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25. Juli 2011 CHF 4.50

In tiefer Trauer Das norwegische Kronprinzenpaar Mette-Marit und Haakon mit Prinz Sverre Magnus gedenken der mehr als 90 Opfer der Anschläge in Oslo und Utöya.

Massaker in Norwegen

Ein Land weint um seine Kinder Die Opfer. Der Täter. Die Bilder des Grauens. 22 Seiten


tagebuch

Leben mit dem Unfassbaren Warum?

Nik Niethammer, Chefredaktor

«Er kam aus dem Nichts», sagt ein norwegischer Polizist Stunden nach dem Massaker von Oslo und Utöya. Anders Behring Breivik kam aus dem Nichts und tötete mehr als 90 Menschen. Kinder. Jugendliche. Frauen. Männer. Eiskalt. Gnadenlos. Die Tat ist ohne Beispiel. Sie ist unfassbar, sie übersteigt unsere Vorstellungskraft. Als ich am Freitagabend die Meldungen aus Norwegen hörte, war mein erster Gedanke: Die Terrororganisation Al Kaida hat wieder zugeschlagen. Am Samstagmorgen dann die Nachricht, die uns vollends fassungs­ los macht: Ein junger Norweger hatte sein eigenes Land angegriffen. Er hatte den Bombenanschlag in Oslo kaltblütig und jahrelang geplant und schliesslich umgesetzt. Mit dem Ziel, politisch engagierte Jugend­ liche in einem Sommerlager zu töten. Dem Land möglichst grosse Schmerzen zuzufügen. Wie kann ein Mensch das tun? Wie gross muss sein Hass auf die Gesellschaft, die Politik, die Behörden sein? Während ich diese Zeilen schreibe, werden immer neue, unfassbare Einzelheiten über den Todesschützen bekannt. Über­ lebende schildern, wie der Attentäter gezielt auf Jugendliche schoss. Und wie er nach jedem tödlichen Schuss jubelte. Auf Facebook präsentiert sich Anders Behring Breivik als netter Nachbar von nebenan: blond, smart, blauäugig. Breivik ist einer von uns. Aus der Mitte der Gesellschaft. Seit Freitag weint ein Land um seine Kinder. Die Idylle ist zerstört. Norwegen. 4,9 Millionen Einwohner. Gesegnet von grossem Wohlstand, rekordverdächtig niedriger Arbeitslosigkeit und einer Gesellschaft, die geprägt ist von Toleranz und Offenheit. Und trotz­ dem gibt es diese radikale Unzufriedenheit. Warum? «Die Antwort auf Gewalt ist mehr Demokratie, mehr Mensch­ lichkeit, aber nicht mehr Naivität», sagt der norwegische Minister­ präsident Jens Stoltenberg. Der 22. Juli ist kein 11. September. Es geschah kein Attentat, auf das wir mit militärischer Offensive reagieren können. Der 22. Juli erinnert uns daran, dass Anschläge überall passieren können. Dass wir mit dem Bösen unter uns leben müssen. Auch in einem auf den ersten Blick intakten Land wie Norwegen. Oder der Schweiz. Der Massenmörder, der aus dem Nichts kam – ab Seite 4. Ich wünsche Ihnen eine ruhige Woche mit Ihrer Schweizer Illustrierten! PS: Hohe Auszeichnung für die iPad-App der Schweizer Illustrierten: Sie ist laut iMonitor-Ranking von McPheters & Company eine der zehn besten Medien-Applikationen der Welt! Die New Yorker Firma analysierte mehr als 1600 Apps aus mehr als 50 Ländern. Es ist das umfassendste und angesehenste Ranking von MedienApps für das iPad. Die SI-App rangiert zusammen mit so klingenden Namen wie «El País», «USA Today» und «The Wall Street Journal» auf der Liste der Bestbewerteten. Die SI-App gibts gratis im iTunes-Store, für die aktuelle Ausgabe zahlen Sie 4.40 Franken.

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Dieser Massenmord erschüttert die Welt. Anders Behring Breivik zündet eine Bombe in Oslo und ermordet auf einer Ferieninsel mindestens 85 Jugendliche. Der Täter, die Überlebenden, die Hintergründe.

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«Ich töte eu schweizer illustrierte


Jagd auf den Mörder Ein Sonderkommando der Polizei stürmt die Insel Utöya. Mit Tränengas ausser Gefecht gesetzt, lässt sich der Schütze widerstandslos festnehmen. Am Ufer verstecken sich noch immer Jugendliche in Todesangst.

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Fotos Jan Bjerkeli / AFP, Scanpix / Reuters

Täter Der Norweger Anders B. Breivik, 32, kam aus dem Nichts. In Oslo zündet er am Freitag, dem 22. Juli 2011, eine Bombe, auf der Insel Utöya erschiesst er 85 Jugendliche.

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Gewaltig Die Bombe hat grosse Teile des Regierungsviertels in Oslo zerstรถrt. Passanten leisten den Verletzten Erste Hilfe.


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u Am Freitagnachmittag, 22. Juli 2011, Punkt 15.26 Uhr detoniert in Oslos Innenstadt, mitten im Regierungsviertel, ein Sprengkörper. Gezündet, sehr wahrscheinlich, von Anders Behring Breivik. Die Wucht der Detonation ist gewaltig. Im Umkreis von vielen Hundert Metern bersten Fensterscheiben. Das 17-stöckige Regierungsgebäude ist teilweise zerstört. Und überall liegen Verletzte und Tote. Mindestens sieben Menschen fallen dem Bombenterror zum Opfer, und noch, so befürchtet die Polizei, sind nicht alle Leichen gefunden. Viele Osloer sagen, es sehe hier aus wie im Krieg. Das Foto zeigt, wie sich Minuten nach dem Anschlag Passanten um blutüberströmte Verletzte kümmern.

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Foto Per Thrana / Reuters

Tote, Verletzte, Trümmer: Wie im Krieg

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Fotos Thomas Winje Oijord / Scanpix / Reuters (2), Morten Holm / Scanpix / Reuters, Christopher Olsson / Reuters

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Menschlichkeit im grössten Elend u Die Einwohner Norwegens nennen ihre Heimat stolz «annerledes land» – das andere Land. Und meinen damit, wie friedlich, schön, tolerant und gerecht sie es doch haben. Dieser Traum ist nun jäh zerstört worden, eine bislang heile Welt liegt in Trümmern. Menschen sind tot oder verletzt, die Seele einer Nation blutet. Und gerade wir Schweizerinnen und Schweizer leiden besonders mit. Weil uns Norwegen in manchen Dingen so ähnlich ist, weil wir viele Werte mit dem Nordland teilen. Doch gerade jetzt, wenn das Paradies zur Hölle wird, zeigen die Norweger, wie sehr sie zusammen­ halten. Die Menschen helfen einander, verarzten Wunden, trauern zusammen und trösten sich gegenseitig.

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Davongekommen Aus den Trümmern eines Hauses im zerbombten Regierungsviertel taumeln ein Mann und eine verletzte Frau.

Chaos Blutüberströmt wird diese Frau zu einer Sanitätsstelle geführt. Die Gesichter von Helfer und Opfer sprechen Bände.

Jeder packt mit an Ein Polizist und seine Kollegin bergen, mit der Hilfe eines Fotografen, eine schwer verletzte Frau.

Nur weg hier! Ein Mann bringt eine blutende Frau in Sicherheit. Vor allem durch Glassplitter sind viele Menschen verletzt worden.


Keine Chance, dem Täter zu entrinnen u 560 Kinder und Jugendliche befinden sich am Nachmittag des 22. Juli auf Utöya, als Anders Behring Breivik von einem Boot auf die Insel gefahren wird. Er hat sich als Polizist verkleidet, trägt eine Tasche mit zwei Waffen und Hunderten von Patronen mit sich und behauptet, über das Bombenattentat in Oslo informieren zu wollen. Als sich die Jugendlichen versammeln, fängt er an zu schiessen. Einige verbarrikadieren sich in Zimmern, andere stellen sich tot. Jene, die versuchen zu fliehen, jagt Breivik gnadenlos, er lockt sie gar mit Tricks hinter den Felsen hervor. Einige stürzen sich ins 15 Grad kalte Wasser, um ans Festland zu gelangen. Vielen gelingt die Flucht nicht. Am Ende sterben 85 Jugendliche im Kugelhagel des Attentäters.

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Foto Fabrizio Bensch / Reuters

Grauenhaft Am Ufer des Tyrifjords, auf der Insel Utรถya, liegen zugedeckte Leichen zahlreicher erschossener Jugendlicher.

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Wer überlebt, wird nie vergessen können u Am gegenüberliegenden Ufer der Insel Utöya spielen sich dramatische Szenen ab. Eineinhalb Stunden hat es gedauert, bis Rettungssanitäter und Polizei vor Ort sind. Bis zu diesem Zeitpunkt hat Anders B. Breivik auf der Ferieninsel bereits 85 Jugendliche erschossen und Dutzende verletzt. Die Polizei muss später eingestehen, dass sie Mühe bei der Beschaffung eines Bootes hatte. Nur dank der Hilfe von mehreren Bootsbesitzern ist die Zahl der Opfer nicht noch höher. Unter Lebensgefahr fahren sie von Ufer zu Ufer und beladen ihre kleinen Boote mit so vielen Jugendlichen wie möglich. Später findet die Polizei auf der Ferieninsel einen Sprengsatz, der nicht explodiert ist.

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Foto Svein Gustav Wilhelmsen / AFP

Überlebt Rettungssanitäter stützen eine junge Frau mit Schussverletzung.


Trauer Angeh旦rige von Opfern nehmen vergangenen Samstag, am Tag nach dem Attentat, an einer Gedenk足 feier in der Kathedrale von Oslo teil.

Stilles Gedenken In Oslos Innenstadt werden Blumen nieder足 gelegt und Kerzen angez端ndet.


massaker in norwegen

Fotos Wolfgang Rattay / Reuters (2), Grott Vegard / Scanpix / AP / Keystone

Königliche Gefühle Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit besucht am Freitag eine Gedenkfeier für die Opfer. Auch sie kann ihre Tränen nicht zurückhalten.

Der Schmerz vereint die Menschen u Und plötzlich sind sie alle gleich. Egal, ob Kronprinzessin, König, Ministerpräsident oder Normalbürger – die Norweger trauern und zeigen das auch: Niemand schämt sich seiner Tränen, keiner masst sich an, das Unfassbare erklären zu wollen. Ein ganzes Volk ist traumatisiert, wütend und entsetzt. Und wo Worte fehlen, helfen Zeichen und Gesten: Blumen werden niedergelegt, Kerzenmeere erleuchten Oslos Innenstadt. Je mehr Schmerz, desto näher rücken die Menschen zusammen. Nur gemeinsam lässt sich so viel Schreckliches bewältigen. Unser Land, sagen viele, wird nie mehr das gleiche sein wie vorher. Andere betonen, niemand werde sich durch Bomben zum Schweigen bringen lassen.

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Am Tag vor dem Massaker Der norwegische Aussenminister Jonas Gahr Stoere (4. v. l.) besucht das Jugendlager in Utöya. Neben ihm Eskil Pedersen, Chef der sozial­ demokratischen Jugendorganisation. Noch ist die Welt in Ordnung.

Ein Paradies w «Norwegen steht unter Schock» Elmar Jung ist NorwegenKorrespondent und schreibt unter anderm für «Die Welt» und «Financial Times Deutschland». Text Elmar Jung

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rei Tage nach dem Attentat des 32-jährigen Norwegers Anders Behring Breivik steht das Land immer noch unter Schock. Szenen, wie sie

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sich am Freitag im Osloer Regierungsviertel, aber vor allem auf Utöya, einer Insel etwa 100 Kilometer nordwestlich von Norwegens Hauptstadt, abgespielt haben, sprengen die Vorstellungskraft der Bewohner des Landes. Mehr als 90 Menschen kamen bei dem Doppelanschlag ums Leben, die meisten von ihnen in einem Blutbad, das der inzwischen geständige Breivik unter Jugendlichen in einem sozialdemokratischen Ferienlager angerichtet hat. Das Attentat trifft die norwegische Gesellschaft mit ihrem Verständnis von Offenheit und Toleranz derart ins Herz, dass sie sich wohl nie wieder ganz

davon erholen wird. Von Unschuld ist die Rede, die das Land durch das grausame Attentat verloren habe. Und in der Tat ist es keine Übertreibung, wenn Norwegens Regierungschef Jens Stoltenberg das Massaker als «nationale Tragödie» einstuft und sagt, dies sei die schlimmste Kata­strophe, die sein Land seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt habe. In Polizeiuniform und schusssicherer Weste ruft Breivik die Jugendlichen auf der Insel Utöya zusammen, um sie über die selbst in Gang gesetzte Bombenexplosion im Herzen von Oslo zu informieren. Dann schiesst er in die Menge. Eini-

Fotos Vegard Grott / Scanpix / Reuters, Fabrizio Bensch / Reuters

Die Dimension ist unbegreiflich, die Brutalität nicht nachvollziehbar. Von Unschuld ist die Rede, die Norwegen durch Anders B. Breivik verloren habe. Das Attentat trifft das land ins Herz.


Schock, Trauer, Wut In und um ein Hotel in Sundvollen versammeln sich Überlebende und Angehörige der Opfer. Auch König Harald und Königin Sonja kommen hierher, um Trost zu spenden.

ird zur Hölle ge Opfer versuchen, sich tot zu stellen. Doch der Täter schiesst vielen nach einem ersten Schuss zusätzlich noch einmal in den Kopf, wie Augenzeugen berichten. Mehr als eine Dreiviertelstunde soll das Massaker gedauert haben. Im Wasser treiben die Leichen vieler, die versucht haben, sich in Sicherheit zu bringen. Es ist diese unbegreifliche Dimension des Attentats, die nicht nachvollziehbare Brutalität und Kälte, mit der Breivik seinen Plan in die Tat umgesetzt hat, die Norwegens Gesellschaft in Fassungslosigkeit erstarren lässt. Die ins norwegische Idyll wohlfahrtsstaatlichen Miteinanders gerissene Wunde ist frisch, der Schmerz hell und stechend. Und es wird noch eine Weile dauern, bis man fähig sein wird, die Paralyse abzuschütteln und die Folgen des Anschlags für das Land in ihrem ganzen Ausmass abschätzen zu können. «Die Antwort auf Gewalt ist mehr Demokratie, mehr Menschlichkeit, aber nicht mehr

Naivität», sagte Ministerpräsident Stoltenberg auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Justizminister Knut Storberget. Norwegen sei eine kleine, aber stolze Nation. «Niemand wird uns mit Bomben zum Schweigen bringen. Niemand wird uns mit Kugeln zum Schweigen bringen.» Wichtige Worte des Regierungschefs, die zeigen, dass Norwegen auch schon zu diesem frühen Zeitpunkt gewillt ist, die Tat als das zu verstehen, was sie wirklich ist: nämlich als einen Anschlag, der sich gegen das politische System und die gesellschaftlichen Verhältnisse des Landes richtet. Vieles deutet darauf hin, dass dieser junge Norweger politische Motive hatte – im Unterschied zu den Amokläufern an amerikanischen, finnischen oder auch deutschen Schulen in den letzten Jahren. So suchte sich Breivik bewusst die Insel Utöya, die seit Jahrzehnten fest in sozialdemokratischem Besitz

ist, für sein Attentat aus. Während der Sommermonate kommen hier politisch engagierte Jugendliche zusammen, um miteinander zu diskutieren sowie die Parteigrössen zu treffen. Wenige Stunden vor dem Blutbad hatte die ehemalige Regierungschefin Gro Harlem Brundtland die Jung-Sozialdemokraten besucht, für Samstag war eine Visite von Minister­ präsident Stoltenberg geplant, der als aufstrebender Jungpolitiker selbst oft auf Utöya war, dem «Paradies meiner Jugend, das zur Hölle wurde». Die Bombe liess der Täter im Herzen von Oslo hochgehen, zwischen Akersgata und Grubbegata. Dort sind auch der Oberste Gerichtshof und das Büro des Regierungschefs sowie die Redaktion der Boulevardzeitung «VG». Der Täter, getrieben von blindwütigem Hass und kaltem Tötungswillen, wollte auch das politische Establishment seines Landes treffen. Als «grausam, aber notwendig» bezeichne- u schweizer illustrierte

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u te Breivik seine Tat selbst und kündigte

an, mit der Polizei kooperieren und sich in ein paar Tagen selbst erklären zu wollen. So sieht kein klassischer Amokläufer aus, der sich am Ende selbst richtet, um dem Zugriff der Justiz zu entgehen. Stattdessen ist davon auszugehen, dass Breivik eine Bühne suchte, um seine Beweggründe, seine Botschaft in die Welt hinauszudeklamieren. Beobachter fürchten, dass ein bevorstehender Prozess ihm genau diese Bühne liefern könnte. Die Aufarbeitung der Geschehnisse wird schmerzhaft sein für ein Land, das nicht versteht, wie es derart gehasst werden kann. Wie konnte es dazu kommen? Gerade Norwegen, ähnlich wie die Schweiz gesegnet mit grossem Wohlstand, niedriger Arbeitslosigkeit, satten Staatsüberschüssen und einer Gesellschaft, die Offenheit und Integration lebt und sozial Schwache nicht links liegen lässt, bietet kaum eine Angriffsfläche für Unzufriedenheit und Zorn. Sollte man meinen. Und so dominiert vor allem bei Beobachtern aus dem Ausland die Überraschung darüber, dass es ausgerechnet Norwegen, diese Insel der Glückseligen, getroffen hat. Doch ein Blick unter die flauschige Decke des Wohlfahrtsstaates offenbart, dass das Nicht-EU-Mitglied Norwegen

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trotz einer homogenen Gesellschaft keine Ausnahme darstellt, was die soziale Sprengkraft angeht, sondern die Regel. Ähnlich wie in der Schweiz, aber auch in den Niederlanden, Dänemark, Schweden und Finnland feiern auch in Norwegen Rechtspopulisten seit Jahren grosse Wahlerfolge. Bei der Parlamentswahl im Herbst 2009 kam die rechtskonservative Fortschrittspartei unter ihrem Vorsitzenden Siv Jensen auf mehr als 20 Prozent der Wählerstimmen. Ähnlich wie Geert Wilders’ Partei für die Freiheit in den Niederlanden, Pia Kjaersgaards Volkspartei in Dänemark, aber auch Christoph Blochers SVP schürt sie die Angst vor (islamischer) Überfremdung und kämpft gegen eine multikulturelle Gesellschaft. Bis 2006 soll der Norweger Anders Behring Breivik Mitglied ebendieser Fortschrittspartei gewesen sein, ehe er ihr aus Enttäuschung den Rücken gekehrt hatte, weil ihm die restriktive Zuwanderungspolitik als noch zu lasch erschien. Auch er hat gegen die führenden Sozialdemokraten Stellung be­zogen, die eine liberale Zuwanderungs­ politik und eine offen-multikulturelle Gesellschaft verteidigen. Religiös verbrämte und mit christlich-fundamentalistischem Gedankengut unterfütterte Ideologien sind seit Jahren

auch unter der Oberfläche der skandinavischen Wohlfahrtsstaaten zu finden. Doch anders als in der Schweiz oder Dänemark, wo die gemässigteren Vertreter dieser Ideologien inzwischen Zugang zu politischer Mitbestimmung gefunden haben, fehlt in Norwegen dieses Ventil. Davon ist auch Asle Toje überzeugt. Der Mann, den seine Kritiker das intellektuelle Feigenblatt der Rechten nennen, ist das bürgerliche Antlitz der rechtspopulistischen Fortschrittspartei Norwegens, die sich für weniger Staat und mehr Eigenverantwortung, aber auch für eine rigide Asylpolitik einsetzt und sogenannte Wohlstandsflüchtlinge lieber heute als morgen aus dem Land haben will. Und die sich ausgegrenzt fühlt vom «linken Establishment», wie es Toje nennt. Die Leute der sozialdemokratischen Arbeiterpartei sässen überall an den Schalthebeln der Macht. Sie bestimmten den kulturellen und politischen Diskurs im Land. Mit etwas Wehmut blickt Toje auf Dänemark, wo Anders Fogh Rasmussen mit seinem Regierungsantritt 2001 unter Duldung der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei Schritt für Schritt den gesellschaftlichen Konsens von einem heimeligen Wohlfahrtsstaat aufkündigte und das Land von Grund auf umkrempel-

Fotos Morten Edvardsen / Scanpix / Reuters, Odd Andersen / AFP / Getty Images, HO / Privat

Traumatisiert Rettungskräfte und Sanitäter begleiten Überlebende aufs Festland. Viele haben stundenlang in ihren Verstecken ausgeharrt.


Tief bewegt Norwegens Premier Jens Stoltenberg umarmt Eskil Pedersen, Chef der der sozialdemo­ kratischen Jugendorganisation.

«Er wollte die Elite auslöschen» Claudia Debrunner, 46, Präsidentin des Schweizer Klubs Norwegen. Sie ist mit einem Norweger liiert und hat drei Kinder im Alter zwischen 12 und 21 Jahren.

Die Aufarbeitung wird schmerzhaft. Norwegen versteht nicht, wie es derart gehasst werden kann te. Norwegen hingegen sei immer noch zu benebelt von all den Petrodollars aus dem Ölgeschäft, als dass es sich bisher über einen radikalen Kurswechsel hätte Gedanken machen müssen. Es geht gegen einen «Kulturmarxismus», den die Rechte in Norwegen in der Gesellschaft, in den Medien, aber vor allem auch in der sozialdemokratischen Arbeiterpartei ausgemacht haben will. Die freundschaftlichen Beziehungen Norwegens zu sozialistischen Regierungen wie in Venezuela, das offene Sympathisieren des politischen Establishments mit der palästinen­ sischen Sache und die vor allem von Jugendlichen der norwegischen Arbeiterbewegung zur Schau gestellte Abneigung gegen Israel schüren seit Jahren den Hass der Rechten auf die bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Es wird wichtig sein für Norwegen, zu verstehen, dass die gedanklichen Wurzeln des 32 Jahre alten Attentäters Anders Behring Breivik genau in diesem Milieu liegen. Auch wenn es von solchen politischen und ideologischen Überzeugungen bis zu der unfassbaren und menschenverachtenden Tat vom Freitag ein weiter Schritt ist, der ohne eine gewisse psychischen Disposition nicht getan werden kann.

Norwegen wird versuchen, an seiner Tradition des moderierenden Stils in Gesellschaft und Politik anzuknüpfen. Vorwürfe an das gegnerische Lager, Schuldzuweisungen und ein unversöhn­ liches Gegenüberstehen der politischen Blöcke soll es nicht geben. Das Land will festhalten an seinem Verständnis von einer offenen Gesellschaft, in der es führenden Politikern möglich ist, sich ohne nennenswerten Personenschutz in der Öffentlichkeit zu bewegen. Es herrscht aber auch eine grosse Angst, dies nicht realisieren zu können. Vielmehr dürften die Folgen für die norwegische Gesellschaft die gleichen sein, die das Attentat auf den sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Olof Palme im Jahr 1986 für die schwedische hatte, wo eine umfassende Debatte über Sicherheitsfragen ausgelöst und der teils naive Glaube an das Gute im Menschen schwer erschüttert wurde. Norwegens Aussenminister Jonas Gahr Störe sagte bereits kurz nach den Anschlägen, sein Land werde auch in Zukunft das bleiben, was es einmal war. Es klang mehr wie ein Appell als nach Gewissheit. Denn der Tatsache eines Vor- und eines Nachhers wird sich auch Norwegen nicht entziehen können.  

Frau Debrunner, was dachten Sie im ersten Moment, als Sie von der Bombenexplosion hörten? Dass es sich um einen Anschlag von einer Ausländergruppierung handelt, der gegen eine Zeitung gerichtet ist – so à la Mohammed-Karikaturen-Affäre in Dänemark. Meine Tochter Lena war zu diesem Zeitpunkt im Fährhafen am Arbeiten. Sie dachte, der Knall komme von der Kollision zweier Kreuzfahrtschiffe oder einem Flugzeugabsturz. Mit einem derartigen Ereignis hätte nie und nimmer jemand gerechnet. Es leben rund 2500 Schweizer in Norwegen. Gibt es Direktbetroffene? Ich habe von keinem gehört. Sie wohnen seit 1996 in Oslo – kennen Kultur und Gesellschaft wie eine Einheimische. Wie verändert dieser Anschlag das Land? Das ist schwer abschätzbar. Es ist aber wichtig, dass der Täter gefasst ist – dass man seine Motive kennt. Wäre es ein Anschlag von aussen gewesen, hätte das vermutlich eine umfassende nationale Unsicherheit ausgelöst. Der Täter kommt aus dem rechten Lager. Wie ausgeprägt ist dieses Gedankengut in Norwegen? Überhaupt nicht – seit zehn Jahren hat man kaum mehr etwas davon gehört. Damals wurde ein ausländischer Junge im Osloer Quartier Holmlia von Rechts­ radikalen ermordet – eine feige und willkürliche Tat. Es ging ein Aufschrei durchs ganze Land. Friedensmärsche und Demonstrationen fanden statt – und man ging massiv gegen diese Szene vor. Seither herrschte Ruhe. Die jetzige Tat war alles andere als willkürlich. Das ist das Unfassbare und Schreckliche daran. Der Täter ging mit Planung und grausamer Kaltblütigkeit vor. Unvorstellbar. Das Jugend-Camp der Arbeiterpartei besitzt eine grosse Bedeutung. Dort treten angehende Spitzenpolitiker auf. Es war das Ziel des Täters, die zukünftige politische Elite des Landes auszulöschen.

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Flucht Auf der Wasseroberfläche sind Jugendliche zu sehen, die von der Insel wegschwimmen ans 600 Meter entfernte Festland.

«Papa, ich lebe n Auf der Insel Utöya tötet Anders B. Breivik mindestens 85 Jugendliche. Die Überlebenden berichten, was sie erlebt haben und wie sie geflüchtet sind. Wer gestorben ist, wer überlebt hat – ist Zufall. Oder Schicksal.

A

m 14. Juli, acht Tage vor dem Massaker, schickt Adrian Pracon einen letzten Aufruf per Twitter heraus: «Sommerlager der AUF auf Utöya. Noch nicht angemeldet?» Der 21-jährige Pracon ist einer der Organi­ satoren des traditionellen Ferien­camps der sozialdemokratischen norwegi­schen Jugendorganisation AUF. Lediglich 500 Meter lang und 300 Meter breit ist die Insel im Tyrifjord. Im Wasser tummeln sich Forellen, Hechte und Krebse – ein Ferien- und Anglerparadies. Mit der Buslinie 171 fährt man von Oslo in nur 50 Minuten zur Insel. 560 Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren verbringen diesen Juli un­ beschwerte Tage auf Utöya, sie diskutieren, debattieren, treffen Parteigrössen und trainieren das politische Handwerk

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der Sozialdemokraten. Aber auch tanzen, spielen und flirten ist angesagt, nur Alkohol ist hier verboten. Übernachtet wird in Zelten oder in einfachen Zimmern, vier Tage inklusive Mahlzeiten für umgerechnet 150 Franken. Utöya ist beliebt, begehrt, ein wunderschöner Ort, Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg nennt die Insel «ein Paradies». Freitag, 22. Juli, auf Utöya ist es kühl, bewölkt bei 18 Grad, immerhin regnet es nicht. Der Fjord mit 15 Grad Wassertemperatur etwas gar frisch zum Baden. Camp-Organisator Adrian Pracon erfährt in den Nachmittagsstunden vom Bombenanschlag in Oslo. Man will die Jugendlichen informieren, versammelt alle in einem grossen Raum im Haupthaus. Es heisst, ein Polizist sei eben auf der Insel eingetroffen. Zur Sicherheit,

zum Schutz. «Das ist gut», denkt Pracon. Da steht er, der Polizist, in Uniform mit schusssicherer Weste, gross, blond, bewaffnet, es ist Anders Behring Breivik. Er trägt eine Glock-Pistole und ein Gewehr. Er winkt die Jugendlichen zu sich heran, tut so, als wolle er sie informieren. Dann hebt er seine Waffen und beginnt zu schiessen. Zur gleichen Zeit liegt der 16-jährige Edvard Foernes in seinem Zelt und döst vor sich hin. Es fallen Schüsse, Edvard denkt an ein Feuerwerk. Freunde stürmen ins Zelt, reissen ihn heraus, Edvard sieht Jungen und Mädchen herumliegen, blutüberströmt. Da sieht er den Schützen – ein Polizist? Dieser ruft: «Kommt und spielt mit mir …!» Noch mehr Schüsse, alle schreien, rennen weg, auch Edvard. Er hetzt zum Ufer


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der Insel. Das rettende Festland ist 600 Meter weit weg. Auch die drei Freunde Marius, Mats und Jostein flüchten ans Ufer der Insel. Sie haben zusehen müssen, wie der Täter ein Mädchen erschoss, einfach so, kaltblütig, seelenruhig. Andere Jugendliche beobachten, wie sich der Mann über die niedergeschossenen Menschen beugt und noch lebende mit einem Kopfschuss tötet. Marius, Mats und Jostein rennen ins Wasser, schwimmen los, Marius muss umkehren, seine dicke Kleidung saugt sich mit Wasser voll, wird viel zu schwer. Er watet zu einer Grotte, versteckt sich darin. Und wartet und zittert und hofft. Khamshajiny Gunaratnam, Kamzy genannt, ist trotz ihren erst 23 Jahren schon ein Politprofi und kandidiert für das Stadtparlament Oslo. Sie hört Schreie und Schüsse und versteckt sich in der WC-Anlage der Insel. Als die Schüsse immer näher kommen, stellt Kamzy ihr Handy auf lautlos und huscht davon, durch die Kiefernwäldchen, über Felsen, sie hilft einem Mädchen mit gebrochenem Knöchel, dann steht sie am Wasser. «Lieber ertrinken, als erschos- u

Fotos Jan Bjerkeli / AFP, Mattis Sandblad / Verdens Gang / Scanpix, dapd, HO (2), Mohammed F. Basefer

och» Überlebt Foto oben: Jostein, Mats, Marius (v. l.). Rechts: Khamshajiny Gunaratnam. Links: Edvard Foernes. Unten links: Prableen Kaur. Unten rechts: Adrian Pracon.

