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Moritz Leuenberger nimmt Abschied von Hugo Loetscher

Karina Berger

Die «Mutter aller Missen» über Erziehung, Partnerschaft und das älterwerden

Mein Leben mit 40

35 Mobbing in der Schule Warum musste Pascal, 14, sterben? Karina Berger und Tochter Shenay, 2

24. August 2009 CHF 4.50


Inhalt 88

u Ganz schön stark Die Heimat prägt den Star. Der beste Langläufer der Welt, Dario Cologna, liebt die Ruhe im gemächlichen Val Müstair. «Hier am Lai da Rims erhole ich mich am besten.»

HEFT 35, MONTAG, 24. August 2009

Titel 16

Karina Berger Kinder, Liebe, Business: Die Miss-Schweiz-Organisatorin verrät, wie sie alles im Griff behält. Und wann sie loslässt

Titelfoto Adrian Portmann, Inhaltsfoto Fabienne Bühler

Leute 7 8

22

46 88

Tagebuch des stv. Chefredaktors Leute Usain Bolt, Melanie Winiger, Franziska Lacher, Barbara Megert & Blerim Dzemaili, Xenia Tchoumitcheva Hugo Loetscher Moritz Leuenberger nimmt Abschied von seinem Freund: «Wir werden ihn immer gernhaben» Freddy Nock Schwindel erregend. So lebt der König der Hochseilläufer Dario Cologna Der stille Star-Langläufer weiss, wo seine Heimat am schönsten ist: im Münstertal – «Meine Schweiz» schweizer illustrierte




Inhalt Politik 30

Pelli & Co. Wen schickt der Freisinn ins Rennen um einen Platz im Bundesrat?

Gesellschaft 28 36

Ana & ihre Gschpänli Die 6. Klasse macht TV. Das neue Gesicht der «Tagesschau» Pascal Galal Warum hat sich der 14-jährige Schüler erhängt? Eine Spurensuche

Shopping 51

Das Magazin für lustvolles Einkaufen Mode, Style, Electronics

Check-up

28

61 62

u Sie

ist die neue Miss «Tagesschau»! Statt Gassigehen mit Hundedame Pinscha präsentiert die Sechstklässlerin Ana aus Dübendorf ZH bald News aus aller Welt.

63 64

Rheuma Warum Ultraschall so wichtig ist Schulstress Zu wenig Bewegung und Leistungsdruck machen Schüler krank Der Stress-Check So gehts besser Dr. Samuel Stutz Was Kindern hilft

Die Besten 65

Das Schweizer Kulturmagazin Kunst, Musik, Bücher, Filme

Weekend 73

Freizeit, geniessen, rätseln En Guete, GaultMillau, Reisen, Spiele

Party 95

50 Jahre Swisscontact Zürich

Fotos Hervé Le Cunff, Willy Spiller

Und …

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u Magisch Seilläufer Freddy Nock ist ein Liebling der Schutzengel. «Dabei ist mein Schatz selber einer», sagt Ximena.

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u Weltoffen «Er liebte die Schweiz, aber er verklärte sie nicht.» BR Moritz Leuenberger über Hugo Loetscher.

ABO: 0800 820 920, Redaktion: Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Tel. 044 - 259 63 63 Fax 044 - 262 04 42, E-Mail info@schweizer-illustrierte.ch, www.schweizer-illustrierte.ch

96 98 82 97

Notabene von Chris von Rohr Die Liste von Franka Potente Horoskop Leserbriefe, Impressum

.schweizer-illustrierte.ch

Missen – mal anders: Hornussen mit Xenia Unsere erfolgreichste Vize-Miss-Schweiz über ihre männliche Seite: natürlich nur im Web-TV der Schweizer Illustrierten. schweizer illustrierte




tagebuch

Macht Schule Kinder krank? Pascal Galal Es ist das Schlimmste, was

Andrea Müller, stv. Chefredaktor

einer Mutter widerfahren kann: Ihr Kind stirbt. Muriel Galal aus Untersiggenthal AG ist verzweifelt. Ihr Pascal, 14, ist tot. Unwiederbringlich. Für die Mutter unfassbar: Pascal hat sich am 3. Juni dieses Jahres selbst getötet. Erhängt mit einem Kletterseil im Wald. Warum? Warum bloss? Autorin Stephanie Ringel begibt sich auf Spurensuche. Sie führt lange Gespräche: mit Pascals bestem Freund Loris, mit der untröstlichen Mutter. Sie begleitet die 43-Jährige ans Grab ihres einzigen Kindes. Schliesslich sogar in den Wald. Muriel Galal klagt an. Pascal sei von seinen Mitschülern gemobbt und in den Tod getrieben worden – ab Seite 36. In der Schule lernen unsere Kinder lesen, schreiben, rechnen. Das ist aber noch lange nicht alles. Sie lernen, sich in der Gruppe einzuordnen, sie lernen Regeln, Normen und Grenzen kennen. Sie lernen, wie sie ihr Leben in der Gesellschaft meistern können. Die Schule und ihre Lehrer scheinen zunehmend über­ fordert. Immer häufiger sollen sie auch Verhalten und Werte vermitteln, die früher wie selbstverständlich zu Hause in der Familie erworben wurden. «Die Schule macht unsere Kinder krank!» Die Diagnose von SI-Arzt Dr. Samuel Stutz ist klar: Leistungsdruck und mangelnde Bewegung führen zu Schulstress – und der ist schädlich. «Die Kinder sind nervös und aggressiv» – ab Seite 62.

Hugo Loetscher

Gute Freunde An der Diogenes-Gartenparty 2003. Bundesrat Moritz Leuenberger über Schriftsteller Hugo Loetscher (l.): «Wir werden ihn immer gernhaben.»

Wir nehmen Abschied von einem grossen Schriftsteller. Für die Schweizer Illustrierte war er noch mehr. In den 80er-Jahren prägte er als Journalist und Autor die Zeitschrift mit. Für viele war er ein guter Kollege, für manche gar ein persönlicher Freund: SI-Fotograf Willy Spiller begleitete ihn auf unzähligen Reisen ins Ausland. Literatur-Kritiker Stefan Zweifel bewundert und würdigt nicht nur seine Texte, Max Fischer besuchte den bodenständigen Zürcher bei seinem letzten grossen Auslandsaufenthalt in China. Auch Bundesrat Moritz Leuenberger hatte Hugo Loetscher gern. Wir sind stolz, dass er in der Schweizer Illustrierten Abschied nimmt von seinem Freund – mit Worten, die unter die Haut gehen – ab Seite 22 und auf Seite 69.

Foto Willy Spiller

Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Woche mit Ihrer Schweizer Illustrierten!

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Foto Mark Dadswell / Getty Images

BILD DER WOCHE



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Usain bolt

Die Bolt-Show V

or den Rennen begeistert er die Fans mit seinen Spässchen und ShowEinlagen. Und auf der Tartanbahn ist er eine Wucht. An der LeichtathletikWM in Berlin lief Sprint-Star Usain Bolt in 9,58 Sekunden die 100 Meter – Welt­rekord. Für die 200 Meter brauchte der Jamaikaner 80 Schritte und 19,19 Sekunden – Weltrekord! Das war dann selbst für die Uhr zu schnell. Die Zeit musste korrigiert werden. Und Nimmersatt Bolt, der vor den Rennen jeweils Chicken McNuggets verdrückt, gewann auch mit der Staffel Gold. Schweizer Sport-Fans können sich freuen: Die Bolt-Show geht weiter. Diesen Freitag am Leichtathletik-Meeting in Zürich. Alejandro Velert

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Leute

melanie winiger & Michel Comte

Natürlich schön

u «Er schaffts immer, einem Bild eine Seele zu geben», sagt Melanie Winigier, 30, über Michel Comte, 54. Für die neue Kampagne von Coop Naturaline stand sie erneut vor der Linse des Schweizer Star-Fotografen. «Ich freute mich über sein Kompliment, dass ich immer schöner werde, seit ich mit Rapper Stress zusammen sei», sagt die Schauspielerin, die derzeit für den SF-Film «Sonntagsvierer» («Ich habe eine kleine Rolle») in Villars-sur-Ollon VD vor der Kamera steht. Danach gehts nach Monaco. Melanie mode­ riert diesen Donnerstag im Grimaldi-Forum zusammen mit CNN-Sportmoderator Pedro Pinto die Finalauslosung der Uefa Champions League. «Das ist eine grosse Ehre für mich, alle Weltfuss­ baller werden vor Ort sein.» andrea vogel

Melanie Winiger wirbt für Coop Naturaline – «aus Überzeugung». Michel Comte rückt sie ins rechte Licht. Das grosse Comte-Special jetzt im «Bolero».

pepe, Pino & Freddy

Fotos Michel Comte, Rolf Edelmann

Freunde fürs Leben

Seit vierzig Jahren befreundet: Pepe Lienhard, Freddy Burger, Pino Gasparini (v. l.).

u Sie sind das «Rat Pack» der Schweiz: Bandleader Pepe Lienhard, Sänger Pino Gasparini und ihr Manager Freddy Burger, alle 63. Sie haben den Swing im Blut, Bühnenluft in der Nase, vor allem aber ihre Freundschaft im Herzen. Seit genau vierzig Jahren sind die drei Zürcher beruflich, aber auch privat freundschaft­ lich verbunden – seit sie am 1. August 1969 das Pepe Lienhard Sextett gegründet hatten. «Wir haben mehr als ein halbes Leben miteinander verbracht», sagt Freddy Burger, «wir sind wie Brüder.» – «Wir haben alles geteilt. Nur nie die Frauen!», weiss Pino, und Pepe fügt an: «Wir gehen noch lange nicht in Pension, sondern geben weiter Gas. Zusammen natürlich.» andrea vogel

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Leute Das Shooting mit Freundin Barbara macht Blerim Spass. Trotzdem: «Ein Fussballspiel ist dagegen die reinste Erholung.»

nachgefragt bei

Franziska Lacher Königin Die 36-jährige Pflegefachfrau und vierfache Mutter aus Rieden SG holte sich den Titel der diesjährigen Schwinger­ königin. «Ich habe Freude am Zweikampf.»

Barbara megert & Blerim Dzemaili

Power-Paar in XXL u Ein sexy Girl, ein heisser Kerl, coole Klamotten, ein rassiges Auto. Das beste Rezept, um Outfits und Boliden zu promoten. Barbara Megert, 25, und ihr Freund Blerim Dzemaili, 23, räkelten sich während eines Shootings für die Mode-Marke Leonardo auf dem brand­ neuen Audi S5. Das Resultat ist riesengross: Es misst 15 × 10 Meter und hängt als Plakat im Textil & Mode Center Zürich.

Wer das Konterfei in der Lounge be­ trachtet, hat Mühe, zu glauben, dass die «Benissimo»-Glücksfee und der Kicker vom Torino FC beinahe nie ein Paar geworden wären. «Einen Fuss­baller als Freund? No way!», fand die Bernerin noch während der WM 2006. Dann jedoch funkte es zwischen ihr und Blerim während eines Interviews. Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Giuseppe Cerrato schweizer illustrierte

Fotos Handout

Frau Lacher, wäre Schwingerkönig Abderhalden nicht verletzt: Wie ginge ein Duell König gegen Königin aus? (Lacht.) Ich hätte nicht den Hauch einer Chance! Ich bin ja nur 1,78 Meter gross und 77 Kilo schwer. Wir Schwingerinnen haben viel weniger Roh- und Schnellkraft als unsere Kollegen. Männer schwingen explosiver. Und die Frauen? Mit viel Schwung. Bei uns gibts nicht so viele Gestellte. Nach Ihrem Triumph auf Wirzweli in Nidwalden schrien Sie immer wieder: «So geil! So geil!» Wars der schönste Sieg Ihrer Karriere? Ich schwinge seit 18 Jahren, minus Baby­pausen. 1998 wurde ich schon mal Königin. Diese Saison war meine beste. Wie trainieren Sie? Zum einen im Schwingkeller meines Clubs, dazu mit Schwingerkollegin Luzia Iten, auch auf der Ringermatte. Im Turnverein übe ich Steinstossen und Aerobic. Weiter mache ich Kraft- und mentales Training, gehe biken und schwimmen. Ihre Stärken im Sägemehl? Kurz, Gammen und Kampfgeist. Sie kommen aus einer Schwingerfamilie. Haben Ihre Kinder ebenfalls das Schwinger-Gen? Und wie! Die zwei mittleren machen bei der Jungschwinger-Gruppe Zwergli mit. Was bekam die Königin als Siegerpreis? Das Fohlen Amigo. Am Gabentempel wählte ich einen Weinflaschen-Ständer. Einem Glas guten Roten kann ich nicht widerstehen. Gratulierte auch der Sportminister? Nein, das erwartete ich auch nicht. Mit 120 Aktiven sind wir eine Randsportart. Bei einigen Schwingern steht Frauenschwingen nicht gerade hoch im Ansehen. Stört Sie das? Wir betreiben unseren Sport mit Leib und Seele und ebenso viel Einsatz. Unser Ansehen ist stark gewachsen. Doch es gibt noch immer Männer, die sagen, Frauen sollen lieber Ballett oder Kunstturnen machen. Welcher Schwinger gefällt Ihnen am besten? Ganz klar: de Nöldi! Er und Abderhalden sind meine Favoriten fürs Eidgenössische – wenn sich der König optimal erholt. Gute Besserung! Interview Thomas Kutschera

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Leute xenia tchoumitcheva

Xenia mal anders

wer liebt wen

Trauung, Babys & Trennung

u Erotisch, sexy, feminin: So kennen wir Xenia Tchoumitcheva, 22. Wer hätte gedacht, dass unsere erfolgreichste Vize-Miss auch eine männliche Seite hat? Xenia: «Ich liebe starke Sportarten.» Den Beweis liefert sie in der Serie «Missen mal anders» des Web-TV der Schweizer Illustrierten: Xenia versucht sich im Hornussen! Ihr Fazit: «Gar nicht so einfach.» Weitere Missen im sportlichen Selbsttest: Whitney Toyloy beim Boxen und Christa Rigozzi beim American Football. www.schweizerillustrierte.ch sandra casalini

u Knapp zwei Jahre hielt

ihr Liebesglück: Nun bestätigt TV-Moderatorin Eva Camenzind, 29, die Trennung vom 44-jährigen Werber Lukas Frei: «Seit einem Monat sind wir kein Paar mehr.» Die Baslerin zieht demnächst aus der gemein­ samen Wohnung aus. u Paul Weilenmann, 50, von Karl’s kühne

Gassenschau ist vor zwei Wochen Vater geworden. Seine Frau Theresa gebar am 13. August Töchterchen Leola Emilie. Die Eltern und ihr Sohn, der zweijährige Finn, sind «überglücklich» über den Familien­zuwachs. u Ebenfalls im Eltern­ glück schwelgen «Welt­ woche»-Chefredaktor Roger Köppel, 44, und seine Frau Bich-Tien Ton, 33: Ihr Söhnchen Karl Lukas kam am 20. August in Zürich zur Welt. Köppel werde sich nun «dranmachen, einen guten Journalisten zu fördern». u In eigener Sache: SI-Unterhaltungs­

Fotos Adrian Portmann, Rolf Edelmann, RDB

chefin Bettina Portmann, 37, heiratete am vergangenen Freitag in Männedorf ZH Unternehmer Tarzis Bono, 45. Auf die Trauung in familiärem Rahmen folgt die Traum­ hochzeit: im September im griechischen ­Santorini. Die Redaktion gratuliert herzlich!

Xenia Tchoumitcheva übt in Winterthur mit ihrem Hornuss-Trainer Karl Weber den Abschlag.

Rose

kaktus

Vincent da Silva Gründer des Vereins Support u In vielen afrikanischen Spitälern werden zu früh Geborene einfach in Holzkisten gelegt. Nicht so im Sacred Heart Hospital in Nigeria. Dort stehen neuer­ dings Isoletten zur Verfügung – dank Vincent da Silva. Vor seiner Pensionierung war er leitender Arzt am Kantons­spital Aarau. Heute organisiert der 70-Jährige mit seinem Verein Support und Spendengeldern den Transport ausgemusterter Spital­geräte nach Afrika – und am 12. und 13. September eine Benefizveranstaltung mit afrikanischem Essen im Zwinglihus in Aarau. Wir zeigen uns auch spendabel und schenken Herrn da Silva unsere Rose.

bruno ehrler Generaldirektor TCS u Eigentlich wollte der Touring Club Schweiz Werbung in eigener Sache machen. Der Schuss ging aber nach hinten los. Tausende Schweizer sind verärgert, weil der TCS ein Mail mit dem angeblichen Absender «Anwaltskanzlei Abriss & Partner» verschickt hat. Betreff: Verkehrs­ unfall vom 24. 3. 2009. Gesamtkosten: 86 000 Franken, zahlbar innert zehn Tagen. Die eigentliche Botschaft: Mit der TCS-Rechtsschutzver­ sicherung wäre das nicht passiert. Sehr witzig! Für so viel Sauglattismus bekommen Sie, Herr Ehrler, unseren Kaktus. Aus Kaktus lässt sich bekanntlich Schnaps machen, von Schnapsideen haben wir aber genug. schweizer illustrierte

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titel Ist sie nicht süss? Die kleine Shenay wickelt alle um den Finger – auch Mami Karina Berger. Für gemeinsame Kuschelstunden zu Hause auf dem Sofa lässt die MissSchweiz-Organisatorin gern alles liegen.

Über 40 und doch so jugendlich. Zwei Schwangerschaften und trotzdem eine perfekte Figur. Eine grosse Tochter, eine kleine Tochter, Ehemann, Haus – und Erfolg im Job. karina Berger verrät, wie sie alles im Griff behält: Kindererziehung, Älterwerden, Liebe, Business.

«Ich bin ein T


ĂźpflischiisserÂť schweizer illustrierte

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titel Text bettina portmann Fotos adrian portmann

K

arina Berger ist wie das «kleine Schwarze»: ein Hingucker, ein Klassiker. Kurzum: ein Ereignis. Mit ihren 41 Jahren zieht sie die Blicke auf sich wie keine andere. Ihr Gesicht kennen wir seit ewigen Zeiten – ob als Miss Schweiz 1988, als Model oder als «Mutter aller Missen». Ihre markante Stimme, die wilde Haarpracht, die ihr noch immer weit über die Schultern fällt, ihre Worte, unverblümt und direkt – ein Mix, der seine Wirkung so gut wie nie verfehlt. Ausser bei Karina Berger zu Hause: Da ist für die zweijährige Shenay Papi Thomas, 42, der Grösste. Und die 15-jährige Tochter Noemi findet die Mutter «zwischendurch ganz schön uncool»!

Frau Berger, wie war das schon wieder mit der Baustelle? (Lacht.) Die vor meinem Haus oder die im Kopf meiner älteren Tochter Noemi? Im Ernst: Tatsache ist, dass sich das Hirn eines Teenagers im Alter zwischen elf und achtzehn im Umbau befindet. Oft kommt es mir vor, als rede ich bei Noemi an eine Wand. Was ist anstrengender, ein Kleinkind oder ein Teenager? Im Moment der Teenager. Mit dem «Getäubele» eines Kleinkindes kann ich umgehen. Endlose Diskussionen, die zu nichts führen, sind hingegen ermüdend. Dabei gehts bestimmt ums Zimmer­aufräumen, oder? Genau! Antworten wie «Ich machs grad» haben null Wahrheitsgehalt. Es ist doch unglaublich, Noemi braucht

Girls, Girls, Girls Von Noemi, 15, und Shenay, 2, verlangt Mami Karina das Gleiche: «Respektvollen Umgang und gute Tischmanieren!»

Persönlich karina berger

«Das Wichtigste in Sachen Erziehung? Konsequenz und keine Grauzonen!» karina berger

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Geboren in Zürich am 30. 7. 1968 (Löwe)  FAMILIE Karina Berger lebt mit ihrem Ehemann Thomas Russenberger und den beiden Töchtern Noemi und Shenay bei Zürich  BERUF Die MissSchweiz-Organisatorin engagiert sich für die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, wirbt als Marken-Botschafterin für Lubex anti-age, Jaeger-LeCoultre und BMW von Binelli & Ehrsam. Als Event-Managerin betreibt Berger www.bookingsby.com, und unter www.puragioia.com bietet sie exklusive Handtaschen und Accessoires an.


Outfit 1. Doppelseite, Karina: Hemd H & M, Jeans Diesel, Uhr Jaeger-LeCoultre. Shenay: Hemd und Jeans H & M. Diese Doppelseite, Karina: Abendkleid à ma chère haute couture. Noemi: Blazer H & M, Shirt Diesel, Jeans G-Star, Armband Ed Hardy, Schuhe Converse. Shenay: Shirt Alprausch, Gilet und Tüll-Jupes H & M, Schuhe Converse Kids by botty, Zylinder Atelier Claire Schärer. Styling Luisa Rossi. Haare und Make-up Peter Schell für Time

zwei Stunden, um Ordnung zu schaffen, und zwei Minuten, um wieder alles zu verwüsten. Welche erzieherische Massnahme ­funktioniert bei Ihren Töchtern? Die Konsequenz! Jeder Elternteil muss an den Regeln festhalten und sie leben. Grauzonen darf es keine geben. Wie strapazierten Sie selber die Nerven Ihrer Mutter? Ich revoltierte mit meinem Look: New Wave. Schwarze Klamotten und blau-schwarz gefärbtes Haar. Für meine Mutter, eine Spanierin, war ich der Albtraum. Immer wenn wir in Barcelona Urlaub machten, sagte sie: «Entweder du läufst drei Meter vor oder hinter mir – aber geh ja nicht neben mir!» Bevor Shenay vor zwei Jahren zur Welt kam, war Noemi ein Einzelkind. Wie verlief diese Umstellung für sie? Ganz natürlich. Shenay gab unserer Familie einen neuen Mittelpunkt. Alle mussten wir unsere Bedürfnisse neu anpassen: um miteinander brunchen zu können, schläft Noemi am Wochenende nicht mehr bis mittags. Wenns passt, nimmt auch Shenay am gemeinsamen Abendessen teil. Und wenn Noemi ausnahmsweise ihr Schwesterchen hütet, darf sie danach im Gegenzug mit ihren Freundinnen abmachen. Die grösste Sorge einer Mutter gilt ihren Kindern. Wovor haben Sie Angst? Vor den zwei Sekunden, die alles ver­ ändern, zwischen Leben und Tod entscheiden. Da Noemi langsam am Partyleben Gefallen finden könnte, führe ich mit ihr auch Gespräche über Drogen und Alkohol. Sie zog es aber vor, über Sexualität mit einer meiner Freundinnen zu reden. Mit mir wars ihr zu peinlich. Sie haben zwei Töchter, einen Ehemann, managen Missen, organisieren Events und betreiben eine Online-Shoppingseite – wie viele Stunden hat Ihr Tag? Es gibt Tage, da komme ich locker auf zwölf Arbeitsstunden. Damit ich alles unter einen Hut bringe, beginne ich um halb sieben Uhr morgens mit Staub­ saugen. Mehr als fünf bis sieben Stunden Schlaf liegen dann oft nicht drin. Wann stossen Sie an Ihre Grenzen? Ich sage Dinge nur einmal und erwarte, dass sie erledigt werden. Wenn ich mich auf jemanden verlasse und es nicht klappt, stosse ich an meine Grenzen. Ich bin nicht perfekt – aber ein «Tüpflischiisser». Und habe hohe Ansprüche. Auch an sich selber? Zum Beispiel an Ihre Figur! Auf Kilos achte ich nicht. Mein Körper muss einfach knackig sein. Ich mags straff und nicht schwabbelig. Wenn ich


Titel mir was wünschen könnte, wäre ich am liebsten eine Mettwurst (lacht). Dann könnte ich der Schwerkraft entgegen­ wirken und das Fett in meinem Körper einfach von unten nach oben drücken. Sie schwören auf Pilates. Wann machen Sie denn das noch? Meine wöchentliche Lektion bei Karo­ lina ist meine heilige Stunde – diese beginnt jeweils um acht Uhr früh. Sie arbeiten mit hübschen, jungen Frauen. Möchten Sie nochmals zwanzig sein? Was ich vermisse, ist die Unbeschwert­ heit von früher. Meine Rückenschmerzen gäbe ich auch gern her. Und die Haut von damals nähme ich ebenfalls wieder. Andererseits gefalle ich mir heute viel besser. Wie gross ist der Druck, auch nach zwei Schwangerschaften wieder die «alte» Figur zu haben? Druck von aussen bemerke ich keinen. Ich selber will mein «altes» Körper­ gefühl wiederhaben. Mein Mann Thomas fände mich auch mit einem breiteren «Füdli» attraktiv. Macht er Ihnen Komplimente? Ja. Und das schätze ich sehr! Obwohl wir seit siebzehn Jahren ein Paar sind, nimmt er mich immer wieder in den

Arm und sagt mir, dass ich schön bin. Oder er bedankt sich bei mir, dass ich ihm unsere beiden «Engel» geschenkt habe und ihnen eine gute Mutter bin. Wie stehts um die Zweisamkeit? Haben Sie den Kopf überhaupt noch frei dafür? Neben Job und Kindern fehlt schon die Gelegenheit, Zärtlichkeiten aus­­zu­tauschen. Doch das Alter macht ge­ lassener, und Zeit fand sich noch immer. Ihr Mann Thomas orientiert sich gerade beruflich neu und ist viel zu Hause. Die Situation ist für uns alle neu. Dass wir uns ein Büro teilen müssen, führt auch mal zu Spannungen. Doch

Papi-Fan Shenay geniessts, und Noemi und ich lieben seine Kochkünste. Nächstes Jahr feiern Sie Ihren zehnten Hochzeitstag – wieder auf Ibiza? Vielleicht. Damals schrieb jeder von uns sein Liebesversprechen auf Papier nieder. Wir lasen sie einander vor, steckten sie in eine Flasche und warfen diese ins Meer. Doch die Wellen spülten sie an Land zurück. Mein Vater fand sie und gab sie uns zu Hause. Nach einem Jahrzehnt wäre es an der Zeit, die Flasche zu öffnen und unseren «Vertrag» zu erneuern. Denn ich würde Thomas jederzeit wieder heiraten! 

«Meine 10 tipps für frauen Über vierzig» 1 Morgens als Erstes nicht gleich in den Spiegel schauen – verbessert die Laune! 2 Die Sportcreme Sportusal power active wie ein Anti-Cellulite-Mittel verwenden – sie fühlt sich zumindest so an, als ob sie helfe. 3 Jährlich Urlaub machen – ohne Kochen, Waschen, Bügeln, Putzen. 4 Mindestens eine Jeans im Schrank liegen haben, die einen Knackpo macht. 5 Keinen Mann zu Hause dulden, der einen nicht schätzt und keine Komplimente macht.

6 Einmal pro Tag mit der besten Freundin telefonieren – tratschen tut einfach gut. 7 Vor oder zum Kochen ein Cüpli trinken – weil das Brutzeln dann mehr Spass macht. 8 Sich regelmässig eine Beauty-Behandlung gönnen und dabei die Seele baumeln lassen. 9 Auf dem Sofa liegen, «Private Practice» schauen und Lindor-Kugeln geniessen. 10 Einmal im Jahr: sich mit Freunden die Nacht um die Ohren schlagen und bis in den Morgen tanzen.


