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21. Mai 2012 CHF 4.50

Merci, Kurt Kurt Felix 1941–2012


Inhalt

HEFT 21, MONTAG, 21. Mai 2012

Titel

Titelbild Kurt Reichenbach; Inhalt Günther Kathrein

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u Kleine Prinzessin Chanel ist die Jüngste in der Knie-Dynastie: Die Tochter von Géraldine Knie ist ein Jahr alt und schon der Boss. Ein Besuch im Wohnwagen.

Kurt Felix Unvergesslich. Seine grosse Liebe. Sein Leben als Entertainer. Seine heimtückische Krankheit. Was wir an ihm so liebten. Die Hommage. Die Bilder

Leute 7 8 26 32 38 46

Editorial von Monique Ryser Leute Roberto Di Matteo, Beny Rehmann, Dani Felber & Co., Tanja Grandits Géraldine Knie Das ist Chanel! Ivans kleine Schwester hat den Zirkus im Blut Heiko Vogel Meistertrainer. Er verblüfft in Basel nicht nur die Fussballwelt Kisha Das Comeback! Die Prix-WaloGewinnerin begeistert mit Country Carl Lewis Der Jahrhundertsportler zu Besuch in Bern: Das exklusive Interview schweizer illustrierte

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Inhalt Party 11

DJ Bobo & Eliane Müller Bern

Gesellschaft 40

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Oskar Freysinger «Familientisch»: Wie die Kinder des SVP-Politikers ticken. Was den Eltern in der Erziehung wichtig ist Wer wird Mister Schweiz? Serie, Teil 3: Drei Kandidaten mit viel Bauchgefühl

Zero

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Das Magazin für nachhaltige Mobilität Emissionsfrei in die Zukunft – visionäre Neuheiten auf zwei und vier Rädern

Shopping

u Familientisch «Hier ist er nicht Politiker, sondern der beste Vater und Gatte, den man sich vorstellen kann», sind sich Laura, Yoann, Ghislaine und Fanny (v. l.) einig. Ein lustiger Besuch bei SVP-Nationalrat Oskar Freysinger im Wallis.

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Das Magazin für lustvolles Einkaufen Mode, Style, Electronics

Check-up 91 92

Fit im Alter Eiweiss stärkt die Muskeln: So beugen Sie der Sarkopenie vor Nierenspende Neues Verfahren bei Unverträglichkeit – Crossover: Organe und Blutgruppen passen übers Kreuz

Die Besten

Fotos Kurt Reichenbach, Nathan Beck, Janette Gloor

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32 u Ganz Oben Weder Fink noch Star: Cup-Gewinner und Meistertrainer Heiko Vogel fliegt in Basel von Sieg zu Sieg.

ABO-SERVICE 0800 820 920 Redaktion: Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Tel. 044 - 259 63 63, E-Mail info@schweizer-illustrierte.ch, www.schweizer-illustrierte.ch

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Das Schweizer Kulturmagazin Kunst, Musik, Bücher, Filme

Weekend 101 Freizeit, geniessen, rätseln En Guete, GaultMillau, Reisen, Spiele

Und …

Notabene von Peter Bichsel Auf einen Espresso mit Frank A. Meyer und Marc Walder u Federleicht Weiss ist die Farbe der Frühlingsmode! Verträumt und flies- 109 Horoskop ­send – der Rebellen-Look auf sieben Seiten. 113 Leserbriefe/Impressum

Exklusiv auf dem ipad Wer hat was mit wem? Im PromiFlash gibts den neuesten Klatsch und Tratsch. Und: Sehen Sie sich eMagazin zu Hause um bei Emma Watson.

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Mehr News, mehr Bilder: www.schweizer-illustrierte.ch

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editorial

Die Schweiz nimmt Abschied Kurt Felix Der grösste Fernseh-Unterhalter, den

Monique Ryser, Mitglied der Chefredaktion

die Schweiz je hatte, ist am Mittwoch vergangener Woche im Kantonsspital St. Gallen im Alter von 71 Jahren gestorben. 25 Jahre lernen, 25 Jahre arbeiten, 25 Jahre geniessen – das war sein Lebensziel. Um vier Jahre hat er es nicht erreicht. 2003 erhielt er die Diagnose Krebs. Das war ein Schock. Für ihn, aber ebenso für seine grosse Liebe, seine Frau Paola. Das Paar war ein Vorbild: Genau so muss eine Partnerschaft sein! So viel Zuneigung, wie die beiden einander entgegenbrachten, möchte jeder von uns erhalten. Die beiden wussten, dass die Zeit knapp wurde, und beschlossen: «Wir schieben nichts mehr auf.» Die Krankheit hat das Ehepaar weder zusammengeschweisst noch auseinandergebracht. «Wir konnten gar nicht näher zusammen sein, als wir es sowieso schon immer waren. Wir sind aber auch keinen Millimeter auseinander­ gerückt.» Nur die Gewalt des Todes konnte Paola und Kurt Felix trennen. In der Erinnerung lebt Kurt Felix weiter: «Teleboy» wird nie vergessen werden, «Verstehen Sie Spass?», mit dem er in Deutschland zum Superstar avancierte, ebenso wenig. Diese TV-Formate haben sich nicht nur den damaligen Zuschauerinnen und Zuschauern ins Gedächtnis gebrannt. Dank Youtube sind noch heute legendäre Szenen wie das Gipfeli im Kafi oder «Söll emol cho» absolut Kult. Er habe nachts Erfolg gehabt, weil er tagsüber sehr hart gearbeitet habe, erklärte Kurt Felix. Das zeigt seine Bescheidenheit und ist doch nur die halbe Wahrheit: Kurt Felix war ein genialer Fernsehmacher und ein Menschenfreund, der seine Gags so anlegte, dass auch die Opfer lachen konnten. Nur dank seiner tiefen Menschlichkeit war diese aussergewöhnliche Karriere möglich. «Liebe bis zur letzten Sekunde» ab Seite 12

Peter Bichsel

Der langjährige Kolumnist der Schweizer Illustrierten hat an den Solothurner Literaturtagen den Grossen Schillerpreis erhalten. Wir gratulieren Peter Bichsel ganz herzlich zu dieser Ehrung! Der Mann der leisen Töne erzählt Geschichten. Geschichten aus dem Leben. Er findet das eigentlich nicht der Rede wert. Wir sind anderer Meinung: Bichsels Texte sind wahre Perlen – und immer wieder ein Genuss zum Lesen. «Zwei in einem Märchen» – das Notabene auf Seite 74 Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche mit Ihrer Schweizer Illustrierten.

Foto Geri Born

Fernsehmann und liebender Gatte Eine neue Sendung, der Erfolg des «Teleboy», die Hochzeit mit Paola, der Kampf gegen den Krebs, die Hoffnung und der Rückfall – Kurt Felix von 1976 bis 2010 auf den Titelbildern der SI.

SI GRUEN. Das Magazin für grünen Lifestyle. Starköchin Tanja Grandits im gros­sen Interview. Besuch bei Vitra-Design: Möbel zum Vererben. 8 Seiten Mode: Blumen, Muster, bunt gemixt. Nächste Woche mit Ihrer Schweizer Illustrierten! schweizer illustrierte

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leute

beny rehmann

Die Ehre zum Schluss u In den 80er-Jahren reiste Beny Rehmann, 75, auf den Kreuzfahrtschiffen des Mittelmeers umher. Der StarTrompeter gab seine Lieblingshits «Oh Katharina» und «Schiffsfeger-Polka» zum Besten. Die Erlebnisse auf See gehören zu seinen persönlichen Höhepunkten. Vor ein paar Tagen fuhr er von Strengelbach AG nach Schwyz zur PrixWalo-Ver­leihung. Und die Reise hat sich gelohnt: Monika Kaelin, 57, hielt die Laudatio auf sein Lebenswerk und überreichte ihm den Ehren-Prix-Walo. «Als sie meinen Namen aussprach, bin ich sehr erschrocken und konnte es nicht glauben», sagt Rehmann, «es ist eine grosse Anerkennung für meine Karriere.» 16-mal Gold, 7-mal Platin und 1-mal Doppel­platin erreichte er mit seiner Band. Auch Jahre nach dem letzten Auftritt übt er täglich auf der Trompete. rms

Auch mit 75 übt Beny Rehmann noch täglich in seinem Haus in Strengelbach AG auf der Trompete.

Ehrenrunde mit dem Sohn. «I won it!» – «Ich habe gewonnen!» Chelsea-Held Roberto Di Matteo mit Sohn Demi am Samstag in München.

wer liebt wen

Liebesaus und ein neues Leben u Nach fast zwanzig Jahren ist ihre Liebe erloschen: Moderatorin Christine Maier, 47, und Artist David Dimitri, 49, haben sich getrennt. «Wir sind weiterhin befreundet und sehr froh, dass wir es geschafft haben, trotz Trennung unsere Freundschaft zu

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erhalten», sagt Christine Maier. «Das tun wir für uns selbst, aber auch für unsere Kinder.» Für Naomi, 17, und Robin, 15, wollen sie auch künftig eine Familie sein. u Donghua Li, 44, ist am Freitag, 18. Mai, zum zweiten Mal Vater geworden. Er und

seine Partnerin Qian Huang, 42, freuen sich über Söhnchen Yanis – zufällig vom selben Arzt entbunden, der bereits Lis Tochter Yasmin, 15, auf die Welt brachte! Donghua Li: «Yanis hat mich schon angepinkelt – ein guter Start.» Der Kleine misst 51 Zentimeter und ist 3860 Gramm schwer.

Fotos dpa picture-alliance/Keystone, Marcel Nöcker, Hervé Le Cunff, Adrian Bretscher/Blick/RDB

Roberto di matteo

Röbi vom Waldrand ist der Champ u Mourinho, Scolari, Hiddink, Ancelotti – die Liste der Chelsea-Trainer liest sich wie ein Who is who des Weltfussballs. 1,1 Milliarden Euro steckt Roman Abramowitsch in sein Hobby – mit einem grossen Ziel: dem Gewinn der Champions League. Der Mann, der ihm diesen Traum erfüllt, ist ein wasch­echter Schaffhauser: Roberto Di Matteo. Im Mai 1970 am Munot geboren, wohnt er mit seinen Eltern Fiorindo und Gianna an der Stahlwerkstrasse 13. Dem Ball jagt er zwischen Waldrand und Schrebergärten hinterher. Sein Vater arbeitet als Kranführer und möchte «Fritz» genannt werden. Als

Fussballer lehrt Röbi im Turnunterricht die Mitschüler das Fürchten, mit Aarau gewinnt er 1993 die Schweizer Meisterschaft und später mit Chelsea FA-Cup und Cupsieger-Cup. 34-mal spielt er für Italien. Seinen Eltern und der blinden Schwester Concetta kauft er in der Nähe von Rom ein Haus. Als Trainer arbeitet er sich aus der englischen Drittklassigkeit bis in die Premiere League empor. Nach dem Herzschlagfinale von München liegt ihm die ganze (Fussball-) Welt zu Füssen. Und seinem Sohn Demi kann er erklären, dass einst alles am Waldrand in Schaffhausen begonnen hat. TRE schweizer illustrierte

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leute

Dani Felber & Co.

Posauntes mit Gehacktem

Spitzenköchin Tanja Grandits im Botanischen Garten in Basel.

u Wenn volkstümliche Hackbrettklänge mit anderen Musikstilen vermischt werden, ist einer mit von der Partie: Nicolas Senn, 23. Diesmal hat ihn der Thurgauer Bandleader Dani Felber, 40, engagiert. Am 25. Mai eröffnet das Dani Felber Orchestra das 2. Takto (Takt und Ton) Festival in Solothurn, unter den Gast­solisten auch Bo Katzman, 60. Während sich Senn und Felber bereits kennen – sie haben am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest vor 50 000 Leuten zusammen gespielt –, ist es für Katzman eine Premiere. Und sein Elvis-Medley ist für ihn eine willkommene Abwechslung zum Gospel. Passt perfekt zum innovativen Festival. Hü

Tanja grandits

Köchin mit Herz und Verstand u Fleisch

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Sorgsam im Umgang mit Lebensmitteln: Tanja Grandits.

Prominente Verstärkung für Dani Felber (M.) am Takto Festival: Nicolas Senn (l.) und Bo «Elvis» Katzman.

Rose

kaktus

Ernst Sieber Obdachlosen-Pfarrer u Ruhestand? Nein danke! Pfarrer Ernst Sieber kämpft auch mit 85 Jahren unermüdlich für Menschen in Not. Sein neuster Streich heisst «Brothuuse» – Schweizerdeutsch für «Bethlehem»: Die Siedlung in Zürich Affoltern ermöglicht fünfzig Obdachlosen einen neuen Start ins Leben. Für Sieber geht damit ein lang ge­hegter Traum in Erfüllung – bereits 1993 forderte er im Parlament ein solches Selbsthilfe-Dorf. Lieber Herr Pfarrer, für so viel Aus­dauer und Engagement schicken wir Ihnen unsere Rose! Auch diese wird bei Ihnen mit Sicherheit ein schönes Zuhause bekommen.

Aleksandar Dragovic FCB-Spieler u Nach dem Abpfiff werden Fussballspieler nicht mehr verwarnt. Leider. Denn Aleksandar Dragovic hätte definitiv einen Platzverweis verdient: Bei der Siegerehrung nach dem Cupfinal verpasste er Bundesrat Ueli Maurer nicht eine, nicht zwei, sondern gleich drei Ohrfeigen – und das aus dem Hinterhalt. Lieber Herr Dragovic, Ihr Mediensprecher sagt, Sie hätten nicht gewusst, wer Ueli Maurer ist. Kleiner Tipp: Der Mann im Anzug, der den Pokal überreicht, ist selten der Platzwart. Und selbst Letzterem würde man keine Backpfeifen verpassen. Von uns gibts Rot – den Kaktus!

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Fotos Christoph Köstlin für SI GRUEN, Thomas Buchwalder, HO, freshfocus

isst Tanja Grandits, 41, ganz gezielt und wenn, dann nur solches vom Metzger aus der Region. Auch bei der Auswahl ihrer Speisekarte setzt die Spitzenköchin vom Basler «Stucki» auf Nachhaltigkeit. «Es kommen keine Tiere, die vom Aussterben bedroht sind, auf die Karte.» Wenn am Ende des Tages Essen übrig bleibt, verteilt sie es an die Nachbarschaft, Freunde und die Putzfrau. Denn: «Lebensmittel werfen wir keine weg.» Kommende Woche erfahren Sie in der SI GRUEN, was Tanja Grandits dazu bewogen hat, mit zwanzig ihrer besten Kochkollegen ein Kochbuch herauszugeben, und wie sie die Welt ein bisschen besser gestalten möchte. nadine bauer


Die Show «Dancing Las Vegas» ist DJ Bobos Geschenk an seine treuen Fans.

Gattin Nancy ist beruflich wie privat Bobos wichtigster Partner.

party

Eliane Müller, Gewinnerin der Show «Die grössten Schweizer Talente», darf mit drei Liedern Bobos Show eröffnen.

«Chihuahua» – DJ Bobo rockt Bern Der Bühnenstar feiert sein 20-Jahre-Jubiläum

Ü

ber den Bildschirm vor der Bühne flimmern Videos von René Baumann als Knirps und Teenager. Dann erklingen in der Berner Postfinance-Arena die ersten Takte von «Somebody Dance with Me». Das Publikum springt johlend von den Sitzen. Es folgt eine über zweistündige Party und eine Show der Extraklasse – wie man sie von DJ Bobo gewohnt ist. Die Highlights: zwei Tänzer im Kunstregen und zwei Eisläufer auf einem Mini-Eisfeld auf der Bühne. Auch Ex-Skistar Michael von Grünigen hält nichts auf seinem Sitz: «Bobos Show ist super. Ich sehe ihn nicht zum ersten Mal live.» VolksmusikStar Melanie Oesch hingegen schon. «Wow!», sagt sie begeistert. Zum ersten Mal vor so einem grossen Publikum spielt das «grösste Schweizer Talent», Eliane Müller. Sie darf vor Bobos Auftritt drei Songs ihrer ersten CD zum Besten geben. Ihr Fazit: «Ich war meganervös, aber es war einfach genial!» Text sandra casalini, Fotos bruno voser

Melanie Oesch, umrahmt von Gotti Claudia (l.), Cousin Patrick und dessen Kollege Markus (r.).

«DGST»-Jurorin Christa Rigozzi kommt mit ihrem Gatten Giovanni. Ski-Ass Michael von Grünigen mit seiner Gattin Anna, den Söhnen Elio und Lian sowie den Göttikindern René, Nicola und Cyrill (v. l.).

party-facts Gastgeber DJ Bobo für 10 000 Fans, die Schweizer Illustrierte für VIPs Tatort Postfinance-Arena, Bern Food Glace und Bier in der Halle – Vitello tonnato, Tortellini und Schoggimousse für die VIPs Glückspilz Sandra aus Frutigen wird während der Show von Bobo aufs Handy angerufen und auf die Bühne gebeten Party-Rating

«Grandiose Bühnenshow, spektakuläre Choreografien und atemberaubende Kostüme» – DJ Bobo in Höchstform

 Der «King of Dance» vermag auch nach zwanzig Jahren zu begeistern.

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hommage

Er ging mit einem L辰cheln: kurt felix hat am Mittwoch seinen Kampf gegen den Krebs verloren. Die Schweiz trauert um den grandiosen Unterhalter, der TV-Geschichte schrieb. Und f端hlt mit seiner grossen Liebe Paola. Texte aurelia forrer, sylvie kempa, christa h端rlimann, sandra casalini, nadine bauer, monique ryser, marcel huwyler, nina siegrist, bettina portmann

Das Traumpaar Kurt und Paola Felix sind 32 Jahre verheiratet und unzertrennlich gewesen. Bis zuletzt ist sie ihm eine liebevolle St端tze.

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Foto Kurt Reichenbach

Liebe bis zur letzten Sekunde 13


hommage

«In meiner Kindheit gab es den Gottvater im Himmel. Er hat einen weissen Bart und empfängt mich. Schön, wenn es so wäre»

Der bescheidene TV-Star Sich selber stellte Kurt Felix nie ins Rampenlicht. Es reichte ihm, in seinem Haus in St. Gallen über den roten Teppich zu schreiten, wie hier im März 2011.

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Foto Kurt Reichenbach

kurt felix

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hommage

«‹Felicità› heisst Glück. Und glücklich macht mich mein Mann. Der ideale Ehegatte, so richtig zum Gernhaben» paola felix

Fotos Kurt Reichenbach, Marcel Nöcker (2)

Daheim vor dem Spiegel Selbst die Zeit im Badezimmer verbringen Paola und Kurt Felix, hier 1988, gemeinsam.

Im Hafen der Ehe Die silberne Hochzeit feiert das Paar im September 2005 auf dem Genfersee.

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Auf immer und ewig Das Paar 2005 über die schönste Zeit. Paola: «Die 25 Jahre mit Kurt.» – «Und die nächsten 25 Jahre. So Gott will», fügt Kurt an.


hommage

Frisch vermählt Ende September 1980 verbringt das Ehepaar Flitter­wochen in der Karibik.

«Mein Heirats­antrag? Ich sagte: ‹Fräulein del Medico, wir sollten heiraten›»

Sprudeln vor Ideen Kurt und Paola freuen sich 1998 über ihren Whirlpool vor dem Haus in St. Gallen.

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Tanz ins Glück Am 13. September 1980 heiratet Kurt Felix seine Paola auf dem Bürgenstock bei Luzern. schweizer illustrierte

Foto Kurt Schollenberger / RDB, Reto Hügin, Kurt Reichenbach

kurt felix

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Hommage

«Kurt war einfach tapfer!»

Text yvonne Zurbrügg

K

urt Felix liebte sein Publikum. Minutiös bereitete er jede Sendung vor. Durchdachte in seinen Shows jeden Treppenabsatz, jede Anund Abmoderation. Auf diese Weise zollte er seinem Publikum Respekt. Den Respekt, den er sich in den letzten Jahren seines Lebens zurückwünschte – und auch bekam. Vergangenen Samstag nahmen Gattin Paola und Sohn Daniel im engsten Familienkreis auf dem Ostfriedhof St. Gallen Abschied von ihm. Kurt Felix hat seinen Nachlass sauber geregelt. Sein Testament längst gemacht. Bis zum Samstag erfährt niemand, dass der begnadete Showmaster bereits am

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Mittwoch gestorben ist. «Mit einem Lä- nem Streit über einen zu fällenden Baum cheln im Gesicht ist Kurt von dieser Welt entstand eine Freundschaft. Heiligabend gegangen», teilt Paola mit. Kurt Felix ist verbrachten sie immer zusammen. 1980 gelungen, was er plante: traute er Kurt und Paodass seine Frau und sein la auf dem Bürgenstock. Sohn nach seiner langen Jetzt dieser Anruf aus Krankheit in aller Stille dem Spital. Pfarrer trauern können. Sich Spengler fährt hin. Kurt Felix fragt, ob er seine stützen und schützen. Mitte Mai bekommt Beerdigung machen wolPfarrer Walter Spengler, le, ob er sich das zu85, einen Anruf von Kurt traue … Der Pfarrer Felix aus dem Kantonssagt, dass es ihm zu spital St. Gallen. «Er spünahegehe. Aber man re, es gehe zu Ende», er wolle doch besprechen, Sandra Studer, wisse es, so Spengler. wie man seine BeerdiTV-Moderatorin Die beiden kennen sich gung am besten abhalte. seit den 1960ern. Aus ei«Kurt war unglaublich,

«Kurt war mir ein Vorbild in Sachen Leben geniessen und auskosten»

Fotos Kurt Reichenbach (2), Peter Bischoff, Clemens Bilan / dapd / ddp

Von der Krankheit gezeichnet Einige Monate nach dem Rückfall muss Kurt Felix im März 2011 zu Hause wieder zu Kräften kommen.

Vater und Sohn 2006 tritt Kurt Felix gemeinsam mit seinem Sohn in der SWR-Show «Menschen der Woche» auf. Daniel arbeitet als Dokumentarfilmer und Sendeleiter beim Schweizer Fernsehen.

Enge Freunde TV-Star Frank Elstner, 70, ist «un­endlich traurig» über den Tod seines Freundes Kurt.

Ideen-Archiv Im Keller seines St. Galler Hauses hat Kurt Felix sein televisionäres Schaffen und diverse Preise fein säuberlich archiviert. Er habe einen pingeligen Ordnungssinn, sagen Freunde.

Frank Elstner, wie würden Sie Ihre ­Beziehung zu Kurt Felix beschreiben? Es war eine enge Freundschaft. Nicht mit Kurt allein – mit Kurt und Paola Felix. Ich nahm sie in dieser fantastischen Zweisamkeit wahr. Paola tut mir un­ endlich leid. Ich weiss, was ihr jetzt fehlt. Stehen Sie in Kontakt mit Paola? Selbstverständlich. Wie haben Sie von Kurt Felix’ Tod erfahren? Telefonisch. Ich halte es für sehr ver­ nünftig und gratuliere seiner Familie, dass sie es geschafft haben, die Nachricht drei Tage im engsten Kreis zu bewahren. Es war sicher Kurts Wunsch. Er wollte niemanden mit Sorgen belasten. Das ist ihm bis zum Schluss gelungen. Was war sein Geheimnis? Er war einfach tapfer. Ich hatte das Vergnügen, ihm letztes Jahr den Preis für sein Lebenswerk zu überreichen. Da merkte ich, dass er mit seinem Körper zu kämpfen hatte. Aber er jammerte nicht. Man kann ihn nur bewundern dafür. Was bewunderten Sie sonst an ihm? Sein Ideenreichtum. Für meine Begriffe musste er viel zu früh von uns gehen. Er sprudelte nur so vor Plänen und Visionen, was er noch alles machen wollte. Wann haben Sie sich kennengelernt? Als ich noch «Wetten, dass …?» moderierte, legte er mich mit versteckter Kamera rein. Er schlich sich als Hubschrauberpilot in meine Sendung, niemand merkte etwas, er war ein absoluter Profi. Darüber lachten wir herzlich. Was zeichnete ihn als Privatmenschen aus? Er hat keinen Feiertag vergessen, wusste immer genau, wann er Pralinen, eine Karte oder einen Brief schicken sollte. Details waren ihm sehr wichtig.

ich habe noch selten jemanden erlebt, der alles so genau plante. Er wollte keinen Aufmarsch.» Genau so war es letzten Samstag. Sein letzter Wunsch ging in Erfüllung. «Es ist schlimmer für den, der überlebt», hatte Kurt Felix vor einem Jahr gesagt. Dabei dachte er an seine geliebte Frau Paola. An ihre tiefe Verbindung, die so lange unzerstörbar schien. An einer Hand abzählen konnten sie die Tage, die sie getrennt verbrachten. Sie wollten nichts ohne einander machen: «Wenn ich irgendwo allein bin und etwas Schönes erlebe, dann vermisse ich meine Frau.» Angefangen hat alles 1978 in der Kantine des Schweizer Fernsehens mit

dem Vorschlag: «Fräulein del Medico, wir sollten heiraten!» Kurz darauf reiste er der Schlagersängerin heimlich in die DDR nach, wo sie auftrat. Als Paola «Blue Bayou» sang, stürmte er mit Rosen auf die Bühne und fragte: «Willst du mich heiraten?» Ja, sie wollte. Die Schlagersängerin und der TVMann geniessen die Höhenpunkte ihrer Karrieren. Momente zu zweit verbringen sie am liebsten auf ihren zwei Booten auf dem Boden- und dem Luganersee. Bei untergehender Sonne mit einer Flasche San Felice. Sie zelebrieren die Zweisamkeit. Auch weil sie keine gemeinsamen Kinder haben: «Wenn Paola schwanger geworden wäre, hätten wir Kinder gehabt. Es hat nicht sollen sein.» Er u

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Hommage

«Ich verdanke ihm meinen Erfolg» Karl Dall Letzte Begegnung Der deutsche Komiker Karl Dall übergibt Kurt Felix im Juni 2011 bei der Verleihung des Schweizer Fernsehpreises den Award für sein Lebenswerk. Dall war von 1983 bis 1990 bei «Verstehen Sie Spass?» der Spass­macher neben Kurt und Paola Felix.

u verspricht ihr: Mit fünfzig Jahren verabschiede ich mich vom Bildschirm, damit wir es noch mehr geniessen können. Und er hält Wort. 2003 beginnt für das Paar die schwierigste Zeit. Kurt Felix erhält die Diagnose Krebs. Bei einer Routineuntersuchung entdeckt sein Hausarzt einen tennisballgrossen Tumor zwischen Herz und Lunge. Ein Thymom. Die sehr seltene Krebsart ist heimtückisch: Der Tumor wächst sehr langsam, wird lange nicht entdeckt. Und Kurt Felix hat besonderes Pech. Nur 25 Prozent der Thymome verhalten sich bösartig wie bei ihm. «Es kam aus heiterem Himmel. Ich ging als vermeintlich gesunder Mann zur Untersuchung – und kehrte als todkranker

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Daniel, 45, stammt aus Kurt Felix’ Ehe Mann heim.» Die Tortur beginnt mit vier Chemotherapien und zwei Operationen. mit Sonja. «Meine erste Frau hatte mit Ein halbes Jahr später sagt Paola: «Wir mir einen Lehrer geheiratet. Einen, der um vier Uhr nachmithaben im Krankenhaus tags nach Hause kommt im selben Zimmer geschlafen. Ich war 24 Stunund Erdbeerjoghurt den am Tag bei ihm. Wir isst. Und plötzlich war waren eine Leidensgeich TV-Moderator. Ein meinschaft. Für mich ist riesiger Unterschied! es, als wäre auch ich Ich kann ihr nicht verübeln, dass sie diesen krank gewesen.» Kurt Sprung nicht mitmachFelix ist über den Berg. te.» Den Kontakt zur Das Paar schöpft Hoffersten Frau und zum nung. Sohn Daniel Felix Sohn hat Kurt Felix imaus erster Ehe sagt daIngrid Deltenre, mer behalten. Daniel ist mals: «Vaters Krankheit Ex-SF-Direktorin hat uns noch enger zuheute Programmleiter sammengeschweisst.» beim Schweizer Fernse-

«Kurt Felix lebte sein Leben, seinem Nachnamen entsprechend, glücklich»

Fotos Marcel Nöcker, Bruno Voser

Als Showman im «Lido» Kurt Felix 2006 mit Tänzerinnen im berühmten Pariser Kabarett.

hen. Geerbt hat er nicht nur die Faszination fürs Fernsehen, sondern auch die für Eisenbahnen. «Als Bub bekam ich von ihm eine Modelleisenbahn. Ich bin mir aber bis heute nicht sicher, ob er den Zug nicht sich selber geschenkt hat.» 2010: Der Rückfall. Der Tumor ist wieder da. Kurt Felix bleibt tapfer: «Janu, jetzt weiss ich, wie es läuft.» Doch bald schon merkt er: Die Krankheit schwächt ihn. Er wird sie nie mehr überwinden. «Eigentlich muss man sich vor dem Tod nicht fürchten, sondern vor dem Leiden.» Kurt Felix hatte es nicht immer einfach. Seine Eltern liessen sich scheiden. Er kam als 13-Jähriger zu den Grosseltern. Weil es ihm dort nicht gefiel, u

Kurt hat mir und meinen Showkollegen einen Gefallen getan – das war mein erster Gedanke, als ich von seinem Tod erfahren habe. Es ist so schwer für Unterhaltungskünstler, zu Beerdigungen zu fahren, weil unser Metier das Spassmachen ist. Weil Kurt im engsten Familienkreis bestattet wurde, hat er uns den Gang zum Friedhof erspart. Mein Trost ist: Wenn ein Freund stirbt, mache ich einen Champagner-Piccolo auf. Das habe ich auch für ihn getan. Prost, Kurt, da oben im Himmel! Im März, an seinem Geburtstag, haben wir zuletzt telefoniert. Er hat nach dem Motto ‹Das wird schon wieder› geredet und mich in Sicherheit wiegen wollen. Dabei muss er schlimme Schmerzen ­gehabt haben! Ich bin erleichtert, dass er das Leiden hinter sich hat. Auch wenn ich sehr traurig bin. Wenn ich an Kurt denke, kommen mir unsere erste und die letzte Begegnung in den Sinn. Anfang der 80er-Jahre hat er mich bei ­‹Verstehen Sie Spass?› reingelegt: Er bot mir eine eigene Talkshow an. In dieser kam er mit einer Torte auf die Bühne, und jemand hat sie mir ins Gesicht geknallt. Kurt gefiel, dass ich trotzdem lustig geblieben bin, und hat mich zu ‹Verstehen Sie Spass?› geholt. Ich verdanke ihm meinen Erfolg!