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Fotos Lasse Tur / Reuters, Farten Rudjord / AP / Keystone, Privat

Utöya Seit 1950 ist die Insel im Besitz der norwegischen Jungsozialisten. Jeden Sommer findet hier ein Camp statt, wo die Jugendlichen das Abc der Politik lernen. sen zu werden», denkt Kamzy und schwimmt los. Auch Prableen Kaur will ins Wasser flüchten. Sie steht am Ufer, hat eben ihre Mama angerufen und gesagt, wie lieb sie sie hat. Dem Vater schickt sie eine SMS: «Ich liebe dich, Papa.» Dann steht er da, dieser Mann, er sagt, er sei von der Polizei. Einige Jugendliche schreien ihn an: «Beweisen Sie es!» Der Mann schiesst, lädt sein Gewehr nach, schiesst weiter und schreit: «Ich bringe euch alle um! Alle müssen sterben!» Andere Jugendliche werden später zu Protokoll geben, der Mörder sei herumstolziert wie ein Bösewicht aus einem Nazi-Film. Viele erinnern sich an sein Schnaufen, an die belegte Stimme. Prableen Kaur fällt am Ufer zu Boden und stellt sich tot. Ihr Handy klingelt. Sie rührt sich nicht. Eine SMS kündigt sich bimmelnd an, Prableen bleibt regungslos liegen, wie tot. Der Mann schiesst weiter. Zwei Körper fallen auf Prableen. Jetzt nimmt er mich, denkt sie und betet. Dann hören die Schüsse auf. Ist der Mann weg? Eine Stunde bleibt Prableen noch liegen, bis sie es wagt, die Augen zu öffnen. Der Schütze ist fort, neben ihr und auf ihr liegen tote Körper. Prableen stolpert ins Wasser, weg, nur weg hier. Sie ist keine gute Schwimmerin, schnell wird sie müde, das kalte Wasser, der Schock. Sie versinkt, taucht wieder auf, rudert mit den Armen, weint, schreit um Hilfe – und dann ist da plötzlich dieses

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Boot. Ein Boot voller nasser Jugend­ licher mit verzweifelten Gesichtern. Sie ziehen Prableen an Bord und fahren zum Festland. Ein Mann reicht ihr eine Wolldecke und sein Handy. Prableen ruft zu Hause an: «Papa, ich lebe noch.» Viele Jugendliche überleben an diesem Tag, weil sie sich ins Wasser geflüchtet haben. Edvard Foernes schafft es schwimmend bis zum 600 Meter entfernten Festland. Khamshajiny Gunaratnam wird von einem Boot aufgefischt, auch Mats und Jostein haben dieses Glück. Ihr Freund Marius, der sich in der Grotte versteckte, wird erst Stunden später von Anglern gefunden und in Sicherheit gebracht. Auch Adrian Pracon, der Mitorganisator des Jugendcamps, überlebt das Massaker. Er wird angeschossen, eine Kugel steckt in seiner Schulter, aber er flüchtet und schwimmt los in Richtung Festland. Doch die Verwundung lähmt ihn so sehr, dass er umkehren muss. Am Ufer trifft er wieder auf den Mörder, auf Anders Behring Breivik, dieser zielt mit dem Gewehr auf Adrians Kopf. Er habe den Mann angefleht, doch bitte nicht abzudrücken. «Und er tat es nicht.» Mindestens 85 Jugendliche sind auf Utöya getötet worden. Einen Tag nach dem Massaker, am 23. Juli, sendet Adrian Pracon wieder eine Twitter-Nachricht: «Ich bin so glücklich, am Leben zu sein.» Er ist möglicherweise der einzige Mensch, der vor dem Mörder Gnade fand. 

«So An «Es sieht aus, als habe jemand die Welt aus den Angeln gehoben.» Die Norwegerin Ellen Naesje erlebt den Bombenanschlag aus nächster Nähe. Ein Augenzeugenbericht. u Eigentlich

habe ich Ferien. Aber wegen der schlechten Wetterprognose bin ich am Dienstag und am Freitag trotzdem im Büro. Ich arbeite beim Tourveranstalter DNT Oslo og Omegn in der Innenstadt von Oslo – 200 Meter vom Regierungsgebäude entfernt. Gelegentlich nehme ich meine Hündin Fröya mit ins Büro. Das will ich auch heute tun. Weil ich aber momentan wegen eines Wasserschadens in meiner Wohnung bei meinen Eltern wohne, lasse ich sie zu Hause. Das sollte mein grosses Glück werden. Der nächste Ort, um spazieren zu gehen, ist die Wiese vor dem Regierungsgebäude. Ich beginne um 7 Uhr morgens und will bis 17 Uhr bleiben. In der Reisebranche herrscht Hochsaison. Obwohl wir viel zu tun haben, ist es ziemlich ruhig. Alle sitzen


Trümmerfeld Hier explodierte um 15.26 Uhr die Bombe. Im Sommer machen in Norwegen viele um 15 Uhr Feierabend. Darum gibt es im Regierungsgebäude nicht noch mehr Tote.

gst hatte ich noch nie» konzentriert an ihren Computern. Am Radio diskutieren sie über das schlechte Wetter. Dann plötzlich dieser höllische Knall – die Wände zittern. Zuerst denke ich, es sei ein Erdbeben. Intuitiv schaue ich zur Uhr an der Wand: 15.26 Uhr. Dann spüre ich einen gewaltigen Druck. Meine Brust schmerzt. Ich habe Mühe zu atmen. Als ich durchs Fenster schaue, sehe ich weissen Rauch – etwas Grosses fällt vom Dach. Sirenen heulen. Ich denke: «Jetzt stürzt das Haus ein.» Meine Kollegen schreien. Wir stürmen auf die Strasse. Dort sieht es aus, als habe jemand die Welt aus den Angeln gehoben. Touristen, Geschäftsleute, Passanten irren umher. Und immer mehr Polizisten rennen uns entgegen. Überall Dunst. Es riecht nach Verbranntem – wie Schwefel. Einer meiner Kollegen sagt: «Das ist Terror. Das ist Terror.» Überall liegen Scherben. Auf der Strasse macht sich Panik breit. Ich will nur noch aus dem Stadtzentrum raus – ins alte Hafen­ quartier Aker Brygge, von wo ich ein Boot zu unserem Sommerhaus am Oslo­fjord nehmen will. Doch wie komme ich zum Quai? Ich

entschliesse mich, in die entgegengesetzte Richtung der Polizei zu laufen. Meine Hoffnung: In einer anderen Strasse muss die Situation besser sein. Aber auch hier das gleiche Bild: rennende Leute – angst­ erfüllt und verwirrt. Seit der Explosion sind acht Minuten vergangen. Und nie­ mand weiss, was passiert ist, von wo die Gefahr kommt. Knallt es nochmals? Plötzlich laufen mir schreiende Leute entgegen. Was soll ich tun? Ich ziehe die Schuhe aus, um schneller laufen zu können. Noch nie in meinem Leben hatte ich solche Angst. Zum Hafen zu gelangen, ist aussichtslos – ein Boot zu nehmen, sowieso unmög­ lich. Ich rufe einen Kollegen an und bitte ihn, mich abzuholen. Er sagt, ich solle bleiben, wo ich sei. Er komme mit dem Taxi. Als ich auf ihn warte, realisiere ich erstmals, wie mein Herz rast. Ich bin extrem nervös. Die Minuten, die ich dastehe, sind die längsten in meinem Leben. Erst als wir in seiner Wohnung sind, fühle ich mich sicherer. Aber es dauert Stunden, bis ich mich beruhige.

Als wir am TV das ganze Ausmass der Katastrophe sehen, beginne ich zu weinen. Utöya, die Insel, auf der das Massaker stattfand, liegt auf meinem Weg, wenn ich in die Berge fahre. Zur Arbeiter­ partei habe ich einen nahen Bezug. Mein Bruder arbeitet in der Politik. Es ist unfassbar, was geschehen ist. In unserem kleinen, sicheren Land – in meiner sonst so friedlichen Heimatstadt. Nach dem 22. Juli 2011 ist nichts mehr, wie es war.  Ellen Kristine Naesje, 34, Oslo

Schock Die Osloerin Ellen Naesje arbeitet nahe dem Regie­ rungsgebäude. Als die Bombe explodiert, sitzt sie im Büro. Grosses Glück, dass sie ihre Hündin Fröya nicht mitge­ nommen hat.

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Unfassbare Tat Der als Polizist verkleidete Anders Breivik steigt am Ufer der Insel Utöya über die Opfer seines Massakers.

Auf eiskalter Mission

Adrett, blond, jung. anders behring breivik führt ein unauffälliges Leben. Aber es ist reine Fassade. Das Massaker plante er bis ins Detail – in einem Bauernhaus.

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assenmörder, Attentäter, Sadist. Kaum eine Bezeichnung wird Anders Behring Breivik gerecht. Der 32-Jährige streckt unter Jubelgeschrei wehrlose Kinder nieder. Schiesst ihnen einmal, zweimal, dreimal in den Kopf. Ignoriert ihr Betteln um Leben mit kaltem Lächeln. Anders Behring Breivik ist ein Massenmörder. Und gleichzeitig ein adretter blonder junger Mann, dem man vertraut, wenn er sagt, er sei Polizist und sorge für Sicherheit. Breivik führt ein unauffälliges Leben am Stadtrand von Oslo. Er studiert angeblich Wirtschaft und Religion, wohnt – um Geld zu sparen – bei seiner Mutter in einem Mehrfamilienhaus. Gleichzeitig behauptet er, mit einem eigenen Unternehmen «Millionen» verdient zu haben und dem Bund der Freimaurer anzugehören. Er mag kriegerische Video-Games, hört Trance-Musik, befasst sich mit Standardwerken aus

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Philosophie und Psychologie. Ab und zu geht er auf die Jagd. Er besitzt Waffenscheine für eine Glock-Pistole und ein halbautomatisches Sturmgewehr, ist Mitglied im Schützenverein. Die Vorbereitungen für seinen tödlichen Plan sind präzis. Anders Behring Breivik zieht auf einen kleinen Bauernhof in Rena, nördlich von Oslo. Er gibt an, dort Gemüse und Melonen anzu­ bauen, bezieht dafür grosse Mengen an Kunstdünger. In Wahrheit baut er hinter den Fenstern der Farm mithilfe von Internet-Anleitungen eine gewaltige Bombe, trainiert für seine Mission. Freunde, die ihn besuchen wollen, wimmelt er ab. Mehrmals wöchentlich absolviert er Schiessübungen, er beschafft sich eine blaue, polizeiähnliche Uniform. In seinem Tagebuch wird er am 22. Juli, dem Tag des Anschlages, schreiben: «Die erste Kostümparty des Jahres, ich verkleide mich als Polizist.» Er häuft Munition

an, versteckt kugelsichere Schutzkleidung im Wald, mietet einen Transporter, den er laut eigenen Angaben mit 900 Kilogramm Sprengstoff und 50 Kilogramm Zünd-Chemikalien zum Explosionsfahrzeug umbaut. Die Anschlagsorte – die Insel Utöya und das Regierungsgebäude im Stadtzentrum – inspiziert er bis in die kleinsten Winkel, programmiert Fixpunkte in seinem GPS-Gerät. Breivik ist sich der Tragweite seiner Tat bewusst. Er weiss, dass die Welt ihn bald digital durchleuchten wird. Und orchestriert deshalb seine Präsenz im Internet: Auf der Bücherliste seines erst am 17. Juli erstellten Facebook-Profils erscheint, neben Kants «Kritik der reinen Vernunft» und Richard Rortys «Consequences of Pragmatism», auch Kafkas «Der Prozess»: Der junge Protagonist des Romans wird verhaftet, ohne sich je einer Schuld bewusst zu sein. Zu Breiviks Lieblings-TV-Serien gehört


massaker in norwegen

Wirft Fragen auf Der Massenmörder Anders Breivik auf einem von ihm selber gemachten Foto.

Werkstatt In diesem Bauernhaus stellte Breivik die Bomben her.

Trügerische Idylle Anders Breivik in Gesellschaft von zwei Frauen.

Fotos Marius Arnesen / NRK / EPA / Keystone, HO / Reuters (3), McNaughtan / Reuters, Action Press / Dukas

Selbstdarsteller Breivik in Freimaurer- und Militär-Uniform (r.) mit Totenkopf-Emblem. «Dexter», der sympathische Serienmörder. Und auf seiner persönlichen Musikliste finden sich die Lieder «Fireworks», «Let It All Out», «Sound of Goodbye» und «Free Falling». Auf seinem TwitterAccount findet sich nur ein Satz: «Ein Mensch mit einem Glauben hat die Kraft von 100 000, die nur Interessen haben.» Bereits in jungen Jahren beginnt Breivik sich für Politik zu interessieren. Von 1999 bis 2006 ist er Mitglied der rechtspopulistischen Fortschrittspartei. Ehemalige Parteikollegen beschreiben ihn als still und bescheiden. Mit Ende 20 beginnt er immer öfter rechtsradikales Gedankengut zu äussern. Auf der Internet-Seite www.document.no veröffentlicht er zwischen Juli 2009 und Oktober 2010 insgesamt 76 Beiträge. Wortgewandt outet er sich als Rechtsnationaler und Multikulti-Hasser. Breivik glaubt, dass die multikulturelle, islamfreund­ liche und europagewandte Gesinnung

Norwegens schädlich ist. In seinem Kampf gegen den Multikulturalismus fühlt er sich von jenen behindert, die diesen fördern – den Linken, den Sozialdemokraten. Wenige Stunden bevor Breivik seine Taten begeht, verschickt er via E-Mail ein 1500 Seiten langes Manifest, in welchem er sein Massaker ankündigt. «Wir haben dem Frieden eine Chance gegeben. Aber jetzt ist die Zeit für den Dialog vorbei.» Und er schliesst das Dokument mit dem Satz: «Ich glaube, dies ist mein letzter Beitrag. Es ist jetzt Freitag, der 22. Juli, 12.51 Uhr.» Wenige Stunden später, nachdem Anders Breivik 92 Menschen ermordet hat, kann ihn die Polizei festnehmen. Er leistet keinen Widerstand. Anders Breivik sieht sich nicht als Amokläufer, sondern als Held mit einer Mission. In den Stunden danach wird ihm gemäss seines Anwaltes Geir Lippestad «das unglaub-

liche Ausmass des Schadens und die Zahl der Toten erklärt». Die Reaktion des vielfachen Mörders: Er habe die Tötungen «als grausam, aber notwendig erachtet». Die forensische Psychiaterin Adelheid Kastner sagt im österreichischen Fernsehen: «Er hat die Menschen dehumanisiert. Er sah in den Jugend­ lichen, die er erschossen hat, nur Figuren, die seinem Zweck dienen.» Massenmörder, Attentäter, Sadist. Kaum eine Bezeichnung wird Anders Behring Breivik gerecht. Der Nobelpreisträger T. S. Eliot schrieb einst: «Zwischen den Gedanken und die Tat fällt der Schatten. Die meisten durchschreiten diese Schattenzone nie.» Anders Breivik hat es getan.  Mitarbeit Sandra Casalini, Aurelia Forrer, Marcel Huwyler, Lisa Merz, Stefan Regez, Thomas Renggli, Nina Siegrist, Alejandro Velert

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Inhalt

HEFT 30, MONTAG, 25. juli 2011 3

Tagebuch von Nik Niethammer

Titel Titel Jan Johannessen / AFP / Getty Images; Inhalt Thomas Buchwalder

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Massaker in Norwegen Der Schock, der Täter, das Motiv, die Opfer, die Überlebenden, die Bilder. 22 Seiten

Leute 30

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Leute Sven Bärtschi, Tobias Funke, Giuseppe Bausilio, Mona Vetsch, Adel Abdel-Latif, Swann Oberson Daniela Lager und Christine Maier Die künftigen «10 vor 10»-Kolleginnen im grossen Interview über Eitelkeiten und den Umgang mit ihrer Bekanntheit Nina Burri Frisch verliebt: Die Schlangenfrau zeigt ihren Stefan

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u ladys mit klasse «10 vor 10»-Moderatorin Daniela Lager (l.) bekommt eine neue Kollegin: Christine Maier. Die beiden erzählen, wie sie Karriere und Kinder unter einen Hut bringen. Und wann sie zu Bier und Pizza greifen.

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Inhalt Wirtschaft 38

Euro-Krise Schweizer Firmen leiden unter dem starken Franken: Drei betroffene Unternehmer reden Klartext

Fussball 42

Urs Fischer Der FCZ-Trainer ganz privat: Nach zwei Meisterschaftsniederlagen steht er vor dem internationalen Stresstest

Nationalfeier

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1. August Weshalb sich drei Blinde auf dem Rütli schon mal «umschauen»

Abschied 89

u besichtigung Zur Nationalfeier auf dem Rütli sind dieses Jahr 600 Blinde und Sehbehinderte eingeladen. Das dreiköpfige OK-Team Roland Studer, Rita Iten und Urs Lüscher übt gut gelaunt den Rütlischwur mit Blindenstöcken und Regenschirm.

Amy Winehouse Die Sängerin wird durch ihre Musik noch lange weiterleben

Shopping 53

Das Magazin für lustvolles Einkaufen Mode, Style, Electronics

Check-up 63 64 66

Herzklappe Neue Operationsmethode Reizdarm Was dagegen hilft Gesicht verjüngen Lifting oder Filler?

Die Besten 67

Das Schweizer Kulturmagazin Kunst, Musik, Bücher, Filme

Weekend

Fotos Kurt Reichenbach, Marcel Nöcker (2)

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46 u liebesglück Schlangenfrau Nina Burri zieht bald mit ihrem neuen Freund Stefan Schwitter zusammen.

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Freizeit, geniessen, rätseln En Guete, GaultMillau, Reisen, Spiele

Und … 52 90 80 82 88

Notabene von Chris von Rohr Auf einen Espresso mit Frank A. Meyer und Marc Walder Impressum Horoskop Leserbriefe

u härtetest Trainer Urs Fischer will mit dem FCZ international angeln. Rückhalt und Ausgleich gibt ihm seine Familie.

ABO: 0800 820 920, Redaktion: Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Tel. 044 - 259 63 63 Fax 044 - 259 86 22, E-Mail info@schweizer-illustrierte.ch, www.schweizer-illustrierte.ch

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leute

nachgefragt bei

Giuseppe Bausilio

Talent Der 14-jährige Giuseppe Bausilio aus Bern mimt «Billy Elliot» im gleich­ namigen Musical. Giuseppe, du trittst seit drei Wochen in einer Hauptrolle am Broadway in New York auf. Du hast sogar eine eigene Fangruppe. Fühlst du dich wie ein Star? Manchmal schon. Einmal hat ein Mädchen vor der Bühne hyperventiliert. Und ich lebe wie ein Star: Meine Mama und ich sind in einem Apartment direkt am Times Square untergebracht. Mit Sauna und Whirlpool! Hast du denn Zeit für Wellness? Nicht wirklich. Ich nehme Ballett-, Gesangsund Schauspielstunden. Mit meinem Privatlehrer büffle ich für die Schule. Meinen letzten freien Tag hatte ich vor zwei Monaten – als ich krank war. Tönt hart. Oh, wenn Sie denken, meine Eltern zwingen mich dazu, dann täuschen Sie sich. Ich bin hier die Lokomotive! Wie lange hast du noch Dampf? Bis ich den Stimmbruch kriege und die Rolle deswegen an den Nagel hängen muss. Und dann? Dann kommt hoffentlich das nächste ­Engagement! Ich würde gerne in einem Hollywood-Film mitspielen. Willst du nicht mehr zurück in die Schweiz? Doch, ich vermisse meine Schulkameraden. Und die Migros-Budget-Schoggi. Aber wenn du so etwas Tolles erlebst wie ich hier am Broadway, willst du immer mehr davon. Was war dein grossartigstes Erlebnis? Ich traf Natalie Portman im Tanzstudio. Sie trainierte für ihren Film «Black Swan» und hat ein Foto mit mir gemacht. Sie ist total lieb und sehr begabt. Du auch. Du sprichst sechs Sprachen, spielst drei Instrumente … … kochen kann ich auch! Und Nähen. Wenn ich ein Loch in den Ballettschuhen habe, stopfe ich es selber. Damit kann man Mädchen beeindrucken. Hast du eine Freundin? Single bin ich nicht. Aber fest vergeben auch nicht. Ich liebe sie halt alle, die Mädels! Interview Sylvie Kempa

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Feuer und Flamme: Sven Bärtschi im Trikot der Calgary Flames. Und zu Hause in Aarwangen BE mit Mutter Daniela Bianchi und Bruder Kevin (kl. Bild).

Rose

kaktus

swann oberson Schweizer Schwimmwelt­ meisterin u Langstreckenschwimmer kämpfen an mehreren Fronten: Nebst den Gegnern machen ihnen Quallen, Haifische und Strömungen das Leben schwer. Swann Oberson lässt das kalt. An der WM in Schanghai gewann die 25-jährige Genferin über 5 Kilo­meter als erste Schweizer Schwimmerin eine Goldmedaille. So aussergewöhnlich ihre Leistungen, so normal sind ihre persönlichen Präferenzen: Nutella, Crêpes, Céline Dion – und Vize-Mister-Schweiz Michel De Carolis. Leider können wir auf die Schnelle kein Date vermitteln, dafür schicken wir eine Rose nach Genf – eine wasserdichte.

klaus j. stöhlker PR-Berater u Eine Gruppe von Politikern, Wissenschaftern und anderen «Fachleuten» aus der Schweiz zweifelt an der offiziellen Version von 9/11. Und fordert eine neue Untersuchung der Terroranschläge in New York. PR-Berater Klaus J. Stöhlker schreibt sogar von der «moralischen Verwahrlosung der Führungsmacht USA» und stellt den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad als glaubwürdiger dar. Auf solche Verschwörungstheorien, lieber Herr Stöhlker, kennen wir nur eine Antwort: unseren Kaktus! Dieser sticht zwar, brennt aber nicht so wie die Nesseln, in die Sie sich zuweilen setzen.


leute

wer liebt wen

Baby-News via Facebook

Heiss auf Eis u Seit Sven

Bärtschi, 18, mit drei Jahren zum ersten Mal auf Schlittschuhen gestanden hat, kennt er seinen Traum­ job: Eishockeyprofi. Und zwar nicht in Bern oder Davos, sondern in der National Hockey League. Vor zwei Jahren heuerte der Langenthaler bei den Portland Winterhawks im US-amerikanischen Junioren-Hockey an. Monatsgehalt: 200 Dollar. Zuschauer pro Spiel: 8000. Mit phänomenalen Scorerwerten (44 Tore / 68 Assists) schoss sich der Flügel vergangenen Winter ins Bewusstsein der NHL-Teams. Die Calgary Flames sicherten sich die Rechte am Schweizer in der ersten Draft-Runde. Nun hat Bärtschi einen Drei­ jahresvertrag in der Tasche – mit einem Einkommen von maximal 1 450 000 Dollar pro Jahr. Ob er sofort in der NHL spielt, entscheidet sich in den Trainingscamps. «Die Chancen stehen gut», sagt er. Und macht schon mal vor, wie er im gewaltigen Saddeldome (Kapazität: 20 100 Zuschauer) den Funken zünden will. thomas renggli

Ab dem 1. August präsentiert Spitzenkoch Tobias Funke die älteste Speisekarte der Schweiz.

u «Hurrraaa – unsere Prinzessin Soraya Soheir ist da!», teilt Ex-Mister-Schweiz Adel Abdel-Latif, 39, stolz über sein Face­ book-Profil mit. Am 21. Juli um 8 Uhr brachte seine Frau Simone, 32 – bekannt als DJane Lady Tom – das erste gemein­ same Kind zur Welt. «Wir sind überwältigt!»

Mo–Fr, 18.40 Uhr So, 18.50 Uhr Stars in dieser Woche Kochshow «Das Goldene Rüebli» mit: u Christa de Carouge u Franco Marvulli u Nina Burri u Hausi Leutenegger

tobias funke

Einmal Schweinsohren bitte u Bärenfleisch, Singvögel oder Schweinsohren: Während vier Monaten stöberte er nach Rezepten, um die älteste Speisekarte der Schweiz zu erstellen. In den Staatsarchiven Bern, Uri und Zürich wälzte der 16-GaultMillau-Punkte-Koch Tobias Funke, 29, über 30 «Kochbücher», das älteste stammt aus dem Jahr 1566. «Damals waren das jedoch eher Arzneibücher.» Dabei entdeckte der Auf­steiger des Jahres, dass die Schweizer früher sogar Bärenfleisch verzehrten. «Als Koch verträgt man viel!» Ab dem 1. August tischt er seinen Gästen im Restaurant Obstgarten in seiner Heimatgemeinde Freienbach SZ modernisierte Versionen der alten Menüs auf. «Bärenfleisch steht nicht auf der Karte, dafür Schweinsohren. Aber wir verpacken die Zutaten so, dass es jedermann Spass macht.» afo

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Fotos Gian Paul Lozza/13 Photo für Schweizer Illustrierte (2), Fabienne Bühler, Thomas Buchwalder, Hervé Le Cunff, Joan Marcus, AP Photo, Ex-Press

Sven bärtschi

u «Leute, investiert in Windelaktien – Absatz­ prognosen sind so positiv wie nie», schreibt Modera­ torin Mona Vetsch, 35, auf ihrer Facebook-Fanpage. Und verkündet damit die Geburt ihres zweiten Sohns, Antonin Lucien, den sie am 16. Juli geboren hat. «Dankbar, gesund und munter, gfräss und glücklich», beschreibt sie das Glück in ihrem Dreimännerhaushalt.

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interview


Konkurrentinnen? Daniela Lager (l.) und Christine Maier: «Das ist kein Thema für uns. Wir kennen und mögen uns seit Langem.»

Hart, aber herzlich

Ab 2. August verstärkt christine maier das ModerationsTeam von «10 vor 10». Im Interview sprechen sie und ihre künftige Kollegin daniela lager über Arbeit und Alltag. Und erzählen, wann Bier und Pizza hilfreich sein können.

