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«Wir Männer hören schlechter zu» Er hat ein Auge fürs Bild. Doch als «Hear the World»Botschafter fokussiert marc forster für einmal ganz aufs Ohr. Unser Star-Regisseur über sein Engagement – und sein Töchterchen Lia Enéa. Text bettina portmann Fotos fabienne bühler

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schweizer illustrierte

© Photo by Bryan Adams

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err Forster, bei bestimmten ­Themen hören Männer ganz plötzlich schlecht. Kennen Sie dieses Phänomen? (Lacht.) Und ob! Ich gehe sogar noch weiter: Wir Männer hören generell schlechter als Frauen – vor allem hören wir schlechter zu. Ein Problem unserer Gesellschaft überhaupt. Im Vergleich zu früher sind die Menschen heute viel zu stark abgelenkt. Zuhören ist eine Kunst. Die Sie offenbar beherrschen – als ­Botschafter für «Hear the World», die weltweite Initiative von Phonak. Das Thema Hören beschäftigt mich sehr. Mein ältester Bruder Wolfgang kam gehörlos zur Welt. Ich musste mich also zwangsläufig von frühester Kindheit an damit auseinandersetzen. Wie erlebten Sie den täglichen Umgang mit ihm? Wolfgang war fünf Jahre älter als ich. Damals gab es weder SMS, E-Mail noch Chatrooms. Telefone waren das einzige Kommunikationsmittel. Weil sich Gehörlose nur schwer an Gesprächen beteiligen können, sind sie unglaublich schnell ausgeschlossen. Wolfgang lernte von den Lippen lesen – sowohl in Deutsch als auch in Englisch. Er war hochintelligent. Und trotzdem war eine gewisse Vereinsamung da. Rein vom sozialen Umfeld her stellen sich einem gehörlosen Menschen unzählige Probleme. Uns Hörenden ist oft gar nicht bewusst, wie wichtig der Ton ist. Ihnen als Regisseur liegen aber sicher Bilder näher? Bilder sind für mich sehr wichtig. Aber erst beim Vertonen hauche ich meinen Bildern eine Seele ein. Geräusche und Über den Dächern von London Auf der Dachterrasse von Bryan Adams Zuhause im trendigen Musik prägen unser Unterbewusstsein. Stadtteil Chelsea entsteht das offizielle «Hear the World»-Bild mit Marc Forster (r.). Zeitaufwand? Sechs Minuten. Rekord? Bryan Adams: «Für Plácido Domingo brauchte ich nur drei Minuten.» Ihr Bruder nahm sich vor elf Jahren das

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People- und Lifestyle-Magazin

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