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SPORT #4, 5. November 2012

GEWI N Gestal NEN Carlo Jten Sie an Helm!kas

IHR AUFTRAG: WM-GOLD!

LARA GUT & BEAT FEUZ SIND UNSERE MEDAILLENHOFFNUNGEN FÜR SCHLADMING TINA WEIRATHER

IN PAPAS FUSSSTAPFEN UND MAMAS HIGH HEELS

MARCEL HIRSCHER

EIN SPORT-MULTITALENT ALS SCHWEIZER SCHRECK

DARIO COLOGNA

DIE LANGLAUF-WELT HULDIGT IHREM KÖNIG


EDITORIAL NOVEMBER 2012

DIE SCHÖNE IST KEIN BIEST. BEAT FEUZ MAG PEACH WEBER, SCHMIRINSKIS UND EDELMAIS.

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MAKING-OF

Liebe Leserin, lieber Leser Mein Lehrmeister hat mir vor vielen Jahren deutlich gesagt, wie sich ein anständiger Journalist zu verhalten hat: neutral, mit einer gesunden Distanz, den Fakten zugetan, ohne erkennbare Emotionen. Mein Lehrmeister war wohl nie am Lauberhorn, an der Streif oder am Chuenisbärgli. Wie will man distanziert, emotionslos bleiben, wenn coole Typen wie Didier Cuche, Beat Feuz oder Carlo Janka dem Ziel entgegendonnern? Gehts um Ski oder um Fussball (FC Luzern, Schweizer Nationalmannschaft), bin ich Partei. Mit viel Emotionen und wenig Distanz. Wir von der Schweizer Illustrierten sind nicht nur Partei, sondern auch Partner: Wir haben mit Swiss-Ski einen Vertrag als «Official Media Partner» unterzeichnet und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit. Die Athleten schenkten uns auch diesen Herbst wieder ihr kostbarstes Gut – ihre knapp bemessene Freizeit. Nur so waren die ungewöhnlichen Fotoproduktionen für dieses «SPORT Magazin» überhaupt möglich. Swiss-Ski sucht einen neuen Leader. Wer wird Nachfolger des grossartigen Didier Cuche? Beat Feuz winkt ziemlich schnell ab, verweist auf Didier Défago: «Er ist seit 15 Jahren dabei, kennt auf sämtlichen Pisten jede Bodenwelle. So sieht für mich ein Teamleader aus.» Für ein grosses Interview war der Schangnauer trotzdem zu haben. Der Clown vom Dienst verriet unter anderem, wer ihn zum Lachen bringt: Peach Weber. Schmirinskis. Edelmais. Olli Pocher. Seite 14. Das Reizthema bei den Frauen? Lara Gut! «Die Schöne ist das Biest», schreibt die «Frankfurter Allgemeine». Tatsächlich sind Interviews mit der hochbegabten Tessinerin gewöhnungsbedürftig. Zwei Anmerkungen dazu: 1. Es ist offensichtlich noch keinem Journalisten gelungen, mit der sensiblen Rennfahrerin eine Vertrauensbasis aufzubauen, die ein gutes Gespräch überhaupt erst ermöglicht – was allerdings eher gegen die Journalisten spricht. 2. Den meisten Ski-Fans sind die ruppigen Medienauftritte völlig egal. Sie wollen Lara lachen sehen. Sie wollen Lara siegen sehen. Die Schöne ist für sie kein Biest. Seite 22. Viel Spass mit unserem SPORT-Magazin! Urs Heller

BERGHILFE Beim TitelShooting auf dem AllalinGletscher in Saas Fee gabs tatkräftige Unterstützung durch Daniel Meyer (o.) und Dominik Kalbermatten von den Bergbahnen Saas Fee.

EISIGE ATMOSPHÄRE? Überhaupt nicht! Carlo Janka wird in «The Dom Hotel» in Saas Fee auf sein Bad in einer Wanne voller Eiswürfel vorbereitet (o., r.) und posiert nach dem Shooting inmitten des Teams der Schweizer Illustrierten mit Fotografin Fabienne Bühler, SPORTBildchef Ulli Glantz, Michael Bühler (Fotoassistenz), Julia Grunz (Styling), Jana Müller (Haare und Make-up) und SI-Sportchef Iso Niedermann (v. l.).

TITELSTORY IN LUFTIGER HÖHE Auf dem Allalin-Gletscher (3500 m ü. M.) und im Fotostudio im Hotel Schweizerhof in Saas Fee (1800 m ü. M.) wurden Beat Feuz und Lara Gut optimal in Szene gesetzt. Wegen Feuz’ lädiertem Knie kam sogar der Heli zum Einsatz. SEITEN 14–27 November 2012 · SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT


INHALT 6

PEOPLE

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BODYCHECK

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Didier Cuche, Lindsey Vonn, Dominique Gisin, Franco Cavegn, Amélie Reymond Alles, was man über Marc Gisin wissen muss

12 MEINE WELT

Fränzi Aufdenblattens wichtigste Menschen

14 BEAT FEUZ

Der fröhliche Teamleader wider Willen

22 LARA GUT

Megatalent zwischen Engel und Diva

30

38

CARLO JANKA

34 WENDY HOLDENER

TINA WEIRATHER

Unsere mutige Slalom-Hoffnung

42 MIRENA KÜNG

Mit der Geige die Karriere finanziert

56 TINA MAZE

Nicht nur wegen Dessous in aller Munde

64 DIDIER DÉFAGO UND MARKUS VOGEL Was Abfahrer und Techniker unterscheidet

66 KARL FREHSNER

50

Ein «Pionier des Windkanals» über dessen Vorzüge

68 UNSERE STARS IM PORTRÄT

Die Aktiven aus Nationalteam und A-Kader kurz erklärt

73 BENJAMIN WÄGER

Er macht aus der Schweiz eine Biathlon-Nation

MARCEL HIRSCHER

FOTOS: FABIENNE BÜHLER, SANDRO BÄBLER, JOHANNES KERNMAYER, KEYSTONE, MARCEL NÖCKER

78 ROGER WACHS UND CO.

Das Langlauf-Serviceteam im rollenden Arbeitsplatz

80 FANNY SMITH

Das «verrückte Huhn» von der Skicross-Piste

88 OCHSNER SPORT TRAVEL

Als Fan zu den grossen Ski-Klassikern

90 RACING TEAM

Wie Ochsner Sport die Stars von morgen fördert

96 WETTBEWERB

Carlo Jankas Helm gestalten – und gewinnen!

98 WAS MACHT …

Ex-Abfahrtsstar Daniel Mahrer

IMPRESSUM SPORT erscheint als Beilage der Schweizer Illustrierten Nr. 45 am 5. November 2012 REDAKTION Schweizer Illustrierte SPORT Dufourstrasse 23 8008 Zürich Tel. 044 259 63 63 Fax 044 262 04 42 E-Mail si@ringier.ch

VERLAGSDIREKTOR/ LEITUNG SPORT Urs Heller TEXTCHEF Natascha Knecht BILDREDAKTION Ulli Glantz REDAKTION Iso Niedermann, Thomas Renggli, Christian Bürge, Ilona Scherer, Yvonne Zurbrügg, Marc David, Nina Lienhard LAYOUT Dominic Koch, Martina Mayer, Doris Wüthrich (Satztechnik) CREATION Factor Design, Hamburg

60 74 ERIKA HESS

KORREKTORAT Alex Hansen BILDBEARBEITUNG Ringier Redaktions-Services VERLAG Ringier AG, 4800 Zofingen VERLAG DER RINGIERZEITSCHRIFTEN Ringier AG, Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Tel. 044 259 61 11, Fax 044 259 68 44 HEAD OF MARKETING ZEITSCHRIFTEN Thomas Passen

DARIO COLOGNA

MARKETINGLEITERIN Verena Baumann PRODUKTIONSLEITER Roland Winkler DRUCK Swissprinters, 4800 Zofingen TITEL Foto: Fabienne Bühler Location: Blick auf das Allalinhorn (4027 m ü.M.) ob Saas-Fee, Wallis

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WARM-UP PEOPLE CAVEGNS CRACKS Franco Cavegn (Mitte) mit Jürg Grünenfelder, Ambrosi Hofmann, Geschäftspartner Günter Vogt und Silvano Beltrametti (v. l.).

EXPERTEN FÜR PUDER FRANCO CAVEGN, 41, hat klingende Namen um sich geschart. Sonja Nef, Ambrosi Hofmann, Daniel Mahrer, Jürg Grünenfelder, Silvano Beltrametti und Marco Büchel heissen künftig die Mitglieder seiner erweiterten Experten-Combo. Das ehemalige Bündner Abfahrtsass ver-

spricht den Kunden von Franco-CavegnEvents nicht nur prickelnde Weltcup-Atmosphäre in Kitzbühel oder Wengen, sondern dank den Ex-Stars auch die Erklärung dazu, warum man an welcher Stelle die Hosen voll haben kann. Beim Kick-off-Abend in Maienfeld erzählt der

Ex-Skifahrer zudem, wo er am liebsten fremdgeht. «Ich muss sagen, dass nichts über Heli-Skifahren in Kanada geht», sagt Cavegn mit einem Lächeln. Die Leidenschaft für den nordamerikanischen Powder-Schnee kann sogar seine Frau Denise verstehen. www.francocavegn.ch

DIE STRAHLEFRAU GOLD-LÄCHELN «Never

give up» twitterte Dominique Gisin, 27, nach der neunten Knieoperation ihrer Karriere im Januar. Nun ist die Engelbergerin wieder fit und blickt zuversichtlich nach vorn. Gut möglich, dass ihre grosse Stunde an der WM schlägt. Denn das Schickal schuldet ihr definitv noch ein paar Medaillen. «Es kommt im Leben oft anders, als man erwartet» Dominique Gisin

AUF MÄNNERJAGD

Lindesy Vonn bläst zum Geschlechterkampf – und verstösst gegen ein Tabu. FRAUENPOWER «Ich will bei den Männern starten» sagt Lindsey Vonn, 28, und versetzt das starke Geschlecht in helle Aufregung. PR-Gag oder Ernst? Schwester Karin Kildow, 24 (l.) könnte die Rolle der Servicefrau übernehmen – spätestens dann müssten selbst die letzten Machos einsehen: Diese Konkurrenz belebt das Geschäft so oder so.

FOTOS: HERVÉ LE CUNFF, FABIENNE BÜHLER (2), OLIVIER MAIRE, CHRISTOPHER POLK / GETTY IMAGES FOR ESPN

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KNIEFALL AUS GOLD AMÉLIE REYMOND Die 25-jährige Walliserin aus Sitten ist die höchstdekorierte aktive Athletin von Swiss-Ski: 10 WM-Medaillen – fünf davon aus Gold. Allein das Abstauben ihrer 16 WeltcupKristallkugeln rechtfertigt eine Haushaltshilfe. Der Grund, weshalb sie trotzdem nur einem kleinen Kreis von Insidern bekannt ist, liegt an ihrer Disziplin – dem Telemark. In der aus Norwegen stammenden Technik kniet der Fahrer auf den bergseitigen Ski. Reymond wird den Kniefall weiter vergolden – wenn im März 2013 in Spanien die nächste WM ansteht.

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COUNTDOWN MEINE WELT

FRÄNZI AUFDENBLATTEN

STEFF ABPLANALP, 38, früherer Trainer «Sieben Jahre haben wir zusammengearbeitet. Wir sind durch Höhen und Tiefen gegangen, das hat uns zusammengeschweisst. Er hat mich zur Siegfahrerin gemacht. Heute telefonieren wir regelmässig miteinander.»

Sie ist Garant für gute Laune bei den Schweizer Ski-Frauen: Fränzi Aufdenblatten, 31, hat auch zwölf Jahre nach ihrem WeltcupDebüt, zwei Junioren-WM-Titeln und einem Weltcup-Sieg noch Spass am Beruf. Die Zermatter Frohnatur erklärt, wer ihr dabei hilft.

ANGELO MAINA, 51, Ex-Cheftrainer «Ihm verdanke ich viel. Er war Damenchef, als ich in den Weltcup kam. Dank ihm begann ich damals wieder mit Abfahrt, nachdem ich damit eigentlich aufgehört hatte. Später war er mein Markenchef bei Rossignol. Wir spielen ab und zu zusammen Golf.»

Protokoll: Iso Niedermann

SÄMI, 26, STEFFI, 27, Bruder und Schwester

PHILIPP, 60, LILIAN, Vater mit Ehepartnerin «Wir waren wohl die erste echte Patchworkfamilie in Zermatt. Anfänglich war das noch fast ein Skandal. Aber es funktioniert bestens, wir kommen alle prima miteinander aus. Mein Papa arbeitet als Physiotherapeut im Dorf. Mit Lilians Sohn Bruno ging ich schon in Zermatt zur Schule.»

NADIA STYGER, 33, Ex-Teamkollegin «Wir galten im Team als altes Ehepaar, weil wir alles voneinander wussten und manchmal auch stritten wie eines. Die Horror-WM von Bormio 2005 hat uns zusammenrücken lassen. Es war Solidarität im Misserfolg. Fortan teilten wir unterwegs immer das Zimmer.»

ELIANE, 60, KLAUS, Mutter mit Ehepartner

ZIELE IN SICHT Fränzi Aufdenblatten will ihrem bislang einzigen Weltcupsieg von 2009 im Val d’Isère weitere folgen lassen.

«Meine Mama lebt nach wie vor in Zermatt. Ich wohne in ihrem Haus, wenn ich im Dorf bin. Das ist zwar nicht sehr häufig der Fall, aber wenn ich dort bin, sehen wir uns oft. Am liebsten bin ich bei ihr, wenn es Alts-Gsottus gibt, eine Zermatter Fleischsuppe. Wir sind wirklich eine Patchworkfamilie, wie sie im Buch steht: Klaus ist auch der Götti meines Bruders Sämi.»

FAMILIE

FOTOS: FABIENNE BÜHLER (6), BLICKSPORT/RDB (2), MARCEL NÖCKER, HERVÉ LE CUNFF, KURT REICHENBACH, REMO NAEGELI, KEYSTONE, HANDOUT (11)

«Auch weil sich unsere Eltern früh trennten, haben wir Geschwister ein sehr inniges Verhältnis. Mit Sämi, der früher auch Rennen fuhr, teile ich seit drei Jahren eine WG in Zürich. Steffi ist die feinfühlige, soziale Seele unserer Familie. Sie arbeitet in den Spitälern von Visp und Brig und hält alle zusammen.


MannSchaFt

beruFlicheS uMFeld

tina Weirather, 23, Kollegin aus liechtenstein «Unser Girl aus dem ‹Ländle› nennt mich neckisch ‹Mama›. Sie fragt mich oft um sportlichen Rat, schleppt mich aber andererseits in den Ausgang, wenn ich schlafen sollte.»

Mirena Küng, 24, nadia KaMer, 26, Speedfahrerinnen Swiss Ski

daniel Petrini, 37, Manuel gaMPer, 32, doMinique Pittet, 40, disziplinen- und gruppentrainer «Mein engstes Trainer-Team, die Personen, mit denen ich täglich zusammenarbeite. Ich kann mich auf ihre Unterstützung verlassen.»

«Unsere Musikfreaks im Team sind im Begriff, eine SkinatiBand zu gründen. Ich bin froh, wenn ich nicht das Zimmer neben ihnen habe: Mirena hat die Geige dabei, ‹Nudle›, wie wir Nadja nennen, die Gitarre … Mich wollten sie als Drummerin, weil ich früher Schlagzeug spielte und bei den Zermatter Tambouren und Pfeifern war. Aber ihre Art Musik passt eher nicht zu meinem Drummerstil …»

ralPh Krieger, 50, Manager «Er ist seit Anfang meiner Karriere mein Manager. Ralph hält mir mit seiner Arbeit den Rücken frei für das Sportliche.»

Marianne abderhalden, 26, Schweizer abfahrtsspezialistin Sybille burch, 30, frühere Schulkollegin «Mit ihr machte ich die Matura an der Sportschule Engelberg, wo wir die beiden einzigen Girls waren in der Klasse. Heute ist sie die GigathlonChefin bei Swiss Olympic.»

carMen SchMid, 31, Jugendfreundin «Wir besuchten von klein auf zusammen die Schule in Zermatt. Sie war die beste Schülerin, ich die beste Sportlerin – ein ungleiches Paar, aber beste Freundinnen. Heute lebt sie als Logopädin in Luzern. Sie sorgt dafür, dass wir den Kontakt nie abbrechen lassen.»

«Unsere Klatsch-und-Tratsch-Tante im Team. Will man etwas wissen, muss man nur Mary fragen.»

doMinique giSin, 27, Speedfahrerin Swiss Ski «Sie hat zwei Seiten: Hier die perfekte Analytikerin, dort die ausgelassene, lustige Kollegin – wenn man es schafft, dass sie mal ihr Hirn etwas ruhen lässt.»

hanS lutZ Mentaltrainer «In Arlesheim bei Basel führt er eine Praxis für Mentaltraining speziell für Sportler und Manager. Er hilft mir, gewisse Dinge aus der Distanz zu betrachten.»

Fabienne Suter, 27, Schweizer Speedspezialistin «Unser Ambrosi Hofmann: Meist ganz ruhig, bis sie plötzlich einen trockenen Spruch reisst, dass alle brüllen vor Lachen.»

chriS lödler Servicemann «Er kümmert sich bei Stöckli Ski um mein Material. Er hat auch schon die Ski von Fabienne Suter oder Tina Maze präpariert. Ein Österreicher, der uns schnell macht.»

Martina Schild, 31, abfahrtskollegin Schweiz

taMara lauber, 31, ex-rennkollegin «Sie ist mit mir Rennen gefahren, bis sie sich im C-Kader das Bein brach und aufhören musste. Heute arbeitet die hoch motivierte Karrierefrau in Zürich und ist als FDP-Politikerin aktiv. Als ‹HeimwehZermatterinnen› im fernen Zürich sind wir noch näher zusammengerückt.»

Freunde

«Wir beide sind die Team-Omis, aber schwer zu schlagen in der Ragusa Trophy. Das ist ein interner Trainingswettkampf mit Zweierteams während der Vorbereitung. Die Gewinnerinnen werden in Lake Louise von den anderen zum Essen eingeladen. Wir sind Oldies, but Goldies.»

Silvan Zurbriggen, 31, Schweizer allrounder «Mein Wegbegleiter schon in der JO und später in der Schule in Engelberg. Ich weiss: Würde ich ihn in einer schwierigen Lebenslage brauchen, liesse mich Silvan nie hängen.»

Florian loriMer Konditionscoach «Ich habe ihn nach meiner schweren Knieverletzung über Didier Cuche kennengelernt. Bei Florian in Neuenburg arbeite ich an meiner körperlichen Fitness.»

STYLING: JACKE, HOSE UND SCHUHE ERHäLTLICH BEI OCHSNER SPORT; WILDLEDERJACKE VON MANOR


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WARM-UP PEOPLE

DIE STREIF IM GRIFF DIDIER CUCHE Er ist König der furchterregendsten Abfahrtsstrecke der Welt. Fünf Mal siegt Didier Cuche, 37, auf der Streif in Kitzbühel. Und hat die Piste auch als «Ski-Rentner» im Griff. Mit dem Golfschläger. Zehn Naturlöcher zwischen Starthaus auf 1665 m ü. M. und Ziel gilt es beim «Streif Attack Turnier» zu bewältigen. 860 m Höhendifferenz, bis zu 85% Gefälle, Zwischenverpflegung auf der Seidelalm. Und auf der Schlussbahn im Golfclub Rasmushof im Tal noch der «Longest Drive Contest». Sieger? Cuche, mit 285 Metern, logisch. Keiner kanns hier besser. IN

TICKETCORNER ERLEICHTERT DEN SKITAG SKITICKETS ONLINE KAUFEN, JETZT AUCH MOBIL Ticketcorner macht es uns diesen Winter noch einfacher. Neu können die Schneesportler ihr Skiticket im mobilen SkiticketWebshop auf ihrem Smartphone buchen: Die RFID-Skikarten werden innerhalb von Minuten freigeschaltet – schweizweit, für über 70 Skigebiete. Alle Infos auf www.ski.ticketcorner.ch.

ADLER AUS BRIENZ

STEFAN ABPLANALP Bildschöne Aufgabe für den

ehemaligen Trainer der Schweizer Speed-Skifahrerinnen. Stefan Abplanalp, 38, macht neuerdings die Norwegerinnen schneller. Das Team-Maskottchen für die Ski-WM in Schladming (Ö) haben die sieben gemeinsam geschnitzt. Nach einem ihrer Trainingscamps in Zermatt reisten sie im August ins Schnitzlerdorf Brienz BE. «Ohne Hilfe eines echten Schnitzlers wäre der Adler sicher nicht erkennbar», gestehen sie. Ob der Vogel sie zum Abheben bringt?

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT · November 2012

FOTOS: ADRIAN BRETSCHER, SAMMY MINKOFF, HANDOUT

Zum Start verlost Ticketcorner 5 Ski-Geschenkboxen mit je 2 Skicards und einem Gutschein im Wert von 100 Franken. Für die Teilnahme senden Sie bis spätestens 15. November 2012 eine E-Mail an wettbewerb@ticketcorner.ch.


WARM-UP BODY-CHECK

Geboren 25. Juni 1988 Grösse/ Gewicht 197 cm, 106 Kilo Wohnt in Engelberg OW Karriere Weltcup-Debüt am 16. Januar 2009; bisher 36 Weltcup-Rennen; Galt lange als Allrounder, zuletzt auf die Speed-Disziplinen spezialisiert. Erfolge 6 Top15-Plätze im WC, 2 Europacupsiege (beide Abfahrt). Sie setzen auf Marc Hauptsponsor: Helvetia; Ausrüster: Nordica (Ski/Schuhe), Marker (Bindung), Swix (Stöcke), POC (Brille/Helm).

1,97 m

MARC IN ZAHLEN

Ein Fels von einem Mann. Marc Gisin setzt mit seinen fast zwei Metern Körperlänge Athletik in Tempo um wie kaum ein anderer Skifahrer. Bleibt er von Verletzungen verschont, scheint der Speed-Spezialist reif für das Weltcup-Podest. Text: Iso Niedermann

MARC GISIN

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Hardliner Gisin, der gern Gitarre oder Schlagzeug gespielt hätte, bezeichnet sich als «sehr intensiven Musikkonsumenten». Musik eher von der harten Sorte. Metallica hat er schon mehrmals live gesehen, die Biografie von Motörhead-Gründer Lemmy Kilmister (Bild) zählt er zu seiner Lieblingslektüre. Gisin steht auch auf Red Hot Chili Peppers oder Wolfmother. Aktuelle Lieblingsband: Die Rival Sons. Gleichzeitig hört Marc gern Altes, von den Beatles etwa oder von Bob Dylan. Folkmusic fasziniert ihn ebenfalls. Edward Sharpe and the Magnetic Zeros sind sein derzeitiger Folk-Favorit. Gisin hat in seiner iTunes-Bibliothek mehr als 10000 Lieder gespeichert. Und: «Beim Autokauf ist nebst der Motorisierung die Soundanlage das wichtigste Argument.»

SOUND DES LEBENS


FOTOS: FABIENNE BÜHLER, KURT REICHENBACH, TIM HOLT/ STARSTOCK / PHOTOSHOT/FACE TO FACE, BRAUER PHOTOS, CINETEXT, HANDOUT

Immer wieder Sport Es ist unverkennbar: Mutter Beate, 51, und Vater Beat, 55, waren es, die das Sportgen an ihre Kinder weitergaben. Beide arbeiteten früher als Turn- und Sportlehrer und führen heute in Engelberg OW ein Sportgeschäft. Marcs Schwestern Dominique (2. v. r.), 27, und Michelle (2. v. l.), 18, gehören ebenfalls dem Kader von Swiss Ski an. Die Geschwister stehen sich entsprechend nahe. Marc Gisin bewohnt im elterlichen Haus das oberste Geschoss.

DIE FAMILIE

Mit 12 hatte Gisin ein GolfHandicap von 5. Er gehörte auch in dieser Sparte zum Interregionen-Kader und dachte kurzzeitig über einen Sportart-Wechsel nach. Heute spielt er bestenfalls alle zwei Wochen eine Runde und hält bei Hcp 7,5. Auch Tennis bestritt Marc im Interclub und war R7 klassiert. Weitere sportliche Freizeitaktivitäten, in denen er sich versuchte: Judo und Klettern.

