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Bulletin 4/2008

Das Kind wird erwachsen! gut schlafen. Die Schweizer-Tafeln konnten in den letzten Jahren eine angemessene Reserve bilden, die die Kontinuität unserer Leistungserbringung während eines Jahres gewährleistet. Wir sind jetzt nach jahrelangen Bemühungen im Fundraising in der Lage, auch bei einem unvorhergesehenen Spendeneinbruch oder bei einem plötzlichen Ausfall eines Sponsors angemessen zu reagieren. Selbstverständlich werden wir weiterhin unseren Fokus auf eine nachhaltige Finanzierung richten und ich bin überzeugt, dass wir dieses Ziel in den nächsten zwei Jahren erreichen werden.

Yvonne Kurzmeyer (Foto Redaktion «Zeitpunkt»)

Liebe Leser und Leserinnen Ich habe 2 Kinder, einen 19-jährigen Sohn und eine 21-jährige Tochter. Dieser Abschnitt in meinem Leben beinhaltet für mich ein spezielles Thema, nämlich das Thema «Loslassen». Wer selber Kinder in diesem Alter hat, weiss, dass dies nicht immer ganz einfach ist. Meine Kinder werden zwar erwachsen, aber sie werden immer meine Kinder bleiben. Mein ganzes Leben lang. Ich werde mich einfach bemühen, sie in Zukunft wie Erwachsene zu behandeln. In meinem Leben wird noch ein anderes Kind langsam erwachsen und auch da werde ich ungefähr den gleichen Prozess durchgehen. Ja, Ihre Vermutung stimmt. Ich rede von den Schweizer-Tafeln. Seit die erste Tafel, die Berner-Tafel, im Dezember 2001 eröffnet wurde, sind sieben Jahre vergangen. Eine magische Zahl, die Zahl Sieben. Alle sieben Jahre sollen sich ja bekanntlich sämtliche Zellen im Körper eines Menschen erneuern, nach sieben mageren Jahren folgen sieben fette Jahre, das verflixte 7. Ehejahr usw.

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Für die Schweizer-Tafeln geht nach den ersten sieben Jahren eine Zeit des Aufbaus zu Ende. In den 12 grössten Städten und Regionen unseres Landes ist die Brücke vom Überfluss zum Mangel gebaut worden. Es müssen nur noch einzelne Regionen wie Jura, Bodenseeregion und Graubünden erschlossen werden, dann sind die SchweizerTafeln schweizweit vertreten und wir können uns dem Weiterausbau der bestehenden Tafeln widmen. Seit einem Jahr haben Fred Huber und ich die operative Leitung der Schweizer-Tafeln grösstenteils an unsere neue Geschäftsleiterin Daniela Rondelli Stromsted abgegeben. Ich widme mich jetzt zu 20 Prozent hauptsächlich dem Fundraising und Fred Huber mit dem gleichen Arbeitspensum den Finanzen. Das «Loslassen» fällt uns beiden leicht, denn unter Danielas Leitung entwickelt sich unser Kind prächtig. Ein weiteres Thema, die nachhaltige Finanzierung, befindet sich ungefähr im gleichen Stadium: fast erwachsen. Hatte ich am Anfang viele schlaflose Nächte, kann ich jetzt

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei all unseren Partnern, Sponsoren, Stiftungen, Firmen und Spendern von ganzem Herzen für die engagierte und notwendige Unterstützung bedanken. Sie haben es möglich gemacht, dass die Vision der Brücke zwischen Überfluss und Mangel zur Realität geworden ist, und ich hoffe, dass wir auch weiterhin auf Sie zählen dürfen. Yvonne Kurzmeyer Stiftungsratspräsidentin

Inhalt Das Kind wird erwachsen! 4. Suppentag Mit Microsoft auf Tafel Tour Filmprojekt Freunde der Schweizer-Tafeln Berichte von den Tafel-Logen News aus Murten Berichte von den Städte-Tafeln Die 2. Chance für Lebensmittel Scapa zum Thema Golf Erfolgreiches Charity-Golf-Turnier Wachstum der Schweizer-Tafeln Impressum

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4. Suppentag der Schweizer-Tafeln: Sogar die Bise half mit Kalt war es, am 4. Suppentag der Schweizer-Tafeln vom 15. November 2007. Optimales Wetter, um sich an einen der über 44 Suppentag Standorte zu begeben und die kalten Hände an einer Tasse feiner Suppe aufzuwärmen. Zahlreiche gute Geister engagierten sich wieder mit einem ehrenamtlichen Einsatz für das Projekt der Schweizer-Tafeln. Logen-Damen, Prominente aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport, Köche, Lion’s Club Mitglieder und unzählige freiwillige Helfer, alle waren sie bereit, ihre Zeit für eine gute Sache zur Verfügung zu stellen und damit Geld zu sammeln für armutsbetroffene Menschen in unserer Gesellschaft. Speziell erwähnt sei das Engagement der Credit Suisse, welche den Suppentag auch dieses Jahr unterstützte. An 30 öffentlichen Standorten und in sieben firmeneigenen Kantinen organisierten und betreuten motivierte Credit Suisse Mitarbeitende im Rahmen der Volunteering Days diesen nationalen Spendenanlass. Auch die Medienpräsenz war ausserordentlich hoch und hat viel dazu beigetragen, dass die Arbeit der Schweizer-Tafeln von einem grossen Teil der Bevölkerung noch besser wahrgenommen wird. Fast 15’000 Portionen oder 4’400 Liter Suppe, von der deftigen Minestrone bis zur raffinierten Miesmuschel-Safran-Scampi Kreation, wurden geschöpft und genossen. Die Nötli und das Münz flossen unermüdlich in die Spendenurnen, und am Ende der Veranstaltung waren über 122’000 Franken für die Schweizer-Tafeln gespendet worden. Ein tolles Ergebnis! Herzlichen Dank an alle, welche mitgeholfen haben, dass der 4. Suppentag wiederum ein voller Erfolg wurde.

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Mit Microsoft auf Tafel Tour Microsoft Schweiz hat anlässlich des jährlichen Company-Meetings die Schweizer-Tafeln vorgestellt und allen Microsoft Mitarbeitern die ehrenamtliche Mitarbeit im Rahmen unseres «Corporate Volunteerings» empfohlen. Ich muss gestehen, ich schlug vorerst im Wikipedia unter «Tafeln» nach und war danach ziemlich schockiert, als ich die Zahlen über die Armut in der Schweiz zum ersten Mal sah! Das ist Überfluss-Gesellschaft mal aus einer anderen Optik! Die Idee der Schweizer-Tafeln ist überwältigend einfach und einleuchtend. Microsoft fördert den ehrenamtlichen Einsatz jedes Mitarbeiters jährlich während dreier Tage, ohne dass die Mitarbeiter dafür Ferien hergeben müssen. Ich finde das eine super gute Sache und habe mich gerne gemeldet: Von Dienstag bis Donnerstag fuhr ich von Härkingen aus zweimal auf der Tour der Aargauer-Tafel und einmal auf der Solothurner-Tafel mit: Mein Arbeitstag begann um 07:45 bei der Besprechung im Büro in Härkingen. Zuerst wurden Coop und Aldi angesteuert und die Lebensmittel geladen bzw. Leergut zurückgegeben. Unser Lieferwagen füllte sich in diesen drei Tagen zu meinem Erstaunen jedes Mal. Anschliessend konnten wir diese Lebensmittel an die sozialen Organisationen verteilen. Ich danke Theo Häfliger, dem Leiter der Aargauer- und Solothurner-Tafel und den beiden Studenten und «Zivis» Matthias und Andi als Lieferwagen-Fahrer für die tollen drei Tage! Marcel Trümpy, Microsoft Mitarbeiter

Wie funktioniert diese Kamera doch gleich?