Rückzugsort eines Freidenkers Hugo Loetschers Klause in der Zürcher Altstadt. «Hier heben sich Fremdes und Eigenes auf.»

«Er liebte die Welt. Und dennoch war ihm die Schweiz nie zu eng» Moritz Leuenberger, Bundesrat


Abschied von Hugo Loetscher

«Wir werden ihn immer gernhaben»

Das Herz hörte auf zu schlagen. Schriftsteller Hugo loetscher starb letzte Woche kurz vor seinem 80. Geburtstag nach einer schweren Operation. Moritz Leuenberger und drei Freunde sagen, was sie verloren haben. Text Moritz Leuenberger

Fotos Willy Spiller, Hervé Le Cunff

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ugo Loetscher liebte die Schweiz. Aber er verklärte sie nicht. Er reduzierte sie nicht auf ihre Klischees, auf Heidi, Alp- und Matterhörner. Seine Zuneigung bestand auch in Stellungnahme, in Kritik. Er wusste und sagte es deutlich: Die Schweiz nur gerade mit ihren Symbo­ len politisch zu besetzen, führt unser Land in die Isolation. Hugo Loetscher verkörperte eine liberale, tolerante und weltoffene Schweiz. Hugo Loetscher liebte die Welt. Er war neugierig, be-­ suchte andere Kontinente, lernte andere Sprachen, überschritt Grenzen. Globalisierung empfand er nicht als Bedrohung, sondern als Chance, auch für die Schweiz. Er hat in den USA über die schweizerische Demokratie Vorlesungen gehalten, und er hat uns hier andere Kontinente und Länder, Südamerika oder Indien, nähergebracht. Für ihn war selbstverständlich, dass die Schweiz in der Welt ist und die Welt in der Schweiz. Hugo Loetscher liebte die Stadt. Selber aufgewachsen als Arbeiterkind in Zürich-Aussersihl, wehrte er sich gegen die Romantisierung der ländlichen Idylle. Er verkörperte eine urbane Kultur, war ein Stadtmensch, bis zuletzt lebte er in der Zürcher Altstadt. Er pflegte den Kontakt mit den Menschen, liebte es, eine Bratwurst am Bellevue zu essen oder in einem Café zu diskutieren – und zwar auf Augen­ höhe mit uns, er überfuhr uns nicht mit elitärem Wortschwall. Genauso war auch seine Poesie, seine Literatur nie ab­ gehoben. Auch für uns, die wir nicht im Literatenolymp zu Hause sind, waren seine Texte und Gedanken zugänglich. Hugo Loetscher liebte die Politik, das Streitgespräch, die Auseinandersetzung, die Diskussion. Hugo Loetscher hatte eine politische Meinung, und er hat sie auch ver­ treten. Doch er gehörte keiner Partei an. Er war unabhängig und entlarvte schonungslos politische Widersprüche

und Ver­logenheiten von links bis rechts. Und dennoch ver­urteilte er niemanden, denn er liebte uns auch für unsere Schwächen, für die grossen der Politik und für die kleinen im Alltag. Nicht umsonst heisst eines seiner Werke «Der Waschküchenschlüssel». Hugo Loetscher liebte die Verschiedenheit der Kulturen, die Vielfalt der Sprachen. Dazu brauchte er nicht aus der Schweiz zu flüchten, denn er zählte nie zu jenen Intellektuellen, die sich in der Klage gefallen, die Schweiz sei ihnen zu eng. Er war in der Romandie und im Tessin ebenso zu Hause wie in seiner deutschsprachigen Geburts- und Wohnstadt. Diese Neugier an unseren Kulturen, an Stadt und Land, an der Mehrsprachigkeit unseres Landes, an seinen Verschrobenheiten und Verstocktheiten, dieses Interesse an den merkwürdigen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten oder den Spannun­ gen zwischen Arbeiterkindern und Söhnen und Töchtern des Zürichbergs, wie er sie in seinem letzten Buch wieder beschreibt, das war seine Liebe zur Schweiz. Hugo Loetscher setzte sich mit der Schweiz auseinander. Er tat es kritisch, durchaus. Aber er hat sich nie von der Schweiz abgewendet, hat sich – bei allem Humor – nie über die Schweiz lustig gemacht. Seine Kritik war Ausdruck einer Zuneigung. Hugo Loetscher liebte die Menschen, Hugo Loetscher war uns zugewandt. Dafür hatten wir ihn gern, dafür werden wir ihn immer gernhaben.

Loetscher & Leuenberger an der Diogenes-Gartenparty in Zürich 2003. schweizer illustrierte

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«Hugo Loetscher blieb ein Leben lang ein staunendes Kind und verzauberte jeden Augenblick» Stefan Zweifel, Literatur-kritiker liess er sich einen edlen Wein kredenzen, wendete ihn lang im Mund: «Tja, er ist halt etwas transportmüd.» as Wunder der Dichtung: Sie kann jedes Wort zum Leben erEin andermal feierten wir mit «schelwecken. Selbst das letzte Wort – mem-zünftigem» Lächeln … Als Sohn «tot». Stundenlang konnte Hugo Loeteines Schmieds wunderte er sich beim scher über die Genialität der deutschen Sechseläuten. Sein Vater zog für UmzüSprache sprechen und über die schöne ge Sonntagskleider an, hier stiegen BanWeisheit dieses Wortes – «tot». Zwei ker in kitschige Trachten und spielten Arbeiter. Als späte Rache setzte er sich Grabkreuze aufgepflanzt, dazwischen das weite «o» des Globus, den er erkungern in ein Zunfthaus und bestellte «Zürdet und umrundet hat. cher Geschnetzeltes». Im Originalrezept Verschmitzt lächelte Loetscher: Ja, vereinen sich die Edlen und Proleten: von vorn und von hinten lautet das Lezartes Kalbfleisch und Nierchen mit ben gleich – t o t. Aus dem Nichts komStich. Diesen Unterschied wollte er aus men wir, ins Nichts gehen wir. Darum der Welt schaffen – und verschlingen. dreht sich nun sein letztes Buch. Doch Er setzte dann seinen gefürchteten das O in der Mitte ist kein Nichts, keine Abwasserblick auf: Und analysierte die Null, sondern der eigene Mund – vor Gesellschaft von unten. Wie sein erster Staunen weit geöffnet. Und diesen KinRomanheld in «Abwässer» steigt er in dermund hatte Loetscher. die Kanalisation und erkundet, was das eigentlich ist: Demokratie. Ein Staat, wo Da stand man auf der Gemüsebrücke alle gleich stinken und deshalb auch alle im nebelverhangenen Zürich, schaute gleiche Chancen haben sollen. einem Angler zu und wollte schon im Er hat anderes erlebt: Etwa wenn er Trüben fischen. Plötzlich tippt es auf die mit zerschlagenem Gesicht ins Hotel zuSchulter, und er steht wieder da: Hugo rückkam, weil man Homosexuelle noch Loetscher. Zurück aus dem Irgendwo, verprügelte. Verächtlich sah er heute auf aus China, Amerika oder der Wunderall die Coming-outs in den Medien. Er welt von Brasilien. Und sofort wurde hatte damit nie um Schlagzeilen gebuhlt. sein Mund zum Quell aller Geschichten. Er wusste, was es hiess: herauszukomUnten rauscht die Limmat, oder men aus dem Dunkeln einer verdrängten sprudelt sie aus ihm heraus? Er lädt uns Lust von Mann zu Mann. Ihr widmet er im ein, in einem Portwein-Fass über den neuen Buch das berührendste Kapitel. Atlantik zu segeln und dann den Ama­ zonas hinauf. Winkt er nicht schon aus Einmal nach einem mitternächtlichen seinem Einbaum herüber, der jetzt zum Whiskey im «Odeon» zitierte er auf der Zweibaum wird? In ihm rauscht man mit Gemüsebrücke Nietzsche: Als Kamel Loetscher über die Stromschnellen seihabe er angefangen, alles Wissen auf seines Denkens. Der Wille wird zur Welle, ne Schulter geladen und sei durch die man lässt sich treiben. QuerWüste des Wissens geirrt. weltein. Und kehrt mit ihm Dann habe er sich in einen zurück. Mit dem Blick des Löwen verwandelt, alle fremFremden. den Werte zerreissend und Ein Wunder, dass Loetgegen Vorurteile kämpfend. scher nicht schielte. Nicht Doch jetzt habe er sich von wegen des Portweins, nein: dieser Verbissenheit in den weil er immer alles von zwei Gegner befreit und werde Seiten sah. Es gab für ihn wieder zum Kind. Ein aus sich kein Entweder-oder. Sondern rollendes Rad. Das ist ihm mit dem letznur ein Sowohl-als-auch. Das ten Buch geglückt. Er hat war seine Philosophie. Er, sich noch einmal neu erfunder einst in Paris Philosophie den, als aus sich rollendes studierte, hätte auch geRad – ein von lauter Leben spreizt sagen können: «Dialektik». Im Grand Café Zürich Hugo Loetscher kannte keine Berührungsängste. erfülltes staunendes O. Text Stefan Zweifel

Fotos Arsène Saheurs, RDB / Katja Grossi

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Manchmal vergitzelte er fast vor Ungeduld, weil sich in seinen Backen so viele Pointen angesammelt hatten. Er wirkte dann wie A-Hörnchen und B-Hörnchen zugleich. Witz und Widerwort. Der Widerspruch in Person. Mit der Neugier des Nagetiers. So sammelte er sein Wissen und versteckte es: in einem Astloch im Central Park von New York oder in einem Erdhaufen in der ägyptischen Wüste bei Gizeh. Und schon springt er seinen Gedanken nach, sammelt sein Wissen ein, hortet in seiner Wohnung Buch um Buch. Ein ABC-Hörnchen! Mit Herzklopfen kam man in seiner Wohnung an. Aus Ehrfurcht vielleicht, oder auch nur, weil die letzte Treppe an der Storchengasse 6 so himmelsteil war. Und prallte gleich beim Eingang mit Büchern zusammen: Klassiker in Latein. Einmal hatte ich für ihn elf Egli aus der Limmat gefischt. Gleich vor dem Schaufenster einer Modeboutique. Am Tisch dann stellte er sich designte Filets vor und fiel vor Lachen fast vom Stuhl. Oft feierten wir zusammen Geburtstag, da wir beide am 22. Dezember ge­ boren wurden. Seinen Roman «Der ­Immune» schenkte er mir 1989 mit der Widmung «von einem 22. Dezember zu einem anderen 22. Dezember». Wie es zu diesem Tag passt, wurde er wieder ganz Lausbub. Das erste Mal schmuggelte er mich an eine Party von Stinkreichen. Die Wände voll mit Kunst von Tinguely und Max Bill. Das beste Kunstwerk? Wir waren uns einig: der riesige, grün-rot blinkende Tellerwärmer. Um nicht loszuprusten,


Abschied von Hugo Loetscher

Text Willy Spiller

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Fotos Willy Spiller

Hugo Loetscher 1972 in Brasilien, unterwegs für «Das Magazin». Foto­ grafiert von Willy Spiller.

«Hugo war ein Charmeur vor der Kamera. Er liebte das Rollenspiel» Loetscher & Spiller Zwei Suchende zwischen den Kontinenten.

Willy Spiller, Fotograf

ls ich Hugo Loetscher Anfang der 70er-Jahre in der Fantasio-Bar im Zürcher Niederdorf kennen­ lernte, war er ein notorischer Bargänger und einsamer Nachtschwärmer. Hugo trug immer eine dunkel getönte Brille. Er wollte meine Fotos sehen. Eine Reise nach Südamerika stand an. Er war sich nicht sicher, ob ich seinem Niveau entsprach. Die Arbeiten begeisterten ihn – der Grundstein zu einer 30-jäh­rigen Freundschaft zweier Weltenbummler mit journalis­tischem Anspruch war gelegt. Unsere erste gemeinsame Recherche führte uns 1972 in eines der ärmsten Gebiete Brasiliens, den Bundesstaat Pernambuco. Wir reisten mit den billigsten Verkehrsmitteln, schliefen in Hängematten. Und waren nach strapaziösen Staubbusfahrten dankbar um jede Kneipe, in der es etwas Trinkbares gab! Wie auf der Fotografie zu erkennen, waren wir die ab­soluten Exoten. Hugo gefiel sich in der Rolle des Beobachters. Er wirkte immer souverän. Da­bei hatte er höllisch Angst, von Ganoven über den Tisch gezogen zu werden. Weitere Reportagen führten uns später nach Portugal, Afrika, Kuba, Asien. Durch das Unterwegssein entwickelte Hugo Loetscher einen klaren Blick fürs Exotische zu Hause. Der Zürcher Kreis Cheib war ein weisser Fleck im literarischen Kontext. Mit Lust tauchten wir in die Unterwelt ein. Doch es kostete ihn jedes Mal Überwindung, mich in illegale Spielsalons zu begleiten. Bis heute empfinde ich es als Ehre, dass er mir und meiner ersten Frau in «Der Immune» ein Kapitel widmete. Wie mir Hugo später verriet, auch für ihn einer seiner schönsten Essays. schweizer illustrierte

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Abschied von Hugo Loetscher

Die letzte Reportage Die Schweizer Illustrierte begleitete Hugo Loetscher 2008 nach Schanghai.

Loetscher & Fischer auf der letzten grossen Reise für die SI in Schanghai. Text Max Fischer

Fotos Marcel Nöcker

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ie ein Kind freut sich Hugo Loetscher bei unserem Besuch auf die chinesischen Ravioli. Wir begleiten den Gastprofessor für Deutsch und Literatur an der Uni von Schanghai eine Woche lang in seiner neuen Heimat. «Himmlisch», schwärmt er. «Eine hauchzarte Teighülle und drinnen Gemüse, Fleisch oder Fisch.» Doch deren Genuss müssen wir uns hart verdienen. Im ersten Restaurant in einem Vorort von Schanghai gestikuliert die Wirtin wild und schreit, als unser Fotograf seinen Blitzschirm aufstellt und Probeaufnahmen macht. «Die wähnt sich vermutlich von bösen Geistern umzingelt», witzelt Loetscher. Also ziehen wir weiter in die nächste Garküche. Skeptisch betrachtet auch hier die ganze Familie unser Tun. Aber wir dürfen bleiben – und wir sind hungrig. Zeigen auf die Teller der andern Gäste, formen mit den Händen die kunstvollsten Figuren. Tatsächlich erhalten wir die Teigtaschen. Nur beim

«Hugo Loetscher hatte einen unstillbaren Hunger nach anderen Kulturen» Max Fischer, SI-Reporter Fleisch wissen wir nicht, was man uns auftischt. Doch es schmeckt hervorragend und kostet 1 Franken 50! Hugo Loetscher über seine Arbeit: «Ich bringe den Studenten unsere Literatur, aber auch die schweizerische Demo­ kratie näher.» Die nächste Vorlesung heisst: Das Schreiben in einer urbanisierten Welt. «Mich fasziniert, wie Menschen in anderen Kulturen denken und leben.» Loetscher zitiert aus einem Geschichtsbuch. Ein Chinese sei auf die ersten Europäer in Peking gestossen und habe gefragt: «Kann man auch mit blauen Augen sehen?» Wir hätten vermutlich nach dem Lohn gefragt, meint Loetscher und lacht. Ihn interessieren auch weniger die hiesigen Schriftsteller, die seiner Meinung nach zu oft eine Selbstschau betreiben. «Wenn ich sehe, wer da alles auf der Suche nach sich selber ist», so Loetscher, «dann denk ich: ‹Sternesiech, die können froh sein, finden sie sich nicht.› Sonst wären sie nur enttäuscht!» Der Kosmopolit kommt ge­ rade aus Polen, war vorher in Indien

und will anschliessend noch in die USA reisen. «Das nächste Jahr werde ich 80. Aber die Neugierde treibt mich noch immer an.» In Schanghai wohnt der Schriftsteller nicht in einem Business-Hotel für westliche Besucher. Sondern in einem engen, spartanisch eingerichteten Zimmer auf dem Uni-Campus, den wir nach fast einer Stunde Busfahrt vom Zentrum aus erreichen. Und er isst auch nicht in den edlen Touristen-Restaurants, sondern am liebsten in einer der Garküchen: «Da ist es am frischesten. Und da spielt das Leben.» Nur wenn er Ausflüge mache, begleite ihn eine Studentin. Ausserhalb komme man ohne Chinesisch nirgends hin. «Da wird schon das Lösen eines Billetts zum Problem.» Sein einziger Luxus: «Ich fliege Business-Klasse.» Nicht wegen des Komforts, betont er: «Aber ich lebe mit drei Bypässen. Da kann ich nicht stundenlang eingequetscht sein.» Loetschers literarisches Vermächtnis – auf Seite 69 schweizer illustrierte

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Porträt

Die neue Miss «Tagesschau»!

Kleines Mädchen, grosse Aufgabe: Sie ist die jüngste «Tagesschau»-Moderatorin der Welt. Die elfjährige Ana präsentiert für eine Woche das Flaggschiff des Schweizer Fernsehens.

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n der Wand ihres Kinderzimmers hängen Poster von Tierwelpen und Teenie-Idolen, auf dem Bett liegt ihre Stoffpuppe Elif, daneben die Diddl-Schultasche. An diesem Frei­ tag­abend darf Ana an einen Fez – mit ihren Klassenkameraden. «Wir tanzen und so …» Ana ist elf Jahre alt, soeben in die sechste Klasse gekommen – und bald schon Fernseh-Moderatorin! Ab dem 7. September präsentiert sie eine Woche lang die 18-Uhr-«Tagesschau». Ganz allein sitzt die Primarschülerin am Steuer des SF-Flaggschiffs, die lila Wäscheklammer, die ihren ersten aus­gefallenen Milchzahn umfasst, als Glücksbringer in der Tasche und ein Podest unter den Füssen, das sie einen Kopf grösser macht. Nervös? Ana lächelt und schüttelt den Kopf. «Ich war Anfang der Woche im Studio. Man kann ja den Text von einem Bildschirm ablesen. Und ich dachte immer, man müsse alles auswendig können.» Ana tanzt gern, schwimmt gern, spielt leidenschaftlich Tennis und liest viel. «No Jungs!» lautet der Titel ihrer aktuellen Lektüre. «Handarbeiten», sagt

sie, könne sie «nicht so gut». Lieber bewegt sie sich – sie kann sogar mit ihren Zehenspitzen den Kopf berühren. «Ein kleiner Gummiball», sagt ihre Lehrerin Linda Bärtschi. Kurz vor den Sommerferien trifft die gute Nachricht ein, Ana hüpft noch ein bisschen mehr als sonst: Ihre Primarschulklasse aus Dübendorf ZH wurde aus mehreren Bewerbern aus­ gewählt. Für ein SF-Projekt, bei dem Kinder eine Woche lang Fernseh machen (siehe Box). Und Ana, ja, Ana darf moderieren! Beim Schultheater stach sie den SF-Produzenten ins Auge, weil sie so aufging in ihrer Rolle. «Sie war schon immer ein Show-Talent. Ana kann sich gut präsentieren», sagt auch Vater Beat, ein Bauunternehmer mit Wurzeln im Wallis. Und ihre türkischstämmige Mutter Pakize schwärmt: «Kaum konnte sie auf ihren Beinen stehen, hat sie allen etwas vorgetanzt.» Die Eltern sind stolz auf ihre Tochter, betonen aber, dass das Ganze ein Klassenprojekt sei: «Ana ist einfach die, die man am Bildschirm sieht – sie verdient deshalb keine Sonderbehandlung.» Ana nickt. «Vielleicht», sagt sie, «sind einige ein bisschen neidisch. Aber das wäre ich ja auch …»

Kontrastreich Die elfjährige Ana in ihrem Kinderzimmer in Dübendorf ZH und im «Tagesschau»Studio des Schweizer Fernsehens (unten).

«SF Thema Kinder» – Der Nachwuchs macht TV u Vom 6. bis 12. September berichtet SF

aus der Welt der Kids und blickt in einer Themenwoche mit Kinderaugen auf gesellschaftliche, politische, kulturelle und sportliche Ereignisse. Die Sechstklässler aus Dübendorf werden aktiv in den TV-Alltag einbezogen: Sie gestal­ten die Sendungsinhalte der 18-Uhr«Tagesschau», erstellen Beiträge für die Online-Plattform www.kinder.sf.tv und drehen einen 24-minütigen Film. Highlights der Kinder-Woche am Fit fürs Fernsehen Die 6. Klasse der Schule Stägenbuck in Dübendorf. 12. September, 14.05 Uhr auf SF 1.

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Foto Roberto Crevatin / SF

Text Nina siegrist Fotos Hervé Le Cunff


Moderatorin werden: Das wollte Ana schon immer. «Oder Theaterspielerin», sagt sie, «oder Apothekerin». Im elterlichen Wohnzimmer zieht sie eine Fernseh-Zeitschrift aus dem Stapel und tippt mit dem Finger auf Katja Stauber, die ihr vom Titelbild entgegenlächelt. «So wie sie, so will ichs machen», sagt Ana. Damit das auch klappt, übt sie fleissig vor dem Spiegel in ihrem Kinderzimmer. «Sie macht dann immer die Tür zu. Niemand darf zuschauen», verrät Anas Zwillingsschwester Denis. «Ein Spongebob-T-Shirt werde ich nicht tragen in der ‹Tagesschau›», sagt Ana. «Ein Deuxpièces aber auch nicht», sagt die Mutter. Kindlich soll es sein. Und trotzdem elegant. «Wir haben da was im Auge», erklären Mutter und Tochter verschwörerisch. Bis es so weit ist, liest die ganze Familie fleissig Zeitung, befasst sich mit aktuellen Nachrichtenthemen. Eine Hausaufgabe von Lehrerin Bärtschi. Ana wird gut auf ihren grossen Auftritt vorbereitet – so gut, wie das bei einer Nachrichten­sendung eben möglich ist. «Ich hoffe, dass kein Bombenattentat oder sonst etwas ganz Schlimmes passiert», sagt die Elfjährige. «Kinder müssen lernen, auch mit schlechten Nachrichten umzugehen», ergänzt ihr Vater. Und die Verantwortlichen von SF erklären: «Den Kindern stehen die erwachsenen Redaktoren jederzeit zur Seite. So können sie im Ernstfall übernehmen.» Ana selbst hofft auf Good News. «Ich hätte gern verkündet, dass Roger Federer Zwillinge bekommt – aber das passiert wohl nicht so schnell wieder.» Stattdessen setzt sie jetzt auf eine Traumhochzeit. Von ihrem Idol, der amerikanischen Schauspielerin und Sängerin Miley Cyrus. «Sie ist zwar erst 16, ein bisschen jung zum Heiraten. Aber man weiss ja nie …» 

Wissen, was läuft Mutter Pakize, Vater Beat, Ana und ihre Zwillingsschwester Denis suchen am Esstisch Themen für die «Tagesschau». schweizer illustrierte

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Polit-Schwergewicht aus dem Tessin Fulvio Pelli mit seiner Frau Claudia daheim in Sorengo. Das Foto entstand im Herbst 2007.

Der ÂŤNich


Wer wird neuer Bundesrat?

Vier welsche Frei­ sinnige kandidieren für den Bundesrat – ein Fünfter stiehlt ihnen die Show: Parteipräsident Fulvio Pelli. Der Tessiner tritt vielleicht an, vielleicht nicht. Nun soll die Fraktion entscheiden. Text Christine Zwygart Fotos Kurt Reichenbach

T

aktieren, schwadronieren, kal­kulieren – die Parteien schieben sich in Position für die Bundesratswahl vom 16. September. Dann entscheidet die Bundesversammlung, welcher Mann oder welche Frau den Walliser FDP-Hünen Pascal Couchepin ersetzt. Wer hat das Format dazu? Wer stammt aus der richtigen Region? Welche Partei soll überhaupt zum Zug kommen? Die FDP will ihren Sitz verteidigen, doch auch die CVP erhebt Anspruch. Selbst die SVP und die Grünen liebäugeln mit eigenen Kandidaten. Fragen gibts viele, Antworten noch fast keine. Dafür viele Spekulationen. Und die richten sich vor allem auf einen Mann: FDP-Präsident Fulvio Pelli, 58. Er hat seine Kandidatur nicht angemeldet, seine Kantonalpartei portiert ihn dennoch zuhanden der Fraktion. In einem Interview mit der NZZ sagt der Tessiner: «Es ist nicht so, dass ich nicht am Bundesratsamt interessiert wäre.» Also ist er interessiert.

ht»-Kandidat

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Wer wird neuer Bundesrat?

Oder? Eine persönliche Anfrage bringt kein Licht ins Dunkel: «Es ist mir nicht möglich, mich als Bundesratskandidat interviewen zu lassen, bis eine Kandidatur feststeht. Und das ist nicht sicher.» Er hat die ganze Prozedur schon mal über sich ergehen lassen. Vor sechs Jahren kandidierte Pelli als Nachfolger von Kaspar Villiger – auf das Zweierticket schafften es jedoch Christine Beerli und Hans-Rudolf Merz. Damals sagte Pelli, die Abstinenz des Tessins im Bundesrat sei nur erträglich, «wenn sie nicht zu lange dauert». Jetzt ist es genau zehn Jahre her. Fulvio Pelli gilt als zäher Chrampfer und guter Taktiker. «Ich bin kein Polit-Star», sagt er über sich – doch die Tessiner sehen ihn als genau das. Der Jurist und Vater von drei Töchtern ist tief im Kanton verwurzelt, seine Familie hat das politische Leben hier mitgeprägt: So regierte sein Vater 16 Jahre als Bürgermeister von Lugano, seine Grossmutter schaffte mit 77 Jahren gar noch den Sprung ins Kantonsparlament. Und nun soll Fulvio Pelli in den Bundesrat. Für den Fall, dass die Wahl nicht klappt, hat er bereits ein Hintertürchen aufgestossen: «Es ist mein Wunsch, die Partei als Präsident durch die Wahlen 2011 zu führen.» Sein Signal ist deutlich: Er kann nur gewinnen. Entweder als Bundesrat oder als Parteipräsident. Pellis Hin und Her kommt nicht überall gut an. FDP-Nationalrat Rolf Büttiker hält das Gebahren für eine «unglückliche Geschichte». Noch schärfer ist der Ton bei SVP-Kollege Christoph Mörgeli: «Pelli will sich wie Napoleon die Krone selber aufsetzen.» Auch bei der SP hat der Tessiner kaum Chancen – «nicht wählbar», meint deren Vizefraktionschef Andy Tschümperlin. Pellis Stern scheint zu sinken, bevor er richtig aufgegangen ist. Andere Namen kommen ins Spiel – bei der FDP sind vier welsche Kandidaten im Rennen (siehe rechts). Die CVP weibelt derweil für ihren Ständerat Urs Schwaller, die SVP bringt Nationalrat Jean-François Rime ins Spiel, und die Grünen portieren Ständerat Robert Cramer. Noch drei Wochen bis zu den Wahlen. Noch viel Zeit, um zu kalkulieren, zu schwadronieren und zu taktieren.

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Hauterive NE Burkhalter liebt den See. Sein Opa war Berufsfischer, er selber Wettkampf-Schwimmer.