MULTITALENT

HANDY iPhone 4s PARFÜM Lacoste KÖRPERPFLEGE NiveaProdukte UHR «Trage ich selten. Wenn, dann eine Nixon.» AUTO Audi A3 Sportback, «ich träume aber von einem RS6» ESSEN Fleisch. In allen Variationen GETRÄNK Apfelschorle MODELABEL Peak Performance TV-SERIE Breaking Bad FILM Man on Fire SCHAUSPIELER Denzel Washington und Michelle Rodriguez (Bild links) REISEDESTINATION «In Florida war ich, von Kanada und Alaska träume ich» BUCH Die MillenniumTrilogie von Stieg Larsson (Bilder oben).

MARCS STYLE

«Marc ist ein genialer Bruder, der alles geteilt hat. Und wenige fahren technisch so schön Ski wie er.» Dominique Gisin, Schwester


STYLING: ALLE KLEIDER ERHÄLTLICH BEI OCHSNERR SPORT

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STARS BEAT FEUZ

MANN MIT VIELEN FACETTEN Beat Feuz ist nicht nur der Spassvogel im Schweizer Team. Der Berner kennt die Erwartungen an sich und übernimmt Verantwortung.


«ICH VERBREITE GUTE STIMMUNG» Im Jahr eins nach Cuche ist Beat Feuz der designierte Leader des Schweizer Männerteams. Doch seit der grandiosen vergangenen Saison häuften sich gesundheitliche Probleme. Das einstige Jahrhundert-Talent hat indessen ein Gegenmittel: Seine Frohnatur. Text: Iso Niedermann · Fotos: Fabienne Bühler

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STARS BEAT FEUZ

ÂŤZuerst einmal muss ich mich qualifizieren. Aber bin ich an der WM dabei, ist eine Medaille schon mein AnspruchÂť


November 2012 路 schweizer illustrierte sport


«Das Pokern ist eine meiner ganz grossen Leidenschaften abseits der Piste. Und ich bin immer überzeugt, dass ich gewinne»


stars beat Feuz

E

HuT unD JEAnS-HEMD ErHälTlicH BEi MAnor; STricKJAcKE von SWiSS SKi/ EiGEnES lABEl

s ist die reinste Fahrt in der Berg-und-Tal-Bahn der Emotionen: Im vergangenen Winter wird Beat Feuz Zweiter im Gesamt-Weltcup. Und dies, obwohl er die Saison mit einem verletzten Knie zu Ende fährt. Der 25-Jährige heimst unter anderem vier Weltcup-Siege ein. Und bestätigt im reiferen Alter endlich sein scheinbar endloses Potenzial und die drei Junioren-WM-Titel von 2007. Danach beginnt eine mehrmonatige Leidenszeit: Operation, Rekonvaleszenz, Hoffnung aufs Comeback, gesundheitliche Rückschläge. Erstaunlich, hat Feuz nie seinen Schalk eingebüsst. Beat Feuz, glauben Sie ans Schicksal? Nicht sehr. Wieso? Ihre Karriere ist geprägt von Verletzungen in den dümmsten Momenten. Kreuzbandriss nach dem mehrfachen JuniorenWM-Titel, Knieoperation nach dem Durchbruch an der Spitze letzte Saison. Das hat mit Schicksal wenig zu tun. Es stimmte ja trotz der Erfolge schon letzten Winter vieles nicht in meinem Knie. Ich wusste, ich muss operieren. Doch weil ich so nahe am Weltcupsieg war, forderte ich das Knie mehr, als es vertragen konnte. Ich würde das eher «dumm gelaufen» nennen als Schicksal. Das Trainingslager in Argentinien mussten Sie aber im September erneut abbrechen. Wahrscheinlich brauchte es die Beschwerden in Ushuaia noch, damit ich dem Knie genügend Pause gönne. So gesehen, war das kein Rückschlag mehr. Aber klar, lustig war es nicht. Deine Kollegen fahren 18 Tage in Argentinien Ski, 7 Tage in Zermatt und 15 Tage im Frühling. Und ich stand seit Mitte März vielleicht 5 Tage auf Ski. Sie fingen in jüngerer Vergangenheit nach eigener Aussage an, seriöser als Spitzensportler zu leben und zu trainieren. Und trotzdem hat es Sie wieder erwischt. Ja, und man muss sich nur vorstellen, was jetzt wäre, wenn ich mich nicht zum seriöseren Sportler gewandelt hätte. Dann hätte ich womöglich die Saison als Weltcup-Spitzenreiter abbrechen müssen, und das hätte mir wirklich einen Knick gegeben. Zudem stünde ich jetzt vielleicht vor dem Karrierenende. Nach Cuches Rücktritt sind Sie der Teamleader, auf den die ganze Skischweiz hofft. Erhöhte das den Druck, schneller zurückzukommen, als vielleicht gut war? Nein, diesem Druck beuge ich mich nun wirklich gar nicht. Ich höre nur auf meinen Körper, meine Ärzte und Physiotherapeuten, die täglich mit mir arbeiten. Zudem: Ich der Teamleader? Eher nicht. Letzte Saison war ich das vielleicht, von den Resultaten her gesehen. Aber einen Teamleader zeichnet

meines Erachtens anderes aus: Das ist einer, der seit 15 Jahren im Weltcup dabei ist und jede Bodenwelle auf sämtlichen Pisten in- und auswendig kennt. Das ist ein Didier Défago bei weitem mehr als ich. Und Ihre Rolle im Team? Meine Rolle? (lacht) Ganz viel gute Stimmung und Fröhlichkeit verbreiten. Sprechen wir zuerst von den rein sportlichen Aspekten. Da sind Sie doch unser sicherster Punktelieferant. Ja, das stimmt. Und ich stelle mich auch den Erwartungen. Aber ein Teamleader bin ich deswegen noch lange nicht. Es kommen beispielsweise immer wieder neue Strecken auf uns zu. Die können einen Défago nicht mehr überraschen, mich schon. Bei uns ist es sowieso eher so, dass eine ganze Gruppe von Fahrern mit Janka, Défago, Berthod, Villetta oder Albrecht den Lead hat. Sie wollen uns weismachen, Ihre Rolle im Team habe sich durch Ihre grossartige Saison 2011/2012 kein bisschen verändert? Doch, das natürlich schon. Vor allem aber betrifft das die Erwartungen von aussen, die bis letzte Saison mehrheitlich auf Carlo lasteten. Aber dem darf ich mich nicht beugen. Ich muss immer daran denken, dass ich im Frühling eine Riesenoperation hatte. Mein Knie sah sechs Wochen nach dem Eingriff noch immer schrecklich aus. Deshalb muss man alles in den Relationen sehen. Waren Sie als Kind in der Schule eher Mitläufer oder Leithammel? Beides nicht ausgeprägt. Ich weiss heute, was ich als Skifahrer kann, und bin überzeugt davon. Aber es gibt viele andere Dinge, von denen ich weniger überzeugt bin. Als Kind war ich noch nicht sehr überzeugt von meinen Fähigkeiten, deshalb hielt ich mich wohl eher etwas im Hintergrund. Ein Reisser war ich damals ganz sicher keiner. Also sprechen wir über Ihre Rolle neben der Piste. Sie bezeichnen sich selbst als Stimmungsmacher im Team. Hilft Humor in Ihrer derzeitigen Lage? Wenn ich über mein Knie nachdenke, dann verliere auch ich mal den Humor. Aber sonst vergeht mir das Lachen selten. Worüber lachen Sie denn am liebsten? Ich lache oft, kann mich richtig kaputtlachen, wenn einer gut Witze erzählen kann. Sie selbst zum Beispiel? Nein, leider nicht. Ich kann mir Witze nicht gut merken. Aber es gibt da ein paar Spezialisten bei uns in Schangnau, die können einen nach dem anderen klopfen. Und professionell präsentierter Humor? Das ist etwas, das mich sehr fasziniert, wenn jemand auf einer Bühne das Publikum zum Lachen bringt. Zum Beispiel Peach Weber, da pruste ich los, nur schon wenn er auf die

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Bühne schlurft. Früher stand ich auf die Schmirinskis. Von ihnen suche ich heute manchmal nach alten Nummern auf Youtube. Edelmais gefallen mir auch gut, oder die Deutschen Mario Barth und Olli Pocher. Beat Feuz – der Spassvogel im Skiteam, der den anderen auch mal Salz in den Zuckerstreuer füllt? Vor Streichen von mir müssen sich die anderen weniger fürchten. Ich bin eher einer, der in den passenden oder unpassenden Momenten einen trockenen Spruch rauslässt. Zeigen Sie Ihre Gefühle auch, wenn das Skifahrerleben mal nicht so lustig ist? Eher weniger. Unterwegs sieht man wohl schon nicht immer mein wahres Gesicht. Aber meine Teamkollegen können mich inzwischen wohl ziemlich gut einschätzen. In einem kürzlichen Foto-Shooting mit den Fahrern von Swiss-Ski in einem Zirkus wollten Sie unbedingt der Clown sein. Stimmt. Man spricht ja vom Skizirkus. Und ich fand schon immer, ein Zirkus ohne Clown ist kein richtiger Zirkus. Zuerst wollten sie mich als Seiltänzer ablichten, aber der Clown ist schon mehr meine Rolle. Nach den Problemen in der Vorsaison ist Feuz selbst im Ungewissen, wo er leistungsmässig steht. Der Skimarken-Wechsel von Salomon zu Head macht ihm aber trotz fehlender Trainings- und Testtage Mut. Bis zur WM im Februar in Schladming (Ö) hofft der Emmentaler aus Schangnau BE, die Mankos wettgemacht zu haben. Und dann ernsthaft um die Medaillen mitkämpfen zu können. Was liegt diesen Winter angesichts der Verletzungsgeschichte für Sie drin? Das Augenmerk liegt ganz bei der WM in Schladming. Doch zuerst muss ich mich einmal für die Titelkämpfe qualifizieren, was nach dem zurückliegenden Sommer keine Selbstverständlichkeit ist. Bin ich mal dabei, will ich natürlich eine Medaille gewinnen.

beat feuz in zahlen Geboren 11. Februar 1987 in Schangnau BE privat liiert mit der ehemaligen österreichischen Slalom-Spezialistin Katrin Triendl Gelernter beruf Maurer Grösse/Gewicht 172 cm/80 kg erfolGe Junioren-WM: 3 × Gold 2007 (Abfahrt, Super-G, Kombination), 2 × Bronze im Salalom (2005, 2007); Weltcup-Debüt am 10. Dezember 2006; bisher 5 Weltcupsiege (3 × Abfahrt, 2 × Super-G), 10 weitere Podestplätze; 2. Weltcup-Gesamtwertung 2011/2012. www.beat-feuz.ch

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STARS BEAT FEUZ

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T-SHIRT: MANOR

«Ich habe immer schon gefunden, ein Zirkus ohne Clown ist kein richtiger Zirkus»

Wo ist sie am ehesten realistisch? Wahrscheinlich schon in der Abfahrt. Aber irgendwie fühle ich mich seit letzten Winter auch im Super-G wohl. Das war neu, denn bisher war ich ein Rennfahrer, der sich immer zuerst ein- bis zweimal vorsichtig in Trainingsfahrten an eine Strecke herantasten musste, was im Super-G nicht möglich ist. Dazu halte ich mich auch in der Super-Kombination für fähig, um die Medaillen mitzukämpfen. Aber sicherlich nur, wenn ich nach der Abfahrt in den ersten drei klassiert bin. Thema Gesamtweltcup: Kann es sein, dass Sie weniger oft starten, um Ihren Körper weniger zu belasten, und damit den Weltcup von vornherein abschreiben? Das kann ich jetzt wirklich noch nicht sagen. Ich lasse mich derzeit keinesfalls auf die Äste hinaus. Zudem liess ich ja schon letzten Winter einige Riesenslaloms aus. Könnte das per Reglement «entschärfte» Material für Sie als Allrounder ein Vorteil sein gegenüber den Spezialisten?

Da glaube ich eher ans Gegenteil: Die Spezialisten hatten in der Vorbereitung mehr Zeit, um ihre Technik umzustellen und anzupassen. Ihre Gewöhnungszeit wird kleiner. Sie haben auf die neue Saison von Salomon zu Head gewechselt. Da kommt eine Verletzung mitten in der Umstellung wohl noch viel ungelegener als sonst schon. Deswegen mache ich mir keine Sorgen. Klar fehlen mir ein paar Testtage, aber Head hat ein Super-Testteam, das meine Ski sehr sorgfältig durchgefahren und angepasst hat. Und normalerweise finde ich die Abstimmung meines Materials jeweils recht schnell. Didier Cuche hätte sich für Head in Ushuaia mit Ihnen speziell um die Abstimmung des Materials kümmern sollen. Nicht hätte – hat. Wir arbeiteten dort schon drei Tage zusammen, ehe ich zurückreisen musste. Das ist trotz allem wertvolle Zeit. Wird Cuche auch während der Saison Ihr Berater in Materialfragen sein? Das ist derzeit nicht vorgesehen. Doch er

kann mir mit seiner Erfahrung natürlich wertvollen Rat geben, und wenn ich ihn brauche, wird er für mich erreichbar sein. Aber ich bin ja schon recht selbständig … Schauen wir voraus: Wen von Swiss-Ski erwarten Sie diesen Winter vorn? Das kann ich momentan noch kaum einschätzen. Ich habe meine Kollegen ja noch viel zu wenig fahren sehen. In Ushuaia trainierte ich allein auf einer einfacheren Piste. Allerdings würde es mich nicht überraschen, wenn Marc Berthod diesen Winter stark fährt. Ich habe den Eindruck, der Markenwechsel zu Salomon hat das alte Feuer bei ihm wieder entfacht. Und international? Grosse Überraschungen erwarte ich keine. Hirscher wird in den technischen Disziplinen das Mass bleiben, und in den Speed-Disziplinen werden die Österreicher und Italiener oder auch Bode Miller dominieren. Ist Hirscher für den Gesamtweltcup nun noch stärker zu favorisieren, wo Svindal, Kostelic oder Sie nicht mehr so viele Kombinationen haben, um ihn zu distanzieren? Das könnte sein. Es sind ja noch zwei Kombis im Programm, letztes Jahr waren es vier. Es geht da also nicht um einen «Vorteilsverlust» von 500 Punkten für uns Konkurrenten. Da bleibe ich ganz gelassen. Feuz das Pokerface. Vielleicht, ja. Pokern ist in der Tat eine meiner grossen Leidenschaften. Und im Skisport liebe ich es manchmal auch, in gewisser Weise zu pokern. Beispielsweise bei der Auswahl der Ski oder der Schuhe. Doch eigentlich ist das kein Gambeln, denn ich bin ja überzeugt von dem, was ich mache. Und ich bin immer überzeugt, dass ich gewinne. Auch am Pokertisch, wenn wir am Abend einmal eine Runde spielen. Wo dann das ganze Preisgeld draufgeht? Ach wo! Wir spielen untereinander vielleicht mit zehn Franken Einsatz. Das Ziel ist, einen lustigen Abend zu haben, und nicht, einander das Geld aus der Tasche zu ziehen. Man soll sich ja am nächsten Morgen wieder fröhlich in die Augen schauen können. November 2012 · SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT


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STARS LARA GUT

ENGEL ODER TEUFELCHEN? Lara Gut besitzt das sportliche Potenzial zum Superstar. Doch mit ihrer Art eckt sie immer wieder an.

ENGEL UND DIVA

Wunderkind auf der Achterbahn. Die Tessinerin Lara Gut, 21, hat in ihrer kurzen Karriere schon fast alles erlebt. Nach einer Saison voller Entt盲uschungen will sie jetzt wieder durchstarten. Text: Thomas Renggli 路 Fotos: Fabienne B眉hler

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT 路 November 2012


November 2012 路 schweizer illustrierte sport


ÂŤIch mache mein Ding. Und das ziehe ich durch. Was die anderen denken, interessiert mich nichtÂť


STYLING: STULPEN VON OCHSNER SPORT, STRICKJACKE VON MANOR; LOCATION: HOTEL «THE DOM», SAAS-FEE

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STARS LARA GUT

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ie ist schön. Und sie ist schön schnell. Lara Gut befindet sich auf der Überholspur. Schon im Zahnspangenalter fuhr die Tessinerin aus Sorengo bei Lugano ihren Alterskolleginnen um die Ohren. Wunderkind. Schneeprinzessin. Ausnahmetalent. Der Superlativ ist ihr treuster Wegbegleiter. Mit 16 gewann sie überlegen den Europacup. Mit 17 Jahren und acht Monaten siegte sie als bisher jüngste Fahrerin in einem Weltcup-Super-G. Mit 18 fuhr sie an den Weltmeisterschaften in Abfahrt und Superkombination jeweils auf den zweiten Platz. Silber um den Hals. Ein Lächeln aus Gold. Lara im Wunderland. Das 21-jährige Tessiner Ski-Starlet besitzt den Glamour und die technische Klasse, um das Schweizer Frauen-Team aus dem sportlichen Halbdunkel herauszuführen – um an die goldenen 80er- und 90er-Jahre anzuknüpfen, als Erika Hess, Maria Walliser, Michela Figini und Vreni Schneider die Konkurrenz in Grund und Boden fuhren. Gut weiss, was sie will: «Ich mache mein Ding, und das ziehe ich durch.» Durchziehen heisst im Fall des selbstbewussten Girls auch: eine Extratour fahren. In ihrem eige-

nen Privatteam – mit Vater Pauli Gut als sportlichem und strategischem Vordenker, Luca Agazzi als Kotrainer, Patrick Flaction als Konditionscoach und Barnaba Greppi als Servicemann. Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit übernimmt Infront/Ringier. Trotzdem ist Lara Gut während des Grossteils der Saison ins Schweizer Team integriert. Die Rennen bestreitet sie im Dress von SwissSki, und die Durchführung von individuellen Speed-Trainings wäre selbst für die unabhängigste Athletin aus logistischen und sicherheitstechnischen Gründen zu aufwändig. So wird Gut immer wieder mit dem Vorwurf des Rosinenpickens konfrontiert. Der Schweizer Verbandspräsident Urs Lehmann relativiert: «Es ist ein Geben und Nehmen. Lara profitiert vom Schweizer Team, und das Team profitiert von ihr. Es bestehen keine Probleme.» Das Problem lag zuletzt vor allem bei Gut selbst. Nach dem Skimarkenwechsel von Atomic zu Rossignol fuhr sie im vergangenen Winter ihrem eigenen Potenzial hinterher – und mit frustrierender Regelmässigkeit am Podest vorbei. Der 4. Platz im Super-G von Lake Louise blieb ihr bestes Resultat. Vor allem im Slalom verirrte sie sich im Stangenwald: Sechsmal ging sie an den Start, sechsmal schied sie aus. Gut zog die Notbremse

November 2012 · SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT

HAARE UND MAKE UP: JANA MÜLLER; STYLING: JULIA GRUNZ; MÜTZE UND TOP ERHÄLTLICH BEI OCHSNER SPORT, STRICKJACKE VON SWISS-SKI/ EIGENES LABEL

«Ich will mich voll auf meine Stärken konzentrieren. Deshalb fahre ich diese Saison keine Slaloms»


stars lara gut

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«Der Gesamtweltcup-Sieg ist bei Lara Gut nicht nur möglich, sondern er ist realistisch» Karl Frehsner

und erklärte im Hinblick auf die neue Saison den Verzicht auf ihre Sorgendisziplin: «Ich will mich voll auf meine Stärken kon­ zentrieren. Um sich gezielt auf einen Slalom einzustellen, braucht es mehr Zeit, als mir in der vergangenen Saison zur Verfügung stand.» Während Lehmann den Entscheid begrüsst, weil so in den anderen Disziplinen die Chance auf Spitzenplätze grösser werde, ist auch die gegenteilige Meinung zulässig. Denn faktisch kapitulierte Gut im Kampf um den Gesamtweltcup schon vor dem ersten Schwung. Trainerlegende Karl Frehsner, früher selber als Coach und Berater im Team Gut angestellt, kann das nicht nachvoll­ ziehen: «Die Ankündigung ist übereilt. Eine Fahrerin mit dem Potenzial von Lara muss sich alle Optionen offenhalten.» Auch über ihre Sonderstellung im Schwei­ zer Verband hat der Österreicher eine klare Meinung: «Ich hätte das nicht zugelassen. Lara erweist sich damit einen Bärendienst – weil sie sich unnötigen Druck auflastet. Ihre Leistungen werden viel härter kritisiert als die der anderen Fahrerinnen.»

FoTo: PeTer KlAunzer/ KeySTone/ HAnDouT

lara gut in zahlen Geboren 27. April 1991 in Sorengo TI. privat liiert GröSSe/Gewicht 160 cm/ 56 kg erfoLGe WM: Silber in Abfahrt und Super-Kombination im Val d’Isère 2009. Junioren-WM: Silber in Abfahrt in Altenmarkt 2007 und Formigal 2008. Weltcup-Siege: Super-G in St. Moritz im Dezember 2008. Super-G in Altenmarkt im Januar 2011. – Europacup: Gesamtsiegerin 2007/2008. Disziplinensieger in Abfahrt und Super-G 2007/ 2008. www.laragut.ch

Gut weist derartige Einwände entschie­ den von sich: «Ich weiss, was ich mache. Was andere sagen, interessiert mich nicht.» So viel Konsequenz kann auch als Sturheit wahrgenommen werden: «Die Schöne ist das Biest,» schrieb beispielsweise die «Frank­ furter Allgemeine Zeitung» vor Jahresfrist über die oft launische und abweisende Art der designierten Ski­Queen. Auch das prallt an der Tessinerin ab: «Die Medien schreiben und berichten ohnehin, was sie wollen. Das ist mir egal.» Echte Überzeugung, oder trot­ ziger Selbstschutz? Tatsache ist: Lara Gut hat mit ihrem schnellen Erfolg einen Massstab gesetzt, dem sie zuletzt nicht mehr gerecht wurde. So belegt sie in Abfahrt und Riesenslalom im Moment «nur» den 18. Platz der Weltcup­ Startliste. Im Super­G ist sie 8. Der 14. Platz im Gesamtweltcup des vorigen Winters war eine grosse Enttäuschung. Dass sie noch immer die beste Schweizerin war, kann darüber nicht hinwegtäuschen. Dabei hat sie in ihrer Karriere bewiesen, dass sie auch mit Widerständen zurecht­ kommt und auf Rückschläge reagieren kann. Im September 2009 stürzt sie während des Riesenslalomtrainings in Saas Fee. Mit einer Hüftluxation verpasst sie die gesamte Saison und muss auch für die Olympischen Spiele in Vancouver Forfait erklären. Ein Jahr später kehrte sie zurück – und feiert im Januar 2011 in Zauchensee ihren zweiten Weltcupsieg. Zuvor war sie wegen dem Verstoss gegen die Kleiderregel (und öffentlicher Kritik am damaligen Cheftrainer Mauro Pini) für zwei Rennen gesperrt worden. Jene Wochen auf der sportlichen und emotionalen Achterbahn sind exemplarisch für Guts wechselvolle Karriere. Dabei würden ihre sämtlichen Qualitäten nur in eine Richtung weisen – ganz nach oben:

«Der Gewinn des Gesamtweltcups ist für Lara nicht nur möglich, – sondern er ist realistisch», sagt Karl Frehsner. Lara Gut hat in diesem Sommer auf die rückläufigen Tendenzen reagiert. Sie stellte die Ernährung um – weniger Kohlenhydrate, mehr Eiweiss – und arbeitete noch gezielter im physischen Bereich. Im Sinne einer Effizi­ enzsteigerung orientierte sie sich auch in der Wahl der Trainingsorte neu, verzichtete auf ein Camp in Argentinien oder Neuseeland, trainierte ausschliesslich in Zermatt. Als die Schweizer Frauen aus Argentinien zurück­ kehrten, schloss sich Lara fürs Speed­Trai­ ning dem Swiss­Ski­Team an. Die sommer­ lichen Vergleichswerte lassen keinen Raum für Missverständnisse. «Lara ist sehr schnell unterwegs», sagen die Schweizer Team­ mitglieder unisono. «Lara ist bei den Bes­ ten», bestätigt Trainer Daniele Petrini. Die Hochgelobte selber relativiert: «Das Gefühl ist gut, aber die Zeiten im Sommer sind für die Rennen ohne grossen Wert.» Auch Urs Lehmann dämpft die Erwartungen: «Ich habe noch nie von einer Fahrerin gehört, die im Sommer langsam war. Entscheidend ist der Weltcupstart.» Ob Konkurrentinnen, Kolleginnen, Trainer oder Fans – über das sportliche Potenzial der Tessinerin existiert nur eine Meinung: Gut ist besser. Von ihren Anlagen und Möglich­ keiten her bringt sie ohnehin alles mit, um eher früher als später wieder durchzustarten und aus dem Windschatten von Ausnahme­ könnerinnen wie Lindsey Vonn, Tina Maze oder Maria Riesch herauszufahren. Bleibt sie von Verletzungen verschont, verschwendet sie keine Energien auf Nebenschauplätzen, kann aus dem Wunderkind schon bald ein Weltstar werden. Doch es gibt ein Problem: Die grösste Gegnerin von Lara Gut heisst Lara Gut. November 2012 · schweizer illustrierte sport


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STARS CARLO JANKA

COOL INS EISBAD Viruskrankheit, Herzoperation, Rückenprobleme. Ski-Star Carlo Janka hatte zuletzt nichts zu lachen. Doch jetzt will er wieder an alte Zeiten anknüpfen – und denkt auch schon an Olmypia 2022. Interview: Thomas Renggli · Fotos: Fabienne Bühler

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT · November 2012


STYLING: CARLO JANK A TRÄGT HUGO BOSS

ON THE ROCKS «In diesem Eisbad hätte ich es nicht länger als fünf Minuten ausgehalten», sagt Carlo Janka nach dem Foto-Shooting in «The Dom Hotel» in Saas Fee.

