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GOAl #1, 14. April 2009

Lionel Messi Der Linke fuss gottes

Paolo Maldini

Das Urgestein von AC Milan ganz privat

blerim dzemaili power-duo Blerim Dzemaili und Freundin Barbara Megert.

Zurück im Glück Erfolg in Turin & Nati-Comeback

mit almen abdi • didier drogba • Gelson fernandes • despina petric • Barack Obama • Alex Frei • marta • rio ferdinand • gordon brown • seydou doumbia • ivan benito


editorial april 2009

Die Schweizer Nationalmannschaft meldet sich zurück – GOAL ebenfalls



making-of

Liebe Leserin, lieber Leser Manchmal genügen 96 Stunden, und schon sieht die Fussball-Welt wieder viel besser aus: 2 × 2:0 gegen Moldawien – die Schweizer Nationalmannschaft meldet sich zurück. Dass der Gegner grottenschlecht war, praktisch jeden Zweikampf verlor und pro Match höchstens einmal aufs Tor schoss, blenden wir mal höflich aus. Wir hoffen wieder – zumindest bis zum Griechenland-Spiel am 5. September in Basel. Coach Ottmar Hitzfeld hat in den letzten Monaten überzeugt. Auch neben dem Platz: «Man hört Hitzfeld zu und denkt, dass nur wenige Trainer die Kunst des Redens in der Öffentlichkeit so beherrschen wie er, der Herr Kommunikator», schwärmt die NZZ. GOAL-Kolumnist Mario Widmer wagt trotzdem eine Kritik. Majestätsbeleidigung? Nein. Aber Mario fürchtet: «Heimniederlagen wie gegen Luxemburg sind kaum mehr zu korrigieren.» Seite 32. GOAL meldet sich zurück. Wir machten nach der Euro 2008 mal Pause. Aber jetzt geben wir wieder alles: Für spannende Interviews und für ungewöhnliche Bilder ist uns kein Weg zu weit. Am Konzept halten wir fest: Wir interessieren uns nicht nur für die Leistung, sondern auch für das Leben und den Lifestyle der Stars. Die spannendsten Begegnungen diesmal? Torino-Mittelfeldspieler Blerim Dzemaili schildert den langen Weg vom Operationssaal zurück in die italienische Serie A und in die Nationalmannschaft; dass er ausnahmsweise seine kluge und schöne Freundin Barbara Megert (Jus-Studentin, Vize-Miss-Schweiz, «Benissimo»-Glücksfee) ins Fotostudio mitgebracht hat, wissen wir zu schätzen (Seite 22). Wir porträtieren Superstars wie Lionel Messi (Seite 34), Weltfussballerin Marta Vieira da Silva (Seite 40) und Milan-Legende Paolo Maldini (Seite 44). Und die Stars der Axpo Super League: FCZ-Regisseur Almen Abdi verrät, wer wirklich wichtig ist in seinem Leben (Seite 12). YB-SuperJoker Seydou Doumbia gesteht, dass er jeden Abend mit seiner Mama telefoniert (Seite 58). Aarau-Goalie Ivan Benito geniesst seinen Erfolg, hat aber nicht vergessen, dass er vor drei Jahren noch stempeln ging und seine junge Familie mit 5000 Franken Arbeitslosengeld durchbringen musste (Seite 60). Fussball ist nicht immer Glanz & Glorie. Ich wünsche Ihnen angenehme (Fussball-)Wochen! Urs Heller, Leitung GOAL

il tauro im studio Blerim Dzemaili mimt das Wappentier des FC Torino, den Stier. Freundin Barbara Megert nimmts cool. frohes schaffen Fotograf Maki Galimberti (l.) zeigt Blerim ­Dzemaili und Barbara Megert seine Bilder.

hart am ball GOAL-Redaktor Alejandro Velert im Jonglier-Duell mit Blerim. End­ergebnis: eins zu eins. Stilnoten? Keine! gruppenbild ohne dame Fotograf Gian Marco Castelberg, GOAL-Redaktor Iso Niedermann, Stephan Lichtsteiner, Diego Benaglio, Alex Frei, Johan Djourou sowie die PumaVertreter Alois Inder­ bitzin und Fynn Kreutz (v. l.) beim Shooting.

einparkhilfe FCB-Jungstar Fabian Frei zirkelt seinen VW Scirocco ins Ziel. GOALAutor Herbie Schmidt hilft dem Fahrschüler.

titelstory Kaká, Dalai Lama, John Grisham, Dolce & Gabbana – als Blerim Dzemaili und Partnerin Barbara Megert sahen, wen der Mailänder Starfotograf Maki Galimberti schon alles vor seiner Linse hatte, waren sie schnell überzeugt: Dieses Shooting für GOAL wird geil! seite 22 April 2009· schweizer illustrierte goal




April 2009

inhalt

03 Editorial / Contributors 04 Inhalt / Impressum

Countdown

22

Blerim Dzemaili & Barbara megert

08 big shots Barack Obama – der oberste Chef ganz locker im Ball-Saal Green Point – das neue Stadion-Juwel Südafrikas

12 meine welt Der Clan von Almen Abdi

15 people  Abigail Clancy – die schönste der schönen Spielerfrauen Manuel Almunia – der Mega-Star mit seinem Mini-Hund

16 body check Didier Drogba – FC Chelsea

18 top secret Despina Petric über ihren Mladen

stars 22 Blerim dzemaili Zurück im Glück! Der Nati-Star über seinen Erfolg in Italien und seine grosse Liebe Barbara Megert

32 kolumne mario widmer Ottmar Hitzfeld: Die echte Angst vor der Niederlage

Der linke Fuss Gottes dribbelt schneller als ein Playstation-Kicker

40 Marta Die brasilianische Magierin aus Dois Riachos

43 kolumne  Guido Tognoni über die Fehlerorgien an der Linie

44 paolo maldini Das Urgestein von AC Milan über Schmerzen und seinen Abschied

50 rio ferdinand &   Gordon Brown Der Abwehrriese im Interview mit dem britischen Premierminister

Lionel Messi

34 schweizer illustrierte goal · April 2009

Paolo Maldini

44

fotos: maki galimberti, pix athlon, max & douglas / grazia neri / eq images

34 lionel messi


super league 56 die talent-show Heinz Barmettler, Steven Lang und Fabian Frei

56

impressum GOAL erscheint als Beilage der Schweizer Illustrierten Nr. 16 am 14. April 2009 Redaktion Schweizer Illustrierte GOAL, Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Tel. 044 - 259 63 63, Fax 044 - 262 04 42, E-Mail si@ringier.ch

58 seydou doumbia Was macht der YB-Stürmer den ganzen Tag? GOAL hat ihn begleitet

Verlagsdirektor / Leitung GOAL Urs Heller

60 ivan benito So lebt der Aarau-Keeper mit seinen zwei Prinzessinnen

64 geld & goal Bernhard Soltermann, der Chef von Ford Schweiz, über Fussball und Sponsoring

lounge 68 shopping

Mitglied der Chefredaktion Stephan Sutter Bildchef Ulli Glantz

barmettler, Frei & Lang

Redaktion Iso Niedermann, Kristina Köhler, Kurt Künzle, Lisa Merz, Ilona Scherer, ­Alejandro Velert, Oliver Wurm (Deutschland)

60

Fotografen Thomas Buchwalder, Hervé Le Cunff, Marcel Nöcker, Bruno Voser Kolumnisten Guido Tognoni, Mario Widmer

Stylisch und pflegend: Mode und Beauty Leicht, bunt, trendy: Die neusten coolen Fussballschuhe

Creation Factor Design, Hamburg Layout Dominic Koch (Leitung), Martina Mayer, Doris Wüthrich (Satztechnik)

72 mode Benaglio, Frei, Djourou und Lichtsteiner präsentieren die neusten Puma-Stücke

Korrektorat Stefan Bührer, Irène Müller

Ivan Benito

72

76 mein auto FCB-Mittelfeldmotor Fabian Frei und sein VW Scirocco 2.0 TSI

78 city-guide mit gelson fernandes

Verlag Ringier AG, 4800 Zofingen Verlag der Ringier-Zeitschriften Ringier AG, Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Tel. 044 - 259 61 11, Fax 044 - 259 68 44 Leiter Anzeigenmarkt Martin Tamas

Der Walliser Nati-Star lebt in Manchester «zmittst im Chueche»

Leiter Lesermarkt Roland Kühne Marketingleiterin Verena Baumann Produktionsleiter Roland Winkler

82 der promi-fan fotos: toto marti / blicksport / rdb (2), zsigmond toth, puma

Bildbearbeitung Ringier Specter EBV, Zürich

Druck Ringier Print AG, 4800 Zofingen

Ex-Mister-Schweiz Renzo Blumenthal verrät, für welchen Schweizer Klub er mitfiebert

titel

Djourou, Lichtsteiner, Frei & Benaglio

78 Gelson Fernandes

Fotografie Maki Galimberti / makigalimberti.com Styling Valentina Roda Haare und Make-up Stefania Pellizzaro April 2009· schweizer illustrierte goal


Countdown



Fussball, People, Style

Abi Road Für alles finden die Engländer eine Abkürzung: WAGs (women and girlfriends) heissen die Frauen an der Seite berühmter Fussball-Stars. Und eine der schönsten ist Abigail Clancy. Sie hat sich Sturm-Tank Peter Crouch ge­angelt. Wie genau, lesen auf Seite 15.

im blickpunkt

fotos: frank white / celebrity pictures / duk as, rdb, marcel schaar, keystone

Meine Welt almen abdi Der FCZ-Star verrät, wer seine wichtigsten Menschen sind. Seite 12

Top secret despina petric Die Schöne verrät, wovor sich ihr Mann Mladen fürchtet. Seite 18

Body-Check didier drogba Alles über den Sturm-Tank von ­Chelsea. Seite 16

April 2009· schweizer illustrierte goal




Countdown Big Shots

der oberste chef ganz locker im ball-saal

foto: Callie Shell / Aurora / Keystone

Er hat nicht nur ein goldenes Händchen für Politik und den Basketball, ­sondern auch ein talentiertes Füsschen für das runde Leder. US-Präsident Barack Obama tritt während einer kurzen Pause gedankenversunken einen Ball gegen die Wand – Körper- und Fusshaltung perfekt. Der 47-Jährige ist ein absoluter Sportfan. Er steht jeden Tag um 5.30 Uhr auf und macht seinen Work-out in der Turnhalle des Weissen Hauses.

schweizer illustrierte goal · April 2009


Green Point – der neue fussball-Tempel Noch fehlt die Glasfaserhülle, die das neue Stadion in Kapstadt von Blau bis Rot erleuchten lassen wird. Der Bau der deutschen Architekten von Gerkan, Marg und Partner für die WM in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli 2010) bietet 68 000 Fans Platz. Ein munterer Farbklecks, zwischen dem Tafelberg-Massiv und dem Atlantischen Ozean gelegen. Kostenpunkt: 450 Millionen Franken.

11 foto: David rogers / getty images

Countdown big shots


Dino Lamberti, 39, Spielervermittler «Dino ist seit zwei Jahren mein Berater und in dieser Zeit sehr wichtig für mich geworden. Egal, was ich brauche – er hilft mir immer. Ich habe grosses Vertrauen, dass er nur das Beste für mich will.»

Berater

Kresimir Stanic, 24, ehemaliger FCZ-Stürmer «Sein schwerer Autounfall vor zweieinhalb Jahren hat auch mich geprägt. Da hat man gesehen, dass es Wichtigeres als Fussball gibt – die Gesundheit! Ich hoffe und wünsche ihm, dass er wieder richtig gesund wird.»

René Grauf, 61, ehemaliger U13-Trainer beim FCZ «Unter ihm begann meine Karriere so richtig. Wir haben damals, mit 13 und 14, alles gewonnen, was man konnte. Er wohnte auch in Dübendorf und nahm mich immer im Auto ins Training mit. Das vergesse ich ihm nie. Auch menschlich ein Super-Typ.»

andrea guatelli, 24, FCZ-Goalie

Josef Baiza, 59, ehemaliger U18-Trainer beim FCZ «Er war damals ein sehr strenger Trainer, dem Disziplin wichtig war. Aber gerade in diesem Alter braucht man das extrem, damit man es schafft. Wir hatten eine super Mannschaft mit Dzemaili, Stanic und mir, sind auch Meister geworden. Dann holte uns Lucien Favre zu den Profis …»

«Wir teilen uns das Zimmer, wenn wir mit dem FCZ unterwegs sind. Dank ihm habe ich mein Englisch stark aufgebessert. Ab und zu treffen wir uns auch privat, gehen zusammen in den Ausgang.»

lucien favre, 51, Hertha BSC Berlin «Favre war sehr wichtig für meine Karriere. Er hat mich zu den FCZ-Profis geholt. Von ihm habe ich sehr viel gelernt: diszi­pliniert zu sein, immer alles zu geben, auch indi­viduell an mir zu arbeiten. Ich bin überzeugt, dass er mit Hertha BSC deutscher Meister werden kann.»

Alis Murati (l.), 24, Izzy Murati (r.), 23, Saba Fazli (u.), 24 Leo (L.) und giuseppe Rapisarda, 23, FC Rapperswil-Jona, FC Aarau «Die Zwillinge sind wie Brüder für mich. Giusi spielt jetzt nicht mehr beim FCZ. Das ist schon etwas komisch, wenn wir gegen Aarau antreten. Aber wir sind ja Profis.»

«Meine beiden Cousins und mein Freund Saba sind sehr wichtige Personen in meinem Leben. Wir sind zusammen in Dübendorf aufgewachsen, haben immer Fussball, aber auch mal Streiche gespielt. Heute spielen wir eher Playstation. Am liebsten ‹Fifa 09›.»

Bernard Challandes, 57, FCZ-Trainer «Unter Favres Nachfolger habe ich mich noch mal stark weiterentwickelt. Er hat mir Vertrauen geschenkt, dafür bin ich ihm sehr dankbar. Challandes hat stets gefordert, dass ich mehr Verantwortung übernehme. Das tue ich jetzt. Das hat mich reifer gemacht.»

Trainer

fussballer-freunde

Beste freunde


Countdown meine welt

13

DER abdi-CLAN!

Er spielte schon als Knirps beim FCZ. Heute zieht Almen Abdi, 22, bei den Profis die Fäden im Mittelfeld. Und hat den Sprung ins Nationalteam geschafft. Wer ihn auf seinem Weg unterstützte, sagt er GOAL. Protokoll: Ilona Scherer

Vater Bajram, 47, und Mutter Aviza, 47 «Meine Eltern sind sehr wichtig für mich. Mit meiner Mutter kann ich über alles reden, auch wenn ich ein Problem habe. Mein Vater hat mich schon als Junior unterstützt. Er sagt mir immer offen seine Meinung – ob positiv oder negativ.»

Schwester Amela, 27, mit den Söhnen SANEL, 6, und ALEN, 8 «Zu meiner älteren Schwester schaute ich als Junge immer auf. Heute besuche ich sie regelmässig. Sie ist ebenfalls fussballverrückt. Ihre beiden Söhne Alen und Sanel liebe ich über alles. Sie sind meine zwei kleinen Jungs.»

Zahid, 17, Bruder «Als Buben haben wir natürlich auch mal gestritten, aber eigentlich haben wir ein super Verhältnis und reden vor allem über Fussball. Ich gebe ihm auch Tipps für seine Karriere – er spielt ja nun auch beim FCZ in der U18. Ich denke, ich bin ein Vorbild für ihn.»

«Mit Nadine verbringe ich die meiste Zeit. Seit November wohnen wir auch zusammen, und es läuft erstaunlich gut. Sie unterstützt mich in allem. Sie ist einfach eine super Frau.»

treue seele Bereits mit acht Jahren trägt Almen Abdi das FCZ-Trikot. Im ver­gangenen August hat Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld den gebürtigen Kosovaren erstmals für ein Länderspiel aufgeboten. Vorbild des Spiel­machers ist der Franzose Zinédine Zidane.

Familie

Fotos: foto-net / pius keller, bruno voser, eq images

Nadine, 25, Freundin, Marketingplanerin


Countdown people

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Traumpaar im wagen Abigail Clancy und Portsmouth-Star Peter Crouch unterwegs.

die schönste der schönen Die Leser des englischen Magazins «Nuts» wählten die 23-jährige Abigail Clancy auf Platz eins der schönen Frauen an der Seite berühmter Fussballer.

P

fotos: frank white / celebrity pictures / duk as, duk as

lötzlich war Abi berühmt. Peter Crouch verguckte sich in einem Restaurant in die sexy Kellnerin. Doch dann tauchten alte Fotos auf, die das Girl aus Liverpool beim Koksen zeigten. Der britische Stürmer kündigte ihr die Liebe per Fax. Und das nicht einmal persönlich, sondern er schaltete einen Anwalt ein. Doch nach wenigen Wochen erblühte die Liebe zwischen Peter und Abi neu. Seitdem sind die beiden unzertrennlich. Und auch Abi machte Karriere: Ihr Bild zierte das Cover der Magazine «Maxim», «FHM», «OK!» und «GQ». Mit Jagger-Tochter Elizabeth stand sie für Bryan Adams vor der Kamera.

super-sexy! Abi sorgte auch im TV für heisse Köpfe. In der Show «Britain’s Next Top Model» landete sie auf Platz zwei.

mega-star mit mini-hund Wenn seine Kollegen vom FC Arsenal dieses Bild sehen, werden sie sich über Manuel Almunia, ihren Torhüter, wohl schlapp lachen.

W

er spaziert denn da gemütlich durch London? Der Riese und der Zwerghund! GunnersKeeper Manuel Almunia – 1,91 Meter gross – und seine britische Ehefrau Ana führen ihren Yorkshire-Terrier aus. Damit es sich nicht im feuchten Londoner Klima erkältet, trägt das Hündchen ein pinkes Jäckchen. Selbstverständlich, dass auch die Farbe der Leine passt. Der 31-jährige Spanier und

farbenfroh Auch ein Millionen-Salär schützt nicht immer vor schlechtem Geschmack: Arsenals Manuel Almunia, seine Frau Ana und Hund.

seine Gattin sind auf Shopping-Tour in ihrem Wohn­quartier Abbots Langley. Ana trägt schokoladenfarbige Winter-Boots der Marke Mukluk. Die Treter aus Kaninchen- und Schaf­ fell kosten rund 450 Franken. Schon vor ein paar Wochen erregte das Paar Aufsehen. In seinem Haus spuke es: «Wir hören Ketten­ geräusche und sahen einen Geist in Mönchsgestalt.» Fast sicher, dass sich die GunnersKollegen vor Lachen krümmen werden. April 2009· schweizer illustrierte goal


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Countdown body-check

Didier Drogba

Er bringt gegnerische Verteidiger mit seiner Unberechenbarkeit ebenso zur Verzweiflung wie mitunter seine Trainer durch seine Extravaganzen. Doch der beste Fussballer Afrikas ist auch sensibel und braucht die Streicheleinheiten von Coaches und Familie.

familie Didier Drogba wuchs zusammen mit sechs jüngeren Geschwistern im Armenviertel Yopou­ gon am Stadtrand von Abidjan auf, der grössten Stadt der Elfen­ beinküste. Vater Albert verdiente sein Geld als Zeitungsverträger, Mutter Clotilde als Putzfrau. 1983, als Didier fünf Jahre alt war, schickten ihn seine Eltern aus wirtschaftlichen Gründen nach Frank­ reich, wo er bei seinem Onkel Michel Goba lebte. Dieser war ebenfalls Fussball-Profi und ivorischer Natispieler. Nach drei Jahren kehrte Didier – von Heimweh geplagt – nach Abidjan zurück, ehe die ganze Familie 1989 nach Frankreich auswanderte, weil beide Elternteile arbeitslos geworden waren.

didier drogba in zahlen

50 Mio.

sein zuhause Nach der Kindheit in einem Armenviertel hat es Didier Drogba inzwischen zu grossem Reichtum gebracht. Mit rund einer Viertelmillion Franken Wochenlohn gehört «Tito», wie er von seinen Freunden gerufen wird, zu den Topverdienern der Branche. Inzwischen hat er ein glamouröses Anwesen im Londoner VillenVorort Weybridge gekauft und lebt dort mit der Familie. Derzeit ist Didier dabei, sich für die Zeit nach der Aktivkarriere ein Haus in Abidjan zu bauen. «Lalla und ich sind uns einig, dass wir einst nach Afrika zurückkehren wollen.» Partnerin Lalla kümmert sich um den Bau.

Franken, aktueller Marktwert Quelle: www.transfermarkt.de Letzte Ablösesumme: 36 Millionen Euro im ­Juni 2004 beim Wechsel von Marseille zum FC Chelsea London Grösse: 1,88 Meter Gewicht: 84 Kilo Geboren: 11. März 1978 (Fische) in Abidjan (Elfenbeinküste)

«Ich durfte in zwei Kulturen ­aufwachsen. Aber Afrika steckt tiefer in mir»

Die Trainer hatten auf Drogbas Karriere stets extrem grossen Einfluss, wohl weil er sich schon als kleiner Bub aus der Obhut seines Vaters in die Hände von Fussballcoaches begeben musste. Von seinem Onkel Michel Goba, bei dem er aufwuchs und das Fussball-Abc lernte, sagt Drogba: «Ihm verdanke ich alles.» Le-Mans-Trainer Marc Westerloppe bezeichnet Drogba als «Zieh­vater». «Er hat mir so viel bei­gebracht, auch über das Leben neben dem Fussballplatz.» Das internationale Format Drogbas erkannte dann José Mourinho, der ihn schon 2002 zu Porto holen wollte und 2004 bei Chelsea verpflichtete. «Ohne ihn bin ich eine Waise. Er ist mein spiritueller Vater!»

Im Januar 2000 lernte Didier bei einer Cousine in Frankreich deren Freundin Lalla Diakité kennen. «Es war Liebe auf den ersten Blick», sagt er über die Beziehung zur Malierin, die die Nichte des malischen Präsidenten Amadou Touré ist. Das Paar lebt seither ohne Trauschein zusammen, hat aber eine christliche Hochzeitszeremonie hinter sich, obwohl Didier Katholik ist und die gelernte Krankenschwester Lalla Muslimin. Nach den Kindern Isaqui (M.), Imane (l.) und Kévine ist Lalla derzeit mit dem vierten Kind schwanger. «Wir werden auch noch aufs Standesamt gehen», sagt Lalla, «wenn Didier dann endlich einmal Zeit dafür findet …»

stationen & erfolge

• Bis 1999 Junior / Amateur im Pariser Vorortklub Levallois • 1999–2002 UC Le Mans (2. Division), 64 Spiele, 12 Tore • 2002–2003 EA Guingamp (Ligue 1), 45 Spiele, 20 Tore • 2003–2004 Marseille (Ligue 1), 35 Spiele, 18 Tore • Ab 2004 Chelsea London, 140 Spiele, 78 Tore (Stand 3. 4. 09), zweimal englischer Meister (2005, 2006), Cupsieger (2007), Torschützenkönig (2007) Nationalteam Elfenbeinküste: 56 Spiele, 36 Tore (bis 3. 4. 09) Afrikas Fussballer des Jahres 2006

nationalheld mit skandalen

«Mein Onkel hat zu mir gesagt: Du als Verteidiger? Geh nach vorne. Im Fussball schaut man nur auf die Angreifer!» aktivität Zusammen mit Teamkollege Michael Essien (l.) und der Band Wills & the Willing nahm Drogba 2007 den Rap «Skin» gegen Rassismus auf.

