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eishockey

Cap-Man erobert New York Sein Markenzeichen: die Schildmütze. Sein Status: jüngster Schweizer NHL-­Profi. Eishockey-Star nino niederreiter ist auf Long Island vor den Toren Manhattans die Teen­age-Sensation. Text iso niedermann Fotos marcel nöcker

S

o ein Leben als VIP hat schon seine Vorteile. Beispiel Fahr­ prüfung. Nino Niederreiter, 19, budgetiert dafür ein Minimum an Zeit: «Das ist in fünf Minuten erledigt. Da profitiere ich sicher von meinem Status als NHL-Profi.» Fahrstunden? Überflüs­ sig. «Teamkollege Mark Streit lässt mich ab und zu ans Steuer seines Autos.» Der Fahrausweis ist einer von zwei grossen Schritten zur neuen Unabhän­ gigkeit des Nino Niederreiter im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Bis jetzt musste er regelmässig die Chauf­ feurdienste seines Landsmanns Streit in Anspruch nehmen. Nur die gelegentli­ chen Ausflüge von Uniondale auf Long Island in die 30 Kilometer entfernte New Yorker City unternimmt Niederreiter praktischerweise sowieso mit dem Zug. Zweiter Quantensprung wird sein, wenn er aus dem Hotel unmittelbar neben dem Islanders-Stadion Nassau Coliseum in eine eigene Wohnung um­ zieht. Das dürfte der Fall sein, sobald ­definitiv feststeht, dass Niederreiter die Saison bei den Islanders in der NHL be­ streitet. Woran kaum jemand zweifelt. Nino selbst sagt: «Ich habe vom Klub starke Signale erhalten, dass sie jetzt auf mich setzen.» Und Islanders-Captain Mark Streit, ein Mann mit Einfluss in der Organisation, bestätigt: «Ich habe mich mit General Manager Garth Snow mehr­ mals über Nino unterhalten. Man ist ex­ trem beeindruckt von den Fortschritten, die Nino auf diese Saison hin gemacht hat, sowie von seiner professionellen Einstellung.» Und von den Gardemassen,

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schweizer illustrierte

die der Bündner inzwischen hat: 1,85 Me­ ter Grösse, 92 Kilo. Dass er die ersten Saisonspiele wegen einer Leistenverletzung verpasst, ärgert Niederreiter zwar. Vor allem auch deshalb, weil Mutter Ruth, eine Hebam­ me, Vater René, ein Schlosser, sowie die Geschwister Lorena, 23, und Romina, 21, auf den Startmatch hin extra aus dem heimischen Chur nach New York reisten. Und ihn dann nicht im Einsatz sahen. «Doch auf die paar Wochen kommts wirklich nicht an. Ich darf nicht unver­ schämt werden angesichts dessen, was ich bisher schon erreicht habe.» Und das ist tatsächlich ungewöhnlich viel für ei­ nen seines Alters. Als Junior beim EHC Chur gross geworden, wechselt er mit 14 zum HC Davos. Er schmeisst – nicht

Selbstbewusst Niederreiter posiert auf einem Klubfahrzeug am North Shore von Long Island.

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