Page 1

gruen

#1 26. März 2012 www.si-gruen.ch CHF 7.–

100% Grün. 100% Lifestyle.

susanne kunz „Mein Traum hat sich erfüllt” Freitag-Brüder Das Duo macht mit Taschen Geld

+

8 Seiten Mode Kleidchen im Twiggy-Stil


GRUEN Fotos: Sarah Maurer

EDITORIAL MOBILE MENSCHEN Wer Zug fährt, trifft Menschen: viele und vielfach viel zu nahe. Praktisch nirgends ist der unfreiwillige Kontakt zu wildfremden Menschen enger und die Möglichkeit zu flüchten eingeschränkter. Besonders in Stosszeiten. Das Wort «Stellwerkstörung» gehört ins feste Vokabular jedes Pendlers – auch wenn wohl die wenigsten (mich eingeschlossen) wissen, was es tatsächlich bedeutet. Ausser: Bei den SBB klemmts wieder mal. Jammern gehört zum Bahnfahren wie das Fähnchen auf den 1.-August-Weggen. Die Bundesbahnen eignen sich als Gesprächsthema ebenso gut wie das Wetter: Denn – jeder kann mitreden. SI-GRUENRedaktorin Monique Ryser hat SBB-Chef Andreas Meyer in Bern zum Interview getroffen – und sich nicht lange beim Small Talk aufgehalten. Seite 28. Eine andere Schweizer Erfolgsgeschichte beginnt so: Zwei junge Brüder suchen eine wetterfeste Tasche für die Velofahrt – vergebens. Also schneidern sie sich aus alten Lastwagenplanen, die sie zuvor in der Badewanne ihrer WG sauber geschrubbt haben,

einen Prototyp. Dieser gefällt nicht nur ihnen. So setzen sich die beiden an die Nähmaschine, und schon bald schultern sich Menschen von Zürich bis New York Taschen der Marke Freitag. Dem WG-Alter sind Markus und Daniel Freitag längst entwachsen. Heute beschäftigt ihre Firma über 130 Mitarbeitende. Im letzten Herbst haben diese in Zürich Oerlikon eine neue Fabrik bezogen. Dort werden die Blachen mit Regenwasser gewaschen, auf dem Dach blüht ein Garten, und Papa Freitags Komposthaufen erlebt ein bürotaugliches Revival. Zu Besuch bei den FreitagBrüdern in Zürichs stilsicherem Norden. Seite 42. Zum Shooting kommt sie auf dem Velo angeradelt. Genehmigt sich nochmals einen Kaffee – mit zwei kleinen Kindern gehört Schlafmangel irgendwie dazu – und legt dann los. Wer wie Susanne Kunz seit fünfzehn Jahren vor der Kamera steht, posiert natürlich routiniert. Schön, dass sie sich nicht vor Grimassen scheut und gute Laune versprüht. Im Interview zeigt sich Susanne Kunz von ihrer nachdenklichen

TITEL MAL DREI

Susanne Kunz steht als Moderatorin und Schauspielerin auf der Bühne – kein Wunder, fühlt sie sich vor der Kamera von Fotografin Sarah Maurer wohl. «Die Leute zum Lachen bringen – oder selbst als Zuschauerin lachen. Das ist es, was mich reinzieht.»

Seite: «Natürlich bin ich oft sprachlos und weiss nicht, wo ansetzen», sagt sie zum Thema Umweltschutz. Ihr Beitrag: saisonales Bio-Gemüse kaufen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und Mobility unterwegs sein und zurückhaltend Kleider shoppen. Das Gespräch ab

Seite 20.

Übrigens: Am 13. April moderiert Susanne Kunz die 3. Natur-Gala in Basel und übergibt dabei OL-Läuferin Simone Niggli-Luder den Schweizer Nachhaltigkeitspreis. Wir verlosen für diesen Anlass fünf mal zwei Tickets. Mitmachen auf Seite 14. Viel Glück und einen grünen Start in den Frühling! Barbara Halter Redaktionsleitung

Barbara Halter: „Beim Thema SBB können alle mitreden.“

5


GRUEN 1/12

20

48

CITY-TRIP Shoppen und geniessen in Carouge und Genf.

28

42

SUSANNE KUNZ Scheinwerfer an für die Moderatorin von «1 gegen 100».

FREITAG Zu Besuch beim kreativen Brüderpaar in Zürich Oerlikon.

54

LIVIA FIRTH Ihre «Green Carpet Challenge» beweist, wie glamourös Öko ist.

8

58

MADAGASKAR Wo die Vanille wächst, finden Touristen unberührte Natur.

66

FASHION Pastellfarben und transparente Spitze zum Frühlingsanfang.

Fotos: Sarah Maurer (Assistenz: Michael Lio), Will Whipple, Flurina Rothenberger, Vanessa Püntener, Tom Haller, Gina Folly, Raphaela Pichler

ANDREAS MEYER über die Rekordpünktlichkeit bei den SBB.


Fotos: Sarah Maurer (Assistenz: Michael Lio), Will Whipple, Flurina Rothenberger, Vanessa Püntener, Tom Haller, Gina Folly, Raphaela Pichler

GRUEN

#1 26. März 2012

www.si-gruen.ch

CHF 7.–

100% Grün. e. 100% Lifestyl

SUSANNE KUNZ „Mein Traumllt” hat sich erfü

COVER

Foto: Sarah Maurer Styling: Kathrin Eckhardt Hair und Make-up: Linda Sigg für Style Council Assistenz: Michael Lio Outfit: Shirt und Hose Club Monaco bei Globus, Blazer Seventy bei Eclectic Zürich

+

8 Seiten Mode Kleidchen im Twiggy-Stil

Freitag-Brüder mit Taschen Geld Das Duo macht

Starter 10 Guerilla Gardening: Die Stadt erblüht 12 Donna Leon: Wettet für Earth Hour 14 Simone Niggli-Luder: Die OL-Läuferin gewinnt den Prix Nature

Storys 18 WWF-Footprint: Testen Sie sich! Wissen Sie, woher Ihre Kleider kommen? 20 Susanne Kunz: Was die TV-Moderatorin sprachlos macht 28 Andreas Meyer: Der SBB-Chef empfängt in seinem Büro in Bern 34 Die GRUENE Liste: 30 Persönlichkeiten in Aktion – symbolisch Bäume pflanzen 42 Markus und Daniel Freitag: Wie Recycling-Taschen zum Designobjekt wurden 48 City-Trip: Auf nach Genf! Ideen für einen abwechslungsreichen Tag 54 Livia Firth: Die Gattin von Colin Firth betritt den roten Teppich in grüner Mode 58 Madagaskar: Der Berner Jürg Brand pflanzt auf der Insel Fair-Trade-Vanille an 66 Mode: Inspiriert von Twiggy – kurze Kleidchen in zarten Farben 78 Norbert Brune: Er kennt 200 Rezepte, um Forellen zuzubereiten

Money 88 Refiller-Bewegung: Auffüllen statt wegwerfen ist die Lösung 90 Wandern mit Geschichte: Unterwegs entlang des Rheins mit Via Storia 92 Ich fahre GRUEN: Yangzom Brauen mit ihrem Fiat 500 Erdgas 96 GRUEN einkaufen: Von der Yogamatte bis zum Baumnussöl


GRUEN

MEIN VELO IS MY CASTLE STILRAD(AR) Sie kommen gerade vom Gemüsemarkt oder fahren ins nächste Meeting – und sehen dabei immer verboten gut aus: Im Bildband «Cycle Style» porträtiert Fotograf Horst Friedrichs die trendigen Velofahrerinnen und Radler auf den Strassen Londons. Die Ladys treten munter auf High Heels in die Pedale und transportieren ihre Handtaschen in geflochtenen Körbchen. Herren zeigen sich gern in Tweed, Karo oder Fischgrätenmuster. Nachmachen empfohlen! CHF 39.90. Erschienen bei Prestel.

BIO-PRODUKTE AUF KLICK

Wilde Gärten in der Stadt: blühender Widerstand gegen die Betonwüste.

Die Stadt blüht auf

WILDWUCHS Guerilla Gardening – das heisst: begrünen, wo es sonst grau und trostlos ist. Heimlich verteilen Aktivisten Saatgut. Bepflanzen öffentliche Plätze, unbeachtete Nischen oder verwahrloste Hinterhöfe. In den Städten London und Berlin hat dies Tradition – in New York spriessen sogar seit dreissig Jahren Blumen und Gemüse im urbanen Raum. Doch auch Zürich hat seinen Protestgärtner: Maurice Maggis Malvenblüten verschönern jeden Sommer die Trottoirs. Für den grünen Angriff stellen Guerilla Gardeners sogenannte Samenbomben her. Diese gibt es auch zu kaufen: Das Set «Für Brave» (kleines Bild) besteht aus 18 handgemachten Kugeln aus Bio-Saatgut und Aussaaterde und kostet CHF 69.–. Setzen ab April. www.blumenbombe.ch

10

„Ich glaube nicht an Gott. Aber das ist nicht schlimm, denn auch ohne Christ zu sein, kann ich viel Gutes tun.“ Adrian Grenier, Schauspieler

Unkompliziert: Beim Bio-Pionier Mahler & Co. kann man online einkaufen, und zwar nach dem Motto «heute bestellen, morgen geliefert». Im Shop stehen Produkte von Lieferanten wie Sonnentor, Biofarm oder La Selva zur Auswahl. Neben Esswaren gibt es auch ein kleines Sortiment an Pflegeprodukten. www. mahlerundco.ch

Fotos: Laif, Horst A. Friedrichs, Coloupress, zvg (2)

GUERILLA GARDENING


GRUEN

Für die Wette zur Earth Hour will Donna Leon die Kellner von Venedig überzeugen, das laufende Wasser in den Bars abzustellen.

Energiesparen mit Donna Leon TROPENHAUS MIX MEIN CURRY Rund um die Ausstellung «Scharf auf Würze?» finden im Tropenhaus Wolhusen mehrere Veranstaltungen statt. Zum Beispiel der Workshop «Mein Curry». Unter der Leitung eines Gewürzspezialisten lernt man im zweistündigen Kurs die einzelnen Zutaten eines Currys kennen und stellt seine eigene Mischung her. Am 26. Mai, 23. Juni und 14. Juli. Pro Person CHF 65.–. Anmeldung erforderlich. www.tropenhaus-wolhusen.ch

12

SCHALTER AUS Es ist wieder so weit: Am 31. März um 20.30 Uhr erlöschen die Lichter – und zwar freiwillig. Der Eiffelturm oder das Empire State Building verschwinden im Rahmen der Earth Hour für eine Stunde in der Dunkelheit. So soll auf den Klimawandel hingewiesen werden. Um es nicht beim Symbol zu belassen, läuft im Vorfeld der Earth Hour eine grosse Wettkampagne. Eine der prominenten Mitspielenden ist Krimiautorin Donna Leon: «Ich werde einen Monat lang alle Kellner von Venedig auffordern, das laufende Wasser in den Bars abzustellen, wenn tausend Schweizer beim Zähneputzen auch konsequent das Wasser abstellen. Damit sparen sie Energie.» Wer Donna Leon unterstützen oder gleich selber eine Wette aufschalten möchte, besucht: www.wwf.ch/earthhour oder www.youtube.com/earthhour

RECYCLING-HELD DES ALLTAGS FIX ENTSORGT Stapelt sich das Altglas auf dem Balkon? Ein klarer Fall für Mr. Green. Ab sofort alle wiederverwertbaren Abfälle im Mr. Green Bag sammeln und vor die Haustür stellen. «Der Recycling-Held» holt alles ab, sortiert es und ist zudem ökologischer, als wenn jeder mit seinem Auto zur Sammelstelle fährt. Das Abo gibt es ab CHF 17.90 (Abholung einmal pro Monat) für Zürich und Agglomeration, weitere Gebiete auf Anfrage. www.mr-green.ch

RÜEBLIPÜREE PER KURIER Viel beschäftigte Eltern, aufgepasst: Yum Yum Baby liefert Baby- und Kleinkindernahrung direkt ins Haus. Jede Mahlzeit wird auf Bestellung frisch zubereitet und tiefgekühlt. Das Essen enthält biologische Zutaten und keine chemischen Farb-, Zusatz- oder Konservierungsstoffe. 7-Tage-Paket ab CHF 79.–. www.yumyumbaby.ch

„Man muss nicht Bill Gates sein, um Teil einer Veränderung zu sein.“Annie Lennox, Sängerin und Songwriterin

Fotos: Isolde Ohlbaum / Laif, Colourpress, zvg (2)

EARTH HOUR 2012


GRUEN

Simone Niggli-Luder ist studierte Biologin und Botschafterin für Biovision. Sie wohnt mit ihrer Familie in einem Plusenergie-Haus.

Trainieren für die diesjährigen OL-Weltmeisterschaften in Lausanne: Meist bleiben die Zwillinge Lars und Anja aber zu Hause.

„Preis für meine Lebenseinstellung“ Ein halbes Jahr nach der Geburt ihrer Zwillinge ist OL-Läuferin Simone Niggli-Luder wieder am Trainieren und freut sich über eine spezielle Auszeichnung.

