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Ski-WM So witzig feierte Didier Cuche die erste Schweizer Medaille

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14. Februar 2011 CHF 4.50

Entf端hrte Zwillinge

Alessia & Livia

Die Verzweiflung des Vaters. Das Leiden der Mutter. Die Hintergr端nde des Dramas


Inhalt

HEFT 7, MONTAG, 14. Februar 2011

Titel

Titel Handout, Milestone / Dukas; Inhalt Hervé Le Cunff

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u silber – Bravo! Er holt für die Schweiz die erste Medaille in GarmischPartenkirchen. Und feiert stilgerecht in bayrischer Tracht. Didier Cuche – der Verwandlungskünstler.

Alessia & Livia Die verzweifelte Suche nach den Zwillingen. Die fiese Liebe des Vaters. Die Hoffnung der Mutter Josef Sachs Der Psychiater: «Der Vater wollte die Mutter bestrafen»

Leute 7 8

38 44 54

Tagebuch von Nik Niethammer Leute Renzo Blumenthal, John Fust, Toni Graber, Urs Meyer, Julia Saner, Urs «Grosi» Grossenbacher Hans Erni 102! Der Jahrhundertmaler tut alles mit Mass. Ausser malen. Ein Besuch Oliver Keller Unser Mann in Hollywood. So lebt der Stuntman mit Tochter Geneva Ariella Kaeslin Im Märchenland. Mit der Turn-Queen an die Laureus-«Sport-Oscars» schweizer illustrierte

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Inhalt Ski-WM 22 26 28

Didier Cuche Silber! So witzig feierte der «Oldie» die erste Medaille der Schweiz Marco «Büxi» Büchel Die WM-Kolumne Dominique Gisin Ihr Tagebuch: «Das war meine Monsterfahrt in Garmisch»

Ägypten

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Morgenrot im Morgenland! Beginn einer neuen Zeit. Bilder voller Emotionen. Und: Die Analyse von Arnold Hottinger

Gesellschaft 48

u Ari im Wunderland Was für ein Tapetenwechsel! Von der Magglinger Schleifstube ins Reich von 1001 Nacht. Unsere Turn-Queen Ariella Kaeslin reist mit Laureus zu den Sports Awards nach Abu Dhabi. «Wow, so nahe bei den Stars war ich noch nie.»

Wie tickt die Jugend 2011? Sich arrangieren statt rebellieren! Grosser Report zur «Spider-Generation»: Das ist in, das out

Shopping 61

Das Magazin für lustvolles Einkaufen Mode, Style, Electronics

Check-up 71 72 74

Carlo Janka Erschöpft. Hilft eine OP gegen das Herz-Stolpern des Ski-Cracks? Kinderkrebstag Wie Simon Bähler, 9, seinen bösartigen Hirntumor besiegt hat Heilungschancen Bei vier von fünf krebskranken Kindern gelingt heute die Heilung

Die Besten 75

Das Schweizer Kulturmagazin Kunst, Musik, Bücher, Filme

Weekend Fotos Fabienne Bühler, Suhaib Salem / Reuters, Serge Höltschi

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u Befreit In der Bibel, im Koran, in der Thora waren die Ägypter immer die Sklaven. Die Bilder ihres grossen Jubels.

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Freizeit, geniessen, rätseln En Guete, GaultMillau, Reisen, Spiele

Und … 98 92 96

Notabene von Helmut Hubacher Horoskop Leserbriefe / Impressum

u Entspannt Action ist sein Beruf. Mit Tochter Geneva kann HollywoodStuntman Oliver Keller aber auch anders.

ABO: 0800 820 920, Redaktion: Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Tel. 044 - 259 63 63 Fax 044 - 259 86 22, E-Mail info@schweizer-illustrierte.ch, www.schweizer-illustrierte.ch

Mehr News, mehr Bilder: www.schweizer-illustrierte.ch

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tagebuch

Warum? Warum nur? Alessia & Livia Die erste Reaktion ist Wut.

Nik Niethammer, Chefredaktor

Ohnmacht. Fassungslosigkeit. Und immer wieder die Frage: Warum? Warum nur tut ein Vater so etwas? Entführt seine Kinder. Schickt seiner Frau entsetzliche Abschiedsbriefe: «Ohne gemeinsames Sorgerecht kann ich nicht leben! Ich bin völlig irr, krank, am Ende, zerstört! Hilfe!!» Stürzt sich schliesslich vor einen fahrenden Zug. Das ungewisse Schicksal der sechsjährigen Zwillinge Alessia und Livia aus St-Sulpice im Waadtland wühlt die Menschen in ganz Europa auf. Wenn es einen Trost gibt angesichts dieses Familien-Dramas, dann vielleicht diesen: Scheidungen werden in unserer Gesellschaft immer normaler. Sie bedeuten für die Partner nicht mehr automatisch einen Gesichtsverlust. Ich kenne mehrere Paare, die sich nach einer Trennung weiterhin mit Respekt begegnen und sich gemeinsam liebevoll um ihre Kinder kümmern. Was Alessia und Livia widerfahren ist und was ihre Mutter in diesen Tagen durchmachen muss, lässt uns schaudern. Trotzdem: Dass ein Vater nach der Trennung von seinen Liebsten derart die Kontrolle verliert, ist – zum Glück – ein tragischer Einzelfall. Die entführten Zwillinge – ab Seite 14.

Brav und angepasst Bei der Recherche

Unser Mann in Garmisch Reporter Alejandro Velert ist für Sie bei den Ski-Weltmeisterschaften im Einsatz. Hier interviewt er Pechvogel Dominique Gisin. Ab Seite 22.

zum Gesellschaftsreport «Wie tickt unsere Jugend?» wusste SI-Autorin Stephanie Ringel lange nicht, ob sie sich über das Forschungsergebnis einer von der Credit Suisse veröffentlichten Studie freuen oder auf­ regen soll. «Unsere Jugendlichen sind strebsam, karriereorientiert, wollen Familie und Kinder. Sie essen gerne Pasta und lieben Ferien im Ausland. Auf den ersten Blick ein beruhigendes Ergebnis», sagt Ringel. Beim zweiten Lesen der Studie kam bei ihr aber Unbehagen auf. «Wo bleiben die rebellischen Jugendlichen, die sich gegen die Gene­ration ihrer Eltern abgrenzen und neue Lebenswege suchen? Die sich interessieren, Althergebrachtes anzweifeln und ein gesundes Misstrauen ausleben?» Vollends aufgerüttelt habe sie die Auswertung der Frage «Was interessiert Sie am Tagesgeschehen?». Ergebnis: das Wetter. Darauf folgen – mit Abstand – Musik, regionale Aktualität und Sport. Politik, Wirtschaft und Kultur reissen niemanden vom Hocker. Ringel: «Das hat mich schockiert.» Wenn junge Schweizerinnen und Schweizer zu einer Generation von desinteressierten Karrieristen heranwachsen, hat das Land ein Problem. «Wir brauchen Jugendliche, die den Status quo der Gesellschaft kritisch hinterfragen», fordert Jan Skrobanek. Der Professor leitet den neuen Lehrstuhl für Jugendforschung an der Uni Zürich. Er plädiert für weniger Individualismus und mehr politisch-gemeinnütziges Engagement. Der grosse Gesellschaftsreport: Wie tickt unsere Jugend? – ab Seite 48.

Fotos Hervé Le Cunff, Kurt Reichenbach

In eigener Sache Die Schweizer Illustrierte

Besuch beim Jahrhundertmaler SI-Reporterin Caroline Micaela Hauger gratuliert Hans Erni zum bevorstehenden 102. Geburtstag und spricht mit ihm über Musik, die Frauen und den lieben Gott. Ab Seite 38.

sucht ab August 2011 zwei Volontärinnen oder Volontäre. Sind Sie jünger als 30, interessieren sich für Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport und möchten unbedingt Journalist oder Journalistin werden? Dann sind Sie unsere Frau oder unser Mann und arbeiten vielleicht schon bald auf der Redaktion des grössten People-Magazins der Schweiz. SI-Volontäre gesucht – auf Seite 96. Ich wünsche Ihnen eine sonnige, unbeschwerte Woche mit Ihrer Schweizer Illustrierten! schweizer illustrierte

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renzo blumenthal

wer liebt wen

Das Heu auf derselben Bühne u Da macht aber eine Nägel mit Köpfen! Im Oktober geheiratet, schon schwanger: Moderatorin Sheril Leemann, 27, gründet mit ihrem Mann Chris Hanselmann eine Familie. Im Sommer kommt das Baby zur Welt: «Wir feuen uns, dass es so schnell geklappt hat.» Leemann verkuppelte in den TV-Sendungen «Joya rennt» und «Super Single» einsame Herzen. Mit ihrem Mann ist sie seit fünf Jahren glücklich. u Das Herz von Schlagersängerin Sarah-Jane, 25, klopft wie verrückt – und zwar für Bauer Thomas Portmann, 26. «Thomas und ich haben das Heu auf der gleichen Bühne. Er mag meine Musik und spielt wunderschön Trompete.» Auch ist er ebenfalls kein Unbekannter: Der Baselbieter posiert im Bauernkalender 2011.

Ein Geschwisterchen für Moreno! u Es geht Schlag auf Schlag bei Renzo ­Blumenthal: Im November ist er in sein neues Eigenheim in Vella GR eingezogen. Fast zeitgleich wurde seine Frau Ladina, 27, schwanger. «Ein Wunschkind. Wir dachten nur nicht, dass es so schnell einschlägt», sagt der Mister Schweiz von 2005. Ob das zweite Kinderzimmer rosa oder blau gestrichen wird, entscheidet sich nach der Geburt – die Eltern möchten das Geschlecht nicht wissen. Aber nach Söhnchen Moreno, 2, würde sich Renzo Blumenthal, 34, über eine Tochter freuen: «Schliesslich bin ich mit drei Brüdern aufgewachsen.» Und seine Frau weiss, dass sie natürlich gebären wird. «Morenos Geburt dauerte drei Stunden. Ich habe Renzo gesagt, dieses Mal muss er noch schneller ins Spital fahren.» daniela zivadinovic

Schwanger Ladina und Renzo Blumenthal werden wieder Eltern.

u Liebespech für die wohl berühmteste transsexuelle Schweizerin: Nadia Brönimann, 41, ist wieder Single. Zwei Jahre lang brauchte Thomas Voigt, um zu seiner transsexuellen Freundin stehen zu können. Im Juli 2010 zog er bei ihr ein. Brönimann schwärmte: «Ich geniesse jede Minute mit Thomas.» Jetzt zieht der Koch aus Deutschland wieder aus. Zur Trennung äussern sich die beiden nicht.

Mo–Fr, 18.40 Uhr So, 18.50 Uhr Stars in dieser Woche u Sylvester Stallone u Jan Bühlmann u Marianne Cathomen u Heiri Müller u Laura Zurbriggen u Grosi

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John fust

Eishockey-Familie

Vier Kanadier im Emmental: John Fust mit Gattin Rosalind, Sohn Ray und Baby Ryan.

u Aus den zahnlosen SCL Tigers machte John Fust, 38, richtige Raubtiere und führt sie erstmals in die Playoffs. «Psychologie ist mein Hobby, Eishockey meine Leidenschaft», sagt der Princeton-Absolvent. Im Dezember wurde beides zur Nebensache: Seine schwangere Ehefrau Rosalind, 38, musste wegen Komplikationen ins Inselspital Bern. John wich keinen Meter von seiner Liebsten. Am 4. Dezember kam Söhnchen Ryan zur Welt. Nun sind die Fusts zu viert. Der achtjährige Ray bewegt sich als Goalgetter der Langnau-Piccolos in den Spuren des Vaters. Nur sein Hockey-Idol, der russische Star Alex Owetschkin, passt nicht ins kanadische Weltbild. TRE


Im Eigenheim Jetzt hat Moreno viel Platz zum Herumtoben. Seit November wohnt die Familie im neu erbauten Haus in Vella GR.

leute

«Wir nennen es ­Christa – wie Christa Rigozzi!» Toni Graber mit seinem jüngsten Stall-Zuwachs.

toni graber alias jac Laffery

u Wenn Bauer Toni Graber, 53, in Fahrt kommt, wird aus ihm ein Russe, Araber, Spanier, Holländer, Chinese oder ein USAmerikaner. Dabei beherrscht der Luzerner keine einzige Fremdsprache. Er spricht perfekt Kauderwelsch. Als Sprachen­ imitator Jac Laffery tritt Toni Graber seit 20 Jahren an Anlässen auf. Letzten Samstag betrat er bei «Die grössten Schweizer Talente» erstmals die grosse Bühne und begeisterte mit seiner Sprachenspielerei Jury wie Publikum. Auf sein Talent kam er als Jüngling am Stammtisch: «Wir hörten Country, und ich begann nach ein, zwei Bier einen Amerikaner zu imitieren.» yz

Rose

kaktus

thomas gottschalk «Wetten, dass …?»-Moderator u Man sollte gehen, wenn es am schönsten ist. Nicht so Thomas Gottschalk. Am Samstag kündete er seinen Abschied von «Wetten, dass …?» an. Nach 24 Jahren, 145 Shows und mitten in der schwersten Zeit seiner Karriere. Das zeugt nicht von Schwäche, sondern von Menschlichkeit. Zu nahe ist ihm das Schicksal von Samuel Koch gegangen. Vergangenen Mittwoch besuchte der Star-Moderator erstmals den schwer verletzten Wettkandidaten in Nottwil LU, der ausser seinem Kopf und der rechten Schulter nichts mehr bewegen kann. Wir setzen die erste Rose für eine rosigere Zukunft – für beide.

Hansjörg Utz Redaktionsleiter «10 vor 10» u Braunwald, braun in braun – was für ein toller Kalauer! Niemand will Ihnen das glatte Wortspiel missgönnen, lieber Herr Utz. Dass Ihre Reporter aber einen Bericht über angeblich schlechte Pisten bei der Talstation filmen, ist ein echter Flachwitz. Es macht die Sache auch nicht besser, wenn sich Ihre Moderatorin später entschuldigt – dafür, dass das Skigebiet auf nur 1200 Metern verortet wurde, statt auf 1900 Metern. Davon, dass man in Braunwald derzeit prima Ski fahren kann, keine Rede. Stecht, Stacheln, stecht – jagt die Schneereporter auf die Gipfel! schweizer illustrierte

Fotos Thomas Buchwalder (3), Marcel Nöcker, Paolo Foschini / Sobli / RDB, Stefan Bohrer, Fabienne Bühler, Getty Images, SRF

Der scheinbar polyglotte Bauer

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leute

nachgefragt bei

Urs Meyer

Fotos Diego Alborghetti für SI Style, SRF, Kurt Reichenbach

«Die Alten kommen!» Urs Meyer, 68, aus Herisau ist Tätschmeister in der neuen SF-Serie. In den 60ern spielte er in einer Boygroup. Herr Meyer, seit Freitag sind Sie Fernsehstar. Weshalb machen Sie mit bei «SF bi de Lüt – Die Alten kommen!»? Ich liebe solche Projekte. Sie halten mich geistig beweglich. Meine Aufgabe ist, mit meinen fünf OK-Kollegen innert acht Wochen eine Show mit dem Motto «Back to the Sixties» auf die Beine zu stellen. Das weckt tolle Erinnerungen. Wie waren Ihre wilden Jahre? Oh, wir feierten rauschende Partys in der Garage, spielten in einer Band und rauchten wie verrückt. 1962 lernte ich meine Frau kennen, 68 heirateten wir. Sie spielten in einer Band? Hatten Sie Groupies? Natürlich! Wir gründeten die Old College Band damals als Schüler am Kollegium Schwyz. Mädchen waren dort noch keine zugelassen. Wir traten vor allem auf, um draussen welche kennenzulernen. Und die Mädels bissen an? Und ob. Das Fräulein, das immer in der ersten Reihe stand – übrigens auch wenn ich Fussball spielte –, wurde meine Frau. Welcher Song spielt in Ihren Ohren, wenn Sie an die 60er denken? «Yesterday» von den Beatles. «Die Alten kommen!» – gab der Titel dieser Sendung nicht zu reden? Der Vorschlag kam vom Fernsehen. Wir waren im OK einstimmig dafür – weshalb auch nicht? Alt sind wir, auch wenn wir uns vielleicht nicht so fühlen. Ist 80 das neue 60? Wenn Sie so wollen, schon. Ich liess mich nach meinem 63. Geburtstag pensionieren und habe den Schritt kein einziges Mal bereut. Jetzt halten mich meine fünf Enkel jung und das Skifahren und Wandern. Mein Vater wurde 80 – die guten Gene sollte ich also haben. Interview yvonne Zurbrügg

Mehr People-News:

www.schweizer-illustrierte.ch

Julia Saner

«Es ist eine verrückte Welt» u Alle Scheinwerfer sind auf Julia Saner, 19, gerichtet. Sie schreitet über den Catwalk. Hin und zurück. Nach 30 Sekunden ists vorbei. «Die Zeit ist zu kurz zum Denken. Das Einzige, was ich spüre, ist, wie mein Herz heftig klopft», sagt das Model. Vor bald zwei Jahren gewann die Maturandin aus Bern den Elite Model Look. Seither ist sie für über 30 bekannte Designer

gelaufen und hat in der «Vogue» und für die Kampagne von Valentino posiert. «Es ist ein Zirkus, eine verrückte Welt», sagt Julia Saner im Interview mit «SI Style». Am 25. August wird in Zürich das neue Nachwuchsmodel gewählt. Informationen für Bewerberinnen gibts auf www.elitemodellook.ch. Anmeldeschluss ist der 15. Mai. Yvonne Zurbrügg

Ungeschminkt spricht Julia Saner in «SI Style» (ab Donnerstag am Kiosk) über Lagerfeld, Lust und Hunger.

Michael grossenbacher

Grosi in der Therapie

u Auch er ist schon auf dem Patienten­ sofa gesessen: Ex-Bagatello-Mitglied Michael «Grosi» Grossenbacher, 37. «Ich besuchte eine Gesprächstherapie, weil ich zum Workaholic wurde.» Nun wagt er seinen ersten Alleingang. In seinem Stück «Therapie» macht sich der Entertainer über die herr­ schende Psychologie-Gesellschaft lustig, denn «jeder war schon beim Psychologen». Mit Sohn Noah, 7, hat er eine ganz eigene Vater-SohnTherapie entwickelt: Regelmässig übt er mit ihm das «Schlöfle» auf dem Bundesplatz. «Noah fordert mich mit seiner Energie.» af

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Fotos Handout, Photomasi srl

schicksal

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Perfide Liebe

Ihr Schicksal erschüttert Europa. Die Waadtländer Zwillinge alessia und Livia wurden Opfer ihres eigenen Vaters. Entführt. Der tapferen Mutter schrieb er: «Sie ruhen in Frieden.»

Unbeschwert Die sechsjährigen Schwestern Livia (l.) und Alessia. Kleines Bild: Alessia vor ein paar Monaten mit Vater Matthias Schepp.


schicksal

Z端rich

Frankreich

1

Die Rout

Schweiz

Bern

1

St-Sulpice

Genf Annecy Lyon Mailand

St-Sulpice VD, 30. Januar In dieser Villa am Chemin de Champagne 14 wohnte Matthias Schepp nach der Trennung von seiner Ehefrau im August 2010 allein. Hier beginnt gegen Abend die Entf端hrung von Alessia und Livia, hier entdeckt Mutter Irina Stunden sp辰ter die Pl端schtiere der Zwillinge und im Backofen den vorbereiteten Znacht, eine Lasagne.

Turin

Genua

Ventimiglia Monaco

Ligurisches Meer

Marseille

2

Toulon

Bastia

Korsika Ajaccio

3

0

50

100

150 km

Porto Torres schweizer illustrierte

Propriano

Olbia

SIgrafik: Nigel Simmonds, Google Maps

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4

Sardinien


e des Grauens 2

Marseille/F, 31. Januar Matthias Schepp stellt seinen Audi A6 in einem Parkhaus ab, bevor er Geld am Automaten bezieht (unten) und drei Tickets für die Fähre nach Korsika kauft. Links: Das letzte Bild von ihm, auf dem Unterdeck der Fähre.

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3

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Propriano/F, 1. Februar Mit dieser Autofähre, der «Scandola», sollen Schepp und seine bei­ den Töchter am Dienstagmorgen um 6.35 Uhr auf Korsika angekommen sein. Sie reisen in der Kabine 212. Eine Passagierin aus der Nebenkabine hat ein Kind weinen gehört.

Propriano, 4. Februar Polizisten durchkäm­ men eine Wiese nahe dem Hafen. Auch an anderen Orten der Insel wird mit Hunden und Helikoptern nach den Mädchen gesucht. Von Bastia aus hat Schepp am Dienstagabend allein wieder aufs französische Festland übergesetzt.

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Cerignola/I, 5. Februar Auch in Italien lassen Polizeibeamte keinen Stein auf dem andern bei der verzweifelten Suche nach den Vermissten. Die Bevölkerung sucht mit, das Medien­interesse in ganz Italien ist enorm.

Adriatisches Meer

Cerignola, 3. Februar In Vietri sul Mare/I isst Schepp am Donnerstag­ mittag eine Pizza. Dann fährt er nach Bari und schickt acht Briefe mit Geld an seine Frau. Aus Cerignola sendet er den Brief, in dem er schreibt: «Die Kinder ruhen in Frieden.» Dann parkt er in der Nähe des dortigen Bahn­ hofs und wirft sich nachts vor den Zug. Beamte untersuchen den Unfallort.

Rom Foggia

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Cerignola

Tyrrhenisches Meer

Neapel Vietri sul Mare

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Bari

Fotos Google Earth, Julie de Tribolet / L’illustré, MaxPPP, HO, Stephan Agostini / AFP, Keystone (4)

Italien


schicksal

Mutterglück Irina mit ihren Töchtern Alessia (l.) und Livia bei einem Ausflug.

Berührend In einer TV-Sendung auf Rai 3 bedanken sich Mutter Irina Lucidi und ihr Bruder Valerio für die grosse Solidarität.

Daheim Die Mutter zeigt Plüschhase Mathilda: «Ohne ihn kann Livia nicht einschlafen.» Alessia hat einen grauen zurückgelassen.

