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10. September 2012 CHF 4.50

TENNIS EXTRA Wählen Sie den grössten Olympia-Star!

Edith Wolf-Hunkeler

«Elin macht mich stark» Olympia-Gold So feiert die RollstuhlSportlerin ihren grössten Erfolg in London

n e m o h t a C e n n ia r a M ! a id r lo F h c a n – s u Leben mit Markus Siegler wandert a Ihr neues


Inhalt HEFT 37, MONTAG, 10. September 2012

Titel 18

Edith Wolf-Hunkeler Stärker denn je! So erlebte sie den Erfolg in London Unsere Helden bei den Paralympics

Leute 7 8

Titelfotos Hervé Le Cunff, Marcel Nöcker; Inhaltsfoto Marcel Nöcker

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u Ihr Neues Leben in Florida! Kinder und Gesangskarriere bleiben in der Schweiz. Marianne Cathomen & Markus Siegler verwirklichen ihren American Dream. «Unser kleines Paradies.»

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Editorial von Ueli Walther Leute Cecilia Bartoli, Linda Fäh, Lauriane Gilliéron, Beatocello alias Dr. Beat Richner, Sabrina Guilloud, Michel Kratochvil Marianne Cathomen & Markus Siegler Neustart. Besuch in Anna Maria Island Michelle Obama & Ann Romney Ladies first! Das Duell ums Weisse Haus Nic Maeder En famille. So tickt der Gotthard-Frontmann daheim in Yverdon Nadja Schildknecht Glamour. Die FilmFrau über Stars, Stress & Schokolade Maria Becker Abschied von der «Grande Dame» des deutschsprachigen Theaters

Party 14

Cirque du Soleil Zürich; Wirtschaftsforum Pilatus schweizer illustrierte

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Inhalt Wirtschaft 40 46

Toni Holdener Berghilfe sei Dank! Sein Muotataler Alpkäse erobert die Schweiz Carole Hübscher Farbrausch. Die Chefin von Caran d’Ache liebt es privat schlicht

Sport 24

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Gian Gilli Mister Olympia kämpft für kleine, aber feine Winterspiele 2022 in Graubünden. Grosses Interview Roman Wick Cooler Clan. Die Familie hält zum Eishockeystar – trotz ZSC-Dress

Komiker 54

u Frisch Verliebt! Gotthard-Sänger Nic Maeder hat auch privat sein Glück gefunden. Mit seiner neuen Freundin Isabelle verbrachte er erste gemeinsame Ferien auf den Malediven. «Sie ermutigt mich in allem, was ich mache.»

Simon Enzler & Daniel Ziegler Scharf. Die Appenzeller Wadenbeisser über Blatter, Putin und Francine Jordis Hund Theo

Shopping 63

Das Magazin für lustvolles Einkaufen Mode, Style, Electronics

Check-up 73 74 76

Kinder Sport macht sie grösser Nahrung So essen Sie die Probleme weg! Lifting Gestraffte Augenlider

Die Besten 77

Das Schweizer Kulturmagazin Kunst, Musik, Bücher, Filme

Weekend

Fotos Privat, Kurt Reichenbach, Jason Reed / Reuters

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u Top Sie bringt eine ganze Stadt zum Blühen: Nadja Schildknecht verrät, wie sie Stars ans Zurich Film Festival lockt.

ABO-SERVICE 0800 820 920 Redaktion: Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Tel. 044 - 259 63 63, E-Mail info@schweizer-illustrierte.ch, www.schweizer-illustrierte.ch

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Und … 97 98

u She can! «Mit mir klarzukommen, ist 88 einer der Gründe, warum er als Präsident 92 taugt»: Michelle Obama über ihren Mann. 96

Exklusiv auf dem ipad Wer hat was mit wem? Im PromiFlash gibts den neuesten Klatsch und Tratsch. Und: Sehen Sie eMagazin sich zu Hause bei Liz Hurley um.

Freizeit, geniessen, rätseln En Guete, GaultMillau, Reisen, Spiele

Notabene von Peter Bichsel Auf einen Espresso mit Frank A. Meyer und Marc Walder Impressum Horoskop Leserbriefe

Mehr News, mehr Bilder: www.schweizer-illustrierte.ch

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Editorial

Etwas Neues wagen Olympia London: Noch einmal haben wir mit dem

Ueli Walther, stv. Chefredaktor

Daheim in Yverdon Nic Maeder mit Ritter – den er mit «Arthur» anspricht – und SI-Redaktorin Sandra Casalini.

grossartigen britischen Publikum mitgefiebert und den Schweizern bei den Paralympics die Daumen gedrückt. Es hat genützt, gabs doch viel Edelmetall. Herausragend waren die Leistungen von Edith Wolf-Hunkeler und Heinz Frei. Er holte sich sein 15. Gold – und das im Alter von 54 Jahren. «Diese Medaille war für mich vielleicht die emotionalste, weil ich selbst nicht mehr richtig daran geglaubt hatte», urteilt Frei. Riesig auch die Freude bei Edith Wolf-Hunkeler, die noch nie so erfolgreich war wie jetzt in London. Sie meint: «Druck und Anspannung waren riesengross.» Jetzt sei sie müde – und «einfach happy». Das sind wir auch und sagen: Bravo! Olympia Graubünden: 2022 sollen in Davos/St. Moritz Olympische Winterspiele stattfinden. Der Bundesrat hat für die Kandidatur einen Beitrag von 30 Millionen Franken und eine Defizitgarantie von einer Milliarde Franken gesprochen. Das ist viel Geld. Sehr viel Geld, finden die Gegner der Grossver­ anstaltung. «Das IOC kassiert ab, und die Veranstalter tragen die Kosten», kritisieren sie – und haben damit nicht unrecht. Trotzdem. Wir sollten es wagen. Olympia in der Schweiz hat eine Chance verdient. Klein, aber fein sollen die Spiele werden, auf viel Bestehendes will man zurückgreifen. Damit setzt die Schweiz auf eine Alternative zur bisherigen Entwicklung. In Russland (Sotschi 2014) und in Korea (Pyeongchang 2018) wird für die Winterspiele fast alles neu aus dem Boden gestampft. Die Schweizer Spiele wollen weg vom Gigantismus. Dieser Schritt ist überfällig. Auch wenn das im Internationalen Olympischen Komitee noch nicht alle gemerkt haben. Olympia-Helden: Simon Ammann, Pirmin Zurbriggen, Roger Federer, Bernhard Russi, Marie-Therese Nadig, Christine Stückelberger, Tanja Frieden, Vreni Schneider, Franz Nietlispach – lauter klingende Namen, die für Olympia-Gold stehen. Eine Jury hat 25 «goldene» Schweizer vorselektioniert. Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben nun die Wahl. Gesucht ist der grösste OlympiaStar aller Zeiten. Machen Sie mit, per Post oder im Internet (www.olympialegende.ch) – gewinnen Sie tolle Preise! «Die Spiele der Wölfe» – ab Seite 18. «Die Wucht des Projekts ist enorm» – ab Seite 24. «Olympia-Stars» – im grossen Tennis-Extraheft.

Fotos Kurt Reichenbach, Marcel Nöcker

USA «Uf u dervo» singt Göla. Wer von uns hat – etwa an

einem nasskalten, nebligen Novembertag – nicht auch schon vom Auswandern in «äs Land, wo si immer Sunne hei» geträumt. Schlagersängerin Marianne Cathomen wagt es und verwirklicht «ihren Jugendtraum». Sie wandert nach Florida aus, die Möbel sind bereits verschenkt. In Anna Maria Island, südlich von Tampa gelegen, bauen Cathomen und ihr Partner Markus Siegler eine neue Existenz auf. Sie schwärmen vom «Charme des alten Florida». Anna Maria «ist ein kleines Paradies», bestätigt SI-­Unterhaltungschefin Bettina Bono-Portmann und zeigt zum Beweis Handybilder von Pelikanen, Fischreihern und von Schildkröten, die im weissen Sand ihre Eier vergraben. «Auf zu neuen Ufern» – ab Seite 26. «Die Damenwahl» – ab Seite 32.

Ich wünsche Ihnen eine frohe Woche und viel Spass mit der Strandplausch Marianne Cathomen und Markus Siegler mit dem SI-Team Marcel Nöcker und Bettina Bono (r.) auf Anna Maria Island. Schweizer Illustrierten! schweizer illustrierte

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lauriane gilliéron

Fotos Darrin Vanselow / L'illustré, Philippe Pache / L'illustré, Adrian Bretscher

«Ich muss niemanden fragen» Lauriane Gilliéron, willkommen zurück in der Schweiz. Haben Sie Heimweh? Zwei-, dreimal im Jahr komme ich hierher, um Familie und Freunde zu sehen. Ich liebe die Schweiz, aber ich fühle mich hier «verurteilt». 2007 bin ich nach Hollywood gegangen, um mir einen Traum zu erfüllen und nicht mehr bloss die Ex-Miss zu sein. Wenn man hier etwas realisieren will, das aus der Norm fällt, tadelt man dich, anstatt dich zu ermutigen. Die jüngsten Schlagzeilen besagen, Sie hätten Ihre Lippen aufspritzen lassen … Ich wünsche nicht, darüber zu sprechen. Seit meinem Jahr als Miss Schweiz glauben die Journalisten, ich müsse mich immer noch erklären. Dabei lebe ich mein Leben und muss keinen Menschen

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fragen, was ich tun und lassen soll. Das Einzige, was mich berührt, ist zu sehen, dass es meine Familie verletzt. Und dass 99 Prozent von dem nicht stimmt, was über mich gesagt wird. Was stimmt denn zum Beispiel nicht? Meinen Namen habe ich nie in Laurie Ann Gill geändert. In Amerika kann niemand Gilliéron aussprechen, aber mit Gill ginge es nicht besser. Wie leben Sie in Hollywood? Ich bin Single. Aber das gefällt mir. Und Brad Pitt hat noch nicht angerufen. Ausserdem weiss ich, dass Angelina eine grosse Konkurrenz ist (lacht). Mit 28 Jahren habe ich immer noch das Gefühl, 20 zu sein. Familie, Kinder – das kommt später. Interview aurélie Jaquet, L’Illustré

Gipfelstürmer-Party

«Es fühlt sich horuguet an» uDas

Matterhorn ist der Schicksalsberg von Linda Fäh. 2009 erkannte die Miss Schweiz den Zermatter Hausberg in einer Quizshow nicht, jetzt hat sie ihn erklommen. Learning by Doing – eine Hammerleistung! Dass in Linda mehr steckt, bewies sie an der Gipfel-Party im «Alpenrock House» in Kloten ZH. Dort brachte sie mit Wohlfühl-Schlagern von ihrem Minialbum «Halt dich an mir fest» nicht nur Freundin Lorena Oliveri zum Träumen, sondern auch die beiden Berg­führer zum Rocken. Caroline Micaela Hauger


Im Château d’Ouchy in Lausanne posiert ­Lauriane Gilliéron, Miss Schweiz 2005, wie eine Hollywood-Diva. «Ich bin aber die Erste, die sagt, dass ich es noch nicht geschafft habe.»

leute

sabrina Guilloud

«Es ist ein Mädchen» u Sie ist ungeduldig aufs Glück. Vor zwei Jahren wäre Sabrina Guilloud, 25, um ein Haar Miss Schweiz geworden. Linda Fäh bestieg den Thron, Sabrina feierte stattdessen Märchenhochzeit in der Toskana mit ihrem Freund Kai Engelhardt, 32. In den Flitterwochen in Tansania bemerkte die Genferin, dass sie schwanger ist. Kurz vor der Geburt zeigt sie sich nun

splitterfasernackt. «Ich habe noch nie so gestrahlt», sagt sie beim Shooting. «Und ich hätte nicht gedacht, dass es mir selbst an diesem Punkt noch gefällt, meinem Körper beim Wachsen zuzusehen.» Kommenden Monat wird ihr Kind zur Welt kommen. «Es ist ein Mädchen.» Zu Hause sei alles bereit. «Wir warten nur noch auf unser Bébé.» Aurélie Jaquet, L’Illustré

«Ich bin sicher, meiner Tochter wird dieses Bild später gefallen.» Sabrina Guilloud, Vize-MissSchweiz 2010.

Matterhorn-Bezwinger: Linda Fäh (r.) und Lorena Oliveri mit Gianni Mazzone und Andres Scherrer (l.). schweizer illustrierte

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Cecilia Bartoli

Musik ist ihre Mission

Fotos Uli Weber / HO (2), Monika Flückiger, Hervé Le Cunff (2), Dick Vredenbregt

Kreative Freundinnen: Mezzosopranistin Cecilia Bartoli, Krimi-Autorin Donna Leon (l.). u Was

für eine Verwandlung! Mit Kreuz in der Hand und Siegelring am Finger katapultiert Cecilia Bartoli, 46, ihre Fans ins Mittelalter. Für ihr Barock-­ Projekt «Mission» liess sich die Mezzo­ sopranistin eine aufwendige Kunst­glatze verpassen. Und posiert mit dem irren Blick eines Exorzisten vor der Kamera. Die Diva wandelt auf den Spuren des lange vergessenen Opernkomponisten, Diplomaten und Spions Agostino Steffani (1654–1728). Cecilia Bartoli: «Als Abgesandter des Vatikans durchquerte er Europa und verzauberte mit seiner grandiosen Musik die ­Fürstenhöfe.» Ihr letztes Projekt, «­ Sacrificium», war den Kastraten N ­ eapels gewidmet – ein trauriges Kapitel. «Diesmal ist es das geheimnisvolle Leben Agostino Steffanis, das mich wie ein Blitz traf.» 21 Weltpremieren gibt die fünffache Grammy-Gewinnerin auf ihrem neuen Album zum Besten. Bei Recherchen wurde der quirligen Schweizerin mit italienischen Wurzeln und Wohnsitz an der Zürcher Goldküste klar: «Das ist auch ein Fall für meine Freundin Donna Leon.» Die beiden Superstars trafen sich ­kurzerhand zum Brain­ storming. Und sorgen ab dem 21. September für die CD- und Buch-Sensation des Herbsts. In ihrem mit Spannung

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erwarteten Krimi «Himmlische Juwelen» (der erste ohne Commissario Brunetti) lässt die Bestsellerautorin aus Venedig ihre Protagonistin Caterina Pellegrini den verschollenen Nachlass eines Barock-Komponisten finden. Und wann missioniert Cecilia Bartoli in der Schweiz? «Ich freue mich auf mein Konzert am 7. Dezember in der Tonhalle

Heimliche Hochzeit: Cecilia Bartoli heiratete 2010 Bariton Oliver Widmer – nur die engsten Freunde wussten davon.


leute

Dr. Beat Richner mit Patienten in seinem Kinderspital Kantha Bopha in Kambodscha.

beatocello

Mit Schirm im Fernsehen u Eben erst im Kino – und schon in unseren Wohnzimmern: «L’ombrello di Beatocello» (Beatocellos Schirm), ein Dokumentarfilm über Dr. Beat Richner, wird am Donnerstag, dem 13. September, um 20.05 Uhr auf SF 1 ausgestrahlt. Regisseur Georges Gachot würdigt darin das 20-jährige Engagement des Schweizer Kinderarztes in Kambodscha. Richner selbst sagt, der

Film berühre ihn immer wieder aufs Neue. Während der Ausstrahlung wird er aber tief und fest schlafen. In Kam­ bodscha ist es dann 1 Uhr morgens, und der Doktor braucht seinen Schlaf. «Noch immer grassiert das Dengue-­ Fieber, wir betreuen im Moment über 2200 Kinder in unseren fünf Spitälern.» Nina Siegrist

Spenden für Kantha Bopha: PC 80-60699-1

wer liebt wen

Ein Ja, ein Baby und viele Dates

Mutige Verwandlung: Cecilia Bartoli (mit Kunstglatze) widmet ihr Album «Mission» dem Barock-Komponisten Agostino Steffani. Zürich. In der Heimat zu singen, ist immer ein Fest.» Psst! Auch privat war La Bartoli in geheimer Mission unterwegs. Ende 2010 heiratete sie ihren Verlobten, den Zürcher Bariton Oliver Widmer, 47. Nichts davon drang bisher an die Öffentlichkeit. Wie es sich für eine brillante Spionin gehört. Caroline Micaela Hauger

u Klammheimlich hat der Walliser SkiWeltmeister Dani Albrecht, 29, seine langjährige Freundin Kerstin geheiratet. Sie stand ihm vor drei Jahren nach seinem schweren Sturz in Kitzbühel bei, begleitete den Koma-Patienten Stück für Stück auf seinem Weg zurück in den Alltag. Aus dieser tiefen Verbundenheit hat das Paar seine Liebe nun mit dem Bund der Ehe besiegelt. Statt in den Flitterwochen ist Daniel Albrecht nun aber im Ski-Training in Argentinien. u Bei der A-cappella-Formation Bagatello war er der Mann mit dem Leoparden-­ Tanga, jetzt ist er der Mann mit Nuggi und Windeln: Der Sänger und Entertainer Simu Fankhauser, 36, wurde soeben zum

zweiten Mal Papa. Seine Frau Regula, 35, hat am 2. September um 7.19 Uhr Benjamin Emanuel auf die Welt gebracht. Seine grosse Schwester Emilie, 6, freute sich schon lange aufs Wickeln. u Auch die Sängerin Vanessa Paradis, 39,

scheint vom Glück verwöhnt: Die Ex von Johnny Depp, 49, soll wieder verliebt sein. Sie wurde mit dem Millionär Guy-David Gharbi, Besitzer des Möbelkonzerns Usine Déco, bei romantischen Dates in Paris gesichtet. Paradis und Depp hatten sich im Juni nach 14 Jahren getrennt. schweizer illustrierte

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leute

Rose nino schurter Mountainbiker u An ihnen führt momentan kein Weg vorbei. Schon gar nichts aufs Podest. Die Schweizer Mountainbiker sind das Mass aller Dinge. An den Bike-Weltmeisterschaften in Saalfeld (Ö) be­legten die Schweizer im CrossCountry die Plätze 1, 2 und 3. Nino Schurter holte sich souverän Gold vor Lukas Flückiger und dessen jüngerem Bruder Mathias. Für Schurter ist es bereits der zweite WM-Triumph nach dem Weltmeistertitel 2009. Und ein goldenes Trostpflaster dazu. Im olympischen Rennen von London musste sich der Bündner knapp mit dem zweiten Platz begnügen. Jetzt steht Schurter wieder dort, wo es ihm am wohlsten ist: ganz oben. Von uns gibts dafür unsere Rose. Und die, lieber Herr Schurter, dürfen Sie auf dem Treppchen auch gerne nach links und rechts weiterreichen.

kaktus

Ihr allerschönster Tag: Der frühere Tennisprofi Michel Kratochvil und seine Andrea feierten ihre Hochzeit im «Giardino Lago» in Minusio TI. michel kratochvil

Liebesfest am Lago u Mutig sind die zwei! Heirateten

im verflixten siebten Jahr, und das aus­ gerechnet an einem Freitag, dem 13.! Seit zwei Monaten sind Michel Kratochvil und seine Andrea, beide 33, nicht mehr nur Geschäftspartner seiner Tennis­ akademie, sondern auch ein Ehepaar. Am vergangenen Wochen­ende gaben sich der Berner Ex-Tennisprofi und seine Frau das Jawort auch noch in der kleinen Kirche von Minusio TI. Mit 55 Gästen feierten sie danach im «Giardino Lago». «Wir wollten

unbedingt ein Fest, das sich für alle anfühlt wie Ferien.» Bereits den Antrag hatte Kratochvil am Wasser gemacht. Vor einem Jahr am Strand in Florida. «Nachmittags sagte ich zu Andrea: ‹Schatz, ich gehe einen Golfschläger kaufen.› Sie meinte: ‹Dass das ausgerechnet in den Ferien sein muss!› Dabei ging ich doch die Ringe abholen!» An einem einsamen Tisch beim Sonnenuntergang klappte dann schliesslich alles. Nur habe er etwas ganz anderes gestottert, als er vorbe­reitet habe ... yvonne zurbrügg schweizer illustrierte

Fotos Bruno Voser, Marcel Nöcker, Keystone

gerold Lauber Zürcher Stadtrat u Zürichs Sportler sind spitze. Gleich vier Teams haben es dieses Jahr zu SchweizerMeister-­Ehren gebracht: die Voley­ ballerinnen von Voléro Zürich, die Fussballerinnen des FCZ und die Damen und Herren der ZSC Lions. Und weil sich die Politik ganz gern im Glanz von Gewinnern sonnt, lud der Zürcher Stadtrat die Erfolgreichen zur Ehrung ins noble ­Muraltengut. Dort gab es neben Häppchen und freundlichen Worten für jeden Sportler eine Auszeichnung. Allerdings nicht wie in den vergangenen Jahren eine edle Anerkennungs-Medaille. Sondern ein Papiersäckli mit Inhalt: eine DächliKappe mit der Aufschrift «Wir gratulieren! Stadt Zürich». Lieber Herr Lauber: Wenigstens wissen wir von der Schweizer Illustrierten noch, wie man sich angemessen bedankt. Für Ihre Leistung mit einem Kaktus.

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Freut sich auf die Show von Finzi Pasca: Sandra Studer mit Tochter Lili. «Und wer sind Sie?» Kulturchef Jauslin (l.) lernt Armeechef Blattmann kennen. Rechts: SVP-Nationalrat Zuppiger.

«Jonglieren? Kann ich nur mit Zahlen.» UBS-CEO Sergio Ermotti mit Gattin Tina.

Träumen von einem Trampolin-Bett: Beat Schlatter und Gattin Frau Fischer.

Flugfans: «SF Meteo»Moderatorin Daniela Schmuki mit Freund Simon.

Viel mehr als ein «Heubü Cirque du Soleil: Premiere von «Corteo» in Zürich

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ilona Scherrer, Fotos Fabienne Bühler, Hervé le cunff

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Betten und Kronleuchter: «Corteo» ist ein poetischer Umzug.

Foto HO

etten werden zum Trampolin, Kronleuchter zum Trapez. Mit den besten Akrobaten der Welt ins­ zeniert Daniele Finzi Pasca «Corteo», die neue Show des Cirque du Soleil. Zur Schweizer Premiere vergangenen Donnerstag auf dem Hardturm-Areal ge­ laden war Sandra Studer. Die Moderatorin hatte dem Tessiner Regisseur 2006 den Swiss Award übergeben. Un­ vergesslich für sie: «Von allen Preisträgern hat sich in den zehn Jahren keiner so gefreut wie er.» Beni Thurnheer kam in Begleitung einer Artistin. Die Synchronschwim­ merin Magdalena Brunner hat gerade ihre Ausbildung am Cirque du Soleil in Montreal abgeschlossen und war­ tet auf ihr Engagement in Las Vegas. A ­ rmee-Chef André Blattmann und Jean-Frédéric Jauslin, Direktor Bundesamt für Kultur, lernten sich in der Pause am Desserbuffet kennen. Am Ende bedankte sich das Zürcher Publikum mit Standing Ovations. «Wie poe­ tisch!», staunten Carolina Müller-Möhl und ­Roger Schawinski. Komiker Beat Schlatter und Gattin Mirjam verabschiedeten sich mit den Worten: «Wir ge­ hen jetzt heim, das Bett umbauen!» Text yvonne Zurbrügg,


party

Beni Thurnheer und die baldige Cirque-Artistin Magdalena Brunner.

Haben jetzt jeden Abend Event-Ein­ ladungen: Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig und Freund Reto Hug.

War früher selber akrobatisch unter- Irene Brügger alias Frölein Da Capo. wegs: Conny Lehmann-Kissling mit «Mein Mann und ich können höchsSchwiegereltern und Tochter Nina. tens einen ‹Heubürzu› vorführen.»

Platz in der ersten Reihe: TV-Paar Sara Hildebrand und Tobias Müller.

rzu»

Hakan mit Tanja Yakin (l.) und Bruder Murat mit Freundin Gefeiert: «Corteo»-Regisseur Daniele Finzi Pasca mit Künstlerkollegen Ernesto Graf (l.) und Massimo Rocchi (r.). Anja Müller: «Wir vermissen das Hardturm-Stadion.»

BMWSchweizChef Philippe Dehennin. Manor-CEO Bertrand Jungo und Gattin Doris sind Fans vom Cirque.

Michel Jordi und Gat- Autorennfahrerin «Meine Tochter wäre eine tin Ki-young lieben die ­Christina Surer mit Karin gute Zirkus-Managerin.» Trapez-Nummern. Huber von Seat (r.). David Dimitri mit Naomi.

party-facts Gastgeber Cirque du Soleil und Schweizer Illustrierte Tatort Grand Chapiteau, das ehemalige Hardturm-Stadion Most wanted Eins der Betten, auf denen die Artisten ihre Trampolin-Nummern zeigen Hoppla! Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig interpretiert sportlich-elegant auf ihre Weise und trägt Nike-Sporthosen mit Pumps Sympathisch UBS-CEO Sergio Ermotti kam legere und genoss den Abend von vielen Fotografen unbemerkt Party-Rating

«Zauberhaft!»: die Unternehmer Roger TUI-Suisse-Boss Martin Schawinski und Carolina Müller-Möhl. Wittwer mit Frau Yolanda und Tochter Anina.

«Artistik vom Feinsten mit poetischer Geschichte. Der weltbeste Zirkus ist dank dem Schweizer Regisseur besser denn je»

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party

Ganz oben: Unternehmer und SVPNationalrat Peter Spuhler.

Hoher Besuch hoch oben: Bundesr채tin Doris Leuthard mit Forum-Organisatoren Hans Wicki (l.) und Felix Howald.

Zwei Chefs und ein Held: SBB-Boss Andreas Meyer, Axpo-CEO Heinz Karrer und Ex-Avenir-Suisse-Chef Thomas Held (v. l.).


Immer noch knusprig: Guetsli-Chef Nationalrätin Gabi Huber im ­Werner Hug, 76, kam zu Fuss, Bruder Glück. Den Bock hat ein anderer Andreas (r.) brachte frische Kleider. geschossen.

Strahlen auch ohne Sonne: die beiden KV-Rektorin Esther Schönberger (l.) mit Nationalrätin Luzerner Regierungsräte Marcel Prisca Birrer-Heimo. Schwerzmann (l.) und Robert Küng.

Gipfeltreffen mit einer Abwesenden 2. Zentralschweizer Wirtschafts­forum auf dem Pilatus

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lle waren sie da am vergangenen Mittwoch auf dem Luzerner Hausberg. Wirtschaftskapitäne, Politiker, sogar eine Bundes­rätin. Nur eine wollte sich auf dem Pilatus nicht zeigen: die Sonne. Und so fand das Forum dieses Jahr ohne Aussicht statt. Was ganz im Sinne von Verkehrsministerin Doris Leuthard war. «Ich bin überhaupt nicht schwindelfrei», gestand sie. Keine Mühe mit grossen

Höhen hat Guetslifabrikant Werner Hug. Er wanderte auf den Pilatus (2132 m ü. M.). Bruder Andreas, der mit der Bahn kam, brachte frische Kleider mit. Auffallend: Frauen waren stark untervertreten. «Das hat aber auch Vorteile», meinten Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo und KV-Direktorin Esther Schönberger – «die Damentoiletten waren immer frei!». Text silvan grütter, Fotos fabienne bühler


Titel

Wölfe unter sich In ihr Apartment in London zieht sich Edith Wolf-Hunkeler während der Paralympischen Spiele zurück. Hier gibts für sie von Tochter Elin Küsschen und von Ehemann Mark ganz viel Unterstützung.