In seiner Heimat gilt Drogba als Nationalheld. Zudem ist er ein Star zum Anfassen, der die Nähe der Fans nicht scheut. Der Star-Spieler gilt aber auch als schwierig. Im November wurde er in England für drei Spiele gesperrt, weil er nach einem Tor gegen Burnley eine obszöne Geste in Richtung der gegnerischen Fans gemacht und danach eine Münze ins Publikum geschleudert hatte. Und Anfang Jahr wurden Didier und seine Partnerin Lalla hart kritisiert, weil sie mit einer Putzfrau einen Streit um 450 Euro Lohn entfacht hatten.

Fotos: agentur focus / thomas hegenbart (2), eq images (2), pix athlon, imago, getty images

väterliche Coaches

HERZENSSACHE


top

secre t farbtupfer Mit dem pinkfarbenen Bugaboo ist Despina Petric beim Spazieren ein Blickfang im regnerischen Hamburg.

babyschaukel Mit dieser bei Fussballern sehr beliebten Geste widmet Mladen seine Tore für den Hamburger SV Tochter Melina Charlize. Sie ist jetzt sieben Monate alt.

«Mladen hat Angst vor Spinnen und vor Haien» Wir kennen nur ihre Tricks. Die Ticks der Stars kennen nur ihre Frauen. In GOAL lüften sie ihre Geheimnisse. Diesmal: Despina Petric, 26, über HSV-Stürmer Mladen, 28.

S zusammenhalt Die Cartier-Ketteli schenkte Mladen seinen Frauen zur Geburt. Auch die Tätowierungen sind Zeichen ihrer grossen Liebe.

ie sind der Hingucker der Bundesliga! Die gebürtige Griechin Despina und der in Neuenhof AG aufgewachsene Kroate Mladen Petric, der für den Hamburger SV Tore am Laufband schiesst. Im September 2008 krönte Tochter Melina Charlize ihr Glück. Mladen, beteuert Despi-

na, sei wirklich der beste Papi der Welt. Aber er hat auch schwache Seiten, wie seine Frau verrät. Despina über …

Seine Vater-qualitäten Ich wusste ja vorher, wie gut er mit Kindern umgehen kann. Aber wie hingebungsvoll sich Mladen nun mit Melina Charlize be-


Countdown Top Secret

19

schäftigt, übertrifft alles, was ich mir vor­ stellen konnte. Wickeln, füttern, spazieren – das volle Programm! Zur Geburt kaufte er drei Armketteli von Cartier und überreichte sie mir im Spital in Zürich. Die Ketteli symbo­ lisieren uns drei, die eine Einheit bilden. Das fand ich megaschön! Wenn es nach Mladen ginge, wäre bereits Kind Nummer zwei unterwegs. Aber für mich käme das noch zu früh. Wir haben uns jetzt, nach sieben Monaten, in die neue Situation als Familie eingelebt. Grundsätzlich sind wir uns jedoch einig, dass wir mehr als ein Kind wollen. Wir sind beide ausgeprägte Familien­ menschen.

Seine Ess-Vorlieben Als wir frisch zusammen waren, kochte ich einmal für Mladen Sarma, das sind mit Hack­ fleisch gefüllte Weisskohlblätter. So ähnlich wie eine Spezialität meines Heimatlandes Griechenland. Doch Mladen stocherte die ganze Zeit nur im Teller herum, und ich fragte mich, was wohl los sei. Irgendwann merkte ich, dass ich genau das Falsche gekocht hatte. Sarma ist so ungefähr das Einzige, was ich meinem Mann nie auftischen darf … Er kann es nicht essen!

Seinen Technik-Fimmel

Fotos: Marcel Schaar, Bruno Voser, inside-picture, cinetext

Kinder gehen zu Toys’r’us, Mladen zu Saturn. Er muss immer die neusten technischen Geräte haben. Ich kann diese nicht wirklich bedienen, das ist nicht meine Welt. Aber er

zu viele filme geguckt? Mladen Petric graut davor, eine Spinne anzufassen oder im Meer von einem Hai angegriffen zu werden.

blickt da voll durch. Wenn er mit der Mann­ schaft reist, hat er die «Computer Bild» oder andere Fachliteratur im Gepäck. Er ist über alles im Bilde, was gerade rauskommt, und er ist für alle Fälle gerüstet.

Seine Phobien

Mladen ist egal, was die anderen denken. Er hat sogar einen rosaroten Pulli im Schrank. Mode macht uns beiden grossen Spass. Wir experimentieren gern, auch mal mit Stil­ brüchen. Zurzeit sind Dsquared2 und Dolce & Gabbana seine Lieblingsdesigner, auch Jeans von True Religion trägt er sehr gern. Es müssen allerdings nicht zwingend Marken­ klamotten sein.

Mladen ekelt sich extrem vor Spinnen. Je grösser und dicker, desto schlimmer. Wenn er irgendwo in unserer Wohnung eine ent­ deckt, ruft er mich sofort, damit ich sie entferne. Er selber traut sich nicht, sie an­ zufassen. Wenn ich auch ein Problem damit hätte, wären wir ziemlich aufgeschmissen. Angst hat Mladen auch davor, im Meer weit raus­zuschwimmen, weil er denkt, da seien Haie. Haie greifen Menschen auf offenem Meer an – dieses Bild hat er immer im Kopf. Wahrscheinlich hat er als kleiner Junge den Film «Der Weisse Hai» gesehen, und das hat ihn bis heute geprägt. Selbst mit Jetski traut er sich nicht wirklich weit raus.

Seine Hausmanns-Qualitäten

Seine Glatze

In dieser Hinsicht bin ich etwas altmodisch: In unserer Wohnung bin ich für alles zu­ ständig. Deshalb mag ich es nicht, wenn er sich einmischt. Zudem bin ich ziemlich per­ fektionistisch veranlagt und lasse ihn lieber nichts machen, weil ich denke: Er macht es so­ wieso nicht so, wie ich es gern hätte. Den Müllsack darf er aber gern runtertragen. In Dortmund wohnten wir in einem Einfami­lien­ haus, und dort war der Garten Mladens Revier. In Hamburg leben wir in einer Wohnung.

Mladen würde die Haare gern länger tragen, aber ich verbiete es ihm. Er hatte ja schon viele Frisuren, doch die Glatze steht ihm am besten. Und sie ist erst noch praktisch. So ist er morgens und nach dem Training ganz schnell «parat».

Seinen Mode-tick

blickfang Mladen und Despina Petric stylen sich gern auffällig wie hier im Mykonos-Urlaub 2007. «Mladen kauft auch für Melina sehr gern Baby­ kleidchen», freut sich Despina.

Sein Temperament Bei mir muss immer alles ganz schnell gehen. Mladen ist eher der gelassene, gemütliche und geduldige Typ. Was nicht heisst, dass er eine Schlaftablette ist! Wir haben selten Streit, doch wenn es zu Meinungsverschie­ denheiten kommt, hätten Aussenstehende ihren Spass. Danach gehen wir uns kurze Zeit aus dem Weg, und dann ists wieder gut.  Protokoll: Ilona Scherer April 2009· schweizer illustrierte goal


20

Nivea for men

Promotion

«für den ausgang kommt alles zum einsatz» YB-Goalie Marco Wölfli, 26, macht nicht nur auf dem Fussballplatz eine gute Figur. «Ein gepflegtes Äusseres ist mir wichtig», sagt er. Dazu gehört bei ihm auch eine Ganzkörper-Rasur.

M

foto: bruno voser

eine Haut wird durch meinen Beruf extrem belastet», sagt Fussball-Profi Marco Wölfli. «Deshalb kommen bei mir täglich Cremes für Gesicht und Körper zum Einsatz. Der Nati-Spieler über Eitelkeit, sein Beauty-Arsenal und Frauen, die er schön findet. Überprüfen Sie vor den Matches noch schnell Ihr Aussehen im Spiegel? Ich möchte im Stadion anständig aussehen, weil unsere Spiele ja auch im TV übertragen werden. Deshalb style ich meine Frisur im Hotel, bevor wir ins Stadion fahren. Vor dem Spiel konzentriere ich mich auf meinen Job. Wie eitel sind Sie? Auf einer Skala von eins bis zehn bin ich etwa eine Sechs. Ich schaue nicht in jeden Spiegel. Aber ein gepflegtes Äusseres ist mir wichtig. Deo, NIVEA Feuchtigkeitscreme und Styling-Gel müssen jederzeit griffbereit sein. Das ist alles? Für den Notfall reicht das. Erst wenn ich in

den Ausgang gehe, kommt das ganze Arsenal zum Einsatz. Und das wäre? Nach einer ausgiebigen Dusche benutze ich Parfum, NIVEA Feuchtigkeitscreme fürs Gesicht, NIVEA Body Lotion für den Körper, Deo und Styling-Gel für die Haare. Und natürlich rasiere ich mich frisch. Wo rasieren Sie sich überall? Nebst dem Gesicht sind die Achselhöhlen und die Beine bei mir immer glatt rasiert. Ich finde, das sieht ästhetischer aus. Zum Glück hält sich meine Körperbehaarung in Grenzen. Worauf schauen Sie als Erstes bei Ihren Mitmenschen? (Lacht.) Wir sprechen von Frauen, oder? Ich achte sehr darauf, ob Frauen eine schöne Haut haben oder nicht. Welcher Typ spricht Sie an? Mit Frauen, die nur mit viel Schminke toll aussehen, kann ich wenig anfangen. Ich stehe auf Frauen mit einer natürlichen und sympathischen Ausstrahlung. Eigentlich ist es ganz einfach: Frauen, die lachen, sind immer schön. AV

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stars

21

Die Menschen hinter dem Trikot

lionel messi

Der kleine und die grosse Liebe Bislang drehte sich im Leben von Lionel Messi alles nur um den runden Ball. Nun hat der 21-jährige Argentinier auch die Liebe entdeckt. Letzten ­Dezember flog Leo nach Hause, um Weihnachten mit der Familie zu verbringen. Da hat er Antonella, 22, kennengelernt. Die schwarzhaarige Schönheit studiert Ernährungswissenschaften in Messis Geburts­ort Rosario. Seite 34

fotos: reflex/queen, maki galimberti, jamie baker courtesy of www.nvamgt.com; illustration: bernd schifferdecker

in der starwelt

Das Porträt blerim ­dzemaili So lebt der Zürcher mit Freundin Barbara Megert in Turin. Seite 22

Interview Gordon Brown ManU-Verteidiger Rio Ferdinand ­befragt den Premier. Seite 44

Kolumne ottmar ­hitzfeld Mario Widmer über Spuren im Gesicht des Nati-Trainers. Seite 32

April 2009· schweizer illustrierte goal


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stars blerim dzemaili

die schönen …

Das Seuchenjahr ist vorbei. Beim FC Torino dreht Blerim Dzemaili wieder voll auf. Damit gibt sich der Mittelfeld-Kämpfer aber nicht zufrieden: «Ich möchte auch in der Nati einen Stammplatz.» Für GOAL posierte er zum ersten Mal mit Freundin Barbara Megert – umwerfend. Interview: Alejandro Velert · Fotos: Maki Galimberti

starkes paar Blerim Dzemaili über Freundin Barbara Megert: «Sie ist viel klüger als ich.» Sie über ihn: «Ja, ja, dieses Schlitzohr.»

schweizer illustrierte goal · April 2009


Barbara: ABenDKLEID & SCHUHE: lA PERLA. bLERIM: aNZUG & Hemd: oXON, gURT: NERO GIARDINI, sCHUHE: nIKE zoom rusher


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stars blerim dzemaili

jACKE: nike eugene track jacket

‌ und das biest

schweizer illustrierte goal ¡ April 2009


attacke Mit dem FC Torino (Wappentier: Stier) kämpft Dzemaili gegen den Abstieg: «Eine Erfahrung mehr, die mich nur noch stärker macht.»


«Meine Herkunft hat mich geprägt. Ich habe früh begriffen, dass das Leben nicht für alle einen Platz an der Sonne ­vorsieht» Blerim Dzemaili


stars blerim dzemaili

Blerim Dzemaili, Fussballer stehen bei den Frauen hoch im Kurs. Nun sieht Ihre Freundin Barbara Megert aber auch nicht gerade schlecht aus. Wer ist nun auf wen eifersüchtig? (Lacht.) Es ist nicht immer ganz einfach. Wenn man so wie wir eine Fernbeziehung führt, braucht es viel Vertrauen. Aber wir sind inzwischen seit zweieinhalb Jahren ein Paar. Wir haben ein gesundes Mass zwischen Vertrauen und menschlichem Kontroll­bedürfnis entwickelt. Und wie widerstehen Sie selber den Verlockungen? Ich habe das Single-Leben genossen, als ich 18, 19 oder 20 Jahre alt war. Ich war, wie man so schön sagt, kein Kind von Traurigkeit. Seit ich Barbara kenne, habe ich mich diesbezüglich sehr verändert. Diese sogenannten Verlockungen machen mir keine Mühe. Wie haben Sie Barbara eigentlich kennengelernt? Kurz vor der WM 2006, an einem Anlass. Sie war als Radioreporterin für Radio Pilatus ­unterwegs und hat mich interviewt. Und da hats gleich gefunkt? Kann man so sagen. Ich habe sie dann nach ihrer Nummer gefragt, aber sie wollte sie mir nicht geben! (Barbara hat im Hintergrund zugehört und ruft: «Klar! Wer möchte schon einen Fussballer als Freund?» Beide lachen herzlich.) Immerhin durfte ich ihr meine Nummer geben. Und irgendwann hat sie mich angerufen, und so kam die Sache ins Rollen. Seit Ihrem Wechsel nach England vor eineinhalb Jahren führen Sie eine Fernbeziehung. Ist das nicht mühsam? Doch, ab und zu sogar sehr. Aber Barbara möchte nicht bloss ein Anhängsel an meiner Seite sein und zuerst ihr Jus-Studium abschliessen (Interview mit Barbara Megert auf der nächsten Seite). Auch eine Fernbeziehung hat ihre Vorteile: Die Zeit, die wir miteinander haben, ist umso intensiver. Und liebestötende Routine kommt auch keine auf. In Ihrer Profi-Karrerie kommt auch keine Routine auf. Die vergangenen zwei Jahre waren für Sie alles andere als ruhig. (Lacht ironisch.) Na ja, in Bolton habe ich eine ruhige Kugel geschoben. Etwas unfreiwillig. Weshalb konnten Sie sich nach Ihrer schweren Verletzung dort nie durchsetzen?

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Zur person Blerim Dzemaili

Blerim Dzemaili wurde am 12. April 1986 (Sternzeichen Widder) in Tetovo (ehemals ­Jugoslawien, heute Mazedonien) geboren. Als er vier Jahre alt war, zog seine Familie nach Zürich. Grösse 179 cm Gewicht 73 kg Sta­tionen Jugendspieler beim FC Oerlikon, FC Unterstrass und SC Young Fellows Juventus. 2003 gab Dzemaili beim FCZ sein Debüt in der Super League. Im Sommer 2007 wechselte er nach England zu den Bolton Wanderers, wo er sich nach einer langwierigen Verletzung allerdings nicht durchsetzen konnte. Seit Sommer 2008 spielt er auf Leihbasis beim FC Torino. Erfolge Cupsieger (2005) und Schweizer Meister 2006 und 2007 mit dem FCZ, WM-Teilnahme 2006 in Deutschland Marktwert 3,3 Millionen Franken Nationalmannschaft Debüt am 1. März 2003 gegen Schottland. Bisher zehn Spiele, keine Tore.

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zur person Barbara megert

Barbara Megert wurde am 22. August 1984 (Sternzeichen Löwe) in Spiez BE geboren. Im Jahr 2003 nahm sie an der Wahl zur Miss Schweiz teil und wurde hinter Bianca Sissing zur Vize gekürt. Sie ist 1,74 Meter gross und hat die Modelmasse 86-62-93. Seit Oktober 2003 steht Barbara Megert in der Sendung «Benissimo» Beni Thurnheer (Bild) als Glücksfee zur Seite. Die Freundin von Blerim Dzemaili ist sie seit zweieinhalb Jahren. Im Herbst schliesst die Bernerin ihr Jus-Studium gleich in zwei Sprachen, Deutsch und Französisch, ab. Sie hat sich auf Sportrecht spezialisiert. Ihre Hobbys sind Lesen, Snowboarden und Schwimmen.

fotos: toto marti / blicksport / rdb, sf

JEANS: MARLBORO CLASSICS

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s gibt nicht viele Fussballer, die schon mit 23 Jahren alle Höhen und Tiefen des Fussball-Business kennengelernt haben. Blerim Dzemaili schon. Anfangs kennt die Karriere des in Mazedonien geborenen Mittelfeld-Kämpfers nur eine Richtung: vorwärts. Mit 21 Jahren ist er bereits Cupsieger und zweifacher Schweizer Meister mit dem FCZ, Captain seines Klubs sowie Nati-Spieler. «Eine unvergesslich schöne Zeit», sagt Dzemaili Siehe 1. Den Lockrufen aus dem Ausland kann Dzemaili nicht lange widerstehen: Im Februar 2007 unterschreibt er einen Vertrag bei den Bolton Wanderers in England. Aber noch vor dem Wechsel kommt der KarriereKnick: Im April des gleichen Jahres erleidet Dzemaili im Training einen Kreuzbandriss am rechten Knie. Es folgten zwei Operationen und ein langwieriger Aufbau. Als Dzemaili wieder gesund ist, setzt in Bolton niemand mehr auf ihn. Die Premier League erlebt er nur als Zaungast, er macht kein einziges Spiel. «Eine Zeit zum Vergessen», sagt er. Nun ist Blerim Dzemaili zurück im Geschäft. Bei seinem neuen Klub, dem FC Torino, ist er der Aggressiv-Leader, der ­«Puncher». Und obwohl sein Team in der Serie A gegen den Abstieg kämpft, erhält der 23-Jährige beste Kritiken: Von «altissima qualità» oder «molto temperamento» sprechen die italienischen Reporter. «Da ist Vorsicht geboten», sagt Blerim. «Das kann einem zu Kopf steigen.» Dafür, dass er am Boden bleibt, sorgt Dzemailis Freundin Barbara Megert, 24, Siehe 2. Auch sie ist keine Unbekannte: Die Bernerin war 2003 Vize-Miss-Schweiz, im Schweizer Fernsehen verleiht sie der Sendung «Benissimo» als Glücksfee wenigstens ein bisschen Sex-Appeal. Barbara wohnt in Neuenburg. Für GOAL posierte das Paar zum ersten Mal gemeinsam in einem Fotostudio. Noch bevor das Shooting in Turin losgeht, sagt Star-Fotograf Maki Galimberti begeistert: «Die zwei sehen so toll aus, da muss ich ja kaum noch was machen!» Nach fünf Stunden sind die Bilder im Kasten – und Blerim geschafft: «Ein Fussballspiel ist die reinste Erholung gegen so ein Shooting!»

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stars blerim dzemaili

Weil der neue Trainer, Gary Megson, weder Zeit noch Lust hatte, mitten im Abstiegskampf einen neuen Spieler in die Mannschaft einzubauen. Im Nachhinein habe ich ein gewisses Verständnis dafür. Aber natürlich war das eine schwere Zeit. Eine Phase, in welcher Sie Barbara gern in Ihrer Nähe gehabt hätten, oder? Barbara hat mich auch so toll unterstützt. Sie besuchte mich in Bolton, sooft es ging, und war immer für mich da. Aber ich bin sowieso nicht der Typ, der seine Gefühle nach aussen trägt und permanent Trost sucht. Man muss eine solche Phase durchstehen können, mit oder ohne Freundin. Nur trainieren, keine Chance auf einen Einsatz – war das nicht sehr frustrierend? Spannend wars jedenfalls nicht. Ich bin nach den Trainings jeweils zu Hause rumgehängt, habe mit Kollegen im Internet gechattet, so ziemlich jeden DVD-Film geschaut, den es gibt, und die Tage bis zu den Ferien gezählt. Mit der Zeit habe ich dann auch die positiven Aspekte der ganzen Geschichte erkannt: Ich konnte meine Verletzung perfekt ­auskurieren

und hatte ein halbes Jahr ­ Ferien, die erst noch gut bezahlt waren. Kein bitterer Nachgeschmack? Doch, denn ich bin in Bolton gescheitert, Verletzung und Trainerwechsel hin oder her. Dafür bin ich umso stolzer, dass es mir jetzt in Turin so gut läuft. Wie sind Sie als «kleiner» Schweizer im Land des Weltmeisters empfangen worden? Kleiner Schweizer? Die Italiener wissen sehr wohl, was sie an uns haben. Inler, Lichtsteiner, Padalino, Senderos, Ziegler, sie alle liefern starke Leistungen ab. Obwohl Sie mit dem FC Torino gegen den Abstieg kämpfen, erhalten auch Sie Woche für Woche ausgezeichnete Kritiken. Was mich sehr freut. Ich darf mir darauf aber nichts einbilden. Zu viel Applaus kann einem schnell zu Kopf steigen. Beim FCZ verlor ich eine Zeit lang die Bodenhaftung, weil ich dermassen gelobt wurde. Inzwischen habe ich dazugelernt und weiss damit umzu­ gehen. Hoffentlich jedenfalls (lacht)!

