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Was macht eigentlich …

«Ich war 18 und naiv.» Laetitia Zappa daheim in Zürich mit ihrem Mini-Malteser. Text Christa Wüthrich Foto Dick Vredenbregt

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eit dem Dokfilm «Heidi im Pornoland» sind über zwölf Jahre vergangen. Sehen Sie sich noch als Pornostar? Ich habe mich nie als Pornostar ge­sehen. Faktum ist, dass ich nur vier Monate in dieser Branche tätig war. Bei der Premiere von «Heidi im Pornoland» stand ich schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr vor der Kamera. Die ganze PornostarGeschichte war eine reine Inszenierung der Medien. Sie sehen die Medien als Manipulator? Ja, ganz klar. Ich war damals knapp 18 Jahre alt und naiv. Pornos waren ein Tabu, und ich hatte weder einen Be­rater noch einen Manager. Für die Medien war ich damit ein gefundenes Fressen. Welche Beziehung haben Sie heute zu den Medien? Eine sehr gespaltene. Fotografieren lasse ich mich heute kaum. Interviews gebe ich selten. Zu negativ sind meine Erfahrungen mit der Presse. Von Journalisten benutzen und manipulieren lasse ich mich nicht mehr. Sie planten damals, ein Enthüllungsbuch

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schweizer illustrierte

zu veröffentlichen. Existiert dieses Projekt noch? Das Manuskript ist versiegelt und sicher aufbewahrt. Eine Publikation ist im Moment nicht geplant. Ausschliessen möchte ich dies aber nicht. Im Falle einer Veröffentlichung müsste ich jedoch auswandern; zu brisant ist der Inhalt, zu gross wäre der Rummel um meine Person. Im Rampenlicht möchte ich auf keinen Fall nochmals stehen. Könnten Sie sich ein Comeback in der Pornobranche vorstellen? Nie! Ich sehe keinen Grund dazu. Ich habe die letzten Jahre beruflich viel geleistet – sei es in der Gastronomie oder der Modebranche. Von meinem geschäftlichen und privaten Umfeld

Laetitia Zappa Geboren am 8. Juni 1974 als Tochter einer Algerierin und eines Schweizers. Aufgewachsen in St. Moritz, schliesst sie eine KV-Lehre ab und arbeitet als Pornodarstellerin. Bekannt wird sie 1996 durch den Dokfilm «Heidi im Pornoland». Nach Engagements als Moderatorin, Modemacherin und Gastro-Unternehmerin führt Laetitia Zappa heute einen Modeladen in Zürich. Sie ist geschieden und lebt mit ihrem Partner in der Limmatstadt.

werde ich als Frau und Geschäfts­ partnerin vollkommen akzeptiert. Was machen Sie heute beruflich? Seit Juli 2008 führe ich erfolgreich mein eigenes Modegeschäft «revolu­ tion» in Zürich. Ich habe mir damit einen Traum erfüllt. Vom Konzept des ­Ladens bis hin zum Einkauf der Ware manage ich alles selbst. Wie hat sich Ihr persönliches Umfeld verändert seit dem Rücktritt aus der Pornobranche? Verändert hat sich kaum etwas. Meine Familie und meine Freunde standen immer hinter mir: damals und heute. Zum Pornobusiness habe ich keinen Kontakt mehr. Die einzige Ausnahme ist Rocco Siffredi. Doch die Branche hat sich verändert. Früher war es eine Glamourwelt, heute ist es eine Industrie. Hat sich die Beziehung zu Ihrem Körper verändert? (Lacht.) Ich habe nicht weniger Sex als früher, nur exponiere ich mich nicht mehr. Meinem Körper gegenüber habe ich mehr Respekt. Den hatte ich damals verloren. Ich gebe mir Mühe, gesund zu leben und Sorge zu meinem Körper zu tragen. Im Moment versuche ich mit dem Rauchen aufzuhören. Geschäftlich etabliert und privat liiert. Ist Laetitia Zappa ein Glückskind? Nein, ein Glückskind bin ich sicher nicht. In den letzten Jahren haben Schicksalsschläge, wie der Tod meines Vaters, mich und meine Familie geprägt. Doch auch wenn du am Boden zerstört bist, ist es dein Leben und deine Entscheidung, was du daraus machst. Ich weiss heute, dass ich viel ertragen kann. Was bedeutet Glück für Sie? Gesund zu sein, privat wie beruflich meine Freiheit zu haben und zu geniessen bedeutet für mich Glück. Mehr brauche ich nicht dazu. Und wie sieht Ihre Zukunft konkret aus? Ich träume schon von einem zweiten und dritten Laden. Gerne hätte ich mehr Zeit für Kultur, Kunst und Geschichte. Aber das nächste grosse Projekt ist sicher, eine eigene Familie zu gründen. 

Foto SF

Laetitia Zappa, 1996.

… Laetitia Zappa? Die 34-jährige Bündnerin gilt heute noch als der ­bekannteste weibliche Pornostar der Schweiz. Berühmt wurde sie im März 1996 durch Alain Godets Dokumentarfilm «Heidi im Pornoland».

SI_2008_45  

People- und LIfestyle-Magazin

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