GRATULATION Auf dem Siegertreppchen fühlt sich Simone Niggli-Luder, 34, wohl: Sie ist 17-fache OL-Weltmeisterin und wurde dreimal Sportlerin des Jahres. Nun kommt eine weitere Auszeichnung dazu: Am 13. April erhält sie in Basel den Prix Nature Swisscanto in der Sparte

14

Hoffnungsträger. «Ich freue mich ganz besonders, dass mit diesem Preis mal nicht meine sportlichen Leistungen, sondern meine Lebenseinstellung anerkannt wird», sagt Simone Niggli-Luder. Entscheidend für die Jury war ihre starke Verbundenheit mit der Natur. Niggli-Luder ist studierte Biologin, wohnt mit ihrer Familie in einem Plusenergie-Haus in Münsingen BE und setzt sich als Botschafterin der Stiftung Biovision für eine Welt ohne Hunger ein. Für den Gala-Abend ist der Babysitter bereits organisiert. Mit der dreijährigen Malin und den Zwillingen Lars und Anja, die vor einem halben Jahr auf die Welt

GALA-TICKETS ZU GEWINNEN Wir verlosen 5 × 2 Tickets für die Natur Gala mit Apéro und Biobuffet am 13. April in Basel. Postkarte mit Namen und Telefonnummer an: SI GRUEN, Dufourstrasse 23, 8008 Zürich. Das Los entscheidet. Die Gewinner werden telefonisch benachrichtigt. Einsendeschluss ist der 10. April.

„Ich mache abends kein Licht an, wenn es nicht nötig ist. Benutze nie eine Klimaanlage, und dass wir mit Trinkwasser unsere Kacke runterspülen, macht mich wütend.“ Farin Urlaub, Sänger

Fotos: Fabienne Bühler / rdb (2), DJV Bildportal

SIMONE NIGGLI-LUDER

gekommen sind, haben Simone und ihr Mann Matthias selten Gelegenheit auszugehen. «Umso intensiver geniesst man es – auch wenn man in Gedanken ständig bei den Kindern ist.» Neben der Familie dreht sich bei Simone Niggli-Luder momentan alles um ein Ziel: die OL-Weltmeisterschaften diesen Juli in Lausanne. «Das Training läuft nach Plan, ich bin voll drin.» Niggli-Luder trainiert täglich zwischen ein bis drei Stunden. Dank Matthias, den Grosseltern und der Kindertagesstätte kann sie sich in diesen Stunden voll auf den Sport konzentrieren. «Glücklicherweise fallen zudem bei diesen Weltmeisterschaften lange Reisen weg. Ich kann praktisch vor der Haustür trainieren.» Also – Daumen drücken und hoffen, dass alles so reibungslos weitergeht. Das Siegertreppchen wartet bereits. www.natur.ch, www.simoneniggli.ch


GRUEN

Lehm in Hochform

Im ältesten mineralischen Baustoff steckt Zukunft: Lehm verkörpert Ökologie,Wellness und Ästhetik auf direkteste Art und Weise. Text: Edith Arnold / Infografik: Mathias Bader, Ringier Infographics

LEHMBAU Die Lösung liegt zu Füssen. Unter dem Humus lagert Lehm. An der Luft lässt sich daraus starke Architektur formen. Wenn man heute von einem Gebäudeleben zwischen 40 und 100 Jahren ausgeht, kann ein Stampflehmbau einen konventionellen Bau überdauern. Nur entsteht bei Lehm kaum Grauenergie. Und er energetisiert die Bewohner: In den Mineralien sind die Codes der Erde gespeichert. Martin Rauch, der innovativste Lehmbauer Europas, wohnt in Vorarlberg in einem Tiefseeboden respektive in Lehm, der vor 100 Millionen Jahren sedimentiert worden ist. In Zürich entsteht mit Roger Boltshauser gerade der Allenmoos-Pavillon. «Das Material gibt die Form vor», sagt der Architekt, «archaisch und

lebendig.» Er sieht bei kleineren Volumen und in Kombination mit Holz einen Trend. Über den Westen wird die Ästhetik wiederentdeckt. In Saudi-Arabien, wo in den Siebzigerjahren Lehmdörfer begraben worden sind, baut Rauch mit dem norwegischen

Architekturbüro Snøhetta ein Kulturzentrum. Überdimensionale Steine aus glänzendem Metall sollen zum King Abdulaziz Center nach Dhahran locken. In der unterirdischen Besucherzone sind 3500 m2 Stampflehmmauern geplant.

Bauweise einer Stampflehmmauer (Pisé-Technik) Die Technik des Stampfens ist altbewährt. Je nach Beschaffenheit wird der Lehm zunächst mit Ton oder Schotter veredelt.

Der Aushub ist das Baumaterial

1.

2.

3.

4.

5.

1. Lehm in solide Verschalung einführen. 2. Manuell oder hydraulisch von 12 auf 8 cm verdichten. 3./4. Ist eine Lage stabil, folgt die nächste. 5. Die Verschalung kann entfernt werden; die Wand hat eine Dichte von Beton erreicht.

LEHMBAUTEN AUS ALLER WELT Heute lebt ein Drittel der Menschen in Lehmhäusern. Gerade in Weltregionen mit Wetterextremen schafft der Naturbaustoff ein ausgleichendes Raumklima. Doch Lehm bedeutet auch zeitlose Ästhetik: Fast alle abgebildeten Werke gehören zum Unesco-Weltkulturerbe.

Djenné, Mali Grosse Moschee von Djenné Das amorphe Monument besteht aus luftgetrockneten Ziegeln, Mörtel und Verputz aus Lehm. Palmstämme dienen als Gerüst für Reparaturen.

16

HAUS RAUCH Das Wohnhaus von Martin Rauch in Schlins ist in der Konsequenz einmalig. Wände, Böden, Treppenhaus, Putz, sogar Badund Kücheneinfassungen – alles besteht aus Lehm. Seine verschiedenen Korngrössen sind inszeniert: Im Erdgeschoss wirkt die Struktur archaisch, im ersten Stock feinkörniger, im zweiten wie Porzellan. Einzig im Fundament sind 5 Prozent Magerbeton verbaut. Architekt: Roger Boltshauser.

Zhengzhou, China Rundhäuser der Hakka Bis zu 500 Jahre alt sind die «gigantischen Torten», gebaut aus Lehm mit Bambussplittern, Eiweiss, Reispaste und Braunzucker.

Samarra, Irak Spiralminarett von Samarra 52 Meter drehen sich in die Höhe. Der Bau aus gebrannten Lehmziegeln aus dem Jahr 847 wird während des Irak-Kriegs an der Kuppel beschädigt.

85 Prozent der Baumaterialien können direkt aus der Baugrube gewonnen werden.

Togo und Benin Häuser der Tamberma und Somba Lehm bedeutet hier der Ursprung allen Lebens. Die Burgen werden mit Kuhdung imprägniert und mit einem Sud aus Tamarindenschalen bestrichen.

Die Experten www.iglehm.ch www.lehmtonerde.at www.boltshauser.info Die Verbände www.baubio.ch www.clays.org Die Lehmbauer


ÖKOBILANZ Als Heilerde wird Lehm auf die Haut aufgetragen. Ein Baukörper aus Lehm sorgt durch die konstante relative Luftfeuchtigkeit von 45 bis 55 Prozent für ein gesundes Raumklima. Der mineralische Baustoff erfüllt alle baubiologischen und ökologischen Ansprüche. Während Holz zunächst wachsen muss, ist Lehm bereits bei der Baustelle vorhanden. Für den Minergie-Standard wäre dennoch eine Lüftung nötig. Eigenschaften von Lehm • luftdurchlässig, atmungsaktiv • reguliert Temperatur und Feuchtigkeit in den Räumen • baut Geruchsmoleküle ab • ist schadstofffrei und hautfreundlich (antiallergisch) • verhindert Schimmelbefall • absorbiert elektromagnetische Strahlung • ist vollständig recycelbar Beständig bei Wind und Wetter

Aussenmauer Haus Rauch Gebrannte Schlammziegel anstelle eines Vordachs

Konventionelles Vordach

Ausgeglichene Luftfeuchtigkeit Messung während einer Woche im Sommer, Wohnraum Erdgeschoss

Stampflehm 45 cm

100

Schilfdämmung zur Isolation

80 60

Lehmputz zur Regulierung von Wärme und Feuchtigkeit

40 20

Das Prinzip eines Vordachs ist quasi auf die ganze Fassade verteilt: Horizontale Streifen aus Ziegeln bremsen die Erosion.

Lehm ist ein Gemisch aus Sand, Schluff und Ton. Zu Beginn wäscht der Regen die weichen Sedimente an der Oberfläche aus, die härteren bleiben bestehen. Dadurch bildet sich auf natürliche Weise eine stabile Schuppenpanzerung gegen Wind und Regen.

Jemen Oasenstadt Shibam Seit 1700 Jahren ragen die 500 «Wolkenkratzer aus Lehm» auf engstem Raum in den Himmel. Im Jahr 2000 begann deren Restaurierung.

Kamerun und Tschad Lehmhaus der Musgum Die Kuppelgebilde sind bis neun Meter hoch. Ohne Schalung werden Lehm, Stroh und Pflanzensäfte gestampft. Das Relief wirkt gegen Erosion.

Bankura, Westbengalen, Indien Bishnupur-Tempel Die Tempel datieren aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Steine aus gebranntem Ton in diversen Grössen bilden Bögen und Strukturen.

www.gernotminke.de www.eartharchitecture.org www.craterre.org Bücher zu Lehm www.oekobuch.de

0 20.

21.

22.

23.

24.

25.

26.

27. Juli

Relative Feuchte in % von: Aussenluft ohne Lehm mit Lehm

Quelle: Hochschule Luzern, Technik&Architektur/Roger Boltshauser, Thomas Kamm: Haus Rauch, Birkhäuser-Verlag 2011

Zum Anfassen und Staunen: Jede Fassade ist bis zum kleinsten Korn einmalig.

China Chinesische Mauer Zu Beginn wird Lehm mit Reis und Stroh verbaut, später Lehm, Sand, Schotter zwischen Steinmauern gestampft.

17


GRUEN FOOTPRINT

DER GRUEN-FOOTPRINT

Zeigt her eure Kleider!

Erst geht man shoppen, dann werden die Kleider immer wieder gewaschen, und nach einiger Zeit landen selbst Lieblingsteile in der Altkleidersammlung. Unsere Tipps, um dabei die Umwelt zu schonen.

BLICK IN DEN SCHRANK

IHR PERSÖNLICHER GRUEN-FOOTPRINT Kleiderkauf Schuhe Kleiderqualität Entsorgung Kleider waschen Kleider trocknen Kleidertyp TOTAL PUNKTE

18

1 WIE OFT PRO JAHR MACHEN SIE KLEIDEREINKÄUFE (MEHRERE KLEIDUNGSSTÜCKE AUFS MAL) FÜR DEN ALLTAG UND DIE FREIZEIT? O etwa einmal pro Monat O etwa alle zwei Monate O drei- bis viermal pro Jahr O ein- bis zweimal pro Jahr

3 6 8 12

2 WIE VIELE PAAR SCHUHE BESITZEN SIE FÜR ALLTAG, FREIZEIT UND HOBBY (Z.B. HALBSCHUHE, SKI-/SNOWBOARDSCHUHE, SANDALEN, FINKEN …)? O 41 bis 50 Paar O mehr als 50 Paar O 21 bis 30 Paar O bis 20 Paar O 31 bis 40 Paar

4 2 8 10 6

3 WORAUF ACHTEN SIE BEIM KAUF VON KLEIDERN NEBST DEM STIL AM MEISTEN? O Langlebigkeit und hohe Qualität sind für mich eine zentrale Anforderung.

6

Fotos: Redux / Laif, WWF

Wer auf hochwertige, langlebige Kleider achtet, schont Ressourcen. Gerade die Baumwollpflanze benötigt Unmengen von Wasser.

Weitere Tests www.wwf.ch/footprint Shop-Finder für Bio-Mode www.bio-fair.ch Bewertung verschiedener Modeketten www.evb.ch/fair


Fotos: Redux / Laif, WWF

O Ich orientiere mich wenn möglich an Labels, die für ökologische und soziale Produktion garantieren. O Hauptsache, das Stück ist billig. O Ich schaue, wo das Kleidungsstück hergestellt wurde. 4 WAS TUN SIE MEISTENS MIT INTAKTEN KLEIDERN ODER SCHUHEN, DIE SIE NICHT MEHR GEBRAUCHEN ODER NICHT MEHR TRAGEN MÖGEN? O Ich stecke sie in den Abfallsack. O Ich bringe sie in den Secondhand-Shop oder zu einer Kleiderbörse. O Ich gebe sie einer Sammelorganisation wie Texaid. O Ich verschenke oder verkaufe sie persönlich an Leute, die noch Freude daran haben. 5 MIT WELCHER WASSERTEMPERATUR WASCHEN SIE IHRE KLEIDER MEISTENS? O 40/60 Grad O 20/30 Grad O 30/40 Grad O 60/95 Grad

8 2 4

2 6 6 8

6 12 9 3

6 WIE TROCKNEN SIE DIE KLEIDER NACH DEM WASCHEN MEISTENS? O Ich trockne sie an der Leine – wenn immer möglich im Freien. 12 O … in einem normalen Tumbler. 3 O … in einem stromsparenden Wärmepumpen-Tumbler. 9 O Ich trockne sie meist im Trocknungsraum (mit Raumluftwäschetrockner). 6 7 WAS FÜR EIN KLEIDERTYP SIND SIE? WELCHE DER FOLGENDEN AUSSAGEN TRIFFT AM EHESTEN AUF SIE ZU? O In meinem Kleiderschrank hat es so viele Kleider, dass ich viele davon kaum je anziehe. O Meine Garderobe besteht vorwiegend aus hochwertigen Kleidern, die ich lange tragen kann. O Kleider-Aktionen kann ich nicht widerstehen, ich muss einfach zugreifen. O Neue Kleider kaufe ich erst, wenn es nicht mehr anders geht.