Auf dem Fussballplatz schuften Sie jedenfalls wie eh und je. Was treibt Sie an? Ich war schon immer ein Kämpfer auf dem Spielfeld, auch als Junior. Ich denke, dass meine Herkunft mich geprägt hat. Ich war erst vier Jahre alt, als unsere Familie von ­Mazedonien in die Schweiz gezogen ist. Aber ich habe früh begriffen, dass das Leben nicht für alle einen Platz an der Sonne vorsieht. Immigranten sind sich dessen vielleicht etwas mehr bewusst als die Schweizer. Abseits des Spielfelds wirken Sie hingegen sanftmütig und ruhig. Ich sehe da keinen Widerspruch. Ich bin weder auf noch neben dem Platz ein aggressiver Mensch. Klar, ich arbeite hart und konsequent für meinen Erfolg. Aber insgesamt bin ich ein friedfertiger und sehr fröhlicher Typ. Der auch die schönen Seiten des Profi­Lebens geniesst? Ja, aber anders als früher. Mit 17 ging ich gern auf Partys, war häufig mal im «Kaufleuten» anzutreffen. Wenn ich in Zürich bin, mache ich das auch heute noch gern. Hier in Turin setze ich mich lieber an eine Piazza

«Ich will unabhängig von Blerim sein» Als Spieler-Freundin bezeichnet zu werden, regt sie auf. Barbara Megert hat ihre eigenen Ziele – und ihren eigenen (schönen) Kopf. Wie meinen Sie das? Ich schliesse im Herbst nach fünf Jahren mein Jus-Studium ab. Ich muss mich nun entscheiden, ob ich eine eigene Karriere verfolge und weiter von Blerim getrennt bleibe oder zu ihm nach Turin ziehe. Er kann «bin kein ja schlecht zurück in die Schweiz kommen. anhängsel» Und was werden Sie tun? Seit zweieinIch werde im Herbst nach Turin ziehen und halb Jahren mich nach einem Job umsehen. Ich habe ist Barbara mich im Studium auf Sportrecht speziali­Megert die Freundin siert und habe keine schlechten Chancen, von Blerim einen Job zu finden. Dzemaili. Und wenn Sie keine Arbeit finden? Barbara Megert, wie ist es, mit einem Ich werde sicher nicht untätig in Italien herumsitzen. Ich möchte mein eigenes Fussballer zusammen zu sein? Es ist oftmals aufregend und spannend. Geld verdienen und unabhängig von BleAber es braucht auf jeden Fall viel Toleranz rim sein. Wenn es mit dem Job nicht klappt, und Vertrauen. Vor allem, wenn man eine werde ich versuchen, in der Schweiz eine Fernbeziehung führt. Mühsam ist, dass es Teilzeit-Stelle zu finden. an mir ist, für eine «normale» Beziehung zu Und in der Sendung «Benissimo» wären sorgen. Sie weiterhin zu sehen?

Von mir aus sehr gern. Dieser Nebenjob macht mir weiterhin sehr viel Spass. Spielerfrauen haben nicht das beste Image. Stört Sie das? Und ob, es nervt mich sogar richtig! Als Freundin eines Fussballers wird man in eine Schublade gesteckt. Die meisten meinen, die Liebe sei sekundär und es gehe vor allem um Geld und Status. Leider stimmt das bei einigen Fussballer-Freundinnen sogar. Und bei Ihnen nicht? Nein, bestimmt nicht. Ich definiere mich nicht über Blerim, habe meine eigenen Ziele, mein eigenes Leben und meinen eigenen Freundeskreis. Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages die Managerin Ihres Freundes zu sein? Im Moment noch nicht, da müsste ich noch einiges dazulernen. Und eigentlich möchte ich Berufliches und Privates trennen. Aber wenn wir ein gutes Team sind, wieso nicht? Blerim hat in einem Interview einst gesagt, Sie seien viel intelligenter als er … … ja, ja, dieses Schlitzohr! Ich habe vielleicht mehr Schulbildung genossen als er, aber an Intelligenz fehlt es diesem Burschen bestimmt nicht!

BARBARA: tOP: NIKE. bLERIM: tANKTOP: nIKE

barbara megert im interview


stars blerim dzemaili

oder schlendere durch die Stadt. Im Ausgang war ich hier ein einziges Mal – und um ein Uhr war ich bereits wieder im Bett. Kam es für Sie jemals infrage, für die mazedonische Nationalmannschaft zu spielen? Nein. Ich bin meinen Eltern extrem dankbar, dass wir damals nach Zürich gezogen sind. Deshalb war es für mich immer klar, dass ich für die Schweiz spielen möchte. Das ist meine Art, Danke zu sagen. Vermissen Sie die Schweiz? Als wir im Februar hier in Turin bereits über 20 Grad hatten, bestimmt nicht (lacht). Aber im Ernst: Erst wenn man von zu Hause weg ist, merkt man, wie schön es war. Wenn ich an einem Sonntagabend allein zu Hause sitze, packt mich ab und zu das Heimweh, dann fehlt mir meine Familie. Was bedeutet Ihnen die Familie? Vielleich hat das auch wieder mit meiner Herkunft zu tun. Für mich ist klar: Die Familie steht an oberster Stelle. Alles andere muss hintanstehen. Ihre Familie gehört einer albanischen Minderheit in Mazedonien an und ist muslimisch. In der Schweiz sind das nicht unbedingt die beliebtesten Bevölkerungsgruppen. Hatten Sie je darunter zu leiden?

fotos: toto marti / blicksport / rdb, dukas

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FC Torino

Bereits siebenmal waren «I Granata» (die Granatroten) italie­ nischer Meister, das letzte Mal allerdings 1976. Die Jahre zwi­ schen 1942 und 1949 gelten als die Zeit des «Grande Torino»: Fünfmal in Serie, unterbrochen vom Zweiten Weltkrieg, gewannen die Pie­ montesen den Meistertitel. Bei einem Flugzeugabsturz am 4. Mai 1949 kamen mit einer Ausnahme alle Spieler dieser goldenen Generation ums Leben. Zwei Namensänderungen hat der FC Torino in seiner Geschichte erfahren: Bis 1977 hiess der Klub A. C. Torino, von 1977 bis 2005 Torino Calcio. Aktuell kämpft das Team von Blerim Dzemaili gegen den Abstieg. www.torinofc.it

Nein, ich wurde damit nie konfrontiert, geschweige denn deswegen diskriminiert. Zum Glück nicht. Die Menschen in der Schweiz haben mich immer so akzeptiert, wie ich bin. In der Schweiz wird man über das Verbot von Minaretten abstimmen. Haben Sie dazu eine Meinung? Wenn die Schweizer das so wollen, ist es ihr gutes Recht. Ich persönlich kann an einem Verbot von Minaretten nichts Positives erkennen. Aber ehrlich gesagt ist es mir lieber, wenn wir die politischen Themen beiseite lassen. Dann lassen Sie uns, ganz unschweizerisch, über Geld reden. Was gönnen Sie sich mit dem Geld, das Sie verdienen? Ich bin froh, nicht auf jedes Preisschild achten zu müssen. Das ist ein Luxus, den ich mir verdient habe. Ich gehe gern auswärts essen oder kaufe mir schöne Kleider. Haben Sie ein bestimmtes Label, das ­Ihnen besonders gut gefällt? Nein. Es muss auch nicht das Teuerste vom Teuren sein. Und allzu auffällige Kleidung mag ich sowieso nicht. Viele Fussballer zeigen ihren Reichtum fast demonstrativ und geben ihr Geld ziemlich sorglos aus. Mir tut jeder Rappen weh, den ich unnötig ausgebe. Vor allem wenn ich verdorbenes Essen entsorgen muss, ärgert mich das.

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blerims style

Parfum Chanel Sport Duschgel Am liebsten eines mit Kokosnuss­ geschmack Coiffeur Immer spontan Auto VW Touareg Uhr Hublot Musik Vor allem Schweizer Musik, z. B. Bligg Film «Madagascar 1 + 2» TV-Serie «Friends» Kleider Keine Boutique im Besonderen, Mailand ist mein bevorzugtes Shop­ ping-Revier Schönste Frau Charlize Theron (Bild), weil sie Barbara gleicht :-) Schönster Mann David Beckham hat Stil Hotel Das Nati-Hotel Panorama Resort & Spa in Feusisberg Ferien Sardinien und USA

bARBARA: KLEID: pINKO, sCHUHE: GUESS. bLERIM: pULLOVER: gAUDI, HOSE: sCOTCH & SODA, sCHUHE: OLD SAIL

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«Viele Fussballer zeigen ihren Reichtum fast demonstrativ. Mir tut jeder Rappen weh, den ich zu viel ausgebe» Blerim Dzemaili Im Gegensatz zu anderen Fussballern ist Ihr Körper auch nicht mit Tätowierungen übersät – oder noch nicht? Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen Tattoos. Ich habe immer wieder Motive gesehen, die mir gefallen haben. Aber spätestens ein Jahr später bin ich jeweils froh, dass ich mir jenes Motiv damals nicht habe stechen lassen. Dann lassen Sie uns ein Jahr nach vorne schauen: Wissen Sie, was am 11. Juni 2010 stattfindet? Klar, das Eröffnungsspiel der Fussball-WM in Südafrika. Werden Sie dabei sein? Die Schweiz bestimmt, da bin ich mir sicher. Und ich möchte auch mit von der Partie sein. Das wäre die Erfüllung eines Lebens­ traums. Derzeit sind Sie in der Nati für Ottmar Hitzfeld zweite Wahl hinter Gökhan Inler und Beni Huggel. Konkurrenz gehört zum Geschäft, damit kann ich leben. Ich sehe es so: Im Moment sind die beiden vor mir. Vor meiner Ver­ letzung war es umgekehrt – und das soll spätestens auch in Südafrika wieder so sein. Nur zu den 23 nominierten NatiSpielern zu gehören, reicht mir nicht. Ich will spielen, und zwar immer.

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Signierte Nike-Schuhe zu gewinnen

GOAL verlost ein Paar Nike Mercurial Vapor V im Wert von CHF 320.–, von Blerim Dzemaili signiert – in Ihrer Schuhgrösse! Details zur Verlosung gibts im Internet wie immer unter www.si-goal.ch – viel Glück! Fotograf Maki Galimberti (www.makigalimberti.com) Fotoassistenz Sebastiano Rossi Styling Valentina Roda Haare und Make-up Stefania Pellizzaro Location Studio La Presse, Turin (Italien)

Blerim und Barbara im Web-TV. Wie er um sie kämpfen musste – jetzt auf www.schweizer-illustrierte.ch April 2009· schweizer illustrierte goal


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stars kolumne

von mario widmer

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echs Punkte aus den beiden Spielen gegen Moldawien. Und dennoch eine Kritik an Ottmar Hitzfeld! Majestätsbeleidigung? Ottmar Hitzfeld ist der erfolgreichste Trainer, den die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft jemals hatte. Er ist auch unser erster Nationalcoach in diesem Jahrtausend. Vorher hatten wir in dieser Funktion das Grossväterchen der Na­ tion. Der war zwar lieb und nett, aber ohne ihn auf der Bank hätten die Resultate in genanntem Jahrtausend nicht wesentlich anders aus­gesehen. Den Vorgänger Köbi Kuhns habe ich, wie Sie wahrscheinlich auch, schon vergessen, eine so gewinnende Persönlichkeit war das. Dann kam Hitzfeld! Der Grossmeister liess uns wissen, dass er nur kommen würde, wenn er gleichzeitig auch noch als Analytiker für eine deutsche Bezahl-TV-Anstalt arbeiten dürfe. Wir mussten akzeptieren, dass er die Schweizer Nationalmannschaft als Teilzeit-Job einstufte, denn sonst hätte uns gedroht, das Grossväterchen der Nation für den Rest des Jahrtausends auf der Bank zu sehen. Klar, dass wir für diesen Kompromiss zu bezahlen hatten. Dem besten Trainer unserer Fussballgeschichte verdankten wir die Tatsache, schnell das schlechteste Resultat unserer Geschichte verbuchen zu müssen: Wir verloren in der WMQualifikation zu ­ Hause gegen Luxemburg. Da gleichzeitig die UBS fast unser halbes Bruttosozial­ produkt verzockte, ging diese Tatsache dann verständlicherweise im allgemeinen Gejammer etwas unter. Und Ottmar Hitzfeld ist das Luxemburg-Spiel nun wirklich nicht mehr ­ anzusehen. Er sieht heute nicht vergrämter aus als vor dem Luxemburg-Debakel. Die einzige Konsequenz, die er (vorläufig?) zu tragen hat, ist der finanzielle Nachteil, der ihm erwächst, weil er nun nicht mehr nachhaltig für Sprüngli werben kann, wenn er diese sensationellen Luxemburgerli verspeist. Keiner würde ihm ein solches Laster abnehmen. Damit nun niemand leidvoll aufschreit, jeder Mensch hätte doch das Recht, vergrämt aus­zu­sehen, auch nach einem erfolgreichen Leben mit einem tollen Spiel im Mittelpunkt, hier gleich die Beteuerung, dass es mir nicht darum geht, mit dem Hinweis auf Hitzfelds gestresstes Gesicht die Menschenrechte zu untergraben, die Menschenwürde zu beleidigen. Ich möchte aber schweizer illustrierte goal · April 2009

die echte angst vor der niederlage


illustration: bernd schifferdecker

an Ottmars Pokerface meine Kritik an Trainer Hitzfeld aufbauen. Das Gesicht von Ottmar Hitzfeld beweist, dass er nicht die reine Freude am Spiel Fussball empfindet. Da sind keine spielerischen Linien in seinen Zügen auszumachen. Keine Spuren von Lachen, Lächeln über verrückte Tricks mit dem Ball, ausgezockte Kombina­tionen im gegnerischen Strafraum, Lausbuben in der eigenen oder der anderen Mannschaft. Aus Hitzfelds Gesicht liest sich etwas anderes. Was nur denn, bitte schön, was nur? Was ist ein Pokerface? Ein totes Gesicht? Gewiss nicht. Ein Gesicht, aus dem keiner was lesen kann. Möglich. Ich lese aus Ottmars Gesicht über seine Niederlagen. Gewiss, die Logik dieser Schlussfolgerung ist nicht über alle Zweifel erhaben. So viele Spuren sind es noch nicht, im Gesicht von Ottmar Hitz­ feld. Sein Gesicht ist gezeichnet, aber noch nicht so alt. Ich akzeptiere den Einwand. Und ich gebe zu. Wenn Falten in einem Gesicht Auskunft über die Anzahl der im Leben erlitte­nen Niederlagen eines Menschen geben sollten, beweist Hitzfelds Gesicht bloss, dass er in all den Jahren sehr, sehr wenige Niederlagen im Schnitt einstecken musste. Ich gebe mich geschlag…, nein, doch noch nicht! Jede Logik hat ihre Kehrseite. Und die ist auch logisch. Wie, wenn Ottmar Hitzfeld jede einzelne Niederlage so zu schaffen macht, dass sein Gesicht schon nach zehn Niederlagen so aussah, als wäre darin ein ganzes Leben voller Nieder­ lagen aufgezeichnet? Und was würde dies für einen Trainer, einen Coach bedeuten? Sollte ein Trainer, ein Coach nicht auch Zuver­ sicht auf seine Mannschaft ausstrahlen, Optimis­ mus? Ehrlich – die Mannschaft liegt zur Pause mit 0:1 zurück. Versucht in der Halbzeit verzweifelt, den Glauben an die Wende aus der positiven Kraft im Gesicht des Trainers zu schöpfen. Yes, we can do it! Ob Hitzfeld nach einem Rückstand in der Pause wohl die Lichter in der Garderobe löschen lässt und seine Ansprache im Dunkeln hält? Da Hitzfeld ein überaus erfolgreicher Trainer ist, dürfte es eine andere Bedeutung haben, wenn sein Gesicht von tausend Nieder­ lagen spricht. Kann es sein, dass ein Gesicht nicht nur über die Quantität der Erlebnisse Auskunft gibt, die Qualität dieser Erlebnisse noch tiefere Spuren hinterlässt? Doch dies würde bedeuten, dass Hitzfeld jede Niederlage tausendfach mehr trifft als einen normalen Menschen.

Diese Kehrseite der Logik hätte natürlich die Konsequenz, dass an Hitzfeld tatsächlich Kritik berechtigt wäre. Sie würde nämlich bedeuten, dass Ottmar echte Angst vor Niederlagen emp­ findet. Und dies kann für einen Trainer und seine Mannschaft fatale Folgen haben. Fussball besteht hauptsächlich aus Angriff mit dem Ball und aus Verteidigung ohne Ball. Der Angriff, darin sind sich fast alle einig, ist meistens konstruktiv, das Verteidigen häufig destruktiv. Nur Gilbert Gress sah dies anders. Der Angriff hat immer das Ziel, ein Tor zu er­ zielen, doch welche Kraft muss hinter der Abwehr stecken? Die Kraft der Angst vor einem Gegen­ tor, der Niederlage, die Kraft des Destruktiven? Oder die Kraft der Taktik, des defensiven Spiels eben, der Schlitzohrigkeit auch? Die Geschichte des Fussballs gibt eine ein­ deutige Antwort. Als Brasilien nur noch Angst vor der Niederlage hatte, wurde es nicht mehr Welt­ meister. Erst als Brasilien von Italien gelernt hatte,

wir alle. Und wenn das Team nachhaltig gewinnen soll, muss es die Chemie zum Besserwerden haben. Diese Chemie hat es nur, wenn die Qualitäten der Spieler komplementär wirken und nicht nur absolut sind. Exakt diese komplementäre Eigenschaft fehlt der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft. Sie fehlte dieser Nationalmannschaft bereits unter Kuhn und unter seinem anonymen Vorgän­ ger. Einen grossen Trainer wie Hitzfeld zu holen, war Ausdruck der Hoffnung, dass der vielleicht aus einer Gruppe von relativ guten Einzelspielern eine Mannschaft formen würde, die sich ergänzt. Und darum Fortschritte macht. Nur relativ gute Einzelspieler sind die Nationalspieler offensichtlich, weil unsere «Stars» im Ausland dort alle, wie sich zeigte, ersetzbar sind, keiner auch durch eine Formkrise einen Stammplatz behält. Alle haben also nur relativ gute fussballerische Qualitäten, sind aber zu wenig Führungspersönlichkeiten.

«Ottmar Hitzfeld ist das Luxemburg-Spiel nicht mehr anzusehen. Er sieht heute nicht ­vergrämter aus als vor dem Debakel» was clevere Taktik in der Abwehr bedeutet, klapp­ te dies wieder. Klar ist, dass Hitzfeld über viele, viele Jahre einer der besten Trainer der Welt war. Nun ist es natürlich auch möglich, dass Hitzfelds beste Jahre nicht eben in einer Zeit der vielen hoch­ klassigen Trainer erfolgten. Dennoch, seine Er­ folge lassen sich nicht kleinschreiben, verdienen absoluten Respekt. Aber es gibt Indizien dafür, dass Hitzfelds bes­ te Zeit vorbei ist. Vielleicht als Folge davon, dass die Qualität der Niederlage für Hitzfeld immer zu grosse Bedeutung hatte, die ständige Überwin­ dung der Angst zu viel Substanz geraubt hat. Denn Hitzfeld unterläuft bei seiner Arbeit mit der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft ein tragischer Fehler, ein eigentlicher Anfänger­ fehler. Bei ihm, sagt er, spielt nur, wer im Klub prak­ tisch einen Stammplatz hat. Damit erhebt Hitzfeld unnötigerweise etwas öffentlich zum Prinzip, was nicht einzuhalten ist. Zweitens schadet das Prinzip des ständigen Wechsels dem Phänomen Mannschaft, und drittens droht es auch noch zum Fundament der eigenen Unglaubwürdigkeit zu werden. Mit dem Prinzip, nur Spieler einzusetzen, die im Klub einen Stammplatz haben, sagt Hitz­ feld deutlich, dass bei ihm das Team die Addition der Qualitäten der elf Spieler geworden ist. Wer so denkt, hat wirklich zu grosse Angst vor der Niederlage, zu grosse Angst vor der Kritik nach der Niederlage. Das Team ist viel mehr. Wissen

Diese Ersetzbarkeit im Vereinsteam ist für jeden Spieler ein Problem. Die Spieler können dieses Manko nur mit kämpferischem Einsatz kompensieren, aber nicht mit spielerischem Mut, Risikobereitschaft und Optimismus auf dem Platz. Doch spielerischen Mut, Risikobereitschaft und Optimismus braucht es gerade, damit ein Team Ausstrahlung bekommt, wächst, besser wird. Als Vereinstrainer konnte Hitzfeld mutige, positive Spieler einkaufen. Dem Nationaltrainer Hitzfeld bleibt, trotz Angst vor Niederlagen, nichts ande­ res übrig, als mit Vertrauen seine Spieler besser zu machen! Zu unserer heutigen Situation. Es gibt in Qua­ lifikations-Turnieren Resultate, die sind kaum mehr zu korrigieren. Wie etwa eine Heimnieder­ lage gegen Luxemburg. Solche Resultate machen auch Zwischentabellen in diesen Turnieren zu optischen Täuschungen. Griechenland spielt sein letztes Heimspiel gegen Luxemburg! Ein Unent­ schieden zwischen der Schweiz und den Griechen am 5. September in der Schweiz – und, trotz den vier Siegen in den letzten vier Spielen, die direkte Qualifikation des Hitzfeld-Teams für Südafrika ist Geschichte. mario widmer schrieb als Sportchef und Chefreporter 34 Jahre lang für «Blick» und «SonntagsBlick», prägte und kommentierte die Fussballszene wie kein anderer Schweizer Journalist. Seit 1997 ist er per­ sönlicher Manager von Martina Hingis und Lebenspartner von Melanie Molitor. Für GOAL gibt er als Kolumnist ein Comeback. April 2009· schweizer illustrierte goal


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stars lionel messi

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der fuss gottes Der Ball klebt an seinem Fuss, als sei er ­angewachsen. Lionel Messi dribbelt schneller als ein PlaystationKicker. Sieht man dem 21-Jährigen aus ­Argentinien zu, hat man das Gefühl, immer wieder etwas Einmaliges zu erleben. Text: Ronald Reng

April Mai 2008· 2009· schweizer illustrierte goal


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nd Messi hat den Ball. Der Augenblick elektri­ siert 86 000 Körper auf den steilen Tribünen, die Zuschauer merken selbst gar nicht, wie es sie von den Sitzplätzen reisst, 86 000 Münder öffnen sich, aber da kommt noch kein Ton heraus. Dann ist Mes­ si vorbei am ersten Gegner, schon im Straf­ raum, der Ball klebt ihm am Fuss wie ein sechster Zeh, vorbei am zweiten, die 86 000 Münder schreien jetzt, die Ahnung, gleich, sofort etwas Einmaliges zu sehen, vibriert in ihren Mägen, Messi ist vorbei am dritten Gegner. Wer sich in diesem Moment im Stadion Camp Nou zu Barcelona von Lionel Messi abwendet, verpasst ein Tor von ge­ waltiger Schönheit, aber wer stattdessen die Zuschauer betrachtet, gewinnt eine überwäl­ tigende Erkenntnis: Messi macht glücklich. Die 86 000 lachen an diesem März­abend nach seinem Tor zum 3:0 für den FC Barce­ lona beim 5:2-Sieg im Champions-LeagueAchtelfinal über Olympique Lyon; lachen wie wahnsinnig vor Unglaube und Glück. Es gibt einige wenige Fussballer, die sieht man das erste Mal und vergisst sie nie. Und es gibt Lionel Messi, 21 Jahre alt mittler­ weile, aus Rosario, Argentinien, den sieht man, sooft es nur geht, und hat jedes Mal aufs Neue das Gefühl, Einmaliges zu ent­ decken. Er legt die unglaublichsten Dribb­ lings hin, wie beim Tor zum 3:0 gegen Lyon, durch drei Gegner hindurch, dann ein Doppelpass und Torschuss. Als er vor vier Jahren sein Debüt in der Profi-Elf des FC Bar­ celona gab, ein 17-jähriger Junge mit den roten Wangen eines Bengelchens, war es leicht, zu sagen, irgendeinmal würde er der beste Fussballer der Welt sein. Vier Jahre später übertrifft Leo Messi an Abenden wie jenem gegen Lyon selbst diese Prophezei­ ung: Man sieht ihm zu und glaubt, so gut kann doch gar niemand spielen – selbst der beste Fussballer der Welt nicht. schweizer illustrierte goal · April 2009

Er verliert den Ball nicht, so schwierig das Zuspiel auch ist, so wenig Raum ihm die zwei Gegner lassen, die immer bei ihm sind, er kann auf Höchsttempo noch die Richtung ändern, der Ball bleibt eng an seinem Fuss, nur den Gegner haut es aus dem Gleichge­ wicht angesichts Messis radikaler Drehung. Und er, 1,69 Meter klein, 67 Kilo leicht, raubt mit einer unglaublichen Wucht auch noch ­regelmässig dem Gegner den Ball. Er hat – nach erst zwei Dritteln der Saison – 29 Tore geschossen und 19 vorbereitet. «Wo kommt dieser Teufel her?», fragte im Herbst 2005 Fabio Capello, damals Trainer von Juventus Turin. «Leo Messi», antwortet vier Jahre spä­ ter sein Trainer in Barcelona, Pep Guardiola, «ist der einzige Fussballer, der schneller mit Ball rennt als ohne Ball.» Am Tag nach dem Sieg über Lyon sieht man ihn zu Fuss durch die Muntaner Strasse im Barceloner Stadtteil Eixample eilen. Sein Sturmpartner Samuel Eto’o hat zur Feier seines 28. Geburtstags ins Restaurant Melton geladen. Messi trägt Turnschuhe, Jeans, die er umstülpen musste, ein simples T-Shirt und eine Trainingsjacke. «Ich kaufe mir nie Kleidung», hat er einmal gesagt, «ich mag Einkaufen nicht.» Die Ausstrahlung eines Stars wird er nie haben, und das ist das Schöne an ihm: Er ist einfach einer.

ganz privat Lionel Messi mit Vater Jorge (l.) und dem zweitältesten Bruder Matias. Zur Familie gehören noch Schwester Maria Sol und der älteste Bruder Rodrigo.