Unsere letzte Begegnung war im Juni 2011 bei der Verleihung des Schweizer Fernsehpreises. Ich habe ihm eine Flasche Amarone mit­ gebracht. Nach drei Stunden in meiner Hosentasche hatte sie die richtige Temperatur – wir haben sie gleich getrunken. Damals schon hatte ich das Gefühl, er dachte: ‹Ich sehe den Kerl das letzte Mal!› Da sind so viele Erinnerungen hochgekommen. Etwa, wie er mich nach seiner ersten Krebsoperation mit Paola in Kanada besuchte. Wir nutzten jede Gelegenheit, uns zu sehen. Bei uns in Hamburg oder bei ihnen in St. Gallen. Doch zuletzt hat der reiselustige Kurt immer wieder gesagt: ‹Ich bin jetzt an die Schweiz gebunden …› Das war seine Art zu sagen, dass man mit allem rechnen müsse. So hat er sich nach und nach und mit Stil verabschiedet. Viel von ihm wird bleiben. Kurt hat über 20 Millionen Zuschauern regelmässig Freude bereitet. Er war ein präziser Arbeiter, hat immer für die Sendung gedacht. Sein Spruch war: ‹Hauptsache, die Leute lachen.› Meine Gedanken sind jetzt bei Paola. Ich wünsche ihr, dass sie einen Weg findet, das Leben trotzdem noch zu geniessen. Mit ihren alten Freunden. Ich werde ihr Vorschläge für ein Treffen machen. Auf ein gutes Glas Amarone. schweizer illustrierte

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Hommage

u packte

er seine Sachen auf einen Leiterwagen und marschierte 17 Kilometer heim nach Wil SG, wo er als Pflegekind zu einem älteren Paar kam. Immer an seiner Seite: ein Tonbandgerät vom Vater. «Für mich war klar, dass mir dieses Gerät die Tore in die Medienwelt öffnet.» Sein Traum ging in Erfüllung. Er wollte immer, dass die Leute lachen. Dass sich sein Publikum amüsiert. Dafür hat er alles gegeben. Felix, der Glückliche. Und der Glücklich-Macher. Alt Bundesrat Adolf Ogi sagt über ihn: «Kurt hat die Schweiz am Samstagabend vor der Kiste versammelt, war sozusagen das Kaminfeuer der Fernsehunterhaltung.» Zu Hause hielt Paola die Fäden in der Hand: «Meine Frau macht bei uns sogar die Buchhaltung. Sie verwaltet eine Excel-Tabelle, dementsprechend bekomme ich Sackgeld. Ich weiss nicht mal, wie viel Geld wir insgesamt haben.»

Das Paar verglich die Ehe mit einem vorwärtsgeschaut.» Lieber spielte Kurt Konto. Von dem nicht nur abgehoben, Felix seine Krankheit herunter, als «Kurt sondern auf das vor allem einbezahlt Krebs» zu sein. «Kurt war mir ein Vorwerden müsse. Man tut sich, ohne dass bild in Sachen Leben geniessen und ausman muss, etwas Liebes. «Paola war mit kosten. Deshalb bin ich sicher, dass er Kurt Felix untrennbar verbunden. Im bewusster gelebt hat als einer, der neunBeruf wie im Privaten. Sie war wohl der zig wurde», sagt TV-Moderatorin San­dra wichtigste Grund, dass Studer. Er zog sich ganz er sein Leben so gelebt aus der Öffentlichkeit hat, wie es seinem Nachzurück. Fühlte sich bis zuletzt behütet von der namen entspricht: glücklich», sagt die ehemalige Liebe seines Lebens. SF-Direktorin Ingrid DelDie Liebe währt ewig, doch Paola ist jetzt altenre. lein. Und sagt: «Gerade Die letzten neun Jahin dieser grossen Traure hat Kurt Felix mit Paola um sein Leben und rigkeit denke ich unendihre tiefe Liebe gebangt. lich dankbar zurück an «Kurt hat nie gejamdie schönsten JahrzehnAdolf Ogi, alt mert», erinnert sich Pfarte meines Lebens, die Bundesrat rer Spengler, «Paola auch ich mit ihm erleben nie. Sie haben immer durfte.» 

«Kurt, du hast uns Freude gebracht»

«Kurt war am Samstagabend das Kamin­ feuer der Fernsehunter­ haltung»

von Peter Rothenbühler

Stationen einer Unvergleichlichen Fernseh-Karriere

«In diesen Kasten möchte ich auch mal rein», denkt Kurt Felix mit zwölf Jahren, als er zum ersten Mal einen Fernsehbildschirm sieht. Der Wunsch geht in Erfüllung. Kurt Felix schreibt in der Schweiz und in Deutschland TV-Geschichte. Die wichtigsten Stationen seiner Karriere: u «Stöck-Wys-stich» Kurt Felix hat

den Vorläufer des «Samschtig-Jass» konzipiert und von 1968 bis 1970 moderiert. Danach verfolgt er die mittlerweile älteste Sendung des Schweizer Fern­ sehens nur noch sporadisch. «Ich würde öfter reinschauen, wenn auch meine Frau davon was hätte. Leider kann sie nicht jassen. Es macht ihr keinen Spass.» u «Grüezi Mitenand» 1971 geht er mit der selbst entwickelten SamstagabendShow auf Sendung. Seine Co-Moderatorin

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Gutes Team Kurt Felix und Rosemarie Pfluger sagen «Grüezi mitenand!». Rosemarie Pfluger ereilt vergangenes Jahr dasselbe Schicksal: Sie stirbt im Alter von 65 Jahren an Krebs.

Durchbruch «Teleboy» ist die meistgesehene Sendung in der Schweizer Fernsehgeschichte. Marktanteil und bekommt 1990 einen Bambi. u «Supertreffer» Von 1987 bis 1991

u «Teleboy» 1974 stellt er den grössten

Strassenfeger jener Zeit auf die Beine. Produzent Max Sieber: «Wir nahmen den Erfolg mit jugendlichem Leichtsinn völlig selbstverständlich hin, und nach 36 Sendungen beschlossen wir 1981 ein­fach, etwas Neues zu machen. Wir hatten keine Ahnung, was wir wegwarfen.» Reuevoll meint Kurt Felix später: «Im Nachhinein hätte ich das gern länger gemacht.» u «Verstehen Sie Spass?» Mit heimlich gefilmten Streichen startet er in Deutschland durch. 1981 geht er im ARD auf Sendung, ab 1983 moderiert er sie gemeinsam mit Ehefrau Paola. Das Paar erreicht heute unvorstellbare 48 Prozent

moderiert er die Samstagabend-Show mit Millionengewinn aus der Landeslotterie.

Bambi Nummer 2 2003 wird Kurt Felix für sein Lebenswerk geehrt.

Fotos SRF (3), Privat, Schröwig / dpa / Keystone, Sabine Papilloud / Le Matin

Jassen in Schwarz-Weiss Kurts erster Trumpf ist die Sendung «Stöck-Wys-Stich» im SF.

Wandern, am besten politische Diskussionen führte. durch eine wunderschöDen Festbruder Kurt, der in eine Schweizer Landschaft nem Keller eins über den Durst mit Aussicht, zum Beispiel durch trank. Und schliesslich den Spindie Kastanienwälder im Tessin, ner Kurt, der sämtliche neuen in Begleitung von Freunden, daAutobahnstrecken der Schweiz bei Anekdoten erzählen, herzhaft abmarschierte (!), bevor sie dem lachen und schon bald in einem Verkehr übergeben wurden. lauschigen Beizlein haltmachen. Letztlich haben die bürgerliche Unter grossen Bäumen eine FlaFassade, der Ordnungsfimmel sche gekühlten Weissen bestellen Kurt und Paola geholfen, ihr überund ein bisschen höckle, Pläne bordendes Temperament zu züschmieden, das war für den ergeln: Kurt wusste genau, dass Erstes Treffen 1968 tritt Genie zu 99 Prozent aus Arbeit folgreichsten TV-Star, den die Paola in Kurt Felix’ Jugendsendung «Club 68» auf. besteht. Und Paola wusste zu 100 Schweiz und Deutschland je hatProzent sicher, wann Kurt bei eiten, das Schönste. Denn Kurt Felix, der König der Samstagabend-‹Kisten›, nem Fest aufstehen und Adieu sagen musste. von den Massen bejubelt, von den Kollegen bewundert, war Die beiden haben sich prima ergänzt und sich – gegen aus­ ein ‹gmögiger› Typ mit einfachen Freuden. Er zog den klei- sen hin – immer so gut verstanden, dass wir Journalisten nen, privaten Rahmen dem grossen Auftritt vor, ging lieber dachten, da stimme etwas nicht. Aber nein, seit Kurt der spazieren oder Velo fahren. Letztes Jahr kaufte er noch zwei verblüfften Sängerin Paola del Medico, die damals viel berühmter war als er, in der TV-Kantine einfach mal sagte: ‹Ich Elektrovelos und schwärmte von den Touren mit Paola. In den letzten Wochen seines Lebens, in denen er sich werde Sie heiraten›, sind Kurt und Paola eine wunderbare mit Mühe aufrappelte, um seinen gemarterten Körper in Geschichte geblieben. Ihre ‹Traumhochzeit› wurde von der Bewegung zu halten, reichte es nur noch bis zum St. Galler hiesigen Presse gecovert wie später nur die von Diana und Tierpark Peter und Paul, zu seinen geliebten Steinböcken. Charles. Ihr harmonisches Verhältnis hielt sogar der härtesWahrscheinlich wird dieser Park bald einen Informations- ten Probe stand, als Kurt die verwegene Idee hatte, ‹Verstepavillon bekommen, in dem Besucher nach einer Projekt- hen Sie Spass?› zusammen mit seiner Paola zu moderieren. skizze von Patronatskomitee-Mitglied Kurt Felix über Le- Bei jeder anderen Ehe hätte dies zu Krach geführt. Die Trauer verbietet mir, darüber zu spekulieren, was ben und Herkunft der Tiere informiert werden: ‹Es genügt nicht, die Tiere anzuschauen, die Leute müssen erfahren, Paola in den letzten Jahren an Kurts Seite heroisch mitgewen sie da vor sich haben›, sagte er, der frühere Lehrer. Auf macht hat, was sie alles bis zum letzten Atemzug für ihn geFragen, wie viel er selbst für den Pavillon bezahlt hat, ant- tan hat. Kurt wusste schon lange, dass die Aussichten nicht rosig waren, aber er hat uns bis zuletzt nur seine fröhliche, wortete er nur mit einem breiten Schmunzeln. So war Kurt: einerseits ein TV-Star, ein Fernseh-Profi optimistische Seite gezeigt. Er wollte als der glückliche Kurt mit Stil, der seine Sendungen fast uhrenmacherhaft genau in Erinnerung bleiben und ist damit halt auch in seiner vorbereitete, immer sein Wort hielt, picobello und mit frisch schlimmsten Zeit ein begnadeter Unterhalter geblieben. geputzten Zähnen die Showtreppe runterkam, auch zu Adieu l’artiste! Du warst ein lieber, loyaler und inHause nur Sauberkeit und Ordnung herrschen liess. Ich spirierender Freund, du hast uns Freude gebracht. habe selten ein so schön lichtdurchflutetes und aufgeräum- Das ist der schönste Erfolg. tes Heim gesehen wie bei Kurt und Paola Felix, sowohl in St. Gallen wie in Italien. Der televisionäre Nachlass von Kurt Felix liegt im Keller, in exakt angeschriebenen und Peter Rothenbühler, 63 sorgfältig geordneten Kassetten. Als ehemaliger Chefredaktor Aber Achtung, dieser pingelige Kurt hat auch eine der Schweizer Illustrierten andere Seite: Es gab auch den ausgelassenen Narren Kurt ­verpflichtete Rothenbühler Felix, der viele verrückte Erlebnisse für sich behielt, kühKurt Felix damals als Autor ne Witze riss, verrückte Projekte schmiedete. Den intellekeiner wöchentlichen TV-Kolumne. tuellen Kurt, der über Gott und die Welt nachdachte, gern Diese wurde Kult.

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circus knie

Chanel No. 1 Seit ihrer Geburt bildet Nest­ häkchen Chanel den Familienmittelpunkt. Im Alltag von Géraldine Knie, ihrem Mann Maycol und ihrem Sohn Ivan dreht sich alles um die kleine Zirkusprinzessin.

Erst ein Jahr alt und schon die Hosen an: Chanel hält ihre Eltern Géraldine Knie und Maycol Errani sowie ihren Bruder IvaN auf Trab! Und weils so schön ist: Das Zirkuspaar wünscht sich «noch mindestens zwei Kinder».

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Die Kleinste ist der Boss schweizer illustrierte


circus knie

Text Sylvie Kempa Fotos Günther Kathrein

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hanel, 1, schnalzt mit der Zunge, um das Geräusch von Hufen zu imitieren, und zeigt aufgeregt auf eine Illustration in ihrem Bilderbuch. «Genau, das ist ein Pferd», sagt Géral­ dine Knie, 39. Sie muntert ihr Töchter­ chen auf, weitere Tiere zu finden. Ele­ fant, Kuh und Zebra kennt die Kleine. «Und wo ist das Schaf?» Chanel zögert und zeigt auf den Affen. «Nein, das ist Onkel Wioris», sagt Maycol Errani, 29, ­lachend und hebt sich seine Tochter auf die Schultern. «Komm, wir gehen die richtigen Tiere anschauen.» Chanel klatscht in die Hände. Auf Papis Schul­ tern durch die Stallungen spazieren ist ihre zweitliebste Beschäftigung. Noch breiter strahlt sie nur, wenn sie auf einem Pony im Kreis reiten darf, gut festgehalten von Mama. «Jedes Mal, wenn sie wieder absteigen muss, protes­ tiert sie energisch», sagt Géraldine: «Da erkennt man unsere Tochter – die Pferdeliebe hat sie von mir, den starken Charakter von meinem Mann.» Chanel ist ein Wunschkind. ­Géraldine wollte schon immer ein ­Geschwisterchen für Ivan, 10, ihren Sohn aus erster Ehe. 2005 verliebt sie sich in Maycol Errani, den Ältesten von drei Artisten­ brüdern aus einer italienischen Zirkusfa­ milie. Vier Jahre später heiraten sie, und am 4. März 2011 krönt die Geburt von Chanel Marie das Glück des Ehepaars. Die Zeit nach der Geburt habe sie besonders zusammengeschweisst, sagt Géraldine. Damit sie sich von ihrem Kaiserschnitt erholen kann, unterstützt Maycol sie nach Leibeskräften. «Er ent­ puppte sich als Naturtalent! Stand mit­ ten in der Nacht auf, wechselt Chanels Windeln und bereitete das Schöppeli zu.» Obwohl er jeden Morgen früh auf­ stehen muss, um die Tiere zu versorgen, und oft bis spät nach Mitternacht die Verschiebung der Zirkus-Karawane an den neuen Auftrittsort organisiert. «Ich kann nur hoffen, dass Chanel neben dem Temperament auch den Fleiss ihres ­Papas geerbt hat», sagt Géraldine. Die kleine Zirkusprinzessin gehört zur achten Generation der Dynastie Knie. Traditionsgemäss sollte sie einmal gemeinsam mit ihrem Bruder Ivan Frédéric, 10, und Chris Rui, 6, dem Jüngsten aus der Familie Franco Knie, die Leitung des Nationalcircus überneh­ men. Sofern sie das will. Für Géraldine und Maycol ist nichts in Stein gemei­ sselt. «Als Eltern haben wir die Pflicht, die Wünsche unserer Tochter zu er­ u

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«Meine kleine Sorella ist so süss! Ich weiss schon jetzt, dass ich auch einmal Papa sein will» Ivan Frédéric Knie, Chanels Bruder

Tierliebe im Blut Chanel und Ivan sind ganz vernarrt in Pferde und Ponys. Das haben sie von ihrer Mutter Géraldine geerbt.


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kennen und zu respektieren.» Chanel dürfe einmal alles machen, wovon sie träume, sagt Maycol. Géraldine muss ­lachen: «Hauptsache, sie bringt keinen Freund nach Hause, gell!» Ihr Erstgeborener, Ivan, hat sich bereits für den Zirkus entschieden. Er stand schon als Dreijähriger in der Manege und präsentierte gemeinsam mit seinem Nonno Fredy, 66, ein Pony. Mittlerweile führt er zusammen mit ­seinem Stiefpapa und dessen Brüdern eine Trampolin-Nummer auf. Und be­ grüsst das Publikum vor der Vorstellung im Namen der Familie Knie. «Ich freue mich jeden Abend auf die Vorstellung!» Und jeden Mittag auf seine Sorella. Seit Chanel auf der Welt ist, kann Ivan gar nicht genug schnell aus der Zirkusschule nach Hause rennen. Die beiden haben ein Ritual: Ivan nimmt sein iPhone aus der Hosentasche, dreht den Lautsprecher voll auf und lässt Shakiras Fussball-Hit «Waka Waka» laufen. Sofort beginnt Chanel im Takt mit den Windeln zu wackeln, bis sie hinplumpst. Und noch einmal! So ist sie beschäftigt, bis Mama ihren Lieblingsbrei angerührt hat: Zwieback mit Birne. «Sie hat zwar schon u

acht Zähne, aber dieser Brei ist noch immer das Grösste für sie.» Zum Dessert gibts ein paar Popcorn, ausnahms­weise! Vorsichtig schält Géral­ dine die braunen Hülsen des Maiskorns von der weissen Watte. Ivan kontrolliert, ob auch wirklich alle weg sind, nicht dass sich seine Schwester noch daran ver­ schluckt! «Er ist immer bestens infor­ miert, was für ein Baby gefährlich sein könnte, und ist sehr besorgt um Chanel», sagt Géraldine. Trotzdem erlebt die Familie, seit das Nesthäkchen mobil ist, täglich einen Schreckensmoment. Mal entdeckt Cha­ nel die Steckdosen, mal versteckt sie sich irgendwo oder räumt eine Schub­lade aus. «Bei Ivan brauchte ich keine einzige Kin­ dersicherung», sagt Géral­dine. «Chanel kommt mir vor wie ein Tintenfisch: Als hätte sie zehn Arme, mit denen sie immer irgendetwas anstellt.» Gerade drückt sie sich eine Hand an den Mund, schmatzt und wirft Luftküsschen in die Runde. Dann schnalzt Chanel wieder mit der Zunge. Sie will reiten! Maycol setzt sie auf das braune Schaukelpferd, das mag sie lieber als ihr rosarotes Rössli. Pink ist bei der Zirkusprinzessin sowieso nicht

«Das erste Wort meiner Tochter war Papa. Darauf bin ich natürlich sehr stolz!» Maycol Errani

Ganz der Papi Chanel verdankt ihrem Vater nicht nur die braunen Locken, sondern auch das südländische Temperament.

so angesagt. Sie besitzt zwar ein, zwei rosa Kleidchen, in ihrem Schrank dominieren jedoch die Farben Weiss und Beige. Und die Marke Chanel. «Das bot sich nach der Geburt natürlich als Geschenk an, wir wurden richtig über­ häuft», sagt Géraldine. Sogar ChanelBrillantohrringe besitzt die Kleine. Géraldine bewahrt sie sorgsam verpackt in einem Samtkästchen auf. Ihr jetzt schon Löchli zu stechen, kommt nicht infrage. Das wäre nur gefährlich, weil sie mit ihrem Ohrschmuck hängen bleiben könnte, findet auch Ivan. Bald beginnt die Vorstellung. Géral­ dine übergibt ihr Töchterchen in die Obhut eines Kindermädchens. «Aber ins Bett bringe ich sie immer selbst.» Cha­ nel hat den Zirkusrhythmus schon in Ma­ mis Bauch kennengelernt. Vor 23 Uhr schläft sie nie. Dafür morgens jeweils bis um elf. Ein Jahr lang hat das fast jede Nacht geklappt. Erst seit der letzten Impfung beim Kinderarzt ist die innere Uhr ins Stocken geraten. Die Kleine hat­ te eine Woche lang Fieber, wachte häu­ fig auf. «Géraldine stand jede Nacht ne­ ben ihrem Bettchen», erzählt Maycol. «Sie ist die geduldigste Mutter, die man

sich vorstellen kann. Ich wünsche mir noch mindestens zwei Kinder von ihr!» Die Familie lebt in einem Wohnwa­ gen mit allem Komfort, Bodenheizung, Veranda und drei Zimmern. Ihr Kinder­ zimmer teilt sich Chanel mit Ivan, wenn er nicht gerade zwei Wohnwagen weiter bei Nonno in den Ferien ist. Dass die gan­ ze Familie so nah beieinander lebt und gemeinsam durchs Land zieht, empfindet Géraldine als Vorteil. «Meine Erziehungs­ maxime: Kindern kann man gar nicht ge­ nug Nähe und Geborgenheit bieten.» Dennoch sei sie eine strenge Mutter. «Ich finde Manieren sehr wichtig. Und dass die Kinder zu schätzen wissen, was sie haben.» Letztes Jahr wünschte sich Ivan ein iPad, er kriegte es zwar, musste aber bis zu seinem Geburtstag warten. Es ist spät geworden. Als die Familie nach der Vorstellung zurück zum Wohn­ wagen kommt, klatscht Chanel wieder in die Hände. Sie weiss, was jetzt kommt: Mami wird mit ihr zu einem Lied von Shakira tanzen. Dann ab ins Bett! Chanel schnalzt noch ein paarmal verschlafen mit der Zunge, streckt die Hand nach ihrem weissen Plüsch-Einhorn aus. Dann fallen ihr die Augen zu. 


fussball

Vogel im Glück Von der Notlösung zum Titelsammler. Trainer Heiko Vogel führt den FC Basel von Erfolg zu Erfolg. Daneben liest er Hemingway, hört Hip-Hop und ist ein liebevoller Stiefvater.

Foto Nathan Beck

Vogelperspektive Er hat mit dem FCB den Gipfel erreicht – doch von oben herab wirkt Heiko Vogel nicht: «Ich werde noch tausend Fehler machen.»

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porträt

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Champagner-Dusche zum Cup-Sieg am 16. Mai 2012 Dabei bevorzugt Heiko Vogel eigentlich italienischen Rotwein.

Retrolook in der Fussballprovinz Beim 1. FC 08 Hassloch läuft Vogel noch dem Ball hinterher.

2011 als Souffleur Auf der FCB-Bank weist er dem Cheftrainer Thorsten Fink die Richtung.

Text thomas renggli Fotos nathan beck

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r steht im zwölften Stock des St. Jakob-Turms und blinzelt in die Sonne. Vogelperspektive. Unter ihm liegt das Feld, mit dem die Träume einer ganzen Region verbunden sind. «Eigentlich habe ich Höhenangst», sagt Heiko Vogel und lehnt sich dennoch an die Brüstung. Mit dem Schweizer Cup darf er am vergangenen Mittwoch die erste ­Trophäe in seiner jungen Karriere als Cheftrainer emporstemmen. Diese Woche folgt in der Super-League-Der­niere die zweite. Die spontane Meisterfeier am vorletzten Wochenende ein­berechnet, verbringt der 36-jährige Deutsche momentan fast mehr Zeit auf dem Balkon über dem

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Bar­füsserplatz als auf der Trainerbank: «Das ist ein wunderbarer Abschluss einer ­Saison, die nicht nur sportliche Schlagzeilen geliefert hat. Für uns ist es ­doppelt schön, dass wir beide Titel ­gewinnen konnten.» Diesen Coup hätten ihm nicht viele zugetraut. Als Vogel im vergangenen Oktober beim FCB interimistisch den Chefposten von Meistertrainer Thorsten Fink übernimmt, wächst bei der Konkurrenz die Zuversicht, dass es mit der Basler Dominanz schon bald vorbei sein könnte. Denn Vogel ist weder Fink noch Star – sondern Feier­ abend­kicker, Assistenztrainer, Kumpel­ typ. Zu einem Klub, der sich mehr an der europäischen Elite als an der helvetischen Biederkeit orientiert, passt er wie

die Kapellbrücke über den Rhein. Scheinbar. Vogel lässt seine Kri­tiker und Skeptiker alt aussehen. Und der Pfälzer irritiert mit Eigenschaften, die im Sportbusiness selten sind, die man schon gar nicht von einem deutschen Fussball-Arbeiter erwartet – Eloquenz, Witz, Charme. Er liest Hemingway und Galeano, ­interessiert sich für Astrophysik, er hat Sportwissenschaft studiert und die Sport­ hochschule Köln mit der Note 1,7 ab­ geschlossen – trinkt italienischen Rotwein statt bayrisches Bier, hört französischen Hip-Hop statt deutschen Schlager. An einer Pressekonferenz sagt er unvermittelt: «Es wurde schon viel über mich erzählt, aber nicht, dass ich gut aussehe.» Selbstironie statt Selbst­ ins­zenierung.

Foto Bruno Voser

«Der Fussball ist zu schnelllebig. Ich möchte meiner Familie kein Nomadenleben zumuten» Heiko Vogel Sportlich hat Vogel sein Glück in der Schweiz gefunden: «Meine Trainerkarriere ist eine Aneinander­ reihung von Chancen. Und Basel ist der Sechser mit Zusatzzahl.» Sein emotio­ naler Lebensmittelpunkt liegt aber jenseits der Grenze – im bayrischen Warngau. «Dort ist meine Energiequelle.» Damit meint er vor allem seine lang­ jährige Lebenspartnerin Barbara Vitz­ thum und deren Kinder Michael und Aline. «Barbara hält mir den Spiegel vor und sagt mir auch Dinge, die ich nicht hören will.» Als Stiefvater will Vogel jene Eigen­schaften vorleben, die er auch ­seinen Spielern vermittelt: Respekt, Ehrlichkeit und Toleranz. Dass seine Familie nach Basel zieht, ist (zurzeit) aber kein Thema. «Der Fussball ist zu schnell-

lebig. Ich möchte meiner Familie kein Nomadenleben zumuten.» Michael Vitz­ thum ist davor ohnehin nicht gefeit. Der 19-Jährige spielt beim deutschen Drittligisten Unterhaching und ist auf dem Sprung in eine Profikarriere. Heiko Vogel blieb eine Karriere als Spieler verwehrt. Mit 19 erleidet er eine Knöchelverletzung und muss durch den Hinterausgang abtreten, bevor er es auf die grosse Bühne schafft. So lesen sich die Stationen seiner Aktivkarriere wie die Haltestellen einer Buslinie durch die Provinz: Wachenheim, Hassloch, Eden­koben. Doch Edenkoben muss keine Endstation sein. Als Trainer sammelt Vogel in der Nachwuchsabteilung von Bayern München erste Erfahrungen. Hier lernt er Thorsten Fink kennen. Seit der

gemeinsamen Zeit an der Sporthochschule sind die beiden eng befreundet. Als Assistent von Fink heuert Vogel beim Zweitligisten Ingolstadt an – später folgt er seinem Chef nach Basel. Vogel ist kein Blender. Auch deshalb hat er im vergangenen Herbst den Schritt von der loyalen Hilfskraft zum ­akzeptierten Vorgesetzten über Nacht geschafft. «Ich sehe mich noch immer als Kollegen der Spieler. Nur weil ich Cheftrainer bin, lasse ich mich nicht plötzlich siezen und trete in Frack und Zwirn auf.» Die sportliche Bilanz gibt ihm frei von jedem Dresscode recht. Seit er am 13. Oktober ins erste Glied getreten ist, hat der FC Basel ohne Niederlage Meisterschaft und Cup gewonnen. Dazwi- u schweizer illustrierte

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schen sorgt er mit dem ChampionsLeague-Triumph gegen Manchester United für die vielleicht grösste Über­ raschung der gesamten Europacup-­ Saison. An jenem Abend im Dezember erhält Vogel auf dem Rasen des St. Jakob-Parks von Sir Alex Ferguson quasi den Ritterschlag. Die britische Trainerlegende reicht dem unbekannten Neuling die Hand: «Von dieser Geste habe ich mehr gelernt als vom sportlichen Geschehen. Es war eine Respekts­ erweisung unter Berufsleuten und der Beweis, dass die wahre Grösse erst in der Niederlage ­erkennbar wird», er­ innert sich Vogel. Auch in Basel sind die letzten Zweifel vom Tisch. Der vermeintliche Kurzzeittrainer unterschreibt einen Vertrag bis 2014. Vogel ist sich bewusst, dass auch ihm Enttäuschungen nicht erspart bleiben werden – dass er sich früher oder später im Krisenmanagement bewähren muss. «Ich werde noch tausend Fehler machen», sagt er. Während die Schweizer Konkurrenz darauf hofft, dass diese Vor­ aussage irgendwann Wirklichkeit wird, stemmt Heiko Vogel die Pokale momentan im Wochenrhythmus hoch. Dabei stehen ihm hölzerne Fässer wesentlich näher als silberne Kübel. In der Pfalz packte er in seiner Kindheit auf dem Weinbaugut seines ­Onkels tatkräftig mit an. Hätte es ihm nicht zum Fussballtrainer gereicht, wäre er vielleicht Winzer geworden. In vino veritas! Spätestens seit diesem Frühling weiss Heiko Vogel aber ganz genau, dass etwas noch besser schmeckt als die süs­ seste pfälzische Weinschorle – Sieges­ champagner. Und der steht in ­Basel derzeit kistenweise bereit. Denn nach dem  Fest ist vor dem Fest.

