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Juli 2012

ScieNews Das Magazin der btS

Zur端ck auf die Wewelsburg btS aktuell

Wissenschaft

Knowledge Transfer Sideways

DNA als Festplatte


Your Life Sciences career.

Let’s start it! Biowissenschaften I Chemie I Pharmazie I Medizin

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ScieCon NRW 2012 24. Oktober 2012 Ruhr-Uni Bochum, Audimax 10 - 17 Uhr

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Editorial

ScieNews Das Magazin der btS Liebe Leser, hin und wieder muss man mal was Neues machen. Genau das haben wir uns beim letzten Treffen der Redaktion auch gedacht. Herausgekommen ist eine neue vierte Seite, das Schwarze Brett, auf der ihr in Zukunft kurze Infos zu Veranstaltungen in den Geschäftsstellen sowie unseren Terminkalender finden werdet. Neben dem btS-Wochenende berichten wir auch in dieser Ausgabe wieder über andere interessante btS-Projekte sowie über Spannendes aus Studium, Wissenschaft und Beruf. Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen und freuen uns auf Euer Feedback! Euer ScieNews-Team

Inhalt Schwarzes Brett................................................................................................................4 Knowledge Transfer Sideways Wissen in Clustern.............................................................................................................5 BIO! Eine grünere Welt für alle? Erfolgreiche Podiumsdiskussion der Geschäftsstelle Braunschweig............................................6 Wewelsburg Revival btS-Wochenende I/2012 organisiert von Bielefeld und Münster.................................................7 Von Freiburg nach Stanford Bachelorarbeit im Ausland..................................................................................................8 DNA als Festplatte Eine Geschichte über Phagen und recombinase adressable data...............................................9 Tipps für den Karrierestart Ein Interview mit der Autorin Barbara Hoffbauer.................................................................10 Schluss (mit lustig)..........................................................................................................11

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Schwarzes Brett

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Braunschweig

Freiburg

Die von der Geschäftsstelle Braunschweig organisierte Exkursion zum Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme bot nicht nur btS-Mitgliedern, sondern auch anderen interessierten Studenten die Möglichkeit, Einblicke in die Forschungsarbeit des Instituts zu bekommen. Arbeitsgruppenleiter und Doktoranden hielten Vorträge zu den Forschungsbereichen des Upstream und Downstream Processings, sowie zu weiteren Projekten des Bioprocess Engineerings. Weiterhin wurde der zwanzigköpfigen Besuchergruppe ein spannender Überblick über die experimentelle und theoretische Systembiologie gegeben. Abschließend bot sich die Möglichkeit an einer Laborführung teilzunehmen.

‚Let’s get it started – Existenzgründung in den Life Sciences‘ – unter diesem Titel hat die GS Freiburg zusammen mit dem Gründerbüro der Universität Freiburg sowie Existenzgründern von CellGenix und Nanion einen zweitägigen Workshop organisiert. Die Teilnehmer konnten Kreativitätstechniken erlernen, einen Businessplan schreiben und den Erfahrungen, Hürden und Errungenschaften der beiden Existenzgründer lauschen. Beim gemeinsamen Grillen konnten Ideen und Vorstellungen mit allen Beteiligten ausgetauscht werden.

Münster

Der Beruf des Patentanwalts ist eine interessante Option für Absolventen eines naturwissenschaftlichen Studiums. Die Beschreibungen des Berufsbildes, die man in Uni-Magazinen und Karriereführern findet, bieten allerdings oft nur einen groben Einblick in den Alltag eines Patentanwalts. Um mehr über diesen spannenden Job zu erfahren, trafen sich interessierte Mitglieder des Berliner btS-Teams mit Dr. Sebastian Tegethoff, Patentanwalt und Partner der Kanzlei 24IP Law Group, zu einem ‚Kamingespräch‘. Die anwesenden Teilnehmer hatten die Möglichkeit, dem promovierten Biologen in lockerer Atmosphäre alle erdenklichen Fragen zu stellen und detaillierte Informationen aus erster Hand zu erhalten.