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Text sandra casalini und ­alejandro velert Fotos thomas buchwalder

O

ft begegnen werden sich ­Christine Maier, 46, und Daniela Lager, 47, künftig nicht: Wenn die eine «10 vor 10» moderiert, hat die andere frei. Umso mehr freuen sich die beiden Aushängeschilder des Informations-Magazins über einen Gedankenaustausch. Schliesslich kennen sie sich bereits seit sechzehn Jahren. «Erinnerst du dich an unsere erste Begegnung?», fragt Christine Maier. «Ich moderierte damals beim ZDF und war Gast bei dir im ‹Talk Täglich› auf Tele Züri. Meine Tochter Naomi war noch ein Baby, und ich stellte sie im Maxi-Cosi unter den Tisch.» Daniela lacht. «Klar erinnere ich mich! Ich hatte Panik, dass die Kleine während der Livesendung losschreit.» Inzwischen hat sich viel verändert. Sowohl Christine Maier – die momentan noch den «Club» leitet und moderiert – als auch Daniela Lager gehören zu den beliebtesten TV-Gesichtern der Schweiz. Kurzzeitig arbeiteten sie beim Sender RTL/Pro7 zusammen. Bald sind sie wieder Arbeitskolleginnen.

Christine Maier, Sie moderieren am 2. August Ihre erste «10 vor 10»-Sendung. Sind Sie schon nervös? Jetzt noch nicht, aber das kommt noch. Ich bekomme auch vor jedem «Club» Lampenfieber. Das habe ich in den 25 Jahren, in denen ich beim Fern­sehen bin, nicht weggebracht. Es gehört einfach dazu. Daniela Lager: Vor einer Livesendung fühle ich mich, als ob ich die Finger in die Steckdose halte. Das Wissen «Jetzt gilts ernst» setzt Energien frei. Frau Maier, warum wechseln Sie eigentlich vom «Club» zu «10 vor 10»? Ich habe seit Anfang Jahr, nach insgesamt zehn Jahren beim ‹Club›, gespürt, dass die Zeit reif ist für einen Wandel. Ich dachte über die Zeit «danach» nach, sogar über ein Studium. Das Angebot von «10 vor 10» kam genau im richtigen Moment. Ich freue mich sehr auf die neuen Aufgaben und darauf, wieder Beiträge zu machen. Und ich kann viel Neues lernen. Das Tempo und die Präzision, werden mich herausfordern. Daniela Lager: Das Publikum nimmt oft gar nicht wahr, dass wir auch als Journalistinnen arbeiten. So sind zum Beispiel weitere grosse Reportagen wie

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«Nach all den Jahren vor der Kamera habe ich einiges an Eitelkeit abgearbeitet» christine maier die vom Mekong vor eineinhalb Jahren geplant. Und wir werden stark in die Berichterstattung aus Bern zu den Wahlen im Herbst involviert sein. Was machen Sie nach der Sendung, wenn die Anspannung weicht? Christine Maier: Nach dem «Club» beginnt die mentale Nachbearbeitung. Hätte ich etwas besser machen können, habe ich richtig reagiert? Ein Glas Bier, eine Pizza mit Freunden helfen, schneller abzuschalten.

Daniela Lager: Auch nach einer Livesendung kann man die Anspannung nicht von einer Sekunde auf die andere abbauen. Ich finde nach dem Moderieren selten vor ein Uhr Schlaf. Christine Maier: Und schläfst du gut? Daniela Lager: Ja, aber viel zu wenig. Spätestens um sieben Uhr stehen meine beiden Kinder auf. Christine Maier: Das geht ja noch. Meine müssen um sieben aus dem Haus.


interview

Zweites Zuhause Daniela Lager (l.) und Christine Maier im «10 vor 10»­-Regieraum des Schweizer Fernsehens in Zürich.

Ihre Kinder wachsen mit Müttern auf, deren Gesicht man überall kennt. Sie haben sich daran gewöhnt. Ich habe Naomi und Robin erklärt, dass man mich vom Fernsehen her kennt – einfach deshalb, weil ich einen Job habe, den nur wenige Leute machen. Aber Sie müssen sich ja auch gern zeigen, wenn Sie beim Fernsehen sind. Ich schätze, nach all den Jahren vor der Kamera habe ich einiges an Eitelkeit und Narzissmus abgearbeitet. Ich war auch immer wieder hinter den Kulissen tätig, jahrelang ganz weg von der Bühne, und das Rampenlicht hat mir nicht gefehlt. Ich habe schon als junge Frau beobachtet, was mit Kollegen passiert, die ihr Lebensglück von Fernsehauftritten abhängig machten. Nach dem Aus waren sie am Boden zerstört, fanden kaum den

Rank in den normalen Alltag. Das gab mir zu denken. Daniela Lager: Eine gewisse Lust am Auftritt muss man haben als Moderatorin, sonst leidet man. Es entsteht aber auch ein ziemlicher Druck. Auf einmal ist man eine wandelnde Visitenkarte. Deshalb bin ich zu meiner Anfangszeit bei Tele Züri mit dem Velo zur Arbeit gefahren, weil ich es im Tram nicht aushielt. Gibt es Situationen, in denen es un­ angenehm ist, bekannt zu sein? Bei der berühmten Täubeli-Szene beim Einkaufen schaut jeweils der halbe Laden, wie die vom Fernsehen das jetzt handhabt. Aber das halte ich aus. Ich meistere die Situation genauso gut oder schlecht wie andere Mütter. Christine Maier: Mir sind solche Situationen vor allem dann unange-

nehm, wenn sie meine Kinder be­ treffen. Vor einiger Zeit erwischten wir beim Skifahren nicht die gleiche Gondel. Die Leute, die mit Robin und Naomi fuhren, lästerten über mich. Als sie oben ankamen, waren sie schrecklich wütend. Ich habe ihnen gesagt, man sollte ungerechtfertigtes Runtermachen gleich einschätzen wie übertriebene Komplimente. Beides hat nicht viel mit mir als dem Menschen zu tun, den meine Kinder kennen. Daniela Lager: Und was die Leute auf einen projizieren, kann man selbst nicht kontrollieren. Deshalb darf man es nicht zu wichtig nehmen. Auch wenn böse Kommentare oder unanständige E-Mails manchmal wehtun. Wie erklären Sie Ihren Kindern, dass Sie bekannt sind, Frau Lager? Amira und Tarek realisieren langsam, dass man mich vom Fernsehen her kennt. Im Moment reicht ihnen aber die Erklärung, dass der Quartier-Beck, bei dem man täglich das Brot kauft, ja auch von vielen erkannt wird. Schauen Ihre Kinder Ihre Sendungen, Frau Maier? Selten, aber nie einen ganzen «Club». Sie sind aber immer sehr interessiert, worüber wir diskutieren und wer die Gäste sind. Da haben wir manchmal schon hitzige Debatten am Tisch, bevor ich die Sendung moderiere. Haben Sie als Moderatorin eigentlich Angst vor Falten? Interessante Frage, würden Sie diese auch einem Mann stellen? Punkt für Sie. Dann fragen wir neutral: Ist man irgendwann zu alt für die Moderation von «10 vor 10»? Was heisst schon zu alt? Ich sehe in den USA in News-Sendungen Moderatorinnen mit grauem Haar und Falten. Sie machen einen guten Job, darauf kommt es in erster Linie wohl an. Ich persönlich habe mir eine Deadline gesetzt, wie lange ich vor der Kamera arbeiten werde. Das hat weniger mit Falten zu tun als mit der Tatsache, dass ich noch vieles anderes vorhabe im Leben. Daniela Lager: «10 vor 10» ist keine Miss-Wahl! Eine News-Moderatorin muss in erster Linie glaubwürdig sein. Ich empfinde Falten durchaus als Vorteil. Sie zeigen, dass man schon ein paar Dinge erlebt hat. Frau Maier, eine lange 1.-August-Feier liegt für Sie wohl nicht drin, vor Ihrem ersten Arbeitstag. Das macht nichts, zumal meine Familie dann noch in den Ferien ist. Ich ver- u schweizer illustrierte

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binde den 1. August vor allem mit schönen Kindheitserinnerungen: das Tessin, alte Lieder, Höhenfeuer. Daniela Lager: Wir werden irgendwo am Wasser feiern. Die Kinder bekommen lange bengalische Zündhölzer und dürfen aufbleiben, bis es dunkelt. Ihr Mann Ahmed ist Ägypter. Beeinflusst das Ihr Bild von der Schweiz? Ja und nein. Unsere Kinder wachsen zwar mit beiden Kulturen auf, aber unser Lebensmittelpunkt ist klar in der Schweiz. Doch durch den Blick von aussen wird einem immer wieder bewusst, wie privilegiert wir sind. Wie haben Sie den arabischen Frühling erlebt? Es war eine intensive Zeit. Wir haben viel telefoniert, waren oft im Internet. Im Freundeskreis gab es stundenlange Diskussionen: Was ist Demokratie, welche Modelle gibt es, und welche Erwartungen haben die Menschen an verschiedenen Orten der Welt von ihr. Sie sagen, in der Schweiz zu leben, sei ein Privileg. Gibt es auch Dinge, die Sie hier kritisieren? Christine Maier: Ich finde, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie müsste u

in der Schweiz selbstverständlicher sein – für beide Geschlechter. Wir können es uns schlicht nicht mehr leisten, dass Frauen mit hervorragenden Hochschulabschlüssen nicht mehr aus ihrem Wissen machen und der Wiedereinstieg so harzig ist. Darüber muss man sich Gedanken machen. Daniela Lager: Ich denke, unsere Stärken kreieren unsere Schwächen: Wir sind zuverlässig, arbeitsam, pünktlich. Das führt dazu, dass uns eine gewisse natürliche Leichtigkeit fehlt. Nicht die organisierte Leichtigkeit, da hat sich ja sehr viel getan, mit Restaurants, Partymeilen und so weiter. Nicht zu vergessen, dass heute Kontakte vermehrt über neue Medien gepflegt werden: Handys, Facebook, Twitter etc. Christine Maier: Eine endlose Diskussion innerhalb der Familie. Das kennen wohl alle Eltern von Teenagern. Es ist nicht ganz einfach, Computer- und Handy-freie Momente durchzusetzen. Sind Sie denn ein gutes Vorbild, was den Umgang mit den neuen Medien betrifft? Ich versuche es, aber es ist nicht immer einfach. Auch ich muss manchmal noch abends für Vorgespräche telefonisch

«Uns Schweizern fehlt eine ge­wisse natürliche Leichtigkeit» daniela lager

Daniela Lager und ihr Mann Ahmed haben zwei Kinder: Amira, 8, und Tarek, 6.


Christine Maier und der Artist David Dimitri sind die Eltern von Naomi, 16, und Robin, 14.

erreichbar sein. Kompromisslos bin ich während des gemeinsamen Essens. Da sind Telefon und Computer tabu. Daniela Lager: Wann immer die Kinder eines unserer Handys erwischen, spielen sie damit. TV und DVD haben wir auf eine halbe Stunde pro Tag beschränkt. Bei schönem Wetter bleibt der Bildschirm aus. Fürs Internet sind sie noch zu klein. Christine Maier: Es ist wichtig, den Jungen den Umgang mit den neuen Medien zu lehren. Aber der Einfluss der Eltern darf nicht überschätzt werden. Da kann man noch so lange diskutieren, was sie sich anschauen dürfen, die Nutzungszeit festlegen und einschlägige Seiten sperren. Auf dem Pausenplatz kreisen die Smartphones. Und da kann es hart zur Sache gehen. Pornografie ist das eine. Zudem werden Kinder heute täglich mit Themen wie Krieg oder Naturkatastrophen konfrontiert. Daniela Lager: Das stimmt. Selbst wenn sie diese Dinge nicht am TV sehen, kriegen sie sie doch irgendwie mit. Während des arabischen Frühlings tanzten meine Kinder irgendwann plötzlich durch die Wohnung und riefen:

«Emschi Mubarak!» – «Hau ab, Mubarak!» Wir versuchten, ihnen altersgerecht zu erklären, was da im arabischen Raum passiert. Wie gehen Sie selbst damit um, auch berufsmässig jeden Tag mit traurigen Nachrichten konfrontiert zu werden? Seit ich Mutter bin, geht mir vieles näher. Ich musste zum Beispiel einmal fluchtartig den Schnittraum verlassen, als ich vor mir auf dem Bildschirm einen kleinen Jungen sah, der Essen aus einer Blechdose kratzte. Auf seinem T-Shirt stand: «Ich könnte Ihr Sohn sein!» Sie muten Ihren Zuschauern also Bilder zu, die Sie selbst kaum ertragen? Uns wird heute allgemein eine riesige Menge an Informationen in einem horrenden Tempo zugemutet. Wie viel und was muss man zeigen, um der oft harten Realität gerecht zu werden? Auf welche Bilder verzichten wir bewusst? Diese Fragen stellen wir uns täglich. Bei allem Gestaltungsspielraum: Wir können die Sendung nicht schöner machen, als die Realität eben ist. Nicht wir alleine bestimmen den Inhalt von «10 vor 10», sondern das Weltgeschehen. 

Fotos Rolf Edelmann, David Biedert / tilllate.com

interview


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«Die Gewinne fallen zusammen» Toni Lötscher, Geschäftsführer der Halter Bonbons in Beinwil AG.


Euro-Krise

rter Franken, harte Zeiten Tiefere Gewinne, kaum Kunden, wenig Gäste. Die Schweizer Firmen leiden unter der Euro-Krise. Drei Betroffene aus Produktion, Detailhandel und Hotellerie reden Klartext und stellen Forderungen an Politik und Bevölkerung.

«Unsere Bonbons sind ein PremiumProdukt. Vor allem im Ausland muss man aufpassen, dass man nicht irgendwann zu teuer ist.» Die Unternehmer müssen innovativ sein und den Gürtel enger schnallen, sagen einige Politiker. Aussagen, die den Halter-Chef ärgern. «Natürlich optimieren wird die Kosten, verhandeln mit Lieferanten oder kreieren neue Produkte.» Das Problem für die ExportUnternehmen ist vor allem das rasante Tempo der Währungsentwicklung. «Schwankungen gab es schon immer, doch wie der Franken in den vergangenen zwei Jahren zugelegt hat, ist besorgniserregend.» Lötschers Forderung an die Politik: Man muss über Überbrückungsmassnahmen wie Steuererleichterungen oder Währungsstützung diskutieren, damit die Export-Branche etwas Zeit gewinnt, um sich an die neue Situation anzupassen. «Bei der UBS-Rettung argumentierten die Politiker, die Bank sei systemrelevant. Ist das die ExportIndustrie für die Schweiz etwa nicht?» Ungeniert schiebt sich Toni ­Lötscher ein weiteres Haschi-Zältli in den Mund. «Bevor Sie fragen: Nein, im Haschi hat es kein Hasch drin. Die Erfinder hiessen Halter und Schillig, daher kommt der Name.» Auf seinem iPhone kontrolliert er zum wiederholten Mal den aktuellen Dollar-Kurs. «Immerhin, in den vergangenen Tagen etwas besser», sagt er. «Und wenn nicht, haben wir hier gegen bittere Nachrichten das beste Gegenmittel.»

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Franz Schmid «Wir leiden» Franz Schmid ist Geschäftsführer des Verbandes der Backwaren- und Zuckerwaren-Indus­ trie Biscosuisse. Herr Schmid, wie stark ist Ihre Indus­trie vom starken Franken betroffen? Unsere Branche hat einen ExportAnteil von 76 Prozent. Die grössten Absatzmärkte sind Deutschland, die USA und Frankreich. Löhne und Pro­duktion fallen in Franken an, bezahlt wird aber «nur» mit Euro und Dollar. Bleibt wenigstens der Absatz stabil? Bonbons sind in der Schweiz ziemlich krisenresistent, aber im Ausland geraten unsere eher teureren Premium-Produkte unter Druck. Kann der Bund helfen? Der Staat kann uns mit exportfreundlichen Rahmenbedingungen unterstützen. Weil Schweizer Unternehmen teure inländische Agrar­ rohstoffe beziehen müssen, gibt es für damit hergestellte Export-Produkte den Rohstoffpreis-Ausgleich des Bundes. Leider funktioniert er aus Spargründen nicht vollumfänglich. Hier könnte der Staat etwas tun.

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Fotos Fabienne Bühler, Handout

u Ungeniert schiebt Toni Lötscher ein Haschi-Zältli im Mund hin und her. «In unserer Branche gilt das nicht als unanständig», sagt er und lacht. Der 41-Jährige ist Geschäftsführer der Halter Bonbons in Beinwil AG. In gros­ sen Schritten schreitet er durch das Warenlager. Ein feiner Minzgeruch liegt in der Luft, auf den Regalen sind Tausende von Kisten gestapelt. In einer Ecke steht eine Palette zur Lieferung nach Brasilien bereit, die Schachteln in weisse Folie eingepackt. «So erkennen die Langfinger in Brasilien nicht, was da geliefert wird. Das senkt unsere Diebstahl-Verluste.» Doch es sind nicht diese Verluste, die Lötscher Sorgen bereiten. Seit zwei Jahren hat das Geschäft mit den Süssigkeiten einen bitteren Beigeschmack. Die Weltwährungen Dollar und Euro verlieren rasant an Wert, exportorientierte Unternehmungen wie Halter ächzen unter dem starken Franken. «Die Folgen sind Umsatzeinbussen, die Gewinne schmelzen weg», sagt Lötscher. Seit über hundert Jahren stellt das Schweizer Traditionsunternehmen Bonbons her, im vergangenen Jahr waren es 300 Millionen Stück. Das Unternehmen exportiert in über dreissig Länder und verdient die Hälfte seines Umsatzes im Ausland. «Inzwischen haben wir bereits zweimal die Preise für unsere Produkte angehoben, um wenigstens einen Teil der Verluste aufzufangen», sagt Toni Lötscher. Eine gefährliche Gratwanderung für Halter:

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«Der Euro gab uns den

u Der Dreiklang der Eingangstür ertönt. Wieder betritt jemand den Sportladen. «Jetzt, wo alles spottbillig ist, kommen sie», sagt Hanny Schmid, 56. Sie tritt hinter dem Vorhang ihres Lagerräumchens hervor und fragt, in höherer Tonlage: «Chan ich Ihne hälfe?» Kurz darauf schnürt sie der Kundin ein paar Wanderschuhe («grösser dörfeds nid sii!»), verkauft sie ihr für 110 statt 220 Franken. Dann kommts: «Uf Wiedärseh!», sagt Hanny Schmid. Hält inne, stützt sich auf den Verkaufstisch. «Läbwohl» könne man ja nicht sagen, in einer Stadt wie Schaffhausen laufe man sich sowieso immer wieder über den Weg. Der Benz Sport, Hanny Schmids Sportgeschäft, schliesst in drei Tagen für immer seine Türen. Dabei feiert der

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Laden gerade das 50-Jahr-Jubiläum: Schmids Mutter, Vreni Benz, hat ihn 1961 eröffnet. In den Achtzigern, als die Funktionalbekleidung aufkam, florierte das mitten in der Altstadt gelegene Geschäft. Doch nach der Jahrhundertwende sinken die Umsätze: Grosse Einkaufszentren, das Internet und die billigere Konkurrenz im nur wenige Minuten entfernten Deutschland machen dem Familienbetrieb das Leben schwer. Die Lage in der Altstadt wird 2009 zu teuer, Benz Sport zügelt an den Stadtrand – das macht die Situation nicht besser. Ein Jahr später entlässt Hanny Schmid die letzten Teilzeitkräfte. «Und jetzt», sagt sie, «hat uns dieser blöde Euro noch den Rest gegeben.» «Kein Weichspüler beim Waschen!»,

warnt Hanny Schmid, als sie dem nächsten Kunden Thermoshirts verkauft, zwei für eins. «Ja, die halten lange, viel zu lange», sagt sie. «Uf Wiedärseh!» In den vergangenen Monaten hätten die Leute kaum noch etwas bei ihr gekauft, erzählt Schmid. «Gehen Sie mal an einem Samstag über die Grenze nach Singen. Und schauen Sie die Autonummern an. Lauter Schaffhauser. Das sagt alles.» Tatsächlich gibts verschiedene Markenprodukte im nur 15 Minuten entfernten Deutschland derzeit für rund zwei Drittel des Schweizer Preises. Sie wolle die Kunden nicht bevormunden, sagt Hanny Schmid, aber irgendwann würden sie hoffentlich merken, dass sie am eigenen Stuhlbein sägen: «Wenn man den Zahltag nur noch in Deutschland ausgibt, muss

Fotos Fabienne Bühler, Kurt Reichenbach, Handout (2)

Ende einer Familientradition In wenigen Tagen muss Hanny Schmid ihr Sportgeschäft in Schaffhausen schliessen.


Vom teuren Franken bestraft «La Ginabelle»-Hoteliers Thomas und Regina Abgottspon mit ihrem Team.

Rest» nachgefragt bei

Peter Wehrli Besorgt Peter Wehrli ist Präsident der Schaffhauser Detaillisten- und Dienstleister-Vereinigung Pro City. Herr Wehrli, wie stark sind die ­Schaffhauser Läden von der Euro-Krise betroffen? Vor allem bei Läden im Textilbereich wird die Lage langsam dramatisch. Schaffhauser Kunden kaufen gerade Markenkleider vermehrt in Deutschland. Wenn das so weitergeht, könnte es bald zu Schliessungen kommen. Leiden vor allem die Kleinen? Nicht unbedingt, die können flexibler auf die Krise reagieren. Manor, Coop oder Interio leiden mindestens ebenso. Was fordern Sie? Die Politik kann kaum helfen. Die Zollbehörden haben ihre Kontrollen in der Grenzregion verstärkt, das ist gut. Lieferanten aus dem Ausland sollten ihre Ware in Euro fakturieren – und so uns und unseren Kunden die Kursvorteile weitergeben. Und die Kunden sollten wieder da einkaufen, wo sie arbeiten und ihr Geld verdienen. Sonst könnte es sein, dass sie hier bald keine Arbeit mehr haben. man ihn irgendwann auch dort verdienen.» Vergeblich haben Hanny Schmid und ihr Mann in den vergangenen Wochen bei den Banken um Kapital gebettelt. Jetzt ist Schluss – bevor der Konkurs droht. «Ich will in Anstand gehen», sagt Schmid. In einem anderen Laden als Verkäuferin zu arbeiten, kann sie sich nicht vorstellen. Sie wär dann immer «d Frau Benz, wo hät möse zuätuä». ­Irgendwas werde sich schon finden, sagt sie und klebt «70 %»Kleber auf die letzten Wanderschuhe. Was aber macht sie, wenn am Samstag zum letzten Mal die Ladentür ins Schloss fällt? Hanny Schmids Mundwinkel verkrampfen sich. Dann ertönt der erlösende Dreiklang der Tür. Eine Kundin. «Chan ich Ihne hälfe?», ruft Hanny Schmid von Weitem – und eilt davon. 

«15 Prozent weniger Gäste» u Krisen im Tourismus gab es immer wieder, sagt der Zermatter Hotelier Thomas Abgottspon: etwa während des Golfkrieges oder als die Krankheit Sars die Gäste verunsicherte. Was aber jetzt passiert, bezeichnet Abgottspon als «sehr bedenklich» und als «Zweifrontenkrieg»: Der starke Franken schreckt Ausländer ab, nach Zermatt zu kommen, und der schwache Euro lockt viele Schweizer für Ferien ins günstige Ausland. Seit 20 Jahren führen Abgottspon und seine Frau Regina, beide 47, das Hotel La Ginabelle in Zermatt. Das Viersternehaus bietet 110 Gästen Platz, bezeichnet sich als familienfreundlich und trumpft mit Gourmetküche und Wellnessangebot. Bei den grössten Internet-Reiseportalen wird das Haus von 95 Prozent der Gäste mit «sehr gut» bewertet. Am Produkt kanns also nicht liegen. Am Preis, betont Abgottspon, auch nicht: Jetzt, in der Hochsaison, zahlt der Hotelgast je nach Zimmer 140 bis 220 Franken pro Person inklusive Halbpension und Bergbahnen. Damit, sagt Abgottspon, sei er günstiger als vergleichbare Hotels in Österreich oder in Südtirol. Trotzdem verzeichnet das «Ginabelle» im Vergleich zum letzten

Sommer einen Gästerückgang von 15 Prozent. «Wir waren in den letzten Jahren innovativ, haben investiert, stete Umsatzzuwächse erzielt und werden jetzt durch den teuren Franken bestraft.» Was tun? Preise runter? «Günstiger geht nicht mehr», sagt der Hotelier. Weniger Personal? Im Winter beschäftigt Abgottspon 40 Vollzeit-Angestellte, im Sommer 28. Diese Sommersaison hat er erstmals zwei Stellen eingespart. Wie die Eurokrise zu meistern ist – in der Frage ist auch Abgottspon ratlos. Doch statt der übergeordneten Lösung sucht er die Antwort da, wo er selber etwas bewirken kann: in seiner eigenen Umgebung. Etwa mit speziellen Angebots­ paketen, damit die Schweizer Gäste vom hohen Franken auch in der Schweiz profitieren können. Zudem müsse Zermatt noch besser werben und für Fami­lien noch mehr bieten. Und: Die Reise nach Zermatt muss unkomplizierter werden. Eine kontrollierte Strassen­ öffnung – nur für übernachtende Gäste – fordert er, samt einem grossen Parkhaus am Orts­eingang. Diese Idee wird bestimmt für Gesprächsstoff sorgen. Und hoffentlich für mehr Gäste. 

nachgefragt bei

Daniel Luggen Herr Luggen, 30 Prozent Ihrer Gäste kommen aus Euro-Ländern. Verzeichnet Zermatt Einbussen? Im Winter waren es nur 2,7 Prozent Logiernächte weniger, der Sommer gestaltet sich dank den Asiaten ausgeglichen. Doch einige unserer Leistungsträger klagen über grössere Umsatzeinbrüche, ausgelöst durch den Preisdruck. Was tut Zermatt Tourismus dagegen? Wir haben die Werbung im Schweizer Markt verdoppelt und bieten GratisAngebote vor Ort. Jetzt ist die Zeit,

Daniel Luggen Kurdirektor von Zermatt. Patriotismus zu zeigen. Warum also nicht Ferien am Schweizer Symbol schlechthin, dem Matterhorn, machen? Wie soll die Schweizer Politik reagieren? Einmal mehr zeigt es sich, dass die Schweiz auf Gedeih und Verderb vom Ausland abhängig ist. Kurzfristige Aktionitis bringt nicht viel. Ich unterstütze das langfristige Denken unserer Regierung. Wir müssen innovativ und qualitätsorientiert sein. schweizer illustrierte

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Fischerlatein Der FCZ-Trainer wirft in der Sihl die Leine aus. Doch an diesem Morgen bleibt er ohne GlĂźck. Den grĂśssten Hecht fing er einst in der Aare.


Fussball

Vom Abräumer zum Aufsteiger. Als Fussballer war urs fischer ein Mann fürs Grobe. Als Trainer trifft er auch die Zwischentöne. Nun steht er mit dem FC Zürich vor der internationalen Nagelprobe.

Der Fischer

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Terrasse mit Aussicht «Die Waid ist mein Lieblingsplatz in Zürich – hier mache ich oft halt und blicke auf die Stadt hinunter.» Seine Sommerferien verbrachte er mit seiner Frau Sandra am Lungernsee.

Text thomas renggli Fotos marcel Nöcker

U

rs Fischer, 45, steht in beinlangen Gummistiefeln in der Sihl. Das Abzeichen auf dem Gilet zeugt von Fachkompetenz: «Sportfischer-Brevet». «Mein grösster Fang war ein 100 Zentimeter langer Hecht in der Aare», sagt er lachend. An diesem Morgen aber fischt der Trainer des FC Zürich im Trüben. Zeit, um auf bissfreudige Beute zu warten, hat er keine – und die nötige Ruhe schon gar nicht. Seine Gedanken sind in Lüttich, wo der FCZ am Mittwoch nach dem Fehlstart in die Meisterschaft zum ersten Qualifi­ kationsspiel für die Champions League antritt. «Auf uns wartet harte Arbeit.» Hart arbeiten – das ist, was Urs Fischer immer gemacht hat. Ob als Schüler im Zürcher Aussenquartier Affoltern, als KV-Lehrling in der Volksbankfiliale am Schaffhauserplatz oder

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als beinharter Abräumer im defensiven Mittelfeld seiner beiden einzigen Arbeitgeber als Profifussballer – Zürich und St. Gallen. Mit 548 Partien ist er der Spieler mit den meisten Partien in der höchsten Schweizer Liga. Fischer war als Fussballer stets mit vollem Engagement bei der Sache – aber nicht immer am richtigen Ort. Nur einen Titel gewann er in 19 Jahren als Profi – 2000 mit dem FCZ den Cup im Penaltyschiessen gegen Lausanne. Als Captain trug er entscheidend zum Erfolg bei. Den Pokal reichte er weiter, bevor er ihn hochhob – an den Präsidenten Sven Hotz. «Er hat so viel in diesen Triumph investiert. Da war es keine ­Frage, wem der Pokal gehört.» Der vierfache Nationalspieler sucht das Rampenlicht nicht. Auch sein ­Zuhause bleibt mediale Tabuzone. «Ich habe mit meiner Frau abgemacht, dass unser Privatleben nicht in die Öffentlich-

«Riana kann das Talent nicht von mir haben. Sie ist besser» Urs fischer

keit gehört.» Seit 19 Jahren ist er mit ­seiner Jugendliebe Sandra, 45, «glücklich verheiratet». Die beiden lernten sich in der Oberstufe im Schulhaus Käferholz in Affoltern kennen, mit 20 wurden sie ein Paar. Zusammen mit den zwei Töchtern bilden sie die erfolgreichste Sportlerfamilie des Quartiers. Riana, 17, spielt bei den FCZ-Frauen in der National­ liga A und steht im Aufgebot der U19Nationalmannschaft. «Sie kann das


fussball

Schulterschluss Urs Fischer mit ­seinen Vor­ gesetzten: Präsident Ancillo Canepa (M.) und Sportchef Fredy Bickel (r.).

