forscht im Bereich der philosophischen, psychologischen und evo­ lutionären Ästhetik. In seinem Hauptwerk »Ekel: Theorie und Geschichte einer starken Empfindung« definiert er Ekel als »ein Alarm- und Ausnahmezustand, eine akute Krise der Selbstbehauptung gegen eine unassimilierbare Andersheit.«11 Es ist sowohl die »Fähigkeit« als auch der »Zwang zum Nein-Sagen.«12 Es ist somit eine starke Reaktion auf eine Bedro­ hung gegen etwas Abnormales, welches mit einer Abwehrhandlung einhergeht. Da es als eine Fähigkeit angesehen wird, kann es auch als Schutzmechanismus interpre­ tiert werden. Denn ein schimmliges Brot wird eher weggeworfen, als dass es uns als eine appetit­liche Mahlzeit erscheint. Unser Ekel schützt uns somit vor einer Magenverstimmung oder schlimmerem Gesundheitszustand. Ekel hat drei grundlegende Charakteristika: »die heftige Abwehr (1) einer physischen Präsenz bzw. eine uns nahe angehenden Phänomens (2), von dem in unterschiedlichen Graden zugleich eine unterbewußte Attraktion bis offene Faszination ausgehen kann (3).«13 Ableitend aus den obigen Abschnitten kann Ekel definiert werden als äußerst negatives Ge­ fühl und starke Abwehrreaktion gegen etwas für sich persönlich empfundenes Widerwärtiges.

11 Menninghaus, 1999, S. 7 12 Ebd., S. 8 13 Ebd., S. 13 - 14

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Erkl채rungsans채tze


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Neurobiologie und Psychologie


In diesem Kapitel soll der Ekel in der Neurobiologie und Psychologie betrachtet werden. Für diese Herangehensweise ist es sinnvoll, am Anfang zu klären, was unter Neurobiologie, oder auch Neurowissenschaft genannt, und Psychologie verstanden wird.14 Psychologie wird definiert als eine »wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Verhalten und den mentalen Prozessen.«15 Alle beobachtbaren Handlungen sind Verhalten, während men­ tale Prozesse »innere subjektive Erfahrungen sind, die wir aus dem Verhalten erschließen: Empfindungen, Wahrnehmungen, Träume, Überzeugungen und Gefühle.«16 Die Neurobiologie umfasst das Forschungsgebiet rund um die Struktur und Funktion des Nervensystems. Dabei werden die verschiedenen Fachgebiete von ›A‹ wie Anatomie über Biochemie, Entwicklungsbiologie, Evolutionsbiologie, Molekularbiologie, Physiologie, Verhal­ tensbiologie bis zu ›Z‹ für Zellbiologie zusammengefasst, damit das »Nervensystem auf allen Komplexitätsebenen«17 verstanden werden kann.18 Im Rahmen seiner Forschungsarbeit hat der Psychologe Paul Ekman die folgenden sieben Basisemotionen identifiziert: Freude, Traurigkeit, Wut, Angst, Ekel, Erstaunen und Interesse. Basisemotionen sind unabhängig von der Kultur und spiegeln Gefühle wider, welche jedem Individuum zugeordnet sind.19 Es existieren verschiedene Listen zu Basisemotionen, jedoch wurde Ekel als ein starkes Abwehrgefühl stets genannt.20 In der neurobiologischen Erforschung der Emotionen existiert die Annahme eines Annähe­ rungs- und Rückzugssystems, worauf bspw. auch das neurobiologische Modell von Richard Davidson basiert.21 Sicherlich stellt sich hier die Frage, was dies alles nun mit Ekel zu tun hat? Dies lässt sich am einfachsten an einem Beispiel erklären. Der Wunsch eines Kindes nach einem Fahrrad und die folgende Suche nach einem geeigneten Rad mit den Eltern, dies wird bei dem Kind positive Emotionen hervorrufen, da das Ziel immer näher rückt. Im Gegen­ satz dazu wird eine zischende Kobra mitten auf dem Wanderweg eher negative Emotionen (Furcht, Abneigung, Ekel) erzeugen. Die Tendenz und Art der Ausprägung von Emotionen hängt davon ab, welche Stelle und Seite im Gehirn aktiviert ist.22

14 Vgl. Wikipedia: Abrufbar im Internet: URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Neurobiologie 15 Myers / Hoppe-Graff / Keller, 2008, S. 3 16 Vgl. Ebd. 17 Vgl. Dudel / Menzel, 2001, Vorwort 18 Vgl. Ebd. 19 Vgl. Ekman  /  Friesen, 1971, S. 124, S. 128 - 129 20 Vgl. Miener, 2007, S. 3 21 Vgl. Schiepek, 2004, S. 162 22 Vgl. Ebd.

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Borwin Bandelow ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Als Psychologe und Psycho­ therapeut erklärt er Ekel in einem »Spiegel«-Interview. Laut seinen Aussagen besteht die Annahme, dass Angst und Ekel an den gleichen Gehirnregionen aktiv sind. In dieser Region sollen auch die Primärfunktionen zur Sicherung unseres Überlebens sitzen, welches nicht unbedingt der Ort ist, wo die Vernunft herrscht. Daraus impliziert er, dass Ekelgefühle nicht mit Verstand und Vernunft überwunden werden können. 23 Dazu passt die Erkenntnis von Julie Fitness und Andrew Jones, die in ihrer Studie Proban­ den über einen Angeklagten richten ließen. Die Probanden neigten genau dann zu besonders harten moralischen Urteilen, nachdem die beiden Psychologen zuvor Ekelgefühle in ihnen hervorgerufen hatten. Wenn sich Probanden zudem als besonders ekelsensitiv erwiesen hatten, tendieren sie dazu, den Verdächtigen bei unklarer Beweislage schuldig zu sprechen und ihn mit einer empfindlichen Strafe zu belegen.24 In seiner frühen Form war Ekel ein adaptiver Mechanismus, der sich der Umwelt angepasst hat, um den Körper vor verschmutzter und giftiger Nahrung zu schützen. Ziel war es, diese vom Körper fernzuhalten. In der heutigen Zeit ist unsere Ekelgrenze sehr labil geworden; sie verändert sich individuell und wird in jeder Situation anders wahrgenommen.25 Im beruflichen Alltag und bei nützlichen Aktivitäten kann das Ekelgefühl abgewöhnt wer­ den. Beispielsweise im pflegetechnischen und medizinischen Bereich werden die Mitarbeiter mit Dingen konfrontiert, die für den »normalen« Menschen ein Ekel-Gefühl auslösen. Aus diesem Grund fällt auch bei der Literaturrecherche auf, dass Ekel besonders in diesem Bereich diskutiert wird. Bei der Abgewöhnung spielt meines Erachtens die Psychologie eine wichtige Rolle. Des Weiteren spielt im sexuellen Umfeld der Ekel eine Rolle, denn die Sexualorgane ent­ sprechen den Ausscheidungsorganen oder befinden sich in direkter Nachbarschaft zu den Ausscheidungsorganen. »Es bleibt für viele Menschen eine empfindliche Kränkung, daß wir zwischen Harn und Kot geboren werden: »inter urinas et Faeces nascimur.«26 . Diese »Ekel­ schranken« überwindet der Mensch jedoch durch seine Liebe und Leidenschaft, somit wird die Abscheu durch den Genuss des Reizes eliminiert. Die Mittel zur Überwindung von Ekel sind vielfältig. Dazu zählen neben der Sexualität, Literatur, Kunst, Theater oder Film.27

23 Vgl. 24 Vgl. 25 Vgl. 26 Vgl. 27 Vgl.

Dieste / Nachtnebel / Wandt, 2011 Herrmann, 2010 Miener, 2007, S. 3ff Psychologie Lexikon, 2006 - 2009 Ebd.


Günter Schiepek beschreibt, dass für die wissenschaftliche Untersuchung von Ekel die funk­ tionelle Magnetresonanztomographie (MRT) verwendet werden kann. Für die Erzeugung von Emotionen können verschiedene Induktionsmethoden angewandt werden, die die einzelnen Sinnesorgane stimulieren. Als Beispiele listet er das Zeigen von Fotografien mit ängstlichem oder ekelanzeigendem Gesichtsausdruck, das Vorspielen von Filmausschnitten mit typischen Angst- und Ekelauslösern, das Abspielen von akustischen Reizen sowie die Darbietung von den Geruchssinn betreffenden Reizen auf.28 Die Studienergebnisse zeigen, dass »die okzi­ pitale (zum Hinterkopf hin gelegen) Aktivierung bei Ekelinduktion mehr medial und mehr am posterioren (hinterer) Pol des Gehirns«29 stattfindet. Im Temporallappen (Schläfenlappen) führt Ekel zu einer erhöhten Aktivierung im ventromedialen (vorderen) Teil des Gehirns.30 Die folgende Abbildung 131 zeigt, welche Bereiche des Gehirns durch Ekelreize aktiviert wer­ den. Diese Stellen sind grün hervorgehoben. Im Vergleich dazu zeigen die rot markierten Gehirnregionen an, welche stärker durch Angstreize stimuliert wurden.