Exkursion zum MPI Magdeburg im Mai 2012

Filmvorführung für Doktoranden und Studenten Am 14. März war es so weit: In einem Hörsaal der Universität Münster wurde der Spielfilm ‚The PhD Movie – Piled Higher and Deeper‘ von Jorge Cham gezeigt. Der PhD Film handelt von Alltagssituationen aus dem Leben von Studenten der Naturwissenschaften. Mit einer guten Portion Humor wird das Leben von vier Doktoranden (Cecilia, Mike, Tajel und dem namenlosen Studenten) beleuchtet. Es wird gezeigt, wie sie zwischen der Forschung und ihrem Privatleben hin und her jonglieren müssen, um ihren Abschluss zu erreichen. Dabei basiert der Film auf den bekannten PhD–Comics von Jorge Cham. In den Comics werden Themen wie Prokrastination, Forschungsstress, Geldmangel, Studiendauer und die Gleichgültigkeit von Professoren gegenüber ihren Studenten behandelt. Die von der btS-Geschäftsstelle Münster in Zusammenarbeit mit der Graduate School CEDAD organisierte Filmvorführung war mit 400 Zuschauern im bis auf den letzten Platz gefüllten Hörsaal ein voller Erfolg. Für die Leckermäuler unter den Studenten wurde Kuchen verkauft. Organisatoren und Besucher waren begeistert.

4 l Juli 2012

Workshop zur Existenzgründung in den Life Sciences

Berlin

Kamingespräch mit einem Patentanwalt

Sei dabei! ScieKickIn Life Sciences Fußballturnier 7. Juli, München ScieCon NRW Die btS-Firmenkontaktmesse 24. Oktober, Bochum

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btS aktuell

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Knowledge Transfer Sideways Wissen in Clustern Jörn Pezoldt, btS e.V. Es steht in jeder Zeitung, Manager reden gerne davon und auch Unis haben die Thematik für sich entdeckt; die btS tut es. Nein, es ist nicht von Stellenkürzungen die Rede, sondern vom Wissenstransfer, um den die größte Studenteninitiative der Life Sciences inzwischen auch nicht mehr herumkommt. Als Studenten und Promovierende erwerben wir im Zuge unseres ehrenamtlichen Engagements in der btS bei der Organisation von Vortragsreihen, Seminaren und Kongressen nicht nur die vielgerühmten Soft Skills, sondern häufen auch Unmengen von Wissen im Bereich Event- und Projektmanagement an. Dieser ‚Schatz‘ reicht von „wie organisiere ich einen Raum für meine Veranstaltung“ bis zu „woher bekomme ich 1.000 Euro für das nächste Event“. In einem eintägigen Workshop konnten 20 btSlerInnen aus dem Cluster NRW im MPI Münster in den ‚Kernfächern‘ von Corporate Design über Telefonakquise bis hin zu effizienter Werbung für Veranstaltungen geschult werden. Dabei bot sich natürlich auch eine

optimale Gelegenheit für Austausch über aktuelle Projekte, um gemeinsam die nächste Weltherrschaft in Angriff zu nehmen. Denn auch dafür sind überregionale Veranstaltungen wie das btS-Wochenende oder jetzt der BasisWorkshop vorgesehen: um motivierte Leute zusammenbringen - um aus vielen Ideen heraus die Projekte zu realisieren, die über den goldenen Standard hinausgehen. Mit der erfolgreichen Durchführung des BasisWorkshops in Münster ist der Grundstein für eine nationale Umsetzung dieser überregionalen Weiterbildungsinstanz nicht nur gelegt, sondern auch gleich noch das gesamte Fundament gegossen. Wenn Du als alte/r btS-Hase/Häsin Interesse hast, Dein Wissen an die nächste Generation von Studierenden und Doktoranden weiterzugeben oder aber Du neu bist in der btS und denkst, dass ein Crashkurs in „Alles-was-duzum-Überleben-brauchst“ Deiner Geschäftsstelle nicht schaden würde, dann melde Dich am besten bei Bastian.Behrens@btS-eV.de. Der Basis-Workshop, ob nun auf Sender- oder Empfängerseite, bietet eine weitere hervorragende Möglichkeit, sich im Kreise der btS weiterzubilden.