Als er vergangenen Sommer zum Friseur ging, wurde dies denn auch weniger als ­modischer Versuch, sondern als Statement wahrgenommen: Mit 21 entschloss sich Messi, der Welt zu zeigen, dass er erwachsen geworden war – indem er sich die langen Haare kürzen liess, die er quasi seine gesamte Teenagerzeit hindurch getragen hatte. Gleichzeitig nahm er sich bei Barça das Trikot mit der 10 auf dem Rücken, er erbte die Nummer von seinem grossen Freund Ronaldinho nach dessen Wechsel zu AC Milan; er weiss, was die Nummer bedeutet. Dies war das Barça Ronaldinhos, das als Cham­pions-League-Sieger 2006 dem Fussball eine ungekannte Schönheit schenkte und danach vom Himmel stürzte. Nun ist es das Barça Messis geworden, ein Team mit denkwürdig schönem Kombinationsfussball auf dem Weg zu historischen Erfolgen. Er sei jetzt der Anführer, sagen ihm die Leute. «Ich glaube nicht an dieses Wort», entgegnet er: Anführer. Grosse Worte erschrecken ihn noch immer, und wer die üblichen Eigenschaften eines Mannes heranzieht, der eine Gruppe lenken und mitreissen kann, wird bei Messi weder Charisma noch Überzeugungskraft finden. Doch still und schüchtern hat er die Herausfor­ derung angenommen, gegen sein Naturell die Hauptrolle bei Barça zu spielen. Er hat den einfachsten und gleichzeitig schwersten Weg gewählt: Er geht mit Taten voran. «Ich war immer der Kleinste auf dem Platz. Ich gebe keine Anweisungen. Ich rede nicht viel. Wenn ich etwas zu sagen habe, drücke ich mich mit dem Ball aus.» Ihn interessiert am Fussball nur das Spiel; der Moment, wenn er spielt. Die Namen seiner Gegner vergisst er sofort, er erinnert sich kaum klar an eines seiner Spiele, so gut sie auch waren. Andere Profis wie etwa Real Madrids Captain Raúl oder Barcelonas Spielmacher Xavi leben Fussball, sie saugen alle Informationen über das Spiel auf, sie schauen beinahe täglich einen Match im Fern­ April 2009· schweizer illustrierte goal

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«Ich rede nicht viel. Wenn ich etwas zu sagen habe, drücke ich mich mit dem Ball aus» Lionel Messi


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stßtze Ronaldinho hat Leo Messi bei Barça unter seine Fittiche genommen. Auch nach seinem Abgang zu Milan sind Ronnie und Leo dicke Freunde.


«Ich werde Ronnie nie vergessen. Was ­Ronaldinho für meine Integration getan hat, ­offenbart eine wahrhaft gute Seele» Lionel Messi sehen, sie denken über Taktik und Spielzüge nach; Leo Messi fühlt Fussball nur. «Wenn ich den Ball am Fuss habe, denke ich nicht, dann spiele ich nur. Auf dem Spielfeld habe ich nur einen Gedanken: Gebt mir den Ball!», sagt er. «Ich erfinde keine Dribblings, ich denke mir keine Spielzüge aus. Mir entschlüpft einfach alles aus meinem Instinkt.» Und wie er so vor einem steht, merkt man, dass er tatsächlich erwachsener geworden ist; er wird, im vierten Jahr als Wunderkind, wenigstens nicht mehr bei jeder Frage rot. Doch auch als Erwachse­ ner hat sich Leo Messi etwas von der zauber­ haften Unschuld eines Jungen bewahrt. Ein Junge. Als Leo Messi zwölf ist, misst er 1,43 Meter. Neunjährige sind grösser. Der

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zur person

lionel andrés Messi Geboren am 24. Juni 1987 in Rosario in Argentinien Zivilstand ledig Klubs 1995–2000 Newell’s Old Boys (Arg); 2000–2004 FC Barcelona B (Spa); seit 2004 FC Barcelona A Erfolge Junioren-Weltmeister 2005, Zweiter bei der Copa América 2007, Olympiasieger 2008 mit Argentinien, Uefa Champions League 2006, spanischer Meister 2005, 2006 mit Barça

Arzt in Rosario verschreibt Wachstums­ hormone. Sonst werde er die 1,60 Meter nie erreichen. Die Behandlung kostet 900 Dol­ lar im Monat. Der Vater, der in einem Stahl­ werk arbeitet, denkt, da müsse doch ein Fussballklub sein, der sich an den Kosten beteiligt, bei Leos Talent. Sie finden in ganz Argentinien keinen. Ein Agent vermittelt ein Probetraining in Barcelona. «Da stand ich dann eines Abends mit meinem Team der 14-Jährigen», erinnert sich Rodolfo Borrell, ein kräftiger Mann, der sorgsam darauf achtet, sich nur alle drei Tage zu rasieren. Damals war er Messis erster Trainer beim FC Barcelona, in der Elf der 14-Jährigen, «alle um die 1,70 Meter gross, und da kommt dieser Knirps, 30 Zentimeter kleiner als alle anderen». Im Prinzip, sagt Borrell, spielte Messi an jenem ersten Abend schon so wie heute: «Immer los aufs Tor, niemals feige. Ohne es zu wollen, beleidigt er seine Geg­ ner geradezu mit der Leichtigkeit, mit der er vorbeizieht.» Barças damaliger Sportdirek­ tor Carles Rexach sieht jenes Probetraining und setzt, so erinnert er sich, sofort einen Vertrag auf, der auch die Behandlung garan­ tiert. Rexach schreibt ihn auf das nächst­beste Papier, eine Serviette. Leo Messi ist 13. «Er war schon damals Gott», sagt Rexach. «Aber es wussten bloss vier Menschen.» In Älteren weckt er den Grosser-BruderInstinkt. Als er mit 17 zu den Profis stösst, kümmern sich Ronaldinho und Deco um ihn wie um einen Adoptivsohn. Oft lädt Ronal­ dinho Messi nachmittags zu sich in die Villa ein, wo sie Fussball spielen, an der Play­ station oder im Garten mit Feuerball, Schwar­ zer und Tapfer – Ronaldinhos drei Hunden. Nachdem Ronaldinho 2006 in eine Sinnkrise stürzt, warnt Barças Vizepräsident Marc In­gla Messis Vater, der Brasilianer mit seiner Liebe

zu Frauen und Gesang sei nicht der beste Umgang für den Jungen – doch Messi schmollt nur, als alle Welt Ronaldinho der Dekadenz beschuldigt; bis heute erzürnt sich Messi darüber, wie erniedrigt Ronaldinho aus dem Can Barça, dem Hause Barça, fort­ gejagt wurde. «Ich werde Ronnie nie ver­ gessen. Was er für meine Integration getan hat, offenbart eine wahrhaft gute Seele.» Es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass Barça im vergangenen Sommer Gefahr lief, auch Messi zu verlieren. Als der Klub zeit­ gleich zum hässlichen Abschied seiner Freunde Ronaldinho und Deco ihm auch noch die Teilnahme mit Argentinien an den Olympischen Spielen verwehren wollte, hatte Messi dieses Gefühl, die ganze Welt sei gegen ihn. Es war der neue Trainer Pep Guardiola, der ihn zurück­gewann. Er ver­ sprach dem überraschten Messi, sich gegen sein eigenes Interesse als Vereins­trainer für dessen Olympiastart einzusetzen, und hielt Wort. Messi gewann mit Argentinien Gold in Peking und kehrte mit der Überzeugung zu­ rück, bei Guardiola verstanden zu werden. Heute sagt er und meint es auch so: «Barça ist mein Zuhause. Was der Klub für mich getan hat, als ich klein und schwach war, kann ich nie zurückgeben. Sie müssten mich rauswerfen, damit ich Barça verlasse.» Und Messi hat wieder den Ball. Sturm­ partner Samuel Eto’o hat ihn in Messis Fuss zurückgespielt, ein Doppelpass mitten im Strafraum von Lyon, 86 000 Zuschauer holen Luft, denn sie können das Tor zum 3:0 schon fühlen. Messi schaut auf, Messi schiesst, und aus 86 000 Mündern ist es nicht zu überhören: Der Klang seines Spiels ist das Lachen.


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stars mARTA

Perfektion am Ball Die nur 154 Zentimeter grosse Marta macht mit dem Leder, was sie will – am liebsten mit links.


die Magierin aus brasilien

Mit 14 Jahren verliess sie gegen den Willen ihrer Familie ihre Heimatstadt. Martas klares Ziel: Ich will die beste Fussballerin der Welt werden. Sie hat es längst erreicht. Die märchenhafte Karriere einer jungen Frau aus Dois Riachos – von ganz unten nach ganz oben. Text: Andreas Werz

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er brasilianische Bundesstaat Ala­ goas befindet sich weit entfernt von den berühmten Sandstränden von Fortaleza und Re­ cife und noch viel weiter weg von den Me­ tropolen Rio de Janeiro und São Paulo. Im Westen von Alagoas liegt die noch unschein­ barere Gemeinde Dois Riachos. Sie zählt 12 000 Einwohner, die allermeisten von ihnen leben in ärmlichen oder zumindest höchst bescheidenen Verhältnissen. In Dois Riachos fällt das Thermometer tagsüber so gut wie nie unter 26 Grad. In Umea, ein paar tausend Kilometer nordöstlich, wird es dagegen an keinem Tag im Jahr so warm. In Dois Riachos ist Marta Vieira da Silva geboren und aufgewachsen. Vor fünf Jahren hat es sie nach Nordschweden verschlagen. Freiwillig ging die damals 18-Jährige nach Umea, um nur 200 Kilometer unter dem Po­ larkreis ihr fussballerisches Glück zu suchen. Als die junge Frau, die sich schlicht Marta nennt, in Umea ankam, war sie schockiert: «Überall lag Schnee und Eis. Wegen der Kälte schmerzte mein ganzer Körper.» Als sich Marta für den Wechsel zu Umea IK entschieden hatte, wusste sie nichts über den Verein und nichts über die Stadt: «Ich wusste nur, dass Schweden irgendwo in Europa liegt und Umea ein starkes FrauenFussballteam hat. Dort wollte ich eine bes­ sere Spielerin werden. Nur deshalb habe ich Brasilien verlassen.» Ihr Ziel hat Marta längst erreicht: Sie ist die beste Fussballerin der Welt. Mehr noch: Sie ist die beste Fussballerin, die es je ge­ geben hat. Nie zuvor hat eine Frau auf dem Fussballplatz so tolle Tricks aufgeführt wie diese zierliche, 154 Zentimeter kleine Süd­amerikanerin. Sie ist Spielmacherin und Torjägerin in einer Person. Keine Prima­ donna, keine Egomanin, die Mannschafts­ spielerin schlechthin. Ihre Bewegungen sind geschmei­dig, ihre Ideen brillant. Marta strei­ chelt das Spielobjekt mit den Füssen – vorzugsweise mit dem linken –, schiebt es Gegnerinnen durch die Beine, schlenzt Frei­ stösse im Dutzend in gegnerische Tornetze, veräppelt eine Widersacherin mit einer ein­ zigen Körpertäuschung. Eine Magierin. Im letzten Jahr haben Nationaltrainer und Captains der Frauen-Nationalteams Marta mit überwältigender Mehrheit zur Fifa-Welt­ fussballerin des Jahres gewählt – zum drit­ ten Mal in Folge. Die beiden Jahre davor war die Ballartistin Zweite beziehungsweise Drit­ te geworden. Hoch im Kurs stand Marta auch bei Los Angeles Galaxy: Der Verein wollte sie April 2009· schweizer illustrierte goal


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stars mARTA «Es war schon früh mein Ziel, die weltbeste Spielerin zu werden. Ob ich das nun bin, müssen andere entscheiden» Marta

ein Team Marta mit ihrer Mitspielerin und Lebensgefährtin Johanna Frisk auf dem roten Teppich im Zürcher Opernhaus.

2007 für das Männerteam verpflichten und soll ihr ein Jahresgehalt von zwei Millionen Dollar angeboten haben. Marta blieb indes in Umea und verzichtete darauf, mit David Beckham in einem Team zu spielen. «Ich habe früh gespürt, dass ich im Fuss­ ball weit kommen kann. Es war deshalb schon früh mein Ziel, die weltbeste Spielerin zu werden. Ob ich das inzwischen bin, müssen andere entscheiden», sagt Marta in ihrer typischen Bescheidenheit. Sie hat die Bodenhaftung trotz ihrer Erfolge nicht verlo­ ren. Selbstverliebtheit und Starruhm sind ihr gänzlich fremd. Sie ist natürlich und unauf­ geregt. Sie mag es ruhig, geht abends sel­ ten aus, sie hört gern brasilianische Musik und geht hie und da ins Kino. Auf Status­ symbole verzichtet sie, im Gegensatz zu vie­ len ihrer männlichen Berufskollegen. Dabei könnte sie sich inzwischen durchaus ein paar leisten. In Umea hat Marta ordentlich ver­ schweizer illustrierte goal · April 2009

und ist Martas Lebensgefährtin. In Kalifor­ nien wird Frisk weniger verdienen als Marta, die jährlich 240 000 Dollar und 250 000 Dol­ lar als Werbeträgerin einstreichen soll. Am 29. März startete Los Angeles Sol mit dem Heimspiel gegen Washington Freedom in die nur sieben Teams umfassende Women’s Professional Soccer (WPS). Für Aufsehen sorgte Marta aber schon einige Tage vor der Premiere. Als sie den Medien offiziell als Liga-Attraktion vorgestellt wurde, befand sich auch Basketball-Superstar Kobe Bryant im Publikum und applaudierte: «Ich liebe es, Marta beim Fussballspielen zuzuschauen. Sie ist ganz einfach grosse Klasse.»

zur person

MARTA VIEIRA DA SILVA Geboren am 19. Februar 1986 in Dois Riachos, Brasilien Zivilstand liiert mit Johanna Frisk Klubs 2000–2004 São Martins (Bra); 2004–2008 Umea IK (Swe); seit 2009 Los Angeles Sol (USA) Erfolge schwedische Meisterschaft 2005, 2006, 2007, 2008; Uefa-Pokal 2004; Vize-Weltmeisterschaft 2007; Weltfussballerin des Jahres 2006, 2007, 2008; Goldmedaille bei den panamerikanischen Spielen 2007

fotos: foto-net

Super-player Fussballer des Jahres 2008: Marta und Cristiano Ronaldo.

dient. Zu Recht, schliesslich verhalfen ihre Künste der Stadt und dem Verein zu Ruhm und Ehre. Der Klub bezifferte Martas Markt­ wert für die Stadt auf über zehn Millionen Franken im Jahr. Umea IK gewann mit Marta viermal die schwedische Meisterschaft, dreimal den Pokalwettbewerb und einmal den Uefa-Cup, die höchste Auszeichnung im europäischen Klubfussball der Frauen. In über 100 Partien gelangen Marta über 100 Tore. Dank ihr galt Umea IK vorübergehend als das Mass aller Dinge im Klubfussball. Marta scheffelte in den letzten fünf Jahren Titel und Trophäen wie keine andere Fussballerin. Mit Umea, aber auch mit dem brasilianischen Nationalteam, das dank ihr besser und besser und 2007 beinahe Weltmeister wurde. Zu Hause in Dois Riachos hat die Mutter ein eigenes Zimmer mit den gewonnenen Pokalen und Medaillen ihrer Tochter eingerichtet. «Es sieht dort aus wie in einem richtigen Museum», sagt Marta, die in bislang 52 Länderspielen 51 Tore erzielte und schon mit 16 die domi­ nanteste Akteurin im Nationalteam war. Die Kunde drang vor einigen Monaten bis nach Nordschweden, wonach die USA 2009 eine Frauen-Profiliga lancieren und die welt­ besten Spielerinnen ins Land kommen. Marta war sogleich begeistert und wusste: «Da wollte ich unbedingt hin, denn ich möchte in der besten Liga der Welt spielen.» Dieses Mal gab sie Los Angeles keinen Korb. Im vergangenen Januar unterschrieb sie einen Dreijahresvertrag beim neu gegrün­ deten Verein Los Angeles Sol, allerdings erst, als ihr der Klub versicherte, auch Johanna Frisk zu verpflichten. Die Blondine hat bislang als Innenverteidigerin für Umea IK gespielt


stars Kolumne von guido Tognoni

fotos: eq images, foto-net

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as grosse Ärgernis des aktuellen Fussballs sind nicht die falschen Elfmeterpfiffe, sondern es ist das Offside. Das Problem des Offsides (Deutsch: Abseits) besteht weniger darin, dass die Regel einem normalen Menschen nicht erklärt werden kann. Denn solange die Fans diese Regel verstehen, genügt das völlig. Das andauernde Abseitsübel ist die Tatsache, dass praktisch jeder zweite Entscheid falsch ist. Zu viele Abseitspositionen werden nicht erkannt, zu viele Angriffe werden abgepfiffen, obwohl gar kein Abseits besteht. Einzuräumen ist, dass die Linienrichter – seit einigen Jahren werden sie Schieds­richterAssistenten genannt – im modernen TempoFussball vor einer unlösbaren Auf­gabe stehen. Wer nicht schielt, kann nicht jenen Spieler im Auge behalten, der den Ball am Fuss hat, und gleichzeitig jenen, der den Ball in korrekter oder unkorrekter Position annimmt, zumal es meist in höchstem Tempo um wenige Zentimeter geht. Doch welcher Linienrichter kann schielen? Dazu kommt, dass die Anwendung der Abseits­regel durch eine grosszügige Auslegung des sogenannten Positionsoffsides noch komp­lizierter geworden ist. Heute ist ein Abseits nur strafbar, wenn der Spieler auch den Ball bekommt. So können fünf gegnerische Spieler bei der Ballabgabe abseits stehen, doch gepfiffen wird erst, wenn der sechste Spieler den Ball annimmt. Falls es eine Steigerung von un­ erklärbar gibt – das Positionsoffside wäre sie. Es überfordert Spieler, Schiedsrichter und Zuschauer gleichermassen. Die Fussball-Regeln werden vom Inter­ national Football Association Board, einem Organ der Fifa, überwacht und verändert. In diesem Gremium wird jeweils einmal im Jahr todernst darüber debattiert, ob etwa – welch eine existenzielle Frage – der Ball beim Anstoss erst nach einer ganzen Umdrehung im Spiel ist oder bereits nach wenigen Zenti­ metern Bewegung. Mittlerweile genügen Zentimeter. Verbesserungen der Fussball-

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fehler-orgien an der linie Regeln erfolgen jedoch nicht in Zentimetern, sondern eher in Millimetern. Zur ewigen Frage etwa, wie zu beweisen wäre, ob der Ball die Torlinie überquert hat oder nicht, gab es schon zahllose Debatten und mehrere technische Lösungsvorschläge. Aber in einer Welt, in der man längst zum Mond und

seien ein Teil des Fussballs, ist zwar richtig, aber gleich­zeitig dümmlich. Es kann nicht sein, dass die Fifa ständig von Fair Play redet und gleichzeitig ein Weltmeistertitel nach einem Fehlentscheid vergeben werden kann, den Hunderte von Millionen Zuschauern am Bildschirm erkannt haben, nur nicht

«Fünf gegnerische Spieler können bei der Ball­abgabe abseits stehen, doch gepfiffen wird erst, wenn der sechste Spieler den Ball annimmt» noch viel weiter fliegen kann, gibt es aus der Sicht der Fifa offenbar keine technisch ausreichende Methode, um festzustellen, ob ein Ball von der Grösse einer Wasser­ melone vor oder hinter eine Linie gerollt ist. Allerdings ist die Tor-oder-kein-TorDiskussion völlig nebensächlich im Vergleich zu den unerträglichen Fehlerorgien beim Abseits. Doch in der Abseitsfrage bewegt sich nichts. Zu sagen, Fehler der Spielleiter

der fall

FCZ – FCB 18. März 2009: Gross war die Aufregung, als der Schiedsrichter im CupViertelfinal nach einem Zweikampf zwischen dem Zürcher Verteidiger Stahel und dem Basler Stürmer Streller an der Strafraumgrenze auf den Elfmeterpunkt zeigte. Foul oder nicht Foul – lautete die erregte Diskussion. Dabei wäre diese Debatte gar nicht nötig gewesen, denn vor dem angeblichen Foul standen drei Basler Spieler im Abseits und einer erhielt den Ball, was die Schiedsrichter nicht bemerkten.