Didier Burkhalter

Der clevere Vermittler u Er mag keine Konflikte, sucht lieber Kompromisse. «Ich politisiere für etwas, nie gegen etwas», sagt Didier Burkhalter, 49. Der studierte Volkswirtschafter und Ständerat ist ein Vollblut-Politiker. Und das hat seinen Grund: Als 18-Jähriger fotografierte der Neuenburger auf einer Reise in Algerien ein Regierungs­ gebäude – das war verboten. «Die Polizei nahm mir Pass und Geld weg.» Da habe er sich geschworen, für die Freiheit zu kämpfen. Die Bundesratskandidatur löste bei seiner Familie anfangs kaum Begeisterung aus: «Wir stimmen zu Hause über wichtige Entscheide ab, und hier gabs mehr als eine Enthaltung», erzählt Burkhalter. Seine Frau Friedrun Sabine stammt aus dem Vorarlberg (Österreich), die beiden lernten sich vor 26 Jahren in England kennen. Gemeinsam

Genf In Lüschers Sitzungszimmer hängt das Bild «Kate Moss auf Elefant» von Arthur Elgort.

mit den drei Söhnen diskutierten sie daheim intensiv. «Sie stimmten schliesslich zu unter der Bedingung, dass das Familienleben weitergeht wie bisher», sagt Burkhalter. Der Mann der kleinen und grossen Erfolge triumphierte in jungen Jahren als Kantonalmeister im 100-Meter-Freistil-Schwimmen. Als Mitglied der Neuenburger Stadtregierung fädelte er für den Bau des Stadions La Maladière eine Partnerschaft mit privaten Investoren ein. Darüber schrieb er ein Buch – und kam auf den Geschmack: «Ich würde später gern mal einen Roman schreiben.» Wieso wären Sie ein guter Bundesrat? «Ich regiere und entscheide gern. Zudem würde ich dafür einstehen, dass der Bundesrat mit einer Stimme spricht – und nicht wie heute oft mit sieben.»


Pascal Broulis

Der König der Waadt

Genf Im Restaurant de l’Hôtel de Ville in der Altstadt trinkt Martine Brunschwig Graf gern einen Kaffee.

Martine Brunschwig Graf

Die erfahrene Spielerin u Erstmals könnte im Bundesrat eine Frauenmehrheit regieren – dank ihr. Martine Brunschwig Graf lacht und winkt ab: «Bei dieser Wahl gehts nicht um Frauen­fragen, sondern um Kompetenzfragen.» Die 59-Jährige könnte sich vorstellen, weiterhin Nationalrätin zu bleiben. «Aber ich möchte mich für eine starke Schweiz engagieren.» Deshalb stellt sie sich als Kandidatin zur Verfügung. Martine Brunschwig Graf ist seit zwei Jahren Witwe und hat keine eigenen Kinder, dafür eine grosse Familie. Sie wuchs mit sieben Geschwistern in Freiburg auf. «Wenn man mit so vielen Menschen unter einem Dach lebt, lernt man automatisch, zu debattieren – denn da gibts Ideen von links bis rechts.» Als sie später selber in die Politik

einstieg, machten sich ihre Eltern sorgen: «Sie bekamen in der Beiz oft mit, wie aggressiv das Klima beim Politisieren ist.» Als Genfer Regierungsrätin und Nationalrätin hat sich die Ökonomin einen Namen gemacht. Und wenn Martine Brunschwig Graf nach einem anstrengenden Tag nach Hause kommt, entspannt sie sich unter anderem mit Computerspielen. «Sim City» gehört zu ihren Favoriten – ein Strategiespiel, bei dem eine Stadt aufgebaut wird. «Ein super Training für das Gehirn!» Wieso wären Sie eine gute Bundesrätin? «Das müssen die Mitglieder meiner Fraktion entscheiden! Ich kann nur sagen, dass ich entscheidungsfreudig bin und mich nicht vor schwierigen Aufgaben scheue. Zudem weiss ich, wie man regiert.»

Christian Lüscher

Der talentierte Charmeur u Sein erster Besuch in Bern sei für ihn ein «coup de foudre» gewesen – Liebe auf den ersten Blick. Die gemütliche Stadt und das politische Treiben. «Ich fühlte mich sofort wie zu Hause», erzählt Christian Lüscher. Der jüngste politische Coup des 45-jährigen Nationalrats: Er interveniert gegen die juristische Möglichkeit, statt einer Gefängnisnur eine Geldstrafe auszusprechen. «Diese Massnahme schreckt kaum ab. Wer wenig verdient, muss auch nur wenig bezahlen.» Nun kandidiert der Jurist für den Bundesrat, um «meinem Land zu dienen». Klar würde er nach einer Wahl auch das Innendepartement übernehmen. Der Genfer findet aber, dass hier nach Dreifuss und Couchepin mal ein Nicht-Welscher wirken müsste: «Die Geschäfte sind blockiert. Es braucht eine

neue Vision – eine Deutschschweizer Vision. Ueli Maurer wäre dafür ideal.» Lüschers Leben ist klar strukturiert. «Ich wünschte mir früh eine Familie.» Seine Söhne sind heute 17 und 20 Jahre alt. Dann startete er im Beruf durch, ist nun Partner in einer Kanzlei. «Mittlerweile bin ich geschieden, deshalb habe ich Zeit für die Politik.» Und auf diesem Gebiet wandelt er in den Fussstapfen seiner Mutter: Sie war Gemeinde­ rätin, Grossrätin und gar Bürgermeisterin. Zum Ausgleich fährt Lüscher Wasserski und taucht. «Das ist für mich wie eine Psychotherapie!» Wieso wären Sie ein guter Bundesrat? «Als Jurist kann ich Ideen präsentieren und mit Partnern verhandeln. Ich habe Energie und bin in einem guten Alter.»

Lausanne VD Im Café Le Benjamin gab Broulis seine Bundesrats­kandidatur bekannt.

u Verben konjugieren, Wörter lernen, Grammatik büffeln – Pascal Broulis kniet sich rein. Mit einem Privatlehrer bügelt der Waadt­ länder sein einziges Handicap für die Bundes­ ratskandidatur aus: Er lernt intensiv Deutsch. «Schwer ist für mich, Nuancen und die kleinen sprachlichen Unterschiede zu erkennen», erzählt er. Sein Ziel: Bis März 2010 sprachlich in Top-Form zu sein. Politisch ist er bereits in Top-Form. Mit seinen 44 Jahren ist er zwar der Jüngste unter den Kandidaten – aber in seiner Heimat bereits ein mächtiger Mann: Nach der Banklehre arbeitete er sich bis zum Vizedirektor der Kantonalbank hoch, dann amtete er als Finanzdirektor, und seit zwei Jahren ist er Regierungspräsident. «Schon früh interessierte ich mich für Politik und managte mit Freunden unser Jugendhaus.» Broulis wuchs in Sainte-Croix VD auf – sein Vater war ein griechischer Gastarbeiter, seine Mutter eine Einheimische. Und in diesem Dorf hoch über Yverdon lebt er auch heute noch mit seiner Frau Brigitte und dem sechsjährigen Sohn Alexandre. «Toleranz und Offenheit haben mich meine Eltern gelehrt», erzählt Broulis. Genau diese Werte seien ihm heute auch in der Politik wichtig. Wieso wären Sie ein guter Bundesrat? «Ich bin es gewohnt, viel zu leisten. Als Finanzvorsteher und Regierungspräsident habe ich gelernt, zuzuhören, Lösungen zu finden und Entscheide zu treffen.»

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«Ich sehe Pascal hier überall» Muriel Galal hat sich in den Buchenwald getraut, in dem sich ihr Sohn oft versteckte. Am Todesort war sie noch nicht.

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Sein letzter schweizer illustrierte


Schicksal

Wieso erhängt sich ein 14-jähriger Junge? Schnell schien die Ursache gefunden: Mobbing unter Schülern. Dies ist die traurige Geschichte von Pascal Galal. Spurensuche in einer angekündigten Tragödie.

Wille

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Schicksal

«Ich habe dich ser gerne» Das rote Papierherz als zärtliche Erinnerung. Pascal war Legastheniker.

Glückliche Tage Erinnerungen an der Pinnwand. Seit ihr Sohn tot ist, blättert Muriel Galal oft in Fotoalben.

«Nächstes Jahr hätte er eine Lehre begonnen. Er hätte

in einer Baufirma arbeiten können» Muriel Galal

Text Stephanie Ringel Fotos Michael Sieber

S

eine letzte Botschaft ist ein Lied von Jon Bon Jovi. «It’s My Life», es ist mein Leben, hatte er in den Tagen vor seinem Verschwinden oft gehört, obwohl er sonst eher auf die Musik von Rapper 50 Cent stand. Die CD lag noch im Abspielgerät, als seine Mutter Muriel Galal, 43, das Zimmer ihres Sohnes Pascal durchsuchte. Es muss doch ein Zeichen geben, wo er ist! Mittwoch, 3. Juni 2009. Ein sonniger Tag, wolkenloser Himmel, 23 Grad. Morgens fällt der Unterricht wegen einer Lehrerkonferenz aus. Um 13.30 Uhr jedoch muss Pascal eine Strafarbeit in der Schule Untersiggenthal AG antreten. Seine Mutter weiss das, die Schule hat sie mit dem Formular «Meldung von Vorfällen» informiert. Der Vorfall: Verlassen des Schulareals. Die Mutter erzählt, in der Pause habe ihm ein Schüler die Baseball-Kappe runtergerissen, über die Hecke auf den Gehweg geworfen. Pascal sei gegangen, um sie sich wieder aufzusetzen. Der aufsichtführende Lehrer sieht das und bestraft – Pascal. «Pascal wurde von den Schülern gemobbt. Und dafür auch noch

von den Lehrern bestraft», sagt Muriel Galal. Pascal war Legastheniker und litt unter Dyskalkulie. Er hatte also Lernschwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen. Kinder mit solchen Problemen werden in Kleinklassen von sechs bis acht Schülern nach ihren individuellen Bedürfnissen unterrichtet. Von anderen Schülern soll es immer wieder zu Übergriffen auf Pascal gekommen sein: mehrfach zerstochene Veloreifen, geklauter Sattel, gestohlenes Schulmäppchen, Hänseleien wie «Hey, du Kleinklässler». Mobbing ist das neue Wort für ein altes Phänomen. Es bedeutet: Ein Opfer wird über einen längeren Zeitraum systematisch und wiederholt gequält. Das geht von Sachbeschädigung über körperliche Gewalt bis zu Mord. Meist wird der Begriff für die Arbeitswelt gebraucht. An Schulen ist Mobbing jedoch schon lange ein Problem und kommt meist in der Mittel- und Oberstufe vor (siehe Infobox Seite 45). Die Opfer suchen sich meist den letzten Ausweg aus ihrem Leid: Amoklauf, Selbsttötung. Gesicherte Zahlen für Mobbing unter Schülern gibt es nicht. Pascals Fall könnte einer von vielen in der Schweiz sein. Die Schule widerspricht. «Wir würden Gewalt nie ignorieren, sondern den be-

troffenen Schülern selbstverständlich helfen», sagt Schulleiterin Silvia Mallien. «Bei Pascal ging es nicht um Mobbing. Wir haben ihn seit der zweiten Klasse intensiv betreut. Er hat sich oft Geschichten ausgedacht, wie das Kinder halt so machen.» Auch am Tag des Verschwindens? «Die Geschichte mit der Mütze ist erfunden», sagt Mallien. «Pascal ist während der Pause mit Klassenkameraden zum Coop gegangen.» Laut Reglement sei das ver­ boten und führe zu Nachsitzen. Pascals innere Zerrissenheit, seine Einsamkeit packte er trotzdem immer öfter in einen Hilferuf, so die Mutter: «Lieber bringe ich mich um, als noch länger in diese Schule zu gehen.» Wie jeden Tag essen auch an diesem 3. Juni Mutter und Sohn zusammen zu Mittag. Es gibt Lasagne und Salat, «wir hatten es lustig mitein­ ander». Dann geht Muriel Galal zurück zur Arbeit. Die 43-Jährige ist Verkäuferin bei Coop und arbeitet ganztags im Laden von Untersiggenthal. Als sie die Familiensiedlung verlässt, ist Pascal noch zu Hause. Der Achtklässler müsste sich jetzt eigentlich zur Schule aufmachen, um eben jene Strafstunde abzusitzen. 100 Minuten aufräumen, den Lehrern helfen, aus dem Telefonbuch abschreiben. schweizer illustrierte

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Schicksal

Teenie-Träume In der kleinen Zweizimmer­ wohnung hatte Pascal sein eigenes Zimmer.

Er konnte so schön lächeln Als Kind war Pascal unbeschwert. Zuletzt wollte er sich nicht mal mehr foto­ grafieren lassen.

«Lieber bringe ich mich um, als noch länger

in diese Schule zu gehen» Pascal Galal Pascal ist schmächtig, hat Schuh­ grösse 43 und das Gesicht eines Zehn­ jährigen. Das letzte Foto ist ein Jahr alt. Es zeigt einen Jungen mit weichen Zügen, braunen Knopfaugen, schmalem Mund. Wenn er lacht, sieht er melan­ cholisch aus. Irgendwann am Nachmittag packt er sein Kletterseil in den Rucksack und steigt auf sein blaues Strassenvelo. Er hat den Gepäckträger abmontiert, damit es wie ein Mountainbike aussieht. In die Strafstunde geht er nicht. Als Muriel Galal gegen Viertel vor sieben nach Hause kommt, steht auf dem Couchtisch noch eine Schale mit Chipsresten und ein Glas Eistee. «Nie räumt er seine Sachen weg!», denkt sie und bereitet langsam das Abendessen vor. Pascal soll um sieben zu Hause sein. Um Viertel nach sieben wird sie ungeduldig und ruft auf sein Handy an. Es klingelt im Nachbarzimmer. Seltsam. Und warum hat er seine neue, silberne Swatch-Armbanduhr abgelegt? Gegen halb acht klingelt es. Loris Schmid, 14, will für den nächsten Tag abmachen. Als er hört, dass sein bester Freund nicht nach Hause gekommen ist, denkt er: «Scheisse, haben sie ihn doch erwischt?» Schüler hätten Pascal mehr­

fach angedroht, ihn nach der Schule «zu verprügeln». Loris ist ein kräftiger Junge, trägt Hip-Hop-Klamotten und knackst, wenn er nervös ist, mit allen Finger­ gelenken. «Ich habe Pascal auf dem Pausen­hof gefragt, ob er mein Kollege sein will. Er hat Ja gesagt. Seitdem gehen wir durch dick und dünn.» Die beiden machen Velotouren nach Sprei­ tenbach, rauchen heimlich Wasser­pfeife, helfen auf dem Bauernhof. «Päsgi war ganz verrückt darauf, den Kälbchen den Milchschoppen zu geben!» Ab 23 Uhr sucht die Mutter mit zwei Beamten der Kantonspolizei Aargau bis morgens um drei. Freitagmittag um 14.28 Uhr gibt die Polizei die Suchanzeige heraus: «Der Vermisste ist 176 cm gross, schlank, hat dunkelbraune, kurze Haare, trug zuletzt eine khaki­farbene Hose der Marke Reebok und ein schwarzes T-Shirt, weisse Turnschuhe, Marke Reebok, führt eventuell einen Rucksack mit.» Muriel Galal, klein, blondes, kurzes Haar, alleinerziehend, will nicht glauben, «dass was Schlimmes passiert ist». Fakt ist: Pascals Probleme begannen vor zwei Jahren. Sein Grossvater stirbt und damit seine einzige Vaterfigur. So­

wieso in sich gekehrt, verschliesst er sich jetzt. Muriel Galal sitzt in ihrer Zwei­ zimmerwohnung und stiert auf die Tisch­ decke. Hinter sich eine Küchenzeile, vor sich Esstisch, Couch. Wenn sie schla­ fen geht, klappt sich die Mutter ein Schrankbett herunter. Überall Fotos von Pascal – als Baby, als Kindergärtner. Auf einem roten Herz steht: «Liebe Mama, ich wünsche, dier das du ni kranch bist.» Das Kind Pascal ist überall zu spüren. Der Jugendliche vor allem in seinem Zimmer: Manches­ ter-United-Poster, Spielzeugauto-Samm­ lung, Kalenderblatt mit einer leicht be­ kleideten Frau, die neue Lederjacke. Sein Laptop mit Kriegsspielen wie «Call of Duty» ist noch bei der Polizei. «Ich habe ihm morgens immer zwei Wecker gestellt: Der eine hat ihn geweckt. Der andere klingelte, wenn er aus dem Haus gehen sollte. Ich musste doch früh zur Arbeit.» Im Frühjahr 2008 beginnt er trotzdem den Unterricht zu schwänzen. Es ist die Zeit, in der die «Schikanen beginnen», wie die Mutter sagt. Tagelang versteckt sich der Schü­ ler zu Hause. Freund Loris: «Er hat selbst mir nicht mehr die Tür auf­gemacht, weil er Angst hatte.» Ein Zu­ fluchtsort wird der Buchenwald ober­ schweizer illustrierte

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Schicksal Schulalltag In der Schule in Untersiggenthal besuchte Pascal die 8. Klasse K. K steht für Kleinklasse, für Schüler mit Lernschwierigkeiten. Alle Schüler haben persönliche Gedanken zur Erinnerung an Pascal in ein Buch geschrieben und es Muriel Galal geschenkt.

«Früher sah er wie ein Bünzli aus. Seit er sich umgestylt hat, wurde er weniger gehänselt» Ein Freund halb des Dorfes. In einem verfallenen Baumhaus, fünf Meter über der Erde, bringt er die Stunden bis zum Mittagessen rum, dann bis zum Abendessen. «Die Lehrer haben mich erst nach zehn Tagen informiert», so Galal. «Ich habe nichts gemerkt, denn die Hausaufgaben hat er gemacht und mir abends gezeigt. Irgendjemand muss ihm geholfen haben.» Es kommt zu einem Gespräch über «die häufigen Absenzen» zwischen dem Klassenlehrer, dem Stufenleiter. Die Mutter thematisiert Pascals Sorgen, die Lehrer sagen: «Na, dann muss er sich halt wehren», so Galal. Fortan begleitet sie den Sohn sporadisch in die Schule. Pascals Leistungen sinken, er schwänzt weiter. «Am liebsten hätte ich ihn in eine andere Schule gegeben. Die Lehrer haben mir das ausgeredet. Es hiess: ‹Wir sorgen dafür, dass er sich wohlfühlt.› Heute sehe ich: Sie haben sich nie gekümmert.» «Stimmt nicht», entgegnet die Schulleiterin. «In verschiedenen Gesprächen haben wir mit allen Beteiligten Vereinbarungen getroffen, die einen regelmässigen Schulbesuch zum Ziel hatten. Pascal hatte in seinem Leben eine Vielzahl von lebenserschwerenden Umständen. Die Mutter hatte grosse Sorge um ihn. Auch die Lehrpersonen

sahen seine Schwierigkeiten und versuchten, das Beste zu machen.» Im Herbst 2008 bekommt Pascal einen neuen Klassenlehrer. Er verändert sich jetzt äusserlich. «Früher sah er wie ein Bünzli aus! Er hatte die Hosen bis über den Bauchnabel hochgezogen», sagt Loris, «wer läuft denn so rum? Ich habe ihm ein paar Läden gezeigt, wo es coole Hip-Hop-Marken gibt. Sein Haifisch-Gebiss hat er mit der Zahnspange korrigiert. Mir war egal, wie mein bester Kollege aussieht. Aber: Seit er sich umgestylt hat, wurde er nicht mehr so viel gehänselt.» «Manchmal ist er jetzt frech. Dann hat er zu mir gesagt: Du arbeitest ja eh nur bei Coop, und wir haben nie Geld», sagt die Mutter. Mit glasigen Augen schaut sie auf einen kleinen Hausaltar. Darauf ein Lebenslicht, eine Blume, der silberne Ring, den ihm der Gerichtsmediziner vom Finger gezogen hat. Pascals goldenen Ohrstecker trägt die Mutter selbst. «Er hat erzählt, den Ring habe ihm eine Vanessa geschenkt. Er hatte keine Freundin, meinte aber patzig: Man darf doch wohl noch Träume haben!» Pascal war ein Wunschkind. Trotz aller Schwierigkeiten. Der ägyptische Vater hat die Schwangere nach der Hochzeit verlassen, Muriel zieht zurück zu ih-

ren Eltern. Am 29. August 1994 wird Pascal Galal mit der Zange auf die Welt gezerrt. Die Mutter holt Foto­alben aus dem Regal und blättert: positiver Schwangerschaftstest, erste Ultraschallbilder, Fotos mit einem unbeschwerten Kind trotz Sorgerechtsstreit und Scheidungsverfahren. 2001 zieht sie nach Untersiggenthal. Pascal kommt in eine Einführungsklasse. Hier lernen Schüler Lesen und Schreiben – in zwei Jahren. Die Lehrer erkennen seine Schwäche früh. Eine LegasthenieLehrerin räumt heute ein: «Wir hatten grosse Sorge um ihn … Unsere Bemühungen waren nicht die richtigen, Mut zum Leben zu machen.» Nach den Sportferien im Februar 2009 hört Pascal auf, Hausaufgaben zu machen. Inhaltlich ist der 14-Jährige auf dem Schulniveau eines Zehnjährigen. Ein Jahr noch – dann würde er eine Lehre anfangen. An den Tagen vor seinem Verschwinden kriecht Pascal nachts auf die Couch im Wohnzimmer, neben die Mutter, «er wollte nicht allein sein». Tagsüber schien er glücklich: in der Badi, beim Federball. Vier Tage nach seinem Verschwinden, am Sonntag, 7. Juni, findet die Polizei Pascal. Unweit seines Verstecks, des Baumhauses. Er hat sich mit schweizer illustrierte

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Schicksal seinem Kletterseil erhängt. Mord oder Beihilfe zur Selbsttötung schliesst der Untersuchungsrichter aus. Zwölf Wochen später: Noch wohnt Muriel Galal in Untersiggenthal. Ins Dorf geht sie nur mit Sonnenbrille, so werde sie weniger erkannt. Neulich sei in der Post eine Frau zu ihr gekommen und wegen «dem Jungen» in Tränen ausgebrochen. Sie ertrage das nicht, will daher wegziehen. In Wilderswil BE wurde Pascal am 18. Juni von dem Pfarrer beerdigt, der ihn getauft hatte. Seine Urne ruht im gleichen Grab wie die seines Grossvaters. Muriel Galal hockt im Schatten des Kirchturms vor dem kleinen Grabstein, der die Form eines Berges hat. Daneben ein Windlicht, ein weisses Engelchen. Wenn die Mutter ihrem einzigen Kind nah sein will, beugt sie sich tief zum Grab und erzählt ihm ihren Tag. In ihr drin klingt dann oft die Melodie von «It’s My Life». 

Mobbing unter Kindern: Was ist das? u «Mobbing ist eine Form von Gewalt. Dabei wird eine Person über längere Zeit systematisch belästigt, schikaniert, gede­mütigt, beleidigt oder ausgegrenzt», sagt Klaus SchillerStutz, Fachpsychologe FSP und Spezialist für Mobbing. Die Schule ist der Arbeitsplatz der Kinder, daher würde Mobbing hier genauso vorkommen wie unter Erwachsenen. u Nicht jedes versteckte Etui ist böse gemeint. Doch der Übergang zu Bösartigkeiten unter Schülern kann fliessend sein. Esther Lauper von www.mobbing-info.ch sagt: «Wiederholt Hefte verschwinden lassen, Velo auseinandernehmen, stossen, schlagen, Gewalt­an­dro­hung sind typische Mobbinghandlungen. Sie treten im Alter ­zwischen 11 und 15 Jahren noch gehäufter auf als sonst. Also in Mittel- und Oberstufe, wenn Kinder sich zu Gruppen zusammenschliessen», so Lauper. Wer sich keine Markenkleidung leisten kann, sportlich

ungeschickt ist oder Lernschwächen hat, wird schneller zum Opfer. u Anzeichen für Mobbing können sein: «Schulleistungen lassen nach, Schulverweigerung, Albträume, Rückzug, Stottern, aggressive Verhaltensweisen gegen sich (Suizidversuch oder Suizid), schlimmstenfalls Amoklauf. Eltern sollten mit ihren Kindern offen über solche Phänomene reden. Sorgen ernst nehmen. Bei Lehrern nicht nur die Noten der Kinder erfragen, sondern auch, wie gut das Kind in die Klasse integriert ist», sagt Schiller-Stutz. u «Lehrer und Eltern müssen Mobbing mit wirksamen Massnahmen stoppen. Dazu gehören auch Kontrollen. Nur mit den Tätern reden genügt nicht!», so Lauper. u Hilfe für Kinder: www.schiller-stutz.ch, Tel. 044 - 760 00 69 u Unterstützung für Lehrer: Institut für neues Lernen, Tel. 044 - 883 75 70

«Albträume, Stottern, Aggression. Eltern sollen wissen,

wie gut es dem Kind in der Klasse geht» Klaus Schiller


Portr채t


Grenzgänger Freddy Nock liebt den Seiltanz zwischen Leben und Tod. Für Fotografen posiert er, wie hier auf dem Säntis, auch mal ohne Balancierstange.

Liebling der Schutzengel

Er gilt als König der Hochseilläufer: Jetzt ziehts Freddy NocK auf 2962 Meter – ungesichert auf die Zugspitze! Den Balanceakt zwischen Berufsrisiko und Familienidylle meistert der Schweizer Zirkusspross rekordverdächtig. schweizer illustrierte

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Porträt Text sylvie kempa Fotos fabienne bühler

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eradeaus. Geradeaus. Ein ein­ ziges Wort beherrscht seine Gedanken – wie ein Mantra. Sogar für Freddy Nock, 44, den besten Hochseilläufer der Welt, ist der Balance­ akt in schwindelerregender Höhe kein Kinderspiel. «Dort oben gibt es nur mich und meinen schnurgeraden Weg. Würde ich den Fokus verlieren, wäre es mein siche­rer Tod.» Dabei sieht alles so einfach aus: Der Schweizer Artist spaziert über einen 14 Millimeter dicken Drahtstrang, als gin­ ge er auf federndem Waldboden. Ohne zu wanken, ohne zu zögern. Ungesichert. Nur die Furche, die sich tief zwischen seine Augen gräbt, lässt erahnen, welche Höchstleistung an Kraft und Konzen­ tration das Kunststück erfordert. «Auf dem Seil hängt mein Leben buchstäblich an einem Faden – einem Draht.» Freddy Nock scherzt nicht. Er weiss genau, dass jeder Schritt ein Risiko bedeutet. «Als meine Kinder klein waren, redete mir mein Vater immer wieder ins Gewissen.» Also begann Freddy neben­ bei im Familienbetrieb, der grössten Zelt-Vermietung der Schweiz, zu arbei­ ten. Zwei Jahre hält er durch, dann ziehts den Vollblut-Artisten wieder ganz aufs Seil. Denn der Mann, der, ohne mit der Wimper zu zucken, über die Drahtkabel der Säntis-Schwebebahn schreitet, fürch­tet sich vor ganz anderen Dingen: vor Lesen und Schreiben. «Als Kind be­ suchte ich die Zirkus-Schule. Dort stand die Artistik im Vordergrund. Ich kriege heute noch Panik, wenn ich vorlesen soll.» Dafür lernte Freddy Hochseillaufen. Dort macht ihm keiner was vor. Das beweist er einmal mehr am 5. Mai 2009 an der Hochseil-Weltmeis­ terschaft in Seoul, Südkorea: Der Draht ist quer über den Fluss Han gespannt. Ein Teilnehmer nach dem anderen wagt sich auf die kilometerlange Gerade, die übers tosende Wasser führt. 25-jährige Russen, 19-jährige Mongolen – und mit­ tendrin ein 44-jähriger Schweizer mit rot-weissem T-Shirt: Freddy Nock. Er erreicht das gegenüberliegende Ufer in 10 Minuten 18 Sekunden. Gold! «Es geht eben nicht nur um Kraft und Balance, sondern um Nerven und Erfahrung.» Davon hat Freddy genug. Im Circus Nock, dem Zirkus seines Grossvaters, steht er bereits als Knirps in der Manege. «Wer mit fünf Jahren übers Seil lief, fühlt sich dort oben wohler als auf dem Bo­ den.» Abgestürzt ist er nie. «Vor jedem

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«Mein Freddy ist selbst ein Schutzengel. Er hat zwei Artisten das Leben gerettet» Ximena Soltermann

Mystisch «Ich spüre die Schutzengel, die mich begleiten», sagt Freddy Nock. Vor jedem Hochseillauf bekreuzigt sich der gläubige Katholik.