Produktive Arbeitsatmosphäre beim Basis-Workshop in Münster

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btS aktuell

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BIO! Eine grünere Welt für alle? Erfolgreiche Podiumsdiskussion der Geschäftsstelle Braunschweig Wiebke Nicolay, btS Braunschweig Die Tatsache, dass der Marktanteil von Bio-Lebensmitteln immer größer wird, ließ im Team der Geschäftsstelle Braunschweig Fragen danach aufkommen, inwieweit Bio-Produkte in diesem Ausmaß überhaupt noch prinzipientreu produziert werden können. Tut man mit dem Kauf von ‚BIO‘ sich oder dem Geldbeutel einer möglichen Öko-Industrie etwas Gutes? Mit diesen und weiteren Fragen, etwa zur Vergabe von Biosiegeln, zu wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Aspekten wurde klar, dass Diskussionsbedarf besteht. Um Denkanstöße zu geben und Antworten zu finden, aber auch um neue Fragen zu stellen, organisierte das Braunschweiger Team um Sascha Kießlich und Jonas Andrich zu diesem Themengebiet eine Podiumsdiskussion: „BIO! Eine grünere Welt für alle?“ war das Motto, das gut 100 interessierte Zuhörer anlockte. Moderiert wurde die Diskussion von der Chefredakteurin des Regional-Journals für SüdostNiedersachsen, Frau Dr. Heike Steingaß, die das Publikum und nicht zuletzt die Redner gekonnt durch den Abend leitete. Neben Cornelia Behm (Bündnis90/Die Grünen, MdB) und Dr. Heinz Wendt (Johann Heinrich von ThünenInstitut), setzten sich auch Volker Krause (Bohlsener Mühle) und Klaus Münchhoff (Gut Derenburg) mit Fragen rund um die Debatte zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft auseinander. Uns allen ist bewusst, dass man mit ökologischem Landbau alleine längst nicht alle Menschen ernähren kann. Um eine möglichst flächendeckende Ernährung und Verteilung der Lebensmittel gewährleisten zu können, muss es daher ein Zusammenwirken von ökologischen und konventionellen Methoden geben. Im Verlauf des Abends wurde deutlich, dass es sich bei dem Begriff ‚Öko‘ nicht unbedingt

6 l Juli 2012

Teilnehmer und Organisatoren der Podiumsdiskussion in Braunschweig

um eine Definition handelt und es auch wenig angebracht erscheint, die damit verbundenen Argumente schwarz-weiß zu sehen. Bei ‚Öko‘ handele es sich um einen dynamischen Prozess, bei dem nur etwas Konstruktives erreicht werden kann, wenn verschiedene Ansätze und Sichtweisen berücksichtigt werden. Sicherlich muss jeder Verbraucher seine eigene Werteordnung finden und selbst entscheiden, was er isst und was er sich leisten kann zu essen. Dabei sollte man aber nicht den Blick fürs Ganze verlieren. Am Ende würden nur Systeme überleben, die nachhaltig organisiert sind. Die Suche nach Gemeinsamkeiten ökologischer und landwirtschaftlicher Betriebe sowie die Chance auf eine Zusammenarbeit und ein Voneinander-Lernen seien daher besonders wichtig. Verantwortungsbewusster Umgang mit Lebensmitteln und die Bereitschaft, dafür etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, ist für uns Verbraucher eine Möglichkeit, um den konventionellen und ökologischen Landbau einander anzunähern. „Es war eine interessante und aufschlussreiche Diskussion, die den Zuhörerinnen und Zuhörern einen besseren Einblick ermöglicht, Fragen beantwortet, aber auch Denkanstöße gegeben hat“, fasste Gundula Sprick, erster Vorstand der Geschäftsstelle Braunschweig, ihre Eindrücke zusammen.

