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Ski-Drama So bangen die Eltern um Daniel Albrecht

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Michelle & Barack Obama Mit Charme, Eleganz und Lebensfreude an die Macht

Auf sie hofft die ganze Welt 18 Seiten

26. Januar 2009 CHF 4.50


Inhalt

HEFT 5, MONTAG, 26. Januar 2009

Foto Callie Shell / Aurora Photos / Swiss Press; Titelfoto Carlos Barria / Reuters

Titel 14

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u Barack

Obama Geschafft! Es ist 2 Uhr in der Früh, im Lift des Weissen Hauses. Zehn Bälle, der Schwur, die Antrittsrede hat er absolviert. Die Welt liegt ihm zu Füssen. Willkommen zu Hause, Mr. President!

Barack Obama Beginn einer neuen Ära! Grosses Extra zur grössten Polit-Party

Leute 9 10 36

Tagebuch des Chefredaktors Leute Yasmine, Forster & Zidane, Scarlett Johansson, Reto Caffi Mona Vetsch Schwanger! «Unser Baby hat sich den Zeitpunkt selber gewählt»

Ski-Drama 30

Dani Albrecht Nach dem Horrorsturz: Das Bangen der Eltern. Und Bernhard Russi gibt zu: «Ja, ich hatte Angst» schweizer illustrierte




Inhalt Politik 40

Moritz Leuenberger Ausgezeichnet! Der Verkehrsminister über Krise & Umwelt, seine grosse Liebe und die zweite Röhre

Sport 46

Didier Défago Vom ewigen Zweiten zum Siegfahrer: Was ihn so stark macht

Gesellschaft 82

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Hans Kiener Sein Lebtag lang war er Knecht. Jetzt geniesst er mit 34 anderen den Ruhestand. Mit Chrampfen!

Shopping 49

u Mona Vetsch «Jetzt hats eingeschlagen!» Die beliebte Radio- und TV-Frau war anfangs ganz baff. «Der Augenblick, als ich erfuhr: Sie sind schwanger, ist mir schon eingefahren.» Inzwischen brütet sie schon über möglichen Namen.

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Das Magazin für lustvolles Einkaufen Mode, Style, Electronics

Top Fit 57

Schönheitschirurgie So werden Männer ihre Brüste los! Check-up: Microsuction – der neuste Trend aus den USA!

Die Besten 61

u Moritz

Leuenberger Der Verkehrsminister sagt, warum die Bahn eine Seele hat, und verrät, was er Barack Obama in der Schweiz gern zeigen würde.

Das Schweizer Kulturmagazin Kunst, Musik, Bücher, Filme

Weekend 69

Freizeit, geniessen, rätseln En Guete, GaultMillau, Reisen, Spiele

Party

Fotos Thomas Buchwalder, Kurt Reichenbach, Fabienne Bühler

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u Anna Maier Mit Witz und ihrem leuchtend roten Kleid von Zoro präsentierte sie den Gala-Abend des Svit-Forums in Pontresina.

ABO: 0800 820 920, Redaktion: Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Tel. 044 - 259 63 63 Fax 044 - 262 04 42, E-Mail info@schweizer-illustrierte.ch, www.schweizer-illustrierte.ch

CSI Zürich; Immo-Party Pontresina; Filmtage Solothurn

Und … 96 98 78 97

Notabene von Peter Bichsel Die Liste von Dominique Gisin Horoskop Leserbriefe / Impressum .schweizer-illustrierte.ch

Hausfrau Elsbeth Schneider alias Susanne Kunz verlost Tickets für ihr erstes Solo- Bühnenprogramm. Gewinnen Sie ausserdem ein romantisches Weekend und weitere tolle Preise. Jetzt auf www.schweizer-illustrierte.ch schweizer illustrierte




tagebuch

Elegant und lebensfroh wie ein junges Liebespaar Barack Obama

Nik Niethammer, Chefredaktor

Welches war für Sie, liebe Leserinnen und Leser, der emotionalste Moment bei der Amtseinführung von Barack Obama? War es der liebevolle Blick von Ehefrau Michelle, als ihr Mann beim Amtseid kurz stockte? War es die Szene, als Tochter Sasha nach der Rede vor dem Capitol mit dem Daumen nach oben signalisierte: «Daddy, das hast du cool gemacht»? Oder war es der Moment, als Mr. und Mrs. President auf der Pennsylvania Avenue aus ihrem gepanzerten Fahrzeug kletterten und ein Stück zu Fuss gingen – strahlend schön wie ein junges Liebespaar? Die Frage nach den herausragendsten Momenten hat sich auch unser Foto-Chef Markus Schnetzer gestellt. Er und sein Team haben in den vergangenen Tagen Tausende von Bildern angeschaut, mit Dutzenden von Fotografen und Agenturen gesprochen. Ich bin stolz, Ihnen auf 18 Seiten intime Einblicke, überraschende Ansichten und Bilder von historischer Kraft zu präsentieren. Dabei wird überdeutlich: Barack und Michelle Obama faszinieEin Bild von einem Präsidenten ren uns, weil sie so normal Obama auf dem Weg zu einem Ball. sind. Weil sie Nähe zulassen. Und weil sie uns mit ihrer Lebensfreude, ihrer Lockerheit Hoffnung machen auf eine bessere Welt – ab Seite 14

Foto Pete Souza / White House Photo

Daniel Albrecht Während ich diese Zeilen

schreibe, bangen die Eltern von Daniel Albrecht im Unispital Innsbruck um das Leben ihres Sohnes. Der Schweizer Skistar war am Donnerstag auf der gefürchteten Streif beim Zielsprung schwer gestürzt. Ein Fahrfehler, sagen die Experten. Sie könnten auch sagen: Selber schuld. Wirklich? Tragen nicht auch wir, die Zuschauer an der ­Strecke oder vor dem Fernseher, eine Mitverantwortung? Wir, die immer mehr Spektakel fordern? Ich habe mich dabei ertappt, wie ich enttäuscht auf die Ankündigung reagierte, man habe in Wengen den Zielsprung der Lauberhornabfahrt entschärft. Heute denke ich anders dar­über: Alles richtig gemacht, liebe Veranstalter in Wengen! Was Bernhard Russi und Urs Lehmann über das Drama sagen. Und wie die Retter richtig handelten – ab Seite 30 Ich wünsche Ihnen eine gute Woche mit Ihrer Schweizer Illustrierten!

schweizer illustrierte




Foto Kurt Reichenbach

Zu Hause in Hünenberg am See kuschelt YasmineMélanie Wyrsch am liebsten mit Hündchen Skippy. Die Schlagersängerin tritt gern in eleganten Kleidern auf: «Ein Dirndl würde ich nie anziehen.»


Leute

yasmine-mélanie wyrsch

Frauchen singt Schlager V orsicht! Einen Schritt näher, und Skippy knurrt giftig. Die kleine Chihuahua-Dame gibt gern den Ton an – wie ihr Frauchen Yasmine-Mélanie Wyrsch am diesjährigen «Silvesterstadl». Dort gewann die 18-Jährige mit ihrem Lied «Amore fantastico» den begehrten Nachwuchspreis, den Stadl-Stern. Und damit die Chance, in der volkstümlichen Musik gross herauszukommen. Den Schritt auf die Bühne wagte die Zugerin erst vor zwei

Jahren. «Nur so zum Plausch sang ich bei einem Schlagerkonzert ein Lied.» Damit überraschte sie alle: «Vor uns stand plötzlich eine völlig andere Yasmine», erinnern sich ihre Eltern Monique und Peter. Fanpost flattert in Hünenberg am See auch schon ins Haus. Ihr Traummann ist unter den Verehrern aber noch nicht zu finden. Die Nachwuchs­ sängerin weiss: «Wenn der Richtige vor mir steht, werde ich das merken.» Amore wie im Schlager halt. BARBARA HALTER schweizer illustrierte

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wer liebt wen

Ein Rockstar als Trauzeuge u Der Zürcher Komiker Midi Gottet, 42, und Ehefrau Susan, 38, haben sich getrennt. Fünf Jahre war das Paar verheiratet. Doch: «Familie bleibt Familie, auch wenn wir nicht mehr zusammen sind.» u Ganz verschmust zeigen sich Sängerin Pink, 29, und Motocross-Profi Carey Hart, 33. Aber Moment mal … das Ehepaar hat sich doch vergangenen Sommer getrennt? Jetzt bestätigt ein Freund der beiden, dass Carey im gemeinsamen Strandhaus in Malibu wieder eingezogen ist. Schöner Stoff für einen neuen Song! u Auf den romantischen Heiratsantrag an Heiligabend folgen nun Hochzeitspläne. Und die schmieden zurzeit Barbara Becker, 41, und Arne Quinze, 37, (Bild). Für Party­ musik der rockigen Sorte ist schon mal gesorgt: Barbaras Freund Lenny Kravitz, 44, hat sein Kommen bereits angekündigt! u Ebenfalls am Weihnachtsabend verlobten sich Christoph Schlingensief, 48, und seine Freundin Aino Laberenz. Bei den Eltern seiner Liebsten hielt der Re­gisseur ganz traditionell um die Hand der Kostümbildnerin an. Eine Geste der Hoffnung – im Dezember entdeckten die Ärzte zehn neue Metastasen im rechten Lungenflügel des Künstlers. u Die Hochzeitsglocken läuten auch bald schon bei Lance Armstrong, 37, und seiner Freundin Anna Hansen. Der Radrennprofi legt eben auch privat ein flottes Tempo an den Tag: Seit Juli 2008 sind die beiden Sportskanonen ein Paar, und bereits im Juni dieses Jahres soll das gemeinsame Baby zur Welt kommen. Den Antrag machte Lance am Strand auf Hawaii.

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Viel Kopfhaut und eine schöne Frau: Marc Forster (r.) mit Zinédine und Véronique Zidane.

zinédine zidane & marc forster

Regisseure mit Köpfchen u Echte Kerle, sagen manche, haben die Haare auf der Brust und im Gesicht statt auf dem Kopf. Wenns stimmt, hat Genf einen kleineren Testosteron-Sturm erlebt. Auf Einladung der Nobelmarke IWC trafen sich Zinédine Zidane, 36, und Marc Forster, 39, an der Uhrenmesse. Fussball-Weltmeister und Bond-

Regisseur teilen das Faible für edles Handwerk am Handgelenk. Weitere Gemeinsamkeit ausser Kahlschlag oben und Dreitagebart: Forster wie Zidane haben mit ihrer Regiekunst höchste Weihen erlangt. Am Set der eine, auf dem Rasen der andere. Wenn das nicht Gesprächsstoff hergibt! iso niedermann


Leute scarleTt johansson

Blondinen bevorzugt u Wenn eine lasziv die Lippen kräuseln kann, dann ist es Scarlett Johansson, 24. Das dachte wohl auch das Designer-Duo von Dolce & Gabbana. Die Hollywood-Diva und keine andere wollten Domenico Dolce und Stefano Gabbana als Gesicht für ihre neue Kosmetik-Linie. Fotografiert wurde Scarlett im Stil von Marilyn Monroe. Ein Novum! Die beiden Mailänder setzen sonst auf den ur-italienischen SophiaLoren-Frauentyp. Giuseppe Cerrato

Fotos Dukas (2), Keystone, Rolf Edelmann, Brauer Photos, Ex-Press

Rose LISA BEREK KV-Lehrling und rettender Engel u Drama am Zürcher Bahnhof Stadelhofen. Eine Mutter will mit ihren zwei kleinen Kindern in die S3 steigen. Erst hilft sie dem Dreijährigen in den Zug, doch dann schliesst sich die Tür, die Bahn fährt ab – nur mit dem Buben. Mutter und Töchterchen bleiben zurück. Der weinende Dreijährige ist zum Glück in guten Händen: Lisa Berek, 16, aus Dübendorf ZH kümmert sich um ihn. Steigt mit ihm bei der nächsten Station aus, bittet einen Tramführer, die Polizei zu alarmieren. Zwei Stunden später können die Eltern ihren verlorenen Sohn wieder in die Arme schliessen. Bravo, Lisa, das ist Zivilcourage!

kaktus conrad Ammann Direktor Elektrizitätswerke Stadt Zürich u Erst wars ein Eichhörnchen, dann ein Kurzschluss: Zum zweiten Mal innert fünf Monaten kam es beim Schweizer Fernsehen zu einem Strom­ausfall. Aus­löser waren ausgerechnet Wartungsarbeiten, die Pannen verhindern sollten. Warum aber wurden diese nicht nachts ausgeführt? «Es handelt sich um Routinearbeiten, bei denen selten bis nie etwas passiert», erklärten Sie, lieber Herr Ammann. Etwas gar unbedarft, finden wir. Aber vielleicht hatten Sie ja selber gerade ein «Blackout». Wir schicken Ihnen deshalb etwas «grüne Energie» – unseren Kaktus!

nachgefragt bei

Reto Caffi Goldjunge Der Regisseur Reto Caffi, 37, ist mit «Auf der Strecke» für den Oscar nominiert.

Herr Caffi, Gratulation! Im Juni 2008 erhielten Sie den Studenten-Oscar in Beverly Hills – jetzt sind Sie für den richtigen nominiert. Und darüber freue ich mich riesig! Dass ich dieses Jahr an den Oscars dabei sein darf, ist für mich bereits der Hauptpreis. Wo haben Sie von Ihrer Nomination erfahren? Zu Hause beim Co-Drehbuchautor. Ein Teil der Crew versammelte sich, und wir verfolgten den Live-Stream im Internet. Ihre erste Reaktion? Wir fielen uns in die Arme und holten sofort den Champagner aus dem Kühlschrank. Was macht «Auf der Strecke» so erfolgreich? Der Film berührt – eine tragische Liebes­ geschichte, verpackt in aktuelle Themen wie Jugendgewalt und mangelnde Zivilcourage. Dass die Unterstützung vom Bund für Ihr 30-minütiges Kurzfilmprojekt auf der Strecke blieb, kümmert Sie heute nicht mehr? Ich konnte den Film dank fünf verschiedenen Förderstellen trotzdem nach meinen Vorstellungen umsetzen. Ihr Werk handelt vom schlechten Gewissen. Wann hatten Sie zuletzt eines? Gerade eben. Ich vergass im ganzen Trubel, meinem Kameramann persönlich zu danken. Hängt der Smoking für die Oscar-Gala am 22. Februar in Los Angeles schon bereit? Ich habe gar keinen. Ein gesponserter Mass­ anzug – am liebsten von Hugo Boss – wäre aber toll. Meine Freundin hingegen streift schon in heller Aufregung durch die Läden. Neben wem würden Sie im Kodak Theatre gerne Platz nehmen? Zwischen Roeland Wiesnekker und meiner Partnerin Basak. Sie wirkte übrigens als dramaturgische Beraterin mit. Wenn Sie nur eine weitere Eintrittskarte hätten? Zwischen Basak und Martin Scorsese … Heimlich schon eine Dankesrede geübt? Allein der Gedanke daran macht mich nervös. Um niemanden zu vergessen, werde ich mir die Namen wohl auf die Hand schreiben. Interview bettina portmann schweizer illustrierte

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Foto Callie Shell / Aurora Photos / Swiss Press

mr. president

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Genuss der Vorfreude In wenigen Sekunden tritt Barack Obama hinaus auf die Trib端ne vor dem Capitol und legt seinen Amtseid ab. schweizer illustrierte


König Obama

So majestätisch kann Demokratie sein. Die USA feiern ihren Präsidenten Barack Obama – und die Welt schaut zu. Und staunt. Diese Bilder, diese Emotionen! Was für eine Eleganz und Pracht: die eindrücklichste Amtseinsetzung aller Zeiten. schweizer illustrierte

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mr. president

«Eine Krankenversicherung, keine Lügen mehr, neue Jobs, raus aus dem Irak» Forderungen von US-Bürgern an Obama

Hauptprobe Sitzt die Krawatte? Klappt das mit der Schwurhand. Ist der militärische Gruss zackig genug? Barack und Michelle Obama üben in einem Capitol-Saal die wichtigsten Gesten und Rituale der Vereidigung.

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Fotos Callie Shell / Aurora Photos / Swiss Press


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«Der Herr halte die Hoffnung am Leben, er schütze die Kinder und er segne Barack Obama» Jesse Jackson, pastor und Früherer Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur

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Foto Chuck Kennedy / Pool / Corbis

Die Hand auf Lincolns Bibel Nach jahrelanger Vorbereitung, nach 21 Monaten Wahlkampf ist es so weit: Capitol, Washington D. C., Dienstag, 20. 1. 09, um 12.04 Uhr. Barack Obama schwรถrt. Seine Familie und Millionen Amerikaner schauen zu.

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mr. president

«Beginnend mit dem heutigen Tag müssen wir uns aufrichten und selbst aus dem Dreck ziehen» Präsident Obama in seiner Antrittsrede

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Fotos Callie Shell / Aurora Photos / Swiss Press, Ron Sachs / Pool / Getty Images

Riesige Kulisse – und zwei Hauptdarsteller Links: Obama hält vor dem Capitol seine Antrittsrede. Zwei Millionen Menschen sind vor Ort, zig Millionen vor ihren TV-Geräten. Rechts: Das Präsidentenpaar defiliert auf der Pennsylvania Avenue auf dem Weg ins Weisse Haus. schweizer illustrierte

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Foto Callie Shell / Aurora Photos / Swiss Press

Mr. president

Unser Daddy, der Präsident Malia, 10, (l.) und Sasha, 7, fotografieren ihren Vater, der im festlichen Outfit zu einem der Bälle geht.

Text Astrid Dörner

M

irtle steht in der Kälte und geniesst den Augenblick. Jahrzehntelang hat die 95 Jahre alte Frau mit dem krausen grauen Haar auf diesen Moment gewartet. Mirtle ist schwarz, genau wie der neue Präsident. 1886 Kilometer ist sie aus Albuquerque

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im Bundesstaat New Mexico nach Washington gereist, um heute auf der grossen Wiese vor dem Capitol zu stehen und gemeinsam mit zwei Millionen ­Menschen auf grosse Bildschirme zu schauen. Heute übernimmt der erste Afroamerikaner das höchste Amt des Landes. Mirtle ist ausser sich vor Glück, dass sie das noch miterleben darf. «Ich

hoffe sehr, dass jetzt alles besser wird», sagt sie und strahlt. Mit kalten Füssen, kalten Händen und kalter Nase stehe ich im Gedränge, ziemlich mittig auf der Mall, der grossen Wiese zwischen dem Capitol und dem Obelisken. Es hat mich fast drei Stunden gekostet, den Stehplatz neben Mirtle zu erobern. Schliesslich sind hier


«Ich werde meine Hausaufgaben am Schreibtisch von Lincoln machen» Obamas älteste Tochter malia

zwei Millionen Menschen zusammengekommen, um Obama zu feiern. Doch die Kälte und das Geschubse sind heute egal. Mich und alle anderen wärmt der Ge­danke: Hier passiert Geschichte. Egal ist es auch, dass die Tribüne mit den Ehrengästen meilenweit weg ist und wir das Geschehen auf grossen Leinwänden verfolgen müssen.

Ein paar Meter weiter suchen zwei Männer mit roten Obama-Mützen ihren Platz vor einem der grossen Bildschirme. Auch sie schwenken Fahnen – allerdings kanadische. «Ach, die Kanadier haben auch Obama gewählt?», ruft ihnen ein ­älterer Herr zu, der seinen Enkel auf den Schultern trägt. «In unserem Herzen, Mann, in unserem Herzen schon!», er­

widert einer der beiden und verschwindet in der Menge. Aus allen 50 Bundesstaaten des Landes sind die Menschen angereist, aber auch aus der Schweiz, Frankreich, Spanien, Madagaskar, Trinidad und ­sogar vom andern Ende der Welt aus Sydney treffe ich Leute. Sie alle wollen dabei sein, wollen später ihren Enkeln u schweizer illustrierte

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Mr. president erzählen können: «Ich war mitten drin!» Seit Monaten gibt es in Hotels und Pensionen keine Zimmer mehr. Im Internet bieten Washingtoner Kurzent­ schlossenen noch ihr Gästesofa an – für 3000 Dollar. Selbst Campingplätze sind ausgebucht, trotz Eis und Schnee. Donnernd kreisen Hubschrauber über die Menge. Auf den Dächern stehen schwarz gekleidete Scharfschützen. Sei­ nen Eid legt Obama hinter kugelsiche­ren Scheiben ab, umgeben von 23 000 Si­ cherheitskräften. Strassen, Schienen, Flüsse und der Luftraum über Washing­ ton sind meilenweit in allen Richtungen gesperrt. 110 Millionen Dollar hat der Wahlkampf den Secret Service gekostet – 50 Prozent mehr als noch vor vier Jahren. Doch kein Preis ist zu hoch, um den ersten schwarzen Präsidenten zu schützen. Niemand will die Verantwor­ tung dafür tragen, dass ihm vor den Augen der Welt etwas zustösst. Zu gross ist die Angst, dass die Hoffnung mit dem Hoffnungsträger ausgelöscht werden könnte. Als Michelle Obama zum ersten Mal von den Kameras eingefangen wird, geht ein Raunen durch die Menge. Dann ist es zwei Sekunden lang ganz still, bevor tosender Jubel ausbricht. Ihr Man­ tel im geradlinigen Glockenschnitt glit­ zert irgendwo zwischen Limonengrün und Zitronengelb in der Wintersonne und erinnert an einen Krönungsmantel. Dazu trägt sie grüne Lederhandschuhe der Marke J. Crew. Ihr Stil verkörpert das neue Amerika, das ihr Mann im Wahl­ kampf ständig gefordert hat. Es ist mehr als ein politisches Ereig­ nis, hier wird Demokratie mit allem Pomp gefeiert. Das zieht auch die Stars einer anderen Glamourwelt an. Nie war Washington so hip. Nie war Washington so cool. Golfprofi Tiger Woods hält eine Rede, Beyoncé Knowles singt für Barack und Michelle zum ersten Tanz als Präsi­ dent und First Lady. Am Sonntag singen Jon Bon Jovi, U2, Bruce Springsteen und Shakira unter freiem Himmel für den Präsidenten. «Obama wird seine Sache ganz grossartig machen», haucht die Hollywood-Schauspielerin Angelina Jolie. «Und wir werden ihn unterstützen. Gemeinsam schaffen wir es.» In den Bars im angesagten Ausgeh­ viertel Adams Morgan wurden die Cock­ tail-Karten spontan ergänzt: Die Gäste können hier nun auch einen Obama Rama Martini und einen Biden Express bestellen. Der schwedische Möbelher­ steller Ikea hat eine Nachbildung von Obamas neuem Büro im Weissen Haus gebaut – ausschliesslich mit Möbeln u

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Die Schweiz mus Der Metzgersohn war fünf Jahre Taxifahrer und sieben Jahre Vize-Kanzler in Deutschland: Joschka Fischer über Obamas Chancen.

Überzeugt Joschka Fischer traut Obama zu, die Herausforderungen zu meistern.