Text Thomas Kutschera

S

onntagabend, 30. Januar. Irina Lucidi ist unruhig, voller Sorge. Sie fährt zur Villa ihres Mannes, von dem sie seit Sommer 2010 getrennt lebt. Sucht Alessia und Livia, ihre Kin­ der. Doch das Haus ist leer. Die Betten der Mädchen sind gemacht, im Ofen entdeckt sie das unberührte Nacht­ essen, eine Lasagne. Dann stösst sie auf Casimir und Mathilda, die Plüschtiere ihrer sechsjährigen Zwillinge. Die Mut­ ter weiss: Ohne ihre rosarote Mathilda geht Livia nie aus dem Haus. Die Sorge kippt in Panik: Irina Lucidi alarmiert die Polizei. Die gibt am selben Abend die Vermisstmeldung her­ aus, an die Polizeistellen in halb Europa. 2004 haben die italienischstämmige Irina Lucidi, 44, und Matthias Schepp, 43, geheiratet. Der gebürtige Kanadier aus Toronto wuchs im basel-landschaftli­ chen Ettingen auf. Beide arbeiten bei Philip Morris in Lausanne, er als Inge­ nieur, sie auf der Rechtsabteilung. Seit August wohnt Schepp allein in der Villa

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beim Hafen Pierrettes, sie ist in ein Ap­ partement im Zentrum von St-Sulpice gezogen. An vielen Wochenenden schaut der Vater zu den beiden Töchtern. «Es ging immer gut», sagt seine Frau. Ihren Mann beschreibt sie als sehr introver­ tiert. Und: «Er konnte gewalttätig wer­ den.» Eine Einheimische erinnert sich, wie sie Alessia und Livia mit ihrem spa­ nischen Hausmädchen beim Spazieren begegnete. «Die zwei streichelten mei­ nen Hund Spooky so gern.» Auch an diesem letzten Wochenende im Januar sind Alessia und Livia bei ihrem Papa. Am Sonntag gegen 16 Uhr schreibt Schepp seiner Frau ein SMS: «Ich bringe Alessia und Livia morgen direkt in die Schule.» Sie stutzt – so war das nicht abgemacht. Und ruft ihren Ehemann an. Er sei bei Bekannten, habe keine Zeit zum Sprechen, hängt auf. Schreibt kurz darauf noch ein SMS: «Die Kinder brauchen mich!» Da ist er bereits auf dem Weg nach Frankreich. Irina Lucidi beschleicht ein ungutes Gefühl. Wo sind meine Töchter? Sie telefoniert den Nachbarn, bei denen

Alessia und Livia am Nachmittag gespielt haben – doch ihr Mann hat die beiden be­ reits abgeholt. Und ist verschwunden! Sonntag, gegen Mitternacht. Po­ lizisten finden in Schepps Haus dessen Testament. Darin steht noch: Er werde die Mädchen und sich selbst umbringen. Doch paradoxerweise verfügt er, das Erbe sei auch an seine Töchter zu ver­ teilen. Für Irina Lucidi beginnt die erste Nacht der Verzweiflung. Des Bangens. Und des Hoffens. Matthias Schepp ist mit dem schwar­ zen Audi A6 seiner Frau und den Zwil­ lingen unterwegs Richtung Süden. Ohne Casimir und Mathilda, auch Ersatz­ kleider für Alessia und Livia hat er nicht mitgenommen. Jetzt wird klar: Er ent­ führt seine beiden Töchter! Ein paar Tage zuvor hatte Irina ihn wissen lassen, sie wolle die Scheidung. Und mit Alessia und Livia nach Brüssel ziehen, um dort eine neue Stelle anzu­ treten. Matthias Schepp realisiert: Sein wohlgeordnetes Leben läuft ihm aus dem Ruder, seine geliebten Töchter wird er nun noch weniger sehen. Von da an u

Fotos Handout, Photomasi srl

Sein letztes SMS an seine Frau: «Die Kinder brauchen mich!»


schicksal

«Die Mädchen ruhen in Frieden. Du wirst sie nie mehr wiedersehen» u reift sein perfider Plan. Im Internet sammelt er Informationen zu Waffen, Gift und Selbstmord. Am Montag, 31. Januar, bezieht Schepp bei einem Geldautomaten in Marseille 7000 Euro. Schreibt seiner Frau eine Postkarte: «Ich kann ohne dich nicht leben – ich vermisse dich.» Um 18.35 Uhr legt die Fähre ab. Wäh­ rend der Fahrt nach Propriano werden die drei von anderen Passagieren ge­ sehen. Auf Korsika verliert sich die Spur der Mädchen. Daheim geht für Irina Lucidi das Bangen und Hoffen weiter. Schepp reist von Bastia über Toulon nach Italien in die Region Apulien. Von Bari schickt er seiner Frau in ver­ schiedenen Briefen total 4400 Euro. In Cerignola nimmt er sich am Donnerstag,

den 3. Februar, um 23 Uhr das Leben. Er wirft sich vor den Schnellzug Milano– Bari. Tags darauf stösst Irina Lucidi auf der Facebook-Seite «Missing Alessia & Livia» auf einen italienischen Zeitungs­ artikel. So erfährt sie, dass sich ihr Mann getötet hat. Wo aber ihre Töchter sind, weiss niemand. In St-Sulpice, in Frank­ reich und Italien suchen Hunderte von Polizisten und Einheimische nach den Entführten. Bis Redaktionsschluss die­ ser Ausgabe – vergeblich. Irina Lucidi ist eine tapfere Frau. Am Mittwoch tritt sie zusammen mit ihrem Bruder Valerio vor die Medien. In der Sendung «Chi l’ha visto?» des italie­ nischen Fernsehens Rai 3 bedankt sie sich für die Solidarität, appelliert an

die Zuschauer, die Suche nach ihren Töchtern nicht aufzugeben. Sie wirkt ge­ fasst. Tags darauf erhält sie einen Brief ihres Mannes, geschrieben nur Stunden vor seinem Tod. «Die Mädchen ruhen in Frieden. Sie mussten nicht leiden.» Matthias Schepp hat sich bei seiner Frau mit der härtesten Strafe gerächt, die es für eine Mutter gibt: «Du wirst sie nie mehr wiedersehen.» Daheim ist sie allein, ohne Töchter, nur mit Casimir und Mathilda. Ihr Mutterherz, sagt sie ver­ gangenen Freitag, spüre, «dass meine Alessia und Livia noch am Leben sind». Am Sonntag fährt sie darum nach Korsika, wo die Familie früher gemein­ same Ferien verbrachte. Und sucht wei­ ter verzweifelt nach ihren Töchtern. Mitarbeit Arnaud Bédat

«Der Brief zeigt – der Vater wollte die Warum nur? Dr. Josef Sachs, 61, Leiter Gerichtspsychiatrie der Klinik Königsfelden AG, zeichnet die Hinter­ gründe von Kindesentführung und Kindstötung auf. Text bettina portmann

Fotos Handout

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err Sachs, was macht den Fall der entführten Zwillinge Alessia und Livia so aussergewöhnlich? Dass der Täter allem Anschein nach zwei Verzweiflungstaten aufs Mal be­ geht: Entführung und erweiterter Suizid. Dies lässt auf eine ausserordentliche Verzweiflung des Mannes schliessen. Handelt es sich bei Alessia und Livia um einen klassischen Fall von Kindes­ entführung? Ich kenne das Motiv nicht. Klassisch würde heissen, dass ein Paarkonflikt im Hintergrund steht. Oft werden dabei dem einen Partner die Kinder entzogen. Als Folge fühlt sich dieser entwertet. Und rächt sich, indem er sich nimmt, was ihm seiner Meinung nach zusteht? Genau. Zum einen betrachtet er die Kinder als sein Eigentum – ähnlich einem Gegenstand, um den man bei einer Trennung streitet. Zum anderen

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sind solche Väter der Überzeugung, dass die Mutter nicht fähig ist, die Kinder zu erziehen. Die Mutter von Alessia und Livia drängte auf Scheidung – der Vater nicht. Wollte Matthias Schepp nun seine Ex-Partnerin bestrafen, oder sah er sich als Versager? Häufig geht es dabei um beides. Die Wut auf seine Frau muss gross gewesen sein. Aus seiner Sicht hat sie ihn um sein Familienleben betrogen. Dass sie ihm bei einer Scheidung auch noch die Kinder wegnehmen würde, war für ihn unvor­ stellbar. Der Vater sieht sich als Opfer und will Genugtuung – in Form der Kinder. Und sagt sich: Ich nehme mir, was mir zusteht. Die Kinder gehören mir. Im Fall von Alessia und Livia müssen wir davon ausgehen, dass der Vater die Kinder umgebracht hat. Was bringt einen Vater dazu, eine solch grauenvolle Tat zu verüben? Kann sein, dass das besitzergreifende Ego ein Motiv ist – die Überzeugung, dass die Mädchen ohne ihn nicht hätten weiterleben können. Die Alternative wäre, dass es ein Akt der Verzweiflung war und er plötzlich die Aussichtslosig­ keit seiner Entführung erkannt hätte. Matthias Schepp galt als introvertiert. Seine Kinder sollen ihm alles bedeutet haben. Von Beruf war er Ingenieur – ein klassisches Täterprofil?

Oft sind es Männer, denen die Kinder sehr wichtig sind. Sie sind sehr strebsam und introvertiert. Nach aussen ver­ suchen sie ein perfektes Bild zu wahren. Doch dieses Bild trügt. Gibt es für den Partner Anzeichen, die eine Kindesentführung, einen Suizid oder eine Kindstötung ankünden? Etwas, das beobachtet werden kann? Das ist sehr schwierig. Eigentlich unmöglich. Gerade weil diese Menschen introvertiert sind, wirken sie fassaden­ haft. Die Signale, die sie aussenden, richtig zu interpretieren, ist unmöglich. Wie bestimmt der Täter den Zeitpunkt für sein Vorhaben? Die Tat erscheint zunächst als unver­ bindliche Fantasie und verdichtet sich dann plötzlich zu einem Plan. Meistens gibt es dafür einen Auslöser. Zum Beispiel, dass der Versuch, eine andere Lösung zu finden, gescheitert ist oder der Ex-Partner einen verletzenden Entscheid getroffen hat. Und wie lange dauert dann die Planung der Tat? Höchstens ein paar Tage. Männer töten meist mit Schusswaffen. Hier könnte es sich um einen Giftmord handeln. Was sagt dies über den Täter aus? Gift ist eine «sanfte» Art, jemanden umzubringen. Diskret, und sie erregt wenig Aufsehen. Es handelt sich dabei


Zerplatzte Träume Von Marseille schreibt Matthias Schepp seiner Frau: «Alles, was ich wollte, war eine Familie. Dich zu verlieren, war hart genug, aber auch meine Kinder zu verlieren, ist zu viel.» Im Bild: Livia.

Blanker Hass Im letzten Brief aus Cerignola schreibt Schepp an seine Irina: «Du wirst sie nie mehr wieder­ sehen. Ich hoffe, dass du dich deswegen nicht umbringst.» Im Bild: Alessia.

Mutter bestrafen» um passiv-aggressive Täter. Sie üben verdeckt Gewalt aus. Was geht dem Täter während der Tat durch den Kopf? Besteht die Chance, dass er einen Rückzieher machen könnte? In diesem Fall wurde vermutlich alles minutiös geplant – die Tötung, die Reise, die Beschaffung des Giftes. Während der Tötung handelt der Täter sehr zielgerichtet. Er bekommt eine Art Tunnelblick. Genau dieser Mechanismus lässt keinen Rückzieher zu. Höchstens eine Störung des Tatablaufs würde ihn aus seiner Trance herausreissen. Was geschieht, wenn der Täter realisiert, dass seine Kinder tot sind? Sein Plan läuft einfach weiter. Bereits im Voraus hat er sich wohl überlegt, was er mit den Leichen machen wird. Wenn alles erledigt ist, geht er danach irgendwohin – mit dem Auto, Bus, Zug, Flugzeug. Zwischen der mutmasslichen Tötung der Zwillinge und dem Selbstmord von Matthias Schepp liegen vermutlich 24 Stunden oder mehr. Kam da beim Vater vielleicht Reue auf? Wenn zwischen den beiden Taten wirklich so viel Zeit verstrichen ist, handelt es sich um keinen «erweiterten Suizid» mehr. Dann haben wir zwei unabhängige Taten vorliegen: die Kindstötung und einen Selbstmord. Dies würde heissen,

dass der Täter wesentlich kaltblütiger gehandelt hat. Reue kommt auf, wenn der Täter aus dem Schock der Tat erwacht ist. Das kann mehrere Wochen dauern – oder länger. In einem Brief an die Mutter schrieb der Täter: «Sie ruhen in Frieden. Sie mussten nicht leiden.» – Will er damit die Mutter beruhigen oder seine Tat rechtfertigen? Das ist schwierig zu deuten. Die Worte «in Frieden» könnten auch ein Hieb gegen die Mutter sein. Im Sinne von: Jetzt müssen sie dich nicht mehr er­tragen. Andererseits sind die Zeilen ein Eingeständnis. So oder so zeigt es, dass er die Mutter bestrafen wollte. Zurück bleibt eine traumatisierte Mutter. Was macht sie durch? Sie hat Angst um ihre Kinder. Anfangs vielleicht sogar um ihren Ex-Partner. So oder so hofft sie, dass sie ihre Kinder wieder lebend sehen wird. Sie wird sich Vorwürfe machen und sich einreden, dass sie selber schuld daran ist. Was kann helfen? Das Schlimmste für die Eltern ist, wenn Kinder als verschollen gelten und die Leichen nie gefunden werden. Sich nur in Gedanken verabschieden zu können, ist sehr schwierig. Die Eltern bleiben im Ungewissen – alles bleibt diffus und kann deshalb nicht richtig verarbeitet werden. 


Nicht nur vierte WM-Pl채tze f체r die Schweiz. Ausgerechnet der TeamOldie beendet die Serie der knapp verpassten Medaillen. didier cuche zeigt mit Abfahrts-Silber, wie unentbehrlich er f체r die Ski-Nation ist.

Didi trotzt dem


Bayrisch Der Neuenburger Didier Cuche macht im Garmischer Modehaus Grasegger in der Werdenfelser Tracht eine perfekte Figur.

Leder-Fluch

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Das Volk huldigt seinem König Auf dem Balkon des Swiss-Ski House zeigt Cuche seinen Fans nach der Medaillenzeremonie das Silber.

Text alejandro velert Fotos hervé le cunff

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ie Kandahar-Strecke hat Didier Cuche, 36, bravourös gemeistert. Doch jetzt, vier Stunden nach der WM-Abfahrt, steht er vor einer fast unlösbaren Aufgabe. Die Schweizer Illustrierte hat den Silbermedaillen-Gewinner zum Fototermin gebeten. Treffpunkt: das Trachten- und Modehaus Grasegger. Das Problem: Der Laden steht mitten in der Fussgängerzone von Garmisch, wo ge­rade Tausende von Ski-Fans feiern. Zahllose Fahnen werden geschwungen, die Schweizer Fans singen Lieder auf ihren Helden Didier, Kuhglocken bimmeln. Wie um Himmels willen soll Cuche unerkannt da durch? Das Ski-Ass entpuppt sich als Verwandlungskünstler. Cuche versteckt sich

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hinter dem Stand der Tourismus-Information, dreht das Innenfutter seiner Jacke nach aussen und zieht die Kapuze tief ins Gesicht. Und so spaziert er seelenruhig und unerkannt mitten durch die FanMeile. Als er im Modehaus ankommt, lacht er laut los. «Wow, das gelingt mir kein zweites Mal.» Das Personal im Grasegger weiss Bescheid, dass Didier Cuche nur wenig Zeit hat. Der Chef persönlich nimmt Mass an Didiers Hals, eine Verkäuferin bringt ihm derweil ein Glas Wasser. Unter seiner Jacke und der Skihose trägt Cuche noch immer seine Renn-Bekleidung, er zwängt sich aus seiner Thermo-Unterwäsche. Eine Kundin raunt ihrer Freundin zu: «Ja mei, de Schweiza, de hobn stramme Buaschn.» Nur wenige Minuten später sieht Cuche fast aus wie ein richtiger Bayer. Die traditionelle Werdenfelser

Tracht sitzt wie angegossen. Und als er gekonnt posiert, spenden die versam­ melte Kundschaft und das Personal spontan Szenenapplaus. «Didier für Deutschland!», ruft eine Frau. Es ist die zweite besondere Begegnung zwischen der Schweizer Illustrierten und Didier Cuche an diesem Tag. Denn als er nach seinem Abfahrtslauf im Ziel ankommt, sind auf der Anzeigetafel nur die hinteren Ränge eingeblendet. Sekundenlang steht Cuche im Zielraum, ohne Ahnung, wie er klassiert ist. Ratlos schaut er in die Ränge, bis wir ihm «Zweiter!» zurufen. Die Reaktion: Weder ballt Cuche die Faust, noch senkt er den Kopf. Er nimmt es bloss zur Kenntnis. Doch es dauert nicht lange, bis er sich über sein Silber freuen kann. Und mit ihm eine ganze Ski-Nation, die sich eine Woche lang mit «Ledermedaillen» für die


Stilbruch Kasatschok statt Schuhplattler: So fesch Lederhosen-Didi aussieht – den richtigen Tanz zur Tracht muss er erst noch lernen ...

Erleichtert «Das Wichtigste ist, dass Didier gesund im Ziel ist», sagen Maman Marlise und Papa Francis am Abend im Swiss-Ski House.

«Ich würde auch nicht ausflippen, wenn ich Gold hätte. Dafür hab ich schon zu viel erlebt» didier cuche vierten Plätze begnügen musste. «Gold wäre noch schöner gewesen, aber eine WM ist kein Wunschkonzert.» Für viele Experten ist «Didi» der wahre Held der Abfahrt. Denn als einziger Spitzenfahrer schafft er es, mit einer hohen Startnummer aufs Podest zu fahren. Doch Cuche bleibt ganz Gentleman: «Erik Guay hat den Sieg verdient. Und auf eisiger Piste hätte fast sicher Christof Innerhofer gewonnen, deshalb geht der zweite Platz in Ordnung.» Cuche begegnet selbst

den «Ski-Exoten» mit viel Respekt und Anstand. Als mit Startnummer 54 Rostyslav Feshchuk mit elf Sekunden Rückstand als letzter Fahrer im Ziel eintrifft, läuft Cuche zum Ukrainer und gratuliert ihm herzlich. «Ich stufe seine Leistung mindestens so hoch ein wie meine.» Am Abend feiert Didier Cuche seinen zweiten Platz freudestrahlend, Euphorie ist bei ihm aber nicht auszumachen. «Ich würde auch nicht ausflippen, wenn ich Gold in der Hand hätte. Dafür habe

ich schon zu viele Hochs und Tiefs erlebt», sagt er. Über drei Jahrzehnte hinweg hat der gelernte Metzger aus dem Neuenburger Jura nun Olympia- und WM-Medaillen gewonnen – einmalig. Aber auch mehrere schwere Verletzungen hat er erlitten: Insgesamt «zieren» 140 kleinere und grössere Narben seinen 174 Zentimeter grossen Körper! Da erstaunt es nicht, dass sich Maman Marlise in erster Linie darüber freut, dass ihr Sohn gesund ins Ziel gekommen ist: «Natürlich ist eine Medaille wunderschön, doch die Gesundheit ist die Basis für alles, es gibt nichts Wichtigeres.» Obwohl Cuche nach wie vor der stärkste Schweizer Ski-Fahrer ist: Mit 36 Jahren stellt sich ihm die Frage, wie lange er noch Skirennen bestreiten will. «Am liebsten bis 60, wenn es der Körper zulassen würde. Aber da kann ich noch u schweizer illustrierte

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so viel Ovo trinken, irgendwann macht der Körper nicht mehr mit.» Vielleicht zieht es den Jurassier, der seit zweieinhalb Jahren Single ist, bald in den Motorsport. «Ich war im vergangenen Sommer mehrmals auf Rennstrecken unterwegs, das hat grossen Spass gemacht.» Jetzt will er nur den Augenblick geniessen. Und mit jemandem die Freude besonders teilen: Servicemann Chris Krause hatte am Abend vor dem Rennen mit Schrecken festgestellt, dass sich an Didiers Renn-Ski die Bindung löste. «Um 22 Uhr hat Chris angefangen, einen neuen Ski zu präparieren. Sechs Stunden hat er gebraucht.» Nach der Abfahrt wird nun auch Didiers Nacht auf den Sonntag kurz. Bis tief in die Morgenstunden festet er mit Betreuern, Trainern und Freunden. Und mit den Fans. Denn der Superstar hatte es ja geahnt: Der Trick mit der Kapuze über dem Gesicht klappt kein zweites Mal. Herz-Stolpern: Weshalb Carlo Janka die WM-Abfahrt sausen liess. Seite 71 u

Rivalen, Freunde Im Swiss-Ski House geniesst Didier mit Aksel Svindal (Mitte) und Bode Miller (l.) ein Fondue. Gastgeber Emmi feiert mit.

«Am liebsten würde ich bis 60 fahren. Aber irgendwann macht der Körper nicht mehr mit» didier cuche

die wm-kolumne

Das Gejammer hilft nichts Wer mir vor dem WM-Start eine solche erste Wettkampf-Woche prophezeit hätte, den hätte ich für verrückt erklärt. Schön, dass auch wir so­ genannten Experten immer wieder mal irren. Denn wenig bis gar nichts ist bin anhin so, wie man es erwartet hatte. Es sind beileibe keine Eintagsfliegen, die die Rennen bis jetzt gewonnen haben. Aber es sind nicht unbedingt die, die man auf der Rechnung hatte. In der Regel ignorieren Sportler kleinere Verletzungen oder Warnsignale des Körpers, bis ein Grossanlass vorbei ist. Hier geht das nicht. Die eisigen Pisten von Garmisch decken die Schwächen derjenigen Athleten schonungslos auf, die nicht topfit angereist sind. Deshalb holen Lindsey Vonn und Maria Riesch ihre sicher geglaubten Medaillen nicht ab. Und deshalb haben Carlo Janka und Ivica Kostelic die Notbremse gezogen und tanken zu Hause beziehungsweise am Strand Kraft. Dabei ist es sonst eigentlich so, dass Sportler vor allem dann krank werden, wenn der Druck von ihnen abfällt, also nach einem Exploit. Ich spreche aus eigener Erfahrung: Nur zu gerne hätte ich 1999 meine Silber-Medaille in Vail gebührend gefeiert. Doch schon kurz nach dem Rennen zwang mich eine Grippe ins Bett. Statt Bier und Cham­pagner gabs viele Tassen Neocitran.

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Marco «Büxi» Büchel, 39, war 19 Weltcup-Saisons lang für seine markigen Sprüche bekannt. 1999 holte er WM-Silber im Riesenslalom.

Die Kandahar-Strecke lockt die Athleten aus ihrer Wohlfühl-Zone. Doch statt cool zu bleiben und sich mit den Begebenheiten abzufinden, jammern einige Fahrer auch nach Tagen immer noch über die pickelharten Pisten. Ich bin sie selber runtergefahren, und es stimmt, sie sind wirklich brutal schwierig zu fahren. Aber was hilft das Gejammer? Genau, gar nichts! Die vier vierten Plätze für die Schweiz sind bitter. Dabei waren das durchwegs Top-Leistungen. Doch an einer WM ist es nun mal so, dass auf dem Podest eine Person strahlt und zwei Personen grinsen. Die weiteren Plätze sind für den Müllhaufen der Ski-Geschichte. Sind diese vierten Plätze einfach nur Pech? Sorry, leider nein. Man kann durchaus mal Pech haben, wenn die Witterungsverhältnisse während eines Rennens ändern. Aber das war hier nie der Fall. Die Schweizer und Schweizerinnen waren ganz einfach um Hundertstel­ sekunden weniger gut als die Konkurrenz. Nicht mehr, aber leider auch nicht weniger. Fazit nach einer Woche: Die sechs Schweizer Medaillen von Val d’Isère sind kaum zu wiederholen. Aber keine Sorge. Ich bin sicher, dass uns die Swiss-SkiAthleten noch den einen oder anderen Jubelschrei entlocken werden.


Entspannt Dominique Gisin blickt von einem Balkon in der Innenstadt von Partenkirchen auf eine ereignisreiche WM-Woche zurück.

«Das Highlight: WM-Tagebuch Sie hat aus Schweizer Sicht die Geschichte der ersten Woche geschrieben. dominique gisin erzählt von ihren Erlebnissen zwischen Super-G-Flop und Kombi-Highlight.

Montag Seit zwei Tagen sind

wir in Partenkirchen im Hotel Mercure einquartiert. Das Frühstück ist der Hammer. Das freut mich besonders, weil ich ein Morgenmensch bin und der Zmorge so was wie meine Hauptmahlzeit ist. Das Buffet hat alles, was das Herz begehrt: Lachs, Rühreier, Trocken­fleisch … Brot ist derzeit für mich tabu, weil ich eine Protein-Diät mache. Am Vormittag steht die Hang-Besichtigung für den Super-G auf dem Programm. Die Piste ist extrem hart und ruppig. Ich fahre dreimal runter und fühle mich trotzdem wohl. Am Nachmittag gehe ich joggen, in einem Park, den ich in der Nähe unseres Hotels entdeckt habe. Ich fühle mich gut und bin voll motiviert. Vor dem Einschlafen lese ich noch ein wenig im Buch «Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt». Das Buch ist eine Sammlung aussergewöhnlicher Kommentare

aus dem Cockpit von Flugzeugen. Köstlich, ich bin nur noch am Lachen.

Dienstag

Tagwache um sechs Uhr morgens. Mein iPhone weckt mich mit dem Lied «Dimension» von Wolf­ mother. Die morgendliche Dusche ist ein mittelmässiges Vergnügen. Ich mag keine Badewannen-Duschen, möchte lieber eine Kabine. Egal, heute zählt nur der Super-G. Beim Einfahren geht alles toll. Ich freue mich extrem auf das Rennen. Während des Laufs fühle ich mich total sicher. Ich denke sogar noch, dass heute eine Atombombe neben mir einschlagen könnte. Ich komme mit hohem Tempo ins Schlussstück und muss eigentlich nur noch geradeaus fahren – trotzdem bin ich plötzlich neben der Piste. Ich kann es selber nicht fassen. Peinlich! Ob meine Abendlektüre die richtige Wahl war? Der Tag hat dennoch ein Highlight:


rig, dass ich es nicht mehr ins Hotel schaffe und im Swiss-House einen Teller Rindsfilet mit Kartoffelstock verdrücke. Ich gönne mir sogar ein Glas Wein, trinke es aber nur zur Hälfte. Mir fallen die Augen auch so schon zu.

Samstag Heute ist Pause.

Vrenis SMS» Mein Kindheitsidol Vreni Schneider schickt mir ein SMS. Sie sei sich sicher, dass es für mich trotzdem eine gute WM werde. Vreni ist wirklich die Grösste!

Mittwoch

Das erste Abfahrtstraining. Die Streckenbesichtigung ist frühmorgens, das Training aber erst am Nachmittag. Deshalb mache ich zwischendurch noch vier Slalom-Läufe. Der Tag zieht sich in die Länge, immer wieder höre ich ein wenig Musik. Der Song, der mich durch die Woche be­gleitet: «Pyro» von Kings of Leon. Beim Super-G der Herren fiebere ich mit. Didier wird Vierter, schade.

Donnerstag

Und täglich grüsst das Murmeltier. Das Tagesprogramm sieht praktisch gleich aus wie gestern. Doch es ist eine anstrengende Monotonie. Ich würde am Abend ja gerne mal durch Partenkirchen flanieren und in einem bayrischen Restaurant essen, aber ich bin ganz einfach zu müde. Ich gehe früh ins Bett; für die Super-Kombi möchte ich fit sein.

Freitag Das wird ein guter Tag,

das fühle ich schon beim Aufwachen. Frühstück mit Müesli, frisch gepresstem Orangensaft und Tee. Ich fahre eine starke Abfahrt, nur Elisabeth Görgl ist schneller als ich. Der Lauf ist echt anstrengend, man muss den Kopf und die Beine bei der Sache haben. Vor dem Slalom am Nachmittag bin ich richtig nervös. Bei der Besichtigung des extrem steilen Hanges denke ich: «O mein Gott.» Ich erwarte, dass ich im Ziel mindestens zwei Sekunden Rückstand habe. Aber für meine Verhältnisse gelingt mir eine Monsterfahrt! Auch wenn für die Ski-Fans ein weiterer vierter Platz undankbar ist: Für mich ist das eine Sensation! Ich war ja vorher noch nie unter den ersten Zehn platziert. Am Abend gebe ich im Swiss-House lange TV-Interviews. Danach bin ich so hung-

Erholung ist angesagt. Ich schlafe etwas länger als sonst. Aber ich muss aufpassen, dass es nicht mehr als neun Stunden sind, sonst komme ich nicht in die Gänge. Am TV schaue ich das Abfahrtsrennen der Männer. Didier fährt fantastisch! Das macht hungrig für meine eigene Abfahrt. Später beantworte ich ein paar Mails. Am Abend gehe ich mit meinen Eltern etwas trinken und dann mit einem guten Gefühl ins Bett. Morgen ist der grosse Tag – ich freue mich darauf. Ich weiss, was zu tun ist. Hoffentlich hole ich alles aus der Piste raus.