Fotos Valeriano di Domenico / freshfocus, HO, Daniela Frutiger / freshfocus

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Luzerner Regenten: Stadtpräsident Urs W. Abtretender Präsident: FCL-Obmann Studer (l.) mit alt Cupsieger Paul Wolfisberg. Walter Stierli mit Partnerin Nicki Nussbaum.

FCB-Schlager: Bea Stirnimann und Matthias Der Basler Sache verpflichtet: Lynette Müller von der AVO Session. und Robert Federer. Schweizer ­Meister unter sich: GladbachTrainer Lucien Favre (l.) mit seinem ­Schaffhauser Berufskollegen Maurizio ­Jacobacci und FCB-Legende Karl Odermatt (r.).

Der Geldgeber und die Schaffer: Samih Sawiris zwischen dem neuen FCLPräsidenten Mike Hauser (r.) und CEO Thomas Schönberger.

Fotos SRF, Keystone

Psycho-Spiele im Strafraum

Luzern im Herzen: FCL-Beiratspräsident Erich Fust mit Freundin Ruth Eichenberger.

Pro Luzern: Franz und Antoinette Julen mit FCL-Sponsor Otto Ineichen (r.).

Dresscode. FCL-Trainer Murat Yakin würde für einmal gern sein Jackett mit dem T-Shirt von Alex Frei tauschen.

Der FCB – wer sonst! Luzern hoffte auf den Cup-Coup. Doch am Schluss feiert nur der FC Basel

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Tenuewechsel Nach dem Cup-Triumph gegen Luzern im Berner Stade de Suisse feiert der Basler Fussball-Vogel wie ein Spieler. schweizer illustrierte

unge raus, Ball abgewehrt! FCB-Goalie Yann Sommer – eigentlich ein besonnener Typ – bringt im Cupfinal-Penaltykrimi seine Luzerner Gegenspieler mit Psychospielchen aus dem Konzept. Der Held des Abends pariert zwei Schüsse, der FCB gewinnt 5:3. Elfter Cupsieg, fünftes Double für die Basler. Lange Gesichter bei den vielen prominenten FCL-Fans, darunter alt Nationalcoach Paul Wolfisberg (Captain der ersten CupsiegerMannschaft 1960) und Otto’s-Chef Otto Ineichen. Im Basler «Fan-Lager» freut sich dafür Tennis-Papa Robert Federer, der auf 5:4 im Penaltyschiessen getippt hat: «Schade nur, dass uns jetzt wieder drei junge Spieler ver­ lassen.» Wie Granit Xhaka, 19, der mit zwei Bierkartons in der Hand zum Bus schlurft: «Ein geiles Gefühl, mit dem Double nach Mönchengladbach zu gehen!» Drei Stunden später begrüsst der abtretende FCB-Ever­green Beni Huggel (Torschütze zum 1:0) Tausende Fans in Basel: «Halb drei, dr Barfi brennt! So geil!!» Und Stürmer Alex Frei gesteht über Lautsprecher: «Ich habe langsam zu viel getrunken und weiss nicht mehr so ganz, was ich sage.» Worauf die Menge fordert: «Alex, suuf no meh!» Als sich der FCB zum Weiterfeiern ins «Papa Joe’s» verabschiedet, ruft Captain Marco Streller: «Tschau zämme, geili Siächä!» Text Ilona Scherer, Fotos Bruno Voser

Der höchste Sportler und sein linker Flügel: Bundesrat Ueli Maurer und Sohn Corsin – torgefährlicher Stürmer des FC Hinwil.

Wie ein Maori im FCB-Tor: Yann Sommer zieht alle Register der Einschüchterungstaktik und tritt Luzern-Captain Florian Stahel wie ein polynesischer Krieger entgegen. Der Zauber hilft – Stahel (r.) versagt im entscheidenden Moment.

Ho-Ho-Hopp Lozärn! Möbel­ unternehmer Roger Märki mit Freundin Breda Yindis und seinen Söhnen Luca (l.) und Nicolas.

Der Neutralität verpflichtet: Ex-Schiedsrichter Jaguar-Direktor Stephan Vögeli (l.) Urs Meier mit Sohn Cyrill. und Adrian Steiner, Direktor Das Zelt. schweizer illustrierte

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Porträt

Kishas Gästezimmer. In ihrer ­Maisonettewohnung im Kanton ­Fribourg lebt sie seit 2009.

CountryComeback Von der einstigen Pop-Prinzessin zur Country-Queen und Gewinnerin des Prix Walo 2012: Sängerin kisha erlebte die Höhe- und Tiefpunkte einer Musikkarriere. Heute startet sie mit «C.H.» durch.

Haarige Liebe Kisha mit ihrer elfjährigen Hündin Aisha, die sie Aidi nennt.

Text esther meyer Fotos kurt reichenbach

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ir heit mi grettet und Gloube a mi gschänkt.» So lautet die Widmung, die Kisha, 33, ihren Musikerkollegen Nori Rickenbacher, 38, und Reto Burrell, 38, ins Booklet der ­gemeinsamen CD «Country Helvetia» geschrieben hat. Als C.H. wagen die drei ein ganz neues Projekt: Sie spielen Countrymusic, gesungen in Mundart. New Country nennt sich das. Auf dem Album sind fünf Songs gecovert, ­weitere fünf selbst komponiert. Für ­Kisha ist das Projekt ein Comeback nach sieben Jahren.

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1998 wird sie mit dem Hit «Why?» schlagartig bekannt, die Radiostationen in der Schweiz und in Deutschland ­spielen ihn rauf und runter, der Videoclip dazu läuft auf MTV. Darauf folgt der zweite Ohrwurm «Love Is Enough», der der deutschen TV-Serie «In aller Freundschaft» als Titelsong dient. Ein riesiger Erfolg für die 18-Jährige. Dennoch: «Ich möchte nie mehr so erfolgreich sein», kommentiert sie diese Zeit rückblickend. «Mit 18 ist man noch nicht so geerdet wie mit 30.» Sie spielt damit auch auf ihre zweite, englischsprachige CD «Crazy World» an, die floppt und von den Medien verrissen wird.

Drei Tage pro Woche arbeitet die Sän­ gerin in einem Geschenkladen. Dieser Job macht Brigitte Kobel – so ihr bürgerlicher Name – so viel Spass, dass sie auch in Zukunft nicht darauf verzichten ­möchte. Denn für Kisha ist klar: Trotz neuem Erfolg möchte sie nicht mehr ­alles auf die Karte Musik setzen. In letzter Zeit wird sie immer wieder von Kundinnen und Kunden an­ gesprochen. Umso mehr geniesst Kisha die Ruhe in ihren eigenen vier Wänden. Sie wohnt in der Nähe vom freiburgischen Flamatt, umringt von Bauernhöfen, mit der elfjährigen Hündin Aisha in einer 2½-Zimmer-Maisonettewohnung.

In Regalen, auf Tischen und Kommoden sind Herzen und Blumen verteilt. Helle Farben dominieren. Holzmöbel übermalt die Sängerin mit weisser Farbe. Landhaus-Stil oder Shabby Chic nennt sie ihren Wohnstil. «Ich buttere ziemlich viel Geld in meine Wohnung.» Ihr Comeback sieht Kisha jetzt, mit ihren geerdeten 33 Jahren, aus einem an­ deren Blickwinkel: «Ich möchte nicht an meine frühere musikalische Karriere anknüpfen.» Das muss sie auch gar nicht. Mit C.H. verbucht sie bereits einen ersten Erfolg: Das Trio gewann am 13. Mai 2012 den Prix Walo in der Kategorie «Country». «Ich hab es nicht richtig geglaubt, als ich

unseren Namen hörte», sagt Kisha. «Auch die Jungs sind fast durchgedreht.» Für Kisha ist es der zweite Prix Walo, 1998 erhielt sie einen in der Sparte Pop. So wird die Auszeichnung, die momentan bei Bandkollege Reto Burrell zu Hause steht, ein «Wanderpokal». Die Wände in ihrer Wohnung sind vorwiegend mit Bildern ihres Vierbeiners Aisha dekoriert. Der Schäferhund-Golden-Retriever-Mischling kam als Welpe zu ihr. Zwischen all den Hundefotos fällt nur eines aus dem Rahmen: Kishas Idol, Ex-Guns-N’-Roses-Gitarrist Slash. So brav sie auch aussehen mag: Im Herzen ist Kisha auch eine Rockerbraut.

Woanders zu leben, kann sie sich nicht vorstellen. Die Verbundenheit zum «Country», also zum Ländlichen, ist unbe­ stritten. Kisha ist definitiv ein Mädchen vom Lande. In Fribourg ist ihre Familie. Für sie selbst «hat es in der Stadt zu viel Beton». Sie muss morgens die «Vögeli» pfeifen hören. Wer weiss, vielleicht pfeifen die ­Vögel ja bald wieder ihren Namen von den Dächern – respektive die Radio­ stationen ihre neuen Songs aus den Lautsprechern. Aber unbedingt nötig hat Kisha auch das nicht mehr. Den Glauben an sich selbst hat sie zum Glück wieder gefunden.  schweizer illustrierte

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Kishas Gästezimmer. In ihrer ­Maisonettewohnung im Kanton ­Fribourg lebt sie seit 2009.

CountryComeback Von der einstigen Pop-Prinzessin zur Country-Queen und Gewinnerin des Prix Walo 2012: Sängerin kisha erlebte die Höhe- und Tiefpunkte einer Musikkarriere. Heute startet sie mit «C.H.» durch.

Haarige Liebe Kisha mit ihrer elfjährigen Hündin Aisha, die sie Aidi nennt.

Text esther meyer Fotos kurt reichenbach

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ir heit mi grettet und Gloube a mi gschänkt.» So lautet die Widmung, die Kisha, 33, ihren Musikerkollegen Nori Rickenbacher, 38, und Reto Burrell, 38, ins Booklet der ­gemeinsamen CD «Country Helvetia» geschrieben hat. Als C.H. wagen die drei ein ganz neues Projekt: Sie spielen Countrymusic, gesungen in Mundart. New Country nennt sich das. Auf dem Album sind fünf Songs gecovert, ­weitere fünf selbst komponiert. Für ­Kisha ist das Projekt ein Comeback nach sieben Jahren.

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1998 wird sie mit dem Hit «Why?» schlagartig bekannt, die Radiostationen in der Schweiz und in Deutschland ­spielen ihn rauf und runter, der Videoclip dazu läuft auf MTV. Darauf folgt der zweite Ohrwurm «Love Is Enough», der der deutschen TV-Serie «In aller Freundschaft» als Titelsong dient. Ein riesiger Erfolg für die 18-Jährige. Dennoch: «Ich möchte nie mehr so erfolgreich sein», kommentiert sie diese Zeit rückblickend. «Mit 18 ist man noch nicht so geerdet wie mit 30.» Sie spielt damit auch auf ihre zweite, englischsprachige CD «Crazy World» an, die floppt und von den Medien verrissen wird.

Drei Tage pro Woche arbeitet die Sän­ gerin in einem Geschenkladen. Dieser Job macht Brigitte Kobel – so ihr bürgerlicher Name – so viel Spass, dass sie auch in Zukunft nicht darauf verzichten ­möchte. Denn für Kisha ist klar: Trotz neuem Erfolg möchte sie nicht mehr ­alles auf die Karte Musik setzen. In letzter Zeit wird sie immer wieder von Kundinnen und Kunden an­ gesprochen. Umso mehr geniesst Kisha die Ruhe in ihren eigenen vier Wänden. Sie wohnt in der Nähe vom freiburgischen Flamatt, umringt von Bauernhöfen, mit der elfjährigen Hündin Aisha in einer 2½-Zimmer-Maisonettewohnung.

In Regalen, auf Tischen und Kommoden sind Herzen und Blumen verteilt. Helle Farben dominieren. Holzmöbel übermalt die Sängerin mit weisser Farbe. Landhaus-Stil oder Shabby Chic nennt sie ihren Wohnstil. «Ich buttere ziemlich viel Geld in meine Wohnung.» Ihr Comeback sieht Kisha jetzt, mit ihren geerdeten 33 Jahren, aus einem an­ deren Blickwinkel: «Ich möchte nicht an meine frühere musikalische Karriere anknüpfen.» Das muss sie auch gar nicht. Mit C.H. verbucht sie bereits einen ersten Erfolg: Das Trio gewann am 13. Mai 2012 den Prix Walo in der Kategorie «Country». «Ich hab es nicht richtig geglaubt, als ich

unseren Namen hörte», sagt Kisha. «Auch die Jungs sind fast durchgedreht.» Für Kisha ist es der zweite Prix Walo, 1998 erhielt sie einen in der Sparte Pop. So wird die Auszeichnung, die momentan bei Bandkollege Reto Burrell zu Hause steht, ein «Wanderpokal». Die Wände in ihrer Wohnung sind vorwiegend mit Bildern ihres Vierbeiners Aisha dekoriert. Der Schäferhund-Golden-Retriever-Mischling kam als Welpe zu ihr. Zwischen all den Hundefotos fällt nur eines aus dem Rahmen: Kishas Idol, Ex-Guns-N’-Roses-Gitarrist Slash. So brav sie auch aussehen mag: Im Herzen ist Kisha auch eine Rockerbraut.

Woanders zu leben, kann sie sich nicht vorstellen. Die Verbundenheit zum «Country», also zum Ländlichen, ist unbe­ stritten. Kisha ist definitiv ein Mädchen vom Lande. In Fribourg ist ihre Familie. Für sie selbst «hat es in der Stadt zu viel Beton». Sie muss morgens die «Vögeli» pfeifen hören. Wer weiss, vielleicht pfeifen die ­Vögel ja bald wieder ihren Namen von den Dächern – respektive die Radio­ stationen ihre neuen Songs aus den Lautsprechern. Aber unbedingt nötig hat Kisha auch das nicht mehr. Den Glauben an sich selbst hat sie zum Glück wieder gefunden.  schweizer illustrierte

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Eine Familie, die zusammenhält Oskar Freysinger zu Hause in Savièse mit Sohn Yoann, Gattin Ghislaine und den Töchtern Laura und Fanny (r.).

Rundlauf Beim Pingpong kämpft ausnahmsweise jeder für sich – wenn Papa verliert, ist der Jubel besonders gross.

n e i l i Fam ch tisil 2 Te

Die Schweiz kennt ihn als knallharten SVP-Politiker. Doch wie ist Oskar Freysinger als Vater? Und wie ticken seine Kinder? Ein Familiengespräch über Zucht und Ordnung, Werte und Ideen, Internet und Porno.

«Papa ist ein miserabler Verlierer» 40

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familientisch

Text Alejandro Velert Fotos Kurt Reichenbach

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uf der politischen Bühne sorgt Oskar Freysinger öfter und gern für rote Köpfe. Denn der Walliser SVP-Nationalrat provoziert und polarisiert, selbst in der eigenen Partei. Zu Hause in Savièse oberhalb von Sitten ist die Unterstützung für ihn bedingungslos. «Hier ist er nicht Politiker, sondern der beste Vater und Gatte, den man sich vor­stellen kann», sind sich alle einig. Freysinger ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Autor mehrerer Bücher. Er wohnt zusammen mit seiner Frau Ghislaine, 48, und Tochter Laura, 17, die das Gymi besucht, im eigenen Haus. Die älteste Tochter, Fanny, 22, studiert in Lausanne. Yoann, 20, schliesst gerade seine Lehre als orthopädischer Schuhmacher ab, er wohnt mit seiner Freundin in Ried-Brig.

Die SVP steht für Zucht und Ordnung. Wie ist das bei Ihnen zu Hause? Yoann: Papa ist furchtbar streng! Wenn ihm etwas nicht passt, zählt er auf drei. Das geht dann so: Eins, zwei, zwei ein Viertel, zweieinhalb … (Gelächter.) Im Ernst: Er ist konsequent, aber sehr fair. Ghislaine: Glücklicherweise müssen wir nie besonders streng sein. Wir haben grosses Glück mit unseren Kindern, sie sind wunderbar. Oskar: Sie diskutieren untereinander mehr als mit uns! Wie ist es, einen Vater als Nationalrat zu haben? Yoann: Als Kind habe ich unter den Anfeindungen gelitten. Heute können die Leute sagen, was sie wollen. Für mich ist er mein Vater, nicht der Poli­ tiker. Aber wenn ich im Badminton ein Turnier gewinne, steht in der Zeitung jeweils, der Sohn vom Freysinger habe gesiegt, das nervt. Laura: Ich leide manchmal darunter. Wenn wir zusammen an einen SionMatch gehen, gibt es Leute, die Papa beschimpfen und sogar bedrohen. Ich stehe dann fassungslos daneben. Begreifen diese Menschen nicht, dass hier ein Vater mit seiner Tochter bloss ein Fussballspiel besucht? Sie sehen nur seine politische Tätigkeit. Oskar: Und es ginge ja noch, wenn sie wenigstens meine Ideen kritisieren würden, dann könnte man diskutieren. Aber diese Leute kennen nur mein mediales Bild und mögen den Freysinger deshalb nicht. Als Gegenmass­ nahme habe ich irgendwann damit angefangen, solche Leute zu uns nach

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«Unser Haus soll für die Kinder wie ein Kokon sein, wo das Vertrauen regiert» Ghislaine Freysinger Hause einzuladen. Und so werden aus Feinden ab und zu sogar Freunde. Wie war das in der Schule? Fanny: Manche Kolleginnen und Kol­le­ gen kennen und mögen meinen Vater, die machen dann Komplimente. Proble­ me gab es aber mit Lehrern. Bei einigen merkte man es gleich, dass sie einen nicht mögen, weil man der Sohn vom Freysinger ist, das war schwer zu begreifen. Yoann: Und ausgerechnet diese Lehrer gaben jeweils Wahlempfehlungen ab,

natürlich nie für die Rechten. Hätte das mein Vater nur einmal gemacht … Herr Freysinger, dachten Sie je daran, der Familie wegen die Politik aufzugeben? Ja, einmal, das war im November 2002, nach dem Brandanschlag auf unser Haus. Aber Ghislaine sagte, das komme überhaupt nicht infrage. Ghislaine: Dabei mag ich die Politik selber nicht. Mein Vater war CVP-­ Politiker und darum jahrelang immer abwesend. Aber ich wollte nicht, dass

Familien-Hobby Oskar Freysinger komponiert ­selber, zusammen übt die Familie die Lieder ein. «Wir singen oft bis tief in die Nacht.»

jemand uns Angst machen kann und so seine Ziele erreicht. Wir leben in einer Demokratie, und man hat das Recht, seine Meinung zu äussern. Gilt das auch zu Hause? Ghislaine: Unbedingt! Unser Heim soll wie ein Kokon sein, wo das Vertrauen regiert und man sich alles sagen kann. Ohne Tabus und ohne Ängste. Unsere Kinder sollen hier ihren Charakter und ihre Stärken entfalten können. Oskar: Und wir haben immer viel zu-

sammen unternommen, so ist dieses starke Familienband entstanden. Früher machten wir jedes Jahr Camping- oder Skiferien in kleinen Alphütten oder einmal gar einen Alpaufzug. Heute singen wir oft miteinander. Ghislaine produziert Musicals, ich schreibe Musik, zusammen üben wir Lieder ein. Im letzten Musical spielte Fanny die Hauptrolle, Laura und Yoann waren als Statisten dabei. In unserem Kulturzentrum hier in Savièse sind sie sechsmal vor

500 Leuten aufgetreten! Und so merken die Menschen auch, dass die Freysingers eine starke Familie sind. Da ist nicht bloss der Oskar, der Politik macht. Yoann: Wir sind sehr geeint, das macht vieles einfacher. Man getraut sich auch, Fehler zu machen, weil der Rückhalt der Eltern da ist und man nicht zu­ sammengestaucht wird. Mühsam ist Papa nur, wenn ich im Sport gegen ihn gewinne. Er ist ein miserabler Verlierer! (Gelächter.) u schweizer illustrierte

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familientisch u Ist die Politik am Familientisch ein Thema?

Yoann: Eher selten. Oskar: Es ist nicht so, dass wir politische Themen in der familiären Domäne vermeiden. Aber wir haben ganz einfach andere gemeinsame Interessen. Wählen hier alle die SVP? Yoann: Ja. Fanny: Ich gehe dann an die Urne, wenn mich eine Abstimmung wirklich interessiert oder betrifft. Natürlich wähle ich meinen Vater, aber in Sachfragen kann ich durchaus auch mal mit den Linken sein. Ghislaine: Ich halte es wie Fanny.

Das Haus der Freysingers steht nicht nur für die Kinder jederzeit offen. Seit sechs Jahren wohnt mit ihnen eine ehe­malige Schülerin Freysingers. «Ihre Familie kümmerte sich nicht um sie, also nahmen wir sie auf.» Ein halbes Jahr lang fand auch eine Rumänin mit ihrer Tochter bei den Freysingers Zuflucht, sie wurde von ihrem Mann bedroht. Und ein junges Ehepaar, das auf der Strasse gelandet war, lebte ebenfalls einige Monate mit ihnen. «Man muss nicht nur sozial

«Natürlich wähle ich meinen Vater. Aber in Sachfragen bin ich auch mal mit den Linken» fanny Freysinger reden, sondern handeln!», sagt Freysinger. Herr Freysinger, als Vater möchte man seine Werte und Ideen weitergeben. Auch die politischen? Nein, nicht unbedingt. In der Erziehung vermittelt man die Werte über das eigene Beispiel. Ich versuche, einfache Lebensprinzipien weiterzugeben, die bleiben eher hängen. Und ich hoffe, unsere Kinder erkennen, dass ich zu meinem Wort stehe und zu Ende führe, was ich angefangen habe. Wenn ich sehe, wie meine Kinder sich durchkämpfen und hocharbeiten, bin ich sehr stolz. Was tun Sie, wenn eines Ihrer Kinder eine halbe Stunde zu spät vom Ausgang nach Hause kommt? Oskar: Das machen sie nicht, das ist es ja! Sie hatten auch nie einen grossen

Drang, auszugehen. Im Gegenteil, sehr oft kommen sie mit ihren Freunden hierher und sitzen bis um drei Uhr morgens im Wintergarten, weil sie es hier gut haben. Wie setzen Sie Regeln durch, wenn es sein muss? Fanny: Er sagt: Eins, zwei, zwei ein Viertel, zweieinhalb … (Gelächter.) Ghislaine: Man muss Grenzen setzen und Stopp sagen können. Das gehört zur Erziehung. Und natürlich hatte ich anfangs Ängste und Zweifel, wenn sie in den Ausgang gingen. Aber dann schrieb ich ein SMS und erhielt jeweils prompt eine Antwort. Einmal, da war ich allerdings überfordert. Das war, als Yoann mit sechzehn Jahren an einem Abend spät zum ersten Mal ein Mädchen mit nach Hause genommen hat. Oskar: Ghislaine kam zu mir und fragte mich im Flüsterton, was die im Zimmer

wohl tun würden? «Na, was wohl? Kaffee trinken», sagte ich. Und, was habt ihr tatsächlich getan, Yoann? (Lacht.) Kaffee getrunken! Was möchten Sie als Eltern Ihren Kindern vermitteln? Oskar: Jedes Kind hat einen ganz anderen Charakter, nach meinem Ideal jemanden formen kann ich bestimmt nicht. Wie gesagt, ich versuche, mit dem guten Beispiel voranzugehen, und hoffe, sie nehmen das Beste von uns und passen es auf ihren Charakter und ihre Lebensumstände an. Ghislaine: Wenn man einem Kind eine Idee aufzwingen möchte und Druck ausübt, wird es ziemlich sicher genau das Gegenteil machen. Wie gehen Sie mit dem Internet um? Oskar: Unsere Kinder sind erwachsen genug. Man muss sich da nichts vor­machen, Kinder finden immer einen Weg, um an ihr Ziel zu kommen.

Es gibt Millionen von Seiten voll von Pornografie oder roher Gewalt. Oskar: Wenn das Werte- und Weltverständnis eines Kindes intakt ist, und das ist bei unseren Kindern der Fall, dann haben sie so etwas wie Antikörper gegen den ganzen Schrott, der im Internet zu sehen ist. Und was all die Pornoseiten betrifft: Es gibt Klügeres. Aber Sexualität ist der Ursprung und die Basis jedes Lebens, da ist nichts Schlechtes daran. Sexualität und Zärtlichkeit gehören zum menschlichen Dasein. Auch das muss man in der Erziehung vermitteln. Meine Frau und ich sind seit 24 Jahren zusammen und lieben uns wie am ersten Tag.  u Die familientisch-Serie Bereits erschienen: Familie Bruno Risi. Nächste Folge: Familie Urs Lehmann und Conny Kissling über Karriere und Kinder.

Wie bestrafen? Eltern-club-Expertin Daniela Melone antwortet u Ich möchte meinem Kind Werte

vermitteln – beispielsweise Respekt. Wie soll ich das tun? Am besten über beispielhaftes Vorleben, sonst sind es nur Worte, mit denen ein Kind nicht viel anfangen kann. Das heisst: mit gutem Beispiel und respektvollem Umgang in der Praxis vorangehen (eine Spinne nicht zertreten, sondern in die Freiheit entlassen). u ich sage: «um 23 Uhr musst du zu Hause sein.» Dann wird es später. Wie gehe ich vor? Die Eltern müssen sich fragen: Was geht in mir vor? Ist es Angst, Ärger …? Vorwürfe bringen nichts, das Kind will verstanden werden und verstehen. Also sich zusammensetzen, ruhig nachfragen, wie es zur Verspätung gekommen ist, mitteilen, wie es mir als Mutter/Vater gegangen ist, sagen, dass ich mir Sorgen gemacht habe, und nochmals ruhig und sachlich erklären. Die Teenager bei der Lösungsfindung einbeziehen, nicht immer nur mit Konsequenzen drohen, sondern etwa vereinbaren, das nächste Mal das Handy als Wecker zu benutzen. u der Teenager ist im Ausgang. sollten Eltern ihn abholen? Diese Entscheidung treffen Eltern individuell.

Eltern geben ihrem Kind die Sicherheit, dass zu jeder Zeit jemand erreichbar ist, damit Gefahrensituationen gar nicht erst entstehen. Das Kind kann auch mit einem Taxi nach Hause kommen, vom Götti abgeholt werden oder in der Gruppe zusammen nach Hause gehen usw. u exzessiver Alkoholkonsum am Wochenende: tolerieren? Bestimmt nicht – die Eltern machen die Regeln. Aber es ist ein Abwägen, wo der Teenager eigene Erfahrungen machen darf. Dazu kann auch ein «Absturz» gehören. Je nach Alter und Situation: Die Eltern haben auch eine Aufsichtspflicht! u Wie erkläre ich, dass Drogen, Alkohol und Zigaretten nicht gut sind, obwohl es andere tun? Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun: Es ist schädlich, die Leute machen es trotzdem – aus Gedankenlosigkeit, weil man mit Situationen nicht klarkommt, um etwas zu verdrängen oder zu kompensieren. Genau da ansetzen: Das Kind ermuntern, sich in schwierigen Situationen Hilfe zu holen. Ein Kind mit einem gesunden Selbstwertgefühl kann sich gegen vieles besser wehren – auch gegen Gruppendruck.

Antworten und Hilfe für Eltern u 24 Stunden, 7 Tage die Woche bietet der Eltern Club Schweiz

von Pro Juventute unter der Hotline 058 - 261 61 61 Beratung oder Soforthilfe an. Zudem sind auf der Website www.elternclubschweiz.ch E-Mail-Beratung, diverse Fachartikel und Services wie die Notfall-Nanny-Vermittlung zu finden.


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«Ich bin ein Freak» Er ist einer der grössten Sportler der Geschichte. Aber mit Leichtathletik hat carl lewis nicht mehr viel am Hut. «King Carl» spricht beim Besuch in der Schweiz über Polit-Clowns, skurriles Wissen und vergeudete Zeit. Text ilona scherer Fotos adrian bretscher

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eine Duelle mit 100-MeterGegen­spieler Ben Johnson und Weitsprung-Konkurrent Mike Powell sind legendär. Und als Carl Lewis, 50, im Trainingsanzug die Lobby des Berner Fünfsternehotels Bellevue betritt, fühlt man sich unweigerlich in die Achtziger zurückversetzt. Seine 1,88 Meter sind noch immer durch­ trainiert. Seine Popularität ist 15 Jahre nach dem Rücktritt ungebrochen. «King Carl» weilt als Stargast des Sportartikel-Riesen Nike an einem Event von Intersport. An dessen Rand nimmt er sich Zeit, der Schweizer

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Illustrierten ein exklusives Interview zu geben. Und beweist Humor: «Würde ich 40 Dollar pro Autogramm oder Foto verlangen, wäre ich reich», sagt er und lacht. Carl Lewis, Sie haben sich kaum verändert. Wären Sie gern noch Athlet? Nicht wirklich. Es ist wie mit der Highschool: Ich hatte eine tolle Zeit, aber ich möchte nicht zurück (lacht). Wenn ich mich an der Vergangenheit festhalten würde, könnte ich das Hier und Jetzt nicht geniessen. Ich bin frei, kann so viele Dinge machen. Ich arbeite für Nike, bin UN-Botschafter, führe eine Stiftung für freiwillige Trainer und Kinder – und ich bin finanziell immer

noch erfolgreich. Es gibt nie Momente, in denen ich Lust habe, zu rennen. Trainieren Sie noch? Nur Kraft. Ich habe in meinem Haus in New Jersey einen Kraftraum im Keller. Ich bin aber ein aktiver Mensch und arbeite gern im Garten. Da ich Vege­ tarier bin, ernähre ich mich fast ausschliesslich von Gemüse und Obst, das ich selber aufziehe. Auch Elektrikeroder Klempnerarbeiten sind kein Pro­blem für mich. Diesen Winter habe ich das Bad renoviert. Ausserdem habe ich zwei grosse Hunde. Ich fühle mich grossartig und habe so viel Energie wie Leute, die halb so alt sind wie ich. Mein Gewicht ist dasselbe wie bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta. Ich u

Stippvisite in Bern Carl Lewis bei seinem Blitzbesuch an der Aare auf dem Schwellen­ mätteli, im Hintergrund das Bundeshaus.