3 9 6 12

AUSWERTUNG O 0 bis 25 Punkte

O 26 bis 50 Punkte

O mehr als 50 Punkte

Als grün kann man Ihren Umgang mit Bekleidung wahrlich nicht bezeichnen. Vielleicht überdenken Sie mal grundsätzlich Ihr Handeln? Nicht schlecht. So wie Ihnen geht es wahrscheinlich den meisten: Sie wissen, was Sie bei der Bekleidung eigentlich noch besser machen könnten. Gratulation! Sie machen vieles richtig. Doch «nobody is perfect». Es gibt noch Potenzial nach oben. Lesen Sie dazu das Interview!

5 FRAGEN an Jennifer Zimmermann GRUEN: Worauf soll ich achten, wenn ich ökologisch und sozial verträglich produzierte Kleider kaufen will? Kaufen Sie hochwertige, langlebige Kleider. Achten Sie zudem auf Bio-Baumwolle. Solche Produkte gibt es unterdessen bei verschiedenen Detailhändlern, Mode- und Sportketten. Bio-Baumwolle bedeutet aber nicht automatisch sozialverträgliche Produktion. Labels und Hersteller wie Naturaline, Hessnatur, Max Havelaar oder Helvetas garantieren auch die Einhaltung von hohen sozialen Anforderungen in den Produktionsländern. Was sind die Probleme beim Anbau von Baumwolle? Die Baumwollpflanze ist anfällig auf Schädlinge und wird intensiv mit Pestiziden und Insektiziden gespritzt. Zudem ist sie extrem durstig: Um die Baumwolle für eine Jeans herzustellen, brauchte es etwa 8500 Liter Wasser. Das sind 50 Badewannen voll Wasser. Im Vergleich zur konventionell angebauten Baumwolle wird Bio-Baumwolle ohne Chemie produziert. Was ist bei synthetischen Stoffen zu beachten? Sport- und Outdoor-Bekleidung besteht oft aus solchen Materialien. Diese werden aus Erdöl hergestellt, einem nicht nachhaltigen Rohstoff. Es ist positiv, dass immer mehr Ausrüster Recycling-Stoffe aus gebrauchten PET-Flaschen verwenden.

Jennifer Zimmermann ist Projektleiterin Konsum beim WWF Schweiz.

Wie wäscht man seine Kleider möglichst umweltfreundlich? Waschen Sie lieber nur einmal, dafür mit ganz gefüllter Wäschetrommel. Heutige Waschmittel sind sehr effizient und waschen auch bei tiefen Temperaturen sauber. Wer bei 30 anstatt bei 60 Grad wäscht, spart rund 200 Kilowattstunden Strom und 5000 Liter Wasser pro Jahr. Vorwaschen ist heute nicht mehr nötig. Trocknen Sie die Wäsche an der Leine statt in einem stromfressenden Tumbler – das schont neben dem Klima auch das textile Gewebe. Die effizientesten Waschmaschinen und stromsparende WärmepumpenTumbler finden Sie auf der Plattform topten.ch. Was sollte man beim Kauf von Schuhen beachten? Investieren Sie auch hier in Qualität und Langlebigkeit statt Quantität. Hochwertige Schuhe kann ein Schuhmacher immer wieder reparieren.

Der WWF unterstützt Schweizerinnen und Schweizer, ihren ökologischen Fussabdruck zu verringern – in jedem Lebensbereich. Für eine erste Standortbestimmung bietet der WWF den Footprint-Rechner im Internet an. Spielerisch können Benutzerinnen und Benutzer ihre eigene Lebensrealität nachbauen. Konkrete Tipps und Tricks gibts ebenfalls. Der WWF-FootprintRechner wird von Swisscanto, einem führenden Asset-Manager für Anlage- und Vorsorgelösungen, gesponsert. www.wwf.ch/footprint

fashion Tipps für den Alltag www.wwf.ch/tipps Hersteller www.coop.ch www.hessnatur.com www.maxhavelaar.ch www.helvetas.ch

19


gruen cover

susanne kunz

„Niemand ist nur eine Frohnatur“ Erfrischend bodenständig: Susanne Kunz, 33, fährt mit ihren Kindern auf dem Velo durch Zürich und kauft auch mal im Brockenhaus ein. Text: Barbara Halter / Fotos: Sarah Maurer / Styling: Kathrin Eckhardt Hair & Make-up: Linda Sigg für Style Council

20


Moderatorin Susanne Kunz mag spontane Auftritte, überlegt sich nicht dauernd, ob sie allen gefällt. «Ich mache es einfach. Von innen heraus.»

21


gruen cover GRUEN: Wir treffen uns im Zürcher Theater Gessnerallee. Sie haben den Ort vorgeschlagen. Weshalb? Man spürt den Räumen hier ihre Geschichte an. Das gefällt mir. Im schönen Theatersaal habe ich mit der Gruppe 400asa auch schon selbst gespielt. Das ist zwar schon eine Weile her. Noch länger her ist die Aufnahme­ prüfung an die Schauspielschule, die Sie gleich hier gegenüber der Gessner­ allee absolviert haben. Sie sind durch­ gefallen. Es ist schon gut, dass sie mich nicht genommen haben. Mein Berufsleben ist heute auch so sehr erfüllt, und ich kann spannende Dinge machen. Zum Theater sind Sie trotzdem gekom­ men. Sie arbeiten als Moderatorin, treten nebenbei auch als Schauspielerin auf. Meine Prämisse war immer Learning by Doing. Auch beim Fernsehen bin ich einfach ins kalte Wasser gesprungen. Anders gesagt: Wenn man etwas unbedingt will, kriegt man es auch? Wohl eher: Mein Traum hat sich erfüllt, aber anders, als ich es mir vorgestellt habe. Heute kenne ich die Realität des Schauspielberufs an Stadttheatern und bin froh, dass ich mir das nicht antun muss. Sie sind in der Kleinkunstszene tätig, treten mit dem Stück «Schlagzeug­ Solo» auf. Die Leute zum Lachen bringen – oder selber als Zuschauerin zu lachen. Das ist es, was mich reinzieht. Sind Sie auch sonst eine Frohnatur? Ich komme aus einer humorvollen Familie. Wir haben viel Grimassen geschnitten und Leute imitiert. Aber das ist nur eine Seite von mir.

22

Die andere? Das Gegenteil: seriös, ernst und nachdenklich. Niemand ist nur eine Frohnatur. Als Moderatorin von «1 gegen 100» kommen Sie sehr natürlich rüber. Viele bezeichnen mich auch als spontan und frisch – obwohl, so frisch fühle ich mich nicht mehr. Aber vielleicht merken die Zuschauer einfach, dass ich nicht vor jeder Sendung ganz genau überlege, ob es den Leuten gefällt. Ich mache es einfach. Von innen raus. Und da spielen Sie keine Rolle? Nicht unbedingt. Ich nehme eher eine Haltung an. Wie ein Arzt, der seinen Kittel anzieht. Ich gehe ins Fernsehstudio rein und erbringe meine Leistung. Egal, ob ich Fieber habe oder ob meine Kinder mich die ganze Nacht auf Trab gehalten haben – was sie selten tun, aber es kommt halt vor. Junge Mütter sollen sich besonders stark für das Thema Umweltschutz interessieren. Trifft das bei Ihnen zu? Bei mir war das schon vorher so. Aber klar, in der Erziehung und im Alltag macht man die Kinder halt darauf aufmerksam. Ich will nicht, dass mein Sohn beim Baden die ganze Wanne füllt oder stundenlang unter der Dusche steht. Das Wasser wird knapp. In der Schweiz haben wir genug davon. Ja, noch ist das so. Aber es gibt ganze Landstriche, die in ein paar Jahren prekäre Situationen haben. Gewisse Inseln wie Mallorca haben jetzt schon Probleme. Das macht mir Angst. Sprechen Sie darüber in Ihrem Freundes­ kreis? Nein, eigentlich nicht. Meinen Mann und mich beschäftigen solche Themen aber immer wieder. Wir schauen dann und wann Hintergrundreportagen – zum Beispiel,

wie umweltbelastend die Herstellung von Jeans sein kann. Meist sind solche Berichte sehr, sehr belastend. Das ist wohl auch der Grund, wieso viele Leute gar nicht über Umweltverschmutzung oder Klimawandel sprechen wollen. Oder finden, dass man eh nichts bewirken kann. Denken Sie das manchmal auch? Natürlich bin ich oft sprachlos und weiss nicht, wo ansetzen. Eine Möglichkeit ist Bio-Gemüse: Wenn ich es esse, dann nützt dies mir persönlich, weil es gesünder ist. Zusätzlich wird beim Anbau die Umwelt geschont. Daneben gibt es auch Sachen, auf die ich leicht verzichten kann. Zum Beispiel? Baumwolle braucht Unmengen von Wasser – rund 8500 Liter, um ein Kilo herzustellen. Das ist doch pervers! Also versuche ich meinen Kleiderkauf einzuschränken. Ich bin eh nicht so eine Shopping-Frau. Einfach aus einem Frust heraus irgendein T-Shirt zu kaufen, das vielleicht in zwei Jahren wieder weggeschmissen wird. Das macht doch keinen Sinn! Ab und zu gehe ich auch ins Brockenhaus, das ekelt mich überhaupt nicht. Das gesparte Geld können Sie stattdessen in biologische Nahrungsmittel investieren. Ja, dafür gebe ich gern Geld aus. Wir verdienen zum Glück auch genug, damit wir uns das leisten können. Ich verstehe aber auch, dass dies nicht alle Familien können. Es ist einfach verrückt, dass BioProdukte immer noch Luxus-Produkte sind. Worauf achten Sie sonst beim täglichen Einkauf? Ich bemühe mich, saisonal einzukaufen. Tomaten, Auberginen, Zucchini oder Peperoni gibt es im Winter in der Regel nicht. Ich kaufe nichts aus Ägypten, Israel oder Mexiko – lieber Produkte aus

Susanne Kunz www.susannekunz.ch Ihr Stück www.schlagzeugsolo.com Ihre Quiz-Show www.sendungen.sf.tv/1-gegen-100

Erste Doppelseite: Bluse Joseph bei Grieder les Boutiques, Armreif Poggi bei Lopardo. Rechte Seite: Blazer von Seventy bei Eclectic, Bluse Vanessa Bruno bei Fidelio, Jeans Lee bei VMC Jeans & Sportswear.

„Ich will nicht, dass mein Sohn beim Baden die ganze Wanne füllt oder stundenlang unter der Dusche steht.“


„Ich komme aus einer humorvollen Familie.Wir haben Grimassen geschnitten und Leute imitiert. Aber das ist nur eine Seite von mir.“

23


gruen cover Susanne Kunz beim Theater Gessnerallee. Sie wohnt mit ihrem Mann und den beiden Kindern Elfen und Soane in der Stadt Z端rich.

24


25


gruen cover

„Meine Prämisse war immer Learning by Doing. Beim Fernsehen bin ich einfach ins kalte Wasser gesprungen.“

26


Zweite Doppelseite: Hemd Acne bei Fidelio, Cardigan Club Monaco bei Globus, Mantel Zara, Hose Edwin bei VMC Jeans & Sportswear. Linke Seite: Bluse Version Originale bei Globus, Hut privat. Location: Theater Gessneralle Zürich. Assistenz: Michael Lio.

„Ich war nie ein Fan von Autos. Ich bin immer Velo gefahren – auch weil ich gern draussen bin.“

der Schweiz. Eine Freundin von mir hat einen Bio-Garten. Bei ihr bestelle ich im Sommer Gemüse, selbst gemachten Kompott, Sirup und Konfitüre. Kochen Sie gern? Gern? Ça va … das gehört halt dazu. Mit Kindern steht man viel in der Küche, führt fast einen Hotelbetrieb. Mein Mann und ich wechseln uns aber ab. Wichtig sind uns frische Zutaten. Meist gibt es einmal die Woche Linsen, wir essen genügend Früchte und Gemüse. Viel Knoblauch, der ist ja ein super Wundermittel.

Sozusagen Ihren beiden Stadtkindern die Natur zeigen. So grossstädtisch ist Zürich nun auch wieder nicht. Natürlich wäre es manchmal toll, auf dem Land zu leben. Aber momentan würde das nicht zu unserem Lebensstil passen. Ich finde, Zürich ist ein guter Kompromiss: Wenn es Schnee hat, können die Kinder auf dem Uetliberg schlitteln. Im Sommer gibt es Flüsse und den See zum Baden. Als Elfen noch ganz klein war, haben wir in Paris gelebt. Dort sind die Parks wirklich trist. Das war dann auch für mich zu viel.

Also richtig gesund. Das hat sich sicher geändert, seit ich Kinder habe. Ich achte vermehrt auf Zusatzstoffe wie Emulgatoren, die in den Lebensmitteln enthalten sind. Vielleicht ist es aber auch so, dass ich mit dem Älterwerden einfach viel bewusster geworden bin.