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Wewelsburg Revival btS-Wochenende I/2012 organisiert von Bielefeld und Münster Stefanie Nühlen, ScieNews Das erste btS-Wochenende dieses Jahres wurde von den Geschäftsstellen Bielefeld und Münster auf der Wewelsburg in der Nähe von Paderborn organisiert. Die tolle Location, die bereits vor vier Jahren Veranstaltungsort eines btS-Wochenendes war, und die geballte Power der beiden Geschäftsstellen haben die Veranstaltung zu einem Highlight in diesem btS-Jahr gemacht.

den Soft Skills im Mittelpunkt (A.S.I.) sowie Bewerbungsstrategien (headwaypharma), wie man effektiv Führungsaufgaben wahrnimmt (Deutsche Bildung) und die Situation des biopharmazeutischen Marktes und dessen Bedeutung für Absolventen (Sartorius). Sowohl die Teilnehmer der Workshops als auch die Referenten waren begeistert. Anschließend konnten die btS-Mitglieder bei internen Workshops ihr btS-Wissen auffrischen, ganz neues Wissen anhäufen und die bundesweiten Projekte weiter voranbringen.

Bereits nach der Ankunft und dem Icebreaker startete das Wochenende mit einem perfekten Abend. Vor einer Riesenleinwand schauten die über 120 Teilnehmer das EM-Viertelfinalspiel Deutschland gegen Griechenland und und stießen anschließend auf den 4:2 Sieg der deutschen Mannschaft an. Der Samstag startete wie gewohnt mit einer großen Vielfalt an Workshops.

Das zweite Highlight des Wochenendes neben dem gelungenen Start nach dem Fußballspiel war das Samstagabend-Event. In einzigartiger Kulisse feierten die btS-Mitglieder ausgelassen zusammen mit den Alumni bis tief in die Nacht - unterhalb der Burg mit einem schönen Ausblick auf das außergewöhnliche Bauwerk. Abgeschlossen wurde das bundesweite btS-Treffen am Sonntag mit der Mitgliederversammlung.

Zur Auswahl standen den Teilnehmern des Wochenendes ein Workshop von btS-Alumni, die sich geduldig allen Fragen zum Alumni-Dasein, der Wirtschaft und zu Sachen die man wissen muss, stellten. In weiteren Workshops stan-

Für alle, die gerne mit dabei gewesen wären: Das zweite bundesweite btS-Treffen findet vom 2. bis 4. November 2012 in Mardorf am Steinhuder Meer statt, organisiert von den Geschäftsstellen Göttingen und Braunschweig.

Teilnehmer des btS-Wochenendes auf der Wewelsburg

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Studium

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Von Freiburg nach Stanford Bachelorarbeit im Ausland Anne Löchner, ScieNews Nicolas Koutsoubelis, Vorstand der Geschäftsstelle Freiburg, studiert Biologie an der dortigen Universität. Im Augenblick schreibt er an seiner Bachelorarbeit über Datenspeicherung in biologischen Systemen an der Stanford University in Kalifornien. Wie es dazu kam und was ihn dazu bewegt hat, wird er im Folgenden berichten.

Wie kamst Du dazu, Deine Bachelorarbeit in Stanford zu schreiben? In Freiburg schreiben fast alle in einer der Arbeitsgruppen der Fakultät oder in der Uniklinik ihre Bachelorarbeit. Wenige haben bisher den Sprung nach außen gewagt. Das wollte ich nun machen! Außerdem interessiere ich mich sehr für Bioengineering und Synthetische Biologie. In Freiburg hätte ich keine Möglichkeit gehabt, mich in meiner Bachelorarbeit mit diesem Thema zu beschäftigen. Daher habe ich mich in anderen Laboratorien, vor allem in den USA, beworben. Wie bist Du dann nach Stanford gekommen? Ich wollte gerne in die USA gehen und natürlich am liebsten an eine der Elite-Unis, wobei ich meine Chancen dort eher als gering eingeschätzt habe. Daher habe ich mich über die verschiedenen Forschungsfelder schlau gemacht. Die Arbeitsgruppen, die mich angesprochen haben, habe ich per Mail kontaktiert. Besonders spannend fand ich die Arbeit von Prof. Endy in Stanford, die sich mit Datenspeicherung beschäftigt. Drew Endy ist einer der Pioniere für Bioengineering und Synthetische Biologie. Daher hat es mich besonders gefreut, als ich eine Zusage von ihm bekommen habe. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er mir die Chance gegeben hat, meine Bachelorarbeit bei ihm schreiben zu können.