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«In der Politik geht es nur um Titel und Geld. Davon habe ich genug. Ich wollte etwas ändern» carl lewis

50 – und kein bisschen müde Sprint- und Weit­ sprung-Legende Carl Lewis ist oft als Repräsentant für Nike unterwegs und geniesst das Leben.

glücklich! Nicht nur, weil es mir materiell gut geht. Ich finde an allem etwas Lustiges, Gutes. Meinem Haar hat dies allerdings nicht geholfen … Ist das Grau ein Problem für Sie? Nein, das ist schon eine Weile so, ich habe mich daran gewöhnt. Es begann so Anfang vierzig. Nie Langeweile? Nein! Jeder Tag ist anders und neu. Ich liebe Musik, ich liebe Politik. Und ich verfolge das Tagesgeschehen, die News, schaue Dokumentarfilme, lese sehr gern Interessantes. Ich bin der grösste Freak auf der Welt, weil ich all diese skurrilen Dinge aufsauge. Die Leute würden das nicht glauben. Zum Beispiel? Kürzlich sah ich mir etwas über Planeten an. Danach kam ein Film über die Mafia. Oh my God, den musste ich sehen! Danach etwas über die Entwicklung der Menschheit, Dinosaurier und so. Mich interessiert wirklich alles! Besonders aber Politik. Oh, ich liebe Politik! Wir

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leben in einer historisch wich­tigen Zeit in den USA. Die Vorwahl der Republikaner zu schauen, war wie Zirkus. Eine Clown-Show – schreiben Sie das ruhig so! Wahnsinn. Very amusing. Und die wollen tatsächlich Präsident werden? Ich glaube, die wollen uns auf den Arm nehmen! Sie unterstützen Barack Obama. Oh ja, ja! Ich unterstütze seine Kan­ didatur. Obama reflektiert das, was Amerika ist – oder wird –, in so einer erfrischenden, wundervollen Art. Seine Eltern sind vielrassig, und das ist Amerika. Wussten Sie, dass weisse Kinder unter zwölf Jahren nicht mehr in der Mehrheit sind? Viele Leute haben Angst vor diesem «neuen Amerika». Aber wir sollten es umarmen und weitergehen. Ihre Kandidatur als Senator in New Jersey mussten Sie kürzlich aufgeben, weil Sie nicht die erforderlichen vier Jahre in diesem Bundesstaat gelebt haben. Ich wollte etwas tun und bin froh, dass ich es versucht habe. Aber ich bin auch froh, dass ich raus bin aus dem Rennen.

Aha? Absolut! Ich habe realisiert, dass das nicht mein Platz ist. In der Politik ist vieles so ichbezogen, nur die Titel zählen. Der Schlimmste ist der Gouverneur, eine sehr unsichere Person. Traurig, oder? Titel oder Geld, davon habe ich genug. Ich wollte etwas ändern. Es gibt so viele rassengetrennte Schulen in New Jersey. Meine Mutter war Lehrerin, man wollte ihre Pension kürzen. Darüber muss man sprechen! Verstummen Sie nun politisch? Natürlich nicht. Ich habe sogar mehr Power, indem ich die Medien nutze. Die Demokraten taten ja alles, um mich im Rennen zu halten. Denn ich hätte eine starke Stimme gehabt in New Jersey, weil ich keine Angst habe zu sagen, was ich denke. Aber nun kehre ich nach Houston, Texas, zurück. Aus Frust über die Politik? Nein, ich habe dort einige Aufträge an der Universität. Und ich fühle mich einfach definitiv wohler wegen des Klimas. Am liebsten hätte ich zwölf

Weltrekorde Lewis läuft 100 Meter in 9,86 Sekunden und springt 8,87 Meter weit (beides 1991). Foto Getty Images

u bin

Monate lang Sommer. Ich mag Schnee nicht. Winter verkürzt das Jahr. Ich bin jetzt 50, ich habe nicht viel Zeit zum Vergeuden (lacht). Ihre Medaillen nehmen Sie mit? Die bleiben sicher im Safe. Drei WM-Medaillen fehlen allerdings. Keine Ahnung, wo die sind. Und ein Olympia-Gold legten Sie Ihrem Vater Bill mit ins Grab. Das ist die einzige, die sicher niemals wieder auftauchen wird. Er starb übrigens vor genau 25 Jahren, am 5. Mai 1987. Nun, da ich 50 bin, realisiere ich erst: Gosh, er war erst 60, wirklich jung! Ich werden in zehn Jahren schon 60 … Seit seinem Tod kümmern Sie sich um Ihre Mutter Evelyn. Diese Entscheidung traf ich mit 26. Wir stehen uns extrem nahe. Ich be­ sorge ihr Dinge wie Wohnungen, Autos und so weiter. Meine Mutter ist eine sehr starke Frau. Sie wird 83 dieses Jahr, sieht immer noch grossartig aus und fühlt sich auch gut. Sie zieht jetzt übrigens ebenfalls nach Houston zurück. Themenwechsel. In zwei Monaten ­beginnen die Olympischen Spiele in London. Was tun Sie während Olympia? Ich bin dort im Auftrag von Nike, wo ich seit 1981 fast durchgehend unter Vertrag war. Das ist bemerkenswert in der heutigen Zeit. Damals war das eine junge Firma. Jetzt, 30 Jahre später, ist Nike die Nummer 1 in der Welt. Ich habe in London keinen Tag frei und viele Aufträge. Die Leute wollen mich zum Glück immer noch sehen. Worauf freuen Sie sich am meisten? Ich nehme mir wie immer vor, eine

neue Sportart zu besuchen. Diesmal das Fechten. In Peking ging ich zum Badminton, in Vancouver war ich beim Curling. Ins Leichtathletik-Stadion gehe ich aber nie. Warum nicht? Ich weiss ja, wie das ist. Ich möchte die Olympischen Spiele erleben, den olympischen Geist spüren, neue Dinge erleben. Das ist faszinierend! Aber das olympische 100-Meter-Rennen … … darüber denke ich nicht nach. Es ist ihre Zeit, ihr Rennen, sie machen es. Ich bin nicht in dieser Welt. Die waren auch nicht in meiner, als ich Athlet war. Haben Sie Usain Bolt mal kennengelernt? Noch nie. Sanya Richards Ross (400-Meter-Spezialistin aus den USA) ist meine beste Freundin in der Leichtathletik. Wir haben es oft lustig zusammen. Und Allyson Felix kenne ich auch schon sehr lange. That’s it. Aber Roger Federer kennen Sie bestimmt – auch er ein Nike-Athlet. Of course! Ihn traf ich in Athen. Ein grosser Sportsmann. Im Tennis kenne ich auch die Williams-Schwestern gut. Alles grossartige Athleten! Wie schafft man es, so lange an der Weltspitze zu bleiben? Nicht zu versuchen, lange dort zu bleiben! Im Ernst: Versucht, nicht weiter als bis zum nächsten Turnier, zur nächsten Situation zu denken. Was raten Sie jungen Athleten, die ­erstmals bei Olympia starten? Nichts an der Vorbereitung zu ändern! Am Ende des Tages schnürst du ­dieselben Schuhe, machst dein Rennen, und that’s it. 

lewis persönlich u Der Jahrhundertsportler, der eigentlich Frederick Carlton Lewis heisst, wird am 1. Juli 1961 in Birmingham im US-Bundesstaat Alabama geboren. Zwischen 1983 und 1996 holt der 1,88-Meter-Hüne neun Olympiasiege sowie acht Weltmeister-­Titel (100 m, 200 m, 4 × 100 m, Weitsprung). 1999 ehrte ihn der Weltverband als Leicht­ athlet des Jahrhunderts. Lewis ist ledig und wohnt zurzeit in New Jersey.

nachgefragt bei

Franz Julen

Sportliches Duo Franz Julen, 53, seit 2000 CEO von Intersport International, mit Lewis in Bern. Franz Julen, seit wann kennen Sie Carl Lewis? Vor den Olympischen Spielen 1988 in Seoul hatte ich für ihn einen Vertrag mit TAG Heuer ausgehandelt. Seit damals trafen wir uns immer wieder an Events von Lieferanten wie Nike, wo Carl seit 1981 unter Vertrag ist. Ich bewundere ihn. Er ist stets motiviert, gut aufgelegt und voller Optimismus. Ein Gefühl, das nicht alle Sportler bei Kundenanlässen vermitteln. Carl Lewis war Stargast von Nike am Inter­ national Brand Meeting IBM in Bern. Wir empfinden es als grosse Wertschätzung, dass Nike für einen Abend extra einen der grössten Sportler aller Zeiten einfliegen liess. Das IBM veranstalten wir zweimal jährlich. Alle grossen Marken präsentieren vor rund 170 Intersport-Mitarbeitern aus der ganzen Welt ihre Konzepte und Kollektionen für das kommende Jahr. Gerade wurde Ihr Vertrag bis 2018 verlängert … Das ist nicht üblich und ein grosser Ver­ trauensbeweis. Aber es entspricht unserer Philosophie, langfristig zu agieren. Ich bin stolz, diese Gruppe führen zu dürfen. Auch nach zwölf Jahren arbeite ich noch jeden Tag gern in diesem dynamischen, modernen und internationalen Umfeld. Muss man eigentlich selber sportlich sein, um so einen Konzern zu führen? Man ist glaubwürdiger. Ich treibe fast täglich Sport und bin seit der Kindheit mit dem Sport eng verbunden. Durch ihn habe ich viel fürs Leben und den Beruf gelernt. is

Intersport ist der weltweit grösste Sportartikel­ händler und erzielte 2011 mit 5400 Verkaufsstellen in 40 Ländern einen Einzelhandelsumsatz von 9,9 Milliarden Euro. Intersport International vergibt Franchise-Lizenzen in die Länder. Dem Unter­nehmen gehören 13 Länderorganisationen, darunter die Intersport Schweiz. schweizer illustrierte

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rd Wer wi

Misteeirz? Schw 2012 Teil 3 von

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Diese Woche Fabian Süess, Mike De Groote, David Böhni (v. l.).

fabian süess

«Es reicht nicht mal zum Streit»

Balance-Akt Fabian Süess beim Training in seiner Stube in Zürich Oerlikon. Der Fitnesstrainer weiss, wies geht.

Auch diese drei MisterSchweiz-Kandidaten kämpfen 2012 um den Titel: Sie wollen den elterlichen Bauernhof übernehmen, lassen gern die Muskeln spielen oder lieben Blondinen. Text yvonne zurbrügg & christa Hürlimann Fotos Thomas Buchwalder & Hervé le cunff

Mit viel Bauchgefühl

u Vergangenen Dezember ist er aus­ gezogen. Seither hat Mami Karin, 46, kein T-Shirt mehr für ihn gewaschen. Und sie kam auch nicht, um zu putzen. «Irgendwann muss man ja selbstständig werden», sagt Fabian Süess, 22. Seither bewohnt er mit Schwester Manja, 25, eine nigelnagelneue Genossenschafts­ wohnung in Zürich Oerlikon. Halb­ bruder Andrin, 11, vermisst seinen liebsten Tschutti-Kumpan ganz fest. Schaut Fabian am Wochenende in Kindhausen ZH vorbei, muss er zuerst ins Tor stehen und ein paar Bälle halten. Dann zuhören. Denn Andrin erzählt immer von Motocross. «Da bin ich nämlich besser als Fabian!» Karin kocht für ihren Sohn Lasagne, und zum Dessert gibts Tiramisu – für italienisches Essen hat ihr Sohn eine Schwäche. Mutter und Vater trennten sich, als Fabian drei Jahre alt war. Vater Armin, 54, Architekt, machte seine Kinder auf die neue Überbauung aufmerksam. «Wir haben uns die Wohnung angeschaut und beide sofort gesagt: Hier könnten wir uns vorstellen zu wohnen!», sagt Manja. Geboren war die Geschwister-WG. Ämtliplan hängt keiner am weissen Hochglanz-Kühlschrank. Bis jetzt klappt das Zusammenleben auch ohne. Sie hat die geregelten Arbeitszeiten einer Verwaltungsangestellten, er trainiert die Kunden im Fitnesscenter auch frühmorgens, spätabends und am Wochenende. «Allzu oft sehen wir uns gar nicht», sagt Fabian über das Zusam­ menleben mit der grossen Schwester, «bis jetzt hats nicht einmal zum u

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mister schweiz

u Streiten gereicht.» Eigentlich läuft alles perfekt in der grosszügigen Bleibe. Manchmal muss er sie einfach zu etwas mehr Ordnung ermahnen: «Hey, Manja, das ist der Gesellschaftsraum!» Und der soll aufgeräumt und sauber sein. Er lässt höchstens mal seine Sportschuhe auf dem Balkon liegen. Fabian Süess ist Fitnesstrainer. Im Studio lernt er seine Freundin, die Sportlehrerin Manuela, kennen. Sie ist doppelt so alt und hat drei Kinder im Teenie-Alter. Seit einem Dreivierteljahr sind die beiden ein Paar – und stehen zuein­ ander. Für Schwester und Mutter ist Fabians Liebste «eine gute Freundin» geworden. Aber sie posiert auf keinem Bild. «Aus Rücksicht auf ihre Kinder», sagt er. Zur Mister-Schweiz-Wahl hat er sich angemeldet, um auch beruflich von den Erfahrungen profitieren zu können. Von der Teilnahme erzählte er zu Hause ganz nebenbei. «Für eine Mutter sind die eigenen Kinder doch sowieso die schönsten», sagt Karin über die Chancen ihres Sohnes. Anfangs riet sie ihm in Interviews, nichts von seiner Beziehung preiszugeben. Um die Liebe, das Umfeld, sich selbst zu schützen. Aber Fabian wollte nichts verheimlichen. «Er ist ehrlich, hat ethisch hohe An­ sprüche und will niemanden verletzen», sagt sie über ihren Sohn. Für die Ein­ richtung hat seine Mutter ein Erbstück hergegeben: einen Eames Chair, schwarz und herrlich abgesessen. Noch disku­tieren die Kinder, ob sie auch den Teppich wollen, den Mama ihnen an­ bietet. Und Manja wünscht sich Vorhänge an der langen Fensterfront zur Strasse. Aber die duldet Fabian partout nicht.

Geschwister-WG Fabian Süess und Manja wohnen seit Dezember in der neuen Wohnung. Zu Gast: Mutter Karin und Halbbruder Andrin.

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David Böhni

«Ich bin ein Naturbub» u Brrr, ist das kalt! Zum ersten Mal dieses Jahr steigt David Böhni, 28, in Stein am Rhein SH in sein Kajak – ab ins Trockene! Dafür lässt er seine Schwester Ursina, 29, im Wasser stehen. Sie muss das Boot fürs Foto festhalten. Eine Viertel­stunde im neun Grad kalten Wasser. «Dafür schuldest du mir ein grosses Geburtstagsgeschenk!», neckt sie den «Chliine», wie sie ihren jüngeren Bruder nennt. David ist der Götti ihres Sohnes Linus, 2. «Er ist ein super Babysitter, wir konnten sogar schon mal nach New York reisen und Linus bei ihm lassen.» Jede Woche schläft «Lini» eine Nacht beim Götti auf dem elterlichen Hof. David hätte selbst einmal gern Kinder. Doch noch hat er weder die Frau noch die Zeit dafür. Seit dem Hirnschlag seiner Mutter Iris, 57, vor eineinhalb Jahren ist er zu Hause Mädchen für alles. Er putzt, macht die Wäsche, räumt auf, kocht. Und hat nebenbei das halbe Haus ­renoviert: die Wände gestrichen. Die Böden neu belegt. Dabei ist er viel lieber an der frischen Luft. Im Kajak, auf dem Mountainbike, am Joggen – und zum Arbeiten. Denn der Agronom möchte

Lächeln! Mike De Groote fotografiert Freundin Cléa und Kater Fancy. Das Paar liebt es, sich in Szene zu setzen.

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«Ich mache vor allem die Küche»

u Kater Fancy war eine Überraschung für seine Freundin Cléa. «Wir haben zuerst gemeint, es sei eine Sie. Deshalb klingt ihr Name jetzt etwas komisch», erzählt das Paar. Mike De Groote, 24, und Cléa Horowicz, 22: Der Schönheits­ quotient in der Dreieinhalbzimmer­ wohnung in Renens VD ist hoch. Er Mister Vaud Fribourg, sie ehemalige Kandidatin der Miss-Suisse-Romandeund der Miss-Earth-Schweiz-Wahlen. Erstaunlich, dass im zweiten Stock dieser alten Villa nicht mehr Spiegel hängen. Auf jeden Fall fotografieren sich die beiden gern gegenseitig. ­Kennen gelernt haben sich die zwei Körperbewussten im Fitnessstudio. Gefunkt hat es schliesslich beim ersten Date im mexikanischen Restaurant. Vier Monate später ist Cléa bei Mike einzogen. «Schnell, ich weiss. Aber wir waren sofort glücklich miteinander», sagt sie. Er wohnt bereits seit vier Jahren im Vorort von Lausanne. Nachdem sich seine Eltern getrennt hatten, lebte

Natürliche Fitness Seinen Body muss David Böhni nicht im Fitnesscenter stählen – die Arbeit und das Kajakfahren reichen.

Eitelkeit und Ehrgeiz Mike De Groote ver­ bindet beides. Er weiss genau, was ihm zum Titel als Mister Schweiz noch fehlt. Mike bei seiner Mutter und den beiden älteren Halbgeschwistern. Die Hausarbeit teilen sich Cléa und Mike auf. «Ich mache vor allem die Küche», sagt er. Der Direktionsassistent modelt gern, sie gründet gerade ihr eigenes Beauty-Unternehmen. Ums Badezimmer, behaupten sie zumindest, streiten sie sich nie: «Ich brauche morgens 30 Sekunden», sagt er. Und sie? «Mascara, Puder, fertig!» Wie man sich auf Schönheitskonkur­ renzen vor­bereitet, wissen beide. Das kann harte Arbeit sein. Und Verzicht. Mike will in den nächsten Wochen noch

etwas «sécher». Was auf Deutsch nicht «trocknen» bedeutet, eher ­«entschlacken». Ab Juni verbietet er sich Kohlenhydrate, damit die Muckis auch bestimmt von gar nichts mehr überdeckt werden. Beim zweiten ­Trainingspunkt kann auch Cléa helfen: Mike spricht noch kaum ein Wort Deutsch, sie hingegen schon. Gemeinsam wollen sie nun pauken, um seine Chancen bei der Mister-Wahl zu vergrössern: «Kann ich einigermassen Dütsch, werde ich auch sicherer vor der Kamera auftreten können.» Dem Zufall überlassen will dieser Mann nichts.

Familienhöck Klein Linus schaut mit ­seiner Mama Ursina oft bei Götti David und Opa Ernst vorbei.

den Reb- und Ackerbaubetrieb dereinst übernehmen. Noch bewirtschaftet er ihn gemeinsam mit seinem Vater Ernst, 62. Bis zu dessen Pensionierung will David in Forschung, Lehre und Beratung schnuppern. «Um mehr zu machen aus meinem Studium.» Dafür absolviert er nun das didaktische Zertifikat. Dass David den Hof übernehmen würde, war schon früh klar. «Er wollte immer überall dabei sein, unser älterer Bruder Simon kam viel schneller weg vom Traktörle», sagt Ursina. David mag, dass sie keine Tiere haben. «So ist man weniger gebunden.» Und er hätte eben auch Zeit für eine Freundin. «Lieb» müsste sie sein, «schön, ehrlich, lustig», sagt David Böhni. «Und vor allem sollte sie meinen sarkastischen Humor verstehen.» Wenn sie dazu noch ein Naturmädchen ist, schmilzt sein Herz sogar im kalten Rhein.


Zero Das Magazin für nachhaltige Mobilität

ALLES WIRD GUT

foto: HO

Die Mobilität wird immer umweltfreundlicher mit MERCEDES F125 • VW E-UP! • TOYOTA PRIUS+ • FIAT 500 • FORD B-MAX • FLYER • STROMER • IBEX • BMW E-SCOOTER • VW GOLF • HYUNDAI i20 • TOYOTA YARIS HYBRID • PRIUS PLUG-IN • SUBARU TREZIA


Zero

SCHWINGEN DER ZUKUNFT So stellt sich Mercedes die Zukunft des Automobils vor. Der F125 ist mehr als eine Fingerübung.

«Bereit für eine neue Mobilitäts-Ära» M

ercedes gehörte schon immer zu den Vorreitern einer nach­ haltigen Mobilität. Mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Elektrofahrzeuge – vom Smart über die A- und B-Klasse bis hin zum Transporter und Stadtbus – bieten wir eine Modellvielfalt an wie kein anderer Hersteller. Und das hat seinen Grund, denn Elektromobilität ist schon seit vielen Jahren ein fester Bestandteil unserer

Strategie. Aus unserer Sicht liegt die Zukunft definitiv in der Elektrifizierung des Antriebs. Wir sind aber auch davon überzeugt, dass es künftig nicht die eine Technologie als Königs­ weg zur nachhaltigen Mobilität geben wird. Wir setzen auf massgeschneiderte Lösungen für alle Mobilitätsanforderungen und fahren deshalb dreispurig in die Zukunft. Dazu gehört die Entwicklung neuer und hocheffizienter Hightech-Verbrennungsmotoren und deren

einer neuen Mobilitäts-Ära. Daher ist man gut beraten, sich mehrere Technologie­ optionen offenzuhalten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Her­ stellern forciert Mercedes BrennstoffzellenFahrzeuge als Zukunftslösung. Warum? Tatsächlich sehen wir in der BrennstoffzellenTechnologie beziehungsweise im Wasserstoff als Energieträger das grösste Potenzial für die emissionsfreie Mobilität der Zukunft. Es spricht vieles dafür. Zum Beispiel die Tatsache, dass sich der Strom mittels Wind,

fotos: HO

Antrieb der Zukunft 2015 will Mercedes das erste serienmässige Hybridisierung ebenso wie die emissionsAuto mit Brennstoffzelle bauen. Ein realistisches Vorhaben? Christian freie Mobilität mit Brennstoffzellen- oder Batteriefahrzeugen. Wir sind am Anfang Mohrdieck sagt, warum er definitiv auf die Elektromobilität setzt.

Sonne oder Wasserkraft regenerativ erzeugen lässt. Und zwar genau immer da, wo er auch gebraucht wird. Gerade angesichts immer knapper werdender Ressourcen eine vielversprechende Alternative. Welches sind die entscheidenden Vorteile eines Brennstoffzellen-Fahrzeuges gegenüber einem Elektroauto? Genau genommen ist auch ein Brennstoffzellen-betriebenes Fahrzeug ein Elektromobil. Der Unterschied zum Batterie-elektrischen Antrieb besteht jedoch darin, dass der benötigte Fahrstrom direkt an Bord durch eine chemische Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff in der Brennstoffzelle produziert

der Zero-Experte Christian Mohrdieck, seit 2008 Leiter Brennstoffzellen- und Batterie-­ Antriebsentwicklung der Daimler AG.

wird. Die wesentlichen Vorteile dabei sind vor allem die hohe Reichweite von derzeit bis zu 400 Kilometern bei gleichzeitig kurzer Betankungszeit. Darüber hinaus kann die Brennstoffzellen-Technologien auch bei grösseren Fahrzeugen wie Limousinen oder sogar Stadtbussen angewendet werden.

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Können Sie uns einen ungefähren Zeitrah­ men stecken? Wann werden die ersten Brennstoffzellen-Fahrzeuge auf den Markt kommen, und wann werden sie in grösse­ ren Serien produziert werden? Die Technologie hat heute einen sehr hohen Reifegrad erreicht und ist definitiv bereit für eine neue Mobilitäts-Ära. Die notwendige Wasserstoff-Infrastruktur stellt jedoch immer noch einen limitierenden Faktor für die flächen­ deckende Verbreitung von Elektrofahrzeugen mit Brennstoffzelle dar. Mercedes-Benz plant die Einführung der nächsten Generation in den kommenden zwei bis drei Jahren. Eines der grösseren Probleme der Brenn­ stoffzellen-Fahrzeuge ist die mangelnde Infrastruktur für «Tankstellen». Wie will Mercedes dieses Problem lösen? Braucht es da politische Hilfe, Anstösse? Kann das ein Hersteller allein schaffen? Eine grossflächige Markteinführung von Elek­ trofahrzeugen mit Brennstoffzellen bedarf sowohl einer flächendeckenden Infrastruktur als auch deren grenzüberschreitenden Vernetzung. Initialzündungen dafür gab es schon einige. Auch wenn es nicht zu unseren Kernaufgaben gehört, haben wir beispielsweise beschlossen, zusammen mit der Linde AG ein Zeichen zu setzen und in den kommenden zwei Jahren in Deutschland zwanzig Wasserstoff-Tankstellen aufzubauen. Dieses Engagement muss jedoch von allen Beteiligten – von der Industrie bis zur Politik – mit dem entsprechenden Nachdruck verfolgt werden. Bei der Gesamtenergiebilanz von wasser­ stoffbetriebenen Fahrzeugen gibt es ja u


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ZIEL: NULL EMISSIONEN Noch ist kein Auto-Hersteller so weit, doch Fahrzeuge wie der Mercedes F125 kommen dem Traum nahe.

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«In der Brennstoffzellen-Techno­ logie sehen wir das grösste Potenzial für die emissionsfreie Mobilität der Zukunft» Christian Mohrdieck VISIONEN Das Automobil von morgen muss mehr sein als ein reines Transportmittel.

­ lternativ aussehen. Und damit für eine a gewisse Kundschaft gar nicht in Betracht kommen. Wieso werden die alternativen Antriebe nicht einfach in die bestehenden Modelle eingebaut? Genau das tun wir. Natürlich haben alternative Antriebe, egal ob mit Batterie oder Brennstoffzelle, von konventionellen Antrieben abweichende Anforderungen an Komponenten und deren Platzbedarf, aber ein Einbau in bestehende Modelle ist definitiv möglich. Leichtbau ist ein weiteres sehr wichtiges Thema bei den EV/BrennstoffzellenFahrzeugen. Wie sieht das bei Mercedes aus? Wir haben uns das Entwicklungsziel gesetzt, das Rohkarosseriegewicht bei allen Mercedes-Benz-Fahrzeugen um 10 Prozent gegen-

über ihren Vorgängermodellen zu reduzieren, um die Kraftstoffeffizienz noch weiter zu verbessern und die Emissionen stetig zu reduzieren. Auch bei elektrischen Fahrzeugen spielen solche Massnahmen eine ganz entscheidende Rolle. Eine Verringerung des Gewichtes hat direkte Auswirkungen auf ­Rekuperation, Reichweite und Agilität. Man muss hier also die richtige Balance finden. So ist der Smart beispielsweise bereits leichtbauoptimiert, und das ist nicht das Ende der Fahnenstange. Mit dem Konzeptfahrzeug Smart forvision und auch dem F125 zeigen wir, wie innovative Leichtbaumassnahmen aussehen können. Zum Beispiel mit Kunststofffelgen, die pro Rad drei Kilogramm Gewicht einsparen, oder mit einer speziellen Türstruktur, die durch ihre bessere Steifigkeit Material und somit Gewicht einspart.  pru

fotos: HO

­einige Fragezeichen: Es geht unter ande­ rem darum, wie der Wasserstoff produziert wird. Wie sieht Ihre Idealvorstellung aus? Grundsätzlich hat das Brennstoffzellen-­ System einen Wirkungsgrad von ungefähr 60 Prozent. Die energetische Effizienz dieses innovativen Antriebskonzepts liegt damit heute bereits nahezu doppelt so hoch wie die Effizienz modernster Benzin- und Dieselmotoren. Bei der Well-to-Wheel-Berechnung unserer B-Klasse F-CELL gehen wir von der heute gängigsten Wasserstoffherstellung aus – der Dampfreformierung aus Erdgas. In der Well-to-Wheel-Betrachtung ergeben sich damit im Vergleich zu modernen Dieselfahrzeugen bis zu 30 Prozent weniger CO2-Emissionen. Einen zunehmenden Anteil des Wasserstoffs regenerativ und wirtschaftlich über Sonnen- oder Windenergie, Biomasse oder andere nachhaltige Verfahren herzustellen, um eine vollständige NullEmissionen-Mobilität zu realisieren, ist ganz klar das langfristige Ziel. Oft wurde bisher kritisiert, dass gewisse Autos mit alternativen Antrieben sehr u


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ganz schön stark

hohe Anforderungen an ihre Geräte, sie müs­ sen nicht nur agil und wendig sein, einfach zu pilotieren, sondern auch sauber, schnell beschleunigen. Dank der «BMW i Hochvolt»Technologie, wie sie auch in den KonzeptFahrzeugen i3 und i8 verwendet wird, kann der bayrische e-Scooter Fahrleistungen ­erbringen, die einen handelsüblichen MaxiScooter mit 600 Kubik erblassen lassen. Der Elektroantrieb, dessen maximales Drehmo­ ment schon ab null Umdrehungen ansteht, ermöglicht eine wunderbar lineare Beschleu­ nigung, wie sie Scooter-Fahrer lieben. Selbst­ verständlich ist der e-Scooter auf einen Zwei­ personenbetrieb ausgelegt, kennt keinerlei Probleme beim Anfahren an steilen Berg­ strecken und schafft eine Höchstgeschwin­ digkeit, die auch das problemlose Befahren von Stadt-Autobahnen ermöglicht.