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Die Spiele

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Rennen um Rennen gewinnt edith wolf-Hunkeler Medaillen. Auch wenn sie den Marathon am Sonntag verletzt abbricht – an den Paralympics 2012 in London schreibt die Luzernerin Sportgeschichte.

der WĂślfe schweizer illustrierte

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Titel

Familien-Oase Gemeinsam mit Mark, Schwiegermutter und Nani Sonja Zäch und Elin zu essen, ist für Edith Erholung pur. Glücksbringer Edith: «Elin liebt Tinkerbell. Ihren Feenstaub haben Mark und Elin für mich in einer Schatztruhe im Koffer versteckt. Zusammen mit Puzzle-Teilen, auf denen die Begriffe stehen, die mir zum Erfolg verhelfen.»

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Text bettina bono-portmann Fotos hervé le cunff

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lin heimst zu Hause Küsschen ein wie Edith Wolf-Hunkeler, 40, Medaillen an den Paralympics in London. Besonders erfolgreich tut das die bald Zweijährige natürlich bei ihrem Mami. Wenn die Rollstuhlsportlerin das olympische Dorf mal wieder verlässt, um ihre Familie im acht Minuten entfernten Apartment zu besuchen, kuschelt sich Elin sofort auf Mamis Schoss. Dann taucht Edith ein in ihre Lieblingswelt – die, in der ihre Familie an erster Stelle steht. In ihrer anderen Welt, der des Sports, steht sie vergangene Woche selbst viermal ganz vorne: mit ihrem Olympia-Sieg im Rennen über 5000 Meter, ihren beiden Silber-­ Medaillen über 1500 und 800 Meter und dem dritten Platz über 400 Meter.

«Ich bin angekommen, und dieses Gefühl möchte ich bewahren» edith wolf-hunkeler

Frau Wolf, Gratulation! Fünf Rennen vier Medaillen, einfach grossartig. Ja, das ist auch nicht mehr zu übertreffen. Diese Resultate haben mich sportlich gesehen extrem glücklich gemacht. Der Verzicht, die Arbeit dahinter … Das ist mehr, als ich mir je erträumt hätte. Ich habe genauso viele Medaillen, wie ich während der beiden letzten Paralympics gewonnen habe. Eine krasse Leistung. Dieses Edelmetall haben Sie als «Wölfin» gewonnen – zum ersten Mal starteten Sie unter Ihrem offiziellen Familiennamen Wolf. (Lacht.) Das war sehr ungewohnt. Als ich am Start stand, sah ich nur noch Wolf – sehr speziell. So kurz. Im Pass hiess ich zwar schon lange Wolf, doch im Sport liess ich es bei Hunkeler. Unter diesem Namen kannten mich ja alle. Hier in London war das aber nicht mehr möglich. Bei der ersten Siegerehrung musste ich mich ziemlich konzentrieren. Ihre erste Siegerehrung war auch für Elin ein Happening … Sie sprang unentwegt in die Luft und lachte. Mark und Nani, Elins Gross­ mutter, erzählten mir auch, dass mich Elin auf der Bahn erkannt und ganz konzen­triert zugeschaut hat. Versteht Elin, was Sie hier tun? Ich denke schon. Sie kennt den Rennstuhl. Wenn sie ihn sieht, zeigt sie drauf und sagt «Mami». Sie ist auch sehr hilfsbereit. Wenn ich im Training von der Bahn komme, bringt sie mir die Trinkflasche. Darf sie mit Ihren Medaillen spielen? Klar darf sie. Doch die Sträusschen, die ich an der Siegerehrung erhalte, interessieren sie mehr. Sie streicht über u schweizer illustrierte

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Titel

Siegespose Edith gewinnt im 5000-MeterRennen Gold. «Je länger die Erfolge zurückliegen, umso wichtiger werden die Medaillen.» u die Blätter, riecht an den Blüten und macht: Mmmh! Spürt Elin, wenn Sie angespannt sind? Vor dem 5000-Meter-Rennen war die Anspannung bei mir sehr gross. Das spürte auch Elin. An jenem Abend vor diesem Rennen fiel mir das Tschüss­Sagen schwer. Doch nach der Gold­ medaille war der Bann gebrochen. Wir ver­abschiedeten uns aber nie in der Wohnung. Elin begleitete mich immer bis zum Village. Ich sagte dann, dass wir uns bald wiedersehen. Sie hilft mir enorm. Ist Elin das Geheimnis Ihres Erfolges? Nicht nur. Elin macht mich stark. Sie lässt mich vergessen. Mit ihr schalte ich automatisch ab. Doch hinter allem stehen auch Mark und die ganze Familie. Sie alle haben zu Elin geschaut, damit ich meinen Weg gehen konnte. Der Weg zu den Paralympics war also ein Familienprojekt? Wir starteten damit nach der Geburt von Elin vor zwei Jahren. Mark und ich wissen, dass ich uns als Familie brauche, um Höchstleistungen zu bringen. Mit ein Grund, weshalb Sie sich entschieden haben, hier ein Apartment zu mieten? Absolut. Miteinander essen, spielen, in den Park spazieren gehen. Ich habe auch zweimal hier übernachtet. Die Familie war meine Oase. Ihr Mann hat sich als Trainer bewährt. Er kennt mich am besten und hat so viel für mich getan. Er flog im Vorfeld viermal nach London, um all das hier zu organisieren. Er fuhr die Marathonstrecke mit dem Velo ab und filmte sie für mich – an einem Samstagmorgen um vier Uhr, weil es dann noch keine Rotlichter und keinen Verkehr hat. Er fand diese Wohnung. Er liess mich im Vorfeld im Windkanal trainieren, und wir fanden heraus, dass ich mit dem richtigen Helm und der richtigen Kleidung Zeit gutmachen würde. Sie haben nichts dem Zufall überlassen. Vor dem Beginn der Spiele wussten

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wir: Mehr geht nicht. Und ich wusste, wenn alles stimmt, dann rollts. Fast unheimlich, wie jetzt alles passte? Wie ein Puzzle fügte es sich zusammen. Ich war überall am Limit. Wir wurden von nichts überrascht, und ich konnte meine Leistung am Tag X abrufen. Auch dank Ihrem Ehrgeiz? Hinter allem, was mit Leidenschaft zu tun hat, steht Ehrgeiz. Meiner ist sicher höher als normal. Ich bin aber auch als Hausfrau ehrgeizig. Und als Mutter? Ich verlange in der Erziehung nichts Überirdisches. Wichtig ist, dass Harmonie da ist. Ehrgeiz ist hier fehl am Platz. In letzter Zeit waren Sie und Mark in erster Linie Athletin und Trainer. Ist es nun wieder Zeit, Ehepaar und Eltern zu werden? Unbedingt. Wir wussten um diese drei Rollen und dass zwei davon zu kurz kommen würden. Ich freue mich auch sehr darauf, dass Mark, wenn ich huste, nicht mehr gleich zusammenzuckt und sich Sorgen macht. Was kommt als Nächstes? Nichts. Heute und morgen will ich nichts entscheiden. Ich werde meinem Körper das geben, wonach er verlangt, und auf mein Herz hören. Bis zu den Spielen in Rio de Janeiro dauerts ja noch vier Jahre … Das ist kein Thema für mich. Vier Jahre sind eine lange Zeit. Ich werde nicht jünger, und Elin wird älter. Wir waren alle am Limit. Wenn Sie an den 22. Februar 1994 zurückdenken – war Ihr Unfall nach all diesen Erfolgen Fluch oder Segen? Ich bin sicher, ich hätte auch ohne Unfall ein schönes Leben mit interessanten Begegnungen gehabt. Vielleicht hätte ich auch Mark kennengelernt. Ich hadere nicht. So wie es ist, stimmt es. Jeder muss für sich den Zauber in seinem Leben entdecken und ihn leben. Sie haben Ihren gefunden. Ich bin angekommen, und dieses Gefühl möchte ich bewahren. 

nachgefragt bei

Heinz Frei

Strahlender Sieger Heinz Frei zeigt sein Olympia-Gold und überstrahlt mit seinem Lächeln glatt den Glanz der Medaille. Heinz Frei, nie ein schlechtes Gewissen, Ihre halb so alten Konkurrenten einfach stehen zu lassen? (Lacht schallend.) Doch, manchmal denke ich schon, es ist bitter für jene, die wegen mir altem Chlaus Gold verpassen. Andererseits macht es mich natürlich noch stolzer. Die Goldmedaille im Zeitfahren war meine 15. an Paralympics, aber es war vielleicht die emotionalste, weil ich selbst nicht mehr richtig daran glaubte.


Fotos Ennio Leanza / Keystone (7)

Volle Pulle Heinz Frei auf seinem futuristisch anmutenden Handbike. Der 54-Jährige war im Zeitfahren schneller als all seine jüngeren Konkurrenten.

Wissen Sie noch, wann Sie zuletzt gegen einen älteren Konkurrenten ver­ loren haben? Ui, nein, da muss ich noch sehr jung gewesen sein. Sie sind ja mittlerweile auch beim Feiern ein Routinier. Hat sich das in London ausbezahlt? Ach woher! Ich dachte, wenn ich dann ins Bett komme, werde ich glücklich einschlafen. Aber da ging nichts. Ich lag wach, konnte nicht abschalten. Anscheinend gibts beim Glücklichsein keine Routine. Hat Ihre Frau Rita mit Ihnen gefeiert? Das ist die Kehrseite der Goldmedaille: Rita bekam unter keinen Umständen Zutritt ins Renngelände oder ins Athletendorf. Niemand konnte ihr einen Tagespass besorgen. Sie war zwar im Stadion, aber nicht wirklich nahe bei mir. Dabei hätte ich sie gerne in die Arme genommen. Sie ist der wichtigste Mensch für mich. Und dann musste sie nach der Siegerehrung drei Stunden darauf warten, bis sie mir wenigstens über eine Pistenabsperrung hinweg einen Kuss geben konnte. Das tat mir weh. Aber etwas gemeinsame Freizeit in London gabs schon? Ein bisschen. Rita wohnte am anderen Ende der Stadt und musste jeweils eine

lange U-Bahn-Fahrt machen bis zu den Wettkampfstätten. Am Vorabend des Zeitfahrens gingen wir zusammen essen. Ich hatte fast ein wenig ein schlechtes Gewissen. Aber es wirkte anscheinend positiv. Wie auch der Materialtest im RuagWindkanal kurz vor den Paralympics. Genau. Ich merkte dort, dass der Rennhelm für die Aerodynamik suboptimal ist. Kurz vor dem Rennen habe ich ihn mit meinem Sack­messer, das mir einst Dölf Ogi geschenkt hat, an der Spitze zu­recht­gestutzt. Wieso nicht schon zu Hause? Der Helm kostet 700 Franken. Ich hatte Hemmungen, den einfach kaputt zu machen. Waren London die schönsten Ihrer acht Paralympics? Ich glaube schon. So emotional und begeistert wie die Engländer war bisher noch kein Publikum. Das könnten aber die Brasilianer 2016 in Rio noch toppen. (Lacht.) Ich sag jetzt lieber nicht mehr «nie wieder». Obwohl ich glaube, dass London meine letzten Spiele als Aktiver mit Rollstuhl oder Handbike waren. Aber vielleicht bin ich ja dann als 58-Jähriger im Bogenschiessen dabei … Interview Iso Niedermann

Medaillen auf einen Blick u Leichtathletik Edith Wolf-Hunkeler Gold (5000 m), 2 x Silber (800 m, 1500 m), Bronze (400 m), Marcel Hug 2 x Silber (800 m, Marathon), Sandra Graf Bronze (Marathon) u Handbike Heinz Frei Gold (16 km Zeitfahren), Sandra Graf Gold (16 km Zeitfahren), Ursula Schwaller Bronze (16 km Zeitfahren), Tobias Fankhauser Silber (Strassenrennen), Jean-Marc Berset Silber (Strassenrennen), Team Schweiz (Frei, Berset, Schwaller) Bronze (Staffel)

Fröhliches Trio Bundesrat Alain Berset freut sich mit Tobias Fank­ hauser und Sandra Graf (r.) über Silber und Gold. Marcel Hug Er holte im Leicht­athletik­ stadion über 800 Meter Silber. Ursula Schwaller Für sie gabs im Zeitfahren über 16 Kilometer Bronze.

Jean-Marc Berset Er holte mit dem Handbike im Strassenrennen Silber. schweizer illustrierte

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w Intervoiceh e der Wan Gilli mit Gi

Olympischer Traum Hier in Lantsch (Lenzerheide) sollen 2022 die Biathlon-Wett­­bewerbe stattfinden. «Die Anlage wird unab­hängig von den Spielen bereits gebaut.»

«Die Wucht des Projektes ist enorm»

Olympische Spiele 2022 in Graubünden: nicht als Mega-Event. Sondern klein, aber fein. Leiter Gian Gilli ist überzeugt: «Wir können eine Trendwende herbeiführen.» Text Alejandro Velert Fotos Marcel Nöcker

W

enn er sich mal in Fahrt redet, ist Gian Gilli, 54, kaum noch zu stoppen. Egal, was man gegen Olympische Spiele in der Schweiz vorbringt, der Engadiner hat stets eine (gute) Antwort parat, die er enthusiastisch vorträgt. Soeben ist der Sportdirektor von Swiss Olympic von den Olympischen Spielen in London zurückgekehrt, wo er der Chef de Mission war. Und nun wirbelt er als operativer Leiter des Vereins Olym­ pische Winterspiele Graubünden durchs Land. «Im nächsten Frühjahr nehme ich zwei Monate frei. Man kann nicht immer Vollgas geben, sonst brennt man aus.» Am 3. März 2013 stimmt der Kanton Graubünden darüber ab, ob die Kandidatur definitiv eingereicht wird. Gian Gilli, Sie sollen der skeptischen Bündner Bevölkerung die Olympischen Spiele 2022 schmackhaft machen. Es heisst, wenn es einer könne, dann der Gilli.

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Ich alleine? (Lacht.) Keine Chance, dafür braucht es ein starkes Team. Wieso wollen Sie diesen Mega-Event überhaupt in die Schweiz bringen? Die Olympischen Spiele sind ein Anlass mit Weltausstrahlung, mit dem wir die Schweiz nach aussen imagemässig ins Gespräch bringen können. Und nach innen brauchen wir mal wieder eine gemeinsame Herausforderung. Etwas, bei dem die ganze Schweiz am gleichen Strick zieht. Die Wucht eines solchen Projektes ist enorm, wir geben vielen Jungen eine Perspektive oder einen Arbeitsplatz, vor allem hier in den Bergen. Und das alles wollen Sie mit zwei Wochen Sport erreichen? Wir arbeiten nicht für die zwei Wochen Event, wir arbeiten für zwei Jahrzehnte Entwicklung. Die Spiele selber sind der sportliche Höhepunkt. Als Ganzes gesehen sind Olympische Spiele aber ein Impulsprogramm für die Wirtschaft, den Sport, die Jugend, den Tourismus. Und eine Herausforderung reizt uns besonders: Wir präsentieren ein spezi­ elles Konzept und wollen eine Trend­

wende einleiten. Weg vom Mega-Event, zurück zu den Wurzeln der Spiele. Fifa-Präsident Sepp Blatter, selber Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee (IOC), sagte letzte Woche an einer Podiumsdiskussion, beim IOC interessiere sich niemand für redimen­ sionierte Spiele. Sicher gibt es solche Stimmen, aber ich erhalte auch andere Signale. Viele sind angetan von der Idee. Das IOC weiss, dass es sich selber keinen Gefallen tut, wenn es die Spiele nur noch an grosse Nationen vergibt. All die Waren, all die Menschen in den engen Bergtälern! Hand aufs Herz: Olympische Spiele sind eine Nummer zu gross für die Schweiz. Sommerspiele, ja. Winterspiele sind aber machbar – das sagen selbst unsere Kritiker. Aber alles unter der Voraus­ setzung, dass der ganze Event ein wenig kleiner wird. Aber der Event wird ja nicht kleiner, nur weil er auf engerem Raum stattfindet! Doch, wir werden ihn kleiner machen. Wir haben berechnet, was die Region überhaupt verkraftet. Deshalb sind die meisten Anlagen für 5000 bis maximal 10 000 Zuschauer vorgesehen, ausser das Skistadion in St. Moritz, das 25 000 Leute fassen kann. Über die Zuschau­ erzahlen begrenzen wir auch die Logis­


relativ hoch. Die Erträge von 1,5 Milliarden sind konservativ gerechnet. Vom Bund gibt es eine Defizitgarantie über eine Milliarde. Bleiben im Moment also 300 Millionen Defizit. Wir haben jetzt den Auftrag, auf der Kosten- und auf der Ertragsseite zu schauen, wie wir ein Gleichgewicht herstellen können. Und wer zahlt die Zeche, wenn Sie sich am Ende doch verrechnet haben? Im Moment haben wir erst eine Machbarkeitsstudie, erst jetzt kommen wir in die Projektphase, nun geht es ans Optimieren. Es wird uns immer wieder bescheinigt, dass wir mit den Kostenberechnungen bereits jetzt sehr detailliert und sehr genau sind. Aber natürlich muss man die Frage nach einem allfälligen Defizit diskutieren und im Vorfeld regeln. Klar ist: Wir investieren nur dort, wo wir einen nachhaltigen Effekt sehen. Olympische Spiele lösen vor und während des Events einen Wachstumsschub aus. Unser Ziel ist, dass man davon auch nach 2022 pro­ fitiert. Ansonsten haben wir unser Ziel nicht erreicht. Glauben Sie, dass Sie das IOC mit Ihrem Konzept überzeugen können? Wir haben sicher eine Chance. Aber vor einem Wettkampf weiss man nie, ob man am Ende als Sieger oder Verlierer dastehen wird. Wer aber nichts unternimmt, gewinnt auch garantiert nichts. Bei der Vergabe von Grossanlässen gewannen in den vergangenen Jahren selten die Kandidaten mit den besten Konzepten. Und oft genug war die Entscheidungsfindung kaum nachvollziehbar. Das kann man schwerlich abstreiten. Wenn es ein Bewerber in die Schlussrunde schafft, geht ein IOC-Mitglied wohl davon aus, dass das Konzept gut genug ist. Und von da an spielen andere Mechanismen, das sind vor allem Netzwerkmechanismen, Lobbying. Ist das die Lehre aus der Niederlage mit der Kandidatur Sion 2006? Wahrscheinlich, denn das Konzept damals war hervorragend. Haben Sie also bereits angefangen, die IOC-Mitglieder zu bearbeiten? Nein. Aber es hat sich schnell herumgesprochen, dass wir eine Kandidatur mit einem sehr innovativen Konzept vorbereiten. Die internationale Kampagne startet erst, wenn wir sagen können, dass unser Volk die Spiele will. Es gibt kein stärkeres Zeichen als das. Wenn die Abstimmung am 3. März 2013 verloren geht, ist der olympische Traum in der Schweiz gestorben, oder? Dann ist der Zug wohl endgültig ­abgefahren. 

Gian Gilli

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dreifacher Familienvater

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Olympischer Dauer-Gast

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GRosse ERfahrung mit grossanlässen

Gian Gilli ist mit der ehemaligen SpitzenLangläuferin Christina Gilli-Brügger verheiratet. Zusammen haben sie drei Kinder, Madlaina (Bild), Elena und Isabel.

Seit 1988 war Gian Gilli in wechselnden Funktionen an allen Olympischen Spielen. In London war er Chef de Mission und gratulierte Roger Federer zu dessen Silbermedaille.

Als CEO und Cheforganisator war Gian Gilli verantwortlich für die erfolgreiche Durch­ führung der Ski-WM 2003 in St. Moritz und der Hockey-WM 2009 in der Schweiz.

Persönlich u Geboren in Samedan GR am 29. 12. 1957 karriere Studium zum Turn- und Sportlehrer, nationaler Langläufer, Nationaltrainer Langlauf, CEO und Cheforganisator Ski- und Hockey-WM, Sportdirektor Swiss Olympic uhobbys Sport (Schwimmen, Biken, Golfen, Joggen) und seine Harley-Davidson

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Fotos Hervé Le Cunf, Keystone (2)

tik, und wir generieren weniger Verkehr. Den Privatverkehr verdrängen wir ohnehin. Wer keinen Parkplatz hat, muss auf Busse und die Rhätische Bahn ausweichen, die ihre Kapazitäten für die Spiele fast verdoppeln. Die Herren des IOC in Bussen? Schwer vorstellbar. Natürlich braucht es einen Transportservice für die Organisation, aber unser Vorteil ist ja, dass sowohl in Davos wie in St. Moritz die Wege zu den Wettkampfstätten so kurz sind, dass sich eine Autofahrt kaum lohnt. Eine ­weitere Stärke des Konzepts. Wo wollen Sie das Stadion für die ­Eröffnungsfeier bauen? Wir bauen keines, die Natur ist unser Stadion! Bei der Eröffnungsfeier würde die Bühne auf dem gefrorenen St. Moritzersee stehen. Am Ufer stünde die Tribüne, von dort aus hätte man St. Moritz und das ganze Tal vor Augen, herrlich! Andere Sportstätten müssen trotzdem erstellt werden. Wir lassen nur Anlagen zurück, die man nach den Spielen weiter nutzen und auch finanzieren kann. Beispielsweise die Langlaufanlage oder der FreestylePark am Bolgen in Davos oder die Trainingshalle in Samedan, die nachher eine Mehrzweckhalle wird. Alles andere steht nur auf Zeit. Auch Strassen oder Eisenbahnen werden keine nur für die Spiele gebaut. Man zieht höchstens Projekte vor, die bereits von Bund oder Kanton geplant sind. Bleibt die Masse von Athleten, Betreuern, Medienleuten und 20 000 Freiwilligen, die irgendwo wohnen und schlafen müssen. Beim olympischen Dorf für die Athleten setzen wir in St. Moritz auf Hotels, die entweder renoviert oder auf die Spiele hin gebaut werden. Genauso die Höhenklinik am Wolfgang in Davos, sie wird renoviert und vergrössert. Und alle Besucher, Helfer oder Medienleute wohnen in Hotels und Ferienwohnungen in ganz Graubünden. Allein in der Hotellerie haben wir fast 70 000 Betten identifiziert. Und auch hier wird sicher von privater Seite investiert. Das IOC erzielt bei jeder Austragung Milliarden-Gewinne, während die meisten Austragungsorte nach den Spielen vor einem Schuldenberg stehen. Die Kosten sind stets massiv höher als vorausgesagt. Unsere Berechnungen sind sehr solide – sie wurden von zwei Revisionsfirmen überprüft, die beide jahrelange Erfahrung mit Olympischen Spielen haben. Die Kosten von 2,8 Milliarden Franken sind wegen der temporären Bauten

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Romantisches Florida Der Abendspaziergang am Strand von Anna Maria Island gehört bald zum Alltag von Marianne Cathomen und Markus Siegler. «Davon haben wir lange geträumt.»

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Lebenstraum

Auf zu neuen Ufern

Zürich–Tampa einfach: Zehn Flugstunden von der Schweiz entfernt bauen sich Marianne ­Cathomen & Markus Siegler eine neue Existenz auf. Die Schlagersängerin und der Kommunikationsprofi wandern nach Florida aus.


Lebenstraum

Morgenkaffee auf der Veranda Beim Lesen der Lokalzeitung «Islander» erfährt Markus «den Klatsch und Tratsch meiner neuen Heimat».

«Dieser Schritt ist für mich als Mutter nicht einfach. Aber

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Neues Leben, alte Gefühle Marianne Cathomen: «Ich wünsche mir, dass Markus und ich so glücklich bleiben, wie wir sind.»


Schon fast wie zu Hause Markus Siegler: «Ich wünsche mir, dass uns jeder Tag etwas Neues bietet, dass wir unseren Platz finden und Erfolg haben.»

Egoismus würde ich es nicht nennen» Marianne Cathomen

Entspannung am Nachmittag Die neue Lebensqualität macht kreativ: Marianne träumt schon von «meiner eigenen Boutique mit Kleidern im Hippie-Chic».


Lebenstraum

Das Strandhaus «Die Einrichtung unserer Villa Marianne gefällt uns sehr. Wir wünschten uns zarte Farben und den Beach-Style.» Text bettina bono-Portmann Fotos Marcel nöcker

A

ls Bette Midler an diesem Nach­ mittag die Tür der Villa Marian­ ne öffnet, freuen wir uns auf klimatisierte Räume. Draussen beträgt die Luftfeuchtigkeit nahezu 90 Prozent, und die angezeigten 33 Grad fühlen sich an wie 40. Die Dame trägt eine korall­ rote Bluse, viel Goldschmuck und – ist gar nicht Bette Midler. Elaine Mullhaupt sieht zwar aus wie die temperament­ volle Schauspielerin, ist aber Inhaberin einer Immobilien- und Vermietungsfirma und macht auch Innendekorationen. Sie zeigt Marianne Cathomen, 45, und Markus Siegler, 54, ihr Werk: das neue Ferienhaus des prominenten Schweizer Paares. Die Schlagersängerin und der Kommunikationsprofi wandern aus – nach Florida (USA). Sie werden ihre Villa Marianne an der Maple Avenue 111 auf Anna Maria Island vermieten und sich eine kleinere Bleibe in der Nähe suchen.

Marianne Cathomen, bald brauchen Sie ausser Flipflops und Sonnencreme nicht mehr viel … (Lacht.) Doch, Bikinis! Ich habe mir grad kürzlich vier neue gekauft. Markus Siegler: Davon weiss ich ja gar nichts … Aber von Daunenjacke und Winterstiefeln können Sie sich verabschieden. Was

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machen Sie mit all Ihren Kleidern? Marianne: Ein paar der kurzen Abendkleider nehme ich mit – für ein schickes Dinner in Sarasota oder Tampa. Den Rest habe ich verschenkt – auch alle unsere Möbel. Markus: Je weniger man hat, umso freier fühlt man sich. Hier pflegen die Leute einen legeren Umgang, was die Garderobe angeht. Trotzdem wird man mich bei einem schönen Dinner nie in Shorts sehen. Was werden Sie garantiert mitnehmen? Marianne: Meine Schutzengeli und meine Gitarre, die ich von meinem Vater geschenkt bekommen habe. Markus: Auf keinen Fall lassen wir unsere Fotoalben zu Hause. Und alle Geschäftsunterlagen müssen selbst­verständlich auch mit. Nun werden Sie den Winter gegen die Hurrikan-Saison eintauschen. In diesem Sommer wütete Sturm Debby vor der Küste Tampas. Keine Angst? Markus: Angst eigentlich nicht. Diese Gegend ist glücklicherweise kaum betroffen. Debby war zwar der schlimmste Sturm seit 15 Jahren, doch hier gabs ausser etwas Wasser auf den Strassen und ein paar zerstörten ­Booten nichts Gravierendes. Anna Maria Island ist Teil der Inselkette vor Floridas Westküste und liegt zwischen dem Golf von Mexiko und der Tampa Bay. Das Eiland misst in der

Länge elf, in der Breite maximal vier Kilometer. Die Bars heissen hier ­«Hurrican Hank’s» und «Rotten Ralph’s», im Supermarkt wird man mit «Hi, dear» begrüsst, und die Haustüren bleiben unverschlossen. Die New Yorker, die hier an den Wochenenden ihre Ferienhäuser beziehen, bezeichnen die Sandstrände als die schönsten der Welt. Was bringt Sie ausgerechnet hierher? Markus: Anna Maria hat noch den Charme des «alten» Florida. Es ist ein kleines Paradies und in der Welt noch nicht so bekannt. Marianne: Ich war früher als Au-pair für längere Zeit in Florida und habe nur gute Erinnerungen. Und wir wollten unbedingt ans Meer. Dann googelten Sie «Immobilien Florida» und wurden fündig? Markus: (Lacht.) So ähnlich. Ver­ gangenen September sind wir hierher­ gekommen und haben uns ver­ schiedene Objekte zeigen lassen. Und an der Maple Avenue 111 machte es bumm? Marianne: Mir gefielen die Nähe zum Strand und der Stil der Häuser. Und Markus fand dieses Strässchen so hübsch. Markus: Daheim haben wir dann beschlossen, die Villa Marianne zu bauen. Um sie zu mieten, bezahlt man je nach Saison pro Woche zwischen 2700 und


MArianne & Markus alles über Anna Maria Island

Der Master-Bedroom Marianne: «Die Betten sind hier ungewohnt hoch – aber bequem!»