Wie umweltbewusst wohnen Sie? Wir haben eine Mietwohnung. Im Winter heizen wir nicht so viel – ziehen lieber ein Paar Wollsocken an. Es ist rund 20 oder 21 Grad warm. In den Schlafräumen sogar noch weniger, so um die 19 Grad. Wenn wir ins Bett gehen, drehen wir die Heizungen runter.

Wie überzeugen Sie Ihre Kinder, Gemüse zu essen? Die Kleine ist einjährig und isst mit Freuden alles. Mit dem Grossen hatten wir auch schon kleine Kämpfe – verständlich, hat er bei Kohlrabi nicht so grosse Freude, wie wenn ich Fischstäbchen auftischen würde. Aber er muss alles probieren, und wir haben ihm auch erklärt, wieso Gemüse essen gesund ist.

Beziehen Sie Öko-Strom? Ja, das haben wir. Ich achte auch darauf, dass in leeren Zimmern kein Licht brennt. Wir könnten aber sicher noch mehr Strom sparen, zum Beispiel die Stecker abends ausziehen. Das machen wir nicht. Das ist mir zu mühsam.

Angeblich sollen Sie immer ein Sackmesser dabeihaben. Ja, in der Handtasche. Das ist was Gäbigs. Damit kann ich immer Äpfel rüsten oder Flaschen öffnen.

Apropos Elektrogeräte: Gucken Sie oft fern? Das Gerät läuft schon jeden Tag – aber nur, wenn wir auch wirklich schauen.

Essen Sie oft Fleisch? Ungefähr zweimal die Woche. Dazu gehört immer ein Bio-Poulet aus dem Züribiet – also wirklich ein ganzes, nicht abgepacktes Tier. Wir schneiden es selber auf, damit man auch sieht, dass es wirklich mal ein Huhn war.

Haben Sie ein Auto? Nein, wir sind MobilityFahrer. Wir mieten ungefähr alle zwei Monate mal ein Fahrzeug. Weil ich arbeitshalber viel in der Schweiz rumfahre, habe ich zudem

ein Generalabonnement der SBB. Ich war nie ein Fan von Autos. Bin immer Velo gefahren – auch weil ich gern draussen bin. Und heute radeln Sie mit den Kindern durch die Stadt? Ja. Elfen ist schon sechs Jahre alt und fährt selber. Soane ist auf dem Sitzchen – Veloanhänger mag ich nicht, da sitzen die Kinder genau auf der Höhe der Abgase. Um Sachen zu transportieren, haben wir Sacoches und Rucksäcke. Wie sieht es mit Ferienreisen aus? Wenn wir nach Frankreich zur Familie meines Mannes reisen, dann nehmen wir immer den Zug. Diesen Winter waren wir in Thailand – natürlich mit dem Flieger. Und es ist mir auch klar, dass dies ökologisch gesehen eine hirnrissige Aktion war. Was da alles an Kohlendioxid herausgeschleudert wird. Aber – wir sind nicht perfekt!

DER GRUEN-FOOTPRINT Wie grün kleidet sich Susanne Kunz? Kleiderkauf

8

Schuhe

8

Kleiderqualität

4

Entsorgung

6

Kleider waschen

6

Kleider trocknen

3

Kleidertyp

3

Total Punkte

38

38 Punkte = Nicht schlecht. Aber es gibt noch Dinge, die Susanne Kunz verbessern könnte. Zum Beispiel beim Einkaufen mehr auf langlebige Kleider achten oder die Sachen an der Luft und nicht im Tumbler trocknen. Der GRUEN-Footprint wurde vom WWF Schweiz für SI GRUEN entwickelt. Der Test soll für den Alltag sensibilisieren und Spass machen. Berechnen Sie Ihren eigenen Footprint auf den Seiten 18 und 19.

Ort des Fotoshootings www.gessnerallee.ch So ist Susanne Kunz unterwegs www.mobility.ch www.sbb.ch www.vbz.ch

27


gruen IntervIew

andreas meyer

„Bis 2025 ohne Atomstrom“ Fast eine Million Menschen fahren täglich Zug. Und es werden immer mehr. Wie die SBB das bewältigen wollen, sagt CEO Andreas Meyer. Interview: Monique Ryser / Fotos: Tom Haller

Kommt man zu SBB-Chef Andreas Meyer ins Büro, fällt der Blick auf Seil und Pickel, die scheinbar griffbereit parat liegen. Das Zweite, was auffällt: Sitzungen finden hier am Stehpult statt. Meyer fragt freundlich, ob man lieber sitzen wolle. Nein, will man nicht, im Stehen redet es sich besser. Trotzdem muss man gegen den spontan aufsteigen-

28

den Drang ankämpfen, die Verbindung zwischen Stehen im Büro und Stehen in vollen Zügen anzusprechen. Wenn der Chef so gern steht, wäre doch so einiges erklärbar … Das Zusammennehmen lohnt sich aber, denn der 50-jährige Manager hat ein Geschenk mitgebracht: eine Tasche aus SBB-Planen. Sie werden in einem Atelier in Quartino TI hergestellt. «SBB-Arbeiter wie Gramper, Gleisbauer,

Das Unternehmen www.sbb.ch Die Taschen www.sbbshop.ch Nachhaltigkeitsbericht der SBB www.sbb.ch/sbb-konzern.html


Andreas Meyer, 50, ist seit Anfang 2007 oberster B채hnler. Der Basler Jurist kam von der Deutschen Bahn zu den SBB.

29


GRUEN INTERVIEW

Arbeiter mit Rangierdienst können wegen der harten körperlichen Arbeit bei jeder Witterung oft nicht bis zum Pensionsalter auf ihrem angestammten Beruf bleiben. Einige von ihnen stellen dann unter anderem in unserem Atelier Taschen und iPhoneHüllen aus blauen und grünen Planen des Güterverkehrs her. Planen, die über Tausende von Kilometern quer durch Europa Zuckerrüben und andere Waren vor Witterung schützten.» Bald schon wird es vielleicht auch iPad-Hüllen geben, denn der oberste SBBChef hat die Vorzüge der neuen Technologie bereits voll verinnerlicht. GRUEN: Sie haben ein iPad vor sich. Ihr Arbeitsgerät? Ja. Früher musste ich mit einem ganzen Koffer Papier an eine Konzernleitungssitzung. Und wie das so ist bei grossen Mengen – das, was man sucht, findet man dann doch nicht. Ganz anders mit dem iPad – klein, handlich und übersichtlich. Einfach genial. Benutzen nur Sie es oder das ganze Kader?

„Ich fuhr vor Kurzem mit dem Auto von Bern nach Basel und hatte gefühlte fünf Stunden.“

Im letzten April habe ich die Arbeit in der Konzernleitung mit iPad begonnen, heute braucht niemand mehr in diesem Gremium Papier, und rund hundert Leute des Kaders

DER GRUEN-FOOTPRINT Wie grün kleidet sich Andreas Meyer? Kleiderkauf

6

Schuhe

8

Kleiderqualität

6

Entsorgung

6

Kleider waschen

6

Kleider trocknen

12

Kleidertyp

9

Total Punkte

53

53 Punkte = Kompliment! Andreas Meyer macht ganz viel richtig. Ein Tipp: Beim nächsten Kleiderkauf könnte er mal ein Label wählen, das ökologische und soziale Produktion garantiert. Der GRUEN-Footprint wurde vom WWF Schweiz für SI GRUEN entwickelt. Der Test soll für den Alltag sensibilisieren und Spass machen. Berechnen Sie Ihren eigenen Footprint auf den Seiten 18 und 19.

30

arbeiten damit. Man muss sich nur mal vorstellen, wie vor noch nicht einmal einem Jahr vor einer Konzernleitungssitzung mehrere Personen mehrere Kilos Papier kopiert haben. Das musste dann noch verteilt werden, per Kurier, wenn nötig. Heute sparen wir all das ein, den Stress der Mitarbeiter eingerechnet. Die Ökobilanz habe ich noch nicht ausgerechnet, aber die ist doch ziemlich besser geworden. Pendeln Sie eigentlich auch zur Arbeit? Ja, jeden Morgen. Ich wohne im Berner Vorort Muri und komme mit Bus und Tram zur Arbeit. Aber auch hier hilft mir die moderne Technik: Per App lade ich mir den Fahrplan herunter. Bei jedem Verkehrsmittel sieht man ja, wie hoch die Belegung ist. Wenn es sich einrichten lässt, arbeite ich nach dem Zmorge noch ein bisschen zu Hause und nehme dann ein Tram, in dem ich einen Sitzplatz habe. Dann

kann ich nämlich auch auf der Fahrt gleich weiterarbeiten. Heute kam ich beispielsweise erst um halb neun ins Büro, ohne dass ich eine Minute Arbeitszeit vergeudet habe. Gilt diese Flexibilität nur für Sie oder auch für Ihre Mitarbeiter? Selbstverständlich auch für sie. Meine Stabschefin ging beispielsweise vorhin reiten. Die Arbeit wird sie danach perfekt von zu Hause aus erledigen. Wenn alle Unternehmen so denken würden, hätten die SBB einige Probleme weniger: Zu Stosszeiten sind die Züge so voll, dass man stehen muss … … wir wollen jetzt die Kirche im Dorf lassen. Das stimmt so einfach nicht, denn durchschnittlich sind unsere Züge zu etwas mehr als dreissig Prozent belegt. Ich reise ja sehr viel im Zug und bin immer der Erste, der aufsteht, wenns zu wenig Platz hat. Ich sage

Papierlos unterwegs www.sbb.ch/fahrplan/mobile-fahrplaene/mobile-apps.html Züge im Kleinen www.maerklin.ch


„Wir haben für 1,9 Mil­ liarden Franken 59 Dop­ pelstockzüge bestellt, plus Optionen für über 100 weitere dieser Züge.“ deshalb aus eigener Erfahrung: Das ist kaum je der Fall. Sie können aber nicht abstrei­ ten, dass die Pünktlichkeit wegen Störungen oder Lok­ defekten immer mehr leidet. Auch das stimmt einfach nicht. Wir haben eine absolute Rekordpünktlichkeit und werden von allen Ländern darum beneidet. Tatsache ist: In einem Doppelstockzug können rund 1200 Personen transportiert werden. Fällt nun einer aus, hat das in der Stoss­ zeit natürlich Folgen, aber nie in dem Masse, wie Sie sagen. Jeden Tag verkehren auf unse­ rem Netz rund 9000 Züge. Wenn einer ausfällt, muss man das immer auch in diesem Kontext sehen. Alle, die mal eine Betriebszentrale besich­ tigt haben, sind beeindruckt, wie gut dieses eng verzahnte System funktioniert. Trotzdem sind diese Klagen ja nicht aus der Luft gegriffen. Zudem lieben wir in der Schweiz die SBB und haben deshalb hohe Erwartungen. Das ist ja auch schön, und wir sind eine sehr hohe Qualität gewohnt. Für uns ist das Verpflichtung, noch besser zu werden. Viele sind sich aber nicht bewusst, welche Einschränkungen man bei anderen Verkehrsmitteln hat. Ich fuhr vor Kurzem mit dem Auto von Bern nach Basel und hatte gefühlte fünf Stunden, weil ich kilometerlang im Stau stand. Wir müssen uns einfach

Die neuen Züge Twindexx Swiss Express www.bombardier.com


Komfort und die Leistungsfähigkeit sind massiv gestiegen.

Diese Klagen scheinen Sie zu nerven? Nein, das gehört dazu. Ich gebe aber zu, wenn auch meine Eltern noch mit mir über Verspätungen zu reden beginnen, habe ich mir gewisse Taktiken angeeignet, diese Gespräche nicht länger werden zu lassen als unbedingt nötig.

Wenn man den Prognosen glaubt, wird sich das Passagieraufkommen in den nächsten zwanzig Jahren um fünfzig bis hundert Prozent erhöhen. Wie wollen Sie das bewältigen? Wir als SBB wollen sicher den Mobilitätsbedürfnissen der Bevölkerung nachkommen. Klar ist, dass das heutige Schienennetz nicht mehr ausreichen wird. Wir müssen heute planen und beschliessen, damit wir dannzumal eine bedürfnisgerechte und leistungsfähige Infrastruktur haben. Bauprojekte gehen immer sehr lange, und das Netz, das wir heute haben, verdanken wir meinen Vorvorgängern.

Dann mache ich Ihnen jetzt ein Kompliment: Die Anbindung der Regionen durch den ÖV ist in der Schweiz ausserordentlich, und man kommt innert nützlicher Frist auch in den abgelegensten Ort. Schön, dass das auch anerkannt wird. Aber das rechnet sich ja nicht. Die Auslastung im Regionalverkehr liegt bei knapp zwanzig Prozent, und die Kosten werden nicht gedeckt. Das stimmt. Aber: Die Regionallinien bringen die Passagiere zu den Hauptverkehrsachsen, was wiederum diese besser auslastet. Wie ich schon gesagt habe, das System ist eng verzahnt, und das eine bedingt immer auch das andere. Kommen wir trotzdem nochmals auf die Hauptverkehrsachsen und die Spitzenbelegungen zurück. Die SBB haben ja selber anerkannt, dass hier Handlungsbedarf besteht. Und deshalb haben wir die grösste Rollmaterialbestellung der Geschichte aufgegeben und für 1,9 Milliarden Franken 59 Doppelstockzüge bestellt, plus Optionen für über 100 weitere dieser Züge. Das wird Wirkung zeigen: Ein Doppelstöcker fasst rund 1200 Personen. Wenn wir zu Stosszeiten auf einer Strecke einen Wagen mehr fahren lassen, dann ist das für die Passagiere sofort spürbar.