Lauf bekreuzige ich mich. Dann spüre ich, wie die Schutzengel mich begleiten.» Es muss eine ganze Horde sein. «Mein Schatz ist selbst ein Schutz­ engel», sagt Freddys Partnerin Ximena Soltermann, 34, mit einem liebevollen Seitenblick im Wohnzimmer ihres Einfamilienhauses in Uerkheim AG. «In Seoul rettete er zwei Artisten auf dem Seil das Leben.» Tägliches Training gehört zu Freddys Alltag. Zehn Minuten Beugen, Strecken, und Dehnen auf der Vibrationsplatte neben dem Sofa – auch am Sonntagnach­ mittag. Kinderstimmen begleiten das leise Brummen des Fitnessgeräts: Im Wohnzimmer spielt Ximena mit den vier Kindern «Eile mit Weile». Wenn sich

Freddy anschliessend zu seiner Patch­ work-Familie gesellt, erzählt er zum x-ten Mal seine Heldengeschichte von Seoul: «Ich beobachtete, wie einer meiner Konkurrenten über den Fluss lief. Nach etwa 300 Metern hielt er plötzlich inne, begann vor Angst zu zittern. Ich kenne dieses Gefühl. Man kann weder vor noch zurück. Also lief ich aufs Seil, um den jungen Mann ans Ufer zu holen.» In Polonaise-Manier, an den Schultern, führt Nock den Gescheiterten zurück auf festen Grund. Spricht dabei leise auf ihn ein: «Halt dich einfach an mir fest, dir kann nichts passieren.» Minuten später rückt er ein zweites Mal aus, um einen anderen Artisten zu retten – während


Patchwork-Familie auf dem Trainingsseil Zwei Meter über Boden darf die ganze Familie «Höhenluft» schnuppern: Freddy (Mitte), Stephanie (v. l.), André, Partnerin Ximena, Antonia, Alessia und Kimberly.

Persönlich Alfredo Nock junior

seine Konkurrenten sich bei kühlen Getränken und Kraftriegel noch immer von ihren Läufen erholen. «Gewonnen!» Die kleine Antonia, 5, hat ihre Spielfiguren als Erste ins Ziel gebracht. Die Kinderschar rennt durch die Terrassentür vors Haus und spielt «Fangis» zwischen riesigen Ungetümen aus Eisen und Stahl. Ein Todesrad steht da, ein Riesentrampolin und zwei Meter über dem Boden ein Übungsseil. Freddy hat sich im Garten eine Artistenschule eingerichtet. Seine Kinder üben hier aber nur in der Freizeit: «Erst sollen sie mal eine solide Schulbildung erhalten. Danach können sie immer noch Zirkus machen.» Die zwei Ältesten haben sich schon

entschie­den. Stephanie, 20, ist preisgekrönte Motorrad-Artistin geworden, ihre Zwillingsschwester Melanie lernt Coiffeuse. «Perfekt! Sie kann mich beraten, welche Frisur die Narbe an meinem Hinterkopf am besten verdeckt», scherzt Freddy und fährt mit der Hand durch das lange Haar. Das Wundmal zeugt von seiner ersten Begegnung mit der Endlichkeit des Lebens. Als der Zirkus-Spross vier Jahre alt war, entwischte ein Braunbär aus seinem Käfig und griff den spielenden Buben an. «Er biss mich in den Hinterkopf. Ein Wunder, dass ich überlebte!» Damals standen seine Schutzengel zum ersten Mal im Einsatz. Seither zählt er auf sie.

Geboren in Gränichen AG am 10. 12. 1964 (Schütze) u familie Geschieden, Vater von Stephanie und Melanie, 20, Kimberly, 12, Antonia, 5, Stieftochter Alessia, 6, und Stiefsohn André, 9, seit drei Jahren liiert mit Ximena Soltermann, 34 u karriere HochseilWeltmeister über 1000 Meter (2009) u Artistik Beherrscht auch den Schwankenden Masten, die MotorradKugel und das Todesrad www.freddynock.ch Denn der König der Hochseilläufer plant einen weiteren Weltrekord-Versuch: Auf den Tragkabeln der Gletscherseilbahn will er am 29. August die Zugspitze erklimmen. Der Ehrgeiz treibt ihn auf den höchsten Gipfel Deutschlands, bei sauerstoffarmer Luft und 60 Grad Steigung. Ungesichert. Immer geradeaus. Dicht gefolgt von einer Schar unsichtbarer Wächter.   schweizer illustrierte

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Das Magazin für lustvolles Einkaufen

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© Fotostudio Schweizer Illustrierte Geri Born, Styling Beatrice Schönhaus

ZahnGlamour

u Sie stehen für strahlendes Lächeln, weisse, gesunde Zähne und Frauen-Power pur: die beiden erfolgreichen Schwestern Abivardi. Mit ihrer Firma Swiss Smile haben sie die Zahnarzt-Szene neu belebt und der Branche den Glamour zurück­ gegeben. Swissness ist sexy, und die ihre verkauft sich sogar in London. Dort wurden auch die Zahnpflegeprodukte ausgezeichnet. Die zwei Linien – auf Kräuterbasis mit Edelweiss und Teebaumöl oder Whitening ohne Abrasionsgefahr – kann man für Tag und Nacht oder abwechselnd anwenden. Strahlendes Lächeln nach zwei Wochen garantiert! beatrice schönhaus

Magie des Lächelns Die Zahnpflegeprodukte von Swiss Smile kann man online oder bei Marionnaud kaufen. www.swiss-smile.com u ab CHF 12.90

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Look

shopping

must-haves für den herbst

Meine neue Garderobe u Kaum sind die letzten Teile des Ausverkaufs ausgeräumt, stehen Fashionistas schon in den Startlöchern für die neuen Must-haves im Herbst. Schön für uns, dass die nächste Saison neben coolen Klassikern wie der Caban-Jacke (die bestimmt noch bei einigen auf dem Estrich hängt) mit heissen News wie geschnürten Stiefeletten aufwartet. Auch die Leggings dürfen noch im Schrank bleiben: ob mit Pailletten, Animal-Prints oder witzigen Comic-Drucken – «Je schriller, desto besser» lautet das Motto. Bei Modemutigen dürfen vor allem Overknee-Boots (Stiefel, die weit übers Knie reichen) nicht fehlen. Für die nötigen Farbtupfer sorgen sexy Minikleider und XL-Shirts im DiscoLook in Neon- und Knallfarben. Und: Jetzt ist auch die perfekte Gelegenheit, den Schrank auszumisten und mit praktischen Stausystemen zum Beispiel von Ikea neu zu ordnen! ursula Borer

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1 Rockig Leder-Boots von Givenchy, Brunello, Zürich. u CHF 1498.– 2 Glam Pailletten-Leggings von H & M. u CHF 29.90 3 Räuberhaft Overknee-Boots aus Wildleder von Chloé, gefunden bei Grieder. u CHF 1350.– 4 Seemännisch Caban-Jacke, gesehen bei Mango. u CHF 179.90 5 Punkig Nietengürtel, entdeckt bei Mango. u CHF 39.90 6 Disco Das pinke T-Shirt mit Reissverschluss von Pepe Jeans gibts im Pepe-Jeans-Store, Zürich. u CHF 89.90 7 Country Karo-Bluse von Mango. u CHF 99.90 Metallkette von H & M. u CHF 12.90 8 Hippie Schlapphut von H & M. u CHF 59.90 9 Biker-Chic Lederhose gibts bei Mango. u CHF 269.– qP Nostalgisch Geschnürte Lederstiefeletten von Mao, entdeckt bei Monadico, Zürich. u CHF 529.– qQ Frivol Fransen-Ohrringe im Stil der 20er-Jahre, H & M. u CHF 14.90 qW Cool Sonnenbrille von Dior, erhältlich bei Burri Optik, Zürich. u CHF 410.– qE Glamour Armkette mit Amethysten, von Thomas Sabo. u CHF 1998.– qf Vintage Ledertasche Cosmos, gefunden bei Longchamp. u CHF 1410.– qg Comic Leggings mit Print im Stil von Keith Haring, H & M. u CHF 24.90 qh Sexy Mini-Dress in Electric-Blue von Pepe Jeans, Pepe-Jeans-Store, Zürich. u CHF 119.– qj Geometrisch Würfel-Kette gibts bei H & M. u CHF 14.90 qk Uniform Jeansjacke von H & M. u CHF 49.90 ql Boheme Fransentasche, gibts auch in Schwarz, H & M. u CHF 34.90 wP Futuristisch Silbrige Bangles von H & M. u je CHF 9.90 wQ Drama XL-Ring mit Amethyst, von Thomas Sabo. u CHF 289.– Staukisten Mälla u CHF 12.95/24.95, Hängesack Mälla u CHF 24.95, Schubladen Mälla u CHF 9.95, HolzKleiderbügel Bumerang (je 8 Stück) u CHF 5.95, Kleiderständer Martorp u CHF 19.95 und Stofftier Barnslig Park u CHF 19.95 gibts bei Ikea. www.ikea.ch

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Geri Born, Styling Melanie Albisser

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shopping

Mode

Für Puristinnen Schwarze Bleistifthose von Zero + Maria Cornejo. Bei Eclectic, Zürich. u CHF 620.–

Für Relaxte Graue, elastische Treggins von Clockhouse. u CHF 29.90

Für Fashionistas Shredded Jeans sind im Trend. Infos www.stylebop.com, Jeans-Doctor. Modell von H & M. u CHF 79.90 Für Mondäne Blaue Disco-Pants in Schimmeroptik von American Apparel. www.americanapparel.ch u CHF 155.–

NEUE hOSENFORMEN

Hip auf zwei Beinen u Jodhpurs, Chinos, Röhren, Shredded Jeans: alles Fremdwörter? Nein, das sind die Hosenformen für den Herbst. Die Beinkleider spielen nämlich eine modische Hauptrolle. Trendsetterinnen wie Sienna Miller zeigen, dass man zu den Jodhpur-Hosen (eine Art Reithose aus Indien) oder Harem-Hosen mit tiefem Schritt am besten High Heels trägt, damit die Beine länger erschei-

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nen. Chinos sind sommerliche, klassisch geschnittene Hosen, für die das Label Polo Ralph Lauren berühmt ist. Jeans kauft man am besten so, dass sie aussehen, als wären sie in der Mülldeponie zerstört worden. Und Röhrenhosen kombiniert man zum Tuxedo oder Boyfriend-Blazer. Aber keine Angst: Alle andern Hosenformen sind auch okay. Beatrice sCHÖNHAUS

Für Avant­ gardisten Erinnern an Sträflinge, sind aber hip. Streifen­hose von Levi’s Vintage. Fachhandel. u CHF 249.– © Fotostudio Schweizer Illustrierte Paul Seewer, Auswahl Marisa Pichler

Für Unbezähmbare Wild gemusterte HaremHose von Sandro, Zürich. u CHF 349.–


Hotspot

Wie früher Die kleine Boîte à surprise hat sich in einem ehemaligen Wäschehaus eingenistet. Hornbachstrasse 70, Zürich, Tel. 044 - 383 81 11. www.regulaveil.ch

La Boîte à Surprise, Zürich

Viele kleine Kunstwerke u Grosses beginnt im Kleinen. Nach diesem Motto lebt auch die Zürcher Kreativfrau Regula Veil, 58. In ihrem Mini-Shop La boîte à surprise ver­kauft sie ihre mit Liebe handgefertigten HomeAccessoires wie etwa Fotoalben, Schachteln in allen Variationen, Notizbücher aus Leder und Stoff, Schmuckbeutel aus Coutureseide, Karten und edles Schreibpapier. Unterstützt wird sie dabei von

den Profigeräten im hinteren Teil des Geschäfts. Hier befindet sich die Handbuchbinderei ihres Mannes Hans-Peter, die auch auf Einrahmungen spezialisiert ist. Zugleich dient der familiäre Shop als Galerie, in der ab 1. Oktober Lisa Enderli ausstellt. Kristina Köhler Öffnungszeiten Di–Fr 9–12/14–18, Sa 9–12 Uhr (ab September)

Schreibkunst 5er-Set Schreibpapier u CHF 17.50, kleiner Kugi, schwarz u CHF 29.–, versilberter Kugi u CHF 119.–

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Dick Vredenbregt, Stills Paul Seewer

Ein Lichtlein brennt Die Stehlampe gibts mit verschiede­nen Schirmen. Handgefertigter Schirm. u CHF 185.–

Tragbare Zierde Kleine StoffClutch Trocadero. In verschiedenen Stoffen erhältlich. u CHF 59.–

Schmucker Beutel Seidenbeutel Mimi No 20, für Schmuck oder als Abendtäschchen. u CHF 95.–

Erinnerungen Notizund Fotobuch aus Stoff, diverse Grössen und Farben. u CHF 49.–

Luxus-Box Grosse Schachtel Elisabetta mit Leder-Pompon. u CHF 130.–

Pompon Anhänger mit WildlederPompon. In verschiedenen Farben und Grössen. u CHF 55.–

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shopping

Beauty

Wangen wie in einem Roman von Tolstoi Pinkfarbenes Rouge aus der neuen Serie von Mac. Bei Jelmoli, Zürich. u CHF 32.–

Lippenfarbe wie die Ladys bei Dostojewski Lippenstift Rouge Volupé von Yves Saint Laurent. Fachhandel. u CHF 50.–

Lippen wie Lolita von Nabokow Lippen-Konturenstift Double Wear Stayin-Place von Estée Lauder. Fachhandel. u CHF 26.–

Rouge wie eine Figur von Pasternak Blush Russian Doll in Stiftform von Guerlain. Fachhandel, Jelmoli. u CHF 55.–

Lippen, so dramatisch wie russisches Roulette Lippenstift in der Farbe Fast Ride von Nars. Douglas, Basel. u CHF 45.–

mAKE-UP-TREND

Am Ufer der Wolga u Dunkle Rottöne, schimmernder Samt, Ornamente, Pailletten, ein Hauch Verruchtheit: Alles Elemente, die die Mode und die Make-up-Farben im Herbst prägen. Bilder mit russischen Fantasien werden heraufbeschworen. Guerlain zum Beispiel träumt von Empfängen in einem Garten am Ufer der Wolga, von Landpartien, schönen Roman-Heldinnen mit vom Wind

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geröteten Wangen. Bei den neuen Farben schwingt auf jeden Fall eine gehörige Portion Romantik mit, der Glanz der russischen Dichter und Komponisten, von Palästen in Sankt Petersburg und Minsk, dramatische Momente und Emotionen. Ein Look für festliche Abende, Dinners bei Kerzenschein und Champagner. beatrice schönhaus

Nägel wie für den Flirt mit einem russischen Dichter Nagellack Tokaido Express von Nars, Douglas, Basel. u CHF 32.–

Flirt mit dem Pianisten Nagellack Gondola von Chanel. Fachhandel. u CHF 34.–

Kussmund wie eine Melodie von Rachmaninow Lippenstift Sérum de Rouge von Dior. Fachhandel. u CHF 52.–

Wimpern, bei denen Nabokow schwach geworden wäre Mascara Hypnôse Drama von Lancôme. Fachhandel. u CHF 43.–

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Paul Seewer

Accessoire wie für eine WolgaPrinzessin Samtbeutel und Augen-/ Lippenpalette Volga Princess von Guerlain. Fachhandel. u CHF 103.–

Augen, die zu Klängen von Prokofjew passen Palette Signature Eyeshadow Quad von Estée Lauder. Fach­handel. u CHF 54.–


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melectronics bringts Und dies im wahrsten Sinn des Wortes, denn melectronics hat Dienstleistungen, wie sie andere nicht anbieten. Eine davon ist die gratis Heimlieferung.

NHL-Star Mark Streit «Beim Gamen steht der Spass mit meinen Freunden im Vordergrund. Trainieren tu ich auf dem Eisfeld.»

Eishockey-Star in Echtzeit u Mark Streit, Captain der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft, durfte im Januar als erster Schweizer im All-StarTeam der National Hockey League (NHL) mitspielen. Nun ziert der sympathische Berner auch noch das Cover der zehnten «NHL»-Gameversion von EA Sports. «Ich kannte das Spiel schon als Kind», so der heute 183 cm grosse Verteidiger, der schon immer davon träumte, in dieser Liga zu spielen. Mark Streit hat seine Hockey-Ziele erreicht: «Fünfzehn Jahre später bin ich nun selbst eine Spielfigur. Das macht mich schon ein bisschen stolz.» Trainieren für seinen Erfolg kann der NHL-Star aber nicht an der Spielkonsole.

Fürs virtuelle Eishockeyspiel bleibt ihm nur wenig Zeit: «Im Sommer habe ich etwas mehr Zeit, um zu spielen. Doch mehr als eine Stunde pro Woche liegt nicht drin.» Yvonne Helfenstein

«NHL 10» von EA SPORTS ist ab CHF 109.– erhältlich. www.easports.de

Sandra Hofer GameExpertin bei melectronics www.melectronics.ch

Für die Schweizer NHL-Fans ist die wichtigste Neuerung, dass sämtliche Spieler der Nationalliga A als Spielfiguren und Liga-Teams abrufbar sind. Zudem hat es 200 Gameplay-Optimierungen gegeben. Das Spiel ist dadurch noch realer und emotionaler geworden. u Auf welchen Konsolen kann gespielt werden?

«NHL 10» lässt sich auf der PS3 und der Xbox360 spielen. Keine Game-Umsetzung wird es für die Wii und den PC geben. u Wie viele Spieler können gegeneinander antreten? Auf einer Xbox360 können bis vier, auf der PS3 bis sieben Spieler gleichzeitig spielen. Übers Internet sind es bis zu zwölf Personen. Wer mit der Xbox360 im Netz spielen möchte, muss ein Zusatz-Live-Abo haben – drei Monate kosten CHF 29.90. u Wem empfehlen Sie das «NHL 10»? Allen Hockey-Fans ab 16 Jahren, die seit Jahren auf die Integration ihres Schweizer Lieblingsclubs warten.

Fotos Thomas Buchwalder, Spiele EA SPORTS

das experten-interview Was ist neu am «NHL 10» von EA SPORTS?

Haushalt-Grossgeräte (z. B. Kühlschränke, Waschmaschinen, Trockner) und Fernseher ab 32 Zoll (82 cm Bildschirmdiagonale) werden kostenlos nach Hause geliefert. Dies schweizweit, sofern natürlich eine öffentliche Zufahrtsmöglichkeit gewährleistet ist. Auf alle Geräte, die es im Fachhandel von melectronics zu kaufen gibt, profitieren Kunden zudem automatisch von der 2 Jahre M-Garantie und dem Tiefpreisschwur. melectronics, der Fachhandel, ders bringt. Lassen Sie sich in einer der melectronicsFilialen vom neuen Produktsortiment und den Serviceleistungen inspirieren. Sämtliche melectronics-Standorte finden Sie unter www.melectronics.ch.


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Adrienne Stehli, 55, Presseverantwortliche C & A, www.cunda.ch

Die neue Mode macht Lust auf Winter u Welche Trends halten uns diesen

Winter modisch warm? Der Reiz der Saison liegt vor allem in Styling-Details. Sicher ist die Achtzigerjahre-Silhouette mit breiteren Schultern, Tulpenjupes und Boyfriend-Jackets ein wichtiges Thema. u Was sind die Must-haves? Um leggingsartige Hosen und ein Töffjäckchen aus Leder kommt niemand herum. Diese

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schlanke Silhouette war auf den meisten Laufstegen zu sehen. Ausserdem Mäntel und Jacken im Military- und Unifom-Stil. Weiterhin aktuell sind auch fliessende Stoffe, etwa die Sarouelhose oder neue Versionen der Rüeblihose. u Was sind die Key-Accessoires? Overknee-Stiefel aus Leder oder Wildleder sind besonders schön mit schmalen Hosen und Minis.

Überlange Strickschals, elegante Clutchbags und ein Melonenhut anstelle des Trilbys. u Wie entwickelt sich die Bio-Cotton-Linie? Artikel aus Bio-Baumwolle sind in allen unseren Kollektionen ver­treten. Sie sind fast eine Selbstverständlichkeit, da der Preis bei C & A im Verhältnis zu herkömmlich produzierter Baumwolle nicht höher liegt. Ursula Borer


check-up t ff i r t beheuma se o R iagn D

ene leben in 70 000 Betroff eumatoider der Schweiz mit rhnnen die Arthritis. Oft begi gensteifigkeit Probleme mit Mor en Fingern. und schmerzend

l l a h c s a r t l U a m u e h R i e b z Samuel Stut Text Dr. med.

r Therapieüber­ er auch bei de Ab s m zu rd ät wi der Ultraschall da as Ultraschallger chung übertrifft r wa he ho en n og ei ol t at ig m ze eu e Auge. So ich hl sc Stethoskop des Rh en m a­ m ­ rheu Willen führen der Patienten mit und soll nach dem nft Prozentsatz rengen st ku ch Zu na in st n lb fte se ha e di ellsc er Arthritis, id to ­ der Fachärzteges i sind, ch fre ho ie om n sympt tzt werden. «D inischen Kriterie kl viel breiter eingese lenk­ ik Ge hn ec de llt en ha hm ne Ultrasc hall eine zune sc tra Ul im ­ auflösende moder ge ei ch sind un nü­ eine frühe Unters ng. Das heisst, sie ru tö rs ze , erlaubt nicht nur nk le en Fällen greift nem gesunden Ge therapiert. In solch nd ge nem r dung zwischen ei de oi at m ikamente mit ei rose und rheu man oft auf Med beginnender Arth ige ss rlä . ve ck zu rü e zip zu auch ein ­anderen Wirkprin en­ Arthritis, sondern erlaufs und da­ iev sind rund 70 000 M ap eiz er hw Th s Sc r de de ng In be­ . Beurteilu is of rit Pr th der Ar steuerung», sagt n von rheumatoi he sc mit mit der Therapie g ik ufi lin hä ak nt m eit begin ktor der Rheu troffen. Die Krankh Patienten können r Beat Michel, Dire de n «I h. ric . Die itals Zü Morgensteifigkeit cht des Universitätssp rsuchers ist der en die Finger ni te eh Un fst n Au te üb m ge de s ch s na Da Hand de rn. ve ge zu zlos bewe nur äusserst r frei und schmer eh , m es ­ Ultraschall nicht ng rm Ra ha en en st ptom er ch vollkomm ist ein Alarmsym lässig, sondern au m ll. de so Zu . zt tig Ar ns m zu kostengü it dem man rasch los und vor allem beliebig oft m nen zum Thema: ng io hu at uc rm rs fo te In r Un eh e M kann di .» eumaliga.ch wiederholt werden den Ar­ www.rh oi at m eu rh r de i Vor allem be ritis ronische Polyarth thritis – früher ch a­ Di he frü t hs lic mög genannt – ist eine h lic üg , damit unverz gnose zwingend ti­ nö Pr of. Be at Mi ch el d un t Methotrexa it m ie ap er Direktor der Th ne ei zneimitteln Ar n he isc og ol bi Rheumaklinik genfalls mit Nur so lassen sich . nn ka en rd Universitätss we t de t gestarte d damit Invaliditä un g pitals Zürich. un s ­ ör st er kz Gelen verhindern.

Foto Christian Lanz

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Abspecken mit Früchten u Potsdam Wer viel Obst und Gemüse isst, kann leichter ab­nehmen oder sein Gewicht halten. Das zeigt ein Vergleich von 90 000 Menschen aus Potsdam. Besonders gross sind die Gewichtsunterschiede bei Ex-Rauchern. www.kochmesser.de (> Archiv)

Vitamin-Mangel schmerzt Rochester Vitamin-D-Mangel u

fördert chronischen Schmerz. Diese Vermutung legen Studien der Mayo Clinic in Rochester nahe. Deshalb lohnt es sich, bei Schmerzpatienten den Vitamin-D-Spiegel zu bestimmen und zu korrigieren. www.special-akuter-schmerz.de

Wenig essen, länger leben u Michigan Wenig essen hilft,

das Leben zu verlängern sowie Diabetes und Krebs vorzubeugen. Grund: Bei sinkender Energiezufuhr werden Enzyme angeschaltet, die Entzündungen entgegenwirken und den Zelltod verzögern. www.berlinonline.de

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Gesunde Kost   Viel Fisch oder täglich Omega-3-Fettsäuren schützen das Herz. Das zeigen Daten von 40 000 schwedischen Männern.

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check-up Fehlende Bewegung Schüler, die nur zwei Stunden Sport pro Woche haben, rechnen schlechter als solche mit drei Turnstunden.

Normalerweise verteilt die Schule die Noten. Jetzt muss sie selber auf den Prüfstand. Das Urteil ist vernichtend: Wer nicht bewusst vorsorgt, wird in der Schule krank. Text Dr. med. Samuel stutz

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etzt beginnt sie wieder – die Schu­ le. Was ein Mensch in dieser Zeit lernt oder eben nicht lernt, ist eine Investition oder aber eine Hypothek fürs Leben. Deshalb muss die Frage erlaubt sein, ob die Ausbildung neben Französisch, Englisch, Deutsch, Ge­ schichte und Mathematik auch das ver­ mittelt, was im Leben am meisten zählt, Gesundheit. Die Antwort ist: nein. Viel schlimmer noch – unsere Bildungs­ stätten machen krank. Der Unterricht killt den Bewe­ gungstrieb: Bis zur Einschulung haben Kinder Spass an der Bewegung. Der abrupte Wechsel zum sitzenden Frontal­ unterricht und die Ghettoisierung der Bewegung in zwei bis maximal drei Stunden Sport pro Woche führen in kürzester Zeit zum Verlust aller wich­ tigen motorischen Fähigkeiten wie Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordi­ nation. Die Folgen sind zunehmende Haltungsschäden sowie exponentieller

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Anstieg des Übergewichts zum Zeit­ punkt der Einschulung. Kaum bekannt sind die Folgen der Bewegungsarmut auf intellektuelle Fä­ hig­keiten. Schüler, die nur zwei Stunden pro Woche Sport haben, rechnen schlechter als solche mit drei Turnstun­ den. Forscher haben auch immer mehr Anhaltspunkte dafür, dass zu wenig Be­ wegung im Kindesalter ein wesentlicher Grund für die zunehmenden Aufmerk­ samkeits- und Konzentrationsstörungen bis zum ADHS-Vollbild ist.

