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Ein: Blicke

Ausgabe Nr. 38 März 2014

Neue Ära fürs alte Schulhaus Der SCI:Moers gründet eine eigene Ganztagsschule mit integrativem Ansatz. Schon im Sommer sollen die ersten Schüler in Vennikel unterrichtet werden.

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och sind die Räume dunkel, die Rollläden heruntergelassen. An den Fenstern hängen teilweise noch selbstgemalte Bilder, die von den letzten Besuchern zurückgelassen wurden. Der umliegende Schulhof ist verwaist, die Schaukeln sind seit langem unbenutzt. Doch schon in wenigen Monaten sollen hier wieder Kinder herumtollen, soll neues Leben in das Haus einkehren: Dann nämlich wird die neue SCI:Gemeinschaftsschule in den Räumen der leerstehenden Grundschule in Vennikel ihre Türen öffnen. Mit der Gemeinschaftsschule gründet der SCI die erste gemeinnützige Schule in freier Trägerschaft in Moers. Das Grundkonzept dieser Schule beruht auf längerem gemeinsamen Lernen und schließt benachteiligte Schüler mit ein. In der neuen Schule werden im Ganztagsbetrieb künftig die Klassen eins bis zwölf unterrichtet. Die Jahrgangsstufen sind dabei einzügig. „Jede Klasse besteht aus 25 Schülern“, erklärt SCI-Geschäftsführer KarlHeinz Theußen. „Fünf Schüler werden einen besonderen Förderbedarf haben.“

Pünktlich nach den Sommerferien startet der Schulbetrieb. Zunächst unterrichten zwei Lehrer die Schüler einer Eingangsklasse. In den nächsten Jahren wird die Schule aber wachsen – die ersten Schüler sollen dann in zehn Jahren zum Abschluss geführt werden. Gelehrt wird auf Grundlagen der Waldorfpädagogik und der anthroposophischen Heilpädagogik. „Damit wollen wir die Schüler zu Gemeinschaft, Solidarität und Menschlichkeit erziehen“, erklärt Karl-Heinz Theußen. Wichtig ist ihm vor allem das längere gemeinsame Lernen der Schüler. „Die Kinder werden mit unterschiedlichen Begabungsprofilen,

Lern- und Lebenserfahrungen zu uns kommen und die ersten Jahre gemeinsam unterrichtet.“ Das heißt: Bis zur siebten Klasse ist der Unterricht integrativ. Danach werden die Klassen in verschiedene Lerngruppen nach Bildungsgängen differenziert, um die Schüler gezielt auf die Schulabschlüsse vorzubereiten. Zu den Kernfächern Rechnen, Schreiben, Lesen sowie sachkundlichen und naturwissenschaftlichen Fächern kommen auch Fremdsprachen: Englisch und Französisch werden schon in den ersten vier Klassen angeboten. Mit dem Ende der zwölften Klasse können die Schüler einen Waldorf-Abschluss anstreben. Dieser setzt gute Leistungen in den

unterrichteten Fächern voraus, aber auch die Teilnahme an einem Theaterstück, dem sogenannten Klassenspiel der zwölften Klasse, eine Jahresarbeit mit einem Vortrag und einen künstlerischen Abschluss. Schulleiter der neuen Schule und zugleich einer der ersten beiden Lehrer ist Bernd von Blomberg. Der ausgebildete Sonderpädagoge ist seit 25 Jahren Waldorf-Lehrer, bringt aber auch Erfahrungen von staatlichen Schulen mit (Porträt Seite 2).

Die Schule wird ihren Betrieb zunächst im Gebäude der ehemaligen Grundschule in Vennikel aufnehmen. Früher wurde das Gebäude am Erlenweg als amerikanische Schule und als Dependance der AlbertSchweitzer-Förderschule genutzt. Seit einiger Zeit steht die Schule leer, ist aber in gutem Zustand. Langfristig plant der SCI allerdings, die Gemeinschaftsschule an einen Standort nach Meerbeck zu verlegen – wo der SCI bereits einen integrativen Kindergarten betreibt. Fortsetzung auf Seite 2 >

Focus

Die Schulabschlüsse

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n der SCI:Gemeinschaftsschule werden die Schüler alle wichtigen Schulabschlüsse machen können, unter anderem den Hauptschulabschluss, die Mittlere Reife, die Fachoberschulreife und die Allgemeine Hochschulreife. Für einen speziellen WaldorfAbschluss beträgt die Schulzeit zwölf Jahre. Die Abiturvorbereitungen finden in Kooperationen mit anderen Moerser Schulen statt.