Intelligente Vision Zwar ist der e-Scooter von BMW erst ein Konzept, auf die Strasse kommt die Maschine im nächsten Jahr. Doch sie zeigt auf, dass die Zukunft der elektrischen Motorräder sehr interessant werden wird.

ÜBER 100 KILOMETER Reichweite

DESIGN MUSS EMOTIONEN WECKEN Der e-Scooter von BMW kommt 2013 auf den Markt.

Die grosszügige Speicherkapazität, ein intel­ ligentes Batterie-Management sowie die sehr effiziente Energie-Rückgewinnung etwa beim Bremsen werden im Alltagsbetrieb eine Reich­ weite von über 100 Kilometern ermöglichen. Das ist bedeutend mehr, als in der Stadt ein­ gesetzte, motorisierte Zweiräder pro Tag durchschnittlich fahren. Im Gegensatz zum Automobil, wo die mangelnde Reichweite von E-Mobilen noch lange ein Thema sein wird, besteht dieses Problem bei den E-Motor­ rädern in einem weit geringeren Mass. Aufgeladen wird der Energiespeicher übri­ gens an ganz normalen Steckdosen, wie es sie in der Schweiz in jedem Haushalt gibt; ein kompletter Ladevorgang dauert weniger als drei Stunden. Dieses einfache und schnelle «Tanken» ist eine wichtige Voraussetzung für

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die zukünftige Akzeptanz von E-Motor­ rädern, und BMW hat es sich zum Ziel gesetzt, diesen Prozess zu perfektionieren. Denn nichts ärgert den Scooter-Fahrer mehr als ein Gefährt, das er nicht jederzeit und überall problemlos benutzen kann. Eine Ladezeit von drei Stunden darf als vorbildlich gelten, dazu kommt, dass die Batterie ja höchst ­selten komplett entleert ist, was die Dauer des «Tankens» noch einmal verkürzt.

VISIONÄRE KRAFT BMW versucht, diese neuen Mobilitäts­ bedürfnisse auch beim Design auszudrücken, denn nicht nur Kundenbefragungen, son­ dern auch die Verkaufszahlen zeigen, dass das Design jener Punkt an einem Motorrad ist, der die meisten Emotionen auslöst. Dabei muss der Scooter natürlich dem er­ folgreichen Design der bestehenden BMWMotorradpalette folgen, andererseits aber auch eine eigene und dynamische Sprache sprechen. Oder wie der Chefdesigner der BMW-i-Untermarke, Benoit Jacob, das aus­ drückt: «Die BMW Group bekennt sich mit BMW i klar zur Elektromobilität. Wir über­ nehmen damit eine Vorreiterrolle und be­ weisen eine visionäre Kraft, die sich auch im Design widerspiegeln soll. Fortschrittliches und konsequent auf Nachhaltigkeit ausge­ richtetes Denken ist nicht nur ein Prozess, der sich im Inneren abspielt. Das neue Denken wirkt sich auch auf die gesamte Gestaltung aus und führt letztlich zu einer eigenstän­ digen Formensprache. Natürlich ist die Tech­ nologie wegweisend für die Zukunft – das Design muss dabei zeigen, dass die Zukunft schon greifbar ist.» Und die Zukunft ist nah, wie BMW mit dem e-Scooter beweist. cha

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ie urbane Mobilität muss sich immer mehr über die Nachhaltigkeit definieren. Zunehmend eingeschränkte Verkehrsräume, steigende Verkehrsdichte, ökologische sowie ökono­ mische Herausforderungen werden gerade in den städtischen Ballungszentren zu einer grossen Herausforderung werden. Die Mobi­ litätsbedürfnisse werden sich ändern, es wird neue Gesetze geben, verschärfte Regeln –

und neue Wünsche der Kundschaft. Im vergan­ genen Jahr hat die Motorrad-Abteilung von BMW deshalb das «Concept e» vorgestellt. Die Deutschen wollen damit aufzeigen, wie attraktiv und faszinierend sich das Thema Elektroantrieb auch auf zwei Rädern inter­ pretieren lässt. Am Ende geht es um Emotionen. Natürlich geht es bei Produkten wie dem e-Scooter, die einen Weg in die Zukunft aufzeigen sollen, immer auch um die Formgebung, die Präzi­

sion der Umsetzung – das puristische, klare Design, die Farbgebung und die Wahl der Materialien sollen den Fahrer ein cleanes, ef­ fizientes und auch agiles Einspur-Fahrzeug sehen lassen, mit dem er sich mühelos durch den Verkehr einer Grossstadt bewegen kann. Doch neben der technischen Funktionalität und der Qualität geht es auch um den Dialog zwischen Mensch und Maschine. Und eine solche darf nicht nur einfach funktionieren, sie ist nicht ein Kühlschrank oder eine Zahn­

fotos: HO

Neue Technologien

pasta – sie muss den (künftigen) Piloten immer wieder und aufs Neue begeistern. Und das gilt für ein E-Motorrad wohl noch deutlich mehr als für eine Maschine mit Verbrennungs­ motor, denn die kann allein schon über ihren Sound grosse Emotionen wecken. Das mag für Scooter, die ja in erster ­Linie für den Nahverkehr eingesetzt werden, weniger gelten als für grosse, starke Maschinen. Doch auch die Scooter-Benutzer haben unterdessen

Im Gegensatz zu gewöhnlichen, heute existierenden Maxi-Scootern mit Verbrennungsmotor besitzt der e-Scooter von BMW keinen Hauptrahmen. Dafür fungiert das Bat­te­rie­gehäuse aus Aluminium als tragendes Element. Mit ihm verbunden sind auch der Träger des Lenkers, der Heckrahmen und die Einarmschwinge. Dies zeigt beispielhaft, wie neue Anforderungen an eine nachhaltige Mobilität auch zu neuen technischen Lösungen führen können. Die Ingenieure stehen nicht nur vor grossen Herausforderungen mit dem Elektroantrieb – es eröffnen sich ihnen auch ganz neue Möglichkeiten.


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«Ökologisch nachhaltig sein» Morten Hannesbo ist der erfolgreichste Auto-Manager der Schweiz, die AMAG (VW, Audi, Skoda, Seat) gewinnt ständig an Marktanteilen. Doch ist dieser Erfolg auch nachhaltig und ökologisch?

fotos: Sabine Wunderllin / Sonntagsblick / RDB

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as bedeutet Nachhaltigkeit für einen Konzern wie die AMAG? Generell das Verhalten nach den Grundsätzen unseres Firmengründers Walter Haefner: 1. Soziale Verantwortung übernehmen, was wir mit vielen bekannten und unbekannten Engagements tun. 2. Wirtschaftliche Verantwortung übernehmen. Das tun wir zum Beispiel, indem wir langfristig planen und in Ausbildung sowie Lehrstellen investieren. Rund 15 Prozent aller AMAGMitarbeitenden sind Lernende. Und 3. Ökologisch nachhaltig sein. Das bedeutet für uns als Handelsbetrieb einerseits Abfalltrennung, Recycling, Strom sparen, Solarstrom produzieren und vieles mehr, was wir direkt beeinflussen können. Andererseits haben wir mit den Produkten der Volkswagen AG ein Angebot, das im Markt in Sachen Ökologie Benchmark ist. Die AMAG hat in letzter Zeit einige grosse Bauprojekte hochgezogen, hat weitere Pläne. Ist da die Nachhaltigkeit auch ein Thema, das berücksichtigt wird? Ganz klar: ja. So wird jeder neue Betrieb nach Minergie-Vorgaben geplant und gebaut. Weiter wollen wir mit lokalen Bauunternehmern zusammenarbeiten, sodass das Gewerbe im Umfeld des Betriebs von unseren Investitionen profitieren kann. Ab Juni gelten neue CO2-Regulierungen für Autos in der Schweiz. Werden die einzelnen Marken, welche die AMAG vertritt, diese einhalten können? Wie funktioniert das genau mit dem Kumulieren unter den einzelnen Marken? Wie sehen Sie da die Entwicklung? Am Ende entscheidet das Kaufverhalten der Kunden, ob wir die Vorgaben einhalten können. Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass wir sie mit unserer Produktpalette und den zu erwartenden Neuheiten einhalten werden. Mit unserem Produktportfolio mit den Amag  w ww.amag.ch

Zuversichtlich AMAG-Chef Morten Hannesbo hat gut lachen: Sein Unternehmen befindet sich auf der Überholspur.

Der Erfolgs-Manager

Marken VW, Skoda, Seat und Audi verfügen wir über ein sehr attraktives Modellange­bot mit vielen Modellen, die bereits heute – zum Teil deutlich – unter der CO2-Grenze von 130 g/km liegen. Was die Frage nach dem Kumulieren betrifft: Da ist die Rechnung eigentlich einfach – zusammengezählt muss 2015 die Summe all unserer Modelle im Schnitt unter 130 g/km CO2 liegen, Ende 2012 65 Prozent davon. Für 2013 sind die ersten reinen Elektroautos von VW angekündigt. Wird sich die AMAG als mit Abstand grösster Schweizer Importeur dafür einsetzen, dass es ein flächendeckendes Strom-Tankstellennetz geben wird in der Schweiz? Werden Sie mit einem grossen Stromkonzern zusammenarbeiten? Auch Angebote machen für

VW  w ww.volkswagen.ch

audi  w ww.audi.ch

Morten Hannesbo, geboren am 10. November 1962 in Dänemark, ist gelernter Schifffahrts-Kaufmann, aber er wechselte bald vom Wasser auf die Strasse. Er arbeitete zuerst für Toyota und Nissan, dann für Ford, unter anderem als CEO des Schweizer Ford-Importeurs. Im August 2007 wurde er von der AMAG verpflichtet, seit dem 1. Oktober 2009 amtet er als CEO des grössten Schweizer Auto-Importeurs (VW, Audi, Skoda, Seat). «umweltfreundlichen» Strom, spezielle Ladestationen et cetera? Wir führen heute mit verschiedenen Partnern interessante Gespräche. Und wir werden, wenn wir die ersten E-Modelle, zum Beispiel den VW Golf Blue-E-Motion und den VW E-up!, präsentieren, sicher passende Konzepte anbieten können. Aber noch immer gibt es bei der Elektromobilität viele grundsätzliche Fragen, die nicht die Automobil- u

skoda  w ww.skoda.ch

seat  w ww.seat.ch


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industrie beantworten kann. Unsere Prognosen gehen davon aus, dass wir keinen Run auf E-Mobile haben werden; bis ins Jahr 2020 wird der jährliche Anteil im tiefen einstelligen Prozentbereich bleiben. Elektroautos sind noch richtig teuer – was braucht es da an Anreizen, damit die Kunden sich diese Fahrzeuge anschaffen wollen? Braucht es auch politische Unterstützung? Subventionen? Vor allem müssen die Kunden einen Nutzen für ein Elektrofahrzeug sehen. Mit den aktuellen Reichweiten ist ein E-Fahrzeug kein vollwertiger Ersatz für ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Noch sind die systemtechnischen Einschränkungen für eine Mehrheit unserer Kunden zu gross. Subventionen finde ich heikel. Denken wir an den Strommix, die Herkunft des Stroms, vor allem wenn darüber nachgedacht wird, in der Schweiz Gaskraftwerke zu bauen. Auch diese emittieren CO2, wir hätten dann also nur eine Verlagerung der CO2-Produktion vom einzelnen Auto zu einem zentralen thermischen Kraftwerk. Wäre das sinnvoll? Denkt die AMAG über neue Mobilitätsforu

«Am Ende entscheidet das Kauf­verhalten der Kunden, ob wir die ­Vorgaben einhalten können» Morten Hannesbo men nach, Carsharing. Mobility-Konzepte – oder ist der Schweizer Markt dafür zu klein? Die AMAG prüft immer wieder neue Möglichkeiten und Wege, das ist Teil unserer Managementaufgaben. Spätestens mit der Einführung von Elektromodellen mit den erwähnten systembedingten Einschränkungen (etwa Reichweite) müssen wir unseren Kunden Lösungen anbieten können. Wie hoch ist der Anteil an Hybrid-Fahrzeugen im AMAG-Programm? Wohin geht die Entwicklung in der Zukunft? Das Interesse an den bislang verfügbaren Hybridmodellen ist da, aber die Stückzahlen sind auch wegen Lieferengpässen noch moderat. Kommt dazu, dass die bisher bekannten Modelle – nicht nur die aus unserem Angebot – für «Diesel-freie» Märkte entwickelt

wurden und unsere effizienten TDI-Diesel­ modelle im langfristigen Durchschnitt immer noch sparsamer sind. Aber wir werden in Zukunft weiterentwickelte Hybridmodelle haben, deren rein elektrische Reichweite grös­ser sein wird; damit wird auch der Treibstoffverbrauch sinken. Das hat Zukunft, genauso wie die auch weiter auf höchste Effizienz und Sparsamkeit getrimmten Verbrennungsmotoren. Wie bedeutend sind Erdgas-Fahrzeuge im AMAG-Programm? Sind Sie zufrieden mit dem Verkaufserfolg? Erd- oder Biogas ist eine Alternative, aber das Kundeninteresse hält sich auch hier sehr in Grenzen. Mit unseren Modellen Touran, Passat und Caddy gehören wir dennoch zu den erfolgreichsten Gasantrieb-Anbietern der Schweiz. pru


NEUHEIT Den Yaris gibt es jetzt auch als Hybrid.

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Japanische Offensive Hybrid Pionier Toyota startet noch diesen Sommer eine Hybrid-Offen­ sive mit gleich drei neuen Modellen. Philipp Rhomberg sagt, warum.

fotos: Marcel Nöcker, HO

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eit mehr als zehn Jahren bietet ­Toyota in der Schweiz das HybridFahrzeug Prius an. Wie viele Exemplare wurden unterdessen verkauft? Die Erfolgsgeschichte des Prius begann in Japan 1997 – und Toyota hat unterdessen welt­weit mehr als 3,6 Millionen Hybrid-Fahrzeuge verkauft. In die Schweiz kam der Prius im Jahr 2000. Seit damals haben wir, zusammen mit Lexus, mehr als 19 000 Fahrzeuge mit diesem Antrieb verkaufen können. Die Hybrid-Technik ist relativ kompliziert. Besteht da immer noch Erklärungsbedarf, oder hat die Kundschaft unterdessen begriffen, wie sie funktioniert? Als Pionier in der Voll-Hybrid-Technologie hatten wir anfänglich einige Hürden zu nehmen. Dies betrifft vor allem die Kommuni­ kation der Funktionsweise. Die Akzeptanz haben wir einerseits durch die Zuverlässigkeit und die Effizienz des Systems erreicht, anderseits haben wir immer wieder Probefahrten durchgeführt, an denen wir die VollHybrid-Technologie dem Kunden im Detail erklärt haben. Unterdessen ist das kein Thema mehr, die Mund-zu-Mund-Erklärungen haben bestens funktioniert. Und die Kunden wissen unterdessen auch, wie zuverlässig un­ se­re Hybrid-Technologie ist: Der Prius und der Auris Hybrid haben die tiefste GarantiefallRate in unserer ganzen Palette. Heute haben wir andere Herausforderungen, wir müssen den Kunden die unterschiedlichen HybridSysteme aufzeigen, denn nicht überall, wo Hybrid draufsteht, ist ein Voll-Hybrid drin.

Zwar hat Toyota vor zwei Jahren den ­Auris als Hybrid eingeführt. Doch erst jetzt startet Toyota eine wahre Hybrid-Offensive mit gleich drei neuen Modellen. Warum dauerte das so lange? Der Grund liegt darin, dass Toyota sämtliche Komponenten selber entwickelt, erprobt und dann auch baut. Es gab in erster Linie Kapazitätsprobleme, wir konnten unser Programm für Toyota-Modelle in Europa nicht früher ausbauen. Doch jetzt sind wir bereit. Mit dem Prius Plug-in-Hybrid geht Toyota einen Schritt weiter. Eine sehr interessante Lösung, das Fahrzeug lässt sich 25 Kilometer rein elektrisch bewegen. Wird das ein Erfolg werden, so ähnlich wie der «normale» Prius?

Der Subaru von Toyota Für manche Hersteller sind die neuen CO2-Vorschriften, die in der Schweiz ab 1. Juli gelten, kaum einzuhalten. Zu diesen Auto-Produzenten gehört auch Subaru, der japanische AllradPionier. Doch Not macht erfinderisch: Subaru hat den Toyota Verso-S adoptiert, ihm einen anderen Namen gegeben – Trezia – und ein wenig die Optik verändert. Unter dem Blech bleibt alles gleich, das bedeutet vor allem: kein Allrad-Antrieb. Und darum – sowie dank der modernen Toyota-Technik – ein geringer Verbrauch.

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der Zero-Experte Philipp Rhomberg, 42, ist seit Mitte 2006 Generaldirektor der Toyota Schweiz AG.

Plug-in, das ist die Zukunft. Dieses Fahrzeug ist ein Voll-Hybrid, und es lässt sich zudem noch an der Steckdose «auftanken»; die ­Verbrauchswerte sind sensationell. Um es künftigen Kunden so einfach wie möglich zu machen, bietet Toyota nun in Zusammenarbeit mit dem Energieversorger Alpiq ein Komplettpaket für die Ladeinfrastruktur an. Wer einen neuen Prius Plug-in-Hybrid kauft, erhält – im Kaufpreis inbegriffen – eine in der Schweiz entwickelte Ladestation für den Haus­ gebrauch dazu. Wir erwarten – auch dank den drei neuen Modellen Prius+ Wagon (die Kombiversion des Prius), Plug-in-Hybrid und Yaris Hybrid – bis 2015 einen Anteil der ­Hybrid-Modelle an unseren Verkaufszahlen von 25 Prozent. pru


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Klein ist cool DOWNSIZING Hubraum lässt sich durch nichts ersetzen, hiess es einst. Heute ist es umgekehrt: Die Motoren werden immer kleiner.

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fotos: HO

en derzeit wahrscheinlich kleinsten Motor hat Fiat. Der Zweizylinder verfügt über nur noch gerade 875 Kubik, schafft aber dank Turbo-Auf­ ladung trotzdem 85 PS. Dazu kommt noch die sogenannte Multiair-Technologie, die dank Verzicht auf die Einlass-Nockenwelle eine völlig variable Ventilsteuerung ­ermöglicht. Das sorgt für mehr Leistung und Dreh­moment, aber auch einen tieferen Verbrauch. Und genau darum geht es: Kleinere Motoren verbrauchen weniger. Und: Sie sind leichter, dies wirkt sich wiederum günstig auf den Verbrauch aus. Es gibt kaum mehr einen Hersteller, der nicht am Downsizing teilnimmt. Einer der ­Vor­reiter war die Volkswagen-Gruppe, wo schon vor vielen Jahren ein 1,4-Liter-Vierzylinder die wichtigste Grösse im Motorenprogramm wurde. Mittels Aufladung (Turbo) lässt sich die Leistung beliebig steigern. ­Unterdessen arbeiten die Deutschen bei ­diesem Motor mit Zylinderabschaltung im Teillastbereich. Sehr modern und höchst effizient ist auch der EcoBoost-Dreizylinder von Ford mit nur 1,1 Liter Hubraum. Und bereits kommen die ersten kleinen Diesel: Hyundai/Kia haben einen Dreizylinder mit 1,1 Liter Hubraum im Angebot, der 75 PS stark ist. Im ­gerade überarbeiteten Hyundai i20 liegen die CO2Emissionen mit diesem Motor bei noch 84 g/km. cha

TWINAIR Der Zweizylinder von Fiat ist winzig. Doch er treibt etwa den Fiat 500 (Bild oben in der Gucci-Variante) trotzdem zu ­ansprechenden Fahrleistungen.

WUNDERWERK Der EcoBoost-Dreizylinder von Ford kommt auf bis zu 125 PS. Das reicht für den neuen B-Max.

Fiat  w ww.fiat.ch

Ford  w ww.ford.ch

NEUE SPIELREGELN Ab 1. Juli 2012 gelten in der Schweiz neue Emissionsvorschriften für Personen­ wagen. Dabei werden die Importeure verpflichtet, die CO2-Emissionen der neu in Verkehr gesetzten Personen­wagen bis 2015 im Durchschnitt auf 130 g/km zu senken. Wird dieser Zielwert überschritten, werden ab sofort Sanktionen fällig. Es ist dies ein höchst kompliziertes Regelwerk – das aber, zumindest vorerst, auf die Autokäufer noch keine Auswirkungen hat. Für die Importeure wird es allerdings darum gehen, möglichst viele verbrauchsgünstige Fahrzeuge ­verkaufen zu können, sonst erreichen sie die Vorgaben des Bundes nicht und müssen hohe Bussen bezahlen. Doch es gibt unterdessen viele Modelle, welche die Grenzwerte deutlich unterschreiten – jetzt entscheidet der Kunde.

Hyundai  w ww.hyundai.ch

Kia  w ww.kia.ch


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OFFROAD Die modernen E-Bikes sind nicht mehr schwere, behäbige Geräte, sondern überall einsetzbar.

SCHWEIZER DOMÄNE E-BIKES Die Schweizer Hersteller von E-Velos waren nicht nur die Pioniere, sie haben den Markt immer noch fest im Griff. Nicht nur in der Schweiz.

fotos: Bulls Press, HO

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er Boom der E-Velos ist ungebrochen, im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz rund 50 000 Stück verkauft. Doch nicht nur hierzulande boomen die E-Bikes mit jährlichen Zuwachsraten von rund 50 Prozent, auch in Deutschland steht der Markt unter Strom (310 000 Exemplare im vergangenen Jahr, der Gesamtbestand beträgt schon über eine Million). Das ist alles nichts im Vergleich zu China, dort wurden, so wird geschätzt, 2011 rund 50 Millionen E-Fahrräder abgesetzt. Am gewaltigen chinesischen Markt können die bekannten Schweizer Hersteller wie Flyer, Stromer oder Stöckli nicht teilhaben, dafür sind die Produkte wohl auch zu teuer. Aber die Schweiz haben die Schweizer ­Produzenten weiterhin gut im Griff, obwohl sie auch hier eher am oberen Ende der Preis­ skala anbieten. Und Flyer, der ­grosse E-BikePionier aus dem Emmental, hat sich in Deutschland eine gute Position geschaffen. Einen anderen Weg geht die Marke Stromer: Gründer Thomas Binggeli hat an die ISHGruppe von Hörge­räte­hersteller und Velofan Andy Rihs verkauft – und nimmt jetzt mit Rückendeckung von Rihs die USA ins Visier. Heuer will er rund ein Drittel der Produktion in den Vereinigten Staaten absetzen. Die guten Verkaufszahlen fördern selbst­ verständlich auch die weitere Entwicklung Ibex  w ww.myibex.ch

der Unternehmen und Produkte – und sie machen die E-Bikes günstiger, weil die teuren Batterien in grösseren Mengen hergestellt werden können. Und es gibt auch neue Konkurrenten, etwa den Elektronik­ riesen Bosch, der einen Mittelmotor für E-Velos ent­wickelt hat, der nicht nur einiger­ massen günstig, sondern vor allem sehr effizient und bedienerfreundlich ist. Die über hundert Jahre alte Fahrrad­marke Ibex aus dem Thurgau verwendet diese Technologie.  cha

Flyer  w ww.flyer.ch

COOLNESS Dem Stromer sieht man erst auf den zweiten Blick an, dass er ein E-Velo ist.

LIEBSCHAFTEN Mit der Dame (links) ist Schauspieler ­Leonardo DiCaprio bereits nicht mehr zusammen. Doch seine Schweizer E-Velos der Marke Stromer gibt er wohl so schnell nicht mehr her: DiCaprio hatte im vergan­ genen Jahr gleich acht Stück gekauft, ­ je vier für seine Wohnsitze in New York und Hollywood. Der amerikanische Schauspieler ist bekannt dafür, dass er die neusten technischen Trends aufgreift: Er war einer der ersten Besitzer eines ­Toyota Prius, und er fährt auch einen Tesla. stromer  w ww.stromer.ch

stöckli  w ww.stoeckli.ch


notabene

Zwei in einem Märchen Peter Bichsel

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Foto Kurt Reichenbach

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ach einer Lesung mit welche Autoren ich gern hätte vorbei­ gehen sehen. Die zweite Frage ist ein­ meiner Übersetzerin facher zu beantworten, denn eigentlich in Lausanne beschloskennengelernt habe ich sie ja schon sen wir, anderntags längst als Leser. Wenn ich Nabokov lese, mit dem Schiff zu dann lese ich das Buch sozusagen mit unserer Veranstaltung ihm zusammen – wir zwei leben dann nach Genf zu fahren. ­zusammen in dieser Geschichte. Aber es gab kein Schiff nach Genf, so nahmen wir halt eines nach Schloss Der Mann, der mir dies erzählte, ­Chillon und zurück nach Lausanne, um ist auch nach dem Tod Nabokovs Jahr von dort mit der Bahn nach Genf zu für Jahr nach Montreux gegangen, hat ­fahren. Eine schöne, gute und lange sich in die Hotelhalle gesetzt und ­gelesen. Schifffahrt an einem warmen FrühlingsEs war ihm zur selbstverständlichen tag, sozusagen ohne jeden Grund, einGewohnheit geworden. Eines Tages fach so – zweimal an Montreux vorbei. nun kam der Mann vom Desk zu ihm Der See sieht von den Hotels aus wohl und fragte ihn, weshalb er seit Jahren schöner aus als die Hotels vom See aus. immer wieder hier sitze, und der Mann­ erzählte ihm von seiner grossen VerehHotel Palace, dort hat Vladimir Nabokov, rung für Nabokov. Der Deskman ging der grosse russische Autor, gewohnt zum Telefon und rief jemanden an. und gearbeitet seit 1961 bis zu seinem «Ja, ein wunder­ «Kommen Sie mit», sagte er, und er Tod 1977. Mit ihm war ich – und nicht schönes Märchen – ­führte ihn nach oben und stellte ihn nur ich, Tausende andere auch – tief der Witwe von Nabokov vor. «Ja», sagte ­befreundet, ohne ihn je gesehen zu eigentlich schade, diese, «mein Mann sagte damals mal, ­haben, ein Autor, der in seinen Büchern dass es wahr ist» da unten in der Halle sitzt immer ein körperlich präsent ist, der sich mit ­Leser, das beeindruckt mich – vielleicht seinen Leserinnen und Lesern listig waren Sie das.» Jedenfalls wurden die solidarisiert – der Professor Pnin. Vor Jahren traf ich nach einer Lesung in Deutschland beiden gute Freunde, und wenn sie nicht …, dann leben einen Mann mittleren Alters, Gymnasiallehrer, und unterhielt sie heute noch. Ja, ein wunderschönes Märchen – eigentlich mich mit ihm angeregt, ein Leser, der mit Begeisterung von schade, dass es wahr ist. Etwa so habe ich die Geschichte meiner Übersetzerin auf seinen Leseerlebnissen erzählte, und dann kam plötzlich ein Satz, der so ganz und gar nicht zu ihm passen wollte und mich der Schifffahrt an Montreux vorbei erzählt. irritierte: «Ja, er kenne die Schweiz, er gehe Jahr für Jahr Abends dann unsere Lesung in Genf. Eine junge Buch­ in den Sommerferien für sechs Wochen nach Montreux.» Ich händlerin hatte einen sehr schönen Büchertisch eingerichtet. versuchte, den Satz nicht gehört zu haben, und sprach von Neben ihr sass ihr Bub, vielleicht achtjährig, schaute mich vor ­etwas anderem, aber er kam wieder auf Montreux zurück der Lesung ständig an, kam dann und gab mir schüchtern die und zwang mich sozusagen, ihn zu fragen, was er denn dort Hand. Er hatte einen Film gesehen über mich, und die Mutter so mache. Er lebe dort in seinem Zelt auf dem Camping- hatte ihm eine Geschichte von mir erzählt auf Französisch, platz und … Er zögerte und sagte, dass er sich lächerlich der Kleine konnte kein Wort Deutsch. Während meiner Lesung ­mache damit. Jetzt begann es mich doch zu interessieren, beobachtete ich ihn aus den Augenwinkeln und sah, wie er und er erzählte, dass er dort nichts anderes mache, als sich mit grösster Aufmerksamkeit meinem Deutsch, das er nicht Tag für Tag mit Zeitungen und Büchern in die Hotelhalle verstehen konnte, zuhörte. Nach der Lesung sagte seine des Palace-Hotels zu setzen und darauf zu warten, dass er ­Mutter, dass er sich ein Buch auslesen dürfe und ich würde es ­Nabokov vorbeigehen sehe. dann signieren. Das tat ich. Und der Bub setzte sich mit dem «Und – haben Sie ihn gesehen?» deutschen Buch in eine Ecke und begann zu lesen – die Buch«Sehr selten», sagte er, «und das erste Mal erst im dritten staben kannte er, die Sprache nicht – aber fürs Erste waren Sommer», und er lächelte und lachte dann und zuckte ver­ ihm die Buchstaben Wunder genug. Als ich etwas später legen mit den Schultern, ein durchaus normaler und gesunder an ihm vorbeiging, war er bereits auf Seite 12. Nicht einfach Mensch. Er hat mich mit seiner Geschichte beeindruckt. einer, der meine Prominenz mag. Nein, ein Leser – wir zwei  Und seither frage ich mich nicht mehr, welche Autoren ich in einem Märchen. gern persönlich getroffen hätte – Goethe? Jean Paul? Joseph Conrad? Nazim Hikmet? –, sondern ich frage mich nur noch, Peter Bichsel, 77, Schriftsteller und Publizist


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Hair & Make-up Angela Käser mit Produkten von Kevin Murphy, Model Lisa von Modelwerk

Rebell in Weiss u Die Farbe Weiss ist eines der ­ auptthemen der Saison. Spielerisch H darf man Ecru, Hochweiss, Perlgrau und andere neutrale Töne mischen. Wichtig dabei: Das Schuhwerk sollte massiv und ein bisschen bubenhaft wirken. Das ergibt einen jungen, ­frechen Look. Make-up und Frisur dürfen dabei wild und verwegen sein – eine Art Punk-Stil in Weiss. Als Rahmen für den Rebellen-Look haben wir Renzo Pianos wundervolle Architektur in der Fondation Beyeler in Riehen BS gewählt. Exklusiv durften wir einen Tag in der vom Stararchitekten aus Genua beseelten Umgebung verbringen. Infos www.fondationbeyeler.ch

Redaktion beatrice schönhaus Fotos janette gloor Styling melanie albisser

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Objekt der Begierde

Im Bann des Drachens u Ein wilder, blutroter Drachen ziert die limitierte Edition Collection ­Artiste von Caran d’Ache in Swiss-made-Qualität. Gezeichnet von einem chinesischen Künstler, formschön und kostbar. Eine Füllfeder für Romantiker und ein praktischer Roller, speziell für das laufende Jahr, das Jahr des Drachens, in einer kleinen Edition von je 888 Exemplaren herausgegeben. Die Acht ist übrigens eine chinesische Glückszahl. Die Objekte sind aus schwarzem Lack, liegen gut in der Hand und eignen sich perfekt als Geschenk mit viel symbolischem Gehalt. Sie werden in einer Schatulle aus lackier­tem Holz inklusive Zertifikat verkauft. Die Schreibfeder aus 18-karätigem rhodiniertem Gold gibts in verschiedenen Breiten. Ein echter Glücksfall. beatrice schönhaus

online-tipp

www.bongenie-grieder.ch u Das Traditionshaus Bongénie ­Grieder vereint internationale Top-­Labels in seinen Filialen in allen Schweizer Grossstädten unter einem Dach. Jetzt kommt neu der Online-Shop www.bongenie-grieder.ch dazu. So surfen Frauen und Männer bequem von daheim aus durch das hochwertige

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schweizer illustrierte

Designer-Sortiment und lassen sich die Trouvaillen nach Hause liefern: von Akris über Missoni und Ralph Lauren bis zu jüngeren Labels wie See by Chloé, Just Cavalli oder MSGM. nina lienhard mehr online-tipps: www.schweizer-illustrierte.ch

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Geri Born, Styling Beatrice Schönhaus

Mystisch Die Collection Artiste von Caran d’Ache in Swiss-made-Qualität. Im Fachhandel. Füllfeder u CHF 2500.–, Roller u CHF 2250.– www.carandache.ch


lieblinge der redaktion

Glanz Goldfarbenes Armband im FedernLook, verziert mit Strass-Steinen, von Deepa Gurnani. u CHF 179.– Farbenfroh Bamburi am Limmatquai 94 (Eingang Mühlegasse) in Zürich, Tel. 044 - 260 70 60.

