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Ein: Blicke

Ausgabe Nr. 32 Juni 2011

Neustart im Regenbogenhaus Für junge Menschen, die an psychischen Störungen leiden, gibt es landesweit nicht einmal eine Handvoll geeigneter Betreuungseinrichtungen. In Meerbeck hat der SCI zwei Häuser genau für diese Zwecke umgebaut – und die ersten Jugendlichen sind schon da.

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ie Fälle psychischer Erkrankungen bei jungen Menschen nehmen in allen Industrienationen zu. Das spürt auch der SCI:Moers, weil er sich in verschiedenen Bereichen mit der Lebenswirklichkeit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen beschäftigt. „Das ist eine dramatische Entwicklung, die man nicht einfach hinnehmen kann“, sagt Frank Liebert, der beim SCI den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe leitet. Schon vor einigen Jahren habe der SCI:Moers deshalb die Situation analysiert. Dabei stellte sich heraus, dass es in ganz Nordrhein-Westfalen nicht einmal eine Handvoll stationärer Einrichtungen gibt, in denen

Jugendliche mit psychischen Problemen stationär gesunden können, wenn das im alten Lebensumfeld nicht mehr möglich ist. Seit Anfang Mai gibt es in nun Moers eine weitere Einrichtung dieser Art: das sogenannte „Regenbogenhaus“. Der SCI:Moers hat in der Bismarckstraße zwei Häuser gekauft und umgebaut, die insgesamt neun Wohneinheiten für 18 Plätze bieten.

Anfang Mai haben die ersten sechs Jugendlichen ihre Zimmer bezogen. Betreut werden Sie von einem multiprofessionellen Team aus Erziehern, Sozialpädagogen, Heilpädagogen, Arbeitspädagogen und einer Psychologin um Herbert Lorenz (Porträt Seite 2). Bis Ende 2011 dürften, so Lorenz, alle 18 Heimplätze vergeben sein, gleichzeitig wächst das Team, damit Jeder hat ein eigenes Zimmer, teilt sich der Betreuungsschlüssel aber Küche, Bad und Esszimmer mit einem von 1:1,14 gewährleistet ist. Mitbewohner. 24 Stunden am Tag, auch

lichen Bereich, vor allem aber ein arbeitstherapeutisches Konzept.

Ganz wichtig für die Jugendlichen: der Gruppengedanke.

am Wochenende, haben die jungen Menschen einen Ansprechpartner. Die seelischen Behinderungen der Bewohner sind vielfältig. Der Aufnahme geht eine Diagnostik voraus, durchgeführt durch eine Fachklinik oder einen Facharzt. Das Aufnahmealter im Regenbogenhaus reicht von 16 bis 21 Jahre. Je nachdem, ob noch die Schule, eine Fördermaßnahme oder eine Ausbildung besucht wird, gestaltet sich der Tagesablauf. „Jeder hat eine feste, vorgegebene Tagesstruktur“, erklärt Frank Liebert, „das ist wichtig für die Begleitung nach der Therapie.“ Dazu gehören aber keineswegs nur Pflichten, sondern auch Freizeitangebote (Kochkurse, Sport etc.), ergänzt durch arbeitspädagogische Angebote im handwerk-

Ziel ist insgesamt, dass die Jugendlichen psychisch stabilisiert werden, einen Halt im Alltagsleben finden und ihre soziale Kompetenz erweitern. Wer ins Regenbogenhaus kommt, tut das freiwillig – was für das Gelingen der Hilfemaßnahmen von entscheidender Bedeutung ist. Aufgenommen wird nur, wer im Regenbogenhaus gefördert und in sei-

ner persönlichen Entwicklung weiter gebracht werden kann. Diese Ressourcen und die Bereitschaft zur Mitarbeit sind von den Bewohnern einzubringen. Bleiben dürfen die Bewohner bis zum 27. Lebensjahr, realistisch ist ein Aufenthalt von ein bis zwei Jahren. „Danach sollen sie in der Lage sein, eine eigene Wohnung zu beziehen oder in eine ambulante Betreuungsform zu wechseln“, formuliert Herbert Lorenz das, woran er und sein Team rund um die Uhr arbeiten.

Focus

Das Gründungsteam

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um Start des Regenbogenhauses gehörten neben Leiter Herbert Lorenz fünf Erzieher und Pädagogen zum Team: Rainer Breßer, Martina Müller, Silke Dörrie, Gerhard Felder und Britta Schrapers. Eine Betreuung kann so rund um die Uhr sichergestellt werden – aber auch, dass jeder Mitarbeiter mindestens zwei Wochenenden im Monat frei hat.