November 2012 · SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT


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lympiasieger und Weltmeister und Gesamtweltcupsieger. Carlo Janka, 26, ist der höchstdekorierte Schweizer Skirennfahrer der Gegenwart – ein Ausnahmekönner und Allrounder, wie es ihn seit Pirmin Zurbriggen hierzulande nicht mehr gegeben hat. «Iceman» nennt ihn die Boulevardpresse – und eiskaltes Blut beweist er in fast jeder sportlichen Lebenslage. Da, wo seine Konkurrenten das grosse Nervenflattern überkommt, wird Janka besser, schneller, sicherer. Ihn aus der Ruhe zu bringen ist schwieriger, als die Rhätische Bahn kurzfristig in einen TGV umzubauen. Janka ganz cool – umso mehr, wenn er sich für das Foto-Shooting in eine Badewanne voll Eiswürfel legen muss: «So ist mein Naturell – ich war schon immer ein ruhiger Typ. Aber in dem Eisbad hätte ich es trotzdem nicht länger als fünf Minuten ausgehalten», sagt er mit frostigem Lächeln. Es war allerdings nicht die einzige unwirtliche Erfahrung, die Janka in den letzten zwei Jahren machen musste. Gesundheitliche Probleme brachten ihn weit stärker von der Ideallinie ab als jede Sprungkombination und Pistenkompression. Zuerst ein heimtückischer Virus, dann Herzrhythmusstörungen und in der vergangenen Saison hartnäckige Rückenschmerzen – ausnahmslos Beschwerden, die sich weder leicht lokalisieren noch schnell bekämpfen liessen. «Ist das Kreuzband gerissen, weiss man, woran man ist. In meinem Fall war aber alles komplizierter und unvorhersehbarer.» Sein Trainer, der Österreicher Sepp Brunner, weist besonders auf die psychische Seite der langen Ungewissheit hin: «Es braucht unglaublich viel mentale Energie, wenn man sich ständig mit der eigenen Gesundheit zu befassen hat. Das zehrt in jeder Beziehung an der Substanz.» Vor diesem Hintergrund mutet die Geschichte von Jankas bisher letztem Weltcupsieg schier unglaublich an: Aufgrund der anhaltenden Beschwerden schweizer illustrierte sport · November 2012

musste er sich am 23. Februar 2011 in Zürich am Herzen operieren lassen. Zehn Tage später gewann er in Kranjska Gora den Riesenslalom. Vom Operationstisch direkt zuoberst aufs Podest. Was zum grossen Befreiungsschlag hätte werden sollen, erwies sich allerdings als «Netzroller». In der vergangenen Saison kämpfte Janka mehr mit dem eigenen Rücken als mit den Gegnern. Er spricht von Verschleisserscheinungen, die im Spitzensport unvermeidlich seien. Zwar deutete er seine Klasse zwischendurch an, aber letztlich blieben vierte Plätze im Riesenslalom von Sölden und der Abfahrt am Lauberhorn die besten Resultate. Dass er sie auf besonders anspruchsvollem Terrain herausfuhr, ändert an einer Tatsache nichts: Für einen Mann mit Jankas Potenzial sind vierte Plätze nicht viel mehr als Trostpreise. «Der vergangene Winter war eine schwere Zeit, aber auch negative Erfahrungen können positiv sein. Man kann aus ihnen lernen.» Ein erster Lerneffekt führt zur Umstellung des Krafttrainings. Mit einem neuen Fitnesstrainer arbeitet Janka nun nach geändertem Prinzip. Es basiert auf weniger Gewichten, aber mehr Wiederholungen. Dass bei Herzfrequenzmessungen noch immer gewisse Zwischenschläge zu erkennen sind, beunruhigt ihn nicht. Neue Saison, neues Glück. Gesundheitlich wähnt sich der Bündner wieder auf gutem Kurs: «Wie ein junges Reh fühle ich mich zwar nicht mehr – diese Zeiten sind vorbei. Aber Herz und Rücken habe ich unter Kontrolle», sagt er. Gibt es Probleme, betreffen sie derzeit vor allem das Material. Bei Janka drückte im Sommer der Schuh – ein Handicap, auf das Skirennfahrer besonders sensibel reagieren, das die ganze Abstimmung durcheinanderbringen kann. Die Lösung lag sozusagen in der Vergangenheit. Mittlerweile fährt Janka mit einem zehn Jahre alten Schuhmodell. Neu sind dagegen auch für ihn die Materialregeln der FIS – mit einer geringeren Tail-

«Der vergangene Winter war schwer. Aber aus negativen Erfahrungen kann man lernen»


zum ersten Mal wieder an den ungeliebten Stadtrivalen Manchester City: «Ärgerlich, aber das wird sich wieder ändern», sagt er – und scheint damit indirekt auch seine eigene Situation anzusprechen. Ein echter Champion lässt sich von kurzfristigen Entwicklungen nicht aus dem Gleichgewicht bringen, er denkt vielmehr in grösseren Dimensionen: «Vielleicht bin ich ja an den Olympischen Spielen 2022 in St. Moritz und Davos noch am Start. Olympia vor der eigenen Haustür. Das wäre ein Anreiz, um noch lange weiterzumachen.» In neuneinhalb Jahren ist Carlo Janka 35 Jahre alt. Für Didier Cuche fing der Spass in diesem Alter erst richtig an.

carlo janka in zahlen

GEborEn 15. Oktober 1986 in Ober­ saxen GR privAt liiert GrössE/GEWicht 186 cm/87 kg ErfolGE Olympische Spiele: Gold im Riesenslalom Van­ couver 2010. WM: Gold im Riesenslalom und Bronze in der Abfahrt in Val­d’Isère 2009. Carlo Janka debütierte am 21. Dezember 2005 im Weltcup. Seither feierte er neun Weltcupsiege und gewann 2010 als erster Schweizer seit Paul Accola 1992 den Gesamtweltcup. Anfang September 2009 siegte er in Beever Creek innerhalb von drei Tagen in drei verschiedenen Disziplinen. Vor ihm war das nur Jean­Claude Killy in der ersten Weltcupsaison 1967 gelungen. www.carlo­janka.ch November 2012 · schweizer illustrierte sport

HAARe unD MAKe­uP: JAnA MülleR; STylInG: JulIA GRunz; lOCATIOn: HOTel «THe DOM», SAAS­Fee

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lierung der Ski und einem entsprechend veränderten Kurvenverhalten. «Sind die Pisten hart und die Kurse eng gesteckt, verändert sich nicht viel. Weiche Verhältnisse mit weiten Kurven sind für das neue Material aber Gift.» In jedem Fall müsse man mehr Energie aufwenden, um die Kurven sauber zu fahren, sagt Janka. Männer-Cheftrainer Osi Inglin beschreibt die neuen Voraussetzungen für alle Fahrer als Herausforderung: «Sie können nicht mehr auf alte Erfahrungen zurückgreifen – müssen sich alles neu erarbeiten.» Gleichzeitig sieht er für Janka darin eine Chance: «Ein guter Skifahrer bleibt ein guter Skifahrer. Wenn Carlo die richtige Abstimmung findet, wird er unter normalen Umständen wieder vorn mitfahren.» Ob Janka die Rolle des Leaders vom zurückgetretenen Didier Cuche übernehmen kann, ist für Inglin nebensächlich: «Teamrollen dürfen im Skisport nicht überbewertet werden. Letztlich fährt jeder für sich selbst. In dem Sinn gibt es auch keine Wortführer. Jeder darf das Maul aufmachen, wenn ihm etwas nicht passt.» Das gilt auch für Janka, der nicht laut werden muss, um sich Gehör zu verschaffen. «Wenn es um substanziell wichtige Themen geht, dann kommuniziert Carlo klar und direkt», sagt Inglin. Egal, ob Leader oder nicht. Carlo Janka wird an jenen Massstäben gemessen, die er selber gesetzt hat. Spätestens an den Weltmeisterschaften in Schladming erwartet die Öffentlichkeit von ihm Spitzenplätze und Medaillen. «Die Erwartungen sind Teil des Sports – damit muss ich leben. Und dass an der WM der Druck steigt, ist selbstverständlich», sagt er mit weltmeisterlicher Gelassenheit. Bei einem Thema jedoch verliert selbst der Iceman seine Coolness. Wenn es um das Schicksal seines Lieblings-Fussballklubs Manchester United geht. Auch hier blickt er auf harte Zeiten zurück. Der Titel in der englischen Premier League ging nach 44 Jahren


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STARS WENDY HOLDENER

GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Als ihr Bruder Kevin an Krebs erkrankte, dachte Wendy sogar daran, mit dem Skisport aufzuhören. SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT · November 2012

SCHUHE: MANGO, JACKE: SWISS SKI, STRICKJACKE: MANOR

«Als Juniorin fuhr ich in den JORennen nie ohne Kaugummi im Mund. Diese Zeiten sind im Weltcup vorbei»


MUTIGE VORKÄMPFERIN Wendy Holdener gilt als grösste Schweizer Nachwuchshoffnung. Aber sie weiss, dass Träume schnell platzen können. Nach einem schweren Schicksalsschlag will sie jetzt richtig Gas geben. Text: Thomas Renggli · Foto Fabienne Bühler

JACKE UND T-SHIRT ADIDAS, ERHÄLTLICH BEI OCHSNER SPORT

WENDY HOLDENER


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STARS WENDY HOLDENER

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SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT · November 2012

«Ich will nicht zu viel studieren und einfach möglichst gut fahren» werden Holdener und Co. an den Glanzresultaten ihrer Vorgängerinnen gemessen. Der Slalom war während Jahrzehnten die grosse Bastion der Schweizer Frauen-Equipe, sozusagen der rote Teppich zum Podest: Vreni Schneider (34 Siege), Erika Hess (21), Lise-Marie Morerod (10) und Corinne Schmidhauser (4) führten die Schweizer SkiDamen zwischen 1975 und 1995 in der technischen Disziplin zu sagenhaften 69 Siegen. Doch dann riss der Film. Der letzte Slalomsieg einer Schweizerin (Marlies Oester) liegt schon fast elf Jahre zurück. Seit Sonja Nefs Rücktritt Ende 2005 klassierten sich die Schweizerinnen nur noch sechsmal in den Top 10. Schon eine Qualifikation für den zweiten Lauf gilt seither als Erfolg. «Der Schweiz fehlt in dieser Disziplin eine ganze Generation», sagt Hans Flatscher, der neue Frauen-Cheftrainer von Swiss-Ski. Seine Ehefrau, Sonja Nef, fuhr vor neun Jahren in Park City als letzte Schweizerin aufs Podest. Mit Holdener hat jetzt eine Athletin die Piste betreten, die dieses Erbe einmal verwalten kann. Flatscher fordert trotzdem Geduld: «Das primäre Ziel ist, regelmässig zu punkten – um sich Schritt für Schritt in der Startliste nach oben zu arbeiten.» Wendy Holdener schätzt die Rückendeckung ihrer Trainer: «Ich will nicht zu viel studieren und einfach möglichst gut fahren.» In den vergangenen Jahren war dies aus privaten Gründen nicht möglich. In ihrer Familie

spielte sich ein Drama ab, das die Bedeutung des Sports weit überstieg. Bei Kevin Holdener, Wendys drei Jahre älterem Bruder, wurde 2011 ein bösartiger Krebstumor im Bauch diagnostiziert. Für die ganze Familie begann eine Zeit der Ungewissheit und der Angst: «Ich konnte nicht damit umgehen und wollte mir nicht eingestehen, wie sehr es mich belastete», erzählt Wendy. Nach einer schweren Operation und diversen Chemotherapien ist Kevin heute krebsfrei. Für Wendy die wichtigste Voraussetzung, um mit vollem Elan in ihre dritte Weltcupsaison zu steigen: «Ich fühle mich nun wieder viel freier und kann mich ganz auf den Sport konzentrieren.» Einen Erfolg hat Wendy Holdener in diesem Jahr schon gefeiert – am Grümpelturnier des FC Aegeri. Es war der erste Sieg einer Schweizer Slalomfahrerin seit 2002.

WENDY HOLDENER IN ZAHLEN GEBOREN 12. Mai 1993 WOHNORT Unteriberg SZ GRÖSSE/GEWICHT 167 cm/60 kg KLUB SC Drusberg ERFOLGE Weltcup-Premiere: 23. Oktober 2010. Top-Resultat: 14. im Slalom von Courchevel im Dezember 2011. Junioren-WM: Gold in Kombination, Silber in Abfahrt, Bronze in Riesenslalom in Crans-Montana 2011. Schweizer Nachwuchssportlerin des Jahres 2011 www.wendyholdener.ch

HAARE UND MAKE UP/ STYLING: JULIA GRUNZ; JACKE UND T-SHIRT ADIDAS, ERHÄLTLICH BEI OCHSNER SPORT

ie erscheint mit einem scheuen Lächeln zum Interview. Mit der charmanten Unsicherheit einer jungen Sportlerin, die den Slalom durch die Medienwelt weit weniger gut beherrscht als den Tanz durch die Tore. Wendy Holdener, 19, eines der grössten Skitalente des Landes, gab ihre Premiere im Weltcup mit 17 Jahren. Ins Scheinwerferlicht tritt sie aber noch immer mit einer Mischung aus Staunen und Demut: «Als junge Fahrerin wird man im Weltcup mit vielen Dingen konfrontiert, die man nicht kennt. Plötzlich muss man in Fernsehkameras sprechen, Interviews geben, die eigene Leistung analysieren. Das ist gar nicht so einfach, sich immer auf den Sport zu konzentrieren.» Die Schwyzerin aus Unteriberg hat das Potenzial zu grossen Taten. An den JuniorenWM in Crans-Montana gewann sie vor anderthalb Jahren einen kompletten Medaillensatz. Im vergangenen Winter – ihrer ersten kompletten Weltcup-Saison – fuhr sie regelmässig in die Top 20. Der 14. Platz im Slalom von Courchevel ist bisher ihr bestes Resultat auf höchster Stufe. «Ich bin noch immer dabei, mich im Weltcup zu etablieren.» Dabei müsste sie, zumindest auf dem Papier, bereits eine Leaderrolle übernehmen. Denn das Grüppchen der Schweizer Slalomfahrerinnen besteht aus Athletinnen, die zuletzt vor allem mit der eigenen Gesundheit zu kämpfen hatten oder noch ganz am Anfang stehen: die 22-jährige Célina Hangl, die drei der letzten vier Saisons verletzungshalber verpasste, die gleichaltrige Denise Feierabend, die nach einem Kreuzbandriss noch nicht mit dem Team trainiert, sowie die jugendlichen Hoffnungsträgerinnen Corinne Suter, 18, und Wendy Holdener. Der neue Cheftrainer Hans Flatscher relativiert die Hierarchie: «Es wäre undankbar, Wendy in die Leaderrolle zu drängen, sie derart zu belasten. Schliesslich trägt sie keine Verantwortung für die Versäumnisse der jüngeren Vergangenheit. Ich werde alle Mittel einsetzen, damit sie ihre Erfahrungen möglichst unbelastet sammeln kann.» Auch Holdener selber sieht sich noch mitten in der Lernphase: «Der Weltcup lässt sich mit den Junioren-Rennen in keiner Weise vergleichen. Alles ist viel schneller und intensiver.» Flatscher wertet es ähnlich: «Die Junioren-Medaillen spiegeln Wendys Potenzial – trotzdem ist nicht absehbar, wann sie es auf höchster Stufe in die Top 10 schafft.» In der Öffentlichkeit besteht allerdings auch eine andere Wahrnehmung. Indirekt


Haare und Make-up: JeHan radwan; Styling: y vonne reicHMutH @ Style council; location: Studio der kunStScHule liecHtenStein; kleid Mit ScHleife: tara JarMon bei globuS


STARS TINA WEIRATHER

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MIT DEN WAFFEN EINER FRAU

Die schnellste «Schweizerin» kommt aus Liechtenstein: Als Leaderin des Speed-Teams von Swiss-Ski tritt Tina Weirather sportlich in die Fussstapfen ihrer Eltern. Und schlüpft privat auch mal in ein Paar High Heels ihrer Mutter Hanni Wenzel.

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KEINE SCHEU «Ich liebe es zu posieren», sagt Tina Weirather. Selbst Bilder mit viel nackter Haut findet sie nicht grundsätzlich negativ.

ie ist eine aufgestellte, unkomplizierte, offene junge Frau. Hübsch, modern, modebewusst. Weder Püppchen noch Fashion Victim. Klamotten kaufen macht sie so wie alles andere in ihrem Leben: speditiv. Tina Weirather, 23, liebt das Tempo. Vergangenen Winter war sie die Einzige, die in den Speed-Disziplinen mit Lindsey Vonn mithalten konnte. Im ersten Winter notabene, in dem sie nicht von schweren Verletzungen zurückgeworfen wurde. Wer derart an die Spitze schiesst, hats nicht so mit der Geduld. «Stundenlanges Shoppen ist nicht mein Ding.» Power-Shopping schon eher. Und einen jährlichen Fixtermin fürs Einkaufen gibts während des Trainingslagers in den USA. «Gleich neben der Skistation gibt es eine Outlet-Stadt, da absolvieren wir Mädels jeweils einen VollgasEinkauf», erzählt die Liechtensteinerin lachend. Denn: «Was in den USA bereits in den Outlets hängt, ist bei uns gerade angesagt.» Wäre da nicht das Problem mit randvollen Koffern und dem Übergepäck beim Retourflug nach Europa … «Am liebsten würden wir einen leeren Koffer mitnehmen und ihn mit neuen Kleidern gefüllt zurückbringen.» Doch wer mit 20 Paar Ski um die Welt reist, sollte beim restlichen Gepäck nicht überborden. Tina Weirather gibt sich in der Hinsicht alle Mühe. «Ich bin immer mit sehr viel Gepäck unterwegs. Und ich versuche, jeweils nur das Nötigste mitzunehmen, aber schliesslich ist es doch recht viel.» Im Necessaire der Skirennfahrerin aus dem Ländle findet sich das, was frau halt so braucht: Deo, Tages- und Nachtcreme, Sonnencreme, Parfüm, Mascara, Make-up, Kajal und Lippenstift. Sie verbringe nicht übermässig viel Zeit vor dem Spiegel. «Zum Skifahren trage ich eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50

auf. Ich habe empfindliche Haut, die bei UVStrahlung rot statt braun wird.» Selbst in den traditionellen Familienferien im April ist ein hoher Lichtschutzfaktor vonnöten. Immerhin sei sie Ende der Ferien braun gebrannt, sagt die 23-Jährige. «Braun heisst bei meiner Haut, dass sie vanillefarben ist. Nach einem Monat auf den Ski bin ich dann wieder ‹käsig›.» Sponsoren sollten sich also das Datum Ende April merken – der beste Zeitpunkt, um von Tina Weirather BikiniFotos zu machen. Bilder, wie sie 2010 in der OlympiaAusgabe von «Sports Illustrated» von Lindsey Vonn zu sehen waren, könnte sich die Liechtensteinerin auch von sich vorstellen. «Ich finde Fotos, auf denen nackte Haut zu sehen ist, nicht grundsätzlich negativ. Die Bikini-Bilder von Lindsey oder auch das Lange-Werbefoto von Dominique Gisin finde ich schön – cool gemacht, nicht lasziv und nicht too much. Wichtig ist, dass es passt», sagt sie. «Es hat viele hübsche Mädels im Skizirkus, und es ist völlig okay, wenn sie ihr gutes Aussehen auch einsetzen.» Die November 2012 · SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT

SPITZENKLEID: PATRIZIA PEPE BEI GLOBUS (SCHUHE: PRIVAT)

Text: Mirjam Fassold · Fotos: Sandro Bäbler


STARS TINA WEIRATHER

«Mama hat die edleren Kleider. Ich leihe eher bei ihr aus als umgekehrt»

SPITZENKLEID: PATRIZIA PEPE BEI GLOBUS, KETTE: LOVE ROCKS

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Aufmerksamkeit, die jede von ihnen generiere, helfe dem Damenskirennsport. «Wir können noch so viel trainieren, wir werden nie so schnell sein wie die Männer», sagt Tina Weirather. «Aber wir haben andere Waffen, mit denen wir um die Gunst des Publikums kämpfen können. Ich finde es gut, wenn wir Frauen diese Waffen auch einsetzen.» Tina beherrscht dies perfekt. In der «schneefreien» Woche Anfang Oktober reihte die schöne Liechtensteinerin einen Medientermin an den nächsten, ging mit der ARD Gleitschirm fliegen, liess sich für Red Bull Extensions ins Haar flechten und posierte für die «Schweizer Illustrierte». Aktionen, die ihr richtig Spass machen. Sich von Profis schminken und frisieren zu lassen, geniesst die Liechtensteinerin. Entspannt sitzt sie auf dem Schminkstuhl und sagt: «Weniger toll finde ich das Posieren vor der Kamera.» Es ist wohl zu eintönig für das Energiebündel. Dabei bewegt sie sich vor der Kamera wie ein Profi. Beim Anblick der vielen Kleidungsstücke, die die Stylistin zum FotoShooting in der Kunstschule in Nendeln FL mitgebracht hat, leuchten Tina Weirathers Augen. Die Qual der Wahl ist gross: Glitzerndes Pailettenkleid, oder das kleine Schwarze aus Spitze? Pullover mit grossem Rollkragen, oder schlichter Rundhalsausschnitt? Ein Paradies für eine junge, modebewusste Frau, die es durchaus auch einmal elegant mag. «In unserem Beruf ist man praktisch immer sportlich gekleidet, da freue ich mich, wenn sich eine Gelegenheit für ein elegantes Outfit ergibt.» Während der Saison ist das nur selten der Fall; umso mehr geniesst es Tina Weirather, sich im Sommer oder während der Ferien einmal in Schale zu werfen. Die 1 Meter 64 grosse Liechtensteinerin mag hochhackige Schuhe, und die praktisch veranlagte Speed-Spezialistin hat Zugriff auf eine umfangreiche High-Heels-Sammlung. «Meine Mutter hat die gleiche Schuhgrösse wie ich und Pumps in allen Varianten und Höhen im Schrank.» Und einen guten Modegeschmack, wie die Tochter attestiert. «Wir können auch die Kleider tauschen – Mama hat aber die edleren Sachen, also leihe eher ich bei ihr aus als umgekehrt.»