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Das Rauchen aufgeben sollten Frauen in den Wech­sel­ jahren, wenn sie Hormone nehmen. Ihr Lungen­krebs­risiko ist grösser.

In allen westlichen Ländern neh­ men Kinder vom Zeitpunkt der Einschu­ lung an im Schnitt massiv an Gewicht zu. Das hängt mit der sitzenden Tätigkeit zusammen, aber auch mit dem Wegfall gewohnter familiärer Essensstrukturen und dem überall verfügbaren Fast Food. Frühstück, wertvolles Eiweiss, Fisch mit seinen für die Gehirnentwicklung so wichtigen essenziellen Omega-3-Fett­ säuren, Gemüse und Obst kommen meist zu kurz. Kein Vitaminpräparat kann die­ se Ernährungsdefizite ausgleichen. Ein­ zig für Omega-3-Fettsäuren ist der Nach­ weis erbracht, dass sie Aufmerksamkeit und Konzentration verbessern. In einer schwierigen Lebensphase, in der die Identität erst noch entwickelt werden muss, wird von den Heranwachsenden erwartet, dass sie immer für Leistungskontrollen bereit sind. Das stresst ungemein. Stress macht nervös und aggressiv, raubt Schlaf und Appetit, verursacht Kopf­ schmerzen und Bauchweh. Tausende von Schülerinnen und Schülern nehmen regel­mässig Medikamente, dabei wären Bewegung und Sport das beste Aufputsch­ mittel, das wirksamste Beruhigungsund Schlafmittel und das sicherste Anti­ depressivum.

Fotos Mauritius / Baumann, Alby Lambrigger

Wenn Schule krank macht


schulStress Viel zu früh raubt die Schule den Kindern den Entdeckungstrieb. Viel zu früh beginnt das Wettrennen um einen guten Schulabschluss und eine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Selbst Kinder im Vorschulalter haben verinnerlicht, dass man sich im Leben nur mit Ellbogen und Topleistungen gegenüber den anderen behaupten kann. In der Schule wird nach wie vor viel zu viel gebüffelt. Und das im digitalen Zeitalter. Dabei sollte man sich in der Schule vorwiegend jene menschlichen und intellektuellen Fähigkeiten aneignen, die kein Computer je übernehmen kann. Und schliesslich ist die Schule mit

ihrem unnatürlichen 45-Minuten-Takt meistens einfach nur langweilig. Die Schule geht fahrlässig mit Individualität um. Sie ist darauf ausgerichtet, Menschen zu normieren, Leistungsdefizite aufzudecken, zu sanktionieren, statt Eigenheiten, verborgene Potenzia­ le und hilfreiches Verhalten zu fördern. Vom ersten Schuljahr an gleichen die Zeugnisse Anklageschriften. Die Schule produziert Karrieren vom Fliessband statt individuelle Lebensentwürfe. Was soll man tun? Druck weg­ nehmen! Die Schule ist nicht das Leben. Es gibt viele alternative Bildungswege. Eine Auszeit, ein Fremd- oder Schnup-

perjahr oder ein Sprachaufenthalt können helfen, eine schulische Krise zu über­ winden. Junge Menschen haben Zeit, sollen alles Mögliche ausprobieren und auch mal scheitern dürfen. Zweitens sollten die Schüler versuchen, sich in der Schule das zu «holen», worauf es wirklich ankommt: Fähigkeit zur Kommunikation, Synthese von Fakten, Kreativität, emotionale und soziale Fähigkeiten, verantwortlicher Umgang mit endlichen Ressourcen. Dazu gehört auch ein Gesund­heitsbewusstsein, das einen Ausgleich sucht zwischen schulischen Leistungen, Bewegung und ausgewoge­ ner Ernährung. 

der fall Bettnässen

k in chec ss StreSchule der Stinkts dir oft?

Wie breit bist du in der Schule aufgestellt? Setzt du alles auf eine Karte? Mach den Check und überlege, ob du was ändern willst. u 1. Hast du genügend Bewegung – im

Schulalltag und in der Freizeit? u 2. Ist deine Ernährung ausgewogen? u 3. Wie ist dein Umgang mit Alkohol, Zigaretten, Drogen und Medikamenten? u 4. Hast du genügend Rhythmuswechsel zwischen aktiven und passiven Tätigkeiten, zwischen Konzentrations- und Entspannungsphasen? u 5. Hast du genug Schlaf, oder leidet er unter deinen vielen Aktivitäten? u 6. Hast du Schutzbarrieren gegen die Bilder- und Infoflut, oder lässt du jeden elektronischen Müll auf dich einprasseln? u 7. Erkennst du bei dem, was du lernst, einen Sinn, oder hast du dich längst von einzelnen Fächern oder sogar von der Schule verabschiedet? u 8. Kannst du Unbewältigtes auch einmal aushalten, oder brauchst du für alles sofort eine Lösung? u 9. Kennst du deine Interessen und beruflichen Wünsche?

www.doktorstutz.ch (> Das Abc gegen Schulstress – für Schüler und Lehrer)

Eine Woche nach dem ersten Schultag beginnt Lena mit Bettnässen. Was können wir tun? Sie hat das noch nie gemacht.

«

Dr. Stephan König Spezialarzt für Kinder- und Jugendkrankheiten FMH aus Brig VS, Präsident der IG Bettnässen.

Beim Bettnässen unterscheiden wir zwischen der primären Enuresis nocturna, bei der die Patienten in der Nacht noch nie trocken waren, und der sekundä­ren Enuresis. Diese Betroffenen waren min­ destens sechs Monate trocken und haben dann wieder zu nässen begonnen. Die primäre Enuresis ist in der Regel ein vererbtes Problem. Nur selten spielt hier die Psyche eine Rolle. Ganz im Gegensatz zur sekundären Enuresis: Sie wird oft durch Ängste oder Sorgen ausgelöst. Das kann eine veränderte Familiensituation sein. Also die Trennung der Eltern, die Geburt eines Geschwisterchens oder eben der

Schulbeginn. Es gibt aber auch körperliche Ursachen, die zu nächtlichem Bett­ nässen führen: etwa eine Harnwegsent­ zündung. Darum ist es in solchen Fällen wichtig, den Urin beim Haus- oder Kinderarzt untersuchen zu lassen. Kommt eine psychische Belastung als Ursache infrage, müssen Eltern nicht sofort einen Psychologen beiziehen. Oft reicht es, wenn sie über das vermutete Problem mit dem Kind sprechen. In unserem Fall also nachfragen, ob es der neue Schulweg sein könnte oder die noch fremden Gschpänli, die unsere kleine Patientin bedrücken. So findet man in den meisten Fällen eine einfache Lösung. Wird der Fall hartnäckig, behandle ich Patienten mit dem Weckapparat. Er vibriert, sobald das Kind nachts beginnt, seine Blase zu entleeren. Meist ist das Problem dann rasch gelöst. Infos: www.einnaessen.ch

TV-Tipp

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Samstag, 29. August, 18.10 Uhr

Volksleiden Rheuma. Neue, gezielt eingesetzte Therapien heilen wie ein Wunder die schlimmsten Formen von Rheuma. TV-Ärztin Dr. Jeanne Fürst stellt den Fall eines betroffenen Kindes vor. Und unterhält sich im Studio mit einem Experten darüber, wie man auch die gewöhnlichen Rheumaschmerzen am besten bekämpft. www.gesundheitsprechstunde.ch schweizer illustrierte

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dr. stutz meint Schulstress Wenn Kinder mit der Belastung im Unterricht nicht umgehen können, leidet die Familie. Was tun? Nicht alles so ernst nehmen! Es ist Schulanfang. Es ist die Zeit der grossen Hoffnungen vieler Eltern und Schüler. Bald wird sie die Realität einholen. Schulstress, Prüfungsdruck, schlechte Noten. Mit meinen sechs Kindern habe ich alle Höhen und Tiefen miterlebt. Zwanzig Jahre lang. Von Bestnoten bei der Matur über Zeugnisse mit sieben Ungenügenden bis hin zum Schulabbruch – von engagierten Lehrern bis hin zu unfähigen, über­ forderten Rektoren. Wie habe ich mich geärgert, wenn die Schule kein Verständnis hatte für Kinder, die nicht ihren Vorstellungen entsprachen, weil sie mehr Zeit brauchten. Ich hätte die Wände hochgehen können, wenn die Lehrer wieder

mal ihre Macht missbrauchten und den schulpsychologischen Dienst als Druckmittel benutzten, anstatt sich endlich einmal selber zu hinterfragen. Nach all den Jahren bin ich gelassener geworden. Sich stressen wegen Schul­ stress? Nein, lohnt sich nicht. Die Schule ist nicht das Leben. Und schon gar nicht sind die Noten für die Ewigkeit. Mög­ lichst früh und möglichst angepasst am Hamsterrennen der Gesellschaft teilzu­ nehmen, ist kein erstrebenswertes Ziel, für das ich meine Kinder stresse. Hams­ terräder erzeugen gierige Hamster, aber keine Menschen. Meine Kinder sollen zuerst einfach ein­mal Kind sein. Mit vielen Freiräumen zum Ausprobieren. Einmal kommts

Karriere Trotz mieser Noten schaffte dieser Arzt das Staatsexamen. Schulnoten darf man also nicht überbewerten. gut, ein andermal weniger gut. Sie werden das Leben packen, ganz ohne Schulstress. Herzlich, Ihr

Illustration Joel Stutz

check-up

Kolumne


Das Schweizer Kulturmagazin

die besten Unheimlich faszinierend Das Strandbiest «Animaris Percipiere» am Strand von Den Haag in Holland.

digital brainstorming

Wenn Wissenschaft und Kunst verschmelzen Foto Loek van der Klis

schöpferisch Strandbiester

von Theo Jansen können sowohl als Urzeitviecher wie als Aliens aus einem Science-Fiction durchgehen. Für den Künstler sind sie jedoch eine neue Spezies.

u Unbemerkt vom Rest der Welt hat sich am Strand von Den Haag eine völlig neue Lebensform entwickelt: die «Strandbiester». Sie tragen klingende Namen wie «Animaris Ondula», «Currens Ventosa», «Rhinoceros» oder «Animaris Percipiere». Trotz

ihres fragilen Körperbaus schwingen sie ihre Beine in die Luft wie CancanTänzerinnen oder laufen seitwärts wie Krabben den Sandstrand entlang. Geschickt weichen sie dank Fühlern Hindernissen und der drohenden Gefahr von Flut und Ebbe aus. Aufkommenden Stürmen trotzen sie, schweizer illustrierte

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Kultur

die besten

indem sie sich selbstständig im Sand verankern. Leben tun diese Biester von Luft – und, wer weiss, vielleicht auch von der Liebe ihres Schöpfers Theo Jansen. Das erste Strandbiest baute der studierte Physiker aus dem holländischen Den Haag bereits 1990. Seither hat er seine insektenartigen Objekte ständig weiterentwickelt und perfektioniert. Die nur aus Kabelbindern, Nylonfäden, Klebeband und gelben Plastikrohren bestehenden Objekte sind bereits die siebte Generation. Der 61-jährige Jansen ist überzeugt: «Bald werden meine Tiere völlig selbstständig am Strand überleben können.» Seine Strandbiester sind kinetische Skulpturen, vielfüssige Maschinen, die die Energie des Windes nutzen, um sich fortzubewegen. Die wild schlagenden Flügel dieser seltsamen Röhrenwesen pumpen permanent Wind in Limonadeflaschen – den «Magen» der Wesen. Diese komprimierte Energie dient bei Windstille zum Antrieb der Läufer. So können die Strandbiester auch bei Flut noch rechtzeitig die schützenden Dünen erreichen. Im Rahmen der Reihe «digital brainstorming» des Migros-Kulturprozents ist das zwölf Meter grosse Strandbiest «Animaris Umerus» nun in Zürich zu sehen. Videos, Fotos und kleinere Kreaturen geben einen umfassenden Überblick. Es ist die erste Werkschau des Künstlers in Europa. Nicht ver­passen! anina rether Kunstraum walcheturm Zürich 27. 8. bis 6. 9. Täglich 11–20 Uhr, Tel. 043 322 08 13, Infos zu Workshops und Vortrag des Künstlers www.digitalbrainstorming.ch

Majestätisch «Stallbursche mit schwarzweissem Hengst in weiter Landschaft», von L. de Witte, erste Hälfte des 18. Jahrhunderts. «Das Glück dieser Erde …»

Eleganz auf vier Beinen

Eine Sonderschau aus den privaten Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein zeigt die grosse Liebe der Fürstenfamilie zu Pferden von edlem Geblüt.

Nie ohne meine Biester Theo Jansen in ­seinem Atelier in Den Haag.

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schweizer illustrierte

u Der Hengst gehört ihm nicht, obwohl Maler L. de Witte den jungen Mann in einem kostbaren Gewand abgebildet hat. Er trägt gar eine Kokarde auf seiner Kopfbedeckung, genau wie das Pferd am Zügel und in der geflochtenen Mähne. Trotzdem:

Der Junge ist nur ein Stallbursche. Die Ausstellung in Vaduz zeigt «Pferde als höfisches Motiv der Kunstgeschichte» und weist auf die lange Tradition der Pferdezucht im Fürstenhaus hin. Diese hatte vor allem ab dem 16. Jahrhundert eine grosse wirtschaftliche, gesellschaftspolitische und repräsentative Bedeutung. Gemälde, Skulpturen und Stiche zeugen von dieser Zeit und von der Leidenschaft der Fürsten für edle Rosse. kati moser kunstmuseum liechtenstein Vaduz (FL) Bis 18. 10. Di–So 10–17, Do bis 20 Uhr, Tel. +423 - 235 03 00, www.kunstmuseum.li


Schweizer Fotografie um 1930

Kontrastreich

Musik

u Seite an Seite werden 120 Arbeiten und Dokumente von Fotografen gezeigt, die zu Lebzeiten niemals zusammen ausgestellt hätten. Denn in den 1930erJahren erschütterte eine heftige Kontroverse die Fotografie. «Moderne» wie Binia Bill, Grete Hubacher oder Gotthard Schuh distanzierten sich mit experimentellen Werken von der traditionellen Fotografie eines Fred Boissonnas oder Albert Steiner. Ein Bilderstreit, der Ganz nah Experimentelle Fotografie schliesslich zum Durchbruch der Moderne führte. isw von Binia Bill, um 1932.

musée national suisse – château de Prangins VD Bis 25. 10. Di–So 10–17 Uhr, Tel. 022 - 994 88 90, www.chateaudeprangins.ch, Publikation CHF 32.– holbein bis tillmans

Fotos aus der Sammlung des Fürsten von und zu Liechtenstein, Vaduz – Wien, Pro Litteris, Loek van der Klis

Hochkarätig

u Normalerweise sind sie der Publikumsmagnet im Kunstmuseum Basel. Doch dann kam das Œuvre van Goghs, und 200 teils weltberühmte Meisterwerke suchten eine Bleibe auf Zeit. Das Schaulager lud die «Gäste» aus 500 Jahren Kunstgeschichte kurzerhand zu sich ein. Zu einem Generationenkonflikt ist es indes nicht gekommen. Im Gegenteil: Die alten Meister stehen im spannenden und bereichernden Dialog mit Volle Kraft voraus «Das mutige den Werken zeitgenössischer Künstler. isw Weib», 1886, von Ferdinand Hodler.

schaulager Basel Bis 4. 10. Di/Mi/Fr 12–18, Do bis 19 Uhr, Sa/So 10–17 Uhr, Tel. 061 - 335 32 32, www.schaulager.org, Publikation CHF 22.– kulturelles gipfeltreffen

Aussergewöhnlich

u Ein «Walk of Art» führt in St. Moritz durch Museen, Galerien und ausgefallene Ausstellungsorte. ­ Flanierend begegnet man Bildern, Skulpturen, Fotografien sowie Vi­deo- und Audio-Installationen. Geschaffen von inter­nationalen Künstlern wie Miriam Cahn, Sylvie Fleury (Kempinski Grand Hotel), Mike Kelley, Gerhard Richter, Julian Schnabel oder Arne Quinze. Und Lichtkünstler Gerry Hofstetter verwandelt renommierte Boxenstopp Video «Paris CommisFünfsternehotels in beleuchtete Skulpturen. isw sioned», 2005, von Sylvie Fleury.

St. Moritz Art Masters 21. bis 30. 8. Rahmenprogramm: Engadin Culture Tour, Führung durch Giovanni Segantinis Atelier, The Art of Music, www.stmoritzartmasters.com

Akkordeon Festival Zug

Quetschkommoden vom Feinsten u Sie werden gespielt von Clowns (Konzertina) oder Volksmusikanten (Schwyzerörgeli), geben den Ton an im Tango (Bandoneon) und auf der klassischen Konzertbühne (Akkordeon). Bei dieser Vielfalt ist es kein Wunder, gibt es ein Festival, das sich ganz diesen Instrumenten widmet. Zum dritten Mal präsentieren sich in Zug intern­ationale Grössen der Akkordeonszene. Lepistö & Lehti (Bild) ist ein herausragendes Duo finnischer Meistermusiker. Accass spielen virtuose Folksmusik, Jazz-Balladen oder argentinischen Tango. Quadro Nuevo bezaubern mit Valse Musette, Arabesken, Flamenco und lassen ein fast schon verklungenes Italien aufleben. Neu gibt es dieses Jahr eine Seebühne, wo zeitgenössische Schweizer Volksmusik zu hören ist. anina rether

Akkordeon Festival Zug 17. bis 26. 9. Verschiedene Lokalitäten, Tel. 041 - 612 05 85, Tickets: www.starticket, www.akkordeonfestival.ch

Musik aus dem hohen Norden Markku Lepistö am Akkordeon und Pekka Lehti am Kontrabass.

Vincent van Goghs Briefe

Gemalt mit Worten

u Er konnte nicht nur mit dem Pinsel virtuos umgehen. Auch die Korrespondenz von Vincent van Gogh (1853–1890) ist voller kleiner illustrierter Meisterwerke. Nach 15 Jahren Forschung präsentiert das Van Gogh Museum nun rund 600 holländische und 300 französische Briefe des Malers. Van Gogh wusste um die Wirkung der Worte. So schrieb er an Emile Bernard: «Etwas richtig zu sagen, ist ebenso interessant und schwierig, wie etwas zu malen.» rea

van gogh museum Amsterdam (NL) 9. 10. 2009 bis 3. 1. 2010 Täglich 10–18, Fr 10–22 Uhr, Tel. +31 (0)20 570 52 00, www.vangoghmuseum.com, Publikation 325 Euro schweizer illustrierte

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kino

die besten

Berührend Mutter Sara (Cameron Diaz) kümmert sich liebevoll um ihre kranke Tochter Kate (Sofia Vassilieva).

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drama MY SISTER’S KEEPER (USA) Cameron Diaz kämpft als Mutter um ihre leukämiekranke Tochter. Doch – will diese das überhaupt?

u Viele Menschen kennen die Situation aus ihrer eigenen Familie oder aus dem Freundeskreis: Die Diagnose Krebs stellt das ganze Leben auf den Kopf. Manche Angehörigen oder Freunde reagieren hilflos, andere mit Übereifer, der dann das ganze Familienleben strapaziert. Von einem brisanten Extrem­fall erzählt Regisseur Nick Cassavetes in «My Sister’s Keeper», der Verfilmung des gleich­ namigen Bestsellers von Jodi Picoult. Die elfjährige Anna (Abigail Breslin) fordert mithilfe eines Staranwalts vor Gericht das Recht auf ein eigenes Leben ein. Ihre Mutter Sara (Cameron Diaz) will sie nämlich zwingen, eine Niere für ihre ältere Schwester Kate (Sofia Vassilieva) zu spenden, die an einer seltenen Form von Leukämie leidet. Brisant: Anna wurde aus dem Reagenzglas als perfekte Organ­ spenderin für ihre Schwester gezeugt und hat schon viel von sich gegeben: Blut, Knochenmark und Stammzellen. Nun kommt es vor Gericht zum Show­ down zwischen Tochter und Mutter. Regisseur Cassavetes, dem bereits mit «The Notebook» ein rührseliges

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schweizer illustrierte

Alzheimer-Drama geglückt ist, wirft Fragen zu einem ernsthaften ethischen Dilemma auf: Wie weit dürfen wir gehen, um einem Liebsten das Leben zu ver­ längern? Handeln die Angehörigen überhaupt im Sinne der Kranken? Leider drückt Cassavetes gegen Schluss zu stark auf die Tränendrüse und lässt das Drama allzu versöhnlich enden. Einen Vorwurf kann man dem Regisseur aber nicht machen: Er beschönigt die Krankheit in keiner Weise und sorgt dafür, dass sich auch Nicht­betroffene ernsthaft mit den Folgen von Krebs beschäftigen. Getragen wird das Drama von einem erst­klassigen Schauspieler-Ensemble, aus dem Cameron Diaz hervorsticht. Die 36-Jährige wird allzu oft auf die Komödiennudel reduziert, zeigt hier aber, dass sie auch im dramatischen Fach bestehen kann. christian jungen Weshalb der Film unter die Haut geht u Ein Schicksalsdrama, in dem alle Betroffenen zu Wort kommen. u Es verdeutlicht, dass man den Tod als Teil des Lebens akzeptieren muss. u Alec Baldwin und Joan Cusack brillieren in Nebenrollen als Anwalt und Richterin.

88888 Länge: 109 Min. Regie: N. Cassavetes, Darsteller: C. Diaz, A. Breslin. Start: 27. 8.

mehr kino-tipps

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abenteuerfilm coraline (usa) Die elfjährige Coraline wird von den Eltern vernachlässigt. Bis sie eine Tür entdeckt, die den Weg in ein Wunderland öffnet.

Das macht den Film einzigartig u Extra für 3-D gemacht, bietet mehr Effekte als «Ice Age 3». u Die gotisch gezeichneten Figuren sind ziemlich gruselig. u Ein Hollywood-Film mit einem widerborstigen Mädchen als Heldin! 88888 Länge: 100 Min. Regie: H. Selick. Stimme von Coraline: Dakota Fanning. Start: 27. 8.

3

drama The country teacher (CZ/F/D) Der schwule Petr zieht von Prag aufs Land und schliesst Freundschaft mit Marie, die aber bald mehr will.

Warum der Film berührt u Er plädiert dafür, jeden in seiner Andersartigkeit zu akzeptieren. u Die Figuren sind präzise gezeichnet und gespielt. u Naturbilder von betörender Schönheit. 88888 Länge: 117 Min. Regie: Bohdan Sláma. Darsteller: Pavel Liska, Zuzana Bydzovská. Start: 27. 8.

Foto Warner Bros.

Ist ein Kind mehr als ein Ersatzteillager?


bücher & cds

War meine Welt meine Welt

Die Autobiografie von Hugo Loetscher erschien drei Tage nach seinem Tod – und ist bereits ausverkauft! Eine Reise ins Ich.

u Endlich kann sich jeder mit Hugo Loetscher an einen Tisch setzen und ihm zuhören, wenn er seiner Fabulierlust freien Lauf lässt. Man muss nur dieses Buch aufschlagen, und schon wird der Tisch zur Weltkarte. Ein Rotweinfleck zu einem fernen Kontinent. Und das darauf gestreute Salz zu den Alpen. Eine Autobiografie, prallvoll mit Anekdoten und philosophischen Fragen, die uns wie aus einer Wundertüte entgegenpurzeln: «Wie küsst man ein Lachen?» Carlo Collodi schnitzte aus einem Holzscheit den Pinocchio. Und Loetscher? Er schickt als Bub ein kleines Holzscheit flussabwärts, hinaus aus der schmutzigen Sihl seiner proletarischen Herkunft in die edle Limmat, und dann rheinaufwärts ins Uferlose des Meeres – ins Uferlose seiner Fantasie. Als alter Autor folgt er nun dem Fluss seines Lebens und lässt sich vom Gedankenfluss treiben: Was, wenn wir alle Asylanten ausweisen? Den Reis und den Zucker, die Kartoffel aus Südamerika? Was isst man dann im Ämmital anstelle von Rösti zum Zmorge? Dort lernte Loetscher, «katholisch zu turnen»: vertikal zu Gottes Ehre an der Teppichstange. Oder gleich fürs Vaterland, für das man sich opfern soll – aber hat es sich je für uns geopfert? Eine Zeitreise in ein Zürich, wo Italiener noch als «Maiser» verspottet wurden, weil sie Polenta assen, und ein «Neger» als

drei neue cds

Foto Arsène Saheurs

1

pop/rock arctic monkeys Humbug (Musikvertrieb)

Allein über Internet-Verkäufe hatte das britische Newcomer-Quartett aus Sheffield 2005 den ersten Platz der GB-Hitparade erreicht. Jetzt haben sie eine weitere Hürde mit Bravour genommen: Die zehn gitarrenlastigen Songs auf ihrer dritten CD sind etwas weniger rotzig, aber nicht minder energievoll. Elias Fröhlich

Opferstock bewies, dass auch Afrikaner zu bekehren und somit Menschen sind. Am Schluss rundet sich seine Weltsicht in Weitsicht: Jeder kann nur ein Mensch sein, nur eine Möglichkeit ausschöpfen. Loetscher will aber, dass alle Menschenmöglichkeiten aufblühen. Deshalb soll man andere anders leben lassen. So seine poetisch-politische Philosophie. Loetscher fragt: War meine Welt meine Welt? Ja, aber noch erstaunter stellt man fest: Seine Welt ist auch – unsere Welt. Das ist das Geheimnis von Loetschers Literatur. Stefan Zweifel Hugo Loetscher War meine Zeit meine Zeit (Diogenes Verlag)

Dialog mit Dürrenmatt LESEN STATT KLETTERN u Negativjodeln – mit diesem Wort umschrieb Loetscher die jüngste Folklore: auf die Schweiz schimpfen. Zu den Negativjodlern wollte er nicht gehören, aber auch nicht zu den Alphornbläsern. Zwischen den Extremen untersucht er in diesen Aufsätzen unser Land und unsere Literatur. Und verneigt sich vor seinem väterlichen Freund: Friedrich Dürrenmatt. Der Witz als Wunde DER IMMUNE u Dieser rasende Roman glänzt zwischen NiederdorfOper und Welttheater. Es ist bei allem Witz und Klatsch auch eine Autobiografie der Angst: Gern wäre Loetscher «immun» geworden gegen die Verletzungen, die er als Aussenseiter – sozial und sexuell – erleben musste. Doch zu unserem Glück blieb er verletzlich und machte aus seinen Wunden Weltliteratur.

Diogenes-Autor der ersten Stunde Hugo Loetscher in seiner Stadtwohnung in Zürich.

Schweiz im Schleudergang WASCHKUECHENSCHLÜSSEL u Dieses Buch sollte man all jenen schenken, die sich einbürgern lassen wollen. Und jenen, die wissen wollen, wie die Seele des Schweizers tickt. Man wird sein eigenes Land neu entdecken. Und zu seinem Schreck vielleicht auch sich selbst. Hier wird nichts weissgewaschen, sondern alles im Schleudergang von Loetschers Witz durcheinandergewirbelt.