Portrait

Hilfestellung für ein eigenständiges Leben Seit Mai arbeitet Herbert Lorenz im neuen SCI:Regenbogenhaus als pädagogischer Leiter und bildet die Schnittstelle zwischen Mitarbeitern, Bewohnern, Ämtern und Institutionen.

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enesung und Beziehungsarbeit brauchen Zeit“, sagt Herbert Lorenz. Und diese Zeit möchte er den Bewohnern geben, die vor kurzem in das neue Regenbogenhaus in Moers-Meerbeck eingezogen sind. Genauer gesagt in den Komplex aus zwei Häusern an der Bismarckstraße. Die 16- bis 21-Jährigen, die hier wohnen, haben allesamt eine stationäre Behandlung hinter sich und werden im Regenbogenhaus auf ein eigenverantwortliches Leben vorbereitet. Bevor Herbert Lorenz ins Regenbogenhaus kam, war er Heimleiter in

Mülheim an der Ruhr. Seine berufliche Erfahrung hat ihn sehr gut auf seine Arbeit in Moers vorbereitet. Aber Herbert Lorenz weiß: „Alle Jugendlichen mit seelischer Behinderung haben letztendlich auch die gleichen Probleme, die das Erwachsenwerden betreffen, wie alle anderen auch. Sie haben unikat einen zusätzlichen therapeutischen Bedarf.“ Als Einrichtungsleiter hat Herbert Lorenz im Regenbogenhaus keine direkten Betreuungsaufgaben, sondern ist für die Koordination, Kommunikation mit den Jugendämtern,

Herbert Lorenz ist pädagogischer Leiter des neuen SCI:Regenbogenhauses. Zusammen mit seinem Team gibt er Jugendlichen mit psychischen Problemen ein Zuhause. den freien Verbänden, dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), Therapeuten, Institutionen (Schulen, ausbildende Firmen, Fördermaßnahme-Trägern) und Angehörigen sowie für die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben verantwortlich. „Ich kümmere mich also gleichermaßen um das Wohl der Jugendlichen als auch um die Belange der Mitarbeiter.“ Sein Büro befindet sich im Erdgeschoss des Hauses Nummer 7. „Natürlich möchte ich auch direkt vor Ort für die Jugendlichen schnell erreichbar sein.“ Herbert Lorenz freut sich darauf, das Projekt Regenbogenhaus mit

aufbauen zu dürfen. „Beim SCI wird kompetente Jugendhilfe geleistet. Ich wünsche mir, dass ich das noch viele Jahre, bis zu meiner Rente, begleiten kann.“ Gerade jetzt in den ersten Monaten sei noch viel zu tun, bis alle Zimmer belegt sind. „Ich freue mich auf die Arbeit. Die fachliche Mischung der Mitarbeiter ist ideal.“ Zu seiner neuen Arbeitsstätte im Moerser Nordosten pendelt Herbert Lorenz aus Mülheim, wo er und seine Frau unter der Woche wohnen. Eigentlich kommt die Familie aus einem 1000-Seelen-Ort bei Mars-

berg im Sauerland und verbringt auch immer noch ihre Wochenenden an ihrem Erstwohnsitz. Das Ehepaar hat drei erwachsene Kinder im Alter von 24, 26 und 27 Jahren. In seiner Freizeit zieht es den Sauerländer und seine Frau auf den Motorroller. Gerade in Moers und Umgebung gibt es für ihn mit seiner Piaggio noch viel zu entdecken: „Von Moers kenne ich leider noch nicht viel. Manche Gegenden erinnern mich allerdings an das Sauerland“, sagt er und lässt seinen Blick mit Augenzwinkern in Richtung Halde Rheinpreußen schweifen.

Kinder und Jugendliche

„Die Jugendlichen brauchen solche Plätze“ Ende September läuft die bisherige Förderung des Projekts „MaJoCa“ aus. Ein Ende des Cafés wäre für die Jugendlichen des Stadtteils ein schwerer Verlust.