Familiäre Bande werden bei Weirathers gepflegt, auch über Landesgrenzen hinweg. Aufgewachsen ist Tina im Liechtensteiner 400-Seelen-Dörfchen Planken, mit Blick auf die Berge des St. Galler und Vorarlberger Rheintals. Heute lebt die 23-Jährige mit ihrem Freund in Triesenberg. Die Eltern zogen ins St. Galler Rheintal, als Tina ans Skigymnasium nach Stams wechselte. Dass ihre Wahl damals auf Stams gefallen ist, hatte mit der Karriereplanung der Rennfahrerin zu tun: «Das österreichische Schulsystem ermöglicht im Gegensatz zum schweizerischen fünfmal pro Woche ein Nachmittagstraining auf Ski.» Tina Weirather ist überzeugt, dass dies einen enormen Wettbewerbsvorteil bedeutet. «Die Trainingsstunden im Schulalter lassen sich später nicht mehr aufholen.» Trotz Schulbesuch in Tirol fährt die liechtensteinisch-österreichische Doppelbürgerin für den LSV. «Klar habe ich mal überlegt, ob ich nicht für den ÖSV starten möchte, aber mein Herz schlägt für Liechtenstein.» Der Entscheid für den Liechtensteiner Verband sei bewusst gefallen. Auch im Wissen, «dass beim ÖSV wahrscheinlich mehr Geld zur Verfügung stünde». Bereut hat Tina Weirather den Entscheid nie. Sie ist zufrieden mit der Situation, wie sie sich heute präsentiert. «Die Kooperation zwischen Swiss-Ski und dem LSV besteht seit 30 Jahren, und sie funktioniert bestens. Swiss-Ski arbeitet extrem professionell, davon kann ich als Weltcupfahrerin profitieren.» Auch zwischenmenschlich passts im Damen-Team von Swiss-Ski. «Wir sind wie eine grosse Familie, in der ich bestens integriert und akzeptiert bin», sagt Tina Weirather. Sie schwärmt in den höchsten Tönen: «Ich habe noch nie einer Mannschaft mit einem solch starken Teamgeist angehört. Bei uns gibt es keine Grüppchen, jede teilt mit jeder das Zimmer.» Rivalitäten gibts keine. «Natürlich will jede die Schnellste sein, aber Zickenkrieg herrscht keiner.» Und auch kein Schönheitswettbewerb. «Anders als früher achten Skirennfahrerinnen heute vermehrt auf ein attraktives Äusseres. Das ist gut so, schliesslich können wir mehr als bloss kopflos den Berg hinunterrasen.»

FOTO: ANDREAS MEIER/ FRESHFOCUS

tina weirather in zahlen Geboren 24. Mai 1989 in Vaduz. familie Vater Harti Weirather, ehemaliger Abfahrts-Weltmeister aus Österreich, Mutter Hanni Wenzel, mehrfache Weltmeisterin und Olympiasiegerin. Grösse/Gewicht 162 cm/61 kg erfolGe Junioren-Weltmeisterin in

Riesenslalom (2006) und Abfahrt (2007); Weltcupdebüt mit 16 Jahren; bisher 5 Podestplätze im Weltcup und 8 weitere Top-TenPlatzierungen; 2. AbfahrtsWeltcup 2011/12. Schweizer Meisterin im Riesenslalom 2006 und 2011. www.skitina.com


VIELSAITIG BEGABT Mirena Küng ist nicht nur eine talentierte Abfahrerin, sondern auch eine gute Violinistin. Mit ihren Geschwistern spielt sie erfolgreich Appenzeller Streichmusik. Über Umwege hat sie nun mit 24 den Sprung in den Weltcup geschafft. Text: Ilona Scherer · Fotos: Thomas Buchwalder

«GESCHWISTER KÜNG» Von links: Clarigna (1. Geige), 29, Madlaina (Kontrabass), 22, Mirena (2. Geige), 24, Roland (Hackbrett), 30, und Laraina (Cello), 26. Auf dem Bild fehlt Christine Baumann (Geige).


STARS MIRENA KÜNG

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NATURTALENT Mirena hat das absolute Musikgehör und spielt seit ihrem 5. Lebensjahr Geige. Ein Musikstudium kam aber nie in Frage. Sie ist eine «Berggääs».


stars Mirena Küng

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«Wir werden Mirenas Rennen nicht live anschauen. Nur die Wiederholung – wenn wir wissen, es ist alles gut gegangen» Vater Josef und Mutter Maria Küng

FOTOS: PETER KLAUNZER/KEYSTONE, PRIVAT

früh übt sich Mit anderthalb Jahren lernte Mirena Küng Ski fahren. Auf dem Bild links ist sie knapp drei Jahre alt – und putzt ihre Bretter schon allein. Heute erledigt dies ein Servicemann von Swiss Ski. Aus dem kecken «Meedle» ist eine gewissenhafte Profi-Rennfahrerin geworden.

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er Duft von gebratenen Zwiebeln liegt in der Luft. In den riesigen Töpfen von Mutter Maria Küng, 62, kochen die Süüdwörscht und Maggroonen, die gleich mit Chääs und Bölleschweizi bestreut und in den Ofen geschoben werden. In der Stube stimmt Sohn Roland, 30, sein Hackbrett. Zwischen Obergeschoss und Treppe packen die Töchter Madlaina, 22, Laraina, 26, und Clarigna, 29, hektisch ihre Trachten und Instrumente zusammen. Es geht zu wie in einem Bienenstock. Nur die Zweitjüngste sitzt gemütlich am grossen Küchentisch. Als Skirennfahrerin kann Mirena, 24, nicht mehr jedes Mal dabei sein, wenn die «Geschwister Küng» ihren Auftritt haben. Heute fährt die «Familien-

Band», bestehend aus den fünf jüngsten von acht Geschwistern, nach Langenthal BE. Mirena bleibt im Familienheim in Steinegg AI und geniesst einen freien Tag zwischen zwei Ski-Trainingswochen. «Alles kann man eben nicht haben. Aber das ist auch gut so.» Vor wenigen Jahren musste sie ihre Skikarriere nämlich beenden. Unfreiwillig: Mit 15 hätte die talentierte Speed-Spezialistin ins Sportgymnasium Davos wechseln sollen. Für eine zehnköpfige Familie finanziell untragbar. Beiträge vom Kanton gab es damals noch nicht. Frustriert und traurig hörte Mirena auf. Erst kürzlich fragte sie ihren Vater, Josef, 69, ob er denn wirklich alles versucht habe, damals. Der pensionierte Kantonsschullehrer bejahte. Nichts zu machen. Von da an ging Mirena nur noch frei Ski fahren. Aber es war hart für das begabteste aller Küng-Kinder. Denn von klein auf stand Mirena auf den Brettern. Mutter Maria, selbst begeisterte Skifahrerin, hat das mit jedem ihrer acht Kinder so gehandhabt: Im zweiten Winter ihres Lebens durften sie jeweils zum ersten Mal auf die Ski. Da Mirena im Mai geboren wurde, feierte sie mit anderthalb Premiere. Ab dem Kindergartenalter durfte

sie Rennen fahren – und gewann fast alle. Einmal, erinnert sich die Mutter, hätten ihre Kinder in allen sechs Kategorien Gold geholt. «Das musst du doch nicht erzählen», bremst Mirena den mütterlichen Stolz. Maria Küng lächelt: «Mirena war schon als Mädchen keines, das mit der Medaille in der Hand durch die Haustür kam und allen von ihrem Sieg erzählte.» Oft fand sie das Edelmetall zufällig, wenn sie Mirenas Skijacke an die Garderobe hängen wollte. Vom Grossvater, der zwei Häuser weiter wohnte, gabs für jede Medaille einen Fünfliber. Und wenn es doch einmal nicht aufs Treppchen gereicht hatte, holten die Geschwister daheim ein älteres Exemplar, um es vorzuzeigen und sich diebisch über den gelungenen Trick zu freuen … Heute hängen alle die Medaillen in Mirenas Zimmer, fein säuberlich in einer langen Reihe über ihrem Bett. Von den acht Kindern sind ausser den beiden jüngsten (Mirena und Madlaina) alle ausgeflogen. Ein paar haben bereits eigene Familien. Clarigna ist Geigenlehrerin in Wien, Madlaina studiert Kontrabass in Innsbruck und ist selten daheim in Steinegg. Mit Musik haben sie fast alle beruflich zu tun. Ausser Mirena, obwohl November 2012 · schweizer illustrierte sport


STARS MIRENA KÜNG

TEMPO-JUNKIE Mirena Küng liebt den Nervenkitzel – aber nur auf der Piste: «Ich habe Angst, Achterbahnen und so zu fahren. Ich würde nie in den Europapark gehen.»

«Mirena war immer die Ehrgeizigste von uns acht Geschwistern. Und sie hat lieber mit Buben als mit Mädchen gespielt» Schwester Laraina, Heilpädagogin sie als Einzige der Familie das absolute Musikgehör hat: Sie kann die Tonhöhe präzis bestimmen, ohne dafür einen Bezugston zu brauchen. Obwohl viele sie zum Musikstudium überreden wollten, winkte sie ab: «Wenn ich mitbekam, wie meine Geschwister stundenlang einen einzigen Ton üben mussten … nein, das wäre nichts für mich gewesen.» Mirena ist eben eine «Berggääs»,

wie ihre Mutter zu sagen pflegt. Die Zweitjüngste geniesst es, in der Natur zu sein, sich in den Bergen zu bewegen. Vom Esstisch aus kann sie den Alpstein sehen. Manchmal fährt sie sogar abends mit dem Velo nach Wasserauen, joggt auf 1613 Meter Höhe und schläft im Berggasthaus Mesmer. Am nächsten Morgen nimmt sie beim Abstieg ein Bad im kühlen Seealpsee, bevor um

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9 Uhr das Training im Kraftraum anfängt. Der Alpstein gebe ihr Kraft, sagt Mirena. Zum Training muss man die 1,84 grosse Appenzellerin nie überreden: «Ich liebe das Trainieren, ziehe es bei jedem Wetter durch und mache eher noch mehr, als ich müsste.» Kaum zu glauben, dass die ehrgeizige junge Frau bis vor vier Jahren nichts mehr vom Skifahren wissen wollte. «Spinnst du?!», war denn auch ihre erste Reaktion, als kurz vor der Matura ihr ehemaliger Trainer des Regionalkaders Ostschweiz, Fabio Becchimanzi, anrief und sie zum Comeback bewegen wollte. «Ich war überzeugt, dass ich nach einer so langen Pause nicht mehr fahren kann», sagt Mirena rückblickend. Heute ist sie froh, dass sie es gewagt hat, allen Zweiflern zum Trotz. Mit ihrem Ersparten aus der Musik sowie einem Teilzeitjob im Roothuus Gonten, dem Zentrum für appenzellische Volksmusik, finanzierte sich Mirena ihr Comeback selbst und trainierte beim Südtiroler Becchimanzi im Engadin. Einen Servicemann konnte sie sich nicht leisten. «Unser Roland wachste manchmal bis 23 Uhr in der Garage ihre Ski», erinnert sich Mama Maria. Über den Europacup erkämpfte sich Mirena einen Platz im A-Kader von Swiss Ski für diese Saison. Weil sie im Abfahrtsklassement Dritte wurde, hat sie sogar einen fixen Startplatz in der Disziplin. Ein beruhigendes Gefühl, gibt sie zu, doch: «Dies ist nur der erste Schritt. Ich bin noch nicht am Ziel.» In ihrer ersten Weltcup-Saison möchte sie ihren Platz bestätigen und konstant unter die ersten dreissig fahren. Sie braucht Routine. Doch wie jede Fahrerin träumt Mirena von einer WM- oder Olympia-Medaille. «Irgendwann.» Tempo, holprige und eisige Pisten, den Fahrtwind im Gesicht – sie ist wieder in ihrer Welt. Nicht unbedingt zur Freude ihrer Eltern, die um die Gesundheit der sportlichen Tochter bangen. Mirenas Rennen werden sie sich wohl nur in der Wiederholung im Computer anschauen, «wenn wir wissen, es ist alles gut gegangen». Doch die technischen Disziplinen lägen ihr einfach nicht, sagt Mirena, die sich im vergangenen Jahr zehn Kilo Wettkampfgewicht antrainiert hat: «Ich bin mit 1,84 Meter wohl zu gschtabig für Slalom.» Alle Küng-Geschwister sind gross und schlank, das haben sie vom Vater. Alle fahren gut Ski und lieben die Musik. Wie die Mutter. Einen Freund hat Mirena momentan nicht. Zu wenig Zeit. Er «müsste extrem verständnisvoll» sein, glaubt die 24-Jährige. Die wenige Freizeit verbringt sie deshalb mit ihren Freundinnen aus Appenzell, die ihr «extrem wichtig» sind. Und wann immer möglich beim Musizieren mit ihren Geschwistern. Sofern es der Rennkalender erlaubt. Alles kann man nicht haben. Aber das ist gut so. November 2012 · SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT


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STARS MARCEL HIRSCHER

Wildwasserkanu, Seiltanz, Kunstturnen, Motocross: Marcel Hirscher ist ein Meister in vielen Disziplinen ohne Bodenhaftung. Trotzdem ist der grosse Gegenspieler von Feuz und Co. ein geerdeter Sportstar. Text: Josef Metzger


November 2012 · SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SKI

FOTO: JOHANNES KERNMAYER

VERRÜCKTE SKIWELT Marcel Hirscher preschte vergangenen Winter mit Getöse an die Spitze des Weltcups. Das österreichische «Sport Magazin» inszenierte ihn als bunten Hund mit Model und fliegenden Pokalen.


stars marcel hirscher Idylle auf 1465 m ü. m. auf der Stuhlalm im Salzburger Dachsteingebiet führten Hirschers eltern bis 2009 das Bergrestaurant.

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enn er so dasitzt, mit Kurzhaarschnitt, in Jeans, Sakko und offenem Hemd, wirkt er nicht wie ein Pisten-Artist, sondern eher wie ein bescheidener Anti-Star, oder wie das, was er einmal war – Hotelfachschüler, der auf der (Stuhl-)Alm manch deftiges Schmankerl servierte. Wenn es aber aus ihm sprudelt, dann spürt man sein Temperament, das Witz und Spritzigkeit versprüht, aber Schlagfertigkeit mit Nachdenklichkeit verbindet. Ob auf Pisten, ob vor Mikrofonen, ob auf glattem Parkett oder in rustikalen Berghütten, in allen Lagen wird er allen Sätteln gerecht. Bodenständig und familienbezogen, weltoffen und (trotz Kurzsichtigkeit) weitblickend. Selbstbewusst, aber nie grossmäulig. Hochtalentiert und bienenfleissig. Reaktionsschnell. Geistesgegenwärtig. Blitzgescheit. Ein cooler Hund. Ein flinker Hirsch aus Annaberg, DachsteinWest, Salzburg, Österreich. Die Rede ist von Marcel Hirscher, 23, seit Mitte März jüngster Weltcup-Gesamtsieger der Skigeschichte. Noch jung und doch mehr als ein Idol, fast schon eine rotweissrote Ikone, die als neue Raiffeisen-Werbefigur auf des Herminators Spuren wandelt. Aber Starallüren? Ein Fremdwort für Marcel, der die rhetorische Frage stellt: «Wo fängt der Star an? Ich halte Brad Pitt, die Jolie, den Beckham und andere dafür, aber nicht mich.» Er weiss, dass die Popularität von Skigrössen nicht nur regional limitiert ist, auch wenn einen Hermann Maier dessen Nagano-Salto, ein Motorrad-Crash und ein Sensations-Comeback weltberühmt gemacht haben. War der Herminator, gegen den Vater Ferdinand «Ferdl» Hirscher, Hüttenwirt und Skischul-Mitbesitzer, (Austria-Cup-)Rennen in den 90er-Jahren fuhr, schweizer illustrierte ski · November 2012

sein grosses Vorbild? Eher jein. «Ich wollte Skirennläufer werden, schon als Zweijähriger. Und da wars normal, dass du einen Maier, Eberharter, Raich, später auch einen Miller im Schlafzimmer als Poster über dem Bett hängen hast haben müssen.» Nachsatz: «Der Vater aber hat immer vom MvG geschwärmt, vom technisch perfekten von Grüningen. Auch das ist bei mir hängengeblieben.» In der Erinnerung haften blieben auch die Meilensteine der Karriere, die Marcel mit der Schweiz verbinden. Für immer – auch wenns heuer im Winter wegen eines Doch-nicht-Einfädlers in Zagreb und eines Doch-Einfädlers in Kitzbühel unüberhörbar laute Dissonanzen gab im (Fan- und Medien-)Verhältnis mit den Eidgenossen – nicht zuletzt wegen des Weltcupduells mit Beat Feuz, seinem Wegbegleiter («Ihm bin ich näher als anderen. Fast ein Freund, aber ein Gegner wie jeder andere im Rennen») im Parallelschwung zur Spitze seit Jugend- und Europacup-Zeiten. Schnee von gestern, mittlerweile geschmolzen. «Weil in der Schweiz alles begonnen hat», erinnert Hirscher an die Anfänge seiner Weltkarriere. «Hier bin ich mein erstes Weltcuprennen gefahren, beim Finale 2007 in Lenzerheide, hier habe ich mein erstes Top-10-Resultat gehabt, hier habe ich als erster Läufer überhaupt den Adelboden-Doppelpack geschafft. Auch in Wengen war ich schon Zweiter, da fehlt mir nur noch ein Sieg.» Kommt Zeit, kommt Tat. Schliesslich ist das Pistenquecksilber immer noch ein Jung-Twen, dafür mit allen Wassern gewaschen, sprich als Allroundsportler universell ausgebildet, nicht einseitig auf Ski, Schnee und Schwünge getrimmt. Von Kindesbeinen an tanzte Marcel, geführt vom Herrn Papa, auf vielen Hochzeiten. Ferdl, selbst Turner, ging zum Beispiel mit ihm in den örtlichen Turnsaal, um dort an allen Geräten mehrmals die Woche die Körperbeherrschung zu optimieren. Marcel stellt

das Licht eher unter den Scheffel. «Ausser am Barren, vielleicht noch am Reck, hab ich nicht viel zusammengebracht.» Zu wenig für eine Turnkarriere, mehr als genug für Balanceakte auf Ski. «Manchmal wundere ich mich selbst, wie er bei seinem akrobatischen Highsider nicht stürzt», gesteht Ferdl. Seinen Gleichgewichtssinn hat Ski-Profi Marcel nicht nur als eifriger Turnamateur perfektioniert. Auch beim Wildwasserpaddeln in reissenden Bächen, Eskimo-Rollen inklusive, beim Klettern, Seiltanzen und MotocrossRattern hat er sich den nötigen Schliff samt bester Balance geholt. Apropos Motocross: Im gleichen Jahr 2012, nur sechs Monate nachdem Marcel Hirscher die grosse Kristallkugel gewonnen hatte, wurde mit Matthias Walkner aus Kuchl in Salzburg einer seiner besten Freunde Österreichs erster Motocross-Weltmeister seit 27 Jahren (Heinz Kinigadner, 1984/85). Und wer betreute und beriet ganz nebenbei den Senkrechtstarter, der im Sattel eines Zweirads stets volles Risiko mit Vollgas nimmt? Ferdinand Hirscher, auch dort ein Vater des Erfolgs, obwohl er bis vor zwei, drei Jahren keine Ahnung von dem Sport hatte. Ferdl kniete sich in die Materie hinein, bis er sich damit identifizierte. Und so mithalf, dass sich Heinz so krönte wie Marcel. Wissbegierig, lernwillig, lerneifrig. Letztlich fast alles dem Erfolg unterordnend. Und wie der Vater, so der Sohn – getreu dem Sprichwort, das in dem Fall für sich spricht. Jawohl! Horizonterweiterung statt Engstirnigkeit. Stets ein Motto von Marcel, dem echten Salzburger aus den Bergen und halben Holländer aus den Dünen, Mama Sylvia stammt aus dem Land der Tulpen. Er spricht beide Sprachen, besitzt beide Pässe, lässt sich von Oma und Tanten holländische Storys schicken, in denen er («das ist echt cool») als ErsatzOranje in den Skihimmel gehoben wird. War eigentlich, ehe er zur fixen Grösse im Austria-Team avancierte, jemals ein Nationenwechsel und Start für Holland als erfolgreiche Solonummer à la Girardelli für Luxemburg ein (Familien-)Thema gewesen? Anders als Vater Ferdinand, der einst solche Überlegungen zumindest insgeheim gewälzt hatte, scheint es Marcel kaum in den Sinn gekommen zu sein. «Nein, so richtig Gedanken habe ich mir darüber nie gemacht, weil ja bis jetzt eh alles gepasst hat und auch im Moment alles passt», wiegelt Hirscher ab, kann sich aber einen Nachsatz nicht verkneifen: «Wären unüberbrückbare Probleme aufgetreten, würde es welche geben, dann könnten sie mir den Buckel runterrutschen.» Das Hemd ist Marcel eben näher als der Rock, sprich: Erst Freundin Laura und Familie mit Papa Ferdl als wichtigste Bezugsperson im Weltcup, dann Team und Trainer. Die

FOTO: Frank kelly

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FOTO: LUK AS SPITALER

FESTER HALT Mit Laura Moisl, 23, ist Hirscher seit fünf Jahren liiert. Er wohnt mit der Publizistikstudentin und Teilzeitmodel in Abtenau bei Salzburg.

«Wenn irgendetwas auf mich zurollt, dann weiss ich genau, dass sich Laura schützend davorstellt»


STARS MARCEL HIRSCHER

MUCKIS UND MEHR Hirscher hat diesen Sommer noch verstärkt an seiner Athletik gearbeitet. Trotzdem sagt er: «Ich weiss nicht, wie erfolgsrelevant das ist.»

engsten Bande hält er stets hoch, die Familie ist ihm heilig. «Sie ist sehr, sehr wichtig für mich», sagt Marcel. «Wenn es einmal hart auf hart geht, muss man Leute haben, auf die Verlass ist, an die man sich anhalten kann.» Er weiss, wovon er spricht – nicht aus eigener Erfahrung wie der Sturzverletzung in Hinterstoder, die ihn aus der WM 2011 geworfen hatte, vielmehr aus nächster, familiärer Nähe. «Wenn du dir das Bein brichst, wächst das wieder zusammen. Schlimm ist nur, wenn man unheilbar krank ist.» Wie sein Onkel, der seit Jahren im Koma liegt, mehrmals bei Tag und Nacht umgebettet werden muss – ein Schrecken ohne Ende. Dagegen hört sich das Schicksal halb so schlimm an, das seinem Bruder widerfahren ist. Kürzerer Fuss, keine Skikarriere, wie noch als Bub erträumt. «Dafür», wirft Vater Ferdinand voller Stolz ein, «spielt er umso

besser mit dem Schlagzeug.» Musikalischer Trommelwirbel als Antwort auf unerbittliche höhere Gewalt. Und Demut statt Wehmut, die nichts bringt. Auch darum relativieren Marcel und sein väterlicher Mentor Ferdinand Heldenstatus und Stargeschrei auf und neben den Pisten. «Die wahren Stars sind Helden des Alltags – wie Krankenschwestern, die ihre Pflicht erfüllen.» Er stand und steht, was Papa betont, mit beiden Beinen im Leben und auf dem Boden. Der Rummel, der in Schladming ausbrach, als er sich bei Kaiserwetter zum jüngsten Weltcupkönig aller Zeiten krönte, hat Marcel den Kopf nicht verdreht. Auch die vielen weiblichen Teen- und TwenFans, die nach dem Ski-Popstar kreischen, haben seiner Beziehung nichts anhaben können. Alles okay mit der Freundin. Was macht denn seine Laura so? Marcel antwortet auf die Frage sarkastisch. «Wo sie gerade ist und wie

DER WELTCUP-GESAMTSIEGER IN ZAHLEN GEBOREN 2. März 1989 in AnnabergLungötz im Salzburgerland (Ö). PRIVAT Papa Ferdinand, Mutter Sylvia, Bruder Leon (15), Freundin Laura GRÖSSE/GEWICHT 173 cm / 70 kg ERLERNTER BERUF Hotelfachangestellter, Lehrabschluss

2007 als «bester Tourismusschüler Salzburgs». ERFOLGE 27 Podestplätze, wovon 12 Siege seit Debüt im Weltcup 2007. Gesamtweltcupsieger 2011/2012. Junioren-Weltmeister im Riesenslalom (2007, 2008) und im Slalom (2008).

es ihr geht, kann ich dir nicht sagen, weil sie nicht mit ist in Wien. Aber wenn du willst, kann ich sie anrufen. Das kannst du auch reinschreiben in die Story.» Der Schalk sitzt Mr. Schlagfertig zumindest so oft im Nacken wie manche Gegner-Faust auf den Rennpisten. Stichwort neue Saison. Sie bringt verändertes Material mit sich. Anpassungssache, so Marcel, die vor allem den Läufer herausfordere und für den Normalverbraucher optisch kaum realisierbar sein werde. «Auf jeden Fall weit anstrengender als früher, man braucht mehr Kraft, aber auch gute Technik.» Für einen wie Hirscher eher Vorteil denn Nachteil. Trotzdem scheint er, obwohl gewappnet, auch gewarnt. «Die Karten werden ganz sicher neu gemischt. Altbekannte Namen werden verschwinden, neue Leute kommen, das ist der Lauf der Welt – auch im Skirennsport.» Hirscher geht als Titelverteidiger in eine Saison, in der auch die Heim-WM auf dem nahen «Hausberg» Planai in Schladming auf ihn zukommt. Was hat für ihn Priorität – Weltcup, oder eine WM, in der er nach Platz 4 im Val d’Isère 2009 sowie dem Verletzungspech vor Ga-Pa 2011 (und Platz 4 bei Olympia 2010) noch auf seine erste Medaille wartet? Hirscher winkt ab. «Das kannst du nicht planen. Aber eines ist klar – der Erfolg da führt zum Erfolg dort. Man muss von Anfang an mit Vollgas fahren.» Wer Hirscher kennt, hat keine Zweifel. Er fährt auch nicht gegen irgendwelche Namen, «sondern für und gegen mich». Nicht nur in Slalom und Riesenslalom, sondern auch in Speed-Rennen attackiert Hirscher neuerdings die Richtzeiten. Hat er als Dritter im finalen Super-G in Schladming, dem «Herzstich» für den gestürzten Feuz, auch dort Medaillen-Lunte gerochen? «Es wäre Wahnsinn, könnte ich bei der WM den Super-G fahren, die Piste ist wie massgeschneidert für mich. Und jetzt, da ich das weiss, würde ich dort noch mehr Gas geben als bei der Premiere im März.» Aber Marcel ist sich auch bewusst, dass er bei der Ösidichte in dieser Disziplin nicht einfach sagen kann: Hoppla! Jetzt komm ich, der flinke Hirsch(er). Er weiss, dass er sich auf schwierigen, technisch anspruchsvollen Pisten, die jener auf der Planai ähneln, für einen Startplatz im Austria-Team qualifizieren muss. Darum erwägt Marcel auch Super-G-Starts auf selektiven Hängen wie etwa in Beaver Creek und Kitzbühel, um im wahrsten Sinn des Wortes die Kurve ins Team zu kratzen. «Nur weil ich ein netter, sympathischer Kerl bin, werden sie mich nicht aufstellen …» Ein Satz, der mehr aussagt als tausend Worte. Marcel Hirscher hat nicht nur das Gespür für die schnellste Linie, sondern auch eine scharfe Zunge, flotte Sprüche und das Herz auf dem rechten Fleck. Darum lieben ihn die Fans. Kein Skigott, aber ein Popstar der Skipisten, den es hereingeschneit hat.