Filmprojekt über die Schweizer-Tafeln Im Rahmen der Ausbildung an der Hochschule Luzern für Soziale Arbeit starteten wir, Katrin, Lea und Anja, im Mai unser Filmprojekt über die Schweizer-Tafeln. Der kurze Dokumentarfilm soll die wertvolle Tätigkeit der Schweizer-Tafeln aufzeigen. Nach einer längeren, intensiven Planungsphase konnten wir endlich die Dreharbeiten im Oktober beginnen. Wider Erwarten mussten wir selbst Hand an die Kamera legen, was zu Beginn unsere Nachtruhe störte. Bereits nach den ersten Drehminuten verflüchtigten sich unsere Befürchtungen und wir stürzten uns voller Elan in das Neuland. Wir überlegten uns sogar für einen kurzen Moment den Studiengang Richtung Filmkarriere auszuweiten. Doch das erste kleine technische Problem führte uns wieder auf den Boden der Realität zurück. Jeweils früh morgens begaben wir uns mit einem Liter Kaffee in der Tasche auf den Weg und verbesserten unsere Geografiekenntnisse der Schweiz. Die Drehroute führte uns von Luzern, Zürich, Basel, über Murten nach St. Gallen und wieder zurück. Während der ganzen Filmzeit durften wir gemeinsam mit den Mitarbeitenden die grosse Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber den Schweizer-Tafeln miterleben. In Zusammenarbeit mit Annette von der Hochschule Luzern für Kunst & Design wurde der Film vollendet und am 23. Februar 2008 in Luzern bei einer feierlichen Taufe uraufgeführt. Der Film ist abrufbar unter www.schweizer-tafeln.ch, Rubrik News. Anja, Lea und Katrin, Hochschule Luzern für soziale Arbeit

Verein «Freunde der Schweizer-Tafeln» Der Verein Freunde der Schweizer-Tafeln unterstützt das Projekt Schweizer-Tafeln und zählt zurzeit 54 Mitglieder. Der Auf- und Ausbau der Schweizer-Tafeln muss mit einer nachhaltigen Finanzierung gesichert werden. Der Verein «Freunde der Schweizer-Tafeln» trägt dazu bei, dieses Ziel zu erreichen. Den Beteiligten ist es ein Anliegen, das Projekt weiter auszubauen um mehr Menschen zu helfen. Jedes neue Vereinsmitglied trägt wesentlich dazu bei. Wir laden Sie herzlich ein, als Einzelperson oder Unternehmen Mitglied bei den Schweizer-Tafeln zu werden. Informationen und Unterlagen erhalten Sie über die Nummer 0848 848 033 oder per Mailanfrage an info@freunde-schweizer-tafeln.ch.

Hanspeter Kurzmeyer, Präsident

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Berichte von den Tafel-Logen Luzerner-Tafel-Loge: Profil einer typischen Logenfrau Was bewegt Menschen, bei den Schweizer-Tafeln mitzumachen? Die Antwort auf diese Frage ist entscheidend, um neue Mitglieder zu gewinnen. Hier das Beispiel unseres Gründungsmitglieds Huguette Kuhn. Huguette Kuhn hat durch einen Zeitungsartikel - NZZ sei Dank - über die Schweizer-Tafeln gelesen. Sensibilisiert durch die Mitarbeit zur Schaffung von Betreuungsplätzen für Behinderte Menschen, wusste sie von den alltäglichen Sorgen der Betroffenen. Ausschlaggebend für die Mitgliedschaft bei der Luzerner-Tafel-Loge war aber das Erlebnis, wie vor ihren Augen grosse Mengen Patisserie direkt im Abfallcontainer landeten. Huguette Kuhn war sofort «on tour» mit Rolf Demuth, Luzerner-Tafel-Leiter, und konnte sich ein eindrückliches Bild machen. Zumeist zeigte sich grosse Dankbarkeit bei den Abnehmern, allerdings gab es auch wählerische, die an der stets einwandfreien Ware «rumnörgeln», um dann doch insgeheim freudestrahlend mit einem tollen Fang wieder abzudüsen. Aber das wäre dann eine andere Geschichte. Überzeugt durch die Win-Win-Situation aller Involvierten des Tafel-Projekts können die Beweggründe von Huguette Kuhn eigentlich nur ansteckend wirken. Die «Luzerner-Frauen» machen aber auch anderes: Bei Glögg, einem schwedisches Weihnachtsgetränk, und verführerischem Gebäck trafen wir uns anfangs Dezember bei Inger Janson in Meggen. Die angenehme Atmosphäre sowie der wunderschöne Adventskranz haben zu einem festlichen Weihnachtsstart beigetragen. Dankeschön Inger! Vorstand

So wird gespendet!

Aargauer-Tafel-Loge: 2007 auch im Zeichen der Badenfahrt Baden befindet sich alle zehn Jahre im sommerlichen Ausnahmezustand. Die Badenfahrt ist das Fest der Feste und schlug sich auch im Vereinsjahr unserer Tafel-Loge nieder. Am 26. April 2007 hielten wir unsere 3. Generalversammlung in den Räumlichkeiten der Zürcher/Aargauer-Tafel in Dietikon ab. Der in der Zwischenzeit leider verstorbene Heinz Schedler schilderte den zahlreich erschienenen Mitgliedern und Gönnern die Tafel-Arbeit äusserst interessant und kompetent. Als dann noch die vollen Lieferwagen eintrafen und die Lebensmittel verteilt wurden, waren alle Teilnehmerinnen sehr beeindruckt: Den ganzen Ablauf einmal direkt vor Ort erleben zu können, hat das Interesse und Verständnis für die Tafel-Arbeit enorm verstärkt. Unser Verein zählt zurzeit 20 Mitglieder. Viele treue Gönnerinnen helfen uns zudem, die Tafelarbeit im Aargau zu sichern. Im August war dann Badenfahrt: Ein Fest, welches nur alle 10 Jahre stattfindet. Ein Highlight für alle Badener. Über eine Million Besucher vergnügen sich während zehn Tagen in unserer Stadt. Weit über 100 Vereine engagierten sich mit Beizen, Theatern, Konzerten etc. Unter ihnen auch der Lions Club Baden, welcher uns seit Jahren beim Suppentag tatkräftig unterstützt. Anlässlich Feierliche Checkübergabe ihres Badenfahrt-Abschlussfestes durfte ich von den Verantwortlichen einen Check über 20’000 Franken entgegennehmen. und spendierfreudige Suppenesser besuchAuch an dieser Stelle nochmals ganz herz- ten uns: 120 Liter Suppe wurden geschöpft und 2’880 Franken eingenommen. lichen Dank für das Engagement. Die Aufwand aufs Jahresende für den 4. Suppentag hat sich gelohnt: Viele hungrige Angelika Meier, Präsidentin