Waren Sie selber in Washington? Ich bin am Vortag der Inauguration ans Alpensymposium nach Interlaken gereist. Dort habe ich die Vereidi­gung zusammen mit Hans Blix ange­ schaut: Der ehemalige Chef der UnoAbrüstungskommission im Irak und ich haben gemeinsam miterlebt, wie auf einer ideologischen Grundlage ein Krieg herbeigeführt wurde. Wie war Obamas Rede? Er hat die grosse Fähigkeit, die Ameri­ kaner zusammenzuführen. Er kann den Menschen die Kraft geben, in der schwersten Krise seit Langem die Dinge gemeinsam anzupacken. Das finde ich bewundernswert. Wird er es packen? Obama hat in der Übergangszeit bewie­


Im Rampenlicht Amerikas neuer mächtigster Mann führt seine First Lady aufs präsidial geschmückte Tanzparkett. Auf zehn Inaugurations-Bällen tritt das Paar auf. Und überstrahlt alle und alles.

sen, was für ein Potenzial er hat. Seine grosse Chance ist die Unmöglichkeit der Herausforderung. Was heisst das genau? Er wird Dinge tun können, die ein Präsident unter normalen Bedingungen nicht machen kann. Diese Chance muss er nutzen. Dann wird er ein grosser Präsident. Er muss sieben Bälle gleich­ zeitig in der Luft halten. Und einer ist explosiver als der andere. Wo muss er ansetzen? Er hat schon deutlich gemacht, dass er den wirtschaftlichen Aufschwung mit der Schaffung von Tausenden von neuen Arbeitsplätzen mit dem Klima­ schutz koppeln will. Das ist ja auf unserer europäischen Linie. Ich befürchte nur, dass wir Europäer

wieder mal dran sind, eine grosse Chance zu verpassen. Statt gemeinsam auf Obamas Zug aufzuspringen, fährt jedes Land einen Extrazug. Meinen Sie da auch die Schweiz? Klar. Sie darf ihre Augen nicht vor Abhängigkeiten verschliessen. Das heisst nicht, dass die Schweiz jetzt der EU beitreten muss, dann hätten wir nur ein Land mehr, das entscheiden möchte. Aber die Russen mit ihren Bodenschätzen oder die Asiaten mit ihren aufstrebenden Wirtschafts­ mächten warten nicht auf uns Euro­ päer. Wenn es in zwei, drei Jahren wirtschaftlich wieder aufwärtsgeht, sind diejenigen am besten, die sich jetzt auf die Zukunft vorbereiten. In der internationalen Politik sind die

Anhänger des Franziskaner-Ordens sehr dünn gesät (lacht). Wie sehen Sie unsere Rolle konkret? Die Schweiz ist keine Supermacht, aber ein wichtiger Akteur. Sie hat ein grosses Wirtschaftspotenzial, eine erfahrene Diplomatie und ist neutral. Nicht umsonst ist sie Garantiemacht für die amerikanischen Interessen in Teheran. Es ergeben sich vielerlei Möglichkeiten, die genutzt werden könnten und sollten. Die Schweiz muss sich stärker einbringen. Ihr Wunsch? Wir brauchen mehr amerikanische Kühnheit. Ich habe ein Jahr in den USA gelebt. Wenn die etwas anpacken und die Ärmel nach hinten krempeln, dann kriegen die was gebacken. schweizer illustrierte

Fotos Christopher Morris / Vll, Haraz N. Ghanbari / AP Photo

s sich stärker einbringen

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Mr. president aus dem aktuellen Katalog. Ein paar Strassen weiter steht ein grosses Mitt­eilungsbrett mit Forderungen der Bürger an ihren neuen Präsidenten: «Eine Krankenversicherung», wünscht der eine, «keine Lügen mehr», verlangt ein anderer. Neue Jobs, bessere Gesetze für Immigranten, raus aus dem Irak – die Wunschliste ist lang. Im Grunde erwarten sie ein Wunder von ihrem neuen Präsidenten, denn viele der Säulen der amerikanischen Wirtschaft wackeln stärker denn je. 2,6 Millionen Arbeitsplätze wurden im vergangenen Jahr vernichtet. Für das laufende Jahr wird ein Defizit im Staatshaushalt von fast zwei Billionen Dollar erwartet, die Banken und die Auto­bauer stehen am Abgrund. «Beginnend mit dem heutigen Tag müssen wir uns ­aufrichten und selbst aus dem Dreck ­ziehen», ruft Obama bei seiner Antrittsrede in die Masse. Er spricht von einem «Winter der Entbehrungen» und einer «gemeinsamen Bedrohung», und trotzdem wird er von allen bejubelt. Auch Mirtle ist überzeugt: «Wenn uns einer aus der Krise führen kann, dann Obama.» Das Bild von einem Präsidenten, der mit Gottes Hilfe alles wieder richtet, ist besonders in schwarzen Vierteln weit verbreitet. «Der Herr halte die Hoffnung am Leben, er schütze die Kinder und er segne Barack Obama», predigt der Bürgerrechtler und Pastor Jesse Jackson, 67. Für den Sonntagsgottesdienst vor Obamas Vereidigung ist er extra aus Atlanta nach Washington gekommen, um in der Baptistenkirche des vorwiegend schwarzen Wohnviertels Shaw einen Gottesdienst abzuhalten. Die schlichte Kirche mit dem blauen Teppich und den dunkelbraunen Holzvertäfelungen ist an diesem Morgen so voll, dass Klapp­stühle hinter den Holzbänken aufgebaut ­werden, um alle unterzubringen. Die ­ Gemeindemitglieder, der Chor, die Pastoren, alle sind schwarz. Ein paar Kameraleute eines amerikanischen Fernsehsenders und ich sind die wenigen weissen Ausnahmen, was jedoch keinen zu ­stören scheint. Im gehobenen Viertel Friendship Heights, wo sich Nobelkaufhaus an Nobelkaufhaus reiht, geht es hektischer zu. Das Modehaus Neiman Marcus, das wie bei allen grossen Ereignissen die Washingtoner mit edlen Roben ausstattet, hat einen Tag vor Obamas Amts­ einführung zur Modenschau geladen. Die Fashion-Gurus Hal Rubinstein vom ­Magazin «InStyle» und Ken Downing, Modechef von Neiman Marcus, prä- u

Foto Brooks Kraft / Corbis

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Der US-Präsident leert seinen Hosensack. Und zeigt, woran er glaubt


Götteraffe Der Hindu-Gott Hanuman steht für hingebungsvolles Dienen, Loyalität und verleiht Kraft, Sanftmut und Klugheit. Glücks-Stein Das Amulett aus Metall soll besonders viel Glück («luck») bringen. Armreif Er gehörte dem US-Soldaten Ryan David Jopek, 20, der im Irak starb. Jopeks Mutter schenkte Obama den Armreif, damit der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte an seine Soldaten denkt. Inschrift: «2. August 2006. Alle gaben etwas – er gab alles.» Anhänger Eine alte Latino-Frau schenkte Obama zwei Medaillons mit der Madonna mit Kind drauf und einer anderen Heiligen. Jetons Einige abgegriffene Casino-Münzen als Talisman hat Obama immer im Sack.


Mr. president sentieren Ballkleider und die Trends des Frühjahrs. Hier kann ich also noch schnell ein Kleid kaufen, wenn ich doch noch eines der begehrten Balltickets ergattern sollte. Auch hier zeigt sich der ObamaFaktor. Über den Laufsteg laufen nicht mehr nur weisse, sondern auch viele schwarze Models. Es geht nicht mehr um Donna Karan, Gucci oder Prada. Die einzige Frage, die alle interessiert, lautet: Was muss man tragen, um so gut auszusehen wie Michelle Obama? «Dank Michelle ist es wieder angesagt, sich farbenfroh, elegant und stilvoll zu kleiden», schwärmt Rubinstein mir vor. Die neue First Lady ist der Grund, warum Neiman Marcus zu dieser Amtseinführung so viele Kleider verkauft wie noch nie. Ganz Washington wirkt wie ein gigantischer Schulabschlussball. Hunderte von Bällen und ungezählte Partys gibt es in der Stadt – und mitten drin die

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Obamas. Auf zehn Bällen tanzte das Präsidentenpaar Dienstagnacht – und wieder überzeugt Michelle die Modewelt mit ihrer Kleiderauswahl. Sie trägt ein elfenbeinfarbenes, mit kleinen Kristallen besticktes Kleid mit nur einem Träger. «Ein-Träger-Kleider sind absolut angesagt», bestätigt Hal Rubinstein von «InStyle». Entworfen hat das Kleid der erst 26 Jahre alte Designer Jason Wu aus New York. Selbst das nüchterne «Wall Street Journal» beteiligt sich eifrig an der Modenachlese. Sowohl Isabel Toledo, die das zitrusfarbene Vereidigungsoutfit entwarf, als auch Jason Wu «verkörpern das Streben nach dem amerikanischen Traum», schreibt die Wirtschaftszeitung. Schon in wenigen Stunden wird den 44. Präsidenten die harsche Realität eingeholt haben. Doch noch ruft er der Band ein saloppes «Legt los, Jungs!» zu. Und tanzt mit seiner strahlenden First Lady einen letzten Walzer.  

Die SI-Autoren an der feier in Washington Yes, he can! Barack Obama zeigt staatsmännischen Hüftkick beim «Neighborhood Ball» im Convention Center in Washington.

Astrid Dörner, 26, lebt in New York und schreibt für «Financial Times Deutschland», «NZZ am Sonntag» und «Frankfurter Rundschau».

Matthias Ackeret, 45, Chefredaktor der Kommunikationszeitschrift «persönlich» und Buchautor (u. a. «Das Blocher-Prinzip»).

Mein Tag mit Obama «Der US-Präsident und ich»: matthias ackeret, 45, war schon bei der Obama-Rede 2007 in Berlin dabei. Jetzt reiste er extra nach Washington.

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ie Welt sah zu – und ich war dabei. Es ist kurz vor zwölf Uhr, wenige Minuten vor Barack Obamas Inauguration. Im fahlen Winterlicht leuchtet die Spitze des Capitols, auf der linken Seite, hinter unzähligen Toilettenhäuschen versteckt, sind die Umrisse des Weissen Hauses knapp erkennbar. So viel Geschichte macht schwindlig. Um mich Zehntausende von Menschen,

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die meisten schwarzhäutig. Trotz ­klirrender Kälte tragen viele Fest­ kleidung. «Auch das Christkind wurde in einer Winternacht geboren», flüstert mir mein Nachbar zu. Selbst Ironie wird in solchen Momenten Wahrheit. Ein leichtes, langsam anhebendes Raunen geht durch die Menge, als der neue Präsident erstmals auf der Grossleinwand erscheint. Den Mantelkragen hochgeschlagen, das Kinn nach vorne gestreckt, die Augen von jenem «Yes, I can»-Gefühl beseelt, das die Welt verändern soll. Leichtfüssig schreitet er die Stufen des Capitols hinunter: eine Quadratur von JFK und Elvis Presley. Ein paar wenige

stimmen einen «Obama»-Sprechchor an, der – wohl kältebedingt – bald wieder abflacht. Transparente mit der Aufschrift «From slavery to history» werden geschwenkt. Doch der MessiasPräsident von der Grossleinwand ist nur schwer zu verstehen: Seine Worte klingen abgehackt – und auch zeitverschoben. Man habe, so klärt mich mein deutscher Journalistenkollege Manfred später auf, an der Beschallung gespart. Damit vermeide man den Eindruck amtlicher Geldverschwendung. Kündet sich so das goldene Polit-Zeitalter an? Die Amtsübernahme Obamas ist ein Lehrstück über die Existenz verschiedener Realitäten. Was im


«Wir werden uns nicht für unseren Lebensstil entschuldigen»

Fern­seher gigantisch und mit leichter Hand inszeniert wirkt, ist für den Obama-Wegelagerer vor Ort hartes Brot: ­quälende Sicherheitskontrollen, lange Fussmärsche, unzureichende Signalisation und ein striktes Getränke- und Essverbot innerhalb der Sicherheits­ zone. Die Polit-Pilgerreise wird zur Tortur. Von den rund zwei Millionen Gästen dürfte nicht einmal ein Prozent den frisch gekürten Präsidenten leibhaftig gesehen haben, der Rest verharrte stundenlang vor den spärlich aufge­ stellten Leinwänden, um nebenbei als Statist einer gigantischen Fernsehshow zu wirken. Vielleicht erklärt sich damit auch ein Teil der Obamania: selbst einmal Part der Geschichte zu sein. Ging es mir anders? Ehrlich gesagt, nein. Bereits vor Wochen habe ich im Internet das Bahnticket reserviert, das

mich am Tag der Vereidigung von New York nach Washington bringen wird. «Einmal Obama sehen», pflichtete mir ein Baselbieter Kleinunternehmer bei, als ich ihm im Swiss-Flug nach Amerika von meinem Trip erzählte. Auch er sei Obamaist – und es ist für ihn das Grösste, dem neuen Präsidenten leibhaftig zu begegnen. Obwohl er weder über Hotelunterkunft noch Bahnticket verfügt, will er mit einem Mietauto zur Inauguration fahren. Ähnliches hat er bereits nach den letzten Bundesratswahlen getan, wo er nach Bern reiste, um dem neuen VBS-Chef Ueli Maurer zu gratulieren. Seine Erkenntnis: Was bei Ueli möglich, sei bei Barack fast schon Pflicht. Als am Ende der Feierlichkeiten die Menge trotz chaotischer Organisa­ tion und willkürlich hingestellter Absperrgitter Richtung Ausgänge

drängt, gibt es kaum Proteste. Nur einmal, als ein amerikanischer Regierungshelikopter – vermutlich mit den abreisenden Bushs – über der Menge kurvt, ertönt ein ­gellendes Pfeifkonzert, das sogleich von zaghaften «Obama»Rufen abgelöst wird. Die anschliessende Parade habe ich mir in einer Bar direkt hinter dem geschichtsträchtigen WatergateGe­bäude auf CNN angeschaut: viel näher, viel emotionaler und weitaus wärmer. Nur einmal wurde ich dabei von einem SMS des Basler Kleinunternehmers unterbrochen. Darin berichtete dieser, dass er nun geschlagene zwölf Stunden für die präsidiale Parade an der Pennsylvania Avenue ausgeharrt habe. Doch das Warten habe sich gelohnt: Vor wenigen Minuten sei Baracks Limousine endlich vorbeigefahren. Näher sei er nur bei Ueli gewesen. schweizer illustrierte

Fotos Zbigniew Bzdak / Landov / Keystone

Obama bei seiner Antrittsrede

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Chancenlos Mit Tempo 138 gerät Dani Albrecht beim Streif-Zielsprung in Rücklage. Er prallt nach 70 Metern Flug auf den Rücken. Bleibt bewusstlos liegen.

Fotos Leonhard Foeger / Reuters, Robert Jaeger / APA, Giovanni Auletta / AP Photo, Marcel Nöcker

Hoffe 30

Sie hadern nicht mit de den schlimmsten Stund Text alejandro velert Fotos marcel nöcker

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Zeit für den nächsten Besuch? Martin und Beatrice Albrecht im Hotel in Innsbruck. schweizer illustrierte

chon den ganzen Winter habe Dani von Kitzbühel gesprochen, sagt sein Vater Martin Albrecht, 62. Er spricht leise, sucht nach den richtigen Worten. «Er war in einer Bombenform,


ski-drama

n & bangen

m Schicksal. Tapfer sind Martin und Beatrice albrecht in en ganz nah bei ihrem Sohn Daniel. Die Schweiz bangt mit ihnen. er wollte auf der Streif einen Sieg er­ ringen.» Nun ringt Daniel Albrecht um sein Leben. «Ein sehr harter Schlag für uns alle», sagt Vater Albrecht. Zusam­ men mit seiner Frau Beatrice, 55, ist er per Helikopter, den Cheftrainer Martin Rufener organisierte, nach Innsbruck geeilt. «Auch wenn wir nichts tun kön­

nen: Wir wollen jetzt in der Nähe unseres Sohnes sein.» Danis langjährige Freundin Kerstin hat zu Hause ebenfalls alles liegen lassen und ist mit nach Innsbruck geflogen. Sie gibt sich zurückhaltend: «Dani und ich möchten das Private privat sein lassen. Und diese Abmachung möchte ich jetzt,

wo er im Spital liegt, nicht brechen.» Zusammen mit Danis Manager Giusep Fry sitzen die Eltern und die Freundin im Hotel Sailer in der Inns­ brucker Innenstadt. Sie warten auf den nächsten Besuchstermin in der Uni­ klinik. Dort wird Dani Tag und Nacht überwacht. Zweimal täglich, jeweils eine schweizer illustrierte

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ski-drama

«Es war ein Schock. Dani war nicht ansprechbar. Immerhin hat er tief geatmet» nikolaus gasteiger, rotkreuz-helfer

den Helm abgenommen und ihn stabilisiert haben», erzählt Gasteiger. Ein «Schock» sei das gewesen, bei ihrem ersten Einsatz an einem Skirennen. «Aber selbst als Neuling reagiert man da instinktiv richtig. Und später freute sich Gasteiger sogar: «Ich hab heute Geburtstag. Mein schönstes Geschenk ist, dass Dani lebt!» JM

Fotos Teamfoto / foto-net, Spiess-Foto, RDB, Marcel Nöcker (2), Keystone (2)

u Ihr Bild ging um die Welt, wie sie über die Piste zu Dani Albrecht sprinteten. Die beiden Rotkreuz-Helfer Patrick Gruber, 21 (kleines Bild, rechts), und Nikolaus Gasteiger, 21, waren als Erste beim Verunfallten. «Er war nicht ansprechbar, aber wir haben sofort gecheckt, wies um ihn steht. Immerhin hat er tief geatmet, sodass wir ihm

Stunde am Nachmittag und am Abend, können sie ihn auf der Intensivstation besuchen. «Es dürfen höchstens zwei Personen gleichzeitig zu ihm ans Bett», sagt Martin Albrecht. Dani selber merkt nichts davon, er ist mit Medikamenten in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt worden. Bei allfälligen Problemen schlägt eine implantierte Hirndrucksonde Alarm. Donnerstag letzter Woche. Im Training zur Abfahrt von Kitzbühel ist Dani Albrecht ganz stark unterwegs. Sein Vorsprung kurz vor dem Ziel beträgt eineinhalb Sekunden. «Er fuhr wie auf Schienen», sagt sein Vater, der sich das Training zu Hause in Fiesch im Fernsehen anschaut. In Kitzbühel schreit der Speaker im Zielraum bereits euphorisch «Eine Traumfahrt!» ins Mikrofon. Dann gerät Albrecht beim Zielsprung in Rücklage. Mit 138,2 km/h hebt er unkontrolliert ab. Hilflos mit den Armen rudernd fliegt er 70 Meter weit, prallt mit dem

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schweizer illustrierte

Norbert Mutz Renate Larndorfer Leiter Intensivstation Unfallchirurgin

Wolfgang Koller Richard Bauer Chirurg Intensivstation Neurologe

«Es grenzt an ein Wunder, dass Dani Albrecht keine Schäden an der Wirbelsäule hat» dr. renate larndorfer, unfallchirurgin


nachgefragt bei urs lehmann

«Chancen 50:50, die Saison heil zu beenden» Herr Lehmann, Sie haben nach dem Unfall von Daniel Albrecht die Sicherheitsmassnahmen kritisiert. Meine Aussagen wurden aus dem Zusammenhang gerissen. Die lokale Sicherheit in Kitzbühel war ausgezeichnet. Danis Unfall war ganz klar ein Fahrfehler. Aber? Mir gibt zu denken, dass vier von neun unserer Ab­ fahrer verletzt sind. Bei den Österreichern sieht es genau gleich aus. Salopp gesagt, hat ein Fahrer eine 50:50-Chance, die Saison gesund zu überstehen. Was sind die Gründe? Der Skirennsport hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt. Und mir scheint, als würden die Sicherheitsvorkehrungen mit dieser Entwicklung derzeit nicht mithalten. Wie waren Ihre Emotionen, als Sie vom Unfall Daniel Albrechts erfuhren? Ich fühle stark mit Dani mit. Die Sekunde vor dem Aufprall ist brutal. Man weiss genau, dass es gleich furchtbar wehtun wird. Was kann Swiss-Ski für Dani und seine Angehörigen tun? Früher hat sich beim Verband keiner um die verletzten Fahrer gekümmert. Es ist wichtig, der Familie und dem Athleten zu zeigen, dass sie nicht allein sind. Wie sie unser Angebot annehmen, ist ihnen überlassen. Wie wirkt sich ein solcher Unfall auf einen Athleten aus? Es gibt solche, die überwinden bereits die erste grosse Verletzung nicht. Dann gibt es solche, die wieder aufstehen und weiterkämpfen. Aber spätestens nach der dritten oder vierten schweren Verletzung ist kaum mehr einer bereit, 110 Prozent zu riskieren. Nur, dann reicht es nicht mehr zum Sieg. AVE Rücken auf die pickelharte Piste. Ein Ski löst sich in seine Bestandteile auf, der andere bricht in der Mitte entzwei. Dani rutscht bewusstlos den Hang hinunter. «Das mit ansehen zu müssen», sagt der Vater, «war unglaublich hart.» In der Uniklinik von Innsbruck werden ein Schädel-Hirn-Trauma, eine Lungenquetschung und Prellungen diagnostiziert. Die Ärzte sagen, auf den jungen Skistar kämen Tage in der Intensivstation, Wochen im Krankenhaus und Monate in der Rehabilitation zu. «Es grenzt an ein Wunder, dass er keine Schäden an der Wirbelsäule hat», sagt die zuständige Unfallchirurgin Renate Larndorfer. «Es ist überhaupt erstaunlich, wie gering die Verletzungen am restlichen Körper sind.» Das ÄrzteTeam, das sich um Dani kümmert, überwacht im Moment vor allem die lebenswichtigen Körperfunktionen. Wann «Albright» in die Schweiz über-

führt werden kann, steht noch nicht fest. «Er ist hier auf jeden Fall in sehr guten Händen. Hauptsache, er kommt gesund zurück», sagen Danis Eltern. Danis Bruder Fabian kümmert sich derweil in Fiesch um das Hotel des Alpes. Für Manager Giusep Fry, der mit Dani eine sehr enge Beziehung pflegt, ist der Horrorsturz ein bitteres Déjà-vu: Vor sieben Jahren krachte sein Schützling Silvano Beltrametti in Val d’Isère durch die Sicherheitsnetze und ist seither querschnittgelähmt. «Unerklärlicherweise hatte ich bei Dani aber gleich das Gefühl, dass es irgendwie gut kommen wird. Und auch wenn er mich im Spital nicht hören kann: Ich habe an seinem Bett seine Hand gehalten und ihm gesagt, dass ich fest an seine Genesung glaube.» Die Familie kann vorläufig nichts anderes tun, als Dani zweimal täglich auf der Intensivstation zu besuchen. Und

bange zu warten auf gute Neuigkeiten bei der täglichen Besprechung mit den Ärzten. Bis jetzt war Dani immer der Starke und Souveräne, der mit viel Beharrlichkeit und Intelligenz seine Projekte auf und neben der Piste vorangetrieben hat. Nun müssen seine Liebsten mit ansehen, wie er regungslos auf der Intensivstation liegt. Die Ärzte geben sich vorsichtig optimistisch. Sein Zustand sei stabil, eine vollständige Rehabilitation möglich. Allerdings: Beim Ge­hirn seien Prognosen schwierig … «So wie ich Dani kenne, wird er nach dem Aufwachen als Erstes fragen, ob seine Karriere gefährdet sei», sagt Manager Fry. Für alle, die dem jungen Skistar nahestehen, ist klar: Ein Ende seiner sportlichen Laufbahn wäre für ihn ein Welt­ untergang. «Er hat zwanzig Jahre seines Lebens dafür investiert», sagt Vater Martin, der 1977 selber Skibob-Weltmeister war. «Ich habe Dani von klein auf an alle schweizer illustrierte

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ski-drama Rennen begleitet. Ich habe sogar mein Restaurant, die ‹Walliser-Kanne›, vermietet, um Zeit für ihn zu haben.» Martin Albrecht schiessen die Tränen in die Augen, wenn er spricht. Er versteht nicht, warum der Unfall ausgerechnet in einem Training geschehen ist. «Dabei war er in den Trainings doch immer vorsichtig, hat erst im Rennen aufgedreht. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mit so einem Unfall nicht gerechnet, auch wenn ich die Risiken seines Berufes kenne.» Und nach einer Pause fügt er an: «Es ist halt ein schmaler Grat, auf dem er sich bewegt. Hoffen wir, dass dies bald wieder nur für die Skipiste gilt. Und nicht für Danis Leben.»  

Enge Bande Beatrice und Martin Albrecht herzen ihren Dani 2007 an der Ski-WM in Åre.

«Ich hatte Angst» Als Pistenbauer weiss Bernhard Russi, wo die Grenzen des Möglichen liegen. Für ihn sind diese nicht überschritten. Das Problem ist noch immer der Fahrer.