„Wenn meine Eltern mit mir über Verspätungen zu reden beginnen, habe ich mir gewisse Taktiken angeeignet.“ Der riesige Erfolg der SBB begann in den Achtzigerjahren, als die Angst vor dem Waldsterben zur Einführung des Halbtaxabos führte. Wie nachhaltig ist das Unternehmen wirklich? Der Stromverbrauch wird zu mehr als siebzig Prozent aus Wasserkraft gedeckt. Im Wallis haben wir im letzten Jahr die Konzessionen für unsere Wasserkraftwerke erneuert. Gerade haben wir einen Vertrag mit einem Wasserkraftwerk im französischen Kembs abgeschlossen, was den Wasserkraftanteil ab 2013 auf achtzig

Prozent erhöhen wird. Bis 2025 wollen wir den gesamten Strombedarf ohne Atomstrom sicherstellen können. Verbrauchen die Züge heute eigentlich weniger Strom als früher? Die Elektromotoren sind deutlich stromsparender geworden. Gleichzeitig sind aber die Komfortansprüche in den Abteilen gestiegen, Beispiel Klimaanlagen. Heutige Züge beschleunigen auch schneller, was mehr Energie benötigt. Gesamthaft ist der Verbrauch etwa gleich geblieben, aber der

GRUEN INTERVIEW

bewusst sein, dass wir auf hohem Niveau jammern.

Dazu brauchen Sie sehr viel Geld. Der Bund hat sich nun bereit erklärt, nicht mehr nur Investitionskosten, sondern auch einen Teil der Unterhaltskosten zu tragen. Trotzdem: Pro gefahrenen Kilometer nehmen Sie heute 15,9 Rappen ein. Wird Bahnfahren künftig viel mehr kosten? Um Erhöhungen werden wir nicht herumkommen. Vor allem, um neues Rollmaterial für die Kunden des Personenverkehrs, den gestiegenen Unterhaltsbedarf der Infrastruktur und die anfallenden Betriebskosten des GotthardBasistunnels und der Durchmesserlinie Zürich finanzieren zu können. Sie haben zu Beginn des Interviews von den Vorzügen der neuen Technologien gesprochen. Weshalb lancieren Sie nicht eine grosse Kampagne, dass nicht mehr alle zur gleichen Zeit zur Arbeit erscheinen müssen? Es gibt den jährlichen Home Office Day, der genau in diese Richtung geht. Ich bin überzeugt, dass wir mit unseren über 28 000 Angestellten schrittweise mit gutem Beispiel vorangehen.

Wasserkraft www.bfe.admin.ch Geschichte der Bahn www.sbbhistoric.ch Einen Tag freie Fahrt www.tageskarte-gemeinde.ch

33


DIE GRUENE LISTE

TOP 30 Sie hacken eifrig oder halten einfach nur ihr Schäufelchen mit Erde in die Kamera: Wenn STARS, POLITIKER und WÜRDENTRÄGER Bäume pflanzen, sind immer auch die Fotografen eingeladen. Nur Eigenwerbung? Oder steckt mehr dahinter?

Text: Edith Arnold

Irina De Giorgi, 22 Die Natürliche: Ihr philippinischer Assistenzgärtner habe gestaunt, wie sie ohne Handschuhe in der Erde herumbuddelte, erinnert sich Irina De Giorgi an die eintägige Pflanzaktion während den Miss-Earth-Wahlen im Dezember bei Manila. Anders als andere Kandidatinnen macht sie alles selber: Erde ausheben, Pflanzen einbetten, begiessen. Allerdings sind es nicht die ersten drei Bäume, die sie setzt. Ihr Elternhaus in Pfäffikon ist von einem Garten umgeben. Ein Apfelbaum gehört ihr.

Engagement: Als Miss Earth Schweiz oder «Schönheit für einen guten Zweck» möchte sie motivieren, sorgsam mit Energie und Konsumgütern umzugehen. «Privat kann jeder selber entscheiden: Stand-by oder ausgezogener Stecker, weit gereiste oder regionale Lebensmittel, Auto oder Zug.» Konkret engagiert sie sich für die Non-Profit-Organisation My Blue Planet. Eines der Projekte ist «Jede Zelle zählt – Solarenergie macht Schule».

Foto: HO

Na-ja-Faktor: Ihre Öko-Sünden sind während des zeitknappen Amtsjahres noch kleiner. De Giorgi duscht gern warm und lang.

34

GRUEN-FAKTOR

10

GRUEN-Faktor: Irina De Giorgi lebt, was sie verkündet. Dazu gehört auch eine Zurückhaltung, wenn es ums Shoppen geht. Sie rüste den Kleiderschrank nicht jede Modesaison auf, sie kombiniere gern neu, sagt die Miss Earth, die als Modellschneiderin beim Luxuslabel Akris arbeitet.

Das Rating 10: Wow: Da steht ein ganzer Wald dahinter! 9: Ein überzeugter Gärtner mit grünem Gewissen 8: Packt auch ohne Publikum und


GRUEN-FAKTOR

Dalai Lama, 76

Engagement: Eigentlich ist der Dalai Lama selber ein Baum, wie er sich gegen alles Unwetter aus dem mächtigen China stemmt. Der spirituelle Führer der Tibeter lebt im indischen Dharamsala im

Exil. Wobei er mit der ganzen Erde verwurzelt scheint: Unermüdlich ist der Charismatiker unterwegs. Für seine besonnene Art, auf die Lage im Tibet aufmerksam zu machen, wird der 14. Dalai Lama 1989 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Er interessiert sich für alles, was die Welt hervorbringt. Menschen, Tiere, Pflanzen, Wissenschaft, Wirtschaft oder Ökologie: Alles hängt für den Buddhisten zusammen. Im April 2011 gibt er nach 52 Jahren seine Funktion als politischer Führer ab. Na-ja-Faktor: Schwer zu finden. Ob Uma Thurman, Barack Obama, Richard Gere, Carla Bruni oder Angela Merkel – in seiner Aura erblühen alle augenblicklich. GRUEN-Faktor: An einem bestimmten Tag des Jahres solle man eine Baumpflanzzeremonie abhalten, die nicht nur einem selbst Glück bringe, sondern allen Wesen von Nutzen sei, rät der Dalai Lama. Das könne auch ein Obstbaum sein. Selber soll er jeweils am 6. Juli, seinem Geburtstag, einen Baum pflanzen.

Beifall an 7: Da keimt was – dranbleiben! 6: Die Geste zählt 5: Ein hölzerner Auftritt: Die Schaufel ist nur Accessoire

Foto: Reuters

Der Erleuchtende: Am 21. Mai 2008 empfängt Prinz Charles den Dalai Lama in seiner Residenz Clarence House in London wie einen alten Freund. Man wandelt durch den Park zu einer kleinen Magnolia «Spectrum». Seiner Heiligkeit wird ein Spaten überreicht, der einst König George VI. gehört hat. Es folgt ein Zeremoniell: Der Dalai Lama schaufelt Erde auf die Wurzeln des zarten Gewächses, bindet ihm eine weisse Schleife um und ehrt es mit einem Gebet zum Vogelgesang im Hintergrund. Wenn hier nicht die prächtigsten rosaroten Magnolien leuchten werden! Danach smalltalkt er mit Charles über andere Bäume im Park. In dessen organischem Garten in Gloucestershire hat er bereits einen Baum eingeweiht.

10

35


DIE GRUENE LISTE

Gisele Bündchen, 31 Die Naturschönheit: Fünf Tage weilt Gisele Bündchen Anfang Januar als Goodwill-Botschafterin des Umweltprogramms der Uno in Kenia. Das «Jahr der erneuerbaren Energien für alle» hat begonnen. In Shirt, Jeans und ohne Schminke besucht sie kleine Wind-, Biogas- und Hydroanlagen im Land. Sie erfährt auch, wie offene Feuerstellen in engen Behausungen der Gesundheit schaden. Dann pflanzt das Supermodel mit Hingabe einen Baum in Nairobi. Bei der Pressekonferenz schwärmt Bündchen von ihrem Elternhaus inmitten einer reichen Vegetation im Süden Brasiliens.

Engagement: Die Einnahmen aus ihren recycelbaren IpanemaSandalen fliessen in die Kampagne «Fight against Climate Change». Seit zwei Jahren ist Bündchen Goodwill-Botschafterin des UnoUmweltprogramms(Unep).BeidenbrasilianischenPräsidentschaftswahlen 2010 unterstützt sie offiziell Marina Silva, die «Schutzpatronin des Regenwaldes». Na-ja-Faktor: Bündchen und Bäumchen scheinen auf den ersten Blick eine seltsame Kombination. Aber nur mit ihren Sandalen käme die Jetsetterin wohl nie beim nächsten Laufsteg an.

GRUEN-FAKTOR

9

GRUEN-Faktor: Ob auf dem roten oder grünen Teppich – Gisele Bündchen wirkt immer leidenschaftlich. Auf ihrer Homepage ruft sie zum grünen Aktivismus auf. Zu sehen gibt es dort unter anderem Filmchen über Bündchens Besuch in Kenia.

Barack Obama, 50 Der Geschmeidige: Mit glänzenden Schuhen und hochgekrempeltem Hemd trägt der US-Präsident Schaufel und Pickel zur Pflanzstelle im Kenilworth Park in Washington. Morgen, am 22. April 2009, ist «Tag der Erde», und man will mit gutem Beispiel vorausgehen. Zu den Gärtnern gehören auch Michelle Obama, Joe Biden, Bill Clinton und Studenten. Während Barack Obama unter Assistenz ein Bäumchen mit lila Blüten pflanzt, geht Michelle Obama in Gummistiefeln mit vollem Körpereinsatz zur Sache. Hinter Büschen beobachtet der Secret Service die Szenerie.

Fotos: Keystone, Reuters

Engagement: Barack Obama ist als grüne Hoffnung gestartet. Mit 78 Milliarden Dollar aus dem Konjunkturpaket unterstützt er umweltfreundliche Energien und Infrastrukturen. 2009 erhält er den Friedensnobelpreis mit der Begründung: «Dank Obamas Initiative spielen die USA jetzt eine konstruktivere Rolle bei der Bewältigung der grossen klimatischen Herausforderungen.»

36

Na-ja-Faktor: Die klimatischen Herausforderungen werden nicht an der Wurzel gepackt. An der Klimakonferenz 2011 verweigern die Weltpolizisten erneut verbindliche Abkommen. Immerhin stoppt Obama das XL-Öl-Pipeline-Projekt zwischen Kanada und den USA. GRUEN-FAKTOR

8

GRUEN-Faktor: Durch die Kampagne «Eat theView» im Weissen Haus lebt man Selbstversorgung vor.

Das Rating 10: Wow: Da steht ein ganzer Wald dahinter! 9: Ein überzeugter Gärtner mit grünem Gewissen 8: Packt auch ohne Publikum und


GRUEN-FAKTOR

GRUEN-FAKTOR

GRUEN-FAKTOR

GRUEN-FAKTOR

9

10

6

8

Die Mutter der Stars: Wenn der nicht stark wird … Oprah Winfrey pflanzt am 25. November 2008 mit Nobelpreisträgerin Wangari Maathai einen Baum bei Johannesburg. Dort unterhält die Talkmasterin die Leadership Academy for Girls. Maathai ist inzwischen verstorben.

Prinz Frederik, 43

GRUEN-FAKTOR

6

Der Saubermann: In Canberra pflanzen Frederik und Mary einen Ahorn. Bei der Umweltkonferenz setzt sich der Prinz für Clean Tech ein. Dänemark unterhält einen Offshore-Windpark, exportiert Energie – und liebäugelt via Grönland mit fossilen Brennstoffen unter der Arktis.

Prinz Charles, 63

Dario Cologna, 26

Der Grünblütige: Bäume verführen auch zu romantischen Spielereien – wie hier im Kirstenbosch National Botanic Garden in Südafrika. Beim Pflanzen zeigt sich Charles stets etwas besorgt um seinen Anzug. Dafür engagiert er sich mit Passion für sein Prince’s Rainforests Project.

Der Draufgänger: Als Langläufer zieht er ständig durch Bergwälder. Beim Start der Aktion «Schutzwald» in St. Moritz gräbt der Olympiasieger ein Loch für eine Lärche. 10 000 Bäume plant Helvetia, um die Gemeinde vor Lawinen, Erdrutschen und Steinschlägen zu sichern.

GRUEN-FAKTOR

7

Rafael Nadal, 25

Herzogin Catherine, 30

Der Muskulöse: Statt Tennisschläger eine Schaufel, statt Sand braune Erde – für Rafael Nadal ist die Zeremonie während des Thailand Open 2009 eine willkommene Abwechslung. Insgesamt eine Million Bäume sollen für den thailändischen «King» und sein Klimaprojekt gesetzt werden.

Die Prinzessin: Im Minikostüm schaufelt die Duchess of Cambridge Erde zum Bäumchen. Mehr als zwei Portionen darf man dabei nicht erwarten. Dennoch ein bezaubernder Akt im Garten der Rideau Hall in Ottawa, der allen voran vom frisch angetrauten Prinz William applaudiert wird.