der Schiedsrichter an der Linie. Weil das Hilfsmittel Video von der Fifa aus Prinzip nicht zugelassen ist, werden jahraus, jahrein Mannschaften durch zahllose Fehlentscheide bevorteilt oder bestraft. Im Jahr 1991 spielte die Fifa die U17Weltmeisterschaft in Italien mit einer Offside-Linie in jeder Hälfte des Feldes. Zwischen den beiden Linien konnten sich die Spieler wie im Eishockey frei bewegen. Die einzige Erkenntnis dieses Versuchs war, dass man nach nur zwei Wochen Jugendfussball die Qualität einer solchen Neuerung nicht bewerten kann. Der italienische Verband offerierte sogleich, in der dritthöchsten Spielklasse das Experiment während einer ganzen Meisterschaft zu testen, doch die Offerte verstaubte in der Schublade. Es wäre an der Zeit, diese Schublade wieder einmal zu öffnen. Oder endlich die technischen Hilfsmittel zuzulassen. Denn dass ein falscher Offside-Entscheid in einem hochprofessionellen Sport wie Fussball über Sieg und Niederlage entscheiden und nebst der Ehre Millionen Euro, Dollar oder Pfund in eine falsche Richtung lenken kann, ist in keiner Weise faszinierend, sondern schlicht unsportlich. Guido Tognoni Der Ex-Sportjournalist, 58, arbeitete während insgesamt 15 Jahren in verschiedenen leitenden Funktionen bei den Fussball-Dachverbänden Fifa und Uefa. April 2009· schweizer illustrierte goal


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stars paolo Maldini

ABschied des Imperators Er ist unverwüstlich – und treu! Sein ganzes Fuss­ baller-Leben schenkte Paolo Maldini der AC Milan. Ein Klub-Wechsel kam für den 41-jährigen Verteidiger nie infrage. Doch jetzt naht das Ende einer unglaublichen Karriere. Text: Andreas Werz

foto: ma x & douglas / grazia neri / eq images

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er 31. Mai 2009 ist der Pfingstsonntag. Für die AC Milan und ihre An­ hänger verkommt er viel­ leicht zu einem beispiel­ losen Trauertag. An jenem Datum steht der 38. Spieltag der Serie A auf dem Programm, und in der letzten Pflichtpartie der Saison kann sich entscheiden, ob Milan in der nächsten Spielzeit in der Champions League spielt oder wie in der vergangenen Saison nur im Uefa-Cup. Tränen werden an jenem Sonntag ohnehin fliessen: Paolo Maldini wird zum letzten Mal in einem Wettbewerbsspiel in Milans Abwehr auflaufen, wahrscheinlich an der Seite von Philippe Senderos. Maldini tritt zurück. Das wollte er eigent­ lich schon 2007 tun, gab dann aber den Rücktritt vom Rücktritt. Unter anderen hatte ihn damals Klubbesitzer Silvio Berlusconi be­ kniet, seine einmalige Karriere fortzusetzen. Jetzt allerdings soll der Abschied endgültig sein. Nach fast 31 Jahren AC Milan. Nach über 1000 Pflichtspielen. Maldini, der Impe­ rator von Mailand, tritt ab. «Ich habe Angst vor dem Tag, an dem ich endgültig aufhöre», sagte er vor knapp einem Jahr. Dieser Tag rückt nun bedrohlich näher. Zwar habe er noch immer Spass am schweizer illustrierte goal · April 2009

Fussball, liess Maldini vor einigen Monaten verlauten, aber die körperlichen Schmerzen würden immer grösser. Sein mehrmals ope­ riertes linkes Knie lässt sich zuweilen kaum noch durchstrecken. 25 Jahre auf fussballerischer Spitzen­stufe haben ihre Spuren hinterlassen. Ein Viertel­ jahrhundert mit vielen Triumphen und eini­ gen Nackenschlägen. Maldini stand achtmal im Final der Champions League und ging fünfmal als Sieger vom Platz. Er gewann zweimal die Klub-Weltmeisterschaft, dreimal den europäischen Supercup, siebenmal die italie­ nische Meisterschaft und einmal den italieni­ schen Cup. Er bestritt 160 Europacup-Spiele und fast 650 Serie-A-Partien. 1994 wählte ihn die englische Fachzeitschrift «World Soccer» zum weltbesten Fussballer. 1995 belegte er bei der Wahl zum Fifa-Weltfussballer des Jahres den zweiten Platz. Die bedeutendste individuelle Auszeichnung erhielt Maldini,

«Als ich das Bild sah, auf dem mein Vater Cesare den Europacup in die Höhe hält, wollte ich es ihm gleichtun» Paolo Maldini


SEx-appeal Seine stechend blauen Augen sind das Markenzeichen von Paolo Maldini.


fotos: gérard rancinan

«Paolo ist ein Weltstar und dennoch offen und für jedermann zugänglich» Arrigo Sacchi

vorbild Wie der Vater, so der Sohn. Paolo Maldini ist das Vorbild für seinen heute 13-jährigen Sohn Christian, der ebenfalls bei Milan spielt.


fotos: olycom, buzzi, imago / granata images

stars paolo Maldini der am 26. Juni seinen 41. Geburtstag feiert, im vergangenen Jahr: den Fifa-Verdienstorden, der aktiven Fussballern so gut wie nie verliehen wird. Die Fifa ehrte ihn aufgrund seiner beeindruckenden Vereinstreue und vorbildlichen Fairness – Maldini bekam während seiner gesamten Laufbahn nur viermal die Rote Karte gezeigt – sowie seiner konstanten Top-Leistungen auf Top­-Niveau während vieler Jahre. Von drei Europa- und vier Weltmeisterschaften reiste Maldini nie mit einem Titel in die Heimat zurück. Dafür erlebte er zwei besonders bittere Niederlagen: im WMEndspiel 1994 im Elfmeterschiessen gegen Brasilien und im Euro-Final 2000 in der Verlängerung gegen Frankreich. Immerhin hält Maldini eine WM-Bestmarke: 2217 Minuten Einsatzzeit bei Weltmeisterschaften sind unerreicht. Sein 126. Länderspiel (italienischer Rekord) bei der WM 2002 war zugleich sein letztes. Ungern erinnert er sich daran, denn Italien schied im Achtelfinal gegen Co-Gastgeber Südkorea (1:2) aus. Maldini unterlief in der zweitletzten Minute der Verlängerung ein Stellungsfehler, der dem Gegner das entscheidende Tor ermöglichte. Der ganz grosse Triumph blieb Maldini im Nationalmannschaftstrikot verwehrt. Dafür hatte er in der Squadra azzurra ein paar gemeinsame Auftritte mit seinem Vorbild – seinem Vater Cesare. Zwischen 1996 und 1998 war Cesare Maldini Nationaltrainer und sein Sohn Captain. Cesare, in den 50er- und 60er-Jahren Spieler der AC Milan, 14-facher Internationaler und WM-Teilnehmer 1962, war auch jener Trainer der italienischen U21, der im November 1986 den damals erst 18-jährigen Paolo in sein Team berufen hat. Daraus zu schliessen, der Vater hätte seinen Zögling bevorzugt behandelt, wäre grundfalsch. Maldini senior war ein gestrenger Lehrmeister und verlangte von Maldini junior stets mehr als von den anderen Spielern. 1963 gewann Cesare Maldini mit Milan den Europacup der Meister. Als Knabe sah Paolo ein Foto von diesem Ereignis. Er erinnert sich: «Als ich jenes Bild sah, auf dem mein Vater den Europacup in die Höhe hält, wollte ich es ihm gleichtun.» So trat er als Zehnjähriger in Milans Juniorenabteilung ein. Dabei schlug sein Herz damals für den grossen Konkurrenten Juventus Turin und dessen Starstürmer Roberto Bettega. Zudem war Paolos liebste Sportart zu jener Zeit eigentlich Basketball gewesen. Schnell entwickelte sich der kleine Maldini zu einem aussergewöhnlichen Fussballer. Mit 16 debü­ tierte er bei den Profis, mit 17 war er Stammund mit 19 Nationalspieler. «Mein Vater lehrte mich alles», sagt Maldini. Cesare hat grossartige Arbeit geleistet,

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familie 1 Paolo Maldini (Mitte) mit Mama Maria Luisa und Papa Cesare und seinen drei älteren Schwestern am Strand.

Familie 2 Paolo Maldini mit Gattin Adriana und den beiden Söhnen Christian (r.) und Daniel.

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stars paolo Maldini «Man muss Fussball leben. ­ Etwas anderes war ich auch nicht gewohnt. Fussball hat alles dominiert» Paolo Maldini

denn Paolo, der drei ältere Schwestern und zwei jüngere Brüder hat, stieg zu einem der besten linken Aussenverteidiger auf, den die Fussballwelt je gesehen hat: schnell, ball­gewandt, spielintelligent, kopfballstark, ehrgeizig, beidfüssig, exzellentes Stellungsspiel, taktisch nahezu perfekt, sich immer wieder in die Offensive einschaltend. Dazu ist Maldini ein aussergewöhnlicher Mensch. «Paolo ist ein Weltstar und dennoch offen und für jedermann zugänglich», sagte einmal Italiens Trainerlegende Arrigo Sacchi. Für Schlagzeilen in der Regenbogenpresse sorgte Maldini im Gegensatz zu anderen Fussballern so gut wie nie. Über sein Privatleben ist wenig bekannt, in Interviews klamschweizer illustrierte goal · April 2009

mert er dieses Thema aus. Dass er seine Frau, das ehemalige venezolanische Fotomodell Adriana Fossa, 1988 in einer Diskothek kennengelernt haben soll, gilt bei Maldini beinahe schon als Skandal, denn der Spieler ging auch in jüngeren Jahren abends selten aus und schon gar nicht in Tanzlokale. Dabei gilt er als einer der bestaussehenden Fussballer der vergangenen Jahre. Leserinnen der «Washington Post» wählten ihn während der WM 1994 zum «Spieler mit dem grössten Sex-Appeal». Aus seinem vorteilhaften Äusseren schlug der Dunkelhaarige mit den stechend blauen Augen nur wenig Kapital. Einige Male trat er bei Modeschauen als Model für Armani und Versace auf.

zur person Paolo Cesare Maldini Geboren am 26. Juni 1968 in Mailand Zivilstand verheiratet mit Adriana Fossa; zwei Söhne, Christian, 13, und Daniel, 8 Verein 1978–1984 Junioren AC Milan, seit 1984 AC Milan Erfolge italienischer Meister 1987/88, 1991/92, 1992/93, 1993/94, 1995/96, 1998/99, 2003/04; Uefa Champions League 1993/94, 2002/03, 2006/07; Vize-Weltmeister 1994; Spieler des Jahres 1994; Wahl in die «WM-Elf des Jahrhunderts» 2002

fotos: getty images

kampf & spass Maldini erkämpft sich das Leder gegen Bolognas Amoroso. Maldini, David Beckham und der Schweizer NatiStar Philippe Senderos (Bild l.) habens lustig.

Maldini ordnete stets alles dem Fussball unter. «Man muss Fussball leben», sagte er vor Jahren. Das fiel ihm nicht schwer, denn «was anderes war ich auch nicht gewohnt». Deshalb ist es auch keine Überraschung, dass er mit seiner Frau und den beiden Söhnen Christian, 13, und Daniel, 8, unweit von Milanello wohnt, dem Trainingszentrum des einzigen Vereins, für den er je gespielt hat. Weitab von Mailands Hektik und Lärm pflegt er seine umfangreiche Schuhsammlung und hört Musik, vorzugsweise Rap und Soul. Seine Lieblingsband jedoch ist Oasis um die Brüder Liam und Noel Gallagher. Die beiden sind leidenschaftliche Anhänger von Manchester City und wollten Maldini 1997 für den Verein verpflichten. Sie hätten die Ablösesumme gleich selber bezahlt, doch der Umschwärmte blieb in Mailand. Maldini hat vor, auch nach Beendigung seiner Laufbahn dort zu bleiben. Trainer will er keinesfalls werden. Er könnte sich aber vorstellen, einen Managerposten zu übernehmen, wie ihn sein Freund Oliver Bierhoff beim Deutschen Fussball-Bund ausübt. Auf dem Fussballplatz wird Paolo Maldini aber auch künftig anzutreffen sein. Sohn Christian spielt, wie könnte es anders sein, bei den Milan-Junioren, und das äusserst erfolgreich. Spielt er dereinst bei den Profis mit, dürfte er das Trikot mit der Rücken­ nummer 3 tragen. Dieses Privileg ist nur ihm und seinem Bruder Daniel vorbehalten, ansonsten wird dieses Shirt bei Milan nie mehr an einen Spieler vergeben.


foto: max & douglas / grazia neri / eq images


teatime mit dem Premier ManU-Vertei足diger Rio Ferdinand beim Interview mit Gordon Brown an der Downing Street 10.


stars interview

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Das Treffen der Giganten Der eine dirigiert die Verteidigung von Manchester United. Der andere regiert ganz England. Abwehr-Hüne Rio Ferdinand hat Englands Premier Gordon Brown an der Downing Street 10 zum Interview getroffen. Ein Gespräch über Sport, Kindheit und warum Fussball-Trainer gute Politiker wären.

foto: pictures by jamie baker courtesy of www.nvamgt.com

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ch komme gleich zur Sache, um Ihre kostbare Zeit nicht zu verschwenden. Ich bin Gast-Chefredaktor beim «Observer Sport Monthly». Das ist toll für Sie! Nett von der Redaktion. Sie sind Fan der Raith Rovers? Ja, dann kennen Sie all unsere Probleme bestens (lacht). Wann wurden Sie Anhänger dieses Fussball-Teams? Als ich klein war, spielte ich den ganzen Tag Fussball. In der Nähe unseres Hauses war ein kleiner Park. Und der Fussballplatz gleich um die Ecke. Dann habe ich Programmhefte verkauft. Da spielten die Rovers in der obersten Liga und hatten Teams wie Glasgow Rangers, Celtic und Aberdeen zum Gegner. Mein Held war Jim Baxter. Doch der hatte ein Alkoholproblem und starb früh. Das war mein Weg zum Fussball. Welches war Ihr erstes Spiel? Raith Rovers gegen East Fife. Erinnern Sie sich noch ans Resultat? Ich glaube, wir haben 2:1 gewonnen. Ich sass damals neben meinem Vater. Der klatschte bei guten Spielzügen auch für den Gegner. Ich sagte zum ihm: «Warum tust du das? Wir unterstützen doch die Rovers.» Treiben Sie heute noch Sport? Das ist vorbei. Ich spielte viel Rugby, lief an den schottischen Meisterschaften mit und spielte Tennis. Dann kam die Verletzung am Auge. Wo hätten Sie sich als Profi-Sportler ge­ sehen?

Meine Stärke war die Schnelligkeit. Ein Fussballer benötigt Balance, die grosse Fähigkeit, sich zu bewegen. Ja. Man wird damit geboren oder eben nicht. Lernen kann mans nicht. Sie geniessen wohl den Fussball unter Sir Alex Ferguson: Ja. Ich habe viel Spass. Als ich bei West Ham anfing … ... da waren einige grossartige Spieler … … Di Canio, Lampard. Ich wollte eigentlich nie weg, aber jetzt bei ManU ist es ein Traum. Sie erleben ja auch eine tolle Saison. Ja, wir sind gut dran. Ihr Team ist aber auch gut besetzt. Klar. Aber der Trainer ist ein Genie, der immer wieder eine unglaubliche Auf­ stellung aus dem Hut zaubert und damit Erfolg hat. Viele Spieler schauen sich von den Trainern einiges ab, um dann später als Coach Erfolg zu haben. Das ist auch mein Ziel: Trainer. In ein paar Jahren. Heute habt ihr spezielle Diäten und Ernährungsberater. Bei West Ham gabs vor jedem Spiel Spaghetti bolognese mit einem Spiegelei. Heute gäbe es ein Donnerwetter vom Chef. Waren Sie schon mal auf unserem Trainingsgelände? Ja, zusammen mit Alex Ferguson vor einiger Zeit. Es ist eindrücklich. Im Arsenal-Stadion sind Gast- und Heim-Kabinen zwei völlig verschiedene Welten. Das ist fast überall so. In Everton ist die Gästegarderobe so klein und eng,

dass man die Wände links und rechts mit den Armen berühren kann. 2012 finden die Olympischen Spiele in England statt. Ich würde gern in der Auswahl stehen. Da gibts noch ein Problem zu lösen. Schottland, Wales und Nordirland müssen teil­ nehmen. Bislang haben sie Angst, ihren inter­ nationalen Status bei der Fifa zu verlieren. Ich wäre einer von zwei Spielern über 30. Der andere wird dann vermutlich ein Tor­ hüter sein … Ja, ich und David Seaman … … genau, bringt den Seaman zurück. England ist eine grosse Sportnation, und ich sage es immer wieder: Die nächsten zehn Jahre werden die grossartigsten sein. 2012 die Olympischen Spiele. 2014 die Commonwealth-Spiele in Glasgow. Wir hoffen auf den Rugby World Cup im 2015 und die Fussball-Weltmeisterschaften 2018. Die werden uns wohl nicht alles geben. Olympia und Commonwealth haben wir bereits. Die Frage ist, ob wir die WM be­ kommen. Werden Sie dann noch spielen? Wann ist das schon wieder? 2018. Das ist nach meinem Rücktritt. Dann werde ich längst Manager sein. Spielten Sie und Ihr Bruder viel zusammen? Klar. Ich stand im Tor. Ich bin sieben Jahre älter als er. So hab ich ihm einiges bei­ gebracht. Mein Bruder ist zweieinhalb Jahre älter, der andere fünf Jahre jünger. Der älteste zeigte nie grosses Interesse am Nesthäkchen. Ich war glücklich, dass Anton und ich nur zu zweit waren. War es mir langweilig, ging ich mit ihm und seinem gleichaltrigen April 2009· schweizer illustrierte goal


stars interview

Kumpel nach draussen und liess die beiden gegeneinander antreten – als Goalie liess ich immer seinen Freund gewinnen (lacht). Sind Sie gut im Tor? Haben Sie mich letztes Jahr im FA Cup gegen Portsmouth nicht gesehen? Ich war der schlechteste Keeper, den man je gesehen hat. Sie sind ein Sport-Fan. Haben Sie wegen eines Events schon Ihre Agenda umgekrempelt? Klar, immer wieder. Heute gibts ja glück­ licherweise Harddisk-Recorder. Wenn ich lange arbeiten muss, schaue ich mir spät­ abends aufgezeichnete Spiele an. Ich hoffe dann, dass mir niemand vorher das Resultat verrät. Sprechen Sie mit andern Staatschefs über Mannschaften und Resultate? Viele sind eingefleischte Fussball-Fans. Ministerpräsident José Luis Rodriguez liebt den spanischen Fussball über alles. Portu­ gals José Socrates fiebert für die Brasilianer. Und die neuen osteuropäischen Staaten sind stolz auf ihre erfolgreichen Mannschaften. Klar, dass das Spiel mit dem Ball unter den Politikern ein grosses Thema ist. Auch in Afrika – dort wächst der Fussball immens, und tolle Spieler werden kommen. Das habe ich kürzlich auf einer Reise nach Uganda und Nigeria erlebt. Wir waren in Schanghai, der Schwesterstadt von Liverpool. Also haben wir Liverpoolund Everton-Shirts mitgenommen. Doch dort hatte es vor allem Fans von Manchester und Arsenal. China ist ein Riesenmarkt. Glauben Sie, wir Sportler haben eine Vorbildfunktion für junge Menschen? Ich will es anders sagen. Wenn Sie sich ent­ schliessen, jungen Leuten zu helfen, kann das den Unterschied ausmachen. Kids, die mir nie zuhören würden, hören Ihnen zu. Als ich jung war, schauten wir zu den Spielern unserer lokalen Mannschaft auf. Damals gabs keinen Fussball im TV. Heute haben Sie ein weltweites Podium und Einfluss. Ich erinnere mich noch gut, als der Chelsea-Spieler Paul Elliott an unsere Schule kam. Wir hingen an seinen Lippen und hörten mäuschenstill zu. Erzählte unser Lehrer etwas, schweiften unsere Gedanken sofort ab. Etwas wollte ich Ihnen noch sagen: Toll, was Sie gegen Rassismus unternommen haben. Rassismus im Sport ist völlig inakzeptabel. Die Geschichte mit Emile Heskey ist ein besonders schlimmes Kapitel. Kroatien schweizer illustrierte goal · April 2009

tempi passati Seit seinem RugbyUnfall ist Gordon Brown auf einem Auge blind. Auch Tennis liegt nicht mehr drin.

muskelpaket Kraftprotz Rio Ferdinand – 1,89 Meter gross – bejubelt einen Sieg mit seinem Manchester United.

«Trainer sind gute Leader, weil sie Menschen ­zusammenbringen. Beim Spiel und in der Politik musst du einen Plan haben» Gordon Brown hätte die nächsten Spiele in einem Geister­ stadion spielen müssen. Das sage ich immer wieder. Spanien ist mit 35 000 Pfund gebüsst worden. Doch Geldstrafen nützen nichts. Glauben Sie, dass die Finanzkrise einen Einfluss auf die Olympi­ schen Spiele in London haben wird? Nein. Wir kommen mit der Planung gut vor­ an. Wir geben jetzt das Geld aus zu einer Zeit, wo sonst kaum jemand Bauarbeiter benötigt. Zudem bauen wir neue Schulen, das gibt rund 100 000 Leuten einen Job. In ganz England? Ja, wir haben ein Konjunktur-Massnahmenpaket geschnürt: Schulhäuser, Strassen, Schienennetz und Spitäler. Zurzeit werden kaum Häuser errichtet, so kommen wir schnell vorwärts. Kürzlich habe ich eine neue Schule in Swindon eröffnet. Wie waren die Sportplätze zu Ihrer Schulzeit? Nicht die besten. Stimmen Sie zu: An den Schulen brauchts mehr Sport? Ich verlange fünf Stunden pro Woche. Mo­ men­tan sind es bloss zweieinhalb, an neun­ zig Prozent der Schulen gar nur zwei Stunden. Das Ziel ist jeden Tag mindestens eine Stun­ de, das macht die Schüler fitter, gesünder. Zudem fördert der Sport den Teamgeist.