Zürcher-Tafel-Loge: Ein gemeinsames Ziel verbindet Die Zürcher-Tafel aktiv zu unterstützen, verbindet mittlerweile 21 Logenmitglieder! Ein grosses Dankeschön an unsere treuen, engagierten und motivierten Mitglieder-Ladies. Nach einem sehr erfolgreichen Suppentag im November 2006, wo wir regelrecht vom Publikum überrannt wurden und die Suppe ständig ausgelöffelt war, traf sich die Zürcher-Tafel-Loge im Januar 2007 zum ersten Logentreffen mit einer privaten Führung im Rietbergmuseum. Weitere Veranstaltungen führten uns in die Masoala-RegenwaldHalle des Zürcher Zoos, ins Departement Obdach und Wohnen der Stadt Zürich und im Juli lud Brigitte Beck, Mitglied des Vorstands und Kassierin, zur 5. GV zu sich nach Hause ein. Das Resultat 2006 kann sich sehen lassen: Die Zürcher-Tafel-Loge hatte rund CHF 120’000 gesammelt, dank Logenmitgliedern, privaten Spendern und dem Suppentag. An diesem Abend konnten wir auch die Studentinnen der Hochschule für Soziale Arbeit Luzern kennen lernen, die einen Kurzfilm über die Schweizer-Tafeln im Rahmen eines Projektes erstellen werden. Blumenhafte Tischdekorationen konnten wir im September dank Monika Kessler bewundern und selber herstellen. Das Jahr endete im November fulminant mit ei-

Logen Damen vor gedecktem Tisch

nem sehr erfolgreichen Suppentag auf dem leicht verschneiten Paradeplatz. Die Besucher hatten Hunger. Sie löffelten 650 Liter Suppe aus und spendeten sehr grosszügig über 12’000 Franken! Ich möchte an dieser Stelle allen Mitgliedern danken, die unsere anregenden Treffen regelmässig und in grosser Anzahl besuchen. Wir freuen uns auf die Arbeit, die uns in den nächsten Jahren noch bevorsteht! Chantal Senft-Boissonnas, Präsidentin

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Berner-Tafel-Loge: Wenn Regen Geld in die Kasse spült Von lauem Sommerregen keine Spur, nein, strömender Regen, prasselte endlos aufs Dach der Orangerie des Landgutes Elfenau in Bern.

Basler-Tafel-Loge: Beim Lunch wird eifrig vernetzt Im Rahmen des Suppentages deckten die Mitglieder der Basler-Tafel-Loge den Tisch für unzählige Menschen. Und die Idee gedeiht über Stadt- und Landesgrenzen hinaus.

Fragestunde in der Orangerie

Drinnen tafelte «tout Berne» am diesjährigen Sommeranlass der Berner-Tafel-Loge und sammelte 10’000 Franken für die Berner-Tafel! Ein voller Erfolg also für die Bernerinnen, deren Vorstand seit April in neuer Zusammensetzung arbeitet. Nach vier Jahren hat sich Yvonne Kurzmeyer aus dem Vorstand zurückgezogen, um sich intensiver den Schweizer-Tafel-Logen widmen zu können. An der GV vom 24. April 2007 wurde sie herzlich verabschiedet und die neuen Vorstandsmitglieder Annick Jordi (Bahina Jewels) und Salome Ramseier (Furrer, Hugi & Partner) willkommen geheissen. Auch in der Mitgliederwerbung war die BernerTafel-Loge im Jahr 2007 erfolgreich. Gleich drei neue Mitglieder konnten gewonnen werden! Das motiviert und spornt an, die Ziele für 2008 hoch zu stecken: die Loge noch bekannter zu machen und die Gönnerund Mitgliederwerbung zu intensivieren. Am 15. November 2007 arbeiteten wieder einmal alle Berner-Tafel-Logen-Ladies Hand in Hand. Nebst vielen illustren Gästen, liess sich Bundesrat Samuel Schmid nicht nur die Kürbis-Suppe des Hotels Bellevue, sondern auch den feinen Kuchen schmecken. Mehr Bekanntheit, mehr Einsatz für die BernerTafel – wer redet da noch von langsamen Bernerinnen? Salome Ramseier, Vizepräsidentin

Esme Sarasin Präsidentin Basler-Tafel-Loge, mit Christophe Beurret (rechts) und Rudolf von Rohr

Der Suppentag hat sich bereits zu einem lieb gewonnen Anlass in der novemberlichen Freien Strasse in Basel etabliert. Viele Freunde, Kollegen, Bekannte und Passanten geniessen die köstlichen, mit viel Sorgfalt gekochten Suppen unserer Spitzenköche. Das Zelt der Basler-Tafel-Logen-Frauen wird zum Treffpunkt; man verabredet sich zu einer Suppe, es wird geplaudert, man spricht über das Projekt der Schweizer-Tafeln und es ergeben sich immer wieder neue, erfreuliche Kontakte. Die Logen-Frauen decken den Tisch - nicht nur für diesen Tag, sondern für viele weitere Tage für die hilfsbedürftigen Menschen der Region. Dreimal im Jahr treffen sich die Mitglieder der Basler-Tafel-Loge zu einem gemeinsamen Lunch. Wir alle nutzen die Gelegenheit für Gespräche, wir lernen uns kennen, vernetzen uns und geniessen auch die Zeit der Musse und der Pause aus dem Arbeitsalltag beim Tafeln. Dabei wird der Tisch erfreulicherweise immer länger: Einen besonders langen habe ich zufällig im Oktober im deutschen Baden-Baden angetroffen: 50 Meter lang war die Tafel. Gesammelt wurde für den Aufbau einer Städte-Tafel für Baden-Baden! Es ist immer wieder faszinierend mitzuerleben, wie der Gedanke der StädteTafeln Menschen zusammenbringt und viel Energie und Engagement auslöst. Edith Zwahlen, Vizepräsidentin

Aufruf an engagierte Damen Der Verein der Schweizer-Tafel-Logen sichert mit seinen Aktivitäten die Deckung der Betriebskosten der 12 lokalen Schweizer-Tafeln. Mitgliederbeiträge und verschiedene Fundraising-Aktionen sorgen für Nachhaltigkeit. Wir suchen engagierte Damen, die sich für eine Mitgliedschaft interessieren und/oder die bereit sind, einen Teil ihrer Zeit für diese ehrenamtliche Tätigkeit einzusetzen. Helfen Sie uns: Zum Beispiel mit aktiver Aufbauarbeit einer Loge für die Standorte Freiburg, Solothurn oder Waadtland. Wenn Sie nur wenig Zeit zur Verfügung haben und die Idee der Schweizer-Tafel-Logen trotzdem fördern wollen, freuen wir uns über Ihre Mitgliedschaft. Auch damit unterstützen Sie uns.