GRUEN-FAKTOR

7

Madonna, 53

Naomi Campbell, 41

Die Exzentrische: Die Bühne ist der Boden neben der MädchenAkademie in Malawi, die Madonna mit Millionen unterstützt. Mit sichtbarem Spass geht der Weltstar ans Werk. Schliesslich handelt es sich um einen «Miracle»-Baum: Wenige Samen reichen, um einst Wasser zu reinigen.

Die Wildkatze: Mit Toilettenputzen in New York fast auf dem Boden angekommen, poliert Campbell in Nigeria das Image weiter auf. 2008 startet sie eine Kampagne, die für jedes Baby einen neuen Baum vorsieht. Ganz in Weiss kniet sie zur Kokospalme nieder und bettet sie in Erde.

GRUEN-FAKTOR

6

Beifall an 7: Da keimt was – dranbleiben! 6: Die Geste zählt 5: Ein hölzerner Auftritt: Die Schaufel ist nur Accessoire

Fotos: Reuters (4), Getty Images (2), Sturnphotography, Bulls / Infgoff

Oprah Winfrey, 58

37


DIE GRUENE LISTE

James Cameron, 57

GRUEN-FAKTOR

8

Der Visionär: Am 22. April 2010, am «Tag der Erde», erscheint «Avatar» auf Blu-ray und DVD. Der Regisseur nutzt die Symbolik, um in Century City in Kalifornien gehörig Erde aufzuwirbeln. Die gesamte Pflanzenwelt des Science-Fiction-Thrillers ist digital erschaffen worden.

Prinzessin Victoria, 34

GRUEN-FAKTOR

7

Tyra Banks, 38

Fotos: picture-alliance / Kevan Brooks, Face to Face Archiv, Splash News (2), Reuters (2), Keystone, Getty Images

GRUEN-FAKTOR

GRUEN-FAKTOR

GRUEN-FAKTOR

38

6

9

7

Das Showgirl: Bei einer Zeremonie in New York hält Tyra Banks die Schaufel, als wär sie ein Mikrofonständer. Der Baum wird später zu viert begossen. Die Talkmasterin hat andere Qualitäten. Ihre unverblümte Art ist für viele Frauen vorbildhaft. Siehe «Kiss my fat ass!» auf Youtube.

Die Herzhafte: Im südschwedischen Helsingborg pflanzt Victoria im Oktober 2010 einen Baum. Mit ihrem Mantel in leuchtendem Magenta im grünen Park hat sie die Aufmerksamkeit auf sicher. Und siehe da: Auch auf hohen Hacken kann man die Schaufel vollladen.

Nicolas Sarkozy, 57

GRUEN-FAKTOR

5

Der Blender: Beim Staatsbesuch in Armenien wird er zu einem Denkmal geführt. Auf dem Schild steht: «Dieser Baum wurde von Nicolas Sarkozy gepflanzt.» Widerwillig zückt er die Schaufel. Hätte es lieber ein Rosenbaum sein sollen? Mit Blumenwissen hat er Carla Bruni erobert.

Jack Johnson, 36

Kronprinz Felipe, 44

Der Wellenreiter: Im Botanischen Garten von Rio pflanzt der Sänger eine Jequitibá, aus der einmal ein Mammutbaum werden soll. Johnson hat bereits Grösse erreicht: Mit seiner Musik entschleunigt er die Zeit. Ein Teil des Erlöses fliesst in «One Percent for the Planet».

Die Demütigen: Das Prinzenpaar bereitet in Madrid die Erde vor, um ein Wäldchen aus zehn Amerikanischen Eichen zu pflanzen. Zehn Jahre sind seit dem grausamenTerroranschlag vergangen. Damals hat Letizia für den spanischen Sender TVE vom Katastrophenort berichtet.

GRUEN-FAKTOR

7

Liev Schreiber, 44

Gerhard Schröder, 67

Der Hölzerne: Als Schreiber seinen Sohn aus dem Erdloch entfernt hat, pflanzt er eine Pistazie. Dabei offenbart der Action-Darsteller seinen weichen Kern. Im Hintergrund rezitiert Partnerin Naomi Watts ein Gebet. Galiläa als Location ist kein Zufall: Schreiber hat jüdische Wurzeln.

Der Kirschenkanzler: Die «Werkstatt Deutschland» lässt den Quadriga-Preisträger jeweils einen Kirschbaum pflanzen. 2007 wird Schröder geehrt. Seine Förderung von regenerativen Energien wirkt bis heute nach. Während Merkel grün erscheint, engagiert er sich für eine Erdgas-Pipeline.

GRUEN-FAKTOR

8

Das Rating 10: Wow: Da steht ein ganzer Wald dahinter! 9: Ein überzeugter Gärtner mit grünem Gewissen 8: Packt auch ohne Publikum und


Queen Elizabeth II., 85 Die Professionelle: Man könnte fast meinen, die Queen sei die Hofgärtnerin des Regierungspalastes in Hamilton auf Bermuda. Dort hat Ihre Majestät seit 1953 schon einiges gepflanzt: eine grossblättrige Steineibe, zwölf Petticoat-Palmen, fünf KöniginnenPalmen. Bäume spielten auch im dramatischen Märchen zu ihrer Krönung eine Rolle: Es war einmal eine Prinzessin, die nächtigte mit ihrem Prinzen in einem Baumhaus-Hotel in Kenia. Dort erreichte sie die Nachricht vom Tod des Vaters. So stieg Elizabeth am 6. Februar 1952 als Königin wieder vom Baum hinunter.

Engagement: Wenn sich die Queen auf Repräsentationsreise begibt, stehen fast überall Schaufeln und Setzlinge bereit. Jetzt kommt die Retourkutsche: Zum 60-Jahr-Thronjubiläum werden über ganz Grossbritannien sechs Millionen Bäume gepflanzt. Nebst Diamantwäldern sollen kleinere Jubiläumswälder entstehen. Na-ja-Faktor: Die Zeremonien wirken zuweilen etwas hölzern. Mit exakt drei Schaufeln Erde gibt die Queen den Bäumchen jeweils den Segen.

GRUEN-FAKTOR

9

GRUEN-Faktor: Die Royals unterstützen laut ihrer offiziellen Website 262 Umweltprojekte. Bunt wie eine Blume tritt die Queen in Erscheinung. Sonst zieht sie sich gern auf ihre Landsitze zurück, wo sie eher bescheiden lebt. Sie soll sich sogar persönlich darum kümmern, dass jeweils alle Lichter gelöscht werden.

Felix Finkbeiner, 14 Das Vorbild: Die «Pflanzparty» beim Reichstag in Berlin ist perfekt inszeniert. Mit Journalisten setzen «Plant for the Planet»Mitglieder Bäume in die geschichtsträchtige Erde. Allen voran ein schmächtiger Junge: Felix Finkbeiner. Mit neun Jahren, kaum grösser als ein Schaufelstiel, hat er eine Vision. Er hört von der «Billion Tree»-Kampagne des Uno-Umweltprogramms. Der Schüler aus Sternberg soll sich gesagt haben: «Wenn die eine Milliarde Bäume pflanzen können, schaffen wir in Deutschland eine Million.» Mit einem Apfelbaum legt er den Grundstein zu «Plant for the Planet».

Na-ja-Faktor: Kritiker mögen bemängeln, dass hier ein Kind verheizt wird. Doch sein Vater, der bei der Organisation mitarbeitet, sieht die Jugend seines Sohnes nicht in Gefahr. GRUEN-FAKTOR

10

GRUEN-Faktor: So viel Mut und umgesetzte Energie sucht ihresgleichen.

Beifall an 7: Da keimt was – dranbleiben! 6: Die Geste zählt 5: Ein hölzerner Auftritt: Die Schaufel ist nur Accessoire

Fotos: Reuters, Keystone

Engagement: Der Tree-o-Meter auf «Plant for the Planet» zeigt Mitte Februar auf 12 597 493 572 gepflanzte Bäume. Vor Entscheidungsträgern in aller Welt redet Finkbeiner Klartext: «Ihr zerstört unsere Umwelt, und wir Kinder müssen es ausbaden. Wenn wir es euch in vierzig Jahren zeigen könnten, was ihr angerichtet habt, können wir euch nicht mehr in Haftung nehmen, weil ihr tot seid.» Für seine Botschaft «Stop talking. Start planting!» hält Finkbeiner auch mal für Medien den Mund von Prinz Albert von Monaco zu.

39


GRUEN-FAKTOR

8

7

Der Sinngraber: Der Olivenbaum, den der damalige Bundesrat Leuenberger am 15. November 2006 anlässlich der Klimakonferenz in Nairobi pflanzt, ist einer von 45 Millionen. Mit so vielen Bäumen belebt das «Green Belt Movement» seit 1977 geschundene Zonen in Kenia.

Die Engagierte: Je dichter eine Stadt gebaut ist, desto grüner sollte sie sein. Seit 1995 bringt Bette Midler mit ihrem «New York Restoration Project» die Parks und Hinterhöfe zum Blühen. Anlässlich von «Million Trees» greift sie einmal mehr selber zur Schaufel.

GRUEN-FAKTOR

10

Angela Merkel, 57

Glenn Close, 65

Die Stämmige: Im Wald der Nationen in Jerusalem setzen Regierungschefs aus aller Welt ein Zeichen der Verbundenheit. Am 30. Januar 2006 pflanzt Merkel einen Johannisbrotbaum: «Als Symbol des Gedeihens, für die Zukunft des Landes und für die deutschisraelische Freundschaft.»

Die Schauspielerin: Für «Million Trees NYC» spielt Close eine Baumpflanzerin. Im Shirt mit Aufdruck «Trees do more than you think» schaufelt sie Erde im New Yorker Sternberg Park. Ihre weiteren Taten: 2009 erschien der Umweltfilm «Home», den sie kommentiert hat.

GRUEN-FAKTOR

8

Prinzessin Máxima, 40

GRUEN-FAKTOR

GRUEN-FAKTOR

7

5

Die Abenteuerlustige: In Gummistiefeln pflanzt die niederländische Prinzession eine Eiche. 60 000 Bäume und 20 000 Buschpflanzen sollen bei Biddinghuizen einen Klimawald bilden. Schüler haben dazu in einer Kapsel ihre Vorstellungen von einer Welt im Jahr 2033 begraben.

DIE GRUENE LISTE

Bette Midler, 66

George W. Bush, 65

GRUEN-FAKTOR

5

Der Cowboy: Im letzten Amtsjahr jongliert der US-Präsident Erde zu einem Bäumchen beimWeissen Haus. Dem Gesichtsausdruck nach eine knifflige Angelegenheit! Aber mit Natur hat er sich schon immer schwergetan. «Die Zukunft wird morgen besser sein», sagte er einmal.

Sepp Blatter, 76

Papst Benedikt XVI., 84

Der Mächtige: Der Fifa-Präsident stellt sich der Herausforderung, gleichzeitig in alle Kameras zu blicken und das kleine Loch im Rasen mit Erde zu treffen. Die Platane wird am 14. Mai 2011 in Stara Pazova zur Eröffnung des Sportzentrums des Serbischen Fussballverbandes gepflanzt.

Der Heilige: Bei der Ankunft im Heiligen Land pflanzt Papst Benedikt einen Olivenbaum in den Garten von Schimon Peres. Auf seiner heiklen Mission dient er später als Vergleich: «Wie aus einem gemeinsamen Ölbaum» seien die Beziehungen zwischen Juden und Christen.

GRUEN-FAKTOR

10

Rating 10: Wow! 9: Ein überzeugter Gärtner 8: Packt auch ohne Publikum an 7: Da keimt was 6: Die Geste zählt 5: Ein hölzerner Auftritt

Fotos: Keystone, Getty Images (2), picture-alliance / dpa, Dukas, Reuters (3)

GRUEN-FAKTOR

Moritz Leuenberger, 65

41


gruen unternehmen

freitag

Taschen von der Lkw-Planen,Autogurten,Veloschl채uche und eine gute Idee: So kreierten die Z체rcher Freitag-Br체der einen Klassiker. Mit weltweitem Erfolg. Text: Barbara Halter / Fotos: Gina Folly

42


Strasse

Links: Die Brßder Markus (l.) und Daniel Freitag. Rechts: Praktisch, stabil und regentauglich – die Fundamentals-Kollektion ist von der Kuriertasche inspiriert.

43


gruen unternehmen

Werbung machen Markus, 42, und Daniel Freitag, 40, keine. Das übernehmen die Konsu­ menten: Man muss sich nur einmal unter die Pendler im Zug mischen. Die Taschen sind da gut vertreten. Robust, praktisch, langlebig, haben sie etwas ty­ pisch Schweizerisches an sich. Der Duft empfängt einen bereits im Treppenhaus. Es riecht nach Plastik. Nach Lastwagenplanen. Ein Geruch, der haften bleibt. Und zwar so stark, dass die sechsjährigeTochter von Markus Freitag amAbend jeweils schnell feststellen kann, ob ihr Papa den Tag im Büro oder in der Produk­ tionshalle verbracht hat.