Amerikanisches Frühstück So wirds nicht jeden Morgen sein: Markus brät Eier mit Speck. 3900 US-Dollar. Werden Sie davon leben können? Markus: Die Vermietung dieses Ferienhauses ist lediglich ein Teil unseres Einkommens. Wie verdienen Sie sonst Ihr Geld? Markus: Elaine war auf der Suche nach einem operativen Partner. So kam es, dass wir 50 Prozent ihrer Firma übernommen haben. Wir werden also künftig im Vermietungs- und Immobilienbusiness tätig sein. Marianne: Zurzeit bewirtschaftet die Firma über 60 Häuser und Wohnungen. Für ausländische Investoren werden wir die Schnittstelle sein. Ausserdem ist Anna Maria eine Hochzeitsinsel, aber niemand zieht das so richtig gut auf. Auch da wollen wir uns einbringen. Mit Events haben wir ja beide Er­ fahrung. Warum dieser Neuanfang? Markus: Ich will meine Work-Life-­ Balance optimieren. Der grösste Stress mit Beruf und Kindern liegt hinter mir. Mir geht es nicht darum, mehr Geld zu verdienen, ich will das Leben intensiver spüren. Die Arbeit wird ein Teil davon sein, und darauf freue ich mich sehr. Marianne: Während meiner Karriere durfte ich wunderschöne und unvergessliche Momente erleben. Dafür bin ich sehr dankbar. Mit diesem Schritt erfüllt sich nun mein dritter Jugendtraum: am Meer leben zu dürfen. Die ersten beiden waren: eine Familie

gründen und als Flight-Attendant arbeiten. Sie wandern also nicht aus, weil irgend­ etwas zu Hause nicht geklappt hat? Markus: Auf keinen Fall! Man sollte nicht ins Ausland gehen, wenn man mit sich nicht im Reinen ist. Die Probleme reisen mit. Hat der Gedanke zu scheitern überhaupt Platz neben der ganzen Euphorie? Markus: Wir sind nicht naiv und haben uns gut vorbereitet. Aber es bleibt eine Herausforderung. Meiner Meinung nach braucht es für den Erfolg Wissen, Können, Erfahrung, Glaube und Glück. Dazu gehören auch Niederlagen … Marianne: … aus Niederlagen ergibt sich immer etwas Neues. Das kenne ich. Ich habe während meiner Gesangskarriere auch Ungerechtigkeiten erlebt. Welche? In unserer Gesellschaft findet vieles nicht mehr auf neutralem Boden statt. Bist du bei der falschen Plattenfirma unter Vertrag, hat man musikalisch im Schweizer TV keine Chance. Es geht nicht um persönliche Leistung und Können. Alles ist sehr verfilzt. Ihr Entschluss, nach Florida aus­ zuwandern, bedeutet das Ende Ihrer Gesangskarriere. Marianne: Das ist so. Trotzdem ver­ liere ich meine Stimme und die Freude am Singen ja nicht. Vielleicht trete ich hier auch mal auf und singe Country. Sie lassen Ihre Kinder zurück – zahlen

Kleines Quiz! An welchem Tag stellt man hier den Müll raus? Marianne & Markus: Am Montag! Richtig. Gibts eine Geschwindigkeits­ begrenzung? Marianne & Markus: 35 Meilen. Auch richtig. Im Parker Manatee Aquarium in Bradenton, circa 15 Autominuten von Ihnen entfernt, lebt das älteste Manatee (Seekuh) der Welt. Wie alt ist es? Marianne: 98. Markus: 69. Fast. Sie ist 64 Jahre alt und heisst Snooty. Letzte Frage: Die Einheimischen nennen den auf der Insel wachsenden Gumbo-Limbo-Baum auch Touristenbaum. Warum? Markus: Weil die Touristen ihn gerne fotografieren? Marianne: Weil sie gerne drauf rumklettern? Leider falsch. Weil seine Rinde rötlich ist, und sie sich schält wie die Haut von Touristen mit Sonnenbrand.

Gut zu wissen

u Anreise Ab Zürich mit Edelweiss Air

(direkt) nach Tampa ab CHF 890.– u Nicht vergessen! Schweizer

benötigen einen gültigen biometrischen oder einen vor Oktober 2006 ausgestellten Reisepass und ein ausgefülltes ESTA-Formular u Zu Gast bei MArianne & Markus www.solterreproperties.com Sie da nicht einen sehr hohen Preis? Markus: Ich denke, wir haben unsere Verantwortung ihnen gegenüber wahrgenommen. Jetzt dürfen wir wieder vermehrt unser Leben leben. Marianne: Nico ist 19 und ist jetzt im Militär. Danach will auch er in die USA. Carina ist 16 und möchte in der Schweiz eine Lehre machen. Sie und Nico haben das selbst so entschieden, sie wohnen jetzt bei ihrem Vater ­Conradin. Und er freut sich auf die Zeit, in der er und die Kinder sich noch etwas näher sind. Trotzdem braucht es eine Portion Egoismus, so ein Projekt in die Tat umzusetzen. Marianne: Dieser Schritt ist für mich als Mutter natürlich nicht einfach. Aber Egoismus würde ich es nicht nennen. Es geht um die Lebensgestaltung für uns als Paar. Die Kinder gehen ebenfalls je länger, je mehr ihren eigenen Weg.  schweizer illustrierte

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Ann lois romney, 63

Wer wird der mächtigste Mann der Welt? Die US-Wahlen werden von Frauen und Latinos entschieden. Deshalb müssen Ann Romney und ­Michelle Obama ran. Das grosse Duell ums Weisse Haus.

Die Frau von Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, 65, setzt beim Auftritt der Republikaner auf Stil u Kleid Das rote, taillierte, knielange Kleid stammt vom bekannten Designer Oscar de la Renta. Kostenpunkt: rund 2100 Franken u schuhe Die offenen schwarzen Schuhe von Stuart Weitzman bringen die tollen Beine von Ann Romney perfekt zur Geltung u schmuck Ohrringe, Armband und Uhr sind auf die goldene Gürtelschnalle ihres Kleides abgestimmt

Text SILVAN GRÜTTER, ueli walther

Die Damenw 32

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US-Wahlkampf

michelle obama, 48 Die First Lady (seit 1992 mit Barack Obama, 51, verheiratet) gab sich beim Nominierungskongress der Demokraten sexy u Kleid Das knielange und schulterfreie Kleid ab Stange kommt aus der Kollektion der afroamerikanischen Designerin Tracy Reese. Kostenpunkt: ca. 400 Franken u schuhe Die Wildlederpumps von J. Crew kosten ca. 230 Franken u schmuck Michelle Obama zeigt sich betont dezent. Neben ihren Ohrringen tr채gt sie bloss ihren Ehering an der linken Hand

Fotos Ron Sachs / Photoshot, Kevin Dietsch / UPI / Dukas

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US-wahlkampf

So punkten An nobel Ann Romney wächst in den piekfeinen Bloomfield Hills bei Detroit auf. Ihr Vater hat als Unternehmer ein Vermögen gemacht. Investiert wird es unter anderem in die Privatschulen der Tochter. Die mässig begabte Ann schliesst mit einem Bachelor in Französisch ab.

hausmütterchen Mitt und Ann lernen sich in der Schule kennen. Ihm zuliebe konvertiert sie zum Mormonentum und heiratet 1969. Kritik, dass sie in ihrem Leben noch keinen Tag gearbeitet habe, kontert sie so: «Ich habe fünf Jungs aufgezogen. Glaubt mir, das war harte Arbeit.»

Nie ohne Mitt Ann und Mitt kennen sich seit Jugend­ jahren. Für ihn wurde sie sogar ­Mormonin.

wunderwaffe Ann Romney soll den kühlen und rationalen Wirtschaftsmanager menschlicher und sympathischer aussehen lassen. Das Wahlkampfteam gab ihr den Spitznamen: «Mitt-Stabilizer» – weil ihre Präsenz den Präsidentschaftskandidaten souveräner machen soll. Die Romneys sind ein regelrechter Clan. Ann und Mitt haben fünf Söhne (Tagg, 42, Matt, 41, Josh, 37, Ben, 34, und Craig, 31) und 18 Enkelkinder. Mitt Romney setzt im Wahlkampf immer wieder auf die Familie und lässt sich bei jeder Gelegenheit mit Enkeln ablichten.

ann über mitt Ann Romney stellt sich im Wahlkampf klar hinter ihren Mann. Und nicht etwa neben ihn. Er ist der Boss im Haus. «Mitt ist der Mann, den Amerika braucht. Er wird nicht versagen», sagt sie. Amen.

mitt über ann Vorzeigefamilie Fünf Söhne, 18 Enkelkinder und 230 Millionen Dollar ­Vermögen. Das ist die Romney-Idylle. Das letzte Mal gestritten hat das Paar laut eigenen Aussagen vor 46 Jahren – weil Mitt so besitzergreifend ­gewesen sei.

«Ann ist ein Engel. Sie ist ein heisser Engel, aber ein Engel nichtsdestotrotz. Sie in meinem Leben zu haben, ist ein Privileg, eine Freude, es ist mein ganzes Leben.» So schwelgt Mitt über Ann. Und das nach 43 Ehejahren! Wow!

auf dem hohen ross Ann Romney ist begeisterte Dressur-Reiterin. Damit begonnen hat sie als Therapie gegen ihre Multiple-Sklerose-Erkrankung. Die amerikanische Öffentlichkeit kann wenig mit dem elitären Sport der möglichen First Lady anfangen.

M & m’s Cookies Das Magazin «Family Circle» testet die potenziellen First Ladies seit 1992 im «Presidential Cookie Bake-Off», dem grossen BackDuell. Ann Romney tritt mit M & M’s Cookies an. Die Entscheidung des Wettbewerbs steht bei diesen Wahlen noch aus. Miss Perfect Ann Romney ist das Pendant zum perfekten Schwiegersohn. Hier verteilt sie Journalisten selbst gebackene Guetsli.

naiv Ann Romneys bisher peinlichster Ausrutscher: Sie sagte in einem Interview, dass sie sich eigentlich nicht als wohlhabend betrachte. Und das bei einem Familienvermögen von geschätzten 230 Millionen Dollar. Das fand der Durchschnittsamerikaner nicht so lustig.

fazit Elitär Die mögliche First Lady ist ­leidenschaftliche Dressur-Reiterin. Im Land von Baseball und Football stösst das auf wenig Begeisterung.

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Ann Romney vertritt das alte, weisse und reiche Amerika. Und das vertritt sie perfekt. Sie weiss sich gut in Szene zu setzen. Und sie weiss auch, wann sie lieber im Hintergrund bleiben soll. Eine First Lady, wie sie das alte, weisse und reiche Amerika liebt und braucht.

Fotos Romney: Keystone, Charlie Neibergall / AP, Ben Baker / Redux / Laif, Polaris / Dukas, Reuters; Fotos Obama: Tom Pennington / Getty Images, Corbis (3), Pete Souza / The White House

männerhaus


n und Michelle Powerfrau Michelle Obama zeigt manchmal sogar dem Präsidenten der USA, wo es langgeht.

bettelarm Die Tochter einer Sekretärin und eines städtischen Angestellten wächst in der mausarmen South Side von Chicago auf. Dank Stipendien studiert die Ausnahmeschülerin in Princeton und Harvard. Sie schliesst das Jura-Studium mit dem Doktortitel ab.

Karrieristin Nach dem Studium arbeitet Michelle in einer Anwaltskanzlei, wo sie Barack kennenlernt. Es folgen Stationen als Beraterin des ­Bürgermeisters und an der University of Chicago. Ihre erfolgreiche Karriere legt sie nach Baracks Präsidentschaftskandidatur auf Eis.

chef im haus Michelle stapelt tief, wenn sie sich als «Mom in Chief», als erste Mutter im Staat, bezeichnet. Ihr Einfluss ist enorm, alle grossen Entscheidungen bespricht das Paar. Berater nennen sie «The Closer» – weil sie unentschlossene Wähler auf seine Seite zieht.

frauenhaus Barack Obama mag der Herr im Hause sein. Aber er steht einer weiblichen Übermacht entgegen. Daheim geben die Frauen den Ton an. Die Töchter Malia, 14, und Sasha, 11, hält das Präsidentenpaar so gut wie möglich aus der Öffentlichkeit fern.

michelle über barack «Mit mir klarzukommen, ist einer der Gründe, warum er als ­Präsident taugt», sagt Michelle Obama. Die Welt nimmt diese ­Aussage amüsiert zur Kenntnis.

barack über michelle

Bilderbuch Die Obama-Töchter Malia (l.) und Sasha werden immer grösser. Früher spielten sie auch schon mal unter dem Schreibtisch des mächtigsten Mannes der Welt.

«Sie kann alles, was ich kann. Nur dass sie dabei noch hohe Schuhe trägt», sagt der Präsident über die First Lady. Und: Michelle macht dabei bestimmt die bessere Figur – in den hohen Schuhen. Grün ist die Hoffnung Michelle Obama setzt sich konsequent für gesunde Ernährung ein. Im Garten des Weissen Hauses pflanzt sie selber Gemüse an.

himmel und hölle Michelle Obama gilt als fanatische Sportlerin. Im ersten Wahlkampf ihres Mannes sass sie jeden Morgen auf dem Hometrainer. Sie ist topfit. Dass sie dies aber auch bei jeder Veranstaltung vor laufenden Kameras zeigen muss, nervt die Amerikaner inzwischen.

White & dark chocolate chips Michelle Obama tritt mit White & Dark Chocolate Chips an. Die Leserinnen des Magazins «Family Circle» haben ein gutes Gespür. Mit einer Ausnahme wählten sie jeweils die kommende First Lady zur «Cookie-Queen». Die Ausnahme war übrigens … Michelle!

mundgeruch Michelle Obama verriet einem Journalisten, dass ihr Göttergatte nicht immer besonders gut aus dem Mund rieche. Mundgeruch­ alarm im Weissen Haus! Barack fand die Aussage seiner Gattin nicht besonders witzig. Die Öffentlichkeit dagegen sehr.

fazit Michelle Obama ist jung, selbstbewusst und klug. Sie ist nicht einfach die Frau an Baracks Seite. Dann schon eher die, die Barack auch mal eine Breitseite gibt. Sie ist die First Lady, die das junge, multikulturelle Amerika liebt und braucht.

Balance Die First Lady ist topfit. Und zeigt das auch gerne. Ob beim Sackhüpfen oder Himmel und Hölle – Michelle Obama macht eine gute Figur.

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Porträt

«Wer, wenn nic Zwei Jahre nach Steve Lees Tod ist nic Maeder als Frontmann von Gotthard etabliert. Er freut sich über den Heimatbesuch seines Vaters. Und er ist frisch verliebt!

Vater und Sohn Von Papa Hugo hat Nic die Liebe zur Musik. «Er brachte mir Klavierspielen bei.»

Text sandra casalini Fotos kurt reichenbach

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olen, Japan, Russland – der Terminplan von Gotthard-Sänger Nic Maeder, 41, platzt aus allen Nähten. Trotzdem: Ein Besuch bei seiner Familie in der Nähe von Yverdon VD, muss hin und wieder drinliegen. Und im August gabs sogar eine Woche Ferien auf den Malediven. Ein erster Beziehungstest für Nic und seine neue Freundin ­Isabelle, 30. Seit ein paar Monaten ist Nic Maeder wieder verliebt. Isabelle ist Stylistin beim Schweizer Fernsehen. Erstmals gesehen haben sich die beiden bei Nics Auftritt mit Gotthard am «Swiss Award» vergangenen Januar. «Danach liefen wir uns immer wieder mal über den Weg, bis ich sie endlich fragte, ob

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sie einmal mit mir ausgehen würde.» Anfang Jahr trennte sich Nic Maeder von seiner australischen Freundin, nachdem sie an Weihnachten drei Wochen in der Schweiz verbracht hatte. «Wir haben gemerkt, dass es nicht funk­ t­ioniert. Wir waren aber auch noch nicht so lange zusammen, bevor ich vor gut einem Jahr von Australien in die Schweiz zog.» Isabelle bietet dem Rocker wieder einen sicheren Hafen, den Ausgleich ­ zum stressigen Touren mit der Band. «Sie versteht mich und ermutigt mich in allem, was ich tue. Sie ist einfach da für mich.» Aus ihren ersten gemeinsamen Ferien kamen der Westschweizer und die Zürcherin glücklich verliebt zurück. Und auch Nics Familie hat Isabelle bereits ins Herz geschlossen. «Mir ist schon wichtig, dass sich meine Freundin mit u


Feuerprobe bestanden Nic und seine neue Liebe Isabelle in ihren ersten gemeinsamen Ferien auf den Malediven.

Foto HO

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Familienmensch Nic (r.) mit Vater Hugo und Bruder Sebastian in seinem Elternhaus in der Nähe von Yverdon VD. In dem Haus wohnten bereits seine Grosseltern.

meiner Familie und auch mit der Band versteht. Alles andere würde eine Beziehung kompliziert machen.» Diesmal besucht Nic Maeder seine Familie aber allein. Für ein richtiges Männer-Wochenende mit seinem Vater Hugo, 71, und Bruder Sebastian, 37. Es sind die letzten Tage, die Hugo Maeder dieses Jahr in der Schweiz verbringt, bevor er nach einem halben Jahr in der alten Heimat zurück in tralischen Sommer fliegt. Nic den aus­ und Sebastian verbrachten ihre Kindheit da wie dort, zogen alle zwei, drei Jahre von Melbourne nach Yverdon und um­ gekehrt. «Einerseits war das toll, denn wir fühlten uns an beiden Orten zu Hause», erzählt Nic. «Auf der anderen Seite war es auch nicht immer einfach, gerade in der Schule, wo ich ständig u

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‹der Neue› war.» Mit sechzehn beschliesst Nic Maeder, ganz in der Schweiz zu leben, und zieht zu seinen Gross­ eltern. Seine Eltern und sein Bruder bleiben in Australien. Sechs Jahre später geht er doch wieder zurück nach Down Under, gründet zusammen mit Sebastian verschiedene Bands und tingelt durchs Land. Dann verliebt sich Sebastian Maeder in eine Schweizerin und zieht erneut nach Yverdon. Die Mutter, inzwischen vom Vater getrennt, folgt ihm ein Jahr später. Von einem Freund erfährt Nic, dass Gotthard nach Steve Lees Unfalltod am 5. Oktober 2010 einen neuen Sänger ­suchen. Er schickt ein Tape, auf dem er einen Gotthard-Song singt, und reist dreimal zum Vorsingen ins Tessin. Als er schliesslich seinen Bruder anruft

und ihm sagt, er habe den Job, ist die­ser ­wenig überrascht. «Wer sonst, wenn nicht Nic?», meint Sebastian lakonisch. «Er passt gut in die Band», ergänzt Papa Hugo. Und fügt an: «Nic war schon

Heimat Relaxen bei einem Glas Weisswein mit «Arthur». «Hier bin ich kein Rockstar, nur Nic.»


Porträt

«Nic war schon immer ein grossartiger Musiker. Es wurde langsam Zeit, dass er berühmt wird!» vater hugo maeder

Fürs Abendessen en famille Nic und Sebastian inspizieren die Waadtländer Saucissons, die der Metzger vorbeigebracht hat. Nic: «Das reicht für etwa zwei Wochen. Wir sind eine grosse Familie.»

immer ein grossartiger Musiker. Es wurde langsam Zeit, dass er berühmt wird!» Damit, dass Nic als Steve-LeeNachfolger kaum mehr unerkannt auf die Strasse kann, haben weder er noch seine Familie gerechnet. «Ich habe 20  Jahre lang an meiner Karriere als Musiker gearbeitet. Und plötzlich stehe ich im Rampenlicht. Das war anfangs schon sehr surreal.» Zu Hause sei er wei­ terhin «einfach Nic», der zusammen mit seinem Bruder auf der Gitarre klimpert oder bei seinem Cousin auf ein Glas Weisswein vorbeischaut. «Dass er jetzt berühmt ist, wird mir nur bewusst, wenn ich ihn auf der Bühne sehe», sagt Sebas­ tian. «In einer Menschenmenge zu ste­ hen und zu wissen, dass all diese Leute hier sind, um Nic singen zu hören, ist der

Wahnsinn!» Tauschen möchte er nicht mit seinem grossen Bruder. «Ich habe mich für ein anderes Leben entschieden, für eine ­Familie. Das lässt sich nicht mit ständigem Touren vereinbaren. Meine kleine Tochter soll normal aufwachsen und ein richtiges Zuhause haben.» Sebastian ­Maeder arbeitet als Musikpro­ duzent und Kameramann – genau wie Vater Hugo vor seiner Pensionierung. Auch Nic kann sich vorstellen, ­irgendwann mal Kinder zu haben. «Ich bin der Einzige in der ganzen Familie, der noch keine hat. Aber bei dem Leben, das ich momentan führe, kann ich keine Familie gründen.» Es sei schon schwierig genug, regelmässig Zeit für seine Freundin zu finden. Nic wohnt in Lugano, Isabelle in Zürich. «Wir ver­ suchen, einander wöchentlich am einen

oder anderen Ort zu sehen. Je nachdem kommt sie auch mit an ein Konzert.» Und sieht dort die Tausenden jungen Frauen, die ihren Liebsten anhimmeln. Nic lacht. «Isa ist nicht eifersüchtig. Und ich auch nicht. Ich kenne dieses Gefühl nicht.» Bald können auch die Schweizer Fans Nic wieder anschmachten. Am 20. September spielen Gotthard am Schupfart Festival, ab Ende November touren sie durch die Schweiz. Mit dabei als Special Guest: der oder die Musiker, welche den aktuellen Hit «Shine» am besten covern – egal, ob rockig, klassisch oder als Schlager (Infos auf www. gotthard.com). Danach steht wohl der zweite Beziehungstest für Nic und Isabelle an: die erste gemeinsame Weihnacht.   schweizer illustrierte

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Stolz Käsermeister Toni Holdener, 40, mit Frau Vroni, 36, und den Töchtern Christa, 7 (l.), und Nadine, 6, vor ihrer Alpkäserei an der Pragelpass-Strasse. Aus dem Muotatal kommen nicht nur die berühmten Wetterschmöcker, sondern auch schmackhafter Käse.

Muotataler Kä Beispielhaftes Projekt! Dank der Berghilfe konnte seine Käserei gebaut werden. Nun produziert Toni Holdener ob Muotathal SZ erfolgreich Alpkäse. 40

schweizer illustrierte

Text Thomas Kutschera Fotos Remo NÄGELI

U

m 4.45 Uhr steht der Toni Holde­ ner in seiner Alpkäserei Pragel Bödmeren ob Muotathal, berei­ tet die Produktionsanlage vor. An sieben Morgen pro Woche. Der Käsermeister, in der Gegend als «s Musers Toni» bekannt, lacht verschmitzt. «Die Kühe geben auch am Sonntag Milch!» Im Sommer lebt und arbeitet Holde­ ner, 40, mit seiner Familie hier oben, von Anfang Juni bis im Oktober. Die Alp­ käserei liegt im abgelegenen Gebiet Mittst Weid, 1300 m ü. M., an der engen Pragelpass-Strasse. Auf der anderen Tal­

seite die steilen Flanken der HochybrigKette, hinter dem Haus die Fichten des Bödmerenwalds, des grössten Urwalds im Alpenraum. Höchstens hundert Au­ tos fahren pro Tag vorbei, sonst ist nur das Gebimmel von Kuhglocken zu hören, abends der Bet-Ruf eines Älplers. Seit Jahrhunderten ziehen Bauern aus dem Muotatal mit ihrem Vieh zur Sömmerung auf ihre Alpbetriebe rund um den Pra­ gelpass. 290 000 Liter Milch verarbeitet Holdener pro Saison zu Alpkäse, 30 Ton­ nen, das sind 4200 Laibe. Angeliefert wird die Milch von 14 Älplern aus der Ge­ gend, jeden Morgen 3000 Liter von 300


REPORTAGE

seschmöcker Hochsaison Im 4000-LiterChessi setzt Holdener die Käseharfe ein. Mit ihr wird die eingedickte Milch zum Bruch zerteilt. Elf Käsesorten werden her­ gestellt.

Kühen. Jetzt in der Hochsaison hilft noch eine Angestellte beim Käsen mit. Auch Frau Vroni packt beim Käsen mit an, bedient noch den Verkaufsladen. Die Töchter Christa und Nadine packen ein, waschen Joghurtgläser. Christa: «Sonst halten wir regelmässig nach Murmeli Ausschau.» Nach den Sommerferien werden Christa und Nadine wieder täglich mit dem Schulbus nach Muotathal runterfahren. Im Winter zieht die Familie ins Dorf hinab. Toni arbeitet dann im Käsekeller des Wohnhauses, fährt mit seinem Raclette-Mobil an Märkte, um seine Produkte zu verkaufen. «Der geht u weg wie warme Weggli.» schweizer illustrierte

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u Seit August 2009 ist die Käserei in Betrieb. Vorher arbeitete Toni bei einer Industriekäserei. Und die 14 Sennen brachten ihre Milch ins Tal oder verkästen sie auf ihrer Alp. 2007 taten sich ein paar Älpler zusammen, gründeten die Genossenschaft Alpprodukte Pragel Bödmeren. Ziel: der Bau einer zentralen und leistungsfähigen Alpkäserei. Bau­beginn war im August 2008, ein Jahr später konnte die grösste Alpkäserei der Zentralschweiz eingeweiht werden. Baukosten: 2,1 Mio. Franken – mit dem Eigenkapital der Genossenschafter und den Subventionen der öffentlichen Hand konnte diese Summe nicht bezahlt werden. «Ohne die Schweizer Berghilfe würde die Käserei nicht stehen», bekräftigt Gnossi-Angestellter Holdener. Berghilfe-Präsident Franz Marty, früher Schwyzer Finanzdirektor: «Wir unterstützten das Projekt mit einem massgeblichen Betrag, der nicht zurückbezahlt werden muss. Gemäss unserem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe.» Holdener freut sich. «Immer mehr Älpler wollen unserer Genossenschaft beitreten.» 7.15 Uhr. Fünf Älpler haben die frisch gemolkene Milch schon angeliefert. Nun fährt Josef Gwerder von der

Alp Schwelaui vor. Seine Kannen sind rasch leer gesaugt, die Milch fliesst in den Annahmetank, wo Holdener Qualitätsproben nimmt. Der Schwelaui-Älpler ist froh, seine Milch der Genossenschaftskäserei abliefern zu können. Früher produzierte er selber Käse auf seiner Alp. «Das gibt viel zu tun, nebst all der anderen Büez. Früher gab es noch gros­ se Familien auf der Alp, da konnten viele anpacken.» Die neue Käserei komme auch der Qualität des Käses und seiner professionellen Vermarktung zugute. «Toni und sein Team leisten hervor­

Direkt an die Kundin Vroni Holdener im Laden, hinten der Produktionsraum. Neben Käse gibts auch Anke und Joghurt.