Isabell Haitz-Caffi (links), Präsidentin der Berner-Tafel-Loge im Gespräch mit Gästen

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Haben Sie noch Fragen oder haben Sie sich bereits für eine Teilnahme entschieden? Zögern Sie nicht. Senden Sie uns eine Mitteilung an info@schweizer-tafel-logen.ch oder rufen Sie uns an unter 026 672 30 21. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme!


News aus Murten: Kontinuität trotz einschneidender Ereignisse Abschied und Neubeginn gehören zum starken Entwicklungsprozess. Auch wir bleiben vom Schicksal nicht verschont. Der Jahresrückblick aus Murten erzählt eine bewegte Geschichte. Das Jahr 2007 wird in der Geschichte der Stiftung als das Jahr der Ablösung in der Geschäftsleitung eingehen. Die Gründerin und Frau der ersten Stunde, Yvonne Kurzmeyer, und ihr erster Stiftungsrat, Alfred Huber, haben schrittweise ihren Einsatz im Tagesgeschäft auf rund je einen Tag pro Woche reduziert und sie werden ihre Unterstützung bis auf weiteres in diesem Rahmen fortsetzen. Dies war und ist natürlich nur möglich, weil in der Zentrale in Murten ein Team herangewachsen ist, das die immer zahlreicheren Aufgaben mit hoher fachlicher Kompetenz bewältigen konnte und die Kontinuität in der Leitung sicherstellen wird. Daniela Rondelli Stromsted hat sich in kurzer Zeit in ihrer neuen Rolle als Geschäftsleiterin zurecht gefunden. Sie arbeitet in einem 80 Prozent Pensum und bildet sich berufsbegleitend in «Management für Non-Profit-Organisationen» weiter. Sie wird tatkräftig und professionell unterstützt von Franziska Lehmann, der Leiterin des Sekretariats, und Manuel Loeliger, dem Leiter der Berner- und Freiburger-Tafel. Er betreut zusätzlich das Fleet- und Zivildiensteinsätze-Management und nimmt weitere Aufgaben wahr.

Spiky bei seiner Lieblingsbeschäftigung

Das Team hat sich zudem ein Maskottchen zugelegt: Der Hund «Spiky» ist für die Moral und die Fitness zuständig. Die neu zusammengestellte Mannschaft, ergänzt durch die Tafel-Leiter und Leiterinnen, wurde im Juni einer ersten und ernsten Bewährungsprobe unterzogen: Mitten in einem internen Workshop wurde der Zürcher-Tafel-Leiter Heinz Schedler aus unserer Mitte gerissen. Sicher ganz im Sinne des plötzlich Verstorbenen hat uns der erschütternde Vorfall noch enger zusammen geschweisst.

Solothurn und St. Gallen neu dabei An der Front wurden zwei Tafeln aktiv: In Solothurn unter der Leitung des bisher in der Basler-Tafel tätigen Theo Häfliger und in St. Gallen unter der Leitung von Susanne Lendenmann. Neu zu uns gestossen ist bei der Zürcher-Tafel Ramón Tuero, Kaufmann mit langjähriger Erfahrung in der Privatindustrie und seit 1993 für verschiedene Hilfswerke in der deutsch- und italienisch sprechenden Schweiz tätig.

Blick in die Kasse Bei der Mittelbeschaffung zeichnet sich ab, dass wir unser Ziel erreichen: «50% eines Jahresaufwandes nachhaltig gesichert». Unsere Hauptsponsoren Credit Suisse, Coop, Schindler und SIKA haben die Spen-

den-Verträge um ein bis drei Jahre verlängert und decken damit rund einen Drittel unserer heutigen Ausgaben ab. Neu dürfen wir auch auf die mehrjährige Unterstützung der Göhner-Stiftung in Zug zählen, die sich mit einem namhaften Betrag am Weiterausbau unserer Tafeln beteiligen wird. Die Vereine «Schweizer-Tafel-Logen» und «Freunde der Schweizer-Tafeln» erbringen über 20 Prozent des Aufwandes. Unsere Reserven bewegen sich mittlerweile ebenfalls auf der Höhe eines Jahresaufwandes. Mit diesen beiden Finanzierungsgrössen ist die Zukunft des Projektes mittelfristig gesichert. Es darf uns jedoch nicht dazu verleiten, in unseren Fundraising-Bemühungen nachzulassen. Alfred Huber, Stiftungsrat

In Memoriam Heinz Schedler 22.05.1947 - 11.06.2007 Leiter der Zürcher-Tafel

Am 11. Juni 2007 hat das Schicksal unverhofft zugeschlagen. Unser lieber Arbeitskollege und Freund Heinz Schedler wurde unvermittelt aus unserer Mitte gerissen. Noch am Morgen sassen wir alle bei einem Workshop beisammen und freuten uns, anschliessend einen gemeinsamen Bummel entlang des Murtensees zu unternehmen. Doch die Vorsehung wollte es anders. Das Herz von Heinz war den Stürmen des Lebens nicht mehr gewachsen. An einem idyllischen Ort, geprägt von Harmonie und Ruhe, verliess er uns, ohne die Möglichkeit, noch Worte des Abschieds an uns zu richten. Vielleicht war dieser Fortgang symptomatisch für Heinz. Er war nicht ein Mann der grossen Worte, sondern ein stiller und sehr hilfsbereiter Mensch und Kollege. Wer Hilfe benötigte und an seine Türe klopfte, wurde nicht abgewiesen. Der Randständige, welchem Heinz einmal ein paar solide Schuhe geschenkt hatte und welcher Heinz am Begräbnis die letzte Ehre erwies, hinterliess eine kleine und eindrückliche Ahnung von dem, was den Verstorbenen ausgemacht hat. Seine berufliche Laufbahn fokussierte sich auf das Gastgewerbe, wo er in einer Kaderstelle tätig war. Nach arbeitsintensiven Jahren verlor er infolge gesundheitlicher Probleme seine Arbeitsstelle. Ein harter Schlag, der ihn aber Ende 2002 zu seiner letzten grossen Aufgabe führte – dem Aufbau und Betrieb der Zürcher-Tafel. Es war beachtlich, wie innerhalb von fünf Jahren eine gut organisierte und funktionierende Tafel im Raum Zürich entstand. Heinz hat sich mit Leib und Seele den Schweizer-Tafeln, die er auch als seine Familie bezeichnete, verschrieben und in kurzer Zeit Grosses und Bleibendes geleistet. Heinz, wir werden Dich in unseren Herzen bewahren und danken Dir für Dein Mensch sein. Du wirst unvergessen bleiben! Deine Arbeitskollegen und Arbeitskolleginnen

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Berichte von den Städte-Tafeln

Genfer-Tafel: Wachsen mit Vertrauen und Kontinuität Seit April 2007 ist die Genfer-Tafel operativ von der Waadtländer-Tafel losgelöst worden. Langsames und kontinuierliches Wachsen mit Qualität und Zuverlässigkeit steht vor quantitativen Ansprüchen auf die Schnelle.