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bwohl es sich bewährt hat und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sogar als vorbildliches Projekt seiner Art ausgezeichnet worden ist, steht die Zukunft des Jugendcafés „MaJoCa“ infrage. Seit sechs Jahren wird das Projekt, örtlich inzwischen angesiedelt auf der Leipziger Straße im Moerser Stadtteil Mattheck, vom BAMF gefördert. Diese Förderung läuft Ende September 2011 aus. Da-

nach wird das Jugendcafé nur fortbestehen können, wenn die Stadt Moers oder ein anderer Förderer die notwendigen Mittel bereitstellt. Die Kommune hatte bisher immerhin einen Anteil von einem Viertel der Kosten beigesteuert. „Vielleicht ist für die Stadt Moers eine Umverteilung von Landesmitteln möglich“, hofft Frank Liebert, Leiter des Fachbereichs Kinder- und

Monika Kositzki, die das MaJoCa leitet, hat die Hoffnung auf einen Fortbestand des Cafés noch nicht aufgegeben.

Jugendhilfe beim SCI:Moers, der die Maßnahme trägt. „Die Jugendlichen brauchen schließlich solche Plätze“, ist sich Liebert sicher und verweist darauf, wie wichtig für die 14- bis 21-Jährigen die Funktionen sind, die das „MaJoCa“ erfüllt (die Abkürzung steht für Mattheck-JosefsviertelCafé). Dazu gehören unter anderem die Drogen- und Gewaltprävention durch vielfältige Sport- und Freizeitangebote, konkrete Hilfen bei der beruflichen Entwicklung der Jugendlichen, der Abbau von Vorurteilen gegenüber anderen Ethnien und Kulturen – vor allem aber das Bereit-

stellen eines eigenen Raumes und einer persönlichen, freundlichen Ansprache. In Kamp-Lintfort, wo der SCI:Moers den dortigen Jugendlichen ein ähnliches Café in der Fußgängerzone bietet, haben sich die Stadträte entschieden, das Projekt weiter zu finanzieren – wenn auch an einem anderen Ort. Eine Bedarfsanalyse war zuvor zu dem Ergebnis gekommen, dass die Stadt den unter 20-Jährigen einfach zu wenige Treffpunkte bietet. Das allerdings dürfte in Moers nicht anders sein.


Kinder

Hereinspaziert in die Zwergenburg! Seit Anfang Juli werden zwanzig Knirpse im neuen Anbau betreut. Mithelfen heißt teilhaben: die ersten Zwergenbürger.

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ie Gruppenräume sind eingerichtet, das Spielzeug liegt an seinem Platz: Die ersten zwanzig Kinder können jetzt in der neugebauten „Zwergenburg“ spielen, basteln und toben. Die Zwergenburg wurde an den Integrativen Kindergarten in der Kirschenallee angebaut und ist nun Tummelplatz für Kinder unter drei Jahren. Die zwanzig Knirpse werden in zwei Gruppen in der Zwergenburg betreut und gefördert. Das neue Domizil wurde schon sehnsüchtig erwartet, wie Leiterin Christine Joliet erzählt: „Seit November war eine U3-Gruppe mit 13 Kindern im großen Haus provisorisch in der Turnhalle untergebracht. Mit den sieben neu aufgenommenen Kindern konnten

wir also mit insgesamt zwanzig Kindern in die Zwergenburg einziehen.“ Schon nach den Sommerferien werden die ersten Zwerge die Burg allerdings wieder verlassen – sie kommen dann in die Gruppen für Kinder ab drei Jahren. Für sie rücken dann neue Zwergenkinder nach.

Durch einen Durchgang ist der Neubau mit dem „alten“ Kindergarten verbunden. Auf den 300 Quadratmetern Nutzfläche der Zwergenburg befinden sich zwei Gruppenräume für jeweils zehn Kinder, zwei Schlafräume und ein Mehrzweckraum, der zugleich als Ort für die Bewegungstherapie der integrativen Kinder dient. Die Einrichtung soll vor allem Möglichkeiten für Veränderungen offenlassen, erklärt Christine Joliet: „Wir haben gar kein fest eingebautes Spielmobiliar, wie es heute häufig zu sehen ist. Dafür gibt es Geräte und Matten, Ständer und Leitern, die wir flexibel einsetzen und anschließend wieder wegräumen können. In beiden Gruppen gibt es ein kleines Puppenschloss für entsprechende Rollenspiele. Die