Abb. 1

28 Vgl. Schiepek, 2004, S. 165 29 Vgl. Ebd., S. 180 30 Vgl. Ebd., 31 Vgl. Ebd., Abbildung 9 - 5; Erläuterung: »Topographische Unterschiede beim Betrachten von angst- und ekelinduzierten Bildern. Rot mar­ kiert sind diejenigen Hirnregionen, die stärker durch angstinduzierende Bilder als durch ekelerregende Bilder aktiviert werden. Dem gegenüber sind diejenigen Areale grün gekennzeichnet, die unter der ekelinduzierenden Stimulation stärker aktiviert sind.«

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physiologie

Abb. 2: Mimik und Körperreaktion auf Ekel32

32 Darwin, 1872, S. 257 – S. 263, siehe Tafel V, Nr. 2 und 3


In diesem Kapitel sollen die Auswirkungen von Ekel auf unsere Physiologie analysiert wer­ den. Im ersten Abschnitt wird der Bereich Physiologie definiert. Danach erfolgt die Darstel­ lung von Ekel in diesem Fachgebiet unter Verwendung einzelner Ergebnisse aus Forschung und Literatur. Im Lehrbuch für Physiologie wird dieses Fachgebiet als zentrales Element des Medizinstu­ diums erachtet, denn die Physiologie befasst sich mit der Funktionsweise und lebenserhal­ tenden Mechanismen des menschlichen Körpers. Basierend auf diesem Verständnis können die Prozesse des Körpers bspw. in Bezug auf Krankheitsentwicklungen identifiziert sowie die Wirkungen von Medikamenten eingeschätzt werden. 33 Im Allgemeinen führen Emotionen zu physiologischen Veränderungen. Dabei kann das »vege­ tative Nervensystem in Zusammenhang mit Emotionen wichtige Signale geben«34. Die messba­ ren Signale, die dabei der Körper ausstrahlt, sind Herzfrequenz, Blutdruck, Hautleitfähig­ keit, hormonelle Veränderungen sowie Veränderungen im zentralen Nervensystem.35 Ekel spiegelt sich, wie schon durch Darwin im Jahre 1872 erkannt, in der Mimik, in den Bewegungen sowie den Lauten des Menschen wider. Dabei unterscheidet Darwin zwischen einem moderaten und schweren Ekel, der einen Menschen überkommt. In Abhängigkeit des Ekelgrads reagiert der Körper. 36 Die Mimik des ekelerregten Individuums verändert sich, dabei zeigen sich über die Kulturen hinweg vergleichsweise einheitliche Merkmale. Die Nase wird gerümpft und hochgezogen, der Mund wird geöffnet und die Oberlippe zieht sich hoch. Manchmal wird auch die Hand vor den Mund und die Nase gelegt, damit der aufkommende Brechreiz unterdrückt wird. 37

33 Vgl. Huppelsberg / Walter, 2009, Vorwort zur 1. Auflage 34 Fischer / Diesch / Inacker, 1998, S. 35 nach Schmidt-Atzert: Emotionspsychologie 35 Vgl. Ebd. 36 Vgl. Darwin, 1872, S. 258 37 Vgl. Ebd., S. 257 – S. 263

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Bei der Recherche zu dieser Arbeit wurden Familienangehörige, Freunde und Bekannte nach ihren Reaktionen auf Ekel befragt. Bei der Mehrzahl der Befragten wurden schon beim Ge­ spräch über Ekel die obigen Anzeichen aktiviert. Zum Beispiel hat ein Befragter beschrieben, dass beim lauten, deutlich sichtbaren Kaugummi kauen bei einer anderen Person sowie der dazugehörige Geruch einen Ekelreiz auslöst. Der Befragte reagiert darauf sowohl durch ein leichtes Schaudern, einen Würgereiz als auch das Verlangen, den Raum bzw. die Nähe der Kaugummi kauenden Person fluchtartig zu verlassen. Außerdem zieht der Befragte die Nase hoch und sein Gesicht erhält einen angewiderten Ausdruck. Des Weiteren verändert sich die Grundfrequenz der Stimme. Die Ekelerscheinung wird zu­ sätzlich begleitet von Lauten wie ›bäh‹, ›iiih‹, wie Charles Darwin schon festgestellt hat.38 39 Die Art und Weise, wie wir bzw. unsere Körper auf den Reiz Ekel reagieren, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und ist auch abhängig von der Gesellschaft. Weitergehende Erläuterungen befinden sich dazu im Kapitel Soziologie. In einem Spiegel-Interview bestätigt Hanah Chapman, dass die Übelkeit neben dem oben beschriebenen Gesichtsausdruck eines der primär ausgeprägten physiologischen Kompo­ nenten von Ekel ist. Durch das Naserümpfen und Heben der Oberlippe kommt es zu einer Reduzierung des »eingeatmeten Volumen sowie die Oberfläche der Augen«,40 welches auch als »Schutz des sensorischen Systems interpretiert« 41 werden kann. Winfried Menninghaus beschreibt die Reaktion von Ekel in einem Interview wie folgt: »Ekel ist eine der elemen­ tarsten Emotionen des Menschen. Er aktiviert ein automatisches Rettungsprinzip.«42 In einer Fachbereichsarbeit für Pflege werden die physiologischen Komponenten auf einen Ekelreiz beschrieben und anschaulich dargestellt. Bei der Reaktion auf Ekel konnten »er­ höhte Kopfdurchblutung und Herzfrequenzveränderungen festgestellt« 43 werden. »Bei ekel­ auslösenden Situationen kommt es auch zu EEG-Veränderungen (ein Elektroenzephalogramm misst währenddessen die Gehirnströme des Menschen.), dabei wurde u. a. eine ausgeprägte Aktivierung im rechten Frontalbereich des Gehirns festgestellt.«44 Dort befindet sich die Cortex insularis – auch Inselrinde genannt. Siehe dazu auch Kapitel Neurobiologie und Psychologie, welches das Verhalten auf Ekel aus der neurobiologischen und psychologi­ schen Perspektive genauer beschreibt.45

38 Vgl. 39 Vgl. 40 Vgl. 41 Vgl. 42 Vgl. 43 Vgl. 44 Vgl. 45 Vgl.

Reichl, 2005, S. 10 Darwin, 1872, S. 257f. Flohr, 2010 Ebd. Ebd. Reichl, 2005, S. 10 Ebd. Ebd.


»Beim Anblick ekliger Dinge wird das limbische System - von dort wird emotionales Ver­ halten generell gesteuert - besser durchblutet als der Rest des Gehirns.«46 Angelika Sprengelmeyer forschte in ihrer Dissertation über die Emotionserkennung von gesunden Menschen versus Patienten mit Chorea Huntington, Zwangsstörungen und Schizophrenie. Am interessantesten für die vorliegende Arbeit ist das Ergebnis aus der Studie mit den Patienten, die an Chorea Huntington erkrankt waren. Diese Krankheit betrifft und zerstört das limbische Nervensystem. In ihrer Studie hat sie nachgewiesen, dass Patienten mit dieser Krankheit Ekel (weitestgehend) nicht mehr wahrnehmen. Es existieren auch Darstellungen zu »Hirn geschädigte(n) Patienten, die mit Genuss verdorbene Milch trinken.«47 Ekel zu emp­ finden sowie eine angewiderte Mimik zu deuten ist für diese Menschen (fast) unmöglich.48 Ekel hat sich im Laufe unserer Evolution kaum verändert, dennoch löst der Ekel heute phy­ siologische Komponenten aus, die im obigen Abschnitt beschrieben wurden. Denn das Ziel von Ekel ist unser Gesundheitsrisiko niedrig zu halten. Auf dieses Ergebnis sind britische Forscher einer Internetstudie gekommen. Dabei haben sie auch herausgefunden, dass Frauen sich mehr ekeln als Männer und das Ekelgefühl mit dem Alter nachlässt. Dies liegt wohl darin begründet, dass Frauen sich stärker um den Nachwuchs kümmern. Das Fazit dieser Forschungsgruppe lautet: »Ekel hält gesund.« 49

46 Vgl. Schindler, 2007 47 Vgl. Ebd. 48 Vgl. Sprengelmeyer, 2005, S. 24 - 77 49 Lehnen-Beyel, 2004

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Soziologie


Der Einfluss und die Betrachtungsweise von Ekel unter soziologischen Gesichtspunkten erfolgt in diesem Kapitel. Dabei wird zunächst wie in den vergangenen Kapiteln das Fachge­ biet Soziologie kurz erläutert. Danach erfolgt die Betrachtungsweise des Ekels im sozialen Umfeld. Soziologie befasst sich mit der »wissenschaftlich kontrollierte(n) Betrachtung und Ana­ lyse des Zusammenleben vieler Menschen, der Gesellschaft, des sozialen Handelns, der Interaktion und Kommunikation, der Institutionen« und ist eine »Perspektivenwissenschaft, d.h. sie stellt ein Repertoire von erprobten Sichtweisen und theoretischen Ansätzen zur Verfügung«.50 In den vorangegangen Kapiteln lagen Ursache und Wirkung von Ekel sehr eng verbunden mit den kulturellen und evolutionären Verhaltensweisen des Menschen. in der Soziologie wird auf die Bedeutung von Integration und Sozialisierung bei der Thematik Ekel hingewiesen. Paul Rozin, ein Forscher der Gegenwart, befasste sich mit der Emotion Ekel und hat ver­ schiedene Arten von Ekel definiert. Er nimmt an, dass es eine »kulturelle Evolution des Ekels« gab.51 Einen Überblick über die unterschiedlichen Arten von Ekel gibt die Abbildung 352 auf der folgenden Seite.