Talent nicht von mir geerbt haben. Sie ist besser als ich», sagt Fischer in einer Mischung aus Selbstironie und Stolz. Mit Chiara, 13, kann er ohnehin nicht mithalten. Sie ist eine ambitionierte Reiterin. «Es ist beeindruckend, wie sie diese ­riesigen Tiere unter Kontrolle hält.» Seine Mannschaft hat Fischer unter Kontrolle – obwohl ihm das zunächst kaum jemand zugetraut hätte. Als er im April 2010 nach der Entlassung von Bernard Challandes interimistisch vom Nachwuchs- zum A-Trainer befördert wurde, schlitterte er zunächst von Niederlage zu Niederlage – 1:4 gegen ­Luzern, 0:2 gegen YB, 0:4 gegen die Grasshoppers. Ausgerechnet nach dem DerbyGrounding erhielt er einen Dreijahresvertrag – ohne Erfahrung auf höchstem Niveau. Dass sein Engagement in der Öffentlichkeit kritisch beurteilt wurde, kann er nachvollziehen: «Ich hätte vermutlich gleich reagiert.»

Fischer und sein Staff liessen Taten sprechen und führten den FCZ aus dem Niemandsland der Tabelle (7. Platz) zurück an die Spitze – fast an die Spitze. Letztlich fehlte zum Titelgewinn ein Punkt: «Unsere Leistungen waren gut, aber wenn am Schluss eine andere Mannschaft vorne liegt, hat man etwas falsch gemacht.» Der Zürcher ist Realist – auch was die Selbsteinschätzung betrifft. Vom Karlsruher SC besass er einst ein Angebot für einen Wechsel in die Zweite Bundesliga, doch das Ausland war für ihn nie ein realistisches Thema: «Spieler wie Türkyilmaz, Sforza oder Sutter gingen damals diesen Weg – und das waren definitiv andere Kaliber als ich.» In der Nationalmannschaft stand ihm Alain Geiger vor der Sonne. «Wenn einer besser ist, muss man das akzep­ tieren.» Statt ins Ausland wechselte Fischer 1987 nach St. Gallen – für das FCZ-Urgestein ebenfalls schon fast eine Grenzerfahrung. «Man kann nicht sagen, dass man als Zürcher in St. Gallen mit ­offenen Armen empfangen wird.» Mit Kampf und Leidenschaft eroberte er die Sympathien der Fans. Auf dem Espenmoos galt Dreck an den Hosen noch als echtes Qualitätsmerkmal. Im Herzen ist Fischer aber immer Zürcher geblieben. «Zürich ist die schönste Stadt der Welt», sagt er und blickt von der Terrasse des Restaurants Waid in Richtung See. «Wieso soll man wegziehen, wenn man hier alles hat?» 1973 begann Fischer seine Karriere als E-Junior beim FCZ. Als die legendäre Mannschaft mit Kuhn, Grob und Risi im Halbfinal des Meistercups gegen ­Liverpool spielte, stand er als Balljunge

hinter dem Tor. 1984 wurde er als 17-Jähriger ins Kader der ersten Mannschaft aufgenommen. Später unterschrieb er seinen ersten Profivertrag. Der Lohn: ein Leasing-Vertrag für einen VW C über 130 Franken pro Monat. Die älteren Spieler siezte er. Dem jugo­ slawischen Regisseur Jure Jerkovic putzte er die Schuhe. «Üse» war auch fussballerisch immer ein Chrampfer. Wenn ihn im Training ein Teamkollege tunnelte, war seine Antwort eine Grätsche. International sorgte er am 21. Oktober 1998 für eines der raren FCZ-Highlights jener Jahre – als er im Glasgower Celtic Park aus unmöglichem Winkel den Ball in die hohe Torecke zirkelte. Die Zeitungen schrieben von einer «verunglückten Flanke». Fischer dementiert auch 13 Jahre später: «Das war volle Absicht.» Wenn der FCZ-Trainer redet, tut er das auf eine Weise, die Nichtzürchern in den Ohren schmerzt: fadegraad und züritüütsch. Obwohl er gut Französisch und Italienisch spricht, gibt es in der Garderobe nur Dialekt. «Mich hat noch immer jeder verstanden.» Hanspeter Latour, Berner Oberländer TrainerLegende, ist beeindruckt von Fischers Arbeit: «Ich war anfänglich skeptisch. Doch Urs hat mich überzeugt – was die Resultate und die attraktive Spielweise betrifft. Vor allem zog er die Jungen nach – und wirkte selbst im hektischen Finale immer authentisch.» Sein statt Schein. Fischer bleibt sich treu. Nun wirft er die Leine im inter­ nationalen Gewässer aus. Eigentlich ist es wie angeln in der Sihl. Mit Ruhe und Geduld kann er als Trainer den ersten ganz grossen Fisch an Land ziehen.  schweizer illustrierte

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love-story

Starke Liebe

Weshalb warten, wenn es sich gut anfühlt? Nina Burri und Ex-Wrestler Stefan Schwitter sind frisch verliebt. Und ziehen bald zusammen.

Text Sylvie Kempa Fotos Marcel Nöcker

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ann man sich nach drei Monaten Beziehung einer Liebe sicher sein? Nina Burri, 33, schon. «Ein Leben an Stefans Seite konnte ich mir sofort vorstellen», sagt die Zweitplatzierte der SF-Show «Die grössten Schweizer Talente». Mit Hormon­ ausschüttungen habe das wenig zu tun. Eher damit, dass sie aus Fehlern lerne. «In früheren Beziehungen musste ich mich innerlich für meine Partner ver­ biegen.» Bei Stefan Schwitter, 27, kann sie sie selbst sein. Der Zürcher Unternehmer und die Schlangenfrau lernen sich Mitte April in einem Kaffeehaus kennen. «Ich setzte mich zu ihr, weil ich meinen Kaffee nicht gerne im Stehen trinke.» Die beiden haben auf Anhieb viel zu bereden: Stefan ist ehemaliger Profi-Wrestler, kennt das Showbusiness. «Wir haben beide einiges von der Welt gesehen. Der Gesprächsstoff schien unerschöpflich.» Auch heute noch. Regelmässig besucht Stefan seine Nina in Bern, wo sie sich mit ihrer Schwester eine Wohnung teilt. Das Paar

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Im siebten Himmel Für Stefan und Nina war von Anfang an klar, dass sie zusammenleben wollen. «Uns interessiert nicht, wie andere Paare das handhaben. Für uns stimmts.»

schläft auf dem ausziehbaren Sofa im Wohnzimmer. Ninas schmales Feldbett, eingequetscht zwischen Ballettstange und Turnmatten, würde den insgesamt 149 Kilo Muskelmasse des Liebespaars nicht standhalten. Doch auf Dauer ist das keine Lösung. Im November zieht das Paar zusammen. Ninas Mama Annamarie, 68, ist von diesen Plänen begeistert: «Mir hat noch nie ein Freund von Nina so gut gefallen wie Stefan!» Auch Ninas Schwiegereltern in spe kamen bereits zum Grillplausch vorbei.

«Wir kommen aus ähnlichen Verhältnissen», sagt Nina. Sie wächst mit einer älteren Schwester in Bern auf, Stefan mit einem Bruder nahe Zürich. Beide verwirklichen ihre Jugendträume: Nina wird Béjart-Tänzerin. Stefan feiert als Wrestler «Torment» Erfolge. Fast könnte man von Seelenverwandten sprechen: Sie lieben Bücher und lange Gespräche, gehen nicht gern in den Ausgang und hassen Shopping. Tisch, Schrank und Futon für die gemeinsame Viereinhalb-Zimmer-Wohnung im Raum


Kraftakt Nina und Stefan in Ninas Berner Wohnzimmer. Sie trainiert täglich drei­ einhalb Stunden. Ihm reichen 90 Minuten, dafür bald im eigenen Fitnesscenter.

Zürich bestellen die Shoppingmuffel also im Internet. Die Zeit für einen Gang ins Möbelhaus können sie ihren Agenden nicht abringen. Nach einem viertägigen Blitzurlaub am Roten Meer fliegt Nina im August zur internationalen Kontor­ sions-Zusammenkunft nach Las Vegas, Stefan eröffnet ein eigenes Fitnesscenter in Zug. Für den Werbeflyer posierte Nina. «Sie ist umwerfend schön!» Nina grinst, will Stefan umarmen – und bricht ihm mit ihrer stürmischen Art fast die Nase. «Das passiert mir die ganze Zeit.

Gestern stach ich ihm beim Training mit dem Fuss fast ein Auge aus.» – «Zum Glück kriegst du in der neuen Wohnung dein eigenes Kontorsions-Zimmer», kon­ tert er. Dort könne die «schusselige» Nina walten, wie sie wolle! Bahnt sich da etwa Streit an? Und wenn schon, meint Stefan. «Liebe heisst, gute und schlechte Eigen­ schaften eines Menschen anzunehmen.» Auch dass die beiden so wenig Freizeit haben, sollte kein Problem darstellen. «Das schätze ich an Nina: Sie macht kein Drama, auch wenn ich

mal keine Zeit habe», sagt Stefan. Im Gegenzug will er ihrer Karriere nicht im Weg stehen. Man könne schliesslich nicht ewig als Kontorsionistin arbeiten. «Nina soll diese Zeit geniessen. Ich wer­ de auch später noch da sein.» In zwei, drei Jahren möchte sich das Paar an die Familienplanung machen. Denn Mama Annamarie wünscht sich schon lange ein Enkelchen. Erst mal gibts aber einen Vierbeiner: Mit Nina und Stefan soll nämlich ein Hund aus dem Tierheim in die neue Wohnung ziehen. schweizer illustrierte

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Fels oder Kuh? Roland Studer, Rita Iten und Urs Lüscher (v. l.) vom Zürcher Blindenverband zu Besuch auf dem Rütli.

Für die 1.-August-Feier auf dem Rütli sind 600 Blinde und Sehbehinderte eingeladen. Das blinde, dreiköpfige OK-Team «schaut» sich vor Ort schon mal alles genau an.

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Drei Weissge schweizer illustrierte


nationalfeier

Stockeinsatz Per S-Bahn gehts nach Brunnen SZ und dort zum Schiffssteg. Studer, Lüscher und Iten (v. l.) führen und leiten sich gegenseitig.

Moderne Hilfe Dank einem digitalen Vergrösserungs- Feucht-fröhlich Das Zürcher Trio geht am Landungsgerät kann Rita Iten den für sie zu klein gedruckten steg Rütli von Bord. Von hier aus werden am Fahrplan lesen. 1. August 600 Blinde auf die Rütliwiese marschieren.

nossen


nationalfeier

Text Marcel Huwyler Fotos Kurt Reichenbach

D

ie werden Augen machen! Rita, Urs und Roland, das dreiköpfige OK-Team aus Zürich, sind sich sicher: Das wird ein grandioses Fest. Auf der Rütliwiese, der heiligsten Schweizer Kuhweide, soll der besondere Anlass stattfinden. Der Schweizerische Blindenund Sehbehindertenverband SBV wird 100 Jahre alt. Und feiert seinen Geburts­ tag auf dem Rütli, am 1. August. 600 Blin­ de und Sehbehinderte werden kommen und prosten, singen und feiern. Ein Sehen und Gesehen-Werden der anderen Art. Und damit ja nichts schiefgeht, wollen die drei vom OK-Team heute noch ein­mal ­alles genau vor Ort anschauen – oder abtasten. Mit ihren weissen Stöcken pflü­ gen sich Rita, Urs und Roland den Weg durch den Zürcher Hauptbahnhof. Manch­ mal, sagt Urs Lüscher, komme er sich vor wie Moses aus der Bibel, der mit dem Stab das Meer teile. «Dank dem weissen Stock huschen die Leute verschreckt zur Seite.» Der 44-jährige Lüscher aus Uster ZH war es, der die Idee mit der Rütlifeier für

«Der Prozess des Immer-blinderWerdens ist schlimmer, als schliesslich blind zu sein» Roland Studer Blinde hatte. Sein Gedanke: Exakt am 1. August, wenn die Schweiz ihre Solida­ rität zelebriert, sollen auf dem Rütli die Anliegen und Bedürfnisse der Blinden in die Bevölkerung hinausgetragen werden. Lüscher selber besitzt einen Sehrest von unter zehn Prozent und kann «noch knapp grosse Umrisse erkennen». Jetzt sitzt er im SBB-Wagen in Richtung Inner­ schweiz – und schaut aus dem Fenster. Reine Gewohnheit, beschwichtigt er, bis vor zehn Jahren konnte er sehen, besass ein Elektrounternehmen, dann wurde es dunkel. Eine genetisch bedingte Netzhaut­ erkrankung, erklärt er. Auch Rita Iten, 58, gebürtige Glarnerin, resolute Kassierin im

Zürcher Blindenverband und demons­ trative Raucherin, ist seit zwölf Jahren schwer sehbehindert. Seit einem Augen­ krebs 1998 trägt sie in der rechten Augen­ höhle eine Prothese, 2003 raubte ihr zu­ dem eine Entzündung am linken Auge beinahe die gesamte Sehkraft. Trotzdem, sagt sie, könne sie fast alles selber machen. Sogar jäten im Garten: «Was farbig ist, bleibt in der Erde, Braunes oder Grünes fliegt raus.» Nur die Fusspflege, meint Rita und demonstriert ihr vom Zigaretten­ rauch gegerbtes Donnerlachen, lasse sie besser bleiben, dann murmelt sie etwas von Zehennägel-Schneiden und Gemetzel. Nächster Halt: Brunnen, umsteigen aufs Schiff. Ob man als Sehender helfen dürfe? «Ja, bitte, gehen Sie voraus …», sagt Roland Studer, drittes OK-Mitglied, 50-jährig, früher Chemiker, dann am grü­ nen Star erkrankt, «… gehen Sie voraus – wir folgen Ihnen auffällig.» Von «blindem Vertrauen», spöttelt Lüscher, und Rita höhnt mit Rauchtimbre: «Falls ihr das Treppengeländer auf Fusshöhe ertastet, sinds dann die Bahngleise.» Diese drei! Was für ein Team. Im Sekundentakt wird gescherzt und übers eigene Handicap ge­ spottet. Es ist aber weder überdrehter


Wenn Blinde Blinde führen Rita Iten voraus, Studer und Lüscher (l.) hinterher. So steigen die drei zur Rütliwiese hoch. Und merken sich dabei, für den Rückweg, jede Unebenheit. Galgenhumor noch der hilf- und geschmacklose Versuch, die eigene Behinderung mit falschem Witz zu verdrängen. «Nein», sagt Urs Lüscher, «wir haben es halt einfach gern lustig.» Aber, gibt Roland Studer zu bedenken, auch sie hätten dunkle Momente, nicht nur was das Augenlicht betreffe. Jeder von ihnen habe gelitten, gehadert, als das Blindsein begann. «Der Prozess des Immer-blinder-

Werdens», sagt Studer, «ist bitterer, als schliesslich blind zu sein.» Alle drei nicken. Und man ahnt, was für Kämpfe sie mit sich selber fochten, bis sie ihr Handicap akzeptieren und gar darüber scherzen konnten. Dann stehen sie auf dem Rütli. «Das muss jeder richtige Schweizer doch einfach mal gesehen haben», sagen die drei, starren irgendwohin und beschreiben die Wiese aller Wiesen als «grünen,

wattigen, grellen Flecken». Dann stutzen sie. Braune Klumpen glauben sie zu erkennen – dann Glockengebimmel, Muhen, Stampfen, und spätestens beim Hineintreten in ein pflüderweichwarmes Irgendwas wird die Anwesenheit von Kühen dreistimmig bestätigt. Schliesslich wird das Zürcher OK-Team feierlich, die drei recken ihre weissen Stöcke gen Himmel, «zum Schwur, wie damals, 1291, die drei Eidgenossen». Und Lüscher beweist Wortwitz: «Mit dem weissen Stock sind wir wohl eher die drei Weissgenossen.» Rita spitzt die Ohren, «ou ja, Weissen, lasst uns ein Fläschchen trinken gehen». Das Mittagessen im Restaurant Rütlihaus ist gleichzeitig auch die letzte OK-Sitzung vor dem Festtag. Einladungen? Sind in Gross- und Brailleschrift verschickt. Transport? Zwei Schiffe ab Luzern reserviert. Lunch? Bestellt (mit Sandwiches kommen Blinde am besten zurecht). Lormen-Dolmetscher für Taubblinde? Aufgeboten. Das wird ein Fest! Das Zürcher Trio freut sich auf den gros­ sen Tag auf dem legendären Rütli. «Eine Sehenswürdigkeit», die drei kichern, gleich kommt wieder was, «wenn man denn sehen würde.»  


notabene

Der gestürzte Lehrer Chris von Rohr

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Foto Daniel Rihs

E

s war einmal ein Lehrer, Retter und selbst deklarierte Elite die Schullandschaft beeinflussen können.» der pflegte stundenlang begeistert von den Bau­ Hierzulande macht der kollektive ernhäusern im Emmental, I­rr­tum, dass es ohne höhere Bildung kein Leben gebe, die Sache noch schwieriger. Entlebuch und im Engadin zu erzählen. Er beschrieb Meine Tochter kommt bald in die strohgedeckte Holzhäuser fünfte Klasse. Letzthin wurde sie mit am Jurasüdfuss, Walliser Schieferdach­ dem völlig überraschenden Tod ihrer hütten und vieles andere mit solcher noch jungen Lehrerin, einem Engel von ­Inbrunst, dass die Schüler nach ihrem Mensch, konfrontiert. Empfinden den offiziellen Schulstoff Für die Klasse war das ein grober Ein­ bloss nebenbei aufnahmen. Heute wäre schnitt und ein Riesenverlust. Doch sie ein solcher Unterricht wohl ein Kündi­ wurde aufgefangen. Hilfsbereitschaft und gungsgrund. Die Schweiz wird von einer Feeling der ganzen Lehrerschaft waren Professionalisierung der Schule erschüt­ extrem beeindruckend. Es gab eine tert. Nicht die Lehrer, sondern Gremien ­Aareinsel-Abdankung, und den Kindern von Bildungsexperten und Aussenin­ wurde sorgsam nähergebracht, dass der stanzen entscheiden über Bildungsin­ Tod auch zum Leben gehört, kein Schre­ halte und Lehrmethoden. Persönliche ckensgespenst sein muss und dass es ih­ Vorlieben des Lehrpersonals gehören rer Lehrerin jetzt nicht schlecht geht. Vor nicht mehr ins Klassenzimmer. Um hö­ «Die Kinder verbringen allem wir müssten mit diesem harten here Pisa-Werte zu erreichen, wird die Umstand fertig werden. Man spürte, dass Schule anonymisiert. Unterrichten soll oft mehr Zeit mit alles im Leben zusammenhängt und es kein persönlicher Akt sein, sondern eine den Lehrkräften als nicht egal ist, wie man mit sich, mit an­ deren oder der Umwelt umgeht. Nichts vom Staat regulierte Tätigkeit. Chancen­ ist gleichgültig auf dieser Welt, und ich gleichheit ist das oft gehörte Zauber­ mit ihren Eltern» finde es grossartig und berührend, wenn wort. Die Frage, ob Sprösslinge einer ländlichen Gegend mit einer Handvoll Bauern- und Einfami­ solche Werte vermittelt werden an den Schulen. Wo denn sonst? lienhäuser der gleichen Art Förderung bedürfen wie jene der Die Kinder verbringen oft mehr Zeit mit den Lehrkräften als mit Ballungszentren, bleibt aussen vor. Bildungspolitik wird in ihren Eltern. Gerade wenn es um Wertevermittlung geht, sind städtischen Büros gemacht. Wer melken kann, aber ohne charismatische, gut geerdete Personen vonnöten. Diese Tat­ Handyempfang lebt, wird in einen Topf geworfen mit dem sache bewirkt meiner Meinung nach aber auch den Overkill. kleinen Internetjunkie, der nur linke Hände hat. Item. Leidenschaft ist schwer vereinbar mit gleichgeschaltetem Alle Jahre wieder geht die Mehrheit der Kinder in kuh­ Lohnempfängertum, Obrigkeitshörigkeit und Gehorsam. Wer blickiger Erwartung auf das «Programm» in die Schule. Nicht artig seine Schäfchen zurückstellt, um tagelang um triviale nur die kindliche Neugier ist für eine produktive Lernatmo­ Formulierungen für Schulleitbilder zu ringen, der schafft wahr­ sphäre erforderlich, sondern auch diejenige der Lehrkraft. lich Bilder des Leides. Müsste ich noch mal zur Schule, dann würde ich mir Denn häufig sind die Sternstunden nicht die sorgsam vorberei­ teten und durchdachten, sondern das, was sich spontan ergibt. einen Lehrer wünschen, der sich ins Zeug redet, sich mal ver­ Die Planung sollte über den Haufen geworfen werden, falls ein gisst, der selber eine Saufreude hat an der Werkarbeit und wie magischer Moment die schulischen Hallen betritt. Wenn zum sie gelungen ist. Einer, der auf den Tisch haut, wenn ihn etwas Beispiel ein Lehrer die Gabe hat, anhand der Pizzeria nebenan unverschämt dünkt, aber auch nicht geizt mit Entzücken, wenn locker die Weltwirtschaft zu erklären, wird der Schüler kaum Klein Anna ihre Angst vor dem Reck überwunden hat und um unter dem Pult SMSlen. Man kann noch so originelle, vier­farbig die Stange flitzt oder der linkische Kevinski einen Eigenlauf im gedruckte und in anbiedernd moderner Sprache verfasste Brennball schafft. Kurz und bündig: Ich möchte einen lebendi­ Lehrmittel nach neuzeitlichen pädagogischen Methoden gen Menschen vor mir haben, dem wir nicht am Allerwertesten vorbeigehen. Ich weiss, es gibt sie, genau diese LehrerInnen, lancieren – der Effekt ist vergleichsweise nichtig. Jugendpsychologe Allan Guggenbühl erkennt: «Schu­ und die Kids werden nicht wegen, sondern trotz den modernen le geben bedeutet Arbeit mit Menschen – die reagieren je nach Lehr- und Lernformen gute Schüler und Menschen. Situation, persönlichem Lebenshintergrund und Motivation anders. Eine in ein Schema gepresste Vereinheitlichung Filmtipps zum Thema: «Dead Poets Society» und kommt nicht gut. Die einzigen Profiteure der Gleichmachung «Zum Abschied Mozart»  des Schulsystems sind die Bildungsexperten und Bürokraten, weil sie nach herbeigeredeter Bildungskatastrophe dann als Chris von Rohr, 59, Musiker, Produzent und Autor


Shopping

top ten der Woche

Hair & Make-up Monika Spisak für Style Council, www.style-council.ch

Preppy Chick u Wer schon mal auf Long Island oder in Boston, an der Ostküste der USA, war, weiss genau, was den Preppy Chic ausmacht. Rot, Weiss, Blau, ein bisschen Streetwear, ein bisschen Elemente aus der Hip-Hop-Szene, Streifen und Klubabzeichen. Ergänzt mit Sneakers im VintageLook oder Mokassins. Ein Modestil, der korrekt, ordentlich – und äussert proper wirkt. Und dabei so erwachsen, als hätte man eine Uni wie Harvard absolviert. Der aber auch durchaus mal etwas verfremdet werden darf. Ergänzt mit bunten Blockstreifen oder grossflächigen Blumenmustern. Führend in dieser Stilrichtung sind Labels wie Polo Ralph Lauren, Tommy Hilfiger oder Hackett (neu in Zürich).

Beatrice Schönhaus

Realisation Beatrice Mächler Fotos Nadine Ottawa Styling Alexandra Kruse

Sommerwiese Geblümtes Baumwollkleid von Zara, solange Vorrat. u CHF 69.90 Sonnenbrille H & M. schweizer illustrierte

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Shopping top ten he der Woc

Bunte Block­ streifen ver­ schönern den Sommer 54

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Gemischtes Doppel Girl Billie im Blockstreifen-Jupe von H & M. u CHF 14.90 Mini-Blazer von Zara. u CHF 89.90 Polo-Shirt von Tommy Hilfiger. u CHF 99.90 Nagellack: YSL. Laurin im Polo-Shirt von H & M, Stirnband von Nike. u je CHF 9.90 Tennisschläger Ochsner Sport. www.ochsner-sport.ch


Bunt und gut Sie: Jacke Hilfiger. u CHF 99.90 Männer: Polo-Shirts Globus. u CHF je 149.–, 90.– Laurin: Top, Hose H & M. u CHF je 9.90

Der Kleine Prinz Laurin in Sakko, Hemd und Hose von Mayoral Boys bei Globus. u CHF 74.90, 39.90, 44.90 Pullunder und Gürtel Tommy Hilfiger. u CHF 99.90, 49.90

Varianten in Blaugrün Sie: Kleid von Tommy Hilfiger. u CHF 599.– Er: Blazer H & M. u CHF 149.– Polo-Shirt Lacoste. u CHF 199.– Shorts Tommy Hilfiger. u CHF 99.90

Schicker Mix Kids in Jacke und Kleid von Polo Ralph Lauren, Jelmoli. u CHF 259.–, 125.– Andreas (l.): Hemd Hilfiger. u CHF 169.– Hose Globus. u CHF 189.– Matthias (r.): Hemd Hilfiger. u CHF 129.– Shorts H & M. u CHF 39.90 schweizer illustrierte

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Fröhliche Sommerfarben

Ganz schön bunt u Kobaltblau, Grasgrün, Sonnenblumengelb oder Shocking Pink: Diese Farben machen den aktuellen Sommer aus. Zumindest modetechnisch. Die bunten Eyecatcher kombiniert man zu uni Outfits, zu Jeans oder einfach zu Sommerweiss. Und bitte immer nur eine Farbe auf einmal. Sonst wirkts nicht mehr. Das Schönste dabei: Man kann sie in die Herbst-/Winter-Saison hinüberret-

ten. Da sehr viele neutrale Schattierungen wie Schwarz, Grau oder Gewürz­ farben wie Zimt- oder Sternanis-Braun angesagt sind, mischen die bunten Teile das Ganze auf eine fröhliche Art auf. Damit auch der grauste Herbsttag noch eine Prise des vergangenen Sommers in sich trägt. Und wir dabei unsere gute Laune nicht verlieren! Denn bunt macht einfach lustig. Beatrice schönhaus

Shocking Pink Ein Band, das man haben will: Swatch. Versch. Farben. www.swatch.ch u CHF 30.–

Kobaltblau Box-Bag aus der edlen Kollektion von Hermès. www.hermes.com u ab ca. CHF 3000.–

Laufsteg

Oh Boy!

Chic Das Model Sigrid Agren präsentiert den Tomboy-Look von Dolce & Gabbana.