FOTO: JOHANNES KERNMAYER

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stars Tina Maze

tina reizt

Die Frau erregt plötzlich die Gemüter. Tina Maze ist von einer grauen Maus und ewigen zweiten zur schillernden Siegerin avanciert. Mediales Getöse löste sie mit einem tiefen einblick in ihren Ski-Overall aus.

schweizer illustrierte sport · November 2012

Tina schon durch Stöckli-Ski und Markenkolleginnen wie Fabienne Suter gute Kontakte hat. Die (N-)Eidgenossen hatten nach Mazes zweitem Platz in Bad Kleinkirchheim gegen angeblich «schnelle» MembranDessous von Tina protestiert, in denen sie plastifizierte «Materialvorteile» witterten. Die Kontrolle gab Entwarnung, aber die FIS konfiszierte die Unterwäsche trotzdem, um sie ins Labor zu schicken. Tinas umstrittene Hotpants wurden nie verboten, es wurde aber empfohlen, sie nicht zu tragen. Also «Jein». Oder: Ich weiss, dass ich nichts weiss. Deshalb hakt Maze auch nach: «Was in den Regeln nicht verboten ist, das ist erlaubt. Wenn es um Hundertstel geht, muss man im Detail jeden Vorteil nutzen, den es gibt.» Schneit womöglich auf den Schnee von gestern im WM-Winter eine Neuauflage herein? Tina winkt ab. Sie will weder Dessous-Model spielen («Macht Spass, die Augen schön zu schminken, aber mein Job ist Skifahren») noch Sensationsgier befriedigen, sondern hat ganz anderes im Kopf: Unterstützung für medizinische Forschung und plastische Chirurgie, die Frauen nach Brustkrebsoperationen helfen soll, ihr Leben lebenswerter zu gestalten. Dabei geht es darum, «keine Silikon-Implantate mehr zu verwenden, sondern sie durch echte Muskeln zu ersetzen, also natürliche Elemente statt künstlicher Ersatz. Wir arbeiten mit

slowenischen Fachärzten schon länger an dem Projekt, abgeschlossen ist es noch nicht.» Mehr sozialer Menschenfreund denn stolze Pistenschönheit. Nicht die Spur der Zicke, die man Tina allenthalben nachsagt. Das sagt auch Ski-Prinz Hubertus Hohenlohe, der das Milka-Girl schon vor der Linse hatte. «Sie ist total nett, wenn sie und ihr Trainerfreund Andrea die Leute mögen.» Oder: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Wie war Tinas Echo auf die Vorsaison-Aufreger, also Lindsey Vonns Wunsch, die Herren-Abfahrt von Lake Louise zu bestreiten, oder die skandalumwitterte Riesch-Biografie? Sie blieb sich selbst treu mit den Worten: «Not my business!» Männer herauszufordern sei reizvolle Frauensache, aber nicht unbedingt mit Ski. Und was Marias Vorwurf betrifft, der Skizirkus wäre ein Pornozirkus, weil – Hand vor dem Mund, aber schriftlich ins Buch – fast jede mit jedem Sex habe, so mache sie damit aus Mücken Elefanten. Aber auch das sei nicht ihr Bier. Tina, die 29-Jährige Frau Maze, ist schliesslich auch abseits von Ski und Schnee seit Jahren ein Herz und eine Seele mit Trainer Andrea Massi. Darum parliert sie Italienisch fast so perfekt wie ihre Muttersprache und Englisch. Dazu immer besser Deutsch. Spät gelernt, obwohl sie von der Petzen-Südseite (Kärnten) kommt – aus Cˇrna, also Schwarzdorf. Der dunklen Erde wegen. Auch sportlich ein Superboden.

FOTO: CHICO DE LUIGI

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ie ist eine echte Naturschönheit. Schon ungeschminkt. Und erst recht mit dezentem Make-up, das ihre Augen und gezirkelten Brauen noch betont. Wie beim Foto-Shooting für den neuen Milka-Kalender in Zürich-Schlieren. Als Model macht das Pisten-Pin-up Tina Maze beste Figur. Die Ski-Brooke-Shields ist ein Hingucker, ein Augenschmaus – als Weltmeisterin, Olympia-, WM- und Weltcupzweite sportlicher Blickfang. Zum Aufreger wurde Tina zumindest jenseits der Heimat aber weniger als Golden Girl als darob, dass sich die Slowenin in Cortina 2012 nicht von ihrer (Lila-) Schokoladenseite gezeigt hat, sondern bewusst oben ohne, pardon, fast oben ohne, weil sie unter dem geöffneten SkiOverall einen BH trug mit der Aufschrift: Not your business – zu Deutsch sinngemäss: Meine Unterwäsche geht euch nichts an. Ein Einblick, der neue Perspektiven eröffnete. Siehe da, von einer Minute zur anderen war Maze, jahrelang im endlos langen Schatten einer Lindsey Vonn, Maria Höfl-Riesch oder Julia Mancuso, mit ihrer «heissen Wäsche» in aller Munde und Thema Nummer eins im Skizirkus. «Viel Aufmerksamkeit, die das erregt hat, nicht wahr?», findet Tina kichernd. Und schmunzelt, wenn sie an die Urheber der Aktion denkt: Funktionäre des Schweizer Teams, mit dem

Text: Josef Metzger · Fotos: Chico De Luigi


«Ich habe viel Aufmerksamkeit mit meiner Wäsche erregt. Ich sage nur: Was nicht verboten ist, das ist erlaubt»


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stars Tina Maze

FOTO: CHICO DE LUIGI

«ich war erleichtert, wurde ich in Garmisch riesenslalom-weltmeisterin. noch mehr silber wollte ich nicht um meinen hals tragen» Maze: «3000 Einwohner, aber neun Olympia­ sportler wie Mitja Kunc, Ales Gorza, Katjusa Pusnik.» Tina wuchs nicht nur allen über den Kopf, sondern schloss auch zu Mateja Svet («Ich habe sie als Kind angehimmelt, aber nie persönlich kennengelernt») auf, ihrer grossen (jugoslawischen) Vorgängerin als alpine Skiweltmeisterin. Was aber keineswegs über Nacht ge­ schah, obwohl Tina Maze (17 Jahr’, braunes Haar) im Oktober 2002 im historischen Gletscher­Riesenslalom­Triple triumphiert hatte – zeitgleich mit Hosp, Flemmen. «Da­ mals ein Sieg aus dem Nichts.» Danach aber ging es auf und noch mehr ab, «weil Vor­ bilder wie Hrovat und Pretnar aufgehört hatten, ich plötzlich so gut wie allein war.» Darum reifte langsam der Plan, sich mit einem eigenen Team auf eigene Beine zu stellen. Fürs Solo zu zweit mit Herzblatt Andrea gab es zwar den Segen der Slowe­ nen, «aber keinen Support vom Verband». Also: Selbst ist die Frau, um Geldgeber zu angeln. Schwer genug, wie sich Tina der Anfänge erinnert. «Da gab es von einem VW­Händler ein Auto – jetzt haben wir drei fürs Team.» Und ein Karthago­Wohnmobil à la Miller oder Mancuso, «nur zum Reisen. Wir sind lieber im Hotel». Das kann sich das Team «to aMaze» leisten, seit es Sponsoren zuhauf anzieht. Die Trendwende kam nach Wechsel­ bädern im Januar 2009 just beim Maribor­ Heimrennen mit dem Sieg im Riesenslalom. Katalysator­Wirkung. Wenig später holte Tina mit WM­Silber im Val d’Isère ihre erste Medaille, ein Jahr darauf gab es bei Olympia in Whistler Mountain gleich ein Silber­Doppelpack (Riesenslalom, Super­G), ehe sie bei der WM 2011 in Garmisch den Ruf der ewigen Zweiten verlor. Haarscharf. Vier Hundertstel. Ein Hauch. Fast hätte sie im Riesenslalom­Finale alles verspielt. Umso grösser der Stein, der ihr als Welt­ meisterin vom Herzen fiel. «Noch mehr Silber wollte ich nicht mehr am Hals tragen.» Jetzt kann sie in ihrer «Juwelen­Line» zum Silber­Schmuck auch Gold­Design ent­ werfen. schweizer illustrierte sport · November 2012

In der Vorbereitung liegt der Fokus aus­ schliesslich auf dem Training. Ob am Glet­ scher, ob in Ushuaia, der südlichsten Stadt Argentiniens, sozusagen am Südzipfel der Erde, ob in Andenhöhen in Portillo, wo Tina im Sommer mit Österreichs Speed­Herren trainierte «und dabei einiges profitiert» hat. So viel, um jenen Sieg nachzuholen, den ihr Fabienne Suter im Kleinkirchheim­Super­ G weggeschnappt hatte. «Der Sieg im Super­G fehlt mir noch, um alle Disziplinen gewonnen zu haben. Das haben nicht viele geschafft.» Tina steht an der Schwelle zum Exklusivzirkel, seit der frühere Slalommuffel durch Mammut­Training dort sogar Schild schlug. «In einer Saison von 300 zu den Top 3, darauf bin ich stolz.» Lohn harter Arbeit und grosser Selbstüberwindung. «Trainingsläufe mit 70 Toren, gut 70 Sekun­ den. Da kommen dir dann 45 Tore im Ren­ nen wie ein Kinderspiel vor.» Apropos Kinder. Natürlich gehören Hochzeit, Familie und Nachwuchs zu ihren Zukunftsplänen. Davor will sich Maze aber noch sportliche Träume erfüllen. Wenn man ihr als finale Ziele den Gewinn der grossen Kristallkugel und Olympiagold in Sotschi in den Mund legt, sagt Tina nicht nein, sondern findet das normal. Dann wäre sie jenseits der 30 und reif für neue Aufgaben. «Meine Mama war 20, als ich geboren wur­ de. Ich bin jetzt schon 9 Jahre hintennach.» Die Zukunft hat mit dem Final Countdown für Tina Maze längst begonnen.

Tina maze in zahlen Geboren 2. Mai 1983 in Slovenj Gradec (Slo). privat liiert mit dem Italiener Andrea Massi Grösse/ Gewicht 172 cm / 67 kg erfolGe Olympische Spiele: Silber im Super-G und im Riesenslalom in Vancouver 2010. Ski-WM: Silber im Riesenslalom in Val-d’Isere 2009, Silber in der SuperKombi und Gold im Riesenslalom in Garmisch 2011. In ihrer Karriere hat Maze 11 Weltcupsiege gefeiert, wurde 2011/12 Zweite im Gesamtweltcup.

Juwel tina Die Weltmeisterin hat ihre eigene «Juwelen-Linie».


DIE GOLD-SC H


STARS ERIKA HESS

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D

C HMIEDIN Die WM 2013 in Schladming weckt bei den Schweizern wunderbare Erinnerungen. Als Erika Hess dort vor 30 Jahren mit drei Titeln zum Schätzchen der Nation wurde, gabs eine falsche Hymne und richtiges Heu. Text: Thomas Renggli· Fotos: Remo Nägeli

FOTO: RETO HÜGIN

GOLDIG HEUTE WIE GESTERN Erika Hess – mit ihren drei WM-Medaillen 1982 in Schladming (rechts) und den weiteren Auszeichnungen (gewonnen in Bormio 1985 und Crans-Montana 1987) – 30 Jahre später zu Hause in St. Légier VD.

ie Goldmedaillen glänzen so hell, als kämen sie gerade aus der Metallschmiede. Das Strahlen der Gewinnerin ist so frisch, als hätte die Siegesfeier erst begonnen. Erika Hess scheint der Zeit davongefahren zu sein – dass 30 Jahre zwischen ihrem grossen WM-Coup in Schladming und dem «Recycling» des legendären MedaillenSchnappschusses liegen, ist fast unvorstellbar. «Ein paar Lachfalten sind schon dazugekommen,» sagt die Nidwaldnerin zu den visuellen Unterschieden von heute zu damals. Erika Hess schrieb in den 1980er-Jahren eines der schönsten Kapitel der jüngeren Schweizer Sportgeschichte. Die Initialzündung lieferte sie an den Olympischen Spielen in Lake Placid 1980. Noch keine 18 Jahre alt, fuhr das unbekannte Bergbauernmädchen im Slalom auf den 3. Platz. Weil die Olympischen Spiele damals auch als Weltmeisterschaften zählten, erhielt sie zwei Bronzemedaillen. Und auch die Nachbarn im Weiler Altzellen bei Grafenort OW zeigten sich spendabel. Sie stifteten Erika und ihrer Familie zwei Bündel Heu. Die Boulevardpresse beförderte die Newcomerin zum «Schätzchen der Nation» – und konnte zwei Jahre später die ganz grossen Buchstaben hervornehmen. An den Weltmeisterschaften in Schladming und Haus avancierte Hess endgültig zum Superstar. Sie gewann Gold im Slalom, im Riesenslalom und in der Kombination – und läutete damit die goldenen Schweizer Jahre ein – mit phänomenalen 61 WM- und OlympiaMedaillen bis zum Ende des Dezenniums. Nur die WM-Veranstalter vergriffen sich im Ton. Als Erika Hess in Schladming zum ersten Mal zuoberst auf dem Podium stand, spielten die österreichischen Musikanten die zwei Jahrzehnte zuvor abgeschaffte Nationalhymne «Rufst du, mein Vaterland». Keine November 2012 · SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT


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stars erika hess «Der Spitzensport ist eine Parallelwelt, in der die normalen Probleme erst wieder spürbar werden, wenn man zurücktritt» Erika Hess

wo es geht, probieren aber gleichMissverständnisse gab es in der zeitig, ihn vor dem grössten Druck Zusammenarbeit mit Konditionstraizu schützen: «Marco weiss schon, ner Jacques Reymond. Im Gegendass er genauer beobachtet wird teil: Längst heisst Erika Hess Erika als seine Alterskollegen. Aber wichReymond-Hess, ist dreifache Mutter tig ist: Er hat Freude am Skifahren – und lebt mit ihrem Ehemann und also soll er es probieren.» dem jüngsten Sohn, Marco, 18, in St. Légier bei Vevey. Ihr NidwaldnerSeine Mutter zeigt ihm aber alle dialekt ist zwar geblieben – geleFacetten des Skizirkus auf: «Entscheigentlich schleicht sich aber ein weldet man sich für diesen Weg, muss man das ganze Leben – auch das prischer Akzent ein: «Das Waadtland ist vate – unterordnen. Der Spitzensport meine neue Heimat geworden, ich ist eine Parallelwelt, in der die normahabe hier Wurzeln geschlagen.» len Probleme erst wieder spürbar Der Wohnzimmerschmuck im werden, wenn man zurücktritt.» Einfamilienhaus hoch über dem Lac Léman ist ebenso exklusiv wie Bei Erika Hess kam der Moment die Aussicht: acht Kristallkugeln – Vom bauernmädchen zur Ski-köniGin Erika Hess wird des Rücktritts ungewöhnlich früh – zwei grosse für die Triumphe im Ge- nach dem Triumph von Schladming in Stans euphorisch empfangen. mit 25 Jahren: «Ich hatte schon samtweltcup, sechs Kleine für Disziplinen- mit den Buben im Schanzenspringen, beim mit 15 Jahren mein erstes Weltcup-Rennen siege in Slalom, Riesenslalom und Kombi- zweiten versuchte sie ihren älteren Kamera- bestritten und war zehn Jahre immer unterwegs. Dann kam der Zeitpunkt, mich neu nation. «Glücklicherweise sind sie unkompli- den mit einer Schussfahrt zu imponieren. ziert abzustauben», sagt Erika Hess. Auch Auch wegen der Schule war das Leben zu orientieren.» Hess beschreibt den Rückihre Begeisterung für den Skisport hat kei- nicht einfach. Gelegentlich musste das intel- trittsentscheid als «erlösend». Ihr sportlicher nen Staub angesetzt. Zusammen mit ihrem ligente, früh schulreife Mädchen für JO- und Schlussspurt bestätigt das. Zuletzt – den WM Ehemann veranstaltet sie Trainingscamps für Ovo-Grand-Prix-Rennen einen halben Tag 1987 in Crans-Montana – holte sie ihre WMJugendliche, «Erika Ski Camps», und führt freinehmen. Das passte nicht ins Weltbild Titel 5 und 6 und setzte ein goldenes Siegel ein eigenes Nachwuchsteam. «Es ist etwas des Schulrats und der Ehrziehungsdirektion. unter ihren unvergleichlichen Palmarès. In fünf Jahren gewann sie sechs Goldganz anderes, junge Fahrer zu betreuen, Bei der Familie Hess im Bergheimetli Aeschi als selber zu fahren – weil es pädagogisches trafen viele geharnischte Briefe ein. Zweimal medaillen – eine mehr als Pirmin Zurbriggen Geschick und Einfühlungsvermögen erfor- wurde Erika aus der Schule nach Hause ge- und ebenso viele wie ihre Nachfolgerin Vreni Schneider. Das hinterliess Spuren weit über dert. Diese Arbeit macht mir grosse Freude.» schickt, weil sie kurze Hosen trug. Ihr Sohn Marco untersteht heute keinem den Arlberg hinaus. Im Wintersportmuseum Ihre eigene Wettkampfkarriere hatte mit fünf Jahren begonnen. Gleich in ihrem ersten Kleiderzwang. Auch sonst profitiert er von von Haus im Ennstal, dem Austragungsort Schülerrennen fuhr sie Bestzeit. Weil sie für ungleich besseren Voraussetzungen als da- der Frauen-Rennen der WM 1982, hängt eine den Anlass zu jung war, erhielt sie statt der mals seine Mutter. Er trainiert am nationalen Goldmedaille von Erika Hess. Und auf der Goldmedaille eine Tafel Schokolade. Bald Leistungszentrum in Brig und könnte schon Bergstation des lokalen Skigebiets thront lernte sie auch die weniger süssen Seiten des bald den Sprung ins C-Kader schaffen. Da- eine Erika-Hess-Büste. Wenn sich selbst die Skisports kennen. Zweimal brach sie sich das neben absolviert er eine Lehre als Hoch- Österreicher vor einer Schweizer Skigrösse Bein. Beim ersten Unfall mass sich Klein Erika bauzeichner. Seine Eltern unterstützen ihn, verneigen, bleibt nichts mehr anzufügen. schweizer illustrierte sport · November 2012

FOTOS: PaOlO FOScHini/BlicKSPORT/RDB, KEySTOnE

Glück in der liebe, Glück im Spiel Erika Hess verstand sich mit ihrem Konditionstrainer Jacques Reymond so gut, dass sie Erika Reymond-Hess wurde.


EINE SPORTART, ZWEI WELTEN ABFAHRTSSKI Mindestens 218 cm lang und weniger tailliert als im Slalom. Die grössere Fläche erhöht Stabilität und Kontrolle bei hohen Tempi.

RÜCKENSCHUTZ Er bedeckt beim Abfahrer fast den ganzen Rücken. Muss eng anliegen und darf die Aerodynamik nicht beeinflussen.

HANDSCHUHE Beim Abfahrer sind sie dünn und ohne zusätzliche Schutzplatten. Generell gilt in der schnellsten Disziplin: Weniger (oder leichter) ist mehr.

HELM Muss punkto Sicherheit den höchsten DIN-Normen entsprechen. Experimente mit Visieren und Bügeln sind Vergangenheit.

UNTERWÄSCHE Der Abfahrer trägt drunter (fast) nichts. Einen knappen Slip – manchmal noch weniger. ABFAHRTSSCHUHE Sie sind weicher und beweglicher als im Slalom. Damit die Geschmeidigkeit und das Gefühl bei Gleiter-Passagen gewährleistet bleiben.

REVOLUTION Die Slalomfahrer mussten sich im Verlauf der Jahre in Sachen Technik und Material weit stärker umstellen als die Abfahrtsspezialisten. Die Einführung der Kippstangen (1979) markierte die grösste Zäsur. Der Schwede Ingemar Stenmark, der SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT · November 2012

vielleicht grösste Skirennfahrer der Geschichte, war im Epochenwandel die dominierende Figur und fand sich unter den veränderten Vorzeichen bestens zurecht. Seither hat sich die Spezialisierung in dieser Disziplin akzentuiert. Überdurchschnittlich viele Slalom-


HE nd ls ie eit ei en.

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Abfahrer und Slalomläufer üben die gleiche Sportart aus. Trotzdem bewegen sie sich auf denkbar anderen Umlaufbahnen. Während die Speed-Spezialisten Tempi von bis zu 160 km/h erreichen, befinden sich die Techniker im ständigen Nahkampf mit den Stangen. Das erfordert auch andere Ausrüstungen. Ein Materialvergleich anhand von Speed-Spezialist Didier Défago (l.) und Slalomcrack Markus Vogel. HELM Der Slalomhelm verfügt in der Regel über einen Bügel als Mundschutz. Ausserdem fahren praktisch alle Athleten mit einem Zahnschutz. GANZKÖRPERUNTERWÄSCHE Muss für ein angenehmes Hautklima sorgen und darf keine Allergien auslösen. Funktionalität kommt vor modischem Schnickschnack.

SLALOMSKI Er ist viel stärker tailliert als der Abfahrtsski – und kürzer. Die Minimallänge beträgt bei den Männern 165 cm. Das Loch in einigen Modellen fördert die Stabilisierung.