50 Feldmann, 2006, S. 10 - 11 51 Vgl. Sprengelmeyer, 2005, S. 9 - 10 52 Vgl. Reuschenbach, 2002, nach Rozin aus dem Jahre 1993 – vgl. dazu Rozin / Haidt, / McCauley, 2008

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Abbildung 3: Arten des Ekels53

53 Reuschenbach, 2002, nach Rozin aus dem Jahre 1993 – vgl. dazu Rozin / Haidt, / McCauley, 2008


In der ersten Stufe war Ekel nur eine Abwehrreaktion auf einen unangenehmen Geschmack und Geruch, welches uns vor Gesundheitsbedrohungen schützen sollte. Dies wird von Rozin ›Distaste system‹ genannt.54 Danach wurde Ekel eher zu »einer mehr abstrakten Zurückweisung potentieller Lebensmittel«.55 Auf dieser Ebene (›Core system‹) spielt eher die »kulturelle Entwicklung des Ekelgefühls«56 eine Rolle. Dies zeichnet sich dadurch aus, dass einige Nahrungsmittel in gewissen Ländern und Kulturen eine Delikatesse sind während der Rest einen Ekel davor hat. Beispiele sind zum einen der Gorgonzola, der Schimmel enthält, oder andere markant riechende Käsearten. Diese werden im europäischen Raum sehr gerne gegessen während sie bspw. im asiati­ schen Raum verabscheut werden. Eine chinesische Delikatesse ist das Tausendjährige Ei, oder auch fermentierte Eier genannt. Dazu werden rohe Eier für drei Monate in einer Mi­ schung aus Holzkohle, gebrannten Kalk, Salz und Wasser eingelegt. Dabei verfärbt sich das Eiklar in eine dunkle geleeartige Konsistenz und das Eigelb erhält eine quark-artige Konsis­ tenz. Auch hier führt diese Delikatesse nicht selten zu einem Ekelreiz in anderen Kulturen.57 Die nächste Stufe benennt er mit ›Animal origin‹. In dieser Ausprägung spielen nun ab­ normale sexuelle Handlungen, Gewalt, Tod und Körperexkremente eine wesentliche Rolle.58 Ekelforscher zitieren gerne dazu eine Anekdote von Cotton Mather, welcher einer der strengsten Puritaner in Neuengland im frühen 18. Jahrhundert war. »In seinem Tagebuch berichtet er von einer Begegnung: Während er urinierte, erblickte er einen pissenden Köter. Die Beobachtung ließ den frommen Mann erschauern, es schockierte ihn, dass er seiner Körperfunktion machtlos nachgeben musste und in diesem Akt der tierischen Kreatur gleich wurde. ›Trotzdem werde ich ein edleres Wesen sein‹, notierte er trotzig, ›denn in dem gleichen Moment, in dem mich meine natürlichen Bedürfnisse in den Zustand eines Tieres degradieren, soll mein Geist herausragen und sicherheben.‹«59 Die beiden weiteren Stufen von Ekel sind sehr abstrakt. Zum einen »Ekel, der abhängig von der jeweiligen Kultur, Ekel vor interpersonaler Kontamination (z. B. das Kastensystem in Indien)«60 ist und zum anderen die Ekelform, die »Ekel als Reaktion auf unmoralische Handlungen beinhalten kann.«61 »Auf diesem Level sei, so die Aussage von Rozins, Ekel eine starke Kraft negativer Sozialisation und eine abstrakte moralische Emotion.« 62 54 Vgl. Sprengelmeyer, 2005, S. 9 - 10 55 Ebd. 56 Ebd. 57 Vgl. Ebd. 58 Vgl. Ebd. 59 Vgl. Herrmann, 2010, S. 2, ›Ekel ist konservativ‹ 60 Vgl. Sprengelmeyer, 2005, S. 9 - 10 61 Vgl. Ebd., S. 10 62 Vgl. Ebd., S. 10

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In diesem Zusammenhang soll der historische Wandel von Ekel in unserer Gesellschaft an einigen Beispielen dargestellt werden. Diese sind in einem spannenden Artikel von SylvieSophie Schindler geschildert: »Im Mittelalter hätte niemand sich etwas dabei gedacht, sich mit den Händen zu schneuzen und den Rotz anschließend an der Kleidung abzuwischen. Taschentücher wurden erst später gesellschaftsfähig.«63 »Im Paris des 16.Jahrhunderts herrschte beispielsweise ein entsetzlicher Gestank, darunter der Geruch nach Kot und Urin - die Notdurft durfte in der Öffentlichkeit verrichtet werden. Erst im 18. Jahrhundert hatte man im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll. Eine Reinigung der Luft war angesagt. In Paris wurde eigens ein Lehr­ stuhl für Hygiene ins Leben gerufen.«64 »Noch vor wenigen Jahrzehnten störte sich keiner an Haaren, die unter Achseln, an Frauenbeinen oder aus dem Bikinihöschen wucherten. Heutzutage gilt das als grober Beauty-Fauxpas, angewiderte Blicke sind einem sicher.«65 Ekelreize entstehen somit auch vor allem aus den moralischen Richtlinien und Traditionen unserer Gesellschaft. Gleichzeitig weisen die diversen Studien darauf hin, dass diese Punkte nicht nur in unserer Gesellschaft vertreten sind, sondern auch in anderen Kulturen einen großen Einfluss auf die Sensibilität der Individuen nehmen. Der Soziologiestudent Fabian Klindt beschreibt Ekel sowie das damit einhergehende Empfin­ den auf den Menschen und dessen Kultur so: »Was wir als eklig empfinden und bezeichnen ist sozial und kulturell angelernt. Ekel an sich gibt es nicht unabhängig von der- oder demjenigen, der ihn empfindet. Er ist sozial konstruiert. Wenn ich also etwas als eklig empfinde, dann nicht, weil diese Sache per se eklig ist, sondern weil sie außerhalb dessen liegt, was gesellschaftlich (Normen, Werte etc.) als ›normal‹ definiert wird. Durch diesen Dualismus (Normales, Unnormales oder ekliges, nicht ekliges) wird Ekel erst erfahr- und wahrnehmbar. So werden dann mehr und mehr klare Grenzen abgesteckt, und eine kulturelle Identität bildet sich nach und nach heraus.« 66

63 Vgl. Schindler, 2007 64 Vgl. Ebd. 65 Vgl. Ebd. 66 Facebook-Eintrag am 22.05.2011 und Antwort auf die Frage: »Was findet ihr eklig?«


In Bezug auf Ekel und der Entwicklung dieser Emotion bei einem Menschen gegen eine ›ek­ lige‹ Sache finden sich einige spannende Aussagen in der Literatur. Den Erziehungseffekt von Ekel haben sowohl Kant als auch Nietzsche in ihren Arbeiten erkannt und angemerkt. Ein Kind kennt und empfindet am Anfang keinen Scham und Ekel. Was der Mensch somit als ekelig empfindet, ist abhängig von der Erziehung, welcher er im Rahmen seines Umfelds erhält, sowie seines Bildungsgrades. Die Sprache ist hierfür bedeutungsvoll. 67 In zwei anderen Quellen finden sich folgende Informationen. Kleinkinder ekeln sich weniger als die Erwachsenen, denn »der Geruch von Kot oder Schweiß [löst] bei Kinder bis 3 Jahre keine Ekelreaktionen aus.«68 Mit dem Erreichen des dritten Lebensjahres bildet sich die Fähigkeit Ekel zu empfinden heraus – genauso wie sich die Pubertät entwickelt. Der angeborene Reiz des Ekelns lässt sich durch das Lernen und Adaptieren der Umgebung, bspw. Eltern, modifizieren. D. h. der Ekel wird erst durch Sozialisierung in unserer Gesellschaft spezifiziert.«69 70 Eine weitere interessante Quelle ist eine Passage aus einem Lehrbuch für Kinderpsychologie. »Mit ungefähr fünf Jahren können Kinder Emotionen grob nach den Kategorien positiv und negativ unterscheiden. Als Fünfjährige die Gefühle beschreiben sollten, konnten sie den Ausdruck von Glück, Trauer und Ärger korrekt bezeichnen, hatten aber noch keine treffen­ den Bezeichnungen für Überraschung (Erstaunen), Furcht und Ekel.«71 Ekel bezeichnet demnach eine Abgrenzung eines Menschen oder einer Gesellschaft gegen etwas, was ihr fremd erscheint, abnormal ist oder außerhalb ihres moralischen Werte­ systems liegt. Er wird durch die kulturelle Umgebung ausgeprägt. Ekel ist ein integraler Bestandteil unseres Lebens und bestimmt indirekt unser Denken und Handeln.