Fortsetzung von Seite 1:

„Hier hat der SCI seine soziale Verankerung“, erklärt Karl-Heinz Theußen die Überlegungen. In Betracht kommt dafür das Gebäude der ehemaligen Germendonkschule in der Taubenstraße. „Das wäre unser Wunschort“, sagt Theußen. Das Gebäude sei ausreichend groß für eine zwölfzügige Schule und stehe seit etwa einem Jahr leer. Die Idee der Gemeinschaftsschule ist nicht von heute auf morgen entstanden, erklärt Karl-Heinz Theußen: „Seit mehr als zwei Jahren stehen wir schon in Gesprächen mit der Stadt. Der Bedarf für eine solche Schule in freier Trägerschaft ist auf jeden Fall da, die Impulse dazu kamen vielfach von den Eltern.“ Von jenen Eltern beispielsweise, deren Kinder das SCI:Kinderhaus in der Kirschenallee besuchen und die sich zum Ende der Kindergartenzeit überle-

gen, auf welche Schule sie ihr Kind schicken. „Zuerst hatten wir nur an eine neue Grundschule gedacht“, sagt Karl-Heinz Theußen. „Aber jetzt planen wir den großen Wurf.“ Die SCI:Gemeinschaftsschule sei als Ersatzschule staatlich anerkannt und werde zu 87 Prozent vom Land Nordrhein-Westfalen refinanziert. Die übrigen 13 Prozent werden als gesetzliche Eigenleistung des SCI:Moers und durch Elternbeiträge finanziert. Auf mehreren Infoabenden haben Karl-Heinz Theußen und seine Kollegen bereits die Eltern der Kindergartenkinder und die Öffentlichkeit über die Chancen und Möglichkeiten der neuen Schule informiert. Denn das Einzugsgebiet der neuen Gemeinschaftsschule soll über die Grenzen von Moers nach Neukirchen-Vluyn und Kamp-Lintfort hinausgehen und rund 200.000 Einwohner umschließen.

Noch muss hier einiges auf Vordermann gebracht werden, aber im Sommer werden in der ehemaligen Grundschule in Vennikel wieder Kinder toben.

Seit zwanzig Jahren leistet der SCI:Moers anerkannte Arbeit auf pädagogischem Gebiet. „Das beginnt bei der frühkindlichen Bildung“, erklärt Karl-Heinz Theußen und verweist auf den integrativen SCI:Kindergarten auf der Kirschenallee, der in seiner

Zwergenburg auch die Kleinsten unter drei Jahren betreut. „Auch für ältere Kinder haben wir ganz viele Hilfsangebote: Seit vielen Jahren kümmern wir uns zum Beispiel um die Re-Integration von Schulschwänzern. Durch unsere Angebote der Jugendhilfe

bringen wir die Schüler wieder auf den richtigen Weg oder helfen ihnen bei den ersten Schritten ins Berufsleben“, so Theußen. „Wir haben ganz viele Kompetenzen drumherum, aber der richtige Kern, die Schule eben, der fehlte uns bislang.“

Porträt

„Jedes Schulsystem hat etwas Gutes“ Der ausgebildete Waldorf-Lehrer Bernd von Blomberg wird Schulleiter und einer der ersten beiden Pädagogen der neuen SCI:Gemeinschaftsschule.

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Nordlicht am Niederrhein: Bernd von Blomberg.

athematik sei für viele so etwas wie ein Angstfach, sagt Bernd von Blomberg. Er spricht sicher vielen Schülern aus der Seele, wenn er fordert, dass gerade solche Angstfächer vorsichtig und behutsam an die Kinder herangeführt werden sollen. Als ausgebildeter WaldorfLehrer gehört so ein behutsamer Umgang zu seinem Konzept. Dieses Konzept wird er ab diesem Sommer in Moers verwirklichen: Dann wird Bernd von Blomberg Schulleiter der neuen SCI:Gemeinschaftsschule in Vennikel.