Das sagt unser Trainer auch immer. In der Mannschaft ist nicht der Einzelne entscheidend, sondern wie das Team mit­ einander funktioniert. Und noch etwas: Psychologie im Fussball wird immer wichtiger. Psycho-Spielchen wie sie Rafael Benitez betreibt (lacht). Letzte Frage: Welcher Sportler wäre ein begnadeter Politiker? Alex Ferguson wäre gut. Trainer sind gute Leader, weil sie Menschen zusammenbringen. Beim Spiel und in der Politik musst du einen Plan haben. Du musst sie motivie­ ren und dennoch nicht alles verraten. Tor­ hüter Gordon Banks hat mir die amüsante Geschichte um Alf Ramsey erzählt. Der ­damalige England-Trainer hat sich jeweils per Handschlag nach dem Match von den Spielern verabschiedet. Ihnen aber nie gesagt, ob sie fürs nächste Spiel wieder im ­ Aufgebot seien. Und Banks machte den Fehler und sagte: «See you next time.» Ramsey konterte kühl: «Will you?» Das bringt dich auf den Boden zurück. Genau. Und Ramsey hat ihn für den nächsten Match nicht aufgeboten (lacht). Bearbeitung: Stephan Sutter

fotos: martin gilfeather, pixathlon

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zur person

james gordon brown Geboren am 20. Februar 1951 in Glasgow Zivilstand verheiratet mit Sarah Macaulay, zwei Söhne, John und James Fraser Karriere studierte Geschichte und erhielt 1982 den Doktortitel. 1983 wurde Gordon Brown ins Unterhaus gewählt. 1997 wurde er Schatzkanzler. Seit 2007 ist Brown Premier­minister und Parteipräsident der Labour Party

rio gavin ferdinand Geboren am 7. November 1978 in Peckham, England Zivilstand verheiratet mit Rebecca Ellison, ein Kind Vereine 1995–1996 West Ham United, 1996 AFC Bournemouth (ausgeliehen), 1996–2002 Leeds United, seit 2002 bei Manchester Titel Meister FA Premier League 2003, 2007, 2008; Ligapokal 2006; Uefa Champions League 2008

foto: pictures by jamie baker courtesy of www.nvamgt.com

zur person


super league

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Stars, Talente, Sponsoren

Seydou Doumbia

DER Star auf der bank

fotos: keystone / Lukas lehmann, zsigmond toth, rdb, marcel nöcker

YB-Spieler Seydou Doumbia gibt auf dem Platz alles und trifft fast immer. Trotzdem hockt der 21-jährige Ivorer meistens bis kurz vor Spielende auf der Bank. Was macht er sonst? GOAL erzählt er, warum er am Morgen immer im Stress ist, weshalb er an seinen freien Tagen gern nach Paris fährt und was er vor dem Einschlafen macht. Seite 58

warm-up

Homestory ivan benito So wohnt der Aarau-Keeper mit seinen zwei Prinzessinnen. Seite 60

Sprungbrett barmettler, frei und Lang Drei Talente nehmen Anlauf für die ganz grosse Karriere. Seite 56

Geld & Goal Bernhard ­Soltermann Der Chef von Ford Schweiz über Fussball und Sponsoring. Seite 64


1 Heinz Barmettler

Zuverlässig wie ein beamter

Beim FCZ ist er eine Bank – und in der U21-Nati meldet Heinz Barmettler schon mal Stars wie Barcelonas Wunderkind Bojan Krkic ab. Genauso wie er Fussball spielt, klingt er auch: unaufgeregt, solid. Einer, der fest mit beiden Füssen auf dem Boden steht. Heinz Barmettler (geb. 21. Juli 1987) ist kein Lautsprecher, wählt seine Worte mit Bedacht und bemüht sich, nichts Falsches zu sagen – oder einfach bloss, so wenig wie möglich von sich preiszugeben? «Nein, nein», meint er lachend. «Ich hab ja nichts zu verbergen. Aber ich bin halt eher der ruhige Typ.» Und der FCZ-Verteidiger ist, das zeigt sein bisheriger Werdegang, ein Mensch, der eine gewisse Sicherheit braucht. Vor allem im Beruf. Denn schon als Teenager war ihm klar: Nur auf die Karte Fussball zu setzen, kam für ihn nicht infrage. «Es kann so schnell etwas passieren, und die ganzen Träume sind aus und vorbei», sagt der 1,83 Meter grosse und 76 Kilogramm schwere Stadtzürcher. Deshalb absolvierte er bei der Credit Suisse eine

kaufmännische Ausbildung, die er erfolgreich abgeschlossen hat. «Es war eine strenge Zeit, aber es hat sich gelohnt», sagt Heinz. Als Belohnung leistete er sich bereits als Bank-Lehrling das, was er noch heute jedes Jahr tut: eine Ferienreise in die Dominikanische Republik. Seine Mutter stammt von der Karibik-Insel, er besucht dort regel­ mässig Familienmitglieder und besitzt zwei Pässe. Nati-Einsätze für die Dominikanische Republik also? Heinz winkt schmunzelnd ab: «Es ist wunderschön dort, aber sportlich will ich mich hier in der Schweiz durchsetzen.»

«Spielintelligenter Verteidiger mit überdurchschnittlichem technischem Können und guter taktischer Aus­ bildung. Noch Potenzial im athletischen Bereich» Urs Fischer, Leiter Formation FC Zürich

2 Fabian Frei

Schon wieder Frei-Zeit?

Bebbi-Talent Fabian Frei hasst Kopfschmerzen und liebt die Farbe Blau-Rot.

Das Profi-Urteil

fotos: rdb, keystone, eq images (2)

«Jeder Spieler ist eigentlich ein eigenes Projekt»

Martin Trümpler war NLA-Spieler (YB). Bevor er beim SFV anfing, trainierte er YB und Aarau.

U20-Nationaltrainer Martin Trümpler, 60, verrät, was unseren Fussball in Zukunft stark macht.

schweizer illustrierte goal · April 2009

Unser Nachwuchs-Fussball holt internatio­ nal auf. Was macht die Schweiz besser? Der Technische Direktor des SFV, Hansruedi Hasler, hat das Konzept festgelegt und es mit seinen Mitarbeitern aus der Technischen Abteilung über die letzten 15 Jahre weiterentwickelt. Unsere Ressourcen, etwa die Anzahl talentierter Spieler und die finanziellen Mittel, sind beschränkt. Zudem ist unsere Fussball-Kultur nicht vergleichbar mit der­ jenigen von Ländern wie Deutschland oder

England. Deshalb müssen wir sorgfältig und innovativ arbeiten. Jeder Spieler ist gewisser­ massen ein eigenes Projekt. Gibt es, nach dem Ajax-Muster, eine Philo­ sophie, die auf jeder Altersstufe verfolgt wird? Unsere Basis-Philosophie lautet: Wir ver­teidigen in der Zone und spielen nach vorne. Dynamisch und offensiv. Zusätzlich versuchen wir, Tendenzen im modernen Spitzenfussball in dieses Konzept einzubauen. Als Standortbestimmun-


super league die talent-show Eigentlich sollte sein älterer Bruder an jenem Tag erstmals am Training des FC Frauenfeld teilnehmen. Aber der traute sich einfach nicht so recht. Also sprang halt Fabian Frei, gerade mal gut drei Jahre alt, mutig auf den Rasen und mit Feuereifer dem viel zu grossen Ball hinterher. Die Pampers ist er los – die Leidenschaft für das runde Leder ist geblieben: Der begeisterte Jasser hält beim grossen FC Basel trotz seiner Jugend bereits gute Karten in Händen. Das verdankt er neben seinem Talent und dem Vertrauen von Trainer Christian Gross in erster Linie Peter Knäbel, der in der FCBNachwuchsabteilung tätig und Freis Mentor ist. Beim FC Winterthur kümmerte sich Knäbel um das Talent und schaffte es, dessen Angst vor Kopfbällen mit stundenlangem Training zu vertreiben. «Da brummte mir oft der Schädel», sagt Frei, der nicht mit Alex Frei verwandt ist, heute. Und Knäbel machte dem inzwischen 1,82 Meter grossen und 74 Kilogramm schweren Fussballer dann auch den Wechsel zum FCB in Verbindung mit der Absolvierung der Wirtschaftsmittelschule in Reinach schmackhaft. «Das war der bisher beste Entscheid meines Lebens», sagt Frei (geb. 8. Januar 1989). Dass am Rheinknie auf das Jungtalent gesetzt wird, beweist die Vertragsverlängerung bis 30. Juni 2012. Für einen, der als F-Junioren-Goalie schon mal während des Spiels seelenruhig aufs Klo ging, hat es Fabian Frei bereits weit gebracht. Kurt Künzle

«Fabi macht keine Show mit über­flüssigen Tricks, sondern spielt auf die einfachste und wirkungsvollste Art. Vor dem Tor für sein Alter unglaublich cool. Er dürfte der nächste Basler Nati-Spieler sein» Valentin Stocker

gen bieten sich Grossanlässe wie die Euro 08 an. Spanien zeigte technisch perfekten Kombinationsfussball, die Holländer erzielten sensationelle Kontertore, die Russen haben im Viertelfinal ein horrendes Tempo hingelegt, die Türkei hat mit ihrer Winner-Mentalität Berge versetzt. Diese Erkenntnisse versuchen wir stufengerecht in Training und Spiel umzusetzen. Was müsste verbessert werden? Nach der obligatorischen Schulzeit stellen wir häufig eine Verlangsamung der Fort-

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3

Steven Lang

Sprach- und balltalent

Kürzlich stoppte ihn eine Verletzung, aber: Steven Lang ist bei Aarau glücklich – nur das Liebesnest fehlt noch. Für ihn war als kleiner Bub klar: Er wollte noch besser werden als sein Vater, der es als linker Flügelflitzer bis in die NLB geschafft hatte. Dafür verliess Steven Lang bereits mit 17 sein Elternhaus, um im Ausbildungszentrum des FC Nantes das Abc des Fussballs zu erlernen. «Anfangs plagte mich oft das Heimweh», sagt der Jurassier aus Moutier. «Zum Glück besuchte mich meine Mutter alle zwei Monate im Fussball-Internat.» In der Nachwuchsabteilung des FC Basel hatte er zuvor bereits Deutsch gelernt, in Frankreich kamen dann auch noch Englisch und Italienisch hinzu. «Gut so», meint Steven, «ich rede ja sehr, sehr gern!» Tatsächlich ist der 1,78 Meter grosse und nur 65 Kilogramm schwere Mittelfeldspieler ein kommunikativer Typ. Und zudem ist er einer, der bei Bedarf rasch und entschlossen handelt. So etwa im

schritte unserer Talente fest. Vielfach gibt es zu wenig ideale Lösungen Schule/Lehre/ Fussball, oft werden unsere Talente zu schnell hochgejubelt, und sie vergessen darob, dass nur harte Arbeit zum Ziel führt. Wie verläuft die Karriere eines Talents im Idealfall? Der «Barnettaweg» gilt als ideal: Nachwuchs-Spitzenfussballer in der Schweiz, Stammspieler in der Super League, Schritt zum Nationalspieler, dann allenfalls Wechsel

September 2008: Weil Michel Decastel, der ihn zu Xamax Neuenburg geholt hatte, inzwischen durch Alain Geiger ersetzt worden war und dieser gleich ein paar neue Spieler mitbrachte, wechselte Lang quasi über Nacht zum FC Aarau. Dort gefällt es dem Junioren-Internationalen (geb. 3. September 1987) ausgezeichnet. Allerdings pendelt er noch immer zwischen dem Brügglifeld und Moutier. Er hofft, nächstens eine Wohnung in der Nähe seines Arbeitgebers zu finden. Und dann – das ist sein ganz grosser Traum – möchte er dort am liebsten zusammen mit seiner Freundin einziehen.

«Schneller und unberechenbarer Mittelfeldspieler über die Aussenposition, spielt manchmal über­hastet, beim FC Aarau auf guten Wegen» Martin Trümpler

ins Ausland zu einem Verein, der jungen Spielern eine echte Chance bietet. Leider gibt es zu viele Spieler, die keine echte Karriereplanung verfolgen, zu früh ins Ausland wechseln und dann reumütig auf Klubsuche in die Schweiz zurückkehren. Wir versuchen, unseren Auswahlspielern sowie deren Eltern und Beratern solche Negativbeispiele aufzuzeigen. Häufig winkt jedoch das schnelle Geld, oder ein verheissungsvoller Klubname spült alle Bedenken weg.


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super league seydou doumbia

«mama ist meine königin» Er schiesst für YB Tor um Tor, ist der Edeljoker der Nation. Sturm-Star Seydou Doumbia privat? Hier ist sein Tagebuch.

«

Mein Wecker klingelt täglich um 8.30 Uhr – viel zu früh! Immer denke ich: «Ich will weiterschlafen!» Ich bleibe dann meistens noch zehn Minuten im Bett liegen, dann gehts los. Schnell unter die Dusche und zu Fuss zur Arbeit, ins Berner Stade de Suisse. Zum Glück wohne ich in der Nähe des Stadions.

fotos: Sven thomann / Blicksport / RDB, Keystone

Food Auf dem Weg kaufe ich beim ImbissStand gegenüber meiner Wohnung zwei Croissants und einen Orangensaft. Am Mittag esse ich immer mit meinem Mannschaftskollegen Thierry Doubai. Wir gehen oft in ein italienisches Restaurant. Dort esse ich am liebsten Spaghetti mit Tomatensauce und ein Stück Fleisch. Obwohl ich nicht zu viel Süsses essen sollte, nehme ich ab und zu ein Dessert. Ich liebe alles mit Vanille. In letzter Zeit muss ich über Mittag oft Interviews geben, dann bleibt mir keine Zeit für meine Siesta. Wenn ich einmal einen Tag frei habe, buche ich oft einen Flug nach Paris, wo ich Freunde treffe. Der Hauptgrund für meine Kurztrips sind aber die vielen afrikanischen Restaurants in Paris! Diese heimische Küche fehlt mir. Mein Lieblingsgericht ist Garba. Das besteht hauptsächlich aus Maniok, einem afrikanischen Wurzelgemüse, und Fleisch. Als ich zwei Jahre in Japan spielte, kochte ich oft selber. Die Rezept­ideen fand ich im Internet.

Freizeit Am Abend bin ich gern zu Hause in meiner Wohnung. Meistens bin ich dann mit meinem Kollegen Doubai zusammen. Nach dem Training kaufen wir etwas zu essen. Entweder in der Migros oder in einem afrikanischen Takeaway-Laden. Dort kennen sie uns schon. Zu Hause hören wir Musik aus der Heimat und sprechen über die Elfenbeinküste. Über unsere gemeinsame Zeit bei AS Athlétic Adjamé. Oder wir klicken die Internetsite der Elfenbeinküste an und informieren uns schweizer illustrierte goal · April 2009

über Neuigkeiten. Manchmal schauen wir auch eine DVD, am liebsten eine Folge von «Prison Break». Bevor ich ins Bett gehe, lese ich oft. Nein, keine Krimis, sondern Liebesromane. Ich bin halt ein Romantiker. Wenn ich nicht zu müde bin, besuche ich montags den Deutsch-Unterricht. Diese Sprache ist wirklich sehr kompliziert! Immerhin kann ich schon «Hallo» sagen. Neben dem DeutschUnterricht nehme ich Fahrstunden. Wenn ich dann mal fahren kann, hätte ich am liebsten einen Porsche Cayenne.

Familie Meine Mutter ist meine Königin. Mit ihr telefoniere ich jeden Abend. Für mich wäre es das Schönste, wenn sie hier in der Schweiz sein könnte. Sie würde mich dann jeden Morgen wecken und mir ein Frühstück zubereiten. Sie ist die beste Köchin, die ich kenne. Jetzt bekocht sie meine drei jüngeren Brüder. Sie sind 5, 8 und 15 Jahre alt. Der mittlere will auch Fussballer werden. Ich rate ihm aber, in der Schule viel zu lernen und seinen Abschluss zu machen. Ich weiss ja selber, dass Fussballer ein harter Beruf ist. Man ist weg von zu Hause, das ist nicht einfach. Als ich zwei Jahre in Japan war, vermisste ich meine Familie sehr. Ich war dort der einzige Afrikaner und konnte die Sprache nicht. In der Schweiz ist es viel besser, hier sprechen viele Französisch. Wenn ich Ferien habe, fliege ich nach Hause. Dann bringe ich für alle Geschenke mit. Meine Mutter trägt zu Hause mein YB-Trikot!

persönlich

Freunde Thierry Doubai ist mein bester Freund in der Schweiz. Dank ihm konnte ich mich hier sehr schnell integrieren. Wir unternehmen fast alles zusammen. Er ist auch ein Grund, warum ich mich entschloss, in die Schweiz zu kommen. Er konnte mir vieles zeigen, und so fand ich auch schnell Anschluss in der Mannschaft. Wir lachen viel zusammen. Protokoll: Lisa Merz

»

Seydou Doumbia Geboren 31. Dezember 1987, Elfenbeinküste Zivilstand ledig Klubs Jugend: Athlétic Adjamé; 2005–2007 Kashiwa Reysol (Japan); 2007–2008 Tokushima Vortis (Japan); seit 2008 BSC Young Boys Marktwert 1,24 Millionen Franken (Quelle: transfermarkt.de)


temperamentvoll Die bald vierj채hrige Livia tobt daheim in Muhen AG herum, Ehefrau Angela, 31, plant das neue Haus. Ivan Benitos Gl체ck ist perfekt.

benitos prin


super league ivan benito

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R

Aarau-Goalie Ivan Benito, Ehefrau Angela und Tochter Livia: Vor drei Jahren lebte die Familie noch von 5000 Franken Arbeitslosengeld pro Monat. Das hat sie zusammengeschweisst. Jetzt bauen sie ihr Traumhaus. Text: Ilona Scherer · Fotos: Zsigmond Toth

zessinnen

osarot, wohin das Auge blickt. Die Wände des Zimmers von Livia im oberen Stock der 5½-Zimmer-Wohnung sind rosa gestrichen. Neben dem verschnörkelten weissen Bettchen steht ein pinkfarbener Schminkspiegel, der sprechen kann. «Und schau, hier», ruft der bald vierjährige Wirbelwind: «Mein rosa Märchenschloss! Willst du mit mir spielen?» Die quirlige Tochter von Aarau-Goalie Ivan Benito, 32, schliesst Besuch schnell ins Herz. «Sie ist unser Goldschatz. Das Beste, was uns passieren konnte», sagt der gebürtige Spanier. Sooft es geht, spielt er mit Livia Memory, ein Puzzle oder das Äffli-Spiel, fahren sie Velo, singen und tanzen sie. «Sie befiehlt, und ich mache mit», schmunzelt Benito. «Nur zum Barbie-Spielen kann ich mich wirklich nicht überwinden.» Angela Benito, 31, beobachtet stolz, wie ihr Mann mit Livia im Prinzessinnenzimmer herumtobt. Die Zürcherin mit italienischen Wurzeln hat eigenhändig die Wände rosa gestrichen. «Wir sind in den letzten Jahren so oft umgezogen, dass Livia nie ein richtiges Kinderzimmer hatte», erklärt die gelernte Medizinische Praxis-Assistentin. Die kleine Familie hat turbulente Zeiten hinter sich. Gerade einen Monat alt war Livia, als im Juli 2005 das Telefon klingelte. Am Apparat Ivan, damals beim italienischen Dritt­ ligisten Pistoiese im Höhenflug: «Ich hatte einen Unfall mit dem Töff.» Ein Kind hatte mit dem Velo direkt vor ihm gewendet. Benito kann zwar ausweichen. Doch beim Sturz renkt er sich eine Schulter aus. «Von diesem Tag an konnte ich nicht mehr stillen, die Muttermilch floss nicht mehr», erinnert sich Angela. Welch ein Wechselbad der Gefühle: Eben noch schwebte das verliebte Paar nach Livias Geburt auf Wolke sieben. Im Verein lief es Ivan, der beim FC Aarau auf der Ersatzbank geschmort hatte, hervorragend. Und mit einem Mal war alles kaputt. Benito bekam keinen neuen Vertrag, versuchte es noch bei einem anderen Klub. Vergebens. 2006 kehrte er in die Schweiz zurück, klopfte im Brügglifeld an, ob er mittrainieren dürfe – und musste sich anhören, dass «ein Fremder nur stören würde». Dies sagte der damalige Aarau-Präsident Michael Hunziker einem, der schon als Junge FCA-Fan war, mit 22 Stammgoalie wurde und bis zu seinem Weggang 168 Spiele im Aarau-Dress absolviert hatte. Ivan war Integrationsfigur, Anlaufstelle für die Neuen, Dolmetscher, Freund, Helfer gewesen. Und jetzt plötzlich ein Fremder? Ivan Benito ging stempeln. Monatelang lebte er von 5000 Franken Arbeitslosengeld pro Monat. Aber auch das funktionierte: «Wir haben nie auf zu grossem Fuss gelebt und April 2009 · schweizer illustrierte goal


«Livia ist unser Goldschatz. Das Beste, was uns passieren konnte. Sie war meine grosse Motivation, als ich verletzt war» Ivan Benito

kim possible! Livia und Ivan zeigen, wie ihre LieblingsComic-Heldin kämpft. Toben und Fliegen (kl. Bild) sind die Lieblingsbeschäftigungen der beiden.

glückliche familie Dazu gehört auch der etwa 13-jährige Terrier-Mischling Rudi, der eigentlich bei Angelas Eltern lebt, aber oft bei Benitos zu Besuch ist. schweizer illustrierte goal · April 2009

immer Geld auf die Seite gelegt», sagt Angela. Existenzangst hatte der gelernte Kaufmann deshalb nie. «Aber die Ungewissheit, ob ich meine Karriere würde fortsetzen können, belastete mich schon.» In der schwersten Zeit ihres Lebens konnten die Benitos auf die Unterstützung ihrer Familie zählen: Zuerst wohnten sie monatelang bei Ivans Eltern, danach bei den Schwiegereltern. Schliesslich durfte Ivan beim FC Luzern mittrainieren, bis im März 2007 in Aarau gleich beide Torhüter ausfielen und man ihn brauchte. In den folgenden Monaten avancierte Benito zum Gewinner. «Er hatte grossen Anteil am Klassenerhalt», sagt Angela stolz. Und mit Gilbert Gress einen Trainer, der voll hinter ihm stand. «Früher sprach man immer schnell von einem Goalie-Problem bei Aarau», ereifert sich Angela. «Wenn wir jetzt ins Restaurant gehen, klatschen Leute manchmal sogar.» Mit nunmehr über 250 Spielen und dem Amt des Vize-Captains ist Ivan für sein Team unverzichtbar geworden. Im Oktober 2007 bezogen die Benitos ihre jetzige Wohnung in einem älteren Mehrfamilienhaus in Muhen AG. Der Stil entspricht zwar nicht ganz dem südländischen Geschmack des Ehepaars, aber es fühlt sich wohl. «Und schliesslich ist es nur eine Übergangslösung, bis unser neues Haus fertig ist», sagt Ivan fast entschuldigend. Die Baubewilligung wurde Ende März erteilt, im Oktober wollen sie einziehen. «Weil wir Fertigbau-Elemente verwenden, ist die Bauzeit relativ kurz.» Das Grundstück liegt am Hang und nahe der Schule. Übertriebenen Luxus wird man aber auch im neuen Traumhaus vergeblich suchen. «Die Armaturen im Bad werden normaler Standard sein», sagt Angela. Im Untergeschoss ist eine Einliegerwohnung geplant für Ivans Schwiegereltern Rocco und Dolly mit dem etwa 13-jährigen Terrier-Mischling Rudi. «So haben wir die beiden bei uns, wenn es ihnen vielleicht nicht mehr so gut geht», sagt der Fussballer. Auch seine Eltern Enrique und Maria del Pilar wohnen ganz in der Nähe. Im Untergeschoss werden Ivan und Angela einen Partykeller einrichten. Schliesslich haben beide gern die Familie um sich, «und das sind immerhin 19 Personen»! Ivans Eltern, die Schwiegereltern, sein


super league ivan benito

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sudoku-fan Beim Lösen der japanischen Zahlenrätsel kann Ivan Benito wunderbar abschalten. «Er könnte stundenlang spielen», sagt seine Frau.