67 Vgl. 68 Vgl. 69 Vgl. 70 Vgl. 71 Vgl.

Menninghaus, 1999, S. 250 – 254 Reuschenbach, 2002, S. 157 nach Rozin, Fallon / Mandell, 1984 und Rozin, 1996 Flohr, 2010 Reuschenbach, 2002, S. 157 nach Rozin / Fallon / Mandell, 1984 und Rozin, 1996 Mussen / Conger / Kagan / Huston, 1999, S. 37, Studienergebnisse nach Michalson / Lewis, 1985

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Philosophie


Dieses Kapitel zum Thema Ekel ist anders, denn hier sollte der Ekel in der Vielzahl der Aspekte der Philosophie betrachtet werden. Dies ist jedoch im Rahmen dieser Arbeit nicht machbar, denn die philosophischen Diskussionen und Abhandlungen sind meist sehr komplex, wenn auch das Thema bisher sehr stiefmütterlich behandelt wurde. Aus diesem Grund wird das Thema nur angeschnitten. Ein interessantes Werk zum Ekel und seiner Betrachtung ist von Winfried Menninghaus, welcher im vorherigen Kapitel schon zitiert wurde. Eine eindeutige Definition, was das Wesen und die Inhalte der Philosophie sind, ist nicht vor­ handen. Aus diesem Grund wird Wikipedia herangezogen, mit der Annahme, dass der Sinn der Philosophie von einer Vielzahl von Nutzern gelesen, validiert und ggfs. angepasst wurde. Das Ergebnis lautet: »In der Philosophie (altgriechisch φιλοσοφία, lateinisch philosóphia, wörtlich ›Liebe zur Weisheit‹) wird versucht, die Welt und die menschliche Existenz zu deu­ ten und zu verstehen. […] Kerngebiete der Philosophie sind die Logik (als die Wissenschaft des folgerichtigen Denkens), die Ethik (als die Wissenschaft des rechten Handelns) und die Metaphysik (als die Wissenschaft der ersten Gründe des Seins und der Wirklichkeit).«72 Menninghaus beschäftigte sich in seinem Werk mit der Theorie und Geschichte mit dem Ekel als einer starken Empfindung. Dabei zeigt er auch auf, dass der Ekel kaum dokumentiert ist und die Anzahl der Theorien bzw. Abhandlungen in den letzten Jahrhunderten abzählbar sind. Die Ursache liegt darin, so vermutet er, dass Aufzeichnungen zu Ekel in der Vergan­ genheit nicht als wertvoll für eine langfristige Aufbewahrung befunden wurden, denn »ihre Mitteilung wäre als unwürdig, undezent und abominabel73 verworfen wurden«.74 Die philosophische Interpretation des Ekels hat sich im Laufe der Zeit nicht wesentlich verändert. Die theoretische Erkenntnis eines Objekts rückt ins Zentrum des Ekelempfindens. Ziel ist es, dem Ekelempfindenden einen »kategorischen Handlungsimperativ«75 mitzugeben. Dieser Handlungsimperativ soll jedes Mal angewendet werden, wenn Ekel empfunden wird - in Form von Abwendung, Erbrechen oder anderen Abwehrreaktionen.76 Für viele Autoren, bspw. Kant, Nietzsche und Freud, hat das Ekelhafte einen weiblichen Charakter und wird symbolisiert durch eine alte Frau, welche schon zu Lebzeiten einen »obszönen, verwesende(n) Leichnam«77 mit all dem Abstoßenden darstellt. Sie entspricht nicht dem ästhetischen Empfinden.78 72 Wikipedia, 2011 73 abonimabel: widerwärtig, scheußlich, abscheulich, verabscheuungswürdig 74 Menninghaus, 1999, S. 9 75 Menninghaus, 1999, S. 14 76 Vgl. Ebd. 77 Menninghaus, 1999, S. 16 78 Vgl. Ebd.

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Der ungarische und deutschsprachige Philosoph Aurel Kolnai hat sich in einem seiner be­ kanntesten Werke, wie der Titel auch sagt, mit den feindlichen Gefühlen »Ekel, Hochmut, Haß« intensiv auseinandergesetzt. In dieser Arbeit merkt er sogleich an, dass »Ekel, obwohl ein gewöhnlicher und recht prägnanter Bestandteil des Gefühlslebens, ein unbearbeitetes, unerforschtes Gebiet (darstellt).«79 Ziel seiner Arbeit war das »Wesen, Bedeutung, Intention des Ekels und gleichsam das Zusammenhangsgesetz seiner Gegenstandswelt zu erfassen«80 sowie »die Bedeutung des Ekels für die Ethik (zu untersuchen)«. 81 Eines seiner Ergebnisse aus dieser Analyse ist die Unterscheidung des Ekels in die Arten des physischen und mo­ ralischen Ekelhaften. 82 Den physikalischen Ekel kategorisiert er in neun Typen: Die Typen der Fäulnis (der Übergang des Lebendigen in den Zustand des Toten), der »Exkremente (Zersetzungsprodukte des Lebens), der Sekrete (körperliche Ausscheidungsprodukte), des Klebens (oder Schmutzes), ekelerregender Tiere (Insekten, im weitesten Sinne Kriechtiere), verdorbener Speisen und Speisereste, des menschlichen Leibs, des wuchernden Lebens sowie der Krankheit und kör­ perlichen Verwachsenheit (Geschwülste, Geschwüre).«83 Beim moralischen Ekel werden fünf Arten spezifiziert: »Überdrußekel, übermäßige oder am falschen Ort entfaltete Vitalität, Lüge, Falschheit und moralische ›Weichheit.‹«84 Für weitere Details soll auf den praktischen Teil der Arbeit hingewiesen werden, denn sein Werk und seine Erkenntnisse wurden in dem vorliegenden Gesamtprojekt eingearbeitet.

79 Kolnai, 2007, S. 7 80 Ebd. 81 Ebd. 82 Vgl. Ebd., S. 29 – 38 83 Vgl. Ebd. 84 Vgl. Ebd., S. 39 – 47


In einem Interview des Fernsehsenders Arte mit der Philosophin und Kunstkritikerin Julia Peker, die sich mit dem Thema Ekel auseinandergesetzt hat, berichtet Peker über ihre Be­ obachtungen und Forschungsergebnisse. Mit der Aussage »Etwas zu verbergen, heißt die Existenz zuzugeben«85 bezieht sie sich auf die Vermeidungsstrategie des Ekels und durch die Identifizierung von »Tabubereichen« in der jeweiligen Gesellschaft bzw. in unserer Welt kann abgeleitet werden, woraus unsere Welt besteht. Im Weiteren hebt sie hervor, wie wichtig für Menschen das Streben nach einer Einheit sowie die »Vermeidung von Pluralität« 86 ist: »Alles, was das Gefühl von Einheit zerstört, ruft Ekel hervor.«87 Beispielsweise abge­ schnittene Fingernägel und frische Wunden. Ferner betont sie, dass die Dinge, vor denen sich Menschen ekeln, eine gewisse Macht erhalten. Dies liegt darin begründet, dass »das, wovor sich Menschen ekeln, […] immer umgangen wird.« 88 Im Besonderen zeigt sie auf, wie absurd die einzelnen Aspekte und die Handlungen bezug­ nehmend auf den gesellschaftlichen Ekel sind: »Ein ganzes Spektrum der Realität wird durch den Ekel ausgegrenzt und totge­ schwiegen, weil es gesunder Geschmack und gesunder Menschenverstand, Anstand und Höflichkeit es so wollen. Bereitwillig vermeidet man daran zu denken, woher ein Steak kommt oder woraus Trinkwasser gewonnen wird. Und kaum einer sieht gerne bluttrie­ fende Szenen oder begibt sich in Gedanken in das Rattengewimmel der Kanalisation unserer Städte, nur wenige Meter unter unseren Füßen. Das Widerliche, Abstoßende, Scheußliche und Widerwärtige tummelt sich im dunklen Pfuhl der Vermeidungen, tief unter dem Deckmantel des Ekels.«89 Der Mensch möchte sich von Objekten und Personen abgrenzen, die mit grausigen Dingen in Verbindungen stehen. Durch diese ablehnende Haltung vertritt der Mensch seine mora­ lischen Prinzipien und Werte, die in der jeweiligen Kultur eingebunden sind. Dabei geht es nicht um die Sinneseindrücke, sondern um das Wissen und das Kennenlernen, was diesen Ekel prägt.