In Oerlikon konnte Freitag eine Fabrik nach seinen Wünschen bauen Das eigene Land ist denn auch der grösste Absatzmarkt. Doch die weltweite Fan­Gemeinde wächst: In Wien, NewYork, To­ kio und drei deutschen Städten gibt es eigene Freitag­Stores. Das Herz der Fabrik schlägt in

„Die eigentlich unglückliche Wohnsituation an der Zürcher Stadtautobahn führte zu einem glücklichen Zufall.“ «Dies gehört einfach zu uns. Kann sein, dass einige sensible Nasen erstaunt reagieren, wenn sie erstmals den Geruch unse­ rer Produkte wahrnehmen», sagt Markus Freitag. Die Nasen­ rümpfer fallen jedoch nicht gross ins Gewicht. Freitag hat seine (Duft­)Marke längst er­ folgreich gesetzt – ist zu einem Brand geworden. Klassische

Freitag im museum «Out of the Bag» heisst die ausstellung über Freitag im museum für gestaltung in Zürich. im Fokus stehen geschichte, Produkte, Herstellung, Organisation, marketing und Wirkung des unternehmens. gezeigt werden trouvaillen aus dem Firmenarchiv, Prototypen, Filmdokumente und interviews. ab 4. april 2012.

44

Zürich Oerlikon. Letzten Herbst bezogen die 130 Mitarbeiter an der Binzmühlestrasse einen schlichten und umweltfreund­ lich konzipierten Bau aus Sichtbeton. Freitag war bei der Planung des Gewerbehauses «Nœrd» dabei und ist Haupt­ mieterin. In den anderen Räu­ men haben sich Ateliers und Agenturen eingerichtet. Der Name des Hauses ist ein Wort­ spiel, zusammengesetzt aus der Lage in Zürichs Norden, dem Oe von Oerlikon und den Nerds, den jungen kreativen Leuten, die hier unter einem Dach arbeiten. Das Gebäude steht mitten im Industriegebiet. Bei den Nachbarn fahren Hub­ stapler hin und her. Gegenüber laden vor der ABB Lastwagen ein und aus. Die Umgebung weckt bei den Brüdern nostal­ gische Gefühle. «Die Atmo­ sphäre ist ähnlich wie jene, die wir hatten, als wir vor 18 Jahren

im Kreis 5 mit Freitag began­ nen.» Solche «Unorte» sind für Markus und Daniel Freitag immer auch Inspiration. Die ehemalige Studentenbude mit Blick auf die Zürcher Stadt­ autobahn, kombiniert mit dem Wunsch, eine regentaugliche Umhängetasche zu entwerfen, brachte die zündende Idee. Oder wie es Markus Freitag sagt: «Die eigentlich unglückliche Wohnsituation führte zu einem glücklichen Zufall.» Mit einer alten Lastwagenplane, Autogurten und Veloschläuchen schneiderten die beiden Studen­ ten 1993 die erste Umhängeta­ sche. Die Zeit dafür war perfekt: Die ersten Velokuriere tauchten auf den Schweizer Strassen auf. Einige Jahre später sollten ur­ bane Hipster damit beginnen, Elektrogeräte mit sich herum­ zuschleppen. Freitag liefert heu­ te für Mac, iPhone und iPad die passenden Hüllen. Dem Material – einem Polyes­ tergewebe, das beidseitig mit Kunststoff beschichtet ist – blie­ ben die Brüder treu. «Unsere Erhebungen haben gezeigt, dass im Transportwesen auch in Zu­ kunft Planen benötigt werden.» Lastwagen wechseln diese in der Regel alle fünf bis acht Jah­ re. Drei Mitarbeiter und Agen­ ten kaufen das Material in ver­ schiedenen Ländern ein und achten darauf, dass die Farb­ palette vielseitig bleibt. Blau und Gelb gibt es eher zu viel. Schwarz oder Pink sind Raritä­ ten auf den Strassen.

Wenn die Planen eintreffen, liegt erst mal ein Haufen Abfall da In Oerlikon werden die alten Lkw­Planen angeliefert. «Dann sitzen wir auf einem grossen Abfallhaufen», sagt Markus Freitag. Nur etwa die Hälfte davon eignet sich als Material. Der andere Teil – Gurten, Ösen und kaputte Stellen – wird weg­ geschnitten und fachgerecht entsorgt. Sind die Planen zer­ legt, gehts weiter in die Wäsche­ rei: Durch den Neubau der

Die Firma www.freitag.ch Kooperation www.reportagen.com Die Fabrik www.noerd.ch www.neu-oerlikonkret.ch


3

1

4 1 In Oerlikon werden die Taschen zugeschnitten, genäht wird in umliegenden Ländern. 2 Ankunft der Planen: Gurten, Ösen und kaputte Stellen müssen entfernt werden. 3 Die Waschmaschinen laufen mit Regenwasser aus dem Reservoir. 4 Geordnet nach Farben: blaue und gelbe Planen sind häufig. Schwarze eine Rarität.

2


GRUEN UNTERNEHMEN

Fabrik konnte hier ein Recycling-System eingebaut werden. Auf dem Dach wird Regenwasser aufgefangen, in einem unterirdischen Tank gesammelt und für die Waschmaschinen verwendet. Das Schmutzwasser heizt wiederum über einen grossen Wärmetauscher das Wasser für den nächsten Waschgang. Die Investitionen für diese Anlage zahlen sich in rund achtzehn Jahren aus. «Klar könnten

aus alten Velos neue zusammen, sammelten fleissig Joghurtgläsli und konnten zusehen, wie der Vater im Garten kompostierte. In den Achtzigerjahren allerdings wurde Umweltschutz mit Reduzieren, Einschränken und Verbieten gleichgesetzt. «Das muss überhaupt nicht sein. Produkte müssen einfach von Grund auf richtig entwickelt, durchdacht und designt werden», findet Markus Freitag.

„Gegenseitige Kritik nehmen wir sportlich.Wir sind von Geburt an gewohnt, dass es der andere immer besser weiss.“ wir es auch viel billiger haben. Das würde aber nicht zu unserer Philosophie passen», sagt Markus Freitag. Längerfristig gesehen zahle sich Umweltschutz immer aus. Davon sind die Freitags überzeugt. «Wir denken und handeln in Kreisläufen. Wir wurden schon so erzogen.» Als Buben bastelten sie

DER GRUEN-FOOTPRINT Wie grün kleidet sich Markus Freitag? Kleiderkauf

8

Schuhe

10

Kleiderqualität

6

Entsorgung

6

Kleider waschen

9

Kleider trocknen

12

Kleidertyp

9

Total Punkte

60

60 Punkte = Vorbildlich! Markus Freitag setzt auf langlebige Kleider und weiss auch, wie man sie umweltfreundlich reinigt: Er wäscht sie meistens bei 30 oder 40 Grad und lässt sie an der Leine trocknen. Der GRUEN-Footprint wurde vom WWF Schweiz für SI GRUEN entwickelt. Der Test soll für den Alltag sensibilisieren und Spass machen. Berechnen Sie Ihren eigenen Footprint auf den Seiten 18 und 19.

46

«Und nur weil ein Produkt grün ist, muss es längst nicht hässlich aussehen.» In der Design-Abteilung entwickelt ein Team die Kollektion ständig weiter. Ideen werden skizziert und getestet. Als Art Directors sind die Brüder nah dran. Die ersten rund tausend Taschen haben sie noch selbst genäht. Sie kennen die Tücken des störrischen Materials – im Gegensatz zu Leder etwa kann der Plastik nicht gedehnt werden. Untereinander funktionieren die beiden nach dem Vier-Augen-Prinzip. Wenn beispielsweise Markus ein Modell entwickelt, wird es danach von Daniel getestet – und kritisiert. «Gegenseitige Kritik nehmen wir sportlich. Wir sind von Geburt an gewohnt, dass es der andere immer besser weiss», sagt Markus Freitag.

Die Taschen sind mit den Freitag-Brüdern erwachsen geworden Entworfen wird, was die beiden gern selber hätten. «Wir sind immer noch die Zielgruppe.» Ihre Bedürfnisse sind noch längst nicht gedeckt, und so ist die Marke mit den beiden stetig gewach-

sen. Vor zwei Jahren kam zu den bunten Fundamentals die Reference-Linie dazu. «Eine weniger laute, erwachsenere Taschenkollektion.» Einfarbig und diskreter, passen sie auch zu Anzug und Deuxpièces. Die Modellnamen verweisen aufs Medienbusiness. Bei der Namengebung der Fundamentals stehen jeweils TV-Serien und ihre Protagonisten Pate. Nach der Logik der Brüder wäre der nächste Schritt eigentlich eine Kinderkollektion – beide sind Väter und haben je zwei kleine Kinder. «Ich darf niemandem zeigen, was ich alles für meine Tochter schon geschneidert habe», sagt Markus Freitag. Doch noch gibt es keine konkreten Pläne. Die Kreativität der Freitags beschränkt sich nicht nur auf Taschen. Der Geschäftsführerin Monika Walser schenkten sie zum Geburtstag «einen Betriebsparkplatz» – eine eigens entwickelte Garderobe, um ihr Fahrrad aufzuhängen. Solche Velohänger stehen in jeder Abteilung. Markus Freitag radelt täglich mit dem Velo zur Fabrik. Der grösste Teil der Mitarbeiter tut es ihm gleich oder kommt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Auffällig sind auch die fahrbaren industriegrünen Regale und Tischchen, wo Kompost, Papier und Abfall entsorgt werden kann. Die Biopoints, wie sie kurzerhand genannt wurden – Papa mit dem Komposthaufen lässt grüssen. Doch bei den Freitags wirkt Umweltschutz einfach unglaublich lässig und smart. Im obersten Stock des Gebäudes betreibt die Firma ihre Nœrd-Kantine, die fürs ganze Haus und auch für Aussenstehende offen ist. Der Blick aus den Fenstern auf einige kümmerliche Bäumchen ist nicht weiter erwähnenswert. Vorerst jedenfalls. Denn die Riedlandschaft, die beim Bau des Gewerbehauses verschwand, soll auf dem Dachgarten kompensiert werden. Da haben die Brüder Freitag mit der Natur noch eine Rechnung offen.

Museum für Gestaltung www.museum-gestaltung.ch Lkw-Planen www.gygax.ch www.bieri.ch www.buechelblachen.ch


1

3

2 1 Lieferungen f체r die acht Freitag-Gesch채fte und 400 Reseller. 2 Jedes Unikat vom Online Store kann im Internet als 360-Grad-Foto bewundert werden. 3 Biopoints in den B체ros: Kompost, Garderobe und Wasserstation in einem. 4 Wenn Fahrradkuriere erwachsen werden: schlichte Modelle aus der Reference-Linie.

4


GRUEN CITY-TRIP Zwei Welten, ein Tag: morgens über den Markt im charmanten Carouge bummeln. Am Nachmittag Grossstadtluft schnuppern und in Genf shoppen.

Text: Barbara Halter Fotos: Vanessa Püntener Da will man für einmal in eine wirklich grosse Schweizer Stadt reisen – die zweitgrösste wohlgemerkt – und landet doch im Dorf. Im Village de Carouge. Das Dorf ist eigentlich eine Stadt: Über 20 000 Einwohner zählt die charmante Nachbarin von Genève. Auf der Place du Marché fühlt man sich jedoch wie in einem mediterranen Örtchen – einzig die fiese Bise pfeift zu dieser Jahreszeit auf solche Träumereien. Auch die Platanen auf dem Platz sind noch kahl. Dafür blüht Gianna Loredan, die Besitzerin der lokalen Reiseagentur, umso mehr auf. Sie sprudelt wie ein Wasserfall (auch auf Deutsch), zwitschert praktisch jedem, dem sie begegnet, ein «salut chéri» entgegen und führt in flottem Tempo durchs Städtchen. Carouge wurde im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts von Grund auf neu errichtet. Die Strassen sind schachbrettartig

Die Abendsonne geniessen: auf der Promenade de la Treille, im Hintergrund der Salève.

GENF GANZ GRUEN

48

Welsch ein schöner Ausflug Märkte in Genf www.geneva.angloinfo.com/information/11/markets.asp Stadt www.geneve.ch www.geneve-tourisme.ch Uno besuchen


2

1

3

1 Myrtille oder Framboise? Cupcakes im süssen Ambiente bei «Fleurs de Marie». 2 Ein bisschen wie Ferien: Der Abstecher nach Carouge lohnt sich unbedingt. 3 Frische Eier vom Markt: in Carouge jeden Mittwoch- und Samstagmorgen erhältlich. 4 Früher eine Karosserie-Werkstatt – heute der Concept-Store Les Enfants Terribles. 5 Baby-Lederfinken von Easy Peasy, gesehen bei L’Envie de Fraises. 6 Bis frisches einheimisches Frühlingsgemüse auf den Markt kommt, dauert es noch etwas. Poireau, Lauch, gibt es immer. 7 Lunch bei «I feel Bio»: Kabeljau-Filet mit Sesamkruste und Saisongemüse, dazu ein Fenchel-Orangen-Salat.

4

6

8 Kosmetikbeutel, genäht in einem kambodschanischen Frauenprojekt, zu kaufen bei Au temps pour moi.

5

7

www.unog.ch Kunst und Kultur www.mamco.ch www.geneveopera.com www.lepoche.ch Kostenloser Führer www.urbanmap.ch

8

49


GRUEN CITY-TRIP

angelegt, und die meist nur zweistöckigen Häuser haben eine einheitliche Front. Auf der hinteren Seite verstecken sich Innenhöfe mit Gärten und Holzgalerien. In Begleitung von Stadtführerin Madame Loredan entgehen einem diese verborgenen Plätze jedoch nicht. Husch in eine Boutique rein und zur Hintertür wieder raus: Schon steht man in einem Hof. Die Gassen in Carouge sind ein echter Shopping-Tipp für all jene, die kleine originelle Läden mögen: Entlang der Rue Saint-Joseph passiert man Ateliers und Handwerksgeschäfte: darunter zwei Hutmacherinnen, ein Chocolatier und ein Uhrmacher – Jean Kazès baut riesige Pendeluhren zusammen. Am Schluss des Rundgangs gelangt man wieder auf die Place du Marché, wo zweimal wöchentlich die Marktstände stehen. Auch hier wirkt der «esprit de Carouge» ansteckend. «Selbst für Genfer fühlt sich ein Ausflug nach Carouge wie Ferien an», sagt Gianna Loredan.