Sonntag Ich wache um vier

Uhr morgens auf. Kein Problem, das passiert mir öfters vor wichtigen Rennen. Ich schlafe bald wieder ein. Mein ausgiebiges Frühstück besteht aus Omelette, frischen Ananas und Müesli. Nach der Streckenbesichtigung warten wir in einem Restaurant eine Weile auf den Start. Dann gehts los. Den oberen Teil der Strecke fahre ich gut, aber dann begehe ich mehrere Fehler, fahre unten viel zu hart. Schon beim Überqueren der Ziellinie weiss ich: Das reicht nicht. Ich bin bitter enttäuscht. Eine Lindsey Vonn oder eine Maria Riesch können das Glück erzwingen, bei mir muss es passieren. Und heute war das nicht der Fall. Nach dem Rennen treffe ich meine Eltern, den Opa und meine Gotte. Sie schaffen es, mich etwas aufzurichten. Zurück im Zimmer dusche ich und packe meine Sachen. WM-Fazit: Ich war gut vorbereitet, hatte viel investiert und verpasste mein Ziel trotzdem, eine Medaille zu holen. Jetzt werde ich ein paar Tage regenerieren. So schnell lasse ich mich nicht unterkriegen!

Notiert: Alejandro Velert. Foto: Hervé Le Cunff

Der WM-Blog: Sportredaktor Alejandro Velert berichtet täglich

www.schweizer-illustrierte.ch/dossier/gap2011 schweizer illustrierte

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Gewonnen! Wie nach einem Fussballspiel zieht am Freitag vergangener Woche Gross und Klein jubelnd und hupend durch die Innenstadt von Kairo.

18 Tage lang protestierten Millionen Ägypter. Dann endlich trat Präsident Hosni Mubarak zurück. Ganz Kairo feiert ausgelassen den Abgang des letzten Pharao.

Endlich fr


ei!

Foto Amr Abdallah Dalsh / Reuters

Jubel in Ă„gypten

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Fotos Keystone (3), Ron Haviv / VII (2), Benedicte Kurzen / VII Network, Asmaa Waguih / Reuters, Chris Hondros / Getty Images

Millionen im Moment der Erlösung: «Das ist der schönste Tag meines Lebens!» Mohammed El-Baradei, Friedensnobelpreisträger und Oppositionspolitiker

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Jubel in Ägypten

«Erstmals in der Weltgeschichte sind die Ägypter nun frei» Arnold Hottinger


Foto Khalil Hamra / AP Photo

Frieden zwischen Volk und Armee Eine Ă„gypterin Ăźberreicht einem Soldaten auf dem Tahrir-Platz in Kairo zum Dank eine Blume.

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Hinreissend Nahost-Experte Arnold Hottinger über die Folgen der Revolution am Nil. Text ARNOLd Hottinger

A

m Schluss war es die Armee­ führung, die Hosni Mubarak zum Gehen gezwungen hat. Wahr­ scheinlich sogar wider ihren eigenen Willen. Denn der Präsident war ja jahrzehntelang der Vertraute und Chef der hohen Offiziere gewesen. Doch die Armeeführung stand unter dem enor­ men Druck der Strasse. Nicht weil die Volksbewegung der Armee und ihren Panzern echten Widerstand hätte leisten können – sondern weil die Protestbe­ wegung die Armee zu spalten drohte. Denn je länger der Protest andauer­ te, desto klarer wurde, dass die unteren Ränge der Armee stark mit der Volks­ bewegung sympathisierten. Was auch

verständlich ist: Schliesslich protestier­ ten hier ihre Schwestern und Brüder, Mütter und Väter. Ein Schiessbefehl hätte nicht nur ein Blutbad angerichtet – er hätte auch die Armee in echte Gefahr gebracht. Auf der Seite von Mubarak die hohe Führung, auf der Seite des Volks die Soldaten – um die Spaltung zu vermeiden, musste Hosni Mubarak geopfert werden. Die Demonstranten haben damit ihr erstes Ziel erreicht: Der ver­hasste Präsident ist weg. Doch die Bewe­ gung ist damit noch nicht an die Macht gekommen. Diese ruht noch immer in den Händen des Militärs. Bisher ist nur die zivile Fassade des Regimes weg­ gebrochen. Das stählerne Gerüst, das diese Fassade schon immer getragen hat, tritt nun nackt hervor. Also keine Revolution? Vielleicht doch. Denn die Volksbewegung hat das Schachbrett verändert, auf dem der zweite Akt dieses Revolutionsdramas gespielt werden muss. Ihr hinreissen­der Erfolg hat die Bewegung selbstsicher werden lassen. Sie wird ihr Hauptziel – die Einführung der Demokratie – ener­ gisch verfolgen.

Auch die Militärführung sagt zwar, sie wolle nichts anderes als einen Über­ gang zur Demokratie. Und solange das Volk mobilisiert bleibt, wird sie einen Übergang zulassen und fördern. Doch ist auch klar, dass echte Demokratie ihre Macht beschneiden würde. Die Gene­räle müssten sich gewählten Behörden unterstellen, die Offiziere könnten sich nicht mehr so leicht wie bisher berei­ chern. Ob die Armeechefs das zulassen werden, ist fraglich. Sie sind in einem System aufgewachsen, in dem ihre Klas­ se die Macht im Staat ausübte. Der zündende Funke kam aus Tunesien – nach dem Fall von Hosni Mubarak wird er auf den ganzen arabi­ schen Raum überspringen. Bereits kur­ siert in Ägypten ein Witz: «Ghaddafi hat den Freitag abgeschafft!» – «Warum?» – «An Freitagen mussten Ben Ali und Mu­ barak gehen.» Die Vorkommnisse wirken wie elektrische Schläge auf die arabische Jugend, die vergleichbare Zustände kennt. Doch jeder arabische Staat hat eigene Strukturen, Polizei- und Armeeorganisa­ tionen, Minderheiten. Die Aufstände, die nun überall fällig werden, werden sehr un­ terschiedliche Resultate hervorbringen.


jubel in ägypten

Unruhen gab es bereits im Jemen, im Sudan und in Jordanien. Beunruhigt ist auch der libysche Machthaber Muammar Ghaddafi und der Emir von Bahrain. Die Regimes von Jemen und Jordanien sind am meisten gefährdet. Eine Zentralre­ gierung in Sanaa wird es künftig kaum mehr geben; der Jemen wird sich auf­ lösen, wird ein «failed state» werden, vergleichbar dem benachbarten Somalia. In Algerien hingegen wird es kaum zum Grossaufstand kommen. Die Regie­ rung von Algier schlägt hart zu und kennt keine Rücksicht. Algerien hat in den frühen 90er-Jahren einen Bürger­ krieg durchgemacht, in dem grosse Teile der Bevölkerung auf der einen, die Armee

auf anderen Seite stand. Die Armee hat gesiegt – zum Preis von fast einer Mil­lion Todesopfern. Auch Muammar Ghaddafi wird rücksichtslos zuschlagen, sollte sei­ ne Bevölkerung aufmucksen. Er dürfte über die entsprechenden Repressions­ instrumente verfügen. In Ägypten wird der Übergang bes­ tenfalls sechs bis zwölf Monate dauern. Das Ägypten nach Mubarak ist eine po­ litische Wüste: Es gibt kaum organisier­ te Parteien, kaum allgemein anerkannte Köpfe der Volksbewegung, die mit der Armee verhandeln könnten, es gibt kei­ ne gesetzlichen Regeln für die neu zu schaffende Demokratie. Es gibt keine demokratische Tradition.

Arnold Hottinger Dennoch: Aus der Optik der Weltgeschichte sind die Vorkomm­ nisse in Ägypten bemerkenswert. Die Demonstranten haben Unerhörtes zu­ stande gebracht. Mit blossen Händen und ohne Gewalt – nur einen Tag lang, am 28. Januar, mussten sie sich mit Steinen gegen die Gewalt von Polizei und Schlägertruppen wehren – haben sie den Kopf des Regimes, das sie 30 Jahre niederhielt, zu Fall gebracht. «In der Bibel, im Koran und in der Thora sind die Ägypter immer die Sklaven», bemerkte ein Aktivist auf Twitter. Erstmals sind sie nun freige­ kommen. Es war die geballte Masse, die dies vermochte.  

Fotos Egypt TV / AP Photo, Keystone

Wem die Stunde schlägt Vize-Präsident Omar Suleiman verkündet Mubaraks Rücktritt.

«Bisher ist nur die zivile Fassade des Regimes weg­ gebrochen. Das stählerne Gerüst steht noch»


Kunst

Graue Haare, wacher Geist Hans Erni feiert seinen Geburtstag en famille. Seine Frau Doris stellt schon mal den Kuchen kalt.

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Ein Weiser g schweizer illustrierte


Jahrhundertkünstler Hans Erni tut alles mit Mass ausser malen: Da möchte er keine Minute ver­säumen. Am 21. Februar wird der Luzerner 102 Jahre alt. Sein Geschenk: eine Ausstellung im eigenen Museum.

anz in Weiss


Kunst

Text Caroline Micaela hauger Fotos Kurt Reichenbach

E

r ist der älteste Kunstaktivist der Schweiz. In mehr als einem Jahrhundert hat Hans Erni zwei Weltkriege erlebt, 76 Bundesräte und die Jahrtausendwende. Am 21. Februar feiert der Maler und Bildhauer mit seiner Frau Doris und den Kindern Sybille, Felix und Simone seinen 102. Geburtstag. Den einhundertundzweiten. Wie man so alt wird? «Durch gesundes Leben, Disziplin und eine positive Einstellung», sagt der Uno-Botschafter. Ernis Geburtsjahr: 1909. Die erste Fluggesellschaft der Welt betreibt Zeppeline. Der Deutsche Paul Ehrlich erfindet die Chemotherapie. In Süditalien bebt die Erde, 83 000 Opfer sind zu beklagen. Das biblische Alter liegt in der Familie: Schwester Berthe zählt 95 Lenze, Maria Strebi wurde kürzlich 104. Die anderen vier Geschwister: alle tot. Die Zeit scheint spurlos an Hans Erni vorbeigegangen zu sein. Er hat seine Lebensfreude und Neugierde nie verloren. Der Empfang in Ernis Reich in ­Luzern: charmant wie immer. Die Hausherrin begrüsst die Gäste. Der Meister arbeitet noch im Atelier und muss ge­ rufen werden. Er kommt am Stock, trägt einen weissen Trainer von Lacoste, weis­ se Leder-Espadrilles, sogar die Socken sind weiss. Weiss ist die Farbe des Friedens, so herrlich neutral. «Sie konkurrenziert die anderen Farben nicht», erklärt er und freut sich über den mit­ gebrachten Kuchen – natürlich mit weis­ ser Glasur und Farbtupfern. Obwohl Millionen Menschen davon träumen, hundert Jahre alt zu werden, bedeutet ihm dieser Tag wenig. «Mein Geburtstag ist für mich nichts Besonderes. Alles geht weiter wie bisher.» Panta rhei (griechisch: alles fliesst) – Ernis Lebensmotto. Plötzlich wirkt er kribbelig, will zurück ins Atelier. An seinem Platz am Fenster schuf er am Morgen neue Skizzen. Pausen gönnt er sich zum Zeitunglesen («Neue Luzerner Zeitung», NZZ) und für einen leichten Lunch (kaum Fleisch, viel Gemüse, Eier von glücklichen Hühnern aus dem eigenen Garten). Seit 37 Jahren bezieht er nun schon AHV und arbeitet immer noch wie besessen. «Tja, Ski fahren und Ski springen kann ich leider nicht mehr, also male ich.» Erni-Lächeln! Hans Erni, malen Sie oft mit Musik? Heute Mozart, ja. Am liebsten mag ich die Russen, ich war mit vielen von ihnen befreundet. Für den Komponis-

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Porträt für Doris Jede Weihnacht schenkt Hans Erni seiner Frau ein Selbstbildnis. Diesmal malte er sich zum ersten Mal mit Brille. «Das schönste Bild von allen», schwärmt die 82-Jährige.

«Ich möchte mein Leben zurückhaben und wieder jung sein. Es würde ein anderer Erni dabei herauskommen»

ten Igor Strawinsky machte ich zum 80. Geburtstag noch ein Bühnenbild. Möchten Sie wieder jung sein? Ich hätte mein Leben gerne zurück. Es käme ein anderer Erni dabei heraus, weil sich die Gesellschaft revolutioniert und gewaltig verändert hat. Verfolgen Sie heute noch, was auf der Welt passiert? Seit meinem sechsten Lebensjahr weiss ich, was der Mensch kaputt macht. Ich habe unzählige Kriege im Kleinen erlebt, die Millionen das Leben gekostet haben, nicht nur die beiden Weltkriege. Was die letzten Wochen im Norden Afrikas und jetzt in Ägypten passiert, ist kein Zufall. Die Menschen müssen ihre Diktatoren überwinden. u


Kunst

Ein Leben für die Kunst Den Lacoste-Trainer hat Erni in vierfacher Ausführung. «Weiss konkurrenziert die Farben nicht.»

u Nur

so gelangen sie zu einem bes­ seren Leben. Ihre Frau Doris ist seit 62 Jahren die gute Seele an Ihrer Seite. Fühlen Sie sich manchmal trotzdem einsam? Einsam heisst ja nicht allein sein. Ein Künstler ist immer einsam, wenn er kreativ tätig ist. Alles ist fern, Frau, Kinder, Wohnung. Nur die Aufgabe ist da. Was ist das Geheimnis der Frauen? In der Geschichte der Kunst verkör­ pern sie die Idee des Lebens. Ohne sie würde nichts klappen auf dieser Welt. Ich fand eine Frau, die meinen Ideal­ vorstellungen entspricht. Doris ist meine Gegenliebe. Ich traf sie als Schülerin, sie schrieb einen Vortrag über mich. Seit damals ist diese Ver­ bindung da, stark wie am ersten Tag. Ihr Leben geht restlos in meinem auf. Sie ist mein Organisations-Engel. Apropos Engel – glauben Sie an Gott? Ich suche nicht nach einem Schöpfer. Aber ich bin auch kein Atheist, das

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hiesse ja «gottlos sein». Ich habe Re­ spekt vor dem Universum und seiner Pracht. Welches Projekt begeistert Sie gerade? Jede Aufgabe, die geliebt wird, macht glücklich. Ich bin stolz auf meine neue Ausstellung im Hans Erni Museum, in der alle meine Plakate aus den letzten 80 Jahren zu sehen sind. Und auf das Uno-Plakat zum «Jahr des Waldes», das ich entwerfen durfte. Sie arbeiten so viel, wird Ihnen das Leben an manchen Tagen nicht zur Last? Man muss sich dem Alter anpassen, sonst ist man verloren. Mit der Palette in der Hand kann ich nicht mehr auf eine Leiter steigen. Doch meine Augen, meine Hände und das Hirn gehorchen noch ganz ordentlich. Nur das Ge­ dächtnis lässt nach – manche Namen liegen mir auf der Zunge, wollen nicht raus. Mit bald 102 haben Sie bestimmt viele Freunde verloren.

«Es ist ein eigenartiges Glück, wenn man das Alter bewusst erleben darf, so wie es mir vergönnt ist»


Und immer lockt das Weib Neue Arbeiten aus den letzten Wochen mischen sich mit Werken aus dem letzten Jahrtausend.

Legt seine Hände nie in den Schoss Hans Erni ist täglich bis zu sechs Stunden im Atelier und sprüht nur so vor Energie. Die meisten sind gestorben, das macht mich traurig. Das ist ein grosser Ver­ lust, doch ich kann es nicht ändern. Es ist ein eigenartiges Glück, wenn man das Alter bewusst erleben darf, so wie es mir vergönnt ist. War Ihr Leben ein grosses Abenteuer oder ein Kampf? Ein echtes Abenteuer ist immer ein Kampf, ob bei meinen sportlichen Leistungen, die eher bescheiden waren, oder in einer ernsthaften Aus­ einandersetzung mit der Umwelt. Würden Sie alles wieder so machen? Ich würde gar nichts mehr so machen. Ich würde ganz neu aus dem Moment heraus handeln und entscheiden. Alles, was sich wiederholt, ist im Grunde nichts anderes als Vernichtung von Lebenszeit.  «Erni – Les affiches / Plakate», Hans Erni Museum Luzern, ab dem 19. Februar, www.hanserni.ch


Daddys Girl Oliver Keller in seinem Zuhause in der Nähe von Los Angeles: «Meine Tochter Geneva hat Priorität. Dann kommt die Arbeit. Für anderes hätte ich gar keine Zeit.»

Wenn es Hollywood-Stars wie Ashton Kutcher und Jim Carrey zu gefährlich wird, springt er ein: Stuntman oliver keller. Zu Hause bei seiner Tochter Geneva wird der Schweizer aber zum Knuddel-Daddy.

«Ich bin kein Dr


Hollywood

Action! Oliver Keller und sein Töchterchen Geneva geben in ihrer Freizeit gerne Gas – hier auf einem Dune-Buggy ausserhalb von Los Angeles.

Text marlène von arx Fotos serge hÖltschi

U

aufgänger»

nd zu Hause geht es gleich weiter: Verschnaufpausen kennen Oliver Keller, 35, und seine Tochter Geneva, 4, keine. Erst vor ein paar Minuten noch kurvte Geneva so schnell auf ihrem Dune-Buggy im Sand herum, dass nur noch eine grosse Staubwolke zu sehen war. Oliver Keller musste sich ganz schön sputen, um mitzukommen. Der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm. Denn quietschende Reifen sind die Spe­ zialität des Stuntman. Verfolgungsjagden, Überschläge – Keller wird gerufen, wenn das Drehbuch brenzlige Szenen hinter dem Steuer vorsieht oder gefährliche Stürze angesagt sind. Sacha Baron Cohen, Joe Manganiello und Ashton Kutcher, als dessen Fahr-Double er derzeit in «No Strings Attached» im Kino zu sehen ist, doubelt er regelmässig. Kürzlich sprang er auch für Jim Carrey und Henry Cavill, den neuen Superman, ein. Verletzt habe er sich bisher wenig. Die Schnittwunden, die er sich vergangenes Jahr für Ashton Kutcher in «Kiss & Kill» zugezogen hat, zählt er nicht: «Ich musste in einer Woche durch vier grosse Glasscheiben springen. Da gibts einfach Schnitte, und die schlimmsten näht man dann halt.» Zu Hause verwandelt sich der harte Kerl in einen liebvollen Papi, der das Zimmer seiner Tochter eigenhändig in ein pinkfarbiges Prinzessinnen-Schloss verwandelt hat. Zu Weihnachten schenkte er seinem Töchterchen einen Spielzeugherd, und seither wird «gekocht», was das Zeug hält. «Ich möchte eines Tages ein Restaurant führen und den Leuten meine Lieblingsspeise Makkaroni und Käse servieschweizer illustrierte

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Foto Handout

Hollywood

Am Set von «Kiss & Kill» Oliver Keller posiert mit Ashton Kutcher (v. l.), Katherine Heigl und deren Double Cheyenne Ellis.

«Wer als Kind nie etwas wagt, entwickelt auch später keinen Mut fürs Leben»

Privater Funpark Oliver Keller und Geneva spielen oft im eigenen Garten – immer dabei: Hund Bandit.

oliver keller ren», sagt Geneva auf Englisch, dabei spricht sie fast ­akzentfrei Schweizerdeutsch. Kellers Haus befindet sich in Valencia – einem Vorort nördlich von Los Angeles. Im Garten steht ein grosses Trampolin und ein Tellerli-Lift. Hier spielt Geneva am liebsten mit ihrem Daddy. Geneva geht ausserdem in die Gymnastik, sie klettert, seit sie zwei Jahre alt war, und im Skifahren meistert sie bereits alleine grüne und blaue Pisten. Oliver Keller, der einst im Junioren-Klub von Ski-Star Peter Müller trainierte, ist der Überzeugung, dass Sport gut fürs Selbstvertrauen ist: «Denn wer als Kind nie etwas wagt, entwickelt auch später keinen Mut fürs Leben. Aber ich zwinge Geneva zu nichts. Will sie eines Tages nur noch Bücher lesen, ist das auch okay.» Das Sorgerecht für Geneva teilen sich Oliver Keller und seine Ex-Frau Heather, sie wohnen auch nur zehn Autominuten voneinander entfernt. ­Vater zu sein, hat ihn im Job nicht un­bedingt vorsichtiger gemacht: «Ich brauche ­Herausforderungen, aber ich bin kein

Draufgänger oder Adrenalin-Junkie. Man muss jeden Stunt so vorsichtig wie beim ersten Mal angehen.» Es ist aber nicht so, dass sich Oliver Keller vor gar nichts fürchtet: Sprechrollen, wie er sie in den Serien «24» oder «CSI: Miami» hatte, machen ihn nervös – oder Spinnen! Als er vergangenen Sommer in den Bayous von Louisiana Jim Caviezel doubelte, musste er durch die Sümpfe rennen, wo alle paar Meter ein Netz einer Bananenspinne hing. «Hässlich sind die Dinger! Ich liess alle Netze entfernen, damit die Spinnen nicht auf mich runterfallen. Danach hatte ich nur noch Angst, dass ich auf sie treten würde – meine ­Panik war also nicht gespielt!» Oliver Keller wollte Stuntman werden, seit er sich erinnern kann. Die ­Actionszenen in der TV-Serie «Ein Colt für alle Fälle» hatten es ihm angetan. Mit elf Jahren übte er im Garten seinen ersten Stunt: Er rieb eine alte Lederjacke mit Feuer-Gel ein, und seine Mutter setzte ihn in Brand. «Es brannte kaum, aber wir hatten einen Kübel Wasser parat, falls etwas schiefgegangen wäre.» Wäh-

rend der Lehre als Sportartikelverkäufer besuchte der Klotener WochenendStunt-Kurse in Düsseldorf. «Dort fühlte ich mich verstanden, denn mein Traum wurde in der Schweiz meist belächelt.» «Mr. Hollywood» nannte man ihn, und dorthin ging er 1999 schliesslich auch. Kaum angekommen, erfuhr er von Bob Yerkes – der amerikanischen Stuntman-Legende. Yerkes bildet bei sich zu Hause angehende Stuntmänner aus – auf seinem Anwesen stehen ein Höhensturzturm und Wohnwagen für die Neuankömmlinge. Oliver Keller trainierte täglich bei Bob Yerkes und lernte das nötige Networking. Was ihm Yerkes und der schweizstämmige Stunt-Held Gary Epper beigebracht haben, gibt Oliver Keller nun auch an den Schweizer Nachwuchs weiter. Im Sommer wird er wieder einen Stunt-Kurs in der Schweiz durchführen. Als nächste Herausforderung will er sich als Actionszenen-Regisseur und Produzent versuchen und etablieren. Ein Projekt hat er bereits in Arbeit: einen Film mit Burt Reynolds, der zum grossen Teil in der Schweiz gedreht werden soll.  schweizer illustrierte

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gesellschaft

Wie tickt unsere Jugend? Sie wünschen sich Familie, Karriere und ein ruhiges Leben. Ihr Antrieb ist Leistungsdenken und ein Alltag zwischen Sicherheit und Seriosität. Die rebellische ­Jugend verschwindet. Das hat fatale Folgen. Text Stephanie ringel

L

ena Peters weiss genau, was sie will. Sie ist 17, kommt gerade von einem halbjährigen Schulaufenthalt aus Costa Rica zurück, wo sie «echt das Leben genossen hat», und jetzt geht die weitere Planung so: «Matur, Studium, Kinder, ein langes, zufriedenes Leben.» Zoff mit der Mutter gibts höchstens, wenn sie sich beim Lernen ablenken lässt. Ehrgeizig, sympathisch, anständig wirkt sie. Noch ein Teenager und trotzdem verwirrend seriös an der Schwelle zum Erwachsenenleben (siehe Seite 53). Auf den ersten Blick dominieren die Säufer und Kiffer und Schulschwänzer, weil sie in der Öffentlichkeit lärmen, rumpöbeln oder sich in der S-Bahn gegenseitig vermöbeln. Symbolisieren sie den Sound der Generation Jugend 2011? Oder gibt längst eine stille Mehrheit der braven Fleissigen den Ton an? Sind es Teenager wie Lena Peters oder solche, über deren Gewalt in den Medien berichtet wird?