Der Ansatz der Waldorf-Pädagogik ist künstlerisch-kreativ. „Wir machen viele Bewegungsspiele und bauen auch therapeutische Elemente zur Sprache und Artikulation mit ein“, sagt Bernd von Blomberg. Da die neue SCI-Schule als Ganztagsschule angelegt ist, muss der Pädagoge auch über das Mittagessen hinaus planen. Wenn es um den Nachmittagsunterricht geht, heißt es dann: „Soll es eher Bewegung sein oder lieber etwas Künstlerisches, Stilles? Oft werden wir aber auch einfach nach draußen gehen.“

Die neue Gemeinschaftsschule ist keine Waldorfschule im eigentlichen Sinne, beruht aber auf ihrem pädagogischen Ansatz. „Wir bereiten die Unterrichtsinhalte so auf, dass Kinder mit und ohne Förderbedarf davon profitieren“, erklärt der Pädagoge. „Gerade bei schwierigem Lernstoff heißt das, besonders liebevoll und vorsichtig vorzugehen.“ So werden die Schüler in den ersten Jahren zum Beispiel ganz langsam ans Formzeichnen herangeführt. „Das überführen wir dann später in die Geometrie“, erklärt er.

Bernd von Blomberg schätzt vor allem die Freiheit, die es an Waldorfschulen gibt, verglichen mit staatlichen Schulen. Als Schulleiter kann er in einem gewissen Rahmen bestimmen, wie der Unterricht gestaltet wird. „Mir persönlich liegt der Religionsunterricht sehr am Herzen, und da habe ich auch schon ein paar schöne Ideen“, verrät er: „Ich möchte zum Beispiel die religiösen Jahresfeste gemeinsam mit den Schülern feiern. Nicht nur die christlichen, sondern die aller Religionen. Die Feste können wir mit den Eltern

vorbereiten und dann gemeinsam begehen.“ Was die Neugründung von Schulen angeht, bringt Bernd von Blomberg einige Erfahrung mit. „Es ist bereits die dritte Schule, die ich mit aufbauen darf“, sagt er. Nach Waldorf-Förderschulen in Bonn (1990) und Neunkirchen-Seelscheid (2007) folgt nun die SCI:Gemeinschaftsschule in Vennikel. „Gerade diese Pionierphase, die erste Zeit ist toll“, erzählt der Pädagoge, „wenn Eltern und Lehrer mit ungemeiner Begeisterung und Freude dabei sind.“ Seit 25 Jahren ist er Waldorf-Lehrer, hat aber vorher auch an einer staatlichen Schule in SchleswigHolstein unterrichtet. „Das war eine schöne, lehrreiche Zeit“, erzählt er. „So konnte ich beide Schulsysteme ausführlich kennenlernen und vergleichen und weiß heute: Jedes hat etwas Gutes. Unsere Aufgabe ist es, das in der neuen Schule zusammenzubringen.“ Ausgebildet ist Bernd von Blomberg außerdem als Sonderschullehrer mit den Fachrichtungen Lernbehinderten- und Sprachheil-

pädagogik. Seit 2005 ist er Dozent im berufsbegleitenden Kurs des Instituts für heilpädagogische Lehrerausbildung in Witten-Annen. Für seinen Posten als neuer Schulleiter der Gemeinschaftsschule ist Bernd von Blomberg nach Asberg gezogen. Aufgewachsen ist der Pädagoge in Flensburg, hat aber berufsbedingt auch jahrelang im Schwarzwald und in Bonn gelebt. Seine Kinder leben heute noch in Bonn, besuchen ihn aber regelmäßig in Moers. Seine neue Heimat, so sagt er, ist der alten in Norddeutschland gar nicht mal so fremd: „Hier kann ich alles wunderbar mit dem Fahrrad erledigen. Dass die Landschaft hier so platt ist, ist doch schön: So sieht man wenigstens den Himmel“, schmunzelt er. „Der Schwarzwald ist zwar auch schön, aber irgendwie beengt er mich. Ich brauche das Weite.“ Und deshalb zieht es ihn auch alle Jahre wieder für einen Besuch in die alte Heimat: „Ich liebe die Deiche, das Meer, den Sturm. Ich hätte früher nie gedacht, da eines Tages mal wegzugehen.“