STÖCKE Im Slalom sind die Stöcke mit einem Schutz (gegen Schläge von Kippstangen) versehen. In der Abfahrt sind sie (individuell) gebogen.

RÜCKENUND-NIERENSCHUTZ Aufgrund der relativ aufrechten Haltung stützt der Rückenschutz im Slalom auch, ähnlich wie im Gewichtheben. FOTOS: FABIENNE BÜHLER

N

STARS MATERIALVERGLEICH

Topfahrer konzentrieren sich fast ausschliesslich auf ihre SpezialDisziplin oder haben höchstens noch ein zweites Standbein im Riesenslalom. Der Übergang zwischen Abfahrt, Super-G und Riesenslalom ist dagegen viel fliessender. In der Abfahrt gehörten

BEINSCHONER Im Kampf mit den Kippstangen sind Beinschoner unerlässlich. Im Slalom werden sie über dem Anzug getragen.

die Italiener in materialtechnischen Belangen zu den wichtigsten Wegbereitern. Ende 1960er-Jahre läuteten sie mit plastifizierten Anzügen eine neue Ära ein. In den 1990er-Jahren fuhr Kristian Ghedina als Erster mit einem Rückenpanzer. November 2012 · SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT


DER TEMPOMACHER Schneller dank Gegenwind. Das Schweizer Ski-Team feilt unter der Regie von Trainerlegende Karl Frehsner an Material und Fahrposition. Die Zeit, die im Windkanal gewonnen wird, kann Rennen entscheiden. Text: Thomas Renggli

E

xakter, effizienter – schneller. Im Kampf um Siege und Punkte entscheiden Zentimeter. Im vergangenen Februar erreichte Didier Cuche in der Abfahrt von Chamonix das Ziel nach einer Fahrtzeit von über zwei Minuten mit 0,04 Sekunden Rückstand – und schaffte es als Dritter gerade noch aufs Podest. In einer der engsten Entscheidungen der Geschichte lagen die Top fünf innerhalb von acht

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT · November 2012

Hundertstelsekunden. Der Österreicher Klaus Kröll gewann mit einer Hundertstel Vorsprung vor Bode Miller. Die Dauer eines Wimpernschlags kann im Skisport über alles oder nichts entscheiden. Der Zufall hat deshalb Pistenverbot. Was für das menschliche Auge weder messnoch sichtbar ist, beschäftigt hinter den Kulissen Techniker, Trainer und Wissenschaftler. In der Entwicklung der Anzüge und auf der Suche nach der idealen Fahrposition

wird im Windkanal und in den Materiallabors um jede Nuance und jedes Detail gekämpft. Dabei gilt ein einfaches Prinzip: Wer im Sommer schläft, kommt im Winter zu spät. Bei Swiss Ski orchestriert ein Mann die technische Feinarbeit, der den Rennsport kennt wie kaum ein anderer – Karl Frehsner, österreichische Trainerlegende und erfolgreichster Medaillengarant dies- wie jenseits des Arlbergs. In enger Zusammenarbeit mit dem Aerodynamik-Spezialisten Hans Hess


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FOTOS: AUDI/HANDOUT (2),KEYSTONE (3)

STARS WINDKANAL

FEINABSTIMMUNG Karl Frehsner ist ein Windkanal-Pionier. Peter Müller (oben) profitierte 1986 ebenso davon wie im Sommer 2012 Marc Gisin (l.) im Windkanal von Audi in Ingolstadt (D).

setzte er schon in den 1970er-Jahren Massstäbe. In seiner glorreichen Karriere führte der 73-jährige Wahlschweizer sein Personal zu 53 WM- und Olympia-Medaillen. Höhepunkt seines Schaffens als Trainer: die WM 1987 in Crans-Montana, als das Schweizer Team die Konkurrenz in Grund und Boden fuhr und acht von zehn Titeln gewann. Damals wie heute begann die Saison für Frehsner auf wissenschaftlichem Terrain: «Es gibt für jeden Fahrer die ideale Hocke-Position und den bestmöglichen Anzug. Um diese Werte zu eruieren, gehen wir in den Windkanal.» Diesen Sommer testeten die Schweizer im Windkanal ihres Partners Audi in Ingolstadt (D). Weil der Aufwand zu gross wäre, die entsprechenden Tests mit allen Fahrern durchzu-

TROCKENÜBUNGEN Im Audi-Windkanal in Ingolstadt bespricht Karl Frehsner die Tests mit Dominique Gisin (oben) und Nils Mani (rechts): «Es gibt für jeden Fahrer die ideale Hocke und den bestmöglichen Anzug. Um diese Werte zu eruieren, gehen wir in den Windkanal.»

führen, kommen bei den Schweizern jene Athleten zum Zug, die mit ihren körperlichen Voraussetzungen das gesamte Spektrum abdecken – der grossgewachsene Marc Gisin, der eher durchschnittlich gebaute Didier Défago und der gedrungene Beat Feuz. Bei den Frauen sind Fränzi Aufdenblatten, Dominique Gisin und Andrea Dettling die «Testpilotinnen». Neben der Optimierung der Fahrposition wird vor allem am Material getüftelt. Ein Renntrikot besteht aus∑ drei Lagen – einer inneren Schicht, die vorab hautverträglich sein muss, einer mittleren aus Verbindung von Folie und Membrane – und der Aussenfläche, die für die Aerodynamik entscheidend ist. Spätestens hier wird Karl Frehsner wortkarg: «Man muss herausfinden, was das Beste ist.» Weil die Konkurrenz sogar in einem Gartenrestaurant in der Zürcher Agglomeration mithören könnte, werden keine Materialien genannt: «Wir verwenden nicht oft den gleichen Stoff wie die Österreicher», so Frehsner viel- und trotzdem nichtssagend. Wie teuer ein Rennanzug ist, lässt sich schwer beziffern. Ist ein neuer Stoff gefunden, müssen aus produktionstechnischen Gründen mindestens 100 Meter davon angefertigt werden. In der Schweiz trägt dafür meist das Textilunternehmen Schoeller/ Eschler die Verantwortung. Für die Endfabrikation ist Wintersportausrüster Descente zuständig. Um zu garantieren, dass sich das Material innerhalb der reglementarischen Leitplanken befindet, wird es von der Empa geprüft. Jeder Fahrer besitzt seinen persönlichen Massanzug. Bezieht man alle Forschungsstudien und Entwicklungsprozesse ein, kommt man leicht auf einen vierstelligen Betrag – pro Dress. Davon verbraucht jeder Spitzenfahrer, der alle Disziplinen fährt,

15 bis 20 Stück in einer Saison. Obwohl ein Anzug für mehrere Rennen zu gebrauchen wäre, treten die meisten Athleten mit fabrikneuen Textilien zum Wettkampf an. So entfallen immerhin die Waschkosten. Ausgelöst wurde die «Materialschlacht» durch die italienischen Abfahrer Ende der 1960er-Jahre. Sie schockierten die Konkurrenz mit plastifizierten Anzügen. Heute wären solche Produkte aufgrund der ungenügenden Durchlässigkeit für Luft und Flüssigkeit nicht mehr gestattet. Doch damals brachten die Italiener mit der materialtechnischen Revolution ihre Gegner fast um den Verstand. Den Höhepunkt erreichte der «Hype» in den 1980er-Jahren, als Innovationen wie der «Loch-Ski» oder die «KugelStöcke» die Fantasie beflügelten. Frehsner, der aus seinem Engagement als Trainer und Berater im Formel-1-Team von Sauber Erfahrung mitbringt, stellt sportliche Leistung aber klar über technischen Fortschritt: «Das Material ist ein Steinchen in einem Mosaik. Es macht die Konkurrenz erst nervös, wenn die Resultate stimmen.» Wie hoch der Zeitgewinn durch einen neuen Anzug und durch die Tüfteleien im Windkanal sein kann, ist nicht absolut messbar. Frehsner spricht von «ein paar Hundertstelsekunden». Doch können genau die über Sieg und Niederlage entscheiden. Die ehemalige österreichische Spitzenfahrerin Michaela Dorfmeister stellte einst die sehr aufwändigen Materialtests unter Frehsner in Frage. Dabei hätte sie selber es eigentlich am besten wissen müssen. 1998 verpasste sie Olympiagold im Super-G um eine Hundertstelsekunde. Vielleicht wäre dieser Super-G schon im Sommer zu gewinnen gewesen – im Windkanal. November 2012 · SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT


UNSERE WELTCUP-H O Kennen Sie unsere Ski-Cracks aus Nationalteam und A-Kader? Was Carlo Janka, Dominique Gisin und Co. gern essen, was sie lesen und welche Firmen auf sie setzen. ANDREA DETTLING

 Geboren

 Geboren

10. 2. 1981 (Wassermann)  Bodymasse 173 cm / 70 kg  Skiklub Zermatt  Im Netz www.fraenziaufdenblatten. ch

ERFOLGE

DAS MAG SIE «Pulp Fiction»  Buch Krimis  Essen Spaghetti oder ein feines Stück Fleisch  Getränk Rotwein oder Wasser

SO VERDIENT SIE

15. 4. 1989 (Widder)  Bodymasse 170 cm / 68 kg  Skiklub Engelberg  Im Netz www.denise feierabend.ch

ERFOLGE

Weltcup: 3. Platz beim Super-G in Cortina d’Ampezzo 2009

DAS MAG SIE

 Film

 Geboren

19. 1. 1987 (Steinbock)  Bodymasse 170 cm / 67 kg  Skiklub Altendorf

ERFOLGE

Weltcup: Sieg beim Super-G in Val-d’Isere 2009

DENISE FEIERABEND

Junioren-WM: Slalom-Weltmeisterin in Garmisch 2009

DAS MAG SIE

 Film

«Dead Poets Society»  Buch «Das Parfüm»  Essen Italienisch  Getränk Rivella

SO VERDIENT SIE

 Film

«Les Intouchables»  Buch Trilogie von Stieg Larsson  Essen Fondue chinoise  Getränk Rivella

SO VERDIENT SIE

 Ski

Stöckli  Bindung Atomic/Salomon  Stöcke Leki  Brille Alpina  Helm Alpina  Schuhe Lange  IndividualSponsor Alpiq

 Ski

Stöckli  Bindung Atomic/Salomon  Stöcke Komperdell  Brille Uvex  Helm Uvex  Schuhe Atomic  Individual-Sponsor Electrolux

Head  Bindung Head  Stöcke Komperdell  Brille Alpina  Helm Alpina  Schuhe Head  IndividualSponsor Emmentaler Switzerland

NADJA KAMER

MARIANNE KAUFMANN

MIRENA KÜNG

 Geboren

 Geboren

23. 7. 1986 (Löwe)  Bodymasse 181 cm / 79 kg  Skiklub Schwyz  Im Netz www.nadja kamer.ch

ERFOLGE Weltcup Abfahrt: 2. Platz Haus 2010, 3. Platz Cortina 2010, 2. Platz Val d’Isère 2010, 2. Platz Garmisch 2012

DAS MAG SIE  Film

«Mr. & Mrs. Smith»  Buch Biografien  Essen vom Grill

SO VERDIENT SIE  Ski

Stöckli  Bindung Atomic/Salomon Komperdell  Brille Uvex  Helm Uvex  Schuhe Lange  Individual-Sponsor Emmentaler Switzerland  Stöcke

 Ski

 Geboren

1. 4. 1986 (Widder)  Bodymasse 177 cm / 77 kg  Skiklub Toggenburg  Im Netz www.marianneabderhalden.ch

ERFOLGE Weltcup: 3. Platz Abfahrt CransMontana 2010

DAS MAG SIE  Film

«Alias»  Buch «Marley und ich»  Essen Pasta  Getränk Milch und Rivella

SO VERDIENT SIE  Ski Head  Bindung Head  Stöcke Leki  Brille Carrera  Helm Carrera  Schuhe Head  Individual-Sponsor Raiffeisen

29. 5. 1988 (Zwillinge)  Bodymasse 184 cm / 78 kg  Skiklub Pontresina

ERFOLGE Schweizer Meisterin Riesenslalom 2008

DAS MAG SIE  Buch

Biografien  Essen Rösti Wasser

 Getränk

SO VERDIENT SIE  Ski

Head  Bindung Head  Stöcke Komperdell  Brille Carrera  Helm Carrera  Schuhe Head  IndividualSponsor Raiffeisen

FOTOS: HANDOUT

FRÄNZI AUFDENBLATTEN


STARS SKI-NATI

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H OFFNUNGEN 2012/13 DOMINIQUE GISIN

LARA GUT  Geboren

 Geboren

4. 6. 1985 (Zwillinge)  Bodymasse 172 cm / 68 kg  Skiklub Engelberg  Im Netz www. dominique gisin.ch

ERFOLGE

WENDY HOLDENER

ERFOLGE

Weltcup: Abfahrtssiege in Altenmarkt und Cortina d’Ampezzo 2009, Sieg im Super-G in Crans-Montana 2010

DAS MAG SIE «Crouching Tiger Hidden Dragon»  Buch «The Lord of the Rings»  Essen Sweet & Sour  Getränk Tee

SO VERDIENT SIE

12. 5. 1993 (Stier)  Bodymasse 167 cm / 60 kg  Skiklub Drusberg  Im Netz www.wendyholdener.ch

ERFOLGE

WM: Silber in Abfahrt und Kombi Val d’Isère 2009. Weltcup: Siege im Super-G St. Moritz 2008 und Zauchensee 2011

DAS MAG SIE

 Film

 Geboren

27. 4. 1991 (Stier)  Bodymasse 160 cm / 56 kg  Skiklub Sportingottardo  Im Netz www.laragut. ch

Junioren-WM: Sieg in der Kombi, Silber in der Abfahrt, Bronze im Riesenslalom Crans-Montana 2011

DAS MAG SIE

 Film

«The Millionaire»  Buch «L’ombra del vento»  Essen Fondue chinoise  Getränk Mandarinenlimo

SO VERDIENT SIE

 Hobbys

Freunde und Sport  Essen Mamas Küche  Getränk Eistee

SO VERDIENT SIE

 Ski

Dynastar  Bindung Dynastar  Stöcke Swix  Schuhe Lange  Individual-Sponsor Alpiq

Rossignol Bindung Rossignol Stöcke Swix Brille Uvex Helm Uvex Schuhe Lange Handschuhe Reusch

Head  Bindung Head  Stöcke Leki  Brille Carrera  Helm Carrera  Schuhe Head  Handschuhe Reusch  Individual-Sponsor Electrolux

MARTINA SCHILD

FABIENNE SUTER

TRAINER: HANS FLATSCHER

Ski

 Geboren

 Geboren

26. 10. 1981 (Skorpion)  Bodymasse 170 cm / 66 kg  Skiklub Grindelwald  Im Netz www.martinaschild.ch

ERFOLGE Weltcup: Sieg im Super-G Lake Louise 2007, 3. Platz Super-G Reiteralm 2006, 3. Platz Super-G Haus 2010

DAS MAG SIE  Film

«Fluch der Karibik»  Buch «Feuerherz»  Essen Mexikanisch

SO VERDIENT SIE  Ski

Stöckli  Bindung Atomic/Salomon Leki  Brille Uvex  Helm Uvex  Schuhe Lange  Individual-Sponsor Grindelwald Tourismus  Stöcke

 Ski

 Geboren

5. 1. 1985 (Steinbock)  Bodymasse 168 cm / 67 kg  Skiklub Sattel  Im Netz www.fabiennesuter.ch

ERFOLGE Weltcupsiege: Super-G Sestriere und Bormio 2008, Abfahrt Bansko 2009, Super-G Bad Kleinkirchheim 2012

DAS MAG SIE  Film

«Les Intouchables»  Buch «Das Versprechen»  Essen Cordon bleu  Getränk Rivella

SO VERDIENT SIE  Ski

Stöckli  Bindung Atomic  Stöcke Leki  Brille Uvex  Helm Uvex  Schuhe Atomic  Indiv.-Sponsor Victorinox

8. 5. 1968 (Stier)

PERSÖNLICHES Hans Flatscher ist verheiratet mit der ehemaligen Schweizer Spitzenfahrerin Sonja Nef. Der Salzburger war seit 2004 erfolgreich als Speed-Chef der Schweizer Männer tätig. Nach dem Rücktritt von Mauro Pini übernahm er den Cheftrainerposten im Frauenteam.


DIDIER DÉFAGO

BEAT FEUZ  Geboren

 Geboren

2. 10. 1977 (Waage)  Bodymasse 184 cm / 89 kg  Skiklub Morgins  Im Netz www.didier defago.ch

ERFOLGE Olympia: Abfahrtsgold in Vancouver 2010. Weltcupsiege: Super-G Gröden 2002, Abfahrt Wengen und Kitzbühel 2009, Bormio 2011.

DAS MAG ER  Film

«Taxi»  Essen Raclette

SO VERDIENT ER  Ski

Rossignol  Bindung Rossignol Leki  Brille Bollé  Helm Bollé  Schuhe Lange  Individual-Sponsor Ochsner Sport  Stöcke

MARC GINI  Geboren

11. 2. 1987 (Wassermann)  Bodymasse 172 cm / 82 kg  Skiklub Schangnau  Im Netz www.beatfeuz.ch

ERFOLGE Weltcupsiege: Abfahrt Kvitfjell 2011, Super-G Gröden 2011, Abfahrt Wengen und Sotschi 2012, Super-G Kvitfjell 2012

DAS MAG ER  Film

«Hangover»  Essen Spaghetti Rivella

 Getränk

SO VERDIENT ER  Ski Head  Bindung Head  Stöcke Leki  Brille Uvex  Helm Uvex  Schuhe Head  Individual-Sponsor Raiffeisen

Vier starke Firmen für einen starken Verband

8. 11. 1984 (Skorpion)  Bodymasse 183 cm / 82 kg  Skiklub Piz Turba Bivio  Im Netz www.ginimarc. ch

ERFOLGE Weltcupsieg: Slalom Reiteralm 2007

DAS MAG ER  Film

«Rocky»  Buch Biografien Lasagne  Getränk Milkshake

 Essen

SO VERDIENT ER  Ski

Fischer  Bindung Fischer  Stöcke Leki  Brille Uvex  Helm Uvex  Schuhe Fischer  Individual-Sponsor Ochsner Sport


STARS SKI-NATI MARC GISIN

CARLO JANKA  Geboren

ERFOLGE DAS MAG ER  Film

«Man on Fire»  Buch «The Catcher in the Rye»  Essen Fleisch  Getränk Rivella

SO VERDIENT ER Nordica Marker Swix  Brille POC  Helm POC  Schuhe Nordica  Individual-Sponsor Helvetia Versicherungen  Stöcke

Olympia: RS-Gold Vancouver 2010. WM: RS-Gold und Abfahrts-Bronze Val d’Isère 2009. Neun Weltcupsiege

DAS MAG ER  Essen

SANDRO VILETTA

 Ski

Italienisch  Getränk Rivella

Atomic  Bindung

SILVAN ZURBRIGGEN

ERFOLGE DAS MAG ER  Musik

 Essen

Creed  Literatur Sport Bild Tortillas  Getränk Rivella grün

SO VERDIENT ER  Ski

Salomon  Bindung Salomon  Stöcke Komperdell  Brille Alpina  Helm Alpina  Schuhe Salomon  Handschuhe Reusch  IndividualSponsor Helvetia Versicherungen

DAS MAG ER  Film

«Inglorious Basterds»  Musik Baschi  Getränk Wasser

 Ski

Salomon  Bindung Salomon Komperdell  Brille Alpina  Helm Alpina  Schuhe Salomon  Individual-Sponsor Ovomaltine  Stöcke

TRAINER: OSI INGLIN

 Geboren

23. 1. 1986 (Wassermann)  Bodymasse 177 cm / 78 kg  Skiklub La Punt

Weltcupsieg: Super-G Beaver Creek 2011

Weltcup: 3. Platz Abfahrt Garmisch 2010, 2. Platz Abfahrt Bormio 2011

SO VERDIENT ER Atomic  Stöcke

Komperdell  Brille Atomic  Helm Atomic  Schuhe Atomic  Handschuhe Reusch  Individual-Sponsor Ochsner Sport

 Geboren

11. 1. 1984 (Steinbock)  Bodymasse 181 cm / 83 kg  Skiklub Mürtschen  Im Netz www.patrickkueng.ch

ERFOLGE

SO VERDIENT ER

 Bindung

 Geboren

15. 10. 1986 (Waage)  Bodymasse 186 cm / 87 kg  Skiklub Obersaxen  Im Netz www.carlo-janka.ch

ERFOLGE

SM: 3. Platz in der Super-Kombi 2010

 Ski

PATRICK KÜNG  Geboren

25. 6. 1988 (Krebs)  Bodymasse 197 cm / 109 kg  Skiklub Engelberg

 Geboren

15. 8. 1981 (Löwe)  Bodymasse 185 cm / 97 kg  Skiklub Saas Almagell  Im Netz www.silvanzurbriggen.ch

ERFOLGE Olympia: Bronze Super-Kombi in Vancouver 2010. WM: Silber Slalom St. Moritz 2003. Weltcupsiege: Kombi in Kitzbühel 2009, Abfahrt in Gröden 2010

DAS MAG ER  Essen

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17. 4. 1968 (Widder)  Skiklub Hochstuckli Sattel

PERSÖNLICHES Der Innerschweizer trat 2006 überraschend als Frauen-Chef bei SwissSki zurück. 2011 übernahm er die Nachfolge von Martin Rufener als Cheftrainer der Schweizer Männer.

Fondue  Getränk Rotwein

SO VERDIENT ER  Ski

Rossignol  Bindung Rossignol Komperdell  Brille Bollé  Helm Bollé  Schuhe Lange  Individual-Sponsor Raiffeisen  Stöcke

November 2012 · SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT


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publireportage pirelli perfekt AusgerÜstet «Um sicher ans Ziel zu kommen, sind wir mit Pirelli und Audi bestens gerüstet», sagt Didier Défago.

Auf der Überholspur

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idier Défago ist ein Mann der extremen Heraus­ forderungen. Im Val d’An­ niviers stürzt er sich am Bungee­Seil 190 Meter in die Tiefe. Ob Verbier meistert er auf Ski die Extremtour am Bec des Rosses. In Igels donnert er mit Bob­Weltmeister Ivo Rüegg den Eiskanal hinunter. Dazwischen absolviert er die Patrouille des Glaciers von Zermatt nach Verbier – den härtesten Ski­Wett­ bewerb der Welt. Im Schnee befindet sich der Abfahrts­ Olympiasieger auf der Überholspur, und auch auf vier Rädern gibt er gern Gas: «Ich fuhr schon mit Formel­Renault­Boliden und in Rallye­Autos. Das Autofahren liegt mir im Blut.» Für das Leben im Weltcup­ Zirkus ist dies schon fast eine Grundvoraus­ setzung. Denn die Skicracks fahren auf Stras­ sen noch weiter als auf der Piste. «Pro Saison legen wir im Auto 40000 bis 45000 Kilo­ meter zurück – da ist eine optimale Bereifung unerlässlich.» Die Pirelli­Reifen werden dem Anspruch in jeder Beziehung gerecht: «Ich schweizer illustrierte sport · November 2012

fühle mich mit ihnen für alle Strassen­ bedingungen hervorragend ausgestattet. Um sicher ans Ziel zu kommen, sind wir mit Pirelli und Audi bestens gerüstet», sagt der zweifache Vater. Den Autorennsport verfolgt Défago auch aus der Warte des Fans: «Mei­ ne Favoriten sind Massa und Schumacher – und natürlich Vettel.» In den nächsten Mona­ ten hat «Def» aber vor allem seine eigene Karriere im Fokus: «Ich will in den Speed­ Disziplinen wieder an die Spitze – und an den WM in Schladming um die Medaillen fahren.» Auf dem Weg dorthin kann er auf seine skifahrerischen Qualitäten vertrauen – und auf die Pirelli­Reifen an seinem Audi A6 3 L TDI: «Mit den Pneus ist es wie mit den Ski – sie müssen auf jeder Unterlage Halt garan­ tieren und einen rechtzeitig ans Ziel brin­ gen.» Défago weiss genau, wovon er spricht. Denn bei den wichtigsten Rendezvous ist auf ihn Verlass. Im Januar 2009 setzte er mit dem Gewinn des Doubles Kitzbühel/Wen­ gen einen sporthistorischen Meilenstein, ein Jahr später fuhr er an den Olympischen Spie­ len in Vancouver in der Abfahrt allen davon.