Berner- und Freiburger-Tafel: Le Röstigraben n’éxiste pas Das Moléson-Yoghurt aus dem freiburgischen Greyerzerbezirk schmeckt auch dem Empfänger in Interlaken. Die Toblerone aus Bern wird von den Freiburgern mit offenen Armen empfangen. Berner Fahrer bedienen Freiburg, Freiburger Fahrer bedienen Bern: Auf unseren Touren sollte möglichst jeder Fahrer bei Bedarf einen anderen ersetzen können. In unserem Umfeld von sozial benachteiligten Menschen gibt es wenig Bedarf an Diskussionen über regionale Identifikation. Es stehen andere Sorgen im Vordergrund.

Unsere Fahrer!

Warenübergabe an die Armée de Salut Genf

Der Aufbau der Genfer-Tafel geht langsam aber stetig voran. Mit unserem Kühlfahrzeug sammeln wir bei elf Lieferanten Lebensmittel ein und verteilen diese an neun Abnehmer in der Region Genf. Es ist uns schnell gelungen, sowohl zu den Lieferanten als auch zu den Abnehmern ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen zu können. Weitere drei Abnehmer stehen noch in der «Warteschlaufe». Die Fahrerfrage hat sich gelöst: Zurzeit können wir fix mit zwei Zivildienstleistenden rechnen und zusätzlich mit einer Person, die vom Schweizerischen Arbeiterhilfswerk in einem Wiedereingliederungs-Programm steht. Diese Einsätze dauern zum Teil mehrere Monate, was für Kontinuität sorgt. Zusätzlich verfügen wir über einen kleinen aber treuen Pool von Freiwilligen. Im Bereich Fundraising haben wir diverse Anfragen um finanzielle Unterstützung der Genfer-Tafel ausgesandt. Wir hoffen natürlich auf positive Reaktionen, um den Betrieb der Genfer-Tafel sicher zu stellen. Ruth Zamboni, Tafel Leiterin

Auch für unsere Fahrer: Stau, Schnee, Eis, Laderaumkühlung und grosse Schwankungen der gespendeten Warenmenge fordern Flexibilität und Einsatz. Dank verbesserter logistischer Infrastruktur können wir diese Schwankungen immer öfter ausgleichen. Heute können von uns auch Angebote in grosser Menge angenommen werden, was noch vor einem Jahr kaum denkbar war. Durch die Vermittlung der Winterhilfe durften wir von Miele einen grossen Kühlschrank und eine dringend benötigte Gefriertruhe in Empfang nehmen. Auch die Waadtländer Tafel konnte dieses Angebot von Miele nutzen. In der Region Bern-Freiburg ist die Anzahl der Institutionen, welche von uns mit Lebensmitteln beliefert werden, erstmals auf über 100 angestiegen. Eine Gebietserweiterung nach Neuenburg ist in Vorbereitung. Die Idee, dass uns ein Lebensmittelbetrieb überschüssige Waren spendet, ist gut nachvollziehbar. Dies bedingt jedoch für Verantwortliche und Mitarbeiter einen zusätzlichen Arbeitsaufwand, welcher nicht selbstverständlich ist. Herzlichen Dank! Manuel Loeliger, Tafel Leiter

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Tessiner-Tafel: Gut vernetzt und erfolgreich Viel Medieninteresse und starke Partner sorgen dafür, dass im Tessin auch für die Benachteiligten das ganze Jahr die Sonne scheint. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfswerke funktioniert reibungslos. Im sonnigen Süden begann das Jahr 2007 mit einer Medieninformation. Der Andrang war gross – TV-, Radio- und lokale Zeitungsjournalisten hörten gespannt und dicht gedrängt den Erläuterungen der anwesenden Projekt-Involvierten zu. Anwesend waren auch die Sponsoren der beiden Kühlfahrzeuge: Die Fondazione Asha, welche ein 2-Jahres-Leasing für den Mercedes Sprinter übernimmt und die Banca del Gottardo. CEO Rolf Aeberli übergab Präsidentin Yvonne Kurzmeyer feierlich einen Gesamtcheck von 120’000 Franken. Der Betragt deckt den Kauf und die Betriebskosten des Mercedes Vito für fünf Jahren. Con-dividere nennt sich die Tessiner Plattform. Beide Konzepte, Schweizer-Tafeln und Tischlein deck dich werden in Zusammenarbeit mit dem Arbeiterhilfswerk SOS Ticino umgesetzt. Rund 15 soziale Instituti-

onen, die Menschen in schwierigen Lagen betreuen, werden regelmässig bedient. So konnten im 2007 mehr als 21 Tonnen Lebensmittel gratis abgegeben werden: Im Tessin scheint wahrhaftig das ganze Jahr die Sonne! Alessandro Maeder, Tafel Leiter

Rolf Aeberli (Banca del Gottardo) und Alessandro Maeder (Tafel-Leiter)


So viele Fahrer braucht es in Zürich!

Zürcher-Tafel: Grosszügigkeit spornt an Gegenwärtig verfügt die Zürcher-Tafel über 78 regelmässige oder sporadische Spender und 70 Abnehmer, die sie mit vier Kühlwagen bedient. Vorgesehen ist der weitere Ausbau des östlichen Zürcher Kantonsteils. Im Rahmen eines DVD-Projektes der Hochschule für Soziale Arbeit (HSA) Luzern, waren im September und Oktober drei Studentinnen bei der Zürcher-Tafel, um spannendes Bild- und Tonmaterial bei Spendern, Abnehmern und den Tafelmitarbeitern zu erstellen. Die Grosszügigkeit der Spender ist uns An-

sporn und Verpflichtung, noch mehr Bedürftige in unserem Kanton zu erreichen um ihnen eine warme, gesunde Mahlzeit zu ermöglichen. Im Zentrum steht auch die nachhaltige Entlastung der Haushaltsbudgets der Nutzniesser. Unser herzlicher Dank gilt nicht nur allen Spendern und deren Personal, sondern

auch unseren Mitarbeitern, die sich aus dem RAV-Beschäftigungsprogramm des ateliers93, aus Zivildienstleistenden und aus Freiwilligen rekrutieren. Ohne deren tatkräftigen täglichen Einsatz könnten wir unsere Aufgabe nicht erfüllen! Ramón J. Tuero, Tafel Leiter

St. Galler-Tafel: Tenor von positiv bis begeistert Nach fast einem Jahr Betrieb, konnten wir am 22. Januar 2008 die lokalen Medien zu einer Information einladen. Das Interesse war gross und dementsprechend das Medienecho in der lokalen Presse. Meine Fahrer kommen vorwiegend aus Einsatzprogrammen des RAV. Sie sind stolz auf ihre Arbeit und verrichten sie mit viel Herzblut. Zusätzlich habe ich Freiwillige, vorwie-

Schneekettentraining im Sommer!