85 Arte France a Prime Group, 2010, im Interview mit Julia Peker 86 Ebd. 87 Ebd. 88 Vgl. Ebd. 89 Arte France a Prime Group, 2010, im Interview mit Julia Peker

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kunst und medien


Nachdem in den vorherigen Kapiteln auf den theoretischen Hintergrund eingegangen wurde, werden nun im Folgenden die Werkzeuge des Ekels im Bereich Kunst und Medien erläutert. Mit welchen Materialien machen sich Künstler Ekel zu Nutze und wann wurde Abject Art zu einem Begriff in der Kunstwelt? Was bewirken die Arbeiten beim Betrachter? Bei den Medien wird, speziell im Fernsehen, viel Wert auf die Ekel-Schocktherapie gelegt. Wie kommt es, dass Fernsehshows, die mit der Thematik »Ekel« spielen, so viel Erfolg haben? Ekel wird seit 1980 in der Kunst als Abject Art bezeichnet und lief 1993 unter diesem Namen zum ersten Mal als Ausstellung im Withney Museum of Modern Art.90 Vorerst ist hier der Begriff zu Abject Art und die die Bedeutung des Wortes wichtig: Wie Menninghaus erklärt, fällt das Wort ›abjekt‹, ›das Abjekte‹ und ›die Abjektion‹ in der deutschen Sprache als Neu­ prägung auf. Die lateinische Ableitung von abiectum, abicere, abiectus bedeutet bedrückt,91 wegwerfen oder zu deutsch auch ›Verwerfung‹.92 Wichtig für die Prägung dieses Begriffes ›Abject‹ war die bulgarische Literaturtheore­ tikerin, Psychoanalytikerin und Philosophin Julia Kristeva. Sie entwickelte in ihrem Buch »Pouvoirs de l’horreur. Essai sur l’abjection« (Powers of horror. An essay on abjection) ein komplexes psychologisches, philosophisches und linguistisches Konzept.93 Im Lexikon für Geschlechterforschung ist folgendes dargestellt: »Unter Abjekt versteht Kristeva zunächst alles, was in einem Menschen Ekel und Aversion hervorruft: […] Leichen, Eiter, Ekel vor bestimmten Lebensmitteln wie z. B. der Haut der Milch und Phobien vor Mäusen oder Spinnen sind prototypische Bei­ spiele, die zeigen, daß das Abjekte nicht den Status eines Objekts einnimmt und also auch nicht wie dieses das Subjekt in der Gegenüberstellung versichert. Das Abjekte hat eine einzige Qualität: es konfrontiert das Ich mit seinen Grenzen und seinen Ängsten und führt ihm vor Augen, daß das Leben immer schon vom Tode infiziert ist, und stört so auch den Narzißmus. […] ihr eklektischer Ansatz verbindet unter dem Terminus ›Abjekt‹ so unterschiedliche Phänomene wie Aas, Milch, Mutter, Verrat, Lüge, Mord und Vergewaltigung. Mit diesem Potential bietet sich der Begriff der Abjektion für Untersuchungen zu gesellschaftlich umstrittenen Themen wie Porno­ graphie, Abtreibung, Homosexuellen-Ehe usw. an.«94

90 Tate, 2011 91 Pons GmbH, 2001-2011 92 Menninghaus, 1999, S.157 93 Tate, 2011 94 Kroll, 2002, als elektronische Leseprobe im Internet

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Die Kunstrichtung Abject Art bewegt sich im Bereich der künstlerischen Inszenierung des Körpers und deckt alle Funktionen und Aspekte von ihm ab, der für die Menschen als un­ ansehnlich gilt. Dabei kommen Materialen zum Einsatz, denen die Ekelhaftigkeit besonders anhaftet. Es wird häufig auch der »feministische Kontext« im Zusammenhang mit der sozi­ alen Stellung der Frau in den Achtzigern und Neunzigern thematisiert.95 In der Ekelerfahrung des Rezipienten dieser Kunstrichtung sollte anmerkend erwähnt wer­ den, dass die Herkunft des Materials und das Material als solches eine wichtige Rolle spielt. Durch das Erreichen dieser emotionalen Ebene bekommt das Kunstwerk eine mächtige Aussagekraft. Die folgenden Künstler machen sich diese besondere Erfahrung in ihrer Kunst zunutze. Teresa Margolles, Jenny Holzer, Piero Manzoni, Cindy Sherman und Paul McCarthy, Louise Bourgeois, Helen Chadwick, Gilbert & George, Carolee Schneemann, Jake und Dinos Chap­ man – um nur ein paar zu nennen – zählen zu den bekanntesten Vertretern von Abject Art.96 Menninghaus sagt dazu: »Das Wahre ist das Ekelhafte, das Ekelhafte ist das Wahre« und die Kunst gibt dem Ekelhaften der »abjekten Wahrheit« einen Raum von der Realität. Einen Teil von der Realität, die die Gesellschaft zu verdrängen versucht und den die Kunst auf dramatische Weise wieder in den Vordergrund rückt.97 Hermann Droske behauptet adäquat dazu, »schmutzige Kunst gibt es immer nur, wenn die Gesellschaft besenrein und keimfrei ist – in den Zwanzigern, den Sechzigern, jetzt. Nur dann kann der Schmutz daherkommen wie eine Erinnerung ans Realitätsprinzip.«98 Hierauf Bezug nehmend, passt die folgende Arbeit »Merda d’artista« (Künstlerscheiße), sie­ he Abbildung, von dem italienischen Künstler Piero Manzoni, der 1961 seinen eigenen Kot in 90 Blechdosen mit jeweils 30 Gramm füllte und zum damaligen Goldpreis verkaufte. Manzoni reagiert mit seinem Projekt auf den Kommentar seines Vaters, »Your work is shit.« und unterstreicht die Ausführung mit dem Gedanken daran, dass sein Vater der Besitzer einer Dosenfabrik für Fleisch war.99 Spannend ist die Tatsache, dass im Jahr 2008 eine Dose bei Sotheby’s einen Auktionspreis von 97.250 £ erzielte, somit lag sie mit 20.000 £ über dem geschätzten Wert.100 Merda d’artista (Künstlerscheiße), 1961

95 Tate, 2011 96 Vgl. Tate, 2011 97 Vgl. Menninghaus, 1999, S. 21 98 Vgl. Droske, 2008, S.3 99 Vgl. Miller, 2007 100 Vgl. Sotheby‘s, 2011, als Katalogeintrag


Cindy Sherman ist eine US-amerikanische Künstlerin und Fotografin, die besonders durch ihre Selbstinszenierung weltweite Bekanntheit erreicht hat. In ihren Fotoserien beschäftigt sie sich überwiegend mit der Identität der Frau und benutzt in den früheren Werken ihren »Körper als Träger der Bildinhalte.«101 Dabei richtet sie konzeptuell ihre Arbeiten an »vor­ wiegend […] zeitgenössische Rollenklischees der Frau«102 zu Körperlichkeiten, Sexualität und Tod aus. Sie möchte die Stellung der Frau in der männerdominierten Gesellschaft in Frage stellen.103 Ihre Arbeiten, welche in Auszügen auf Seite 36 abgebildet sind, wirken überwiegend sehr schwer, erdrückend und gehen in eine Richtung, die beim Betrachter in erster Linie Unbe­ hagen auslöst.104 Fotoretusche, wie es in der Mode-Fotografie angewendet wird, nimmt sie für sich nicht in Anspruch. Sie möchte sich in den »Begrenzungen« bewegen, die sie sich »selbst durch das Make-up und die Perücken« gibt. Alles andere empfindet sie als Pfusch.105 Sie provoziert bewusst, um Reaktionen und neue Ansichten beim Betrachter zu erzeugen. Sie erwartet vom kunstinteressierten Publikum, »mit offenen Augen und offenem Geist« vor ihrer Arbeit zu stehen. Es liegt beim Rezipienten, sich intensiver mit ihren Bildern zu beschäftigen – hinter der Hässlichkeit steckt meist eine lustige, aber auch eine provokante Botschaft. Es geht ihr nicht darum, nur einen Ekelreiz auszulösen, vielmehr möchte sie in ihrer Botschaft den Blick auf Themen verändern – dass es am besten auf dieser derben Ebene, ihrer Darstellungsweise, funktioniert, beweist der Erfolg den sie hat.106 In den Achtzigern richtete sich ihre Provokation besonders gegen Kunstsammler, die ihre Arbeiten kauften: »Wenn Sie meine Arbeit kaufen wollen, dann fordere ich Sie heraus, dieses Bild mit Erbrochenem zu kaufen und das an Ihre Wand zu hängen. In gewisser Hinsicht ging es darum, wie weit wir die Grenzen dessen dehnen können, was Kunst ausmacht, was Edelkunst ist und was Billigkunst«.107

101 Vgl. 102 Vgl. 103 Vgl. 104 Vgl. 105 Vgl. 106 Vgl. 107 Vgl.

Shermann, 2010 Ebd. Ebd. Ebd. Spiegel Online Kultur, 2007, Interview mit Cindy Shermann Ebd. Ebd.