Kinder verändern sich in diesem Alter sehr schnell – und wir möchten das Raumkonzept so gestalten, dass wir auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eingehen können.“ Durch die U-3-Betreuung kann der Integrative Kindergarten sein bisheriges pädagogisches Angebot erweitern. Die zwanzig Zwerge werden 35 Stunden in der Woche betreut, und zwar von 7.30 Uhr bis 14.30 Uhr. Der Tagesablauf soll für die Kleinsten, ebenso wie bei den „Großen“ nebenan, vor allem rhythmisch gestaltet werden. Viel Bewegung, Musik und immer wiederkehrende Rituale gehören zum Konzept. „Wir wollen den Kindern vor allem eine gute Atmosphäre schaffen, damit sie die neue Kindergartenwelt

begreifen und erforschen können“, beschreibt Christine Joliet. Am Herzen liegt ihr aber auch, dass die Kinder eine vollwertige Bio-Ernährung erhalten, zubereitet in einer hauseigenen Küche. Als Anfang Juli die ersten Zwergenkinder eingezogen sind, waren die Räumlichkeiten zwar bezugsfertig, aber ein paar Kleinigkeiten bei der Ausstattung fehlten noch. „Alles Weitere wird noch wachsen“, verspricht Christine Joliet. Dazu gehört etwa der „Zwergengarten“, der noch nicht ganz fertig geworden war. Damit die Kniprse trotzdem bei schönem Wetter draußen herumtollen können, benutzen sie für die erste Zeit den bestehenden Garten der „Großen“ nebenan.

Nachgefragt

„Die Jugendlichen sind motiviert!“ In einem Projekt des SCI, des Jugendamtes und des Jobcenters Kamp-Lintfort bauen junge Erwachsene Spielplätze in Kamp-Lintfort um. Der pädagogische Leiter Wolfgang Angerhausen erklärt Einzelheiten.

Herr Angerhausen, wer wird mit Fächern, um auch für andere Berufe dem Projekt angesprochen? fit gemacht zu werden. An dem Projekt nehmen insgesamt 15 junge Erwachsene bis 25 Jahre Welche Spielplätze betrifft das teil, darunter zwei Mädchen, die noch und was wird gemacht? keine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle Das sind unterschiedliche Plätze in gefunden haben. Sie werden in 30 Kamp-Lintfort, die nach und nach Wochenstunden an bearbeitet werden. die Arbeit des GartenManche sind schon und Landschaftsfertig, andere stehen bauers herangeführt. noch aus. Bis SeptemAn zwei Tagen in ber sollen alle wieder der Woche bekomgenutzt werden könmen sie zusätzlich nen. Was genau gemacht wird, kommt im Jugendzentrum Kamp-Lintfort Schulauf den einzelnen unterricht in MatheSpielplatz an: Manche müssen komplett matik, Deutsch und allgemeinbildenden Wolfgang Angerhausen. abgebaut werden, an-

dere werden neu bepflanzt oder bekommen neue Spielgeräte. Was soll durch das Projekt erreicht werden? Die jungen Erwachsenen sollen Schritt für Schritt wieder an die Arbeit herangeführt werden. Manche möchten im Anschluss an das Projekt eine Ausbildung machen, andere ihren Schulabschluss nachholen und wieder andere möchten lieber direkt arbeiten gehen. Ziel ist es, alle Jugendlichen nach Abschluss in einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu vermitteln oder eine Vermittlung durch weitergehende Qualifizierung und in Kooperation mit der Arge zu erleichtern.

Für den praktischen Teil der Spielplatzumbauten ist Werkanleiter Lutz Niebaum zuständig.

Wie könnte man die Teilnehmer beschreiben? Das sind junge Erwachsene mit den unterschiedlichsten Hintergründen. Viele haben ihren Halt verloren, weil beispielsweise die Eltern gestorben sind. Andere haben die Schule abgebrochen, weil sie entweder nicht motiviert genug waren oder es einfach nicht geschafft haben, da sie mitunter noch nicht über die nötigen Sprachkenntnisse verfügen. Wie kann ihnen dieses Projekt helfen? Die jungen Erwachsenen sollen sich an regelmäßige Arbeit gewöhnen und ihren Tag mit Inhalten füllen. Außerdem sollen sie ihre Kenntnisse im schulischen und handwerklichen Bereich erweitern. Dadurch verbessern sie gleichzeitig ihre beruflichen Perspektiven.