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Bislang gab es wenig Studien über Jugendliche und darüber, was sie wollen. Das Zürcher Jacobs Center für Jugendforschung analysiert in der Langzeit­ studie «Cocon» vor allem Bildungs­ verläufe. Die Uni ­Zürich hat, dank der Stiftung des verstorbenen Millionärs Branco Weiss, seit wenigen Monaten einen Lehrstuhl für Jugendforschung. Dort beginnt in diesen Tagen eine eigene Untersuchung über jugendliches Engagement in Gruppen. Doch Er­ gebnisse über die Einstellungen und Bedürfnisse der Schweizer Jugend­lichen, also was in ist und was out, existierten bisher nicht. Nun hat die Credit Suisse dieses Feld besetzt. Neben dem «Sorgenbarometer», in dem die Grossbank seit über 30 Jahren die Nöte der Schweizerinnen und Schweizer aus­werten lässt, initiierte sie kürzlich ein «Jugendbarometer». Darin hat das Forschungsinstitut GfS Bern gezielt 1011 Jugendliche im Alter zwischen 16 und 25 befragt. Die wichtigsten Schlussfolgerungen im Detail:

u Hoffnungen

und Ängste Eine deutliche Mehrheit, nämlich 62 Prozent der Befragten, ist zuversichtlich. Dafür sind die wirtschaftlichen Verhältnisse zentral: Wichtig ist, viel Geld zu haben. Je höher das Einkommen und je besser man mit dem eigenen Geld auskommt, desto optimistischer schätzen die Jugendlichen ihr Leben ein. Sie streben ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung an, wollen regelmässig sparen und möchten später Vermögen haben. In die Zukunft der Gesellschaft schauen sie weniger optimistisch. Angst machen: Ausländer, Arbeitslosigkeit und die Altersvorsorge. Fast 70 Prozent der Jugendlichen gehen davon aus, dass viele Ausländer der Gesellschaft Probleme bereiten und dass diese Probleme innerhalb der vergangenen zwei, drei Jahre zugenommen haben. Das ist über­ raschend, denn gleichzeitig empfinden junge Menschen Ausländer in ihrem Freundeskreis nicht als bedrohlich. Das eigene Leben und die Gesellschaft werden als unabhängig voneinander


Liebe 2011 Die Jugendlichen werden enthaltsamer und treuer. Sie wollen Kinder, eine gleichberechtigte Partnerschaft, Haus- und Erziehungsarbeit teilen.

wahrgenommen. Als «ich» und als «die anderen da draussen». u Schule und Beruf Die Karriere hat einen besonders hohen Stellenwert bei den Jugendlichen. 73 Prozent wollen Karriere machen, gerne in internationalen Grossunternehmen. Dafür sind sie flexibel (77 Prozent), bereit zum Auslandsaufenthalt (75 Prozent) oder Praktikum (71 Prozent). Sogar 81 Prozent bereiten sich dar­auf vor, sich lebenslang weiterzubilden. Schlechte Noten gibts für das Universitätsstudium. Eine Lehre sei die bessere Grundlage für eine Karriere. Auch die Schulausbildung sieht die rote Karte: 59 Prozent sind der Meinung, dass die Schule nicht gut auf die Berufswelt vorbereitet. u Liebe und Sexualität Die Jugend wird enthaltsamer. Weniger als ein Drittel möchte viele sexuelle Erlebnisse haben. Hingegen wissen 51 Prozent der 16- bis 25-Jährigen, dass sie Kinder wollen. Gleichberechtigung in der Partnerschaft spielt ebenfalls für über die Hälfte eine wichtige Rolle. So-

gar 64 Prozent finden es in, wenn sich Partner die Erziehungsarbeit teilen. Einen «Hausmann» oder eine «Hausfrau» wollen aber beide Geschlechter nicht daheim haben. Trotz dieser bürgerlichen Lebenseinstellung ist das Inter­esse an allen Fragen rund um Sex unvermindert gross. Das bestätigt auch Pro Juventute. Jährlich nutzen 146 000 Kinder und Jugendliche das Hilfeangebot. Matthias Heri arbeitet als Telefonberater bei der Pro Juventute und der Telefonhilfe 147. «Sie sind heute überinformiert, aber unterorientiert», sagt er. «Die Jungen wollen emotional aufgefangen sein. Zuhören ist in diesem sensiblen Bereich oft genauso wichtig wie Rat geben.» u Freunde und Facebook Freunde stehen auf Platz 1 der Hitliste des Lebens. 90 Prozent der Jugendlichen wünschen sich Kolleginnen und Kollegen, auf die man sich verlassen kann. Kontakt halten sie vor allem über Facebook. Das grösste soziale Netzwerk der Welt ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte, nur sieben Jahre nach seiner Erfin-

dung schon mit dem Hollywood-Film «The Social Network» gewürdigt. 85 Prozent haben einen Facebook-­Zugang und besuchen via Smartphone mehrmals täglich diese Internetsite. Facebook ist wichtiger als Youtube, TV, Gamen, Blogs oder Dating-Plattformen. Der schnelle, kurze Austausch bestimmt den Alltag: ein Bild hochladen, einen Kommentar posten. Gleichzeitig verändert sich das Leseverhalten radikal. Gratiszeitungen sind das wichtigste Medium, um sich über das Tagesgeschehen zu informieren. Sie sind wichtiger als TV, Radio oder Internet. Erstaunlich ist, wofür sich die Schweizer Jugend interessiert, und zwar in dieser Reihenfolge: Wetter, Musik, regionale Aktualität, Sport. Abgeschlagen sind Politik und Wirtschaft, aber auch VIPGeschichten oder Computer-Themen. u Geld und Schulden Schulden bei Familie oder Bekannten haben laut der Studie nur 12  Prozent. Gerade mal 6 Prozent geben Schulden bei ihrem Handyanbieter zu. Das ist überraschend, da eine Erhebung der u

Fotos Isadora Tast / laif, Sebastian Pfuetze / Getty Images, David Mushegain / Trunk Archive

Teenager-Universum Computer, Mobiltelefon, Fotos der Kolleginnen und Kollegen: Alltag im Jugend­ zimmer. Beunruhigend ist: Fast 70 Prozent der Jungen glauben, dass Ausländer der Gesellschaft Probleme bereiten.

Treffpunkt Facebook Das grösste soziale Netzwerk der Welt ist eine gigantische Kontaktbörse, ohne die nichts mehr geht. Der schnelle, kurze Austausch im Netz bestimmt den ­Teenager-Alltag.

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3 %chen 6 d e r ju ge n d li

s e u rt e il e n d a S c h w e iz e r bzu A u s lä n d e rn Ve rh ä lt n is n ge s p a n n t» . a ls « e h e r a

Fachhochschule Nordwestschweiz zeigt, dass 38 Prozent der 18- bis 24-Jährigen Schulden haben. Und Sascha Brombois von der Inkassofirma Intrum Justitia attestiert laut NZZ jungen Erwachsenen ein «drastisch höheres ­Kreditrisiko». Der Grund: ausgeprägtes Markenbewusstsein und hohe Konsumbereitschaft. Zürcher Jugendliche geben im Schnitt 691 Franken monatlich aus. Was zeigt die Studie also? Die Schweizer Jugendlichen sind auf dem Weg zu fleissigen Individualisten, zu einer pragmatisch-entideologisierten Generation. Sie schätzen ein warmes Nest, den spannenden Beruf, interessieren sich für Aus- und Weiterbildung, und wenn sie was zu sagen haben, teilen sie es am liebsten in Kurzmitteilungen über SMS, Facebook oder Mail mit. Politik spielt für die Mehrheit von ihnen keine

Rolle. Ihr Lebensgefühl schliesst eine Wertedebatte über Umweltprobleme, Kriege oder die Finanzkrise aus. «Spider-Generation» nennen die Macher der Studie die Jugend. Sicher wie eine Spinne bewege sie sich in virtuellen Netzwerken. Vereine, Kirchen, Gewerkschaften – früher Orte der Begegnung – verlieren ständig an Bedeutung. Das «Soziale wird medialer, und Medien­zeit wird sozialer», fasst der deutsche Zukunftsforscher Matthias Horx das Phänomen in seinem aktuellen Trend­ report 2011 zusammen. «Gerade das wird zum Pro­blem», sagt Jan Skrobanek, «wenn damit eine Entpolitisierung des täglichen Lebens einhergeht.» Der Professor leitet den Lehrstuhl für Jugendforschung an der Universität Zürich. «Wir brauchen Jugendliche, die den Status quo der Gesellschaft kritisch hinterfragen!» Dafür war Jugend lange Zeit Garant, sorgte in der Erwachsenenwelt für die entsprechenden Verstörungen, Alarmierungen und – manchmal auch – gesellschaftlichen Veränderungen. Diese rebellische Kraft der Jugend geht verloren, wenn sich jeder nur noch um sich kümmert und virtuelle Gemeinschaft Alltag wird. «Dann», so Skrobanek, «schei-

Gemeinsam abhängen Freunde haben für Schweizer Jugendliche oberste Priorität. Sie wünschen sich Kollegen, auf die man sich verlassen kann. det die Jugend als Erneuerer der Gesellschaft aus. Inno­vation und Entwicklungsanstösse gehen verloren.» Die Jugend von heute hat die Botschaft der Erwachsenen verstanden: Erfolg ist nur möglich, wenn man sich anpasst. Wer nicht mitspielt, wird bestraft: durch weniger Erfolg, weniger Geld, weniger Wertschätzung. Zentrales Motto ist: Arrangieren statt rebellieren. Skrobanek kritisiert: «Jugendliche werden zu stark funktionalisiert, zu stark unter dem Aspekt ihrer Verwertbarkeit für den Arbeitsmarkt gesehen.» Über-


setzt heisst das: Sie sollen beruflichen und finanziellen Erfolg haben, um den Wohlstand der Elterngeneration zu halten, auszubauen sowie die Versorgung einer überalterten Gesellschaft zu garantieren. Jedes Handeln habe sich nur noch im und am Markt zu bewähren. Also büffelt man Mandarin, weil China der neue Weltmarkt ist. Man quält sich durch Volkswirtschaftslehre, obwohl man für Archäologie brennt. Und geht auch nicht demonstrieren. Welcher Chef stellt schon gerne Querulanten ein? Idealerweise sieht man aber gut aus und ist sportlich. Jenseits von Beobachtung, Kontrolle und Sanktion entwickeln Jugendliche virtuelle Freiräume – ja zunehmend virtuelle Lebensräume – im Netz. Den Fussballklub, den Jugendtreff oder die tatsächliche Auseinandersetzung mit den Erwachsenen lösen selbst geschaffene Rollen in medialen Welten ab. Es gibt das echte Leben und das unechte. Im echten ist man brav. Im unechten kann man frech, provokant, kämpferisch auftreten. Wenns heikel wird, schaltet man sich mit einem Klick weg. Geht offline. «Nicht brav sein, nicht angepasst sein muss im echten Leben möglich

werden!», sagt Jan Skrobanek. Änderungen einfordern und danach handeln auch. Das ist der Motor für gesellschaftliche Entwicklung. Daraus entsteht Veränderung, auch wenn sie auf den ersten Erwachsenenblick keinen Sinn macht. «Ziel muss sein, dass sich die Jugendlichen wieder fragen: Wie kann ich die Gesellschaft verändern, wenn es mir oder anderen in dieser Gesellschaft nicht gut geht?» Also die Abkehr vom Individualismus und die Rückkehr zum politischsozialen Engagement.

Trends: Top & Flop u Das ist in SMS, italienisches Essen – also Pizza und Pasta, E-Mail, Ferien im Ausland, sich selbst sein und sich nicht verstellen, modische Kleidung, Sport allgemein, öffentlicher Verkehr, Musik runterladen und TV schauen u Das ist out Volksmusik, Schlager, billige Kleider, an politischen Diskus­ sionen teilnehmen, handgeschriebene Briefe, vegetarische Ernährung, Ge­ländewagen, wandern, Hausfrau sein und sich auf Erziehung konzentrieren, Elektro-Velos

Laura Crivelli segelt zum Beispiel schon auf dieser Welle. Sie studiert internationale Beziehungen und ist Vertreterin der Schweizer Jugend bei der Uno. Jugendliche seien Akteure des Wandels. «Sie nehmen mutig die Herausforderungen der Gesellschaft an und pochen auf ihr Recht, sich aktiv an der Lösung dieser Probleme zu beteiligen. Jugendliche sind nicht die Leader von morgen, sondern die Co-Leader von heute», sagte sie in einer Gesprächsrunde mit Roger Federer und Hans-Ulrich Doerig, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse. Mehr von diesen Laura Crivellis bräuchte das Land, und Skrobanek betont: «Der Staat muss eingreifen.» Immer mehr würden Jugendprogramme und soziale Einrichtungen eingespart, die Diskussions- und Partizipations­ fähigkeit fördern. Orte, an denen Junge aus unterschiedlichen sozialen Schichten zusammenkommen und Problem­ bewusstsein schärfen können: Warum verdient dein Papa als Putzmann so wenig und meine Mama als Bankerin so viel? Wieso kann ich studieren und du nicht? Wie weit sollen die Gletscher u eigentlich noch schrumpfen?

Foto Julien Chatelin / laif

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Es kostet Kraft, solche Diskussionen wieder anzuregen, auszuhalten und Orientierung zu bieten. Diese Erfahrung macht seit einiger Zeit auch Urs Kiener, Mitglied der Geschäftsleitung bei Pro ­Juventute Schweiz. Die private Stiftung übernimmt seit ihrer Gründung Aufgaben der Kinderund Jugendförderung. Ein Familienministerium gibt es in der Schweiz nicht. Pro u

Juventute füllt die Lücke, so gut es geht, mit der Telefon­beratung, Elternbriefen, einem Witwen- und Waisenfonds, Schuldenberatung und neuerdings auch mit Bundesrat Didier Burkhalter als offiziellem Botschafter. Kiener sagt: «Die Jungen ticken heute eigentlich noch genau wie vor 30 Jahren. Dramatisch ist die Individualisierung unserer liberalen Gesellschaft.»

Hesiod, der griechische Schriftsteller lebte vor 2700 Jahren, hat einst be­klagt: «Die Jugend ist ohne Zweifel unerträglich, rücksichtslos und altklug. Als ich noch jung war, lehrte man uns gutes Benehmen und Respekt vor den Eltern. Aber die Jugend von heute will alles besser wissen.» Das wäre wirklich schön.  

«Liebeskummer? Kenne ich nicht – zum Glück!» Teenager-Leben zwischen Schule und Sex, Facebook und Familie. Lena Luisa Peters erzählt, worauf sie stolz ist, wann sie sich schämt und wofür sie streitet.

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Foto Dick Vredenbregt

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hat mich eine Freundin an­gerufen, und wir ena Peters, mit 17 hat man Träume. haben gequatscht. Das fand meine Mutter Was wünschen Sie sich von der Zukunft? schlecht und wollte mir sofort den Ausgang In eineinhalb Jahren mache ich die am Wochenende streichen. Matur in Englisch und Spanisch. Danach möchKein Cliquenabend am Samstag? te ich in Südamerika reisen, später studieren, Da habe ich rebelliert. Ich darf schon unter Familie, das Glück fürs Leben! der Woche nicht weg. Mit den Kollegen gehen Das klingt nach einem perfekten Plan. wir in Bars oder feiern zu Hause. Meistens Ich bin noch nicht lange aus Costa Rica zurück. sind wir Mädchen zusammen, reden über die Ein halbes Jahr habe ich in San José die Schule Schule, DVD-Filme, auch über Jungs und Sex. besucht. Jetzt arbeite ich den Schulstoff nach, Und die Liebe? damit ich die Klasse nicht wiederholen muss. Meinen letzten Freund hatte ich mit 12. LieEigentlich wollte ich in Costa Rica nebenbei beskummer? Kenne ich nicht – zum Glück! lernen. Das habe ich dann schleifen lassen – Liebe heisst immer auch Schmerz, oder? absichtlich. Die Menschen dort leben viel Jetzt werden Sie ja ganz rot! entspannter als wir in der Schweiz. Lena Peters lebt mit ihren Na ja, ich interessiere mich grade für einen War Heimkommen schwierig? Eltern und ihrem Bruder in Jungen. Wir wollen mal in der Clique ausgeDie Umstellung war schwer. Dort fassen sich Uster. Sie besucht das Gymnahen. Wenn wir uns was zu erzählen haben, ist die Menschen leichter an, heute umarme ich sium Hohe Promenade, Zürich. es gut. Wenn nicht, dann vergesse ichs gleich. meine Freundinnen auch ständig. Ich bin Worauf können Sie nicht verzichten? herzlicher, offener geworden. Aber ich lebe gerne in der Meine Familie. Facebook. Darüber halte ich Kontakt zu meiSchweiz. Hier hat man eine bessere Zukunft. nen Freunden, vor allem in Costa Rica. Ich schaue, was bei Wie sieht ein typischer Lena-Tag aus? den anderen so läuft, kommentiere, lade Bilder von mir hoch. Ich bleibe immer zu lange im Bett. Um sechs Uhr sollte ich Oder man kann einfach mal schnell abmachen, wenn man die aufstehen, meist wird es Viertel nach. Schnell frisieren, Handynummer nicht weiss. schminken, Kaffee trinken. Ich blättere noch den «TagesWorauf sind Sie stolz? Anzeiger» durch. Dann nehme ich den Bus, die S-Bahn, um Dass ich das Auslandsemester geschafft habe und dass ich 7.35 Uhr fängt die Schule an. Am Abend komme ich meist mit Geld klarkomme. Meine Eltern geben mir 300 Franken gegen sechs Uhr heim. Mache 30 Minuten Pause, dann ­Uufzgi. Monatsgeld. Davon bezahle ich meine Kleider, das Schul­ Abends schaue ich Krimis wie «Lie to Me» oder «CSI: Miami». essen, Dinge, die ich möchte – aber nicht haben muss. Sonst kann ich am nächsten Tag in der Pause nicht mitreden. Kredit gibt mir meine Mutter nämlich nie. Und ich bin auch Bleibt da Zeit für Freunde? stolz auf mein Engagement. Mit meinen Kolleginnen gehe ich oft zum Mittagessen an den See. Wir holen uns etwas vom Take-away im Supermarkt oder Welches Engagement? Jeden Samstagnachmittag leite ich beim CVJM eine Kinderbeim Italiener. Manchmal hängen wir auch bei Starbucks ab. gruppe. Wir basteln, spielen, gehen in den Wald. Früher war Während der Woche trainiere ich im Fitnessstudio. Ich habe ich als Kind selbst dort, heute kümmere ich mich. Aber lange ­voltigiert, war an den Schweizer Meisterschaften Dritte Kindererzieherin oder so will ich nicht werden. Eher Lehrerin und Vizemeisterin mit der Mannschaft. Damit ist Schluss, seit ich mir das Kreuzband im Knie gerissen habe. Jetzt will ich ins für Spanisch und Englisch. Oder Immobilienmaklerin. Mich faszinieren Häuser. Für Innenarchitektur bin ich zu wenig Thaiboxen. Das erlauben meine Eltern nicht – zu aggressiv, kreativ. Aber verkaufen – warum nicht! sagen sie. Egal, dann mache ich es eben, wenn ich 18 bin! Im August werden Sie volljährig. Und dann? Worüber gibt es Streit mit den Eltern? Ich wünsche mir eine Reise mit meiner Familie nach New York! Wenn ich mich bei den Hausaufgaben stören lasse. Neulich

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Vom Star zum Fan: Die Schweizer Turn-Queen Ariella 足Kaeslin, 23, schreibt exklusiv 端ber ihren Ausflug in die Welt der Topstars an den Laureus World Sports Awards in Abu Dhabi.

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Ariella im W schweizer illustrierte


«Ein Traum!» Turn-Europameisterin Ariella Kaeslin geniesst ihre Auszeit vom harten Trainings­ alltag an den Laureus Awards in den Emiraten.

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Turm der Superlative Ariella vor dem Burj Khalifa (828 m), dem höchsten Gebäude der Welt. Das berühmte Burj al Arab ist «nur» 321 m hoch.

«Ich bin soeben in ein Zimmer in Magglingen gezügelt. Die Emirate sind ein Kulturschock» Text ariella Kaeslin Fotos fabienne bühler

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eit dem Tag, als ich von der Laureus Stiftung Schweiz an die World Sports Awards eingeladen wurde, habe ich mich auf die Reise nach Abu Dhabi gefreut. Zwei Tage voller aufregender Events mit Weltstars, die sich für eine gute Sache einsetzen. Doch die Dresscodes im Programm verunsichern mich. Relaxed elegant? Business casual? Black Tie? Ich will nichts falsch machen und bin froh, mich bei Bernie’s in Zürich von einem Stylisten beraten lassen zu können. Für die Gala habe ich ein kleines Schwarzes eingepackt. Doch nur wenige Tage vor dem Abflug merke ich, dass Abendkleid Pflicht ist. Die Luzerner Designerin Larissa Schmidiger schnei-

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dert mir innert 24 Stunden ein Traumkleid auf den Leib und kommt für die Anprobe extra nach Magglingen. Passt, ich bin gerüstet. Dass ich vor Kurzem die Haare gekürzt und dunkler gefärbt habe, hat aber nichts mit Laureus zu tun. Es war schlicht Zeit für ein neues Styling. Zum ersten Mal im Leben fliege ich Businessclass. Und bin heilfroh über den bequemen Liegesessel, denn es ist ein Nachtflug, und vor mir liegen 48 Stunden Action. Morgens um 6.45 Uhr landen wir in Dubai. Mit LaureusGeschäftsführerin Evelyn Fankhauser fahre ich zuerst zum Burj Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt. Als ich vor Jahren hier Ferien machte, war er noch im Bau. Die Emirate sind ein Kulturschock: Erst vor ein paar Tagen bin ich von meiner Bieler WG in ein Zimmer in der Eidgenössischen Sportschule in

Magglingen umgezogen. Jetzt stehe ich im 124. Stock (452 m), blicke auf Wolkenkratzer und Meer. In diesem Moment fühle ich mich einmal mehr geehrt, als Botschafterin der Laureus Stiftung Schweiz an die Awards reisen zu dürfen. Die Laureus World Sports Academy, ein Gremium von 48 internationalen Sportstars, wird im «Emirates Palace» die Weltbesten mit «Sport-Oscars» ehren. Für mich ist es auch eine Chance und die Möglichkeit, mich mit anderen Botschaftern über die verschiedenen Projekte auszutauschen. Am meisten freue ich mich auf mein Vorbild Nadia Comaneci. Als Mädchen habe ich sie bewundert und ständig den Comaneci-Salto am Stufenbarren geübt. Leider vergebens. An der Laureus Welcome Party im «Cipriani» (Dresscode: relaxed elegant) stehen wir uns plötz- u


sport

Teures Vergnügen Die Aussicht von der Plattform im 124. Stock kostet satte 400 Dirham (105 Franken)! Aber es lohnt sich.

Fotos Bryan Lennon / Getty Images

ich & die stars: ariella Kaeslins begegnungen bei laureus

Mit Edgar Davids am Fussballturnier: «Ein cooler, sym­ pathischer Typ mit seinen Rasta-Zöp­ fen und der Brille.»

Auf dem roten Teppich: «Mein Kleid hat eine Luzernerin innert 24 Stunden geschneidert. Perfekt!»

Mit Vorbild Nadia Comaneci, 49: «Mir ist aufgefallen, dass sie immer noch wie eine Turnerin aussieht. Sehr fit!»

Morgan Freeman: «Er war gerade am Essen, als ich ihm vorgestellt wurde, aber er bat mich neben sich. Toll!»

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u lich gegenüber. Was sagt man seinem Idol in diesem Moment? Eigentlich will ich gar nicht mit ihr reden – mir reicht es, vor ihr zu stehen. Laureus-Stiftungsrat Georges Kern stellt mich Schauspieler Morgan Freeman und Tennis-Idol ­Boris Becker vor. Ob ich sonst jemals so nahe an all die Topstars herangekommen wäre? Die Atmosphäre ist locker. Ich bin Stammgast am Buffet – bald kennt man mich dort und schöpft mir Gemüse. Am nächsten Morgen treffe ich beim Laureus Breakfast for Good (Dresscode: Business casual) Nawal El Moutawakel, die erste muslimische Olympiasiegerin (1984 über 400 m Hürden). Der Austausch ist sehr spannend, da ich im Mai Botschafterin bei der Lancierung eines neues Projektes bin, das Mädchen und junge Frauen vermehrt zum Sport motivieren soll. Auf dem Weg zur Laureus Football Challenge werden wir in ein Beduinenzelt gewinkt. «Setzt euch, trinkt Tee», lädt uns der «Chef» ein. Ich beobachte die Kamele. Die Herzlichkeit der Araber ist beeindruckend. Und der Tee schmeckt mir als Kaffeetante überraschend gut. Vom Fussball verabschiede ich mich zeitig, um mich in Ruhe für die Gala (Dresscode: Black Tie) zu stylen. Auf dem roten Teppich spiele ich höchstens eine Nebenrolle. Gemütlich spaziere ich mit Laureus-SchweizPräsident Urs Lehmann und seiner Tochter Nina über die vielleicht 50 Meter bis zum Eingang und staune über die vielen Kameras und Journalisten. Mit dem iPhone mache ich Fotos und stelle sie auf Facebook: «Hello from the red carpet!» An den Awards beeindruckt mich die blinde Biathletin Verena Bentele am meisten. An der Aftershow-Party sitzt am Tisch hinter mir Zinédine Zidane. Am Tisch vor mir Rafael Nadal. Faszinierend zu sehen, wie locker die drauf sind. Erst gegen Morgen komme ich ins Zimmer. So eine Freinacht gönne ich mir sehr selten, aber diese Chance musste ich nutzen. Auf dem Heimflug schlafe ich sechs Stunden. Von Kloten fahre ich mit dem Zug nach Magglingen zum Training. Natürlich bemerkt mein Trainer Zoltan Jordanov den Schlafmangel. Doch er drückt ein Auge zu. Es hat mir gutgetan, den Kopf mal durchzulüften. Ich arbeite ja täglich hart für meine nächsten Ziele: im April die EM in Berlin und natürlich Olympia 2012 in London. Nach zwei Stunden Training schlafe ich von 20 bis um 8 Uhr durch. Mein Fazit der 48 Stunden im Wunderland: Es war ein Traum! Ich werde lange brauchen, um die Eindrücke zu verarbeiten!  Aufzeichnung: Ilona Scherer

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Die kroatische HochsprungWeltmeisterin Blanka Vlasic (1,93 m).

Kaum zu glauben: Merlene Ottey ist 50 – und sprintet mittlerweile für Slowenien.

Die frühere Tennis-Queen Monica Seles: schlanker als zu Aktiv-Zeiten.

Glamouröse S

Laureus fürs Lebenswerk zum 20. Hochzeitstag: Zinédine Zidane mit seiner Véronique.

Offenbarte als Moderator der Awards-Gala viele Talente: Oscar-Gewinner Kevin Spacey.

Schwimm-Legende Mark Spitz mit Extremsportlerin Annabelle Bond.

Sänger Ronan Keating beim Fussball mit Sohn Jack, 12, einem Manchester-United-Fan.

Brachten Hollywood-Glamour nach Abu Dhabi: Morgan Freeman mit Kollegin Paz Vega.

Ed Moses (Chef Laureus) mit Urs Lehmann (Schweiz-Chef), der Tochter Nina, 6, mitnahm.


party

tête-à-tête Mit

Lilly Becker

Sharlely «Lilly» Kerssenberg ist seit Juni 2009 mit Boris Becker verheiratet. Sohn Amadeus ist ein Jahr alt.

port-Oscars

Laureus World Sports Awards: «Wüste» Party!