REPORTAGE

Direkt von der Alp Die Lieferanten Josef Gwerder, Daniel Betschart, Christian Krieg und Walter Marty (v. l.) bei der Milch­ annahme im ersten Stock der Käserei. ragende Arbeit.» Zwei Drittel seiner Produkte vermarktet Holdener in der Zen­ tralschweiz, die restlichen zehn Tonnen werden von Coop unter dem Label Pro Montagna vertrieben. Der Muotataler ­Käsermeister: «Anfangs waren es nur ein paar Hundert Kilo. Heute kann man

unseren Pragel-Bödmeren-Alpkäse und Suworow-Bergkäse in Coop-Filialen in der ganzen Deutschschweiz kaufen.» Dank ihrer Grosskäserei verdienen die Lieferanten mehr Geld. Pro Liter ­Alpmilch erhalten sie hier 73 Rappen. Marty: «Unten im Tal bekämen sie nur 57 Rappen.» Die Pragel-Käserei produziere qualitativ hochwertigen Alpkäse. «Würde die Milch im Tal verkäst, dürfte der Käse nicht das Label Alpkäse tragen. So kann der Pragel-Käse einträglicher verkauft werden.» Für Marty ist der Betrieb Pragel Bödmeren ein wegweisendes Projekt für andere Alpen. 8.15 Uhr. Die Holdeners nehmen Zmorge in der Stube im ersten Stock. Brot und Käse stehen auf dem Tisch. Die Arbeit in der Chäsi ist streng, Feierabend um 20 Uhr. Tauschen möchte Toni trotzdem nicht. Die Arbeit bedeute ihm und seiner Familie viel. «Wir sehen jeden Abend, was wir gemacht haben», sagt Vroni. Einen Fernseher haben sie nicht, in einem Flugzeug sind die vier noch nie gesessen, die Ferien verbringen sie in der Region. Toni: «Wir leben hier auf ­einem so schönen Fleckchen Erde. Was  wollen wir mehr?» 

WichtigER Partner für BergbevÖlkerung Probe Toni Holdener zeigt BerghilfePräsident Franz Marty,65, seinen Käsekeller.

u Die Schweizer Berghilfe unterstützt seit 1943 nachhaltige und zukunftsgerichtete Projekte in den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus, Energie, Bildung, Gewerbe und Gesundheit – und verbessert so die Lebensund Arbeitsbedingungen der Bergbevölkerung. In Notsituationen gibts Soforthilfe. Die Stiftung wird durch Spenden finanziert. 2011 kamen dank 60 000 Spendern (mehrheitlich aus städtischen Gebieten) 22 Mio. Franken zusammen, 576 Projekte wurden mit 23,6 Mio. Franken mitfinanziert. Alle Anträge werden nach klaren Vergaberichtlinien durch ehrenamtliche Experten vor Ort geprüft.


Bühnensturm In der Klotener Snus Bar proben Roman (l.) und Marcel Wick das ­musikalische Forechecking.

Rock on Ice Gitarrenriffs und Bodychecks. Roman Wick lässt es krachen – auf und neben dem Eis. Auch der Frontenwechsel des Zürcher Eishockey-Stars lässt niemanden kalt. Text thomas renggli Fotos marcel nöcker

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ptimismus, Zuversicht, Schönwetterprognosen. Vor dem Saisonstart gibt es noch keine Nieder­ lagen zu analysieren. Roman Wick, neuer Stürmerstar des Schweizer Meisters ZSC Lions, trägt trotzdem keine rosa Brille. «Ich rechne mit dem Schlimmsten», sagt er, «wäre ich ein Fan, hätte ich wohl kein Verständnis für einen Spieler wie mich.» Der 26-jährige Internationale gastiert am ersten Meisterschafts-Wochenende mit seinem neuen Arbeitgeber ausgerechnet

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in Kloten – dort, wo er als Fünfjähriger die Schlittschuhe zum ersten Mal schnürte, wo sein Vater, 54, ­Legendenstatus besitzt, wo er jeden Angestellten mit Vornamen kennt, wo er fast seine gesamte Karriere gespielt hat. Wäre alles nach Plan gelaufen, würde Wick noch immer den Klotener Dress tragen. Doch das finanzielle Grounding der Flyers in diesem Frühling machte seinen Dreijahresvertrag zum wertlosen Stück Altpapier. «Plötzlich hiess es: Wick muss gehen – ohne dass jemand mit mir gesprochen hat.»

In seiner Stimme schwingt Enttäuschung mit. Denn mit den Teamkollegen hielt Wick dem Klub die Treue – selbst in den Wochen der grössten Unter­ sicherheit und ausstehenden Lohn­ zahlungen. Zentrum der Solidaritäts­ kam­pagne war die Snus Bar im Klotener Industriequartier. Einst von Marcel Wick gegründet, dann von Ehefrau Jeanette übernommen und nun von Romans Schwester Stéphanie, 25, geführt, war die Bar für die ramponierten Flieger quasi der letzte Hangar. Dort befindet sich Stéphanie Wick nun in einem akuten Interessenkonflikt. Ihre Kundschaft – der harte Kern der Klotener Fans – befürchtet, dass die Flyers-Basis zum feindlichen Stützpunkt verkommt.


Eishockey

Boxplay Das Familienduell am Fussballkasten gegen Vater Marcel und Schwester Stéphanie ist für Roman Wick nur Spass. Beim Gastspiel mit dem ZSC in Kloten rechnet er «mit dem Schlimmsten».

Der Hockeyhund Chow-ChowMischling Leon ist der treuste Fan von Roman.

Die Chefin gibt sich diplomatisch: «Wir bleiben eine Kloten-Bar. Aber ich bin Roman-Fan – egal, für welchen Klub er spielt.» Roman lächelt – und überreicht seiner Schwester die frisch gedruckte Saisonkarte fürs Hallenstadion. Selbstverständlich kriegt auch Vater Marcel ein Abonnement. Schliesslich kennt er die Situation des innerkantonalen Frontenwechsels aus eigener Erfahrung. Nach über 500 Spielen im Trikot des EHC Kloten wechselte er für zwei Jahre zum Zürcher SC. Eishockey diktierte den Lebensrhythmus der Wicks. Doch das Spiel endet nicht mit der Schlusssirene. In der Overtime gibts Rock ’n’ Roll. Marcel und Roman sind leidenschaftliche Gitarrenspieler. Der Vater – gemäss eigener Aussage – mit dem grössten Konzertauftritt in der heimischen Badewanne, der Sohn in einer Band, die zu den prominentesten der Schweiz zählt – nach eissportlichen Massstäben. Gesang: Tim Ramholt (HC Davos). Gitarre: Romano Lemm, Eric Blum (beide Kloten) und Roman Wick (ZSC). Schlagzeug: Fabian Gass (musikalische Verstärkung). «Wir sind nicht schlecht, aber es gibt zwei Probleme: Niemand will Bass spielen. Und im Winter kommen wir nur am Sonntag zum gemeinsamen Üben. Aber wir arbeiten auf den ersten Liveauftritt hin.» Neben den Gitarrenriffs beherrscht Wick auch die Kunst des Komponierens und Textens. «Ich frage mich manchmal, woher er dieses Talent hat», sagt seine

Mutter. Das gilt übrigens auch für den Sport. Denn Eishockey ist im Hause Wick nicht gleich Eishockey. Während Marcel Wick ein gefürchteter Abräumer war, ist sein Sohn ein Künstler auf Kufen. «Wir sind wirklich voll umgekehrt», sagt Roman . Trotzdem ergänzen sich Wick und Wick perfekt. Der Vater ist für Roman in sportlichen Dingen die wichtigste Bezugsperson. «Mit meiner Mutter spreche ich über alles ausser Eishockey – mit meinem Vater über alles und auch Eishockey», sagt Roman. Seine Schwester beurteilt die Diskussionskultur differenzierter: «Wir sind keine ganz normale Familie – wenn wir zusammen auswärts essen, kann ganz schön die Post abgehen. Es kommt vor, dass uns die anderen Gäste verdutzt anschauen.» Eine wirklich nette Familie – und eine erfolgreiche. Zusammen bringen es Vater und Sohn Wick auf 115 Länderspiele (Marcel 57, Roman, 58). Wick jr. spielte mit Ottawa sieben NHL-Partien. Mit dem New Yorker Provinzklub Bing­hamton Senators gewann er als erster Schweizer die Meisterschaft in der American Hockey League. Ein Schweizer Meistertitel fehlt allerdings in der wickschen Trophäensammlung. Roman: «Ich hoffe, dass sich das in Zürich ändert.» Orientiert er sich an seinem Vater, bleiben ihm noch über 20 Jahre Zeit. Zum letzten Mal spielte Marcel Wick 2007 mit dem HC Thurgau im Profieishockey – als 48-Jähriger. Ein echter Rolling Stone.  schweizer illustrierte

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Schweizermacher

Text Christa Hürlimann Fotos Remo Nägeli

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in Rundgang durch die Firma ­Caran d’Ache in Thônex bei Genf ist wie eine Reise in die Kindheit: in der Boutique Stifte in allen Farben und Formen, von den klassischen Farbund Bleistiften über die dicken Neocolor mit ihrem charakteristischen Wachsduft, Filzstifte, edle Füller und Kugelschreiber bis hin zu Wasserfarbkasten für Schüler und professionelle Kunstmaler. Und spätestens wenn einem in den Produktionshallen bei der Farbstiftpresse der Duft von Zedernholz in die Nase steigt, wähnt man sich in der Schulstunde vor 20 Jahren. Und erinnert sich an die mühsame Sonntagabend-Pflicht: Alle Stifte spitzen, sonst gabs am Montag ein Minus auf der Lob- und Tadel­liste. Solche Kindheitserinnerungen hat Carole Hübscher, 45, die neue Prä­ sidentin des Familienunternehmens, schon hundertfach erzählt bekommen. Jede Schweizerin und jeder Schweizer schreibt seine ersten krakeligen Buchstaben mit einem Bleistift von Caran d’Ache. Kritzelt sein erstes Kunstwerk mit deren Farbstiften. Und schreibt vielleicht sogar den ersten Liebesbrief mit einem Füller dieser Marke. Caran d’Ache hat allerdings keinen Exklusivvertrag mit den Schulen. «Wir müssen uns Jahr für Jahr wieder für den Auftrag bewerben», sagt Carole Hübscher. Neben der Qualität, die eben ihren Preis hat, kann die Chefin auf ein zweites Argument vertrauen. «Caran d’Ache ist für viele Schweizerinnen und Schweizer eine Herzensangelegenheit.» Auch sie selbst kann sich genau an ihr erstes Caran-d’Ache-Produkt erinnern: die Prismalo-Farbstiftebox – die mit dem Matterhorn drauf. «Als Linkshänderin hatte ich eine fürchterliche Handschrift, aber mit meiner Schwester habe ich viel gezeichnet und gemalt.» Heute hat die Chefin immer die neusten Produkte in der Tasche, um sie auszuprobieren. Und dass ihr Gegenüber nicht mit Caran d’Ache schreibt, fällt ihr sofort auf. Sie gibt jedoch zu, auch selber oft Stifte anderer Marken zu testen. «Damit ich weiss, was auf dem Markt läuft», erklärt sie und fügt lachend an: «Und um sicherzugehen, dass wir immer noch die Besten sind.» Bald 100 Jahre Erfahrung gewährleisten den Erfolg. Ab 1915 stellt die Fabrique de Crayons Ecridor Bleiund Farbstifte her. Als das Holz knapp wird, entwickelt Caran d’Ache, wie u

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Spitze in


Bunt wie ein Paradiesvogel ist ihr Alltag als Chefin von Caran d’Ache ohnehin. Deshalb mag es Carole Hübscher modisch eher schlicht.

Seit bald 100 Jahren bringt das Genfer Familienunternehmen Caran D’Ache Farbe in den Schweizer Alltag. Im Schul­zimmer wie im Künstleratelier. Neu mit einer Frau an der Spitze: Carole Hübscher, Tochter des langjährigen Patrons Jacques Hübscher.

Sachen Farben


die Firma ab 1924 heisst, als Arnold Schweitzer sie kauft, den Fixpencil mit einem Gehäuse aus Metall. Heute machen diese Schreibgeräte etwa den gleich gros­sen Anteil des Umsatzes aus wie die Blei- und Farbstifte. In der Werkstatt riecht es wie in einer Schlosserei. Hier werden die Hülsen hergestellt, lackiert, poliert, graviert, alles in Handarbeit. Für Stifte mit einem Wert von teils mehreren Zehntausend Franken. Durch das Feedback von Künstlern wurde die Qualität ständig verbessert und das Sortiment ausgebaut. «Aber auch ein Picasso musste immer alle Produkte aus eigener Tasche bezahlen.» In den 70er-Jahren beginnt Caran d’Ache mit der Herstellung von Verpackungen aus Leder, Feuerzeugen und sogar Brillen und Uhren. Letztere sind ein Flop. «Vielleicht war mein Vater zu früh damit», sagt Carole Hübscher. Ob sie es selbst wieder einmal damit versuchen will, lässt sie offen. Momentan hat sie so schon genug um die Ohren. Das 100-JahrJubiläum von 2015 wirft seine Schatten voraus. Seit Juni präsidiert sie die Firma. In Zusammenarbeit mit ihrem Vater u

Farbrausch Mitarbeiter Laurent Gimenez schaufelt purpurne Farbpigmente für die Farbstiftminen aus dem grossen Sack (Bild oben), Chefin Carole Hübscher begutachtet die ­fertigen Stifte (rechts). Jacques Hübscher, 76, der das Unternehmen drei Jahrzehnte lang führte. Und in dieser Zeit genau ein einziges Interview gegeben hat. «Er wollte nie zu sehr in der Öffentlichkeit stehen», erklärt Carole Hübscher. «Auch ich rede lieber über die Firma als über mich.» Von ihrer Familie erzählt sie nur das Nötigste: Sie ist ver-


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heiratet und hat drei Kinder im Alter von 9, 8 und 5 Jahren. Lieber gibt sie Anekdoten aus der Firmengeschichte zum Besten. Zum Beispiel jene von Reagan und Gorbatschow, die in Genf das Ende des Kalten Krieges besiegelten und Weltgeschichte schrieben – mit einem Füllfederhalter von ­Caran d’Ache. Durch Vertriebspartner ist Caran d’Ache, heute im Besitz der Hübschers und zweier weiterer Familien, in über 90  Ländern vertreten. Davon profitiert Carole Hübscher, als sie mit 20 Jahren nach der Hotelfachschule einen Auslandaufenthalt plant und zwei Jahre bei einem Partner in New York arbeiten kann. Zurück in der Schweiz lernt sie

i­hren Mann kennen, tritt wieder ins Familienunternehmen ein. Und verlässt es nach sechs Jahren für einen Abstecher zu Swatch. Danach kehrt sie zurück zu Caran d’Ache. Kaum an der Spitze, scheint sie nun schon perfekt organisiert: Während des Gesprächs malt der hausinterne Künstler Adrian Weber das Bild des Tukans, auf dem sie später posieren wird. Und ihre Assistentin besorgt die Stifte und Farben dafür. So kann sich Carole Hübscher auf das Wesentliche konzentrieren. Dem Unternehmen ihre Handschrift verleihen. Die ist übrigens nicht mehr so fürchterlich wie früher. Mit Caran d’Ache schreibt man halt einfach gerne. 

Caran D’ache – die andere bilanz u Team 300 Mitarbeitende in 90 verschiedenen Berufen u Umsatz Caran d’Ache

produziert so viele Bleistifte, dass man täglich den Weg von Genf nach Rom damit verlegen könnte – ob quer oder längs aneinandergereiht, bleibt ein Geheimnis u Firmenname Arnold Schweitzer benannte seine Firma nach dem Künstler Emmanuel Poiré, Pseudonym Karandasch, dem russischen Wort für Bleistift u Hochkarätig Vor wenigen Monaten wurde in der Caran-d’Ache-Boutique in Hongkong der teuerste Stift aller Zeiten verkauft – für fast eine Million Franken. Der 1010 Diamonds hat knapp 25 Karat u Online www.carandache.ch


Zurich Film Festival

Sie bringt den Glamour in die Schweiz! Geschäftsführerin Nadja Schildknecht begrüsst ab 20. September Hollywood-Stars wie Richard Gere und John Travolta am Zurich Film Festival.

Klappe, die ach

Stars. Stress. Schokolade. Vor acht Jahren hat nadja schildknecht das Zurich Film Festival mitbegründet. Heute gehört das «Fest fürs Kino» bereits in die Agenda der ganz Grossen aus Hollywood. «Das sorgt für Kribbeln im Bauch.»


Auszeichnung Schauspieler Richard Gere erhält am 23. 9. den Golden Icon Award.

In der Jury ­Sänger Herbert Grönemeyer beurteilt die deutschsprachigen Spielfilme.

te!

Fotos Kurt Reichenbach, Getty Images (4)

Hollywood-Diva Susan Sarandon kommt für die Premiere ihres Filmes «Arbitrage» nach Zürich.

De r Au fta kt John Travolta eröffnet das Festival mit dem Film «Savages». schweizer illustrierte

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Zurich Film Festival

Text aurelia forrer Fotos kurt reichenbach

F

rau Schildknecht, am 20. September geht das 8. Zurich Film Festival los. Wofür fehlt Ihnen im Moment die Zeit? Für alles! Es läuft gut, aber es gibt noch viel zu tun. Meine Freunde wissen, dass bei mir die Phase sehr intensiv ist und ich nichts mehr unternehme bis nach dem Festival. Dieses Jahr kommt unter anderem Schauspieler Richard Gere. Wie holen Sie einen solchen Star nach Zürich? Der Film «Arbitrage», in dem er die Hauptrolle spielt, kommt bald in die Kinos. Für die Promotion geht der Cast auf Tour. Es ist eine grosse Ehre, dass wir darin berücksichtigt werden. Dies bedeutet, dass wir international immer mehr Anerkennung finden. Wieso ist der internationale Ruf wichtig? Die Filme kosten viel Geld, und somit muss man das Vertrauen in der Branche gewinnen. Vor allem mein Geschäfts­ partner Karl Spoerri pflegt in diesem Bereich das Beziehungsnetz intensiv. Zum Glück spricht es sich herum, dass das Zurich Film Festival eine Reise wert ist. Nur so erhalten wir die besten Filme. Kann man die Stars nicht einfach einkaufen? Das würde uns nur schaden. Zudem hätten wir auch das Geld nicht. Im Verhältnis zu anderen grossen Film­ festivals haben wir ein kleines Budget, und so muss ich doppelt die Investi­ tionen überdenken. Im Fall von Richard Gere haben wir den Film eingeladen und versucht, über den Filmverleih auch den Cast für uns zu gewinnen, mit Erfolg. Sie haben keine Favoriten-Liste von Schauspielern? Natürlich, die Liste ist lang, es gibt viele wunderbare Schauspieler und Schauspielerinnen. Ihr Ehrengast Regisseur Roman Polanski wurde 2009 auf dem Weg ans Zurich Film Festival verhaftet. Wie war das? Sehr intensiv, denn die ganze Welt will plötzlich etwas von einem. Das kann man nicht beschreiben, und wir waren nicht vorbereitet auf so einen Krisenfall. Nun ist es vorbei. Roman Polanski hat sogar den Award vergangenes Jahr persönlich abgeholt. Aber prüfen Sie nun genauer, wen Sie einladen? Nein. Es war weder unser Fehler, noch sind wir verpflichtet, für andere Leute Verantwortung zu übernehmen. Was hat sich seit Beginn verändert? Alles. Ich lerne jeden Tag dazu. Wir begannen mit nichts als einem Tisch und einem Telefon. Jetzt führen wir eine

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Grosses Kino Nadja Schildknecht, 39, in ihrem Büro. Ab dem 20. September zeigt das Zurich Film Festival 111 Filme – alles Schweiz-, Europa- oder Weltpremieren.

«Alles hat sich geändert. Wir begannen mit nichts als einem Tisch und einem Telefon» nadja schildknecht Firma, die jedes Jahr grosse Aufgaben zu meistern hat. Strukturell, finanziell, personell. Wir beschäftigen 12 Mit­ arbeiter, drei Monate vor dem Festival kommen 40 weitere dazu und kurz vor Beginn helfen 280 Volontäre für das Gelingen. Ein Unternehmen zu leiten, sich weiterzuentwickeln und ein immer grösseres Budget zu verwalten, das ist herausfordernd. Wie gross ist das Budget dieses Jahr? Es liegt bei 5,7 Millionen Franken, aber mit Sachleistungen, also nicht einfach Cash. Über 80 Prozent ist aus der Privat­ wirtschaft finanziert, dies ist sicherlich einzigartig für ein Filmfestival. Über 200 Verträge haben wir erarbeitet, damit das Festival so gut strukturiert wie möglich umgesetzt werden kann. Wächst Ihnen die Aufgabe auch mal über den Kopf? Sicher gibt es Zeiten, da wird es fast zu viel, weil der Druck enorm ist. Das heisst nicht, dass ich die Fassung ver­ liere oder aufhören möchte. Ich ent­ wickle dann eher Kampfgeist und sage: «Das ziehe ich durch!» Wichtig ist,

dass man mit den Grenzsituationen umgehen kann, Leute hat, bei welchen man die Energie wieder auftanken kann. Wie erholen Sie sich denn vom Stress? Bei meiner Familie. Zu Hause ist mein Ruhepol. Zwar möchte mein vierjähriger Sohn auch Rambazamba haben, was ich gerne mitmache, aber Leon weiss, dass es gewisse Momente gibt, in denen Mami auch müde sein kann. Oftmals ist er in dieser Jahreszeit auch schon im Bett, wenn ich nach Hause komme. Aber er kriecht jede Nacht zu mir, was ich liebe. Dieses Jahr führen Sie erstmals auch Kinderfilme im Programm. Weshalb? Wer selbst Kinder hat, merkt, dass viele Familien Kinderfilme mögen. Sie sind sehr gut besucht. Diejenigen, die wir zeigen, sind ab sechs, acht Jahren und keine typischen Pixar-Filme. «Modry tygr» wird zum Beispiel live vor Ort eingesprochen. Das muss man mal ausprobieren. Worauf achten Sie als Mutter bei Filmen? Bei Leon ist noch das «Sandmännchen» oder «Lars der Eisbär» angesagt. Zu viel


nadja schildknecht gibt

Drei Festival-Tipps

u «Appassionata» von Christian Labhart, 83 Min., Schweizer Dokumentarfilm u nadja schildknecht: «In diesem Film ist die Protagonistin unglaublich einnehmend. Alena Cherny ist eine in die Schweiz emigrierte Konzertpianistin. Der Film begleitet sie, wie sie ihrem ukrainischen Heimatdorf einen Flügel schenken will – und so in ihre Vergangenheit zurückreist.»

u «The Queen of versailles» von Lauren Greenfield, 100 Min., US-amerikanischer Dokumentarfilm u nadja Schildknecht: «Ein sehr über­ raschender Film über eine MilliardärsFamilie, die das grösste Eigenheim bauen will. Mit der Wirtschaftskrise platzt ihr amerikanischer Traum. Die Story ist wie nicht von dieser Welt, obschon es ein Dokumentarfilm ist.»

u «Anfang 80» von Sabine Hiebler und

Gerhard Ertl, 93 Min., österreichische Tragikomödie u nadja schildknecht: «Ein wirklich rührender und beeindruckender Film. Auch mit 80 Jahren kann man die grosse Liebe finden …» Zurich Film Festival – Ein Fest fürs Kino Tickets unter www.zff.com schweizer illustrierte

Fotos HO (2), Lauren Greenfield

Fernsehen ist nicht gut, und wenn Filme schauen, dann in ein paar Jahren ab und zu im Kino. Welche Filme haben Ihr Leben geprägt? Der erste grosse war «Amadeus» – ­Regisseur Milos Forman war bereits hier. Wenn wir schon John Travolta bald begrüssen, will ich natürlich «Pulp Fiction» nennen. Auch «Pretty Woman» hat mich fasziniert in meinen Jugendjahren oder «Traffic» und «Short Cuts». Was bedeutet es für Sie, dass genau Richard Gere oder John Travolta aus Ihren Lieblingsfilmen erscheinen? Zufall, und es ist natürlich toll. Es steht für mich aber nicht im Vordergrund. Mir ist wichtiger, dass alles gut läuft. Aber Herr Gere, Ihr Schwarm von damals! (Lacht.) Dafür habe ich doch keine Zeit! Wer in diesem Geschäft tätig ist, findet es spannend, aber das ist auch alles. Welcher Star hat Sie dennoch beeindruckt? Regisseur Oliver Stone beehrt uns zum dritten Mal, das ist schön. Er war der erste richtige Star, den wir am Festival hatten. Damals verfügten wir noch über mehr Zeit, und Karl Spoerri und ich gingen mit dem Ehepaar Stone auf die Halbinsel Au picknicken. Das hat er sehr geschätzt, es war ein tolles Erlebnis. Sind die Hollywood-Stars schwierig? Ja, es gibt sehr anspruchsvolle. Unser Gästemanagement wird oft gefordert. Sonderwünsche?

Gibts immer wieder. Aber die Persönlichkeiten schenken uns auch ihr Vertrauen, also möchten wir mit solchen Wünschen auch respektvoll und diskret umgehen. Sie können auch keine Namen nennen … Nein, das gehört sich nicht. Auffallend ist, dass die Ehrengäste meist Männer sind und gefühlsmässig das Ende ihrer Karriere erreicht haben. Zufall? Was das Alter betrifft, ist es so, dass wir oft Lebenswerke auszeichnen. Das schliesst junge Schauspieler aus. Und wir wollen nur das Filmschaffen, nicht das Alter auszeichnen. Zudem freue ich mich, dass wir dieses Jahr auch noch Susan Sarandon empfangen werden, also eine wunderbare Frau. Wie managen Sie eigentlich, Mutter und Geschäftsfrau zu sein? Mit sehr guter Organisation. Ich könnte meinen Job nicht erfüllen, wenn ich keine liebevolle und vertrauenswürdige Nanny hätte, die sich wie eine Mutter um Leon kümmert. Und er hat zusätzlich ein sehr flexibles Grosi, das es liebt, mit ihm Zeit zu verbringen. Also perfekt für alle. Das bedeutet nicht, dass ich keine Zeit für meinen Sohn habe. Auch wenn man nicht immer um sein Kind ist, kann man eine intensive Beziehung haben. Es ist anders gelagert und konzentrierter. Haben Sie manchmal ein schlechtes Gewissen? Manchmal vermisse ich ihn natürlich sehr stark. Wenn ich an ein Meeting renne und eine Mutter mit ihren Kindern auf der Strasse sehe. Ich weiss aber, dass es Leon sehr gut geht und er ein glückliches Kind ist. Und ich freue mich umso mehr, ihn wiederzusehen. Müssen Sie sich dennoch Vorwürfe anhören? Ich weiss nicht, was die Leute über mich reden, das dringt nicht bis zu mir. Und ich würde es auch nicht zu nah an mich heranlassen. Ich finde, jede Familie soll selbst entscheiden, was für sie am ­besten ist. Ich sage immer Step by Step, wenn diese Lebenssituation für uns irgendwann nicht mehr stimmt, werde ich es ganz bestimmt ändern – ohne dass es mir Leute sagen müssen. Was bereitet Ihnen jetzt kurz vor dem Festival Bauchschmerzen? Wo soll ich anfangen? (Lacht). Mir ist wichtig, dass die Organisation gut läuft, die Besucher sich amüsieren und zahlreich kommen, die geladenen Persönlichkeiten mit einem Lächeln heimreisen, die Sponsoren begeistert sind. Und das Wetter! Es darf nicht zu heiss sein, nicht stark regnen. Das sorgt alles für ein Kribbeln im Bauch. Schokolade hilft als Nervennahrung! 