Trendy Ab ans nächste Open Air! VintageJeansshorts mit Stars and Stripes, von Runwaydreamz. u CHF 198.–

bamburi, zürich

Sommergefühl mit buntem Glamour Saison, bunte Ballerinas passen zu (fast) jedem Outfit, und Bikinis von Agua Bendita trägt Frau zum Sonnen am See – oder an einem exotischen Strand wie Bamburi. nina lienhard

Muster-Mix Der Sommer kann kommen: Bikini des kolumbia­ nischen Labels Agua Bendita mit Fransen. u CHF 255.–

Öffnungszeiten Mo 12–19, Di–Fr 11–19, Sa 11–17 Uhr, www.bamburi.ch weitere shops im shopping-guide: www.schweizer-illustrierte.ch

Design-Objekt

Trendsetter Samsung Galaxy S III mit riesigem 4,8-ZollBildschirm. www.samsung.ch u ab CHF 899.–

Ganz schön smart u Genug gewartet: Ende Mai kommt das langersehnte Samsung Galaxy S III in die Läden. Das neue Smartphone brilliert mit einem 12,2 Zentimeter grossen Bildschirm. Mit der 8-Mega­pixelKamera knipst man auf Wunsch bis zu 20 Fotos ohne Auslöseverzögerung.

Neben Sprachsteuerung versteht das Gerät auch Gesten und Bewegungen. Wie smart das Handy tatsächlich ist, beweist die «Smart Stay»-Funktion. Sie identifiziert via Frontkamera die Augen des Anwenders und stellt so fest, wann es gebraucht wird. stephan gubler

schweizer illustrierte

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Paul Seewer (Stills), Dick Vredenbregt

u Der Name klingt nach Sonne und Meer. Und tatsächlich kam der Laden im Herzen von Zürich durch den kenia­ nischen Strand am Indischen Ozean zu seinem Namen. Ursprünglich ein OnlineShop, wurde aus Bamburi später ein Shop-in-Shop in einem ­Coiffeursalon. Der Erfolg führte im November zum Multibrand-Store im Niederdorf mit einer grossen Auswahl an angesagter Mode für Frauen: Jeansshorts versprechen den perfekten Start in die Festival-­

Elegant Lederclutch mit auffälliger Schmetterlings-Dekoration, von Maison du Posh. u CHF 349.–

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Shopping top ten

Beauty-News

Helfer fürs Haar u Der Mai entlockt der Natur ein bunteres Kleid und weckt in den Pflanzen frische Wachstumskräfte. Wenn der Frühjahrszauber nur auch unserem Haar zugute­käme! Denn dieses befindet sich im Frühling oft in seiner schlaffsten Phase. Dann ist die Zeit wieder reif für SOS-Massnahmen. Neue Haarprodukte versprechen intensive Pflege und können oft multifunktional zum Einsatz kommen. Etwa Haar-Öle mit leichtester und nicht fettender Textur (z. B. mit Argan-Öl) machen raues Haar sofort geschmeidig und lassen es nach­ haltig glänzen. Ein paar Tropfen können entweder ins gewaschene Haar als Kur eingeknetet, zur Kopfhautmassage oder als Spitzenfluid verwendet werden. Und: Das Öl eignet sich auch als Glanz schenkendes Finish-Produkt, das zu­sätzlich vor UV-Strahlung schützt. Zudem sind die Haar-Öle perfekt für den Strandurlaub geeignet. Dann pflegen und schützen sie nicht nur das lange Haar, sondern kreieren auch – mit ein paar Tropfen mehr – den angesagten BeachLook. Kristina Köhler

der Woc he

Flüssiges Gold Argan-Öl-IntensivPflege So Pure, Keune. www.keune.cc u CHF 39.–

Alleskönner MultifunktionsPflege Absolute Oil, Syoss. Coop City. u CHF 13.90

Widerstandskraft Intensive Haar-Maske für geschädigtes Haar, Sensai. u CHF 77.–

Farbschutz & Leuchtkraft Shampoo Color Schutz & Pflege von Guhl. u CHF 9.50

Express-Kur Long Repair 1-Minuten-Kur für langes Haar von Nivea. u CHF 7.90

Blumenkinder Elastisches Blüten-Haarband von Claire’s. Solange Vorrat. u CHF 9.90

Lichtgeber LichtreflexSpray und UV-Schutz Okara, René Furterer. u CHF 22.90

Star-Geflüster

u Das Model Jenny Bachmann, 23, ist das neue Gesicht der Schweizer Naturkosmetik-Marke Biokosma. Die Gewinnerin des Elite Model Look 2005 verkörpert natürliche Schönheit perfekt. Swissness Das Sortiment von

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Paul Seewer, Chris Tribelhorn

Natürlich schön

Biokosma gibts etwa bei Coop City, Manor und in Reformhäusern.

Glanz-Pracht Volume & Shine Intense Spray für feines Haar, Biokosma. u CHF 16.–

Rundumschutz Hitzeschutz & Glanz PflegeSprühkur, Pantene Pro-V. u CHF 12.90


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Laufsteg

Jane & Tarzan lassen grüssen u Farben wie die Schattierungen von grüner Urwaldvegetation, wilde Muster mit exotischen Blumenmotiven, dazu Töne von süssen, wilden Früchten: Der Tropen-Trend spielt im ­kommenden Sommer eine Hauptrolle in der Mode. Auf Bikinis, Kleidern, Schuhen und Taschen, ja sogar auf Möbeln sind die Farben und Muster wie Pythonund Blumen­prints zu finden. Alles sehr dekorativ und mit einem hohen Wohlfühl­faktor. Denn wer denkt schon nicht gern an die nächsten Ferien in tropischer Umgebung, ans muntere Papageien­ gezwitscher und an laue Abende unter Palmen, begleitet von einem kühlen Mojito und einem gehörigen Schuss guter Laune? beatrice schönhaus

Knackig Triangel-Bikini in Schlangenprint von C & A. u CHF 35.–

Fruchtig Sommerliche Uhr von Jacques Lemans mit Gummiband. www.jacques-lemans.at u CHF 179.–

Wild Leinentasche Flora mit DschungelMuster, aus der neuen Kollektion von Gabor. u CHF 64.90

Dschungelgrün Butterfly-Stuhl aus der Outdoor-­Kollektion der Migros. Auch bei Micasa. u CHF 29.90

Tropisch Holzpantolette mit Lederblume von Integra Nusshof. www.integra-ag.ch u CHF 189.–

Visionär! Poesie trifft auf Zukunft Shiftdress von Christopher Kane für Frühjahr/ Sommer 2012.

Beatrice Schönhaus, Ressortleitung SI Shopping, ist im Blumenfieber. u Noch ist er nur Insidern bekannt: Der englische Designer Christopher Kane verzaubert in seinen Londoner Shows Fachleute aus der ganzen Welt – mit seiner sehr persönlichen Mischung aus Poesie und Zukunfts­ visionen, mit avantgardistischen Textilien und einem sicheren Stil­gefühl. Das Blumenkleid aus der Frühjahr/Sommer-Kollektion aus federleichtem Aluminium-Organza, übersät mit einer bunten Blumen­ pracht, überzeugt dank Einfachheit und gutem Geschmack. So ein Shift­ dress, also ein Kleid zum Überstreifen, wird auch im nächsten Sommer noch nicht verblüht sein. Christopher Kanes Entwürfe sowieso nicht.

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Geri Born, Paul Seewer, iMaxtree, HO

Trend: Dschungelstil


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kolumne

Alexandra Kruse, 32, Stylistin, entwickelt eine Anti-Chaos-Therapie.

Lippen-Kunst Backstage bei Jason Wu, Frühjahr/ Sommer 2012.

styling-tipp

Madras & Mandarin u Ist das möglich? Kann ein roter Lippen­ stift noch einen Stich röter sein als seine Vorgänger? Es gibt viele ­Frauen, die stets auf der Suche nach einem noch klareren Rotton sind, der zudem noch besser haftet, die Lippen noch nachhaltiger pflegt und sie rundum samten erscheinen lässt. Die aktuellen Lippenstifte in brandgefährlichem Feuerrot wetteifern mit diesen Ver­ sprechungen um die Gunst der Kundin­ nen. Zwei Highlights dabei sind der Lippenstift Be Legendary in der Farbe Mandarin von Smashbox und Rouge

Pur in Rouge Madras von Yves Saint Laurent. Und: Der rote Trend bleibt uns erhalten. An den Fashion-Shows für Hebst/Winter 2012/2013 schickten unzählige Designer, darunter Marc Jacobs für Marc by Marc Jacobs, Michael Kors oder auch Victoria Beckham ihre Models mit feurigen Lippen auf die Laufstege. Denn: Der Klassiker der Lippenfarben lässt uns zu jeder Jahres­ zeit mit dem Leben flirten. Im Sommer wirkt er schön verwegen, und im Winter vertreibt die herrliche Feuerfarbe jegliches Seelengrau. Kristina Köhler

die produkte zum look

Samtene Lippen Be Legendary in Mandarin von Smashbox. Marionnaud. u CHF 26.–

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Roter Lack Nagellack Show me the way von Lollipops. Marionnaud. u CHF 14.90

Couture-Farbe Rouge Pur Couture in Rouge Madras, Yves Saint Laurent. u ca. CHF 46.–

Auch wenn ich an diesem Tag eigentlich ganz fröhlich aufwachte, nützte es nichts. Noch bevor ich im Bad ankam, kreuzte ein röhrender Staubsauger meinen Weg. Bedient vom Kindsvater, der im Gegensatz zu mir seit Neuestem ein echter Morgentyp ist. Dann leerte sich mein Kaffee quer über den Schreibtisch, das Kind versaute seinen Kaschmiranzug, ich unter­ schrieb voller Überzeugung einen Brief mit «Alexandra Krise» – und ehrlich gesagt, so war es auch. Das junge Glück löste sich auf in ein einziges Chaos. Ein Wort gab das andere, und schon hing der Haus­ segen schief. Wegen eigentlich – nun ja – nichts. Der einzige Weg: Fluch(t) nach vorne. Das heisst, sich und anderen eine Freude machen. Jetzt nicht lachen! Aber ich machte einen «Themenabend». Als Hommage an die indonesischen Wurzeln meines Freundes, aus Gründen der Sehn­ sucht und ehrlich gesagt, weil der Globus dieselbe Idee hatte – Bali. Ich bin das Gegenteil einer begabten Kochfee, aber ich kann shoppen. So kamen mir die fixfertigen Spezia­ litäten Be Siap Base Kalas und ­Wie-auch-immer-Lawar-Ayam genau recht. Für das leibliche Wohl war gesorgt. Als Bananenblatt-Dekofee verwandelte ich unsere Wohnung in einen Tempel. Ich brachte den Göttern Orchideen-Opfer, ölte mich mit Morning Mantra, einem wohl­ riechenden Körperöl von Bali Balance (www.balibalance.ch), ein, zog Kosmo und mir kleine Sarongs an und dachte sogar an mit Zitronengras parfümierte warme Handtücher! Als wir friedlich auf dem Boden vor unseren Reis­ schüsselchen sassen, war ich froh, dass der Staub gesaugt war.

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Paul Seewer (Stills), Geri Born (Porträt), Imaxtree

Bedingungslose Liebe


Trübe Welt? Aber nein!

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rille putzen nützte nichts mehr. «Immer wieder habe ich versucht, den Grauschleier vor meinen Augen auf diese Weise etwas weg­zubekommen», erinnert sich Monika F. (76). «Aber leider lag es nicht an der getrübten Brille, dass die Welt so grau geworden war, sondern am Auge selber.» Was Monika F. vermutet hatte, bestätigte ihr eine Untersuchung beim Augenarzt: Sie litt am Grauen Star. Eine harmlose Sache? So wird sie heute eingestuft. Denn in unseren Breitengraden lässt sich die Augenkrankheit «Grauer Star» oder Katarakt sehr gut behandeln. «Eine trübe Linse kann heute ambulant mit moderner Kleinschnitt­

technik, Laser und Ultraschall minimal-invasiv schonend operiert werden», erklärt dazu Prof. Carsten H. Meyer (Bild), Chefarzt Vorderer Augen­abschnitt an der Klinik Pallas in Olten. Was allerdings nicht heisst, dass ein Grauer Star nicht ernstzunehmen ist. Weltweit ist er sogar die häufigste Erblindungs­ursache, da es nach wie vor Länder gibt, in denen er nicht behandelt werden kann. Umgekehrt ist die Katarakt-Operation bei uns der häufigste chirurgische Eingriff überhaupt! Grund für die Augenerkrankung ist – das Älterwerden. «Ab dem 45. Lebensjahr bemerkt man, dass die Linse härter wird und sich nicht mehr in der Nähe korrigieren lässt», erklärt dazu Prof. Meyer. Diese Unschärfe kann man mit einer Lesebrille, die von Zeit zu Zeit neu angepasst werden muss, korrigieren. «Später wird die Linse aber nicht nur hart, sondern auch trüb. Erste Anzeichen dafür sind Blendungen bei grellem Sonnenlicht oder wenn einem nachts ein Auto entgegenkommt.» Korrigieren lässt sich die trübe Linse nicht – aber ersetzen! Dafür holt der Augen­chirurg erst mittels eines kleinen Röhrchens und Ultra­schall die getrübte Linse heraus und

setzt dann eine klare neue Kunstlinse ein. Der Eingriff dauert nur etwa zwanzig Minuten und braucht keine Vollnarkose. Das Resultat ist überwältigend: Die Welt wird wieder heller, bunter und klar. Heute lassen sich bei dieser Operation auch gleichzeitig noch andere Augenprobleme beheben. «Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, aber auch eine Hornhautverkrümmung kann mit einer entsprechenden Linse korrigiert werden», so der Augenspezialist. «Die implantierte Linse kann individuell den Sehbedürfnissen des Patienten an­gepasst werden.» Ein Grund mehr, eine Graue-Star-Operation nicht zu lange hinauszuzögern.

INFO u Vorträge zum Thema Grauer Star (bitte anmelden): 12. Juni, 19 Uhr, Konferenzhotel Arte Olten 13. Juni, 18 Uhr, Augenzentrum Bern u Informationen: www.klinik-pallas.ch/augen oder: Olten: Augenzentrum Pallas AG, Louis Giroud-Strasse 20, Tel. 062 286 62 00 Solothurn: Klinik Pallas AG, Augenzentrum, Westbahnhofstrasse 1, Tel. 032 625 26 00 Grenchen: Klinik Pallas AG, Augenzentrum, Kirchstrasse 10, Tel. 032 654 64 40 Bern: Augenzentrum Bern AG, Länggassstrasse 18, Tel. 031 300 25 35

Wieder klar sehen wie früher, ganz ohne Grau­ schleier! Ein kleiner Eingriff, bei dem die Linse ersetzt wird, macht das möglich. Und kann sogar auch andere Augen­ probleme lösen.

Fotos Fotolia, Dick Vredenbregt

Wer am Grauen Star leidet, sieht die Welt viel düsterer als sie in Wirklichkeit ist. Schade! Aber glücklicher­ weise kein grosses Problem. Denn nach einem kleinen operativen Eingriff sieht die Welt wieder aus wie neu.

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Check-up Medizin für Gourmets

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Viel Eiweiss für starke Muskeln Der Verlust von Muskelmasse und -kraft im Alter ist ein ernsthaftes Problem. Folgen können ein erhöhtes Sturzrisiko, Hüftfrakturen und eine verminderte Immunabwehr sein. Text VERENA THURNER

Foto HO

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s beginnt schon mit vierzig: ­Muskelmasse und Muskelkraft nehmen innerhalb von zehn Jah­ ren um 8 Prozent ab, mit siebzig sind es bereits 15 Prozent. Krankheiten, ­Verletzungen oder Operationen mit an­ schliessender Immobilität beschleuni­ gen den Abbau noch zusätzlich. Kommt dazu, dass viele ältere Menschen körper­ lich nicht mehr aktiv sind und sich nähr­ stoffarm ernähren. Das Sturzrisiko nimmt zu, die Immunabwehr des Kör­ pers verringert sich, das Infektionsrisiko steigt. Die Vorteile von Vitamin D sind in vielen Studien bewiesen worden. «Insbe­ sondere konnte das verminderte Sturz­ risiko und die Abnahme von Hüftfrak­ turen durch die Vitamin-D-Substi­tution nachgewiesen werden», bestätigt Prof. Reto W. Kressig vom Universitätsspital Basel. Neben Vitamin D spielen Nah­ rungseiweisse bei Muskelkraftverlust eine wichtige Rolle. Auch hier findet bei älteren Personen ein Abbau statt bei eher erhöhtem Bedarf. Die Substanz HMB, ein Metabolit der Aminosäure Leu­ cin, soll effektiv helfen, Muskelverlust zu

behandeln. Um dies zu beweisen, erhiel­ ten ältere Frauen drei Monate lang HMB. Das Resultat: Sämtliche alltäglichen Akti­ vitäten, die für die Unabhängigkeit wich­ tig sind, wurden signifikant verbessert. Für optimale Effekte empfiehlt Prof. Kressig seinen Patienten regel­ mässig einfache Schnellkraft-Übungen. Zum Beispiel mit dem Thera-Band. Kom­ biniert wird die Therapie mit ProteinTrink­lösungen. «Diese sollten schnelle Eiweisse wie zum Beispiel Molke, Vita­ min D und – wenn sich obige Resultate in weiteren Studien bestätigen lassen – nach Möglichkeit HMB enthalten. Gene­ rell sollten ältere Menschen auf eine ­genügend hohe Eiweisszufuhr in der ­Ernährung achten», erklärt Prof. Kres­ sig. Zudem propagiert er ab sechzig eine erste Prüfung des Muskelzustandes. Zu diesem Zeitpunkt lasse sich Muskel­ verlust mit relativ einfachen Massnah­ men bekämpfen.

Prof. Reto W. Kressig Chefarzt und Extra­ ordinarius für Geriatrie am Universitätsspital Basel.

u London Laut einer neuen Studie, die am europäischen HypertonieKongress in London vorgestellt wurde, reduzieren 30 Gramm Grana Padano am Tag den Blutdruck. Grund: ­Bestimmte Inhaltsstoffe wirken wie übliche ACE-Hemmer aus der Apotheke. www.gesundheit.ch

Schädliches Solarium

u berlin Wer sich oft im Solarium bräunt, verdoppelt sein Hautkrebsrisiko. Das teilte ein deutscher Pro­fessor an einem Expertenforum mit. Besonders gefährdet seien Frauen bis zu einem Alter von 35 Jahren, die regelmässig ins Solarium gehen. www.gesundheitstipp.ch

Stillen für Berufstätige u Zürich Diesen Monat startete

die alljährliche Stillkampagne. Im Fokus sind berufstätige Mütter, die ihr Baby nach dem Mutterschaftsurlaub weiter stillen möchten, und ihr Umfeld. Infos und Tipps gibts auf der speziell eingerichteten Homepage. www.stillkampagne.ch

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Pfeffer ist das AntiFett-Gewürz. Laut einer koreanischen Studie blockiert der Inhalts­stoff Piperin die Bildung von Fettzellen.

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Check-up Neues verfahren

Nierenspende über den R östigraben Barbara Schweizer bot ihrer kranken Cousine eine ihrer Nieren an. Doch diese passte nicht. Dank einer Crossover-Spende haben jetzt aber gleich zwei Frauen ein neues Leben.

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um ersten Mal sieht sie sie im ­Spital – die Frau, die am nächsten Mor­ gen eine ihrer Nieren ­bekommt. «Ich fand es schön, dass ich Marina vor der Transplantation noch kennenlernen konnte», sagt die Spen­derin Barbara Schweizer, 61. Das war am 14. Oktober im vergangenen Jahr. Geplant war alles ganz anders: Sie woll­ te ihre Niere eigentlich ihrer kranken Cou­ sine geben. Bei einem Familientreffen hat sie erfahren, dass diese seit zwei Jahren jede Nacht eine Dialyse brauchte. Die zwei­ fache Mutter litt an einem Phäochromozy­ tom, einem Tumor in der Nebenniere. Barbara Schweizer sagte: «Du kannst doch ein Nierli von mir haben.» Ihre Cousine Doris Schaffner, 53, ­konnte es zuerst fast nicht glauben, erst als ­Barbara Schweizer es erneut anspricht, setz­te sie sich mit dem Gedanken aus­ein­ an­der. «Es war das erste Mal, dass mir je­mand ein solches Angebot machte. Ich wusste nicht, ob ich es überhaupt anneh­ men konnte.» Die beiden gehen an eine Infoveranstaltung im Unispital Zürich, las­ sen sich beim Hausarzt checken. Er­geb­

nis: negativ. Ihre Blutgruppen und die Gewebeproben sind nicht kompatibel. «Zu diesem Zeitpunkt war für mich klar, dass wir die Übung abbrechen und ich wieder auf die Warteliste für eine Spen­ derniere komme», sagt Doris Schaffner. Trotzdem liegt sie am 14. Oktober, zum gleichen Zeitpunkt wie ihre Cou­sine, auf dem Operationstisch. Grund: die sogenannte Crossover-Spende. Denn Barba­ra Schweizer und Doris Schaffner teilen ihr Schicksal mit dem Ehepaar Ser­ vais aus Genf. Frank wollte seiner Frau Ma­ri­na eine Niere spenden, doch auch bei ihnen stimmten die medizinischen Voraussetzungen nicht. Also entschloss man sich für einen Tausch – Frank Servais gibt seine Niere Doris Schaffner, Barbara Schweizer gibt ihre Marina Servais. Das funktioniert, weil Organe und Blutgruppen übers Kreuz passen. Die Crossover-Nierenspende wird in der Schweiz eher selten durchgeführt. Die Idee ist einfach, die Umsetzung aber kompliziert. Denn um ein passendes Paar zu finden, muss man etliche Daten ver­ gleichen. Die Datenbanken für Organe verstorbener Personen ist sehr gut orga­ nisiert. Bei den Crossover-Spenden ist

Kranke Nieren Harnleiter Transplantierte Niere Harnblase

In Zürich Barbara Schweizer (r.) bot ihrer kranken Cousine Doris Schaffner spontan eine Niere an. Problem: Das Organ passte nicht. Dafür verhalf es in Genf Marina ­Servais zu einem neuen Leben. man noch in den Anfängen. Dr. Karine Hadaya vom Genfer Universitätsspital plant aber eine nationale Plattform. Sie war es auch, die das Ehepaar Servais und Barbara Schweizer und ihre Cousine zu­ sammenbrachte. Durch eine Kooperation mit dem Universitätsspital Zürich ist ­diese Spende möglich geworden: Denn Doris Schaffner erhält ihre Niere in Zürich, Marina Servais wird in Genf operiert.

In Genf Frank Servais wollte seine Niere eigentlich seiner Frau Marina spenden. Jetzt lebt die Zürcherin Doris Schaffner damit. Sohn Nicolaï, 7, ist froh, dass sein Mami wieder gesund ist. Alle vier Operationen verlaufen gut. Spenderin Barbara Schweizer kann schon nach fünf Tagen das Spital ver­ lassen und spürt fast keine Schmerzen. Für ihre Cousine beginnt ein neues Le­ ben. «Gleich als ich nach der Operation erwacht bin, fühlte ich mich besser. Das erste Müesli war wie ein Fest», erin­ nert sie sich. Vor der Operation hat sie fast nichts mehr vertragen, und die

­ edikamente haben ihren Geschmack­ M sinn ruiniert. Zwar muss sie jetzt lebens­ lang Medikamente schlucken, doch im Vergleich zu vorher sei die Lebens­ qualität enorm gestiegen. Im Moment plant sie Ferien, etwas, das zur Zeit der Dialyse fast unmöglich war. Für Barbara Schweizer machte es keinen Unterschied, ob sie die Niere ih­ rer Cousine oder einer fremden Frau u

u Bei einer Nierentransplantation lässt man im Normalfall die kranken Nieren im Körper und transplantiert das neue Organ im kleinen Becken. Arterie und Vene werden an die Beckengefässe angeschlossen, die Blase bekommt einen Zugang für den neuen Harnleiter. Die beiden wichtigsten Kompatibilitätstests: Blutgruppenverträglichkeit und Kreuzprobe. Bei Letzterer simuliert man die Transplantation im Reagenzglas. Wird das Empfängergewebe abgestossen, ist eine Operation aus­geschlossen. Zudem testet man, ob der Empfänger Antikörper gegen den Spender hat. Das Risiko für den Spender ist gering. Studien zeigen, dass bei seriösen Voruntersuchungen das Überleben nach einer Spende genau gleich gut ist wie bei gesunden Menschen. Auch das Risiko, selber an der Niere zu erkranken, ist gegenüber der Normalbevölkerung nicht erhöht.

Fotos Dick Vredenbregt, Patrick Gilliéron Lopreno; Illustration Nigel Simmonds

Text Lisa Merz

So funktioniert die OP


Check-up 6 Fragen zur Crossover-Spende

Organspende ist bis ins hohe Alter möglich. Spenderkarten sind er­ hältlich unter www.swisstransplant. org oder unter der Gratis­nummer 0800 570 234.

TV-Tipp Samstag, 26. Mai, 18.10 Uhr

Grauer Star Pino Gasparini, Leadsänger der Pepe Lienhard Band, berichtet im Studio über seine Krankheit. www.gesundheitsprechstunde.ch

u Herr Dr. Immer, wie viele Menschen warten momentan auf ein Spendenorgan? Ende 2011 standen in der Schweiz 1074 Patienten auf der Warteliste. u Wie viele davon brauchten eine Niere? Die Mehrheit. Das sind zwei Drittel aller Patienten. Im Schnitt wartet man zwei Jahre. Es kann aber auch sieben Jahre dauern. Das kommt auf die Blutgruppe und die körperliche Verfassung an. Pro Jahr gibt es in der Schweiz 300 Menschen, die eine neue Niere bekommen. u Wie viele davon sind Lebendspenden? Etwa 100. Die Schweiz ist mit dieser Anzahl europaweit an der Spitze. Generell ist es aber so, dass man lieber eine Spende von einem Verstorbenen nimmt. Denn auch die Spender sind während der Operation einem gewissen Risiko ausgesetzt. u Warum gibt es so wenig CrossoverSpenden? Die Idee ist ausgezeichnet, aber die Vorbereitungen sind eher kom­ pliziert. Es gibt verschiedene Zentren, die involviert sind. Die Koordination und Zuteilung der Nieren übernimmt dann Swisstransplant.

u Dann ist es also eher ein organisa­

torisches Problem? Ja. Zudem ist die Grundlage eine liberale Rechtsprechung. Denn Lebendspenden sind nicht überall in Europa zulässig. In der Schweiz ist es so, dass sich Spender und Empfänger kennen müssen und dass alles auf Freiwilligkeit basiert. In Frankreich zum Beispiel muss man verwandt sein, um eine Lebendspende zu machen. Wichtig ist auch, dass man alle Beteiligten gleichzeitig operiert, damit sicher beide Empfänger ein neues Organ bekommen. u Wird es in Zukunft mehr CrossoverSpenden geben? Aufgrund der Anzahl Fälle und der Auswahl in der Schweiz wird es immer eine eher kleine Zahl bleiben. Ich schätze, es pendelt sich bei jährlich fünf solcher Operationen ein.