Sind Sie denn auch beim Spielplatzumbau dabei? Nein, dafür ist der Werkanleiter Lutz Niebaum zuständig. Er ist mit den Jugendlichen vor Ort auf den Spielplätzen und Ansprechpartner für fachliche Fragen rund um den Umbau. Ich stehe als pädagogischer Leiter für persönliche Schwierigkeiten und Perspektivaufbau der jungen Menschen bereit. Ich motiviere sie, hake bei Problemen nach, spreche mit dem Jobcenter. Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungen mit den Teilnehmern? Entgegen aller Vorurteile kann ich sagen: Die jungen Menschen sind mit großer Motivation bei der Sache. Sie wissen, dass das eine große Chance ist, ihr Leben in den Griff zu bekommen und beruflich einen ersten Schritt zu machen.


Aktuelle Projekte

Keine Angst vorm Radfahren Im Rahmen des Projekts MaJo-Bike bietet der SCI:Moers diverse Kurse an. Einige davon richten sich ganz speziell an Frauen.

Anfängerkurs an, in dem das Radfahren von der Pike auf gelernt wird. Seit November letzten Jahres haben bereits drei Kurse stattgefunden, die bei den Frauen in der Mattheck und im Josefsviertel gut angekommen sind: Alle waren schnell ausgebucht.

Am Anfang brauchen die Frauen noch kleine Hilfestellungen.

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ür die meisten ist es das Normalste der Welt, aufs Fahrrad zu steigen und in die Pedalen zu treten. Fahrradfahren macht unabhängig und selbstständig – aber es gibt eben auch viele Menschen, die es nie gelernt haben oder sich auf dem Rad nicht mehr sicher fühlen. Um Frauen die Angst vor dem Radfahren zu nehmen, bietet der SCI:Moers in seinem Projekt „MaJo-Bike“ einen

Maximal zehn Teilnehmerinnen besuchen einen Kurs. Jede hat ihre ganz eigene Geschichte: Einige haben das Fahrradfahren in ihrer Kindheit schon mal gelernt, sich dann aber aufgrund eines Unfalls oder anderer schlechter Erfahrungen nicht mehr getraut. Anderen wurde es schlichtweg nie beigebracht – das betrifft oft Frauen, die aus Ländern kommen, die nicht so eine Fahrradkultur haben wie Deutschland. Vier Wochen dauert ein Kurs, der dienstags und donnerstags von zehn bis zwölf Uhr stattfindet. Die Teilnehmerinnen treffen sich auf dem Schulhof der Annaschule, damit sie in einem geschützten Rahmen ohne andere Verkehrsteilnehmer in klei-

nen Schritten das Radfahren lernen. Geleitet wird der Kurs von Therese Ziegler, Leiterin des Projektes MaJoBike, mit Unterstützung von Volker Vorländer und Hans Rink vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). „Ein bis zwei Übungsstunden brauchen die Frauen, um ihre Angst zu überwinden“, erklärt Therese Ziegler. Und deshalb stehen am Anfang einfache Übungen auf dem Plan: Aufund Absteigen, Gleichgewichthalten. Dazu werden in den ersten Stunden die Pedalen abgeschraubt und der Sattel heruntergesetzt. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Frauen in der vierten Stunde bereits fahren können.“ Auch die lockere Atmosphäre in der Gruppe hilft beim schnellen Erfolg: „Hier wird niemand ausgelacht, wenn einmal etwas nicht so gut klappen sollte.“

Hans Rink (links), Volker Vorländer (Mitte) und Therese Ziegler (rechts) helfen den Frauen, in kleinen Schritten Radfahren zu lernen.

und parkenden Autos oder frischt die Verkehrsregeln auf. Auch ein Pannenkurs für Frauen findet im Rahmen des MaJo-BikeProjekts statt. An einem Vormittag lernen die Frauen die Grundkenntnisse der Fahrradreparatur: Wie ziehe ich den Reifen ab? Wie stopfe ich das Loch? Wie mache ich mein Licht funktionstüchtig? Peter Neumann, der sogenannte Bike-Doc des SCI, übt mit einer Gruppe von maximal fünf Frauen in der MaJo-Bike-Projektwerkstatt, die sich in der Radstation am Moerser Bahnhof befindet. Voraussichtlich im September und November werden die nächsten Frauenlern- und Pannenkurse stattfinden. Wer sich anmelden möch-

Haben die Frauen dann erst mal raus, wie man richtig Fahrrad fährt, kann es im Fortgeschrittenenkurs weitergehen: Hier wagt man sich dann das erste Mal gemeinsam auf die Straße und lernt den Umgang mit fahrenden Nach ein paar Stunden klappt das Radfahren dann meistens schon ganz gut.