Foto Hervé LeCunff, RDB

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err Russi, in Wengen wurde kritisiert, dass man den Zielsprung abgetragen hat. Nun wird der Zielsprung in Kitzbühel als zu gefährlich bezeichnet. Die beiden Stellen sind nicht zu vergleichen. Die eine ist eine steile Kante, die andere ein steiler Buckel. Trotzdem sind 50 Fahrer vor und 100 Fahrer nach Albrecht problemlos über diese Welle gesprungen. Der Abfahrtssport besteht nun mal aus Tempo, Kurven, Gleitpassagen – und Sprüngen. Trotzdem, Scott Macartney im vergangenen Jahr und Daniel Albrecht in diesem Jahr: Beide sind bei diesem Sprung nur knapp mit dem Leben davongekommen. Das ist eine unglückliche Konstellation von Zufällen. Was unbestritten ist: Beide Fahrer haben individuelle Fehler gemacht. Und was mir ganz wichtig erscheint: Fehler im Skisport bleiben immer gefährlich, trotz Helm, Rückenschoner und Sicherheitsnetzen. Die Formel 1 hat Unfälle und Todesfälle früher immer als gottgegeben betrachtet. Inzwischen hat man die Verletzungsund Todesrate markant gesenkt. Kann der Skisport von der Formel 1 lernen? In der Formel 1 hat der Mensch einen Kasten um sich herum, der ihn schützt, das lässt sich kaum vergleichen. Die Sicherheitsvorkehrungen im Skisport sind heute im Vergleich zu früher massiv besser. Die Kurssetzungen werden sukzessive angepasst. Die schweizer illustrierte

Tempi sind nicht höher als früher. Aber vielleicht ist genau das das Problem. Inwiefern? Pisten, bei welchen man technische Schwierigkeiten eliminiert, können gefährlicher sein als schwierige Pisten. Das tönt vielleicht widersprüchlich. Aber auf einfachen Pisten sinkt der Respekt und damit die Eigenverantwortung der Athleten, die Gefahr steigt. Müssen die Fahrer heute mehr Gefahren eingehen, weil der Druck vonseiten der Medien und Sponsoren grösser ist? Nein, das glaube ich nicht. Ein Fahrer, der vor zehn oder vor fünfzig Jahren am Start stand, hatte genau den gleichen Willen zu gewinnen. Der Wunsch, Grenzbereiche zu ertasten, Probleme zu lösen und schneller zu sein als der Rest, ist grösser als jeder Sieger-Check. Kein Fahrer hat während der Fahrt Zeit, an seine Prämie zu denken. Der Fernsehzuschauer merkt nicht, ob ein Fahrer mit 120 oder 140 die Piste runterfährt. Wen würde es stören, wenn man die Pisten langsamer macht? Aber das wird doch laufend gemacht! Die absolut schnellste Abfahrt aller Zeiten wurde 1973 gefahren, nicht in den letzten Jahren. Die Fahrer heute könnten ohne Probleme 160 km/h fahren, aber das ist ja keine Kunst. Die Herausforderung ist, technische Schwierigkeiten zu überwinden. Damit drosselt man die Tempi und erhöht den

Respekt des Fahrers vor den Schwierigkeiten. Sie würden die Abfahrten also eher noch schwieriger gestalten? Ja, unruhiger und damit kontrollierter. Wenn wir nochmals auf den Zielsprung in Kitzbühel zu sprechen kommen: Bei dieser Welle wusste man früher nicht, wann man abheben würde. Es war einfach ein runder Buckel. Jetzt hat man die Kante ganz klar definiert und markiert – zugunsten der Fahrer und der Sicherheit. Aber wenn das den Fahrer in Versuchung bringt, in voller Hocke auf die Welle zuzufahren, dann hat man genau das Gegenteil erreicht. Gehören schwere Unfälle einfach dazu? Man kann nicht alles kontrollieren. Man kann den Zielsprung auf der Streif auch abtragen, aber dann rasen die Fahrer mit 160 km/h ins Ziel. Ist das besser? Sie sind selber Pistenbauer. Kämpfen Sie dort auch mit der Grenze zwischen Spektakel und Sicherheit? Mein Einfluss ist begrenzt. Ich stelle eine Piste im Sommer bereit. Entscheidend sind dann aber die Verhältnisse und die Kurssetzung. Da habe ich wenig Einfluss. Grundsätzlich geht es nicht um Spektakel, sondern um Herausforderung. Wie Bergsteiger müssen Skifahrer Schwierigkeiten alleine bewältigen. Hatten sie als Profi eigentlich Angst, wenn Sie eine Strecke wie die Streif runterfahren mussten? Die Fahrer sprechen ja immer nur von Respekt, nie von Angst. Als ehemaliger Fahrer kann ich Ihnen heute sagen: Ja, ich hatte Angst. Immer wieder. Aber das hätte ich nie zugegeben, als ich noch aktiv war. AVE


Schwangerschaft

«Der Augenblick, als ich erfuhr: ‹Sie sind schwanger!›, ist mir schon etwas eingefahren»

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«Jetzt hats halt eingeschlagen» Kinder kriegen, Mami werden? Noch im Sommer versicherte mona vetsch, dass es ihr damit nicht eilt. Etwas gar voreilig! Die Radio- und TV-Frau ist schwanger. Text René Haenig Foto thomas Buchwalder

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wei Orangen verputzt Mona Vetsch, 33, momentan täglich. Mindestens. Die Radio- und TVFrau muss ja auch für zwei essen. Für sich. Und fürs Baby, das sie Mitte Juni erwartet. «Ich freue mich riesig», sprudelt es aus der Frau heraus, die uns morgens dank ihren lockeren Sprüchen auf DRS 3 mit guter Laune in den Tag schickt und am TV unser Fernweh weckt. Bereits vergangenen Juli hatte sich die beliebte Schweizer Moderatorin Gedanken übers Kinderkriegen gemacht, damals aber versichert, dass es ihr damit nicht eile. «Ich kann mir gut vorstellen, Mutter zu werden, auch wenn meine Bio-Uhr noch nicht akut tickt.» Und eher pragmatisch fügte die quirlige Thurgauerin an: «Wenns einschlägt, schlägts ein. Gross planen mag ich nicht.» Jetzt also hats voll eingeschlagen bei Mona und ihrem Lebenspartner. Wobei sie das Wort Partner hasst und von ­ihrem Freund viel lieber als «meinem Mann» spricht – auch wenn die beiden (noch) nicht verheiratet sind. Als Paar wollen sich Mona Vetsch und ihr Mann nicht in den Medien zeigen. «Ich habe mein Privatleben nie öffentlich gemacht. Und er sucht das Rampenlicht nicht», stellt sie klar. Ein Geheimnis um seine Person macht sie allerdings nicht: «Er arbeitet ebenfalls für die DRS-3-Morgen­ sendung – als Produzent.» Zusammen leben die beiden in einer Wohnung im

Zürcher Kreis 6, und wenn Mona berufsbedingt fürs Schweizer Fernsehen auf Reisen ist, erhält er von ihr täglich eine Postkarte. Dass das mit dem Kinderkriegen nun so schnell geht, überrascht Mona aber doch ein wenig. «Der Augenblick, als ich erfuhr: ‹Sie sind schwanger!›, ist mir schon etwas eingefahren», gesteht sie. «Meinem Mann und mir war zwar klar, dass wir Kinder wollen, doch diskutierten wir nie darüber, ob jetzt oder später. Ich denke, unser Baby hat sich den Zeitpunkt selbst gewählt … Und wir nehmen es gerne so an.» Ein Bub? Ein Mädchen? Mona ists egal. «Da lassen wir uns überraschen.» Im SF-People-Magazin «glanz & gloria» scherzte sie: «Ich habe schon gesehen, dass es ein kleines Menschli wird.» Komisch sei es schon, dass sie jetzt alle auf ihre Schwangerschaft ansprechen, findet Mona, «denn ich fühle mich gar nicht so». Viele Gedanken darüber, dass sie bald selbst einen Sohn oder eine Tochter bekommt, macht sich die als Bauerntochter in einem kleinen Dorf aufgewachsene Mona bisher nicht. Natürliche Geburt? Kaiserschnitt? «Auch das überlege ich mir derzeit nicht.» Und wie schauts mit einem Geburtsvorbereitungskurs aus? «Hm, ich werde mir sicher Infos holen, aber ich wälze jetzt keine Bücher zum Thema ­Babys und Elternwerden.» Obwohl, ein Buch mit Namens­ vorschlägen gibts seit Kurzem im Hause Vetsch. Mona: «Wir wollen schliesslich nicht erst im letzten Moment entschei-

den, wie unser Kind heissen soll.» Sogar einige Vorschläge geistern bereits herum. «Die meisten stammen aus unserem Bekannten- und Verwandtenkreis.» Und welche Namen sind im Rennen? «Wir sind uns nur einig, welche auf gar keinen Fall in Frage kommen», sagt sie lachend. «Doch die kann ich natürlich nicht verraten, sonst sind am Ende einige Leute beleidigt.» Bis zum Geburtstermin geniesst Mona ihre Zeit am Mikrofon – und natürlich ihre Schwangerschaft. «Die verläuft absolut problemlos bisher, völlig un­ spektakulär. Ausser der Lust auf Orangen plagen mich auch keine weiteren schwangerschaftsbedingten Essgelüste. Klar weiss ich, dass sich ab Juni vieles in meinem Leben ändern wird.» Nach der Geburt will die beliebte Medienfrau eine Zeit lang zu Hause bleiben. Und irgendwann sicher ihren Job wieder aufnehmen. Ihr Mann unterstützt sie dabei voll und ganz. «Wir haben das Kind ja gemeinsam», sagt Mona. «Erst mal schauen wir aber, was für ein Kind es ist und welche Bedürfnisse es hat.» Gespannt sein darf man auch, wie sich die Familiengründung mit Nachwuchs auf Mona und ihren Freund auswirkt. Hochzeit ist nun mehr denn je ein Thema. Wie sie sich das Ganze vorstellt, weiss sie seit Langem. «Am liebsten ganz in Weiss in der Kirche. Wenn schon, denn schon. Ich bin ja ganz traditionell aufgewachsen und finde den Akt vom Ja-Sagen und Sich-zueinander-Be­kennen eine schöne Sache.» Mindestens genauso schön, wie schon bald morgens vom Baby geweckt zu werden …   schweizer illustrierte

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Interview

ÖV: Bundesrat Moritz Leuenberger interessiert sich auch in Brüssel für das Angebot.

«Die Bahn hat eine Seele» In Brüssel erhält er einen Award für seine nachhaltige Verkehrspolitik: Bundesrat moritz leuenberger zu seiner grossen Liebe, der zweiten Gotthard-Röhre und Michelle Hunziker. Text max fischer Fotos kurt reichenbach

Auf dem Flug von Brüssel nach Bern geniesst Moritz Leuenberger, 62, feine Häppchen, erzählt vom Gespräch mit EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani. Dieser habe ihm zugesichert, dass die EU die 60-Tonnen-Trucks nicht flächendeckend einführe und schon gar nicht Druck auf ein Nichtmitgliedland ausübe. Weiter habe Tajani die nachhaltige Schweizer Verkehrspolitik gelobt und – auch Minister sind nur Menschen – sich sehr angetan gezeigt von der in Italien erfolgreichen Schweizer Moderatorin Michelle Hunziker. Herr Leuenberger, Sie sind grosser Bahn-

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Fan. Doch dieses Gespräch führen wir auf dem Flug von Brüssel nach Bern. Morgen früh ist Bundesratssitzung, da konnte ich nicht die Bahn nehmen. Auch das Flugzeug und das Auto haben je nach Strecke und Zeit ihren Sinn. Aber als Umweltpolitiker … … muss auch ich mich bewegen. Die Mobilität gehört zu meinem Beruf. Sie nimmt in unserer Gesellschaft ständig zu und lässt sich nicht stoppen. Unsere Aufgabe ist es, sie umweltschonend zu gestalten. Wichtig ist aber auch, dass möglichst viele Menschen von einer nachhaltigen Mobilität profitieren können. Deshalb fördern wir in der Schweiz die Bahn so stark.

Für Sie ist die Bahn aber mehr als ein Transportmittel. Die Bahn verbindet Menschen, des­ wegen wird sie von den Schweizern so geliebt und in Abstimmungen unterstützt. Sie kann auch die Menschen in Europa einander näherbringen. Das ist wohl mehr Wunschdenken als Wirklichkeit. Weshalb? Wir stehen kurz vor der Abstimmung über die erweiterte Personenfreizügigkeit mit Rumänien und Bulgarien. Sie werden sehen: Die Stimmbürger werden die Personenfreizügigkeit annehmen. In Krisenzeiten sind die Ängste der ­Menschen grösser, dass ihnen billige Arbeitskräfte den Job wegschnappen. Natürlich reagieren viele sensibler. Das verstehe ich gut. Doch wir dürfen nicht kurzfristig denken. Ebenfalls klar ist, dass wir in der Schweiz ohne die Per­ sonenfreizügigkeit den aktuellen u


Interview Wohlstand nicht hätten. Wirtschaft­ lich geht es uns besser als den Nach­ barländern, was auch auf den freien Personenverkehr zurückzuführen ist. Jetzt, wo alle den Gürtel enger schnallen müssen, werden Sie auch mit Ihren Umweltprojekten auf Granit beissen. Es wäre der grösste Fehler, Umweltan­ liegen zu vernachlässigen. Wir müssen das Gegenteil tun. Gerade die erneuer­ baren Energien sind wirtschaftlich interessant. Wenn wir jetzt in zukunfts­ gerichtete Energien investieren und diese Technologien exportieren ­können, sorgt das für neue Jobs und höhere Erträge. Ein Beispiel ist die Gebäudesanierung. Das ist gut für die Energieeffizienz und damit für den Umweltschutz. Das ganze Sanierungs­ programm schafft Arbeitsplätze und hilft, die Konjunktur anzukurbeln. In Brüssel wurden Sie für Ihre nachhaltige Verkehrspolitik geehrt. Freuen Sie sich? Sehr. Die Verhandlungen mit der EU über die LSVA (Schwerverkehrsabga­ be) waren ausserordentlich hart. Die EU wollte unsere Ideen partout nicht akzeptieren. Wir haben uns aber durch­ gesetzt. Dass heute die EU unser Konzept auszeichnet, gibt mir eine

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Bundesrat Moritz Leuenberger mit SIWirtschaftschef Max Fischer im Gespräch.

Persönlich Geboren in Biel am 21. September 1946 (Jungfrau) u karriere Studium der Rechtswissenschaften; Anwaltsbüro bis 1991; Präsident der SP Zürich; 1979 Wahl in den Nationalrat; 1995 Wahl in den Bundesrat. Vorsteher des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation Uvek u familie Verheiratet mit der Architektin Gret Loewensberg, zwei Söhne u hobby Sein Blog hat Kultstatus: http://moritzleuenberger. blueblog.ch/

gewisse Befriedigung. Hinzu kommt: Auch in der Schweiz selber ist unsere Verkehrspolitik nicht unbestritten. Sie wird immer wieder angegriffen. ­Deshalb tut es gut, wenn wir sagen können: «Schaut, wie uns das Ausland beneidet für das, was wir machen.» Deshalb ist dieser Preis sehr wichtig. Sie erklärten der Bahn Ihre Liebe. Ich sprach aber auch von der Liebe der Bahn zu uns. Sie sprachen von der Seele … … die die Bahnen haben. Das ist so. Die Schweizer haben die Bahn gern. «Mir gehört die Bahn, es ist meine Bahn», finden sie. Die SBB lösen bei vielen heimatliche Gefühle aus, ähnlich wie das Postauto mit seinem Dreiklang und der gelben Farbe. Das müssen wir pflegen, das dürfen wir auf keinen Fall aufs Spiel setzen. Es ist eine Treue zu einem Staatsunternehmen, das Werte wie Zusammenhalt und Zuverlässigkeit, aber auch Innovation und Ingenieurs­ kunst verkörpert. Beim Anblick des Kirchleins von Wassen kommen manchen Leuten fast die Tränen. Aber noch einmal. Wenn Sie nach Brüssel müssen, nehmen Sie das Flugzeug. Wenn Herr Müller zur Arbeit fährt, einkauft und


ins Fitness geht, nimmt er sein Auto. Der ÖV muss immer die bessere Alter­ native sein, das politische Bekenntnis allein macht ihn nicht wettbewerbs­ fähig. Von Zürich nach Bern nimmt kein Bundesrat und kein Manager das Auto. Weil die Reise mit dem Zug schneller, komfortabler und sicherer ist. Mit 183 Gramm hat die Schweiz bei der Neuwagenflotte den höchsten CO2Ausstoss in Europa. Bequemlichkeit geht vor Umweltbewusstsein. Ich setze nie allein aufs Gewissen. Ich glaube nicht an moralische Appelle. Es braucht Vorschriften. Die Weltgemein­ schaft, also die Uno, ist daran, solche zu erlassen. Weil man das bei den Automobilherstellern weiss, reduzieren jetzt alle den CO2-Ausstoss und ent­ wickeln neue und sauberere Wagen. Experten gehen davon aus, dass der Güterverkehr jährlich um 50 Prozent wächst. Wie wollen Sie dieses Problem lösen? Diese Zahl ist zu hoch, wir rechnen mit einer kleineren Zunahme. Sie reicht aber auch schon, um die Strassen bis in ein paar Jahren völlig zu verstopfen. Wir können dieses Wachstum nicht aufhalten, aber wir können es nachhal­ tig gestalten, darauf ist unsere Verlage­ rungspolitik ausgerichtet. Der effizien­ teste Transport ist sicher jener übers Meer. Ich bin der Meinung, dass man von Rotterdam nach Genua möglichst wenig auf dem Land transportieren sollte, sondern alles auf dem Seeweg verschiffen müsste. Allerdings mit viel saubereren Schiffen. Zweite Priorität hat die Bahn. An dritter Stelle kommen

die Lastwagen, die es für die Fein­ verteilung aber auch künftig braucht. Das grösste Hindernis ist der Gotthard. Nur an Ostern oder Pfingsten kommt es dort zu Verstopfungen. Die wahren Probleme sind nicht am Gotthard. Wo denn sonst? Eindeutig in den Agglomerationen. Der Gotthard-Tunnel muss saniert werden. Das wird zu kilometerlangen Staus führen. Wann kommt die zweite Röhre? Ich glaube, nie! Das Schweizer Volk will keine zweite Röhre. Es hat das zum letzten Mal bei der Avanti-Abstimmung deutlich gemacht. Auch unsere Verfas­ sung verbietet eine zweite Röhre. Die Sanierung machen wir auf jeden Fall erst nach der Eröffnung des GotthardBasistunnels. Wie genau wir das dann organisieren, wird zurzeit studiert. Bringen Alleingänge der kleinen Schweiz überhaupt etwas? Ganz sicher für uns selber. Hätten wir die gleichen Verhältnisse wie Öster­ reich oder Frankreich, wären unsere Strassen hoffnungslos mit Lastwagen verstopft. Und der Preis und die An­ erkennung der EU zeigen, dass unsere Verkehrspolitik Modellcharakter hat. In andern Ländern dauert es länger, bis nachhaltige Verkehrskonzepte umge­ setzt sind. Das hängt damit zusammen, dass die Automobilhersteller und die Strassentransporteure politisch mehr Einfluss auf die Regierungen haben. Unsere Verkehrspolitik ist dagegen von Volksabstimmungen geprägt und wird daher immer auch von den Unter­ legenen akzeptiert. 

nachgefragt bei Moritz Leuenberger

«Was erwarten Sie von Obama?» Ich lasse mich vom Enthusiasmus gern anstecken, den er ausgelöst hat. Seine Wahl ist etwas ganz Ausser­ ordentliches. Er ist intellektuell, sensibel, liberal. Dass eine solche Persönlichkeit heute in Amerika eine Mehrheit findet, lässt mich an eine Erneuerung der USA glauben. Was möchten Sie mit ihm diskutieren? Ich glaube nicht, dass er jetzt gerade mit mir eine Diskussion führen möchte. Er hat aber Zeichen gesetzt, die ich für sehr wichtig halte. So hat er den Klima­ schützer und Nobelpreisträger Steven Chu zum Energieminister gemacht. Er will erneuerbare Energien stark fördern, gerade auch um die Konjunk­ tur anzukurbeln. Und in der Klima­

politik wollen die USA keinen Sonder­ weg mehr gehen, sondern sich der Uno-Politik anschliessen. Und Barack Obama ist mit der Bahn zur Inaugura­ tion gefahren. Das alles sind für mich Zeichen der Hoffnung. Ist er der neue Messias? Er wehrt sich ja selber gegen zu hohe Erwartungen. Die Politik lebt nicht nur von Ratio und Argumenten, ­sondern ganz stark auch von Ge­fühlen, auch von der Identifikation mit ­Menschen. Was würden Sie ihm in der Schweiz zeigen? Vielleicht den neuen Gotthard-Basis­ tunnel. Es ist immerhin der längste Bahntunnel der Welt.


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Porträt

Zu Hause längst die Nummer 1 Papa und Superstar! Nach dem Lauberhorn gewinnt didier dÉfago auch in Kitzbühel. Für Töchterchen Alexane ist er sowieso der Grösste.

Text Josef Metzger

Foto Gérard Berthoud, AP/Keystone

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ie Vergangenheit holte Didier Défago, 30, just am Tag des Triumphes bei der Pressekonferenz ein, wo ihn die Moderatorin den Medien als Didier Cuche präsentierte. Ein freudscher Versprecher aus der Macht der Gewohnheit, die bis dato nur den anderen Didier aus der Westschweiz als (Kitzbühel-)Sieger für möglich ge­ halten hatte. Aber Défago trafs nicht, es kostete ihn wie alle anderen nur einen Lacher. «Ich hab mir nie viel aus Rumschweizer illustrierte

mel gemacht», meinte er. «Es hat mich nie gekränkt, sondern höchstens mo­ tiviert, im Schatten anderer Schweizer, ob Cuche oder Kernen oder der jungen Garde, gestanden zu sein.» Mehr beschäftigte den Romand, dass er die Stunde des Triumphes diesmal mit seinen Liebsten auskosten durfte. Ehefrau Sabine und das 15 Monate alte Töchterchen Alexane erlebten im Unterschied zu Wengen in Kitzbühel den grossen Moment ihres Ehemannes und Papas vor Ort mit. «Im April kommt unser zweites Kind zur Welt. Ich freue

mich schon sehr darauf – da gibts dann viel zu tun.» Es dürfte ganz anderer Stress auf den Walliser aus Morgins warten als jener, den er eben als neuer gefeierter Star der Szene erlebt. Und auch die Hobbys werden dann hintanstehen müssen. «Ich gehe sehr gern fischen. Und ich spiele auch leidenschaftlich Golf. Jedoch nur mit Handicap 28, ich habe zu wenig Zeit. Aber für die Konzentration ists ganz wichtig.» Als 30-jähriger Spätzünder erfüllte sich Didier Défago nicht nur den Traum, auf der Streif zu triumphieren. Der


Vertrauen Alexane, 11/2, findet Halt bei Papa Didier – und der tankt bei seinem Töchterchen Kraft zum Siegen. Romand schaffte als erst dritter Schweizer nach Roland Collombin (1974) und Franz Heinzer (1992) den klassischen Wengen-Kitzbühel-Doppelpack. Wie der österreichische Super-G-Premierensieger Klaus Kröll, so hat sich auch Didier Défago vom Platz- und Podestfahrer, der er lange war, im Blitztempo in einen Sieg­ läufer verwandelt. Zu zweit stellten die früheren Statisten der Topstars die Grössen der Szene in den Schatten. Und machten sie selbst zu Komparsen. «Ich habe stets an mich geglaubt – und ich war ja auch oft genug auf dem u


Porträt

Bald zu viert! Ehefrau Sabine und Töchterchen Alexane gratulieren Didier Défago in Kitzbühel Stunden nach dem Rennen zum grossen Sieg. Im April erwarten sie ihr zweites Kind. Podest oder nahe dran», sagt Didier. Aber ehe er vor Wochenfrist am Lauberhorn zuschlug, hatte er nur einmal ganz oben gestanden – 2003 in Gröden (Super-G). Als er in Wengen den ersten Abfahrts­ triumph genoss, war ihm insgeheim auch der Gedanke gekommen: «Hoffentlich dauerts nicht wieder sechs Jahre bis zum nächsten Sieg!» Jetzt hat er binnen sieben Tagen zweimal gewonnen. Und geht damit in die Annalen ein als einer der ganz Grossen, vor dem sich auch Trainingskollege Marco Büchel, KitzbühelSuper-G-Sieger 2008, aus Liechtenstein verneigte: «Würd ich Lauberhorn und

Foto Olivier Evard / L´illustré

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Streif en suite gewinnen, wäre mir die WM in Val d’Isère schnurzegal. Ganz ­ehrlich – auf dieser Piste hätt ich dem Didier das nie zugetraut.» Spät, aber doch noch erfüllte sich damit auch die Prognose des einstigen Schweiz-Cheftrainers Dieter Bartsch, der vor mehr als zehn Jahren vorhergesagt hatte: «Aufgepasst – mit Didier Défago haben wir ein Supertalent, da können sich die Österreicher warm anziehen!» Keine leeren Worte, sondern Fakten. Schliesslich hatte Didier bei der Junioren-WM 1996 Gold im Super-G und Bronze im Riesenslalom gewonnen. Also gezeigt, dass in ihm ein Allrounder

steckt, der allen Sätteln gerecht wird. Binnen einer Woche ist Didier jetzt zum Klassiker geworden. Schon nach seinem Wengen-Triumph war er auf einmal mit einer völlig neuen Situation konfrontiert: «Früher hat mich keiner beachtet – in Kitzbühel haben auf einmal alle auf mich geschaut.» Da habe ihn, so gestand er, auch eine ungewohnte Nervosität gepackt. Er hat sie gemeistert und fährt nun als einer der WM-Mitfavoriten nach Val d’Isère. «Früher hab ich mit einer Medaille spekuliert – jetzt gibt es neue Perspektiven. Ich werde mich aber nicht ­fixieren, es ist sicher nicht meine letzte Weltmeisterschaft.» Didier Défago und seine Schweizer Teamkollegen aber hoffen vor allem aus einem anderen Grund als der Aussicht auf WM-Edelmetall, dass sie den Siegeszug auf den Pisten verlängern. «Das soll Dani Albrecht zusätzlich Power geben, wieder gesund und der Alte zu werden!» Didier Défago hat für sich, Rossignol, die Schweiz, aber auch für das Streif-Sturz­ opfer gewonnen. Und so nicht nur Licht, sondern Glanz ins Elend gebracht. 