Dr. med. Franz Immer Facharzt für Herz­chirurgie und CEO Swisstransplant.

Foto HO

spendete. Die Idee habe ihr gleich eingeleuchtet, und der Druck sei sogar etwas weniger gross, als wenn man sein Organ jemandem spende, mit dem man eine tiefe Bindung habe. «Ich hatte das Gefühl, dass diese Aufgabe für mich bestimmt ist.» Verändert habe sich nichts, ausser vielleicht, dass sie nun eine «Art Schwester in Genf habe». u


Die Besten 10 Kultur- und Eventtipps

Tanzen für Spoerli Yen Han und Dirk Segers in «Mozart».

16. zürcher festspiele

Foto Peter Schnetz

Sinnesrausch u Gleich mit einem Paukenschlag eröffnen die Zürcher Festspiele. Heinz Spoerli, scheidender Ballett­ direktor und Chefchoreograf, fasst in einem Ballettabend der Superlative die ­Glanzpunkte der vergangenen Jahre zusammen. Doch auch der Meister wird

beschenkt: Im Rahmen der offiziellen Eröffnungsfeier wird Heinz Spoerli der Zürcher Festspielpreis übergeben. Drei Wochen lang werden sich die kulturellen Ereignisse in der Limmat­ stadt überbieten. Mit Theaterstücken, Opern und Konzerten. Und zum Schluss

kann noch das Tanzbein geschwungen werden. Beim Sommernachtsball im Hauptbahnhof. kati moser zürcher festspiele Zürich. 15. 6.–8. 7., Infos Tel. 044 - 269 90 90, Tickets Tel. 044 206 34 34, www.zuercher-festspiele.ch schweizer illustrierte

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Die Besten kultur diese woche im museum und in den galerien

Aus Kuba. Aus Lausanne. Aus Büchern Mit Humor

Fernweh Beliebte Sujets: Fähren, Frachter und Boote.

u Hinter dem Künstlernamen Los Carpinteros steckt das Kubaner Duo Marco Antonio Castillo Valdés und Dagoberto Rodríguez Sánchez. Die beiden Künstler aus Havanna schaffen monumentale Installationen und Zeichnungen, die oft die Funktionalität und den Gebrauch von Architektur, Möbeln und Designobjekten hinterfragen. Dabei kann auch Witziges entstehen wie «Patas de rana» (r.), eine Installation aus überdimensionierten Schwimmflossen.  km

kunstmuseum Thun BE. Bis 8. 7. Di–So 10–17, Mi 10–19 Uhr, Tel. 033 - 225 84 20, www.kunstmuseumthun.ch

Mit fantasie

Faszinierend Tiere tauchen immer wieder auf.

u Flavia Cocchi, 49, zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen der Schweizer Grafik. Ihre Auftraggeber sind u. a. das MUDAC und das «Beau Rivage», beide in Lausanne, sowie verschiedene Theater der Region. Doch auch als Buch- und Katalog-Designerin hat sich die Lausannerin, die 1995 ein Jahr bei Benetton unter der künstlerischen Leitung von Massimo Vignelli gearbeitet hat, einen Namen gemacht. Zu sehen sind über fünfzig Auftragsarbeiten der Designerin.  km

mudac – musée de design et D’arts appliqués contemporains Lausanne VD. Bis 10. 6. Di–So 11–18 Uhr, Tel. 021 - 315 25 30, www.mudac.ch

Mit Eigensinn

u Dem Thema wuchern und wachsen haben sich fünf Künstler gestellt: Eva Bertschinger, die Zwillinge Reto und Markus Huber – ­bekannt unter ihrem Künstlernamen huber.huber, Judit Villiger und Ursula Palla. Die beiden Brüder zeigen eigenwillige, monochrome Pflanzencollagen (r.) sowie die Bücher, aus denen die Pflanzen ­herausgeschnitten wurden. Die Leerstellen in den Büchern bilden reizvolle Überschneidungen, die wiederum an Blüten erinnern.  km

In Bewegung Claudia Butz zeigt 57 Ölbilder, mehrheitlich aus den letzten drei Jahren. Fesselnd Kampf Mensch gegen Tier, wie in «Kraftakt einer anderen Art 2», 2010, von Claudia Butz.

NEUE BILDER der malerin CLAUDIA BUTZ

Schnelle Pinselstriche

4. Zürcher Hofgesang

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gungsstudie. Eine Ausnahme, denn in der Regel verwendet die Künstlerin nur eigenes Material oder alte Super-8-Filme, die in ihrem engeren Umfeld entstanden sind. «Ich war von den Filmen aus den 60er-Jahren, die Familienmitglieder gedreht hatten, total fasziniert. Amateurfilme sind oft unscharf, und man entdeckt auf den Bildern immer wieder verblüffende Details.» Unschärfe hat oft mit Bewegung zu tun. Dies fasziniert Claudia Butz seit Jahren. Mit einer kleinen Videokamera fängt sie alles ein, was sich bewegt. «Ich filme ständig, picke je nach Thema

die Bilder heraus, die mich interessieren. Jetzt ist gerade New York aktuell», sagt die Zürcherin und lächelt bedeutungsvoll, denn Anfang Jahr ist sie aus New York zurück in die alte Heimat umgezogen. Nach mehr als zehn Jahren und einem Master of Fine Arts. Jetzt beginnt die Malerin sich intensiv mit der amerikanischen Metropole zu beschäftigen: Heimweh. Genauso hatte sie damals in den USA Heimweh nach der Schweiz, malte grüne Wiesen, grasende Kühe und Schwinger in Aktion. Kräftige Pinselstriche auf der weiss grundierten Leinwand charakterisieren Claudia Butz’ schnelle Malweise. Die

Fotos Willy Spiller, HO (6)

Nach über zehn Jahren New York kehrt Claudia Butz zurück nach Zürich, wo sie ihre neusten Arbeiten zeigt. Ihre grosse Faszination für alles, was sich bewegt, hat nicht nachgelassen. u Da packt ein Cowboy mit der einen Hand den jungen Stier am Horn, mit der anderen am Hals. Mit vollem Körpereinsatz versucht er das Tier zu bändigen. Bull-Wrestling heisst diese Sportart in den Staaten. Als Pendant zu «Kraftakt einer anderen Art 2» (oben und rechts) sind die Schwinger-Bilder entstanden: Mann gegen Mann, kraftvoll und dynamisch, gelegentlich sogar elegant. Dass Claudia Butz, 40, vermutlich den werdenden Schwingerkönig Kilian Wenger abgebildet hat, ist purer Zufall. Ein kleiner Film – online gefunden – diente der Malerin als Vorlage zu einer Bewe-

galerie im Gluri suter huus Wettingen AG. Bis 3. 6. Mi–Sa 15–18, So 11–17 Uhr, Tel. 056 - 426 29 69, www.glurisuterhuus.ch

mit Bleistift vorgezeichneten Raster und Bildelemente sind im fertigen Bild oft noch erkennbar. Die Motive sind meist Ausschnitte, denn «wenn man zu viel sieht, wird man vom Wesentlichen abgelenkt». Eine Foto­ grafie oder ein Videostill einfach zu kopieren, kommt für die sympathische Künstlerin und frischgebackene Mutter nicht infrage. Sie hole sich lediglich die Inspiration, der Rest sei Sache ihrer eigenen Interpretation. kati moser

galerie wehrli Zürich. Bis 5. 7. Di–Fr 14–18, Sa 11–16 Uhr, www.galeriewehrli.ch

Freudiges Singen in Hinterhöfen u Bedenkt man, dass Innen- und Hinterhöfe einen Viertel des gesamten Stadtraumes einnehmen, so ist es an der Zeit, diese Räume aufzuwerten. Und sei es nur während der kurzen Zeitspanne von einigen Wochen. Zum vierten Mal nun findet der Zürcher Hofgesang statt. Teilnahme­ berechtigt sind Chöre und Schulklassen von nah und fern. Sie jodeln und singen. Männer- und Frauen­chöre, Alp­ hornbläser, Jazzformationen. Von Tango bis Chansons – jede Stil- und Geschmacksrichtung ist vertreten. Für die Chöre bietet sich zudem die Gelegenheit, singfreudigem Nachwuchs zu begegnen.  km

Zürich Bis 10. 6. Programm auf www.hofgesang.ch

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Die Besten

Die Besten

kultur

event

Alleskönner Hugh Laurie schafft den Wechsel vom OP auf die Bühne und bietet nun waschechten Südstaaten-Blues.

5 Fragen an ein buch

demnächst

70’s-Rock. Comedy. Oper

Höchst präsent

u Wer Patti Smith googelt, erhält «ungefähr

12  300  000 Ergebnisse». Ganz klar, die RockIkone ist präsent wie eh und je. Und das auch auf der Bühne: Ihr Auftritt wird die 70er ins Hier und Jetzt katapultieren. hv

Michael Crichton / Richard Preston

Die Welt der Krabbeltiere Worum geht es? Der zwielichtige Investor Vin Drake rekrutiert sieben junge Wissenschaftler für seine streng geheime Forschungsstation auf Hawaii. Mit der neusten Technologie können sie dort an bahnbrechenden Entwicklungen in der Nanotechno­ logie mitarbeiten. Doch als einer der Studenten Vin einen Mord nachweisen kann, werden die Studenten auf Fingernagelgrösse geschrumpft und im Dschungel ausgesetzt. Der Kampf ums Überleben beginnt.

Der Zauber der ersten Liebe u Darum gehts Beim Morgenappell im Sommercamp entdeckt Pfadiführer Ward ein Loch im Zelt seines Schützlings Sam. Der Sonderling ist mit Kanu, Proviant und einem Luftgewehr im Gepäck ausgebüxt! Umgehend wird Sheriff Sharp informiert. Als dann auch noch Suzy spurlos verschwindet, gerät das beschauliche Dorf in Aufruhr. Der Sheriff, die Pfadfinder, die hysterischen Eltern des Mädchens und eine Sozial­ arbeiterin machen sich auf die Suche nach den Ausreissern. Obwohl Sam, ein gewiefter Pfadfinder, es meisterlich versteht, ihre Spuren zu verwischen, werden die zwei aufgespürt. Sam droht das Waisenhaus. Werden die beiden Frischverliebten für immer getrennt? u Star unter den Stars Das Staraufgebot ist gross: Edward Norton, Bruce Willis,

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Bill Murray, Frances McDormand, Tilda Swinton. Und Augen auf! Der Ober­ pfadfinder ist auch eine Berühmtheit. Die Jungschauspieler Jared Gilman und Kara Hayward überzeugen. u Der Regisseur Wes Anderson («The Royal Tenenbaums», «Rushmore» oder «The Darjeeling Limited») ist erneut ein wunderbar skurriler Film gelungen. Allein schon die Anfangsszene ist ein Panoptikum seiner wundersamen Bilderund Gedankenwelt. u Das Fazit Ein unbeschwert vergnügli­ cher Sommerfilm über die Verschroben­ heit der Erwachsenen und den Zauber der ersten Liebe. Und ein Muss für alle (Ex-)Pfadfinder. Anina Rether 8 8 8 8 8 Länge: 95 Min. Regie: Wes Anderson. Kinostart 24. Mai

Blues-Doktor u Seit 2004 gibt er den mürrischen und doch verletzlichen Fernseh-Doktor mit dem Gehstock. Dafür heimste er einen Emmy, zwei Golden Globe Awards sowie reihenweise Publikumspreise ein, etwa als «bester männlicher Fernseh­ star» und – natürlich – «bester TV-Arzt». Am 8. Februar 2012 allerdings gab der US-Fernsehsender Fox bekannt, dass «Dr. House» mit der achten Staffel enden wird. Hugh Laurie, der die Titelfigur in der Erfolgsserie spielt, ist mithin seinen Job los. Also arbeitslos? Unsinn. Der englische Komiker, Schau­

Wer ist der Autor? Der Amerikaner Michael Crichton («Jurassic Park», «Next») starb 2008 vor Vollendung des Buches. Sein Kollege Richard Preston schrieb «Micro» zu Ende. Der wichtigste Satz? «Nach meinem Naturverständnis müssen wir die Bedeutung der Natur nicht kennen, um sie ausbeuten zu können.»

cd-Tipp jazz

Was macht das Buch aus? «Jurassic Park», gemixt mit «Gullivers Reisen». Wer Insekten mag, wird es lieben. Nach der Lektüre? Neben dem Grusel­effekt bleibt der Respekt vor der Grossartigkeit der Mikrowelt, die unsere Erde im Innersten zusam­ menhält. anina rether Michael Crichton / Richard Preston Micro (Blessing)

Coltrane revisited

Fotos HO (3), Geri Born

Moonrise kingdom (USA)

Dr. house hugh laurie

u John Coltrane ist eine epochale Gestalt der Jazz­ geschichte. Mit der NDR-Big­ band im Rücken, nähert sich jetzt der Schweizer George Gruntz dem Titanen an. Er erbringt den Beweis, dass Coltranes Material noch taufrisch ist – und er selber ein gross­ artiger Arrangeur. hanspeter vetsch

george gruntz Dig My Trane (TCB)

spieler und Schriftsteller, der 2007 von Königin Elizabeth II. für seine Verdienste in der Schauspielkunst zum Officer des Order of the British Empire geadelt wurde, hat seine alte Leidenschaft wiederentdeckt – den Blues. Inspiriert von Ry Cooders «Buena Vista Social Club» und T-Bone Burnetts Soundtrack «O Brother, Where Art Thou?», veröffentlichte er letztes Jahr sein Debütalbum «Let Them Talk». «Ich wurde nicht in den 1890ern in Alabama geboren. Ihr könnt das jetzt ruhig wissen», sagt Laurie mit ent­ waffnender Ehrlichkeit. Und: «Ich habe nie Schrot gefressen, nie eine Ernte eingetragen oder bin in einem EisenbahnGüterwaggon gefahren.» Ein weisser, reicher Engländer, der sich am Mythos des amerikanischen Südens versucht? Dr. House gelingt auch diese Operation. hanspeter vetsch

hugh laurie Kongresshaus, Zürich. 21. 7. um 20 Uhr, www.goodnews.ch tickets für die besten events!

Höchst lustig

u Es darf gelacht werden. Und zwar unter freiem Himmel. Mit dabei sind die ComedyStars Bülent Ceylan, Oliver Pocher, Peach Weber und Dave Davis (Bild). Der Ort allein ist schon einen herzhaften Lacher wert. hv

comedy open air Heitereplatz, Zofingen. 7. 8. um 19.30 Uhr, www.topact.ch

Höchst stimmig

u«Opera News» nennt sie «Königin des Barock», die «Frankfurter Allgemeine» lobt die «fulminante Wucht in der Stimme»: Sopranistin Simone Kermes bezaubert viele. Sicher auch mit ihrem neuen Programm. hv

simone kermes Kulturcasino Bern. 21. 10., 19.30 Uhr, www.classicalcompany.ch

Fotos HO

Gemeinsam stark Die zwei Aussenseiter Suzy und Sam packen ihre Siebensachen und brennen durch.

patti smith X-TRA, Zürich. 26. 8. um 19.30 Uhr, www.x-tra.ch

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Weekend Reisen, geniessen, rätseln!

THE LEADING HOTELS OF THE WORLD

Feng-Shui im «Namaskar» D

ie Tester von «The Leading Hotels of the World» waren unterwegs und melden ­spannende Neu­aufnahmen. Auch das ­aufregend schöne «Palais Namaskar» in Marrakesch gehört jetzt zum exklusiven Klub. Die Anlage liegt zwischen dem marokkanischen Atlasgebirge und den Djebilet Hills. Nur 41 Zimmer, Suiten und Villen (mit Outdoor-Jacuzzi und Neuaufnahme im Norden Koh Samuis «Napasai». Privatpool) verteilen sich in den gross-

Neuaufnahme in Marrakesch Das magische «Palais Namaskar» mit nur 41 Zimmern und Suiten. zügigen, balinesisch inspirierten Gärten. Gebaut wurde sehr streng nach den Prinzipien des Feng-Shui. Die weiteren Neu­aufnahmen: Interalpen-Hotel Tyrol bei Innsbruck, «Castel Monastero» in der Toskana, «The Oyster Box» in Dublin sowie aus der «Orient-Express»Kollektion das «Napasai» in Koh Samui und das «Jimbaran Puri» auf Bali. HE INFO www.lhw.com schweizer illustrierte

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Reisen

Elsässer Küche (by Antoine Westermann) im «Le Loft» über den Dächern von Wien.

«Nachtgarten»: Pipilotti Rists faszinierende Decken-Installation ist das Wahrzeichen des «Sofitel Vienna Stephansdom»

Grau, Weiss oder Schwarz! Architekt Jean Nouvel setzt beim Zimmer-Design auf «Nicht-Farben».

SOFITEL, WIEN

Schlafen bei Jean Nouvel und Pipilotti Rist Jean Nouvel schenkt Wien ein neues Wahrzeichen: den spektakulären Sofitel-Hotelturm. Pipilotti Rist bringt mit raffinierter Technik Licht ins Haus.

J

ean Nouvel hinterlässt Spuren auf vielen Kontinenten: Dentsu-Turm in Tokio, Institut der Arabischen Welt in Paris, Agbar-Turm in Barcelona, KKL und «The Hotel» in Luzern. In Wien setzt er sich ein neues Denkmal: «Sofitel Vienna Stephansdom» heisst das ele­ gante Hotel, das Flaggschiff der ambi­ tionierten Gruppe.

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u Nouvels Nicht-Farben Im «Sofitel am Stephansdom» sagt der Portier nicht «Grüss Gott» wie üblich in der Stadt, son­ dern «Bonjour». Kein Wunder, ist da auch der Architekt Franzose. Jean Nouvel war für den Auftrag schnell zu haben: «Ich verbringe die Hälfte ­meiner Zeit in Ho­ tels. Ich wollte in Wien ein ­Hotel bauen, von dem man die Stadt ­sehen, bewun­ dern, spüren kann.» Nouvel ­setzte (wie­ der einmal) auf «Nicht-Farben»: Die auf 18 Etagen verteilten 182 Zimmer und Suiten sind ganz grau, ganz weiss oder ganz schwarz – so wie das imposante Dach des Doms. Raffiniert das Spiel mit den Fenstern: Nouvel hat einen Schiebe­

mechanismus entwickelt, der das Glas ver­deckt, minimal oder grossformatig öffnet. Der Gast spielt. Und ist faszi­ niert. u Pipilottis «Nachtgarten». Farbe ins Haus bringt nur Pipilotti Rist. Die ­s­ensible Schweizerin, die in Wien studiert hat, wur­ de auf Nouvels ausdrücklichen Wunsch engagiert. Ihre «Spielwiese»: fünf ­riesige Decken, mit LED-Strahlern raffiniert be­ leuchtet. Pipilotti: «Ich habe mich von der Trompe-l’Œil-Tradition inspirieren lassen und zeige, wie unsere Vorstellungs­ kraft neue Perspektiven eröffnen kann.» Das Glanzstück der Künstlerin: die Decke im Restaurant Le Loft in der 18. Etage –

der «Nachtgarten Wiens», von der ganzen Stadt aus zu bewundern. u Top-Küche, Top-Spa. Im «Le Loft» schreibt der Elsässer Spitzenkoch An­ toine Westermann aus der Ferne die Kar­ te. Sein junger Statthalter vor Ort, Rapha­ el Dworak, ist sehr begabt. An den Rouget und an die Milchferkel-Krone haben sich die Wiener bereits gewöhnt; Froschschen­ kel und Schnecken sind ihnen noch zu französisch … Aufregend wie das ganze Hotel das Spa: eine Oase der Stille mitten in der Grossstadt-Hektik. Die Sauna hat Panoramablick, und auch von der elegan­ ten Spa-Terrasse aus blickt man fasziniert über die Dächer der Stadt. Urs Heller

Check-in u Anreise

Swiss fliegt viermal täglich nach Wien uHotel Sofitel Vienna Stephansdom – raffiniertes Design auf 18 Etagen. Jean Nouvel (Architekt), ­Pipilotti Rist (Licht-Installationen an den Decken) und Patrick Blanc («vertikale Gärten») sind die Stars. DZ ab 416 Euro uRestaurant Le Loft: Star-Chef Antoine Westermann bringt einen ambitionierten jungen Koch (Raphael Dworak) und die französische Küche nach Wien uInfos www.sofitel.com

Design-Juwel Das «Sofitel Vienna Stephans­ dom» ist Wiens raffinierteste Adresse.

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En Guete

Ausgepackt Duftende Fischstückchen.

Leckeres am Angelhaken Als Suppe, Salat oder Spiessli: Frischer Fisch schmeckt nicht nur Fischers Fritz. Eingepackt im Bananenblatt, zeigen sich die Filetstücke gern auch exotisch.

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Fisch im Bananenblatt

Zutaten (für 4 Personen) 1 Limette, nur Saft, 2 Esslöffel Fischsauce, 2 Schalotten, fein ­gehackt, 2 Knoblauchzehen, fein gehackt, 2 Esslöffel Ingwer, fein gerieben, 2 Esslöffel Koriander, fein geschnitten, 1 Teelöffel Palm- oder Rohzucker, 1/4 Teelöffel schwarzer Pfeffer 600 g Fischfilets (z. B. Bio-Tilapia), in ca. 3 cm grossen Stücken, 4 Bananenblätter (je ca. 25 × 25 cm) Vor- und zubereiten ca. 25 Min. Marinieren ca. 1 Std. Backen ca. 10 Min. u Für die Marinade Limettensaft, ­ ischsauce und alle Zutaten bis und mit F Pfeffer mischen. Fischstücke beigeben, mischen, zugedeckt im Kühlschrank ca. 1 Std. marinieren. Bananenblätter mit einem feuchten Tuch abreiben. Päckli formen (siehe Tipp). Backen ca. 10 Min. in der Mitte des auf 200 Grad vorgeheizten Ofens.

Dampfgar-Tipp Fisch-Päckli in die Lochschale legen. Garen ab Erreichen der Temperatur von 90 Grad ca. 10 Minuten.

2

Scharf-Saure Fischsuppe Zutaten (für 4 Personen) ergibt ca. 1,6 Liter 1 Esslöffel Erdnussöl, 1 Zwiebel, in feinen Streifen, 2 Knoblauchzehen, gepresst, 2 Stängel Zitronengras, Inneres fein gehackt, 3 cm Galgant, in Scheiben, 1 Baby-Ananas, geschält, in Würfeli, 1 Dose Bambussprossen (ca. 230 g), abgespült, abgetropft, 1 Liter Hühnerbouillon, 2 Esslöffel Fischsauce, 2 Esslöffel Tamarindenpaste, 3 rote Chilis, entkernt, fein gehackt, 1 Esslöffel Palm- oder Roh­ zucker, 300 g Fischfilets (z. B. BioTilapia), in ca. 2 cm grossen Stücken, 2 Esslöffel Dill, fein geschnitten,

TIPP Fischstücke auf die matte Seite der Bananenblätter

geben, zu Päckli formen, mit Zahnstochern verschliessen. Statt Bananenblätter 8 grosse Wirzblätter verwenden. Blattrippen flach schneiden, Fisch auf die Blätter verteilen, mit Küchenschnur zu 8 Päckli ­binden. Backen/dämpfen wie Fisch im Bananenblatt.

1 Limette, heiss abgespült, trocken getupft, in Schnitzen Vor- und zubereiten ca. 30 Min. u Öl in einer grossen Pfanne warm werden lassen. Zwiebeln, Knoblauch, Zitronengras und Galgant andämpfen. Ananas und Bambussprossen kurz mitdämpfen. Bouillon, Fischsauce, Tamarindenpaste, Chilis und Zucker beigeben, aufkochen, ca. 2 Min. köcheln lassen. Fischstücke beigeben, ca. 3 Min. ziehen lassen. Dill darüberstreuen. Limettenschnitze dazu servieren.

3

Tropischer Fischsalat Zutaten (für 4 Personen) Sauce 2 Limetten, nur Saft, 4 Esslöffel dunkles Sesamöl, 4 Esslöffel Soja­sauce, 2 cm Ingwer, fein gerieben, Salz, Pfeffer, nach Bedarf Erdnussöl zum Braten, 400 g Pangasiusfilets (Bio), in ­Streifen (siehe «Hinweis»), 3 Bundzwiebeln mit dem Grün, in Ringen, 100 g Cashew-Nüsse, grob gehackt, 1/2 Teelöffel Salz, wenig Pfeffer, 400 g Melone (z. B. Wasser­melone), in Würfeli, 2 Rüebli, mit dem Sparschweizer illustrierte

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En Guete schäler Streifen abgeschält, 3 Esslöffel Korianderblättchen oder glattblättrige Petersilie, grob ­geschnitten, 120 g Jungsalat Vor- und zubereiten ca. 25 Min. u Für die Sauce alle Zutaten in einer grossen Schüssel gut verrühren. Öl in einer beschichteten Bratpfanne heiss werden lassen, Fischstreifen ca. 2 Min. rührbraten. Zwiebeln und Nüsse beigeben, ca. 1 Min. weiter rührbraten, würzen, in die Sauce geben. Melonenstücke, Rüebli und Koriander beigeben, mischen. Mit dem Salat anrichten, sofort servieren. Hinweis Statt Pangasius Pouletbrüstli verwenden, diese ca. 4 Min. rührbraten.

4

Forellen-GurkenSpiessli

Zutaten (für 4 Personen) ergibt ca. 16 Stück 75 g Mascarpone, 2 Teelöffel Meer­ rettich, fein gerieben, 1/4 Teelöffel Salz, 2 geräucherte Forellenfilets

(ca. 120 g), quer in je ca. 8 Stücken, 1 Gurke, längs in 16 ca. 2 mm dicke Scheiben gehobelt, 16 Zahnstocher, 1 kleine rote Zwiebel, in feinen Ringen Vor- und zubereiten ca. 10 Min. u Mascarpone mit Meerrettich ver­rühren, salzen. Je 1 Teelöffel ­Meer­rettichmasse auf die Forellen­stücke geben, verstreichen. Je ein Forellenstück mit einem Gurkenstreifen um­wickeln, auf Zahn­ stocher stecken, überstehende Gurke wellenförmig aufstecken. Zwiebelringe darauf verteilen.

5

Grillfisch aus der Folie

Zutaten (für 4 Personen) Füllung 4 Esslöffel Olivenöl, 100 g Mandeln, geröstet, grob gehackt, 4 Esslöffel Basilikum, fein geschnitten, 1 Bio-Zitrone, nur abgeriebene Schale, 1 Teelöffel

grobkörniges Meersalz, wenig Pfeffer 4 Stück Grill-Alufolie (ca. 30 × 40 cm), 2 Esslöffel Olivenöl, 8 Saiblingfilets mit Haut (je ca. 120 g), 1 Teelöffel grobkörniges Meersalz Vor- und zubereiten ca. 20 Min. Grillieren ca. 10 Min. u Für die Füllung alle Zutaten in einer Schüssel mischen. Folienstücke mit Öl bestreichen. Fisch­filets beidseitig salzen, je ein Fischfilet mit der Hautseite nach unten in die Mitte der Folien legen, Füllung darauf verteilen. Mit je einem zweiten Fischfilet mit der Hautseite nach oben bedecken. Längs-Folien­ kanten aufeinanderlegen, mehrmals umschlagen. Querenden der Folie ebenfalls mehrmals umschlagen. Grillieren Lagerfeuer oder Holzkohlegrill: Fisch direkt in der mittelstarken Glut beidseitig je ca. 5 Min. grillieren. Gas- oder Elektrogrill: Fisch zugedeckt beidseitig je ca. 5 Min. auf mittlerer Stufe (ca. 200 Grad) grillieren. Lässt sich vorbereiten Grillfisch 1/2 Tag im Voraus zubereiten und in Alufolie verpacken. Im Kühlschrank aufbewahren.


GaultMillau Clouds Prime Tower, Maagplatz 5 8005 Zürich Tel. 044 - 404 30 00 Mo–Sa 11.30–15, 18–0.30, So 10–14 (Brunch), 18–0.30 Uhr Alle Kreditkarten ausser Diners, EC-Direct, keine Postcard www.clouds.ch

Zwei Chefs, eine Karte Antonio Colaianni (r.) und David Martínez Salvany begeistern im «Clouds». Vor allem bei den raffinierten Vorspeisen.

Wartelisten für ein Diner auf der Wolke «Clouds», Zürich Auf einen Tisch im 35. Stock des Prime Towers warten die Gäste monatelang. Lohnt sich das? Auf jeden Fall! Antonio Colaianni und David Martínez Salvany machen einen Superjob. Der Weg zur «Wolke» dauert 30 Sekunden. Die Wartezeit ist länger: Das NEU getestet «Clouds» ist auf Monate hin­aus ausgebucht. Im 35. Stock des Prime Towers schweben nur die Gäste auf Wolken. Die Köche schuften. Auf zwei ­Etagen, ausgerüstet mit Headphones; der Architekt hat wohl noch nie in einer Küche gearbeitet. Den Stress teilen sich zwei Chefs, die gute Freunde sind und trotz hartem Start immer noch gute Freunde sind: Antonio Colaianni (Ex«Casale», Wetzikon) und David ­Martínez Salvany (Ex-«Greulich», ­Zürich). Beide bringen je 16 Punkte mit in die «Ehe».