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jazz james blood ulmer In and Out (In & Out)

Fasziniert nahm James Blood Ulmer in den Sieb­ zigern Unterricht beim Avantgarde-Saxofonisten Ornette Coleman. Danach übertrug der Gitarrist dessen Konzept   auf den Blues. Musik, die ergiegeladen und feinnervig zugleich ist. Besser als auf der neuen CD ist ihm dies noch selten gelungen. hanspeter vetsch

Klassik NILS MÖNKEMEYER Viola-Konzerte (Sony)

Meister-Bratschist Nils Mönkemeyer fehlte ein Viola-Repertoire von Bach. In sechs für sein Instrument bearbeiteten Kantaten bringt er jetzt den warmen Ton der Bratsche so schön, so atmend zum Klingen, als ob es eine menschliche Stimme wäre. Virtuos dazu die Konzerte von Hoffmeister und Rosetti. uli von erlach schweizer illustrierte

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hitparade Hochspannung

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Herzschmerz

 Für den Abend zu zweit

Lach-Garantie

Für Kinder

Starparade

DVD

Kino

CD Single

CD Album

Klingeltöne

Bella (K. Stewart) trifft in Washington auf Vampir Edward (R. Pattinson).

Scrat versucht auch in Teil 3 an die ewig unerreich­ bare Nuss zu kommen.

Der Track von DJ David Guetta und Kelly Rowland bringt Schwung und Laune.

Wer den Moonwalk noch immer nicht beherrscht: die Scheibe zum Üben!

Gaga und kein Ende in Sicht: Die kühle Lady lässt Handys heiss laufen.

(2) TWILIGHT – BISS ZUM MORGENGRAUEN  Regie: C. Hardwicke. Mit K. Stewart, R. Pattinson, B. Burke. Ascot Elite (4) DIE JAGD ZUM MAGISCHEN BERG  Regie: Andy Fickman. Mit The Rock, G. Marshall, A. Robb. Walt Disney (1) OPERATION WALKÜRE – DAS STAUFFEN­BERG ATTENTAT  Regie: Bryan Singer. Mit T. Cruise. MGM DIE WILDEN HÜHNER UND DAS LEBEN  Regie: Vivian Naefe. Mit M. von Treuberg, L. Hollmann, S. Gerhardt. Constantin Film (3) DIE REISE ZUM ­MITTELPUNKT DER ERDE  Regie: Eric Brevig. Mit B. Fraser, J. Hutcherson, A. Briem. PECOM (7) ZUFÄLLIG VERHEIRATET  Regie: Griffin Dunne. Mit U. Thurman, C. Firth, J. D. Morgan, S. Shepard. BVHE (6) GRAN TORINO  Regie: Clint Eastwood. Mit C. Eastwood, A. Her, B. Vang. Warner Home Video (5) MARLEY & ICH  Regie: David Frankel. Mit O. Wilson, J. Aniston, A. Arkin. TCFHE MILK  Regie: Gus Van Sant. Mit S. Penn, J. Brolin, E. Hirsch. Ascot Elite STREET FIGHTER: LEGEND OF CHUN-LI  Regie: Andrzej Bartkowiak. Mit K. Kreuk, M. C. Duncan. Touchstone Home Video

(1) ICE AGE 3: DAWN OF THE DINOSAURS 3D  Regie: Carlos Saldanha. Total 499 174 Besucher. 7. Woche (2) THE HANGOVER  Regie: Todd Phillips. Total 91 148 Besucher. 3. Woche

(1) WHEN LOVE TAKES OVER David Guetta feat. Kelly Rowland  EMI Music Switzerland AG (4) I GOTTA FEELING The Black Eyed Peas  Universal Music ­Switzerland GmbH

(1) KING OF POP Michael Jackson  Sony Music Entertainment Switzerland

(1) POKER FACE Lady Gaga  UNI

(2) STRIKE The Baseballs  Warner Music ­(Switzerland) AG

(2) I KNOW YOU WANT ME (CALLE OCHO)  Pitbull WMS

(3) I KNOW YOU WANT ME (CALLE OCHO) Pitbull  Universal Music Switzerland GmbH (4) HARRY POTTER 6: (5) IF A SONG THE HALF-BLOOD PRINCE  COULD GET ME YOU Regie: David Yates. Marit Larsen  Total 151 778 Besucher. Sony Music Entertainment 5. Woche Switzerland (5) PUBLIC ENEMIES  (2) SEXY BITCH Regie: Michael Mann. David Guetta Total 33 477 Besucher. feat. Akon  2. Woche EMI Music Switzerland AG

(4) THE E.N.D. (THE ENERGY NEVER DIES) The Black Eyed Peas  Universal Music ­Switzerland GmbH (3) MICHAEL JACKSON – THE ESSENTIAL HITS Michael Jackson  Sony Music Enter­tainment Switzerland (7) IZ ON Söhne Mannheims  Musikvertrieb AG

(3) WHEN LOVE TAKES OVER David Guetta feat. Kelly Rowland  EMI (4) THRILLER Michael Jackson  SME

G. I. JOE – THE RISE OF COBRA  Regie: Stephen Sommers. Total 10 683 Besucher. 1. Woche (6) BRÜNO  Regie: Larry Charles. Total 104 534 Besucher. 7. Woche

(6) HEAVY CROSS Gossip  Sony Music Entertainment Switzerland

(8) THE FAME Lady Gaga  Universal Music ­Switzerland GmbH

(7) BOOM BOOM POW The Black Eyed Peas  UNI

(7) FUCK YOU Lily Allen  EMI Music Switzerland AG

MARIA, IHM SCHMECKT’S NICHT  Regie: Neele Vollmar. Total 3705 Besucher. 1. Woche (7) SERAPHINE  Regie: Martin Provost. Total 6575 Besucher. 2. Woche

(8) BOOM BOOM POW The Black Eyed Peas  Universal Music Switzerland GmbH

(10) BEYOND Tina Turner, Dechen Shak­Dagsay, Regula Curti  Universal Music ­Switzerland GmbH (6) THE COLLECTION Michael Jackson  Sony Music Entertainment Switzerland

(6) DAS FEYR VO DR ­SEHNSUCHT Jodlerklub Wiesenberg & Francine Jordi  UNI (8) UMBRELLA The Baseballs  WMS

CELEBRATION Madonna  Warner Music (Switzerland) AG

(R) MILOW Milow  Universal Music ­Switzerland GmbH

(R) PARLA CON ME Eros Ramazzotti  SME

(8) ALLE ANDEREN  Regie: Maren Ade. Total 16 397 Besucher. 6. Woche

(R) NOT FAIR Lily Allen  EMI Music Switzerland AG

(9) BILLY TALENT III Billy Talent  Warner Music ­(Switzerland) AG

STILL HAVE A DREAM Imhoof feat. Camen and Splashcats  ZEB

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(3) THE PROPOSAL  Regie: Anna Flechter. Total 52 278 Besucher. 2. Woche

(5) BILLIE JEAN Michael Jackson  SME


PC-games

Belletristik

TOP 100 Sachbuch

TV Unterhaltung

Wem das eigene Leben gerade zu langweilig ist: In «Sims 3» gehts rund.

Gefühle! Welche kommen aus dem Herzen und ­welche vom Kopf?

Fast rekordverdächtig! Ein Nachschlagewerk on top. Der Duden hats geschafft.

Hakan Yakin umdribbelt Star-Sopranistin Cecilia Angelo Palombo (l.) im Bartoli singt in der Kirche Klassiker Schweiz – Italien. von Saanen (Gstaad).

(1) SIMS 3  Electronic Arts

(1) SIEBEN JAHRE Peter Stamm  Fischer (S.), Frankfurt

FUSSBALL: LÄNDERSPIEL  CECILIA BARTOLI  SF 2  12. 8. 09 Kirche Saanen 621 600 Zuschauer 30. August www.ticketcorner.com

(2) ANNO 1404  Ubisoft

(4) DIE HÜTTE William P. Young  Allegria

(3) DUDEN DIE DEUTSCHE RECHTSCHREIBUNG Duden  Biblio. Institut und F. A. Brockhaus, Mannheim (1) LOCKRUF SAUDIA Teresa Fortis  WOA

(3) DIVINITY 2: EGO ­DRACONIS  DTP Entertainment AG

(3) DER KÖNIG VON OLTEN Alex Capus  Knapp Verlag

(4) GLÜCK KOMMT ­SELTEN ALLEIN …  Eckart von Hirschhausen Rowohlt, Reinbek

FERNWEH  SF 1  10. 8. 09 514 300 Zuschauer

(4) LANDWIRTSCHAFTSSIMULATOR 2009  Astragon

(5) DAISY SISTERS ­Henning Mankell  Zsolnay

(5) MEINE SPIRITUELLE AUTOBIOGRAPHIE Dalai Lama XIV.  Diogenes

EIN FALL FÜR ZWEI  SF 1  11. 8. 09 497 700 Zuschauer

(6) AGE OF EMPIRES III (GOLD)  Microsoft

(2) DAS MÄDCHEN SEINER TRÄUME Donna Leon  Diogenes

(2) MICHAEL JACKSON – BLACK OR WHITE Hanspeter Künzler  Hannibal

ALPENFESTUNG – LEBEN IM REDUIT  SF 1  11. 8. 09 492 700 Zuschauer

RÖMERFEST 2009  Augusta Raurica Augst 29./30. August www.ticketcorner.com

(5) WORLD OF WARCRAFT: WRATH OF THE LICH KING – ADD-ON  Activision Blizzard

(6) ALLE SIEBEN WELLEN Daniel Glattauer  Deuticke im Zsolnay Verlag

SF BI DE LÜT – LIVE  SF 1  16. 8. 09 475 900 Zuschauer

(9) NEED FOR SPEED UNDERCOVER  Electronic Arts

DER ANWALT John Grisham  Heyne

(7) DUDEN DIE DEUTSCHE RECHTSCHREIBUNG: DUDEN KORREKTOR  Biblio. Institut und F. A. Brockhaus, Mannheim (10) 50 ERFOLGS­ MODELLE Mikael Krogerus  Kein & Aber

(7) GTA IV  Take 2

(7) FRAU SORGEDAHLS SCHÖNE WEISSE ARME Lars Gustafsson  Hanser

NIKLAUS TROXLER’S GOOD BYE  Jazz Festival Willisau 30. August www.ticketcorner.com SARAH KUTTNER LIEST «MÄNGELEXEMPLAR»  Kaufleuten Zürich 31. August www.ticketcorner.com ZEBRAHEAD  Sommercasino Basel 26. August www.starticket.ch

(10) SIMS 2 (SUPER DELUXE)  Electronic Arts

(9) SECHSELÄUTEN Michael Theurillat  Ullstein HC

(R) COUNTER STRIKE: SOURCE  Electronic Arts

(8) MÄNGELEXEMPLAR Sarah Kuttner  Fischer (S.), Frankfurt

Nicht verpassen!

Heiss!

(8) ÜBER STOCK UND STEIN Nik Hartmann  Fona Verlag

EDELMAIS & CO. – BEST OF  SF 1  16. 8. 09 468 200 Zuschauer SCHLAGERSOMMER 09  SF 1  10. 8. 09 461 500 Zuschauer

die besten

(6) REMEMBER THE TIME – MICHAEL JACKSON Pamela Runkel  Lingen (9) THE SECRET – DAS GEHEIMNIS Rhonda Byrne  Goldmann

ALPENFESTUNG – LEBEN IM REDUIT  SF 1  10. 8. 09 529 400 Zuschauer

Top-Event

MORCHEEBA, LAMB  Steinberggasse Winterthur 29. August www.starticket.ch ELITE MODEL LOOK SWISS FINAL 09  Maag Event Hall Zürich 27. August www.starticket.ch CARMEN  Tonhalle Zürich 30. August www.ticketcorner.com

DONNSCHTIG-JASS  SF 1  13. 8. 09 452 000 Zuschauer

NABUCCO  Schloss Pratteln 27. August www.ticketcorner.com

ALPENFESTUNG – LEBEN IM REDUIT  SF 1  13. 8. 09 418 900 Zuschauer

KOOKS, DANKO JONES  Steinberggasse Winterthur 28. August www.starticket.ch

Quellen Kino, CD, DVD, Games, Top-Event: Media Control AG; Buch: Swiss Books / Media Control AG; Kino: Procinema; TV-Quoten: Publica Data; (R) = Wiedereintritt

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Reisen, geniessen, rätseln!

weekend

Filmreif Das Empire State Building vor Augen, einen Cosmopolitan in der Hand. Die Lounge 230 Fifth versüsst den Sommer.

230 Fifth – New Yorks grüne dach-oase

Ein Hauch von «Sex & the City» u Was für eine Skyline! Wer dem Moloch Manhattan entfliehen will, flüchtet vor der Hitze hoch aufs Dach. Die stylische Rooftop-Bar 230 Fifth Avenue ist New Yorks coolste Sommer-Adresse. Die Idee dazu stammt von Kunstsammler und Clubbesitzer Steven Greenberg – was der Trend­ setter anfasst, wird zu Gold. Palmen und Teakholz schmücken die 2000 Quadrat-

meter grosse Terrasse. Eine Etage weiter unten befindet sich die Indoor-Lounge, 365 Tage, von vier Uhr nachmittags bis vier Uhr früh, geöffnet. Die Menükarte (TapasPlättchen ab 7 Dollar) gleicht einer kulinarischen Weltreise von L. A. bis Malaysia. Info Rooftop Garden 230 Fifth Avenue www.230-fifth.com

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weekend

Reisen

www.weltweit

Malaysia: Ferien mit Regenwald-Package u «Shangri-La» bittet nach Malaysia – mit einem spannenden Regenwald-Package: Ab 1270 Euro für zwei Personen gibts zwei Nächte im «Tanjung Aru Resort» (Bild) und zwei Nächte in der «Borneo Rain Forest Lodge», Dschungel-Trecks inklusive! INFO www.shangri-la.com

Zum Vorzugspreis ins «Peninsula Shanghai»! u Schanghai-Trip geplant? Bis Ende Februar gibts im neuen Luxushotel The Peninsula DZ ab 210 Euro (Preview Rate), Flughafentransfer inbegriffen. Attraktionen: Rooftop-Restaurant, Pool – inspiriert vom Film «The Great Gatsby» –, RollsRoyce-Flotte. INFO www.peninsula.com

Auf Augenhöhe mit dem Buckelwal u Wal-Saison in Australien! Ab Hervey Bay und Fraser Island gehts auf Beobachtungstour. Den Buckelwalen schaut man vom Oberdeck aus ins Auge – oder durch Plexiglasscheiben im Kiel. Dank Wassermikrofonen gibts auch den Wal-Gesang dazu (ab 60 Euro)! INFO www.whalewatching.com.au

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Einfach luxuriös Die zwölf eleganten Zelte sind geprägt von afrikanischen Stilelementen und bieten völlige Privatsphäre.

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Das «Kuoni Mara Bushtops camp»

Zelten auf höchst Sie träumen von Meryl Streep in «Jenseits von Afrika»? Ab nach Kenia! Denn in der Masai Mara fühlen sich nicht nur wilde Tiere wie zu Hause.

A

ny lion today?» Mit der Frage nach dem König der Tiere wer­ den die Gäste bei ihrer Rückkehr von der Safari im «Kuoni Mara Bushtops Camp» empfangen. Die Antwort lautet einstimmig: «Yes!» Denn der zum nördli­ chen Teil der Serengeti gehörende MasaiMara-Nationalpark ist an Artendichte und -vielfalt kaum zu übertreffen. u Die zwölf Luxus-Zelte des NobelCamps thronen majestätisch auf einer Hügelgruppe mit Blick über die weit­ läufige Savanne. Der Gast wohnt in gross­ zügigen Zelten mit tierischen Namen wie «Dik-Dik», «Lion» und «Kudu». Zim­ merschlüssel gibts keine. Den Zutritt verwehrt einzig der Speer eines MassaiKriegers. Ist die Waffe vor dem Eingang in die Erde gesteckt, bedeutet dies: Bitte nicht stören.


Daylife Mit passenden Wagen gehts auf Safari – kühle Getränke und Späher inklusive.

Wildlife In der Masai Mara dürfen die Wege verlassen werden, um näher bei den Tieren zu sein.

Nightlife Bei einem Glas Wein und Kerzenlicht die Erlebnisse des Tages vorüberziehen lassen.

em Niveau

Fotos Marcel Nöcker, Bettina Portmann

u 100

Quadratmeter Privatsphäre auf hohen Pfählen bietet eine Holz­ terrasse rund ums Zelt. Die im Boden versenkte Badewanne lädt zum Entspannen unter afrikanischem Himmel. Und mit dem eigenen Fernrohr können die Zebras am nahen Wasserloch beobachtet werden. Der 24-Stunden-Butlerservice, die luxuriöse, aber authentische Einrichtung, die Hängematte zum Träumen und die Vorfreude auf die liebevoll unter der Decke versteckte Bettflasche lassen vergessen, dass sich diese Oase mitten in der Wildnis befindet. Die Erinnerung daran kommt erst zurück, wenn beim Eindunkeln der Löwe brüllt. u Zum Dinner ins «Booma» gehts drum ausschliesslich in Begleitung. Strikte Hausregel: Kein Gast verlässt in

der Dunkelheit sein Zelt ohne Massai. Im Restaurant erwartet den Gourmet neben Exquisitem à la Carte eine Lounge mit Kamin und ein erlesener Weinkeller. u Pirschfahrten zu den «Big Five» (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe, Leopard) werden im komfortablen Gelände-

wagen angeboten. Spätestens um die Mittagszeit sind alle Safari-Teilnehmer von der einmaligen Natur restlos verzaubert. Und wenn der Fahrer und sein Späher das vom Hotel mitgebrachte Picknick ausbreiten, der erste Schluck eisgekühltes Tusker die Kehle erfrischt, sinkt ein jeder erfüllt und zufrieden in seinen Campingstuhl. Und sicher träumt jeder nun von seiner eigenen Farm in Afrika.  bettina portmann

check-in u Anreise Wöchentliche Charterflüge (Mombasa)

und Linienflüge (Nairobi). Weiterreise per Kleinflugzeug – keine Schalenkoffer, nur Softbags u Hotel Zweierzelt ab CHF 625.– pro Person/ Nacht. Mahlzeiten, Pirschfahrten, Parkeintritte etc. inkl. u Klima Beste Reisezeit: Juli bis Oktober; Dezember bis März u Visum Für CH-Bürger erSpektakulär Sogar vom Pool aus lassen forderlich. Es kann bei der Einreise für USD 25.– bezogen werden u Infos www.private-safaris.ch sich Giraffen und Zebras beobachten. schweizer illustrierte

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En Guete Ein Törtchen mit Hütchen Den Gaumen freuts.

weekend

mit Köchin Sibylle Sager

Erfrischend vielseitig

1

Sie ist Gewürz, Duftpflanze und Genusskraut in einem. Zitronenmelisse sorgt so garantiert für den perfekten Ausklang eines heissen Tages.

ZitronenmelissenTörtchen

Zutaten (für ein Muffins-Blech mit 12 Vertiefungen von je ca. 7 cm ∅ oder für 12 ofenfeste Förmchen, gefettet, bemehlt) Biskuit 1 Ei, 1 Prise Salz, 3 Esslöffel Zucker, 50 g dunkle Schokolade, zerbröckelt, 1 Esslöffel Wasser, 2 Esslöffel Mehl, 2 Esslöffel Maizena Mousse 2 dl Vollrahm, 4 Esslöffel Wasser, 100 g Zucker, 50 g Zitronenmelissen-Blätter (siehe Tipp), 1 Esslöffel Zitronensaft, 5 Blätter Gelatine, ca. 5 Min. in kaltem Wasser eingelegt, abgetropft, 2 Esslöffel Wasser, siedend, 1 dl Vollrahm, 250 g Joghurt nature, einige Zitronenmelissen-Blätter zum Verzieren Vor- und zubereiten ca. 1 Std. Backen ca. 7 Min. Ziehen lassen ca. 1 Std. Kühl stellen ca. 4 Std. u Für

das Biskuit Ei, Salz und Zucker in einer Schüssel mit den Schwingbesen des Handrührgeräts ca. 5 Min. rühren, bis die Masse heller ist. Schokolade und Wasser in eine dünnwandige Schüssel geben, über das nur leicht siedende Wasserbad hängen, sie darf das Wasser nicht berühren. Schokolade schmelzen, glatt rühren, unter die Eimasse rühren.

Mehl und Maizena mischen, mit dem Gummischaber sorgfältig unter die Masse ziehen. Teig in die vorbereiteten Vertiefungen verteilen. Backen ca. 7 Min. in der Mitte des auf 200 Grad vorgeheizten Ofens. Herausnehmen, im Blech auf einem Gitter auskühlen. Für die Mousse Rahm und Wasser mit Zucker aufkochen, Pfanne von der Platte nehmen, Zitronenmelisse beigeben. Zugedeckt ca. 1 Std. ziehen lassen, in eine weite Chromstahlschüssel absieben, Melissenblätter gut ausdrücken, Zitronensaft darunterrühren. Gelatine mit dem Wasser auflösen, mit

tipp Die Zitronenmelisse galt früher wie auch heute als Allheilmittel. Ihre Inhaltsstoffe können unter anderem antibakteriell, entspannend und krampflösend wirken.

2 Esslöffel Masse verrühren, sofort gut unter die restliche Masse rühren. Kühl stellen, bis die Masse am Rand leicht fest ist, glatt rühren. Rahm steif schlagen, zusammen mit dem Joghurt sorgfältig unter die Masse ziehen, auf den Biskuits verteilen. Zugedeckt im Kühlschrank ca. 4 Std. fest werden lassen. Herausnehmen, Törtchen sorgfältig mit einem Löffel aus der Form nehmen, verzieren. Lässt sich vorbereiten Törtchen tiefkühlen. Haltbarkeit: ca. 1 Monat. Auftauen: über Nacht im Kühlschrank.

2

Bucatini al limone

Zutaten (für 4 Personen) Teigwaren 500 g Bucatini (Rohrnudeln), Salzwasser, siedend Zitronensauce 4 Esslöffel Olivenöl, 1 unbehandelte Zitrone, abgeriebene Schale und Saft, wenig roter Tabasco, schweizer illustrierte

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2 Perlhuhnbrüstli (je ca. 180 g), Haut entfernt, in ca. 1 cm grossen Würfeln, 1/4 Teelöffel Salz, 2 Esslöffel geriebener Parmesan, 1 Esslöffel, Zitronenmelissen-Blätter, in feinen Streifen Vor- und zubereiten ca. 25 Min. u Für die Teigwaren Bucatini im siedenden Salzwasser al dente kochen, abtropfen. Für die Zitronensauce Öl zusammen mit Zitronenschale, -saft und Tabasco aufkochen. Perlhuhnbrüstli beigeben, zugedeckt bei mittlerer Hitze ca. 3 Min. köcheln, salzen, mit den heissen Teigwaren mischen. Parmesan und Melisse beigeben, mischen. Tipp Statt Perlhuhn- zwei grosse Pouletbrüstli verwenden.

3

Melissen-Butter

Zutaten (für 4 Personen) 1 dl Gemüsebouillon, 2 unbehandelte Zitronen, nur abgeriebene Schale, 100 g Butter, weich, 2 Esslöffel Zitronen-

melissen-Blätter, fein geschnitten, Salz, nach Bedarf Vor- und zubereiten ca. 30 Min. u Bouillon mit Zitronenschale auf 2 Esslöffel einkochen, auskühlen. Bouillon mit Butter, Zitronenmelisse und Salz mit einer Gabel gut mischen. Passt zu grilliertem Fleisch.

4

Melissencreme

Zutaten (für 6 Gläser von je ca. 1 dl) 4 Esslöffel Wasser, 2 Esslöffel Zucker, 3 Esslöffel Zitronenmelissen-Blätter, fein geschnitten, 150 g Rahmquark, 1,8 dl Vollrahm, steif geschlagen, einige Zitronenmelissen-Blätter zum Verzieren Vor- und zubereiten ca. 30 Min. Kühl stellen ca. 1 Std.

u Wasser mit Zucker aufkochen. Fein geschnittene Melisse beigeben, ca. 5 Min. köcheln, Pfanne von der Platte nehmen, etwas abkühlen.

Quark mit der Kochflüssigkeit gut verrühren, Schlagrahm sorgfältig darunterziehen, Creme ca. 1 Std. kühl stellen. In einen Spritzsack mit gezackter Tülle (ca. 12 mm ∅) geben, in die Gläser verteilen, mit Melisse verzieren.

u diese Woche

Montag, 24. August 2009, 20.05 Uhr, SF 1 (Wiederholung: 25. August, 1.00 und 13.45 Uhr, SF 1) Menü für partygäste Tomaten-Flaschenpost, Lachs am Brett, Pêche Melba im Glas e-newsletter Kennen Sie den «al dente»- Newsletter? Nur dort finden Sie nach jeder Sendung die aktuellen Rezepte. Quiz-Infos und spannende Blicke hinter die Kulissen. Abonnieren Sie noch heute den Gratis-Newsletter unter www.aldente.ch.


GaultMillau

KPrädikat Weltklasse J Eine der besten Adressen I Kreative Küche auf hohem Niveau HG Kreative Küche FE Bietet mehr als das Alltägliche 12/20 Gute Adresse! Las Caglias Restaurant Via las Caglias 3 7018 Flims Waldhaus Tel. 081 - 911 29 49 Di bis Sa ab 18.30 Uhr EC-Direct und Postcard Alle Kreditkarten ausser Diners www.lascaglias.ch

weekend

E

Mit viel Geschmack Bei Sieglinde Zottmaier (l.) und Helena Gleissner bleibt nichts dem Zufall überlassen.

Hinter den «Büschen» zu entdecken! Restaurant Las Caglias in Flims Waldhaus GR Die Power-Frau Sieglinde Zottmaier ist jetzt in ihrer Wahlheimat tätig. Mitgebracht hat sie: viel Erfahrung – und eine talentierte Köchin.

Z

usammen mit Shootingstar Andreas Caminada hat sie das «Schauenstein» im nahen Fürstenau GR aufgebaut und zu ungeahnten Höhen geführt. Jetzt ist Sieglinde Zottmaier selbstständig unterwegs. Köchin an ihrer Seite: Helena Gleissner, eine junge Frau mit exzellenten Lehrmeistern (Andreas Caminada, Roland Jöhri, Claus-Peter Lumpp). Die neue Adresse der beiden PowerFrauen findet man nur mit Mühe und einheimischer Hilfe. Das Lokal liegt hinter Büschen (rätoromanisch: Caglias) versteckt in einem von Rudolf Olgiati erbauten Appartementhaus. Typisch Olgiati: Das kleine Restaurant präsentiert sich als Mischung von Bündner Bautradition und an Le Corbusier orientierter Moderne. Der

Tessiner Künstler Flavio Paolucci zeigte sich vom «Las Caglias» so begeistert, dass man hier nun seine neueren Werke bestaunen darf (etwa bei einem Kaffee oder einem Aperitif, Do–Sa 15.45–17.45 Uhr). Die Speisekarte ist knapp, bietet aber einiges, auch für Vegetarier. Auf der Weinkarte sind die «Herrschäftler» in der Überzahl, aber auch alle andern bekannten Weinbaugebiete Europas vertreten. Die Vorspeise, der Spinatsalat mit knusprigem Rindsfilet und Sesam, lehnt sich an die asiatische Küche an und schmeckte vorzüglich. Nur – als Vorspeise würde ein Drittel der servierten Menge genügen. Das dünn geschnittene, wirklich knusprig zubereitete Fleisch ergibt mit dem zarten Jungspinatsalat eine hervorragende Kreation.