Nachgefragt

„Für Moers ist das eine echte Bereicherung!“ Heidelinde Heller ist Vorsitzende des Schulausschusses der Stadt Moers, Mitglied der FDP und Kunstliebhaberin – und erfreut über das Konzept der Gemeinschaftsschule.

Frau Heller, auf welcher Schule waren Sie eigentlich selbst? Ich war in Krefeld auf einer Realschule, der Marianne-RhodiusSchule. Da habe ich die Mittlere Reife gemacht. Später habe ich dann an einer anderen Schule mein Fachabitur gemacht und Architektur studiert. Wenn Sie jetzt selbst noch mal für ein Kind entscheiden müssten, auf welche Schule es geht – für was für eine Schule würden Sie sich entscheiden? Für eine Waldorfschule! Diese Schule fördert die handwerkliche Kompetenz und die Kreativität von Kindern, und dadurch auch die Phantasie, das finde ich unheimlich wichtig.

Es wird Sie also freuen, dass eine ähnliche Schule in Moers entsteht? Ja, die Idee empfinde ich für die Schulstadt Moers als echte Bereicherung. Glauben Sie, dass so eine Schule gut zusammenpasst mit den Ideen von Integration und Inklusion? Ja, gerade an einer solchen Schule werden die Kinder ja auf die Vielfältigkeit der Menschen und des Lebens vorbereitet. Was die Inklusion anbetrifft: Ich glaube zwar nicht, dass jedes Kind geeignet ist, eine Regelschule zu besuchen. Aber ich glaube, dass viele Kinder mit Behinderung eine Regelschule besuchen sollten, um den Status

des Besonderen abzuschwächen. Es wäre gut, wenn die Kinder groß werden mit dem Bewusstsein, dass nicht alle Menschen gleich und alle gesund sind. Ich habe selbst mal eine Auszubildende mit Behinderung am Anfang dermaßen bemuttert, bis ihr das zu viel wurde und sie mich gebeten hat, sofort damit aufzuhören. Sie war ja ein erwachsener Mensch und konnte fast alles selber. Da habe ich überhaupt erst gelernt, mit einer Behinderung adäquat umzugehen. Wie sieht es mit Lernschwächeren an einer Gemeinschaftsschule aus – muss man nicht befürchten, dass sie die Stärkeren ausbremsen? Das sehe ich differenziert: Bei man-

Musisch ist gut: Heidelinde Heller hält kreative Elemente in der Schule für immens wichtig.

chen Kindern ist es sicher besser, wenn sie an einer besonderen Schule speziell gefördert werden. Blinde und taube Kinder zum Beispiel sehe ich eher in speziellen Schulen. Diese Kinder kann man in den Regelschulen nicht so fördern, wie sie es bräuchten. Die anderen Kinder kommen in den Regelschulen aber gut miteinander klar? Ja. Besonders dann, wenn kreative oder musische Elemente da sind. Die sorgen auch dafür, dass es weniger aggressiv zugeht an den Schulen. Die Spannungen, die im Unterricht oft herrschen, die müssen ja auch abgebaut werden. Komischerweise sind die Aggressionen oft weg,

wenn man die Kinder zusammen singen lässt. Und auch für später ist das Künstlerische wichtig: Es ist doch für jeden Beruf von Vorteil, wenn man lernt, Phantasie zu entwickeln. Aber Lernen ist ja nicht nur Kunst, sondern auch Anstrengung. Aber das kann an so einer Ganztagsschule auch in einer Wellenbewegung von Anspannen und Loslassen geschehen. Wenn man merkt, dass sich die Kinder nicht mehr konzentrieren können, dann lässt man sie einfach mal malen oder basteln. Das wird an anderen Schulen vielleicht belächelt. Aber die Aggressionen werden dadurch geringer, davon bin ich überzeugt.