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Sexy mit Spitze Spitzenunterwäsche von H & M. Bügel-BH u CHF 22.90, Höschen u CHF 16.90

Züchtig gerüscht Trägeroberteil mit herzigem Rüschendetail von H & M Divided. u CHF 24.90

Gross kariert Mini aus Wolle zum Knöpfen. Von H & M. u CHF 49.90

Dick gestreift Strickmantel aus Merinowolle von Eley Kishimoto. Bei Maud, Zürich. u CHF 360.–

TREND

Schwarz auf Weiss u Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Und kleiden gut. Zum Beispiel die beliebte Farbkombination Schwarz und Weiss. Das Thema wird auch in diesem Frühjahr und Sommer gross­ geschrieben. Gesichtet wurden Over­ size-T-Shirts, Strickjacken, Kostüme à la Chanel, Blusen, frühlingshafte Jupes und Abendroben wie von Yves Saint Laurent, Roberto Cavalli oder Dolce &

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Gabbana. Noch überraschender: Trenchcoats wie bei Escada im ­grafischen Zick-Zack-Print oder der schwarz-weisse Kringel-Pyjama-Look (mit Hose und Trägeroberteil) von D & G. Nicht zu vergessen die passenden Accessoires: Heels aus Lackleder (wie gesehen bei Salvatore Ferragamo oder Sergio Rossi), Taschen und sexy Spitzenunterwäsche. Kristina Köhler

Hochglänzend LackRiemchenpumps, Eley Kishimoto. Bei Maud, Zürich. www.maud.ch u CHF 465.–

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Chavela Zink, Auswahl Marisa Pichler, alles solange Vorrat (Ausverkauf)

Schön nostalgisch Jersey-Kleid im Sixtys-Stil, Jus d’Orange, bei Sud Express, Zürich. u CHF 129.–


Hotspot

Neues Shopping-Paradies In den Mikrokosmos von Daniel Libeskinds Westside Center bei Bern-Brünnen passt Tommy Hilfiger perfekt hinein. Infos www.westside.ch

tommy hilfiger, westside bern

All-American Dream u Die Karriere von Tommy Hilfiger könnte in einem Hollywood-Skript stehen. Mit 17 Jahren kaufte er für 150 Dollar Jeans und verkaufte sie weiter. Sein All-American-College-Stil eroberte daraufhin die Welt. Heute gehört er zu den einflussreichsten amerikanischen Designern. Kein Wunder! Wer träumt nicht von einem Sommer in den Hamptons, einem Brunch an

der Upper East Side oder einem Reitwochenende auf einer Farm in Connecticut. Diese preppy Ostküsten-Welt findet man im neuen Shop im Westside Bern: von College-Shirts über schlichte Etui-Kleider bis zu Parfums – ein amerikanischer Traum! ursula borer

Frühling in den Hamptons Damenparfum Dreaming mit Freesie, Nachthyazinthe und weissem Hibiskus. 50 ml u CHF 74.–

Öffnungszeiten Mo bis Do 9 bis 20 Uhr, Fr 9 bis 22 Uhr und Sa 8 bis 17 Uhr

Rugby spielen im Central Park Gestreiftes Tyre-RugbyShirt, 100 % Baumwolle. u CHF 199.–

Shoppen an der 5th Avenue Gestreifter Basilol-Gürtel, dunkelblau-weiss. u CHF 59.90

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Rolf Edelmann, Inge Zinsli

Reiten in Connecticut Gesteppte GladwinJacke mit WappenLogo. u CHF 349.–

Studieren in Harvard Gestreifter Kapuzenpulli, Raglan-Shirt, Feinstrick, 100 % Baumwolle. u CHF 229.–

Brunchen an der Upper East Side Strickkleid Fiona Dress mit Taschen, 70 % Baumwolle, 30 % Seide. u CHF 299.–

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Mit Sofort-Effekt Rénergie Morpholift R.A.R.E. wirkt wie ein stützendes Netz. Lancôme. u CHF 149.–

Für mehr Elastizität Kurbelt den Reparaturmechanismus an: Youthtopia Serum, Origins. u CHF 90.–

Für Hals & Décolleté Konzentrat mit straffendem Sojaprotein und regenerierender Bierhefe. Strivectin. Import Parfümerie. u CHF 140.–

Für die empfindliche Augenpartie Hält elastisch, frischt auf: Regard de Lumière, Bulgari. u CHF 135.–

Für die Nacht Nacht-Konzentrat Capture R60/80 XP Overnight Recovery soll umweltbedingte Schäden ausgleichen. Dior. u CHF 156.–

Für Haut ab 50 Deckt die speziellen Hautbedürfnisse ab 50. Mit Bioxilift, Hyaluronsäure und UV-Schutz. Nivea. u CHF 29.90

Anti-Age-Pflege

Gegen den Haut-Blues u Sie sind überstanden, die Minusgrade und die Stunden in Savannen-trockener Heizungsluft. Wer besonders darunter gelitten hat? Unsere Haut. Die Zeit ist überreif für effektive, revitalisierende Anti-Age-Produkte. Die zwei wichtigsten Inhaltsstoffe bei diesen sind Oligopeptide (Bestandteile von Enzymen), die die hauteigenen Reparaturmechanismen anregen, sowie der

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Feuchtigkeitsspeicher Hyaluronsäure, womit die Haut von innen her aufgepolstert wird. Beides ist zum Beispiel in der neuen Pflege von Nivea Expert Lift zu finden, eine Produkteserie für die Zeit in der Menopause. Ein Muss dazu: ein guter UV-Filter, der vor neuen lichtbedingten Schäden schützt. Kombiniert werden Anti-Age-Wirkung und SPF zum Beispiel bei Vichy. Kristina Köhler

Mit UV-Schutz Liftactiv CxP UV mit Liftingeffekt schützt vor UV-Licht. Vichy. u CHF 42.90

Für die Lippen Auf der Basis von Himbeer-Extrakt pflegt der Balm trockene Lippen und glättet Konturenfältchen. Clarins. u CHF 59.–

21-Tage-Kur Cure Perle de Jeunesse ist eine revitalisierende Kur für drei Wochen, die exfoliert, festigt und befeuchtet. Carita. u CHF 434.–

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Paul Seewer

shopping

Beauty


1 Robuster Knipser

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Electronics

Winziger filmstar u Kleiner als der Pure Flip MinoHD ist kein High-Definition-Camcorder. Die Videokamera ist zudem so hübsch, dass sie auch in den Handtaschen von Hollywood-Stars wie Sharon Stone oder Pamela Anderson zu finden ist. Die internen 4-Gigabyte-Speicher erlauben es, 60 Minuten hochauflösendes Video mit 1280 × 72O Pixeln aufzuzeichnen. Trotz der geringen Grösse des Geräts gibts selbst bei schwierigen Lichtverhältnissen gute Resultate. Dank dem eingebauten USB-Stecker lässt sich das Filmmaterial bequem und ohne Kabel auf den Computer überspielen. www.digitec.ch sg

2

Filmreif Der Pure Flip MinoHD ist zurzeit der kleinste hochauflösende Camcorder. u CHF 295.–

u Diese digitale

Fotokamera von Olympus ist der perfekte Begleiter. Die µ Tough 6000 ist stossfest bis zu einer Höhe von 1,5 Metern, wasserdicht bis zu einer Tiefe von 3 Metern und frostsicher bis –10 Grad. Damit eignet sie sich sowohl für den Strandurlaub als auch für die Skipiste. Die Kamera hat eine maximale Auflösung von 10 Megapixeln und ein 3,6-fach-Zoom-Objektiv mit Brennweiten von 28 bis 102 mm. Damit man keinen Schnappschuss verpasst, gibts einen Auto-Modus, der die fünf häufigsten Fotosituationen erkennt und Aufnahmeeinstellungen automatisch optimiert. www.olympus.ch Stephan Gubler Hart im Nehmen Olympus µ Tough 6000 ist vor Stössen, Wasser und Frost geschützt. u CHF 499.–

Schöner Schössling u Elegant und leistungsfähig präsentiert sich Dells neustes Notebook. Das Studio XPS 16 kommt in edlem Design mit Lederapplikationen, eloxiertem Aluminium und einer hochglänzenden, schwarzen Oberfläche. Speziell fürs Betrachten von Fotos und Videos eignet sich der 16-Zoll-Bildschirm im 16:9-Kinoformat. Dieser kann sogar hochauflösende Filme wiedergeben. Für Sound ist mit 7-WattDolby-5.1-Audio inklusive Subwoofer gesorgt. Auch für Videogames ist mit der Grafikkarte ATI Mobility Radeon HD 3670 bestens gesorgt. Erhältlich unter www.dell.ch/xps sg

Bildschön Notebook Studio XPS 16 von Dell mit einem 16-Zoll-Full-HD-Bildschirm. u ca. CHF 1499.–

uhr der woche

steckbrief

Farbtupfer für trübe tage u Der neuste Chrono der Designermarke Xemex

verdankt seinen Namen Samba dem temperamentvollen Tanz aus Lateinamerika. Mit ihrem orangefarbenen Kautschuk-Armband und den drei ebenfalls orangen Chronografen-Totalisatoren von Stunden, Minuten und Sekunden ist die vom Zürcher Designer Ruedi Külling gestaltete Sportuhr ein Gute-Laune-Begleiter. Die Gehäusegrösse mit 44 mm Durchmesser und raffiniert versenkter Krone sowie die äusserst beweglichen Bandanstösse sind typische Merkmale von Xemex. Auch die übersichtliche Gestaltung mit roter Tachymeter-Skala gefällt. sarah rieder

Blickfang Der neue Chrono XE 5000 Samba von Xemex. u CHF 3990.–

Werk Automatikwerk ETA Valjoux 7750 Gehäuse Edelstahl, Saphirglas, verschraubter Boden mit Sichtfenster, wasserdicht bis 50 Meter Armband Oranges Kau­tschukband, Sicherheitsfaltschliesse Varianten Schwarzes Kautschukband Wer trägt sie? Sportliche Jungs Bezugsquelle Tel. 044 822 04 01, www.xemex.ch schweizer illustrierte

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1 Mit Weitsicht Macht Lust auf Frühling: Peep-ToePumps von Geox. u CHF 180.– 2 Gibt Einblick Modell Red Hot von Calida, www.calida.ch, BH u CHF 44.90 Panty u CHF 22.90 3 Verschafft Durchblick Brille Eugen von Götti. www.gotti.ch u CHF 436.– 4 Für entspannte Sicht Schaumbad Schneekugel Esthetic bei Migros. 340 ml u CHF 8.90 5 Mit Voraussicht Time Zone Line & Wrinkle Reducing Moisturizer SPF 15 von Estée Lauder. 30 ml u CHF 70.– 6 Karriere-Blick Laptoptasche von Coccinelle. www.coccinelle.com u ca. CHF 560.– 7 Zukunftsvision Für Mini-Designerinnen: Buch von Pia Pepita: «Ich entwerfe meine eigene Mode». www.moses-verlag.de u ca. CHF 18.– 8 Kennerblick Espresso-Maschine Francis Francis X7 mit Iperespresso-Kapsel von Amici. www.amici.ch u CHF 399.–

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Oliver Weisbrod, 34, CEO Weisbrod und Hausmann, www.weisbrod.ch

experten-fragen

Seide mit Echtgold ist cool

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u Was gibts Neues im Bereich Seide?

andere nicht waschbare Stoffe.

Bio-Seide ist ein grosses Thema. Und Seide mit Echtgold-Fäden, so wie wir sie für unsere Krawatten verwenden. Interessant ist Cocoontec, ein speziell für Seide entwickeltes, Schmutz abweisendes Ausrüstungsverfahren. Es ist unsichtbar und hat hohe Ölabweisungswerte. Super geeignet für Abendkleider, Krawatten,

u Wo liegt die Zukunft der Seidenweberei?

schweizer illustrierte

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Die Schweizer Textilindustrie muss auf allen aktuellen Zukunftsfeldern top sein: in Design, Qualität, Nachhaltigkeit, Gesundheit, Funktionalität und Technik. u Worauf sind Sie als Familien-Unternehmen stolz? Wir sind die letzte Schweizer Seidenweberei, die noch Krawattenstoffe

herstellt und den Schwerpunkt auf Seide hat. Wir verkaufen etwa 110 000 Meter reine Seide pro Jahr. u Ihre grossen Märkte respektive Kunden? Deutschland mit Sahco-Hesslein und Hugo Boss, dann USA, Japan, China. u Wie pflegt man Seide? Ausser der waschbaren Seide lässt man sie am besten schonend reinigen. Beatrice Schönhaus

© Fotostudio Schweizer Illustrierte Chavela Zink

shopping

neu


Das Gesundheitsmagazin

top fit

 Gynäkomastie  Ursachen  Therapie  Die Operation  Check-up  Microsuction

Jack Nicholson, 71, teilt das Problem mit fast jedem zweiten Senior. Ursache: die Umwandlung von Androgenen in Östrogene plus zu viel Fett.

Foto Dukas

So werden Männer ihre Brüste los Vor allem pubertierende Jugendliche und ältere Männer leiden unter der wabbelnden Oberweite.

schweizer illustrierte

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top fit

GYNÄKOMASTIE

Der Weg zur Heldenbrust Mann spricht nicht darüber. Männerbrüste sind eines der letzten Tabus. Dabei sind Kerle mit Körbchengrösse A gar nicht so selten. Mit einem kleinen Eingriff ist das Problem gelöst.

Text VERENA THURNER

u Vorher Seit der Pubertät litt dieser 55-jährige Mann an vergrösserten Brustdrüsen. Auch intensives sport­ liches Training veränderte nichts.

u Nachher Durch

einen Schnitt am unteren Rand des Brustwarzen­ vorhofes wurde das Drüsengewebe entfernt und das Fett abgesaugt.

Fotos Dick Vredenbregt

M

änner lieben Brüste. Schöne, grosse, pralle. Allerdings nur an Frauen. Männerbrüste sind noch immer ein Tabu. Die meisten leiden gewaltig unter der schwellenden Pracht. Internet-Foren sind voll von Hilfeschreien: «Ich finde meine Brüste peinlich, traue mich nicht ins Schwimmbad. Wie bekomme ich sie weg?» Oder: «Meine Brüste sind gravierend. Schätze ein A-Körbchen bei Frauen! Wenn ich mich im Spiegel von der Seite sehe, schrecklich!» Weder der Pirelli um den Bauch noch das Doppelkinn kratzen so am männlichen Selbstbewusstsein wie die ungewöhnlichen Formen beim Décolleté. Das Problem hat einen Namen: Gynäkomastie lautet der medizinische Begriff dafür. «Unter einer Gynäkomastie verstehen wir eine gutartige, einoder beidseitige Vergrösserung der männlichen Brustdrüse. Sie ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, das auf eine hormonelle Störung hinweist. Von dieser echten Gynäkomastie unterscheidet man die Pseudogynäkomastie oder Lipomastie. Das ist eine Vergrösserung der Brust durch Fett», erklärt Dr. Christophe Christ, Facharzt FMH für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Zürich. Die Ursachen können physiologischer oder


pathologischer Natur sein. Als Erstes wird denn auch vom Patienten ein Hormonstatus erstellt, um pathologische Ursachen, also Systemerkrankungen, auszuschliessen. Das kann ein Gendefekt sein, bei dem die betroffenen Männer ein zusätzliches weibliches X-Chromosom aufweisen. «Oder eine Androgenresistenz. Dabei haben die männlichen Hormone keine Wirkung an den Zielorganen. Die weiblichen Hormone überwiegen. Und bei einem ausgewiesenen Androgenmangel wird nicht mehr genügend ­Testosteron produziert», sagt Dr. Christ. Ein Androgenmangel kann durch eine Hodenentzündung, verursacht durch Masern oder Tuberkulose, durch Hodentumore, -­verletzungen, Kastration oder Operationen bedingt sein. Auch eine Leberzirrhose, Alkoholmissbrauch, eine eingeschränkte Nierenfunktion oder ­Medikamente können für eine Gynäkomastie verantwortlich sein. Bei den physiologischen Veränderungen unterscheidet Dr. Christophe Christ zwischen einer Neugeborenen-, Pubertäts- und Altersgynäkomastie. «Die Brustbildung bei Neugeborenen wird durch die weiblichen Hormone der

Dr. Christophe Christ ist Facharzt FMH für Plastische und Ästhetische Chirurgie mit eigener Praxis in Zürich.

«Gynäkomastie ist keine Krankheit, sondern ein Symptom für eine hormonelle Störung» Mutter ausgelöst. Nach der Stillphase bildet sich die Gynäkomastie zurück. Auch während der Pubertät kann es zu einer Vergrösserung des Drüsenkörpers kommen. Meist verschwindet auch diese nach Abschluss der Pubertät», sagt der plastische Chirurg. Doch viele Männer mit Busenwuchs haben sich ihre ungewollten Rundungen schlicht angefuttert. Vor allem Senioren leiden unter einer wabbelnden Oberweite. «Die zunehmende Fettmasse erhöht die Umwandlung von Androgenen in Östrogene.

Zusätzlich nimmt die Bildung des männlichen Hormons im Hoden im Alter ab», gibt Dr. Christ zu bedenken. Häufig ist die Gynäkomastie eine Kombination von hormoneller Dysbalance und Lipomastie, einer Vergrössung durch Fett. Bei der chirurgischen Therapie bringt denn auch die Kombination von Fettabsaugen und operativer Entfernung des vergrösserten Brustdrüsengewebes die besten Resultate. «Durch einen Hautschnitt am unteren Rand des Brustwarzenvorhofes wird das Drüsengewebe direkt unter Sicht entfernt und anschliessend das überschüssige Fett mit dünnen Kanülen abgesaugt», erklärt Dr. Christ. Der Eingriff dauert ein bis zwei Stunden und wird meist ambulant in Teil- oder Vollnarkose durchgeführt. Eine Kompressionsweste, die drei bis vier Wochen getragen werden sollte, und Lymphdrainage-Therapien versprechen ein optimales Resultat. Und das Ganze kostet pauschal je nach Aufwand bis 12 000 Franken. Selbst bei einer Erkrankung als Ursache der Gynäkomastie oder auch bei adipösen Patienten, die stark abgenommen haben, übernehmen die Kassen die Kosten eher selten. 


Neuer Trend aus den USA Microsuction als Weekend-Facelift. Prof. Roland Böni ist Spezialist für Liposuction am White House Center in Zürich.

Text VERENA THURNER

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b 30 beginnt es: Die Haut wird langsam schlaff. Nicht drama­ tisch, aber die ersten Alterser­ scheinungen künden sich an. «Die nach­ lassende Kollagenproduktion bewirkt, dass die Gesichtshaut erschlafft. Zusätz­ lich kommt es zu einer Umverteilung des Fettgewebes. Resultat: unerwünschte Hängewangen und Doppelkinn», sagt Prof. Roland Böni, Spezialist für Lipo­ suction am White House Center in Zü­ rich. Bisher half gegen die absackenden Gesichtspartien häufig nur ein Facelift. Mit 15 000 bis 20 000 Franken eine kost­

spielige Sache. Die Antwort aus den USA ist die sogenannte Microsuction. Eine Behandlungsmethode, die ambulant, in lokaler Betäubung und mit nur ein bis zwei Tagen Auszeit durchgeführt wird. «Microsuction ist momentan in den USA der häufigste Eingriff im Schönheits­ bereich», erklärt Prof. Böni. Bei der Microsuction können so­ wohl Fettpölsterchen abgesaugt als auch Fett gegen Volumenverlust eingespritzt werden. «Mit den kurzen, extrem dün­ nen Absaugnadeln, werden kleinste Pölsterchen präzise entfernt», erklärt

u Fett

weg Sichtbare Verjüngung dank Microsuction an Kinn und Hals.

der Facharzt. «Durch die Reizung des subkutanen Fett- und Bindegewebes findet gleichzeitig eine Straffung der Haut statt.» In derselben Behandlung kann der Arzt einen Fetttransfer in ein­ gefallene Gesichtszonen vornehmen. Das körpereigene Material baut sich langsam innerhalb von einem bis zwei Jahren ab. In dieser Zeit kann ohne Probleme nachgespritzt werden. Eine Behandlung kommt auf 3500 bis 5000 Franken zu stehen. Aber nicht nur im Gesicht be­ währt sich die Methode. Sie lässt sich auch an andern kleineren Körperstellen anwenden, etwa am Hals oder an den Knien. Wegen der kurzen Erholungszeit wird Microsuction in den USA bereits als «Weekend-Facelift» gehandelt. 

u Fett dazu Volumenkorrektur an den Wangen durch Eigenfett-Transfer.

Fotos Dick Vredenbregt, White House Center

top fit

MICROSUCTION


Das Schweizer Kulturmagazin

die besten

Celtic Folk Band an lÁr

Lupfige Melancholiker

Foto Pesche Mosimann

An Lár ziehen durch Musikklubs und heizen dem Publikum mit ihrem Swiss Celtic Folk ein. Nun erscheint mit «Yarn» die vierte CD der Berner Band. u An Lár kamen zur irischen Musik wie die Jungfrau zum Kind – nicht unbefleckt oder unschuldig. Eher unverhofft. Am Anfang war die Flöte. Jüre, für NichtBerner Jürg Frey, kaufte sich vor Jahren bei seinem ersten Irlandbesuch eine «tin wistle», weil ihm der flirrende Ton der

kleinen, metallischen Flöte so gut gefiel. Dävu alias David Brühlmann bekam als Rocksänger immer wieder zu hören, dass seine Stimme «irgendwie irisch» klinge. Stefanie Aeschlimann, die seit Kindertagen klassische Geige spielt, begegnete ihrem Instrument in den Pubs von Irland dank dem «fägigen» Celtic Folk auf ganz neue Weise. Und Matteo Hofer sprang für ein Konzert als Ersatz für ein schwangeres Bandmitglied ein – und blieb. Ein Quartett aus Bernern. Nicht grad die ideale Besetzung für den fetzigen Sound aus Irlands Pubs? Ha, weit gefehlt! u

Vielfältig Jüre, Dävu, Matteo und Stefanie (v. l.) von An Lár. In dieser WG in Wabern probt die Band regelmässig. schweizer illustrierte

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Kultur

die besten

Verblendung «Trash and Roses» aus der Serie «Art is the better Life», 2002, von Urs Lüthi: Unter den Rosen steckt tief der Müll.

Fetzige Melodien und vertrackte Rhythmen: An Lár mit ihrem Swiss Celtic Folk.