Angela jedoch ist hin- und hergerissen. Was würde sich Livia wünschen: Brüderchen oder Schwesterchen? «Buben mag ich nicht», sagt die Prinzessin dezidiert. Platz genug wäre im neuen Haus in einer Aarauer Vorortsgemeinde. Bedeutet der Hausbau auch, dass Ivan seinen Vertrag beim FCA über 2010 hinaus verlängern will? Angela hätte nichts dagegen: «Es war noch nie so schön wie jetzt beim FC Aarau. Einige Spieler haben Kinder, die Atmosphäre ist super.» Und sportlich läufts ganz gut. Doch Fussball, das weiss Benito, ist ein schnell­ lebiges Geschäft. Er hütet sich, zu triumphieren. Und lässt sich im Gegenzug von aufkeimender Kritik nicht mehr provozieren. Nur ein Satz bringt ihn regelmässig auf die Palme: «Wir haben dir damals schliesslich eine Chance gegeben …» Wenn er den hört, kontert er selbstbewusst: «Nein, ihr habt mich damals gebraucht!» Er könnte sich vorstellen, wieder ins Ausland zu wechseln, die Bundesliga würde ihn reizen. «Wir werden sehen», sagt Benito. Das Leben hat ihn gelehrt, nicht zu weit vorauszuplanen.

aarauer urgestein

ivan benito Der spanisch-schweizerische Doppelbürger wurde am 27. August 1976 gebo­ren. Benito spielte schon als Bub beim FC Aarau. Mit 22 wurde er Stammgoalie, aber nach vier Jahren von Massimo Colomba verdrängt. Er wechselte nach Italien (Pistoiese, Juve Stabia). Seit März 2007 spielt er erneut in Aarau, verdräng­te Colomba wieder – und ist besser denn je. Vertrag bis Juni 2010. Privat ist Benito seit elf Jahren mit Angela liiert, seit fünf Jahren verheiratet. Tochter Livia Maria wird im Juni vier Jahre alt. www.fcaarau.ch

foto: keystone

Bruder Enrique Javier, Schwager, Schwägerinnen, Neffen und Nichten – «und wenn wir Match haben, dann wollen immer alle Tickets», seufzt Ivan. Ob und wie er diese besorgen kann, bleibt sein Geheimnis. Klar, dass auch Livia ihrem Papi im Stadion die Daumen drückt. «Che dici quando gioca il papà?», fragt Angela auf Italienisch. «Hopp Aarau!», tönts von Livia wie aus der Kanone geschossen. Papa Ivan bemüht sich, Spanisch mit seiner Tochter zu sprechen. Seit sie in die Spielgruppe geht, antwortet Livia zwar fast nur noch auf Schweizerdeutsch. «Doch wir finden es wichtig, trotzdem in unserer Muttersprache mit ihr zu reden. Sie soll später alle Vorteile haben dank ihrer Vielsprachigkeit», hoffen die Eltern. Seine zwei Frauen sind für Ivan Benito das Wichtigste im Leben. Angela, die er im März 1998 in einer Wettinger Disco kennengelernt hatte («Es war Liebe auf den ersten Blick!») und die für ihn extra aus Italien in die Schweiz zurückzog. Und Livia Maria, «meine grosse Motivation, als ich verletzt war». Der VollblutPapi hätte auch gern ein zweites Kind.

April 2009 · schweizer illustrierte goal


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Super league Geld & Goal

Autos statt cash Die Champions League ist für Hauptsponsor Ford eine runde Sache. Schweiz-Chef Bernhard Soltermann sagt, welche Stars bei uns profitieren. Text: Max Fischer · Fotos: Marcel Nöcker

K

ein schlechtes Gewissen? Weshalb? Die «big three» der amerikanischen Autoindustrie sind am Boden, und Sie stecken Millionen in Sport und Kultur. Halt, halt! Im Gegensatz zu GM und Chrysler sind wir bei Ford solid finanziert. Weil Barack Obama auf Teufel komm raus die Geld-Druckmaschinen laufen lässt. Nicht für uns! Wir haben über 20 Milliarden Dollar cash in der Kasse – und wir mussten im Gegensatz zu den beiden andern Kon­­kur­renten bekanntlich auch keine Staatshilfe beantragen. Klar ist aber: Auch wir müssen das Geld beisammenhalten, aber es gibt keinen Notstand wie bei anderen Herstellern. Deshalb finanzieren Sie das Uefa-Traumprodukt Champions League als Haupt­ sponsor mit einem hohen zweistelligen Millionen-Betrag? Sie bringen da einiges durcheinander. Dann helfen Sie mir bitte. Wenn wir bei Ford von Sponsoring reden, dann ist das finanzielle Engagement von Ford Europa für die Uefa Champions League und die Rallye-WM gemeint. Da haben Sie als Chef von Ford Schweiz und Österreich nichts mitzureden? Das ist richtig. Als ehemaliger Spieler bringt Sie das ­sicher auf die Palme. Ich war zwar Libero beim FC Münsingen. Doch das war in meiner frühen Jugend. Jetzt freue ich mich, wenn Schweizer Klubs den Sprung in die Champions League schaffen. schweizer illustrierte goal · April 2009

Schneller Berner Bernhard Soltermann, 43, ist seit Anfang Jahr Regional­ direktor Ford für die Schweiz und Österreich.


Dann können wir Kunden und Gästen unsere Lounges anbieten. Weshalb macht Ford ausgerechnet bei der Champions League mit? Wir sind seit Beginn der Serie im Jahr 1992 dabei. Für uns ist die Zielgruppe «aktive und passive Fussball-Fans» sehr wichtig. Schon beim Start von Henry Ford war die Marke ein Volumenprodukt; er hatte auch das Fliessband erfunden. Nun haben wir uns an die Wurzeln erinnert. Fussball ist ein Sport, der die Massen bewegt … … und deshalb passt diese Kombination tipptopp zusammen. Wen sponsert Ford denn in der Schweiz? Achtung: Bei uns heisst es Partnership. Sie wollen doch nicht sagen, dass Sportler wie Pirmin Zurbriggen, Gian Simmen und Stéphane Lambiel genau wie Paloma oder die Sänger Seven, Ritschi und die Band Patent Ochsner aus reinem Goodwill für Ihre Autos werben? Statt cash gibt es bei uns Autos, es fliessen nur geringe finanzielle Mittel. Wir greifen Sportlern und Künstlern mit Transport­ leistungen und mit unserem Netzwerk unter die Arme. Und zahlt sich dieses Engagement auch für Sie aus? Wir suchen unsere Partner so aus, dass die Glaubwürdigkeit stimmt. Zu «Music-Star» Fabienne Louves passt der Ka bestens … … und zu Pirmin Zurbriggens Grossfamilie …

… der siebenplätzige Galaxy. Den hat er aber gekauft. Als Markenbotschafter fährt er einen Kuga. Hinzu kommt: Für den Wal­liser Skiverband sind inzwischen 23 Ford Transit im Einsatz. Wir hoffen, dass uns Pirmin so ­lange erhalten bleibt wie Subaru Bernhard Russi. Wie läuft das Geschäft in der Schweiz? Der Januar war sehr gut. Nach langer Zeit lag unser Marktanteil wieder einmal bei über sechs Prozent. Im Februar gab es aus logistischen Gründen einen kleinen Rückschlag, der März sieht mit 1500 aus­ gelieferten Autos hingegen wieder gut aus. Dann wird die Krise nur herbeigeredet? Das ist regional verschieden. Auch schauen die Leute stärker aufs Geld, bevor sie es ausgeben. Zudem stellen wir fest, dass es nicht immer nur eine Premium-Marke wie Audi, BMW oder Mercedes sein soll. Wir bieten qualitativ tolle Fahrzeuge an, diese sind aber 10 bis 20 Prozent günstiger. Diesen Trend merken wir deutlich, insbesondere auch bei den Flottenfahrzeugen der Firmen. Sie haben lange im Ausland gelebt. Wie sind Sie auf den Schweizer Strassen unterwegs? Ich bin schockiert! Es gibt hier keinen Spassfaktor mehr. Ich war 13 Monate in Deutschland, da konnte ich noch richtig schön Gas geben. Und in Österreich machen einen wenigstens die Bussen nicht zu einem armen Mann. Früher fuhr ich in der Schweiz gern mit dem Töff über die Alpenpässe. Aber die vielen Blechkästen haben mir den Spass verdorben.

Entweder – oder? Migros oder Coop? Migros ist einfach familiärer, Coop ist etwas zu nüchtern und recht teuer geworden. Cüpli oder Bier? Eher Bier. Lachs oder Bratwurst? Dann doch lieber den Lachs. Mauritius oder Matterhorn? Am liebsten beides. AC/DC oder Mozart? In Wien habe ich natürlich eine Hochburg der Kultur erlebt. Am schönsten war letzten Sommer das Konzert von Anna Netrebko im Schloss Schönbrunn. Aber als alter HardrockFan gefällt mir auch AC/DC. Ich habe selber in Bands gespielt. UBS oder CS? Im Moment bin ich noch UBS-Kunde. Ottmar Hitzfeld oder Köbi Kuhn? Joker. Christoph Blocher oder Peer Steinbrück? Blocher, Blocher, zu 300 Prozent. Papst Benedikt XVI. oder Pfarrer Sieber? Ganz klar Ernst Sieber. Fussball spielen oder Fussball schauen? Selber spielen. James Bond oder Bruno Ganz? Agent 007. William Shakespeare oder Adolf ­Muschg? Der englische Dramatiker.

so engagiert sich ford in sport und kultur

fotos: marcel nöcker, hervé le cunff, pixathlon (2), dppi

soul-star im doppel Der Schweizer Seven vor seinem Pappkameraden am Autosalon. zweikampf Kuyt und Torres (Liverpool) spielten in der Champions League Real schwindlig.

ski-legende Pirmin ­Zurbriggen fährt seit Jahren einen Ford.

sprungkraft Eislauf­Weltmeister ­Stéphane Lambiel. seitensprung MotorradAss ­Valentino Rossi beim RallyeAbstecher.

wasserbad Ein Ford im Rallye auf Zypern.


lounge

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Fussball ist Lifestyle

Franck Ribéry

Der Hexer Trägt Framboise Seit Kurzem läuft Franck Ribéry in einem himbeerfarbenen Schuh von Nike auf – zum ersten Mal bei Bayern gegen Cottbus. Mercurial Vapor Rosa heisst der leichte Winzling für schnelle Spieler. Ribéry: «Die Farbe ist wirklich krass und ungewöhnlich für Fussball. Aber genau das finde ich richtig cool!» Weitere Neuheiten: Seite 70

gäste in der lounge

Auto Fabian frei

fotos: Pauce / sportweek / contour by gett y images, hervé le cunff, rdb, thomas Buchwalder

Der FCB-Mittelfeldspieler verrät, für welches Auto er sich entscheidet. Seite 76

City-Guide gelson ­fernandes Der Walliser Nati-Star wohnt in Manchester mittendrin. Seite 78

Promi-Fan Renzo Blumenthal Für welches Team schlägt sein Herz? Seite 82


Entspannter Durchblick AviatorSonnenbrille von Yves Saint Laurent. www.safilo.com, CHF 475.–.

Gar nicht aufgesetzt Nicht nur für schlechte Haartage: Denim-Trilby von Fish­ bone. New Yorker, CHF 16.90.

Besonders weich geschalt Langer Baumwollschal mit Fransen. S. Oliver, CHF 49.90.

Nonchalante Hülle Cardigan aus Baumwolle von Smog. New Yorker, CHF 44.95.

Ungehemmter Kerl T-Shirt ­Elijah, Kollektion Marky Ramone. Tommy Hilfiger, Limited Edition, CHF 89.90.

Braucht eine passendere Jeans Manchester-UnitedSuperstar und Weltfussballer 2008: Cristiano Ronaldo, 24.

Leger um­ geschnallt Ledergürtel von Ben Sherman. www.laredoute.ch, CHF 95.–.

I

n luftig-leichten Trikots lässt sichs herrlich ungezwungen leben. Damit man sich in der Streetwear ebenso komfortabel fühlt und optisch un­ver­ krampft sexy wirkt, fünf Tipps: 1 Keine zu engen oder zu tief geschnittenen Jeans ­tragen. 2 Auch mal auf lässige günstige Mode setzen. 3 Zu viel Accessoire-Schnickschnack und Schmuck wirken bemüht, unmännlich. 4 Gel-Haar ist out. Lieber einen coolen Hut tragen. 5 Keine bekleideten Schosshündchen spazieren führen. Kristina Köhler schweizer illustrierte goal · April 2009

foto: duk as

schön locker bleiben! Unverkrampft im Schritt Jeans Scanton, Kollektion Marky Ramone. Tommy Hilfiger Limited Edition, CHF 199.–.

LÄssig ge­ schultert Eastpak-Sonder­ edition von Raf Simons. Fidelio, CHF 596.–.

Auf bequemen Sohlen Leder/ Stoff-Sneakers MY-40 von Puma. Zum Beispiel bei Grieder, ca. CHF 260.–.


lounge shopping

Touch-Up! Anhänger mit Kompaktparfum «Le Mâle» von Jean Paul Gaultier. Mit Minze und Amber, CHF 67.–.

Eingespieltes Team Barça-Stürmer Thierry Henry verwendet Rasiergel für empfindliche Haut und Rasierer Fusion Phenom Power von Gillette. CHF 5.45, CHF 25.40.

neuer Körper Weckt, vitalisiert: Active Body Wash mit Peeling-Effekt. Von Lab Series, 200 ml CHF 32.–.

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Black Beauty «Twin Men» von Azzaro. Mit Bergamotte, Pfeffer und Palisander, 30 ml CHF 38.90.

Für Frische Kicker

S

fotostudio Schweizer Illustrierte Paul Seewer, Gillette

chnell solls gehn, wenn sich Mann morgens proper-frisch zurechtmacht. Neue Beauty-Produkte sind auf «Schnelligkeit» geeicht. Etwa der Star-Rasierer Fusion Phenom von Gillette mit besonders eng aneinanderliegenden Klingen, die federleicht-schonend über die Haut gleiten. Um das Wohl zart­ besaiteter Männerhaut kümmert sich auch die neue Linie Hydra Sensitive von L’Oréal Men Expert. Dabei ver­helfen Mineralien wie Magnesium, Mangan, Kalzium und Kupfer zu einer widerstands­ fähigeren «Schale».  Kristina Köhler

New Yorker Sexiness «DKNY Men» mit Bergamotte, Kardamom, Veilchenblatt. Eau de Toilette, 30 ml CHF 50.–.

Luxus-freund Reisespray von Kilian Fragrance, mit vier Refills, 25 ml. Parfümerie Osswald, Zürich, CHF 170.50. Weiche Schale Für sensible Haut: After-Shave Balm L’Oréal Hydra Sensitive. Ab Mai, CHF 13.90.

Zeitmaschine Feuchtigkeit und Anti-Age-Wirkung: Nivea For Men Energy Q10-Gel, CHF 17.80.

Starke Abwehr Anti-SonnenbrandGel Dry Touch SPF 30. Lancaster Sun Men, CHF 45.–.

Mister Proper Effizienter Anti-PickelStick Anti-Blemish Solutions. Von Clinique, CHF 28.–. April 2009· schweizer illustrierte goal


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lounge schuhe

Der Robuste Pumas v.08 sieht stylisch aus, ist robust, leicht und flexibel. Das Obermaterial wird an beanspruchten Stellen durch eine dünne Schutzschicht verstärkt. Die zweiteilige Aussensohle gibt dem Fuss ideale Unter­ stützung. Das Herz: ein herausnehmbares Chassis aus leichter Karbonfaser. Der Schuh von YB-Stürmer Seydou Doumbia. CHF 260.–

Der schnittige Sommer-Typ Valde Pro HG von Reebok ist ideal für trockenen Boden. Seine speziellen Features: flexible Nockensohlen, SeitenSchnürsenkel für einen verbesserten Ballkontakt, gepolsterte Zunge, Ein­ legesohle für Komfort, Dämpfung und eine lange Lebensdauer. CHF 250.–


GEfragte Spezies

Das Fliegengewicht Der Mercurial Vapor Superfly ist der leichteste NikeFussballschuh aller Zeiten. Dank hauchdünnem Teijin-Material, neuartigen Trak­tionsstollen und einem Chassis aus Karbonfasern bringt er ganze 185 Gramm auf die Waage. Der Schuh von Ronaldo und Ibrahimovic. CHF 560.–

Der Allrounder Ein Modulsystem ­ rmöglicht beim Adidas Tunit F50.9 e die ­individuelle Kombination verschiedener Schäfte, Einlegesohlen, Chassis und Stollen. Eine Spezialbeschichtung sorgt für eine besonders gute Ballkontrolle bei allen Wetterverhältnissen. Pflegeleicht und wasserabweisend. CHF 320.–

foto: Geri Born, Redaktion: Kristina köhler

Sie sind das wichtigste Utensil eines Kickers. Und sie sichern den Vorteil von Sekundenbruchteilen: Fussballschuhe. Die vier leichtesten, robustesten, ­flexibelsten und schönsten der Saison.


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lounge Mode

kicker mit stil

Leder, Labels, Lieblingsshops – die Nati-Cracks Diego Benaglio, Alex Frei, Johan Djourou und Stephan Lichtsteiner verraten, worauf sie modemässig stehen. Und worauf ihre Frauen. Text: Iso Niedermann Fotos: Gian Marco Castelberg & Maurice Haas

diego benaglio

nie in lederhosen! Mein Modestil Sportlich-elegant, unter der Woche am liebsten Jeans und Turnschuhe. Zwischendurch, beim richtigen Anlass, trage schweizer illustrierte goal · April 2009

ich auch ganz gerne mal einen Anzug. Mein momentanes Lieblingslabel ist Dsquared2. Was gar nicht geht Ein Tanktop würde ich ausserhalb der Badi nicht tragen. Und mit Lederhosen würde ich mich auch schwertun. Wo ich meine Mode finde Ich gehe gern in die Berliner Boutique Mientus. In Zürich stöbere ich ab und zu bei Fidelio oder Gaito. So mag mich meine Partnerin Nadins Geschmack trifft sich gut mit meinem. Am liebsten hat sie es, wenn ich im Freizeitlook gekleidet bin. Aber sie hat mir auch schon gesagt, dass ihr eine Schale an mir gefällt. Im Normalfall gehen wir zusammen zum Modeshopping. Und ich hole schon ihr Okay ein, ehe ich ­etwas kaufe. Aber eine eigentliche Mode­

beraterin brauche ich nicht. Da bin ich schon ­eigenständig. Es kommt auch vor, dass wir uns gegenseitig ein spezielles Kleidungsstück von Reisen mit nach Hause bringen. Mein Schuhschrank Der ist gut gefüllt. Ich mag schöne Schuhe. Gezählt hab ich sie nicht. Aber 50 Paar werden es mindestens sein. Der Modefreak im Nationalteam Ist schwer zu sagen, weil eigentlich fast alle Fussballer gerne gut angezogen sind. Aber wenn, dann dürfte es schon Valon Behrami sein. Diego benaglio, 25, VFL Wolfsburg, trägt: Ein ärmelloses Kapuzenshirt CHF 160.–, eine perforierte Lederjacke CHF 650.–, Schuhe «Wellengang» CHF 220.–.


alex frei

kein Kaufzwang! Mein Modestil Sportlich-elegant. Speziell ist, dass ich sehr gerne und oft Hemden trage. Dazu eine klassische Jacke und Turnschuhe. Ich informiere mich auch nicht bewusst über die aktuellsten Trends. Doch in einer Fussballmannschaft bekommst du automatisch mit, was gerade angesagt ist … Was gar nicht geht Zu bunt und fashion­able, das bin nicht ich. Mal ein cooles Ed-Hardy-Shirt ist okay, aber mit Totenkopf-Abbildungen drauf oder so, das trage ich nicht. Im Anzug fühle ich mich durchaus wohl. Ich gehe gerne auch mal im Blazer in den Ausgang. Nur eine Krawatte ist eher die Ausnahme. Und ich bezahle auch nicht einfach jeden Preis, auch wenn mir etwas sehr gut gefällt. Wo ich meine Mode finde In Hagen bei Dortmund trifft man mich beim Mode­shopping am ehesten bei Sören. Und dann gibts ­natürlich viele tolle Shops in der Düsseldorfer Königsallee. Da finde ich auch die Sachen von Tiger of Sweden, die mir sehr gut gefallen. Gehe ich zu Hause in Basel mal auf einen ­Modebummel, dann vor allem bei Disegno. So mag mich meine Partnerin Ich habe meine klaren Modevorstellungen. Aber es kommt vor, dass ich mir mal bei einem Stück nicht ­sicher bin, dann frage ich meine Freundin Nina um ihre Meinung. Sie hat schon Einfluss darauf, wie ich mich kleide. Und ihr ist es lieber, wenn ich nicht allzu hoch­ge­stochen rumlaufe, also eher casual. Mein Schuhschrank Ich besitze viele Schuhe. Wahrscheinlich sogar sehr viele. Aber es ist nicht so, dass ich einem Kaufzwang unterliege, sobald ich ein Schuhgeschäft betrete, so wie das manchen Frauen etwa mit Handtaschen gehen soll … Der Modefreak im Nationalteam Ich glaube, der stilsicherste ist Valon Behrami. Alex frei, 29, Borussia Dortmund, trägt: Einen Strickpulli mit V-Ausschnitt CHF 220.–, eine beschichtete Hightech-Jacke CHF 260.–.


