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Kunst

Süsses Gruselkabinett Micky Maus trifft auf Pulp, das weisse Männchen mit Alien-Augen.

Text Caroline Micaela Hauger Fotos Kurt Reichenbach

S

chon mal was von Bastiopolis ­gehört? In der fiktiven Stadt tummeln sich die seltsamsten Kreaturen. Der Pulp zum Beispiel, ein gespenstisches Wesen mit AlienAugen. Trash-Monster, Panzerknacker, Eier­köpfe mit Micky-Maus-Ohren – M. S. Bastian, 47, und Isabelle Laubscher, 42, nennen die Mitglieder ihrer selbst erschaffenen Patchwork-Familie BastiBoys. Und täglich werden es mehr! Seit 2003 gestaltet das Paar jedes Kunstwerk vom ersten bis zum letzten Arbeitsschritt gemeinsam. Das Experiment ist gelungen. «Wir sehen es als Verdoppelung der Energien. Viele Künstlerfrauen bleiben im Hintergrund. Das wollten wir nicht. Bei uns ist jeder gleichberechtigt, auch beim Verkauf machen wir fifty-fifty», sagt Isabelle. Bastian ist der Schnelle, Rastlose – der «Schluderi». Sie die Überlegte, die Planende, die «Tüpflischiisseri». Zoff hat das Paar während der Arbeit höchst selten.

«Was hier herumsteht, läuft Gefahr, zerstört und weiter­ verarbeitet zu werden» M. S. Bastian Der Bieler Comic-Zeichner ­wurde in den 90er-Jahren international bekannt und mit Preisen ausgezeichnet. Selbstbewusst verwischt M. S. Bastian die Grenze zwischen Trivialem und Kunst. Der experimentierfreudige Avantgardist adaptiert Edvard Munchs Meisterwerk «Der Schrei» oder «Guernica» von Pablo Picasso. Verwirrung ist seine Absicht. Das Elitäre verschmilzt mit dem Naiven. «Wo ist das Problem?», fragt der Pop-­Visionär. «Sind nicht alle Ausdrucks­ formen Teil derselben Kultur?» Den Künstlernamen M. S. Bastian trägt Marcel Sollberger seit 20 Jahren. Der Deutsch-Secondo sagt mit einem Augenzwinkern: «Schon als Bub war ich Motor-Schiff-Fan.» Er studierte Tiefbauzeichner, besuchte die Fachklasse für Grafik und Werbung an der Bieler Schule für Gestaltung. Dort lernte er

1994 die Werberin und Flight-Attendant Isabelle Laubscher kennen. Fröhlich öffnen Bastian und Isabelle die Tür zu ihrem Penthouse im Zentrum von Biel. In einem Zimmer haben sie sich ein Atelier eingerichtet. Hier entstand ihre neuste Serie, «Dschungelbilder». Mit ihren Kunstfiguren Pulp, Switsch, Bädie, Spucki & Co. unternahmen sie eine Abenteuerreise in den Urwald, inspiriert vom Jahrhundertmaler Henri Rousseau. Das denkmalgeschützte Haus, in dem das Paar lebt, stammt aus den 50er-Jahren. Designobjekte wie die CorbusierLiege oder der Sofa-Klassiker spiegeln den Lifestyle jener Zeit. Frecher Eyecatcher ist das Regal im Wohnzimmer mit tausend bunten Comic-Figürchen. Die Winzlinge fanden Bastian und Isabelle auf Flohmärkten und in Spielzeug­läden. Viele während ihrer Weltreise 2002. u

SI_2010_11  

People- und Lifestyle-Magazin

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