Die vier Musiker aus dem «gemütlichsten Kanton der Schweiz» strafen diese Vorurteile gekonnt Lügen. Nicht nur, dass sie zwischen Fiddle, Bodhran, Knopfakkordeon, Whistles, Konzertina, Gitarre und Mandola flink hin- und herwechseln. Sie fügen dem Sound des Irish Folk auch ihre eigenen musikalischen Wurzeln hinzu. «Swiss Celtic Folk», nennt das Jüre, der viele Songs komponiert und arrangiert. Das erste Konzert gaben An Lár, was im Irisch-Gälischen so viel heisst wie «ins Zentrum», 1998. Seither hat sich viel getan. Die ehemals siebenköpfige Band ist auf vier Mitglieder geschrumpft, das lässt die einzelnen Instrumente besser zur Geltung kommen. Jährlich über 30 Konzerte, vier CD-Einspielungen, der Austausch an Festivals, Konzerten oder vor Ort in den irischen Pubs … Auf die neue CD ist die Band darum besonders stolz. Dävu, Texter von An Lár und eine waschechte Landratte, schreibt gern Seemannslieder. So kam die neue CD zu ihrem Namen «Yarn», was auf Englisch Seemannsgarn heisst. Und was aussieht wie eine Nähmaschine (l.), ist ein Barograf, der die aktuelle Wetterlage auf See mittels Luftdruckmessung ermittelt. An Lár zum Vierten Die neue CD, «Yarn». Irische Folkmusik pendelt ständig zwischen Melancholie und Fröhlichkeit hin und her. Jüre, Dävu, Stefanie und Matteo sind seit Jahren davon fasziniert. Und dank der Begeisterung, mit der die vier diese Musik auf die Schweizer Bühnen bringen, treffen An Lár genau dorthin, wohin sie wollen – ins Zentrum. u

anina rether

cd-taufe 31. 1. «Bären», Münchenbuchsee, 21 Uhr, www.anlar.ch Hören Sie schon jetzt zwei Stücke des neuen Albums von An Lár und gewinnen Sie eine von 5 signierten CDs. Jetzt auf www.schweizer-illustrierte.ch

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schweizer illustrierte

urs Lüthi: grosse retrospektive in luzern

Selbstdarsteller und Inszenator u Ein schöner Rosenstrauss. Die orange-

gelben Blüten lassen an zarte Düfte denken. Ein wohliges Gefühl stellt sich beim Betrachter ein. Doch aufgepasst: Der Luzerner Urs Lüthi, 61, liebt zwar die Ästhetik, doch hinter der schönen Fassade versteckt der Künstler gerne Tiefgründigeres. So auch im Bild «Trash and Roses», 2002 (oben). Beim genaueren Hinschauen entdeckt man unter den zarten Rosenblättern allerlei Müll. Urs Lüthi, in Kriens geboren, lebt und arbeitet in München. Er gehört zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern der Gegenwart. Die Retrospektive «Urs

Melancholisch «Trademark – Urs Lüthi weint auch für Sie», 1970/2001. Selbstbildnis mit Schlangenanzug.

Lüthi. Art is the better Life» bietet den bisher umfassendsten Überblick über sein Schaffen. Mit 19 Jahren avanciert Lüthi zum Shootingstar. Seine inszenierten Selbstporträts als androgyner Jüngling, als weiblicher Vamp oder melancholischer Dandy sind der Zeit weit voraus. «Urs Lüthi weint auch für Sie» (l.) aus der gleichen Serie wird zur Ikone der Fotografie. Auf der Biennale Venedig 2001 bespielt der Luzerner den Schweizer Pavillon. Urs Lüthi ist aber auch ein begnadeter Zeichner, Grafiker, Maler und Bildhauer. Ebenfalls hervorgetan hat sich der Künstler als Erzähler und Inszenator von grossen Geschichten und kleinen Gefühlen.  Kati Moser kunstmuseum LUZERN Ab 7. 2. bis 10. 5. Di–So 10–17, Mi bis 20 Uhr, Tel. 041 226 78 00, www.kunstmuseumluzern.ch


joerg Maxzin

Filigran

Tanz «the best of parsons dance»

u Der grosse Nebel löst die Konturen der zarten Figuren

auf. Die schwarzen Gestalten mit den bunten Schirmen kommen aus dem Nichts und gehen zielstrebig auf den Betrachter zu. Alles Täuschung. Die Figuren sind vom Augsburger Bildhauer und Fotografen Joerg Maxzin, 44, erschaffen und im Raum aufgestellt worden. Durch die bewusste Wahl der Unschärfe zaubert der Deutsche mit seinem Fotoapparat atmosphärisch Regnerisch «Umbrellas V», 2008, dichte und sehr poetische Bilder hervor.  km Fotografie von Joerg Maxzin.

Modern Dance vom Feinsten

u Tanzfreunde, aufgepasst! Eine der erfolgreichsten Tanzgruppen weltweit ist für einen Abend im Musicaltheater Basel zu sehen. David Parson, ehemaliger Solotänzer des legendären amerikanischen Choreografen Paul Taylor, begeistert mit seinem Programm «The Best of Parsons Dance» das Publikum mit unbändiger Tanzfreude und Lebenslust. Zu was der menschliche Körper fähig ist? Wers nicht gesehen hat, wirds nicht glauben. Der (erneute) Vorsatz, seinen Körper durch Fitness und Ausdauer zu stählen, wird nach diesem Abend unvermeidlich aufkommen. rea

lumas Zürich Bis 3. 3. Mo–Fr 10–19, Sa bis 18 Uhr, Tel. 043 - 268 03 30, www.lumas.ch matthias zinn

Reduziert

u Die eigenständige Kompositionstechnik von Mat­thias

Zinn, 44, zeichnet sich durch eine reduzierte und gleichzeitig verdichtete Sprache aus. Die Motive holt sich der Deutsche aus seinem unmittelbaren Umfeld. Er tritt unvoreingenommen auf Dinge, Situa­tionen und Räume zu und versucht diese in Malerei umzusetzen. Parallel zu den Gemälden entstehen kraftvolle Zeichnungen, die in einem dauernden Verschneit «Barriere», 2008, des Dialog zu den Bildern stehen.  km deutschen Künstlers Matthias Zinn.

Musical theater Basel 11. 2. 20 Uhr, Tickets bei Ticketcorner oder Tel. 0900 800 800 (CHF 1.19/Min.), www.musical theaterbasel.ch, www.parsonsdance.org

galerie mai 36 Zürich Bis 21. 2. Di–Fr 11–18.30, Sa bis 16 Uhr, Tel. 044 - 261 68 80, www.mai36.com julius Bissier

u «Ein Bild soll sein wie ein Zeichen, knapp, einfach, wahr, hart wie die Natur …», behauptete Julius Bissier (1893–1965). Die Ausstellung zeigt den Deutschen als einen der bedeutendsten Grenzgänger zwischen Abstraktion und Realismus, wie man sie in der klassischen Moderne selten findet. Anhand von 120 Exponaten lässt sich Bissiers Weg «auf der Suche nach dem Verhältnis zwischen Geist und Materie» an- Abstrahiert «Monti», 1960, Eiöltemschaulich nachvollziehen. km pera auf Baumwolle, Julius Bissier.

© Lois Greenfield

Transparent

Unbändige Lust auf Bewegung. Die Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles Parsons Dance.

museum liner Appenzell AI Bis 15. 2. Di–Sa 14–17, So ab 11 Uhr, Tel. 071 - 788 18 00, www.museumliner.ch, Publikation (Hatje Cantz) CHF 66.90

Pierre ardouvin

Technik versus Natur

u Der französische Installationskünstler Pierre Ardouvin, 53, setzt sich in seinem Schaffen immer wieder mit dem Kampf zwischen Natur und Technik auseinander. In seiner aktuellen Ausstellung La fin du monde zeigt er unweit von Genf mit Arrangements wie «Crème brûlée» (links), aus welchem Stoff Albträume sind: Wehe uns, wenn die Natur zurückschlägt ... Die Installation ist eine Referenz an «Frogs», einen Horrorstreifen aus dem Jahre 1972. Die spärlich beleuchteten Räume der Jugendstilvilla tragen ihren Teil dazu bei, dass sich Besucher fühlen, wie wenn sie einen Filmset des amerikanischen Regisseurs David Lynch betreten hätten. anina Rether

Froschperspektive à la Ardouvin. «Crème brûlée» (Ausschnitt).

villa du parc Annemasse (F) Bis 21. 2. Di–Sa 14–18.30 Uhr, Eintritt frei, Tel. 0033 (0)4 5038 84 61, www.villaduparc.com

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Film

T 88ipp 888

die besten

Joker Jamal (Dev Patel) schwitzt im Millionen-Quiz. Hilft der Telefon-Joker?

Das Millionen-Quiz für die Liebe In Slumdog Millionaire kämpft ein Underdog in Indien um einen Platz an der Sonne. Garantiert bestes Kino. Oscar-verdächtig. entscheiden, ob Jamal am Abend in der Show die letzte, die 20-MillionenRupien-Frage beantworten darf oder als Gauner im Gefängnis bleibt. Also noch einmal: «Wer hat dir die richtigen Antworten zugeflüstert?» Jamal bleibt hart: «Ich habe sie gewusst.» Skeptisch schaut sich der Polizist mit Jamal erneut die Sendung vom Vorabend an und verlangt vom Jüngling zu jeder Frage eine ausführliche Erklärung. Was der Polizist zu hören und wir im Kino zu sehen bekommen, ist so himmeltraurig, dass es nicht erfunden sein kann. Als Knabe muss Jamal mit ansehen, wie seine muslimische Mutter gelyncht wird. Mit seinem Bruder schlägt er sich durchs Leben. Da helfen nur

STARKEs AUSWÄRTSSPIEL

Danny Boyle Regisseur.

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schweizer illustrierte

«Ich denke, ich bin besser in Heimspielen – das ist meine Lehre aus ‹The Beach›», sagt Regisseur Danny Boyle. Der Film mit DiCaprio in Thailand war tatsächlich verunglückt im Gegensatz zu «Trainspotting» und «Shallow Grave», die der Brite in der Heimat drehte. Doch Vorsätze sind da, um sie über Bord zu werfen. Denn «Slumdog Millionaire», den der Ausnahmeregisseur Danny Boyle in der indischen Millionenstadt Mumbai mit einheimischen Schauspielern und Laien drehte, wird wohl der Film seines Lebens werden. Vier Golden Globes sind ihm schon sicher, der Oscar winkt.

Liebe Für Jamal geht es nicht ums Geld. Er will Latika (Freida Pinto) für immer. Gewitztheit, Mut und schnelles Lernen. Das Mädchen Latika ist bald die Dritte im Bunde. Aber gestrandete Kinder sind für Bettlerorganisationen in Indien genau das richtige Menschenmaterial. Für Jamal wird die Quiz-Sendung die letzte Chance, seine verlorene, grosse Liebe Latika wiederzufinden. Danny Boyles Film ist einfach gestrickt, hat aber einen kaum zu überbietenden Zug. Liebe, Spannung, Bruderzwist und viel Dramatik. Garantiert bestes Kino. «Slumdog Millionaire» ist übrigens die Verfilmung des Bestsellers «Rupien! Rupien!» von Vikas Swarup. Thomas Küng SLUMDOG MILLIONAIRE, USA/GB 2008, V: Pathé Films, L: 120 Min., R: Danny Boyle, D: Dev Patel, Anil Kapoor, Irrfan Khan, Madhur Mittal, Freida Pinto. Jetzt im Kino.

Foto RDB

u «Wer wird Millionär?» ist eine denkbar einfache Show und doch immer wieder spannend. So spannend wie in Danny Boyles Film «Slumdog Millionaire» war die Show jedoch noch nie. Denn auf dem heissen Stuhl sitzt einer, der ­eigentlich gar nicht über die ersten Fragen hinauskommen kann: Jamal (Dev Patel) ist Waise, ohne Bildung, mausarm und schlägt sich als ­Halbkrimineller durchs Leben in Mumbai. Wie hat es einer wie er überhaupt in die Show geschafft? Das fragt ihn auch der prügelnde Polizist in der Zelle. Denn Jamal hat – bis die Hupe die Sendung für 24 Stunden unterbrach – alle Fragen richtig beantwortet. Der Polizist muss nun darüber


bücher & cds

Nichts ist so, wie es zu sein scheint …

Daniel Kehlmann ist ein literarischer Zauberer. Auch jetzt zieht er viele Überraschungen aus dem Zylinder.

Subtil, witzig, geistreich: Autor Daniel Kehlmann. u Miguel Auristos Blancos ist fleischgewordener Ruhm. Der Schriftsteller aus Brasilien wird von seinen Lesern verehrt wie ein Heilsbringer, auch wenn dessen Bücher so einfältige Titel wie «Frag den Kosmos, er wird sprechen» tragen. Das Studium des Buddhismus, die Exerzitien mit Pfeil und Bogen und sein Personal Trainer haben das Charisma des Mittsechzigers reifen lassen. Um Unsterblichkeit zu erlangen und seinem Ruhm zu titanenhafter Grösse zu verhelfen, müsste er sich nur noch in einem Akt von Weltschmerz das Leben

drei neue cds

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pop/rock jamie foxx Intuition (Sony Music)

«Ich wollte immer Musiker werden», sagt der Schauspieler, der in seiner Rolle als Ray Charles einen Oscar holte. Auf seiner vierten CD hat der 41-Jährige die Grössten um sich geschart: Timbaland, Kanye West, Tricky, Ne-Yo, T. I., Lil Wayne und andere. Sein beschwingter Sound zwischen HipHop, Soul, R & B ist cool. elias fröhlich

nehmen. Aber tief in seinem Innern ist Miguel nichts als ein Hochstapler, der schlechte Bücher schreibt und dies insgeheim auch selber weiss. Allein diese eine von neun Episoden in Daniel Kehlmanns neuem Roman «Ruhm» wäre schon eine Eloge wert, wird doch der Selbstdarstellungskünstler Paulo Coelho so treffend persifliert. Daniel Kehlmann hat den Titel seines neuen Werkes ganz bewusst gewählt, schliesslich wurden von seinem letzten Roman 1,5 Millionen Exemplare ver­kauft. Seit im Jahr 2005 «Die Vermessung der Welt» kometenhaft die Bestsellerlisten stürmte, war klar, dass nun die literaturkritische Messlatte hoch liegen würde. Der 34-Jährige hat diese Hürde mit Eleganz und Witz gemeistert. Sein kleines Geschichtenlabyrinth erinnert an Robert Altmans filmisches Meisterwerk «Short Cuts». Kunstvoll verknüpft der in Wien lebende Schriftsteller die Episoden, wechselt nach Belieben die erzählerische Tonlage und Perspektive. Es tritt unter anderem ein Techniker auf, der der Technik misstraut, oder ein Filmstar, der vor dem Ruhm flieht. Es ist eben nichts so, wie es scheint. Peter M. Hetzel

daniel kehlmann Ruhm (rowohlt)

2

jazz klaus paier & asja valcic À deux (Act)

Monk, Jarrett und Mingus sind die wichtigsten Inspirationsquellen des deutschen Akkordeonisten und Bandoneonspielers Klaus Paier. Die Cellistin Asja Valcic machte in der Klassik internationale Karriere, bevor sie zum Jazz kam. Gemeinsam entwickeln sie traumtänzerisch schöne Dialoge. hanspeter vetsch

luftig die pappen­ heimer Jörg Hilbert (terzio), ab 8 Jahren u Pappenheim ist eine Stadt aus Karton. Die Bewohner sind flach, knistern und rascheln, besonders die aus Geschenkpapier. Ihr Zuhause ist bedroht von Regen und Sturm. Aber es naht Hilfe in Person von Florentine und Quintus, die helfen, ein trockenes Plätzchen zu finden. fantastisch die mes­ serkönigin Neil Gaiman (Lübbe Audio) u Ein Zauberer lässt eine Frau für immer verschwinden, ein Killer beschwört den Weltuntergang, ein Junge entdeckt beim Picknick ein Einhorn – für Geschichten aus Fantasia ist Neil Gaiman berühmt. Nun inszeniert der Produzent und Sprecher Oliver Rohrbeck diese Storys als Hörvergnügen. FInster Das letzte experiment Philip Kerr (Wunderlich) u Das Argentinien der Nachkriegsära war ein Tummelplatz für NaziVerbrecher. Auch Bernie Gunther flieht auf dem Wasserweg nach Buenos Aires. Obwohl er eine weisse Weste hat, wird der Berliner Privatdetektiv zum Spielball der peronistischen Junta. tragisch wie ich mich einmal in alles ... Stefan M. Block (DuMont) u Seth möchte als Forscher ein Heilmittel gegen Alzheimer entdecken. Für seine Mutter kommt jedoch   jede Hilfe zu spät. Wie man ein ernstes Thema unterhaltsam und mit guten Infos aufbereitet, beweist dieses Debüt.

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Klassik Elina garanca Bel Canto (DG)

Donizetti und Bellini sind   die ohrwurmträchtigen   Belcanto-Spezialisten, besonders für Mezzosopranistinnen. Elina Garanca, eben entdeckt und schon Weltstar, suchte sich die betörendsten Arien davon aus. Passend zu ihrer samtenen Stimme, ihrem grossen Atem und der glühenden Gestaltungskraft. uli von erlach schweizer illustrierte

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hitparade

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 66

Herzschmerz

 Für den Abend zu zweit

Lach-Garantie

Für Kinder

DVD

Kino

CD Single

Hat urplötzlich einen Killer auf dem Hals: AccountManager James McAvoy.

Lady Sarah (Nicole Kidman) mit dem Viehtreiber Drover (Hugh Jackman).

Sagt und singt ihrem Das neue Bligg-Album liefert Lodert weiter: «Das Feyr vo Bräutigam im Video gehörig eine gelungene Liaison dr Sehnsucht» sorgt immer die Meinung: Katy Perry. von Hackbrett und Rap. noch für heisse Ohren.

(1) Wanted Regie: T. Bekmambetow. Mit M. Freeman, J. McAvoy, A. Jolie. UP-Video Leg dich nicht mit Zohan an Regie: Dennis Dugan. Mit A. Sandler, J. Turturro. Sony Pictures HE (2) The Dark Knight Regie: Christopher Nolan. Mit C. Bale, H. Ledger, Sir M. Caine. Warner Home Video (3) Mamma Mia! Regie: Phyllida Lloyd. Mit M. Streep, P. Brosnan, C. Firth. Universal Pictures Video (4) Keinohrhasen Regie: Til Schweiger. T. Schweiger, N. Tschirner, M. Schweighöfer. Warner Home Video (r) Saw IV Regie: Darren L. Bousman. Mit T. Bell, C. Mandylor, S. Patterson. Ascot Elite (6) Mensch, Dave! Regie: Brian Robbins. Mit E. Murphy, E. Banks. Kinowelt Home Entertainment Jagdfieber 2 Regie: M. O’Callaghan, T. Wilderman. Sony Pictures HE

(1) Australia Regie: Baz Luhrmann. Total 164 955 Be­sucher. 4. Woche

(1) HOT N COLD Katy Perry EMI Music Switzerland AG

(1) 0816 Bligg Universal Music Switzerland GmbH

SEVEN POUNDS Regie: Gabriele Muccino. Total 17 423 Be­sucher. 1. Woche

(2) infinity 2008 Guru Josh Project K-tel Int. Switzerland AG

(2) FUNHOUSE Pink Sony BMG Music Entertainment

(2) MADAGASCAR ESCAPE 2 AFRICA Regie: E. Darnell / T. McGrath. Total 529 443 Besucher. 6. Woche (4) VICKY CRISTINA BARCELONA Regie: Woody Allen. Total 96 270 Be­sucher. 6. Woche (3) Bedtime Stories Regie: Adam Shankam. Total 53 798 Be­sucher. 3. Woche

(3) das feyr vo dr sehnsucht, Jodlerklub Wiesenberg, Francine Jordi Universal Music Switzerland GmbH (4) RUN Leona Lewis Sony BMG Music Entertainment

(3) THIS IS THE LIfe Amy MacDonald Universal Music Switzerland GmbH

(2) hOT N COLD Katy Perry EMI

(4) Z’LÄBE FÄGT Gölä EMI Music Switzerland AG

(3) this is the life Amy MacDonald UNI

(7) HOTEL ENGEL DJ Ötzi Universal Music Switzerland GmbH

(5) buddenbrooks Regie: Heinrich Breloer. Total 36 386 Be­sucher. 3. Woche

(10) Broken strings James Morrison feat. Nelly Furtado Universal Music Switzerland GmbH (7) ROSALIE Bligg Universal Music Switzerland GmbH

(4) EIN STERN (DER DEINEN NAMEN TRÄGT) DJ Ötzi feat. Nik P. UNI (6) SO WHAT Pink SBM

RIGHTEOUS KILL Regie: Jon Avnet. Total 6017 Be­sucher. 1. Woche

(8) if i were a boy Beyoncé Sony BMG Music Entertainment

(5) SOUL Seal Warner Music (Switzerland) AG

(8) ROCK ’N’ ROLL TRAIN AC/DC SBM

SAW v Regie: David Hackl. Total 4030 Be­sucher. 1. Woche

(5) SO WHAT Pink Sony BMG Music Entertainment

(6) BLACK ICE AC/DC Sony BMG Music Entertainment

(10) Ewigi Liäbi Mash SBM

(6) JAMES BOND – QUANTUM OF SOLACE Regie: Marc Forster. Total 617 462 Be­sucher. 10. Woche le SILENCE DE LORNA Regie: Jean-Pierre Dardenne / Luc Dardenne. Total 3896 Besucher. 1. Woche

(6) Sober Pink Sony BMG Music Entertainment

(9) ROCKFERRY Duffy Universal Music Switzerland GmbH

(7) HEAVEN Gotthard SBM

(9) Human The Killers Universal Music Switzerland GmbH

(R) SPIRIT Leona Lewis Sony BMG Music Entertainment

(9) Rosalie Bligg UNI

(5) Die Mumie: das Grabmal dES DrachenkaisErs Regie: Rob Cohen. Mit B. Fraser. Universal Pictures Video (8) Kung Fu Panda Regie: Mark Osborne, John Stevenson. Dreamworks

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CD Album

Starparade

(r) ONE OF THE BOYS Katy Perry EMI Music Switzerland AG

klingeltöne

(1) Das Feyr vo dr sehnsucht Jodlerklub Wiesenberg, Francine Jordi UNI (5) Infinity 2008 Guru Josh Project KTE

© Carmen Sauerbrei

Hochspannung


Nicht verpassen!

PC-GameS

Heiss!

Belletristik

TOP 100 Sachbuch

(1) GTA IV TAKE 2

Ruhm Daniel Kehlmann Rowohlt

(2) WORLD OF WARCRAFT: WRATH OF THE LICH KING – ADD-ON Activision Blizzard

(3) das volle leben. frauen über 80 erzählen Susanna Schwager Wörterseh (5) Feuchtgebiete Charlotte Roche Dumont

(3) CALL OF DUTY 5: WORLD AT WAR Activision Blizzard

Ski-alpin-Weltcup-Infos von Aus dem Spitzensport verden Profis Bernhard Russi abschiedet, nicht aber von (l.) und Matthias Hüppi. Eis-Galas: Stéphane Lambiel.