Medieninformation: Sepideh Widmer (Präsidentin St. Galler-Tafel-Loge) und Susanne Lendenmann

gend pensionierte Personen. Einen Monat war ein Zivildienstleistender bei uns tätig, und ich konnte einen Freiwilligen dazu gewinnen, meine Stellvertretung zu übernehmen. Die personelle Situation ist sehr erfreulich, ebenso die Beziehungen zu allen Spendern. Zu den vier Coop Filialen und einem Aldi sind zwei weitere Coop-Filialen dazu gekommen. Zudem verzeichnen wir eine laufende Zunahme der sporadischen Spender. Vom Zeitpunkt des Starts der St. Galler-Ta-

fel konnten wir die Zahl der Abnehmer von 12 auf 21 steigern und demnächst kommen 6 weitere dazu. In diesem Jahr können wir ein neues Fahrzeug in Empfang nehmen und werden somit in den nächsten Monaten die Touren ausweiten können. Langsames, aber stetes Wachstum und guter Service auf alle Seiten sind mir wichtig. Eine enthusiastische Leiterin freut sich auf einen spannendes 2008! Susanne Lendenmann, Tafel Leiterin

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Solothurner-und AargauerTafel: Ein bewährtes Tandem Am 15. Januar 2007 erblickte die Solothurner-Tafel als 11. Städte-Tafel das Licht der Welt. Es ist wohl kein Zufall, die Zahl elf hat für Solothurn eine ganz besondere Bedeutung: Solothurn war der elfte Kanton der Schweiz. Die Stadt Solothurn, die schönste Barockstadt der Schweiz, hat elf Kirchen und Kapellen, elf Brunnen sowie elf Türme; die St.-Ursen-Kathedrale verfügt über elf Altare und elf Glocken, und zur Kathedrale hinauf führt eine Treppe mit jeweils 11 Stufen pro Abschnitt. Die «Solothurnerzahl» ist also

Auch die Schweizer-Tafeln sind am Dorffest in St. Sulpice präsent

Wadtländer-Tafel: Der erste Geburtstag! Seit dem Start unserer Aktivitäten im August 2006 haben wir bereits 150 000 Kilometer in der Region Waadt zurückgelegt, um unsere 33 Lebensmittelabnehmer zu bedienen. Dino Arici, Yvonne & Jürg Hürlimann Hockenjos

ein gutes Omen für die neue Tafel. Die offizielle Eröffnung fand anlässlich einer Pressekonferenz im Park Forum Wylihof in Luterbach statt. Nebst zahlreichen Vertretern der Spender, Abnehmerorganisationen, Politik und Presse war auch das Mäzenen-Ehepaar Hürlimann-Hockenjos sowie Dino Arici, Organisator des Classic Openair Solothurn, anwesend. Dank ihrer grosszügigen Spende konnte die Solothurner-Tafel ins Leben gerufen werden. Den edlen Spendern sei an dieser Stelle nochmals ganz herzlich gedankt. Anfangs Mai wurde die Aargauer-Tafel übernommen. Diese wurde bis anhin von der Zürcher-Tafel Leitung betreut, und somit kam ein zweites Fahrzeug zu unserer «Flotte». Unser Team besteht aus sehr motivierten freiwilligen Helfern und Zivildienstleistenden, die mit den beiden Fahrzeugen täglich mit grosser Begeisterung unterwegs sind. Auch ihnen gebührt für ihren unermüdlichen Einsatz ein grosses Dankeschön.

Die Fahrer des Atelier 93 sowie die freiwilligen Mitarbeiter sind stolz, ihre Mission im ersten Jahr erfüllt zu haben, ohne dass eine einzige Tour ausfiel und vor allem das Wichtigste, dass wir das unfallfrei geschafft haben. Dank der Unterstützung der Loterie Romande haben wir jetzt zwei Fahrzeuge für unsere täglichen Touren im Einsatz. Zurzeit können wir bei 28 Geschäften Lebensmittel abholen. Coop ist unser Hauptlieferant. Nach einer mehrwöchigen Versuchsphase wurden auch Migros, Manor und Prodega zu unseren Lieferanten. Die gute Zusammenarbeit mit der CARL (centrale alimentaire de la région lausannoise) ermöglicht uns einen regen Warenaustausch sowie die Optimierung unserer Vertriebslogistik. In der Region Waadt haben die Cartons du Coeur eine sehr gute Struktur aufgebaut, um auf lokaler Ebene bedürftigen Personen Lebensmittel Pakete abzugeben. Wir unterstützen diese Organisationen mit frischen Lebensmitteln wie Joghurt, Früchten, Salat. Die Waadtländer-Tafel wurde zum Tag der offenen Tür bei den Cartons du Coeur in Yverdon eingeladen. Unser Team des Atelier 93 war mit unserem Lieferwagen anwesend, um eventuelle Fragen über unserer Aktivität zu beantworten. Ebenfalls anwesend war das Westschweizer Radio, welches die Sendung Fil Rouge mit Daniel Cherix direkt aus dem Garten von Cartons du Coeur übertragen hat. Hans Fischer, Tafel Leiter

Theo Häfliger, Tafel Leiter

Bernadette und Rolf im Einsatz

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Cartons du Coeur: Tag der offenen Türe


Basler-Tafel: Mehr zum Verteilen, mehr Freude, mehr Engagement

Luzerner-Tafel: Eine Plattform für Menschlichkeit

Im 2007 haben wir weiter ausgebaut: inzwischen haben wir über 80 Lebensmittelspender und Abnehmer-Organisationen, die wir ein- bis mehrmals wöchentlich beliefern.

Neben den Erfolgserlebnissen der täglichen Arbeit entpuppt sich auch das Arbeitsumfeld als gewinnbringend: Die Geschichten mitten aus dem Leben berühren immer wieder und fördern den menschlichen Kontakt.