Diversa

Neuer Standort, neue Möglichkeiten

Ob Duisburg oder Kamp-Lintfort: Oliver Völker und sein Team sorgen dafür, dass die Diversa-Küche auf Hochtouren läuft.

Die SCI-Großküche hat ihren Sitz von Kamp-Lintfort nach Duisburg verlegt.

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ie neue Produktionsküche der Diversa liegt unmittelbar in einer Duisburger Berufsschule. In der dortigen Mensa hat sich die Diversa seit ein paar Monaten eingerichtet und bereitet warmes Mittagessen für Schulen und Kindergärten in Moers, Duisburg und Umgebung zu. Das Zentrum für berufliche Bildung und Weiterbildung in Duisburg-Mitte ist der neue Sitz des SCI-Tochterunternehmens. Der alte Standort in Kamp-Lintfort bleibt aber nach wie vor erhalten: In der Kantine des dortigen Kommunalen Rechenzentrums kümmern sich eine Diversa-Mitarbeiterin und mehrere Aushilfen um

das leibliche Wohl der Mitarbeiter. „Wir haben unsere Großküche also aufgesplittet: Der größte Teil der alten Mannschaft ist mit mir nach Duisburg gezogen“, erklärt Betriebsleiter Oliver Völker. „Außerdem haben wir in Duisburg zwei neue Arbeitsplätze geschaffen, unter anderem für eine Mitarbeiterin mit Down-Syndrom.“ Die Diversa-Großküche ist nämlich ein offiziell anerkanntes Integrationsunternehmen, das Arbeitsplätze für Menschen schafft, die im Arbeitsleben zum Beispiel aufgrund einer Behinderung ohne Hilfe nur schwer Fuß fassen können.

Die Arbeit in der neuen Küche läuft seit ein paar Monaten auf Hochtouren. „Flächentechnisch haben wir hier ungefähr die gleiche Größe“, vergleicht Oliver Völker die beiden Diversa-Standorte. Durch den Umzug verspricht er sich aber auch, in Duisburg neue Märkte zu erschließen. „Das könnten zum Beispiel weitere Duisburger Schulen sein. Oder das Feld der Seminarverpflegung, in das wir verstärkt eintreten wollen.“ Erste Gelegenheiten dazu gab es schon beim Technologiezentrum Duisburg, das in direkter Nachbarschaft zum neuen Standort sitzt und für das die Diversa das Catering übernommen hat.

Die Schulverpflegung für die vorhandenen Kunden bleibt aber bestehen. „Das sind rund 650 Essen, die wir jeden Tag ausliefern“, erklärt Oliver Völker. Hinzu kommt nun auch die Mensa-Verpflegung, die die Großküche für die anliegende Berufsschule anbietet: „In erster Linie sind das kleine Snacks wie Hotdogs oder Pommes“, sagt Oliver Völker. Aber auch Mittagsmenüs für Lehrer, Schüler oder Gäste gehören dazu. Die alte Kantine in Kamp-Lintfort hatte sich vor einiger Zeit einem Zer-

tifizierungsverfahren durch die Hochschule Niederrhein gestellt und mit der Bestnote abgeschlossen. Diese Zertifizierung möchte Oliver Völker auch für den neuen Standort erreichen. „Noch wurde unsere neue Küche nicht besichtigt und auditiert, aber das wird kommen“, ist er sich sicher. Dafür sorgt auch die hochmoderne Kochtechnik „Cook and Chill“, die das auszuliefernde Essen bis zum Verzehr herunterkühlt und so Nährstoffe und Frische bewahrt. Und nach dieser Technik arbeiten Oliver Völker und seine Kollegen auch in den neuen Räumen.


MaJo

„Ich kenne die Sorgen und Nöte“ Jorge Escanilla-Rivera, neuer Leiter des Nachbarschaftshauses, bringt Erfahrungen aus vielen Jahren sozialer Arbeit mit nach Moers.