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Österreichs Ski-Denkmal Franz Klammer mit seiner Tochter Sophie, 22.

IWC-CEO Georges Kern (r.) und Marcel Guerry, der neue CEO von Mercedes Schweiz.

ie war das einzige Kind und der kleine Star der «Sport-Oscars»: Blondschopf Nina, die sechsjährige Tochter von Laureus-Schweiz-Präsident Urs Lehmann. Mama Conny Kissling musste beruflich nach München. «Deshalb habe ich Nina einfach nach Abu Dhabi mitgenommen. Sie ist es gewohnt, an solchen Events dabei zu sein», erklärte der stolze Papa. «Wir haben im Hotel vorgeschlafen!» Dagegen hatte Ex-Weltfussballer Zinédine Zidane bei der Aftershow-Party im «Emirates Palace» nur Augen für seine Véronique: «Heute ist ein wunderbarer Tag. Nicht nur, weil ich einen Laureus für mein Lebenswerk bekommen habe. Vor genau 20 Jahren habe ich meine Frau geheiratet!» Zu vorgerückter Stunde wirbelten neben Fussball-Beau Luís Figo und Golfer Martin Kaymer («Newcomer des Jahres») auch der neue Schweizer Mercedes-CEO Marcel Guerry und IWC-Boss Georges Kern über die Tanzfläche. Der Schaffhauser Uhrenhersteller sammelte beim Benefiz-Fussballturnier 315 000 Franken. Geld, das die Laureus Sport for Good Foundation für sozial benachteiligte junge Menschen in allen Erdteilen einsetzt. Die 48-Stunden-Luxus-Party in Abu Dhabi hat Laureus übrigens nichts gekostet: Alle Teilnehmenden waren in der Wüste Gast der Investmentgesellschaft Aabar. Text ilona scherer, Fotos fabienne bühler

party-facts Gastgeber Laureus Sport for Good Foundation Tatort Das Luxushotel Emirates Palace in Abu Dhabi (Drehort von «Sex and the City 2») Most wanted Die Hollywood-Grössen Morgan Freeman und Kevin Spacey Highlight Spaceys Interpretation von «Good Night» (Black Eyed Peas) als Auftakt der Awards-Gala Buffet Sushi, Lamm, Trüffel-Ravioli – vom Feinsten! Party-Rating

«Eine Luxus-Party in jeder Beziehung. Kann man das noch toppen?»

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Foto Agency People Image (c.) LAUREUS

Stolzer Star des Abends: Rafael Nadal holte sich den «Sport-Oscar» persönlich ab.

In der deutschen Presse wird über ihre Trennung spekuliert. Doch Lilly Becker, 34, scheint dies im fernen Abu Dhabi nicht zu kümmern. Mit Freundinnen sitzt die Frau von Ex-Tennis­ profi Boris Becker gemütlich im Garten des Luxushotels Emirates Palace. Sie raucht und lacht – ziemlich laut, ziemlich viel. Bis Amadeus Benedict Edley Luis (wurde am 10. Februar einjährig) anfängt zu weinen. Lilly nimmt ihn in den Arm, tröstet ihn und nimmt ihn mit auf eine Runde im Park. Über Privates will sie dabei nicht reden. Gern aber über Amadeus’ Kinderwagen ... Ist das der neuste Bugaboo? «Bugabee! Ja, das ist er.» Und, zufrieden damit? «O ja, er ist praktisch. Amadeus sitzt gern drin.» Dann eilt sie weiter, und es wird still im Wägeli. Abends an der Gala strahlen Lilly und Boris verliebt in die Lilly Becker und ReporKameras und verraten: terin Ilona Scherer «Wir arbeiten an Baby fachsimpeln über den «Bugabee»-Buggy. Nummer 2!» IS

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Shopping

top ten Model Edyta (Visage), Styling Janette Gloor, Haar & Make-up Brigitte Aeschbach (Time) mit Produkten von Nars

der Woche

American Beauty u Am 27. Februar ist es wieder so weit: Die grosse Oscar-Gala geht mit viel Hollywood-Glamour über die Bühne des Kodak Theatre in Los Angeles. Eine Nacht für Kinoliebhaber und zum Träumen. Nicht nur von hochkarätigen Roben und Hollywood, sondern auch vom kalifornischen Lebensstil. Denn bereits im Februar kann man in der «Stadt der Engel» bei milden 19 Grad bummeln, in Santa Monicas Strassencafés genüsslich Stars und Sternchen beobachten und auf dem weissen Sand dem Venice Beach entlangflanieren. Was dazu anziehen? Amerikanische Sportswear, gemischt mit etwas ­Glamour und schicken Accessoires.

Redaktion Kristina Köhler Fotos Geri Born

Hollywood-Starlet FlaggenJackett von Tommy Hilfiger. u CHF 339.– T-Shirt Love rules, En Soie, Zürich. www.ensoie.ch u CHF 79.– Jupe und Gürtel, American Apparel. u CHF 63.– u CHF 49.– Blickdichte Strümpfe von Manor. u CHF 15.– schweizer illustrierte

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«Mit lässiger American Sportswear in den Frühling spazieren» Rodeo-Drive-Shopaholic XL-Pulli, Jeans, American Apparel. u CHF 82.–, CHF 60.– Shopper, Diesel. u CHF 449.– StreifenPeeptoes, Buffalo. u CHF 149.90

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Beverly Hills Cop Pulli von Lacoste. u CHF 259.– 3/4-Trainingshose von Puma. u CHF 80.– Cap von Flexfit, bei Jamarico. u CHF 25.–

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Hollywood Boulevard Mantel, En Soie. u CHF 890.– Streifenkleid, Lacoste. u CHF 239.– Socken, American Apparel. u CHF 25.– Converse-­ Sneakers, Jamarico. u CHF 99.–

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objekt der begierde

Wie ein echter Gigolo

u Nicht nur auf dem Laufsteg gibt Gucci in dieser Saison den Ton an. Auch bei den Sonnenbrillen zeigt sich das Label innovativ und stilsicher, genauso wie Chef-Designerin Frida Giannini selbst. Highlight ist das Modell GG 2887. Die Neuinterpretation der Piloten-Brille ist rundum mit edlem Leder eingefasst. Eine stylische Hommage an die Wurzeln des legendären Modehauses, das 1921 von Guccio Gucci in Florenz gegründet wurde. Aus der Familien-Sattlerei machte er ein Geschäft für exklusive Lederwaren und begeisterte damals den Jetset. Wir sind es heute und freuen uns auf die ersten Sonnenstrahlen am blauen Himmel. Ursula Borer

Alles aus Leder Edle Sonnenbrille Modell 2887 von Gucci. Infos www.safilo.com u CHF 585.–

www.stevemadden.com u Es müssen nicht immer Jimmy Choos oder Louboutins sein. Ein heisser Tipp von der anderen Seite des Atlantiks ist Steve Madden. Seit 1990 erfüllt der amerikanische Schuh-Designer Frauenträume, ohne das Budget gleich zum Explodieren zu bringen. Wir bestellen online vom nudefarbenen Lack-Plateau-

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Pump über flache Schnürschuhe in Metallic-Optik bis zu süssen Ballerinas mit Glitzer-Applikation und coolen Leder-Sneakern für Jungs. Tipp: Die Modelle sind eher eng geschnitten, darum lieber eine halbe Nummer grösser bestellen (etwa bei Grösse 38 lieber US 6,5 anstatt 6). ursula borer

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Geri Born

mekka für Schuh-Fans


Street-style New york Stars & Stripes

Unbegrenzte Möglichkeiten

u Seit der Bankenkrise hat das Image des American Way of Life zwar ein bisschen gelitten. Stiltechnisch stehen Stars & Stripes aber immer noch hoch im Kurs. Kult-Serien wie «Mad Men» oder neu «Glee» (immer montags 20.15 Uhr auf SF zwei) setzen coole modische Trends. Designer aus der ganzen Welt lassen sich immer wieder vom vielfältigen US-Style inspirieren: ob entspannter Westküsten-Sporty-Chic

Poppig zum 4. Juli Stars & Stripes-Deko-Schleife, entdeckt bei Tansini. www.tansini.ch u CHF 14.90

Sexy Streifen

(American Apparel), elegante Ostküsten-Tradition (Ralph Lauren), cooler City-Glam (Calvin Klein), glamouröser Miami-Kitsch (Bluemarine) oder texanischer Cowboy-Look (Moschino). Gespannt schauen Fashionistas noch bis 17. Februar auf die Fashion Week in New York. Und am 27. Februar lassen wir uns an der 83. Oscar-Verleihung bei Cupcakes und Popcorn von den Gala-Outfits der Stars inspirieren. Ursula Borer

Romantisch zum Date Ring Falling Star von Mi and yu. Über www.miandyu.ch u CHF 69.–

Entdeckt Sexy Blockstreifen-Minikleid am Rande der letzten New York Fashion Week.

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Stills Paul Seewer, Imaxtree

Ursula Borer, Redaktorin SI Shopping, liebt Streifen in allen Variationen.

Glamourös in Miami Beach Armreif Ginseng von Swarovski. Über www.swarovski.com u CHF 540.–

Süss in New York Neu gibts bei Tchibo auch leckere Cupcakes im Sortiment. www.tchibo.ch u CHF 2.70

Cool an der Ostküste Chuck Taylor All Star Easy Slip von Converse. www.converse.de u ca. CHF 70.–

Witziges aus Indiana Frühstück mit Barney von Dick Wolfsie, Goldmann. www.books.ch u CHF 14.90

u Diese New Yorker Fashionista hatte sicher ein gutes Gefühl, als sie ihren Look wiedersah bei Prada (ladylike Deuxpièces), Louis Vuitton (sexy Abendkleider), Jil Sander (lange, schmale Röcke), Marc by Marc Jacobs (weite Röcke im Fiftys-Stil), Céline (elegante Seidentops), Sonia Rykiel und Moschino. Blockstreifen gehören zu den heissen Trends diesen Frühling/Sommer. Auch ich kann aufatmen! Streifen sind die einzigen Muster, die ich in der Nähe meines Gesichts dulden kann. Und: Marc Jacobs inspirierte mich dazu, meine gestreifte Trauzeuginnen-­ Robe zu recyceln und einen Rock daraus zu schneidern. ursula Borer

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Marilyn Rouge G de Guerlain (série noire), Le Rouge Ecrin in Rouge sensuel. Guerlain. Limit. Edition. u CHF 64.– New-York-Beauty

Hallo, Taxi!

u Das

Make-up passte perfekt zu den puristischen Tuniken und schlanken Seidenkleidern in Blau, Schwarz, Weiss und Tomatenrot. Denn bei der CalvinKlein-Show Frühjahr/Sommer hauchte der romantisch-glamouröse BeautyLook den federzarten, wie mit dem

Sommer in NYC Cremeblend Blush in Posey. Lässt sich leicht mit den Fingern ver­ teilen. Mac. u CHF 32.– Lineal gezogenen Entwürfen Leben ein. Und man sah sie schon bildlich vor sich, die stilsicheren New Yorkerinnen, wie sie in der flirrenden Hitze des Big Apple über die Strassen huschen, hinein ins nächste Taxi. Das Geheimnis ihres Stilmixes: «sophisticated» und un­

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Paul Seewer, © Keystone

Milchshake Monolidschatten in Pink Cloud, Nr. 5, Manhattan. In grösseren Migros-­ Filialen. u CHF 7.70


Star-Geflüster

Muse Gwen

Big Hair Full Repair Repair & Fülle Shampoo, John Frieda. Etwa bei Douglas. u CHF 15.–

Sternschnuppe Nagellack Its totally Fort Worth it, Fliedergrau, Opi. www. opiswiss.ch u CHF 23.90

gezwungen zugleich. Das Haar ist locker zusammengebunden (mit Mittelscheitel), Strähnchen fallen über die Schläfen ins Gesicht. Nur der leuchtende Teint und der schwarze Lidstrich (sowie die schwarz getuschten Wimpern) erinnern an das Make-up unvergessener Film­

Star-Appeal Mascara Lash Architect 4D: Volumen, Länge, Dichte, Schwung. L’Oréal. u CHF 22.90

Umgarnerin Parfum Purr mit Pfirsichnektar, Freesie, Vanille. Katy Perry. u ab CHF 49.–

ikonen. Die Lippen sind etwa in ein fruchtig rotes Gloss getaucht. Wer mag, verleiht dem Look einen Hauch New Yorker Exzentrik mit einem Nagellack aus der Texas-Kollektion von Opi. Etwa mit dem Glitzer-Fliedergrau «Its totally Fort Worth it». Kristina Köhler

u Die illustre Botschaftergruppe des Kosmetikgiganten L’Oréal Paris (u. a. Beyoncé Knowles, Jennifer Lopez, Patrick Dempsey) erhält Zuwachs: US-Rockstar und Stil-Ikone Gwen Stefani, 42.


Shopping top ten he der Woc

die vier lieblinge der Redaktion

Nichts für graue Mäuse Skihelm mit mausgrauem Filzüberzug von Indigo. u CHF 590.–

Puristischer Chic Bei Pesko an der Voa Principala 56 in Lenzerheide findet man puristische Wohnobjekte und coole Modelabels.

Familiensache Bluse by Pesko. u CHF 129.– Pesko-Shirt mit ­Swarovski-Applikationen. u CHF 69.–

Pesko, lenzerheide

Alpiner Lifestyle für Stadtmenschen u Das richtige Outfit für den stilvollen Après-Ski-Fan: Pesko erfüllt die An­ sprüche von urbanen Fashionistas. Der Concept-Store hat sich einem alpinen Lifestyle verschrieben. Kernige Klassiker des US-Labels Woolrich, Schweizer Möbel aus Tannenholzbalken von Vico oder bemalte Armeegürtel des Wiener Labels Dukes Finest Vintage Artisan: «Authentizität ist das Wichtigste», sagt Nico Pesko, 31. Gemeinsam mit Mutter und Vater geht der Bruder der berühmten

Hingucker Mütze mit Pompon wird von Mai im Kanton Fribourg gestrickt und gehäkelt. u CHF 59.–

Snowboarderin Manuela Pesko in Mailand, Paris oder New York auf die Suche nach Mode oder Wohnobjekten. Auch Pistenfreaks kommen nicht zu kurz! Bevor man sich auf die Jagd nach Pistenaccessoires macht, stärkt man sich in der haus­­eigenen Espressobar für die nächste Shoppingrunde. Giuseppe cerrato

Schicker Retro Boots aus Kuhfell von Kandahar im Look der 50erJahre. u CHF 829.–

Öffnungszeiten Mo bis Fr 8.30–12.30 und 14–18.30, Sa/So 8.30–18.00 Uhr, www.pesko.ch

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Paul Seewer, Dick Vredenbregt

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Jetzt wirds erhellend

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Von Designer-Hand Modell Miss K von Philippe Starck bei www.wohnbedarf.ch u CHF 265.–

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Schön kopiert Tischleuchte Niki aus Kunststoff und Aluminium gibs bei Interio. u CHF 99.90

u Licht ist bis auf Weiteres Mangelware. Darum investieren wir in schöne Tischleuchten, die unser Zuhause erleuchten. Mit dem Modell Miss K des französischen Star-Designers Philippe Starck entscheidet man sich für eine faszinierende Lichtinstallation mit Kultstatus. Wer rechnet, entscheidet sich für das Aluminium-Modell Niki von Interio. Davon kann man sich gleich zwei Stück symmetrisch ins Wohnzimmer stellen. ursula borer


kolumne

Alexandra Kruse, 32, Stylistin, meistert eine «Mission (fast) Impossible»

Das blaue Wunder Grüsse aus Florida! Sonniger Tein, endlose Wimpern: Lauren-HuttonLookalike (Lanvin). Kleines Bild: Lauren Hutton, 1969.

styling-tipp

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Geri Born (Porträt), Paul Seewer (Stills), Imaxtree, Keystone

Schön wie Lauren Hutton u Sie hat einen Silberblick, eine deut­ liche Zahnlücke und misst «nur» 1,73 Meter. Dennoch wurde die abenteuerlustige Amerikanerin Lauren Hutton das erste Supermodel der 60er- und 70er-Jahre. Allein die amerikanische «Vogue» brachte Hutton 27 Mal auf den Titel. Die heute 68-Jährige ist immer noch als Model gefragt, und im Trend liegt auch ihr natürlicher, sonnen­gebräunter All-American-Girl-

Look von damals. Etwa bei Alber Elbaz’ Lanvin-Show Frühjahr/Sommer schienen Lauren-Hutton-Lookalikes lässig über den Laufsteg zu flanieren. Wie wird der Look kreiert? Etwa durch eine leicht gebräunte Tagescreme (Mac) mit einem Bronzing-Puder für die Wangen und Lider, einer schwarzen, Wimpern verlängernder Mascara (einzelne falsche Wimpern sind optional) und einem natürlichen Lipgloss. Kristina Köhler

die produkte zum look

Langer Schwung Mascara Diorshow 360 Hippie-Wimpern Individuelle mit Modellier-Schraub- Kunstwimpern von Eylure, bürste. Dior. u CHF 59.– Claire’s. u CHF 11.90

Sommer Bio-Sheer Lips Balm, Une. Manor. u CHF 26.90 Studio Moisture Tint SPF 15, Mac. u CHF 40.–

Es gibt Dinge, die treiben auch einer erwachsenen Frau die rebellisch-heissen Tränen der Wut in die Augen. Der Jeans-Kauf ist so eine Sache, eine «Mission (fast) Impossible». Das Jeans-Drama ist ein absoluter Freundinnen-EhrlichkeitsIndikator. Ein knappes «Tolle Jeans» kann alles über den Zustand ihrer Freundschaft verraten. Klingt sie sehr neidisch, haben sie die 380 Franken für das High-End-Super-It-Modell nicht umsonst aus­gegeben! Unsere Erwartungen an die richtige Hose sind haushoch. Sie müssen Beine machen, und zwar sehr lange. Der Trick: eine dunkle, gleichmässige Waschung. Und: eine sexy Form geben. Dabei hilft eine hohe Taille. Drittens: der Knack-­PoFaktor. Hier gibts nur eins: eng müssen sie sein. Bis ich das alles wusste, war es ein langer, steiniger, man möchte fast sagen «stone­washed», Weg. Bis zu meinem siebten Lebensjahr wehrte ich mich mit allen Mitteln dagegen, Hosen anzuziehen («täubelen», strikte Gemüse-Ver­weigerung, Sofaverzierungen mit Lippenstift). Der erste Jeans-Kauf meines Lebens war der schlimmste. Und doch: Das Modell mit gestickter Blumenranke wirkte Wunder. So landete ich im Jeans-Klub, inklusive aller Experimente: ungetragen, eingetragen, destroyed und nicht destroyed, von skinny bis mini, Girlfriend- und Boyfriend-Styles, mit Bügelfalte, ohne – einfach alles. Gerade bin ich schwer verliebt in die Levi’s Curve ID. Ich kann Ihnen nur eins sagen. Wenn Sie die richtige gefunden haben, kaufen Sie gleich drei davon in verschiedenen Waschungen. Und wenn wir ganz ehrlich sein wollen – in zwei Grössen! 

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Check-up Vorsicht vor Kalzium

ft f i r erzt e b H rn lpe o t S

u Auckland Um sich vor Osteo­

porose zu schützen, schlucken viele Frauen nach den Wechseljahren Kalzium-Pillen. Forscher fanden heraus, dass hoch dosierte Kalziumpräparate ohne Vitamin D das Herzinfarkt-Risiko um 30 Prozent steigern. www.medical-tribune.ch

Erschöpfter Skifahrer – ein mysteriöses Virus schwächt Carlo Janka.

Janka dank OP bald wieder fit?

Bei Herzrhythmusstörungen gerät der Puls aus dem Takt. Sportarzt Dr. Beat Villiger erklärt, wie ein Eingriff hilft. Text Lisa merz

Foto Keystone

S

pitzen-Skifahrer Carlo Janka, 24, kann nicht mehr – vergangene Woche reiste er von der WM in Garmisch zurück nach Hause. Er will sich in Ruhe auf den Riesenslalom am Freitag vorbereiten. Seit zwei Jahren plagt den Olympia- und Gesamtweltcupsieger ein mysteriöses Virus. Folge: Der Sportler ist erschöpft, bringt nicht mehr die maximale Leistung. Die Ursache des Infekts: unbekannt. Nun geriet auch Jankas Herz aus dem Takt. Möglicherweise handelt es sich dabei um Spätfolgen des Virus. Laut Teamarzt Christian Schlegel wurde bei Janka im Dezember eine Veränderung der Herzfrequenz festgestellt. Wie die NZZ berichtete, zeigten Messungen Anfang Januar Erstaunliches: Nach einem Lauf blieb Jankas Puls bis zu 40 Minuten lang bei 180 und normalisierte sich dann plötzlich. Ein operativer Eingriff im Frühling soll helfen.

«Man kann Herzrhythmusstörungen medikamentös oder operativ behandeln», sagt Dr. Beat Villiger, ehemaliger Olympia-Chefarzt und ärztlicher Leiter des Medizinischen Zentrums Bad Ragaz. «Meistens beeinträchtigen aber die ­Medikamente die Leistungsfähigkeit der Herzpumpe.» Deshalb kommt bei Profisportlern nach einer genauen elektrophysiologischen Abklärung nur die ­Operation infrage. Der Auslöser für die Rhythmus­ störungen kann in der Herzvorkammer selbst oder in einer Leitung zwischen der Vorkammer und der Herzkammer liegen. in einer ambulanten Operation veröden Ärzte die defekten Stellen. Der Eingriff dauert etwa eine bis zwei Stunden. Danach gilt: kein Sport – und zwar für vier bis sechs Wochen! «Deshalb müssen Profisportler bis nach der Saison mit der Operation warten», sagt Villiger. Jankas Chancen stehen gut: Die Behandlung ist risikoarm und hat eine Heilungschance von 95 Prozent.

Prämien für gute Ideen u Zürich Die Stiftung Pfizer

Forschungspreis für Medizin zeich­ nete zum zwanzigsten Mal junge Forscher aus. Prämiert wurden sechs Arbeiten aus vier verschiede­ nen Bereichen. Die gesamte Preis­ summe beträgt 4,9 Millionen Fran­ ken. www.pfizerforschungspreis.ch

Immer mehr Fettleibige!

u Boston Weltweit hat sich die Zahl der fettleibigen Menschen in den letzten dreissig Jahren nahezu verdoppelt – und zwar auf über eine halbe Milliarde. Beim Vergleich der Industriestaaten leben die meisten Fettleibigen in den USA, die wenigs­ ten in Japan. www.spiegel.de

tipp

Bei starkem Husten und Fieber gilt absolutes Sportverbot. Im schlimmsten Fall droht eine Lungenoder Herzmuskelentzündung.