Bambi Lebensmittelabgabe

Wichtig sind uns nach wie vor Menschen, die ganz im Schatten unseres Überflus-

ses leben und diejenigen Organisationen, die mit kleinen Budgets arbeiten, wie z.B. auch private Kinderkrippen. Sie werden prioritär berücksichtigt. Sehen Sie selbst, wie viel Spass so eine Waren-Übergabe machen kann! Seit 2007 notieren wir noch genauer, welche Mengen an Waren wir einsammeln und verteilen. Staunen Sie mit mir, welche Zahlen sich zeigen. Ein Beispiel: In der Woche vom 4. Juni haben wir 6’686 Kilo eingesammelt. In Wert umgerechnet bei einem Mittel von CHF 6.53 pro Kilo sind das 43’660 Franken. Im Durchschnitt bewegen wir wöchentlich 3’000 bis 3’500 Kilo Ware bei einem Wert zwischen 20’000 bis 30’000 Franken. Eine fast unvorstellbare Menge und ein unglaublicher Betrag, und das allein in der Basler Tafel! Welches Engagement von so vielen Helfenden – Danke!

Wie viele verschiedene Personen jahreinjahraus bei uns mitfahren ist beeindruckend. Immer wieder kommen Anfragen von Firmen, von Medien oder von Schulen, die entweder in Wort, Bild und Ton berichten, oder einen sozialen Einsatz leisten wollen. Dazu kommt, dass sich die Fahrercrews aus ständig wechselnden Zivildienstleistenden, Stellensuchenden, Ausgesteuerten, Freiwilligen etc. zusammensetzen. Ausser der Tafel-Leitung wechselt alles Personal immer wieder. Das ergibt eine eigentliche Kontaktbörse!

Rose-Marie Benzinger, Tafel Leiterin

Walliser-Tafel: Vom 1. Jahr an motiviert und erfolgreich Der Verein Tables du Rhône hat in seinem ersten Jahr über 80 Tonnen Lebensmittel an Bedürftige abgeben können. Mit einem äusserst motivierten Team ist es uns gelungen, täglich zwischen Villeneuve und Sion zahlreichen Menschen zu helfen. Gleich wie im Tessin betreibt der Verein eine gemeinsame Plattform für die Schweizer-Tafeln und Tischlein deck dich. Erfreulich ist besonders, dass es gelungen ist, genügend Freiwillige für diese Tätigkeit zu motivieren. Die Qualität der verteilen Ware ist heute nach einigen Anlaufschwierigkeiten sehr befriedigend. Schwerpunkte unserer zukünftigen Tätigkeit sind die finanzielle Absicherung des Vereins und die Suche nach neuen Lebensmittelspendern. Auch ein geeigneter Lagerraum muss noch gefunden werden, um die logistischen Abläufe zu vereinfachen. Regelmässige Kontakte zu den Sozialstellen und den Institutionen, mit denen wir arbeiten, sollen dafür sorgen, dass wir möglichst vielen Bedürftigen mit qualitativ einwandfreien Lebensmitteln helfen können. Siegfried Dengler, Tafel Leiter

Das Team an der Arbeit

Nebst Lebensmittelhilfe, Nahrungsmittelrettung und Beschäftigungsmöglichkeit wäre das eine Nische für Zeitgenossinnen und -genossen, die mal neue Mitmenschen kennen lernen wollen – und zwar total unterschiedliche. Und was da alles zu hören ist! Geschichten von unglaublichen Schicksalsschlägen, Glückssträhnen, Lebensphasen, Abstürzen und Vorsätzen, kurz: «eifach z’mitzt us em Läbe». Spannend ist diese Vielfalt und fördert täglich die Toleranz und das Zusammenleben. Kein Platz also für Langweiler und Einzelgänger. Perfekte Lebensmittel

Rolf Demuth, Tafel Leiter

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Die zweite Chance für Lebensmittel Daniel Simmen, Filialleiter Coop Wollishofen, zur Zusammenarbeit mit den Schweizer-Tafeln Donnerstagmorgen, ein regnerischer Februartag. Vor der grossen Coop-Filiale in Zürich Wollishofen fährt der Mercedes Transporter der Schweizer-Tafeln vor. Jean Huber steigt aus, lädt die Harrassen mit Salat, Milch- und Fleischprodukten ein und wäre normalerweise bereits wieder weg. Heute halten wir ihn noch kurz auf: Der Filialleiter Daniel Simmen kennt Jean Huber, denn dieser fährt schon seit knapp einem Jahr für die Schweizer-Tafeln. Huber fuhr zuvor jahrelang Behindertentaxi, ist ein versierter Chauffeur und kennt Zürich wie seine Westentasche. Er verlor krankheitshalber seine Stelle. Heute ist er wieder topfit, die Stellensuche gestaltet sich aber schwierig: «Ich bin zu jung um in Pension zu gehen und zu alt, um noch eine Stelle zu bekommen.» Das Kistenschleppen macht dem Mittfünfziger nichts aus: «Ich bin gesund, gross und stark – also eigentlich geboren für einen solchen Job.» Umso mehr bedauert er, dass er die Schweizer-Tafeln gemäss der Regelung mit dem RAV nach einem Jahr wieder verlassen muss. «Es wird schwierig werden, wieder etwas so gutes zu finden», sinniert er mit einem Blick auf die Uhr. «Ich muss los. Möchten Sie mitfahren?» Die Einladung kommt spontan; etwas zu spontan für den Moment. «Dann kommen Sie doch ein anderes Mal mit.» Huber verabschiedet sich mit Händedruck und Dankeschön bei Filialleiter Daniel Simmen und fährt mit dem «Tafel-Mercedes» zu weiteren Spendern.

Professionell und effizient «Er ist immer so, bedankt sich jedes Mal höflich für die Ware und ist pünktlich wie

Rettungsaktion für Salatköpfe: Daniel Simmen und Jean Huber mit sichtlicher Freude am Job!

die Uhr», sagt Daniel Simmen. Ist der Kontakt zwischen den Warenverantwortlichen von Coop und den Tafel-Fahrern immer so herzlich? «Nein», sagt Simmen, «aber das liegt nicht an der menschlichen Komponente, sondern am System.» Die Abläufe sind auf beiden Seiten so routiniert und professionalisiert, dass es an der Schnittstelle Übergabe-Übernahme der Lebensmittel oft gar nicht zum persönlichen Kontakt kommt. «Das ist das bezeichnende beim Konzept Schweizer-Tafeln: Es funktioniert maximal mit minimalem Aufwand.» Konkret: Für die grosse Coop Wollishofen sind das fünf Minuten pro Tag. «Die Kassenchefin stellt die Ware am morgen in Kisten an die Rampe. Das ist auch schon der ganze Aufwand

Grosszügige finanzielle Unterstützung erhalten die Schweizer-Tafeln von folgenden Hauptpartnern: Credit Suisse, Coop, Schindler Aufzüge AG, Ernst Göhner Stiftung Zug, Sika Schweiz AG und McKinsey & Co (Beratung & Drucksachen).