Blattgrün Sommerlicher BH aus dem Mix & MatchProgramm von Nulu. Coop City. u CHF 24.90

Sonnengelb Espadrille von Bobs by Skechers. Infos über www.ch.skechers.com u ab CHF 49.–

Purple Glamouröse, kompakte Kaffeemaschine Grasgrün Erinnert an eine Geisha: japanisch Cafissimo Duo von Tchibo. www.tchibo.ch u CHF 79.– anmutender Plateau-Schuh von Bally. u CHF 795.–

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u Die Herbst-/Winter-Kollektion von Dolce & Gabbana war für mich ein Highlight der letzten Prêt-à-porterShows. Verantwortlich dafür ist das erfolgreiche Designer-Duo Domenico Dolce und Stefano Gabbana. Bei ihrer aktuellen Kollektion spielten sie mit der Dynamik zwischen Mann und Frau – und zeigten dies auch gleich an ihren Models auf dem Laufsteg. Diese trugen Hemden mit Krawatte zur weit geschnittenen Bundfaltenhose mit Hosenträger und Hut. Feminine Details wie Pailletten auf den Schnürschuhen und dem BlazerRevers, pinker Nagellack und ClutchBags lassen diesen Look trotzdem weiblich wirken. nina lienhard

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Geri Born, Paul Seewer, Imaxtree

Nina Lienhard, Redaktorin SI Shopping, setzt auf Männer-Accessoires.


lieblinge der redaktion

Glitzernd NeckholderTop Ronja mit goldenen Pailletten besetzt. u CHF 198.–

Chic Auf persönliche Beratung wird im Tatjane Showroom an der Hohlbeinstrasse 35 in 8008 Zürich grosser Wert gelegt.

Farbenfroh BleistiftJupe Cici in Beeren­ farben aus 100 % Seide. u CHF 249.–

Tatjane, Zürich

Smartes Schweizer Design u Das Zürcher Seefeld-Quartier ist bekannt für seine interessanten Modeund Möbelboutiquen. Für das Schweizer Modelabel Tatjane gibt es daher kein passenderes Quartier für den ersten Store. Die limitierten Kleiderstücke der Linie überzeugen mit femininen Schnitten und lassen sich durch die bunten Stoffe vielseitig kombinieren. «Es war mir ein Anliegen, schöne Kleider und Tops für den Altag zu entwerfen, die trotz edlen Naturmaterialien wie Seide

bezahlbar sind», sagt Tatjana Kotoric, Designerin von Tatjane. Ergänzend zu der eigenen Kollektion finden auch Gastdesigner Platz in der süssen Boutique im Seefeld. nina lienhard Öffnungszeiten Do–Fr 12–18 Uhr, Sa 12-16 Uhr, www.tatjane.ch weitere shops im shopping-guide:

Klassisch Grauer Blazer mit weissem Innen­futter und sogenannt auf­ steigendem Revers im Smoking-Stil. u CHF 498.–

Modisch BaumwollShorts mit Stoffgürtel zum Verknoten. u CHF 198.–

www.schweizer-illustrierte.ch

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Inge Jurt, Dick Vredenbregt, HO

Ein Trend – drei Varianten

Zeit zum Blaumachen

Elegant Cotton Club von Auguste Reymond, ETA-Automatikwerk mit 2. Zeitzone und Datum. www.augustereymond.ch u CHF 900.–

Glamourös Omegas DeVille Hour Vision Blue, Sonnenschliff-Zifferblatt, Co-Axial-Automatikwerk. www.omegawatches.com u CHF 6550.–

Hip Ice-Watch Sili Blue aus Kunststoff, mit Quarzwerk und Datum. www.ice-watch.com u CHF 119.–

u Diesen Sommer darf die Farbe Blau nicht fehlen – auch nicht am Hand­ gelenk. Blaue Stunden verspricht Omega mit ihrer Hour Vision Blue, die mit James-Bond-Darsteller Daniel Craig entwickelt wurde. Ein Teilerlös kommt der Organisation Orbis Inter­ national zugute. Eine Entdeckung ist das Automatikmodell von Auguste Reymond aus Tramelan. Wer auf hippe Schnäppchen steht, freut sich über die Ice Watch aus Belgien. sarah rieder

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Shopping top ten he der Woc

objekt der begierde

Smartes Goldstück u Auch ein schöner Rücken kann entzücken. So gesehen beim Nokia Luxury Edition. Der Akku-Deckel dieses Smartphones ist mit feinem schottischem sogenanntem Bridge-of-Weir-Leder überzogen; auf der Vorderseite gibt es einen Menü-Knopf aus Saphir und eine goldene Umrahmung (18 Karat). Mit demselben Edelmetall-Überzug ist das mit­ gelieferte Bluetooth-Headset aus gebürstetem Edelstahl versehen. Wer nun gespannt ist, wie das in Schwarz und Weiss erhältliche Handy von vorne genau aussieht, muss sich beeilen. Denn das Luxury Edition ist nur in einer limitierten Auflage erhältlich.

stephan gubler

Edel Das Nokia-Smartphone Luxury Edition besteht aus Materialien wie Gold, einem Saphir und feinstem Leder. www.nokia.ch u CHF 1398.–

www.schweizerband.ch u Freundschaftsbänder gibt es aus den unterschiedlichsten Kulturen und in verschiedenen Variationen. Ganz neu und rechtzeitig zum Schweizer Nationalfeiertag schenkt man seinen Liebsten als Zeichen der Zuneigung oder als Glücksbringer ein Schweizerband. Ob als einfaches Silikonband mit aufge-

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drucktem Schweizerkreuz oder in der Luxusausführung aus Leder mit ein­ gestanztem Kreuz und Dornschliesse. Swissness liegt nach wie vor im Trend, nicht nur bei Touristen. Ursula Borer mehr online-tipps: www.schweizer-illustrierte.ch

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Geri Born, HO

Im 1.-August-Fieber


Shopping top ten he der Woc

Erfrischt Transparentes Kühl-Gel mit Aloe vera, Ole Henriksen. www.ausliebezumduft.de u ca. CHF 65.–

Gepflegt Trockenöl für Gesicht, Körper, Haare von Nuxe. Coop City. u CHF 56.–

Befeuchtet Bio-Tagescreme für gestresste Haut, Salutini. www.salutini.de u ca. CHF 67.–

Beruhigt After-SunMaske mit Soforteffekt, Dr. Pierre Ricaud. www. ricaud.com u CHF 24.–

Leicht Mega-Mushroom Skin Relief, besänftigende Lotion, Dr. Weil for Origins. u CHF 107.–

Entspannt After-SunPflege-Milch von Capital Soleil, Vichy. In Apotheken. u CHF 35.–

Verjüngt Zartes «Schön über Nacht-Fluid» von Farfalla. www.farfalla.ch u CHF 47.80

Gekühlt Lifting Icemask, pflegender Frischekick, Botarin. Über www. botarin.ch u CHF 59.–

After-Sun-Pflege

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Paul Seewer

Bitte eisgekühlt!

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u Endlich ist er da, der Sommer, samt Fernwehstimmung! Wer aber zu lange in der Sonne liegt, braucht abends dringend ein SOS-After-Sun-Pflegeprodukt. Etwa die besänftigende After-Sun-Maske von Dr. Pierre Ricaud mit versprochener Sofortwirkung. Dick auf die Haut von Gesicht, Schultern und Décolleté aufgetragen, soll sie sofort Hitzegefühl und Brennen lindern und die Zellreparatur fördern. Einen wahrhaft eisgekühlten Frischekick fürs Gesicht verspricht die Lifting Icemask von Botarin. Sie spendet dabei Feuch-

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tigkeit und soll auch einen sichtbaren Straffungseffekt besitzen. Beruhigung und viel Feuchtigkeit schenken dem Körper nach dem Sonnenbad Aloe-veraProdukte. Entweder reines Aloe-veraGel aus dem Reformhaus (etwa bei Egli), die Körperprodukte von Santa­ verde (Fachhandel, Marionnaud) oder auch das Aloe-vera-Gel mit Kamille von Ole Henriksen (über www.ausliebezum duft.de). Am besten die Produkte im Kühlschrank lagern, dann verleihen sie dem Körper gleich auch eine Portion himmlische Kühlung. Kristina Köhler

Star-geflüster

Wüstenblume

u Die Äthiopierin Liya Kebede, 33, Topmodel und Schauspielerin («Wüstenblume») und UN-Sonderbotschafterin, wird neue Markenbotschafterin für die Kosmetikmarke L’Oréal Paris.


kolumne

Alexandra Kruse, 32, Stylistin, mag Babys, eigentlich.

Bereit fürs sommerliche Schlendern Taufrische Sommergesichter beim Sommer-Defilee von Sportmax in Mailand. Styling-Tipp

Ein Sommertag in der City u In der Luft liegt der Duft von Kokosund Wassermelonen-Sorbet und tropisch parfümiertem Sonnenschutz. Die ideale Duftkombination, um sich in der eigenen Stadt wie in den Ferien zu fühlen. Sich jetzt schnell sommerfein machen und auf zum Stadtbummel! Die magischen Make-up-Hilfen: Über die UV-Tagescreme etwas Bronzing-­ Fluid auftragen, das sofortige Frische schenkt. Danach lässt pflegender

Concealer (zum Beispiel Touche Eclat Radiant Touch von Yves Saint Laurent) alle Makel verschwinden. Zusätzliche Sommerfarbe zaubert Bronzingpuder. Dieser wird mit einem grossen Pinsel auf Wangen, Nasenrücken, Schläfen und Décolleté gestäubt. Vor dem Auftragen überschüssigen Puder am Handrücken abklopfen. Was jetzt noch fehlt: schwarzer Mascara, roter Lipgloss – und los! Kristina Köhler

Die Produkte zum Look

Lippen-Schutzengel UV-Lippenpflege-Stift Capital Soleil von Vichy. Apotheke. u CHF 14.–

Nixen-Wimpern Wasserfester Mascara von MNY. Etwa bei Coop City. u CHF 5.95

Sommer-Creme Ultra Light Daily UV Defense von Kiehl’s. Jetzt neu auch mit 60 ml. u CHF 50.–

Es war ein freudiger Tag. Ich war gerade dabei, Wäsche zu waschen (natürlich sortiert und mit dem fein riechenden Coral Sensitive gepflegt), als das iPhone fröhlich piepsend die Ankunft von Baby Karl (nach Karl Lagerfeld benannt, natürlich) verkündete. Was für eine Freude! Das schrie natürlich nach einem passenden Geburtsgeschenk. Da es leider nur Lanvin und Dior für Kinder gibt, nicht aber Chanel, dachte ich daran, ein Geschäft für Kindermode (das allerdings auch gleich­ zeitig ein Hort ist) zu besuchen. Und erlebte einen Albtraum. Abgesehen von der Geräuschkulisse (einer Mischung aus jauchzendem Kreischen und grollendem Heulen) war die kleine Anna-Lena-Josefine aus ihrem Wagen entflohen und nun brav dabei, alle unteren Regale auszu­ räumen. Theo-Jakob-Augustinus zog die ganz in Rosa gekleidete EmilieTheresia unfein an den Haaren. Die jeweiligen Erziehungsberechtigten waren in blaurosa Wolken, auf denen wahlweise Prinzessin Lillifee oder ein Seeräuber zu sehen war, abgetaucht. Alles im Geschäft glitzerte bedrohlich. Oder trug bekloppte Aufschriften wie «Mamas kleines Monster». Die Verkäuferinnen waren wohl zur Taktik übergegangen, nur noch wahrzunehmen, was oberhalb ihres Bauchnabels passierte. Oder besuchten nach Feierabend Meditationskurse. Jedenfalls waren sie von stoischer Gelassenheit. Noch bevor die Frage geklärt werden konnte, wo man geschmackvolle Babykleider in schöner, harmonischer Atmosphäre kauft, musste ich verschwinden. Baby Karl bekommt jetzt übrigens standesgemäss – eine Kaschmirdecke!

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© Fotostudio Schweizer Illustrierte Paul Seewer, Porträt Geri Born, Imaxtree

Willkommen, Baby Karl

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Login

Sängerin Nubya setzt im Tonstudio auf Sennheiser und Neumann. Kopfhörer Sennheiser HD 598 CHF 318.–.

Sound-Queen u «Today» heisst die CD, welche am

Nubya hören und sehen möchte, wird unter www.nubya.ch oder in der TV-Sendung «Tonspur» fündig, welche bis September jeweils am Sonntagabend auf SF 1 läuft.

9. September 2011 von der Basler Sängerin Nubya erscheinen wird. Ihr Musikstil ist in den Pop, Soul, R’n’B und Jazz ein­zu­ordnen. Schon mit zehn Jahren lernte die Schweizerin mit nigerianischen Wurzeln die Töne stimmstark oder auch ganz leise anzuschlagen. Logisch, dass sie heute gut hinhört und grossen Wert auf Qualität beim Kopfhörer legt. «Für mich muss die Muschel verschlossen sein. Aussen­geräusche sollten nicht durchdringen. Wichtig ist natürlich auch der Klang und der bequeme Sitz.» Der letzterer Punkt macht sich vor allem nach einem langen Aufnahmetag im Tonstudio bemerkbar. «Nach solchen Tagen weiss ich definitiv, ob mein Kopf­hörer gut ist.» Wer mehr von

Yvonne Helfenstein

Das Leichtgewicht Q350-In-Ear-Hörer der Quincy Jones Edition sind von AKG. CHF 79.90, akg-pro.ch oder melectronics.ch

u Was macht einen guten Kopfhörer aus?

Entscheidend sind bei Kopfhörern der Tragekomfort und das Klangbild. Bügel, die auf die Schädeldecke drücken, oder In-Ears, die nicht bequem sitzen, landen in der Schublade. Die Klangqualität wird individuell wahrgenommen. Jugendliche beispielsweise hören gerne einen starken Bass. Ich persönlich bevorzuge ein ausgeglichenes Klangbild. u Die Sängerin Nubya setzt auf Senn­heiser-Kopfhörer. Damit ist sie gut bedient. Sennheiser hat über die letzten Jahrzehnte ein riesiges Know-how aufgebaut und gehört mit AKG

Lukas Stöckli, Verantwortlicher für Zubehör Unterhaltungs­ elektronik bei Melectronics.

zu den grossen Marken in den Aufnahmestudios. u Welchen Trend beobachten Sie im Kopfhörerbereich? Kopfhörer haben sich spätestens seit Lady Gaga und Co. zum modischen Accessoire gemausert. Die Markenvielfalt hat deutlich zugenommen. u Was kostet ein guter Kopfhörer? Natürlich sind die persönlichen Ansprüche und Vorlieben völlig individuell. «Gute» In-Ears gibts ca. ab 30 Franken. Studiokopfhörer ab 50 Franken und für einen Funkkopfhörer sollte man mit 130 Franken rechnen, wenn er analog ist.

Fotos: Geri Born, HO (3)

Gut hineingelauscht …

Kabelloser Ton­a ngeber fürs Wohnzimmer Funkkopfhörer Panasonic RP-WF950E CHF 139.–, panasonic.ch oder melectronics.ch


Check-up Jetzt Blut spenden!

ft f i r eue t e b N on i t a r O pe

u Bern Die Blutreserven in der

Hoffnung für Senioren-Herzen Eine defekte Herzklappe bedeutete für ältere und mehrfach kranke Menschen bis vor Kurzem das Todesurteil. Eine neue Operationsmethode bringt den Durchbruch. Text Dr. Samuel Stutz

Foto HO

H

erzklappenoperationen sind sehr belastend. Besonders für ältere Menschen mit mehreren Erkrankungen. Wer trotz schlechtem Risikoprofil zur Operation eingewilligt hatte, überlebte sie nicht immer oder erholte sich danach nur schleppend. Das Resultat: Ärzte gingen bei solch heiklen Patienten das Risiko einer Operation nicht mehr ein, und die Betroffenen mussten mit der defekten Klappe weiterleben. Das ging nur noch mit starken Einschränkungen. Herzversagen lautete die programmierte Todesursache. Mit Medikamenten kann man eine kaputte Herzklappe bis heute nicht heilen. Hoffnung macht nun die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI). Dabei wird die defekte Klappe äusserst schonend mit der Schlüssellochtechnik ersetzt. Das heisst, durch eine sehr kleine Öffnung. Der grosse Vorteil: Es braucht keine Herz-Lungen-Maschine, die Nar­kose ist kürzer und wegen der minimalen Schnitte entstehen kaum Gewebe­ schäden. Die eigentliche Implantation dauert nur eine knappe Stunde. Die Erfahrungen sind sehr gut. Sogar Hochrisikopatienten überleben den Ein-

griff. Und was noch viel wichtiger ist: Die Patienten fühlen sich danach wieder richtig gut. Für Prof. Michele Genoni, Chefarzt Herzchirurgie am Zürcher Stadtspital Triemli, das entscheidende Argument: «Es geht um das Wohl des ­Patienten.» Wird sich die neue Methode durchsetzen? «Wir werden in den ­nächsten Jahren und Jahrzehnten immer mehr künstliche Herzklappen einsetzen müssen, weil die Lebens­ erwartung der Menschen steigt», sagt Prof. Michele Genoni. «Das bedeutet aber nicht, dass ausnahmslos und überall die neue Katheter-Methode zum Einsatz kommt. Die Verantwortung liegt bei den Kardiologen und den Chirurgen. Sie müssen für jeden Patienten gemeinsam entscheiden, bei welcher Methode mit dem besseren Erfolg zu rechnen ist.» www.stadt-zuerich.ch/triemli

Prof. Michele Genoni, Chefarzt Herzchirurgie am Zürcher Stadtspital Triemli.

Schweiz gehen zur Neige. In den letzten fünf Jahren waren sie noch nie so tief wie jetzt! Deshalb können neu auch Personen über 65 Jahre helfen. Die Obergrenze beträgt 75 Jahre. Spendetermine und Infos unter www.blutspende.ch

Väter im Kreisssaal

u Berlin Laut einer neuen Studie erleben es die meisten Männer positiv, wenn sie bei der Geburt ihres Kindes dabei sind. Auch das Sexualleben soll nicht darunter leiden. Nur 10 Prozent der Befragten gaben an, Angst zu haben, in Ohnmacht zu fallen. www.dggg.de

Harmlose Kopfbälle

u Regensburg Ein normales Kopfballtraining hat keine negativen Auswirkungen auf die Hirnleistung. Das zeigt eine Studie der Universität Regensburg. Weibliche Teilnehmer klagten jedoch vermehrt über Kopfweh. An der Studie nahmen 91 Probanden teil. www.welt.de

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Achtung bei der Anwendung von Enthaarungscreme! Zu viel und zu grossflächig aufgetragen, kann sie die Haut reizen.

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Check-up Volkskrankheit

Reizdarm: Die mysteriöse Übelkeit, Blähungen, Bauchschmerzen und Stuhlunregelmässigkeiten – ständige Verdauungs­ störungen erschweren den Alltag und schlagen auf die Psyche. Oft steckt hinter den Beschwerden ein Reizdarm. Experte Dr. Andreas Müller erklärt, was am besten dagegen hilft. Text Lisa merz

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er Darm ist das zweite Gehirn. Nirgends ausserhalb des zentra­ len Nervensystems befinden sich so viele Nervenzellen. Es sind mehr als 150 Millionen. Der Darm organisiert die Abwehr von Bakterien, stimuliert das Immunsystem und reguliert die Ver­dauung. Ist diese gestört, werden wir krank. Etwa zwanzig Prozent der Bevöl­ kerung leidet am Reizdarmsyndrom RDS. Zwei Drittel davon sind Frauen. Symptome: Schmerz, Blähungen, Durch­ fall und Verstopfung. «Der Reizdarm ist ­eigentlich die Migräne des Bauches», erklärt Dr. Andreas Müller, Gastroente­ rologe am Gastrozentrum Hirslanden Zürich. Die genaue Ursache für die Beschwerden ist noch unklar. Experten vermuten, dass eine Infektion ein Aus­ löser sein könnte. «Es zeigt sich häufig, dass die Patienten vor den Beschwerden einen Darminfekt hatten. Dadurch wer­ den die Schmerzrezeptoren im Darm sehr wahrscheinlich sensibler», sagt Dr. Andreas Müller. Beim Reizdarm handelt es sich um eine funktionelle Störung. Das heisst: u Buchtipp Dieser Ratgeber nimmt Sie ernst! Denn Autor Thilo Schleip spricht aus Erfahrung – er war jahr­ zehntelang selber betroffen. Zusammen mit Dr. Gabi Hoffbauer verschafft er Laien einen umfassenden Überblick zum Thema Reizdarmsyndrom. Die Leser erfahren, welche Rolle dabei die Seele spielt und welche Faktoren auf den Darm schlagen. Anhand eines Frage­ bogens können Sie feststellen, ob Sie unter einem Reizdarm leiden. ISBN 978-37742-7417-4.

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Trotz den Beschwerden sind die Organe gesund, sie reagieren einfach besonders stark auf bestimmte Reize. Für den Patienten bedeutet die schwierige Dia­ gnose oft eine Odyssee von Arzt zu Arzt. Die Unberechenbarkeit der Krankheit bestimmt bei vielen den Alltag: Weil man Angst vor Krämpfen und Durchfall hat, sagt man Nachtessen ab, geht nicht mehr zum Sport, isoliert sich zusehends. Die psychischen Nebenwirkungen wie Stress und Angst verstärken wiederum die Beschwerden. «Wichtig ist, dass der Arzt solche Symptome ernst nimmt und alle mög­ lichen Ursachen untersucht», erklärt Dr. Andreas Müller. Die Abklärung passiert nach dem Ausschlussverfahren. Bei älteren Personen können diese Schmerzen auch auf Darmkrebs hin­ weisen. Oft steckt hinter dem Reizdarm­ syndrom eine oder mehrere Lebens­ mittelunverträglichkeiten. Viele haben Mühe mit bestimmten Kohlenhydraten, leiden unter Zöliakie (Glutenunverträg­ lichkeit) oder Laktoseintoleranz (Milch­ unverträglichkeit). Einfache Tests brin­ gen Gewissheit, auch ob eine andere Krankheit oder Parasiten vorliegen. Manchmal bleibt der Grund aber einfach unklar. Dann helfen Medikamente und alternative Methoden (siehe Box). Eine kürzlich erschienene Studie zeigt, dass ein neues Medikament mit dem Wirkstoff Rifaximin Linderung bei Reizdarm-Patienten mit Blähungen bringt. Noch ist es in der Schweiz nicht zugelassen. «Seit Kurzem setzt man bei Patienten mit Verstopfungstendenzen Prucaloprid ein, welches 2010 zuge­ lassen wurde, jedoch von der Kranken­ kasse noch nicht übernommen wird», sagt Dr. Andreas Müller.

Dr. med. Andreas Müller, Gastroenterologe am Gastrozentrum Hirslanden Zürich.

Behandlungsmögli

Sport stärkt den Darm und mindert Stress.

Diät Spinat ist besser verträglich als Bohnen.

Pillen Neue Medikamente können helfen.

Entspannung Finden Sie heraus, was Ihnen guttut.


Migräne des Bauches chkeiten beim Reizdarmsyndrom u Bewegung & Wellness Bewegung hilft – Sie führt zu einer besseren Durchblutung

und wirkt entspannend und entkrampfend. Hier kommt es mehr auf die Regelmässigkeit als auf die Intensität an (mindestens einmal am Tag). Joggen, Schwimmen, Gymnastik, Radfahren oder Spazierengehen ist ideal. Wenn Sie einen Bürojob haben, sollten Sie auf eine gerade Körperhaltung achten, denn wer wie ein Klappmesser auf dem Stuhl hockt, behindert die Verdauung. Auch der Geist braucht Entspannung. Lernen Sie, abzuschalten und zu entspannen. Gewöhnen Sie sich an, Entscheidungen nicht auf die lange Bank zu schieben. Nehmen Sie Rückschläge gelassen hin: Tolerieren Sie beispielsweise Diätfehler, verlieren Sie aber Ihr langfristiges Diätziel nicht aus den Augen. Atmen Sie mehrmals am Tag tief und bewusst in den Bauch. Genügend Schlaf ist wichtig, vor allem für gestresste Patienten.

k n ch ec te l l o s Da s w is sen! Sie  Finden

u ernährung Studien zeigen, dass gezielte Diäten bereits bei jedem zweiten RDS-Betroffenen

Linderung bringen. Stellt der Arzt eine Nahrungsunverträglichkeit wie Zöliakie oder Laktoseintoleranz fest, lohnt es sich, eine Ernährungsberaterin beizuziehen. Dr. Andreas Müller weiss aus Erfahrung, welche Lebensmittel RDS-Patienten in der Regel besser vertragen: Fleisch/Fisch Rind, Schwein, Würste, Aufschnitt, geräucherter Fisch und Schalentiere sind nicht empfehlenswert. Lamm, Geflügel und weisser Fisch sind besser verträglich. Gemüse Kartoffeln, Zwiebeln, Sojaprodukte, Bohnen und allgemein ungekochtes Gemüse sind nicht empfehlenswert. Spinat und Sellerie sind besser. Früchte Allgemein nicht erlaubt. Ausnahme: Bananen und geschälte Birnen. Kohlenhydrate Weizenprodukte sind nicht empfehlenswert. Reis ist schonender. Öle Nuss- und Soja-Öle sind nicht empfehlenswert. Sonnenblumen- und Olivenöl hingegen schon. u medikamente

Blähungen Eine neue Studie zeigt, dass Rifaximin gegen Blähungen hilft. Zurzeit wird es noch für die Freigabe auf dem Schweizer Markt geprüft. Verstopfung Bei Verstopfungen helfen in erster Linie Abführmittel und Stuhlweichmacher. Bei verstärkter Symptomatik hilft Prucaloprid, das zurzeit modernste Prokinetikum (Beschleuniger) auf dem Markt. Durchfall Loperamid in Tropfenform, das je nach Bedarf gesteigert werden kann. Schmerzen Lang wirksame Spasmolytika (krampflösend) wie Mebeverin wirken oft. Zudem werden bald neuere Medikamente auf den Markt kommen, welche selektiv auf Serotonin-­Rezeptoren im Darm wirken. Pflanzliche Mittel Gegen Blähungen wirken vor allem Pfefferminz- oder Artischocken-Produkte. der Hypnose eine merkliche Symptomlinderung festgestellt worden sein. «Hypnose ist bei Reizdarm eine anerkannte Therapie», sagt Dr. Andreas Müller. Er selbst rät Patienten dazu und konnte schon einige Erfolge damit verbuchen. Bei der Hypnose handelt es sich um einen herbeigeführten Trancezustand, in dem es möglich ist, die innere Haltung durch Suggestionen zu verändern. Achtung: Suchen Sie einen Therapeuten mit kassenpflichtiger Zulassung auf. Am besten lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt an einen bewährten Therapeuten verweisen. Bei Bio-Feedback handelt es sich um eine Art Entspannung durch Visualisation. Dabei wird dem Patienten aufgezeigt, wie sich verschiedene Bioparameter (beispielsweise der Puls) unter Anspannung verändern und wie er diese kontrollieren kann. Auch Yoga und Meditation haben eine ähnliche Wirkung.

Fotos Shutterstock (4), Dick Vredenbregt

u Hypnose & Bio-Feedback Laut mehreren Studien soll bei der Mehrheit der Patienten nach

Sie heraus, welche Lebensmittel Sie vertragen und welche nicht. Am einfachsten geht es mit einem Symptomtagebuch.  Nehmen Sie sich Zeit beim Essen. Nicht zu grosse Portionen schöpfen.  Suchen Sie einen Arzt, der sich für Sie Zeit nimmt und der nach der Krank­ heitsgeschichte fragt. RDS kann auch vererbt werden.  Wenn Sie am Verzweifeln sind, lohnt sich ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten.  Meiden Sie Alkohol, Zigaretten und Kaffee.  Bewegen Sie sich an der frischen Luft. Regel­ mässigkeit ist hier wichtiger als Intensität.  Es kann sein, dass sich RDS spontan zurückbildet.  Probieren Sie verschiedene Entspannungsmöglich­ keiten aus.  RDS ist nicht lebens­ bedrohlich.

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Check-up Der Fall Operatives

Lifting oder Filler?

«Ich möchte mein Gesicht verjüngen lassen, fürchte mich aber vor einem Facelifting.»