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Cindy Sherman

Untitled #188, 1989

Untitled #188, 1989

Untitled #263, 1992

Untitled #188, 1989


In »Fairy Tales« (1985), »Disasters« (1986 - 89) und in ihrer Arbeit »Civil War« (1991) tritt sie als befremdliche Selbstdarstellerin in den Hintergrund und verwendet erstmals Körper­ teilattrappen und setzt »groteske Masken und Puppen in Szene.«108 Thematisieren möchte sie den Körper und die Sexualität im Zusammenhang mit der Studie des Verfalls. In ihrem Fotoprojekt »Disasters« gehörten unter anderem auch Materialien wie verrottende Nah­ rungsmittel, Körperausscheidungen, Erde und Abfall zu ihrer Inszenierung des Verfalls. »Nach eigener Aussage Shermans begann ihre Arbeit an den Disasters mit dem Ekel vor artifiziell inszenierten Körpern in der Mode-Fotografie, die sie als viel entfrem­ deter und künstlicher empfindet als ihre eigenen Schock-Bilder, in denen sie humor­ volle Züge sieht. Die oberflächlichen Schockeffekte, die an Horrorfilme erinnern und beinahe körperliches Unbehagen auslösen, gehören seither zum festen Repertoire in Shermans Arbeit.«109 Sherman sagt über ihre Arbeit, »es ist derb und eklig, aber das ist irgendwie lustig.«110 Eine weitere Künstlerin, die durch ihre intensive Auseinandersetzung mit der Thematik »Tod« besticht, ist die mexikanische Künstler- und Gerichtsmedizinerin Teresa Margolles. Das Volontariat in einer Leichenhalle in Mexico City brachte ihr einen Einblick in das Leben nach dem Tod. Familien aus den unteren Schichten können sich keine angemessene Beer­ digung für ihre Angehörigen leisten und Opfern von Gewaltverbrechen können meist keine Identität zugeordnet werden. Die anonymen Leichen, die in den Leichenhallen ankommen, werden in Massengräbern beerdigt oder verbrannt. Es geht Margolles nicht darum, mit ihrer Kunst zu provozieren, vielmehr geht es ihr um die Kritik an der sozialen Ungerechtig­ keit, besonders auch nach dem Tod. Diese Umstände bewegten sie zu ihrer Arbeit mit den »Überresten« von den Leichen – »wie Fett, Blut und Wasser von Leichenwaschungen«. Oft entsteht dabei eine starke Dynamik zwischen der minimalen ästhetischen Arbeit und der emotionalen Reaktion des Betrachters. »Ihre Arbeiten versteht die Mexikanerin als Schock­ therapie für eine mitleidlose Gesellschaft.«111 Eine Beispielhafte Arbeit von Margolles ist »En el aire« (»In der Luft«) aus dem Jahr 2003. In dieser Arbeit betritt der Besucher einen Raum, in dem Seifenblasen durch den Raum schweben. Diese ästhetische Leichtigkeit fesselt den Besucher und er wird nicht umhin­ kommen, einige Seifenblasen bewusst und unbewusst zu berühren. Die positiven Emotionen schlagen in Entsetzen um, wenn der Museumsbesucher die Erläuterung zu dieser Arbeit 108 Vgl. 109 Vgl. 110 Vgl. 111 Vgl.

Aichinger, 2007 Wikipedia, 2011 Spiegel Online Kultur, 2007, Interview mit Cindy Shermann Einfeld, 2006

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liest. Dabei erfährt der Besucher, dass die Seifenblasen aus dem Desinfektionswasser der Leichenwaschung stammen. Es sind die Leichen, die in Mexico City einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sind und, wie oben schon beschrieben, anonym in Massengräbern be­ erdigt werden. »Die Erkenntnis, den Tod am eigenen Körper zu spüren, erzeugt blankes Entsetzen.« Ihre Arbeiten »lösen Grauen aus, appelliert aber ebenso an die soziale Ver­ antwortung, die von Staat und Gesellschaft in Mexiko nicht mehr wahrgenommen wird.«112 Cindy Sherman erreicht den Betrachter direkt über die visuelle Ebene. Er wird sofort mit der wahrnehmbaren Thematik konfrontiert, hingegen findet bei Teresa Margolles eine Pro­ vokation über die Beschreibung der Arbeit statt. Sie inszeniert bei ihren Arbeiten eine vorgetäuschte Leichtigkeit, die erst mit dem Wissen um den Hintergrund und die Verwendung der Materialien blankes Entsetzen und Ekel in dem Rezipienten hervorruft. Dieses Spiel mit der Wahrnehmung und der ersten reinen Einschätzung über die Ästhetik ist besonders interessant. Das Objekt wird vom Subjekt zum Abjekt.

En el aire (In the Air), 2003

112 Vgl. Ebd.


Eine weitere Künstlerin, die sich mit den »menschlichen Themen wie Frieden, Krieg, Sex, Grausamkeit, Tod, Mutterschaft, Vertrauen, Spaß und Gerechtigkeit«113 beschäftigt, ist Jenny Holzer. Ihr geht es um das physische Leid, welches den Frauen zugefügt wurde, und um die Sensibilisierung einer Gesellschaft, die durch Medien abstumpft. Dorothee Müller brachte diese Situation auf den Punkt: »Gegen die Gleichgültigkeit bedürfe es der Provokation.«114 Holzer wollte den Schmerz symbolisch greifbar machen, indem sie »irgendein Ding, ein Körperteil«115 benutzt, das ihre Aussage transportiert. Nichts passt dafür besser als das Blut – als »reale Substanz«116 – was die Menschen, die Gesellschaft auf schockierende Weise einem Thema näher bringen kann. Sie macht sich die Bedeutung »es klebt Blut an den Händen« zur Thematik ihrer Arbeit für das SZ-Magazin. Auf dem Cover der Ausgabe, im November 1993, »war eine weiße Klappkarte mit leuchtend roten handschriftlichen Versalien geklebt: DA WO FRAUEN STERBEN BIN ICH HELLWACH.« Die Redaktion erklärte im Innentitel: »Dieser Satz […] wurde nicht mit normaler Farbe gedruckt. Wenn Sie die Schrift berühren, dann berühren Sie Blut von Frauen. Mit diesem symbolischen Akt will […] Holzer das Thema ihres Zyklus zuspitzen: Gewalt gegen Frauen.«117

Cover SZ-Magazin, 1993

113 Vgl. 114 Vgl. 115 Vgl. 116 Vgl. 117 Vgl.

Thilo, 2004 N.N., Zeit Online, 1993 Schneede, 2002, S.148 Ebd. Ebd., S.147-148

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Abschließend ist die Ausstellung »Sensation« von den »Young British Artists« in New York im Jahr 1997 zu erwähnen. Das Gesundheitsamt ließ damals folgende Warntafel am Eingang anbringen: »Die Inhalte dieser Ausstellung können Schockzustände, Erbrechen, Verwirrung, Panik, Euphorie und Angst hervorrufen. Wenn Sie an Bluthochdruck, einer nervösen Störung oder Herzklopfen leiden, sollten Sie Ihren Arzt konsultieren, ehe Sie diese Ausstellung besuchen.«118 Warnhinweise in der Kunst – das lässt folgern, dass Künstler ein Metier der Tabuthemen betreten, welches in unserer Zeit schockiert und gefährliche Reize auslöst, die Museen und das Gesundheitsamt nicht tragen wollen. Es kommt zu einer Absicherung und einem Haftungsausschluss.

Sarah Lucas, Jenny Saville, Rachel Whiteread, Damien Hirst, Jake und Dinos Chapman, 1997