ERNST GÖHNER STIFTUNG ZUG

für uns.» Daniel Simmen ist mehr als überzeugt von der guten Sache: «Es ist in mehrfacher Hinsicht eine Win-Win-Situation: Die einwandfreien Lebensmittel kommen dort hin, wo sie gebraucht werden und müssen nicht entsorgt werden. Das gibt an sich ein gutes Gefühl. Denn Hand aufs Herz: Die Waren, die nicht mehr verkauft werden dürfen, bleiben noch lange einwandfrei, dafür sorgen die Vorschriften. Lebensmittel sind das Kerngeschäft von Coop. Coop ist es nicht egal, dass Lebensmittel, die noch einwandfrei sind, weggeworfen werden. Deshalb unterstützt Coop die Schweizer-Tafeln sowohl mit Lebensmitteln als auch finanziell mit jährlich 150’000 Fr., damit die Schweizer-Tafeln das erfolgreiche System schweizweit flächendeckend weiter ausbauen können. Umso glücklicher bin ich, wenn ich solche Produkte dann den Schweizer-Tafeln für den guten Zweck abgeben kann.» Einen Schwachpunkt sieht er allerdings: «Schade, dass die kleinen Filialen, die im Segment Frischprodukte eigentlich fast ebenso grosse Überschüsse haben, nicht auch angesteuert werden.» Da hat er recht: Doch mit steigendem Erfolg der Schweizer-Tafeln und dank dem Engagement so vieler Freiwilliger und grosszügiger Sponsoren stehen die Chancen gut, dass das Spendernetz in Zukunft verdichtet werden kann. Simmens zusammenfassendes Urteil nach drei Jahren Erfahrung bringt er lächelnd auf den Punkt: «Es ist ganz einfach schön!» Bea Miescher, Zürich

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Scapas kühner Rundumschlag zum Thema Golf Der Cartoonist und Maler Ted Scapa ist bekannt für sein künstlerisches Engagement zu Gunsten sozialer Projekte. Im Herbst 2007 erschien im Parlevent Verlag Bern ein GolfBildband von Ted Scapa. Von jedem verkauften Exemplar wird Scapa einen Betrag an das Projekt der Schweizer-Tafeln überweisen. Mit seinem gewandten Blick fürs Detail hat er Situationen rund um den Golfplatz eingefangen und mit sicherer Hand zu Papier gebracht. Entstanden ist ein buntes und humorvolles Potpourri von Situationen rund um den Golfsport. Der Bildband kann über die Schweizer-Tafeln bezogen werden. Weitere Infos erhalten Sie unter info@schweizer-tafeln.ch oder Telefon 0848 848 033.

Erfolgreiches Charity-Golf-Turnier Ein wohl gesonnener Petrus und motivierte Spieler sorgten auf einem wunderschönen Platz für eine tolle Atmosphäre und einen imposanten Spendenbetrag für die Schweizer-Tafeln. Am Freitag, 29. Juni 2007 fand bei strahlendem Sonnenschein das Golf-Charity Turnier Blumisberg statt. Der Verein Freunde der Schweizer-Tafeln übernahm die Federführung in der Organisation der Veranstaltung und wurde durch die unsicheren Wetterprognosen vor dem Anlass in Spannung gehalten. Doch der Wettergott meinte es gut – am Ende bot der Platz in Blumisberg ausgezeichnete Bedingungen. Am Mittag startete das Turnier mit 53 Teilnehmenden und einem fulminanten Kanonenstart. Ab 18 Uhr folgte der gemütliche Teil der Veranstaltung. Lolita Morena, ehemalige Miss Schweiz,

Impressum Herausgeber: Stiftung Hoffnung für Menschen in Not Projekt Schweizer-Tafeln Pra Pury 7D 3280 Murten Tel 0848 848 033 info@schweizer-tafeln.ch www.schweizer-tafeln.ch Spendenkonto: Credit Suisse Murten Konto: 332362-31-2 Clg 4835 PK 80-500-4

Hanspeter Kurzmeyer, Lolita Morena, Jean-Claude Gsponer (von links nach rechts)

führte in charmanter Weise durch das Abendprogramm und moderierte die Versteigerung der Golf-Bilder Serie von Ted Scapa, dem bekannten Künstler, welcher auch für das Suppentag-Logo der SchweiAnzahl Anzahl Tafeln Fahrzeuge zer-Tafeln verantwortlich zeichnet. Entwicklung Schweizer-Tafeln 2004 bis 2007 2004 6 Tafeln und Fahrzeuge 2005 7 Das Turnier252006 wurde zu einem schönen Er10 2007 12 folg, auch in finanzieller Hinsicht. Der Er- 22 19 20 trag von CHF 57’000 fliesst vollumfänglich dem Projekt15 der Schweizer-Tafeln zu. Ein 13 12 12 herzliches Dankeschön dem Verein Freun10 10 7 den Sponsoren, de der Schweizer-Tafeln, 6 5 den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie den Spendern, welche nicht teilnehmen 0 2004 2005 2006 2007 konnten aber trotzdem einen Betrag zu Gunsten der Schweizer-Tafeln überwiesen haben.

In den letzten vier Jahren hat sich die Grösse unserer Organisation verdoppelt. Von 2004 bis 2007 stieg die Zahl der Tafeln von 6 auf 12, die Zahl der Lieferwagen von 12 auf 22 und die Menge der verteilten Lebensmittel 12 13 von 720 auf 1’691 Tonnen. 19 22

Anzahl Tafeln

10 12

12 13 19 22

22

Anzahl Tafeln

19

20

Anzahl Fahrzeuge

15

13

12

12

Anzahl Tafeln

10

Anzahl Fahrz

10

6

7

5

0 2004

Jean-Claude Gsponer, Gsponer Consulting 2005 1800 2006 2007 Group International AG 1600 2004

Anzahl Fahrzeuge

Entwicklung Schweizer-Tafeln 2004 bis 2007 6 Tafeln und Fahrzeuge 7

2004 2005 2006 252007

2005

2006

2007

Verteilte LebensmittelSchweizer-Tafeln 2004 bis 2007 Entwicklung in Tonnen (1'000kg)Verteilte Lebensmittel 720 800 1447 1691

1400 1200

Gestaltung (benevol): Nicolas Kern, KernWerk, Zürich

Wachstum der Schweizer-Tafeln

1800

1000

2004 2005 2006 2007

Verteilte LebensmittelSchweizer-Tafeln 2004 bis 2007 Entwicklung in Tonnen (1'000kg)Verteilte Lebensmittel 720 800 1447 1691

1600

800

Verteilte Lebensmittel in Tonnen (1'000kg)

1400

600

1200

400

1000

Lektorat/Redaktion: Bea Miescher, typetools gmbh, Olten

Verteilte Leben Tonnen (1'000

200

800 0 2004

2005

2006

2007 600

400

Auflage: Deutsch 2000/03.08

Hans Ulrich Müller (Credit Suisse), Dr. Luisa Bürkler-Giussani (Stiftungsrätin), Christian Stromsted

200 0 2004

2005

2006

2007

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Schweizer Tafel Bulletin Nr. 4, 2008