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Internationaler Kinderkrebstag

«Unser Sohn Simo Vor einem Jahr geriet Familie Bählers Welt aus den Fugen. Plötzlich war ihr Simon ein todkrankes Kind – er hatte einen bösartigen Hirntumor. Text Lisa merz

S

Simon Bähler, 9, kämpfte tapfer gegen seinen Hirntumor. Er hat noch viel vor: zum Beispiel ein cooler Schlagzeuger zu werden. konnten.» Erst als die exakte Diagnose klar ist, können sich die Eltern von den negativen Gedanken losreissen – ab nun wollen sie positiv denken. Simon leidet an einem embryonalen Karzinom im Bereich der Glandula pinealis. Das ist ein bösartiger Hirntumor, der die Zirbeldrüse befallen hat und die Hirnflüssigkeit staut. Sogleich beginnt die erste Woche Chemotherapie, danach folgen zwei Wochen Pause – so geht es vier Monate lang. Während der Chemo­ pause geht Simon zur Schule. Anhand eines Bilderbuches erklärt er seinen Gschpänli, was er genau hat und warum ihm die Haare ausfallen. Jedes Mal wenn Simon im Spital ist, zündet die Lehrerin eine Kerze für ihn an. «Die Unterstützung, die wir erhalten haben, war enorm», sagt Daniel Bähler, der als Postbeamter arbeitet. «Als mich meine Kunden fragten, ob ich gut ins neue Jahr gestartet bin, konnte ich nicht lügen.» Die Leute machen ihm Mut. Auch die Ärzte und die Pfleger im Spital reden den Eltern gut zu. «Ich dachte mir immer: Die wissen, was sie tun, die er­ zählen mir schon keine Lügen.» Aber die grösste Kraft ging von Simon selbst aus. Ohne zu jammern, nahm er die Chemo­ therapie mitsamt Nebenwirkungen wie

Foto Dick Vredenbregt

imons Eltern haben an alles ­gedacht – ausser an Krebs. Wie sollten sie auch. Alle Anzeichen sprachen für eine Gehirnerschütterung. Genau ein Jahr ist es her, seit Familie Bähler ihre Skiferien in Graubünden ver­ brachte. Am zweiten Tag stürzt Simon mit seinem neuen Snowboard. «Er hat­ te einen Helm auf und ist sozusagen aus dem Stand hingefallen», erzählt seine Mutter Monika Bähler. Zwei Tage später klagt er über Sehstörungen. Der Acht­ jährige sieht alles doppelt. Vater und Mutter denken: «Der Sturz war wohl doch schlimmer, als wir meinten.» Sofort geht die Mutter mit Simon zu einem Kinderarzt in Thusis. Der Vater bleibt mit den beiden anderen Kindern im Ferienhaus. «Als meine Frau anrief und sagte, dass sie für weitere Untersu­ chungen ins Kantonsspital Chur müssen, bekam ich ein mulmiges Gefühl», erzählt Daniel Bähler. Zwei Stunden später ­klingelt das Telefon erneut. Seine Frau weint, teilt ihm die Diagnose mit: Hirn­ tumor. «Mir wurde der Boden unter den Füssen weggezogen», sagt Daniel Bähler. Ab diesem Zeitpunkt funktioniert die Familie nur noch. Sie packen, fahren nach Bern ins Inselspital. «Wir mussten pressieren, weil der Hirndruck zu gross war.» Simon wird sofort für die Opera­tion vorbereitet. Um Mitternacht ist es so weit. Die Ärzte pflanzen ihm einen Shunt, einen kleinen Schlauch zum Ableiten der Hirnflüssigkeit, unter die Kopfhaut. In den folgenden vier Tagen müssen sie auf die Biopsieauswertung warten, die die genaue Tumorart bestimmt. Um danach so schnell wie möglich mit der Chemotherapie starten zu können, set­ zen die Ärzte ihm einen Port-a-Cath ein. Das ist ein venöser Gefässzugang unter­ halb des Schlüsselbeins. «Diese Zeit war die schlimmste überhaupt», sagt Monika Bähler. Die Ungewissheit habe sie in ein Tief gestürzt. «Wir wollten wissen, wo­ mit wir es zu tun haben, damit wir unse­ rem Sohn so schnell wie möglich helfen


Check-up

n gibt uns Kraft» Haarausfall, Müdigkeit und Erbrechen auf sich. Nur ein einziges Mal war er traurig: Als er auf der Intensivstation lag, wusste Simon, dass noch in dieser ­Woche der Clown auf Stationsbesuch kommen würde. Er fragte seinen Vater: «Werde ich das noch erleben?» Nach der Chemotherapie beginnt die siebenwöchige Bestrahlung. Jeden Tag von Montag bis Freitag müssen er und seine Mutter die zweistündige Strecke vom Wohnort Gunten BE nach Villigen AG zurücklegen. Dort erhält Simon im Paul Scherrer Institut eine spezielle Strahlentherapie. Mit Protonen (gelade­ nen Teilchen) wird das Tumorgewebe zerstört. Diese Bestrahlungstechnik kommt dann zum Einsatz, wenn der Tu­ mor an einer heiklen Stelle sitzt und die Strahlendosis möglichst präzis an die meist unregelmässige Form des Tumors angepasst werden soll. Simon erhält jeweils eine Kurznarkose, er muss voll­

kommen ruhig liegen. Danach sind Kopf und Rücken so stark verbrannt, dass die Mutter ihn dreimal am Tag einsalben muss. Seit einem halben Jahr ist die Be­ strahlung zu Ende. Mehrmals im Monat muss Simon zu Nachkontrollen. Im Früh­ ling beginnt er mit einer Wachstums­ hormontherapie, weil auch das Hormon­ zentrum mitbestrahlt wurde. Den Port-a-Cath muss er noch drei Jahre lang tragen. Wenn Simon heute über Bauch­ weh klagt, läuten bei den Eltern die Alarmglocken. «Kurz kommt dann alles wieder hoch, und ich denke: Jetzt fängt das Ganze wieder von vorne an», sagt der Vater. Trotzdem geben sie die Hoff­ nung auf Heilung nicht auf. Simon geht es gut – alle Kontrollen deuten auf eine erfolgreiche Therapie hin. Er geht in die Schule, spielt seit Kurzem Schlagzeug, und die ersten Haare spriessen bereits wieder auf seinem Kopf. 

k c e h n c e n n ö So khelfen! Sie Kinderkrebstag Der 15. Februar ist der Tag der krebskranken Kinder. Die ­Krebsliga Schweiz lanciert mit der schweizerischen Post eine Sammelaktion: Bis zum 6. März können Sie in 2000 Poststellen einen Teddybären des Künstlers Ted Scapa für CHF 19.– kaufen. Davon werden CHF 10.– für ­Forschungsprojekte zugunsten krebskranker Kinder verwendet.  www.krebsliga.ch  www.krebsforschung.ch


Kinder haben gute Heilungschancen! 80 Prozent aller krebskranken Kinder werden geheilt. Der Experte erklärt warum.

Prof. Dr. med. Roland Ammann, Leitender Arzt Pädiatrische Hämatologie/ Onkologie der Universitätsklinik für Kinderheilkunde am Inselspital Bern.

Professor Ammann, wie unterscheidet sich Krebs bei Kindern und Erwachsenen? Die Heilungschancen bei Kindern sind deutlich höher als bei Erwachsenen. Entsprechend ist das Behandlungsziel bei fast allen krebskranken Kindern die Heilung von der Erkrankung, nicht deren Hinauszögern. Jährlich erkranken in der Schweiz 210 bis 230 Kinder an Krebs. Wie sehen ihre Heilungschancen aus? Im Durchschnitt werden über 80 Pro­ zent aller Kinder mit Krebs geheilt. Allerdings gibt es grosse Unterschiede zwischen den verschiedenen Krebs­ arten. Nur einzelne, sehr seltene Krebsarten bei Kindern sind heute noch unheilbar. Welche Krebsart kommt bei Kindern am häufigsten vor? Etwa ein Viertel aller krebskranken Kinder leidet an akuter lymphatischer Leukämie. Sie erfordert eine Kombi­ nationstherapie mit verschiedenen Chemotherapie-Medikamenten über mehrere Jahre, selten auch eine Be­ strahlungstherapie. Die Chemotherapie ist meist intensiver als bei vergleich­ baren Erkrankungen bei Erwachsenen. Was sind die ersten Anzeichen? Bei Leukämien: über längere Zeit zunehmende Müdigkeit, Tendenz zu grossen Blutergüssen sowie Infektio­ nen. Bei Tumoren im Bauch beobach­ ten Eltern oft einseitige Vorwölbungen. Bei Hirntumoren häufiges Erbrechen am frühen Morgen. Bei solchen ­Zeichen sollen sich die Eltern beim Hausarzt oder Kinderarzt melden. Dieser verweist das Kind bei Verdacht auf eine Krebserkrankung rasch an Spezialisten.

TV-Tipp Darmkrebs Ein Betroffener berichtet von der heimtückischen Krankheit. Onkologe Prof. Thomas Cerny zeigt, welches die beste und welches die neuste Methode zur Früherkennung ist. www.gesundheitsprechstunde.ch

Foto Rolf Zimmermann

Samstag, 19. Februar, 18.10 Uhr


Die Besten 10 Kultur- und Eventtipps Paradiesvogel Anna Netrebko greift nach den Sternen.

sopranistin anna netrebko in genf

Foto Peter Rigaud / shotview.com

Die Himmlische u Wo sie auftritt, bleibt weder ein Platz frei noch ein Männerherz unberührt. Der Popstar der Opernszene ist Garantin für einen unvergesslichen Abend. Denn Anna Netrebko hat alles: Fantasie, Verständnis und Geist. Zudem ist die Stimme der russisch-österreichischen Diva von berückender Reinheit, Präzision und Wandlungsfähigkeit.

Der Hype um Anna Netrebko, 39, ist gross. Er hält auch nach der Geburt ihres Sohnes Tiago vor zweieinhalb Jahren unvermindert an. Die Babypause ist beendet, die Diva singt erneut auf den prestigeträchtigsten Bühnen der Welt. Mit einem Kindermädchen und Tiago im Gefolge, denn Bariton Erwin Schrott, Vater des Kindes und Annas

Lebensgefährte, ist ebenfalls vollbeschäftigt. Zwischen Konzerten in Paris und Toulouse wird Anna Netrebko in Genf Werke des italienischen BarockKomponisten Giovanni Battista Pergolesi zum Besten geben. kati moser victoria hall Genf 28. 4., Ticketcorner Tel. 0900 800 800, www.ticketcorner.ch schweizer illustrierte

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Die Besten kultur

Wald oder Strichcode? «Code», 2008, von David Schnell.

David Schnell

Zurück zur Natur

Bei David Schnell trifft Barock auf impressionistische Gestaltungsprinzipien: Seine überwältigende Landschaftsmalerei ist nun in Schaffhausen zu sehen.

David Schnell, 40, hat die Landschaftsmalerei neu definiert.

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schweizer illustrierte

u David Schnells Landschaftsmalerei ist menschenleer. Unsere Spuren jedoch sind allgegenwärtig: Treppen führen ins Nirgendwo, Baumhütten schweben über einem See, Autobahn-Leitplanken ziehen durchs Bild, Bienenstöcke säumen einen Waldrand. Kein Lüftchen regt sich. Und doch beherrscht eine intensive Spannung die Bilder­welten des Leipzigers. Seine Landschaftsdarstellungen über­ lagert David Schnell mit architektonisch anmutenden Fiktionen. Häufig scheint es, als explodiere die so akribisch abgebildete Natur, splittere sich auf, um auf eigentümliche Weise zu etwas Neuem zu verschmelzen. In anderen Werken saugt die Zentralperspektive

den Blick des Betrachters förmlich in die Tiefe des Bildraums hinein. David Schnell, 40, gehört zu den Ver­ tretern der «Neuen Leipziger Schule» und gilt als einer der eigenständigsten deutschen Maler seiner Generation. Seit über zehn Jahren ist die Landschaftsmalerei Schwerpunkt seiner Arbeiten. Mittels Rastern und Fluchtpunktperspektiven gestaltet der Künstler eine surreale, bühnenartige Bilderwelt, die verstört. Seine Bilder leben von der Frage, wer diese Landschaften be­ wohnen oder die Architektur in diese Räume gestellt haben könnte. Diese Irritation des Betrachters ist durchaus beabsichtigt. Nicht von ungefähr hiess David Schnells Diplomarbeit an der


galerien im blickpunkt

Kleinkinder. Klangbilder. Traumbilder varlin

u Schön sieht das pausbäckige Kleinkind nicht gerade aus. Aber zufrieden. Der Schweizer Maler, Zeichner und Illustrator Varlin (1900–1977) malte das Bild Kind von Irma 1960. Sieben Jahre später schrieb er: «Ich entdeckte die masochistische Neigung der Intellektuellen, sich von mir malen zu lassen. Die Schadenfreude führt zu immer weiteren Empfehlungen, sodass nach Frisch bald Dürrenmatt kommt …». Nein, schön sind Varlins Porträts nicht, aber stark. km

galerie iris wazzau Davos GR Bis 2. 4. Mo–Fr 14.30–18.30, Sa 10–12/14.30–17 Uhr, Tel. 081 - 413 31 06, www.wazzau.com

luigi archetti

u Der Versuch, Klangliches visuell darzustellen, ist ein wichtiges Merkmal im Schaffen von Luigi Archetti, 56. Der im norditalienischen Brescia geborene Künstler arbeitet als Musiker genauso wie als bildender Künstler. Sein Denken ist visuell, aber auch klanglich geprägt. Die Ausstellung in Rapperswil zeigt Werke aus 20 Jahren, die den Bogen von Zeichnungsserien über Videos bis zur Malerei und zu (Klang-)Installationen spannen. km

kunst(zeug)haus Rapperswil SG Bis 3. 4. Mi–Fr 14–18, Sa/So 11–18 Uhr, Tel. 055 - 220 20 80, www.kunstzeughaus.ch

esther mathis

Wohin soll das nur ­f ühren? Eine Treppe ins Nirgendwo in «Strauch», 2009 (o.). Bild unten: «Teich» von 2007.

u Die junge Frau auf dem Bild wirkt zart, fast zerbrechlich. Eine poetische Gestalt, eingehüllt in wärmenden Pelz. Märchenhaft wie die Arbeit von Esther Mathis, 25. Die Fotografin und Video­ künstlerin bewegt sich gerne zwischen Traum und Wirklichkeit. Ihre monochrome Farbgebung unterstreicht die Schlichtheit der aus­ sagestarken ­Figuren. Trotz ihrer Jugend hat die Winterthurerin eine faszinierende Bild- und Farbsprache entwickelt. km

galerie christophe guye Zürich Bis 26. 2. Mo–Fr 11–19, Sa 12–18 Uhr, ­ Tel. 044 - 252 01 11, www.christopheguye.com

musiktheater

Foto: Peter Couvee

Kunsthochschule in Leipzig «Land­ schaft als Gesellschaftskritik». Auch wenn alles sehr durchdacht und konstruiert wirkt, Ausgangspunkt seiner Werke sei nie ein Konzept, sondern immer Farbe und Form. «Ich be­ ginne mit einer Farbe oder gesetzten Flecken und entwickle die Gegenständ­ lichkeit aus dem Abstrakten heraus», beschreibt David Schnell seinen Ar­ beitsprozess. Mit «Stunde» ist nun seine erste Einzelausstellung in der Schweiz im Museum zu Allerheiligen zu sehen.

Frühlingserwachen u Peter Zeindler (r.) schreibt Romane, Krimis, Hörspiele, TV-Drehbücher und Theaterstücke. Der neueste Wurf des Zürchers heisst Der Elegant und ist eine «Tierische ­Poesie mit Vokalkunst und Musik». Passend zur kommenden Jahreszeit handelt das Stück von der menschlichen Sehnsucht nach Liebe und nach einem abgehobenen Dasein. Ganz nach dem Motto: «Ich, ein Libellerich, liebe, liebe Libelle, dich.» Mit von der Partie: Barbara Schlumpf (l., Regie), Franziskus Abgottspon (Sprecher), Agnes Hunger (Vokalkunst), Jimmy Gmür spielt Akkordeon und Piano. Die Illustrationen stammen von Hannes Binder.  km

anina rether

Museum zu Allerheiligen Schaffhausen Bis 24. 4. Di–So 11–17 Uhr, Tel. 052 - 633 07 77, www.allerheiligen.ch

theater rigiblick Zürich Uraufführung 25. 2., Tel. 044 - 361 83 38, www.theater-rigiblick.ch (Seilbahn wegen Revisionsarbeiten ausser Betrieb)

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Die Besten kultur 5 Fragen zum Sachbuch

Karen Duve

Fleischlos glücklich

Eingeklemmt Aron sitzt in der Falle. Seine Chancen, lebend aus dem ­Canyon zu kommen, sind winzig.

Worum geht es? Karen Duve be­ schliesst, ein besserer Mensch zu werden. Sie isst erst nur noch bio­ logische Sachen. Lässt dann Fleisch, Fisch und schliesslich alle tierischen Lebensmittel weg, um am Ende zwei Monate lang als Frutarier zu leben. Eine Ernährungsform, bei der nur Früchte und Samen erlaubt sind, die man geniessen kann, ohne die Pflanze zu zerstören (Äpfel sind okay, Karotten dagegen nicht).

Eingeklemmt zwischen Felswand und Steinbrocken Aron Ralston ist ein versier­ ter Bergsteiger, der das Wochenende im abgelegenen Canyonlands National Park von Utah verbringt. Er rast mit dem Bike durch die ergreifend schöne Land­ schaft, springt wie eine Ziege über Felskuppen, hilft zwei jungen Frauen, die vom Weg abgekommen sind. Dann geschieht das Unerwartete: Ein Fels­ brocken löst sich unter seinen Füssen, Aron stürzt in den engen Canyon, der Brocken rollt über seinen Arm und klemmt seine Hand zur Felswand hin ein. Fünf Tage harrt der Pechvogel in dieser misslichen Lage aus. Dann, bevor ihn die Kräfte ganz verlassen, fällt er eine schwerwiegende Entscheidung. u Die Stars Aron wird überzeugend von James Franco («Milk») gespielt. «Diese u Die Story

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Figur kämpft wirklich gegen den Tod, und Aron musste für die Chance freizu­ kommen das Risiko eingehen zu ster­ ben.» Regisseur Danny Boyle («Slum­ dog Millionaire») hat die authentische Geschichte von Aron Ralston brillant und mit viel Dynamik inszeniert. Beide sind für einen Oscar nominiert. u Die Hammerszenen Wie im Zeitraffer zieht ein unheimliches Gewitter über den Canyon hinweg. Aron riskiert, in der Wüste zu ertrinken. Kaum zum Aushalten: Arons blutige Selbst­ befreiung. u Das Fazit Die geplante Tour vor ­Abreise bekannt geben. kati moser 8 8 8 8 8 Länge: 90 Min. Regie: Danny Boyle. Kinostart 17. 2.

Wer ist die Autorin? Karen Duve, 49, lebt mit Maultier, Pferd, Katzen und Hühnern in der Märkischen Schweiz. Sie hat mehrere Romane verfasst. Welcher Satz bleibt? «Leider weiss ich jetzt, was Sache ist, und das bedeutet, dass ich nie wieder so werde leben und essen können, wie ich es vorher getan habe.» Wie liest sich das Buch? Duve schreibt witzig und pointiert. Sie reflektiert ihr/unser Essverhalten schonungslos, ohne dabei belehrend zu sein. Wie wirkt die Lektüre? Auch wer danach nicht Vegetarier oder sogar Veganer wird – ganz bedenkenlos essen wir nicht mehr alles. Barbara Halter

Karen Duve Anständig essen. Ein Selbstversuch (Galiani Berlin)

Fotos Pathé Films

«127 Hours» (USA)


Die Besten event demnächst

Retro, cool und teuflisch

Swiss Caveman

Geistreich Die Vorfasnachts­ veranstaltung «Drummeli» in Basel.

u Dass die Neanderthaler-Formel «Du sammeln, ich jagen» auch bei uns gilt, beweist Siegmund Tischendorf als Kult-Comedy-­ Figur Caveman. Das erfolgreichste Broadway-Solostück in Schweizerdeutsch.  rea

das Zelt Davos 23. 2. 20 Uhr, weitere Spieldaten unter www.caveman.ch

«Drummeli»

Narrenfreiheit in Basel

cd-Tipp

Hommage

u Piano, Bass (Esperanza Spalding), Drums (gleich zwei!) und am Sax Joe Lovano. Seine neue CD widmet der New Yorker dem Gestus und Werk des epochalen Charlie «Bird» Parker. Mit einer Verneigung und doch auf Augenhöhe. hanspeter vetsch

Bird songs Joe Lovano (Blue Note)

Sketchen von einem Balkon aus das Geschehen auf der Bühne, in Basel und der ganzen Welt. Neu findet die älteste Vorfasnachtsveranstaltung nicht mehr im Festsaal der Messe Basel, sondern im Musical Theater statt. « Die Möglichkeiten hier sind riesig», sagt «Drummeli»-Regisseur Michael Luisier. Eine Theaterbühne verlange jedoch auch nach ausgebildeten Schauspielern. Aus diesem Grund mussten die Laiendarsteller Profis weichen. Charlotte Heinimann, bekannt aus «Café Bâle», Andrea Pfaehler und das feste Ensemblemitglied am Theater Basel, Urs Bihler, sollen neue Massstäbe setzen. Schwindelerregende Trommelwirbel, originelle Schnitzelbänke, bissige ­Rahmenstückchen, virtuose Fasnachtsmärsche: Bitte setzen, das «Drummeli» ist angerichtet! anina rether Musical theater BASEL 26. 2.–4. 3. 19.30 Uhr, So 14 Uhr, www.drummeli.ch tickets für die besten events!

Maroon 5

u Sexy, groovy, hip: Maroon 5, die dreifachen Grammy-Gewinner aus Los Angeles, kommen zu ihrem einzigen Konzert in der Schweiz ins Volkshaus. Mit taufrischen Songs vom Album «Hands All Over».  rea

Volkshaus ZÜRICH 4. 3. 20 Uhr, www.volkshaus.ch

Chorkonzert

u Das Programm klingt vielversprechend: «Von Hexen, Elfen, Tod und Teufel» singt die Mädchenkantorei Basel im Rahmen von «Kunst in Riehen» Werke für Chor und Klavier von Mendelsohn, Janacek u. a. rea

Kunst in riehen Riehen BS 25. 2. 20.15 Uhr, www.kunstinriehen.ch schweizer illustrierte

Fotos Ivo Birrer, David Factor / Universal Music, HO (2)

u Die Laternen sind bemalt, die Larven kaschiert, die Kostüme genäht, die Schnitzelbänke und Märsche memoriert: Basel ist bereit für die «drey scheenschte Dääg». Dieses Jahr findet die Basler Fasnacht jedoch erst Anfang März statt. Gut, gibts das «Drummeli», quasi das Amuse-Bouche des ­fasnächtlichen Dreigängers. Der Auftritt der grossen Stamm-Cliquen wird von Guggenmusiken, Schnitzel­ bänken und den Rahmenstückchen flankiert. Wie in der «Muppet Show» kommentieren Schauspieler in bissigen

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Der Weg ist sein Ziel

Der Ford Kuga 2.0 TDCi und Marken-Botschafter Ueli Kestenholz passen hervorragend zueinander.

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eli Kestenholz ist ein Snowboarder der ersten Generation: Schon 1989, als die Sportart bei uns noch weitgehend unbekannt war, stand der Thuner auf dem Brett. Er nahm dreimal an Olympischen Spielen teil und gewann 1998 in Nagano die Bronzemedaille im Riesenslalom. Nach 14 Weltcupsiegen und dem zweifachen Gewinn der X-Games zog er sich aus dem Wettkampfsport zurück. Seither widmet sich der 35-jährige Extremsportler unter anderem auch eigenen Filmprojekten. So rast Kestenholz in seinem neuesten Film «Play Gravity II» mit Ski und Speedriding-Schirm die Nord-


publireportage

KESTENHOLZ & «PLAY GRAVITY II» Ueli Kestenholz

Pirmin Zurbriggen

Marc Sway

Seven

Stéphane Lambiel

Paloma Würth

u Neuer Film «Play Gravity II – The Other Side» heisst der neueste Film von Profi-Snowboarder Ueli Kestenholz. Der faszinierende Streifen mit atemberaubenden Bildern von Extremsportlern rund um die Welt entstand aus einer Idee von Kestenholz und dem 2008 tödlich verunglückten Gleitschirm-Profi Mathias Roten. Der Film läuft im Kino und ist auf DVD erhältlich. u INFOS UNTER www.playgravity.com

ATEMBERAUBEND Wo Ueli Kestenholz draufsteht, ist Spektakel garantiert.

FORD KUGA TITANIUM 2.0 TDCi

u Motor / Antrieb Vierzylinder-Turbodiesel, 1997 ccm, 163 PS, 6-Gang-Doppelkupplungs-Getriebe «PowerShift», Allradantrieb u FAHRLEISTUNGEN 0–100 km/h in 9,7 s, Spitze 193 km/h u ABMESSUNGEN L/B/H = 4,44/1,84/1,71 m, Kofferraum 410–1405 l, Gewicht 1672 kg u VERBRAUCH 6,8 l/100 km, Energieeffizienz C, CO2-Ausstoss 179 g/km u PREIS ab 47 900 Franken u DRIVE-PLUS-ANGEBOT Grösseres Fahrvergnügen zum kleineren Preis! Zu jedem neuen Ford Kuga schenkt Ford Ihnen die Drive-Plus-Prämie von 3000 Franken.

PERFEKTES TEAM Extremsportler Ueli Kestenholz und der praktische Ford Kuga. und die Ostwand des Matterhorns herunter. Bei 55 Grad Gefälle und bis zu 150 km/h schnell. Ist der Berner Oberländer auch auf der Stras­ se ein derart wilder Hund? «Überhaupt nicht. Die Strasse ist der letzte Ort, wo ich sterben möchte», antwortet Ueli Kestenholz spontan. «Ich bin zwar gerne zügig unterwegs, aber nur, wenn es die Verhältnisse auch zulas­ sen», ergänzt er. Und dann verrät der Famili­ envater schmunzelnd seinen neuesten Sport auf der Strasse: «Seit ich den wirtschaft­ lichen Ford Kuga TDCi mit dem intelligenten Doppelkupplungs-Getriebe fahre, versuche

ich mit vorausschauender Fahrweise mög­ lichst sparsam ans Ziel zu kommen. Anhand des Bordcomputers überprüfe ich dann jeweils meinen erzielten Verbrauchsschnitt. Und den drückte ich gar schon unter die offizielle Werksangabe von 6,8 l/100 km», berichtet der Boarder der ersten Stunde stolz. «Für ein in der Öffentlichkeit oft gescholtenes SUV mit 4×4 gar nicht schlecht», meint Ueli Kestenholz nicht zu Unrecht. Und so ist für den spektakulären Extremsportler nicht nur in der Natur der Weg sein Ziel, son­ dern immer öfter auch auf der Strasse, wenn er mit seinem Ford Kuga unterwegs ist.