16 ist auch ihr Start­kapital an neuer, spektakulärer Adresse. Schwächen sind trotz langen Transportwegen nicht auszumachen. Die gestylten Servicemitarbeiterinnen mit dem hohen «C» am Gurt schleppen in scharfem Rhythmus an. Erst ein ortstypisches Amuse-Bouche: Karotten, marinierte Calamaretti, Orangenfilet, Orangenluft – eine «cloud» gewissermassen im Glas. Dann wirds handfester und klar besser: Im «Clouds Vitello Tonnato» werden Kalbfleisch und roher Tuna von bester Qualität mit Focaccia-Scheiben voneinander getrennt. Focaccia auch zwischen einer hervorragenden Kartoffel-OlivenölCreme und einem wunderbar gebratenen

Rouget mit Tomaten-Basilikum-Vinaigrette. Daneben die «Hauptsache»: prächtiger marinierter Pulpo. Für die dritte Vorspeise brauchts eine «Gebrauchsanweisung»: Das Rindstatar liegt unter Ei und Kartoffelschaum; glücklich wird, wer kräftig durch alle Schichten sticht. Überragend die Bouillabaisse (Crevetten, Jakobsmuscheln, Vongole, Miesmuscheln, Loup de Mer, Steinbutt), gut, aber schwer das gewaltige Raviolone mit Büffelricotta, Eigelb, wilden Spargeln und Salbeibutter. Der raffinierteste Hauptgang? Ein Saint-Pierre-Filet mit Erbsencreme, Mönchsbart und blauen Kartoffeln. Garpunkt und der elegante Krustentierjus  haben uns beeindruckt.

KNote für eine wegweisende, überragende Küchenleistung J Note für ausserordentliche Kochkunst und Kreativität I Note für beste HG Hoher Grad an Kochkunst und Qualität FE Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet 12/20 Herkömmliche, gute Küche ohne besondere Ambitionen

20/20 Idealnote, bis heute in der Schweiz nie vergeben Qualität und hohe Konstanz

Tessiner Schaumwein Sottosopra bedeute auf Deutsch so viel wie «drunter und drüber». Und Sottosopra (12,5 %) heisst auch der neue Schaumwein des Tessiner Spitzen­winzers Guido Brivio. Für die Vinifikation wurden ausschliesslich Pinot-noir-

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Trauben verwendet, was den eher kräf­tigen Schaumwein zum Blanc de Noir macht. Kaum im Glas, duftet er nach reifen Birnen, weissen Blüten und Honig. Im Gaumen erfrischend und trocken, mit blumigen, fruchtigen Aromen. Die Mousse ist delikat und fein. Kein verspielter, leicht­

füssiger Schaumwein, sondern ein Wein mit viel Struktur und Tiefe. Ideal also zu Vorspeisen, Antipasti oder gar Fisch vom Grill. Beim Besuch der Kellerei von Brivio lohnt es sich, auch einen Blick in die Barriquekellerei zu werfen. Sie befindet sich im Felsen des Monte Generoso.

Brivio Vini SA Mendrisio Tel. 091 - 640 30 30 www.brivio.ch Jetzt geniessen. Trinktemperatur: 6 bis 8 Grad. u CHF 35.–

Foto Charles Seiler

Wein-Tipp


Horoskop

woche vom 26. Mai bis 1 Juni 2012 Venus ist seit Mitte Monat rückläufig (von der Erde aus gesehen scheint der Planet auf dem Tierkreis rückwärts zu wandern). Diese Woche steht Venus wieder dort, wo sie Anfang Mai war. Begegnungen oder Entscheide von Anfang Mai haben jetzt Folgen. Davon

sind vor allem die 2. Dekaden Zwillinge, Löwe, Waage, Schütze, Wassermann und Widder betroffen. Schöne Stunden zu zweit? Schicksalhafte Begegnungen? Oder eine Versöhnung? Gar ­Liebe auf den ersten Blick? Die nächste Etappe verspricht ­Venus Ende Juli, wenn sie erneut an der gleichen Stelle steht.

widder 21.–30. 3. Exzellente Woche für Reisen, Verhandlungen, schriftliche Arbeiten (Gesuche, Bewer­ bungen), speziell am Wochenende und am 1. Am 31. sollten Sie nichts überstürzen! 31. 3.–9. 4. Venus verwöhnt Sie: denkwürdige Begegnungen? Neue Freunde? Eine Romanze? Unvergesslich der 1., ziemlich hektisch der 31. Ab 28. haben Sie gute Karten für Termine, eine Reise, Examen. Körperlich sollten Sie sich schonen! 10.–20. 4. Stress mit Partner, da Sie Ihr Budget überziehen (z. B. am 28.). Abwarten! Sie werden am 29. und 1. unterstützt.

stier 21.–30. 4. Nach Komplikationen am 26. ver­ ziehen sich die Wolken, am 28. sind Sie im Mittelpunkt des Geschehens. Manche haben einen sechsten Sinn. 1.–10. 5. Sie sammeln Punkte (Mars positiv), sind ­physisch in Bestform. Ideal, um etwas gegen chronische Probleme zu unternehmen (mehr Sport, mehr Bewegung usw.). Projekte von Dezember bringen gute Resultate (26., 29.). 11.–20. 5. Ihre Glücksphase dauert an, Jupiter verspricht mehr Geld, mehr Prestige, Beförderung, tolle Angebote (30.!). Oder private Highlights?

zwillinge 21.–31. 5. Sie punkten mit neuen Ideen (am 27. und 28.). Am 26. ist eine offene Aussprache nützlich. Nur die um den 23./24. Geborenen sind nicht sehr objektiv (31.). 1.–10. 6. Venus verspricht Herzklopfen, speziell am 31. und 1. Einige erleben eine Sternstunde. Harmonische Momente voller Leidenschaft? Schicksalhafte Begeg­ nung? Körperlich sollten Sie auf der Hut sein (Mars ­negativ), z. B. am 29. und 31. 11.–21. 6. Ihre Haltung macht sich bezahlt, und einige erleben eine verdiente Anerken­ nung (Folge von November?). Glänzende Laune am 1.

krebs 22. 6.–1. 7. Sie treffen am 28. den richtigen Ton und lösen ein Problem (mit Nahestehenden?). Am 30. sind Komplikationen zu Hause möglich, am 1. geht es bergauf. Hören Sie auf Ihre innere Stimme! 2.–12. 7. Sie sind auf der Überholspur und körperlich fit (Mars positiv). Am 26. und 29. könnten Sie Berge versetzen. Am 31. dürfte Ihre Haltung falsch ausgelegt werden. 13.–22. 7. Jupiter sorgt für eine Erfolgssträhne, für einige geht ein Traum in Erfüllung (mehr Geld? Eigenes Unternehmen? Oder Heirat?). Zeigen Sie am 28. mehr Geduld!

löwe 23. 7.–1. 8. Sie punkten mit neuen Ideen und neuen Methoden (am 27. und 28.). Ideal für wichtige Termine, eine Reise, Gesuche, Examen. Am 31. agieren einige überstürzt. 2.–12. 8. Sie haben ab 28. gute Karten, Freunde unterstützen Sie. Günstig für neue Projekte (Reisen, Studien, Bewerbungen). Venus verwöhnt Sie mit einem Liebeshoch (Konsequenz von Anfang Mai?). Unvergesslich der 27., 31. und 1.! 13.–23. 8. Sie schlagen über die Stränge, einige sind im Clinch mit Vorgesetzten oder Behörden (27., 31.). Gute Laune am 1.

jungfrau 24. 8.–2. 9. Bis 29. ist Sand im Getriebe (Missverständnisse? Verspätungen?). Dann verziehen sich die Wolken, Sie sehen klarer. Nur die um den 26./27. Geborenen sind nicht objektiv. 3.–12. 9. Nach einer ­ruhigen Phase bis 28. kommt es zu Verzögerungen. ­Einigen könnte ein Fehler unterlaufen (am 31.!). Achten Sie bei Abmachungen auf Details! Auch körperlich ­sollten Sie sich mehr schonen! 13.–23. 9. Sie sind auf Glückskurs, Jupiter bringt gute Resultate, manchmal mehr Geld, schöne Angebote oder ein Liebeshoch (30.).

waage 24. 9.–3. 10. Sie kommen schneller voran als geplant, knüpfen wertvolle Kontakte. Exzellent für Termine (27., 28.), Examen, Reisen. Ab 29. wird es ruhiger. 4.–13. 10. Merkur und Venus versprechen Sternstunden (31., 1.): schicksalhafte Begegnung? Liebe auf den ersten Blick? Oft Folge von Anfang Monat. 14.–23. 10. Sie sind in einer Phase, in der Sie alles Überflüssige aus Ihrem Leben eliminieren. Manchmal bringen Entscheidungen von November jetzt positive Resultate, und Ihre Lage stabilisiert sich (27.), aber Gegenwind am 28.

skorpion 24. 10.–2. 11. Sie sollten gut über die Hürden kommen: Nach Missverständnissen am 26. holen Sie am 28. auf und treffen am 1. instinktiv die richtige ­Entscheidung. Die um den 27. Geborenen sind bestens inspiriert, entdecken neue Talente. 3.–12. 11. Sie sind in blendender Form, bauen Ihren Vorsprung weiter aus. Projekte von Dezember kommen erneut zur Sprache, und Sie könnten etwas für Ihre Gesundheit unternehmen (am 26. oder 29.). 13.–22. 11. Sie sollten sich derzeit nicht mit Vorgesetzten oder mit Behörden anlegen.

schütze 23. 11.–2. 12. Sie verbuchen mit einer ­originellen Idee einen schönen Erfolg (am 27. und 28.!), sollten aber auf Ihren Partner hören! Am 26. flattert eine gute Nachricht ins Haus, am 30. sind Sie der Hahn im Korb. 3.–12. 12. Mars nervt. Meiden Sie am 29. und 31. jedes unnötige Risiko (Vorsicht, Feuer und Elektro­ geräte!). Private Highlights am 27. und 1. 13.–21. 12. Ihre Ausdauer macht sich bezahlt, grössere Vorhaben (Wur­ zeln im November?) bringen gute Ergebnisse. Am 27. oder 1. könnten sich alte Freunde bei Ihnen melden.

steinbock 22.–31. 12. Ihre Intuition ist erstaunlich. Sie entdecken neue Horizonte und Interessen, oft verbunden mit einer neuen Tätigkeit. Am 28. treffen Sie intuitiv die richtige Entscheidung. Hektisch aber der 1. 1.–10. 1. Sie beweisen Stehvermögen, exzellent für Sport und Hobbys. Neue Projekte entwickeln sich am 29. ganz nach Ihren Vorstellungen. Am 31. wird Ihre Haltung falsch ausgelegt. 11.–20. 1. Der Glücksplanet Jupiter schiebt Ihre Karriere an: Beförderung? Erfolg mit eigenem Unternehmen? Oder geht ein privater Wunschtraum in Erfüllung?

wassermann 21.–30. 1. Sie haben exzellente Karten, sind kontaktfreudig, verhandeln clever. Bis 30. läuft alles nach Wunsch, am 27. und 28. zeichnet sich eine positive Wende ab. Neuer Posten? Umzug? 31. 1.–9. 2. Venus ­signalisiert unvergessliche Momente. Eine denkwürdige Begegnung? Liebe auf den ersten Blick? Am 31. und 1. sind Sie im siebten Himmel, man liegt Ihnen zu Füssen. Manchmal auch Glück im Spiel? 10.–19. 2. Sie neigen zu leichtsinnigen Gesten, doch Saturn bremst und zwingt Sie zu relativ vernünftigen Entscheidungen (27., 1.).

fische 20. 2.–1. 3. Sie müssen Geduld zeigen, denn bis 29. könnte es verstärkt zu häuslichen Proble­ men kommen (Panne? Ärger mit Angehörigen?). Dann bessert sich die Lage, am 1. sehen Sie klarer. Folgen Sie Ihrer Intuition! 2.–10. 3. Ihre Kommunikation stockt. Besonders am 31. und 1. sollten Sie sich klar ausdrücken, um Missverständnisse zu vermeiden! Vorsicht auch auf den Strassen! 11.–20. 3. Sie kommen zügig voran. Hören Sie am 29. auf Ihren Partner, der objektiver ist. Spass und gute Laune, neue Sympathien am 1.

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Gesamtwert: 1500 Franken! Und so nehmen Sie teil: Telefon 0901 908 101 (CHF 1.–/Anruf vom Festnetz) SMS Schicken Sie ein SMS mit ZAHLEN, Ihrer Lösung und Ihrer Adresse an die 530 (CHF 1.–/SMS) Beispiel ZAHLEN REGEN an 530 Chancengleiche WAP-Teilnahme ohne Zusatzkosten http://m.vpch.ch/SCH24522 (gratis übers Handynetz) Teilnahmeschluss Sonntag, 27. Mai 2012

WER HÄTS – OHÄ LÄTZ Die nebenstehenden Zeichnungen unterscheiden sich durch zehn Abweichungen. Kreisen Sie bitte diese Abweichungen auf der unteren Zeichnung ein. SO KÖNNEN SIE 20 FRANKEN GEWINNEN: Unter den richtigen Lösungen bei «Wer häts – ohä lätz» verlosen wir jede Woche 5 × 20 Franken. Bitte schneiden Sie Ihre Lösung aus, kleben Sie sie auf eine Postkarte (Briefe sind leider ungültig) und schicken Sie die Karte an: Schweizer Illustrierte, Postfach, 8099 Zürich. Bitte schreiben Sie Ihren Namen und Vornamen deutlich, damit Verwechslungen bei der Gewinnauszahlung vermieden werden. Einsendeschluss Sonntag, 27. Mai 2012

KREUZWORT-CHAOS

LÖSUNGSWORT

110

Und so nehmen Sie teil: Telefon 0901 908 119 (CHF 1.–/Anruf vom Festnetz) SMS Schicken Sie ein SMS mit SI, Ihrer Lösung und Ihrer Adresse an die 530 (CHF 1.–/SMS) Beispiel SI SONNE an 530 Chancengleiche WAP-Teilnahme ohne Zusatzkosten http://m.vpch.ch/SCH24521 (gratis übers Handynetz)

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Mitarbeiter der Ringier AG und ihrer Tochtergesellschaften sowie Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. Automatisierte Teilnahmen sind nicht gewinnberechtigt. Teilnahmeschluss Sonntag, 27. Mai 2012

Die Buchstaben der Lösungswörter stehen alphabetisch geordnet. Suchen Sie nach dem richtigen Wort und vervollständigen Sie das Kreuzworträtsel.

111


SUDOKU Füllen Sie die leeren Felder so aus, dass in jeder Zeile und Spalte und in jedem 3 × 3-Kästchen die Zahlen 1 bis 9 nur einmal vorkommen. mittel

2 4 3 4 2 6

Wert: 1000 Franken!

Gewinnen Sie 1 × drei Übernachtungen für 2 Personen im Parco San Marco am Lago di Lugano im Wert von 1000 Franken!

6 7 5 4 1 3 2

Und so nehmen Sie teil: Telefon 0901 908 120 (CHF 1.–/Anruf vom Festnetz) SMS Schicken Sie ein SMS mit SUDOKU, Ihrer Lösung und Ihrer Adresse an die 530 (CHF 1.–/SMS) Beispiel SUDOKU 512 an 530 Chancengleiche WAP-Teilnahme ohne Zusatzkosten http://m.vpch.ch/SCH24524 (gratis übers Handynetz)

Gewinnen Sie drei Übernachtungen in einer Lake View Suite mit atemberaubendem Seeblick. Im Preis inbegriffen: täglich ein «Buongiorno»-Frühstücksbuffet, ein epikureisches 4-Gang-Menü, freier Zugang ins SPA San Marco und vieles mehr. Mehr Infos unter: www.parco-san-marco.com

5 6 9 7 6 3 2 9 4 9 1 5 8 Conceptis Puzzles

Teilnahmeschluss Sonntag, 27. Mai 2012

06010014139

Gewinnen Sie 5 × eine Oral-B Pulsonic SmartSeries mit SmartGuide im Wert von je 225 Franken!

schwer

Gesamtwert: 1125 Franken! Und so nehmen Sie teil: Telefon 0901 908 103 (CHF 1.–/Anruf vom Festnetz) SMS Schicken Sie ein SMS mit ZIFFER, Ihrer Lösung und Ihrer Adresse an die 530 (CHF 1.–/SMS) Beispiel ZIFFER 473 an 530 Chancengleiche WAP-Teilnahme ohne Zusatzkosten http://m.vpch.ch/SCH24528 (gratis übers Handynetz)

Die Oral-B Pulsonic SmartSeries mit SmartGuide ist die Premium-Schallzahnbürste von Oral-B. Ihr kabelloses Display gibt Feedback beim Putzen und fördert damit bessere Putzgewohnheiten. www.oral-b.ch

8 7 9 1 5

Teilnahmeschluss Sonntag, 27. Mai 2012

9 2 5 7 4 9 4

8

5 3

6 3 2 9 1 Conceptis Puzzles

112

WER HÄTS – OHÄ LÄTZ

KREUZWORT CHAOS

ZITAT ZWISCHEN ZAHLEN 1. Kuebler, 2. Stapeln, 3. Ittigen, 4. Insieme, 5. Antoine, 6. Musisch, 7. Frieden, 8. Antonia, 9. Leitung, 10. Woelfli, 11. Schoeck, 12. Henniez, 13. Teheran, 14. Skorbut, 15. Anwesen, 16. Ziellos, 17. Zaghaft, 18. Muerren, 19. Muttenz, 20. Telekom, 21. Traurig Lösungssatz: Alte Gewohnheit ist staerker als Brief und Siegel. Lösung: GOTTE

REBUS

UHR KNOTEN KNAEUEL HOTEL

3 7 4 8 2 6 9 5 1

6 1 2 5 9 3 7 8 4

1 6 5 2 3 8 4 7 9

Bei richtiger Deutung der Bilder erhalten Sie das Lösungswort.

KREUZWORTRÄTSEL

LÖSUNGSWORT

Wert: 700 Franken!

Lösung: OLIVENOEL

SUDOKU mittel 5 8 9 1 7 4 6 3 2

Gewinnen Sie 1 × 2 Nächte für 2 Personen im DZ Deluxe im Sorell Hotel City Weissenstein in St. Gallen im Wert von 700 Franken!

schwer 9 2 8 6 4 7 3 1 5

Lösung: 269

7 4 3 9 1 5 8 2 6

2 5 6 3 8 9 1 4 7

06010014434

REBUS

AUFLÖSUNG AUS HEFT 20

1 2 3 =

6 3 7 2 8

8 9 7 4 5 1 2 6 3

4 3 1 7 6 2 5 9 8

06010014138

1 5 7 4 3 4 6 2 5 9 8 9 3 6 7 9 4 8 1 2 3 2 5 7 8 7 1 6 3 5 6 8 1 9 4 8 1 2 3 4 685 Lösung: 5 7 9 2 6

Lösung: 591

8 1 2 6 9 4 5 7 3

6 8 5 3 1 2 7 9 4

9 3 4 7 6 8 2 5 1

2 7 1 5 4 9 3 6 8

06010014433

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosungen wird keine Korrespondenz geführt. Mitarbeiter der Ringier AG und ihrer Tochtergesellschaften sowie Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. Automatisierte Teilnahmen sind nicht gewinnberechtigt.

Lassen Sie sich im Sorell Hotel City Weissenstein verwöhnen. Im Preis inbegriffen: 2 Nächte im Doppelzimmer Deluxe mit Frühstück, Parkplatz, eine Flasche Prosecco, einen 100 Franken Gutschein für ein Abendessen im Restaurant Schwanen 2 und 2 Fitnesspässe für den Fitnesspark Einstein. www.cityweissenstein.ch Und so nehmen Sie teil: Telefon 0901 908 140 (CHF 1.–/Anruf vom Festnetz) SMS Schicken Sie ein SMS mit REBUS, Ihrer Lösung und Ihrer Adresse an die 530 (CHF 1.–/SMS) Beispiel REBUS ABFAHRT an 530 Chancengleiche WAP-Teilnahme ohne Zusatzkosten http://m.vpch.ch/SCH24525 (gratis übers Handynetz) Teilnahmeschluss Sonntag, 27. Mai 2012


leser

singt prima. Wir winkten und riefen ihm zu, leider kam er nicht zu uns hin. Wahrscheinlich wollen einfach ganz viele Mädchen jetzt etwas von Luca, darum ist er ein bisschen zurückhaltend, das verstehen wir.» Nina und Florence, Bern willi

Walter Roderer Der grosse Volksschauspieler ist am 8. Mai gestorben. Hier eine Aufnahme vom September 2009.

u Zum Tod von Walter Roderer,

SI 20/2012 «Eigentlich ist es ja traurig. Erst jetzt, wo Walter Roderer gestorben ist, werden seine Filme wieder gezeigt. Anderseits ist es sehr schön, überall in den Medien nochmals Roderers Karrierehöhepunkte bewundern zu dürfen. Er war auch für mich der wohl leider letzte wahre und grosse Volksschauspieler. Ruedi Walter, Margrit Rainer und Stephanie Glaser gehörten auch dazu. Jetzt sind alle tot. Aber ihre Filme werden wir weiterhin schauen, uns amüsieren und lachen.» T. Lauber, Volketswil ZH

«Sehr schön und würdig von der SchweizerIllustrierten-Redaktion, nochmals die

schönsten Stationen im Leben von Walter Roderer zu zeigen. Bei jedem Bild kann man innehalten und sich erinnern, was Rodi damals gemacht oder gesagt hat. Für mich hat er am allerbesten im KurtFrüh-Spielfilm ‹Oberstadtgass› gespielt. Einfach einmalig und unvergesslich sein überkorrekter Bünzli-Stil und sein näselnder Ostschweizer Dialekt. Rodi wird uns fehlen.» Nadine Kobler, per E-Mail In Bern gesehen! u Unterwegs mit Luca, SI 20/2012 «Meine Kollegin Florence und ich waren zufällig im Bahnhof Bern, als dort Luca Interviews gab. Wir gingen hin, schauten zu und waren mega happy, Luca live zu sehen. Er ist supernett, sieht gut aus und

schreiben sie uns ihre meinung Schweizer Illustrierte, Leserbriefe, Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Fax 044 - 259 86 22, E-Mail info@schweizer-illustrierte.ch. Anonyme Zuschriften werden nicht veröffentlicht. Die Redaktion behält sich vor, Briefe zu kürzen.

«Wir müssen auf unsere chinesischen Touristen Rücksicht nehmen. Darf ich Ihnen Herr Hu Wang, Ihren Nachfolger als Tell-Darsteller, vorstellen?»

impressum Nr. 21, 101. Jahrgang. Erscheint montags Beglaubigte Auflage 232 519 Exemplare ISSN 0036-7362 Abonnements-Dienst (Telefon gratis) 0800 820 920 Mo bis Fr: 7.30–18.00 Uhr, aboservice@ringier.ch Redaktion Schweizer Illustrierte, 8008 Zürich, Dufourstrasse 23, Tel. 044 - 259 63 63, Fax 044 - 259 86 22, info@schweizer-illustrierte.ch Geschäftsführer Zeitschriften Urs Heller Chefredaktor Stefan Regez MITGLIED DER Chef­redaktion Monique Ryser Bekanntgabe von namhaften Beteiligungen i. S. von Art. 322 StGB: Betty Bossi AG; Energy Schweiz Holding AG; Energy Bern AG; Energy Zürich AG; ER Publishing SA; Eventim CH AG; Geschenkidee.ch GmbH; Good News Productions AG; Goodshine AG; GRUNDY Schweiz AG; Infront Ringier Sports & Entertainment Switzerland AG; Investhaus AG; JRP Ringier Kunstverlag AG; 2R MEDIA SA; media swiss ag; Original S.A.; Previon AG; Presse TV AG ; Qualipet Digital AG; Ringier Africa AG; Ringier Studios AG; Rose d’Or AG; Sat.1 (Schweiz) AG; SMD Schweizer Mediendatenbank AG; SMI Schule für Medienintegration AG; Teleclub AG; The Classical Company AG; Ringier Axel Springer Media AG; Ringier France SA (Frankreich); Ringier Publishing GmbH (Deutschland); Juno Kunstverlag GmbH (Deutschland); Ringier (Nederland) B.V. (Holland); Ringier Kiadó Kft. (Ungarn); Népszabadság Zrt. (Ungarn); Ringier Pacific Limited (Hongkong); Ringier Print (HK) Ltd. (Hongkong); Ringier China (China); Ringier Vietnam Company Limited (Vietnam); Get Sold Corporation (Philippinen). Der Nachdruck sämtlicher Artikel und Illustrationen ist verboten. Für den Verlust nicht verlangter Reportagen übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.

Foto Marcel Nöcker

«Rodi wird uns fehlen»


Auf einen Espresso

Frank A. Meyer und Marc Walder

Über Schwächlinge und schwache Richter

Ich verstehe Sie ja, Frank A. Meyer. Aber ein Schweizer Gericht hat diesen Islamisten freigesprochen … … genau das ist es ja, was ich überhaupt nicht verstehe. In der Schweiz gilt Vergewaltigung in der Ehe als Verbrechen. Der Aufruf, die eigene Frau zu schlagen, wenn sie sich dem Sex verweigert, ist ein Aufruf zur Vergewaltigung in der Ehe, also Anstiftung zu einer Straftat. Deuten Sie Osmanoglus Bekenntnis zum Koran denn als Aufruf? Selbstverständlich! Der Mann ist Sekretär der Muslimischen Gemeinde Basel. Er ist also zumindest für die Muslime in seinem Sprengel eine Autorität. Wenn er öffentlich äussert, dass ein Mann seine Frau schlagen darf, hat das die Qualität der Anstiftung. Ich möchte auch gleich eine Koranstelle zitieren, wie sie seinen perversen Überzeugungen zugrunde liegt. Bitte. Ich zitiere Sure 2,223: «Eure Frauen sind euch ein Saatfeld. So kommt zu eurem Saatfeld, wann und wie ihr wollt.» Deutlicher geht es nicht. Die Stelle ist übrigens nicht ­interpretierbar, darf auch nicht interpretiert werden, denn Allahs Wort ist unantastbar, hat er doch den Koran ganz persönlich geschrieben. Nun sind wir an der gleichen Stelle wie schon oft, Frank A. Meyer: Das Gericht räumt Osmanoglus Religion einen höheren Stellenwert ein als unserem schweizerischen Gesetz. Zumindest scheint seine religiöse Überzeugung dem Basler Appellationsgericht als mildernder Umstand zu gelten.

Lieber Marc Walder, es gibt dumme Richter, wie es in jedem Beruf Dumme gibt. Damit müssen wir leben. Aber der Kultur­relativismus, wie er in diesem Urteil zum Ausdruck kommt, wird allmählich zum Problem. Erklären Sie! Vor allem Linke und Grüne, leider auch manche Liberale, predigen Toleranz gegenüber der Intoleranz. In diesem Fall aber ist Intoleranz nichts Abstraktes. Sie trifft Frauen. Und zwar sehr konkret: mit Schlägen. Mitten in unserer Gesellschaft, in der die Gleichstellung von Mann und Frau Gesetz ist. In der Welt des Aziz Osmanoglu dagegen ist folgende islamische Überlieferung Gesetz: «Wann immer der Ehemann mit seiner Frau Verkehr haben möchte, darf sie sich ihm nicht verweigern, auch wenn sie auf dem Rücken eines Kamels sitzt.» Für ihn stehen die Regeln von Koran, Über­lieferungen und Scharia unverrückbar fest: und damit die Minderwertigkeit der Frau. Deshalb ist das Basler Urteil auch ein Schlag ins Gesicht aller Schweizer Frauen. Die Unterdrückung der Frau ist für Sie das zentrale Problem des Islam? Alle Religionen sind ursprünglich Herrschaftsideologien: Sie dienten und dienen der Unterdrückung von Menschen, also auch von Männern. Vor allem in dem archaisch-gewalttätigen Glaubenskomplex des Islam, der für Gläubige bis heute bestimmend ist, geben die Männer ihre Unterdrückung an die Frauen weiter. Die Frauen sind die Opfer der Opfer. Sie dienen der Triebabfuhr schwacher Männlichkeit. Henry Dunant, Gründer des Roten Kreuzes, hat im 19. Jahrhundert festgehalten, dass sich der Stand einer Kultur immer an der Stellung der Frau ablesen lasse. Den Basler Richtern sei diese Erkenntnis ins Stammbuch geschrieben.  MARC Walder, 46, ist CEO der Ringier AG Frank A. Meyer, 68, arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin

Ihre Meinung interessiert uns: Diskutieren Sie mit – auf www.schweizer-illustrierte.ch

clever suchen. clever buchen.

Trinken Sie Ihren Espresso in Rom? Oder New York? Oder auf den Malediven?

Foto Thomas Buchwalder

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer: «Der Mann braucht Sex. Darum kann er seine Frau, wenn sie sich weigert, im Extremfall schlagen!» Für diese Auffassung stand Aziz Osmanoglu vor Gericht – und wurde freigesprochen. Was halten Sie von diesem Mann? Sagten Sie: Mann? Das ist doch kein Mann! Das ist eine jämmerliche Figur. Ein Schwächling. Ein Typ, der bereit ist, zuzuschlagen, wenn eine Frau ihm nicht zu Willen ist. So etwas erfüllt mich mit Zorn und Verachtung.


SI_2012_21  

People- und Lifestyle-Magazin

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