Wir alle erleben es früher oder später: Unser Gesicht altert, die Spannkraft lässt nach, Konturen verlieren ihre Definition, es zeigen sich Augenringe und Hohl­wangen, Hamsterbäckchen kündigen sich an. Nicht jeder ist sofort bereit, sich unters Messer zu legen, und was viel wichtiger ist: Nicht immer ist das auch sofort notwendig! Eine natürliche Auffrischung des Gesichtes besteht nicht nur aus chirurgi­ schem Straffen, also einem Facelifting, sondern vor allem in der dreidimensio­ nalen Behandlung: Was hängt, muss ge­ strafft werden, unter anderem am Hals, was zu viel ist, muss abgesaugt werden,

TV-Tipp Samstag, 30. Juli, 18.10 Uhr Herzfehler Jedes hunderste Baby kommt in der Schweiz mit einem Herzfehler zur Welt. Trotz rettenden Opera­ tionen müssen diese Patienten lebenslang betreut werden. Zwei Frauen berichten, wie sie mit den Benachteiligun­ gen fertig werden. Natascha Coppola kam vor 35 Jahren mit einem Herzfehler zur Welt. Jetzt aber ist ihr Herz so geschwächt, dass nur noch eine Transplantation sie retten kann. Ihr Bericht, wie man sich fühlt, wenn man auf der Warteliste zum Leben steht (Wiederholung im Sommerprogramm). www.gesundheitsprechstunde.ch

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wie zum Beispiel bei einem Doppelkinn, und was zu wenig ist, muss aufgefüllt wer­ den! Heute empfehlen wir deshalb ein Volumenlifting. Im Gegensatz zum Auffül­ len einzelner Falten mit dünnflüssigen Fillern wie Hyaluronsäure in oberflächli­ chen Schichten, spritzen wir immer häu­ figer dickflüssige Filler in die Tiefe, um Konturen wieder herzustellen, wie zum Beispiel bei den Wangenknochen, oder wir ersetzen Volumen. Dies vor allem bei Augenringen, Hohlwangen oder im Mund­ bereich. Das tief injizierte Hyaluron hebt mehrere Gewebeschichten an und ver­ ursacht deshalb trotz grossen Volumina keine Unebenheiten an der Hautober­ fläche. Vielmehr treffen zwei Effekte in völliger Synergie aufeinander: viel Volumen und dadurch eine sanfte Sofort­ straffung – ganz ohne Narben! Eine wichtige Neuerung auf dem Gebiet der Volumenbehandlung ist die Einführung der Pix’l-Microkanüle. Führte man früher die Unterspritzung mit spitzen, scharfen Kanülen durch, so

benötigte man dabei häufig multiple Einstiche, die durchaus schmerzhaft sein können. Nicht selten kam es mit den scharfen Kanülen zu Schwellungen, Blu­ tungen und blauen Flecken. Durch die stumpfe, abgerundete Spitze der Pix’lKanüle sind Verletzungen der Gefässe in den tiefen Gewebeschichten, wo das Volumen gebraucht wird, nahezu aus­ geschlossen. Die Microkanüle gleitet ge­ webeschonend an den Blutgefässen vor­ bei, anstatt sie zu verletzen. Der Eingriff ist deutlich weniger schmerzhaft, und Schwellungen sind um ein Viel­faches minimiert, sogar im Bereich der Lippen. Durch die Länge der Kanüle und ihre Flexibilität kann man von nur ein bis zwei Punkten, also Einstichen, grosse Areale des Gesichtes behandeln. Zusätzlicher Vorteil: Trotz einer grossvolu­migen Unter­ spritzung kommt es zu keiner langen Ausfallszeit im privaten oder beruflichen Alltag. www.dr-otte.ch

Wellness für den Geist u Buchtipp Kommen Sie zur Ruhe, und widmen Sie sich etwas Zeit! Dazu müssen Sie nicht nach Indien oder Tibet reisen – das Wohnzimmer oder das Büro in der Mittagspause reicht vollkommen aus. In ihrem neuen Buch erklärt die amerikanische Meditations­ lehrerin Sharon Salzberg, wie man beim Meditieren richtig sitzt, atmet und den Geist beruhigen kann. Eine CD mit vier geführten Meditationen leistet zusätz­ liche praktische Hilfe. ISBN 978-3-7787-8230-9.

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Ein kalter Guss am Morgen beugt schweren Beinen vor. Wer die kalte Dusche regelmässig macht, stärkt zudem die Venen.

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Laufen Sie wieder einmal ­barfuss! Vor allem auf weichem und unebenem Boden stärkt das die Fussmuskulatur.

Foto HO

Dr. Jens Otte ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und leitet eine Praxis in Zürich.


Die Besten 10 Kultur- und Eventtipps

Wasserdicht Nena

Foto Esther Haase

u Es ist ja nicht so, dass die Schweiz zu wenig Open Airs hätte. Aber Sommer, Sonne und Musik sind einfach eine umwerfende Mischung. Deshalb hat nun auch Basel ein eigenes Open Air: Summerstage. Auf der Kunsteisbahn treten an drei Tagen neben den Top-Acts Sinead O’Connor (18. 8.), Söhne Mannheims (19. 8.) und Nena & Band (20. 8.) auch regionale Bands wie 4th Time Around, Blush oder Anna Rossinelli auf. Dank der gedeckten Tribüne und dem geschützten Bereich vor der Bühne fällt am Summerstage garantiert kein Act ins Wasser. anina rether

Peppig Nena, die Sängerin des legendären Songs «99 Luftballons», wirkt auch mit 51 noch so frisch wie eh und je.

SUMMERSTAGE Basel 18.–20. 8. Ticketcorner Tel. 0900 800 800 (CHF 1.19/Min., Festnetz), www.ticketcorner.ch schweizer illustrierte

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Die Besten kultur

Im Atelier Die Malerin Pat Noser scheut keine ungewöhnlichen Themen. Pat Noser – reise in die verbotene zone

Auf Spurensuche Ein Langzeitprojekt brachte Pat Noser vor fünf Jahren in das Gebiet um Tschernobyl. Das ­malerische Ergebnis ihrer Recherchen ist in einer grossen Einzelausstellung in Biel zu sehen.

Verlassen Trotz der Verwahrlosung schön: «Stuhl im Spital» von Pat Noser.

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u Zwanzig Jahren nach Tschernobyl erinnerten die Zeitungen mit Bildern und Berichten an die Atom-Katastrophe von 1986. Für kurze Zeit. Doch dies genügte, um Pat Nosers Neugier zu wecken: Wie leben die wenigen illegal Zurückgebliebenen? Ohne Strom, ohne soziales Gefüge, ohne Läden, ohne Arzt. Eine Antwort musste her. Die 51-jährige Künstlerin stellte daraufhin ein Langzeitprojekt auf die Beine, das sie in diese verbotene Zone bringen sollte. Mit einem Reisestipendium des Kantons Bern und einigen Brocken Russisch machte sich die Bielerin auf den Weg ins Unbekannte und Bedrohliche. Viermal wird Pat Noser nach Kiew und in die Sperrzone um Tschernobyl fahren,

8000 Fotografien mit nach Hause nehmen. Hauptsächlich Naturauf­ nahmen und ein paar wenige Por­träts. Im Bieler Atelier sichtet Pat Noser stundenlang ihre Aufnahmen, bis sie die Sujets findet, die sie später auf die Leinwand bannen will. Mit dem Malen beginnt sie erst nach der zweiten Reise. Es entstehen poetisch-melancholische Bilder von verlassenen Innenräumen, üppig blühenden Gärten, Autowracks im wuchernden Dickicht. Menschen in Würde gealtert, trotz Gram und Entbehrungen. Aber auch Spiegeleier finden den Weg aufs Bild, nebst Fischen, Tomaten und Eingemachtem. «Mein Hauptthema ist der Widerspruch», erklärt die ausgebil-


diese woche in den galerien

Malerei. Fotografie. Skulpturen Dick aufgetragen

u Patrick Bruggmann arbeitet mit einer pastosen Masse und nimmt den Spachtel statt den Pinsel, um die Farben auf Holzplatten auf­ zutragen. Damit gestaltet der Autodidakt Landschaftsbilder, Blumensujets und Bilder aus dem täglichen Leben. Seine Technik gibt den Werken eine ungewöhnliche Plastizität. Es entstehen lebendige, frisch leuchtende Bilder im steten Spannungsfeld von Licht und Schatten. Der St. Galler lebt seit einigen Jahren in Zürich. rea

Museum Sursilvan Trun GR Bis 3. 9. Mo, Mi, Sa sowie jeden 2. und 4. Sonntag im Monat 14–17 Uhr, Tel. 081 - 943 11 39

Momentaufnahmen

u Ihre Bilder zeigen Krieg, Hunger, Katastrophen. Aber auch Hoffnung,

Lachen und Lebensfreude. Die Tessiner Fotografin Katja Snozzi zeigt in der Schau «MondoMomenti» Bilder ihrer Reisen in die ganze Welt. Neben ihrer Arbeit als Fotojournalistin war sie auch stets für humanitäre Organisationen tätig. Die 127 Schwarz-WeissFotografien zeigen häufig existenzielle Not, unterstreichen aber gleichzeitig immer auch die Würde des Menschen.  rea

Würdevoll «Baba vor Kate» zeigt eine der wenigen Verbliebenen in der Sperrzone um Tschernobyl.

Palazzo Casorella Locarno TI Bis 21. 8. Di–Do 10–12, 14–17 Uhr, Tel. 091 - 756 31 70, www.katjasnozzi.ch

Reduktion

u Der New Yorker Gary Kuehn ist ein bedeutender Vertreter der Pro-

Überwuchert Ob verseuchter Boden oder nicht: Die Natur erobert sich ihr Gebiet zurück, wie in «Saporoschez».

cess-Art. Der Künstler entwickelte seine Bildsprache aus der Minimal Art: Beschränkung auf das Wesentliche, Repetition und Einfachheit. Die geometrischen Formen Kreis, Quadrat und Dreieck verbinden sich in seinen Arbeiten mit Schaumstoff, Eisen und Metall. «Expression – Suppression» zeigt eine exklusive Auswahl an Skulpturen und Zeichnungen aus 40 Schaffensjahren des Künstlers.  rea Häusler contemporary Zürich Bis 13. 8. Di–Fr 12–18, Sa 11–16 Uhr, Tel. 043 - 810 04 27, www.haeusler-contemporary.com

Fotos Lukas Unseld, HO (7)

theater dete Zeichenlehrerin und zeigt in ihrem Werk – trotz der Trostlosigkeit der verseuchten Zone – auch das Schöne. Die Farben der Malerin sind pastos, die Motive mit grosszügigen Pinselstrichen aufgetragen. Pat Noser verbringt viel Zeit vor der Leinwand. «Ich bin eher langsam, aber gründlich.» Auch habe sie bisher nie so konsequent an einem Thema gearbeitet: Das Resultat ist nicht nur beeindruckend, sondern hat auch durch die Katastrophe in Japan an Aktualität gewonnen. kati moser centre pasquart Biel BE Bis 28. 8. Mi–Fr 14–18, Sa/So 11–18 Uhr, Tel. 032 - 322 55 86, www.pasquart.ch, Katalog CHF 38.–

Wer wagt, gewinnt u Ein ungewöhnlicher Ort, Top-Acts und eine gute Stimmung sind wichtig, damit ein Klas­sik­festival aus den immer zahlreicher werdenden ­Angeboten sticht. Den ­Jardins Musicaux gelingt das zusätzlich wegen des zeitgenös­ sischen Musik­ programms. So werden hier die Werke des 20. Jahrhunderts auf die Bühne gebracht. Musik

von Frank Zappa (13./20. 8.), Luciano Berio (21. 8.) oder Heitor Villa-Lobos (14./21. 8.). Und falls Puccini-Arien Einzug ins Programm finden, werden sie mit Nino Rotas «Ballet Suite» von «La Strada» kombiniert (15./17. 8.). rea Jardins Musicaux 13.–28. 8. Tickets Tel. 032 889 36 05, www.jardins­ musicaux.ch

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Die Besten kultur 5 Fragen an ein buch

Peter Steiner

Im Zweifel Jackson Lamb (Kyle Chandler) kann sich die Explosion nicht erklären.

Fassungslos Die Teenies trauen ihren Augen nicht. Alice (Elle Fanning) und Joe (Joel Courtney, vorne). «super 8» (USA)

Explosive Verwicklungen Sechs Teenager aus Ohio wollen 1979 einen Super-8-Film über Zombies drehen. Eines Nachts, während der Filmaufnahmen am Bahnhof von Lillian, werden sie Zeuge eines grässlichen Unfalls: Ein Auto wird auf den Gleisen von einem vorbeirasenden Güterzug erfasst. Die darauffolgenden Explosionen sind unverhältnismässig stark. Während die Jugendlichen sich in Sicherheit bringen, filmt die umgekippte Kamera das ganze Inferno. Kurios: Diesen Vorfall wird es offiziell niemals gegeben haben! u Die Stars Die 13-jährige Elle Fanning (Alice) zieht bereits alle Register der Schauspielkunst. Fabelhaft ihre Verwandlung zum Zombie. Überzeugend ist auch der ein Jahr ältere Joel Courtney als sensibler Halbwaise Joe. Ebenfalls u Die Story

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gut besetzt sind die Rollen der übrigen Jungs. u Das Ende Selten ist ein Anhang so witzig ausgefallen. Darum: Bleiben Sie nach dem Abspann sitzen, und schauen Sie sich das Werk der Möchtegernfilmer an. «Der Fall» lohnt allemal – schliesslich war man als Zuschauer bei den Dreharbeiten ja mit dabei. u Das Fazit «Super 8» ist ein intelligent gemachter Sci-Fi-Film vom Genre-­ Spezialisten J. J. Abrams («Star Trek», «Mission: Impossible 3»). Zwar wird mit den Katastrophenbildern dick aufgetragen, doch die Story ist spannend, die filmenden Teenies agieren chaotisch und zeitweise urkomisch. kati moser 8 8 8 8 8 Länge: 111 Min. Regie: J. J. Abrams. Kinostart: 4. 8.

Wovon handelt das Buch? Im Wesent­ lichen geht es ums Wesentliche. ­ Um die Dosis Ruhe und Gelassenheit, die wir im Alltag oft vermissen. Was müssen wir tun, damit unser Leben Freude macht und wir vor Stress nicht krank werden? Peter Steiner ­ ist der Zen-Profi unter den Glücks­ forschern. Seine Antwort: Richtiges Nichtstun ist enorm hilfreich. Was ist die Botschaft? Mit verständ­ lichen Worten blickt Steiner hinter die Kulissen des Daseins, lehrt uns Bescheidenheit, auch beim Reflektieren: «Einer der Nachteile übermäs­sigen Denkens liegt in der Unruhe, die Gedanken in uns verursachen.» Wer ist der Autor? Peter Steiner lebt in Zürich, liebt Kaffeehäuser und hat bereits die Medita­tionsperlen «Vom Glück der Stille» und «Weisheit für Minimalisten» ver­öffentlicht. Der Manager stieg 1999 aus dem Job aus und übt sich bei chinesischen Meistern in Zen-Meditation und Qigong. Welche Passage bleibt? «Einfach dasitzen. Die richtige Haltung ein­ nehmen. Still werden. Es einfach nur versuchen. Nur versuchen. Einfach zu sein.» Für wen? Das 135 Seiten starke Bändchen ist die perfekte Sommerlektüre für alle, die sich früher oder später den Psychiater ersparen wollen. Caroline Micaela hauger Peter Steiner Das Wesentliche so nah (Edition Spuren)

Fotos Paul Seewer, HO (3)

Was im Leben wirklich zählt


Die Besten event demnächst

Caveman. Klassik. Herz

Ernsthaft Der afro­ amerikani­ sche Rapper Aloe Blacc gibt sich gern sozialkritisch.

Steinzeit für heute

u Wer sich gelegentlich vor Augen hält, dass

Männer einst Jäger und Frauen Sammlerinnen waren, begreift sein Leben ­entscheidend besser. Erst recht, wenn die pfiffige ­Comedy in Mundart daherkommt. hv swiss caveman Das Zelt, Kreuzbleiche St. Gallen 3. 9. um 20 Uhr, www.das zelt.ch

pool bar festival: Social Soul mit AloE Blacc

Dollars in Fülle

cd-Tipp

Ma(H)lerisch

u Welch subtile Gestaltung von Musik und Text, welche Farbnuancen der Stimme: Mahlers «Wunderhorn»-­Lieder sind hörbar Heimat für Bariton Thomas Hampson. Kammermusi­kalisch begleiten die Wiener ­Virtuosen.

Hans Uli von Erlach

THOMAS HAMPSON Mahler-Lieder (DGG)

– so der Taufnahme von Aloe Blacc – den Durchbruch im internationalen Musikbusiness geschafft. Mit dem inhaltlichen ging ein musika­ lischer Wandel vom Rapper zum Soul-Man einher: «Ich will Geschichten erzählen. Hip-Hop hat mich dabei irgendwann eingeschränkt, es fehlt das Melodische im Gesang. Logisch, denn im Endeffekt geht es beim Rappen um das schnelle Aneinanderreihen von sich reimenden Worten», sagt er. Aber: «Eine Stimme kann viel mehr als das, eine Stimme ist ein eigenständiges Instrument zum Erzeugen von Melo­ dien und Emotionen.» An Melodien und Emotionen wird es in Feldkirch garantiert nicht mangeln. Weitere Highlings am Pool Bar Festival: The Real McKenzies (27. 7.), FM4 Wochenende (28.–30. 7.) und The Thermals (13. 8.). hanspeter vetsch aloE blacc Pool Bar Festival, Feldkirch (A), 10. 8. um 20.30 Uhr, www.poolbar.at tickets für die besten events!

wohlklang zuhauf u Beethoven,

Mozart, Mahler, Brahms, ­ vorak, Schubert: Die Ausgabe 2011 des D ­Ascona Music Festival lädt mit dem Pianisten Daniel Levy zu einer musikalischen Reise ein, die Einklang und Eintracht vereint. hv Ascona Music Festival Ascona TI Bis 27. 8., www.academyofeuphony.com

Anatomie Emotional

u Gunther von Hagens’ Schau mit plasti­ nierten menschlichen Körpern hat bereits 32 Millionen Menschen fasziniert. Erstmals in der Schweiz ist jetzt die Körperwelten-Aus­ stellung «Eine Herzenssache» zu sehen. hv

körperwelten Messe Basel 26. 8.–2. 1. 2012, www.congress.ch schweizer illustrierte

Fotos HO (4), CMS Source

u Seine Themen sind Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, ungerechte Verteilung von Vermögen, Plünderung von Ressour­cen und ein genereller Mangel an Mitgefühl, der den Kapita­lismus kennzeichnet: ziemlich happig also, was Aloe Blacc auftischt. Doch weil er seine sozialkritischen Botschaften mit belebenden Melodien paart, erreicht der Afroamerikaner das ganz grosse Publikum. Spätestens mit der Soul-Hymne «I Need a Dollar» und seinem zweiten Studioalbum «Good Things» hat Egbert Nathaniel Dawkins III

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gruen

Die Aktion «180 Tage im BIO-Hotel» testete auch das Schloss Wartegg am Bodensee.

Nester-Tester

Bei fair gehandeltem Kaffee wird garantiert, dass die Pflücker korrekt bezahlt und ­behandelt werden.

gruen interview

„Die Kaffee-Ernte ist sehr anstrengend“ Ohne Kaffee läuft für viele nichts: Bei der Firma Starbucks profitieren auch die Bauern vom Kaffeeboom – der Espresso für Frappuccino und Co. wird fair gehandelt.

Interview: Barbara Halter

Fotos: HO

GRUEN: Colman Cuff, seit einem Jahr hat Starbucks auf fair gehandelten Espresso umgestellt. Gehört da auch mein täglicher Latte dazu? Ja, alle unsere Getränke werden mit dem Espresso-Roast gemacht. Dieser trägt das weltweit anerkannte Fairtrade-Label, in der Schweiz auch unter Max Havelaar bekannt. Diese Umstellung betrifft nur Europa und Grossbritannien. Wieso? Die Marke Fairtrade ist in Europa besser etabliert als in den USA. Die Schweiz ist der grösste Markt für fair gehandelte Produkte. Ich denke, die Leute hier haben ein höheres soziales Bewusstsein als anderswo. Starbucks garantiert, dass der Kaffee

Colman Cuff Geschäftsleiter Starbucks Coffee Trading Company in Lausanne. Der ganze weltweite Einkauf von Kaffee tätigt Starbucks über das Büro in der Schweiz.

«verantwortungsbewusst angepflanzt» wird. Was heisst das konkret? Wir stellen sicher, dass die Kaffeebauern korrekt bezahlt und behandelt werden. Das betrifft auch die saisonalen Arbeitskräfte, die den Kaffee pflücken. Die Ernte wird von Hand gemacht und ist sehr anstrengend. Wir stellen den Arbeitern Unterkünfte zur Verfügung, und ihre Kinder können die Schule besuchen. Und die Umwelt? Wenn es Dünger oder Pestizide braucht, müssen diese richtig angewendet werden, dazu gehören zum Beispiel auch Schutz­ anzüge und Masken für die Arbeiter. Der Kaffee darf nicht näher als zwei Meter von Flüssen angebaut werden. Bei der Ver­arbeitung des Kaffees gibt es viel Abfall in Form von Fruchtfleisch. Dieses wird kompostiert. Was verdient ein Bauer? Aktuell liegt der weltweite Kaffeepreis bei 2.50 Dollar für ein Pfund. Wenn man Fair­ trade-Kaffee einkauft, erhält der Bauer den Marktpreis sowie einen zusätzlichen Aufpreis, den die Kooperativen in Schulen, Gesundheitspflege oder soziale Einrichtungen investieren. Noch eine Frage zu den Papierbechern: Was tun Sie gegen den vielen Abfall? Unsere Angestellten müssen immer fragen, ob man den Kaffee im Geschäft trinkt oder mitnimmt. Wer mit seinem eigenen Becher kommt, zahlt 80 Rappen weniger.

FErientipps Zum Zehn-Jahr-Jubiläum des Vereins BIO-Hotel testet eine Gruppe junger Leute während 180 Tagen rund 50 ökologische Unterkünfte. Von Mai bis November sind sie in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und der Schweiz unterwegs. Gerade machten zwei von ihnen Urlaub im Schloss Wartegg in Rorschacherberg am Bodensee. Was sie dort erlebten, kann man auf dem Blog nach­ lesen. www.180-tage-bio-hotels.info/de

Weniger Plastik Gute Vorsätze Puma springt nach einer besseren Öko-Bilanz und hat aus­ gerechnet, wie stark ihre Produktion von Schuhen und Sportartikeln die Umwelt belastet. Im vergangenen Jahr betrug diese einen Wert von 118 Millionen Franken! Diese Belastung will die Firma senken: Ab 2018 soll nur noch Baumwolle der Better Cotton Initiative verwendet werden, um weniger Wasser und Pestizide zu verwenden. Bereits um­gesetzt sind die Clever Little Bags. Die neue Verpackung spart Karton und Plastik und kann als Tasche wiederverwendet werden. safe.puma.com

Kredit vergeben STarthilfe Frauen in Entwicklungsländern haben kaum einen Chance, einen Kredit zu erhalten – auch wenn die Summen meist klein sind. Um zu helfen, vergibt das Unternehmen Kiva.org Mikrokredite an Frauen, damit sie ein Geschäft gründen oder erweitern können. Die Hautpflege­ linie Dermalogica beteiligt sich nun daran: Wer ein Produkt kauft, erhält einen Code, mit dem er einen Dollar an eine Unternehmerin vergeben kann. www.joinfite.org


Weekend Reisen, geniessen, rätseln!

Magische Nächte auf dem Pilatus Wer im BelleEpoque-Hotel auf dem Gipfel übernachtet, lässt sich von der auf­gehenden Sonne wecken.

PILATUS – SO ATTRAKTIV WIE NOCH NIE

Belle Epoque auf 2132 Metern E Alpin-Chic 30 Zimmer und Suiten mit Traum-Panorama.

s war ein Kraftakt! 30 Millionen investierten die Pilatus-Bahnen in die Rundum-Erneuerung auf dem Luzerner Hausberg. 5800 Tonnen Baumaterial wurden in 2500 Heli-Flügen und 1000 Bahn-Extrafahrten zum Gipfel geführt. Das Ergebnis ist beeindruckend: Eine raffinierte gläserne Panorama-Galerie verbindet die Hotels Kulm und Bellevue und macht den Pilatus für Touristen «allwettertauglich». Ein

neues Free-Flow-Selbstbedienungs­ restaurant und eine Sonnenterrasse warten. Faszinierend ist die Über­ nachtung im denkmalgeschützten, aber rundum renovierten «Bellevue» (Baujahr 1890!): Diner im Restaurant Queen Victoria. Schlafen in modernen Zimmern und oder Suiten. Erwachen wegen des Sonnenaufgangs! HE INFO DZ ab CHF 230.–, www.pilatus.ch schweizer illustrierte

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Reisen

Durchkomponiert Die Villa Gamberaia in der Nähe von Florenz ist ein Beispiel an vollendeter Gartenarchitektur mit spektakulärem Blick über die Stadt.

Traveldesk

«Radisson»: Dubais schönster Dach-Pool u «Radisson»-Gäste können dem hektischen Leben Dubais leicht entfliehen: Der exklusive Dach-Pool (mit Bar) ist eine Oase der Ruhe. Die Attraktionen im neuen Hotel mitten im Zentrum: 375 gros­ se Zimmer, 96 (!) Suiten, Zen-Spa, vier Restaurants. INFO www.rezidor.com

Malediven: Big Five unter Wasser u Das Addu-Atoll im Süden der Malediven lockt mit unberührten Korallenriffen und den «Big Five» unter Wasser. Das Shangri-La’s Villingili Resort bietet «Dolphin Cuises», SchildkrötenSchnorcheltouren und Ausflüge mit der Hoteljacht «Horizon». INFO www.shangri-la.com

Grandi Giardini italiani in Florenz

Lustwandeln in P Die sanfte Landschaft der Toskana ist weltberühmt. Weniger bekannt sind ihre historischen Gärten. Zu Unrecht. Lernen Sie Florenz und Umgebung von einer unbekannten Seite kennen.

W

«Peninsula NYC»: Yoga auf der Sonnenterrasse u Ziemlich cool! Das «Peninsula» hat über den Dächern Manhattans, in der 21. Etage, eine 300 m2 grosse Sonnenterrasse eröffnet! Der Pool-Boy bringt Sonnencreme und eisgekühlte Tücher, der Personal Trainer bittet morgens um 7 Uhr zur Yoga-Lektion. INFO www.peninsula.com

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er sich auf einer Parkbank im Giardino Torrigiani nieder­ lässt, vergisst die Touristen­ ströme, die die Strassen und Plätze von Florenz im Sommer bevölkern, augen­ blicklich. Innerhalb der Gartenmauern beherrschen Vogelgezwitscher, plät­ schernde Springbrunnen, verwunsche­ ne Ecken, kühle Grotten und herrliche Blumendüfte das Szenario. Ein wenig bekanntes Kleinod mitten in der welt­ berühmten Stadt. Besichtigung nur mit telefonischer Voranmeldung. Tel. +39 055 224527, www.giardinotorrigiani.it

u Die sieben Hektar grosse Anlage gehört, wie der nebenan gelegene, be­ rühmte Garten Boboli hinter dem Palaz­ zo Pitti, zu den Grandi Giardini Italiani. Die Vereinigung, die über 80 herrschaft­ liche Gärten in ganz Italien, auf Malta und im Tessin umfasst, setzt sich für den Erhalt des historischen Gartenerbes ein. Saverio Lastrucci, verantwortlicher Landschaftsarchitekt der Villa Peyron in Fiesole, erklärt: «Wir richten uns streng nach den historischen Plänen. Deshalb sehen die Gartenanlagen heute noch mehrheitlich so aus wie zu der Zeit, als


Herrlich Feinste Küche und preisgekrönte Aussicht: das Restaurant Il Verrocchino.

Prächtig Vor den Toren von Florenz liegt die Villa La Massa, ein herrliches Anwesen aus der Medici-Epoche.

Romantisch Der sieben Hektar grosse Giardino Torrigiani wurde im englischen Stil angelegt und ist eine Ruheoase mitten in Florenz.

Foto Prisma, Photolibrary

rachtgärten sie gebaut wurden.» Von hier öffnet sich ein wunderbarer Blick über Florenz. Und auf die auf der anderen Seite der Stadt gelegenen Terrassen des Giardino Bardini, dessen 60 Sorten Hortensien für eine üppige Farbenpracht sorgen. www.bardinipeyron.it u Rund um Florenz finden sich insge­ samt sieben solche öffentlich zugängli­ che Prachtgärten der Grandi Giardini Italiani. Bei einigen sind nach Voranmel­ dung auch die Villen zu besichtigen. Neu dabei ist die Villa La Massa. Etwas aus­ serhalb der Stadt direkt am Arno gele­ gen, eignet sich die vornehme Residenz in einem Renaissance-Palast als idealer Ausgangspunkt, um die grünen Schätze der Gegend zu erkunden. Die Gästeschar des Leading Hotel of the World ist illus­ ter: Schon Elizabeth ­Taylor und Richard

Burton haben hier genächtigt. David Bowie liess sich in der hoteleigenen Kapelle trauen. Der neun Hek­tar grosse Garten der Villa ist zwar noch im Aufbau.