Martin Maloney, Jake und Dinos Chapman, Damien Hirst, 1997

118 Reiß, 2007, S.11


Medien Ekel steht, wie schon auf den vorherigen Seiten beschrieben, auch immer im Zusammenhang mit Kritik – auch oder besonders im Bereich der bewegten Bilder, dem Kino und Fernsehen. Dort gehen die Meinungen der sendbaren Ekelgrenzen auseinander. Anders als in der Kunst wird hier auf keine gesellschaftliche Ungerechtigkeit hingewiesen. Es geht besonders im Format der privaten Sender um die Unterhaltung und die Einschaltquoten. Ekel kritisiert hier nicht, er wird kritisiert – von Gegnern, die solche Formate nicht passend finden. Auf der Internetseite der »Gesellschaft für deutsche Sprache« findet man unter »Wort des Jahres« 2004 »Ekelfernsehen« an fünfter Stelle der neuesten Wortschöpfungen. Auslöser für diese Wort-Neuschöpfung der Medien war die erste Staffel vom »Dschungelcamp«, die im Jahr 2004 für heftige Diskussionen sorgte.119 Diese Diskussion hat der »Stern« zusam­ mengefasst und wird in dieser Arbeit in Auszügen wiedergegeben. Die damalige Bundesver­ braucherministerin Renate Künast war der Meinung, dass diese Sendung »nichts mehr mit Unterhaltung zu tun« hat. Michael Konken, der Vorsitzende des Deutschen JournalistenVerbandes, nannte es einen »Tiefpunkt der Fernsehunterhaltung«. Als »schamlose Kommer­ zialisierung des Werteverfalls« beschrieb die bayerische Familienministerin Christa Stewens diese Sendung. Der Psychologe Mario Gmür fügt hinzu, »Hier geht es um eine Instrumentali­ sierung des Menschen für ein dramaturgisches Konzept in der Öffentlichkeit. Die Zuschauer wollen bei der Geburt und Hinrichtung von Helden dabei sein.« – »Es scheint, wir haben mit dieser voyeuristischen Show ein neues Niveau der Geschmacklosigkeit im deutschen Fernse­ hen erreicht«, sagte Gerd Bauer, der Direktor der Landesmedienanstalt Saarland. Entgegen aller Kritik äußerte sich die Vorsitzende der NLM-Versammlung, Elisabeth Harries, damals mit dem Gegenargument: »Man soll sich mehr darüber wundern, dass solche Sendungen einen so hohen Marktanteil erreichen, als nach öffentlichem Einschreiten gegen derartige Sendungen zu rufen.«120 Mittlerweile, im Jahre 2011, läuft »Dschungelcamp« weiterhin erfolgreich in der fünften Staffel und wird auf dem Privatsender RTL ausgestrahlt. Es ist schon die neue Staffel für 2012 in Vorbereitung.121 »So genannte Prominente stellen ihren Heldenmut unter Beweis. Unvergessen: Daniel Kübl­böck, […] der sich mit 30.000 Kakerlaken überschütten ließ. Was […] bei den Zuschauern aber die Lust auf mehr steigerte. Phänomen Ekel-TV. Bereits der Psychoanalytiker Sigmund Freud hat erkannt: Lust und Ekel stehen in einem seltsamen Ver­ hältnis zueinander. »Eigentlich möchte man sich abwenden, aber die Lustgefühle verdrängen den Ekel«, erklärt Winfried Menninghaus. Er spielt damit auf die verbotenen Reize des Ekel­ haften an. Ein Trend. »Die Gegenwartskultur hat eine Obsession für das Ekelhafte«, sagt Menninghaus. […] Mehr als einmal war bereits die Klage zu hören, auf deutschen Bühnen 119 Vgl. Gesellschaft für deutsche Sprache, 2011 120 Vgl. N.N., www.stern.de, 2004 121 Vgl. Weis, 2011

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Filmstills: Roman Polanski, Ekel, 1965


werde in zeitgenössischen Inszenierungen »unerträglich oft gekotzt und gepisst«. So ge­ nanntes Ekeltheater, das sich neben der Ekelkunst einreiht.«122 »Bei nicht ängstlichen Zuschauern mündet der Voyeurismus in ein intensives Unter­ haltungserleben. Ängstliche Rezipienten dagegen versuchen durch das Anschauen der entsprechenden Inhalte, ihre eigenen Ängste zu bewältigen.«123 Mennighaus verweist darauf, dass im medialen Bereich Hollywood »die Komplementarität von Ekel und Liebe in der Freisetzung möglichst starker Affektbeträge längst für die Ausdifferenzierung populärer Filmgenres und für eingespielte Muster ihrer Überblendung genutzt«124 hat. Folgend werden zwei Filme benannt, die durch das Mittel des Ekelhaften in unterschiedlicher Art und Weise auffallen. In Roman Polanskis Film »Ekel« von 1965 spielt eine junge Frau die Hauptfigur. Carol hat mit ihren Ängsten zu kämpfen und fürchtet sich vor der »Berührung mit der Welt und insbe­ sondere vor Männern«. Polanski thematisiert die Psyche einer Frau, die mit schleichendem Prozess aus der Gesellschaft abdriftet. Symbolisch dafür steht der verwesende Hasenbra­ ten im Wohnzimmer. An den Wänden entstehen Risse, die das einstürzende Kartenhaus in Carols Psyche dramatisieren soll. Ihre Ekelgefühle werden Teil ihrer psychischen Störung, die durch die starke Ausprägung schon als Phobie einzuordnen ist. Polanskis Film bekommt durch die Nahaufnahmen und die Dramaturgie, bei dem er Ekel als Unterstreichung einsetzt, eine beklemmende und bedrückende Wirkung. Es entsteht die Neigung, sich von dem Film abzuwenden, dennoch bleibt die Spannung erhalten und der Zuschauer entwickelt eine Art Sympathie für Carol und ihren psychischen Zustand. Polanskis Kommentar zu seiner Arbeit: »Repulsion war eine Fallstudie der Desintegration eines seelisch kranken Mädchens. Ich war daran interessiert, ihre Krankheit zu zeigen und eine Stimmung zu erzeugen [...]. Das Ende, die Nahaufnahme des Familienfotos (in dem Carol ihren Vater eindringlich und doch distanziert anzusehen scheint), sollte zeigen, daß das Mädchen von Anfang an so war.«125 Polanskis Film wird in den Genres Drama, Horror und Thriller eingeordnet.126

122 Vgl. Schindler, 2007 123 Gleich, 2001 124 Vgl. Menninghaus, 1999, S.8 125 Vgl. N.N., web.archive.org, 2007 126 Vgl. N.N., www.imdb.de, 1990-2011

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Filmstills: John Waters, Pink Flamingos, 1972


Ein anderer Film, der durch die Benutzung physischer und moralischer Tabus den konser­ vativen Blick der Gesellschaft brechen möchte, ist »Pink Flamingos« von John Waters und ein gutes Beispiel für die »Lektion des schlechten Geschmack«, wie Waters ihn selbst be­ schreibt. Der Film wurde 1972 mit einem Budget von 12.000 US-Dollar an nur einem Wochen­ ende gedreht und wird in den Genres Komödie, Krimi und Horror eingeordnet. Die Hauptfigur, »der Transvestit Divine« oder auch Babs Johnson genannt ist Träger der personalisierten Provokation gegen die Gesellschaft. Der Film besticht durch seinen skurillen Humor und den grenzwertigen Szenen, die keinen Zuschauer emotional kalt lassen. Besonders hervorstechend ist die Szene, in der die Divine Hundekot isst. Waters sagt dazu, »Die Szene hat mehr provoziert als jeder Hardcore-Sex. Die Staatsanwälte drehten durch, aber sie konnten sie nicht herausschneiden lassen, weil es kein Gesetz dagegen gab. Einmal, in Long Island, mussten der Produzent und ich ein Papier unterzeichnen, wonach wir 5000 Dollar Strafe zahlen mussten und ins Gefängnis gekommen wären, wenn wir den Film dort noch mal gezeigt hätten. Da hatte das Museum of Modern Art »Pink Flamingos« gerade für seine Sammlung gekauft.« Waters beschreibt den Grund zu seiner Provokation mit diesem Film als »Wut auf die ungeschriebene(n) Regeln. Wut auf mich selbst. Wut auf den Ausschluss all dessen, was nicht ins Bild passt. […] Ich wollte damals einfach Geschmacksgrenzen austesten und amerikanische Auswüchse veral­ bern: wie den Celebrity-Wahn.«127 Abschließend sollte der Meister der Horrorfilme auch hier eine Erwähnung finden. Stephen King beschrieb die Thematik wie folgt: »Das Ekligste, was man sich denken kann, was auch immer das ist: Genau das ist es, was die Leute wollen.«128

127 Vgl. Nicodemus, 2009, Interviewe mit John Waters 128 Vgl. N.N., www.gutzitiert.de, 1996-2011

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Dokumentation der Praktischen Arbeit


In diesem Kapitel soll kurz auf den praktischen Teil der Abschlussarbeit eingegangen werden. Da die praktische Arbeit eine personalisierte Sichtweise ist, wird in den kommenden Ab­ schnitten in die »Ich«-Form gewechselt. Es geht in meiner Arbeit nicht um Provokation. Diese Erwartungshaltung möchte ich bewusst nicht schüren, da es zu naheliegend wäre. In erster Linie möchte ich den Rezipienten an die Thematik heranführen – nicht direkt durch Ekel-Bilder, sondern eher auf eine leichte Art der Bekömmlichkeit. Schlagwörter führen ins Thema hinein – dadurch erhält Ekel eine persönliche Definition – anders, als Ekel im Duden definiert wird. Vielmehr ist es meine persönliche Definition und meine Sichtweise. Eine ›einfache‹ Definition für Ekel zu formulieren und das in den Raum zu stellen wäre nicht machbar, da es auch viel mit der subjektiven Wahrnehmung zu tun hat. Mir ist bewusst, dass diese Arbeit unterschiedlich-individuelle Sichtweisen auslöst. Allerdings glaube ich, dass ich auf Warnhinweise wie der Warnung vor »Schockzuständen, Erbrechen, Verwirrung, Panik, Euphorie und Angst« verzichten kann. Zu Anfang meiner Arbeit schwebte immer der Satz über meinem Kopf: »Ekel in schön«. Über die Zeit habe ich mich versucht davon zu lösen und auf das Wichtigste beschränkt. Die klaren Linien, die teilweise ungeordnete Ordnung, meine Illustrationen, die inhaltlich zu meiner eigenen Ekelgrenze gehören und Fotografien, die die eigentliche Harmlosigkeit unterstreichen sollen. Meine Arbeit ist unterteilt in den »abstrakten« und den «erklärenden« Teil. Im erklärenden Teil steht das literarische Werk von Aurel Kolnai »Ekel, Hochmut, Haß« im Mittelpunkt. Eingescannt und im Buchformat zentriert bekommt es somit auch die richtige Wertigkeit. Meine Notizen, an den Rändern, sollen gleichzeitig auch die Recherche versinn­ bildlichen und dem Leser die Möglichkeit geben, sich in einen Teil der komplexen Thematik ein­ zulesen. Gleichzeitig dienen meine Notizen zur Unterstreichung der thematischen Recherche. Der Leser bekommt die Option, eine prägnante Zusammenfassung aufzunehmen und für sich begreiflich zu machen. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, in der vorliegenden Arbeit zu lesen. Dies ist allerdings nur eingeschränkt möglich aufgrund der persönlichen Ausstreichungen von Textpassagen.