(4) 50 Erfolgs­modelle Ski alpin: Weltcup: Abfahrt Männer, Mikael Krogerus Kein & Aber Wengen SF zwei 17. 1. 09 1 055 100 Zuschauer (1) Das Geheimnis des Benissimo Herzmagneten SF 1 17. 1. 09 Rüdiger Schache 834 900 Zuschauer Nymphenburger (3) GOMORRHA Roberto Saviano Hanser

Kassensturz SF 1 13. 1. 09 771 000 Zuschauer

(7) FALLOUT 3 Bethesda Softworks

(1) das spiel des engels Carlos Ruiz Zafón S. Fischer, Frankfurt

(2) the secret – das geheimnis Rhonda Byrne Goldmann

dok: der globale Zoo SF 1 15. 1. 09 660 100 Zuschauer

(6) COMMAND & CONQUER: RED ALERT 3 Electronic Arts

Leichenblässe Simon Beckett Wunderlich

(7) Ausser Dienst Helmut Schmidt Siedler

dok: notfall in davos SF 1 16. 1. 09 572 400 Zuschauer

(10) FAR CRY 2 Ubisoft

(4) Brida Paulo Coelho Diogenes

(9) Ich bin dann mal weg Hape Kerkeling Malik

(R) COUNTER STRIKE: SOURCE Electronic Arts

(2) Das volle leben. männer über 80 erzählen Susanna Schwager Wörterseh (6) Nach Hause schwimmen Rolf Lappert Hanser

(8) DER SCHWARZE SCHWAN Nassim N. Taleb Hanser Fachbuchverlag

Ski alpin: Weltcup: Slalom Männer, Wengen SF zwei 18. 1. 09 537 500 Zuschauer der staatsanwalt SF 1 13. 1. 09 534 700 Zuschauer

(r) Warum unsere Kinder Tyrannen werden Michael Winterhoff Gütersloher Verlagshaus

Puls SF 1 12. 1. 09 525 600 Zuschauer

(5) NEED FOR SPEED UNDERCOVER Electronic Arts

(10) vergebung Stieg Larsson Heyne

(5) shaolin Bernhard Moestl Droemer/Knaur

deal or no deal SF 1 14. 1. 09 524 000 Zuschauer

(9) AGE OF EMPIRES III (GOLD) Microsoft

(7) Das Perlen­mädchen Barbara Wood Krüger, Frankfurt

(r) Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? Richard D. Precht Goldmann

al dente SF 1 12. 1. 09 523 900 Zuschauer

(R) FIFA MANAGER 09 Electronic Arts

Top-Event

Art on Ice Hallenstadion Zürich 19. Januar bis 1. Februar www.ticketcorner.com

die besten

Auf Erfolgskurs: Niko Bellic Nach «Die Vermessung der Top: das kleine Handbuch entflieht der Vergangenheit Welt» (2005) folgt ein für strategische Entscheinach Liberty City. Ein Albtraum. Roman in neun Geschichten. dungen von M. Krogerus.

TV Unterhaltung

Wiener Johann Strauss Konzert-Gala Stadtcasino Basel 30. Januar www.ticketcorner.com Chinese New Year 2009 KKL Luzern 30. Januar www.ticketcorner.com Ursus + Nadeschkin «Weltrekord» Kino Theater Palace Biel 29. und 30. Januar www.starticket.com Staind Volkshaus Zürich 3. Februar www.ticketcorner.com Sophie Hunger Kaufleuten Zürich 2. Februar www.ticketcorner.com Joseph – And The Amazing Techn. Dreamcoat Musical Theater Basel 28. Januar bis 8. Februar www.starticket.com Helmet Kulturfabrik Kofmehl Solothurn 1. Februar www.ticketcorner.com Sina & Stucki «Toluheischis Vorläbu» Kammgarn Schaffhausen 29. Januar www.starticket.com IrÈne Schweizer Kulturkarussell Rössli 31. Januar www.ticketcorner.com

Quellen Kino, CD, DVD, Games, Top-Event: Media Control AG; Buch: Swiss Books / Media Control AG; Kino: Procinema; TV-Quoten: Publica Data; (R) = Wiedereintritt

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Reisen, geniessen, rätseln!

weekend

 Reisen Philippinische Insel-Paradiese  Betty Bossi Närrisch essen  GaultMillau «Zur Gedult», Burgdorf BE  Auto Renault Laguna Coupé

PEZULA RESORT, SÜDAFRIKA

Golfen an der Garden Route u Je kälter der Winter, desto heisser des Golfers Lust auf einen Trip in die Ferne! Südafrika gehört zu den Traumzielen; Swiss fliegt täglich hin. Das «Pezula Resort» an der Garden Route ist eine der trendigsten Adressen. Der Championship Course liegt direkt am Indischen Ozean, gibt den Blick frei über die Knysna-Lagune, ist sehr gepflegt und eine angenehme Herausforderung. Und nach der Runde? Sportler

ziehts ins Spa & Gym oder auf den Pferderücken. Geniesser trifft man eher an der Whisky-Bar oder in der Cigar-Lounge. 78 Zimmer mit Balkon oder Patio, zum Teil mit loderndem Kaminfeuer. Die schönsten Suiten gibts im nahen «Honeymoon Castle» an der Noetzi Beach. INFO Studio ab EUR 430.–. www.pezularesorthotel.com schweizer illustrierte

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weekend

Reisen Rundungen, so weit das Auge reicht Wie kleine Vulkankegel ragen die Chocolate Hills auf Bohol aus der Ebene empor.

www.weltweit

Schöne Ferien – auf der Weltcup-Piste! u Die Weltcup-Stars sind abgereist, am Adelbodner Chuenisbergli dürfen die «Amateure» ran. Das Angebot des eleganten Hotels Solis Cambrian: Zum 1. Geburtstag gibts vier Nächte für zwei inkl. Skipässen ab CHF 86.– (zwischen Sonntag und Freitag). INFO www.solisadelboden.ch

Wieder direkt auf die Seychellen u Gute Nachricht für alle, die sich in die Seychellen verliebt haben: Air Seychelles fliegt nach fünfjähriger «Zwangspause» ab April wieder direkt auf die Trauminsel (jeden Freitag). Eingesetzt wird eine Boeing 767-300ER (Business und Eco). INFO www.airseychelles.ch

Mit dem Postschiff nach St. Helena u Globoship bietet Reisen für wahre Individualisten an. Auf Frachtschiffen. Auf Segeltörns, wo man in die Mannschaft integriert wird. Oder aufs königliche Postschiff, das von Kapstadt aus Napoleons letzte Heimat St. Helena ansteuert (Bild). INFO www.globoship.ch

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BOHOL und PANGLAO, ZWEI INSELN der PHILIPPINEN

Tausend Hügel w Der philippinische Archipel besteht aus über 7000 Inseln. Bohol und Panglao verführen mit überraschenden Landschaften, fantastischen Unterwasserwelten, traumhaften Stränden und seltenen Tierarten.

S

ie werden Chocolate Hills genannt. Ihre Form erinnert an Zuckerstöcke, ihre Farbe ist in der Trockenzeit – von Dezember bis April – bräunlich. Über tausend Kalkerhebungen zählt die Insel Bohol. Wie sie entstanden sind, ist ungewiss. Der Sage nach sollen sie die versteinerten Tränen des Riesen Arogo sein, der seine grosse Liebe Aloya auf tragische Weise verloren hat. Schon der Weg zu den Hügeln ist die Reise wert. Üppige tropische Vegetation flankiert die Strasse, Bananenhaine spenden Schatten, in den Reisfeldern kühlen sich Wasserbüffel. Kolonialhäuser erinnern an die Zeit der spanischen Herrschaft, wie auch die wahrscheinlich älteste Steinkirche der Philippinen: das beeindruckende Gotteshaus von Ba­clayon aus dem 16. Jahrhundert.


Paradiesisch Sonnenanbeter, Schnorchler und Taucher kommen auf Panglao auf ihre Kosten.

Majestätisch fühlt sich der Gast im stilvollen «Ananyana Resort» auf Panglao.

ie Pralinen oder Tarsier heissen die kleinsten Halbaffen Asiens. Die handgrossen und scheuen Winzlinge mit den riesigen Augen sind beinahe ausgestorben. Im Tarsier-Center beim Örtchen ­Corella können die possierlichen Äffchen in ihrer natürlichen Umgebung ­bewundert werden. u Das Inselparadies Panglao ist durch zwei Brücken mit der grossen Schwesterinsel Bohol verbunden. Wer Strandurlaub und Taucherparadiese sucht, findet hier schneeweisse, feinsandige Strände sowie Korallenriffe fast vor der Haustür. Die schönsten Tiefsee­reviere liegen bei der südwestlich vorgelagerten Balicasag-Insel. Eine 50 Meter tiefe Wand eröffnet geübten Tauchern eine magische Unterwasserwelt. Aber auch Schnorchlerherzen lässt

Fotos Look-Foto, Franco Banfi, Michael Moxter

u Koboldmaki

das Riff höherschlagen: Bunte Fische, gross und klein, tummeln sich hier zwischen bizarr geformten Korallenbänken. Nach dem Wassersport locken gegrillter Fisch und Meeresfrüchte, frisch zubereitet in einer der einheimischen Strandbuden.

u Eingebettet

in einen tropischen Garten am Doljo-Strand von Panglao liegt das «Ananyana Resort» mit eigener Tauchbasis. Die zehn Suiten sowie die Lounge und ein offenes Restaurant sind mit Möbelstücken des philippinischen Jung-Designers Kenneth Cobonpue ausgestattet. Romantik pur begegnet dem Gast auch im traumhaften kleinen Spa. Ein Hideaway für Ruheliebende und ­Romantiker.  kati moser

check-in u Anreise

KLM fliegt täglich via Amsterdam nach Manila, ab CHF 1490.–, Tel. 0848 55 62 43, www.klm.ch. Inlandflug Manila–Insel Bohol dauert eine Stunde u Hotels auf Panglao «The Ananyana», Villas ab CHF 155.– p. P. und Tag ; «Amorita» liegt auf einem Felsvorsprung, DZ ab CHF 114.–, Oceanview-Villa ab CHF 265.– p. P. und Tag. Buchbar bei Flextravel, Tel. 044 455 44 25, www.flextravel.ch u Info www.wowphilippines.de u Auftritt Zürcher Ferienmesse Fespo (29. 1.–1. 2.) und Muba Putzig Tarsier, handgrosse Kobolde. Basel (13.–22. 2.), wo die Philippinen das Gastland sind. schweizer illustrierte

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En Guete Kugelrund So schmeckt Fasnacht am besten.

Einfach närrisch

1

Die Zeit der Narren verlangt nach starkem Genuss. Basler Mehlsuppe ist legendär, Tortelli di Carnevale und Zigerkrapfen verzücken mit Süsse.

Tortelli di carnevale

Zutaten (ergibt ca. 26 Stück) Brühteig 1 dl Wasser, 1 dl Milch, 50 g Butter, 1 Prise Salz, 1 Esslöffel Zucker, 1 Päckli Vanillezucker, 1 unbehandelte Zitrone, nur abgeriebene Schale, 120 g Mehl, 2–3 Eier, verklopft; Öl zum Frittieren, Puderzucker zum Bestäuben Vor- und zubereiten ca. 50 Min.

u Für den Brühteig Wasser und Milch mit allen Zutaten bis und mit Zitronenschale aufkochen, Hitze reduzieren. Das Mehl auf einmal beigeben, mit einer Kelle ca. 11/2 Min. rühren, bis sich ein geschmeidiger Teigkloss bildet, der sich vom Pfannenboden löst. Den Teig in eine Schüssel geben, etwas abkühlen. Eier portionenweise darunterrühren; der Teig soll weich sein, aber nicht zerfliessen. Formen Mit zwei Teelöffeln baumnussgrosse Portionen abstechen, zwischen den Handflächen zu Kugeln rollen, auf ein Backpapier legen. Frittieren Brattopf bis 1/3 Höhe mit Öl füllen, auf ca. 175 Grad erhitzen. Tortelli portionenweise mit einer Schaumkelle hineingeben, 3–4 Min. unter ständigem Bewegen goldgelb frittieren, bis sie

weekend

mit Köchin Sibylle Sager

2

Basler Mehlsuppe

leicht aufspringen. Herausnehmen, auf Haushaltpapier abtropfen, mit Puder­zucker bestäuben. Hinweis Tortelli im Ofen backen. Tortelli mit dem Backpapier auf einen Blechrücken ziehen, ca. 25 Min. in der Mitte des auf 180 Grad vorgeheizten Ofens backen. Ofentür nie öffnen! Anschliessend im ausgeschalteten, leicht geöffneten Ofen ca. 15 Min. trocknen, herausnehmen, mit Puderzucker bestäuben.

tipp Öltemperatur mithilfe eines Thermometers immer wieder kontrollieren. Nur so wird gewährleistet, dass das Gebäck schön knusprig wird.

Zutaten (für 4 Personen) 5 Esslöffel Mehl , 50 g Butter, 1 Zwiebel, in Streifen , 1 Liter Fleisch­ bouillon, 100 g geriebener Gruyère Vor- und zubereiten ca. 10 Min. Köcheln ca. 50 Min.

u Mehl unter ständigem Rühren in einer weiten Pfanne bei mittlerer bis grosser Hitze rösten, bis das Mehl haselnussbraun ist, leicht abkühlen. Butter und Zwiebel beigeben, ca. 3 Min. dämpfen. Bouillon dazugiessen, unter Rühren aufkochen. Hitze reduzieren, ca. 50 Min. köcheln, von Zeit zu Zeit rühren. Servieren Suppe in vorgewärmte Teller verteilen, Käse nach Belieben darüberstreuen oder separat dazu servieren. Lässt sich vorbereiten Suppe am Vortag zubereiten, auskühlen. Zugedeckt kühl stellen. Langsam heiss werden lassen. Tipps u Mehl lässt sich auf Vorrat rösten. Haltbarkeit: gut verschlossen, kühl und dunkel ca. 1 Monat. u Der Suppe am Schluss wenig kräftigen Rotwein beigeben. u Angerichtete Suppe mit gerösteten Zwiebelringen bestreuen, dafür die gedämpften Zwiebelstreifen weglassen.

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3

Zigerkrapfen

Zutaten (ergibt ca. 12 Stück) Hefeteig 250 g Mehl, 1/2 Teelöffel Salz, 4 Esslöffel Zucker, 1/2 Würfel Hefe (ca. 20 g), zerbröckelt, 60 g Butter, in Stücken, weich, 1 dl Milch, lauwarm Füllung 150 g Ricotta oder Ziger (siehe Hinweis), 3 Esslöffel Zucker, 1 unbehandelte Orange, nur 1/2 abgeriebene Schale, 1 unbehandelte Zitrone, nur 1/2 abgeriebene Schale, 100 g gemahlene Mandeln, 2 Esslöffel Sultaninen, Öl zum Frittieren, 4 Esslöffel Zucker, 1 Teelöffel Zimt Vor- und zubereiten ca. 45 Min. Aufgehen lassen ca. 1 Std. u Für den Hefeteig Mehl, Salz, Zucker und Hefe in einer Schüssel mischen. Butter und Milch beigeben, mischen, zu einem weichen, glatten Teig kneten, zugedeckt bei Raumtemperatur ca. 1 Std. aufs Doppelte aufgehen lassen.

Für die Füllung alle Zutaten bis und mit Sultaninen in einer Schüssel mischen, Füllung zugedeckt kühl stellen. Formen Teig in zwei Portionen teilen, zu zwei Rechtecken von je ca. 20 × 30 cm auswallen. Jedes Rechteck in 6 Quadrate schneiden, Füllung auf die Mitten verteilen, Ränder mit sehr wenig Wasser bestreichen. Teig diagonal überschlagen, Ränder mit einer Gabel sehr gut zusammendrücken. Frittieren Brattopf bis 1/3 Höhe mit Öl füllen, auf ca. 160 Grad erhitzen. Krapfen portionenweise mit einer Schaumkelle hineingeben, beidseitig je ca. 3 Min. goldgelb frittieren. Herausnehmen, auf Haushaltpapier abtropfen. Zucker und Zimt in einem Teller mischen, die noch heissen Zigerkrapfen darin wenden. Hinweis Ziger – nicht zu verwechseln mit dem Glarner Schabziger – ist nur in wenigen Käsegeschäften erhältlich und kann durch Ricotta ersetzt werden. Tipp Zigerkrapfen im Ofen backen. Krapfen mit Eigelb bestreichen, mit Zimtzucker bestreuen, auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen, ca. 20 Min. in der Mitte des auf 180 Grad vorgeheizten Ofens backen. Heraus­ nehmen, auf einem Gitter auskühlen.

u Sendedaten

Montag, 26. Januar, 20.05 Uhr, SF 1 (Wiederholungen: 27. 1., 1.00 Uhr und 13.45 Uhr, SF 1) Mehr Info: www.aldente.ch zuschauer-wettbewerb Frage Ein Eiweissgebäck mit Schoggi heisst … Antwort Schoggi-Schümli Tel. 0901 55 88 01 Antwort Schoggi-Tätzli Tel. 0901 55 88 02 (CHF 0.80/Anruf) Mitspielen auch per wap.aldente.ch Einsendeschluss 2. 2. 2009


GaultMillau

KPrädikat Weltklasse J Eine der besten Adressen I Kreative Küche auf hohem Niveau HG Kreative Küche FE Bietet mehr als das Alltägliche 12/20 Gute Adresse!

weekend

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Restaurant zur Gedult Metzgergasse 12 3400 Burgdorf 034 - 422 14 14 Sonntag und Montag Ruhetag www.gedult.ch

Kleine Karte mit grossem Angebot Gastgeberpaar Martina Stoll und Pablo Alonso erfüllen jeden kulinarischen Wunsch.

Der Chef gibt gern sein Bestes Restaurant zur Gedult, Burgdorf BE Der Name ist Programm: Gastgeber Pablo Alonso und Martina Stoll gehen geduldig auf jeden kulinarischen Wunsch ihrer Gäste ein. Auf jeden.

B

ereits bei der telefonischen Reservierung wurden wir gefragt, ob wir besondere Wünsche hätten. Die Frage galt nicht den üblichen Dingen – vegetarisch, Nichtraucher, Allergien –, sondern, ob wir Lust auf ein spezielles Gericht hätten; Pablo Alonso, Chef der Burgdorfer «Gedult», würde dieses gerne zubereiten! Wir wollten uns dann doch von der kleinen Karte bedienen lassen, Vorspeisen gibt es zwei, dazu noch ein Süppchen, Hauptspeisen gerade mal drei im auch sonst unkonventionellen Haus. Wir begannen mit einem klassischen Carpaccio, erfreulich dick geschnitten, das von einer Riesencrevette sowie Manchego-Käse geziert wurde; eigentlich

wunderbar, doch Alonso griff etwas zu tief in den Topf mit dem Fleur de Sel … Nichts zu mäkeln hatten wir an der ausgezeichneten Entenleber-Terrine, endlich wieder mal nicht direkt aus dem Kühlschrank, sondern schön temperiert, sodass sich auch die interessante MangoSellerie-Dekoration bestens entfalten konnte. Das hausgemachte Brioche sei ebenfalls lobend erwähnt. Die Hauptspeisen, ein schönes Hohrückensteak sowie eine kräftig und spannend gewürzte Hühnerbrust, beides mit neuen Kartoffeln und marktfrischem Gemüse serviert, waren handwerklich perfekt gemacht. Als Dessert liessen wir uns einen ausgezeichneten warmen

Schokoladenkuchen gefallen – und fanden, dass die 85 Franken für die vier Gänge sicher nicht zu viel waren. Und doch wundern wir uns etwas: Alonso hatte im «Stadthaus» in Burgdorf mit seinen fantastischen Tapas-Krea­ tionen begeistert. Diese finden sich in keiner Weise auf der Karte seiner «Gedult». Aber vielleicht brauchen wir da bloss noch etwas Geduld zu haben. Diese braucht man beim Service nicht, sehr kompetent, sehr höflich, sehr fröhlich wurden wir bestens bedient. Und hatten auch an der zwar noch kleinen, aber klugen Auswahl an Weinen unsere Freude. 

Foto Kurt Reichenbach

wein-tipp Petit Arvine vom Château Das Wallis ist der bedeutendste und grösste Weinbau­kanton der Schweiz. Und ein Spiegel für die Kultur und die Vielfalt des Landes. Auf der einen Seite ist auf den total 5113 Hektaren Rebfläche die neutrale und umstrittene

Traubensorte Chasselas (die im Wallis den Namen Fendant trägt) die wichtigste Sorte der Region. Auf der anderen Seite werden über fünfzig verschiedene Rebsorten kultiviert – Petit Arvine ist eine davon. In der Nähe von Leuk befindet sich das Château Lichten der Gebrüder

Rouvinez. Dort wird u. a. der Château Lichten 2006 Petite Arvine (13 %) produziert. Er duftet nach Limetten und Grapefruit und verführt den Gaumen mit einem fast schon exotischen Fruchtschmelz und rassiger Frische. Ein idealer Wein zu Geflügelund Fischgerichten.

Rouvinez Vins, Sierre Tel. 027 - 452 22 52 www.rouvinez.com Bis 2009 schön. Trinktemperatur: 10 bis 12 Grad. u CHF 23.–

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weekend

Auto

SCHON GEFAHREN RENAULT LAGUNA COUPÉ

Abgeschnitten schön Nach langer Abwesenheit wagt sich Renault wieder ins CoupéSegment. Und dank neuer Allradlenkung weiss der ­elegante Laguna dabei nicht nur optisch zu gefallen.

E

in Coupé ist nicht einfach eine weitere Version eines neuen Modells, sondern eine Gelegenheit, zu zeigen, was man als Hersteller kann», meint Laguna-Projektleiter Fabien Goulmy mit Blick auf den neuen Zweitürer stolz. «Alltagsnutzen allein genügt heute nicht mehr, die Kunden wollen mehr Emotionen», nennt er den Grund, weshalb sich Renault nach 21 Jahren wieder in die Coupé-Nische wagt. Zwischen 1980 und 1987 hatte der Fuego – steht im Spanischen für Feuer – den Franzosen dort als emotionaler Brandstifter gedient. Nun will Renault

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im wachsenden Coupé-Markt mit der neuen Laguna-Variante ver­lorene Marktanteile zurückgewinnen. Das Potenzial dazu hat der elegante Vierplätzer durchaus. Die flache Front mit dem grossen Chromkühlergrill gibt dem gegenüber der Limousine um fünf Zentimeter kürzeren Coupé eine sportliche Note. Das Heckdesign mit der steil aufragenden Abrisskante und den

GEDIEGEN Das Interieur überzeugt durch viel Platz – selbst im Fond –, sportlich-elegante Optik und hochwertige Materialien.

flachen Rückleuchten verleiht dem Zweitürer die nötige Dynamik. Nicht nur optisch weiss die dritte Laguna-Variante zu glänzen, sondern auch technisch. Mit elektronischer Allrad­lenkung wird der schicke Franzose zu einem echten Kurvenflitzer. Durch das Mitlenken der Hinterräder, wenn auch nur bis maximal 3,5 Grad, scheint er regelrecht geschaffen für enge Kurvenpassagen. Drei Benzinmotoren oder ein laufruhiger V6-Turbodiesel sorgen dabei für den nötigen Schub. Eher auf gediegenes Gleiten, denn auf sportliche Kurvenhatz ist dagegen die Sechsgangautomatik des Diesels ausgelegt. Schade, dass der Selbstzünder nicht wie die Benziner auch mit dem manuellen Sechsgang­ getriebe erhältlich ist. Dafür gefällt der Laguna durch sein hochwertiges Inte­ rieur und viel Sicherheit – zehn Airbags und ESP samt Untersteuerungskontrolle sind Serie. Jürg A. Stettler


news

Mercedes E-Klasse Sparsamer Stern am Horizont u Als Weltpremiere enthüllte Mercedes in Detroit die neue E-Klasse. Die Deutschen bieten ihre Business-Limousine mit klar wirtschaftlicheren Motoren an. Etwa den 250 CDI mit 204 PS. Dieser bringt mit 500 Nm 25 Prozent mehr Drehmoment als der bisherige V6Diesel, schluckt jedoch mit 5,3 l/100 km 23 Prozent weniger. Auch die neuen Vierzylinder-Benziner glänzen mit mehr Leistung bei weniger Verbrauch. Und betreffend Komfort und Sicherheit legte der Stern einen Zacken zu. So gibt es als Option viele der aus der S-Klasse bekannten, radarbasierten Assistenzsysteme sowie einen Sekundenschlafwarner. Markteinführung ist Ende April; Preise sind noch unbekannt.

Kurvenkönig Mit optionaler Allradlenkung zeigt sich der Laguna Coupé von seiner sportlichen Seite.

steckbrief

Ausdrucksstark Mächtiger Chromgrill vorne, elegante Leuchten im kecken Heck. u Name Renault Laguna Coupé

u Preis ab CHF 47 300.–

u Motoren Benzin 170 bis 238 PS,

u Konkurrenten Alfa Romeo Brera,

Diesel 235 PS u 0 bis 100 km/h 7,3 und 9,2 s u Spitze 220 und 244 km/h u Verbrauch 7,2 und 10,0 l/100 km u CO2-Ausstoss 194 und 238 g/km u Energieeffizienz-Kategorien von C bis F u Verkauf ab sofort

Audi A5, BMW 3er Coupé, Mercedes CLK, Peugeot 407 Coupé u. a. u Unser Urteil Mit seinen eleganten Linien muss sich der Laguna nicht hinter der ebenfalls auf Sportlichkeit getrimmten Konkurrenz verstecken. Dank Allradlenkung wird er gar zu einem sehr agilen Spassfahrzeug.