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izer Schweher Lac 6. Folge

Fleisch am Stecken «Die Wurst ist nur das Trägermaterial für einen guten Senf.» Simon Enzler (l.) und Daniel Ziegler lassen sich bei Enzler daheim in Schlatt AI den Zmittag vom Grill schmecken.

Neu gibt bei Simon Enzler auch Bühnenpartner Daniel Ziegler seinen Senf dazu. Das Rezept: Mal feinsinnig, mal zornig philosophiert der Wadenbeisser über den Herrgott und die Welt – inspiriert von Blatter, Putin und Francine Jordis Hund Theo.

Scharf und m


Die Nächsten Lachmuskel-masseure

Susanne Kunz über Haus- Michael Elsener über sein Knuth & Tucek über weibhalt, Kinder und ihre Humor-Praktikum in New lichen Humor, Offroader Tischbombe Elsbeth. York, Ausländer und Obama. und ihr Meditationsglöggli.

Text Christa Hürlimann Fotos Marcel Nöcker

D

it Senf

Simon Enzler, warum sagt man den Appenzellern Hinterlist nach? Möglicherweise, weil es zutrifft. Man nennt sie allerdings auch schlagfertig, obwohl das längst nicht alle sind. Im Alltag erlebe ich den Appenzeller eher als verschlossen und zugleich inter­ essiert, er will möglichst schnell mög­ lichst viel übers Gegenüber erfahren, selber aber nichts von sich preisgeben. Dieses interessierte «Ausfrägeln» scheint mir ein typischer Charakterzug des Appenzellers zu sein. Und er ist nachtragend. Es gibt Leute, die Enzler und Ziegler böse Cheiben finden, weil wir vor 15 Jahren einen Spruch über sie gemacht haben. Dann kommen auch ihre Brüder, Onkel und Kollegen nicht mehr in unsere Vor­stellung (lacht). Daniel Ziegler: Hinterlistig ist vielleicht etwas zu negativ gefärbt, ich würde es hintersinnig nennen, listig auf eine liebliche Art. In Ihrem Programm «Vestolis» kommen allerdings keine lieblichen Fälle vor. Simon Enzler: Mir gehts schon lange nicht mehr nur um den Appenzeller. Anfangs haben Dani und ich bewusst damit kokettiert, sind als Bauern aufgetreten. Heute geht es mir um die Schweiz im Allgemeinen, um die ­Gesellschaft und die Menschen. In «Vestolis» thematisieren Sie Korrup­tion, Doppelmoral, Hinterlist. Inwiefern sind auch Sie selbst im Alltag hinter­listig? u

Fotos Alexandra Wey, HO (2)

ie Evangelischen, Emanzen und Ewiggestrigen haben ihr Fett bei Simon Enzler, 36, schon in früheren Programmen wegbekommen. In «Vestolis» (zu Deutsch «verstohlen») deckt der Innerrhoder nun auf, was im Versteckten so alles gehändelet und intrigiert wird. Neu kommt auch sein Bühnenpartner, der Bassist Daniel Ziegler, 39, ausgiebig zu Wort. Der ist zwar ein Ausserrhoder. Aber wenigstens mit Luzerner Bürgerort.

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Das Programm hat mit mir privat nicht viel zu tun. Zumindest nicht eins zu eins. Enzler: Würde ich als Giorgio Güggel auftreten, wäre der Unterschied zwi­ schen mir und meiner Bühnenfigur von vornherein gegeben. Dass ich weder einen Künstlernamen habe noch verkleidet bin, verleitet gewisse Leute dazu, zu denken, ich stünde als Privat­ person auf der Bühne. In meinem Kabarett ist immer der Zuschauer gemeint. Wann wechseln Sie privat vom Listigen, Ironischen, von der Spielerei zum Bös­ artigen? Ziegler: Bei Diskussionen können wir ganz schön zynisch sein, aber das ist unser Humor. Enzler: Und es kommt auch vor, dass man in einer Diskussion eine Gegen­ position einnimmt, nur um das Ge­ spräch aufrecht zu erhalten. Das bringt Stimmung. Ziegler: Über Musik können wir gut streiten. Enzler: Da gehts ums Lebendige, um existenzielle Meinungen. Ich liebe Pop­ musik aus den Sechzigern, er hasst sie. u Enzler:

Rauchpause Im Arbeits­ zimmer bei Enzlers zu Hause rauchen höchstens die Köpfe. Für die Zigarette muss Dani Ziegler auf den Balkon.


Schweizer LAcher

Werden Sie dann richtig laut? Enzler: Das nicht, aber Dani ist mir schon davongelaufen. Ziegler: Nein, du. Enzler: Nein, du, das weiss ich noch, weil ich bezahlen musste (Gelächter). Ein bisschen mogeln im Alltag ist doch erlaubt. Ziegler: Für mich nicht; ich bin sicher, das kommt immer zurück. Enzler: Jetzt müssen wir aber realistisch bleiben. Wer hat beim Jassen noch nie beschissen? Solange es nicht um ein verschwiegenes Konto im Fürstentum geht … Man muss nicht päpstlicher sein als der Papst.

Auf der Bühne gehts bei Ihnen aber auch um härtere Fälle, um pure Korruption. Haben Sie sich von konkreten Fällen inspirieren lassen? Enzler: Natürlich gibt es Anknüpfungspunkte im Alltag. Ich spüre Tendenzen auf und stelle diese dar. Aber nicht konkret. Ausser wenn ich im Zusammenhang mit der Armee Ueli Maurer anspreche, weil der als Symbol für unsere Wehrhaftigkeit steht. Da können wir uns, Ueli sei Dank, wirklich sicher fühlen, denn was man vor lauter Gripen leicht vergisst: Der Mann hat massenweise neue Militär­velos gekauft. Ansonsten nenne ich keine Namen. u

Simon Enzler

Daniel Ziegler

Geboren am 10. März 1976, aufgewachsen in Appenzell, wohnhaft in Unterschlatt AI u Karriere Erste Auftritte als Gymnasiast, einige Semester Philosophie-Studium. «Vestolis» ist das achte abendfüllende Programm. Co-Leiter «Appenzeller Kabarett-Tage», «Konsumenzler» im «Kassensturz», «Zytlupe» auf DRS 1. Ausgezeichnet mit dem Salzburger Stier, Prix Walo in Kabarett/Comedy, Schweizer Kabarett-Preis Cornichon u Zivilstand Verheiratet

Geboren am 14. Mai 1973, aufgewachsen in Gais AR, wohnhaft in Herisau AR u karriere Absolvierte die Jazzschule St. Gallen, begleitet Simon Enzler vom ersten Programm an mit seinem E-Bass, zuerst relativ unabhängig, mittlerweile verschmelzen Musik und Text, Ziegler steuert auch eigene Songtexte bei. Tritt daneben als Solokünstler auf und spielt in weiteren Formationen u familie Lebt mit seiner Partnerin und deren Kindern zusammen


u Wer dies öffentlich tut, muss verdammt gut aufpassen, nicht plötzlich selber im Schussfeld zu ­stehen. Kommentieren Sie bitte dennoch folgende Fälle: zuerst Sepp Blatter. Enzler: Weiter. Ein hoffnungsloser Fall. Die Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg. Enzler: Man fragt sich, was er sich bei dieser Arbeit gedacht hat? Immerhin den Titel und die Nummerierung der Seiten. Die Trennung von Francine Jordi und Florian Ast. Ziegler: Wer eine Trennung dermassen in der Öffentlichkeit breitschlagen muss, hat wahrscheinlich nicht wahnsinnig darunter gelitten. Enzler: Mich hat das tief getroffen! Wir schickten uns gegenseitig die neuesten Berichte darüber zu und fragten uns schwer gebeutelt: Was muss diese Frau noch alles durchleiden? (Schmunzelt.) Was mich bis heute nicht loslässt: Was sagt eigentlich ihr Hund Theo dazu? Das Auftreten des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Enzler: Haben sie gewusst, dass er ein Jahrgänger ist von Ex-Bundesrats­ kandidat Bruno Zuppiger?

Ziegler: Ein Diktator im DemokratiePelz. Wenn es so weitergeht, könnte Russland in ein paar Jahren wieder geschlossen sein. Das Zölibat. Enzler: Das Problem des Zölibats ist ein statistisches. Als es eingeführt wurde, war die durchschnittliche Lebenserwartung so tief, dass Priester gar nicht genug Zeit hatten, auf welt­ liche Gedanken zu kommen. Sie beschäftigen sich mit gesellschaft­lichen und menschlichen Abgründen. Schauen Sie trotzdem optimistisch in die Zukunft? Enzler: Auf jeden Fall, ich bin ein sehr optimistischer Mensch. Aber nicht bei allen. Bei manchen Zeitgenossen habe ich das Gefühl, da ist Hopfen und Malz verloren. Aber darüber muss ich mich nicht aufregen. Das muss ich abhaken, mir sagen, der Herrgott hat für alles Leute erschaffen. Sie erwähnen immer wieder den «Herrgott», sind Sie gläubig? Enzler: Sehr! Manchmal bin ich sogar gutgläubig! (Lacht.) Aber das soll in der Öffentlichkeit keine Rolle spielen, die Figur auf der Bühne ist nicht meine Privatperson.

Dölf Ogi: Talk- und Lese-Tournee 2012

Aber auch in diesem Interview haben Sie den Herrgott oft erwähnt. Enzler: Dann wars wohl ein Fluch, Herrgott noch mal. Ziegler: Appenzeller fluchen so. Enzler: Und wenn man es schon tut, dann soll man es auch geniessen.

Öffen tlich e vera ns ­ talt ung

Der charismatische Schweizer Staatsmann Dölf Ogi präsentiert auf seiner aktuellen Buchtournee seine exklusive Biografie «Dölf Ogi – So wa(h)r es!». Im Gespräch mit dem Autor Georges Wüthrich und dem Chef­­redaktor der Schweizer Illustrierten, Stefan Regez, erlangen Sie unmittel­­bare Ein­blicke in das facettenreiche Lebenswerk des alt Bundesrats.

Veranstaltungskalender

Eintritt: je nach Veranstaltung zwischen CHF 10.– und CHF 15.– St. Gallen

11. September 2012, 20 Uhr, Rösslitor Bücher, Multergasse 1–3

Moderation: Stefan Regez

Brig

19. September 2012, 20 Uhr, ZAP Zur alten Post, Furkastrasse 3

Moderation: Stefan Regez

Zürich

26. September 2012, 20 Uhr, Orell Füssli Kramhof, Füsslistrasse 4

Moderation: Stefan Regez

Olten

29. Oktober 2012, 19.30 Uhr, «Weltbild-Event», Weltbild Verlag, Industriestrasse 78 Moderation: Stefan Regez


Schweizer LAcher

Enzler & Ziegler u Ihre Arbeitsaufteilung Enzler textet und spricht,

Ziegler komponiert und singt. Und schreibt neuerdings auch Songtexte. «Ich musste warten, bis Simon so gut ist wie ich.» u Ihr Lieblingswitz «Wären Adam und Eva Chinesen

Können Sie bei Ihren Zuschauern etwas bewegen? Enzler: Ja, natürlich. Wir haben die Zuschauer mindestens schon mal von ihrem Fernseher weg ins Theater bewegt. Wer zu uns kommt, kann nicht den ganzen Abend Pralinés essen – es hat auch mal Chili dabei. 

Rollentausch In «Vestolis» spielt Simon Enzler virtuos die MotorsägenFuge, Bassist Dani Ziegler singt erstmals eigene Texte.

u Ihr aktuelles Programm ­«Vestolis» deckt auf, was im Verstohlenen so gehändelet und intrigiert wird, ob am Stammtisch oder im Steueramt. Aber auch, wie man den Bodensee zum Sieden bringt und wohin man kriminelle Aus­länder und reformierte Nachbarn exportieren kann. u Ihre Homepage www.bretterwelt.ch

Foto HO

gewesen, wären wir heute noch im Paradies. Sie hätten den Apfel hängen lassen und die Schlange verschlungen.»


abschied

Sie ging ohne Schmerz Der Zweite Weltkrieg führte sie in die Schweiz. Von Zürich aus eroberte sie die Bühnen Europas. Schauspielerin maria becker, 92, fürchtete zeitlebens nur eins: unter Qualen zu sterben. Vergangene Woche ging sie mit einem grossen Frieden im Gesicht. Entschlafen zu Hause in Uster.

S

Mit Mathias Gnädinger 1995 im Schauspielhaus Zürich in «Der Besuch der alten Dame». Das Lampenfieber nie besiegt «Die einzigen Rollen, die ich wirklich geniessen kann, sind komische. Kritiker aber sagen, ich sei die letzte grosse Tragödin»: Maria Becker 2005. Was für eine Familie! Die Becker mit ihrem Ex Robert, Sohn Benedict und dessen damaliger Partnerin Nena 2002. Zum 90. Geburtstag Becker und Vasty, ihr Bichon-Frisé-Rüde.

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Fotos Willy Spiller (2), Marcel Nöcker, Keystone

ie braucht sich nicht mehr fürch­ ten. Ohne Schmer­ zen konnte Maria Becker loslassen. «Meine Mutter war an diesem Morgen ganz normal aufge­ standen, hatte sich dann aber nochmals hingelegt», sagt Benedict Freitag. Vergange­ nen Mittwoch um 9.30 Uhr stellte der herbeigerufene Arzt den Tod seiner Mutter fest. Zu Hause in Uster ZH friedlich eingeschlafen – wie sie es sich gewünscht hatte. Mit Maria Becker verabschiedet sich eine der letzten deutschsprachigen Bühnenlegenden. 1920 kam sie als Toch­ ter von Schauspielern zur Welt. Nach der Machtergreifung Hit­ lers zog die Mutter jüdischer Abstammung 1936 mit ihr nach Wien, zwei Jahre später in die Schweiz. Am Zürcher Schau­ spielhaus wurde sie sofort zur ersten Protagonistin in klassi­ schen Rollen wie Elektra, Maria Stuart, Iphigenie und Penthe­ silea. Obwohl die Karriere Maria Becker auf Bühnen in ganz Europa führte, verschenkte sie ihr Herz in und an Zürich. Aus der Ehe mit Schauspieler Robert Freitag gingen drei Söhne hervor. Benedict, 59, und Oliver Tobias, 65, sind ebenfalls Schauspieler geworden. Christoph, der älteste, hatte sich mit 20 Jahren das Leben genommen. «Und jetzt bin ich immer noch hier in Zürich. Es ist ein­ fach passiert. Zuerst fand ichs miefig, aber heute mag ich die Stadt sehr», sagte sie 2010 im Interview mit der Schweizer Illustrierten. Zu ihrem 90. Geburtstag veröffentlichte sie ihre Lebenserinnerungen in einem Buch. Darin steht, dass sie das Älterwerden nie als Tragödie aufgefasst hat. «Den Tod hin­ gegen fürchte ich seit je.» Vor drei Monaten erlitt sie einen Schlaganfall. Sie lernte schnell wieder am Rollator gehen. Aber ihre Gewohnheit, jeden Tag ein Stück durchzusprechen, musste sie ablegen. Das Artikulieren fiel ihr plötzlich schwer. In den kommenden Tagen, wenn die Familie aus aller Welt sich in Zürich eingefunden hat, wird Maria Becker im Famili­ engrab auf dem Friedhof Enzenbühl beerdigt. Eine Gedenk­ feier möchten ihre Söhne gerne mit dem Schauspielhaus organisieren. Und sie wünschen sich, das grosse Bildarchiv ihrer Mutter auszustellen. «Sie hatte eine Milliarde Gesichter.» Zuletzt strahlte sie einen grossen Frieden aus, sagt Sohn Benedict. «Wir haben seit ihrem Schlaganfall viel über den Tod gesprochen. Meine Mutter hatte zeitlebens Angst, unter Qualen sterben zu müssen. Den Grund dafür kenne ich nicht. Aber ich konnte ihre Furcht lindern.» Yvonne Zurbrügg

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Shopping

top ten Model Irina R. (MD Management), Styling Terry Parrella. Irina trägt ein mit Silberfäden durchwirktes Oberteil mit Lederkragen von Zapa by Manor und einen vergoldeten Silberring von Kinsfolk (ab 22. Sept. bei «Sihlpost», Pop-op-Store), Kasernenstrasse 95/97, Zürich

der Woche

Golden Lady u Sie glitzern und schimmern wie mit Sonnenlicht getränkter Goldstaub. Die neuen Make-up-Farben möchten uns wohl den Abschied vom Sommer leichter machen und bescheren uns warme Gold-, Bronze- und Kupfertöne. Dies für die Lider als AugenschattenFarben, für den Teint als Make-up-Basis mit Leuchteffekt oder Schimmerpuder und als unzählige Lack-Varianten für die Nägel. Wer dabei den Fokus auf die Augen verstärken möchte, betont die Brauen und schenkt ihnen eine perfekt gegroomte Form. Natürliche, Teerosenfarbene Lippen (matt oder glossy) dienen dabei als zurückhaltende Begleiter der eleganten Herbst-Glanzlichter.

Redaktion Kristina Köhler Fotos Geri Born Haar & Make-up Brigitte Aeschbach

Goldener Herbst Lurex-Top und Jupe, By Malene Birger, bei Modestrom. www.modestrom.com u CHF 269.–, CHF 289.– schweizer illustrierte

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Shopping top ten he der Woc

«Goldglanz für Lider, Teint und Nägel»

Illuminierender Puder Lumière d’Artifices Beiges, Chanel. u CHF 84.– Nagellack Swagga Like Us, Deborah Lippmann. www.niche-beauty.ch u CHF 27.– Nagellack Nr. 106, L’Oréal. u CHF 9.90 Lidschatten-Trio Nude Glow Nr. 651, Dior. u CHF 68.– Lip-Pencil Bois des Indes Nr. 42,

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Guerlain. u CHF 36.– Lippenbalsam Champagne Punch SPF 15, Glo-Minerals. www.cosmovogue.ch u CHF 34.– Leuchtende Make-up-Basis Prep + Prime, Mac. u CHF 58.– Lipgloss Kiss Kiss Sable Show! Nr. 851, Guerlain. u CHF 44.– Creme-Lidschatten Color Tattoo Eternal Gold Nr. 5,

Maybelline. u CHF 12.90 Mono-Lidschatten Sparkle Taupe, Bobbi Brown. u CHF 37.– PflegeLippenstift Nr. 170, La Roche-Posay. u CHF 27.– Rouge Dior Nude Nr. 169, Dior. u CHF 48.– Lidschatten-Quartett Acoustic Colors Nr. 80, Givenchy. u CHF 73.–


Nägel aus Metall Lacke in Gold, Quarz, Kupfer oder Bronze schimmern jetzt miteinander um die Wette. Nagellack in Believe by Cher von Deborah Lippmann.

Lippen wie Teerosen-Blüten Nude-Lippen mit oder ohne Glanz­ effekt lassen den Glitzerlidern ihren starken Auftritt. Gloss Kiss Kiss in Sable Show! Nr. 851 von Guerlain.

Viel Licht für den Teint dank goldenem, das Licht einfangendem Perlpuder. Etwa enthalten in der Make-up-Base Prep + Prime Natural Radiance von Mac. Ab Oktober.

Glanzlichter für die Lider Die Mono-Glitzer-Lidschatten von Bobbi Brown gibt es in vier verschiedenen Metallic-Farben. Nur in limitierter Edition. schweizer illustrierte

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Shopping top ten he der Woc

Objekt der begierde

Provokation trifft auf Poesie u Blumenmuster wie aus einem Zaubergarten, ein Flakon mit Blockstreifen und ein Duft, der reizvoll zwischen romantisch-floraler und exzentrisch-provozierender Welt pendelt: Florabotanica von Balenciaga unter der Ägide von Designer Nicolas Ghesquière ist einzigartig. Die Blumenund Streifenmotive stammen aus der Welt des Cristobal Balenciaga (1895 bis 1972), das Gesicht leiht ihm Schauspielerin Kristen Stewart, die Inhaltsstoffe sind interessant: Nelke, Rose, Amber, Vetiver, Kaladienblatt und Minze. «Mit dem Duft wollte ich das Paradoxon des Schlichten mit dem Mysteriösen tiefer ergründen», meint Nicolas Ghesquière. Das ist ihm perfekt gelungen!

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© Fotostudio Schweizer Illustrierte Geri Born, Styling Beatrice Schönhaus, HO

Schöne Geheimwaffe Parfum Florabotanica von Balenciaga: romantisch und erotisch zugleich. Ab Oktober im Fachhandel. 30 ml u CHF 91.–

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online-tipp

www.tommy.com u Gute Nachrichten für die Fans von Tommy Hilfiger: Der Online-Shop liefert seine Kollektionen für Frauen, Männer und Kinder ab sofort auch in die Schweiz – und das ab einem Bestellwert von 170 Franken erst noch gratis. Das amerikanische Label, das bekannt ist für seine Preppy-Looks,

schweizer illustrierte

präsentiert neben den Klassikern wie Polos, Männer-Hemden und Loafers für den Herbst Dufflecoats, schwere Strickpullover und Cordhosen in allen Farben. nina lienhard mehr online-tipps: www.schweizer-illustrierte.ch


Herbst-Neuheiten

Laufsteg

Tapetenalarm

Zurück in die Zukunft Miuccia Prada schickte ihre Models gestylt wie virtuelle Mode-Avatare auf den Laufsteg.

Kuschlige Vorboten u Er naht mit grossen Schritten: der Herbst. Kein Grund, Trübsal zu blasen, denn die ersten (Produkte-) Vorboten des Winters versprechen zwei Dinge: ein heimeliges ­Zuhause und eine modische Kuschelzeit. Für daheim gibts etwa Bettbezüge, Kissen, Tischdecken, Tischläufer und Servietten aus Leinen in wunderschönen Pudertönen (alles von Interio). Einladend gemütliche Sessel und Sofas in gedeckten Farben und dunklen Holzbeinen verführen uns zum Nichtstun oder zu Lese-Nachmittagen am Wochenende. Dafür brauchts natürlich das passende CocooningOutfit, etwa in Form von KaschmirCapes (wie von Antonia Zander). Und wer raus in die feindliche Welt muss, hüllt sich in wärmende Schurwolle (Cape von Heine) und Lederboots. Kristina Köhler

Sich einkuscheln Cape-Mantel aus Schurwolle mit Webpelz von Heine. www.heine.ch u CHF 329.90

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Geri Born (Porträt), Imaxtree, HO

Ursula Borer, Redaktorin SI Shopping, macht eine Zeitreise. u Ob als Tischtuch, Vorhang, Tapete oder Hausanzug meiner Mutter: Als Kind der 70er-Jahre habe ich inter­ galaktische Muster mit der Muttermilch mitbekommen (vielleicht ein Grund, warum ich bis heute keine Muster trage). Kein Wunder, fühlte ich mich bei der Show von Prada kurzerhand zum lebensbe­ jahenden, humorvollen «schlechten Geschmack» in meine Kindheit zurückversetzt. Nach ihrer Kollektion befragt, meinte die studierte Polit­ologin nur: «Heutzutage hat jeder eine Theorie zu seiner Kollektion, ich aber habe die Nase voll von Theorien. Bei dieser Kollektion geht es nur um die pure Lust an der Mode.» Echt erfrischend!

Sich anlehnen Sofakissen Marla aus Leinen (45 × 45 cm) von Micasa, www.micasa.ch u CHF 29.80

Sichs gemütlich machen Sessel Manon aus Leinenstoff von Fly. www.fly.ch u CHF 599.–

Liegen bleiben Leinenbett­wäsche mit Hotelverschluss von Interio. www.interio.ch u ab CHF 29.90

Zart umhüllen Hohe Lederstiefel von Lele Pyp. www.lelepyp.ch u CHF 669.–

Etwas Natur beherbergen Mundgeblasene Vase Ocksa, Ikea. www.ikea.ch u CHF 9.95 schweizer illustrierte

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Shopping highlights von tag heuer und zenith

top ten der Woc he

Glamourös Die Lieblingsuhr von Maria Sharapova: Formula 1 mit 60 Diamanten von Tag Heuer. u CHF 2250.–

Hochwertig Chrono El Primero von Zenith. 120 Diamanten, Automatikwerk, Lederband. u CHF 8450.–

Gute Auswahl bietet die neue Boutique von Tag Heuer und Zenith in Luzern, Tel. 041 - 228 88 86. Uhrenboutique von Tag Heuer und Zenith, Luzern

Luxus und Technik der Spitzenklasse u Die zur Genfer Richemont-Gruppe gehörenden Uhrenmanufakturen Tag Heuer und Zenith fertigen seit etwa 1860 Zeitmesser der Spitzenklasse. Jetzt machen sie in Luzern an der Grendelstrasse 8 mit einer neuen Boutique gemeinsame Sache – und sorgen für Furore. Geführt wird sie von einem äusserst motivierten Team des Uhren-Fachhändlers Bucherer. Das Interieur: Edle Materialien in hellen und dunklen Farbtönen bilden einen reiz­

Klassisch Drei-ZeigerUhr Espada von Zenith mit El-Primero-Auto­ matikwerk, hochwertigem Edelstahlband. u CHF 5850.–

vollen Kontrast zu den Produkten der beiden Uhren-Labels. Hier findet man auch deren gesamtes Sortiment. sarah rieder

Elegant Chrono Carrera von Tag Heuer mit dem eigenen AutomatikWerk 1887. u CHF 5500.–

Öffnungszeiten Mo–Sa 8.30–19.30 Uhr, Do–21 Uhr, So 9–19 Uhr www.tagheuer.com/zenith-watches.com weitere shops im shopping-guide: www.schweizer-illustrierte.ch

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Paul Seewer, Dick Vredenbregt, HO

Trend: Wandern

Alpine Chic

Alpine Handtasche Filz-Rucksack mit Hirsch-Applikation entdeckt bei s. Oliver. u CHF 69.90

Über Stock und Stein Wanderschuh-Stiefelette von Limelight, gibts bei Ochsner Shoes. u CHF 49.90

u Die damalige Miss Schweiz Linda Fäh erkannte bei ihrer Wahl 2009 im Test das Matterhorn nicht. Jetzt hat sie den Kult-Gipfel erklommen. Ungeübte Wanderer fangen klein an – oder integrieren einfach Accessoires im Stil von Luis Trenker in ihre Alltagsgarderobe: Der süsse Filzrucksack ersetzt Romantischer Durstlöscher Trink­ die Handtasche. Die Stiefelette in flasche Dear Deer von Wanderschuh-Optik verbannt den Stiletto, und in der herzigen Sigg­ Sigg. www.sigg.ch u CHF 25.– flasche bleibt der Ayurveda-Tee schön warm. ursula borer

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Shopping top ten he der Woc

Romantisch Schimmerndes Körperpuder Pfingstrosen Délicate von L’Occitane. www.loccitane.com u CHF 42.–

Rosen-kosmetik

Blumenkönigin

Ganzheitlich Verwöhnende Pflegelotion Wildrosen von Weleda, Apotheke, Reformhaus. u CHF 22.–

u «Was

Modern Parfum Everose von Jil Sander mit Rose, Jasmin und KaschmirHolz. 30 ml u CHF 61.–

uns Rose heisst, wie es auch hiesse, würde lieblich duften», liess Shakespeare seine Julia im Stück «Romeo und Julia» sagen. Nicht umsonst gilt die Rose seit mehr als 3000 Jahren als Königin der Blumen. Ob als Weihgabe für Aphrodite und Venus

Orientalisch Duft Atlas Mountain Rose mit marrokanischen Fair-Trade-Rosen von Body Shop. u CHF 39.90

Pflegend Körperpeeling Gommage Minéral mit Rosenduft von Payot. Jelmoli. u CHF 49.–

oder als Geste für die Liebste: Eine Rose sagt mehr als tausend Worte. Als Heilpflanze in Klöstern angebaut, ist die kostbare Ingredienz seit der Erfindung der Destillation im 10. Jahrhundert nicht mehr aus der Kosmetik wegzu­denken. Bis zu 4000 Kilo Blütenblätter werden


star-geflüster

Künstlerisch Parfum Pleats Please mit Pingstrosen von Issey Miyake. 30 ml u CHF 67.–

benötigt, um gerade Mal ein Kilo ätheri­ sches Öl herzustellen. Dieses enthält mehr als 400 Einzelstoffe, von denen erst 30 identifiziert werden konnten. Die vielen ungesättigten Fettsäuren wirken regenerierend und entzündungshem­ mend, sind also ideal für die Hautpflege.