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it ihm kommt frischer Wind in die Annastraße: Jorge Escanilla ist der neue Leiter des Nachbarschaftshauses. Seit einigen Wochen ist er immer wieder in seinem neuen Büro anzutreffen und richtet sich langsam ein. „Es fehlen nur noch ein paar Blumen und Bilder an der Wand“, lacht er. Genug Zeit hatte er schon, sich ein Bild über Abläufe und Angebote des Nachbarschaftshauses machen. „Vieles läuft schon richtig gut, aber mit kleinen Justierungen kann es ja noch besser werden.“ Jorge Escanilla hat bereits einige Ideen dazu im Gepäck.

Wichtig ist ihm, den Gästen des Nachbarschaftshauses mit Respekt und Anerkennung zu begegnen. „Wir haben verschiedene Zielgruppen, die jede für sich eine besondere Aufmerksamkeit braucht: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Eltern, Senioren. Ich

stelle mir vor, dass wir noch mehr Angebote speziell für diese Zielgruppen anbieten: Wir sprechen mit dem Sozialdienst des Krankenhauses, mit der Entbindungsstation, und vereinbaren zum Beispiel Elterntreffs mit Hebammen.“

Noch arbeitet Jorge Escanilla tageweise an seinem alten Arbeitsplatz bei der Stadtverwaltung Mülheim, wo er sich um Senioren-, Pflege- und

tags- und donnerstagsvormittags in der Annastraße anzutreffen.

Jorge Escanilla hat eine bewegte Biografie: Gebürtig kommt er aus Santiago de Chile, der Hauptstadt von Chile. Ende der sechziger Jahre, mit 21 Jahren, verließ er seine HeiDurch seine mat: Ohne Sprachlangjährige Senikenntnisse und perorenarbeit kennt sönliche Bindungen Escanilla die Prozog es ihn nach Eubleme und Nöte: ropa. Von Madrid aus „Ich verstehe die Sorgen der ging es per Anhalter Ab Juli wird Jorge Escanilla Leiter des Nachbarschaftshauses. Senioren, wenn nach Mülheim an der es um HeimunRuhr, wo er bis heuterbringung, Dete geblieben ist. Dort menz oder Geldsorgen geht“, sagt er. Wohnberatung kümmert. Ab Juli wird fand er Freunde, die ihm beim Start Deshalb soll es in Zukunft noch mehr er dann ganz im Nachbarschaftshaus im fremden Land halfen. Einer dieVortragsabende zu Themen wie Vor- sein. Bis dahin teilt er sich die Stelle ser Freunde der ersten Stunde ist sorge und Vollmachten geben. mit Therese Ziegler und ist diens- der Unterhaltungskünstler Helge

Schneider, mit dem Jorge Escanilla sogar einmal zusammengewohnt hat. Eine Sprachschule hingegen hat der Chilene nie besucht – seine Deutschkenntnisse hat er sich selbst angeeignet. Nach seiner Fachhochschulreife studierte Escanilla Sozialpädagogik in Essen. Seit 24 Jahren arbeitete er nun bei der Stadt Mülheim, davon zwölf Jahre als Leiter eines Jugendzentrums. Zuletzt war er zwölf Jahre lang Seniorenberater der Stadt. Auch wenn sein künftiger Arbeitsplatz in Moers ist, bleibt der Vater von zwei Kindern in Mülheim wohnen. Seine neue Arbeitsstätte Moers ist dem Hobby-Musiker allerdings nicht unbekannt: „Ich habe hier schon oft selbst musiziert – beim Jazzfestival war ich allerdings noch nicht eingeladen“, schmunzelt er.

Kurz & Knapp Start in den Kulturfrühling Vom 4. April bis zum 23. Mai findet im SCI:Jugendsozialzentrum in der Barbaraschule der Meerbecker Kulturfrühling statt. In einer Ausstellung zeigt die junge Künstlerin Leonie Herrmann mit großformatigen Bildern ihre Sicht auf die Welt. Weitere Programmpunkte sind mehrere Lesungen, ein Klavierkonzert mit Jakob Sommer und ein großes Chorkonzert mit fünf Moerser Chören. Los geht es am 4. April um 19 Uhr im Jugendsozialzentrum.