Cadillac SRX Sportliche Noblesse fürs Grobe u In Detroit zeigte Cadillac den über­ arbeiteten SRX erstmals, am Genfer Salon wird er Europapremiere feiern. Der kompakte Crossover mit markantem Kühlergrill, vertikalen Scheinwerfern sowie der ausgeprägten Gürtellinie hat eine noble und zugleich sportliche Optik erhalten. Er profitiert ausserdem von zwei neuen Sechszylindern: einem 2,8-l-Turbobenziner mit 300 PS und einem 260 PS starken 3,0-l-Direkteinspritzer. Die neue Sechsgangautomatik ist sogar mit zuschaltbarem Eco-Mode ausgestattet. Optional ist der Fronttriebler auch mit Allrad inklusive Sperrdifferenzial erhältlich. In die Schweiz kommt der SRX gegen Ende 2009 zu noch unbekannten Preisen. schweizer illustrierte

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«Ab dem 2. geht es endlich wieder voran!»

woche vom 1. bis 7. Februar 2009 Der seltene Zyklus Saturn–Uranus wird diese Woche exakt, mit der Opposition (180 Grad auf dem Tierkreis) am 5., die aber mehrere Wochen lang wirksam ist und oft auf unerwartete Angriffe, wirtschaftliche Rezession, mehr (religiösen) Fanatismus hin-

weist. Seit 12. Januar ist Merkur rückläufig. Am 2. dieser Woche beginnt er erneut seine Vorwärtsbewegung, damit kommen Projekte dieser letzten Wochen endlich wieder voran! Am 7. kommt es zu offenen Aussprachen, Versöhnung, Reformen. Einige verlieben sich, kommen ihren Idealen näher.

widder 21.–30. 3. Glück dank Jupiter, Entfaltung und Erfolg. Vielleicht die eigene Firma? Oder Hochzeit? Nachwuchs? Beförderung? Alle Hoffnungen sind erlaubt. Etwas Stress hingegen (am 3., 6.) für die vor dem 24. Geborenen. 31. 3.–9. 4. Freunde können grosse Hilfe sein (am 5.). Neue Projekte haben Rückenwind (am 5.). 10.–20. 4. Seit Ende Januar haben Sie den Eindruck, auf der Stelle zu treten. Manchmal durch ärgerliche Missverständnisse (am 1., 4., 7.). Sie müssen Kompromisse akzeptieren, finden aber am 7. die richtigen Worte.

stier 21.–30. 4. Sie sind fit, können Vorsprung herausholen. Die grossen Favoriten (vor dem 24. Geborene) verändern sich sehr vorteilhaft (Beruf, Look, Partnerschaft?). Verbunden mit mehr Power (2., 7.). 1.–10. 5. Sie machen mehrere Dinge gleichzeitig, sind etwas überfordert (5., 6.). Gleichzeitig einschneidende Veränderung (Job, Wohnung?). 11.–20. 5. Sie haben gute Chancen, langfristig die Weichen zu stellen, ordnen Ihr Leben. Ausserdem sind Sie physisch in blendender Verfassung, rekordverdächtig. Am 3. und 7. landen Sie einen Treffer.

zwillinge 21.–31. 5. Glücksserie dank Jupiter, Sie sind nur schwer zu schlagen (am 4. und 7.). Günstig für Reisen, Verträge oder grössere neue Projekte. Ab 4. sorgt Venus für Sternstunden (Liebe auf den ersten Blick, Versöhnung?). 1.–10. 6. Sie entdecken neue Horizonte, überzeugen mit Vorschlägen (am 5.!). Auch Studien, Examen, Schreibarbeiten klappen. 11.–21. 6. Etwas schwerer haben es die um den 11./12. Geborenen: Sie müssen nachgeben, ziehen gleichzeitig Bilanz. Termine werden verschoben, man wirft Ihnen Steine in den Weg (2., 5.).

krebs 22. 6.–1. 7. Sie überzeugen am 2., handeln instinktiv richtig. Die um den 23. Geborenen machen tief gehende Wandlung durch (oft bezüglich Partnerschaft). Am 6. sind Sie sehr gerührt, können nur schwer Ihre Emotionen kontrollieren. 2.–12. 7. Sie amüsieren sich am 2. und 3., verbreiten gute Laune. Befolgen Sie Ihre guten Vorsätze, kümmern Sie sich trotz allfälligem Ärger um Administratives! 13.–22. 7. Projekte von Ende Januar kommen wieder zur Sprache, erste Erfolge stellen sich ein (3., 7.). Resultate sind im Sommer fällig.

löwe 23. 7.–1. 8. Kommunikation ist derzeit mühsam, speziell am 2. und 5. Vorsicht bei Investitionen, bei Schritten gegen Behörden, Diskussionen mit Partner. Am 4. sind Sie nicht grad bester Laune (wegen Kollegen?). 2.–12. 8. Andere haben derzeit bessere Karten, Sie sollten sich neuer Situation anpassen (am 2., 5. und 6.). Aussprache (mit Partner?) könnte Klarheit schaffen (am 5.). 13.–23. 8. Sie sind auf der gleichen Wellenlänge mit Ihrer Umgebung, Ihre Argumente werden akzeptiert. Dinge von Mitte Januar kommen wieder zur Sprache (am 7.).

jungfrau 24. 8.–2. 9. Sie finden immer ein Haar in der Suppe (am 6.). Sehr gut läufts für die um den 25. Geborenen, die ganz neue Wege gehen. 3.–12. 9. Sie sollten sich mehr um sich selbst kümmern, etwas für Ihre Gesundheit tun! Am 2. und 6. sind Sie anfälliger als sonst (Verdauung?). Besser läufts am 5. 13.–23. 9. Sie sind gut in Schuss, können Mars zusätzliche Kräfte verdanken. Exzellent für sportliche Hobbys oder neue Heilmethoden bei chronischen Beschwerden. Am 2. und 5. hingegen sollten Sie kürzertreten. Günstig: der 3. und 7.

waage 24. 9.–3. 10. Jupiter signalisiert Erfolg und Selbstvertrauen, auch schicksalhafte Begegnungen oder Entscheidungen (4., 7.). Heirat? Eigenes Unternehmen? Die um den 24./25. Geborenen müssen sich an neue Situation gewöhnen. 4.–13. 10. Sie sind gut in Schuss, erledigen Pensum schneller als geplant. Einige haben Glück im Spiel, geniessen die angenehmen Seiten des Lebens (am 5.). 14.–23. 10. Nach Missverständnissen (seit Mitte Januar?) verziehen sich die Wolken. Mars allerdings verleitet zu voreiligen Reaktionen.

skorpion 24. 10.–2. 11. Hektische Woche! Komplika­tionen (mit Behörden, mit Finanzen?) sind weiter spürbar. Verzögerungen, die oft auf Januar zurückgehen, werden wieder akut (2., 5.). Ab 7. etwas besser. 3.–12. 11. Familiäre Probleme (Wohnung?) halten Sie auf Trab (2., 5.). Am 3. könnte sich eine Diskussion (Partner?) zuspitzen, Ihre Toleranz hält sich in Grenzen. 13.–22. 11. Mars verleitet Sie zu überstürzten Manövern (Vorsicht im Verkehr!). Merkur bringt Verspätungen. Projekt von Mitte Januar ist noch gebremst, aber es geht bergauf (2., 3.).

schütze 23. 11.–2. 12. Traumwoche! Jupiter verspricht Erfolg, manchmal echte Glückssträhne (neuer Posten, Prestige, Heirat?). Venus bringt Frühlingsgefühle. Niemand kann Ihnen widerstehen, am 4. erleben Sie Sternstunden. 3.–12. 12. Gute Nachricht gibt Auftrieb, Sie sind blendender Laune (am 3.!). Dank Kreativität und guten Kontakten können Sie Treffer landen. 13.–21. 12. Sie sind am 1. der Hahn im Korb. Künstlerisches oder humanitäres Vorhaben kommt gut voran. Nur die vor dem 15. Geborenen müssen noch etwas Geduld haben.

steinbock 22.–31. 12. Nach dem 4. sind Sie ziemlich nachdenklich. Besonders um den 22./23. Geborene sind in einer Phase tief gehender Umwälzungen (neuer Job, Umzug, neue Beziehung?). 1.–10. 1. Sie müssen finanzielle Entscheidungen treffen, die nicht einfach sind (5., 6.). Am 2. und 3. fühlen Sie sich im engsten Kreis wohl, am 7. aber müssen Sie sich anpassen. 11.–20. 1. Sie stürzen sich kopfüber ins Geschehen, sind kaum zu bremsen. Dank Ihrer Schlagfertigkeit kommen Sie gut über die Hürden (am 7.), können einen Fehler wiedergutmachen.

wassermann 21.–30. 1. Sie sind vital und dynamisch, können Pensum schneller als geplant erledigen (4.). Jupiter verspricht Erfolg, einige treffen ins Schwarze (am 7.). Ein Wunschtraum erfüllt sich. 31. 1.–9. 2. Sie ziehen Bilanz und sind nicht grad begeistert. Die gute Nachricht: Ab Ende Februar gehts bergauf, einige können mit echter Glückssträhne rechnen. 10.–19. 2. Ihre Eingebung ist exzellent, und einige beweisen einen 6. Sinn (am 5.). Günstig u. a. für grössere neue Projekte, beruflich und privat. Sie kommen Ihren Idealen näher (1., 7.).

fische 20. 2.–1. 3. Sie sollten sich aus Intrigen heraushalten (am 5. und 6.). Am 2. finden Sie die richtigen Worte, können eine heikle Situation entschärfen. 2.–10. 3. Neutrale Einflüsse. Nur am 5. fällt es Ihnen schwer, objektiv zu urteilen, Ihre Ruhe zu bewahren. Warten Sie ab, am 7. bietet sich Gelegenheit, einen Fehler auszubügeln. 11.–20. 3. Am 1. und 2. sind Sie der strahlende Mittelpunkt, verbringen Momente voller Leidenschaft. Um den 12. Geborene könnten weiterhin in einer Krise sein (Partner?) und müssen Konzessionen machen.

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Dr. Elizabeth Teissier

Mit dem Astro-Telefon haben Sie einen direkten Draht zu Elizabeth Teissier. Fr. 2.50/Min. + Fr. 2.50/Anruf

0901 - 59 89 01

u zum persönlichen Astro-Code

0901 - 59 89 02

u Zugang mit persönlichem Astro-Code

Illustrationen Michael Husmann Tschäni; bearbeitet und übersetzt von Gerhard Hynek

weekend

Horoskop


Spiele Diese Woche drei Goldvreneli zu gewinnen!!!

So kommen Sie zum Goldvreneli: Übermitteln Sie Ihr Lösungswort via Telefon 0901 908 119 (ohne Vorwahl). Der Anruf kostet Sie 1 Franken. Sprechen Sie das Lösungswort und Ihre Adresse auf das Band. Via Postkarte (A-Post): Schweizer Illustrierte, Kreuzworträtsel, Postfach, 8074 Zürich. Anruf- und Einsendeschluss ist am Sonntag, 1. Februar 2009, 24 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Mitarbeiter der Ringier AG und ihrer Tochtergesellschaften sowie Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt.

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Zitat zwischen Zahlen

Wer häts – ohä lätz

Die Zahlen sind durch Buchstaben zu ersetzen. Dabei bedeuten gleiche Zahlen gleiche Buch­ staben. Bei richtiger Lösung ergeben die ersten Buchstaben, von oben nach unten gelesen, und die vierten Buchstaben, von unten nach oben gelesen, ein Sprichwort.

Die nebenstehenden Zeichnungen unterscheiden sich durch zehn Abwei­ chungen. Kreisen Sie bitte diese Abweichungen auf der unteren Zeichnung ein. So können Sie 20 Franken gewinnen Unter den richtigen Lösungen bei «Wer häts – ohä lätz» verlosen wir jede Woche 5 × 20 Franken. Bitte schnei­ den Sie Ihre Lösung aus, kleben Sie sie auf eine Postkarte (Briefe sind leider ungültig) und schicken Sie die Karte an: Schweizer Illustrierte, Postfach, 8099 Zürich. Bitte schreiben Sie Ihren Namen und Vornamen deutlich, damit Verwechslungen bei der Gewinnauszahlung vermieden werden. Einsendeschluss: Sonntag, 1. februar 2009

zahlenschlüssel

Die Auflösungen finden Sie in der nächsten Nummer

Kreuzwort-Chaos

Die Buchstaben der Lösungswörter stehen alphabetisch geordnet. Suchen Sie nach dem richtigen Wort und vervollständigen Sie das Kreuzworträtsel.

Raten und rechnen Jedes Symbol bedeutet eine Ziffer von 0 bis 9. Gleiche Symbole bedeuten gleiche Ziffern. Ersetzen Sie die Symbole durch die richtigen Ziffern – und die Rechnung geht in alle Richtungen auf.

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Spiele Rebus

Auflösung aus Heft 4

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wer häts – ohä lätz

kreuzwort chaos Bei richtiger Deutung der Bilder erhalten Sie das Lösungswort.

Sudoku mittel

    



                   

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So gehts Füllen Sie die leeren Felder so aus, dass in jeder Zeile und Spalte und in jedem 3 × 3-Kästchen die Zahlen 1 bis 9 nur einmal vorkommen.

sudoku Mittel                            È

        

        

        

        

        

         

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goldvreneliRätsel

     

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raten und rechnen

Gewinner aus Heft 52 / 2008 Wer häts – ohä lätz: 20 Fr. Walter Huber Postfach 1815, 8027 Zürich Elisabeth Stohler Unterdorf 16, 4424 Arboldswil Margrith Gehri Zentralstrasse 30, 6003 Luzern Hanspeter Zingg Sonnmattstrasse 18 / 1, 9015 St. Gallen Claudia Gantenbein Dorfstrasse 95, 8912 Obfelden goldvreneli-rätsel (Lösung: «Fundament») Rose-Marie Liniger av. de la Vallombreuse 87, 1008 Prilly Margarethe Iten Langgrütstrasse 186, 8047 Zürich Margrit Löffel Emmenstrasse 17, 3415 Hasle b. Burgdorf

zitat zwischen zahlen 1. Erdnuss, 2. Staende, 3. Ausritt, 4. Ungunst, 5. Glenner, 6. Hadschi, 7. Staehli, 8. Yverdon, 9. Facette, 10. Fohrler, 11. Ittigen, 12. Rennrad, 13. Drittel, 14. Ansehen, 15. Chirurg, 16. Kaserne, 17. Amtseid, 18. Radscha, 19. Frieden, 20. Kuenzle Lösung Das Gedaechtnis ist Diener unserer Interessen. rebus 1 S (E) CH NE E 2 BE RG 3 FL IE GER = ENERGIE

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Stumpenpause Hans Kiener, 74, führt noch täglich Holz von der Scheune in den Heizkeller des Knechtenheims. «Hier haben wir es gut, das Essen ist recht.» Hofbüsi Tigerli leistet ihm Gesellschaft.

Holz spalten, Stall ausmisten – ein Leben lang chrampfen müssen. hans kiener und seine 34 Mitbewohner geniessen jetzt in Rothenburg ihren Ruhestand. Hier dürfen sie chrampfen.

Im «Knechte


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«Ich hatte Glück und einen guten Meister» Hans Forster

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Text Thomas Kutschera Fotos MaRCEL nöcker

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ie Tür zu seinem Reich öffnet Hans Forster langsam und vorsichtig. «Chomm, liebs Billäli, chomm!», ruft er in den Hühnerstall hinein. Dann packt er eines der gackernden Tiere, hält es behutsam in seinen grossen Händen. Fünfmal pro Tag kommt Forster in den Stall, füttert und tränkt seine 40 Hühner, putzt und sammelt die Eier ein. «38 sinds heute!», vermeldet der 73-Jährige stolz.

Sein Lebtag lang hat Forster zu Hühnern geschaut. 40 Jahre war er Knecht auf einem Hof im Luzerner Hinterland. «Ich hatte Glück und einen guten Meister.» 1990 kam Forster nur mit einem Köfferli hierher ins Landwirtschaftliche Altersheim Hermolingen in Rothenburg bei Luzern – Einheimische nennen es den «Knechtenhimmel». 35 Bewohner, darunter auch ehemalige Landwirte, verbringen hier ihren Lebensabend. Viele kommen aus dem Luzernbiet, der älteste ist 96. Neben dem Wohngebäude steht ein Bauern-


Fleissig Franz Birrer, 87 (l.), und Franz Burri, 64, gehören zur Rüstgruppe. Täglich schälen sie Kartoffeln und Äpfel aus dem hofeigenen Garten. Am Nachmittag knüpfen sie Decken.

Sein Revier Hans Forster, 73, im Hühnerstall. Fünfmal am Tag schaut er zu den Tieren, das erste Mal um 5 Uhr. Danach wäscht er in der Küche Geschirr ab.

Gezeichnet Oskar Halter (r.), mit 93 Jahren der Zweitälteste, beim Zmittag. Als zweijähriges Pflegkind kam er vom Thurgau in die Zentralschweiz. Neben ihm Hans Muff, 81.

betrieb mit 30 Stück Vieh und Gemüsegarten. Die ehemaligen Knechte dürfen hier tun, was sie ihr Leben lang taten: chrampfen! Kühe striegeln, Holz spalten, Kartoffeln rüsten. Es gäbe einige, die seien den ganzen Tag am Arbeiten, sagt Heimleiterin Rosmarie Steiner, 30. Viele Pensionäre haben ein trauriges Leben hinter sich. Geboren in armen Verhältnissen, kamen sie früh als Verdingkinder zu fremden Herren. Schläge, schlechtes Essen, kein richtiges Bett. Die Heimleiterin kennt tragische Geschichten. Ein Knecht, so weiss sie,

bekam regelmässig verdorbenes Fleisch zu essen. «Hier haben wirs gut. Das Essen ist recht», sagt Hans Kiener, 74. Er lächelt, zieht an seinem Villiger-Stumpen. «Hier kann man sogar ausschlafen.» Um halb acht gibts Zmorge: Kafi, Brot, Anke, Konfi. Danach steigt Kiener jeweils ins Übergwändli und in die Gummistiefel. Sein Ämtli ist es, mit einem Handwagen Brennholz von der Scheune zum Heizkeller zu fahren. Nun sitzt er auf einer Bank vor der Holzbeige, macht Pause. «Der Rücken!» Plötzlich springt Tigerli,

das Hofbüsi, auf Kieners Schoss. Er streichelt es, Tigerli schnurrt. Er sei nie verheiratet gewesen, erzählt der Knecht. «Seit meiner Kindheit habe ich einen Beistand.» Dieser regle alles für ihn: Steuererklärung, Schriftenverkehr. Die Heimtaxe pro Tag beträgt 81 Franken, bezahlt wird sie vom Bewohner mit seiner AHV oder IV, aus seinem Vermögen oder mit Ergänzungsleistungen. Die Heimleiterin: «Es gibt Bewohner, die können weder lesen noch schreiben.» Vom Beistand erhalte er 50 Franken Sackgeld wöchentlich, erzählt Kiener. u schweizer illustrierte

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Stiller Schaffer Anton Arnet, 71, macht im kalten Estrich Holzbürdeli. Ganz für sich allein. «Ohne Arbeit wäre mir langweilig.»

«Hier kann man in Würde alt werden, hat das Gefühl, noch nützlich zu sein» Hans Kiener 16 Franken gehen weg für zwei Päckli Villiger Export. Zweimal pro Woche geht er in den «Bären» zum Kafi. «Sonst hab ich nichts im Leben.» Fernsehen schaue er gern, am liebsten «Hopp de Bäse!» und «Deal or No Deal», von vielen Bewohnern «KofferSendung» genannt. «Da kommen hübsche Fröilein vor.» Punkt 12 Uhr wirds ruhig im Speisesaal. Josef Knüsel, landwirtschaftlicher Betriebsleiter, betet das Vaterunser, 35 Männer murmeln mit. Zum Zmittag gibts Kürbissuppe, Randensalat, Bratkartoffeln und Adrio, dazu Most. Ausser dem Klimpern des Bestecks ist nichts zu hören. Plötzlich ruft einer: «Das geht dich nichts an!» Dann ist wieder Ruhe. Um 12.35 Uhr sprechen alle das Schlussgebet, vorher darf keiner vom Tisch. Danach gibts Kaffee – nature oder Träsch. Den Schnaps giesst eine der zwölf Angestellten ein. Dessert wird nur sonntags serviert. Oder wenn einer Geburtstag hat. Ihre Heimat zu verlassen und ins Heim zu ziehen fällt vielen Männern schwer. Hier müssen die Einzelgänger

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lernen, sich mit anderen zu arrangieren. Ab und zu fliegen die Fäuste, wegen Kleinigkeiten. Wenns etwa darum geht, wann das Licht in der Cafeteria gelöscht werden soll. «Die meisten gehen hilfs­ bereit miteinander um», sagt Rosmarie Steiner. «Es entstehen gar Freundschaften.» Auch mit der Hygiene haben viele Mühe. «Es gibt Männer, die nur die Hose ausziehen und mit dem Arbeitshemd ins Bett steigen.» Mehrmals pro Woche kommt eine Mitarbeiterin der Spitex ins Haus. Und hilft unter anderem

Nicht ohne Gamine Hans Fellmann, 76, mit seiner Stute. Ein alter Knecht brachte gar seinen Traktor mit ins Heim. Links das Wohnhaus, rechts der Hof.

denen, die Mühe haben beim Baden und Duschen. Rosmarie Steiner: «Die meisten waren ihr Leben lang gewohnt, Anweisungen zu befolgen. Etliche erwarten das auch jetzt noch.» Einer der Männer habe mit dem Rauchen aufgehört. Mit dem so gesparten Geld kaufe er sich nun Eisenbahn-Bildbände – Geld und Zeit fürs Reisen hatte er nie. Diese Woche gehen die Pensionäre in den gemeinsamen Ausgang. Die Heimleitung hat ihnen zu Weihnachten eine Einladung für Nidle und Meringue geschenkt. Hans Kiener freut sich, die Augen des Knechts leuchten. «Hier kann man in Würde alt werden. Man bekommt das Gefühl, noch nützlich zu sein. Ein liebes Wort, ein Dankeschön, das tut jedem von uns gut.»  Spenden auf PC-Nr. 60-320090-8


publireportage publireportage Knorr Ein schön gedeckter Tisch ist Silvia Affolter und ihrem Sohn Noël wichtig. Heute gibt es Siedfleischsuppe.

«Unser wichtigster Moment» H Beim Znacht am schön gedeckten Tisch haben Silvia Affolter und ihr Sohn Noël richtig Zeit füreinander. «Hier erzählen wir uns Dinge, die man nicht zwischen Tür und Angel anspricht.»

eute gibt es Siedfleischsuppe. «Das ideale Znacht für kalte Tage», sagt Silvia Affolter. Die Gründerin und Chefin des Hotel-Fernsehkanals CityGuideTV.ch ist tagsüber viel unterwegs und immer auf dem Sprung. Der 12jährige Noël ist derweil in der Schule und arbeitet ebenso hart: «Ich will ins Gymi und habe im Mai Prüfungen!» Beiden sind die Abende deshalb besonders wichtig. «Wir machen uns immer etwas Einfaches, Gesundes. Aber ich will ehrlich sein, Noël ist bei uns der Chefkoch», meint Silvia Affolter schmunzelnd. Ihr sei wichtig, dass ein Mann kochen könne. Klar

also, dass sie bei Noël diese Fähigkeit gefördert hat. «Er macht uns problemlos einen Dreigänger», so die stolze Mutter. Er koche viel nach Rezepten und habe nun auch angefangen, selber neue Kombinationen zu erfinden. «Ja, ich koche sehr gern», sagt Noël. «Ich möchte einmal Koch werden oder Architekt oder Wirtschaft studieren.» Affolters stehen auch an diesem Abend gemeinsam in der Küche. Zuerst schneiden sie Lauch, Rüebli, Krautstiele, Zwiebeln und Knoblauch. In einer grossen Pfanne wird das Gemüse mit Wasser angesetzt und ein schönes Stück Siedfleisch beigefügt. In


publireportage publireportage Knorr Noël kocht fürs Leben gern und macht auch schon mal einen Dreigänger. Silvia Affolter: «Ein Mann muss sich auch selber was Feines kochen können.»