Reinigend Sanftes Peeling-Gel mit Damaszener Rosen von Nuxe. Coop City. u CHF 31.–

Verträumt Eau fraîche Rose imaginaire von Roger & Gallet. Coop City. 100 ml u CHF 59.60

Ob modern wie bei Jil Sanders Parfum Everose, romantisch wie der Körper­ puder von L’Occitane oder reinigend wie die neue Gesichts­reinigungs-Linie von Nuxe mit Damaszener Rosen – wir lassen uns gerne täglich von der Rose küssen. ursula borer

u Im Film «Resident Evil – Retribu­ tion» zeigt sich Milla Jovovich von ihrer harten Seite. Für das Modelabel Marella wird sie mit ihrer Kollektion zur Stilikone. Ab August exklusiv bei Schild,

Zürich, erhältlich.

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Paul Seewer, Stock Illustration, HO. Alle Produkte sind, wenn nicht anders angegeben, im Parfümeriefachhandel erhältlich

M wie Milla


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Der Mix machts Karl Lagerfeld entwarf für Chanel einen Tweed-Look mit Glamour.

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kolumne

Alexandra Kruse, 33, Stylistin, über Mädchengeschenke.

styling-tipp

Wo Gothic und Tweed sich treffen u Designer Karl Lagerfeld hat sich wieder mal neu erfunden. Der Dreiteiler aus Tweed-Strick in Petrol-Blau, ­Beerentönen, Grün und Zimt aus der Herbst/Winter-Saison 2012 zeigt deutlich, wie der Mix ist. Und ist genau richtig für die neuen, modeorientierten Kunden des Hauses Chanel. Ein Hauch von Couture, ein Hauch Bohemian und etwas dunkler Gothic-Charme. Die speziell angefertigten Pailletten-Augen-

brauen von Lesage, die bunte Ansteckrose und der markante Schmuck – hier Achat und Silber, sogenannte Statement-Pieces – verdeutlichen den Look für den Laufsteg. Für den Alltag heisst das: Man mische etwas Tweed-Optik mit Metall, trage ein Make-up mit betonten Augenbrauen und dezentes Lip-Gloss sowie diskret-neutrale Nägel und ein­fache, cleane Frisuren dazu. Toll. beatrice schönhaus

zubehör zum look

Markant Ring aus der Kollektion von Mango, Dekorativ Kann am Revers oder solange Vorrat. im Haar getragen werden: Stoffrose u ca. CHF 35.– von Coop City. u CHF 15.90

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Nudefarben Zum Look passt Lack wie Beige von Chanel. Fachhandel. u CHF 37.–

Im Jahr 1996, vor (oops) unglaublich schnell vergangenen 16 Jahren also, passierte ein schlimmer Eklat. Meine Freundin Andrea kriegte zu ihrem 18. Geburtstag von ihrem da­maligen Freund Dennis – ein Dampfbügeleisen geschenkt. Mit passendem Brett und Blümchen­ bezug. Sie war beleidigt. Zu Recht. Und wir, ihre Freundinnen, auch. Tumultartige Szenen, die an die «Free Pussy Riot»-Bewegung erinnern, spielten sich ab. Dennis verstand die Welt nicht mehr und wurde in einem pseudo-feministischen Anfall verlassen (später von Andrea geheiratet, aber das ist eine andere Geschichte). Wir waren alle auf Andreas Seite. Mädchen wollen Liebesgeschenke, nix Praktisches. Ausser auf ausdrücklichen Wunsch natürlich. Daran musste ich denken, als ich kürzlich meinen ersten babyfreien Sonntag verbrachte. Doch anstatt mit Freundinnen einen anständigen Champagner-Brunch zu geniessen oder mich im Spa mit Gossip-Magazinen so richtig zu verwöhnen, blieb ich zu Hause. Bei strahlendem Sonnenschein, wohlverstanden. Und bügelte. Und das ganz freiwillig. Mit Gesichtsmaske drauf (der heisse Dampf ist nämlich ein optimaler Beauty-Booster) verschönerte ich Kleid um Kleid. Ich machte nicht mal vor der Bett- und Unter­ wäsche halt. Ich weiss: Das klingt unglaublich, aber es ist wahr. Bügeln versetzt mich nämlich in einen meditativen Zustand. Die heim­ kehrende Familie lobte die glatten Kleider und meinen zarten, rosigen Teint. Dreimal dürfen Sie nun raten, was ich mir dieses Jahr zu Weihnachten wünsche. Einen Original-LauraStar. Und viele freie Sonntage!

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Geri Born (Porträt), Inge Jurt, iMaxtree

Bügelfee


Check-up Nocebo und Placebo

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u zürich Bei den Vergiftungs­

Mehr Sport – grössere Kinder Nicht nur hormonelle und genetische Faktoren bestimmen die Körpergrösse. Auch körperliche Aktivitäten lassen unsere Kinder grösser werden. Das zeigt weltweit erstmals eine Studie. Text Verena thurner

Foto Dick Vredenbregt

K

inder, die Sport treiben und sich allgemein mehr bewegen, werden grösser. Dies zeigt erstmals eine Studie aus der Schweiz. Das Pädiatrisch-Endokrinologische Zentrum Zürich (PEZZ), die führende Kinderarztpraxis im Bereich von Wachstumsfragen, Hormonstörungen und kindlichem Diabetes, hat dafür über hundert Kinder aus Zollikon ZH im Alter von 10 bis 14 Jahren untersucht. Das Zentrum ist damit das erste weltweit, das die körperliche Aktivität als Einflussfaktor auf das Wachstum wissenschaftlich untersucht hat. Zu den bekannten hormonellen und genetischen Faktoren, die das Wachstum beeinflussen, kommt jetzt neu die körperliche Aktivität hinzu, die das Wachstum der Kinder positiv beeinflusst. Die Untersuchung ging von einer Studie aus dem Jahr 2009 aus – ebenfalls vom PEZZ – an Kindern mit einem Prader-Willi-Syndrom. Betroffene mit dieser Krankheit bewegen sich extrem wenig und haben einen unstillbaren Hunger. Als Folge sind sie oft schwer übergewichtig. Zudem sind sie geistig behindert und haben einen Wachstumsrückstand,

kleine Hände und Füsse. Seit circa 20 Jahren werden Kinder mit einem Prader-Willi-Syndrom mit Wachstumshormonen behandelt. Auffallend war, dass sich die Länge der Füsse unter dem Wachstumshormon nicht normalisierte. Wohl aber, wenn sich die Betroffenen mehr bewegten. «Diese Untersuchung bestätigte, dass bei Kindern mit einem Prader-Willi-Syndrom die Füsse umso besser wachsen, je aktiver diese Kinder sind», erklärt Prof. Urs Eiholzer, Leiter des PEZZ. Mit der neuen Studie wollte das PEZZ abklären, ob auch die Körpergrösse von gesunden Kindern ebenso durch Aktivität beeinflusst wird. Die Auswertung zeigte, dass gesunde Kinder, die sich mehr bewegen, tatsächlich grösser sind und längere Füsse haben.

Prof. Dr. Urs Eiholzer, Leiter des PEZZ, das dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert. www.pezz.ch

symptomen der Postangestellten von letzter Woche in Mülligen ZH war der Noceboeffekt im Spiel. Während ein Placebo durch eine positive Erwartung heilend wirkt, kommt es beim Nocebo durch negative Erwartung zu körperlichen Symptomen.

Wieder gehen können! u lausanne Prof. Grégoire Cour­

tine von der ETH Lausanne ist es gelungen, Ratten mit Rückenmarks­ verletzungen und Lähmungen wieder zum Laufen zu bringen. In ein bis zwei Jahren sollten Tests am Menschen beginnen können. www.science.org

Rauchstopp macht dick!

u london Wer das Rauchen aufgibt, muss auf sein Gewicht achten. Eine Metaanalyse von 62 Studien zeigte, dass Ex-Raucher 12 Monate nach dem Rauchstopp rund 4 bis 5 Kilo zugelegt hatten. Am stärksten in den ersten drei Monaten. www.bmj.com

tipp

Laufen Sie dem familiär bedingten Bluthochdruck davon! Ein moderates Fitness-Training senkt das Risiko um bis zu 34 Prozent.

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Check-up Kohlehydrat-falle

Emotionale Probleme weg Im Herbst und Winter nimmt sie zu – die Lust auf stärkehaltige Nahrungsmittel und Süsses. Wissenschafter sehen darin Lösungsstrategien für emotionale Probleme. Zudem setzen Süssigkeiten mit hohem Fettgehalt Glücksgefühle frei. Das Negative daran: Das führt zwangsläufig zu mehr Kilos. Text dr. med. samuel stutz

B

eim Essen gibt es Fallen. Eine der gefährlichsten, der wir fast alle erliegen, ist die Kohlehydrat­ falle im Herbst und Winter. Weil nicht nur Fett, sondern auch Kohlehydrate ansetzen, wenn sie nicht durch genü­ gend körperliche Betätigung verbrannt werden, ist der Gang auf die Waage in der zweiten Jahreshälfte für viele kein freudiges Erlebnis. Woran liegt es, dass in keiner an­ deren Jahreszeit die Lust nach Kohle­ hydraten so gross ist wie im Herbst und im einsetzenden Winter? Ein Blick in die Tierwelt hilft uns weiter. Der Grund ist die Analogie zwischen dem Winterschlaf bei Tieren und der Befindlichkeit des Menschen in der kalten Jahreszeit. Eine weltweit führende Expertin ist Prof. Anna Wirz-Justice vom Zentrum für Chronobiologie, Universitäre Psy­ chiatrische Kliniken Basel. Zusammen mit ihrem Mitarbeiter Kurt Kräuchi be­ fasste sie sich in einer wissenschaftli­ chen ­Arbeit speziell mit jahreszeitlichen Schwankungen beim Verzehr von Koh­ lehydraten. «Am augenfälligsten ist das unstillbare Verlangen nach Kohlehydra­ ten bei der verbreiteten, durch Licht­ mangel bedingten saisonalen Depres­ sion, die durch depressive Episoden im Herbst und im Winter mit spontaner Rückbildung im Frühling und Sommer gekennzeichnet ist», erklärt Prof. Anna Wirz-Justice. Die Betroffenen – häufig sind es Frauen – ziehen sich zurück, sind müde und haben ein erhöhtes Schlaf­ bedürfnis. Der vermehrte Appetit nach Süssem und stärkehaltigen Nahrungs­

Prof. Anna Wirz-Justice, Zentrum für Chrono­ biologie, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel.

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Flüssigkeiten im Mund führen beim wei­ nenden Neugeborenen schnell zu einer dauerhaften beruhigenden Wirkung. Aber auch Erwachsene würden Süssig­ keiten als die Nahrungsmittel einschät­ zen, die am ehesten Glücksgefühle her­ vorrufen können, vor allem bei zusätzlich mitteln in Kombination mit weniger Be­ hohem Fettgehalt. Spannend ist die Interpretation der wegung führt zwangsläufig zu einem Ge­ wichtsanstieg. Die Saisonalität bezüglich Basler Wissenschafterin in ihrer Arbeit: Kohlehydraten ist gemäss Prof. Wirz-­ «Die vermehrte Kohlenhydrataufnahme Justice mit Studien klar belegt. Das gilt während einer Herbst- oder Winterde­ auch für den Zusammenhang zwischen pression kann als regressives Verhalten Stimmung, Kohlehydrataufnahme und interpretiert werden, das heisst als ein Stoffwechselfunktionen. «Süsse und Rückgriff auf Essen, das in der frühen stärkehaltige Kohlehydrate werden häu­ Kindheit als Lösungsstrategie emotiona­ figer im Herbst und Winter konsumiert, ler Probleme positiv erlebt worden war.» während eiweissreiche Nahrungsmittel Prof. Anna Wirz-Justice geht keine jahreszeitlichen Veränderungen noch weiter. Sie bezeichnet den erhöh­ zeigen.» Die höchste Kohlehydratauf­ ten Konsum von Kohlehydraten wäh­ nahme im Verlauf des Tages erfolge am rend saisonalen Störungen der Befind­ Nachmittag und am Abend. Die Studien lichkeit im Herbst und Winter als ein lassen vermuten, dass eine Selbstheilungsversuch des vermehrte Kohlehydrat­ Körpers. «Die Patienten ge­ aufnahme aber nicht nur ben an, vermehrt aus bei der saisonalen De­ emotionalen Zuständen pression auftritt, son­ heraus zu essen als dern generell bei de­ Kontrollpersonen, und pressiver Stimmung. sie lassen sich auch vermehrt zum Essen Die Vorliebe für verführen. Die Be­ Süsses und stärke­ haltige Produkte troffenen nehmen Süssigkeiten in kommt nicht von un­ gefähr. Schon in der emotional schwie­ Kindheit sei der süs­ rigen Situationen se Geschmack eines auf, wenn sie sich ängstlich der attraktivsten und einsam sensorischen Er­ lebnisse. Süsse fühlen.» Die

Glücksgefühle Neben der Lust auf Kohlehydrate steht auch Süsses hoch im Kurs.


essen! Wissenschaftlerin begründet das mit der Tatsache, dass die betroffenen Menschen nicht nur Störungen der Nah­ rungsaufnahme zeigen, sondern auch messbare Veränderungen des Stoff­ wechsels wie vermindertes Ansprechen auf das körpereigene Insulin und stärke­ ren Blutzuckeranstieg nach dem Essen. All dies seien Indizien, dass in Phasen von saisonalen Stimmungsschwankun­ gen die erhöhte Aufnahme von Kohle­ hydraten nicht nur ein regressives Ver­ halten darstellt, sondern dass ein echtes metabolisches Verlangen des Körpers  nach Zucker besteht.

k checs fürs Tippzichten Ver So überlisten Sie die Lust auf Süsses

Fotos iStockphoto, Heiner H. Schmitt

 Wenn

Süsses, dann in kleinen Mengen und ganz bewusst geniessen.  Es muss nicht immer Schokolade sein. Auch einheimische Dörrfrüchte wie getrocknete Aprikosen, Äpfel und Zwetschgen stillen die Lust nach Süssem.  Der Geschmack von Zimt nimmt die Lust auf Süsses. Zimt kann man in Mahlzeiten, als Kaugummi oder Tee einnehmen.  Bewegung wirkt antidepressiv, angstlösend und beruhigend, besonders im Freien.  Am Anfang braucht es Überwindung, sich wieder mehr zu bewegen. Verantwortlich sind Bremserhormone, die im Fettgewebe produziert werden und den Organismus träge machen.  Ein nützlicher Motivator ist ein Schrittzähler. Oft geht es damit plötzlich von alleine.


Check-up Der Fall Augenlid-Straffung «Ich möchte meine Oberlider liften lassen, habe aber Angst, dass ich danach eine völlig neue Augenform bekomme. Ist diese Angst berechtigt?»

Dr. Jens Otte, Beautyclinic Drs. Otte & Otte in Zürich.

TV-Tipp

Samstag, 15. September, 18.10 Uhr

Eine gelungene Lidstraffung verändert die Augenform nicht, dafür die Ausstrahlung. form negativ beeinflusst. Das Auge wur­ de rund, seitlich war meist noch immer zu viel Haut und der Effekt eher gering. Fast immer ist im äusseren Oberlid­ bereich der grösste Hautüberschuss, den es zu entfernen gilt. Die Entfernung dieses Hautüber­ schusses öffnet das Auge, unter ande­ rem auch seitlich, und reduziert die Krä­ henfüsse. Die Narbe heilt so fein, dass sie bald nicht mehr sichtbar ist. Der Fett­ anteil, also die geschwollenen Oberlider, müssen sehr vorsichtig entfernt werden, sonst droht ein Hohlauge. Es gilt: Weni­ ger ist mehr! In Kombination mit der Hautstraffung im Unterlidbereich strah­

len die Augen wieder frisch und offen. Nach bereits einer Woche sind alle Fä­ den entfernt. Der Eingriff wird in örtli­ cher Betäubung durchgeführt und heilt schmerzfrei ab. Während bei Damen die Lider immer eher deutlich gestrafft wer­ den, sollte bei den Herren etwas weniger stark überschüssige Haut entfernt wer­ den, um eine Feminisierung der Augen zu vermeiden. Wird die Lidstraffung so durchgeführt, wird niemand den Eingriff bemerken – man wird höchs­ tens Ihre frische und offene Ausstrahlung loben! www.dr-otte.ch

Reha im Alter Wir werden immer älter. Dank medizinischen Fortschritten und gesünderem Lebenswandel. Wenn dann doch etwas passiert, eine Operation nötig wird, brauchen ältere Menschen eine besondere Reha. Ein Geriatrie-Experte gibt Tipps. www.gesundheitsprechstunde.ch

Fotos HO (3)

Diese Frage höre ich oft. Und leider sehe ich auch nur zu oft, dass nach einer Oberlidstraf­ fung der Effekt nur minim sichtbar ist oder sich wirklich die Augenform ver­ ändert hat. Deshalb ist bei einer Auf­ frischung der Augenpartie die richtige Technik von grosser Bedeutung. Der richtige Schnitt ist dabei entscheidend: Aus Angst vor Narben legte man diesen früher in die Lidumschlagsfalte. Mit die­ ser Technik wurde zwar überschüssige Haut entfernt, aber oft auch die Augen­


Die Besten 10 Kultur- und Eventtipps Justin bieber in Zürich

Golden Boy u Vorsicht, im kommenden März herrscht Kreischalarm rund ums Hallenstadion. Der zurzeit angesagteste Teenieschwarm kommt nach Zürich: Justin Bieber, 18. Der kanadische Sänger gehört mit mehr als dreizehn Millionen Followern zu den beliebtesten Prominenten auf Twitter. Wers also nicht ans Konzert in Zürich schafft: Wie es war, zwitschert das Teenie-Idol bestimmt kurz nach seinem Auftritt. rea

Hallenstadion Zürich 22. 3. 2013 um 19.30 Uhr, Ticketcorner Tel. 0900 800 800, (CHF 1.19/Min. ab Festnetz) www.ticketcorner.ch

Foto Ben Watts

Weiss, wies geht Justin Bieber macht nun auch Schweizer Teenies glücklich.

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Ländliche Idylle «Fenêtre ouverte sur la Seine à Vernonnet» von Pierre Bonnard.

«Ein Fenster zur Welt» Im Kunstmuseum Lugano

Zimmer mit Ausblick

Das Fenster ist in der Kunst ein beliebtes Sujet. Nun widmet sich eine Schau im Kunstmuseum Lugano dem symbolträchtigen Motiv und zeigt die schönsten Werke berühmter Meister.

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und – wie das Fenster – nur einen Teil des Ganzen sichtbar macht. In der Kunst des 20. Jahrhunderts dient das Fenster häufig als Symbol dafür, ins Unbekannte und Unbegrenzte vorzustossen. Der umgekehrte Blick – durch ein Fenster ins Innere eines Hauses – hat dagegen etwas Verbotenes, Geheimnisvolles, ein verstohlenes Eindringen in eine fremde Intimität. Die Schau im Kunstmuseum Lugano umfasst Werke von der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert. Der Rundgang beginnt mit Alberti, Dürer und Pieter de Hooch, wo das Fenster als geometrisches Element zur Unterstützung der Perspektive verwendet wird. Die ­Romantik ist mit Johann Heinrich Füssli

oder Hans Thoma vertreten, die der Befindlichkeit der Seele Ausdruck geben. Im Mittelpunkt der Ausstellung aber stehen die Interieurs von Monet, Bonnard, Vuillard und Matisse, die den Visionen von de ­Chirico, Funi oder Casorati gegenübergestellt werden. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Fondation de l’Hermitage de Lausanne, wo die Schau im kommenden Frühjahr zu sehen sein wird. anina rether

Museo cantonale d’arte Lugano TI. 16. 9.–6. 1. 2013, Di 14–17, Mi–So 10–17 Uhr, Tel. 091 - 910 47 80, Publ. CHF 41.–, www.museo-cantonale-arte.ch

Fotos HO (4)

u Der Blick schweift durchs Fenster hinaus, in der Ferne der Horizont: ein Fluss, unbegrenzte Weite – die Freiheit. Das Fenster ist bei Pierre Bonnard (1867–1947) ein beliebtes und häufiges Motiv (grosses Bild). Es gibt den Blick frei für eine besondere Perspektive. Und als Schwelle zwischen Innenund Aussenwelt steht es auch für die Sehnsucht des Menschen. Der Blick auf ein Gemälde gleicht dem durch ein offenes Fenster. Diese Be­ obachtung des italienischen Gelehrten Leon Battista Alberti aus dem Jahre 1435 prägte jahrhundertelang die Vorstellung von einem Bild, das durch die Zentralperspektive organisiert ist


Die Besten kultur diese woche in museen und galerien

Schanghai. Kreis und Haar. Schlanke Poesie «2 x helbling»

u Beide heissen Helbling, beide stammen aus Rapperswil, sind aber nicht miteinander verwandt. Frappant: Sowohl Paul Kaspar Helbling (1912–2001) wie Lorenz Helbling (1958) hatten und haben mit Schanghai zu tun. Paul Kaspar als Jungunternehmer und Fotograf von 1932 bis 1947, Lorenz seit 1995 als Kunstvermittler. Die Schau stellt historische Fotografien zeitgenössischer chinesischer Kunst gegen­ über, mit Werken von Zhang Enli, Yu Youhan (r.) oder Zhuo Zixi. km

ig halle im kunstzeughaus Rapperswil SG. Bis 7. 10. Mi–Fr 14–18, Sa/So 11–18 Uhr, Tel. 055 - 214 10 14, www.ighalle.ch

2 x aargau

u Der Kreis ist aus dem Werk der Aargauerin Sadhyo Nieder­ berger kaum wegzudenken. So sind auch die neuesten Arbeiten der Künstlerin – aus Gips gegossene Häuser und Kartonobjekte («Auge», 2012, r.) – auf runden Bildträgern angebracht. Ursula Rutis­ hauser, ebenfalls aus dem Aargau, hat in den letzten Jahren ein ­umfassendes Werk aus Papierschnitten geschaffen. Ihre filigranen Arbeiten zum Thema «Haar» sind faszinierend.  km

galerie gluri suter huus Wettingen AG. Bis 23. 9. Mi–Sa 15–18, So 11–17 Uhr, Tel. 056 - 426 29 69, www.glurisuterhuus.ch

Tanzende Linien u Der

deutsche Bildhauer und Zeichner Norbert Kricke (1922–1984) gehört zu den Klassikern der Moderne. Seine auf den Raum, die Bewegung und die Linie verdichtete Formensprache wird heute als zukunftsweisend anerkannt. Die schlanken Eisenplastiken vermitteln den Schein von materiefreier Masse – schwerelos und poetisch. Sie schmiegen sich aneinander, im Raum ebenso wie auf dem Papier (r.) und vollführen einen rot-schwarz-grauen Tanz.  km museum liner Appenzell AI. Bis 7. 10. Di–Fr 10–12/14–17, Sa/So 11–17 Uhr, Tel. 071 - 788 18 00, Katalog CHF 52.–, www.museumliner.ch

music festival adelboden

Klassik vom Feinsten u Adelboden, das kleine Ferienparadies im Berner Oberland, etabliert sich immer mehr auch als Austragungsort des Swiss Cham­ ber Music Festival. In der reformierten Kirche aus dem Jahr 1433 treten die Preis­ träger der «Orpheus – Swiss Chamber Music Competition» auf, zusammen mit Spitzen­ ensembles der Schweizer Musikhochschulen. Eröffnet wird der Reigen von den Festival Strings Lucerne, den Schlusspunkt setzt die Camerata Bern. km

Schöne Aussichten Lorenzo di Credi, «Ritratto di giovane donna»; Claude Monet, «Un coin d’appartement», 1875; René ­Magritte, «La Clef des Champs», 1936 (v. o).

swiss chamber music festival 2012 Adelboden BE. Vom 26. 9. bis 7. 10., Tel. 033 - 673 80 80, www.adelboden.ch

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Die Besten kultur 5 Fragen an ein buch

Grégoire Delacourt

«Rum Diary» (USA)

Haie und Druckerschwärze Der Journalist Paul Kemp nimmt eine Stelle in Puerto Rico an. Doch statt dass er wie geplant Korrup­ tion aufdeckt oder die Ausbeutung der Bevölkerung anprangert, schreibt er über amerikanische Touristen, erfindet Horoskope und geht mit Kollege Sala auf Sauftour. Bis er sich in Chenault verliebt, die Freundin des amerikanischen Immo­ bilienhais Sanderson. Dieser plant, eine ganze Insel zu kaufen und häss­liche, aber gewinnbringende Hotels hochzuziehen. Und dabei soll ihm ausgerechnet Kemp helfen, indem er positive Artikel zum geplanten Coup veröffentlicht. u Die Hammerszene Drei abgewrackte Journalisten teilen sich eine WG, bren­ nen hochprozentigen Rum und halten sich Kampfhähne im Schlafzimmer … u Die Schauspieler Johnny Depp als u Darum gehts

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Paul, Aaron Eckhart als Sanderson und die schöne Amber Heard als seine Geliebte Chenault reissen den Film leider auch nicht raus. u Der Hintergrund Schon in «Fear and Loathing in Las Vegas», ebenfalls ein Stoff des amerikanischen Journalisten Hunter S. Thompson, spielte Johnny Depp die Hauptrolle. Dieser war es auch, der die bisher unveröffentlichte Story unbedingt verfilmen wollte. u Das Fazit Visuell absolut sehenswert, schöne Autos, schöne Interieurs, schöne Frau. Doch der Film überzeugt nicht. Und der Schluss ist nur mit einem kräftigen Schluck Rum zu ertragen.

Die Folgen des Lottogewinns Worum geht es? Jocelyne, 47, führt in der Kleinstadt Arras eine Mercerie. Seit sie in einem Blog über ihre Freuden beim Stricken, Sticken und Nähen erzählt, ist sie zu einer lokalen Berühmtheit geworden. Ein Trost, der ihr über die abgekühlte Bezie­ hung zu ihrem Mann Jo hinweghilft. Dann gewinnt Jocelyne im Lotto: unfassbare 18 Millionen! Heimlich holt sie den Schein ab und versteckt ihn in einem Schuh. Einlösen will sie ihn nicht, es würde ihr Leben zu sehr aus der Bahn werfen. Doch trotz aller Vorsicht passiert genau das. Wer ist der Autor? Grégoire Dela­ court, 62, hat schon mit seinem Erstling «L’Ecrivain de la famille» Literaturpreise eingeheimst. Der wichtigste Satz? «Ich möchte gern die Chance haben, über mein Leben zu entscheiden, ich glaube, das ist das grösste Geschenk, das wir er­halten können.» Was beeindruckt? Die filigrane Zeich­ nung skurriler Figuren und die erfrischende Ehrlichkeit, mit der die Hauptfigur ihr Leben erzählt. Was bleibt? Ein kleines Buch, das man nicht mehr vergisst. anina rether

anina rether

 Länge: 120 Min. Regie: Bruce Robinson. Kinostart 13. 9.