Prachtvolle Aussichten geniesst der Gast dafür im hauseigenen «Verrocchino», das zum Restaurant mit dem schönsten Blick Italiens gekürt wurde.  anina rether

Check-in u Anreise

mit Zug: Zürich–Florenz retour ab CHF 178.–, mit Swiss ab Zürich ab CHF 229.–. Auf Wunsch holt ein Shuttlebus die Gäste am Bahnhof oder Flughafen ab u ­ Luxushotel Villa La Massa, 5 Sterne, 37 Zimmer, DZ ab EUR 395.–, Tel. +39 055 626 11, www.villalamassa.com u Besondere Angebote 3 Nächte im DZ, Besuch zweier Gärten der Grandi Giardini inkl. Führung, Kochkurs, für EUR 1258.– p. P. (bis 1. 10.) oder 1197.– (2. 10.–5. 11.). Gartenreise durch die Toskana, begleitet von zwei Kunsthistorikern, inkl. 6 Nächte im DZ im «Villa La Massa» für EUR 2700.– p. P. u Weitere Infos und Gärten www.grandigiardini.it

Mit Stil Die 37 Zimmer und Suiten des «Villa La Massa» sind alle individuell eingerichtet.

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En Guete

Pastete Genuss im Teig.

Es gibt was zu feiern!

Zu einer gemütlichen Party gehört auch immer etwas Feines zu essen. Spätestens am 1. August ist es wieder so weit: Nationalfeiertag.

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Party-Fleischpastete

Zutaten (für 5–6 Personen) Füllung 200 g Kalbfleisch, 200 g Schweinefleisch, 100 g geräucherter Speck, alles vom Metzger einmal fein hacken lassen, 200 g Pouletfleisch, fein gehackt, 100 g Schinkenwürfeli, je 1 grüne und rote Peperoni, in Würfeli, 1 Esslöffel Sulzpulver, 2 Esslöffel Cognac, 1 Esslöffel Öl, 1 Messerspitze Muskat, 1/4 Teelöffel Salz, 1/4 Teelöffel Pfeffer, 500 g Blätterteig, 1 Eiweiss, verklopft, 1 Eigelb, verdünnt Vor- und zubereiten ca. 20 Min. Kühl stellen ca. 1 Std. Backen ca. 35 Min. u Für die Füllung Hackfleisch in eine Schüssel geben, gehacktes Pouletfleisch und alle Zutaten bis und mit Pfeffer beigeben, zu einer gleichmässigen Masse kneten, ca. 1 Std. kühl stellen. Blätterteig zu einem Quadrat von

ca. 40 cm auswallen. Für den Teig­bo­ den ein Rechteck von ca. 14 × 30 cm und für den Deckel ein Rechteck von ca. 20 × 30 cm ausschneiden. Teig­ boden auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen. Pastete formen und füllen Masse zu einer Wurst, etwas kürzer als der Teigboden, formen, darauflegen. Rand ca. 1 cm breit mit Eiweiss bestreichen. Deckel darüberlegen. Rand ringsum gut andrücken, mit Teigrädchen gerade schneiden. Teigresten für Garnitur verwenden, mit Eiweiss aufkleben. Pastete mit Eigelb bestrei­ chen, dann mit einer Gabel einstechen. Backen ca. 35 Min. in der unteren Hälfte des auf 200 Grad vorgeheizten Ofens. Dazu passt Salat. Schneller gehts 2 rechteckig ausge­ wallte Blätterteige (je ca. 25 × 42 cm) verwenden.

Cumberland-Sauce Von 1 Orange Schale dünn abschälen, in feine Streifen schneiden, kurz blanchieren, abtropfen. Schalenstreifen mit 150 g Johannisbeergelee, je 1/2 EL Zitronen- und Orangensaft, 1–2 EL Portwein, 1 TL scharfem Senf, wenig Salz und Pfeffer ve­rrüh­ren, kühl stellen.

2

Nudel-Gratin valaisan

Zutaten (für eine weite ofenfeste Form von ca. 2 Litern, gefettet) 250 g Nudeln, Salzwasser, siedend, 450 g Zucchini, in ca. 5 mm dicken Scheiben, 500 g Tomaten, geschält in Scheiben Fleisch Bratbutter zum Anbraten, 350 g geschnetzeltes Schweinefleisch (z. B. Bäggli), 1 Esslöffel Mehl, zum Bestäuben, 1/2 Teelöffel Salz, wenig Pfeffer, 2 Zwiebeln, fein gehackt, 2 Knoblauchzehen, gepresst, 1 dl Rotwein, 1/4 Teelöffel Thymianblättchen, 75 g Raclettekäse, gerieben, einige Butterflöckli Vor- und zubereiten ca. 35 Min. Gratinieren ca. 20 Min. u Nudeln und Zucchini im siedenden Salzwasser al dente kochen, in einem Sieb abspülen, abtropfen. Tomaten getrennt mit den Nudeln und Zucchini bis zum Einfüllen zugedeckt beiseite stellen. Für das Fleisch Bratbutter im Brattopf heiss werden lassen, Fleisch portionen­ weise beigeben, mit Mehl bestäuben, anbraten, herausnehmen, würzen. Hitze reduzieren, Bratfett mit Haushaltpapier auftupfen, Fleisch in den Topf zurück­ geben. Zwiebeln und Knoblauch bei­ geben, andämpfen. Wein dazugiessen, Thymian beigeben. Einschichten Nudeln, Gemüse und Fleisch abwechslungsweise in die

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En Guete vorbereitete Form schichten. Käse und Butterflöckli darauf verteilen. Gratinieren ca. 20 Min. in der Mitte des auf 220 Grad vorgeheizten Ofens. Dazu passt Saisonsalat.

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Coq au vin en croûte

Zutaten (für 4 Personen, für eine hohe ofenfeste Form von ca. 2 Litern) 2 Poulets ( je ca. 800 g), in Vierteln, 13/4 Teelöffel Salz, wenig Pfeffer, Brat­ butter zum Anbraten, 150 g Speck­ würfeli, 150 g Saucenzwiebeln, ge­ schält, 1 dl Cognac, 3 dl Rotwein (z. B. Dôle), 1 Knoblauchzehe, fein gehackt, 1 Prise Zucker, 150 g Cham­ pignons, in Vierteln, nach Bedarf Salz, wenig Pfeffer, 1 Teelöffel Butter, weich, 1 Teelöffel Mehl Teigdeckel 250 g Blätterteig, 1 Eigelb Vor- und zubereiten ca. 70 Min. Backen 15 Min.

u Pouletteile beidseitig würzen. Brat­ butter im Brattopf heiss werden lassen,

Pouletteile portionenweise anbraten, herausnehmen. Speckwürfeli und Saucenzwiebeln in demselben Topf ca. 2 Min. anbraten, herausnehmen, Bratfett mit Haushaltpapier auftupfen. Poulet wieder beigeben, Cognac dar­ übergiessen, heiss werden lassen, an­ zünden. Achtung: Nicht unter dem eingeschalteten Dampfabzug flambieren! Hitze reduzieren, Wein dazugiessen, Knoblauch und Zucker beigeben. Cham­ pignons beigeben, zugedeckt ca. 25 Min. köcheln, bis die Pouletstücke weich sind. Poulet und Pilze, ohne die Sauce, in die vorbereitete Form füllen. Speck und Saucenzwiebeln darüber verteilen. Sauce würzen. Butter und Mehl mit einer Gabel gut mischen, portionenweise unter Rühren mit dem Schwingbesen beigeben, ca. 10 Min. köcheln, über die Pouletstücke giessen. Für den Teigdeckel Blätterteig etwas grösser als die Form auswallen, For­ menrand aussen ca. 2 cm breit mit Eigelb bestreichen. Teig darüberlegen, dem Rand entlang gut andrücken, mit restlichem Eigelb bestreichen, evtl. mit Teigresten garnieren. Backen ca. 15 Min. in der unteren Hälfte des auf 220 Grad vorgeheizten Ofens.

impressum

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Büro Paris Suisse Presse Médias, Annemarie Mahler, 6 rue de Bièvre, F-75005 Paris, Tel. +33-1-42 60 34 61, Fax +33-1-42 60 54 69 Nr. 30, 100. Jahrgang. Erscheint montags BÜRO USA SwissPress, Inc., Helen Marchel, 29 Long Meadow Road, Riverside, Connecticut 06878, USA, Tel. +1-203-637-6866, Beglaubigte Auflage 232 519 Exemplare Fax +1-203-637-8392, swisspress@swisspress.tv ISSN 0036-7362 Verlag Ringier AG, 4800 Zofingen Abonnements-Dienst (Telefon gratis) 0800 820 920 Mo bis Fr: 7.30–18.00 Uhr, aboservice@ringier.ch Verlag der Ringier-Zeitschriften Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Tel. 044 - 259 61 11, Fax 044 - 259 68 44 EINZELVERKAUF einzelverkauf@ringier.ch Marketing Verena Baumann (Leitung), Esther Burger, Patricia Häusler Redaktion Schweizer Illustrierte, 8008 Zürich, Dufourstrasse 23 Head of Marketing Zeitschriften Thomas Passen Anzeigenleiterin Tel. 044 - 259 63 63, Fax 044 - 259 86 22, info@schweizer-illustrierte.ch Zeitschriften Claudia Dippel Product Manager Claudia Zweifel internet www.schweizer-illustrierte.ch, www.online-kiosk.ch Produktionsleiter Roland Winkler Anzeigenverkauf Chefredaktor Nik Niethammer Verlagsdirektor Urs Heller stv. chef­ International Fax +41-44-259 69 96 redaktor/Nachrichtenchef Stefan Regez MITGLIED DER Chef­redaktion Syndication und Nachdruckrechte RDZ Syndication – Ursula Stephan Sutter Sekreta­riat Sara Schrepfer (Assis­tentin des Chefredaktors), Steinegger, Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Tel. 044 - 259 61 60, Kathrin Berchtold (Assistentin des Verlags­direktors), Beatrice Pisciottano Fax 044 - 259 86 69 creative Director Jean-Robert Schaffter Unter­haltungs­­chefin Bettina Druck Swissprinters AG, 4800 Zofingen, Tel. 058 - 787 30 00 Portmann Politikchef (a. i.) Stefan Regez wirtschaftschefin Nina Siegrist Vertrieb im Ausland Ringier SA, BP 228, F-68306 St-Louis Cedex; Sportchef Iso Niedermann Bildchef Markus Schnetzer Textchefs Natascha Illustrierte-Zeitschriften-Vertriebs-GmbH, Turmstrasse 4, D-78467 Konstanz Knecht, Jan Morgenthaler autorin Stephanie Ringel Nachrichten Thomas Kutschera (stv. Nachrichtenchef), Marcel Huwyler, Alejandro Velert Unter­haltung Telefonnummer für Ausland-Abonnenten +41-62-746 40 84 Auslands-Abonnementspreise Anfragen an den Verlag richten Daniela Zivadinovic (stv. Unter­haltungs­chefin), Sandra Casalini, Aurelia Forrer, Bekanntgabe von namhaften Beteiligungen i. S. von Art. 322 StGB: Bar­bara Halter, Yvonne Zurbrügg (People) Sport Thomas Renggli kunst Caroline Addictive Productions AG; Betty Bossi Verlag AG; Energy Bern AG; Energy Micaela Hauger Kultur, Die Besten Anina Rether (Leitung), Kati Moser, Isolde Schaffter-Wieland Shopp­ing Beatrice Schönhaus (Leitung), Ursula Borer, Kristina Schweiz Holding AG; Energy Zürich AG; ER Publishing SA; Eventim CH AG; Geschenkidee.ch GmbH; Good News Productions AG; GRUNDY Schweiz AG; Köhler, Nina Lienhard Gesundheit Verena Thurner, Lisa Merz Ko­ordi­na­tion Sonder­hefte Isabel Notari Bildredaktion Ulli Glantz (stv. Bildchef), Geraldine Investhaus AG; JRP Ringier Kunstverlag AG; 2R MEDIA SA; Mediamat AG; media swiss ag; Original S.A.; Pool Position Switzerland AG; Previon AG; Presse Haas, Fabienne Hubler Fotografen Thomas Buch­walder, Fabienne Bühler, Hervé Le Cunff, Marcel Nöcker, Kurt Reichen­bach, Charles Seiler, Willy Spiller, Bruno Voser, TV AG ; Qualipet Digital AG; Rincovision AG; Rose d’Or AG; Sat.1 (Schweiz) AG; SMD Schweizer Mediendatenbank AG; SMI Schule für Medienintegration AG; Dick Vredenbregt Layout/Pro­duk­tion Patrick Brun (stv. Art Director), Maria Teleclub AG; The Classical Company AG; Ringier Axel Springer Media AG; Carlucci, Claudia Friedrich, Fabienne Hany, Dominic Koch, Nigel Simmonds (Info­ Ringier France SA (Frankreich); Ringier Publishing GmbH (Deutschland); Juno grafiken), Otmar Staubli, Karin Strebel, Doris Wüthrich (techn. Leitung) Design Kunstverlag GmbH (Deutschland); Ringier (Nederland) B.V. (Holland); Ringier Beling Thoenen Design Korrek­torat Stefan Bührer, Irène Müller Ständige Mit­arbeiter Urs Bärtschi (Auto), Peter Bichsel, Zeno van Essel, Helmut Hubacher, Kiadó Kft. (Ungarn); Népszabadság Zrt. (Ungarn); Ringier Pacific Limited Peter Hürzeler, Chris von Rohr, Ilona Scherer, Peter Scholl-Latour, Elizabeth Teissier (Hongkong); Ringier Print (HK) Ltd. (Hongkong); Ringier China (China); Ringier Vietnam Company Limited (Vietnam); Get Sold Corporation (Philippinen). si online Barbara Lanz (Leitung Redaktion), Yasmin Merkel (stv. Leitung Redaktion), Javier Vázquez (Web-Engineer), Anouk Haimoff, Ramona Thommen iPad René Haenig (Leitung Redaktion), Samuel Bosshard, Ueli Johner, Regula Revellado, Renée Sylvia Schauecker Buchhaltung Mirella Vignoni

Der Nachdruck sämtlicher Artikel und Illustrationen ist verboten. Für den Verlust nicht verlangter Reportagen übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.

Lässt sich vorbereiten Coq au Vin am Vortag kochen, auskühlen, Teigdeckel darauflegen, alles zugedeckt kühl stellen. Die Backzeit verlängert sich um ca. 5 Minuten.

Käsehörnli mit Brösmeli Zutaten (für 4 Personen) 400 g Hörnli oder Makkaroni, Salz­ wasser, siedend, 100 g Butter, 8 Ess­ löffel Paniermehl, 150 g Appenzeller, fein gerieben Vor- und zubereiten ca. 15 Min.

u Hörnli im siedenden Salzwasser knapp weich kochen, abtropfen. In der Zwi­ schenzeit Butter in einer Bratpfanne warm werden lassen, Paniermehl bei­ geben, bei mittlerer Hitze goldbraun rösten. Heisse Hörnli lagenweise mit dem Käse auf vorgewärmte Teller oder eine Platte geben. Brösmeli darüber­ geben. Dazu passt Apfelmus. Getränkevorschlag Weissweine wie Fendant, Genfer Chasselas, Apfelsaft, Bier.

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GaultMillau Restaurant Stefs Freieck Wildbachstrasse 42 8008 Zürich Tel. 044 - 380 40 11 Sonntag, Montag geschlossen Vom 18. Juli. bis Mitte August mittags geschlossen Visa und Mastercard EC-Direct, keine Postcard www.stefs.ch

Schlicht & erfreulich Küchenchef Stefan Wieser und Gastgeber Meinrad Schlatter.

Das Traumlokal gefunden

«Stefs Freieck», Zürich Die Speisekarte ist klein, dafür die Qualität hoch. Aufregend, sinnlich und überzeugend. Gastgeber Meinrad Schlatter und Küchenchef Stefan Wieser überzeugen.

Seit Anfang Februar empfangen im Restaurant NEU Stefs Freieck im Zürcher getestet Seefeld neue Hausherren. Für das Wohl der Gäste sorgt aufmerksam und dezent Meinrad Schlatter. Am Herd steht Stefan Wieser, der seine Laufbahn bei Judith Sourvinos begann und sein Können an verschiedenen illustren Adressen vervollständigte. Nach zwei Intermezzi mit eigenen Restaurants hat das Gastgeberduo nun sein Traumlokal gefunden. Hoffentlich bleiben die beiden länger hier, denn diese Kombination von Ort und Geschehen gestaltet sich auch für die Besucher erfreulich.

Der kleine Raum ist geprägt von weis­sen Tischtüchern und Wänden. Nichts lenkt von der Hauptsache ab, dem Essen. Dieses ist wunderschön angerichtet und ohne Ausnahme sorgfältig zubereitet. Auffallend klein ist die monatlich wechselnde Speisekarte, was für hohe Qualität und Frische bürgt. Wir wählten die Terrine vom Kaninchenfilet, die mit Sommertrüffel getoppt war und von einem würzigen Rhabarber-Erdbeer-Chutney sowie Salat begleitet wurde. Ein aufregender Auftakt! Die mit getrockneten Tomaten gefüllten Hausravioli unter dem ParmesanSchaum waren subtil abgeschmeckt. Nach den eher kreativ zubereiteten Vorspeisen kamen die Hauptspeisen

währschaft daher. Die Brust vom Poulet noir mit Morchelsauce und der aromatisch gewürzte Zander mit der Estragonsauce boten einen sinnlichen Hoch­ genuss. Beide waren von denselben Beilagen begleitet, weissem Spargel und neuen Bratkartoffeln. Fürs Dessert sollte man etwas Platz lassen, etwa für den Käseteller mit den fünf Ostschweizer Sorten. Zu überzeugen vermochte auch der lauwarme Schoggikuchen mit der Mangosauce und dem säuerlichen Bananen-JoghurtGlace. Zum Glück ist das Angebot an Weinen grösser als das auf der Speisekarte. So findet sich für jede und jeden ein Tropfen, der das Gaumenerlebnis abrundet. 

KNote für eine wegweisende, überragende Küchenleistung J Note für ausserordentliche Kochkunst und Kreativität I Note für beste HG Hoher Grad an Kochkunst und Qualität FE Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet 12/20 Herkömmliche, gute Küche ohne besondere Ambitionen

20/20 Idealnote, bis heute in der Schweiz nie vergeben Qualität und hohe Konstanz

Foto Dick Vredenbregt

Wein-Tipp König der Weissweine Riesling gilt unter Fachleuten als König der Weissweine. Und Deutschland ist das Terroir, das dieser aromatischen Sorte die beste Bühne bietet. Riesling ist für Deutschland, was Chasselas für die Schweiz

und Grüner Veltliner für Öster­reich ist – die Signaturtraube. Um einen Riesling richtig zu verstehen, muss man immer wieder am Glas riechen, bevor man trinkt. Erst dann erkennt man eine aromatische Vielfalt. Ein guter Einsteiger- und

Apéro­wein ist der Riesling 2009 M-C (11,5 %) des ­bekannten pfälzischen Weingutes Müller-Catoir. Er duftet nach Granny Smith, Ginger­ sorbet und Rosen. Im Gaumen ist er trocken, süffig und sehr erfrischend. Ideal zu Fisch und Gemüse.

Boucherville Zürich Tel. 044 - 299 40 30 www.boucherville.ch Jetzt geniessen. Trinktemperatur: 8 bis 10 Grad. u CHF 17.50

schweizer illustrierte

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Horoskop

«Manche könnten sich jetzt neu verlieben»

schlägt. Oder man verliebt sich? Am 3./4. steht Mars positiv zu Neptun und Merkur, am 5. die Sonne zu Saturn, dies ­könnte diplomatische Gespräche voranbringen, vielleicht ein Schritt in Richtung Frieden? Oder Entscheidungen für unsere Umwelt? Erfolg für langfristige Projekte und Entscheidungen?

widder 21.–30. 3. Sie amüsieren sich, stehen im Mittelpunkt, man liegt Ihnen zu Füssen. Am 1. und 3. winkt eine tolle Überraschung oder eine Begegnung (Liebe auf den ersten Blick), Neubeginn? 31. 3.–9. 4. Sie lassen sich verwöhnen, stehen mit sich und der Umwelt im Einklang (am 4.). Günstig für eine langfristige Ent­ scheidung (mit dem Partner?) wird der 5. 10.–20. 4. Sie sind auf der Überholspur, physisch in Bestform und kaum zu bremsen (speziell am 4.). Exzellent für Sport, Reisen, Besuche. Ihre gute Laune wirkt ansteckend.

stier 21.–30. 4. Die Stimmung zu Hause (oder mit Angehörigen) könnte angespannt sein (am 1. und 3.). Nur vor dem 22. Geborene sind physisch in Best­ form, ihre gute Laune steckt an (4.). 1.–10. 5. Sie haben sich eine Pause verdient, sollten (am 2.) ausspannen, eine Einladung annehmen. Am 31. könnten es zu Hause Probleme geben. 11.–20. 5. Sie geniessen das Leben in vollen Zügen, sind am 2./3. glänzend gelaunt. Am 31./1. kümmern Sie sich um häusliche Dinge oder um die Sor­ gen einer Angehörigen, am 5. sind Sie sehr gesprächig.

zwillinge 21.–31. 5. Ihr Charme bezaubert, man liegt Ihnen zu Füssen. Gehen Sie aus, nehmen Sie Einladun­ gen an! Am 1. und 3. erleben einige eine Sternstunde (1., 3.). Um den 21./22. Geborene sollten auf der Hut sein (Verluste, Wohnung?). 1.–10. 6. Sie sind am 31. ent­ spannt, können sich aussprechen. Am 2. ist die Stim­ mung zu Hause angespannt, Sie müssen intervenieren. Ein Projekt bringt gute Resultate (am 5.). 11.–21. 6. Sie stürzen sich kopfüber ins Kampfgeschehen, sind sehr effizient (1., 5.). Am 3. legt man Ihnen Steine in den Weg.

krebs 22. 6.–1. 7. Sie geben Ihr Geld mit vollen Händen aus (u. a. für Freunde, Projekte), speziell am 1. und 5. Am 3./4. entdecken Sie neue Horizonte, knüpfen interessante neue Kontakte. Um den 30. Geborene sind der strahlende Mittelpunkt (am 1.). 2.–12. 7. Ein Problem (Angehörige, Wohnung?) könnte am 5. gelöst werden, aber am 4. müssen Sie den ersten Schritt machen. Am 2. finden Sie die richtigen Worte. 13.–22. 7. Sie sind am 2./3. kontaktfreudig, gewinnen Sympathien (Ausland?). Eine Reise gut vorbereiten, alle Details bedenken!

löwe 23. 7.–1. 8. Venus in Ihrer Dekade verspricht aufregende Begegnungen, schöne Momente voller Romantik. Am 1. erleben einige eine Sternstunde: Liebe auf den ersten Blick, Neubeginn? Nicht auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen (5.)! 2.–12. 8. Sie sind am 31. bester Laune. Um den 4. Geborene ernten die Früchte ihrer Anstrengungen, steigen eine Stufe höher (am 5.). Am 4. bringt ein Gespräch Klärung. 13.–23. 8. Sie sind aktiv und dynamisch, ideal für Sport und Hobbys (mit Freunden). Am 1. kommt ein neues Projekt gut voran.

jungfrau 24. 8.–2. 9. Eine günstige Phase für ­Reisen, Kontakte, Examen etc., speziell am 3./4. Sie ­argumentieren überzeugend, entdecken neue Horizonte. Am 1. und 5. nichts überstürzen! 3.–12. 9. Einen unerwarteten ­Gewinn (3.) vorerst für sich behalten. Vor dem 8. Ge­borene sollten Bilanz ziehen (am 4.). Am 6. finden Sie die richtigen Worte. 13.–23. 9. Am 2./3. können Sie nur schwer Ihre Gefühle verbergen, einige schweben in höheren Sphären. Nur nach dem 18. Ge­ borene neigen zu überstürzten Reaktionen (31., 3.).

waage 24. 9.–3. 10. Eine Woche der Freundschaft und aufregender Begegnungen. Niemand kann Ihrem Charme widerstehen (am 1. und 3.). Bleiben Sie mit bei­ den Beinen auf dem Boden (am 5./6.). 4.–13. 10. Neue Vorhaben kommen gut voran, ein Treffen bringt gute Laune (am 4./5.). Vor dem 6. Geborene ernten, was sie im vergangenen Herbst gesät haben. 14.–23. 10. Sie sind körperlich fit, kommen schneller als gedacht ans Ziel. Ideal u. a. für Sport und Hobbys (am 1.). Am 31. sind Sie gut inspiriert, können ein neues Projekt starten.

skorpion 24. 10.–2. 11. Sie sind gut inspiriert, kreativ und amüsieren sich glänzend mit Freunden oder dem Partner (3., 4., 5.). Was Sie jetzt beginnen, bringt um den 9. September gute Resultate. Am 1. übertreiben Sie, sind leichtsinnig. 3.–12. 11. Sie sind kontaktfreudig, gewinnen neue Freunde (am 2.). Am 31. und 6. müssen Sie sich anstrengen, um am Ball zu bleiben. Vor dem 8. Geborene stossen auf Widerstand. 13.–22. 11. Sie fühlen sich wohl im Kreise Ihrer Freunde, schmieden Pläne. Am 2./3. sind Sie glänzender Laune, am 1. nicht in Bestform.

schütze 23. 11.–2. 12. Sie stehen im Mittelpunkt, können Venus ungetrübte Stunden verdanken (1., 3.). Es kann zu einer denkwürdigen Begegnung kommen. Vor dem 25. Geborene sollten vorsichtig sein, u. a. bezüglich der Wohnung (Verluste, Panne?). 3.–12. 12. Sie fühlen sich wohl im Kreise Ihrer Liebsten (31., 4.). Freunde be­ weisen Ihnen, wie sehr man Sie schätzt. Vor dem 8. Ge­ borene machen Nägel mit Köpfen. 13.–21. 12. Sie feiern die Feste, wie sie fallen, treffen Ihre Freunde (am 5.). Am 31. und 3. sollten Sie vorsichtig sein, nichts überstürzen!

steinbock 22.–31. 12. Fruchtbare Diskussionen (mit dem Partner?) schaffen Klarheit (3., 4., 5.). Ausserdem günstig für eine Reise, Studien etc. Nach dem 28. Ge­ borene sind auf Erfolgskurs, neue Projekte versprechen gute Ergebnisse für Ende September und Anfang 2012. 1.–10. 1. Am 2. und 6. Ihrer inneren Stimme folgen. Vor dem 7. Geborene haben die Möglichkeit, einiges in Ihrem Leben zu ändern (2., 4., 5.). 11.–20. 1. Routinewoche. Am 2./3. sind Sie gut gelaunt, freuen sich über eine Nachricht. Am 5. könnte es anders kommen als geplant.

wassermann 21.–30. 1. Eine überraschende Begegnung (1., 3.) sorgt für gute Laune und ebnet den Weg für ein Projekt, einen Vertrag. Nach dem 28. Geborene sollten in finanziellen oder juristischen Dingen vorsichtig agieren. 31. 1.–9. 2. Die Initiative liegt derzeit eher beim Partner, gemeinsam können Sie (am 4./5.) einen Schritt weiter­ kommen. Am 6. geduldig sein. 10.–19. 2. Sie sind phy­ sisch in Top-Verfassung, können sich einen Vorsprung sichern. Günstig für Sport oder ein grösseres Vorhaben. Am 31. und 1. sollten Sie nichts zu sehr forcieren.

fische 20. 2.–1. 3. Hören Sie auf Ihre innere Stim­ me (3., 4., 5.). Sie können einen schönen Treffer landen, Aufstieg, Gewinn, schicksalhafte Begegnung? Am 1., 4. Vorsicht bei der Ernährung, am Wasser. 2.–10. 3. Ein ­guter Zeitpunkt, um Ihre Gewohnheiten zu ändern (z. B. mehr Bewegung, gesünderes Essen). Am 2. können Sie sich mit dem Partner aussprechen. 11.–20. 3. Am 2. oder 3. den ersten Schritt machen, sich der Situation an­ passen. Nach dem 16. Geborene sind impulsiv (31., 3.) und sollten mehr Toleranz zeigen (u. a. im Familienkreis).

ihr tages-horoskop 82

Mit dem Astro-Telefon haben Sie einen direkten Draht zu Elizabeth Teissier. Fr. 2.50/Min. + Fr. 2.50/Anruf (vom Festnetz)

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u Zugang mit persönlichem Astro-Code

Illustrationen Michael Husmann Tschäni; bearbeitet und übersetzt von Gerhard Hynek

woche vom 31. 7. bis 6. 8. 2011 Positive Aspekte überwiegen. Lediglich am 1. kommt es zu einer Dissonanz zwischen Sonne und Jupiter, aber ausgeglichen durch einen harmonischen Winkel Venus–Uranus. Dies könnte heissen, dass man die Feste feiert, wie sie fallen, vielleicht etwas über die Stränge

Dr. Elizabeth Teissier


DAS GROSSE SI SOMMER-SPECIAL

Hauptpreise im Gesamtwert von über 40 000 Franken zu gewinnen! In 5 Wochen einmal um die Welt! Nehmen Sie an unserem Sommer-Special teil und mit etwas Glück gewinnen Sie als Hauptpreis einen Mazda2, 1.5. Sport, im Wert von 23 420 Franken, eines von zwei Home Cinema-Sets von Philips im Wert von je 8936 Franken oder einen der attraktiven Wochenpreise. Die Schweizer Illustrierte nimmt Sie mit auf eine Reise und diese Woche besuchen wir Australien. Lassen Sie sich vom nächsten Reiseziel überraschen!