«Vor dem Fernseher essen gibt es bei uns nicht! Essen und Kochen sind wichtiger Bestandteil des Familienlebens» Silvia Affolter

einer zweiten Pfanne garen derweil die Mark­ knochen. «Ich koche sie separat, weil sie weissen Schaum produzieren. Mit dieser Kochweise bleibt die Suppe schön klar.» Noël bereitet derweil noch einen Salat mit Endivien und kleinen Stücken Peperoni zu. Nach rund einer Stunde Kochzeit nehmen die beiden am grossen Esstisch Platz. Die Suppe wird in Schälchen serviert, das gut gegarte Siedfleisch und das Gemüse kommen auf den Teller. Die silbernen Wasserbecher stellen sie sich auch an einem gewöhnlichen Dienstag auf den Tisch. «Mir ist wichtig, dass wir es uns schön machen.» Stoffservietten gehören ebenso dazu wie das Anzünden der Kerzen. «Vor dem Fernseher essen gibt es bei uns nicht! Essen ist nicht einfach Nahrungs­ aufnahme, sondern wichtiger Bestandteil des Familienlebens», so die Geschäftsfrau, die auch im Verwaltungsrat des «Dolder Grand» in Zürich sitzt. Die Schulaufgaben macht Noël vor dem Znacht. «So können wir noch allfällige Probleme besprechen. Oder einen Aufsatz diskutieren, den er danach schreibt», er­ klärt Silvia Affolter. Heute ist alles gemacht, und es bleibt Zeit, zusammen zu spielen: Monopoly vor dem Cheminéefeuer.

Viel lieber als drinnen zu spielen ist den bei­ den aber das gemeinsame Hobby: fischen. Wird es endlich wieder warm, gehen Noël und seine Mama alle zwei Tage mit ihren Fisch­er­ ruten an den Zürichsee. «Wir fangen Egli, ­Felchen und manchmal einen Hecht», erzählt Noël, der von seiner Mama mit drei Jahren ins Fischen eingeführt wurde. Die beiden nehmen die Fische aus und machen sich daraus eine feine Mahlzeit. «Mir war wichtig, dass Noël merkt, woher das Essen kommt. Fisch ist nicht einfach etwas, das man im Päckli im Einkaufs­ center kauft. Er weiss, dass man Respekt vor der Natur haben muss, Respekt vor dem, was man isst. Und auch, dass man halt Geduld braucht, bis man einen Fisch auf dem Teller hat», erklärt Silvia Affolter. Aus diesem Grund gehen sie auch wann im­ mer möglich die Milch oder die Eier bei einem Bauern im Dorf Herrliberg holen. Fischen ist für Noël cool. «Es braucht Geduld und Gefühl. Und man muss die Hoffnung haben, dass ­einer anbeisst. Wenn es dann an der Angel zieht, ist das schon schön. Und danach hat man was Feines zu essen.» Kein Wunder, ist eine seiner Lieblingsspeisen denn auch Sushi – er weiss, was es alles braucht, bis das japa­ nische Fischgericht auf dem Tisch ist.

Mutter und Sohn spielen nach dem Znacht Monopoly vor dem warmen Cheminéefeuer.

Stürmer beim FC Herrliberg u Noël spielt als Stürmer bei den Junioren des FC Herrliberg. Zweimal die Woche geht er für eineinhalb Stunden ins Training. Dazu kommt das Turnen in der Schule. In der Schule ist sein Lieblingsfach Mathematik. Silvia Affolter macht täglich einen halbstündigen Lauf und Yoga­übungen. Und sie geht gerne langlaufen. Das findet Noël langweilig. Drum gehen die beiden auch mal Ski fahren. «Es ist wichtig, dass jeder das findet, was ihm auch Spass macht», ist Silvia Affolter überzeugt. «Nur so macht man regelmässig Sport. Vor allem bei Kindern ist das wichtig. Sonst verleidet man ihnen das Sporttreiben.»


Beine, endlos, zum Ersten: Sandra Zita, die Begleiterin von Carl W. Hirschmann, Gründer der Jet Aviation und Jetsetter.

Beine, endlos, zum Zweiten: Athina Onassis, reichste Frau der Welt, bei der nächtlichen Flucht vor der Zürcher Kälte.

Beine, endlos, zum Dritten: Lauri Agosti hatte an der Seite von Ehemann Adriano einen überragenden Auftritt.

Eine Party – am Ende ganz Erst Springreiten, dann Pferde-Magie: Dressurshow als Highlight des Mercedes-CSI

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Partner für den Pferdesport und die LaureusStiftung: Karl Schregle, CEO Mercedes-Benz Schweiz, (l.) und CSI-Organisator Rolf Theiler.

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lötzlich fühlten sich viele in die Kindheit zurückversetzt. «Ich wuchs mit Pferden auf, bin oft geritten. Und als Hürdenläufer begeistere ich mich logischerweise besonders fürs Springreiten», sagte Ed Moses, amerikanische Olympialegende und Chef der Laureus-Stiftung, der CSI-Partnerin. Moderatorin Christine Maier war zwar nie ein pferdevernarrter Teenager. «Doch dafür ist es meine 14-jährige Tochter Naomi umso mehr. Ihr zuliebe nehme ich jetzt sogar Reitstunden.» Fussballer Murat Yakin verbindet mit Pferden vor allem die Erinnerung an

seine Lieblings-TV-Serie von früher: ­«Blacky war mein absoluter Favorit!» Fast schon obszön war da die Frage nach dem Genuss von Pferdefleisch. «Ich habs als Kind im Nachkriegs-Deutschland natürlich gegessen», bekannte Naticoach Ottmar Hitzfeld. Und selbst Reitstar Ludger Beerbaum überraschte mit dem Geständnis: «Warum nicht? Aber auf keinen Fall, wenn ich das Tier vorher geritten hab.» Gut, standen am Ende mit der Freiheitsdressur von «Pferdeflüsterer» Pignon wieder die lebenden Vierbeiner im Mittelpunkt. Text iso niedermann, Fotos kurt reichenbach


Csi Zürich Keine Gerüchte genährt: Die Schöne an Beni Thurnheers Seite war dessen Regisseurin bei der «Rocky Horror Show», Annette Kippenhan.

Nicht ver­ sichert gegen den Pferde­ sport-Virus: Swiss-LifeCEO Rolf Dörig und Ehefrau Cornelia.

Keine Hürde zu hoch: Für Laureus-Chairman Ed Moses und Ehefrau Michelle ist der CSI Zürich jährliches Must!

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Pferdenärrin als Tochter: Chris­ tine Maier und David Dimitri kennen den «Stallgeruch» von zu Hause.

Gastgeber Mercedes-Benz CSI Tatort Hallenstadion Zürich Most wanted Milliarden-Erbin Athina Onassis kam, ritt und ging zurück ins Hotel. Zugänglicher ist die scheue, reiche Frau nicht geworden Aber hallo! Dürfen Gäste und Teilnehmer des weltweit wichtigsten Hallen-Reitsportevents über die Bekömmlichkeit von Pferdefleisch diskutieren? Kulinarisch Zartrosa gebratenes Filet – vom Strauss … Party-Rating «Edles auf zwei und vier Beinen: Selten passts besser zusammen»

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Ohne Zaumzeug gebän­ digt: die Pferde aus Jean-François Pignons Freiheitsdressur.

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Immo-Party

«Ich bin heu der rote Fad ... der Sie durchs Programm führt!», begrüsst Anna Maier Souverän präsentiert die Moderatorin in einem leuchtend roten Kleid von Zoro den Gala-Abend des Svit-Forums im Grand Hotel Kronenhof in Pontresina. Mit dabei ist alles, was in der Schweizer Immobilien­ wirtschaft Rang und Namen hat. Zum Beispiel Andreas Ingold (CEO Livit, 110 000 vermietete Wohnungen in der Schweiz) oder Svit-Präsident Urs Gribi. Mehr noch: Top-Stars aus Politik (Robert Kennedy Jr. mit Sohn Robert), Wirtschaft (Finanzprofi Burkhard P. Varnholt von der Bank Sarasin) und Sawiris-Manager Raymond R. Cron (Andermatt Resort) sowie der Designer Luigi Colani, der Sprachkünstler Bastian Sick und der Sänger Roger Cicero («Frauen regier’n die Welt»). Text Max Fischer, Fotos fabienne bühler

Roger Cicero verrät Anna Maier: «Am 3. April kommt die neue CD ‹Artgerecht› heraus – unsere beste!»

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Die Gäste tafeln im 1901 von Otto Haberer gemalten Prunksaal. 50 Millionen kostete die Totalrenovation.


ImmobilienProfis unter sich: Andreas Ingold (l.) von Livit und Raymond R. Cron vom Andermatt Resort.

Dieser Tropfen schmeckt! Der deutsche Politiker und Anwalt Michel Friedman lässt es sich im Engadin gut gehen. Moderatorin Daniela Lager amüsiert sich glänzend mit Robert Kennedy Jr. und dessen Sohn Robert.

party-facts Gastgeber Svit, Schweiz. Verband der Immobilienwirtschaft Ort Grand Hotel Kronenhof Pontresina GR Kulinarisch Scampi mit konfiertem Fenchel an BelugaLinsen-Vinaigrette und luftige Kartoffel­ blinis; in Kräuteröl marinierter Milchkalbs­ rücken mit getrüffeltem Kalbshacktätschli Highlight Umweltrede von Robert Kennedy Jr.

te Abend en …»  Party-Rating

«Mix aus Workshops, Top-Referaten, Gaumenfreuden und Shows»

Stolze Direktoren: Jenny und Heinz E. Hunkeler führten das Niarchos-Haus zum «Hotel des Jahres 2008».


Jurypräsident Fredi Murer und Jris Bischof von der Filmakademie.

Gilles Tschudi gratulierte ­Alexandra Prusa zur Nomina­ tion als beste Darstellerin.

«Räuberinnen»-Regisseurin Carla Lia Monti (r.) mit Produzentin Tunje Berns.

Nominiert als beste Nachwuchs­ talente: Joel Basman (l.), Kacey Klein Mottet und Melanie Sauder.

Keine Angst vor «Räuberinnen» Schweizer Filmpreis: Der Kleinste mit dem grössten Talent stahl allen die Show

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er Partyliebling ist gerade mal 11 Jahre alt und genoss seine neue Rolle sichtlich. Alle wollten Kacey Klein Mottet zu seiner Nomination als grösstes Nachwuchstalent gratulieren. Der Westschweizer spielt in dem Drama «Home» an der Seite von Isabelle Huppert. Auf den Titel «Beste Darstellerin» hofft Alexandra Prusa. Sie kam trotz Grippe nach Solothurn – im Gegensatz zu vielen

ihrer Kollegen, die sich nicht blicken liessen! Für ihre freizügige Rolle in «Räuberinnen» erntete Prusa viel Lob. Im Gegensatz zum Film, der auch an der Party kritisiert wurde. Produzent P. C. Fueter: «Schon mal mehr gelacht!» Regisseurin Carla Lia Monti zeigte sich davon unbeeindruckt. Ihr nächster Film handelt von Bankräuberinnen! Text Sylvie Kempa Fotos BRUNO VOSER

BAK-Filmförderer Olivier Müller und BAK-Filmchef Nicolas Töchterchen Thaïs, 3, liessen sich an Bideau wurde soeben der Bar einen Sirup schmecken. zum dritten Mal Vater.


Filmtage Solothurn

small talk mit viktor giacobbo

party-facts Gastgeber Bundesamt für Kultur BAK Tatort Solothurner Filmtage Most wanted Der «Quarz». Er wird am 7. März in Luzern verliehen Food Minisandwiches, Salamiringli und Radiesli. Dazu Rotwein, Sekt und Orangenjus Hoppla! Massenweise abgelatschte Turnschuhe auf dem roten Teppich. Party-Rating

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«Wenig Glamour, dafür gemütlich und familiär – wie der Schweizer Film»

Herr Giacobbo, wir haben Sie an der ­Premiere der «Räuberinnen» vermisst! Ich war im Ausland – an einem klimatisch angenehmeren Ort als Solothurn. Haben Sie sich abgesetzt, weil Ihnen Ihr ­Auftritt im Film peinlich ist? Das kann es gar nicht, weil ich den Film noch nicht gesehen habe. Angesichts meiner Nebenrolle finde ich übrigens eher peinlich, dass im Vorfeld über den «Giacobbo-Film» geschrieben wurde. Sie spielen einen alternden Vergewaltiger. Wie überredete Sie die Regisseurin dazu? Ich fand die Story von Carla Lia Monti von Anfang an lustig und mutig. Gereizt hat mich auch die Aussicht auf jene Reaktionen, die jetzt eintreten: ein Mix aus Spiessigkeit, Empörung und Zensur. Welche Szene hat beim Dreh am meisten Spass gemacht? Als wir als Geköpfte ganzkörpermässig eingegraben wurden. Das war eine FrühBestattungserfahrung.

Gab es auch Szenen, die unangenehm waren? Alle! Schliesslich habe ich beim Dreh meine Alterspubertät entdeckt. Aber das muss in einem Trashfilm auch so sein. Im Vorspann werden die Zuschauer gewarnt, der Film könne Auswirkungen auf Potenz und Psyche haben. War das bei Ihnen der Fall? Nein, die Warnung richtete sich vermutlich ans Solothurner Cineasten-Biotop. Welche Altersgrenze schlagen Sie für die «Räuberinnen» vor? Keine. In Grimms Märchen ist eh das gesamte mögliche Gewaltpotenzial schon vorhanden. Wie sieht Ihr nächstes Filmprojekt aus? Es wird ein melancholischer Film über die Suche eines Ausgegrenzten nach gesellschaftlicher Anerkennung. Und darüber, wie er schliesslich zu sich selber findet. Erzählt in behutsamen und hochanständigen Bildern voll innerer Schönheit.


Notabene

E

Kilroy was here

Peter Bichsel

in Spaziergang mit Gerhard Meier vor bald hatte, was es zu bedeuten hat. Eben wohl nur: «Ein Mensch 50 Jahren, wir kamen an einem alten Haus war hier». vorbei, Gerhard zeigte auf den Granitquader Dutzende von Historikern, Ethnologen und anderen an der Ecke des Hauses und sagte: «Hier war Forschern versuchten herauszufinden, woher der Satz kam, ein Mensch.» Ich schaute in die Richtung und sie fanden – und erfanden wohl auch – wunderschöne und sah auf dem Stein einen grossen Krat- Geschichten und verwegene Theorien, die wohl alle etwas an zer, der – so schien es – wohl fast so alt sich hatten, aber nicht nur die Kritzler blieben anonym, auch war wie der behauene Stein selbst. Vielleicht Kilroy selbst: ein anständiges Kilroy hinterlassen, eine war der Steinmetz schon bei der Bearbei- menschliche, eine humane Spur anonym hinterlassen. tung mit dem Meissel ausgeglitten und hinterliess diese Spur In Solothurn lebte vor vielen Jahren ein Mann. Er für immer, die Spur eines Menschen. wohnte in einem kleinen Zimmerchen über einer Kneipe, und Ich denke jedes Mal daran, wenn ich an dem Haus die Wirtin umsorgte ihn rührend. In der Kneipe sah man ihn vorbeikomme, und ich bücke mich und suche den Kratzer nie. Er sprach mit niemandem, kannte niemanden, ausser und freue mich, dass er immer noch da ist: «Hier war ein eben die Wirtin. Und er ging mit ihrem kleinen Hündchen spazieren. Er arbeitete früher bei den SBB als Wagenreiniger, Mensch.» und er ärgerte sich über die schlechte Qualität Das Steinmannli am Wegrand oder auf der Putzmittel, ging ins Warenhaus und kaufte dem Gipfel in den Alpen, ein paar aufgeschichte- «Eigentlich auf eigene Rechnung bessere Mittel. Und was zu te Steine, die auf nichts anderes hinweisen, als schade, waschen war, die Deckchen in den Erstklassdass hier ein Mensch vorbeikam, nicht etwa ein wagen, brachte er nach Hause und wusch sie in bestimmter Mensch mit einem Vornamen und dass der Familiennamen, sondern ein Mensch. Und ich Sprayer von der Maschine der Wirtin. Sauberkeit war sein Leben, aber er sprach nicht davon, er sprach mit habe zwar durchaus Verständnis für den Ärger niemandem und beklagte sich über nichts. Ich der Leute über Graffiti und Tags der Hip-Hopper Zürich an Hauswänden, aber ihre Anonymität, die letzt- später einen hätte gern einmal mit ihm gesprochen, und ein lich von nichts anderem berichtet, als dass hier einziges Mal kam es dazu: Er stand mit dem Hündein Mensch war, beeindruckt mich immer wieder Namen chen vor einer Mauer, auf die gross gesprayt war: ein bisschen, und eigentlich ist es doch schade, bekam» «Get up – stand up». Und wie ich an ihm vorbeidass der Sprayer von Zürich später einen Namen gehen wollte, sprach er mich an und beschwerte bekam und einging in die Kunstgeschichte und erfolgreich sich – sehr leise – über die Schmiererei. Dann fragte er, was wurde. das denn heisse, und ich erklärte ihm, dass das eine – get up Der grosse amerikanische Autor William Faulkner – aufstehen heisse, so wie man am Morgen aufsteht, und wurde mal von Schülern tagelang interviewt. Daraus ist ein das andere – stand up – heisse, sich bewusst auf die Füsse zu Buch geworden, «Faulkner über Faulkner», das mir wichtig stellen, aufrecht zu stehen. Er schaute mich an und sagte ist, und dies vor allem, weil die Fragen meist von einer schreck- ehrfürchtig: «Hochinteressant», und war zufrieden. lichen Naivität waren. Sie fragten ihn: «Herr Faulkner, was Irgendwie erinnerte mich das an William Faulkner, der ist der Sinn des Lebens?» Er antwortete spontan: «Ein an- an anderer Stelle mal gesagt hat: Wenn ein Schriftsteller durch ständiges Kilroy zu hinterlassen.» die Wand der Vergessenheit geht, dann wird er lange genug Und er meinte damit jenes Wort und jenen Satz, stehen bleiben, um irgendetwas auf die Wand zu schreiben, den man noch in den Sechzigerjahren in Deutschland in jeder irgendetwas wie «Kilroy was here». öffentlichen Toilette fand, an Plakatwänden und Mauern: Den Herrn mit dem Hündchen sah ich später noch ab «Kilroy was here» oder eben nur «Kilroy». Ursprünglich und zu vor jener Mauer stehen, den Satz betrachten und waren es Amerikaner, Soldaten, die das überall hinkritzelten, darüber nachdenken. Er wusste jetzt, was es heisst.  später übernahmen es die Deutschen, und was die Magie ausmachte, war, dass keiner der Schreiber auch nur eine Ahnung Peter Bichsel, 73, Schriftsteller und Publizist

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Leser

«Ein verschmitzter, charmanter Kerl» d erneut als Roman Kilchsperger, 38, wir ied walten. itgl rym «MusicStar»-Ju

u Roman Kilchsperger,

SI 4/2009 «Kilchsperger ist ein verschmitzter, charmanter Kerl. Wenn er am Fernsehen moderiert, wird es lustig. Darum freue ich mich, wenn er wieder als Juror bei ‹MusicStar› ist. Seine Sprüche peppen das Schweizer Fernsehen enorm auf. Klar, er haut manchmal ein wenig über die Stränge. Aber er bleibt dabei liebensw��rdig, grinst schelmisch und erinnert an einen Schlingel, den man bei einem Streich erwischt hat.» Estella Tanner, per E-Mail

«Freuen wir uns auf ‹MusicStar› und den Züri-Schnuri Kilchsperger. Als Moderator

wird er Schwung und gute Sprüche in die Sendung bringen. Die Kandidaten sollen wissen, ob sie Talent haben. Roman wird ihnen die Antwort geben.» H. P. Hofer, Winterthur ZH

«So smart! Wenn es Roman Kilchsperger nicht gäbe, müsste man ihn erfinden. Mir gefällt, dass der TV-Moderator nicht nur witzig, sondern auch nachdenklich ist. Er macht sich Gedanken über seinen kranken Bruder, die Erziehung seines Sohnes und über seine Beziehung mit Viola Tami. Das alles macht den Schnuri sympathisch. Wir freuen uns auf seine träfen Sprüche in der ‹MusicStar›-Show.» Ann-Sophie Zuberbühler, per E-Mail

Ein wahrer Gentleman u Ottmar Hitzfeld, SI 4/2009 «Über den wunderschönen Bericht von Ottmar Hitzfeld auf den Malediven habe ich mich sehr gefreut. Der Fussballnati-Trainer ist ein wahrer Gentleman. Ich durfte ihn

einmal an einem Empfang persönlich kennenlernen. Seine höfliche, bescheidene und liebenswürdige Art ist mir in bester Erinnerung. Dass der Mann 60 geworden ist, sieht man ihm wirklich nicht an.» Leonore Wicki, per E-Mail

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impressum Nr. 5, 98. Jahrgang. Erscheint montags Beglaubigte Auflage 232 519 Exemplare ISSN 0036-7362 Abonnements-Dienst (Telefon gratis) 0800 820 920 Mo bis Fr: 7.30–18.00 Uhr, aboservice@ringier.ch Redaktion Schweizer Illustrierte, 8008 Zürich, Dufourstrasse 23, Tel. 044 - 259 63 63, Fax 044 - 262 04 42, info@schweizer-illustrierte.ch Foto Thomas Buchwalder

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«Dieses Wetter ist gemein, Vater. Oben lacht immer die Sonne, und unten ist es bewölkt!»


Die Liste

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dominique gisin

Zehn Dinge, die ich unbedingt tun muss

Aufgezeichnet von iso Niedermann

2 3 4 5 6 7 8 Durchgestartet Dominique Gisin, 23, ist nach einer fast endlosen Serie von Verletzungen bereit für die Ski-WM. Die Physik-Studentin mit bestandener Aufnahmeprüfung zur KampfjetPilotenausbildung gewann innerhalb einer Woche in Zauchensee (A) und Cortina (I) ihre ersten beiden Weltcup-Abfahrten.

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schweizer illustrierte

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Zum Heli-Skiing nach Nordamerika reisen Es gibt nichts Schöneres für mich als Skifahren! Und Powdern, das Kurven im Tiefschnee, steht da natürlich ganz oben auf der Liste. Ein Spiel von Roger Federer live sehen Planungstechnisch ist das für mich halt immer etwas schwierig. Aber ich hoffe, es klappt dieses Jahr endlich. Ein Sommertraining in Patagonien absolvieren Ich möchte unbedingt mal in Südamerika Ski fahren. Bisher wars wegen meiner Verletzungen nie möglich, dabei zu sein. Mit dem Privatflugzeug das Matterhorn umrunden Dafür benötige ich aber erst meine Privatpiloten-Lizenz, für die ich momentan so oft wie möglich lerne. Zum Eisbär-Watching nach Grönland Mein Maskottchen Iorek würde sich sicher riesig freuen, seine Artgenossen zu besuchen! Das Buch «No Limits» von Michael Phelps fertig lesen Ich habe es von meinem Bruder Marc zu Weihnachten erhalten und bin total begeistert. Schlittschuh laufen auf dem Lake Louise Ein einmaliges Erlebnis! Man sollte es sich auf keinen Fall entgehen lassen. Ein Ballett im Zürcher Opernhaus besuchen Ich habe mir sagen lassen, die Aufführungen unter Direktor Heinz Spoerli sollen fantastisch sein. Mein Adressbuch auf den neusten Stand bringen Das habe ich schon viel zu lange vor mir hergeschoben. Eine «Carmina Burana»-Aufführung besuchen Das Chorwerk von Carl Orff war meine liebste Aufführung klassischer Musik während meiner Gymnasiumszeit.

Foto Oskar Höher / GEPA / EQ

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