Danach folgten allerdings schwere Zei­ ten. Im September 2010 riss er sich bei einem Trainingsturz das Kreuzband – und musste den gesamten Winter über pausie­ ren. In der vergangenen Saison meldete er sich jedoch wieder eindrücklich zurück mit seinem Triumph auf der berüchtigten Stelvio von Bormio, einer der anspruchsvolls­ ten Strecken im Ski­Weltcup überhaupt. Didier Défago verliert die Kontrolle und das Gleichgewicht selbst in schwierigsten Situationen nicht – weder im Schnee noch auf der Strasse.

Fotos: Fabienne bühler, handout

Abfahrts-Olympiasieger Didier Défago, 35, gehört zu den schnellsten Menschen auf Ski. Auch mit dem Auto ist er stets pünktlich im Ziel – und sicher. Dank optimaler Bereifung von Pirelli.


STARS BENJAMIN WEGER

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NIMMT ANLAUF AUFS PODEST Biathlet Benjamin Weger im Sommertraining auf dem ehemaligen Flugplatz von Ulrichen VS.

AUF DER STARTBAHN

Er will sich nicht gedulden, sondern Gas geben. Biathlet Benjamin Weger ist auf dem Weg zur Weltspitze. Die besten Trainingsbedingungen findet der Gommer vor seiner Haustür. Text: Yvonne Zurbrügg Foto: Hervé le Cunff

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on weitem klingts, als würde einer in Zeitlupe Nordic Walken, toc, toc. Dann hört man etwas anrollen. Es ist weder ein Nordic-Walking-Verein noch ein Kleinflugzeug, das hier auf dem ehemaligen Flugplatz im Obergoms durchstartet. Sondern Benjamin Weger, 23, bei seinem täglichen Training. 30 bis 40 Kilometer spult er ab. Sechs Tage die Woche, seit Mai. Der Biathlet hat ein klares Ziel für den kommenden Winter: «Ich will das Podest erobern. Zuoberst hinauf.» Einmal Zweiter,

dreimal Dritter im Weltcup: Bester Schweizer Biathlet aller Zeiten darf er sich schon seit zwei Jahren nennen. Im vergangenen Winter ging es vor allem um konstante Leistung. Beim Saisonstart am 25. November im schwedischen Östersund will er genau da anknüpfen, wo er letzte Saison aufgehört hat. «Und dann Gold holen.» Mit der Geduld hat er es nicht so. «Man sagt, der Erfolg kommt, wenn er kommt. Aber ich will nicht auf ihn warten.» Beim Geschinensee drehen sich die Fischer nach ihm um. Beäugen interessiert den lokalen Sporthelden. Man kennt sich sogar besser: Zur Entspannung steht Weger hier auch gern am Wasser und wirft die Angel aus. Den Puls jagt er heute nicht ganz so hoch. Richtig ans Limit geht Weger, wo andere auf dem Töff oder im Cabriolet Kurven und Bergluft geniessen: Grimsel, Furka und Nufenen. «Der eine oder andere Fahrer ärgert sich wohl über mich. Aber ich mich auch über ihn.» Von 0 auf 100 durchstarten

und dann im Schiessstand von 100 auf 0 runterfahren: Beides gelingt Weger hervorragend. Vergangene Saison war er im LiegendSchiessen zeitweise der Allerbeste im Weltcup. Seit August ist es wieder wie jedes Jahr: Je näher der Winter rückt, desto besser schiesst er. Vielleicht muss er den Schnee riechen, um auf die Ellbogen aufgestützt eine Scheibe nach der andern zu treffen. Benjamin Weger ist bereit für den Wettkampf. Seine Eltern und Freundin Josianne werden ihn vor Ort unterstützen, wann immer es Zeit und Distanz zulassen. Und Skiausrüster Atomic hat die Zusammenarbeit mit ihm gerade bis nach den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 verlängert. Die Vorzeichen stehen gut. Im Kopf stimmt es auch: «Ich bin noch immer locker, aber viel fokussierter», sagt er. «Es hat ein paar brutale Abschiffer gebraucht, bis ich merkte, dass ich konsequenter an mir arbeiten muss.» Die heutige Konsequenz: 40 Kilometer in den Beinen. November 2012 · SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT


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STARS DARIO COLOGNA

Er regiert die Langlaufwelt. Und jetzt holt er sie in seine Heimat. Dass die Tour de Ski im Val Müstair Halt macht, ist nicht zuletzt Dario Cologna geschuldet. Text: Iso Niedermann Fotos: Marcel Nöcker

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as klingt wie in der Kabine des Simultanübersetzers: Eben noch führt Dario Cologna, 26, am Handy ein Gespräch auf Rätoromanisch und beantwortet dazwischen Interviewfragen in schönstem Bündnerdialekt, schon begrüsst er die Wirtin der Grenztaverne zwischen Müstair GR und Taufers (It) in breitestem Südtirolerisch: «Griass di. Hob di scho lang nimma gseen.» Reinhold Messner könnts nicht schöner. Dass der vergangenen Winter unbestritten beste Langläufer der Welt zudem seine Siegerinterviews noch fast in akuter Sauerstoffnot jeweils auch fliessend in Englisch oder Italienisch gibt, ist längst Selbstverständlichkeit. Sprachliche Grenzen kennt der dreifache Gesamtweltcup-Sieger mit Matur im Sack nicht. So wenig wie sportliche. Und die realen Schlagbäume Europas stehen ihm sowieso offen. Cologna besitzt nebst dem Schweizer Pass jenen Italiens, der Heimat seiner Eltern. EU-Freizügigkeit für den Weltherrscher in Sachen Langlauf. Davon profitiert nun auch das Münstertal. Und mit ihm die Langlaufschweiz. Noch nimmt man in Resteuropa die Lupe hervor, wenn es gilt, auf der Karte Santa Maria, Valchava oder Fuldera ausfindig zu machen. Aber zumindest der Ortsname Tschierv dürfte ab dem 1. Januar 2013 zum Begriff werden. Dann macht die Tour de Ski erstmals in der Schweiz Halt und schickt ihre Cracks für ein Skating-Sprintrennen auf die Piste. Die etwas mehr als einen Kilometer lange, leicht coupierte Rundstrecke wird in Tschierv angelegt, dort, wo Darios Eltern noch heute wohnen. «Ein rechter Lupf für das Dorf und das ganze Tal», sagt Cologna. «Hier gibt es viel zu wenige Hotelzimmer, der Tour-Tross wird wohl bis weit ins Südtirol hinein untergebracht werden.» Da ist in der malerischen und ruhigen Talschaft ennet des Ofenpasses einmal richtig etwas los, TV-Direktübertragung in alle Welt und grosser Rummel inklusive. Armer Bär M13, sollte er dann gerade im Münstertal seinen Winterschlaf halten. SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT · November 2012

DARIO S P ALLE GR E


S PRENGT R ENZEN

GRENZENLOSE UNTERSTÜTZUNG Paul Tischler, Zollamtsleiter Taufers (l.), und Reto Rainer, stellvertretender Teamchef der Grenzwache Müstair, freuen sich auf Dario Colognas Heimstart am 1. 1.


stars Dario Cologna

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«Kann ich meine Leistung des letzten Winters wieder abrufen, müsste das für eine WM-Medaille reichen»

Dass es mit dem Namen Cologna zu tun hat, dass das wichtigste Langlauf-Mehretappenrennen der Welt ausgerechnet im Val Müstair Station macht, liegt auf der Hand. Man darf das getrost als Reverenz an den Klassenprimus verstehen. Auch Dario selbst sieht das so: «Klar, der Plan, mit der Tour auch in die Schweiz zu kommen, war aus Marketinggründen schon länger vorhanden. Mit dem Entscheid fürs Münstertal wollte die FIS darüber hinaus sicher der neuen Langlaufbegeisterung in meiner Heimat Rechnung tragen – und wohl auch mir die Ehre erweisen.» Direkt zu tun mit der Organisation hat Dario Cologna nichts. Aber seine Meinung zu Streckenführung und Infrastruktur rund ums Renngelände lässt er schon einfliessen. Nicht zuletzt über seinen Papa Remo, der im OK mitarbeitet. Und seine Rennkollegen sprechen seit Monaten erwartungsvoll davon, im Januar «zu Hause bei Dario auf Besuch zu gehen». Eine Würde, die auch Bürde bringt: «So einen Anlass zu übernehmen, ist gut und recht, aber dann muss er auch perfekt durchgeführt werden. Läufts schief, fällt das irgendwie auch auf mich zurück.» Daran allerdings glaubt Dario Cologna nicht. Dafür seien die Münstertaler bei der Planung mit zu viel Herzblut am Werk. Der Maestro will sich der Aufwartung, die ihm der Langlaufzirkus macht, würdig zeigen. «Ich richte meine Saisonplanung natürlich auf die WM in Val di Fiemme Ende Februar aus, und grundsätzlich ist die Tour Teil der Vorbereitung. Aber der Körper ist ja keine Maschine, man kann das nicht auf die Woche genau planen. Also muss ich schon Anfang Jahr in guter Form sein.» Nachdem er vergangenen Winter auch in der Sparte Sprint zum Mehrfachsieger avanciert ist, kann man aus Schweizer Sicht die berechtigte Hoffnung hegen, dass Darios erstes Münstertaler Heimspiel auch gleich mit einem Heimsieg endet. Die Vorbereitung jedenfalls stimmt: Darios Trainingswerte im Sommer waren wiederum sehr beeindruckend. So sehr, dass er sagt: «Man kann zwar nicht jedes Jahr noch

das reich des königs Dario mit der Tour-de-Ski-Siegertrophäe vor seinem Heimatdorf Tschierv.

einmal zehn Prozent besser werden. Für mich ist es schon schwierig, mein Niveau zu halten. Aber ich glaube, ich bin perfekt vorbereitet. Kann ich meine Leistung des letzten Winters wieder abrufen, müsste das für eine WM-Medaille reichen.» Der WM-Stachel von Oslo 2011 sitzt noch immer. «Ich habe eine Rechnung offen. Aber wir haben ja erkannt, weshalb es damals so schiefgelaufen ist.» Dass ihm ein WM-Titel noch fehlt, um aus einem grandiosen Palmarès einen einzigartigen zu machen, gibt der Bündner zu. «Klar, will ich den einen Titel noch holen. Am ehesten traue ich es mir derzeit im 30-km-Lauf mit Technikwechsel zu. Aber ich bin noch immer ein Allrounder, der überall vorn mitlaufen kann.» Wenn Dario Cologna von seinem Wohnort Davos zum Tourstart am 29. Dezember ins deutsche Oberhof aufbricht, hat er das Ziel «Titelverteidigung» dabei. Und er rechnet sich gute Chancen aus, am 6. Januar im WM-Ort Val di Fiemme schon mal den Siegesjubel zu proben. Die wichtigste Neuerung auf dem Weg zur Karrierekrönung ist übrigens im personellen Umfeld Colognas zu orten. Sein Servicemann Gianluca Marcolini verabschiedete sich Richtung Russen-

Team. Neu ist Pascal Clement sein persönlicher Servicemann. «Er ist Engadiner, ich kenne ihn schon lange. Deshalb war er mein Favorit als Nachfolger.» Die Zusammenarbeit mit dem Servicemann ist einer der wichtigsten Bausteine für den Erfolg. «Man muss sich fast schon freundschaftlich nahestehen.» Die Grenzen der Tour de Ski hat Dario Cologna gesprengt. Das könnte im Übrigen mithelfen, dass sein jüngerer Bruder – Gianluca, 22 – leistungsmässig in neue Dimensionen eintritt. Cologna II ist auf den kommenden Winter ins B-Kader aufgerückt und darf sich gewisse Hoffnungen auf eine Teilnahme am grossen Heimspiel in Tschierv machen. Immerhin wurde er an der letztjährigen U23-WM Fünfter – im Sprint. «Er macht grosse Fortschritte. Ich freue mich darauf, dass wir miteinander im Weltcup starten können», sagt Dario. Aber eine «Lex Cologna» gebe es im Langlauf nicht: «Nur dieses Rennen zu bestreiten, ist unmöglich. Gianluca müsste für die ganze Tour de Ski startberechtigt sein, um in Tschierv starten zu können. Dafür muss er sich wie alle mit Leistung qualifizieren.» Vetterliwirtschaft ist für den Langlaufregenten auch im heimatlichen Münstertaler Land kein Thema. November 2012 · schweizer illustrierte sport


PLATZ FÜR ALLE Pascal Clement, Andrej Neff und Pascal Jaun (v. l.) am Werk. Jeder hat seinen eigenen Arbeitsplatz eingerichtet. Stoppt der Lastwagen, kanns sofort losgehen.

15-TÖNNER Mit dem Wachs-Truck werden bis 30 000 Kilometer pro Saison zurückgelegt.


STARS WACHS-TRUCK

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DAS ERFOLGSLABOR Der mit Abstand teuerste Einkauf von Swiss Ski: Der Wachs-Truck soll ihnen nicht Beine machen, aber Dario Cologna und Co. fliegen lassen. Die Konkurrenz zieht bereits nach. Text: Christian Bürge · Fotos: Raffael Waldner/13 Photo

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ORDNUNG MUSS SEIN Kein Chaos mehr – die Ski sind allzeit griffbereit.

äre es eine Eigentums- schirm im hinteren Teil des Lastwagens wohnung, müsste sie liefert. Nicht, um sich die Langeweile mit am Zürichberg ste- Filmen und Popcorn zu vertreiben, sondern hen. Die 26 Quadrat- um die Rennen live verfolgen und reagieren meter Fläche kosten zu können. Hat Curdin Perl die falschen satte 280 000 Franken. Und die Fensterfront Latten an den Füssen, wird für Dario Cologna ist gelinde gesagt ein Witz. Aber hier drin etwas Schnelleres fabriziert – und umsoll ja auch keiner die Aussicht geniessen, gekehrt. Die Messsonden von der Strecke sondern aus Langlaufski wahre Geschosse liefern pausenlos Daten zu Lufttemperatur, machen. Der Wachs-Truck ist die neueste Schneetemperatur oder Luftfeuchtigkeit. Es Errungenschaft von Swiss wird ausgewertet, getüfSki, abgekupfert von den telt und – so hofft man – gesiegt. Norwegern, welche die Die Investition hat aber Siege gleich reihenweise auch noch eine gesundeinfahren. Die Norweger haben eine Million für ihheitliche Komponente, die nicht zu unterschätzen ist. ren Sattelschlepper mit Auf die Ski aufgetragen den 90 Quadratmetern wurde die Chemie bislang bezahlt. Aber besser ist in überfüllten Zelten oder ihre Wachsküche nicht. Containern ohne Lüftung. «Die Norweger haben nur Dabei wurden permanent ein grösseres Team, dardie ganzen Fluordämpfe um brauchen sie mehr eingeatmet. Damit ist im Platz. Vom AusbaustanTruck jetzt Schluss. Über dard her haben wir das jedem Arbeitsplatz ist ein Beste», sagt der 39-jährige Abzug, der die Dämpfe Roger Wachs – ja, so nach draussen bläst. heisst der Mann –, der Chef des sechsköpfigen DER CHEF IM TRUCK Roger Das rollende Labor Wachs (!) ist der Chef des Schweizer Wachs-Teams. hat Ende November seine Schweizer Wachsteams. Was ist der Vorteil des Feuertaufe, dann ist WeltTrucks gegenüber einem gewöhnlichen cupstart im schwedischen Gällivare. Die Tour Container? «Wir sind extrem schnell», sagt ist lang. Um die 30000 Kilometer werden Wachs. «Jetzt hat jeder seinen fixen Arbeits- Roger Wachs, Pascal Clement, Sergio Favre, platz, alles ist organisiert. Wo immer wir an- Andrej Neff, Pascal Jaun und Jacob Walther kommen, wir sind in 15 Minuten bereit. Vor- diesen Winter mit dem 15-Tönner durch her brauchten wir bis zu einer Stunde.» Das Europa fahren. «Dafür haben vier von uns heisst: Das Team kann in kurzer Zeit viel extra die Lastwagenprüfung gemacht», testen. Das Zeitfenster wird optimal genützt. sagt Wachs. Fahrschule ist derzeit angesagt: Zwischen den sechs Arbeitsplätzen gibt Neben den Norwegern und den Schweizern es zudem keine Missverständnisse mehr, wollen dieses Jahr die Schweden, die Italieweil die Kommunikationswege kurz sind. Auf ner und die Deutschen mit einem Truck dem Dach ist eine Satellitenschüssel mon- am Start sein. Den Zug mit dem Lastwagen tiert, welche Fernsehbilder für den Flachbild- will keiner verpassen. November 2012 · SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT


CATCH ME IF YOU CAN Juniorenweltmeisterin im Skicross, mit 17 bei Olympia: Die Waadtländerin Fanny Smith verschlingt das Leben und liebt diesen Sport der Wilden, der Adrenalin-Verrückten. Text: Marc David · Fotos: Sedrik Nemeth

HAUPTSACHE NICHT LANGWEILIG Fanny Smith fühlt sich wohl in der Welt des Skicross – zu den Alpinen könnte sie nicht.


STARS FANNY SMITH

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anny Smith ist 20 und hasst es, sich zu langweilen. «Ich liebe es, mich zu bewegen, und ich brauche es, dass es sich um mich herum bewegt», sagt sie. Ein Leben lang steht sie auf Ski. Sie liebt das Spielerische und lächelt dabei so sehr, dass ihre blonden Haare noch ein wenig sonniger wirken. Auch dann, wenn ihr Foto-Shootings gefallen: Wie sie dieses in Saas Fee VS in Angriff nimmt, mit Eifer und Freude, einfach Spass zu haben, während viele andere Sportler die Aufgabe mit Disziplin statt Inspiration hinter sich bringen, ist bemerkenswert. Fanny schlägt vor, engagiert sich, amüsiert sich. Fanny liebt es, Gas zu geben, zu lachen. Sie liebt das Adrenalin, das kickt, wenn sie in einem erbittert geführten Lauf im Skicross die Gegnerschaft um ein paar Zentimeter distanziert. Weil sie so ist, hat sie eine mögliche Karriere bei den Alpinen gegen eine im Skicross getauscht. «Ich habe mich mit 14 Jahren in diesen Sport verliebt. Im Ski alpin wartest du eine Stunde im Zielraum auf dein Resultat. Im Skicross musst du zwei Stunden lang voll ran. Ich habe sofort gesagt, dass ich das machen will. Ich muss aber auch sagen, dass ich einen ziemlich durchgeknallten Bruder habe, der ein Freestyle-Fan ist. Was mir auf Ski immer gefiel, war neben die Piste zu gehen, die Verrückte zu geben, Sprünge zu probieren.» Auf ihrem Weg hat sie in ihrer Region Villars-sur-Ollon VD viele Sprünge gemacht, ohne sich nur einmal wehzutun. «Ich habe immer Glück gehabt, bis zum vergangenen Winter …» Da beendeten ein Bänderriss und Meniskusschaden im Dezember ihre Saison frühzeitig. Auch wenn der harte Schlag ihre Moral nicht beeinträchtigen konnte: «Ich habe versucht, die Sache positiv zu sehen. Ich habe mir gesagt, dass dies der Start zur Saison sei, dass ich Zeit habe, um im nächsten Jahr zurückzukommen. Das hat mich aus dem Tief gezogen.» Ihr wurde vieles in die Wiege gelegt. Mutter Fiona, eine Lehrerin, und ihr Vater Christophe unterhalten in Villars eine Gleitschirmschule. Geboren in New York, in die Schweiz gekommen mit 15, hat diese Abenteurerin der Lüfte den «easy way of life» behalten. Das Amerikanische (ihr Vater ist Amerikaner, die Mutter Engländerin) steckt in ihrer Haut. «Ich bin mit einem permanenten Lächeln erzogen worden, mit gutem Humor. Meine ganze Familie ist so. Sie lieben es, verrückte Dinge zu tun. Wenn wir in die Ferien fahren, wissen wir einen Tag vorher nicht, wohin es geht. Man steht auf, und dann gehts auf ins Gefecht: Marokko, oder Korsika.» Ihr Vater brachte sie auch auf die Idee, für die Olympischen Spiele zu kämpfen. «Ich erinnere November 2012 · SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT


STARS FANNY SMITH

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FOTO: VIANNY THIBAUT / AGENCE ZOOM / GETTY IMAGES

HOCH HINAUS «Das Skicross muss ein Spektakel bleiben», sagt Smith.

mich sehr gut. Wir waren in einer Gondel, und er hatte gerade erfahren, dass Skicross bei Olympia zugelassen wird. Er sagte: Willst du dorthin gehen? Ich sagte Ja, und dann gaben wir Gas.» In der Familie wird alles so gemacht. «Unsere Eltern haben uns dort gefördert, wo wir gut sind», sagt sie. Für Fanny bedeutete dies auch, die Schule mit 16 zu beenden und ins richtige Leben einzutauchen. Und eine Familie, die alles ausser Millionen besitzt, arbeitete Stück für Stück am «Team Smith». Der Ex-BoardercrossWeltmeister Guillaume Nantermod kam als Cheftrainer, um die physische Kondition sorgte sich Magda Scharl, die lange mit Stéphane Lambiel gearbeitet hatte. Schliesslich bildete sich eine ganze Gruppe von Freunden, um den Traum zu ermöglichen. Es funktionierte: Sie war schliesslich eine der jüngsten Athletinnen bei den Spielen in Vancouver. Frisch und lebendig, verrückt vor Freude, da zu sein, wurde sie Siebte. «In Sotschi will ich aufs Podest», sagt sie. Das Skicross ist aber nicht etwa einfach eine frostige Schwärmerei. Es ist auch eine Disziplin mit Risiken. Die Athleten fahren von der ersten Sekunde an Ellbogen an Ellbogen. Das Schlimmste widerfuhr im letzten Winter dem Kanadier Nick Zoricic. Er durchschlug die Sicherheitsnetze und verlor sein Leben. Fanny war im Zielraum. «Er war ein Freund. Das war hart für mich. Ich glaube, dass heute jeder mehr Acht gibt als früher. Man muss sich vorstellen: Unser Ziel ist um die Hälfte schmaler als jenes der Slalomfahrerinnen im Ski alpin. Wir sind vier Leute und kommen zur selben Zeit an.» Aber sie will nicht allzu viele Regeln. «Das Skicross muss ein Spektakel bleiben.» Ein Sport, der sich verändert, ebenfalls. Die Pioniere kultivierten einen Geist des Fairplay, vermieden es, ihre Konkurrenten in Gefahr zu bringen. Die ambitionierten Jungen von heute sind nicht mehr so galant. «Auch darum hatte ich im Dezember meinen Unfall, wegen eines Mädchens in meinem Alter, die zum ersten Mal fuhr.» Sie will aber kein

HAT SPASS AM SHOOTING Was für andere Arbeit ist, macht sie mit Inspiration: Fanny Smith im Shooting in Saas Fee.

«Mein Vater fragte in der Gondel: Willst du nach Olympia? Ich sagte ja. Danach gaben wir Gas» Fanny Smith Drama daraus machen. Sie weiss, dass der Sport von starken Emotionen lebt. Humor hat sie auch. Über die Briefe von Verehrern muss sie lachen. «Beim ersten Autogramm, das ich geben musste, fragte ich den Jungen, ob er sicher sei, dass er meines wolle. Und ob er nicht zuerst noch-

mal seine Mutter fragen wolle, ob meine Unterschrift auf dieser Kappe überhaupt erwünscht sei.» Auf die Gefahr hin, dass einige unglücklich sind: Ihr Herz ist schon an einen kanadischen Hockeyspieler vergeben. Aber es ist klar: Niemand sperrt diese Fanny in einen Käfig. November 2012 · SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT


LOUNGE Die ganze Welt des Sports

DANIS FARBENSPIEL Der Walliser bringt neuen Pfiff Pfiff in die Skimode.

FOTO: FABIENNE BÜHLER

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ereits vor einigen Jahren lancierte Dani Albrecht seine eigene Skimode-Kollektion. Der Name: Albright – eine Kreuzung zwischen dem Namen Albrecht und dem englischen «allright», alles in Ordnung. Mit seiner Skibekleidung stellt er Bestzeiten auf: Bereits die

fünfte Kollektion von Albright ist jetzt auf dem Markt. «Sie macht mit ihren frechen Farbkombinationen ein Trendbekenntnis», sagt der modebewusste Fiescher dazu. Wir zeigen auf der nächsten Seite Danis jüngsten Wurf – erhältlich ab sofort, exklusiv bei Ochsner Sport.