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r eak t i o n


Der abstrakte Teil befasst sich hauptsächlich, wie schon erwähnt, mit meiner Wahrnehmung von Ekel. Einleitend unterstreichen Schlagwörter meine persönliche Definition und folgend werden Zitate, die mir während der Recherche besonders wichtig für das Thema waren, auf­ geführt. Beide Teile sollen im Ganzen zueinander stehen. Es war auch nicht mein Ziel, die Arten des Ekels in einer Reihenfolge abzuarbeiten. Vielmehr soll es der Gegenüberstellung dienen. Ekel hat für mich unter anderem mit Luxus zu tun. Nun stellt sich sicherlich die Frage, woran ich diese Aussage festmache. Allein, wenn ich an das Beispiel mit dem schmutzigen Hotelzimmer denke und gleichzeitig an die Menschen, die vor unserer Tür auf der Straße leben, in leer stehenden Häusern unterkommen, in denen benutzte Betten – wenn über­ haupt – aufgestellt wurden. Alles ohne Ordnung. Es gibt kein fließendes Wasser, es gibt keinen Strom – die Ekelgrenze dieser Menschen ist völlig anders definiert als die meine. Ich darf den Luxus genießen, in einer Zwei-Raumwohnung zu leben und meinem Ekel – Dingen gegenüber – wegzustaubsaugen, ihn runterzuspülen, ihn abzuwaschen, ihn von mir und aus meiner Wohnung zu entfernen. Neben dieser Definition möchte ich allerdings auch Beispiele anbringen, die eine Welle an Reaktionen ausgelöst hat: »2 girls 1 cup« ist ein Trailer für einen Fäkalporno, der bei der breiten Masse eine heftige Reaktion des Ekels hervorruft. »Feuchtgebiete« von Charlotte Roche wird in meiner praktischen Arbeit ebenfalls zitiert, allerdings ohne Illustrationen abgebildet. In dem Fall verzichte ich auf Bilder, weil Worte ein großes Potential an Macht mit sich führen – wenn der Leser sich physisch wie auch psychisch darauf einlässt. In erster Linie geht es mir beim Durchblättern um den Eindruck von einem »sauberen Buch«. Eine Art Gegenbewegung zur Provokation.

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fazit


Zusammenfassend ist zu sagen, dass Ekel ein sehr komplexes Thema ist, in dem das ›Abdriften‹ ein leichtes zu sein scheint. Ein umfassendes Werk aus der Literatur, das Ekel als Phänomen darstellt und eine Aus­ einandersetzung bietet, stellt das oft zitierte Buch von Menninghaus »Ekel: Theorie und Geschichte einer starken Empfindung« dar, da es eine sehr ausführliche Erörterung zwi­ schen der Philosophie, der Ästhetik und der Übereinstimmung mit dieser Emotion bei einem Individuum bietet. Er erläutert wie Ekel als Emotion auf Objekte und Subjekte reagiert und beschreibt die ablehnende und doch lustvolle Haltung. Die Spezies Mensch bewegt sich in einem Paradoxon namens Ekel – Ekel als Abscheu-, gleichwohl aber auch als Lustgefühl. Menschen wenden sich vom Objekt ab, fühlen dennoch die Lust wieder hinzuschauen, um den Reiz zu spüren. Der Reiz, der in ihnen negative Emo­ tionen auslöst. Vielleicht liegt dieses Lustgefühl an der heutigen schnelllebigen, kühlen und zum Minimalismus getränkten Welt? Jede Art von Ekel wird, wie schon beschrieben, durch äußere Einflüsse, moralische Vor­ stellungen, Regeln und feste Normen geprägt. Dadurch ist man in bestimmten Situationen unfähig, eine neutrale Haltung oder auch eine reale Meinung zu haben. Der Inhalt der Ob­ jektivität verliert durch dieses starke und sehr emotionale Gefühl seine Wertigkeit. Es scheint allerdings machbar, die Sichtweise mit Hilfe des elementaren Hintergrundwissens über den vermeintlichen Auslöser zu verändern, beachte man dabei beispielsweise den Berufs­bereich der Medizin. Im Pflegebereich müssen und werden die Ekelgefühle abtrainiert, ansonsten ist ein Dienst am Menschen nicht mehr möglich. Diesbezüglich ist zu schlussfolgern, dass Ekel auch meist aus Unwissenheit erzeugt wird. Es sollte an diesem Punkt die Frage gestellt werden, ob vor gewissen Objekten die Be­ rechtigung einer Abscheu besteht. Ist es logisch zu erklären, warum 48% der Deutschen einen Ekel vor Hausspinnen haben?128 Es gibt keinen erachtenswerten Grund dafür, bedenkt man, dass Hausspinnen unfähig sind, Menschen anzugreifen und zu verletzen. Allerdings ist diese Reaktion auf die Sozialisierung zurückzuführen und erklärt, dass Menschen andere Menschen formen und beeinflussen können. Explizit im Bereich der Gefühle. Gerade Medien und Kunst greifen auf ein Phänomen dieser Gefühlsreaktion zurück und nutzen es auf unterschiedlichste Art und Weise. Zu erkennen ist dabei immer dasselbe: Provokation und ein daraus resultierende kontroverse Reaktion / Diskussion zu dem Dar­ gestellten. 128 Vgl. N.N., na preseportal, 2010, aus einer Pressemappe

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Rückblickend gab es immer wieder hitzige Diskussionen zu den ersten Ausstellungen von »Abject Art«, mittlerweile ist die überwiegend negative Kritik von damals verblasst – ob es dabei am Abstumpfen der Gesellschaft oder an der Offenheit für die »Wahrhaftigkeit« liegt, mag zur Debatte stehen. Im Vordergrund steht dabei die Aussage - und natürlich die Kunst. Es stellt sich nunmehr die Frage, inwieweit sich die Ekelgrenze der Gesellschaft verschie­ ben lässt und ob es ab einem bestimmten Punkt noch tragbar ist. Kann es möglich werden, dass das »wahre Ekelhafte« angenommen wird und der Mensch sich zu seinen Exkrementen bekennt? Wird diese Offenlegung jemals stattfinden? Zu bezweifeln wäre es, da gerade der Hygiene-Körperkult die Existenz der »Wahrhaftigkeit« durch auszupfen, rasieren, parfü­ mieren, waschen und wegspülen eliminiert. Die bloße Existenz ist hier nicht mehr erwünscht und löst mit dem Wissen um sie einen Ekel aus. »Das Wahre ist das Ekelhafte, das Ekelhafte ist das Wahre.« Ein Hoch auf die Wahrhaftigkeit.

Punkt.

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Abbildungsverzeichnis


Abbildung 1: Aktivierte Gehirnbereiche durch Auslรถsung von Ekelreizen Abbildung 2: Mimik und Kรถrperreaktion auf Ekel Abbildung 3: Arten des Ekels Piero Manzoni Cindy Sherman Teresa Margolles Jenny Holzer Young British Artists, Sensation Filmstills Roman Polanski, Ekel Filmstills John Waters, Pink Flamingos

17 18 15 34 36 38 39 40 42 44


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impressum


Theoriearbeit im Studiengang Visuelle Kommunikation, Lehrbereich Grafik Design bei Fr. Prof. Gabriele Götz, Hr. Prof. Nicolaus Ott und Hr. Prof. Bernard Stein an der Kunsthochschule Kassel. © Andrea Fleischer, Leipzig 2011 Mail: hello@andreafleischer.de

Lieben Dank an meine Schwester Michaela und meine Mom sowie Christian, Kathrin und Caro für ihre mentale Unterstützung. Papier Umschlag: moulin, Bütten-Aquarellkarton 440 g/m² Papier Innenteil: Le Grand Bloc 70  g/m2 Schrift: ISOCPEUR


EKEL – in Theorie  
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