te, ruft einfach unter Tel. 9399144 an. Die Teilnahme ist kostenlos. Für die Fahrradlernkurse wird den Teilnehmern kostenlos ein Fahrrad gestellt. Auch darüber hinaus besteht die Möglichkeit, ein Fahrrad für den täglichen Gebrauch zu leihen: Für Frauen, die schon mal an einem Kurs teilgenommen haben, kostet das 15 Euro für ein halbes Jahr. Für alle anderen Bürger aus der Mattheck und dem Josefsviertel kostet es zwölf Euro pro Monat. Aber nicht nur die Frauen möchte der SCI:Moers mit seinem Projekt MaJoBike mobil machen. Das Projekt richtet sich auch an andere Zielgruppen von Kindern bis zu Senioren. Weitere Informationen gibt es unter www. majo-bike.de.

Impressum Herausgeber: sci:moers gGmbH Gesellschaft für Einrichtungen und Betriebe sozialer Arbeit Kirschenallee 35, 47443 Moers Telefon 02841/9578-0 Telefax 02841/957878 eMail: info@sci-moers.de V.i.S.d.P.: Karl-Heinz Theußen (Geschäftsführer) Redaktion: Blattwerkstatt Fotos: Peter Oelker

Kurz & Knapp Mit dem SCI Deutsch lernen Für Frauen, die kein oder nur wenig Deutsch sprechen, bietet der SCI im Herbst wieder Sprachkurse im Nachbarschaftshaus in der Annastraße 29a an. Sie sind für Anfänger oder Fortgeschrittene gedacht und eine Vorbereitung auf die Intergrationskurse der Volkshochschule. Für Nimet GüllerKaya, Leiterin des Nachbarschaftshauses, ist es wichtig, dass das Sprechen Spaß macht: „Es soll nicht zu viel Grammatik dabei sein. Wichtiger ist, dass die Frauen mal rauskommen und lernen, sich zu verständigen.“ Dabei geht es in den Kursen um Themen des täglichen Lebens: Erziehung, Gesundheit, das Schulsystem oder Behörden. Ein Kurs dauert 20 Stunden und ist kostenlos. „Viele Frauen leben schon seit Jahren hier und sprechen die Sprache noch nicht richtig. Für sie freuen wir uns besonders, wenn sie sich nach kurzer Zeit in den Pausen mit anderen Frauen unterhalten können.“

Neuer Imagefilm des SCI. Mit einem Imagefilm präsentiert sich der SCI jetzt auf seiner eigenen Website, auf Videokanälen wie YouTube und demnächst auch auf dem neuen Moerser Stadtportal. Der Film gibt einen Überblick über die Konzepte des SCI, für junge und benachteiligte Menschen neue Chancen zu schaffen. Im Fokus stehen Einblicke in die Kerneinrichtungen: Der Film zeigt anschaulich, wie Kinder und Jugendliche im Integrativen Kindergarten spielen, in den Lern- und Jugendwerkstätten werkeln oder bei der Grundschulbetreuung lernen. Außerdem wird der Fachbereich Arbeitsförderung vorgestellt, der die Wiedereingliederung ins Berufsleben erleichtern soll. Dazu gehören das Zentrum für Gemeinwohlarbeit in Rheinkamp sowie die Zweckbetriebe, die Arbeit und Selbstständigkeit fördern. Wer einmal reinschauen möchte: www.sci-moers.de.

Gestaltung und Produktion: Agentur Berns Steinstraße 3, 47441 Moers www.agenturberns.de Wer ist der Service Civil International? Der Service Civil International wurde 1920 von dem Schweizer Pierre Ceresole gegründet. Ceresole lehnte jeglichen militärischen Dienst ab. Stattdessen wollte er durch freiwillige Arbeit an gemeinnützigen Projekten den Frieden unterstützen. In Esnes, in der Nähe von Verdun in Frankreich, fand der erste Einsatz von Freiwilligen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz statt. Sie halfen mit, die im Krieg zerstörte Stadt wieder aufzubauen. Heute ist der sci in 25 Ländern weltweit als Friedensbewegung organisiert. Seine Aufgaben sind vielfältig, sie reichen von der Förderung von Verständnis und Solidarität zwischen den Menschen bis zu gemeinnützigen Projekten und Arbeiten im Natur und Umweltschutz. Oberstes Gebot ist die Integration von sozial benachteiligten Gruppen.


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