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ts im Gesamt wert von 17 872 Fran ken!

QUIZ Hauptpreis:

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Testen Sie diese Woche Ihr Wissen über Australien!

Ermitteln Sie für jede Frage den richtigen Lösungsbuchstaben.

Jede Nacht wird einer Premiere Der Reihe nachzu in die Lösungsfelder eingetragen, ergibt sich

1. Was ist eines der Wahrzeichen von Sydney? das Lösungswort. mit dem 21:9 Kinoformat und Ambilight A Opera House H Ayers Rock R Aurora Tower Wert: 20 00 Franken! Lassen Sie sich mit demWochenpreis: Philips 58PFL9955 LED-Fernseher von Filmen begeistern – in einem Bildformat, 2. Ein australisches Raubtier ist der Tasmanische ...? für das sie gemacht sind. Das besonders breite Bildformat, Perfect Pixel HD Engine und LED Pro sorgen Gewinnen Sie 1 × zwei Übernachtungen für E König B Teufel I Zauberer für ein perfektes 21:9 Kinoformat, und die Bilder werden mit dem einzigartigen Ambilight und 3D in Szene gesetzt.

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3. Wie nennt man die Rugby-Nationalmannschaft von Neuseeland? Ein wahres imKinoerlebnis Albergo Serpiano im Wert von 2000 Franken! • Cinema 21:9 Bildformat, keine störenden schwarzen Balken am oberen/unteren Bildrand O All Blacks M Green Kiwis S Red Socks 4. Wie viele Zeitzonen gibt es in Australien? L sechs F vier R drei

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5. Wo wurde ein grosser Teil von «Der Herr der Ringe» gedreht? I Neuseeland O Tasmanien A Australien 6. Wie heissen die Ureinwohner von Neuseeland? P Aborigines G Maori T Indios

Erleben Sie einen romantischen Aufenthalt im Albergo Serpiano und lassen Sie sich bei einem Gourmetabendessen oder im Haman verwöhnen. Geniessen Sie die einmalige Panoramasicht hoch Integriertes Internet-Fernsehen • Philips Net TV mit WiFi Luganersee, für Online-Dienste auf Fernseher über dem aufIhrem dem Monte San Giorgio im UNESCO• Premium Online-Videoshops und Fernsehsendungen auf Abruf Weltnaturerbe. Einlösbar bis am auf 20.11.2011. • WiFi MediaConnect für die Wiedergabe der Mediendateien Ihrem PC überwww.serpiano.ch Ihren Fernseher

7. Von welcher australischen Band stammt der Song «T.N.T.»? U INXS E Bee Gees I AC/DC 8. Welche Stadt liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Tasmanien? N Istanbul B Paris R Neapel 9. Keine australische Schauspielerin ist ...? E Sandra Bullock A Rachel Griffiths I Cate Blanchett 10. Wie nennen die Australier den roten Felsen «Ayers Rock»? N Bimberi O Aye Aye S Uluru LÖSUNGSWORT

Und so nehmen Sie teil: Telefon 0901 B 909 050 (CHF 1.–/Anruf vom Festnetz) SMS Schicken Sie ein SMS mit QUIZ, Ihrer Lösung und Ihrer Adresse an die 530 (CHF 1.–/SMS) Beispiel QUIZ SONNE an 530 Chancengleiche WAP-Teilnahme ohne Zusatzkosten http://m.vpch.ch/SCH24529 (gratis übers Handynetz) Der Hauptpreis wird am Ende des Sommer-Specials unter allen Teilnehmern des Quiz verlost. Das Sommer-Special dauert bis am 14. August 2011. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Mitarbeiter der Ringier AG und ihrer Tochtergesellschaften sowie Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. Automatisierte Teilnahmen sind nicht gewinnberechtigt. Teilnahmeschluss Sonntag, 31. Juli 2011

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KREUZWORTRÄTSEL Hauptpreis:

Gewinnen Sie 1 × einen Mazda2, 1.5. Sport, 5-türig, Farbe Icy Blue*, im Wert von 23 420 Franken! Der Chefdesigner des Mazda2 hat auch den aufregenden Mazda RX-8 entworfen und das sieht man – der Mazda2 der zweiten Generation hat bewiesen, dass ein Wagen der Kompaktklasse attraktiv und frech sein und dabei jede Menge Fahrspass bieten kann. Es ist daher keine Überraschung, dass er die Auszeichnung «2008 World Car Of The Year» erhielt. Das neueste Modell bietet einen überarbeiteten Innenraum, eine noch aufregendere Linienführung und ein noch komfortableres Fahrverhalten. Mit seinen weiter verbesserten umweltrelevanten Leistungsdaten zeigt der Mazda2 gerade in unseren heutigen Grossstädten ein noch grösseres Verantwortungsbewusstsein. Die Standard- und die Sportausführungen des neuen Mazda2 bieten nun beide dieselbe sportliche Frontansicht. Die Sportversion unterscheidet sich durch zusätzliche Seiten- und Dachspoiler, die ihr ein noch rassigeres und aggressiveres Aussehen verleihen. Alle diese Neuerungen konnten ohne zusätzliches Gewicht, welches möglicherweise das sportliche Verhalten des Fahrzeugs beeinträchtigt hätte, realisiert werden. www.mazda.ch

Wochenpreis:

Gewinnen Sie 1 × zwei Übernachtungen für 2 Pers. in einer Suite im Hotel Courtyard by Marriott Basel im Wert von 2000 Franken! Wert: 2000 Franken!

Gewinnen Sie zwei Übernachtungen in einer Suite im Hotel Courtyard by Marriott in Basel. Im Preis inbegriffen: Welcome Drink, All American Breakfast Buffet und zwei Eintritte in das aquabasilea, die vielseitigste Wasserwelt der Schweiz auf 13 000 m2. Der Gutschein kann nur auf Anfrage und Verfügbarkeit eingelöst werden. Es erfolgt keine Barauszahlung. Der Gutschein wird für ein Jahr nach Ausstellung gültig sein. www.marriott.com

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Mazda2 im

Wert v 23 420 Fra on nken!

Und so nehmen Sie teil: Telefon 0901 908 119 (CHF 1.–/Anruf vom Festnetz) SMS Schicken Sie ein SMS mit SI, Ihrer Lösung und Ihrer Adresse an die 530 (CHF 1.–/SMS) Beispiel SI SONNE an 530 Chancengleiche WAP-Teilnahme ohne Zusatzkosten http://m.vpch.ch/SCH24521 (gratis übers Handynetz) Der Hauptpreis wird am Ende des Sommer-Specials unter allen Teilnehmern des Kreuzworträtsels verlost. Das Sommer-Special dauert bis am 14. August 2011. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Mitarbeiter der Ringier AG und ihrer Tochtergesellschaften sowie Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. Automatisierte Teilnahmen sind nicht gewinnberechtigt.

* Die Farbe des abgebildeten Autos ist nicht verbindlich.

Teilnahmeschluss Sonntag, 31. Juli 2011

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ZITAT ZWISCHEN ZAHLEN Die Zahlen sind durch Buchstaben zu ersetzen. Dabei bedeuten gleiche Zahlen gleiche Buchstaben. Bei richtiger Lösung ergeben die dritten Buchstaben, von unten nach oben gelesen, und die fünften Buchstaben, von oben nach unten gelesen, ein Sprichwort, Teile davon (grün) das Lösungswort. ZAHLENSCHLÜSSEL �

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Gewinnen Sie 3 × ein Pflege-Set Caviar Performance von ARTDECO im Wert von je 396 Franken!

Gesamtwert: 1188 Franken!

Der pure Luxus für die Haut. Nährender Kaviarextrakt, feinste Goldpartikelchen und liftende Wirkstoffe machen die ARTDECO Gesichtspflegelinie Caviar Performance zu einem El-Dorado für reifere, anspruchsvolle Haut. www.dekora.ch

Und so nehmen Sie teil: Telefon 0901 908 101 (CHF 1.–/Anruf vom Festnetz) SMS Schicken Sie ein SMS mit ZAHLEN, Ihrer Lösung und Ihrer Adresse an die 530 (CHF 1.–/SMS) Beispiel ZAHLEN REGEN an 530 Chancengleiche WAP-Teilnahme ohne Zusatzkosten http://m.vpch.ch/SCH24522 (gratis übers Handynetz)

Das Pflege-Set beinhaltet: Caviar Base, Caviar Essential Eye Lift, Golden Caviar Cream und Golden Caviar Line Filler.

Teilnahmeschluss Sonntag, 31. Juli 2011

WER HÄTS – OHÄ LÄTZ Die nebenstehenden Zeichnungen unterscheiden sich durch zehn Abweichungen. Kreisen Sie bitte diese Abweichungen auf der unteren Zeichnung ein. SO KÖNNEN SIE 20 FRANKEN GEWINNEN: Unter den richtigen Lösungen bei «Wer häts – ohä lätz» verlosen wir jede Woche 5 × 20 Franken. Bitte schneiden Sie Ihre Lösung aus, kleben Sie sie auf eine Postkarte (Briefe sind leider ungültig) und schicken Sie die Karte an: Schweizer Illustrierte, Postfach, 8099 Zürich. Bitte schreiben Sie Ihren Namen und Vornamen deutlich, damit Verwechslungen bei der Gewinnauszahlung vermieden werden. Einsendeschluss Sonntag, 31. Juli 2011

KREUZWORT-CHAOS Die Buchstaben der Lösungswörter stehen alphabetisch geordnet. Suchen Sie nach dem richtigen Wort und vervollständigen Sie das Kreuzworträtsel.

LÖSUNGSWORT Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosungen wird keine Korrespondenz geführt. Mitarbeiter der Ringier AG und ihrer Tochtergesellschaften sowie Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. Automatisierte Teilnahmen sind nicht gewinnberechtigt.

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SUDOKU Füllen Sie die leeren Felder so aus, dass in jeder Zeile und Spalte und in jedem 3 × 3-Kästchen die Zahlen 1 bis 9 nur einmal vorkommen. mittel

7 2 4

8

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3

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8 7 3

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5 Conceptis Puzzles

Gesamtwert: 975 Franken!

Gewinnen Sie 13 × einen Stabmixer HBM 710 von Kenwood im Wert von je 75 Franken!

Und so nehmen Sie teil: Telefon 0901 908 120 (CHF 1.–/Anruf vom Festnetz) SMS Schicken Sie ein SMS mit SUDOKU, Ihrer Lösung und Ihrer Adresse an die 530 (CHF 1.–/SMS) Beispiel SUDOKU 512 an 530 Chancengleiche WAP-Teilnahme ohne Zusatzkosten http://m.vpch.ch/SCH24524 (gratis übers Handynetz)

Neuer vielseitiger Stabmixer mit 9 Funktionen per Knopfdruck bedienbar und regulierbar. Das einmalige 3-flügelige Messersystem kombiniert mit dem einzigartig geformten Standfuss ermöglichen ein effizientes Hacken und Mixen. Variable Geschwindigkeit und Impulsfunktion. Langlebige 3-flügelige Messer aus Chromstahl. Mixerbecher mit 0,75 l Skala, mit robustem Griff und Deckel. Einfache Reinigung, abnehmbare Teile sind geschirrspülerfest. Inklusive Stabmixeraufsatz, Mixerbecher mit Literskala. www.kenwood.ch

Teilnahmeschluss Sonntag, 31. Juli 2011

06010002096

Gewinnen Sie 1 × eine Nacht für 2 Personen in der Bernina Suite inkl. Frühstück im Crystal Hotel St. Moritz im Wert von 1320 Franken!

schwer

Wert: 1320 Franken!

7

Telefon 0901 908 103 (CHF 1.–/Anruf vom Festnetz) SMS Schicken Sie ein SMS mit ZIFFER, Ihrer Lösung und Ihrer Adresse an die 530 (CHF 1.–/SMS) Beispiel ZIFFER 473 an 530 Chancengleiche WAP-Teilnahme ohne Zusatzkosten http://m.vpch.ch/SCH24528 (gratis übers Handynetz) Teilnahmeschluss Sonntag, 31. Juli 2011

5

4

Und so nehmen Sie teil:

Gewinnen Sie eine Übernachtung mit Frühstück für 2 Personen in der Bernina Suite und erleben Sie Luxus in perfekter Vollendung. Mitten in St. Moritz erwartet Sie eine Oase der Ruhe auf 130 m2. Geniessen Sie das Schlafzimmer im alpinen Stil, das behagliche Wohnzimmer mit Cheminée, den atemberaubenden Ausblick auf die Engadiner Bergwelt und vieles mehr! www.crystalhotel.ch

4 9

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3

5 Conceptis Puzzles

SUDOKU

1. Fitness, 2. Galerie, 3. Kaemmen, 4. Viamala, 5. Schakal, 6. Ginster, 7. Taeuber, 8. Eckzahn, 9. Benevol, 10. Chillon, 11. Goretta, 12. Laterne, 13. Radscha, 14. Pendent, 15. Flunder, 16. Kanuele, 17. Kuebler, 18. Umsicht, 19. Kaserne, 20. Seeland Lösungssatz: Essen und Trinken haelt Leib und Seele zusammen.

Lösung: STIEL

06010002591

REBUS

AUFLÖSUNG AUS HEFT 29 ZITAT ZWISCHEN ZAHLEN

7

3 7 9 8 2 1 4 5 6

5 8 4 9 6 7 2 3 1

2 6 1 4 5 3 8 7 9

8 4 5 2 1 6 3 9 7

6 9 7 3 8 4 5 1 2

1 2 3 7 9 5 6 8 4

9 3 6 5 7 2 1 4 8

4 1 8 6 3 9 7 2 5

7 5 2 1 4 8 9 6 3

Bei richtiger Deutung der Bilder erhalten Sie das Lösungswort.

06010002095

REBUS

1 2 3 =

AFFE RING KAEFIG AFRIKA

KREUZWORTRÄTSEL

KREUZWORT CHAOS

mittel – Lösung: 861 8 1 4 3 6 7 9 5 2

2 7 3 5 9 4 6 8 1

9 6 5 1 2 8 3 7 4

1 2 6 4 8 5 7 9 3

5 4 8 9 7 3 2 1 6

7 3 9 2 1 6 8 4 5

4 9 2 8 3 1 5 6 7

3 5 7 6 4 9 1 2 8

6 8 1 7 5 2 4 3 9

LÖSUNGSWORT

Gesamtwert: 750 Franken!

Gewinnen Sie 15 × eine Tageskarte für den Holmes Place Health Club Zürich oder Seepark/ Oberrieden im Wert von je 50 Franken!

06010002590

schwer – Lösung: 871 WER HÄTS – OHÄ LÄTZ

Lösung: EINKOMMEN

QUIZ Lösung: SCHIMPANSE

Mehr Bewegung und bewusste Ernährung – für die perfekte Wunschfigur und um die allgemeine Fitness zu verbessern, getreu dem Motto: move well, eat well, feel well! www.holmesplace.ch Und so nehmen Sie teil: Telefon 0901 908 140 (CHF 1.–/Anruf vom Festnetz) SMS Schicken Sie ein SMS mit REBUS, Ihrer Lösung und Ihrer Adresse an die 530 (CHF 1.–/SMS) Beispiel REBUS ABFAHRT an 530 Chancengleiche WAP-Teilnahme ohne Zusatzkosten http://m.vpch.ch/SCH24525 (gratis übers Handynetz) Teilnahmeschluss Sonntag, 31. Juli 2011

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leser

Pausen­übertragung in der Maladière in Neuchâtel sah. Es war ein Spiel der Super League, kein Uefa-Cup. Wo ist unser Nationalstolz? Wieso überlassen wir das Zepter diesen superreichen Geldwäschern?» Claudia Thüring-Schaub, per E-Mail

Lob und Kritik für monaco-Berichte u Hochzeit in Monaco, SI 27/2011 «Ich möchte Ihnen von Herzen für die wunderbare Ausgabe der Schweizer Illustrierten vom 4. Juli 2011 danken. Dieses Heft mit der Hochzeit von Monaco werde ich aufbewahren.» Elisabeth Abbühl, Horgen ZH

Rollender Rückzugsraum Das Reich von Randy Krummenacher, wenn er unterwegs ist. Im Wohnmobil kocht er selber Pasta.

«Randy wird noch für weitere Furore sorgen!» u Randy auf der Überholspur,

SI 28/2011 «Der Bericht über Randy Krummenacher hat mich fasziniert. Als ehemaliger Juniorenmeister im Motocross verpasse ich kein Rennen von Randy Krummenacher. Der schlaue Fuchs aus dem Zürcher Oberland zeigt ein immenses Fahrgefühl und wird in Zukunft noch für weitere Furore sorgen. Es würde mich nicht verwundern, wenn er eines Tages den Weltmeister-

Pokal in die Höhe stemmen würde. Weiter so, Randy!» Alexander Hermann, Tuttwil TG «wo ist unser Nationalstolz?" u Auf einen Espresso, SI 28/2011 «Bravo, lieber Herr Frank A. Meyer; ich gehe in allen Punkten mit Ihnen einig. Es macht mich traurig und zugleich auch wütend, wie machtlos wir einfachen Bürger hier sind. Und apropos Geld­wäscherei und Super­ reiche: Gestern wurde es mir übel, als ich die

«In der Schweizer Illustrierten vom 18. Juli korrigieren Sie eine Bildlegende aus dem Beitrag über die Hochzeit von Albert und Charlène (SI 27). Interessieren wird das wohl nur einige Leser. Weshalb korrigieren Sie nicht den Beitrag eine Woche zuvor (SI 26), als Sie behauptet haben, dass Victoria ohne ihren Gatten erscheinen würde (er kam mit), sowie die Aussage, dass das Königspaar von Schweden nicht eingeladen sei (sie kamen)! » Maya Briner, per E-Mail

willi

Schweizer Illustrierte, Leserbriefe, Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Fax 044 - 259 86 22, E-Mail info@schweizer-illustrierte.ch. Anonyme Zuschriften werden nicht veröffentlicht. Die Redaktion behält sich vor, Briefe zu kürzen.

«Bevor ich mit Tennis angefangen habe, hatte ich ein Paddelboot.»

Foto Hervé Le Cunff

schreiben sie uns ihre meinung


abschied

Gab es ein Leben vor dem Tod?

Sie galt als eines der grössten Musiktalente ihrer Generation. Ebenso legendär wie ihre Auftritte waren die Alkohol- und Drogenexzesse. Im Alter von nur 27 Jahren wurde Amy Winehouse vergangenen Samstag tot in ihrer Wohnung in London aufgefunden.

Foto Terry O’Neill/Contour by Getty Images

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as ging Ihnen als Erstes durch den Kopf, als Sie vom Tod von Amy Winehouse erfahren haben? Bei dem Lebensstil war das ja zu erwarten? Schade, dass sie es nicht auf die Reihe gekriegt hat? Es sterben ja jeden Tag Zigtausende von Menschen? – Ja, man hat es zwar kommen sehen bei Amy, aber trotzdem hat es mich berührt und aufgewühlt. Ich habe selbst erlebt, was es heisst, in jungen Jahren einen Musiker, ein Bandmitglied zu verlieren. Damals verstarb unser sensibler Gitarrist, ein grosses Talent, an den Folgen einer unheilbaren Drogensucht. Alles Zureden, Therapieren und Helfen brachte nichts. Wenn der Betroffene, der Kranke nicht selbst zur Einsicht kommt, können seine besten Freunde und Verwandten nichts ausrichten. Das seelische Loch, das in diesen Menschen hineingegraben wurde, war tausendmal stärker und tiefer als jeder Impuls von aussen, der dieses junge Leben hätte retten können. Amy wurde am 14. September 1983 in London als Kind einer Arbeiterfamilie geboren. Der Vater war Taxifahrer und Jazzmusiker, die Mutter Apothekerin. Die Eltern trennten sich, als sie neun Jahre alt war. Ein tiefer Einschnitt in diesem Alter. Amy besuchte bereits als Kind Theaterkurse und später eine Schule für britische Nachwuchskünstler. Als sie 18 war, unterschrieb sie ihren ersten Musikvertrag und wurde bereits für ihr Debütalbum «Frank» für die Brit Awards nominiert und schnupperte Platin-Luft. 2006 folgte das epochale Überflieger-Album «Back to Black», welches als Nummer 1 in die Weltcharts einging. Millionenverkäufe und der Riesenhype um die junge Sängerin nahmen Unheil bringende Formen an, da sie über keinerlei Schutz verfügte. Dieses Klima des Immer-von-allem-zu-vielBekommens ist auch für einen gefestigten Künstler

extrem ungesund. Für einen jungen, labilen, drogengefährdeten hingegen tödlich. Warum? Du hast fast nur noch Schulterklopfer, Drogendealer und devote Heuchler um dich, die von deinem Erfolg und Geld zehren wollen. Zwangsläufig muss man sich bei Amy Winehouse fragen, ob es ein Leben vor dem Tod gegeben hat und wie dieses wirklich aussah. Wohl vor allem eine Flucht vor der Realität und ihren Dämonen. Falsche Freunde und die Bilder, die seit Jahren in der Presse herumgeisterten, haben sie und viele ihrer Fans nur noch beelendet. Ihr Umfeld strahlte eine groteske, abgestürzte Unbe­ holfenheit aus. Niemand schien mehr weiterzuwissen, und in ihrem Hitsong «Rehab» gab Amy auch klar durch, was sie von Ent­ ziehungskuren hielt – nämlich nichts! Ich würde Amy schöpferisch nicht in eine Reihe stellen mit Grössen wie Jimi Hendrix, Jim Morrison, Janis Joplin oder Kurt Cobain von Nirvana, nur weil sie es auch nur bis 27 schaffte. Sie war eher eine Mischung aus überdurchschnittlicher Stimme, lang schon da gewesener Musik und scham-­ los breitgeschlagenem Boulevard. Die breite Masse liebt den öffentlich praktizierten Untergang. Das war ihr Ende. «Der Tod ist gross. Wir sind die Seinen lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns», schrieb einst der grosse Poet Rainer Maria Rilke – wie wahr! Doch der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt. Für viele Musikliebhaber wird die junge, exzentrische und extrem seelenvolle Sängerin Winehouse mit der Turmfrisur noch lange durch ihre Musik weiterleben. Autor Chris von Rohr, 59, ist Krokus-Gründer und Musikproduzent

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Auf einen Espresso

Frank A. Meyer und Marc Walder

Über BoulevardJournalisten und Putschisten

Das müssen Sie erläutern. Murdoch geht es nicht allein um Auflage oder kommerziellen Erfolg, sondern vor allem auch um politische Macht, die er – ganz be­sonders in England – mithilfe seiner Blätter aus-­ übt. Ein schändliches Beispiel für politische Manipulation ist sein rechtsradikaler Sender Fox Network in den USA. Lieber Frank A. Meyer, Murdoch hatte doch keine Ahnung, dass seine Journalisten in London Telefone abhören … Lieber Marc Walder, seien Sie bitte nicht naiver, als es der gesunde Menschenverstand erlaubt. Glauben Sie wirklich, dass Rupert Murdoch nichts wusste von den 725 000 Pfund, die sein Sohn James, Chef seines britischen Unternehmenszweigs News International, einem Abhör-Opfer als Schweigegeld überweisen liess? Dann halt anders herum: Wollen Sie, indem Sie das Management angreifen, Journalisten in Schutz nehmen, die sich jahrelang übelster Methoden schuldig gemacht haben? Im Gegenteil. Ich verachte sie! Diese Journalisten haben sich in den Dienst eines Medienputschisten gestellt. Denn darum geht es ja: Murdoch hat sich die höchsten Politiker, den Premierminister und seine Regierung, untertan gemacht, sie herabgewürdigt zu Befehlsempfängern. Die Journalisten, die diesen Putsch als Frontschweine exekutierten, fühlten sich auch noch wohl dabei.

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Sie überschätzen den Einfluss von Murdochs Medien masslos! So argumentieren Verleger und Journalisten gerne, wenn sie kritisiert werden. Murdoch konnte, wann immer er wollte, Hetzkampagnen gegen unliebsame Politiker inszenieren. Gleichzeitig hatte er jederzeit Zutritt zu Downing Street 10. Mit Fox Network zerstört Murdoch die politische Kultur in den USA, der grössten Demokratie der Welt. Aus diesem Sender kommt nur Hetze, Hetze, Hetze. In der Schweiz und in Deutschland sowie wohl in fast allen Ländern Europas wäre diese TV-Kloake verboten, weil sie gegen zahlreiche Gesetze verstiesse. Gottlob ist das noch so. Wieso sagen Sie «noch»? Weil wir in Ungarn, also in einem EU-Staat, gerade die partielle Abschaffung der Medienfreiheit erleben. Reihenweise werden regierungskritische Radio- und Fernsehjournalisten durch das Regime von Viktor Orban entlassen. Muss ich auch noch von Silvio Berlusconi reden? Italien, Ungarn, Grossbritannien, die USA: In vielen Nationen der westlichen Welt versuchen Finanzmächtige oder Regierungsmächtige die Medien in den Griff zu bekommen. Da die Demokratie nicht so leicht abzuschaffen ist, soll sie durch Medienmacht manipuliert werden. Vergleichbare Versuche aus der rechten Ecke gibt es auch in der Schweiz. Ich habe wirklich Mühe, Frank A. Meyer. Sie selbst schreiben seit 30 Jahren die vielleicht einflussreichste Kolumne des Landes – in der grössten Kaufzeitung der Schweiz, dem «SonntagsBlick». Sie nehmen doch selber Einfluss. Massiv sogar! Was ich schreibe, kann jeder Leser überprüfen. Und gegen das, was ich schreibe, kann jeder Kollege seine Meinung formulieren. Kritik und Gegenkritik gehören zu unserem demokra­ tischen System. Das System Murdoch dagegen – in England durch Zeitungen, in den USA durch den TV-Sender Fox – hat mit demokratischem Journalismus nichts mehr zu tun.  MARC Walder, 45, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland Frank A. Meyer, 67, arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin

Foto Thomas Buchwalder

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, was bedeutet der Abhörskandal um die Boulevard-Zeitung «News of the World» eigentlich für «Blick», «SonntagsBlick» und andere Boulevard-Medien? Der Gossen-Journalismus in Grossbritannien ist nicht vergleichbar mit dem Boulevard-Journalismus, wie er in der Schweiz oder in Deutschland betrieben wird. Zwischen Boulevard und Gosse liegt der Randstein, und über den ist Rupert Murdoch gerade gestolpert. Auch bei uns kommt es zu Regelverstössen, sogar inakzeptablen. Im Reich des Medienmoguls Murdoch aber hatten Gesetzesbrüche bis hin zu Bestechung und Erpressung System.


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