Zum Hauptgang bestellten wir einen (ausgelösten) Rehrücken mit Stangenselleriegemüse und hausgemachten Pizokel. Er kam ziemlich spartanisch daher – ohne Sauce und mit nur wenig Gemüse. Der Brancaia aus der Toskana passte da perfekt. Als Nachspeise empfahl uns Sieg­linde Zottmaier die frischen Erdbeeren aus der Region mit gebackenen Holunderblüten und Granitée. Alternativen auf der kleinen Karte: Cavatelli mit geschmorten Peperoni, Zucchetti, Knoblauch und Alpkäse aus dem Val Lumnezia. Kalbsschwanz-Ravioli mit Salbeibutter. Oder ein Stück Käse von der Alp Dräckloch … 

Foto Dick Vredenbregt

wein-tipp Selection vom TOPKOCH Bernard Ravet ist einer der besten Chefs der Schweiz (19 GaultMillau-Punkte) und sein Restaurant in Vufflensle-Château VD eines der bekanntesten des Landes (www.ravet.ch). Auf der Weinkarte sind Spitzenweine aus aller Welt vertreten. Und eine

Selection, die Ravet zusammen mit der Waadtländer Genossenschaftskellerei Uvavins kreiert hat. Sie be­steht aus zwölf Abfüllun­gen, eine davon ist der Gamaret du Pays de Vaud 2006 (13 %), le Vin Vivant. Wie für Gamaret typisch, leuchtet der mittelschwere Rotwein in dunklem

Rot, erinnert sogar an Tinte, so intensiv ist seine Farbe. Im Gaumen präsentiert er sich wunderbar elegant, frucht­ betont und würzig zugleich. Ein Hit zu Wild, Lamm, rotem Fleisch und würzigem Alp­ käse. Idealerweise wird er aus leicht grösseren Wein­gläsern genossen.

Uvavins Cave de la Côte 1131 Tolochenaz Tel. 021 - 804 54 54 cavedelacote@ uvavins.ch u CHF 20.–

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weekend

Auto

schon gefahren Mercedes S 400 Hybrid

Das Klassenziel erreicht Mit dem S 400 Hybrid lanciert Mercedes als erster euro­päischer Hersteller eine Limousine mit Hybridantrieb. Bei der Gelegenheit profitiert die bekannte S-Klasse gleich noch von einer Überarbeitung.

M

it der E-Klasse verbessert Mercedes den Umsatz, mit der S-Klasse das Marken-Image. Kein Zufall also, dass der erste Hybrid des Autobauers ein «S» auf dem Heckdeckel trägt. Dabei hatten vor allem deutsche Hersteller lange auf der Unsinnigkeit des kombinierten Antriebs aus Verbrennungs- und Elektromotor beharrt. Bis Toyota mit seiner Tochter Lexus vormachte, dass sich Hybridautos erfolgreich vermarkten lassen. Immerhin kann der neue S 400 Hybrid jetzt als erstes Auto mit serienmässiger LithiumIonen-Batterie auf die Strasse rollen.

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Bei der Konkurrenz stecken diese aufwendigen Stromspeicher der neusten Generation noch in den Kinderschuhen. Allerdings reicht dem S 400 Hybrid ein Akku in der Grösse einer normalen Autobatterie. Denn er versorgt lediglich einen 20 PS starken Elektromotor, der beim Beschleunigen den V6-Benziner unterstützt. Beim Dahinrollen oder Bremsen wird er vom dann als Generator

Salonwagen Edelholz, Chrom und Leder sorgen im Innern der S-Klasse für Wohlbehagen. Geschaltet wird per Wählhebel am Lenkrad.

geschalteten Elektromotor geladen. Auch wenn die Hybrid-Limousine den versprochenen Verbrauchswert in der Praxis kaum erreicht: Für ein fast zwei Tonnen schweres Auto ist ein Wert von klar unter 10 Litern auf 100 Kilometer bemerkenswert. Zumal das Zusammenspiel der Motoren harmonisch und die Fahrleistungen klassentypisch bleiben. Von den optischen und technischen Überarbeitungen profitieren auch die übrigen S-Versionen – vom 235 PS starken und ähnlichen sparsamen Turbodiesel S 350 CDI bis zum Top­ modell S 65 AMG mit 612 PS. Scheinwerfer, Heckleuchten und Kühlergrill wurden neu gestylt. Auf dem Multi­ media-Display kann der Beifahrer jetzt fernsehen, während dem Fahrer nur die Navikarte gezeigt wird. Und ausserdem sind Assistenzsysteme wie der Müdigkeitswarner jetzt auch in der S-Klasse lieferbar. Andreas Faust


news

bmw x1 Bayerischer SUV im Kleinformat u BMW baut die 1er-Reihe weiter aus: Nach der drei- und fünftürigen Schrägheckversion, Coupé und Cabrio folgt jetzt der kompakte SUV X1. Punkto Design setzt er sich jedoch deutlich von den übrigen 1ern ab. Trotz gemässigten Abmessungen bietet er mit hoher Sitzposition, viel Übersicht und einem Kofferraum mit bis zu 1350 Litern Fassungsvermögen alle Vorteile grosser SUV. Für den Vortrieb sorgen zunächst zwei Diesel und ein Benziner zwischen 177 und 258 PS. Auch wenn die erhöhte Bodenfreiheit serien­ mässigen Allradantrieb vermuten liesse, wird es auch Varianten mit reinem Heckantrieb geben. Verkaufsstart ist im Oktober – zu Preisen ab CHF 46 500.–.

Sternenkreuzer Der S 400 Hybrid bietet gewohnten Luxus bei moderatem Verbrauch.

Mercedes S 400 hybrid Raumschiff Bis zu 560 Liter Gepäck fasst der Kofferraum der NobelLimousine. u Name Mercedes S 400 Hybrid

u Preis ab CHF 132 300.–

u Motoren Hybridsystem; Benzinmotor

u Konkurrenten Lexus LS 600h

279 PS, Elektromotor 20 PS, Gesamtleistung 299 PS u 0 bis 100 km/h 7,2 s u Spitze 250 km/h u Verbrauch 7,9 l/100 km u CO2-Ausstoss 186 g/km u Energieeffizienz-Kategorie B u Verkauf ab sofort

u Unser Urteil Auch in der Nobel-

klasse wird ein geringerer Verbrauch zunehmend zum Kaufargument. Unter den Modellen etablierter Hersteller aus Europa spielt der S 400 Hybrid dabei eine Vorreiterrolle. Bei Qualität, Komfort und Fahrleistungen erfordert er aber keinen Verzicht.

nissan leaf Zukunftsauto ohne Emissionen u Mit dem Kompaktmodell Leaf – zu Deutsch «Blatt» – lanciert Nissan 2010 das erste Fahrzeug der Marke mit reinem Elektroantrieb. Eine LithiumIonen-Batterie, die sich in 30 Minuten auf 80 Prozent ihrer Kapazität aufladen lassen soll, speichert genug Strom für bis zu 160 Kilometer Reich­ weite. Der 109 PS starke Elektromotor liefert schon beim Anfahren sein volles Drehmoment und wird eine Höchst­ geschwindigkeit von 140 km/h ermög­ lichen. Nicht nur der Antrieb ist inno­ vativ, sondern auch die übrige Technik des Fünfplätzers wie zum Beispiel LED-Scheinwerfer oder eine OnlineAnbindung zur Informationsübertragung. Der Preis steht aber noch nicht fest. schweizer illustrierte

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Vorsicht: Meiden Sie Risiken aller Art!

woche vom 30. August bis 5. September 2009 Zwischen dem 1. und dem 3. sind mehrere dissonante Aspekte zwischen Mars, Merkur und Jupiter wirksam – dies deutet auf den Bruch von Abkommen, soziale Probleme, Unfälle im Transportwesen sowie Turbulenzen an den

Börsen und Devisenmärkten. Der Vollmond am 4. (in den 2. Dekaden Jungfrau und Fische) und ein schwieriger Aspekt zwischen Venus und Uranus könnten unter anderem verstärkt auf Unfälle in der Freizeit oder beim Sport hin­weisen.

widder 21.–30. 3. Mit Charme können Sie die Lage entspannen (am 1. und 3.). Venus verspricht schöne Stunden, aber Mars verleitet Sie zu überstürzten Re­ aktionen (2., 3.). 31. 3.–9. 4. Am 30. und 31. läufts nicht nach Wunsch, Sie müssen Konzessionen machen. Der 2. wäre günstig für ein Projekt. Venus meint es ab 2. gut, Sie stehen im Mittelpunkt. 10.–20. 4. Sie sollten derzeit nicht zu sehr auf die Versprechen eines Freundes zählen (am 1. und 2.). Besser sollte es am 3. klappen. Um den 14./15. Geborene beweisen einen sechsten Sinn (am 31.).

stier 21.–30. 4. Sie sind vital und sammeln Pluspunkte (am 30.). Günstig für sportliche Aktivitäten. Kleine Komplikationen hingegen am 1. und 2. 1.–10. 5. Am 30. und 31. sind Sie Hahn im Korb, verbreiten gute Laune. Am 2. müssen Sie Konzessionen machen. Ab 4. (Voll­ mond) geht es bergauf: Sie sind kreativ, Ihre Projekte haben Rückenwind. 11.–20. 5. Am 30., 1. und 2. könnte die Atmosphäre angespannt sein. Langfristige Vorhaben aber entwickeln sich besser als erhofft, einigen winkt Anerkennung oder eine Auszeichnung (am 31. und 5.).

zwillinge 21.–31. 5. Gute Woche für schriftliche Arbeiten, Termine, Begegnungen. Dank Schlagfertigkeit und Charme überzeugen Sie (am 1.). Finanziell sollten Sie etwas kürzertreten (am 2.)! 1.–10. 6. Am 31. und 4. machen familiäre Angelegenheiten Kopfzerbrechen. Vielleicht ist es schwer, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen? Venus verspricht ab 3. schöne Stunden. 11.–21. 6. Sie haben am 2. und 3. das Glück auf Ihrer Seite, sind inspiriert. Am 1. und 5. aber haben Sie das Gefühl, auf der Stelle zu treten (Probleme mit Angehörigen?).

krebs 22. 6.–1. 7. Sie stürzen sich kopfüber ins Geschehen. Mars in Ihrer Dekade verleitet Sie zu Ex­ zessen, Sie sollten einen Gang zurückschalten (speziell am 1., 2. und 3.). Angenehm sollte der 4. werden. 2.–12. 7. Sie freuen sich am 30. und 31. über eine gute Nachricht. Der Vollmond am 4. wirkt günstig, in den Tagen danach knüpfen Sie wertvolle Kontakte. 13.–22. 7. Sie entdecken neue Horizonte, erfahren eine Bereicherung (31., 5.). Sie können gleichzeitig Ihre Zukunft absichern, Ihre Situation festigen, neue Projekte starten; neue Partnerschaft?

löwe 23. 7.–1. 8. Sie flirten nach Herzenslust, niemand kann Ihnen widerstehen. Neue Kontakte am 1. Am 2. und 3. sollten Sie etwas kürzertreten, kein Risiko eingehen! 2.–12. 8. Auf dem Gefühlssektor könnte es am 2. oder 4. anders kommen als erwartet. Am 4. und 5. müssen Sie sich um Finanzen kümmern und sollten möglichst vernünftig handeln! 13.–23. 8. Ihre Beziehun­ gen sind zurzeit nicht harmonisch. Speziell am 30., 1. und 3. kann es zu Komplikationen kommen. Vielleicht sollten Sie dem Partner einen Schritt entgegenkommen?

jungfrau 24. 8.–2. 9. Sie sind gut in Schuss (am 4.), ideal für Sport oder Hobbys. Ein finanzielles Problem sollten Sie möglichst vor dem 6. regeln, um Komplikatio­ nen zu vermeiden! 3.–12. 9. Sie sind am 31. im Einklang mit Ihrer Umgebung. Differenzen mit dem Partner könnten sich am 4. (Vollmond) zuspitzen, Sie sollten zu Kompro­ missen bereit sein. 13.–23. 9. Sie haben es derzeit nicht leicht: Man legt Ihnen Steine in den Weg, Ihre Geduld wird auf eine harte Probe gestellt (31., 5.). Oder verzögert sich ein Projekt (am 1.)? Bleiben Sie trotzdem ruhig.

waage 24. 9.–3. 10. Sie gewinnen Sympathien, zeigen sich charmant (am 1.). Günstig für Projekte. Mars hingegen verleitet Sie zu voreiligen Reaktionen, es kommt zu Missverständnissen (2., 3.). 4.–13. 10. Eine freund­ schaftliche Beziehung könnte in einer Krise sein (am 1., 2.), am 4. spitzt sich die Lage zu. Am 3. könnte sich die Gelegenheit bieten, sich offen auszusprechen. 14.–23. 10. Sie entfalten sich gut. Ihre Vorhaben kommen voran (2., 3.), Sie haben das Glück auf Ihrer Seite. Am 1. sollten Sie nichts überstürzen. Hören Sie auf den Rat eines Freundes.

skorpion 24. 10.–2. 11. Sie können Berge versetzen (speziell am 4.). Ideal für sportliche Aktivitäten. Diskus­ sionen (mit Frauen?) sind hingegen am 2. und 4. mühsam. Hören Sie am 1. und 3. nicht auf Klatsch! 3.–12. 11. Pro­ jekte kommen gut voran, Freunde spielen eine nützliche Rolle (am 30.). Vollmond am 4. ist exzellent, Sie sind mit den Resultaten zufrieden. 13.–22. 11. Entscheidung von April könnte wieder zur Sprache kommen, eine neue Si­ tuation ist positiv für Sie (am 30., 1. und 2.). Gleichzeitig können Sie Ihre Lage festigen und weiter ausbauen (31.).

schütze 23. 11.–2. 12. Sie stehen im Mittelpunkt. Venus verspricht unvergessliche Momente (am 1.?), aber freundschaftliche Beziehungen könnten angespannt sein (am 2., 3.). Vorsicht in Gelddingen! 3.–12. 12. Der Vollmond am 4. könnte störend wirken: Komplikationen? Ärger mit Kollegen? Venus hingegen bringt gute Laune (am 1.), niemand kann Ihnen widerstehen. 13.–21. 12. Ideen von April werden aktuell und dürften erfolgreich sein (am 3.). Günstig für künstlerische Vorhaben. Am 2. und 4. hingegen kann es anders kommen als erwartet.

steinbock 22.–31. 12. Missverständnisse sind an der Tagesordnung. Speziell am 1., 2. und 3. wird Ihre Geduld auf eine harte Probe gestellt. Diskussionen mit dem Partner könnten leicht ausarten. Besser: der 30. 1.–10. 1. Der Vollmond am 4. stimuliert, günstig für Begegnungen, Besprechungen, eine Reise. Eine Aussprache könnte Klarheit schaffen. 11.–20. 1. Sie müssen sich mit Finanzen beschäftigen (30., 1., 2.). Saturn und Uranus wirken posi­ tiv, Sie können Ihre Zukunft absichern. Neue Wege sind vielversprechend. Sie sind zufrieden mit den Ergebnissen.

wassermann 21.–30. 1. Ihr geistreicher Charme verfehlt kaum seine Wirkung (am 1.!). Gesundheitlich sollten Sie vorsichtig sein, speziell auf Reisen, bezüglich Ihrer Ernährung (1., 2., 3.). 31. 1.–9. 2. Sie sollten sich am 2. oder 4. nicht aus dem Konzept bringen lassen! Sie haben gute Chancen, Ihre Finanzen in Ordnung zu bringen oder neue Projekte zu starten. 10.–19. 2. Die einen haben das Glück auf ihrer Seite, andere sind mit Komplikationen konfrontiert (je nach persönlichem Horoskop). Günstig: der 31. und 5., etwas hektisch hingegen der 30., 1. und 2.

fische 20. 2.–1. 3. Sie sind in einer beneidens­ werten Verfassung. Exzellent für Sport (am 4.). Am 1., 2. und 3. hingegen ist die Stimmung angespannt, Diskussionen können ausarten. 2.–10. 3. Ihr Partner sieht derzeit die Lage objektiver, Sie sollten auf ihn hören! Am 4. sind Sie nervös, es fällt Ihnen schwer einzulenken. 11.–20. 3. Sie haben einen starken Hang zu Unabhängigkeit, fallen mit der Tür ins Haus. Am 1. und 2. fühlen Sie sich gebremst, doch am 31. können Sie einen grossen Schritt weiter­ kommen. Am 5. schlagen Sie zu sehr über die Stränge.

ihr tages-horoskop 82

Dr. Elizabeth Teissier

Mit dem Astro-Telefon haben Sie einen direkten Draht zu Elizabeth Teissier. Fr. 2.50/Min. + Fr. 2.50/Anruf

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u zum persönlichen Astro-Code

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Illustrationen Michael Husmann Tschäni; bearbeitet und übersetzt von Gerhard Hynek

weekend

Horoskop


Spiele Diese Woche drei Goldvreneli zu gewinnen!!!

So kommen Sie zum Goldvreneli: Übermitteln Sie Ihr Lösungswort via Telefon 0901 908 119 (ohne Vorwahl). Der Anruf kostet Sie 1 Franken. Sprechen Sie das Lösungswort und Ihre Adresse auf das Band. Via Postkarte (A-Post): Schweizer Illustrierte, Kreuzworträtsel, Postfach, 8074 Zürich. Anruf- und Einsendeschluss ist am Sonntag, 30. August 2009, 24 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Mitarbeiter der Ringier AG und ihrer Tochtergesellschaften sowie Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt.

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Zitat zwischen Zahlen

Wer häts – ohä lätz

Die Zahlen sind durch Buchstaben zu ersetzen. Dabei bedeuten gleiche Zahlen gleiche Buch­staben. Bei richtiger Lösung ergeben die ersten Buchstaben, von unten nach oben gelesen, und die vierten Buchstaben, von oben nach unten gelesen, ein Sprichwort.

Die nebenstehenden Zeichnungen unterscheiden sich durch zehn Abweichungen. Kreisen Sie bitte diese Abweichungen auf der unteren Zeichnung ein. So können Sie 20 Franken gewinnen Unter den richtigen Lösungen bei «Wer häts – ohä lätz» verlosen wir jede Woche 5 × 20 Franken. Bitte schneiden Sie Ihre Lösung aus, kleben Sie sie auf eine Postkarte (Briefe sind leider ungültig) und schicken Sie die Karte an: Schweizer Illustrierte, Postfach, 8099 Zürich. Bitte schreiben Sie Ihren Namen und Vornamen deutlich, damit Verwechslungen bei der Gewinnauszahlung vermieden werden. Einsendeschluss: Sonntag, 30. august 2009

zahlenschlüssel

Die Auflösungen finden Sie in der nächsten Nummer

Kreuzwort-Chaos

Die Buchstaben der Lösungswörter stehen alphabetisch geordnet. Suchen Sie nach dem richtigen Wort und vervollständigen Sie das Kreuzworträtsel.

Raten und rechnen Jedes Symbol bedeutet eine Ziffer von 0 bis 9. Gleiche Symbole bedeuten gleiche Ziffern. Ersetzen Sie die Symbole durch die richtigen Ziffern – und die Rechnung geht in alle Richtungen auf.

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Spiele Gewinner aus Heft 30 Wer häts – ohä lätz: 20 Fr. Benedikta Willi-Buchser Bremgartenstrasse 25, 5628 Aristau Sheena Mühlheim Quellenweg 8, 2553 Safern Michelle Kocherhans Rötihalde 14, 8820 Wädenswil Peter Stricker Hönegg, 9472 Grabserberg Robert Rezan Eschenmosenstrasse 15, 8184 Bachenbülach

Bei richtiger Deutung der Bilder erhalten Sie das Lösungswort.

Auflösung aus Heft 34

Sudoku mittel

Èschwer

# O N C E P T I S È0 U Z Z L E S

   



 

  





«Augustus heiss – frierst im Winter an den Steiss, sagt eine alte Habsburgerregel.»

 

So gehts Füllen Sie die leeren Felder so aus, dass in jeder Zeile und Spalte und in jedem 3 × 3-Kästchen die Zahlen 1 bis 9 nur einmal vorkommen.

rebus 1 H (N)A US 2 P (T)I LZ 3 S ON NE = NATION

drahtesel

sudoku Mittel

wer häts – ohä lätz

 

# O N C E P T I S È0 U Z Z L E S

willi



  

 

È

  

  

  

kreuzwort chaos

  



  

goldvreneli-Rätsel

  

  

  

goldvreneli-rätsel (Lösung: «Churfirsten») René Amrein Kirchweg 21, 3902 Glis Beatrice Lautenschlager Bergholzstrasse 21, 9500 Wil Werner Fischer Staldenstrasse 16, 5417 Untersiggenthal

weekend

Rebus

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raten und rechnen

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zitat zwischen zahlen 1. Traenke, 2. Sowieso, 3. Monolog, 4. Buecher, 5. Sammeln, 6. Samnaun, 7. Shizzoe, 8. Zutaten, 9. Fischer, 10. Spescha, 11. Elixier, 12. Al Dente, 13. Melodie, 14. Halunke, 15. Atomuhr, 16. Costner, 17. Vinzens, 18. Staiger, 19. Bummeln Lösung Man soll die Stimmen waegen und nicht zaehlen.

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Dann fernsehen, wann er will. Genau das schauen, was er will. Hakan Yakin hat mit Bluewin TV die ideale Lösung gefunden. Was ihm besonders gefällt –Spitzenspiele europäischer Ligen stehen auf Knopfdruck live zur Verfügung!

«Hier hole ich Inspiration und Motivation»

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ein Leben ist der Fussball: Hakan Yakin, 32, ist seit dieser Saison zur Freude des Publikums als Regisseur des FC Luzern wieder in der Schweiz aktiv. Seine genialen Pässe sind Kult und reissen die Fans von den Rängen. Ihm selber geht es genauso: «Wenn ich ein gutes Fussballspiel sehe, gibt mir das Inspiration und Motivation», erklärt er. Klassiker wie Barcelona gegen Real Madrid, Chelsea gegen ­ Manchester United oder Juventus Turin gegen Inter Mailand – da werde er zum Fan. Klar, dass er bei sich zu Hause Bluewin TV installiert hat. «Hier kann ich die Spitzenspiele der wichtigen Ligen und

der Champions League schauen.» Das exklusive Sportangebot von Bluewin TV wird von Teleclub geliefert. Ausgestrahlt werden mehr als 160 Spiele der Axpo Super League, alle Spiele der Deutschen Bundesliga, alle Spiele der Uefa Champions League und die Top-Spiele der europäischen Ligen (Italien, England, Frankreich, Spanien, Portugal). Bluewin-TV-Kunden können ganz nach ihren Wünschen aus den Live-Spitzenspielen euro­ päischer Ligen auswählen und einzeln bezahlen (on demand, ausser England). Oder, zweite Möglichkeit für Sportfans: Sie abonnieren zusätzlich zu Bluewin TV das Teleclub-Sportabo mit bis zu 24 Livekanälen!

Spitzenfussballer Hakan Yakin, der in einer 2,5-Zimmer-Wohnung in der Innerschweiz lebt, gönnt sich zwischendurch auch mal Entspannung, die nichts mit Fussball zu tun hat: «‹Prison Break› und ‹Lost› sind meine absoluten Lieblingsserien», sagt er. Da er aber oft auf dem Fussballplatz steht, wenn diese Serien ausgestrahlt werden, nutzt er dafür die Serien-Programmierung: Einmal programmiert, zeichnet Bluewin TV sämtliche Folgen einer Staffel auf. «Das ist wirklich praktisch», so Yakin. Bluewin TV kommt per Telefon­leitung in die Wohnung, ein Kabel­anschluss erübrigt sich. Das heisst konkret: nur ein Anschluss – für


publireportage

luzern-star Hakan Yakin schätzt die Vorteile von Bluewin TV.

Telefon, Internet und Fernsehen! Über 140 Sender werden frei Haus geliefert – von SF bis zu staatlichen und privaten Sendern der Nachbarländer, bis zu Themenkanälen mit Musik-, Kinder-, Kultur- und Sportsendungen. Und das Beste: Über 130 Radiosender gehören ebenfalls ins Grundangebot. «Für mich ist es natürlich schön, dass auch türkische Sender im Programm sind. So kann ich zwischendurch schauen, was in meiner zweiten Heimat so abgeht», meint Hakan Yakin. Weitere Informationen zu allen Kanälen und SportEvents u www.swisscom.ch/tv

GROSSE AUSWAHL AUF BLUEWIN TV u praktische funktionen 3,5 Stunden beträgt der durchschnittliche Fernseh­ konsum der Schweizerinnen und Schweizer. Jetzt ist Fernsehen dank Bluewin TV noch einfacher und viel­ fältiger: Swisscom liefert 140 TV- und über 130 Radio­ sender aus derselben Leitung wie Telefon und Internet. Der Kabelanschluss erübrigt sich. Bluewin TV ist auf die heutigen Bedürfnisse zuge­ schnitten: Die «Tagesschau» läuft vielleicht genau dann, wenn man beim Znacht sitzt. Oder die Lieblingsserie kommt dann, wenn Frauen­abend ist. Mit Bluewin TV ist das kein Problem mehr: Die einfache Programmierung erlaubt Einzel- oder Serienaufnahmen auf Knopfdruck

– einmal programmiert, ist die ganze Staffel archiviert. Praktisch auch die Live-Pause: Klingelt beim Lieblings­ programm das Telefon, einfach kurz anhalten und zehn Minuten später weiterschauen. Neben der riesigen Auswahl an Sport bietet Bluewin TV auch Hunderte von Filmen auf Abruf (on demand): Auswählen, mieten und innert 24 Stunden anschauen. Viele Bluewin-TV-Inhalte gibt es auch in HDTV-Qualität. Informieren und abonnieren In allen Swisscom-Shops www.swisscom.ch/tv oder unter Tel. 0800 800 800


Meine Schweiz Dario Cologna zeigt sein Münstertal

Wie das Tal, so der Star

Natürlich, bescheiden – und sackstark. Langlauf-Star Dario Cologna hat viele Gemeinsamkeiten mit seiner Heimat: «Die Pracht der Natur im Münstertal ist atemberaubend.»


Magischer Ort Im Lai da Rims auf 2396 m ü. M. kühlt Langlauf-Star Dario Cologna seine Füsse. «Hier oben war ich schon als Kind immer sehr gern.»

