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«Ich brauche den Wettkampf» Als 45-Jähriger hätte er sich das ­niemals zugetraut. 25 Jahre später nimmt Wolfgang von Känel bereits zum dritten Mal am Ironman-Triathlon teil – mit einem künstlichen Hüftgelenk! Text Lisa merz

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Immer aktiv Zu Hause in Unterägeri ZG (l.) bereitete sich von Känel auf den Ironman 70.3 in Clearwater, USA (o.), vor. Trotz Komplikationen schaffte er es bis ins Ziel. Vor Ort bereitet er sich rund zwei Wochen auf den Wettkampf vor. Gewöhnt sich an die warme Temperatur, schwimmt im Meer und erkundet auf seinem Velo die Gegend. Immer dabei: genügend Müesli und Ovi von zu Hause. Alles klappt, er liegt im Plan. Bis ihn neun Tage vor dem Start ein Auto anfährt. «Zum Glück trug ich nur ein paar Prellungen und Schürfungen davon.» Trotz Schmerzen entscheidet er sich zu ­starten – mit Erfolg. Er wird Siebter von ins­gesamt zwölf Teilnehmern in seiner ­Kategorie. Wettkämpfe brauche er, ohne sie sei sein Leben nicht das gleiche. So­lange es geht und Sponsoren ihn unterstützen, will der Rentner weitermachen. Ganz nach seinem Motto: «Der Mensch bewegt sich nicht weniger, weil er alt wird, er wird alt, weil er sich weniger bewegt.» 

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Fotos Handout (2)

ie passen ein 70-Jähriger mit einem künstlichen Hüftgelenk und eine Ironman-Weltmeisterschaft zusammen? Die Antwort heisst Wolfgang von Känel. In 7 Stunden und 18 Minuten schaffte er vor einem Monat das volle Programm: 1,9 Kilometer schwimmen, 90 Kilometer Rad fahren und 21,2 Kilometer laufen. «Das hätte ich mir noch als 45-Jähriger nie erträumt», sagt er. Damals fing er wieder r­ egelmässig an, Sport zu treiben. Der gelernte Koch nutzte die Zimmerstunden, begann zögerlich zu laufen. Schon bald schloss er sich dem Triathlon Club Zürich an. Wolfgang von Känel hörte mit dem Rauchen auf, wurde immer fitter. «Dank dem Wettkampf lernte ich, meine Fähigkeiten gezielter einzusetzen, Menschen besser zu verstehen und Massstäbe zu setzen.» Mit 64 Jahren machte eine Arth­ rose die Implantation eines künstliches Hüftgelenks nötig. «Am Anfang hatte ich schon ein bisschen Respekt, nun aber bin ich überglücklich.» Bereits ein Jahr nach der OP konnte von Känel einen ersten Wettkampf bestreiten. «Ich wählte den 10-Kilometer-Neujahrsmarathon in Zürich, weil der um Mitternacht beginnt und mich niemand sehen konnte.» Seine Bedenken waren unbegründet – er hatte keine Schmerzen, als er im Ziel eintraf! Auch sonst stört ihn die neue Hüfte nicht: «Einzig bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen werde ich jeweils daran erinnert», sagt von Känel lachend. So auch diesen November, als er in die USA nach Clearwater reiste, um an der Ironman70.3-Weltmeisterschaft teilzunehmen.