Johan Djourou

widerstehen! Mein Modestil Ich mag es, mich immer wie­ der ganz andersartig zu kleiden. Am häufigs­ ten sieht man mich casual angezogen und vor allem bequem. Aber ich kann auch mal zum Essen einfach so in Anzug und mit Weste aus­ gehen. Grundsätzlich bin ich aber schon gut angezogen. Auf die Labels Dolce  &  Gabbana oder das amerikanische Amal Guessous stehe ich besonders. Ich verlasse mich aber mehr auf mein Gefühl als auf die aktuellen Trends. Was gar nicht geht Eigentlich bin ich wirklich für alles offen, experimentiere auch gerne mal. Einzig bei den Farben mache ich nicht alles mit. Zu bunt ist nicht meine Art. Ich be­ vorzuge Schwarz, Braun und Weiss. Wo ich meine Mode finde Mein Mode­ shopping findet zur Hauptsache in London statt, bei Selfridges, Harrods oder einfach zufällig in ­ irgendeiner der zahllosen coolen Boutiquen. Dort entdecke ich gerne immer wieder kleine, unbekannte Labels. In Genf verweile ich mich am liebsten bei Drextor, wo es eine unglaubliche Auswahl gibt. So mag mich meine Partnerin Meine Freundin Emilie ist nicht so die Shopping-Lieb­ haberin. Deshalb gehe ich fast lieber alleine oder mit Kumpels auf modische Entdeckungs­ reisen. Und ehrlich gesagt, denke ich, dass ich auch ohne ihre Beratung ganz gut zurecht­ komme beim Kleiderkauf. Und ich weiss ja, dass Emilie es am liebsten mag, wenn ich ganz alltäglich gekleidet mit ihr ausgehe. Mein Schuhschrank Ich habe vielleicht 50 Paar Schuhe. Aber das ist kein Vergleich zu früher! Es gab Zeiten, da gab ich viel mehr Geld für Schuhe und Kleider aus. Jetzt bin ich diesbezüglich ruhiger geworden, auch wenn es in London manchmal schwerfällt, den Ver­ lockungen zu widerstehen. Der Modefreak im Nationalteam Früher ganz klar Raphi Wicky. Valon Behrami ist dessen würdiger Nachfolger … johan djourou, 22, Arsenal London, trägt: Eine Kapuzenjacke CHF 110.–, ein T-Shirt CHF 50.–.


lounge lounge blindtext Mode

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stephan lichtsteiner

nichts horten! Mein Modestil Kein extremer! Ich trage am liebsten Sportschuhe, Jeans und Blazer. Dazu beispielsweise ein kleines Extra etwa in Form eines Sommerschals. Seit ich in der Modestadt Rom lebe, hat sich mein Stil schon leicht verändert. Ich kleide mich heute eher auch mal in kräftigeren Farben. Aber ich mag es nach wie vor nicht, wenn Labels so richtig zur Schau gestellt werden. Was gar nicht geht Pink mag ja an anderen cool aussehen, an mir jedenfalls nicht. Und in Schale fühle ich mich einzig wohl, wenn es der Anlass verlangt, etwa eine Hochzeit oder ein TV-Auftritt. Wo ich meine Mode finde Das ist auch ein bisschen stimmungsabhängig. Ich kaufe durchaus gerne mal bei H & M ein. In Zürich interessieren mich Diesel oder Abercrombie. In Rom findet man mich am ehesten bei Gruppo Clark, das eine riesige Auswahl hat, oder bei Bikkembergs. So mag mich meine Partnerin Meine Freundin Manuela wohnt ja jetzt auch in Rom. Da gehen wir in der Regel schon zusammen auf Shoppingtour. Und sie regt mich dabei auch immer wieder dazu an, Neues auszuprobieren. Ich denke, sie mag mich aber am liebsten sportlich und locker gekleidet. Und ich bin eigentlich eher ein sparsamer Mensch. Bei mehr als 250 bis 300 Euro für eine Jeans oder einen Pullover hört es bei mir in der Regel auf. Mein Schuhschrank Der ist nicht überfüllt. Ich mag zwar schöne Schuhe. Aber ich horte sie nicht. Was nicht mehr getragen wird, davon trenne ich mich. Der Modefreak im Nationalteam Valon Behrami ist sicher der bestgekleidete Natispieler. Aber ich finde, Diego Benaglio steht ihm in nicht viel nach. stephan lichtsteiner, 25, Lazio Rom, trägt: Einen gestrickten Pulli mit V-Ausschnitt CHF 220.–, eine Twill-Jacke (Preis auf Anfrage), Sneakers, Modell L.i.f.t. (siehe Wettbewerb-Box rechts), CHF 130.–.

puma-Schuhe zu gewinnen GOAL verlost ein Paar von Stephan Licht­steiner signierte Freizeitschuhe Puma L.i.f.t. Racer im Wert von CHF 130.–. Der ultraleichte Schuh, für den Stephan «L.i.f.t.steiner» Werbeträger ist, wiegt nur 173 Gramm. Details zur Verlosung im Internet unter www.si-goal.ch. April 2009 · schweizer illustrierte goal


Steilvorlage Als Mittelfeldspieler des FCB weiss Fabian Frei, den Stürmern spielentscheiden­ de Pässe zu schlagen. Den letzten öffnenden Pass zum Autofahren hält der Frauenfelder aber noch nicht in Händen. Würde er sein erstes Auto heute schon aussuchen, käme der VW Scirocco 2.0 TSI mit 200 PS in die engere Wahl.


lounge auto

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fabian frei

Der entscheidende Pass Fabian Frei, Mittelfeldspieler beim FC Basel, hat auf dem Fussballfeld deutlich mehr Erfahrung als hinter dem Steuer. GOAL berichtet er von seinen ersten Fahrversuchen und davon, wie sein erstes eigenes Auto auszusehen hat. Text: Herbie Schmidt · Fotos: Hervé Le Cunff

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wanzig Lenze jung ist der gebürtige Frauenfelder Fabian Frei. Als Junior verdiente sich der Mittelfeldspieler seine ersten Sporen beim FC Winterthur ab. Seit 2004 spielt Frei beim FC Basel. Mit Erfolg: Mit der U16 wurde Frei Schweizer Meister, mit der U18 gewann er das Double, und das gleiche Kunststück ge­ lang ihm als Teil der ersten Mannschaft. Kein Wunder, dass der Profivertrag des Jungstars im Dezember 2008 vorzeitig um zwei Jahre verlängert wurde. GOAL verriet der Nachwuchsspieler, wie sich seine ersten Fahr­ versuche im Auto gestalteten. Sie sind noch Lernfahrer. Haben Sie sich schon zur Fahrprüfung angemeldet? Das wäre noch viel zu früh. Ich habe ja erst einige Fahr­ stunden mit dem Fahrlehrer absolviert. Mit welchem Auto sind Sie da unterwegs? Der Fahrlehrer hat einen Audi A3, zum Lernen eignet der sich ganz gut. Mit den Eltern konnten Sie auch schon üben? Ja, mit meinem Vater war ich ein paarmal im Kleinwagen unterwegs. So konnte ich ausprobieren, was es heisst, drei Pedale, Lenkrad und Schaltung im Griff zu haben und gleichzeitig den Verkehr im Auge zu behalten. Gabs Diskussionen mit dem Vater als Fahrlehrer? Noch bevor ich meine erste Stunde beim Fahrlehrer hatte, sagte mein Vater: «Das Erste, was dir der Fahr­lehrer vorhalten wird, ist, dass du zu schnell fährst.» Und hat er recht behalten? Nein, ich habe mir diesen freundlichen Hinweis zu Herzen genommen und bin brav und geduldig unterwegs. Wie steht es mit der Geduld, endlich den Fahrausweis in Händen zu halten? Viele wagen sich schon mit 18 an die Prüfung. Da ich bis letzten Sommer noch mit Schule und Prüfungs­ arbeiten beschäftigt war, habe ich das Thema erst einmal verschieben müssen. Aber auch wenn die meisten meiner Mannschaftskameraden schon die Prüfung haben, lasse ich mir Zeit. Ich möchte erst mal sehen, wie das alles funktioniert. Wovor haben Sie den grössten Respekt beim Autofahren? (Schmunzelt.) Mein einziges Problem könnte das Parkie­ ren sein, da bin ich jetzt schon gespannt. Noch keine Erfahrung mit dem Einparken? Einmal habe ich es probiert, am Sonntagmorgen auf

einem leeren Parkplatz, und nur vorwärts. Da bin ich sicher noch steigerungsfähig. Wie lösen Sie zurzeit das Transportproblem, ohne Fahrausweis? Ich wohne in einem Basler Vorort, wo auch noch andere FCB-Spieler wohnen. Die nehmen mich regelmässig mit zum Training. Ansonsten fahre ich oft mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Manchmal werde ich beim Warten aufs Trämli nervös. Ein eigenes Auto wäre die Lösung. Im dichten Stadtverkehr hat ein Auto nicht nur Vorteile. Wenn ich die Hürde des richtigen Parkierens mal überwunden habe, könnte das nächste Problem die eigentliche Parkplatzsuche sein – aber diese Erfahrung muss ich erst noch selbst machen. Was wird Ihr erstes Auto sein? Zum Anfangen möchte ich einen kleineren Wagen fahren. Ein sportlicher VW Golf könnte infrage kommen. Und dieser heisse Scirocco würde mich schon reizen. Warum gerade der? Auf dem Fahrersitz habe ich mich sofort wohlgefühlt. Das Lenkrad ist toll, auch wegen der Formel-1-mässigen Schaltpaddel fürs Getriebe. Sie haben eine Schwäche für sportliche Autos? Die flache Karosserieform gefällt mir sehr. Einzig die klei­ nen Fensterflächen schränken die Rundumsicht etwas ein. Parkmanöver übe ich lieber im Auto des Fahrlehrers.

Grasshoppers mit Sicherheit

Es war eine Fahrzeugübergabe der besonderen Art. Ende Februar trat die komplette Mannschaft von GC Zürich an, um eine ganze Flotte neuer Audi A3 Cabriolets zu übernehmen. Schauplatz war das TCS Verkehrssicherheitszentrum Betzholz in Hinwil ZH, wo das Team mit den neuen Autos gleich ein Fahrund Sicherheitstraining absolvierte. Den Spielern rund um Captain Ricardo Cabanas und Cheftrainer Hanspeter Latour war die Freude an ihren neuen Cabrios anzusehen. www.tcs.ch (Kurse)


stil-mix Gelson Fernandes mit Louis-Vuitton-Tasche vor der malerischen Kulisse edwardianischer H채user im Stadtzentrum.


lounge city-guide

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gelson fernandes

im herzen von manchester Steter Regen, hässliche Industriebauten, schlechtes Essen? Nati-Star Gelson Fernandes, 22, widerspricht. Er muss es wissen: Der Walliser wohnt in der MusikMetropole Manchester in einem Loft «zmittst im Chueche», am Deansgate. Text: Ilona Scherer · Fotos: Toto Marti

ein Drei-Zimmer-Loft ist zum Glück gut isoliert. Ich wohne am Deansgate, das ist eine der grossen Strassen mitten in Manchester. Unten tobt das ­Leben. Aber davon höre ich oben nichts. Der Lift geht direkt in meine Wohnung. Ich habe eine herrliche Aussicht über die ganze Stadt. Genauso wie vom Wheel of Manchester aus 60 Meter Höhe. Das Riesenrad ist eine der touristischen Hauptattraktionen. Manchester ist viel schöner, als viele in der Schweiz denken. Die Industrie befindet sich eher am Stadtrand. In der Innenstadt dominieren viktorianische Bauten. Und jede Menge stylischer Klubs, Bars und Restaurants. Auch wenn ich mich als professioneller Fussballer ziemlich zurückhalten muss: Hier kann man sehr gut in den Ausgang. Ein Wochenend-Ausflug nach Manchester lohnt sich allemal! Die Leute sind gut drauf, offen und freundlich. Mir gefällt auch der englische Fussball. Nur das einheimische Essen ist nicht ganz mein Fall. Fish and Chips – viel zu fettig! Ein- bis zweimal pro Woche gehe ich mit meiner Freundin Rochelle ins Restaurant. Am liebsten in ein argentinisches Steak-House oder eine brasilianische Churrascaria (Adressen siehe Seite 81). Mit der Mannschaft gehen wir jeweils ins italienische Spezia­ litäten-Restaurant San Carlo, um zu essen. Mein bevorzugtes chinesisches Restaurant heisst «Wings». Daheim koche ich aber auch mal selber. Meine Spezialität ist gegrillter Fisch mit Reis. Einkaufen gehe ich bei Sainsbury. Dort gibts den frischesten Fisch und das beste Fleisch. Pasta steht natürlich auch oft auf meinem Speiseplan. Aber das sind immer einfache Gerichte. Keine Haute Cuisine. Als ich im Juli 2007 vom FC Sion zu Manchester City in den Nordwesten Englands wechselte, habe ich schon etwa vier, fünf Monate gebraucht, um mich einzuleben. Nicht nur wegen der fremden Sprache – wie oft dachte ich: Du wirst nie Englisch ver­ stehen! Mittlerweile kann ich mich sehr gut verständigen. Auch dank Rochelle. Sie fiel mir in der Apotheke auf, in der sie arbeitet. Von da an waren wir zusammen. Zuerst habe ich ihr allerdings vorgeschwindelt, ich sei Student. Damit ich wusste, ob sie wirklich am Menschen Gelson und nicht nur am Fuss­ baller Fernandes interessiert ist. Hier in Manchester wird der Fussball von allen Menschen gelebt. Fussball lässt keinen Manc – so heissen die Einwohner der Stadt – kalt. Die «normalen» Leute, die Arbeiter, sind City-Fans. United, das ist eher etwas für April 2009· schweizer illustrierte goal


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lounge city-guide

«Ich mag ausgefallene Mode und kaufe gern bei Vivienne Westwood ein. Mein verrücktestes Teil ist ein purpurfarbenes Gilet» die Aristokraten. Wie mit GC und dem FCZ in Zürich. Die Derbys sind der Höhepunkt der Saison. Unsere Stadien sind sieben Auto­ minuten voneinander entfernt. Ich weiss das, weil mein Arbeitsweg am Old Trafford vor­ bei zum City of Manchester Stadium führt. Und am Trafford Center, einem der gröss­ ten Einkaufszentren Grossbritanniens. So et­ was haben wir im Wallis nicht … Alle grossen Kleidermarken sind da vertreten. Hier kaufe ich auch gern bei Vivienne Westwood ein. Ich mag ihre ausgefallene Mode. Mein ver­ rücktestes Teil ist ein purpurfarbenes Gilet. Das habe ich schon im Ausgang getragen. In meiner Freizeit höre ich gern Zouk, die Musik meines Heimatlandes, der Kap­ verdischen Inseln, oder schaue DVDs. Mit dem Lesen von Fussballer-Biografien kann ich mich gut ablenken. Mit einigen Teamkol­ legen spiele ich manchmal Tennis in einer Halle. Aber cool, «just for fun», nicht verbis­ sen. Und natürlich Playstation. Nach einer guten ersten Saison bei City komme ich nun weniger oft zum Einsatz. Ein Scheich aus Abu Dhabi hat den Klub gekauft, schweizer illustrierte goal · April 2009

und seither ist so viel Geld da, damit die Besten der Welt verpflichtet werden können. Aber ich bin ja erst 22 Jahre alt. Das ver­ gessen die Leute oft. Ich arbeite Tag für Tag hart an mir. Und ich weiss, dass mein Tag wieder kommen wird. Mein Selbstvertrauen ist gross, deshalb bleibe ich ruhig. Auch wenn ich weiss, dass ich nicht ewig auf der Bank sitzen möchte … Ich weiss, dass ich zum Arbeiten hier bin. Aber im Alltag fehlt mir die Familie natürlich schon sehr. Meine Eltern Maria und José, meine Geschwister Audrey und Adrien. Mit meiner Mutter telefoniere ich täglich. Wenn ich mal zwei Tage am Stück frei habe, fliege ich mit Rochelle nach Hause zu meiner Fami­ lie. Es gibt Direktflüge ab Manchester nach Genf oder Zürich. Aber es kommen auch oft Kollegen aus dem Wallis zu Besuch. Ich habe im Stadion eigens eine Box für eine ganze Saison ge­ mietet, damit meine Leute nicht inmitten der anderen Fans sitzen müssen und das Spiel, diese Wahnsinns-Atmosphäre richtig geniessen können.

traumhafte aussicht Gelson auf der 13-minütigen Fahrt in der topmodernen   Kabine des Wheel of Manchester am Exchange Place.

Obwohl ich mich in Manchester sehr wohlfühle, träume ich immer noch davon, eines Tages in Madrid zu leben. Ich möchte irgendwann bei Real spielen. Warmes Wetter, gutes Essen, toller Fussball – was will man mehr?

fakten zu manchester Bevölkerung 458 100 Menschen leben in Manchester City im Nordwesten Englands.   Es ist nach London (7,5 Mio.) und   Birmingham (1 Mio.) die drittgrösste Stadt des Landes. Die Einwohner werden Mancunians, kurz Mancs, genannt. Berühmte Mancunians Noel und Liam Gallagher (Oasis),   Mick Hucknall (Simply Red), Sir Norman Forster (Architekt), Barry, Robin und Maurice Gibb (Bee Gees) Informationen im Web www.visitmanchester.com


manchester-tipps

entdecken

Graue Industriestadt? Mitnichten! Manchester hat weit mehr zu bieten. Schöne viktorianische Bauten, tolle Klubs und Restaurants – und zum Höhepunkt die farbenfrohe Gay-Parade Ende August. hotels

circle club Member-Klub Nähe Deansgate. Seit April mit Restaurant («Kitchen at the Circle»). 13 Barton Arcade, Barton Square, Tel. +44 161 - 288 81 18, www.thecircleclub.com living room Unten chillen in der Piano-Bar, darüber im «Dining Room» vorzüglich essen. 80 Deansgate, Tel. +44 161 - 832 00 83, www.thelivingroom.co.uk

the lowry hotel In dem preisgekrönten, rauchfreien FünfSterne-Designtempel logierte Gelson Fer­nandes nach seiner Ankunft in Manchester. Zimmer ab 350 Pfund (ca. 570 Franken)! 50 Dearmans Place, Tel. +44 161 827 40 00, www.thelowryhotel.com radisson edwardian Im historischen Gebäude im Stadtzentrum lädt ein Luxus-Spa zum Verweilen ein. Free Trade Hall, Peter Street, Tel. +44 161 - 835 99 29, www.radissonedwardian.com Marriott Victoria and Albert Die bequemsten Betten von Manchester unweit der Stadien von ManCity und ManU. Water Street, Tel. +44 161 - 832 11 88, www.marriott.co.uk

nightlife

restaurants

Wie fast überall in England empfiehlt es sich auch in Manchester, ausländische Spezialitäten-Restaurants zu besuchen. Einen Überblick bietet www.restaurantsof manchester.com. Gelson Fer­nan­des empfiehlt GOAL folgende Lokalitäten: pau brasil In dieser Churrascaria isst Gelson Fernandes am liebsten Fleischspiess. 58 Lever Street, Northern Quarter, Tel. +44 161 - 923 68 88, www.paubrasilrestaurant.com

victoria baths Das 1906 erbaute architektonische Juwel ist allemal einen Besuch wert. Jeden Mittwoch um 14 Uhr gibts eine geführte Tour. Longsight Business Park, Hamilton Road, Tel. +44 161 - 224 20 20, www.victoriabaths.org.uk the printworks In diesem hypermodernen EntertainmentCenter kann man getrost einen ganzen Tag verweilen. Kinos, Bars, Restaurants – alles unter einem Dach. Withy Grove, Exchange Square, +44 871 - 230 55 56, www.theprintworks.com Canal street (bild) Das Zentrum des berühmten Schwulenviertels längs des Rochdale-Kanals. Höhepunkt: Manchester Pride (21.–31. August 2009). Ecke Chorlton / Canal Street, Tel. +44 161 - 749 22 22, www.canal-st.co.uk

stadion

fotos: Anzenberger, Pix athlon

wings Wunderschönes chinesisches Restaurant «zmittst im Chueche». 1 Lincoln Square, Tel. +44 161 - 834 90 00, www.wingsrestaurant.co.uk

Manchester ist eine Party- und Musik-Metropole und hat zahlreiche Bands hervor­gebracht – darunter Simply Red und Oasis (Bild). Der legendäre «Hacienda Club», der 1997 pleite­ ging, gilt als Geburtsstätte des Rave. Einen guten Überblick über die Szene und Events bietet www.prideofmanchester.com/music.

gaucho grill (Bild) Teuer, aber trotzdem sein Geld wert: das Steak im argentinischen Gourmet-Tempel. 2a St Mary’s Street, Tel. +44 161 833 43 33, www.gauchorestaurants.com san carlo Gehobene italienische Küche. 40–42 King Street West, Tel. +44 161 834 62 26, www.sancarlo.co.uk

the city of manchester stadium 2002 für die Commonwealth Games erstellt, danach zu einer reinen FussballArena umgerüstet. Wird auch COMS, Eastlands, The Blue Camp oder Sportcity genannt. Hat Platz für 48 000 Fans. «Die Stimmung ist genial! Zu Hause verlieren wir selten», schwärmt Gelson Fernandes. Sportcity, Rowsley Street, Tel. +44 161 - 231 32 00, www.mcfc.co.uk April 2009· schweizer illustrierte goal


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lounge promi-fan

Renzo Blumenthal

immer in der mitte

1 mein unvergesslichstes Fan-erlebnis

Als der FC St. Gallen 2000 nach 96 Jahren wieder den Meistertitel ins Espenmoos holte.

2 mein schönster sieg

Mit dem FC Chur 1997, als wir im Schweizer Cup gegen Wohlen spielten und mir in der 119. Minute das ­matchentscheidende Goal gelang.

3 mein fan-ritual 4 Mein liebster Sitzplatz 5 Meine Begleiter zu einem Match 6 Mein ewiger Held 7 Das schönste vereinstrikot aller zeiten 8 Das mache ich in der pause eines matches Wär ich Abramowitsch, gäbs folgenden 9 Zuzug

Als Fan habe ich keines, als Spieler früher schon. Und zwar zog ich mich nach einem bestimmten System an. Immer in der Mitte vom Spielfeld, so habe ich die beste Sicht auf das gesamte Geschehen. Entweder meine Frau Ladina, einer meiner Brüder oder ein guter Kollege. Diego Armando Maradona.

Das ­rot-schwarz gestreifte von der AC Mailand.

Ab­warten und Tee trinken.

Lionel Messi, das ist definitiv der beste Spieler, den ich kaufen ­würde.

10 Wer von mir aus die koffer packen kann 11 liebster schlachtruf 12 der grösste rivale meines klubs nimmst du deinen sohn zum ersten mal 13 wann zu einem match mit Gökhan Inler. Was der gegen Moldawien gezeigt hat, geht auf keine ­Kuhhaut.

«Hopp, Sanggalle, ine mit em Balle!» Lugano.

14 wenn Mein Sohn Fan eines anderen Klubs wIrd Dann haben wir wohl einige Diskussionspunkte am Esstisch – aber das ist wohl gut so. 

Protokoll: René Haenig

renzo blumenthal, 32, wollte ursprünglich Fussballprofi werden. Der Mister Schweiz von 2005 spielte in der Juniorenauswahl der Grasshoppers Zürich, ein halbes Jahr als Profi beim FC St. Gallen sowie beim Erst­ligisten FC Chur 1997. In der Doku-Soap «Der Match» zeigte er 2006 und 2008 sein Ballgefühl. Heute kickt er beim FC Lumnezia in seiner Heimat. Blumenthal lebt mit Gattin Ladina, 26, und Sohn Moreno, 5 Monate, in Vella GR. Er arbeitet als Landwirt auf dem elterlichen Bio-Hof. schweizer illustrierte goal · April 2009

foto: Thomas Buchwalder

Ich hoffe, bei meinem ersten Heimspiel mit dem FC Lumnezia in ein paar Wochen.


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Fussball und Lifestyle-Magazin

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