Verstärkung aus Italien Das SCI:Werkstattjahr erhielt vor kurzem Unterstützung aus der Toskana: Eine Gruppe Jugendlicher unter Leitung von Prof. Claudio Marcchetti aus der Kunstschule in Pietrasanta war eine Woche lang zu Gast in Moers. Gemeinsam arbeiteten die Jugendlichen an einem Beitrag für einen Ideenwettbewerb: eine Gedenktafel, die an das Wirken des Moerser Bürgers Johann Esser erinnern soll. Johann Esser hatte einst im Konzentrationslager das „Moorsoldaten-Lied“ als Lied des Widerstands gegen die NS-Diktatur geschrieben. Mit dem Moerser Verein „Erinnern für die Zukunft“ haben die Jugendlichen die Geschichte aufgearbeitet und künstlerisch umgesetzt. Die Tafel soll am Moerser Wohnhaus von Johann Esser angebracht werden, wo er bis zu seinem Tod 1971 gelebt hat.

„Berufsorientierung soll Spaß machen“ Der SCI:Moers beteiligt sich an einer Landesinitiative, die den Weg nach der Schule in Beruf oder Studium verbessern möchte. „Kein Abschluss ohne Anschluss“ heißt diese Initiative des Landes NRW. Diplompädagogin und SCI-Mitarbeiterin Lena Werntges koordiniert künftig die Zusammenarbeit mit den Schulen im Kreis Wesel. „Unser Konzept ist eine frühzeitige Berufsorientierung, die Schülern eine Anregung zu ihren Stärken vermittelt. Dazu nutzen wir sowohl wissenschaftlich fundierte Testverfahren als auch erlebnispädagogische Maßnahmen. So sehen die Schüler, dass Berufsorientierung auch Spaß macht“, erklärt Lena Werntges. Das Konzept des SCI wurde von der Kommunalen Koordinierungsstelle in Wesel und dem Arbeitsministerium NRW zertifiziert.

Das Regenbogenhaus sagt „Danke“ Die Schüler des Grafschafter Gymnasiums haben im letzten Jahr einen Sponsorenlauf veranstaltet und 2000 Euro eingenommen. Dieses Geld spendeten sie dem SCI:Regenbogenhaus. Mit dem Geld wurde ein Kreativprojekt mit der Kunsttherapeutin Marianne Hoppe für die Bewohner des Regenbogenhauses durchgeführt: Die Teilnehmer fertigten ein Kunstobjekt als Dankeschön an die Schüler des Grafschafter Gymnasiums. Sozialpädagogin Martina Schlund und zwei Bewohner des Regenbogenhauses übergaben ihr Dankeschön an die Schülervertreter der Jahrgangsstufen des Grafschafter Gymnasiums.

Impressum Herausgeber: SCI:Moers gGmbH Gesellschaft für Einrichtungen und Betriebe sozialer Arbeit Hanns-Albeck-Platz 2, 47441 Moers Telefon 02841/95 78-0 Telefax 02841/95 78-78 eMail: info@sci-moers.de V.i.S.d.P.: Karl-Heinz Theußen (Geschäftsführer) Redaktion: Blattwerkstatt Fotos: Peter Oelker Gestaltung und Produktion: Agentur Berns Steinstraße 3, 47441 Moers www.agenturberns.de Wer ist der Service Civil International? Der Service Civil International wurde 1920 von dem Schweizer Pierre Ceresole gegründet. Ceresole lehnte jeglichen militärischen Dienst ab. Stattdessen wollte er durch freiwillige Arbeit an gemeinnützigen Projekten den Frieden unterstützen. In Esnes, in der Nähe von Verdun in Frankreich, fand der erste Einsatz von Freiwilligen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz statt. Sie halfen mit, die im Krieg zerstörte Stadt wieder aufzubauen. Heute ist der SCI in 25 Ländern weltweit als Friedensbewegung organisiert. Seine Aufgaben sind vielfältig, sie reichen von der Förderung von Verständnis und Solidarität zwischen den Menschen bis zu gemeinnützigen Projekten und Arbeiten im Natur- und Umweltschutz. Oberstes Gebot ist die Integration von sozial benachteiligten Gruppen.

Einblicke No 38 2014  

Das Magazin des SCI:Moers