8 l Juli 2012

Nicolas Koutsoubelis studiert an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Biologie. Für seine Bachelorarbeit ist er nach Stanford in das Silicon Valley gegangen.

Wie gefällt Dir die Stanford University? An der Universität herrscht der Geist des Silicon Valley. Es liegen Kreativität, Wissen und Innovation in der Luft. Selbst wenn man bekannten Naturwissenschaftlern begegnet, bekommt man keine Hierarchie mit. Mein Team ist sehr international, und es gibt keine festen Arbeitszeiten, was aber niemanden daran hindert, zwölf Stunden im Labor zu sein. Die Atmosphäre im Labor ist nicht mit Deutschland zu vergleichen. Doch gerade das macht es spannend. Die Vision steht hier im Vordergrund. Mein Projekt ist fantastisch und die Arbeit gefällt mir sehr gut. Es ist ein Teilprojekt, das sich mit der Datenspeicherung in Zellen befasst. Ich werde die Zeit hier auf jeden Fall vermissen und hoffe ein wenig vom dortigen Spirit nach Deutschland mitbringen zu können. Wie geht es für Dich weiter nach Deinem Bachelor? Ich habe mich bereits für verschiedene Masterstudiengänge im In- und Ausland beworben. Ich möchte mich auf jeden Fall spezialisieren. Nach meinem Biologie-Studium in Freiburg würde ich gerne meinen Master in Biotechnologie oder einem ähnlichen, biologisch-ingenieurwissenschaftlichen Fach, machen.

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Wissenschaft

DNA als Festplatte Eine Geschichte über Phagen und recombinase addressable data Nicolas Koutsoubelis, btS Freiburg „Es brauchte drei Jahre und 750 Versuche, bis es endlich funktionierte“, erzählt Jerome Bonnet, Postdoc im Team. Mehr als einmal stand das Projekt vor dem Aus! Zu gering die Erfolge, zu verwegen die Idee, doch Prof. Drew Endy von der Stanford University glaubte an den Erfolg. Nun ist es geschafft, wie Pakpoom Subsoontorn (alias Ton) stolz erzählt: „Wir haben eine wiederbeschreibbare Speichereinheit auf DNA-Basis geschaffen – recombinase addressable data, kurz RAD!“ Geplant war das Projekt eigentlich als kurzes Praktikum zu Beginn von Tons Masterstudium - daraus wurden schließlich eine Doktorarbeit und eine Vollzeitbeschäftigung als Postdoc. Schon viele haben sich an diesem Traum der Biotechnologie versucht, einem Speichermedium in einer Zelle. Manche Systeme waren jedoch instabil, entweder nicht modularisierbar oder nicht wiederbeschreibbar. Letzteres ist besonders wichtig, weil man dadurch Daten digital und nicht nur analog auf der DNA speichern kann. Keines dieser Probleme trifft auf das nun veröffentlichte System zu. Und wie ein zuverlässiges Auto läuft und läuft und läuft es, mehr als 200 Generationen lang, und kann bis zu zwanzigmal wiederbeschrieben werden. Grundlage für dieses System ist ein Enzym aus Phagen. Mit Hilfe des Enzyms Integrase schleust der Virus sein Genom in das seiner Wirtszelle ein. Aus diesem System haben nun die Bioingenieure ein System entwickelt, bei dem DNA herausgeschnitten und in umgekehrter Richtung wieder eingebaut wird. So ist es möglich, einen Promotor in eine Richtung weisen zu lassen. Nach einem Input wird dieser ausgeschnitten und in umgekehrter Richtung wieder eingebaut. Ganz wie ein Schalter kann das System auf Eins und Null geschaltet werden, die Grundbausteine des Binärcodes. So kann ein Bit gespeichert werden.