Grégoire Delacourt Alle meine Wünsche (Hoffmann und Campe)

Fotos HO (3), Paul Seewer

Kommen sich näher Journalist Paul Kemp und Chenault, die Geliebte des Immobilienhais Sanderson.


Die Besten

Provokativ ExtremRocker Marilyn Manson mag die schrille Pose.

event demnächst

Schlager. Comedy. Rock

zum mitklatschen

u Schlager? «Igitt!», meinen viele. Und trotz-

dem vermögen sich selbst manche Schlager-Verächter den pop-rockigen Liedern von Dieter Thomas Kuhn nicht zu entziehen. Weshalb, das ist jetzt live zu erfahren. hv dieter thomas kuhn Volkshaus Basel 1. 11., X-Tra Zürich 2. 11., www.topact.ch

Schock ’n’ Roll u Der Kritiker von laut.de stellte die ketzerische Frage fadengerade: «Was bleibt übrig, wenn man sich das ganze Gerede um sein Image wegdenkt? Doch nur die Musik, und die wäre ohne den ganzen Trubel und Showeffekt nicht halb so spektakulär.» Mag sein, aber der begnadete Selbstinszenierer Brian Hugh Warner weiss Trubel und Show­ effekt wie kaum ein anderer mit hartem Rock zu verquirlen – die perfekte Symbiose. 1989 beschloss Warner, sich den Künstlernamen Marilyn Manson zuzulegen, eine Kombination aus dem

cd-Tipp jazz

miles in bestlaune u Ein Jahr nach der Veröffentlichung des epochalen Albums «Kind of Blue» gastierte die (teilweise umbesetzte) Band von Miles Davis in Zürich. Das Label TCB legt den Konzertmitschnitt in seiner sammelwürdigen Reihe «Swiss Radio Days» neu auf. hanspeter vetsch

miles Davis Quintet Live in Zürich 1960 (TCB, Swiss Radio Days Nr. 31)

Vornamen der Leinwand-Ikone Monroe und dem Nachnamen eines Serien­ killers, um fortan die Welt zu ver­ schrecken. Seine Fans nennen das Ehrenmitglied der Church of Satan «Reverend», seine Feinde protestieren schon mal vor Konzerten. Zu seinem aktuellen Album, «Born Villain», jedoch meint der Schock­ rocker: «Es hat mir dabei geholfen, wieder der Mensch zu werden, der ich einmal war. Es hat viel mit Verantwor­ tung und Selbstbestimmung zu tun.» Trubel und Show sind aber weiterhin garantiert. Genauso wie bei Rob Zom­ bie, der mit Marilyn Manson unter dem sinnfälligen Titel «Twins Of Evil» im Doppelpack auf Tournee ist. Der ehe­ malige Frontmann von White Zombie bietet Rock-Horror total – Ansichts­ sache, ob zum Fürchten oder zum Schmunzeln. hanspeter vetsch marilyn manson & rob zombie St. Jakobshalle Basel 11. 12., www.starclick.ch tickets für die besten events!

zum mitlachen u «Hetz mich

nicht!» heisst das Programm zwar. Doch der Berliner Sascha Grammel und eine Horde sympathischskurriler Puppen geben in der Bauchredner-ComedyShow ganz schön Gas. Echt originell! hv

sascha grammel Herisau, Zürich, Bern, ab 30. 10., www.topact.ch

zum mitfühlen

u Rock aus Südafrika? Ja, den gibt es. Und zwar weltweit erfolgreichen, wie The Parlotones mit ihrem neuen Album, «Journey through the Shadows», beweisen. Angesagt sind grosse Hymnen für grosse Gefühle. hv

the parlotones Abart Zürich 8. 10. um 20.30 Uhr, www.theparlotones.net schweizer illustrierte

Foto Getty Images (2), ddp Images, HO

Marilyn Manson & rob zombie – «twins of evil»

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Weekend Reisen, geniessen, rätseln!

Himmelbett unter den Sternen! Das «Treehouse» ist die grosse Attraktion im «Lion Sands»Resort.

«LION SANDs LODGE» BEIM KRÜGER-NATIONALPARK

Out in the Bush! M Morgensafari Die «Big 5» vor der Kamera.

ehr als «nur» eine Safari! Wer im «Lion Sands» mitten im Sabi-Sand-Reservat bucht, erlebt Afrika hautnah. Einmal pro Auf­ enthalt schläft man (ohne Aufpreis) unter freiem Himmel im «Treehouse»: unter den Sternen, im romantischen Himmelbett, im Schein von Kerzen und Laternen. Die Plattform ist hoch über dem Boden, mit einem nächtlichen Angriff wilder Tiere ist nicht zu rechnen … Sonst wohnt man

in einem angenehmen Bungalow, mit Aussendusche und privater Terrasse. Das «Lion Sands», gelegen am Rand des Krüger-Nationalparks, wird in der vierten Generation von der Familie More geführt. Die «Big 5» (Elefanten, Nas­hörner, Büffel, Leoparden, Löwen) kriegt man mit etwas Glück vor die Kamera. HE INFO ab CHF 634.– pro Nacht. 4-für-3-Angebote, www.kuoni.ch schweizer illustrierte

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Reisen Traveldesk

Dezenter Luxus Die Insel Baros besticht mit ihren eleganten Water-Villen und den im üppigen Grün versteckten De-luxe-Villen.

«Amanzo’e»: Aman entdeckt die Ägäis u Neues Reiseziel für die verschworene Gruppe der Aman-Gäste: Die Ostküste des Peloponnes. Stararchitekt Ed Tuttle baute das luxuriöse «Amanzo’e». Alle 38 riesigen Pavillons haben Traumsicht auf die Ägäis. Yoga, Kino, Bibliothek. Ab EUR 825.–. INFO www.amanresorts.com

Lake Tahoe: «Best Lake in America» u Amerikas schönster See? Lake Tahoe, finden die Leser von «USA Today» und setzten den auch von Mark Twain verehrten, 501 Meter tiefen, kristall­ klaren «Big Blue» auf Platz 1. Ein Paradies für Wassersportler und Wanderer (Tahoe Rim Trail). INFO www.travelnevada.de

mALEDIVEN: MAAFUSHIVARU UND BAROS

Im Paradies ist e Zwei Inseln, zwei Perlen im Indischen Ozean: Maafushivaru liegt im südlichen Ari-Atoll mit den schönsten Tauchplätzen der Malediven. Baros trumpft mit Klasse und exzellenter Küche.

E Die Nr. 1: Troon North Golf in Scottsdale u Golfmagazine fahnden nach den besten öffentlichen Plätzen in den USA. Fündig werden sie vor allem in Arizona: Scottsdale ist mit sieben Top-Ten-Klubs gelistet. Die erste Adresse: Troon North am Pinnacle Peak. Attraktive Packages im Herbst. INFO www.ilovescottsdalegolf.com

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ine halbe Stunde vor der Landung in Malé tut sich eine fantastische Welt auf: In einem Meer von Türkis liegen wie zufällig hingeworfen winzige Eilande und Sandbänke. Der Inselstaat im Indischen Ozean zählt 1190 Inseln, gruppiert in 26 Atolle. u Familienfreundlich Die Sandalen bleiben die ganze Zeit über im Zimmer, genauso die Flipflops: Maafushivaru im südlichen Ari-Atoll ist eine Barfussinsel. Rasch gewöhnen sich die Füsse an den feinen schneeweissen Sand, die Wadenbeine werden von Tag zu Tag musku-

löser. Die Atmosphäre auf der kleinen Insel mit 50 Bungalows am Strand und im Meer ist gemütlich. Eltern mit Kindern machen einen relaxten Eindruck, Flitterwöchner verschwinden abends schnell vom Buffetrestaurant. Ein Renner: das neue Teppanyaki-Restaurant 135° East – ein kleiner, aber feiner japanischer Gourmettempel. u Schlemmen erwünscht Die Insel Baros liegt 25 Bootsminuten von Malé entfernt. Das Gourmetrestaurant Lighthouse ist ihr Wahrzeichen − das Dinner bei Sonnenuntergang kann nur noch von


Himmlische Water-Villen auf Baros Die Materialien sind edel, die Privatsphäre gewahrt – und der Zugang zum Meer direkt.

Romantik pur Der schönste und beliebteste Ort für ein SunsetDinner zu zweit: die Sandbank unweit der Insel Baros.

Bodenständig Die De-luxe-Strand-Villen auf Baros haben fast alle Meeresblick und sind von üppigem Grün umgeben.

Fotos Kuoni HO (5)

s nie zu heiss einem Tête-à-Tête auf der hauseigenen Sandbank getoppt werden. Zu den beliebtesten Menüs des «Lighthouse» gehört der Thunfisch Rossini mit zartschmelzender Gänseleber. Exzellent isst man auch in den beiden anderen Restaurants, im «Cayenne Grill» und im «Lime». Das Spa befindet sich inmitten eines Märchengartens. Wer immer noch nicht relaxt ist, dem sei eine himmlische «Signature»-Massage empfohlen. Auf Baros herrscht dezenter Luxus, der sich auch in den 75 Villen bemerkbar macht. u Abtauchen Schnorcheln, Tauchen oder Hochseefischen wird auf den Malediven grossgeschrieben. Im südlichen Ari-Atoll befinden sich die schönsten Tauchplätze; Walhaie sind fast schon an der Tagesordnung. Im Tauchzentrum

auf Maafushivaru wird man von mehrsprachigen Tauchlehrern betreut. Getaucht wird in kleinen Gruppen – und immer in Begleitung. Das Korallenriff

um die Insel Baros ist gesund und sehr artenreich. Keine Seltenheit: Riesenschildkröten. Sehr beliebt: Nachtschnorcheln.  kati moser

Check-in u Anreise

Direktflug Zürich–Malé mit Edelweiss Air (www.edelweissair.ch), im Winter zweimal die Woche u Attraktives Winterangebot Kuoni-Insel Maafushivaru: eine Woche, Flug mit Edelweiss Air, VP ab CHF 3807.– pro Person. Insel Baros: eine Woche, Flug mit Edelweiss Air, De-luxe-Villa mit Frühstück ab CHF 3298.– pro Person, Water-Villa mit Frühstück ab CHF 4779.– pro Person. Zuschlag Halbpension für De-luxe- und Water-Villa CHF 1085.– pro Person u Aktivitäten Schnorcheln, Tauchen, Hochseefischen. Von Baros aus: Ausflug in die Hauptstadt Malé u Infos www.kuoni.ch, www.baros.com

Kuoni-Insel Maafushivaru Beim südlichen Ari-Atoll befinden sich die schönsten Tauchgründe der Malediven.

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En Guete

Feine Kugel Artischocke mit Thonsauce.

Kochen mit Köpfchen

Als Salat oder Beilage zu Reis und Entrecôte: Artischocken bringen sich jetzt mit ihrem herben Geschmack gern auch in eine delikate Pole-Position.

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Artischocken mit Thonsauce

Zutaten für (4 Personen) Thonsauce (ergibt ca. 4 dl) 2 frische Eigelbe, 1 Teelöffel milder Senf, 1 Knoblauchzehe, gepresst, wenig Pfeffer aus der Mühle, 11/2 dl Olivenöl, nicht kalt gepresst, 1 Dose Thon im Salzwasser (ca. 200 g), abgetropft, zerpflückt, 1 Esslöffel Weissweinessig, 2 Esslöffel Basilikumblätter, fein geschnitten, Salz, Pfeffer, nach Bedarf Artischocken ca. 3 Liter Salzwasser, 1 Zitrone, nur Saft, 1 Esslöffel Butter, 4 grosse Artischocken, Basilikum­ blätter zum Garnieren Vor- und zubereiten ca. 11/2 Std. u Für die Thonsauce Eigelbe mit Senf, Knoblauch und Pfeffer gut verrühren. Öl tropfenweise unter Rühren mit den Schwingbesen des Handrührgerätes beigeben, bis eine dickliche Masse entsteht. Rest nach und nach darunter­

rühren. Thon mit Essig fein pürieren, mit dem Basilikum unter die Sauce mischen, würzen. Für die Artischocken Salzwasser und Zitronensaft mit Butter in einer grossen Pfanne aufkochen, Hitze reduzieren. Artischocken rüsten (siehe Tipp), dabei Herzblätter und Heu noch nicht ent­ fernen. Artischocken sofort in den Sud geben, mit einem etwas kleineren Pfannendeckel beschweren, sodass sie vollständig mit dem Sud bedeckt sind, ca. 1 Std. kochen. Garprobe: mit einem spitzen Messer Stielansatz einstechen; er muss weich sein. Artischocken kopfüber auf einem Gitter abtropfen. Servieren Herzblätter mit einer leichten Drehung herauslösen, beiseitelegen, Heu mit einem Teelöffel herauslösen. Artischocken mit Thonsauce füllen, mit den Herzblättern auf vorgewärmten Tellern anrichten, garnieren.

Tipp

Artischocken rüsten ist etwas aufwendiger, aber es lohnt sich, denn das Gemüse ist eine Delikatesse. Bei ausgewachsenen Artischocken (Carciofi) Stiel direkt unter dem Blüten-

ansatz abbrechen. Die untersten 3–4 Reihen Blätter des Blütenkopfes entfernen. Restliche Blattspitzen mit einem Messer um ca. 1/3 kürzen. Die Herzblätter in der Mitte mit einer leichten Drehung herauslösen. Das Heu mit einem Teelöffel herauslösen. Schnittflächen sofort mit Zitronensaft beträufeln, da sie sich sonst braun verfärben. Die jungen, kleinköpfigen Artischocken (Carciofini) sind noch zart, es muss weder Stiel noch Heu entfernt werden.

Gebratener Camargue-Reis mit Artischocken

Zutaten (für 4 Personen) 6 dl Wasser, 1/2 Teelöffel Salz, 2 Zweig­ lein Pfefferminze, 200 g CamargueReis, 600 g kleinköpfige Artischocken, 2 Esslöffel Zitronensaft, 3 dl Weisswein, 1/4 Teelöffel Salz, wenig Pfeffer aus der Mühle, 1 Esslöffel Butter, Bratbutter zum Braten, 400 g Lammnierstück, in ca. 1 cm grossen Würfeln, 1/2 Teelöffel Salz, 3 Bundzwiebeln mit dem Grün, Zwiebel gehackt, Grün in Ringen, 4 Zweiglein Thymian, 2 Esslöffel Pfef­ ferminze, geschnitten, 1/2 Teelöffel Salz, 1 Esslöffel Butter, 100 g griechisches Joghurt nature Vor- und zubereiten ca. 50 Min. u Wasser mit Salz und Pfefferminze auf­ kochen. Reis beigeben, zugedeckt bei kleinster Hitze ca. 40 Min. köcheln, in einer Schüssel etwas abkühlen, Pfefferminze entfernen. Artischocken rüsten (siehe Tipp). Stiele leicht schälen, frisch anschnei­ den. Die Artischocken längs vierteln, mit dem Zitronensaft mischen. Wein mit den Artischocken aufkochen, würzen, offen bei mittlerer Hitze ca. 10 Min. knapp weich köcheln. Butter beigeben, Artischocken zugedeckt warm halten. Bratbutter in einer Bratpfanne heiss werden lassen. Fleisch portionenweise ca. 3 Min. braten, heraus­ nehmen, salzen. Hitze reduzieren, Bratfett auftupfen. Wenig Bratbutter beigeben. Gehackte Zwiebeln und Thymian ca. 3 Min. andämpfen. Camargue-Reis und Fleisch beigeben, ca. 3 Min. rührbraten. Zwiebel­ grün und Pfefferminze daruntermischen, salzen, Butter daruntermischen. Servieren Reis auf vorgewärmten Tellern verteilen, Artischocken daneben anrichten, wenig Joghurt dazuservieren.

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En Guete

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Entrecôte mit Tapenade auf Artischocken

Zutaten (für 4 Personen) Tapenade 75 g schwarze entsteinte Oliven, 1 Döschen Sardellenfilets (ca. 50 g), kalt abgespült, 25 g Kapern, 2 Knoblauchzehen, gepresst, 1/2 Esslöffel mittelscharfer Senf, 1 Esslöffel Olivenöl, 1/2 Esslöffel Cognac, 1 Esslöffel Zitronensaft, Pfeffer aus der Mühle Entrecôte auf Artischocken 3 dl kaltes Wasser, 1 dl Weisswein, 1 Zitrone, nur Saft, 500 g kleinköpfige Artischocken, 1 Entrecôte (ca. 11/2 cm dick, ca. 150 g), Bratbutter zum Anbraten, 2 Prisen Salz, Pfeffer aus der Mühle, beiseitegestellter Sud, 4 Esslöffel Olivenöl, Salz, Pfeffer aus der Mühle, nach Bedarf Vor- und zubereiten ca. 50 Min. Niedergaren ca. 25 Min. u Für die Tapenade alle Zutaten im Cutter pürieren, Tapenade beiseite­ stellen.

Für die Artischocken Wasser, Wein und Zitronensaft in einer Schüssel verrühren. Artischocken rüsten (siehe Tipp). Artischocken längs in ca. 2 mm dicke Scheiben schneiden, sofort in die Flüssigkeit legen. Artischocken mit der Flüssigkeit aufkochen, ca. 15 Min. knapp weich köcheln. Artischocken im Sud abkühlen. 2 Esslöffel Sud für die Sauce beiseitestellen. Fleisch ca. 30 Min. vor dem Anbraten aus dem Kühlschrank nehmen. Ofen auf 80 Grad vorheizen, Platte und Teller vorwärmen. Bratbutter in einer Bratpfanne heiss werden lassen. Fleisch beidseitig je ca. 1 Min. anbraten, würzen, auf die vorgewärmte Platte legen. Niedergaren ca. 25 Min. in der Mitte des vorgeheizten Ofens. Das Entrecôte kann bei 60 Grad bis zu 30 Min. warm gehalten werden. Servieren Artischocken auf Teller ver­ teilen. Beiseitegestellten Sud und Öl verrühren, würzen, darüberträufeln. Fleisch in feine Tranchen schneiden, auf die Artischocken legen, je 1 Teelöffel Tapenade darauf verteilen, Rest dazuservieren.

impressum Nr. 37, 101. Jahrgang. Erscheint montags Beglaubigte Auflage 198 660 Exemplare ISSN 0036-7362 Abonnements-Dienst (Telefon gratis) 0800 820 920 Mo–Fr: 7.30–18.00 Uhr, aboservice@ringier.ch EINZELVERKAUF einzelverkauf@ringier.ch Redaktion Schweizer Illustrierte, 8008 Zürich, Dufourstrasse 23 Tel. 044 - 259 63 63, Fax 044 - 259 86 22, info@schweizer-illustrierte.ch internet www.schweizer-illustrierte.ch, www.online-kiosk.ch Geschäftsführer Zeitschriften Urs Heller Chefredaktor Stefan Regez stv. Chefredaktor Ueli Walther MITGLIED der Chef­redaktion Monique Ryser creative Director Jean-Robert Schaffter Unter­h altungschefin Bettina Bono Nachrichtenchef Ueli Walther wirtschaftschefin Nina Siegrist Sportchef Iso Niedermann Bildchef Markus Schnetzer Textchefs Natascha Knecht, Jan Morgenthaler autorin Stephanie Ringel Nachrichten Marcel Huwyler (stv. Nachrichtenchef), Silvan Grütter, Thomas Kutschera, Alejandro Velert Unter­h altung Sandra Casalini (stv. Unter­haltungs­chefin), Aurelia Forrer, Christa Hürlimann, Yvonne Zurbrügg (People) Sport Christian Bürge, Thomas Renggli kunst Caroline Micaela Hauger Kultur, Die Besten Anina Rether (Leitung), Kati Moser Shopp­ing Beatrice Schönhaus (Leitung), Ursula Borer, Kristina Köhler, Nina Lienhard Gesundheit Lisa Merz (Leitung), Verena Thurner kulinarik / al dente Isabel Notari Bildredaktion Ulli Glantz (stv. Bildchef), Geraldine Haas, Roger Hofstetter, Fabienne Hubler, Regula Revellado Fotografen Thomas Buch­walder, Fabienne Bühler, Hervé Le Cunff, Remo Nägeli, Marcel Nöcker, Kurt Reichen­bach, Charles Seiler, Willy Spiller, Bruno Voser, Dick Vredenbregt Layout / Pro­duk­tion Patrick Brun (stv. Art Director), Maria Carlucci, Claudia Friedrich, Dominic Koch, Martina Mayer, Fabienne Rodel, Nigel Simmonds (Info­grafiken), Otmar Staubli, Karin Strebel, Doris Wüthrich (techn. Leitung) Design Beling Thoenen Design Korrek­torat Stefan Bührer, Irène Müller Bildbearbeitung Ringier Redaktions-Services Ständige Mit­a rbeiter Urs Bärtschi (Auto), Peter Bichsel, Zeno van Essel, Helmut Hubacher, Peter Hürzeler, Sylvie Kempa, Chris von Rohr, Ilona Scherer, Peter Scholl-Latour, Elizabeth Teissier si online Katja Fischer (Leitung Desk), Nadine Bauer, Anouk Haimoff, Ramona Schweizer, Ramona Thommen, Javier Vázquez (Web-Engineer) iPad René Haenig (Leitung Redaktion), Samuel Bosshard, Ueli Johner, Renée Sylvia Schauecker Sekreta­riat Sara Schrepfer (Assis­tentin des Chefredaktors), Kathrin Berchtold (Assistentin des Verlags­direktors), Beatrice Pisciottano Buchhaltung Mirella Vignoni

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Artischocken­ salat

Zutaten (für 4 Personen) 800 g kleinköpfige Artischocken, 1 Bio-Zitrone, abgeriebene Schale und Saft, 1 Esslöffel Olivenöl, 1 Knoblauchzehe, gepresst, 3 Bundzwiebeln mit dem Grün, in Ringen, 2 Esslöffel Olivenöl, 1⁄2 Teelöffel Salz, 1 Esslöffel Aceto balsamico, 2 Esslöffel Gemüsebouillon Vor- und zubereiten ca. 30 Min.

u Artischocken rüsten (siehe Tipp). Artischocken längs vierteln. Artischocken mit Zitronenschale und -saft mischen. Öl in einer weiten Bratpfanne heiss werden lassen. Knoblauch und Zwiebeln andämpfen, herausnehmen. Öl beigeben, heiss werden lassen. Die Artischocken beigeben, salzen, unter gelegentlichem Wenden bei mittlerer Hitze ca. 12 Min. braten. Aceto und Bouillon dazugiessen, Bundzwiebeln und Knoblauch wieder beigeben, daruntermischen, auf Tellern anrichten.

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party

Sie mach(t)en Crissier welt­berühmt: die drei AusnahmeKöche Frédy Girardet, Benoît Violier und Philippe Rochat (v. l.).

VIP-Gäste: Die französischen Kochstars Marc Meneau (r.) und Georges Blanc.

Mitbesitzer André Kudelski (l.) begrüsst Stammgäste vom Nationalcircus: Franco und Claudia Knie.

Die neuen Chefs von Crissier: Benoît und Brigitte Violier.

Er baute Küche und Restaurant raffiniert um: Hausarchitekt Stefano Cittolin.

Gourmet-Gala draussen in der Küche «Hôtel de Ville» Crissier VD: das berühmteste Restaurant der Schweiz in neuem Glanz

G

eblieben ist eigentlich nur die Fassade. Drinnen im «Hôtel de Ville» entstand erst die wohl schönste und raffinierteste Küche der Welt, dann wurden die Speisesäle umgebaut: elegantes Beige, helles Holz, Wohlfühl-Atmosphäre. Zur grossen Eröffnungs-Party baten die neuen Chefs Benoît und Brigitte Violier in die dramatisch schöne ­Küche. VIPs und Freunde wie alt Bundesrat Pascal ­Couchepin, Mitbesitzer André Kudelski oder die französischen Koch-Legenden Georges Blanc und Marc Meneau staunten: Die 25 Köche zauberten wortlos, unaufgeregt 28 Gänge in Mini-Dimensionen (Schwertmuscheln, Foie gras, Turbot, Langustinen, Hummer, Reh) auf kleine Schälchen – pro Gang 100 Stück; man rechne … Natürlich waren Violiers berühmte Vorgänger auch dabei an der grossen «Kitchen-Party». Philippe Rochat geniesst die neue Freiheit. «Ich war am Champions-League-Final, bei Roland Garros und an den Olympischen Spielen. Toll!» Frédy Girardet reist weniger, kocht zu Hause aber nach wie vor zweimal täglich, selbstverständlich auf höchstem Niveau. «Ich fahre jeden Morgen 50 Kilometer durch die Gegend, um wirklich gute Produkte zu finden. Zum Glück kann ich mich noch bei meinen alten Lieferanten eindecken.» Text urs heller, Fotos PIERRE-MICHEL DELESSERT / Julie de Tribolet / L’illustré

Freunde zu Gast in Crissier: Alt Bundesrat Pascal Couchepin, Arzt Dr. Albert Mudry, Spitzenkoch Georges Wenger (v. r.).

party-facts Gastgeber Brigitte und Benoît Violier für 110 Gäste. Tatort «Hôtel de Ville» in Crissier VD. Coole Kitchenparty statt steifes Bankett! Ehrengast Jahr­ hundertkoch Frédy Girardet Party-Rating

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28 Mini-Gänge zur Eröffnung,

«Besser kann man an einer Party Fingerspitzengefühl! Benoît Violiers Brigade in Aktion. nicht essen. Tolle Brigade!» schweizer illustrierte

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Auto

Schon gefahren Ford B-Max

Mit seinem neuartigen Türkonzept ohne B-Säule will der Ford B-Max bei Kunden punkten, die einen vielseitigen und geräumigen Mini-Van suchen. Eine interessante Alternative.

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edes neue Modell muss besser, leichter und effizienter sein», erläutert Karsten Foese, Karos­ serie-Entwickler bei Ford, «aber beim B-Max wollten wir auch für den Einstieg und die Beladung nochmals einen neuen Massstab setzen.» Entstanden ist ein neuartiges Türkonzept mit einer herkömmlichen Fronttür und einer Schiebetür hinten. Klingt noch nicht besonders aussergewöhnlich. Doch sobald man beide Türen öffnet, realisiert man, was Foese und seine Kollegen geschaffen haben: einen Mini-Van ohne B-Säule. Clever, denn so entsteht eine bis zu 150 Zentimeter grosse Öffnung, durch die sperrige Güter im Wagen untergebracht werden können. Und der nur 4,08 Meter kurze Ford ist

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schweizer illustrierte

so nicht nur einfach zu beladen, ­sondern auch ein wahres Platzwunder. 326 bis 1293 Liter Gepäck schluckt er locker. Dank umklappbarem Beifahrersitz passen gar bis zu 2,35 Meter lange Gegenstände in den B-Max. Der auf

Übersichtlich Dank leicht erhöhter Sitz­ position hat man im hübsch gemachten Cockpit stets die Übersicht.

dem Fiesta basierende Mini-Van bietet aber noch weitere interessante Details. «Bei offenem Tankdeckel lässt sich beispielsweise die Schiebetür nicht ganz öffnen, das verhindert Lackschäden», verrät Foese. Als erster Ford ist der B-Max auf Wunsch auch mit dem SyncAudiosystem erhältlich. Ein Tastendruck am Lenkrad genügt, danach kann man sich dank dem Multimedia-­ Konnektivitätssystem locker per Sprachbefehl durch die Bedienungs­ menüs arbeiten. Telefonieren, SMS vorlesen lassen oder Musik vom USBStick oder via Bluetooth vom Smart­ phone abspielen – alles keine Hexerei. Dabei hat man erst noch die Hände am Lenkrad und kann sich voll aufs Fahren konzentrieren. Das macht vor allem mit den spritzigen EcoBoost-Benzinern richtig Spass. Denn der B-Max überzeugt auch mit gutem Fahrverhalten und toller Strassenlage. Jürg A. Stettler

Fotos Jürg A. Stettler

Durchgehend geöffnet


News

Jaguar C-X75 Die Alu-Drehorgel u Statt wie beim ersten Prototyp mit zwei Turbinen will Jaguar seinen Supersportwagen C-X75 nun mit einer Kombination aus zwei starken Elektromotoren und einem extrem hoch drehenden Turbo-Kompressor-Benziner realisieren. Bereits nächstes Jahr wird die elegante Flunder an 250 solvente Käufer zum Preis von rund 1,2 Millionen Franken verkauft. Kaum etwas geändert hat sich am Design, dafür ist die Technik fast komplett neu: Ein 1,6-LiterBenziner und zwei E-Motoren mit total 700 PS Systemleistung geben der Raubkatze den nötigen Schub. Damit spurtet der C-X75 in weniger als 3 Sekunden auf Tempo 100 und wird über 320 km/h schnell. Und dies bei nur 99 g/km CO2-Ausstoss!

