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Schweizermacher

Handarbeit David Rüegg (l.) und Dominik Lechmann von Zai setzen einen Testa-Ski zusammen. zu zögern, nimmt er Jacomets Ange­ bot an und zieht samt Familie zurück in die Schweiz. In der Zai-Werkstatt wird gefräst, gebohrt, geleimt, gepresst, geölt und ­poliert. Pro Tag entstehen lediglich zehn, im Jahr tausend Paar Ski. In der Mitte des Raumes werden Schicht für Schicht die Materialien zusammenge­ setzt: Rennbelag, Stahlkanten, Karbon­ fasern, am Schluss eine Holzoberfläche. Millimeterarbeit. Ein Mitarbeiter setzt den Skiboden, ein anderer die Skiober­ fläche zusammen. Die Maschine neben­ an presst die Bretter eine Stunde bei 100 Grad, der Ski kommt in Form. Zehn Angestellte arbeiten für Zai. Alle begeisterte Skifahrer und aus der Umgebung. Auch Jacomets Götti­ bueb Dominik, nebenher Strahler. «Mein Traumjob!», sagt er mit einem Lachen bis hinter die Ohrläppchen.

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Germanier schätzt die Loyalität der Bündner: «Bei unserem Team müssen wir keine Angst haben, dass Betriebs­ geheimnisse verraten werden.» Doch eine Besonderheit der Ski ist auch ohne In­siderwissen ersichtlich: das Material. Ausgefallenes Material. Holz, Kautschuk, Stahl – und sogar Stein. Calanca-Gneis aus den Bündner Alpen, ummantelt von Karbonfasern, verleiht Modell Spada – Schwert – seine dämpfenden und bieg­ samen Eigenschaften. Die Baustoffe benutzen die Macher nicht, um den Exo­ tenbonus zu steigern. «Hauptsache, sie machen den Ski besser», sagt Jacomet. Während er am Zeichnerpult in der hin­ tersten Ecke der Manufaktur eigenhän­ dig einen Prototyp zusammenbaut, schaut ihm hie und da ein Mitarbeiter über die Schulter. Nicht selten bekommt der Chef ein «Spinnsch!» zu hören. Besonders wenn das Design einmal

Zai Ski – Die andere bilanz

Warme Ohren Johanna strickt in Disentis Zai-Mützen.

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schweizer illustrierte

u Znünikultur Während der Pause geht das gesamte Team ins Freie, bei jeder Temperatur – und im Zai-T-Shirt. u Kafipause 40 Kaffees werden pro Tag von der zehnköpfigen Equipe getrunken. Acht davon von Jacomet und Germanier. u Ansprache Bei Zai duzen sich alle. Jacomet: «Wir sind hier alles Cheffa.» u Ungewöhnlichster Auftrag Ein Mediziner gibt Zai den Auftrag, den leichtesten Ski der Welt zu bauen. u Prominente Fans Schauspieler Antonio Banderas hat im PromiSkiort Aspen, USA, gleich drei Paar Zai-Ski gekauft.

mehr vom klassischen Ski abweicht. Wie bei Nezza, der vorne einen Riss hat und hinten aussieht wie ein Schwalben­ schwanz. Germanier, der Mann fürs Kal­ kulieren, muss die kreativen Auswüchse von Jacomet öfter bremsen. Dennoch: «Wir sind aufeinander angewiesen.» Das Material verursacht die gröss­ ten Kosten. Jacomet ergänzt: «Allein die Oberfläche eines unserer Ski kostet so viel wie bei anderen Herstellern ein gan­ zes Paar.» Im Vergleich zu den 3,5 Mil­ lionen Paar, die pro Jahr weltweit ver­ kauft werden, «ist Zai ein kleiner Furz», so Jacomet. Klein und flexibel genug, um sich hie und da mal eine Extravaganz zu leisten. Etwa als Jacomets Kinder nach einem Zai-Ski verlangten. Also gings am Wochenende ab in die Fabrik, und die Kids halfen mit, ihre Ski zu bauen. Oder als ein Kunde sein eigenes Holz im Ski verarbeitet haben wollte. Wer aber mit Diamanten besetzte Ski verlangt, wird abgelehnt. Jacomet: «Nur Luxus – das ist einfach nicht Zai.» Nach 60 Minuten in der Presse ist Modell Testa fertig. Preis: 3300 Franken, das günstigste Modell. Das teuerste kos­ tet 9800 Franken. Nach dem Pressen werden die Bretter ausgemessen, poliert und gehen – inklusive Bindung, Stöcke und Sack – in zwölf Ländern in den Ver­ kauf. Neben Ski gibts von Zai Skihelme, Anzüge, Sonnenbrillen und frisch ge­ strickte Mützen, direkt aus Disentis. Die «Capetschas» werden von Seniorinnen im Altersheim gestrickt. Und die lupfen den Altersdurchschnitt der jungen Trup­ pe: Anna ist mit 92 Jahren die älteste Mitarbeiterin und lismet – zaimässig zäh – Kappe um Kappe. 

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