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Ergebnis und Schema des RAD-Systems

Die Absicht der Wissenschaftler ist es nun, dieses System zu erweitern, dafür ist aber noch viel Arbeit nötig. Mit mehr Bits sind die Anwendungsmöglichkeiten unbegrenzt. Und wofür ist so ein Speichermedium auf DNABasis nun gut? Über diese Frage wird in der Gruppe immer laut gelacht - alle wollten hören, dass man die Lösung gegen Krebs gefunden habe, sagt Ton. Es gibt viele Anwendungsmöglichkeiten, z.B. als Modellsystem für Altern und Entwicklung oder eben auch für die Entstehung von Krebs. Außerdem kann es für den Aufbau von komplexeren Systemen verwendet werden. Juli 2012 l 9


Beruf

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Tipps für den Karrierestart Ein Interview mit der Autorin Barbara Hoffbauer Anne Löchner, ScieNews Wie soll es nach dem Studium weitergehen? Alle Studenten und Doktoranden der Life Sciences beschäftigt diese wichtige Frage. Barbara Hoffbauer leitet eine Karriereberatungsagentur und hat einen Karriereratgeber für den Bereich der Life Sciences verfasst. Im Mai 2012 war sie für einen Vortrag bei der btS Freiburg zu Gast. In diesem Interview gibt sie ihre Einschätzungen wieder.

In welchem Bereich in der Wirtschaft werden die meisten Life Science Absolventen angestellt? Die reinen Stellen für Forscher in der Industrie sind eher rar, da die Pharmabranche in dem Bereich stark abbaut und abgebaut hat. Da sind andere Stellen in den Bereichen Produktmanagement, klinische Studien, Marketing und Vertrieb auf dem Stellenmarkt deutlich stärker vertreten. Welcher Job liegt denn außerhalb dessen, was sich Life Science Studenten als zukünftigen Arbeitsbereich vorstellen können? Sie haben die Arbeitsbereiche am wenigsten im Kopf, die inhaltlich wenig mit dem eigentlichen Studium zu tun haben. Darunter fällt z.B. der diplomatische Dienst. Das ist auch eine Arbeit, die man als Naturwissenschaftler machen kann. Auch in UN- oder EU-Behörden finden sich Naturwissenschaftler. Welche Zusatzqualifikationen sollte man erwerben, um gut auf einen dieser Jobs vorbereitet zu sein? Es ist gut, ein Grundlagenwissen in BWL und Unternehmensführung zu haben. In diesen Bereichen bieten auch viele Unis Vorlesungen für Naturwissenschaftler an. Sollte man das

10 l Juli 2012

während des Studium nicht gemacht haben, bietet sich natürlich auch die Möglichkeit an, das während der Promotion zu machen. Diese Vorlesungen laufen meistens begleitend, daher besteht auch während der Promotion die Möglichkeit, das in Angriff zu nehmen. Das kommt bei Unternehmen sehr gut an, da man dadurch sieht, dass man nicht nur Interesse für die Wissenschaft sondern auch für die wirtschaftlichen Zusammenhänge hat. Empfiehlt es sich für Studierende, die eine wissenschaftliche Karriere einschlagen möchten, zusätzliche Methodenkurse oder Ähnliches zu belegen? Es ist auf jeden Fall sinnvoll, wenn man über ein breites Methodenspektrum verfügt. Das ist aber leider keine Garantie. Bei der Besetzung von wissenschaftlichen Stellen in der Pharmabranche wird nach einem ganz speziellen Profil Ausschau gehalten. Es werden dabei bestimmtes Wissen und bestimmte Methoden vorausgesetzt. Ob man mit den Methoden, die man sich über einen Methodenkurs aneignet, genau diese trifft, ist natürlich die Frage. Aber es ist durchaus sinnvoll, ein breites Spektrum abzudecken. Studenten der btS zeichnen sich durch ehrenamtliches Engagement aus. Wie beeinflusst das den Karrierestart? Das ist schwer, dazu eine generelle Aussage zu treffen. Es gibt Branchen, in denen findet man das gut. In der Beraterbranche wird ehrenamtliches Engagement und damit verbundene Erfahrung im Umgang mit Menschen, Erfahrung mit der Organisation von Veranstaltungen und Entscheidungsfindung vorausgesetzt. Allerdings gibt es auch Bereiche, in denen ehrenamtliches Engagement nicht so sehr ins Gewicht fällt. Das hängt stark von der Position ab. Generell aber würde ich sagen, dass der Nutzen überwiegt und man damit fachliche Defizite kompensieren kann.