Geräumig Der Ford B-Max bietet dank dem neuen Türkonzept einen extrem leichten Zugang ins Innere und für seine Grösse enorm viel Platz.

Ford B-Max Frech Kleiner Grill und riesige Leuchten vorne, hinten hübsch integrierte Schiebetüren. u Motoren Benzin 100, 105, 120 PS,

Diesel 95 PS u 0 bis 100 km/h 11,2 bis 13,9 s u Spitze 173 bis 189 km/h u Verbrauch 4,1 bis 6,2 l/100 km u CO2-Ausstoss 104 bis 149 g/km u Energieeffizienz-Kategorien A bis C u Verkauf ab sofort u Preis ab CHF 25 850.– u Konkurrenten Citroën C3 Picasso, Honda Jazz, Hyundai ix20, Kia Venga,

Lancia Musa, Nissan Note, Opel Meriva, Skoda Roomster u. a. u Unser Urteil Der B-Max sticht mit seinem cleveren Türsystem aus der Masse der Mini-Vans heraus. Ein­ steigen, Kindersitze montieren oder auch sperrige Güter laden sind dank der fehlenden B-Säule ein Kinderspiel. Weil der Ford auch noch durch gutes Fahrverhalten und fairen Preis glänzt, hat er sicher gute Erfolgschancen.

Seat Leon Feuriger Spanier u Zeitgleich mit dem neuen VW Golf VII zeigt Seat in Paris Ende September den auf der gleichen Plattform basierenden Leon. Der 4,26 Meter lange Spanier will mit einer etwas aggressiveren Front samt Voll-LED-Leuchten und scharfer Seitenlinie mehr Temperament ver­sprühen als der VW. Unter dem ­schicken Blechkleid gibts neben einem um 40 auf 380 Liter angewachsenen Kofferraum viel VW-Konzerntechnik. Alle Motoren verfügen über Direkteinspritzung und Turbo und sind so um bis zu 22 Prozent sparsamer. Neben vier Dieseln (90 bis 184 PS) sind auch vier Benziner (86 bis 180 PS) erhältlich. Der sportliche Fünftürer rollt im November in die Schweiz, Anfang 2013 werden der Dreitürer und ein Kombi folgen. schweizer illustrierte

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Horoskop

Geniessen Sie die Ruhe vor dem Sturm

zweiten Mal der schwierige Zyklus Uranus–Pluto exakt: In den Tagen danach sorgen Turbulenzen, Ausschreitungen, Natur­ katastrophen für Schlagzeilen. Dieser Zyklus war Ende Juni zum ersten Mal exakt – er wird sich noch fünfmal wiederholen (siehe mein Buch: «2012–2016: Weltkrise und Neubeginn»).

widder 21.–30. 3. Ruhige Woche: interessante Diskussionen (mit Partner?) am 16., gute Nachricht am 21. Nur die um den 28. Geborenen sollten mit einer Umstel­ lung rechnen, manchmal einem Neubeginn. 31. 3.–9. 4. Sie gehören zu den Favoriten der Sterne: Die Glücks­planeten Venus und Jupiter versprechen Sternstunden, geht gar ein Wunschtraum in Erfüllung? Schicksalhafte Begeg­ nung, Heirat oder Nachwuchs speziell am 17. und 21. 10.–20. 4. Sie bleiben am Ball, haben alles unter Kontrolle. Am 18. zeigt Ihr Partner, dass auf ihn Verlass ist.

stier 21.–30. 4. Ruhige Woche. Nur am 18. und 19. sind Sie nervös, dem Partner gegenüber nicht grad tolerant. 1.–10. 5. Sie ziehen sich in Ihre Schale zurück. Diskussionen mit dem Partner sind ziemlich explosiv (speziell am 19.). Vorsicht im Strassenverkehr, andere könnten einen Fehler machen. Nur am 15. sind Sie blen­ dender Laune, freuen sich über eine nette Geste (von ­Ihren Kindern?). 11.–20. 5. Sie amüsieren sich blendend. Gehen Sie aus, nehmen Sie eine Einladung an (am 16., Neumond). Günstig auch für langfristige Vorhaben.

zwillinge 21.–31. 5. Sie manövrieren geschickt und mit der richtigen Taktik . Am 18. und 21. kommen Ihre Argumente gut an, Verhandlungen versprechen Erfolg. Die um den 28. Geborenen erleben eine grosse Umstel­ lung, beruflich oder privat (19.). 1.–10. 6. Jupiter und Ve­ nus bringen Glück und Erfolg. Ihr Charme bewirkt man­ che Sternstunden (17., 21.). Wer solo ist, findet Anschluss, Liierte schweben in höheren Sphären. 11.–21. 6. Am 16. (Neumond) bereiten häusliche Probleme Kopfzer­ brechen. Am 18. und 20. bietet sich eine Lösung an.

krebs 22. 6.–1. 7. Nach dem ruhigen Weekend kann es ab dem 17. zu Verzögerungen kommen (17., 20.). Bei Verträgen oder auf Reisen sollten Sie auch auf Details achten. Besser läufts ab dem 21. 2.–12. 7. Sie sind dyna­ misch und vital, verdanken Mars zusätzliche Power (15.,19.). Exzellent, um etwas für Ihre Gesundheit zu unter­ nehmen (Bewegung, mehr Sport). Am 16. und 17. sollten Sie aber etwas kürzertreten. 13.–22. 7. Der Neumond am 16. und der 19.sind günstig für Kontakte, eine Aussprache, einen Besuch etc. Sie sind auf der richtigen Wellenlänge.

löwe 23. 7.–1. 8. Sie knüpfen wertvolle Kontakte. Speziell am 16. und 21. entscheiden Sie klug. Die um den 30. Geborenen gehen neue Wege (die Wurzeln gehen auf Januar zurück?). 2.–12. 8. Sie verbuchen einen schönen Erfolg, gleichzeitig sorgt Venus für unvergess­ liche Momente. Am 17. und 21. geht ein Wunschtraum in Erfüllung. Körperlich sollten Sie sich aber nicht über­ schätzen (am 16. und 19.)! 13.–23. 8. Ihre konstruktive Haltung macht sich bezahlt. Am 18. finden Sie die Lösung eines Problems, etwas hektisch aber wird der 20.

jungfrau 24. 8.–2. 9. Sie kommen ohne Schwierig­ keiten über die Runden. Am 18./19. sind Sie auf der rich­ tigen Wellenlänge, nur am 21. sind Sie nervös und lust­ los. Eine Umstellung (am 19.) ist positiv für Ihre Zukunft. 3.–12. 9. Mars verleiht Ihnen Kraft, Sie erledigen Ihr Pen­ sum schneller als geplant (15., 19.). Am 16. schiessen Sie aber weit übers Ziel hinaus. 13.–23. 9. Sie können am 16. (Neumond in Ihrer Dekade) nur schwer Ihre Gefühle ver­ bergen, sind übersensibel. Oder Schlafstörungen? Am 19. freuen Sie sich über eine Nachricht, einen Besuch.

waage 24. 9.–3. 10. Sie sind schlagfertig und ­kreativ, knüpfen interessante Kontakte. Günstig für Exa­ men, Schreibarbeiten, eine Reise etc. (21.). Am 17. oder 19. könnte Ihre Haltung falsch ausgelegt werden, eine grössere Wende kündigt sich an. 4.–13. 10. Traumwoche! Jupiter und Venus versprechen Glück und Entfaltung, am 21. geht für einige ein Wunschtraum in Erfüllung (Ge­ winn, Heirat?). 14.–23. 10. Sie ziehen Bilanz, ein Vorha­ ben bringt gute Resultate. Besonders die nach dem 19. Geborenen ernten jetzt die Früchte ihrer Anstrengungen.

skorpion 24. 10.–2. 11. Eine grössere Umstellung (bei der Arbeit?) hat langfristig gesehen positive Effekte für Sie. Trotz Problemen am 19. ziehen die um den 30./31. Geborenen eine vorteilhafte Bilanz. 3.–12. 11. Mars wan­ dert durch Ihre Dekade und spornt Sie zu Höchstleistun­ gen an (am 15., 21.). Allerdings kann er Sie am 17. und 19. zu Exzessen verleiten, und Sie sind gesundheitlich etwas anfälliger (Unterleib, Kreislauf). 13.–22. 11. Sie sind auf der Überholspur. Der Neumond am 16. ist exzellent für Ihre Projekte, Freunde sagen ihre Unterstützung zu.

schütze 23. 11.–2. 12. Sie sind schlagfertig. Projekte mit Ihren Freunden (eine Reise?) versprechen Erfolg (18., 21.). Die um den 30./31. Geborenen profitieren von einer Umstellung (exzellenter Neubeginn am 19.?). 3.–12. 12. Sie sind auf Glückskurs: Venus bringt Momen­ te voller Romantik, einige treffen voll ins Schwarze. Schicksalhafte Begegnung? Versöhnung? Harmonie? Am 21. geht ein Wunschtraum in Erfüllung. 13.–21. 12. Sie kommen gut über die Hürden, sammeln weiter Plus­ punkte. Am 18. könnten sich alte Freunde melden.

steinbock 22.–31. 12. Missverständnisse bereiten Kopfzerbrechen (am 20.). Sie bekommen aber am 18. Un­ terstützung von Freunden. Die um den 30./31. Geborenen müssen sich mit einer Umstellung anfreunden (19.). 1.–10. 1. Sie sind physisch in Superform. Exzellent für sportliche Aktivitäten. Oder um etwas gegen chronische Probleme zu unternehmen (15., 19.). Nur am 17. dürfte Ihre Haltung falsch aufgelegt werden. 11.–20. 1. Ruhige Woche. Die nach dem 17. Geborenen müssen auf einen Kompromiss eingehen (Konsequenz von Januar?).

wassermann 21.–30. 1. Merkur verspricht interessante Kontakte, erfolgreiche Verhandlungen. Günstig für eine Reise, Projekte mit dem Ausland (16., 18.). Am 17. sollten Sie nichts dem Zufall überlassen! 31. 1.–9. 2. Sie sind auf Glückskurs: Jupiter und Venus versprechen eine Stern­ stunde (am 21.!), für einige geht ein Traum in Erfüllung (Heirat, Versöhnung?). Trotzdem sollten Sie sich scho­ nen, Exzesse vermeiden (z. B. am 18.). 10.–19. 2. Sie sam­ meln weiter Pluspunkte, festigen Ihre Position. Saturn signalisiert gute Resultate eines Vorhabens (16., 20.).

fische 20. 2.–1. 3. Sie kommen gut über die Hür­ den, freuen sich am 18./19. über eine Nachricht. Am 21. sind Sie etwas gestresst (zu viel Arbeit?). Die um den 27. Geborenen werden gut mit einer neuen Situation fertig (am 19.). 2.–10. 3. Sie sind in Bestform: Mars stärkt Ihre Abwehrkräfte, Sie haben gute Karten, um etwas für Ihre Gesundheit zu unternehmen (Bewegung, Ernährung?). 11.–20. 3. Der Neumond am 16. deutet auf hitzige Debatten mit dem Partner. Sollten Sie ihm einen Schritt ent­gegenkommen? Am 20. finden Sie dafür den richtigen Ton.

ihr tages-horoskop 92

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Illustrationen Michael Husmann Tschäni; bearbeitet und übersetzt von Gerhard Hynek

woche vom 15. bis 21. September 2012 Eine ereig­ nisreiche Woche! Der Neumond am 16. (in der 3. Dekade Jung­ frau) ist harmonisch, das Weekend wäre also günstig für klären­ de Gespräche oder langfristige Projekte. Ab dem 17. kommt es verstärkt zu Spannungen bei Verhandlungen. Am 19. wird zum

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WER HÄTS – OHÄ LÄTZ

KREUZWORT CHAOS

ZITAT ZWISCHEN ZAHLEN 1. Aldente, 2. Frieden, 3. Grenada, 4. Umkreis, 5. Felchen, 6. Neujahr, 7. Magisch, 8. Schuess, 9. Kiebitz, 10. Teilung, 11. Witzweg, 12. Magenta, 13. Beitrag, 14. Liberte, 15. Litauer, 16. Hundwil, 17. Stupide, 18. Goretta, 19. Herisau Lösungssatz: Die Klugheit gibt nur Rat, die Tat entscheidet.

REBUS

Lösung: TINTE

Lösung: 976

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Conceptis Puzzles

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LÖSUNGSWORT

SUDOKU mittel 7 8 1 9 5 4 3 6 2

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Bei richtiger Deutung der Bilder erhalten Sie das Lösungswort.

KREUZWORTRÄTSEL

WALD ZAUN SCHAF WUNSCH

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Teilnahmeschluss Sonntag, 16. September 2012

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Lösung: 831

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06010014449

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosungen wird keine Korrespondenz geführt. Mitarbeiter der Ringier AG und ihrer Tochtergesellschaften sowie Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. Automatisierte Teilnahmen sind nicht gewinnberechtigt.

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leser

doch krankhaft. Ich finde, sie ist ein schlechtes Beispiel. Gibt es denn nicht schon zu viele junge Menschen mit Ess­störungen und Komplexen?» Barbara Klaus, Herzogenbuchsee BE

«Der Freitod seiner Mutter ist tragisch» u Mister Schweiz, SI 35,

36/2012 «Der Freitod der Mutter von Mister Schweiz 2012 ist tragisch. Sandro Cavegn ist damit aber nicht alleine. Es gibt sehr viele Familien mit demselben Schick­ sal. Diese stehen nicht in der Öffentlich­ keit, müssen aber auch durch sehr schwie­ rige Situationen. Es ist deshalb unnötig, wenn Sandro Cavegn auf Mitleid macht. Gut wäre es, wenn er die Siegesprämie einer gemeinnützigen Stiftung spenden würde.» Rita Bertschinger, Glattbrugg ZH «Der Freitod seiner Mutter habe sein Leben grundlegend verändert, sagt Sandro Cavegn beim Besuch des Grabes der

Verstorbenen. Dass er deshalb nicht an Gott zweifelt und versucht, das Gesche­ hene zu akzeptieren, und positiv in die Zukunft schaut, finde ich sehr lobens­ wert.» Franziska Wenger, per E-Mail Viel zu Dünn: Das ist doch nicht Schön u Elite-Model, SI 35/2012 «Ihr Bericht und das Bild auf Seite 3 von Elite-Model Manuela Frey gibt mir zu denken. Warum müssen junge Frauen so mager und dünn sein? Was soll da bitte noch schön sein? Wo sind die weiblichen Rundungen? Sie sieht in meinen Augen aus wie magersüchtig. Und dass Manuela Frey extra fünf Kilo abgenommen hat, ist

schreiben sie uns ihre meinung Schweizer Illustrierte, Leserbriefe, Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Fax 044 - 259 86 22, E-Mail info@schweizer-illustrierte.ch. Anonyme Zuschriften werden nicht veröffentlicht. Die Redaktion behält sich vor, Briefe zu kürzen.

Energieblender: Die Heisse Luft der Politiker u Notabene, SI 34/2012 «Danke an Chris von Rohr für seine kritischen Worte! Offensichtlich trifft es zu, dass Politiker unbeschwert von elemen­ tarem physikalisch-technischem Wissen über Dinge entscheiden, deren Tragweite sie nicht ansatzweise beurteilen können. Schade, lässt sich die heisse Luft, die in diesen Kreisen produziert wird, nicht ener­ getisch nutzen; das Energieproblem wäre wohl gelöst.» Beatus Bosshardt, per E-Mail Gewonnen – Das freut mich riesig u Kreuzworträtsel, SI 33/2012 «Vielen herzlichen Dank für die GenioKaffeemaschine. Es hat mich riesig gefreut, dass ich auch mal einen Preis gewonnen habe. Werde auch weiterhin die Rätsel zu lösen versuchen.» Rösly Zeltner, per E-Mail

SIND DENN FISCHE KEINE LEBEWESEN? u Nadine Strittmatter, SI 32/2012 (GrUEn) «Mit Interesse habe ich in der ‹SI GRUEN› das Interview mit Frau Strittmatter gelesen. Gestaunt habe ich über ihre Aussage bezüglich vegetarischer Ernährung. Fleisch essen stösst sie ab. Sie hat keine Lust, einen Friedhof im Magen zu haben, aber sie liebt Fisch. Für mich (37, Vegetarierin) ist das unverständlich. Ist ein Fisch denn nicht auch ein Lebewesen? Ansonsten finde ich das Interview sehr gut und Frau Strittmatter eine interessante Persönlichkeit.» Katja Burkart Schumacher, per E-Mail

willi

«Da sieht man jetzt, wo diese Jugendmusikförderung hinführt!»

Foto Katja Lehner-Grossi

Andächtig Der neue Mister Schweiz Sandro Cavegn besucht regel­ mässig das Grab seiner Mutter in Rapperswil.


notabene

Kinderarbeit im Bildungsvollzug Peter Bichsel

Foto Kurt Reichenbach

E

s kommt vor, dass ich benützt, ohne Französisch und Mathe­ nachts schweissgebadet matik nachzubüffeln, benützt sie auf erwache, und es kommt eigenes Risiko und mit dauernd schlech­ vor, dass mir dabei einfällt, tem Gewissen. Ja, einige werden es schaffen, und viele werden daran schei­ dass jetzt vielleicht eben in tern, und wir werden staunen darüber, Japan ein paar Deutsch­ wie sie in der bestmöglichen Schule zu studentinnen mit einem kaputten Menschen geworden sind. Text von mir gequält werden. Die Vorstellung, dass es Texte von mir in Ich stelle mir vor, nicht im Ernst, Deutschlehrbüchern gibt, ist nicht nur aber ich stelle mir vor, dass wir anstelle erfreulich. Immerhin, sollte ich diesen der Schule die Kinderarbeit wieder ein­ führen würden. Dann wäre wohl allen Lehrer mal treffen, wird er mir bestimmt klar, dass man sie regeln muss, und die begeistert mitteilen, wie sehr sich seine Gewerkschaft würde sich dafür einset­ Studentinnen über meine Texte freuen zen. Zum Beispiel höchstens 20 Arbeits­ – was bleibt ihnen anderes übrig? stunden für Kinder in der Woche, zwei Vor vielen Jahren in einem College Tage frei und das Verbot, zusätzlich in Ohio hatte eine Studentin elf Fragen Heimarbeit (Hausaufgaben) zu leisten. zum Verständnis einer Geschichte von mir als Hausaufgabe zu beantworten. Ich Nein, lassen wir das. Und Vor­ schläge habe ich auch keine. Und würde bot ihr an, dass ich das machen wolle, «Lernen, lernen, ich vorschlagen, mehr Ruhe und mehr und musste sie lange dazu überreden, lernen – und was Musse und mehr Leben, und das würde denn amerikanische Studenten betrü­ einleuchten, dann hätten wir bald ein gen nicht. Das Ergebnis war erbärmlich, einmal Bildung hiess, vier meiner Antworten waren falsch. Das ist zur Ausbildung paar Dutzend Mussepädagogen und überraschte mich zwar nicht, denn ich ­Lebensdidaktiker und fast ebenso viele hatte die Geschichte ja nicht geschrie­ verkommen» Ausbilder, Assistenten und Sekretärin­ ben, damit ich sie selbst verstehe, und nen und richtige Professoren für Musse­ auch nicht, damit der Lehrer sie versteht, sondern nur damit bildung. Und Diagramme und Forschungsergebnisse und man ein bisschen darüber nachdenken und sich vielleicht ein Lehrpläne – und die Bildung verkommt zum Moloch. bisschen darüber freuen könnte. Aber mit Nachdenken und Und die Schullehrer, die schon längst leiden unter dieser Sichfreuen gewinnt man keine Punkte zum Erreichen des professionellen Bildungshysterie, hätten auch das zu vollzie­ ­Diploms. hen, denn schon längst sind sie zu Bildungsvollzugsbeamten Eingefallen ist mir das, nachdem ich meine Abstimmungs­ geworden, und die Kinder sind keine Schüler mehr, sondern zettel ausgefüllt habe – rauchend selbstverständlich – und Vollzogene. selbstverständlich den Bundesbeschluss über die Jugendmu­ Es gibt in diesem Geschäft keine Zweifel mehr, son­ sikförderung angenommen habe, wenn auch mit berechtigtem dern nur noch gesichertes Wissen, das vollzogen werden muss Zweifel, nachdem ich in einer Diskussionsrunde von einer – eine schreckliche Vorstellung: der Vollzug. ­Befürworterin vernommen habe, dass Untersuchungen zum Dass wer viel lernt, viel leiden muss, und wer viel weiss, Schluss gekommen seien, dass Musizieren die Konzentrations­ viel Gram hat, das hat schon der Prediger in der Bibel fest­ fähigkeit und die Lernfähigkeit fördere und selbst das Ver­ gestellt. Und Schüler haben wohl schon immer gelitten und ständnis für Mathematik. Das heisst also, dass auch die Musik Lehrer auch. Und die Schulen, in denen wir waren, als Schü­ der Ausbildung von karrierefähigen Industriekapitänen zu die­ ler und als Lehrer, waren keineswegs so gute Schulen, wie sie nen hat. Das hat die Musik nun wirklich nicht verdient, dass uns in der Erinnerung erscheinen mögen. Und die schlechtes­ ten Lehrer waren wohl jene, denen die Schule und das Schu­ sie nützlich zu sein hat. Bildungswahnsinn, Bildungswahnsinn. Lernen, ler­ lehalten nie zum Dilemma wurde. nen, lernen – und was einmal Bildung hiess, ist zur Ausbildung Jetzt soll die Schule endlich, da sind sich die Politiker verkommen. Die Industrie braucht ausgebildete Fachkräfte, einig, auf Vordermann gebracht werden. Jetzt wird sie endlich die Schule hat sie zu liefern. Zum Handorgelspielen bleibt nur gut, die Schule. Jetzt werden sie endlich gut, die Lehrer, jetzt Zeit, wenn es die Belastbarkeit fördert. So ist einer der här­ werden sie endlich gut, die Schüler. Und das Leben? Und die  testen Berufe der Beruf des Schülers geworden – Fünfzigstun­ Menschen? Und die Welt? Die können warten. denwoche, Sechzigstundenwoche und nicht dieselbe Freizeit wie ein Industriearbeiter. Der Schüler, der seine Freizeit Peter Bichsel, 77, Schriftsteller und Publizist schweizer illustrierte

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Auf einen Espresso

Frank A. Meyer und Marc Walder

Über die Liebe und den Ladenschluss

Wie meinen Sie das jetzt? Ganz einfach: Ich bin komplett dagegen! Und weshalb? Weil ich schon immer gegen eine Gesellschaft war, die sich vollständig Konsum und Kommerz unterwirft. Das ist jetzt sehr abstrakt. Hier geht es doch nur darum, auch am Abend oder am Wochenende einkaufen zu können. Sie verengen das Problem auf den kleinen Quartierladen von nebenan. In Wirklichkeit geht es um die Ökonomisierung aller Lebensbereiche – und letztlich darum, welche Gesellschaft wir wollen. Im Reich des Geldes geht die Sonne nicht unter: Wall Street öffnet, wenn Tokio schliesst. Wollen wir die globalen Märkte im Kleinen und Kleinsten nachäffen? Wollen wir den Rund-um-die-Uhr-Kapitalismus bis ins kleinste Kaff? Die Öffnungszeiten sind bei uns chaotisch geregelt. Niemand weiss mehr, welcher Laden wann, wo, wie lange offen hat … Da reden Sie etwas herbei, was überhaupt nicht zutrifft: Die Konsumenten wissen ganz genau, wann welche Geschäfte offen sind. Gerade der Konsum funktioniert in der Schweiz prächtig. Gegen eine einheitliche Regulierung hätte ich trotzdem nichts. Aber? Aber ich bin gegen die vorgesehene Deregulierung. Warum denn bloss? Längere Öffnungszeiten stärken doch klar den Standort Schweiz. Es geht um sehr viel mehr als nur um längere Einkaufs­ zeiten. Es geht um das menschliche Mass, von dem unsere

Ihre Meinung interessiert uns: Diskutieren Sie mit – auf www.schweizer-illustrierte.ch

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schweizer illustrierte

Gesellschaft bisher doch immer noch mitbestimmt war: Die Nacht war nicht der Tag, der Sonntag war nicht der Montag. Die Lebensgewohnheiten der Menschen wurden respektiert: Mit den Hühnern ins Bett und mit den Hühnern wieder heraus – diese volkstümliche Regel entspricht dem Bedürfnis des Menschen. Wer alles nur noch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet, verliert dieses Mass aus den Augen. Für viele Menschen wäre es eine Erleichterung, bis 20 Uhr oder 22 Uhr einkaufen zu können … Oder um 24 Uhr oder um 2 Uhr morgens oder um 4 Uhr! Das Thema hatten wir doch schon letzte Woche – Party zu jeder Zeit; heute reden wir vom Konsum zu jeder Zeit. Diese Auflösung der Zeit und des menschengerechten Rhythmus bedeuten auch ein Auflösen der Gesellschaft. Übertreiben Sie jetzt nicht? Nein, das erleben Sie doch in Ihrem Arbeitsalltag selber: Es gibt keinen gemeinsamen Lebenstakt mehr. Es soll ihn nicht geben. Ja, es darf ihn nicht geben! Denn nur der vereinzelte Mensch eignet sich zum willfährigen Objekt wirtschaftlicher Manipulation. Zum Beispiel durch Ver­führung zum unablässigen Konsum. Das meine ich mit der Unterwerfung von Mensch und Gesellschaft unter das Diktat der Ökonomie. Ich kann Sie hier wirklich nicht verstehen. Der Freisinn hat doch völlig recht, wenn er sich für diese Liberalisierung einsetzt. Ach ja, der Freisinn! Seine neuste Propaganda-Parole lautet: «Aus Liebe zur Schweiz». Es ist die Liebe zum Standort – und nicht zur Heimat! Ist es überhaupt Liebe? Liebe hätte doch etwas mit den Menschen zu tun. 

MARC Walder, 47, ist CEO der Ringier AG Frank A. Meyer, 68, arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin

Foto Thomas Buchwalder

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, wenn der Bundesrat die Ladenöffnungszeiten liberalisiert, könnten wir demnächst noch spät am Abend einkaufen. Wären Sie da auch dafür? Lieber Marc Walder, Sie kitzeln offenbar gern meine konservative Seite heraus.



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