KOMFORT AN BORD!

u Intelligent Das Doppelkupplungs-Getriebe

«Power­Shift» erhöht den Komfort und ermöglicht optimales Fahren. Diese neue Generation automatischer Getriebe bietet die perfekte Kombination aus bequemer Auto­matik- und sanfter, leistungsstarker manueller Gangschaltung. Das moderne 6-Gang-«PowerShift»-Getriebe wählt intelligent und im richtigen Moment den am besten geeigneten Gang und ermöglicht so blitzschnelles Schalten und ununterbrochene Kraftübertragung.


gruen

Das Hotel Belvedere in Grindelwald ­ ngagiert sich für eine saubere Umwelt. e Wald als Lebensgrundlage: Die indischen Adivasi sammeln Blätter, Wurzeln oder Früchte und verkaufen sie.

gruen interview

„Wer vom Wald lebt, schützt ihn auch“

Fotos SWISSAID, HO (2)

Im Namen der Uno erklärte Joseph «Dschungelbuch» vorstellen. Ein lichter Wald mit viel Bambuspflanzen. Die Menschen Deiss 2011 zum Jahr des Waldes. sammeln Blätter, Wurzeln, Knollen, Holz Swissaid hilft Ureinwohnern in oder Früchte, die sie selber verwenden oder Indien, Wälder zu nutzen und zu auf dem Markt verkaufen. Rund 10 Millioschützen, sagt Lorenz Kummer. nen Menschen verdienen so ihren Unterhalt. Was macht Swissaid dort? Seit 2007 gibt es ein Gesetz, das den Interview: Barbara Halter Adivasi den Wald zusichert. Dieses Recht müssen sie sich aber erkämpfen, denn die Waldgebiete sind wegen der Bodenschätze GRUEN: Herr Kummer, haben Sie als Schüler Abzeichen für Swissaid verkauft? sehr begehrt. Viele Adivasi sind Analpha­ beten und haben keine Rechtskenntnisse. Nein, aber 1.-August-Abzeichen und Da helfen wir weiter. Pro-Juventute-Marken. Marken haben es in der heutigen Wieso hilft nicht der indische Staat? Zeit schwer. Wie gut verkaufen sich die In Indien gibt es eine Reihe toller Gesetze Holztierchen von Swissaid? für Minderheiten wie die Adivasi. Doch diese bestehen oft nur auf dem Papier. Die Letztes Jahr gings aufwärts. Wir haben Umsetzung klappt nicht. Schuld daran ist 231 000 Abzeichen verkauft, was einen auch die Korruption. Erlös von 1,04 Millionen Franken ergab. Davon profitiert auch ein Projekt in Haben Sie keine Bedenken, dass die Indien. Sie waren im November vor Ort. Adivasi den Wald abholzen und die Bodenschätze verkaufen? Ich besuchte in Zentralindien die Adivasi, die indischen Ureinwohner. Sie leben seit Nein. Ich habe eine sehr traditionelle Tausenden von Jahren eng verbunden mit Gemeinschaft kennengelernt, die den Wald dem Wald – diesen kann man sich wie im achtsam behandelt. Wenn die Menschen die Nutzungsrechte erhalten, hilft dies auch der Natur. 2011 ist das Uno-Jahr des Waldes. Hat Lorenz Kummer, 49, dies eine Verbindung zum Projekt? ist Pressesprecher bei Es ist eine gute Gelegenheit, um auf das Swissaid. Diese Woche lanciert das Hilfswerk seine Projekt aufmerksam zu machen. Für die neue Kampagne «SpenAdivasi hat es keine Bedeutung. Bei ihnen den Sie Mut im Kampf ist jedes Jahr «ein Jahr des Waldes». gegen den Hunger».

Ausgezeichnet nachhaltige ferien Als erstes Hotel in der Schweiz erhält das Belvedere in Grindelwald BE den Travelife Gold Award für sein Engagement im Bereich Nachhaltigkeit verliehen. Bewertet wurde u. a. die Nutzung der Ressourcen wie Energie und Wasser. Das Viersternehaus achtet darauf, dass möglichst wenig Abfall produziert wird. Gut isolierte Fenster und Türen halten den Energieverbrauch gering, beim Einkauf für die Küche achten die Hoteliers auf einheimische Produkte. www.belvedere-grindelwald.ch

Multitalent Von Kopf bis Fuss Es spannt und juckt, die trockene Luft macht unserer Haut schwer zu schaffen. Abhilfe schafft die neue Hautcreme Skin Food von Weleda. Die Komposition mit Auszügen aus Stiefmütterchen, Ringelblumen- und Kamillenblüten beruhigt die Haut. Die Creme lässt sich gleich für den ganzen Körper verwenden und pflegt die trockenen Stellen an Füssen, Händen oder Ellenbogen. Im Fachhandel für CHF 7.80 (30 ml) und CHF 12.40 (75 ml). www.weleda.ch

Öko-Ratgeber Grün vernetzt Wo finde ich fair produzierte Spielsachen? Welches Gemüse hat jetzt Saison? Wie umweltfreundlich ist Zugfahren tatsächlich? Mit solchen Fragen beschäftigt sich die neue Plattform nachhaltigleben.ch. In Dossiers werden Themen wie Garten oder Kochen behandelt. Eine Karte hilft bei der Suche nach Hof­ läden oder Reformhäusern. Im Forum kann sich jeder registrieren und mit Gleich­ gesinnten über seinen grünen Lebensstil diskutieren. www.nachhaltigleben.ch

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Weekend Reisen, geniessen, rätseln!

MIT E-HOI AUF JUNGFERNFAHRT

Neun Neue auf hoher See A «Costa Favolosa» – auch für Ferien mit Kids.

hoi mit e-hoi! Der Kreuzfahrt­ spezialist mit Schweizer Niederlassung bietet auf seiner Internet-Plattform momentan besonders spannende Reisen an: 2011 werden gleich neun neue Kreuzfahrt-Schiffe getauft! e-hoi ermöglicht selbst die Teilnahme an heiss begehrten Jungfernfahrten: Am 9. April wird die «AIDASol» in Kiel getauft und sticht noch am gleichen Abend in die Ostsee (Kopen­hagen,

Ins Mittelmeer oder zu nordischen Fjorden? Die schnelle «MS Marina» ist das neue Flaggschiff von Oceania Cruises. Oslo, Amsterdam). Für die «Costa Favolosa» fliesst der Cham­pagner am 7. Juli in Venedig. Dann gehts für zehn Tage ins Mittelmeer. Bereits getauft ist die «Marina», das schnelle Luxusschiff von Oceania Cruises. Die kleine, feine «Seabourn Quest» will den Luxusmarkt erobern, kreuzt ab Sommer im östlichen Mittelmeer. HE INFO www.e-hoi.ch schweizer illustrierte

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Reisen Traveldesk

Stockholm: «Radisson Blu Waterfront» u Spektakulär! Das «Radisson Blu Waterfront» (414 Zimmer, Grill, «Exer­ cise Lounge») liegt im Zentrum von Stockholm. Die Architekten haben kühn designt und grün gebaut: Die Fassade ist zugleich ein riesiges Solar-Panel. DZ ab EUR 180.–. INFO www.radissonblu.com

«Raas»: Erstes DesignHotel in Rajasthan u Die Scouts von «Design Hotel» wurden jetzt auch in Rajasthan fündig: das «Raas», in einem 300-jährigen Herren­ haus in der Altstadt von Jodhpur. Nur 39 Zimmer (mit schwarzem Marmor!), Infinity-Pool, Blick aufs Mehrangarh Fort. DZ ab CHF 320.–. INFO www.designhotels.com/RAAS

Mietwagen-Rundreise im Hohen Norden

Zu Besuch bei El In Nordschweden und auf der norwegischen Inselgruppe der Lofoten kommen Naturliebhaber und Outdoor-Freaks voll auf ihre Kosten.

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Amalfis schönste FrühstücksTerrasse u Das Grand Hotel Convento di Amalfi, früher eine Zisterzienser-Abtei, ist in puristischem Weiss designt. Der Tag beginnt auf Amalfis schönster Früh­ stücksterrasse, endet im «Cappuccini» – mit Traumsicht aufs Tyrrhenische Meer. Ab EUR 215.–. INFO www.ghconventodiamalfi.com/

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lötzlich taucht er am Waldrand auf und zottelt über die Strasse: ein ausgewachsener Elch! Ein rascher Griff zur Kamera – die daheim werden staunen. Über zwei Meter hoch sind sie, die Wahrzeichen Schwedens. Und zu Lappland gehören die Elche wie die endlosen Wälder, die sie bewohnen. Am bequemsten erkunden lässt sich die faszinierende Landschaft nördlich des Polarkreises mit dem Mietauto. Zum Bei­ spiel ab Umea, der europäischen Kultur­ hauptstadt 2014 (www.umea2014.se). Durch Nadelwälder und entlang unzähli­ gen Seen fährt man Richtung Norden, im

Sommer bei Temperaturen bis 20 Grad. Ein Paradies für Wanderer und Angler. u Im norwegischen Bodö an der Atlantikküste gehts per Schiff weiter. Drei Stunden später landet die Auto­ fähre auf den Lofoten, der einzigartig schönen Inselwelt mit weissen Sand­ stränden. Wo übernachten? Am besten in einem Rorbuer in einem der vielen Fischerdörfchen. Die ehemaligen Boots­ häuser ­bieten eine attraktive Alter­native zum Hotel. Interessant vor allem im Sommer (Mitternachtssonne!). u Wer etwas über Stockfisch erfah­ ren will, geht nach A, dem Ort mit dem


Rustikal In einem Rorbuer lässt es sich gemütlich Ferien machen.

Postkarten-Motiv Eine Rorbuer-Siedlung auf den Lofoten. Die ehemaligen Fischerhütten dienen heute oft als Touristenunterkünfte.

Spektakulär In einem malerischen Fjord auf den Lofoten taucht ein Postschiff der weltbekannten Hurtigruten-Linie auf.

Fotos, HO, HO Hurtigruten

chen und Walen weltweit kürzesten Namen. Der auf den Lofoten getrocknete Kabeljau wird nach ganz Europa exportiert. Fisch (und Hummer) gibts in allen Restaurants: frischer Fang, doch stolze Preise. u Zeitreise im Lofotr-Museum bei Borg (www.lofotr.no). Hier taucht man in die Welt der Wikinger ein. Mit dem authentischen Wikingerschiff ist gar eine Ruderpartie möglich. u In Andenes auf den Vesteralen, der nächsten Inselgruppe, lohnt sich eine Wal-Safari. Aus nächster Nähe sind Zwerg- und Pottwale zu beobachten (www.whalesafari.no). Grosses Kino! u Zurück auf dem Festland geht die Fahrt über Narvik nach Kiruna. Im Winter gibts hier ein Hotel aus Eis, im Sommer Führungen in der weltweit grössten unterirdischen Erzgrube, drei Kilometer

tief im Berg (www.kirunalapland.se). In Jokkmokk ist das Ajtte ein Muss. Das Museum zeigt alles über die Lebensweise der Ureinwohner Lapplands. Auf dem

Weg zurück nach Umea grüsst nochmals der Elch. Auf der Elchfarm in Bjurholm kommt man den Kolossen zum Streicheln nah.  Thomas Kutschera

Check-in u Anreise

Direktflug von Kontiki-Saga Zürich–Umea oder mit SAS via Kopen­hagen/Stockholm u Angebot Rundreise 8 Tage: ab CHF 2250.– p. P. (inkl. Flug, Mietauto und 7 Übernachtungen in Mittelklassehotels). 15 Tage: ab CHF  3590.– p. P. u Tipp Übernachtung in einem Rorbuer. Aufpreis für 3 Nächte: CHF 50.– p. P. u Restaurant Skjaer­brygga in Stamsund (Lofoten): eines der besten Lokale Norwegens, ausgezeichnete Fischküche u Info Kontiki-Saga Reisen, Baden AG, Tel. 056 - 203 66 66, www.kontiki.ch

Majestät Elche in freier Wildbahn in Lappland. Schwedens Wahrzeichen wiegt bis zu 800 kg.

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En Guete

Lecker! So fein kann Zürich sein.

Sibylle Sager für

Von Züri in den Orient

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Fein sind sie alle! Doch jede Region kennt ihr typisches Geschnetzeltes. Paprika, Kreuzkümmel oder Vollrahm geben ihm die spezielle Note.

ZüriGschnätzlets

Zutaten (für 4 Personen) Bratbutter zum Braten, 400 g Kalbfleisch (z. B. Nuss), vom Metzger in ca. 1 cm breite Streifen geschnitten, 200 g Kalbsnierli (siehe Hinweis), vom Metzger in ca. 1 cm breite Streifen geschnitten, wenig Mehl zum Bestäuben, 1/2 Teelöffel Salz, wenig Pfeffer aus der Mühle, Bratbutter zum Braten, 1 kleine Zwiebel, fein gehackt, 200 g Champignons, in feinen Scheiben, 1 Teelöffel Zitronensaft, 1 dl Weisswein, 2 dl Vollrahm, 1 dl Fleischbouillon, 1 Esslöffel Maizena, Salz, Pfeffer, nach Bedarf, 1 Bund glattblättrige Petersilie, fein geschnitten Vor- und zubereiten ca. 35 Min. u Ofen auf 60 Grad vorheizen, Platte und Teller vorwärmen. Bratbutter in einer Bratpfanne heiss werden lassen.

TIPP

Fleisch und Nierli portionenweise beigeben, mit Mehl bestäuben (siehe Tipp), ca. 3 Min. braten, herausnehmen, würzen, warm stellen. Hitze reduzieren, Bratfett auftupfen. Bratbutter in derselben Pfanne warm werden lassen. Zwiebel andämpfen, Champignons mit Zitronensaft mischen, beigeben, ca. 2 Min. mitdämpfen. Wein dazu­ giessen, bei mittlerer Hitze einköcheln. Rahm, Bouillon und Maizena gut ver­ rühren, dazugiessen, aufkochen. Hitze reduzieren, ca. 3 Min. köcheln, bis die Sauce sämig ist, würzen. Fleisch, Nierli und die Hälfte der Petersilie beigeben, nur noch heiss werden lassen. Geschnetzeltes auf der Platte anrichten, mit der restlichen Petersilie bestreuen. Hinweis Die Nierli können auch durch 200 g Kalbfleisch ersetzt werden. Dazu passt Rösti.

Fleisch bemehlen: Geschnetzeltes bekommt durch das Bemehlen eine schöne Kruste. Wird es an einer Sauce zubereitet, hilft das Mehl, diese zu binden. Dies gilt auch für Hackfleisch. Fleisch während des Anbratens mit Mehl bestäuben, mischen. Hinweis: Mehl zum Binden niemals in heisse Flüssigkeit geben, es würde klumpen, sondern Mehlbutter verwenden.

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Ungarisches Paprikageschnetzeltes

Zutaten (für 4 Personen) 50 g Speckwürfeli, Erdnussöl zum Anbraten, 600 g geschnetzeltes Schweinefleisch, 1/2 Teelöffel Salz, wenig Pfeffer, 1 Zwiebel, in feinen Streifen, 800 g festkochende Kartoffeln, in ca. 2 cm grossen Würfeln, 1 rote Peperoni, in Stücken, 1 Ess­löffel Mehl, 11/2 Teelöffel Rosenpaprika, 3 dl Fleischbouillon, 3/4 Teelöffel Salz, wenig Pfeffer, 2 Esslöffel saurer Halbrahm Vor- und zubereiten ca. 40 Min. u Speckwürfeli im Brattopf langsam knusprig braten, herausnehmen. Brat­ fett auftupfen. Öl im Brattopf heiss werden lassen, Fleisch portionenweise je ca. 2 Min. anbraten, herausnehmen. Hitze reduzieren, Fleisch würzen. Bratfett auftupfen, evtl. wenig Öl beige­ ben, Zwiebel andämpfen, Kartoffeln und Peperoni ca. 2 Min. mitdämpfen. Fleisch wieder beigeben, Mehl und Paprika darüberstäuben, mischen. Bouillon

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En Guete dazugiessen, aufkochen, Hitze reduzieren, würzen, zugedeckt unter gelegentlichem Rühren ca. 20 Min. köcheln. Flüssigkeit gelegentlich kontrollieren und evtl. wenig Bouillon dazugiessen, die Kartoffeln müssen knapp mit Flüssigkeit bedeckt sein. Sauren Halbrahm daruntermischen.

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Geschnetzeltes Burgunder Art Zutaten (für 4 Personen) 100 g Speckwürfeli, Bratbutter zum Anbraten, 450 g geschnetzeltes Rindfleisch, 1 Esslöffel Mehl zum Bestäuben, 100 g Saucenzwiebeln, geschält, 1 Teelöffel Tomatenpüree, 1/2 Teelöffel Thymianblättchen, 1/2 Teelöffel Paprika, 1/2 Teelöffel Salz, 13/4 dl Rotwein, 1 Esslöffel Bratensaucenpulver, 2 dl Wasser, 200 g Champignons, in Vierteln, 31/2 Esslöffel Rahm oder Crème fraîche, wenig Paprika, Salz, nach Bedarf, wenig Pfeffer

Vor- und zubereiten ca. 25 Min. Schmoren ca. 40 Min. u Speckwürfeli in einer weiten Bratpfanne ohne Fett langsam knusprig braten, herausnehmen. Bratbutter in derselben Pfanne heiss werden lassen, Fleisch portionenweise beigeben, mit Mehl bestäuben, anbraten, herausnehmen, Hitze reduzieren, Bratfett mit Haushaltpapier auftupfen, Fleisch in die Pfanne zurückgeben, Saucen­zwiebeln, Tomatenpüree und Thymian beigeben, mischen, würzen. Wein dazugiessen, auf die Hälfte einköcheln, Bratensaucenpulver, Wasser beigeben, mischen, Hitze reduzieren, zugedeckt ca. 30 Min. schmoren. Champignons beigeben, ca. 10 Min. weiterschmoren. Rahm oder Crème fraîche beigeben, würzen.

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Gebratener Reis mit Poulet und Kreuzkümmel

Zutaten (für 4 Personen) 200 g Basmati- oder Parfümreis,

3 dl Wasser, Öl zum Rührbraten, 400 g geschnetzeltes Pouletfleisch, 1/4 Teelöffel Salz, wenig Pfeffer, 400 g tiefgekühlte asiatische Gemüsemischung, angetaut, 3/4 Teelöffel Kreuzkümmel, 1/4 Teelöffel Salz, wenig Pfeffer Vor- und zubereiten ca. 30 Min. u Reis im Sieb unter fliessendem kaltem Wasser so lange spülen, bis dieses klar ist, gut abtropfen. Wasser mit dem Reis aufkochen, Reis zugedeckt auf der ausgeschalteten Platte ca. 15 Min. quellen lassen, dabei den Deckel nie abheben. Reis mit einer Gabel lockern. Öl im Wok oder einer weiten beschichteten Bratpfanne heiss werden lassen. Fleisch ca. 3 Min. rührbraten, herausnehmen, würzen, warm stellen. Evtl. wenig Öl beigeben, heiss werden lassen. Gemüsemischung und Kreuzkümmel ca. 3 Min. rühr­braten, Hitze reduzieren. Reis beigeben, bei mittlerer Hitze ca. 5 Min. weiter rührbraten, würzen. Fleisch unter den Reis mischen, anrichten.


GaultMillau Schloss Klingenberg Klingenbergstrasse 1 8508 Homburg Tel. 052 - 763 26 31 Mittwoch und Donnerstag Ruhetag Visa und Mastercard EC-Direct, keine Postcard www.schloss-klingenberg.ch

Wirken in prachtvollem Ambiente Stefan Pfanzelt (Gastgeber und Küchenchef) mit Sous-Chef Michael Armbrust (r.).

Rindsfiletfächer auf Selleriepüree

«Schloss Klingenberg», Homburg TG Stilgerecht und beinah intim im Ambiente. Mit erstklassigen Produkten aus der Region gelingt dem Patron Stefan Pfanzelt eine verführerische Küche.

V

or kaum einem Jahr hat sich Stefan Pfan­ zelt seinen Traum erfüllt. In der eleganten Schlossstube mit der präch­ tigen Stuck­decke aus dem Jahre 1723 ver­ wöhnt er seine Gäste. Warm, beinahe intim ist das ­Ambiente mit 30 bis 40 Gedecken. Der Eingang führt direkt in die alte Schlossküche mit der imposanten weiss gekachelten Wand und antiken Koch­ utensilien. Davor ein langer Holztisch, wo ein Abend gemütlich ausklingen darf. Im Sommer ist der romantische Garten beliebter Treffpunkt fürs Tête-à-tête. Das Angebot ist kreativ, kurz und öfter wechselnd. Dazu ein Menü von drei bis sechs Gängen. Mit erstklassigen Produkten aus der Region.

NEU getestet

Die Vorspeisen – solides Hand­ werk: Als Erstes eine lauwarme Kanin­ chenterrine, verfeinert mit winzigen Splittern von gerösteten Macadamia­ nüssen und Quittenchutney. Es folgt die Entenleberterrine, hergestellt nach altem Familienrezept, angenehm im Geschmack, aber eher zu fest pochiert. Vorzüglich dazu das Tomaten-Apriko­ sen-Chutney mit einer winzigen Spur von Chili und Ingwer. Die kräftige Consommé kommt mit zwei zarten Pastahütchen, gefüllt mit fein gehacktem Rindfleisch. Dann, herr­ lich und unverfälscht im Aroma, die ­sämige Petersiliencreme. Klassisch die Hauptgänge. Zart und à point liegt der Rindsfiletfächer auf einem Selleriepüree, umgeben von kara­

mellisierten Randen. Kräftig gewürzt, ein Genuss, der Kalbsbraten mit Schupf­ nudeln und Weinkraut. Auch bei den Desserts lässt sich der begabte Koch etwas einfallen. Über der Crema catalana schwebt ein Hauch von Orangen- und Rosenaroma. Dazu pas­ send ein Vanilleeis, verfeinert mit einem Ahornsirup. Die Weinkarte trägt die Hand­ schrift des Sommeliers. Ein breites An­ gebot mit gutem Akzent auf regionalen Produkten. Der vielversprechende Start wird belohnt mit 13 GaultMillau-Punk­ ten. Bitte reservieren. Als gelernter Koch, Pâtissier und Sommelier war Stefan Pfanzelt unter an­ derem bereits im Restaurant Thurtal in Eschikofen anzutreffen.  

KNote für eine wegweisende, überragende Küchenleistung J Note für ausserordentliche Kochkunst und Kreativität I Note für beste HG Hoher Grad an Kochkunst und Qualität FE Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet 12/20 Herkömmliche, gute Küche ohne besondere Ambitionen

20/20 Idealnote, bis heute in der Schweiz nie vergeben Qualität und hohe Konstanz

Foto Reto Hügin

Wein-Tipp Wuchtig und frisch Dieser reine Verdejo ist eine Entdeckung! Von den Brüdern Juan und Alvaro de Benito vinifiziert, kommt der Ermita Veracruz 2009 (12,5 %) modern und expressiv daher. Schon der erste Schluck

vermittelt das Gefühl, dynamischer zu sein. Der im Stahltank ausgebaute Weisswein ist voller Energie und schmeckt nach exotischen Früchten. Passionsfrucht, ­Granatapfel und Litschi dominieren. Ein perfekter Apérowein. Beson-

ders gut schmecken dazu Tapas oder in Öl aus­ gebackener Fisch. Auch zu Geflügel ist der Verdejo ein idealer Begleiter. Aber Vorsicht: Das trockene Finale macht schnell mal Lust auf ein zweites Glas.