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das ist neu

Schluss (mit lustig)

btS von A bis Z

Wer spricht denn da? Evolutionäre Neuigkeiten: Hat sich das Sprechen aus dem Schmatzen entwickelt? Gut, so kann man das eigentlich nicht sagen. Prinzipiell sind zum Sprechen koordinierte Bewegungen des Vokaltraktes (von Kehlkopf über Zungenbein bis zu Zunge und Lippen) und der Stimmbänder notwendig. Forscher aus Princeton und Wien haben nun publiziert, dass Makaken prinzipiell über die ‚technischen Voraussetzungen‘ verfügen: koordinierte Bewegungen des Vokaltraktes mit einer Frequenz von 5 Hz (ähnlich wie beim Sprechen) zur Erzeugung von Schmatzlauten – das ist schneller als beim Kauen und viel komplexer als einfache Lippenbewegungen.

Alter, riechen! Unterschätzt Eure olfaktorische Wahrnehmung nicht! Riecheindrücke, verknüpft mit visuellen Eindrücken und Emotionen, sind das ganze Leben lang im Gedächtnis gespeichert. Und leistungsfähiger als gedacht ist der Geruchssinn auch: es gibt aktuelle Hinweise, dass Menschen sogar grob das Alter eines anderen Menschen erriechen können.

nicht gesucht, aber gefunden Volle Tassen Wie findet man in einem Institut den kürzesten Weg zur Kaffeemaschine? Einfach den Spuren angetrockneten Kaffees auf dem Boden nachgehen! Man muss nicht viel von Physik verstehen, um zu wissen, dass der Kaffee überschwappt, wenn man mit der bis knapp unter Oberkante gefüllten Tasse über den Flur eilt. Das muss man aber wohl, um das Phänomen wissenschaftlich auseinanderzunehmen. Maßnahmen zur Schwappvermeidung sind demnach: keinen starren Behälter verwenden, um die Bewegungen der Flüssigkeit ‚abzufangen‘ oder Behälter mit ringförmigen Stromstörern. Tasse nicht so voll machen, hilft auch.

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I wie Internationalität Internationalität? Ja, sicher. Wird genauso groß geschrieben wie Engagement, Kompetenz, Spaß und andere sogenannte btS-Substantive. Und ganz abgesehen von nicht auszuschließenden Allmachtsfantasien, die zu Beginn dieser Lexikonreihe besprochen wurden, Kooperationen mit Unternehmen aus dem Ausland und den vielen individuellen Auslandserfahrungen der Mitglieder: die btS als Institution kooperiert seit 2002 mit anderen europäischen Life Sciences-Initiativen im Rahmen des Young European Biotech Network, kurz YEBN, das von der btS als Gründungsmitglied seitdem maßgeblich geprägt wurde. Ziel ist voneinander zu lernen, die gemeinsame Interessenvertretung und gemeinsame Veranstaltungen. In der nächsten Ausgabe: J wie Jahreshauptversammlung

Impressum ScieNews - Das Magazin der btS Herausgeber: btS e.V. c/o Universität zu Köln Zülpicherstr. 47 50674 Köln ScieNews@btS-eV.de www.ScieNews.de Redaktion: Anne Löchner, David Spannagel, Jan-Hendrik Sachs, Nina Wenke, Roman Schubert, Stefanie Nühlen Weitere Autoren dieser Ausgabe: Jörn Pezoldt, Wiebke Nicolay

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