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Meine Schweiz Text Alejandro Velert Fotos Fabienne Bühler

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iegt das Münstertal in der hintersten Ecke der Schweiz? Oder ist es die erste Ecke unseres Landes? Ansichtssache. Unbestritten ist: Aus diesem wunderschönen Tal kommt der beste Langläufer der Welt. «Na ja, wir wollen mal nicht übertreiben», sagt Dario Cologna, 23. Und dann mit einem Augenzwinkern: «Ich bin jedenfalls nicht der schlechteste.» Wie das Tal, so der Star. Trotz seiner Erfolge bleibt Cologna wortkarg, zuvorkommend, bescheiden. Und seine Heimat tut es ihm nach: Die 1700 Müs­tairer lassen die Schönheit ihres Tals für sich sprechen. Wieso sollten sie auch viele Worte verlieren? Die unberührte Natur, die sattgrünen Wiesen und gepflegten Dörfer bilden ein malerisches Ensemble. Die kleine Welt jenseits des Ofenpasses – ein Paradies für Biker und Wanderer. «Im Münstertal kennt jeder jeden», sagt Dario. Und dies ist nicht bloss ein Spruch: Kaum schwingt sich der Tschierver aufs Mountainbike, muss er gleich wieder absteigen. Ein Bauer hat nämlich gerade seinen Traktor angehalten – er möchte mit dem berühmtesten Sohn des Tals ein wenig plaudern. Dario nimmt sich gern Zeit für einen kleinen Schwatz. «Das sind ja alles Bekannte von mir, keine Fans.» Dabei wohnt Cologna schon seit über sieben Jahren nicht mehr im Tal. «Mit 16 ging ich nach Ftan ins Gymnasium.» Seit er 20 ist, wohnt der Gesamtweltcupsieger der vergangenen Saison in Davos.

Alpen-Paradies Auf den verschiedenen Themenwegen können Wanderer viel über die Kultur und die Natur des Münstertals erfahren.

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Trainieren, wo andere Ferien machen: «Egal ob auf zwei Beinen oder zwei Rädern» Dario Cologna


«Man muss hier weg, wenn man etwas erreichen will. Aber im Herzen bleibt man Müstairer. Wann immer möglich komme ich nach Tschierv, um meine Eltern zu besuchen.» Vater Remo und Mama Christine ermöglichten dem 23-Jährigen seine Karriere. Um Dario und seine zwei Geschwister Andrea und Gian-Luca aufs Gymi schicken zu können, verkauften die Eltern gar ihr Haus in Müstair. «Wir hatten keinen Luxus zu Hause. Das prägte mich und hilft mir heute. Ich lernte, mich durchzubeissen», sagt Dario. «Das war schon immer eine seiner Qualitäten», bestätigt Vater Remo und lacht. «Selbst als Bub konnte er bei Spielen wie Eile mit Weile nie verlieren!» Überschaubar, abgelegen und gemächlich, so beschreibt Zeitsoldat Dario Cologna, der zu fünfzig Prozent beim Bund angestellt ist, sein Tal. «Ich staune immer wieder über die Pracht der un-

Persönlich Dario cologna Geboren in Santa Maria GR am 11. 3. 1986 (Fische), Grösse 180 cm, Gewicht 74 Kilo u karriere Colognas Stern ging bei der U23-WM 2007 in Tarvisio (Italien) auf, wo er zwei Goldmedaillen errang. In der Saison 2008/09 war er der überragende Läufer und gewann als erster Schweizer Langläufer den Gesamt-Weltcup u Sponsoren Haupt- und Kopfsponsor: Helvetia; Ski und Bindung: Fischer; Stöcke: Swix; Bekleidung und Brille: Adidas u hobbys Fussball und Lesen

berührten Natur.» Nirgends fühle er sich so wohl wie auf den 18 Kilometern zwischen Ofenpass und Müstair. «Wer Rambazamba möchte, ist in St. Moritz besser aufgehoben.» Sein Tipp: «Eine Wanderung zum Lai da Rims. Ich kenne keinen schöneren Bergsee in den Alpen. Schon als Kind wanderte ich mit meinen Eltern oft dorthin. Inzwischen nehme ich dafür das Bike. So kann ich Ausflug mit Training verbinden.» Nur wenn man Dario nach einem Restaurant-Tipp fragt, drückt sich der Single um die Antwort. «Es hat nicht nur Vorteile, wenn jeder jeden kennt. Hebe ich jetzt ein Restaurant hervor, sind alle andern beleidigt. Da bleibe ich lieber diplomatisch. Hier gibts überall feine Capuns und leckere Nusstorten.» Ein Höhepunkt eines MünstertalBesuches ist das Benediktiner-Kloster St. Johann in Müstair. «Hier ging ich bei Schwester Dumengia in den Chindsgi.» Die Klosterkirche aus dem Jahr 775 ist Unesco-Weltkulturerbe. Tipp: Das Kloster bietet im Frühling und im Herbst begleitete Fastenwochen an. Statt Alltagsstress stehen Besinnung, Meditation und Yoga auf dem Programm. «Nichts für mich. Oder jedenfalls – noch nicht», sagt Dario und lacht. Statt Ruhe und Besinnung zu geniessen, trainiert er derzeit hart mit den Roll-Ski. «Die nächste Saison wird lang. Die Olympi­ schen Spiele in Vancouver sind ein ganz besonderer Höhepunkt. Zum Glück weiss ich jetzt schon, wo ich mich anschliessend erholen werde.»   Nächste Woche Rainer Maria Salzgeber zeigt sein Wallis

Bergriesen wachen über das Tal Links der Piz Dora (2951 m ü. M.) und rechts der Piz Daint (2968 m ü. M.). schweizer illustrierte

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Meine Schweiz

Münstertal Das p 1&Schlemmen schlafen u Köstlich Feinschmecker sind im «Piz

Romantisch In der «Stüvetta» des Hotels Staila gibts leckere Bündner Spezialitäten.

Typisch Die Sgraffito-Fassade des Restaurants Piz Umbrail in Sta. Maria.

Wilde Natur Im Nationalpark gibts nicht nur Steinböcke zu sehen.

Historisch Das Hotel Central in Valchava mit seiner märchenhaften Fassade.

Umbrail» in Sta. Maria an der richtigen Adres­ se. Vom Babyhummer-Ragout über BarbarieEnte bis zum sautierten Kalbssteak mit Nussbutter gibts im «Umbrail» alles, was das Gourmet-Herz begehrt. Das Viergangmenü kostet CHF 130.–, das Sechsgangmenü CHF 170.–. www.pizumbrail.ch u Aktiv Das Hotel Staila in Fuldera bietet ­seinen Gästen auch ein Aktivprogramm an. Sie können geführte Wanderferien und ­ nebenbei das Herstellen von Kartonage-Arbeiten erlernen. DZ ab CHF 80.–, Aktiv-Ferien­ wochen ab CHF 795.–. www.hotel-staila.ch u urchig Das Haus Central in Valchava wurde im 17. Jahrhundert als Bauernhaus erbaut, heute dient das renovierte Gebäude als Hotel. Im ehemaligen Heustall befindet sich eine kleine Oase der Entspannung mit Bio-Sauna und Massage-Raum. Die Aussenfassade wurde 2002 von einheimischen Künstlern bemalt. Zimmer ab CHF 75.–. www.centralvalchava.ch

3 Sport & Fun

Fotos Fabienne Bühler, swiss-image.ch (2), Prisma, SWBOE, hueppiwerben uitikon, Flavio Gross, Hotel Central

Auf zwei beinen

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u Senda Val Müstair – eine herrliche Panorama-Wanderung

2 Nationalpark Überwältigende natur u Vom Münstertal aus lassen sich die 172 Quadrat­ kilometer des Schweizerischen Nationalparks entdecken. Die alpine Natur­landschaft bietet eine einmalige Tier- und Pflanzenwelt. Der Nationalpark lässt sich zu Fuss oder auf dem Bike erforschen. Und mit etwas Glück entdecken Sie den Star unter den 650 verschiedenen Pflanzenarten: die Alpenrose! www.nationalpark.ch

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auf der Sonnenseite des Tals. Dauer: ca. 6 Stunden. Auf zwei rädern Vom Ofenpass zum Lago di Livigno und durchs Val Mora hinunter nach Sta. Maria. Länge: 40 km. www.val-muestair.ch

4 Rundflug Ab in die Luft Mit dem Heli zum Lai da Rims – unvergesslich!

u Wer das Münstertal aus der Vogelperspektive erkunden möchte, kann dies mit dem Helikopter tun. Heli Bernina bietet von Samedan aus atem­beraubende Rundflüge an. Preis für einen Münstertal-Rund­ flug: ab CHF 880.–. Infos gibts unter www.helibernina.ch oder Tel. 081 - 851 18 18.


erfekte Wochenende

Imposant Das Kirchenschiff des Klosters St. Johann in Müstair.

www

Infos zur Ferienregion Münstertal www.val-muestair.ch, www.myswitzerland. com

5 Entdecken & erleben u Göttlich

Das Benediktiner-Kloster St. Johann in Müstair wurde 1983 von der Unesco in die Liste der Weltkulturerbe aufgenommen. Von Weltrang sind der frühmittelalterliche Wandmalereizyklus aus dem 9. Jahrhundert und die romani­sche Bilderwelt aus dem 12./13. Jahrhundert. Das Klostermuseum ist täglich geöffnet, bis Oktober finden die Kirchenführungen werktags um 9.30 und sonntags um 14.30 Uhr statt. www.muestair.ch

u Tierisch

Im Sommer 2005 sorgte Bär Lumpaz im Münstertal für grosse Aufregung. Zum ersten Mal seit siebzig Jahren war in der Schweiz wieder ein Bär zu ­Besuch. Auf dem Bären-­Themenweg «Süls stizzis dal uors» können Wanderer viel über den Braunbären und die Ver­haltensregeln in einer Bärenregion lernen. Die Wanderungen dauern zwischen einer und sechs Stunden. www.ursina.org

Kunst am Bär Eine Skulptur von Sepp Heinisch markiert den Anfang des Bärenwegs auf dem Ofenpass.

6 Nach 22 Uhr

7Agenda

im Münstertal für Nachtschwärmer nicht – dafür exklusiv. In Sta. Maria steht, offiziell bestätigt von der Gesellschaft Guinness World Records, das kleinste Pub der Welt! Das Lokal, das sich selber «Kleinste Whisky-Bar der Welt» nennt, ist nur 8,53 Quadratmeter gross und hat täglich bis Mitternacht geöffnet. Die beschränkte Grösse des Lokals tut dem Angebot keinen Abbruch: 164 verschiedene Whisky-Sorten ­stehen zur Auswahl. Kleiner gehts nimmer Im kleinsten Pub der Welt haben www.swboe.com nur ein paar Leute Platz – dafür ist Exklusivität garantiert!

u Bis

u Zugegeben, riesig ist das Angebot

Mitte Oktober jeden Mittwoch, Freitag und Sonntag Geführte Besichtigung der Dorfmühle Mall aus dem 17. Jahrhundert, in Sta. Maria u 2. September Diavortrag «Die vier Jahreszeiten im Val Müstair», in Sta. Maria u 4. September Besichtigung einer Schafherde mit Herdenschutzhunden (Anmeldung via Turissem Val Müstair) u 6. September Traditionelles KinderFussball-Grümpelturnier, in Müstair u 9. September Diavortrag über den Schweizerischen Nationalpark in der Hospizkirche, in Müstair

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Party Small Talk mit

Peter Brabeck Peter Brabeck, VerwaltungsratsPräsident von Nestlé, findet die Hitze «einfach wunderbar»! Beneidet die Badegäste im Zürichsee: Bundesrätin Doris Leuthard.

Die heisseste Party des Jahres Hilfe zur Selbsthilfe: 50 Jahre Swisscontact!

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ie Gäste im Casino Lakeside am Zürichsee klatschen auffallend viel – so können sie sich ein wenig Luft zufächern. Bei über 30 Grad feiert Swisscontact, die Entwicklungsorganisation der Schweizer Wirtschaft, ihren 50. Geburtstag. Nestlé-VRPräsident Peter Brabeck betont die Kernidee: Hilfe zur Selbsthilfe. Und für Bundesrätin Doris Leuthard «ist die Armutsbekämpfung die strategische Herausforderung des 21. Jahrhunderts». Viele Gäste äugen beim Apéro wehmütig zur nahen See-Badi. Und die Bundesrätin spricht allen aus dem Herzen: «Jetzt würde ich am liebsten in den See springen!» Text nina siegrist, marcel huwyler, Fotos bruno voser

Cécile Bühlmann, alt Nationalrätin, Stiftungsratspräsidentin Greenpeace Schweiz.

Für den Kittel wars dann doch zu heiss. Swiss- SVP-Nationalrat Hans Kaufmann (l.) mit Gattin contact-Geschäftsführer Urs Egger, Frau Hedy. Jana und Luzerns FDP-NR Georges Theiler. Zum Verwechseln ähnlich: Rosmarie Müller-Hotz, Zwillingsschwester von alt Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz, mit Partner Peter Pfister.

Das Nestlé-Wassergeschäft lief Anfang 2009 nicht blendend. Es hiess, Sie hoffen auf einen heissen Sommer. Zufrieden? O ja, es ist einfach wunderbar! Dann mögen Sie auch als Gletscherpilot die Hitze? Ja, ich bin hitzeresistent (lacht). Ausserdem kann man in der Schweiz ja überall baden. Ich schwimme derzeit fast täglich im Genfersee. Ein grosses Privileg! Sommerzeit ist Glacezeit. Sie haben Ihre Karriere einst als Eisverkäufer gestartet. An Tagen wie heute war bestimmt einiges los? Na ja, es geht so. Jeder Eisverkäufer weiss: Die ideale Glace-Schlecktem­ peratur liegt bei 24 bis 28 Grad. Alles darüber ist schädlich fürs Geschäft: Die Leute wollen dann nur noch trinken. Nestlé steht Swisscontact bei ihrer Entwicklungshilfe seit 50 Jahren zur Seite. Haben Sie mal eines der Projekte besucht? Ja, mehrere. Zuletzt war ich in Ecuador. Sie reisen viel. Gerade kommen Sie aus Peru. Ich habe das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden, war bergsteigen in der Cordillera Blanca und habe eine Rede zum 120. Geburtstag der Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und Peru gehalten. Noch mal zur Entwicklungshilfe. Engagieren Sie sich da auch privat? Ja, ich habe während Jahren in ländlichen Gebieten Venezuelas Schulen gebaut. Aber das ist eine ganz persönliche Sache … So, und jetzt muss ich Sie schon verlassen: Mein nächster Termin in Luzern wartet!

party-facts Gastgeber Swisscontact Tatort Casino Lake-­side, Zürich Begehrtester Artikel Die Einladungskarte – der ideale Fächer in der Hitze Food Fingersnacks, verziert mit Trockeneis-Nebel (herrlich kühl anzusehen!) Party-Rating

Swisscontact-Stiftungsrat Peter Arbenz (l.), Zürcher FDP-Ständerat Felix Gutzwiller.

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«Wasser, Wasser, Wasser! Für Champagner wars definitiv zu heiss» schweizer illustrierte

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Notabene

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Die Seuchenprediger

Chris von Rohr

ie Schweinegrippe! Worum geht es eigent- an aussergewöhnlichen Ansteckungen und an schneeballartiger lich bei dieser Grippe? Es geht um Erkran- Verbreitung. Also deutliche Häufung von Grippefällen. Dies ist aber kungen der Atemwege. Erkrankungen der heute nicht der Fall. Laut WHO gibt es jährlich eine Milliarde diverser Atem­wege können aber unterschiedliche Influenzaerkrankungen, bis zu 1370 Todesfälle täglich. Man nennt ­Ursachen haben. Vergiftungen, Infektionen, dies das Influenzagrundrauschen. An dieser Zahl hat sich nicht gross psychosomatische Schäden und allgemeine was geändert, auch nicht seit es die Schweinegrippe gibt. Heute von gesundheitliche Schwächen. Sie alle müssen einer Pandemie zu sprechen, ist reine Angstmacherei und natürlich bei einer Grippe sorgfältig analysiert und mit- Geschäftemacherei. betrachtet werden. Der Armutsfaktor spielt Die Chronologie der Schweinegrippe zeigt vor allem eine Rolle. Die Schweinegrippe hat ja angeblich in Mexiko begonnen. auch eines: Die Labortests sind zu hinterfragen. Denn: Wer extrem Menschen, die Hunger und kein sauberes Wasser haben, sind an- sucht, ­ findet immer etwas Neues, eine Genfrequenz oder neue fälliger. Dazu hat man festgestellt, dass auch Pestizide und Luft- Viren. Und dann gibts noch die endogenen Viren – das sind Viren, die gar nicht von aussen kommen, sondern von uns selber produverschmutzung Einfluss auf Grippesymptome haben. Und was macht die Schulmedizin aus diesem Krankheits- ziert werden, zum Beispiel stress­bedingt. Je mehr man sich damit spektrum? Sie klebt einen regelrechten Tunnelblick nur auf die Infek­ befasst, umso mehr wird klar: Es gibt keine Grippe­pandemie, tionen. Noch schlimmer: Der Erstverdacht bei einer Unter­suchung sondern eine Labortestpandemie. richtet sich nach der Modediagnose, und die heisst zurWir dürfen uns also weiterhin die Hände schützeit nämlich Schweinegrippe. Differenzial­diagnosen gibt «Es gibt teln, und ich wette meine letzte Kranken­kassen­prämie, es selten bis gar nicht, und man muss sich fragen: Wie viel keine dass auch diese Modeseuche vorbeigeht, schon nur darhat streckenweise das Weltbild eines Medi­ziners noch mit Grippeum, dass die Zuständigen und die Industrie eine neue der realen Welt zu tun? Jeder Auto­didakt, der sich mit lancieren können und sie getrost die 100 000 Hun­ger­ diesem Thema ernsthaft befasst, stellt fest: Fast jede pandemie, toten pro Tag wieder mal verdrängen können. Die uferGrippe hat mehrere Faktoren und Quellen. los gehypten Seuchen Sars und die Vogelgrippe kostesondern ten an die 3000 Menschenleben, und es ist bis heute Die Medizin kennt aber meist nur eine Antwort: nicht nachgewiesen, welche anderen gesundheitlichen die Erregerbekämpfung, die an sich auch wieder eine Ver- eine giftung ist – so können zum Beispiel die Nebenwirkungen Labortest- Faktoren bei diesen Todesfällen mitspielten. von Tamiflu selber wieder Grippesymptome aus­lösen und Der Mensch ist genetisch zu 90 Prozent ein pandemie» Schwein. heftig in den natürlichen Ablauf unseres Körpers und Da muss es uns nicht erstaunen, dass wir auch Immunsystems eingreifen. Langzeit-Impfschäden werden ein paar Schweine­gene in uns finden und uns zwischeneh per se ausgeblendet oder verschwiegen. Zusammengefasst: Die zeitlich schweinisch ­verhalten. So können wir sicher sein, dass auch Schulmedizin konzentriert sich im Allgemeinen auf die ­Mikroben, nächstes Mal, wenn die «Fleder­maus-Grippe» ausgerufen wird, Bakterien und Viren, Influenzaviren Typ A, B, C. Das Problem: All alle Medien der Auflage ­zuliebe monatelang schön brav und kritikdiese Viren haben Untertypen und ständig ­ unendlich viele neue los alles nachbeten, was ihnen vorgesetzt wird. Es werden wieder Nebenstränge und neue Erreger­subtypen. Jeder Erreger ist ein für Millionen Spritzen, Masken und Impfstoffe bestellt – schliesslich eigenes Individuum. Wie soll man da noch einen Labortest zum gehts um ein lukrati­ves ­Geschäft mit der Angst und UninformiertThema eichen? heit der Menschen. Diese schulmedizinische Sichtweise hat natürlich Vorteile So viel ist klar: Leichtgläubigkeit ist eine der Hauptursachen für alle: Das Virus ist schuld, dann liegts sicher nicht an mir und des ganzen Leides dieser Welt! Die Devise heisst auch hier: immer meiner Lebensweise, meinen Suchtmechanismen und meiner gründlich, kritisch und breit informieren. Checken Sie genau, wer Ernährung. Man kann gut verdrängen. Für die Industrie beste wem was einfach nachschwätzt. Und vor allem: Glauben Sie keinen Umsätze und sagenhafte Gewinne liegen an der Tagesordnung. falschen Schweinepriestern, Angstkampagnen oder Amok-ImmuFür Politiker bringt jede neue herbeigeredete Pandemie Vorteile, nologen. So sind Sie bereit, wenn sie kommt – die Pandemie. Und leben mit Garantie freudiger und vor allem gesünder. sich zu profilieren.  Woran erkennt man eigentlich eine Pandemie? Wir würden denken, an der Häufung von Krankheits- und Todesfällen, Chris von Rohr, 57, Musikproduzent und Autor

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Leser

«Das neue Magazin SI GRUEN ist der Hammer. Gratulation!» u Ueli Maurer, SI 34/2009

«Wenn ich bei meiner Mutter zu Besuch bin, lese ich immer die Schweizer Illustrierte. Man muss doch ein bisschen auf dem Laufenden sein, was die Schweizer Prominenz so macht. Ich habe mich schon manchmal gefragt, was Ueli Maurer als Sportminister auszeichnet. Jetzt weiss ich es! Er braucht mit seinem klapprigen Bike für 15 Kilometer 22 Minuten. Da werde ich als ambitionierter Hobbysportler doch richtig neidisch.» Peter Thoma, per E-Mail

«Vielen Dank für den Beitrag über Ueli Maurer. So ein einfacher und volksnaher Bundesrat hatten wir noch nie, obwohl einige an seinen Fähigkeiten gezweifelt hatten bei seiner Wahl zum Bundesrat. Finde es toll, dass er mit dem Velo arbeiten geht.» Andreas Vogel, per E-Mail

«Meine Schweiz» – fotos sind ganz fantastisch u Meine Schweiz, SI 34/2009 «Ihre Fotoberichte ‹Meine Schweiz› sind ganz fantastisch, herzlichen Dank. Bitte noch mehr Bilder von so herr­lichen Orten aus meiner lieben Heimat! Ihre langjährige Leserin.» Sonja Siegenthaler, Sydney (Australien)

Alles glück dieser Welt für die junge familie u Tagebuch, SI 34/2009 «Lieber Herr Niethammer. Herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihres Sohnes Konstantin. Wunderschön, wie Sie Ihre Gefühle im Tagebuch der SI beschreiben. Alles Glück dieser Welt für Ihre junge Familie. Geniessen Sie die vielen Augen­blicke, denn sie sind alle einzigartig und kommen nicht mehr zurück.» Erhard Schöpfer, per E-Mail

rené kuhn und das mass unseres eigenen geistes u SVP-Mann René Kuhn, SI 34/2009 «Bei René Kuhn trifft die Aussage von Marie von Ebner-Eschenbach aufs Haar zu: ‹Der Massstab, den wir an die Dinge legen, ist das Mass unseres eigenen Geistes.›» Rosemarie S. Völkle, Egg ZH «Was ist denn hier passiert? Ist doch total out, dass Frauen auf ihr Äusseres reduziert werden, zumal René Kuhn auch nicht gerade ein George-ClooneyVerschnitt ist.» Lilo Lanz, Basel

neues magazin «SI gruen» – ungemein stark! u Evelyne Binsack, SI Gruen 3/2009 «Das neue Magazin Schweizer Illustrierte GRUEN ist der Hammer. Das Interview und die wunderschönen, sinnlichen Bilder mit Evelyne Binsack haben es mir angetan. Frau Binsack sorgt sich um unsere Umwelt, ohne das missionarisch und im düster betroffenen Gutmenschen-Jargon zu tun. Sie ist eine ungemein charmante, starke Frau.» T. Kohler, per E-Mail

schreiben sie uns ihre meinung Schweizer Illustrierte, Leserbriefe, Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Fax 044 - 262 04 42 E-Mail info@schweizer-illustrierte.chAnonyme Zuschriften werden nicht veröffentlicht. Die Redaktion behält sich vor, Briefe zu kürzen.

impressum Nr. 35, 98. Jahrgang. Erscheint montags Beglaubigte Auflage 232 519 Exemplare ISSN 0036-7362 Abonnements-Dienst (Telefon gratis) 0800 820 920 Mo bis Fr: 7.30–18.00 Uhr, aboservice@ringier.ch Redaktion Schweizer Illustrierte, 8008 Zürich, Dufourstrasse 23, Tel. 044 - 259 63 63, Fax 044 - 262 04 42, info@schweizer-illustrierte.ch Chefredaktor Nik Niethammer Verlagsdirektor Urs Heller stv. chefredaktor Andrea Müller MITGLIED DER Chef­redaktion Stephan Sutter Bekanntgabe von namhaften Beteiligungen i. S. von Art. 322 StGB: Addictive Productions AG; Betty Bossi Verlag AG; Bolero Zeitschriftenverlag AG; ER Publishing SA; Freeflow AG; Good News Productions AG; GRUNDY Schweiz AG; Investhaus AG; JRP Ringier Kunstverlag AG; 2R Media SA; Mediamat AG; media swiss ag; Previon AG; Presse TV AG; Radio Z AG; Rincovision AG; Sat.1 (Schweiz) AG; SMD Schweizer Mediendatenbank AG; SMI Schule für Medien­integration AG; Teleclub AG; Zana Media AG; Ringier France SA; Ringier Publishing GmbH; Juno Kunstverlag GmbH; Ringier (Nederland) B.V.; Ringier CR a.s.; Ringier Kiadó Kft.; Europress Kft.; Euromedia Bt.; Népszabadság Zrt.; Ringier Slovakia a.s.; FMU Free Media Ukraine Ltd.; Ringier Pacific Ltd.; Ringier Print (HK) Ltd.; Beijing Ringier International Advertising Co. Ltd. Der Nachdruck sämtlicher Artikel und Illustrationen ist verboten. Für den Verlust nicht verlangter Reportagen übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.


Die Liste

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Franka Potente

Zehn Dinge, die ich unbedingt tun muss

Aufgezeichnet von sylvie kempa

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Interviews für «Baba’s Song» geben Das mache ich gern. Meine Rolle ist nur klein. Der Film und die afrikanischen Hauptdarsteller sind bezaubernd!

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Auf den Markt gehen Meine Sonnenblumen lassen die Köpfe hängen. Ausserdem will ich frische Kräuter kaufen. Am Wochenende wird gekocht!

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Meinen Chaosschrank aufräumen Ich mag ihn gar nicht mehr öffnen: zu viele Ordner, Papier, Kram … Das muss sich ändern! Ein paar Drehbücher lesen Dafür brauche ich Zeit und Ruhe. Die hatte ich in den letzten Wochen nicht. Meinen Literaturagenten anrufen Das ist überfällig. Er denkt wahrscheinlich, ich sei nach Australien ausgewandert. Unkraut auf meinem Balkon zupfen Wieso wächst da überhaupt Unkraut? Das nervt … Fimo-Männchen machen Das liebe ich sehr! Manchmal packts mich, und ich bastle kleine, alberne Männchen, die ich dann verschenke. Mein guter Freund Max besitzt eine kleine Kollektion. Meine Brille putzen Vergesse ich immer. Und wundere mich, dass ich nichts sehe. In die Maniküre und Pediküre gehen Längst überfällig – gerade im Sommer! Foto Dick Vredenbregt

Im Kino Mit «Lola rennt» schaffte die Schauspielerin Franka Potente, 35, den grossen Durchbruch. Seither trat die mit einem amerikanischen Geschäftsmann verlobte Wahlberlinerin in mehreren HollywoodFilmen auf. Aktuell ist die Deutsche in der Schweizer Produktion «Baba’s Song» in den Kinos zu sehen.

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Mein Buch fertig schreiben Ich schreibe ein Buch mit kleinen Geschichten aus Japan. Die Hälfte ist fertig. Dann kamen Arbeit und eine Schreibblockade. Die Deadline ist im nächsten Frühjahr!


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