Casa del Vino, Zürich www.casadelvino.ch Jetzt geniessen. Trinktemperatur: 8 bis 10 Grad. u CHF 17.50

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Horoskop

Spannungen wirken im Grossen wie im Kleinen

deshalb nicht erstaunlich, wenn es an den Börsen zu grösseren Turbulenzen kommt, unter anderem bedingt durch Fluktuationen bei Rohstoffen … Diese Konstellation betrifft ausserdem die Staats-Horoskope der USA und von Israel: Die Krise der letzten Wochen könnte sich also noch zuspitzen.

widder 21.–30. 3. Gute Karten am 24. und 25. Sie sind schlagfertig, überzeugen mit Argumenten. Die um den 27. Geborenen stehen vor einer schwierigen Wahl und müssen sich an Neues gewöhnen. 31. 3.–9. 4. Sie sind wortkarg. Vielleicht sollten Sie Ihrem Partner einen Schritt entgegenkommen? Am 21. ist Ihre Laune mittelmässig, aber am 25. sehen Sie das Glas wieder halb voll. 10.–20. 4. Sie sind körperlich gut in Schuss. Können am 22. einen Vorsprung gewinnen. Günstig für Kontakte, Reisen, Studien. Hindernisse (Kollegin?) am 21. oder 25.

stier 21.–30. 4. Sie kommen mit Riesenschritten voran. Zugleich sind Sie physisch in Bestform (ideal für Sport). Reisen, Studien und Verhandlungen laufen ganz nach Wunsch (22., 25., 26.). 1.–10. 5. Routinewoche. Am 23. sollten Sie sich aussprechen und eventuell Konzessionen machen. Angenehm: der 20. (Flirt, Treffen?). 11.–20. 5. Sie schweben in höheren Sphären, amüsieren sich glänzend. Doch sollten Sie die Dinge realistisch ­sehen, sich nichts vormachen (20., 21.). Die nach dem 16. Geborenen sind gesundheitlich anfälliger (Viren?).

zwillinge 21.–31. 5. Man legt Ihnen Steine in den Weg, es kommt zu Missverständnissen (24., 25.). Aber Jupiter steht Ihnen zur Seite. Einigen gelingt ein Treffer, beruflich oder privat (20., 25.). 1.–10. 6. Sie gehen den Dingen auf den Grund, sind konstruktiv. Günstig für grössere Vorhaben (Resultate im Sommer). Am 21. sind Sie gut gelaunt, am 22. und 24. hingegen etwas nachdenklich. 11.–21. 6. Sie sind körperlich in Bestform, gleich­ zeitig sehr schlagfertig und kreativ. Exzellente Einflüsse am 21., 22. und 26.: Einige landen einen Volltreffer.

krebs 22. 6.–1. 7. Gute Kontakte, gute Nach­ richten (aus dem Ausland?). Am 22., 25. und 26. läuft es nach Ihren Wünschen. Die nach dem 27. Geborenen sollten juristische Dinge gut überdenken. Der 20. könnte hektisch werden. 2.–12. 7. Sie sind am 23. glänzender Laune, freuen sich über eine Geste, ein Geschenk. Auch können Sie einen Fehler (am 21.?) ausbügeln. 13.–22. 7. Ihr Partner könnte eine Bemerkung missverstehen (21., 25.), die Stimmung ist nicht gerade harmonisch. Besser aber der 24.: Sie schweben in höheren Sphären …

löwe 23. 7.–1. 8. Ihre Glücksphase hält an: Einigen winkt ein Gewinn. Am 20. und 25. sind Sie auf der Siegerstrasse und können sich gut entfalten. Guter Zeitpunkt, um ein Vorhaben zu beginnen (Partnerschaft, Beförderung?). 2.–12. 8. Ihre faire Haltung wird geschätzt. Ein langfristiges Vorhaben entwickelt sich nach Ihren Vorstellungen. Nur am 20. und 22. sollten Sie mehr Rücksicht nehmen! 13.–23. 8. Sie haben derzeit nicht den richtigen Durchblick und lassen sich zu sehr beeinflussen. Hören Sie auf einen Experten (20., 21., 24.)!

jungfrau 24. 8.–2. 9. Ihre Beziehungen dürften derzeit etwas angespannt sein, Geduld! (Etwa gegenüber dem Partner oder Mitarbeitern.) Am 24. ist die Stimmung explosiv, am 26. verziehen sich die Wolken. 3.–12. 9. Sie sollten finanzielle Fragen objektiv angehen und Ihr Budget nicht überziehen (am 20., 22. und 24.)! Am 23. finden Sie die richtigen Argumente. 13.–23. 9. Sie sind der strahlende Mittelpunkt, und niemand kann Ihrem Charme widerstehen. Venus verspricht Frühlingsgefühle und eine denkwürdige Begegnung (am 23. und 24.).

waage 24. 9.–3. 10. Unter Druck sollten Sie sich eine kleine Pause gönnen. Speziell am 20., 23. oder 25. sind Ihre Beziehungen nicht gerade einfach. Familiäre Veränderungen passen Ihnen nicht ins Konzept. 4.–13. 10. Sie konzentrieren sich aufs Wesentliche, eliminieren ­alles Überflüssige aus Ihrem Leben. Dies könnte auf ­Widerstand stossen (am 21.), aber am 25. klären Sie ein altes Missverständnis. 14.–23. 10. Sie wenden derzeit die richtige Taktik an, gewinnen einen Vorsprung. Interessante neue Kontakte und Begegnungen am 20. und 21.

skorpion 24. 10.–2. 11. Sie stürzen sich kopfüber ins Geschehen, gehen ausserdem taktisch klug vor. Günstig für Sport und Hobbys, Kontakte mit dem Nachwuchs (22., 25., 26.). Oder kommt es zu einer denkwürdigen Begegnung? 3.–12. 11. Routine, Routine. Nur am 20. werden Sie nach Strich und Faden verwöhnt. Am 22. sollten Sie sich eine Bemerkung nicht zu Herzen nehmen! 13.–22. 11. Sie erleben schöne Stunden, zeigen sich von der besten Seite. Venus signalisiert eine aufregende Begegnung (24.). Am 20. und 21. ist eine Panne möglich.

schütze 23. 11.–2. 12. Sie sind auf der Überholspur, sollten aber nicht zu sehr über die Stränge schlagen (21., 24.). Jupiter verspricht Entfaltung, Gewinn und Selbstvertrauen. Einigen winkt eine Belohnung oder ein verlockendes Angebot (20., 25., 26.). 3.–12. 12. Sie erledigen Ihr Pensum ohne Schwierigkeiten und können den Vorsprung weiter halten. Bester Tag: der 25. 13.–21. 12. Sie sind körperlich in Schuss, gleichzeitig sehr kreativ. Günstig für Reisen, Kontakte, die Unterzeichnung eines Vertrages sind der 20. und 21., hektisch aber der 26.

steinbock 22.–31. 12. Sie klären diese Woche ein Missverständnis (am 22.). Einigen fällt ein Stein vom Herzen. In finanziellen oder juristischen Fragen hingegen sollten Sie auf der Hut sein, speziell am 23. oder 25. 1.–10. 1. Geduld! Auch wenn die Dinge nicht nach Ihren Wünschen laufen (am 21.). Am 22. und 25. verziehen sich die Wolken, ein Freund will Sie unterstützen. 11.–20. 1. Venus in Ihrer Dekade verspricht Stunden voller Romantik. Niemand kann Ihnen widerstehen, speziell am 24. Gehen Sie aus, oder organisieren Sie selbst ein Fest!

wassermann 21.–30. 1. Sie sind auf Erfolgskurs (am 25. und 26.), knüpfen wertvolle Kontakte. Am 20. gelingt ­einigen ein schöner Treffer. Nur am 22. neigen Sie dazu, den Bogen zu überspannen. 31. 1.–9. 2. Langfristig ge­ plante Projekte haben Rückenwind. Einige (um den 5./6. Geborene) festigen ihre Position. Am 22. und 24. sollten Sie Ihre Argumente klar und deutlich vorbringen. 10.–19. 2. Sie fallen mit der Tür ins Haus, schiessen übers Ziel hinaus. Achten Sie auf Ihre Gesundheit (anfälliger als sonst für Viren, Infektionen usw.), speziell am 20. und 24.

fische 20. 2.–1. 3. Sie können Ihre (neue?) Position weiter ausbauen. Am 22. und 24. sollten Sie den ­Bogen nicht überspannen und auf Ihre Gesundheit achten! Rücken, Zähne sind anfälliger als sonst. 2.–10. 3. Sie amüsieren sich am 20./21. blendend, aber anschliessend wird es ruhig, und Sie sind mit Routine beschäftigt. Hindernisse am 25. 11.–20. 3. Sie stehen im Mittelpunkt, man liegt Ihnen zu Füssen! Venus verdoppelt Ihren Charme, es kommt zu denkwürdigen Begegnungen (24.). Am 21. kann es zu einer unerwarteten Wende kommen.

ihr tages-horoskop 92

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Illustrationen Michael Husmann Tschäni; bearbeitet und übersetzt von Gerhard Hynek

woche vom 20. bis 26. Februar 2011 Der Zyklus Jupiter–Pluto, der etwa 13 Jahre dauert, bildet diese Woche einen dissonanten 90-Grad-Winkel. Dies weist auf grössere Umwälzungen in den Gebieten Finanzen und Energie (Erdöl) sowie revolutionäre Ausschreitungen, Fanatismus usw. Es ist

Dr. Elizabeth Teissier


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Bad Zurzach steht für Gesundheit, Entspannung sowie Fitness und bietet Genuss für alle Sinne. Gewinnen Sie zwei Wellnessoder Verwöhntage im Thermalbad Zurzach und erleben Sie einen entspannenden Tag, wohltuend für Körper und Geist. Weitere Infos finden Sie unter: www.thermalbad.ch

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Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Mitarbeiter der Ringier AG und ihrer Tochtergesellschaften sowie Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. Automatisierte Teilnahmen sind nicht gewinnberechtigt. Teilnahmeschluss Sonntag, 20. Februar 2011

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ZITAT ZWISCHEN ZAHLEN Die Zahlen sind durch Buchstaben zu ersetzen. Dabei bedeuten gleiche Zahlen gleiche Buchstaben. Bei richtiger Lösung ergeben die zweiten und die fünften Buchstaben, von oben nach unten gelesen, ein Sprichwort, Teile davon (grün) das Lösungswort. ZAHLENSCHLÜSSEL

Gewinnen Sie 2 × drei Übernachtungen für 2 Pers. im DZ im Hotel «Das Pfandler» in Pertisau im Wert von je ca. 750 Franken! Urlauben nach Herzenslust: inmitten intakter Natur in Pertisau am Achensee, Tirol, liegt das traumhafte Hotel «Das Pfandler» in freier, ruhiger Lage auf 950 m ü. M. Im gesamten Design und Ambiente des gemütlich-stilvollen Vier-Sterne-Hotels hat die Familie Entner die traditionelle, heimelige und harmonische Atmosphäre verwirklicht. www.pfandler.at

Gesamtwert: 1500 Franken! Und so nehmen Sie teil: Telefon 0901 908 101 (CHF 1.–/Anruf vom Festnetz) SMS Schicken Sie ein SMS mit ZAHLEN, Ihrer Lösung und Ihrer Adresse an die 530 (CHF 1.–/SMS) Beispiel ZAHLEN REGEN an 530 Chancengleiche WAP-Teilnahme ohne Zusatzkosten http://m.vpch.ch/SCH24522 (gratis übers Handynetz) Teilnahmeschluss Sonntag, 20. Februar 2011

WER HÄTS – OHÄ LÄTZ Die nebenstehenden Zeichnungen unterscheiden sich durch zehn Abweichungen. Kreisen Sie bitte diese Abweichungen auf der unteren Zeichnung ein. SO KÖNNEN SIE 20 FRANKEN GEWINNEN: Unter den richtigen Lösungen bei «Wer häts – ohä lätz» verlosen wir jede Woche 5 × 20 Franken. Bitte schneiden Sie Ihre Lösung aus, kleben Sie sie auf eine Postkarte (Briefe sind leider ungültig) und schicken Sie die Karte an: Schweizer Illustrierte, Postfach, 8099 Zürich. Bitte schreiben Sie Ihren Namen und Vornamen deutlich, damit Verwechslungen bei der Gewinnauszahlung vermieden werden. Einsendeschluss Sonntag, 20. Februar 2011

KREUZWORT-CHAOS

LÖSUNGSWORT

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schweizer illustrierte

Die Buchstaben der Lösungswörter stehen alphabetisch geordnet. Suchen Sie nach dem richtigen Wort und vervollständigen Sie das Kreuzworträtsel.


SUDOKU Füllen Sie die leeren Felder so aus, dass in jeder Zeile und Spalte und in jedem 3 × 3-Kästchen die Zahlen 1 bis 9 nur einmal vorkommen. mittel

7 1 5

8 2 4

3 1 5

7 1 9 Conceptis Puzzles

Und so nehmen Sie teil: Telefon 0901 908 120 (CHF 1.–/Anruf vom Festnetz) SMS Schicken Sie ein SMS mit SUDOKU, Ihrer Lösung und Ihrer Adresse an die 530 (CHF 1.–/SMS) Beispiel SUDOKU 512 an 530 Chancengleiche WAP-Teilnahme ohne Zusatzkosten http://m.vpch.ch/SCH24524 (gratis übers Handynetz)

Gehören Sie zu den Gästen, die das Hotel Aarauerhof und seine Wellnessoase neu entdecken? Geniessen Sie 2 Nächte in der Juniorsuite mit einer Flasche Champagner, unbegrenztem Aufenthalt in der Wellnessoase, 30 Minuten Hote-Stone- und AromaölMassage, einem 5-Gang-Menu inkl. Apéro und ausgesuchtem Wein. www.SwissQualityHotels.com

7 3 2

6 7 2

Wert: 1000 Franken!

Gewinnen Sie 1 × ein Verwöhnwochenende für 2 Personen im Hotel Aarauerhof in Aarau im Wert von 1000 Franken!

9 7 8

4 5 3

Teilnahmeschluss Sonntag, 20. Februar 2011

06010002073

Gewinnen Sie 2 × einen Luftwäscher von BONECO im Wert von je 499 Franken!

schwer

Gesamtwert: 998 Franken!

Der Luftwäscher 2055D von BONECO sorgt für gesunde Luft in Räumen bis zu 50 m2. Die Luft wird mit Feuchtigkeit angereichert und von Verunreinigungen wie z. B. Staub, Pollen und partikelgebundenen Gerüchen befreit. Somit können auch Allergiker wieder aufatmen. Dank der Doppelfunktion «Befeuchtung/Reinigung» ist dieses Gerät das ganze Jahr einsetzbar. www.boneco.ch

Und so nehmen Sie teil: Telefon 0901 908 103 (CHF 1.–/Anruf vom Festnetz) SMS Schicken Sie ein SMS mit ZIFFER, Ihrer Lösung und Ihrer Adresse an die 530 (CHF 1.–/SMS) Beispiel ZIFFER 473 an 530 Chancengleiche WAP-Teilnahme ohne Zusatzkosten http://m.vpch.ch/SCH24528 (gratis übers Handynetz) Teilnahmeschluss Sonntag, 20. Februar 2011

6 9

2 6

3 2

5

4 8

2

6

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9

3

1 5 9 7

Conceptis Puzzles

WER HÄTS – OHA LÄTZ

KREUZWORT CHAOS

ZITAT ZWISCHEN ZAHLEN 1. Rothorn, 2. Embargo, 3. Distanz, 4. Teheran, 5. Feminin, 6. Ivanhoe, 7. Elefant, 8. Falange, 9. Piccard, 10. Suchard, 11. Neugier, 12. Esquire, 13. Gestalt, 14. Referat, 15. Opulent, 16. Matador, 17. Romulus, 18. Eignung, 19. Wegenge Lösungssatz: Wer morgens pfeift, der hat einfach gute Laune.

REBUS

Lösung: HEFE

Lösung: 671

K (M) A N U E S K I (R) M O I G (P) L (T) U MANUSKRIPT

8 4 7 1 3 6 9 2 5

9 5 3 4 2 7 6 8 1

3 1 2 9 6 8 5 4 7

LÖSUNGSWORT

Gesamtwert: 1050 Franken!

Lösung: FESTSPIEL

Gewinnen Sie 10 × eine All-in-One-Sicherheitslösung von Norman im Wert von je 105 Franken!

schwer 5 6 8 3 7 4 1 9 2

7 9 4 2 1 5 8 3 6

2 8 5 7 4 1 3 6 9

06010002568

Bei richtiger Deutung der Bilder erhalten Sie das Lösungswort.

KREUZWORTRÄTSEL

SUDOKU mittel 1 2 6 5 8 9 4 7 3

4 2

REBUS

AUFLÖSUNG AUS HEFT 6

1 2 3 =

4 1

9

5

6 7 1 8 9 3 2 5 4

4 3 9 6 5 2 7 1 8

4 2 7 5 8 9 8 6 1 2 3 1 5 9 4 7 3 9 8 6 5 4 1 7 3 8 6 2 4 1 6 7 8 3 5 2 7 1 9 3 685 Lösung: 2 5 4 6 9

3 7 6 5 2 9 1 4 8

9 3 2 1 6 5 4 8 7

6 4 7 2 8 3 9 5 1

1 5 8 4 9 7 2 6 3 06010002567

06010002072

Lösung: 732

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leser

«Möge seine Schreiblust noch lange anhalten» u Notabene, SI 6/2011 «Es liegt

mir am Herzen, Ihnen für die ­interessanten und beein­ druckenden Beiträge von Chris von Rohr zu danken. Ich freue mich immer wieder auf diese Zeilen – und wünsche mir, dass seine Schreiblust noch lange anhält.» Dora Felder, Hünenberg ZG «Bravo und ein grosses Kompliment für die Kolumne von Chris von Rohr. Solche Menschen und Botschaften sind wichtig für unsere Gesellschaft. Wegschauen ist einfach, beherztes Eingreifen und Ein­

mischen hingegen benötigt eine grosse Portion Mut und Zivilcourage – beides ist leider heutzutage viel zu selten. Schön, dass Chris von Rohr für Mitmenschen einsteht und soziale Verantwortung übernimmt. Ich freue mich, wenn Sie ihn weiterhin so frei von der Leber schreiben lassen – ein ganz wichtiger Beitrag für Ihr Heft.» Claudia Dübendorfer, per E-Mail «Ich mische mich ein und teile Ihnen gerne mein Befremden mit, dass Sie Chris von Rohr, dem neuesten SVP-Exponenten unseres Landes, eine derartige Plattform

schreiben sie uns ihre meinung

in der SI bieten. Er stellt die von ihm auf­ gegriffenen Themen in allzu vereinfachter Form dar. Und reitet opportunistisch auf der Welle, auf welcher alles Negative durcheinandergebracht wird. Das ist enttäuschend von ihm, aber auch von der SI.» Ueli Dürst, Bern «Hallo Chris, ich finde Ihren Artikel in der Schweizer Illustrierten einfach toll. Ich bin auch jemand, der nicht die Faust im Sack macht, sondern lieber Ungerechtigkeiten, Schlampereien, schlechtem Benehmen etc. entgegensteht. Trotz der Gleichberechtigung ist das für eine Frau doppelt schwer. Ich freue mich für die Menschen, die laut ihre Meinung sagen, und wünsche mir, dass vor allem die Jüngeren ihre Ansichten vertreten, die Dinge beim Namen nennen und damit vielleicht etwas verändern.» Pia Zoss Ochi, per E-Mail willi

Schweizer Illustrierte, Leserbriefe, Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Fax 044 - 262 04 42, E-Mail info@schweizer-illustrierte.ch. Anonyme Zuschriften werden nicht veröffentlicht. Die Redaktion behält sich vor, Briefe zu kürzen.

Ringier ist ein multinationales integriertes Medienunternehmen. 1833 gegründet, führt Ringier Medienmarken in Print, TV, Radio, Online und Mobile und ist erfolgreich im Druck-, Entertainment- und Internet-Geschäft tätig. Ringier ist ein Schweizer Familienunternehmen mit Sitz in Zürich. Wir suchen

Junge Talente im Journalismus (Volontariat) Die Ringier Journalistenschule und die Ringier AG bieten ambitionierten Jungjour­ nalistinnen und -journalisten in den Bereichen Print, TV, Web und Radio die Möglich­ keit, auf einer Redaktion (on the job, 75 %) und mit begleitenden Ausbildungsgängen (off the job, 25 %) ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten auszubilden und in die Praxis umzusetzen. Die Schulungen/Workshops finden in festen Kursblöcken statt.

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Sie erhalten eine monatliche Entschädigung von brutto CHF 3000.–. Der Lehrgang dauert vom 22. August 2011 bis zum 21. August 2012. Ziel des Volontariats ist eine Festanstellung bei Ringier.

Nr. 7, 100. Jahrgang. Erscheint montags

• • • • •

Redaktion Schweizer Illustrierte, 8008 Zürich, Dufourstrasse 23, Tel. 044 - 259 63 63, Fax 044 - 259 86 22, info@schweizer-illustrierte.ch

Sie wollen unbedingt Journalist/-in werden Alter: max. 30 Jahre Idealerweise erste redaktionelle Erfahrungen Gute Allgemeinbildung und breiter Interessenhorizont Abgeschlossene Berufsausbildung oder Studium (Uni, FH)

Bewerben Sie sich bis am 28. Februar 2011 online unter www.ringier.ch/jobs und zwar mit folgendem Inhalt: 1. M  otivationsschreiben mit Angabe von zwei Wunschredaktionen bzw. Wunschressorts, auf denen Sie das Volontariat am liebsten absolvieren möchten. Bitte begründen Sie dies kurz. Das Schreiben sollte max. eine A4-Seite lang sein. 2. Lebenslauf 3. Zeugnisse und Diplome 4. Arbeitsproben Wir freuen uns auf Sie! Ringier AG, Human Resources, Nina Leymann, bewerbung@ringier.ch, www.ringier.ch

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«Als ich sagte, Sie hätten zu wenig Abwehrkräfte, meinte ich damit eigentlich Ihr Immunsystem.»

schweizer illustrierte

Beglaubigte Auflage 232 519 Exemplare ISSN 0036-7362 Abonnements-Dienst (Telefon gratis) 0800 820 920 Mo bis Fr: 7.30–18.00 Uhr, aboservice@ringier.ch

Chefredaktor Nik Niethammer Verlagsdirektor Urs Heller stv. chef­redaktor/Nachrichtenchef Stefan Regez MITGLIED DER Chef­redaktion Stephan Sutter Bekanntgabe von namhaften Beteiligungen i. S. von Art. 322 StGB: Addictive Productions AG; Betty Bossi Verlag AG; Energy Bern AG; Energy Schweiz Holding AG; Energy Zürich AG; ER Publishing SA; Eventim CH AG; Geschenkidee.ch GmbH; Good News Productions AG; GRUNDY Schweiz AG; Investhaus AG; JRP Ringier Kunstverlag AG; 2R MEDIA SA; Mediamat AG; media swiss ag; Original S.A.; Pool Position Switzerland AG; Previon AG; Presse TV AG ; Qualipet Digital AG; Rincovision AG; Rose d’Or AG; Sat.1 (Schweiz) AG; SMD Schweizer Mediendatenbank AG; SMI Schule für Medienintegration AG; Teleclub AG; The Classical Company AG; Ringier Axel Springer Media AG; Ringier France SA (Frankreich); Ringier Publishing GmbH (Deutschland); Juno Kunstverlag GmbH (Deutschland); Ringier (Nederland) B.V. (Holland); Ringier Kiadó Kft. (Ungarn); Népszabadság Zrt. (Ungarn); Ringier Pacific Limited (Hongkong); Ringier Print (HK) Ltd. (Hongkong); Ringier China (China); Ringier Vietnam Company Limited (Vietnam); Get Sold Corporation (Philippinen). Der Nachdruck sämtlicher Artikel und Illustrationen ist verboten. Für den Verlust nicht verlangter Reportagen übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.


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C

Fotos Tina Steinauer / SRF, HO, AP / Keystone

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notabene

Das Fräulein Frau Helmut Hubacher

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schweizer illustrierte

Foto Heiner Schmitt

M

eine Lehrerin in prioritäre Sachgebiete vorenthalten wor­ der ersten Primar­ den: Finanzen, Wirtschaft, Militär. schulklasse hiess Man(n) teilte ihnen ­Soziales, Bildung, Fräulein Huggler. Gesundheit zu. Dann fielen die letzten Männerbastionen. Und es ging auf ein­ Sie war etwa fünf­ mal richtig munter zu. zig und lebte allein. Heidi Deneys aus Neuchâtel war Eine unverheirate­ die erste Frau in der Militärkommission. te Frau blieb damals ihr ­Leben lang Sie brachte die Militärs oft zur Verzweif­ ein Fräulein. lung. Etwa, wenn sie wissen wollte, wes­ Grossmutter ging ein paarmal im Jahr halb ein Panzer 9,48 Millionen Franken «in die Stadt», wie sie sagte. Nach Bern. koste und nicht 9,5 Millionen. Für sie Sie genoss im Warenhaus Loeb die Am­ biance der für sie grossen Welt. Und dann war das Scheingenauigkeit. Der General­ das Zvieri im alkoholfreien Restaurant stabschef jedenfalls reagierte sichtlich irritiert. Als ob die Nationalrätin auf Gfeller am Bärenplatz beim Bundeshaus. Chinesisch gefragt hätte. Immer wieder Für Männer war das die «Wyberbeiz». brachte sie ihn mit ihren «komischen» Grossmutter wäre allein nie in ein ande­ Fragen aus dem militärischen Gleich­ res Lokal gegangen. Eine Frau ohne gewicht. Begleitung verlor schnell den guten Ruf. Nach meiner Stationsbeamtenlehre «Dann fielen die Lilian Uchtenhagen stieg als Ers­ arbeitete ich noch einige Jahre bei den letzten Männer­ te in die wirtschaftspolitische Domäne SBB. Frauen gab es im Betrieb keine. der Herren Kollegen ein. Besonders lust­ Selbst am Billettschalter bedienten nur bastionen. Und es voll, wenn der Zürcher Walter Frey von Männer. ging auf einmal richtig der Marktwirtschaft schwärmte und die Ich war schon Nationalrat, als ich Linken verbal verprügelte. Dann kams beim Coiffeur in Bern eine kleine Sen­ munter zu» zum Showdown. Lilian Uchtenhagen er­ sation erlebte. Zum ersten Mal hatte innerte Frey daran, dass er das Import­ mir eine Frau die Haare geschnitten. monopol für Toyota-Autos habe, von Wettbewerb also keine In meiner Jugendzeit gab es das Konkubinatsverbot. Mann Rede sei. Dafür garantiere ihm der Staat das Preismonopol mit und Frau durften vor der Heirat nicht miteinander zusammen­ überhöhten Gewinnmargen. Ohne Wettbewerb jedoch gebe es leben. Nach der damaligen Moral wäre das unsittlich gewesen. auch keine Marktwirtschaft. Die Frau zerlegte die Politmale­ rei des Toyota-Manns sachlich und fundiert als Fälschung. Genauso wie Sex vor der Ehe. Die AHV ist 1948 männerlastig konzipiert worden. Nach Das sind Momentaufnahmen aus einer frauenfeind­ lichen Gesellschaft, die erst ein paar Jahrzehnte zurückliegt. dem alten Familienmodell mit dem Mannsbild als Oberhaupt. Kein Wunder, dass den Frauen auch die politischen Rechte Das wurde mit der 10. Revision anders. Den Nationalrätinnen verweigert worden sind. Bis zur Wende am revolutionären Lili Nabholz, FDP, und Gret Haller, SP, gelang ein mehrheits­ Sonntag vom 7. Februar 1971. Die Mehrheit der Männer fähiger Wurf. Mit dem Weitblick über den parteipolitischen Tellerrand hinaus. Erst diese 10. AHV-Revision brachte den sagte Ja zum Frauenstimmrecht. In der Wintersession 1971 rückten erstmals Frauen in den Frauen die Gleichstellung. Heute sind solche Kompromisse Nationalrat ein. Sie brachten Farbe mit. Wir Männer hatten kaum mehr machbar. eine Art Uniformzwang. Im Kleiderreglement war «dunkler Judith Stamm wurde 1997 zur Nationalratspräsidentin Strassenanzug mit Krawatte» vorgeschrieben. Die neuen gewählt. Sie setzte ein kleines, aber Oho-Zeichen. An der Türe Kolleginnen hingegen kleideten sich schick. In modischen des Präsidentenzimmers hing das Messingschild: «Präsident». Farben. Wir sahen daneben aus wie die grauen Mäuse der Judith Stamm korrigierte: «Präsidentin». Die alleinstehende Nation. Das Reglement wurde revidiert. Der dunkle Strassen­ Ex-Präsidentin ist auch kein Fräulein mehr. Doch, in der anzug ist durch «modische Kleidung» ersetzt worden. Schweiz hat sich allerhand geändert. Sogar im Bundesrat Mit den Frauen begann im Bundeshaus eine andere politi­ haben Frauen die Mehrheit. Das kam fast wie von selbst. Wo sche Kultur. Nicht schlagartig, eher sachte, dafür nachhaltig. gibt es noch eine Frauenregierung? In Finnland. Damit hat In der Fraktion etwa ist der Umgangston wärmer, irgendwie sichs schon.  zivilisierter geworden. Die parlamentarische Arbeit geschieht in den Kommissionen. Da wird vorbereitet, was im Rats­plenum Helmut Hubacher, 84, ehemaliger SP-Präsident zu entscheiden ist. In den ersten Jahren sind den Frauen und Buchautor



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