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LOUNGE ONLINE-SHOP

HERREN

WENGEN Art.-Nr. 6 100 757 CHF 579.–

ADELBODEN Art.-Nr. 6 102 655 CHF 399.–

LENZERHEIDE Art.-Nr. 6 106 600 CHF 99.90

MÜTZE Art.-Nr. 6 140 599 CHF 39.90

BEAVER CREEK Art.-Nr. 6 112 698 CHF 299.–

CHAMONIX Art.-Nr. 6 117 611 CHF 99.90

MÜTZE Art.-Nr. 6 150 542 CHF 39.90

BORMIO Art.-Nr. 6 122 530 CHF 149.90

GARMISCH Art.-Nr. 6 127 435 CHF 89.90

HELM/BRILLE BORMIO Art.-Nr. 5 141 490/5 145 472 CHF 79.90/49.90

ADELBODEN Art.-Nr. 6 132 516 CHF 169.90

SESTRIERE Art.-Nr. 6 137 436 CHF 89.90

HELM/BRILLE LENZERHEIDE FINGERHANDSCHUH Art.-Nr. 5 141 491/5 145 473 Art.-Nr. 6 165 484 CHF 49.90 CHF 79.90/49.90

FINGERHANDSCHUH Art.-Nr. 6 145 540 CHF 69.90

DAMEN

ARE Art.-Nr. 6 110 763 CHF 399.–

FÄUSTLING Art.-Nr. 6 157 463 CHF 69.90

BOYS

VAIL Art.-Nr. 6 120 566 CHF 199.90

FINGERHANDSCHUH Art.-Nr. 6 165 483 CHF 49.90

GIRLS

VAIL Art.-Nr. 6 130 534 CHF 199.90

SNOWTIME MIT ALBRIGHT

Die junge Marke von Skiweltmeister Dani Albrecht kommt in ihrer fünften Kollektion auf den Markt. Bei www.ochsnersport.ch ist sie bereits ein Renner. SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT · November 2012

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ben noch ein trendiger Insider-Tipp, jetzt schon eine der grössten Skibekleidungsmarken der Schweiz: Albright, das Label des Walliser WeltcupAllrounders Dani Albrecht, kommt bereits in seiner fünften Kollektion in den Handel. Frische Optik mit starken Farben, modische Schnitte, raffinierte technische Features und atmungsaktive Materialien prägen die

neuste Generation der Albright-Skibekleidung. «Ein echtes Fashion-Statement» nennt Albrecht seine jüngste Kollektion. Zudem wurde dem Logo ein neuer Look verpasst. Der Schriftzug mit stilisierter Bergsilhouette passt perfekt zur Marke. Erhältlich ist die neue Albright-Kollektion in allen Ochsner Sport Filialen und im Ochsner Sport Online-Shop. www.ochsnersport.ch


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LOUNGE OCHSNER SPORT TRAVEL

AN DIE PISTE! Seien Sie live dabei, wenn unsere Skicracks diesen Winter um Hundertstel und Medaillen kämpfen! Mit der Teilnahme an den Fanreisen von Ochsner Sport Travel verpassen Sie keines der zahlreichen Highlights.

HOPP SCHWIIZ! Die Begeisterung der einheimischen Fans für ihre Cracks ist in Wengen schier grenzenlos. Hier wird Didier Défago begrüsst, Sieger von 2009.

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GASTSPIEL Nirgends ist es für die Athleten von Swiss Ski schöner, einen WM-Titel zu holen, als bei Nachbar Österreich. Im Februar wollen sie in Schladming jubeln.

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT · November 2012

in Skiwinter voller Höhepunkte im In- und Ausland steht bevor: Die Klassiker in Adelboden oder Wengen, die Weltmeisterschaft in Schladming oder das Weltcup-Finale in Lenzerheide sind aus Schweizer Sicht die wichtigsten Rendezvous der alpinen Weltklasse. Dabei gilt: Zu Hause vor seinem Fernsehgerät mitfiebern ist gut, am Pistenrand die Emotionen ausleben viel besser. Ochsner Sport Travel macht das möglich. Die zuverlässige Adresse für Sport-Markenartikel bietet seit Anfang dieses Jahres ihr Know-how nun auch im Bereich von Aktivferien verschiedenster Art an: Biken, Nordic Walking, Running oder «Sport live». Und ab jetzt dazu auch Fanreisen im Wintersport. Die Betreuung durch Reiseprofis mit hohem Fachwissen gehört


FOTOS: ALEXANDRA WEY/ KEYSTONE, HANDOUT

dabei ebenso zum Reiseangebot wie eine kompetente Beratung und die Begeisterung für den Sport. Zur Auswahl für die Skifans stehen sowohl VIP-Tagesreisen wie im Falle der WeltcupHeimrennen in Adelboden oder am Lauberhorn in Wengen (samt Helikopterflug, um sich langwieriges Anstehen zu ersparen) als auch Zwei- und Mehrtagesreisen inklusive Übernachtungen, etwa in Adelboden oder bei der WM in Schladming. Die Anreise erfolgt im Car, und selbstredend hat sich Ochsner Sport Travel bei den Mehrtagesreisen schwer erhältliche Tribünenplätze gesichert. Die Details zu den Reisen sind ab Mitte Dezember ersichtlich auf www.ochsnersporttravel.ch; Online-Buchung ist ebenfalls möglich. Auskünfte gibt es daneben ab sofort über die Gratis-Telefonnummer 0800 022 011.

die highlights der skisaison: nicht verpassen Die Fanreisen an die Highlights der alpinen Skisaison 2012/13 von Ochsner Sport Travel finden allesamt im kommenden Jahr statt.

WM Schladming (4.–17. 2. 2013) Hotels nur 15–20 Minuten vom Renngelände entfernt, Anreise per Car, verschiedene Buchungs-Packages (alle mit Übernachtungen), Zutritt ins House of Switzerland.

Weltcup Adelboden (12./13. 1. 2013) Tages- oder Zweitagesausflug mit Übernachtung, Anreise im Car.

Weltcupfinale Lenzerheide (13.– 17. 3. 2013) Verschiedene Tagesreisen im Angebot, Hin- und Rückreise im Car, Ochsner Sport Travel Give-aways.

Weltcup Wengen (19. 1. 2013) VIP-Tagesreise mit Helikopterflug ins Renngelände (kein Anstehen bei der Bahn), meet and greet mit Athleten, Give-aways, Fondueplausch im WeltcupDorf, Siegerehrung.

Weitere Infos ab Mitte Dezember: www.ochsnersport-travel.ch

November 2012 · schweizer illustrierte sport


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LOUNGE OCHSNER SPORT RACING TEAM

VORBILDER ALS TEAMKOLLEGEN Im Ochsner Sport Racing Team bilden arrivierte Weltstars und hoffnungsvolle Cracks von morgen eine starke Renn-Gemeinschaft. Davon profitieren beide.

MARCO REYMOND

DANIEL ALBRECHT

SAMUEL ANTONIN

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT · November 2012

BRUNO STEINER

MARC BONVIN

SANDRO SIMONET LOÏC MEILLARD

DIDIER DÉFAGO

KEVIN CADUFF

JUSTIN MURISIER

BENOÎT ANTONIN

SEBASTIAN IMSENG

TIFFANY TROILLET

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en Skisport fördern – bei Ochsner Sport kein Lippenbekenntnis! Seit 2004 unterstützt Ochsner Sport Swiss-Ski und ist Sponsor der Weltcup-Rennen in der Schweiz. Und seit 2006 führt das grösste Sportfachgeschäft der Schweiz ein eigenes Rennteam, das Ochsner Sport Racing Team. Initialzündung für die Schaffung eines solchen Teams war die Verpflichtung des damals noch unbekannten Nachwuchsfahrers Carlo Janka aus Obersaxen. Ein Jahr später

NIELS HINTERMANN

ANDREAS MEY

MARTIN STRICKER

JASMINA SUTER

kamen als bereits etablierte Topathleten Didier Défago und Daniel Albrecht dazu. Nach und nach wurde rund um diese Weltcupcracks mit hoffnungsvollen Nachwuchsfahrerinnen und -fahrern ein ganzes Rennteam aufgebaut. Derzeit umfasst das Ochsner Sport Racing Team 26 Rennfahrerinnen und Rennfahrer. Im Weltcup gibt es kein anderes von einem einzelnen Sponsor getragenes Team von vergleichbarer Grösse. Was aus dem unbekannten Nachwuchsathleten Carlo Janka mit der Unterstützung durch Ochsner Sport geworden ist, weiss

RALPH WEBER MARC ROCHAT

CARLO JANKA

MARKUS VOGEL

BERNHARD NIEDERBERGER

MARC GINI

man: Weltmeister, Olympiasieger, WeltcupGesamtsieger. Dani Albrecht ist Weltmeister, Didier Défago Olympiasieger. Im Umfeld solcher Weltstars können sich die jungen Athletinnen und Athleten optimal entfalten und am Beispiel ihrer berühmten Teamkollegen wachsen. Das Credo von Ochsner Sport ist es, den Nachwuchs zu fördern, indem man die neuen Mitglieder des Racing Teams jeweils in jungen Jahren schon verpflichtet. Und ihnen auch dann die Stange hält, wenn die Karriere einmal ins Stocken gerät.

FERNANDO SCHMED

GINO CAVIEZEL

MAURO CAVIEZEL

November 2012 · SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT


Start Riesenslalom 1730 m Kanonenrohr

MIT «JÄNKS» ÜBER ALLE KLIPPEN Für seine jungen Kollegen aus dem Ochsner Sport Racing Team sind die Tipps von Carlo Janka Gold wert, wenn sie eine Strecke erstmals befahren. Das gibt Mumm.

Schnittenmedli

Wintertal Start Slalom 1513 m

ADELBODEN, 12./13. 1. 2013 Start Riesenslalom Auf 1730 m ü. M. Kanonenrohr Ein extrem steiler Starthang Schnittenmedli Einfahrt aus dem Starthang in den anspruchsvollen Mittelteil Start Slalom Auf 1513 m ü. M. Wintertal Eine der Schlüsselstellen, attraktiver Standort für Zuschauer Chäla An der Einfahrt in den Zielhang gibts eine Videowand Zielhang Einer der steilsten Schlussabschnitte überhaupt im Weltcup Ziel Riesenslalom Auf 1310 m ü. M. Ziel Slalom Auf 1302 m ü. M.

WENGEN, 19./20. 1. 2013 Start Abfahrt Auf 2315 m ü. M. Russisprung Ein erstes Mal überwinden! Start Super-Kombi Auf 2140 m ü. M. Hundschopf Der Klassiker ist ein Nadelöhr: abbremsen von 120 auf 70 km/h Minschkante Tempo verlieren für den Alpweg verboten! Kernen-S In hohem Tempo zwei enge Kurven in Folge meistern Haneggschuss Bei 145 km/h ändert plötzlich das Licht. Mut ist gefragt Silberhornsprung Schwierigkeit ist die Linkskurve direkt vor dem Sprung Start Slalom Auf 1475 m ü. M. Ziel Abfahrt und Slalom Auf 1287 m ü. M.


LOUNGE OCHSNER SPORT RACING TEAM

Chäla

Zielhang

Ziel Riesenslalom 1310 m Ziel Slalom 1302 m

Wengen

Die Lauberhorn-Piste weist mehrere sehr prägnante Schlüsselstellen auf. Zuerst einmal natürlich den Hundschopf mit dem gewaltigen Sprung in die Tiefe. Gleich anschliessend kommt die Minschkante, eine der technisch anspruchsvollsten Passagen der Strecke. Sie wurde aber zuletzt entschärft, sodass sie jetzt sehr schön zu fahren ist. Auch das Kernen-S ist technisch schwierig, weil man in hohem Tempo darauf zu kommt und dann sehr wenig Zeit hat zu reagieren. Beim Haneggschuss gibts Spitzentempi bis zu 150 km/h. Der Silberhornsprung kurz vor dem Ziel ist eigentlich keine grosse Schwierigkeit, aber das Problem bei ihm ist, dass man bereits ziemlich müde ist. Und im ZielS muss man sich dann einfach nur noch überwinden und schauen, dass man mit möglichst wenig Tempoverlust durchkommt. Adelboden Adelboden ist bekannt für seine stets schwierigen Pistenverhältnisse. Am Chuenisbärgli wird jeweils extrem eisig präpariert. Und vom Gelände her ist alles enthalten an diesem Berg: Oben ist es sehr steil, in der Mitte coupiert, und im unteren Teil wird es nochmals extrem steil. Eine Besonderheit der Piste ist, dass sie in Fahrtrichtung permanent etwas gegen rechts hängt. Im Ziel wird man hier von den euphorisch mitfiebernden Fans besonders herzlich empfangen.

FÜR SCHWEIZER FANS WÄRMT Die Wollmütze des Ochsner Sport Racing Teams mit dem markanten Zottel gibts für alle Fans von Janka und Co. bei Ochsner Sport für CHF 29.90.

GIBT DEN DURCHBLICK … und einen coolen Look im Stil von Dani Albrecht: Die Ochsner Sport Racing Team Sonnenbrille lässt sich nur online bestellen für CHF 9.90.

INTERVIEW MIT RALPH WEBER Ralph Weber, 19, aus Gossau SG wurde vergangenen Frühling Weltmeister im Super-G und holte Silber in der Abfahrt. Er ist einer der jungen Leader im Ochsner Sport Racing Team. Ralph Weber, wo können Sie am meisten von den Topstars im Ochsner Racing Team profitieren? Natürlich von ihrer ganzen Erfahrung. Ihre Vorgehensweise, wie sie akribisch an Training und Rennen herangehen, all das beeindruckt mich sehr. Sie achten sogar im Training stets auf jedes Detail. Welche Person, welches Ereignis hat Ihr Sportlerleben am meisten geprägt? Als Personen am wichtigsten waren meine Eltern, die immer an mich glaubten und mich auch in schwierigen Zeiten unterstützt haben. Und von den Ereignissen her waren es vor allem die Wechsel zwischen schlechten Saisons und darauf dem JuniorenWM-Titel. Das zeigte mir, dass es sich lohnt, nie aufzugeben. Ihre Pläne? Ich will und muss jetzt mein Training noch einmal intensivieren. Wenn alles passt, träume ich natürlich schon davon, dass es auch einmal für einen WM-Titel oder eine Olympiamedaille bei den Aktiven reicht.

FOTOS: URS BUCHER/ EQ IMAGES, HANDOUT

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engen ist für Carlo Janka ein gutes Pflaster. Am Lauberhorn brachte der 26-jährige Bündner aus Obersaxen seine Karriere so richtig in Schwung. Einen Weltcupsieg beim Riesenslalom im Val d’Isère hatte der Co-Leader – zusammen mit Défago – des Ochsner Sport Racing Teams zwar bereits eingefahren. Doch der erste Sieg auf heimischem Boden – und erst noch am traditionsbeladenen Lauberhorn – war noch einmal eine neue Dimension. Am 16. Januar 2009 gewann «Jänks» die Super-Kombination von Wengen. Auf den Tag ein Jahr und drei Weltcupsiege später stand Janka dort, wo sich jeder Schweizer Abfahrer in seiner Karriere einmal hin träumt: Zuoberst auf dem Podest der Lauberhorn-Abfahrt. Klar, der Olympiasieger von 2010 kennt die Piste im Berner Oberland wie seine Hosentasche. Und fast ebenso zu Hause fühlt er sich am Chuenisbärgli von Adelboden, wo alljährlich der vielleicht schwierigste Riesenslalom des gesamten Weltcups ausgetragen wird. Für seine jungen Kollegen aus dem Ochsner Sport Racing Team analysiert Carlo die beiden Traditionsstrecken.

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LOUNGE OCHSNER SPORT SAISON-HIGHLIGHTS

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1 THINK PINK Girls Ski-2-Teiler Suku Suku, Phenix CHF 299.– 2 GEBALLT Kids Fäustel, Snowlife, pink oder blau b gemütliche Fahrt CHF 59.90 auf der Piste, ob 3 FÜR JUNGSTARS Boys Ski-2-Teiler Suku Suku, abenteuerlicher FreePhenix CHF 299.– ride – die richtige Ausrüstung 4 BUNT Herrenjacke Dimension, O’Neill CHF 449.– machts. Hightech-Features sind 5 SIGNALGELB Herrenpants Exalt, O’Neill CHF 229.– ebenso im Trend wie modisches 6 IM SCHWUNG Herren-Skiset Victoires, Styling. Der Spass geht los! Dynamic CHF 699.– 7 STANDFEST Kids Skischuhe, Nordica CHF 99.90 ALLE PRODUKTE ERHÄLTLICH 8 DURCHBLICK! Kids Skibrille Tracker, Anon BEI OCHSNER SPORT CHF 59.90

FOTO: GERI BORN

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PISTE FREI!

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qg 9 KLUGE KÖPFE … Kids Skihelm Illusion, K2 CHF 99.90

qP KUSCHELIG Herren-Daunenjacke, Mammut

CHF 329.– qa ALLES DABEI Rucksack, 35 l, Mammut CHF 199.90 qs HÄLT WARM Thermosflasche ab CHF 29.90 qd … SCHÜTZEN SICH Herren-Schneesporthelm Montane, Giro CHF 219.– qf KLAR Herren-Schneesportbrille Basis, Giro CHF 179.90 qg ZOTTELIG Herrenmütze, O’Neill CHF 39.90 qh HALT Herren-Skischuh Quest 110, Salomon CHF 449.–


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LOUNGE WETTBEWERB

JANKAS HELM GESTALTEN – UND GEWINNEN! Beweisen Sie Kreativität, und lassen Sie sich dafür belohnen: Beim Weltcupfinale vom März wird unser Trumpf-Ass Carlo Janka einen Helm tragen, der von Ihnen gestaltet sein könnte. Wer den besten Design-Vorschlag macht, ist als VIP auf der Lenzerheide dabei.

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BÜNDNER HEIMSPIEL Beim Weltcupfinale vom 13. bis 17. März 2013 auf der Lenzerheide wird Carlo Janka den Helm mit dem Siegerdesign unseres Wettbewerbs tragen.

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT · November 2012

FOTOS: HANDOUT, PASCAL MULLER/ EQ IMAGES

rste Priorität bei einem Skihelm haben dessen Sicherheits-Standard und der Tragkomfort. Doch für die Skicracks ist auch sein Aussehen von Bedeutung. Manche mögen ein cooles Design, manche ein witziges, manche eines, das den Gegnern Respekt einflössen soll. Sie können nun bestimmen, wie der Helm aussieht, den Carlo Janka beim Weltcup-Finale auf der Lenzerheide tragen wird. Gestalten Sie jenen Kopfschutz, der Ihrer Meinung nach am besten zu Janka passt. Eine Jury wählt den kreativsten Vorschlag aus, der dann auf Carlos Helm umgesetzt wird. Der Gewinner ist mit Begleitung auf der Lenzerheide als VIP dabei – und darf Jankas signierten Helm anschliessend mit nach Hause nehmen.


WETTBEWERBS-TALON OCHSNER SPORT HELM-DESIGN

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IHR ENTWURF ZÄHLT! Vorgabe Lassen Sie Ihren Ideen freien Lauf, und bringen Sie sie auf dem weissen Feld unten zu Papier. Die schraffierten Felder entsprechen jenen oberhalb des Skibrillen-Riemens (l. und r.) und müssen freigehalten werden. Zeichnen Sie am besten mit farbigem Filzstift. Sie können für Ihren Design-Entwurf alternativ auch das online unter www.ochsnersport.ch/ helmdesign zu findende Vorlage-Formular verwenden. Preis für den/die Gewinner/in Sie sind im März in Begleitung auf der Lenzerheide dabei, erhalten den von Ihnen gestalteten und signierten Originalhelm und treffen Carlo Janka persönlich.

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SEITLICH RECHTS

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BITTE NUR AUF DER WEISSEN FLÄCHE ZEICHNEN

Vorname

Name

Adresse

PLZ/Ort

E-Mail

Telefon

Geburtsdatum

 JA, ich würde gern mehr Informationen und den E-Newsletter von Ochsner Sport erhalten.

Senden Sie den Coupon mit Ihrem Design-Vorschlag an Dosenbach-Ochsner AG, Ochsner Sport, Marketing & Kommunikation, Allmendstr. 25, 8953 Dietikon. Einsendeschluss: 14. Dezember 2012 (Poststempel). Die Gewinner werden telefonisch oder via E-Mail bis Ende 2012 von Ochsner Sport benachrichtigt. Kein Eintausch des Preises gegen Bargeld; der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


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WAS MACHT … DANIEL MAHRER 2012

1989 DANIEL MAHRER Geboren am 6. Januar 1962 in Chur GR. Gestern Daniel Mahrer gewann in seiner Karriere zwischen 1985 und 1993 sieben Weltcup-Abfahrten (unter anderen 1989 in Kitzbühel, Bild) und einen Super-G. Bei der Ski-WM 1991 in Saalbach holte er sich Abfahrts-Bronze. 1996 beendete er seine Karriere. Heute Mahrer organisiert seit 2005 Events, Kurse und Reisen. Vom Heliskiing in Kanada bis zu MountainbikeTouren (Infos: www.danielmahrer.ch). Dazu hilft er Stöckli bei der Ski-Entwicklung, testet für Lasse Kjus Kleider und ist für Porsche als Fahrinstruktor unterwegs. Mahrer hat aus erster Ehe die Kinder Marco, 22, und Andrea, 18, und ist bei Partnerin Gabi in festen Händen.

«RUNTER MACHT MEHR SPASS»

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r ist immer noch ein Brocken von einem Mann. Mit seinen 50 Jahren drückt er in die Pedale seines Bikes. Seine Waden sind gespannt, sein Blick entspannt. Daniel Mahrer, Sie kann man seit Jahren zum Biken und Skifahren buchen. Was zieht am meisten? Die Ski-Events ziehen deutlich am besten, ganz klar. Oft sind es grosse Schweizer Firmen, die ihren Mitarbeitern ein Erlebnis im Schnee gönnen. Und Sie ziehen die Ski auch immer noch dem Velosattel vor? Ich bin punkto Skifahren immer noch angeSCHWEIZER ILLUSTRIERTE SPORT · November 2012

fressen. Das hat sich auch mit dem Alter nicht verändert. Beim Biken bin ich eher der Abfahrer. Runter macht mir mehr Spass als die steilen Rampen hoch. Wenn einer mit rasierten Beinen kommt, weiss ich eh schon, dass der viel schneller den Berg hochkommt. Was bleibt beim Skifahren ein Kick, wenn man als Weltcupfahrer alles gesehen hat? Ich fahre fürs Leben gern im Tiefschnee, zum Beispiel in Kanada beim Heliskiing. Da pumpt bei mir immer noch das Adrenalin. Die Faszination beim Ski ist ja generell, wie man mit wenig Material die Geschwindigkeit beherrschen kann. Aber ich habe manchmal auch richtig Spass, wenn eine Gruppe gut mitmacht, wenn man Feedback bekommt.

Sie haben Ihre eigene Firma, unterstützen als Experte aber auch die Events von Franco Cavegn. Diese Ko-Existenz ist kein Problem? Nein, nein. Ich bin ja schon seit Jahren in diesem Business. Wenn ich mit Kunden nach Wengen, Kitzbühel oder ans WeltcupFinale fahre, dann bin ich eben zwischendurch auch bei andern als Experte gefragt. Und wie sehen Ihre Ambitionen bezüglich Autofahren aus? Ich arbeite während drei bis vier Wochen im Jahr als Porsche-Fahrinstruktor. Aber jetzt kann ich in Dijon einen Lauf zum PorscheCup bestreiten. Und ich kann sagen: Ich bin auch da ziemlich angefressen.

FOTO: KEYSTONE

Er hat mit der Hahnenkamm-Abfahrt den wohl berühmtesten Adrenalin-Test des Sports gewonnen. Daniel Mahrer mags heute noch gern rasant: Auf Ski und auf dem Bike ist eine Richtung seine bevorzugte: abwärts. Text: Christian Bürge · Foto: Hervé Le Cunff


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People- und Lifestyle-Magazin