Tomme de chèvre oder Falafel im Fladenbrot? Am Markt in Carouge findet man beides An den Ständen wird – zwischen Gemüse, Brot, Wurstwaren und Käse – gemütlich geplaudert, man kennt einander. «Toujours le même», das Gleiche, wie immer, wünscht eine Kundin und lässt sich von Brigitte Niquille mehrere Kartons Eier einpacken. Schon der Grossvater von Niquille verkaufte seine Erzeugnisse auf dem Carouger Markt. Im Moment ist das Sortiment saisonbedingt eher klein: Randen, Rüebli, Äpfel und Kartoffeln – «aus denen gibt es die besten Gnocchi», empfiehlt eine andere Kundin. Augusto und Ana Maria Figuerola sind mit ihrem Käsestand ausser montags immer irgendwo an einem Genfer Markt vertreten. «Wir haben über achtzig Sorten Käse, viele davon aus kleinen, traditionellen Betrieben.» Ohne einen Tomme, einen kleinen schmelzenden Weichkäse, kann man den Markt einfach nicht verlassen. Wer mag, wählt einen «de chèvre», mit Schafsmilch. Gegen den akuten Hunger hilft Salam be lafa, der Verpflegungsstand des israelisch-palästinensischen Paars Ozi Salama und Raya Elhajhasan, weiter. Ihre «Galette de la Paix» machen sie gleich vor Ort: Raya rollt von Hand die Fladenbrote aus und legt sie zum Backen über eine gewölbte, feuerheisse Platte. Je nach Wunsch werden diese mit verschiedenen Saucen und den besten Falafeln von ganz Genf gefüllt. Zum Essen kann man sich an die paar Tische neben dem Stand setzen. Wer nicht hungrig ist, nimmt sich selbst

50

gemachtes Hummus, Taboulé und andere arabische Vorspeisen abgepackt für zu Hause mit. Ganz andere Sinnesfreuden erwarten einen bei Attitude Bio in der Rue Ancienne, ein paar Schritte vom Markt entfernt. Bis es Zeit für die gebuchte Behandlung im unteren Stock ist, schaut man sich in der Boutique um. Die beiden diplomierten Kosmetikerinnen helfen, passende Tiegel oder Tuben für seinen Hauttyp zu finden. Seien es Pflegeprodukte des französischen Öko-Pioniers Melvita, dekorative Kosmetik von Couleur Caramel oder die Linie Fleurs de Bach, deren Cremes, Masken und Parfums ein Anti-StressElixier beinhalten. Letztere werden auch bei der Massage «Détente Essentielle Corps» verwendet. Im Behandlungsraum brennen Kerzen, das Licht ist gedimmt. Blickt man an die Decke, sieht man uralte,

„In Begleitung von Madame Loredan entgeht einem in Carouge nichts: Husch in eine Boutique rein und zur Hintertür wieder raus – schon steht man in einem Hof.“ wurmstichige Holzbalken. Doch nun – Augen schliessen und geniessen! Der sanfte Druck der massierenden Hände löst Verspannungen, und der Körper wird schön teigig. Von den Füssen bis zum Gesicht knetet die Masseurin alles durch. Nach einer Stunde fühlt man sich wunderbar leicht. Ach, da besteht Suchtgefahr! Beschwingt verlässt man das Institut, bereit für die Stadt. Das Tram 13 überquert den Fluss Arve – und voilà, willkommen in Genève. Mitten im Bankenviertel befindet sich das Restaurant I feel Bio. Nur gerade 28 Plätze stehen im puristisch-elegant eingerichten Raum zur Verfügung. Unbedingt reservieren! Sophie Lyonnet musste sich seit der Eröffnung ihres Lokals vor einem Jahr einige skeptische Stimmen anhören: Gesundes, biologisches Essen, kann das schmecken? Mais bien sûr – das tut es. Hinter dem Herd der offenen Küche zaubert

Anita Lalubie – die auch als Fernsehköchin in der Westschweizer Sendung «Al dente» mitwirkt. Auf der wöchentlich wechselnden Karte stehen je zwei traditionelle und vegetarische Gerichte, zudem ein Tagesangebot. Da Anita Lalubie früher als Chef de Pâtisserie gearbeitet hatte, kommen auch Schleckmäuler auf ihre Kosten – und wie es der Name des Restaurants verspricht, wird alles aus biologischen Zutaten zubereitet. Wer am Nachmittag mal eine Pause braucht, ist in den beiden Ohrensesseln gleich beim Fenster des «I feel Bio» wunderbar aufgehoben. Kann eine Tasse Tee trinken – eine feine Auswahl an Beutel- und Offentees gibt es auch für zu Hause zu kaufen, etwa den französischen Løv Tea – und entspannt sich bei wohligen Jazzklängen.

Das Quartier Plainpalais eignet sich als Shopping-Tour durch kleine feine Boutiquen Die Atmosphäre im Holy Cow! ist dagegen ein wahres Kontrastprogramm: Über die Lautsprecher läuft funkiger Hip-Hop, bestellt wird an der Theke, und an den langen soliden Holztischen werden im Körbchen servierte Hamburger und Pommes frites verspeist. Das besondere: Fleisch, Brot und Kartoffeln kommen aus regionaler Produktion. Und auch Vegetarier sind willkommen: Der «Veggie Chèvre» mit hausgemachtem Apfel-Chutney schmeckt richtig yummie. Das «Holy Cow!» liegt an der Rue de Carouge, mitten im Quartier Plainpalais, und ist ein guter Ausgangspunkt, um ein paar kleine Boutiquen mit liebevoll ausgewähltem Sortiment zu besuchen. Zum Beispiel Au temps pour moi. Hier fühlen sich vor allem Frauen wohl: Im hellen, weiss gehaltenen Geschäft hängen grosse weisse Papierlampen von der Decke. Neben Naturkosmetik gibt es eine feine Auswahl an Accessoires wie verspielten Modeschmuck einer Genfer Designerin oder Kinderkleidchen von L’asticot aus Bio-Baumwolle. Ganz auf Babys und Mütter ausgerichtet ist L’Envie de Fraises. «Wir bieten gut durchdachte, solide und wiederverwertbare Produkte an. Mit dem Ziel, dass man so die Umwelt nicht mit unnötigen Sachen belastet», sagt Frédérique Schenker, die wie ihre Geschäftspartnerin selbst Mutter ist. Das Angebot reicht von handgemachten Holzspielsachen von Kiener und Trauffer über ökologische Babyflaschen von Green to Grow bis zur ethisch-korrekten Mode für Schwangere, Mamas und ihre Kinder. Ein sehr hübscher Ecken im Quartier

Unterwegs in Genf www.tpg.ch Shopping www.melvita.ch www.couleur-caramel.com www.fleursdebach.fr www.en.lov-organic.com


2

1

3

1 Geschmacksache, aber wer frischen Ziegenkäse mag, langt hier gern zu. 2 Macht sich im Yoga-Studio oder auf der Strasse gut: Das Shirt von Choclo Project gibts beim Yoga Shop. 3 So hübsch kann Recycling sein: Kissenbezüge aus alten Kleidern, erhältlich in der Boutique Les 3 Pinces. 4 Für einen ökologischen Fussabdruck: Neosens-Schuhe, gesehen bei L’Empreinte. 5 Die Falafel von «Salam be lafa» gibts auf dem Samstagsmarkt in Carouge. 6 Bei Attitude Bio erwartet einen ein Wohlfühlprogramm – zum Beispiel eine Massage mit Produkten von Fleurs de Bach. 7 Fast Food mit regionalen Produkten ist das Konzept des Restaurants Holy Cow!. 4

6

8 Frühlingsboten auf dem Carouger Wochenmarkt.

5

7

8

www.lasticot.com www.kienertoys.ch www.trauffer-holzspielwaren.ch www.greentogrow.com www.easypeasy.fr www.chocloproject.com

51


GRUEN CITY-TRIP

Plainpalais befindet sich an der Rue Prévost-Martin. Die bunte renovierte Häusergruppe fällt sofort ins Auge. «Le Quartier latin genevois» wird dieser Teil auch genannt. Die Boutique Les Enfants Terribles mit einem kleinen Restaurant hat sich hier in einer ehemaligen Karosserie-Werkstatt einquartiert. Diese verleiht dem ganzen Geschäft ein unverwechselbares Ambiente: In den verwinkelten Räumen kommen die Designermöbel und Wohnaccessoires bestens zur Geltung. Es ist auch genug Platz da, um Sperriges wie die Bacsacs zu präsentierten: Pflanzenbeutel in allen möglichen Grössen, in denen Blumen, Bäume oder Gemüse angepflanzt werden können. Ein praktisches Teil! Um seine Wohnung zu verschönern, findet man bunt lackierte Bambusschalen von Bibol, Kochlöffel mit verschiedenfarbigen Griffen (für jedes Gericht eine andere Farbe) von Reine Mère oder Kissenbezüge aus Bio-Baumwolle von Ferm Living. Gleich um die Ecke der Rue Prévost-Martin, im orange gestrichenen Haus, führt der kleinen Yoga Shop eine Auswahl an Kleidern und Utensilien für Yogis – darunter auch die nachhaltige Linie Choclo Project, die als Inspiration für ihre Drucke Kinderzeichnungen verwendet und so ein peruanisches Kinderheim unterstützt. Im hinteren Raum erteilt die Inhaberin private Yoga-Lektionen. Ein paar Strassen weiter machen wir halt bei der Geschenkboutique Les 3 Pinces. Das Angebot – von Dekoartikeln über Accessoires bis Kinderprodukte – ist riesig und hübsch präsentiert. Catherine Denogent nimmt so viele Produkte aus Recycling-Materialien oder aus geschützten Werkstätten in ihr Sortiment auf wie möglich. Wie die Bilderrahmen aus Südafrika oder die Kinderlinie von Julie Plottier, die in einer Frauen-Kooperative auf Madagaskar genäht wird.

Um den Bahnhof zeigt sich Genf von seiner rauen Seite, dafür ist «Fleurs de Marie» zuckersüss Vom Plainpalais geht es mit dem Tram 13 bis zur Place Bel-Air, ins Zentrum von Genf. Von dort überquert man die Rhone am besten auf einer der kleinen Brücken. Linst nach rechts – vielleicht spritzt der Jet d’eau ja gerade – und spaziert Richtung Bahnhof. In der Rue Rousseau empfiehlt sich ein Besuch bei L’Empreinte Chaussures. Das Geschäft verkauft nur Schuhe, die ökologisch und ethisch produziert werden. Dazu gehört, dass das Leder vegetabil

52

und ohne Chemikalien gegerbt worden ist, wie bei den Marken El Naturalista oder Pikolinos. Wer grundsätzlich auf Lederschuhe verzichtet, Veganer etwa, schlüpft in die umweltfreundlichen Plastikschuhe von Melissa – das brasilianische Label ist gerade gross am Kommen (auch wenn man beim ersten Berühren der Schuhe eher «wäh» als «cool» sagt). Aber Designerinnen wie Vivienne Westwood haben bereits Modelle für Melissa entworfen: High Heels ganz aus Plastik, die nach Erdbeerkaugummi riechen! Bevor man in den Zug nach Hause steigt, sollte man unbedingt einen Abstecher hinter den Bahnhof Cornavin ins Quartier Les Grottes machen. Rund um den Bahnhof zeigt sich Genf von seiner raueren Seite, doch bei Fleurs de Marie fühlt man sich wunderbar süss aufgehoben. Marie Nydegger und ihre Schwester haben sich

„Die beiden Räume des Cafés Fleurs de Marie könnten von Pippi Langstrumpf eingerichtet worden sein, alles ist bunt gemustert, pink, rot und hellblau gestrichen.“ mit dem Café einen Traum verwirklicht. Die beiden Räume könnten von Pippi Langstrumpf eingerichtet worden sein. Alles ist bunt gemustert, pink, rot, hellblau gestrichen. «Girlie-Stil», sagt Marie Nydegger dazu, die selber dem Mädchenalter längst entwachsen ist. Über den Mittag servieren sie und ihre Schwester im «Fleurs de Marie» Gerichte wie Suppen oder Quiches, dazu zauberhaft dekorierte Törtchen. Alles wird selbst gebacken und gekocht, mit Zutaten aus der Umgebung. Das ist den beiden besonders wichtig. Um kleine Produzenten zu fördern, haben die Schwestern deshalb im Quartier auch einen Markt initiiert, wo jeden Donnerstagabend Nahrungsmittel aus der Region verkauft werden. Im Sommer tischt «Fleurs de Marie» übrigens auf der Strasse auf – dann kommen wir gern wieder. Au revoir, bise!

ADRESSEN UND ÖFFNUNGSZEITEN MÄRKTE CAROUGE Place du Marché, mittwochs und samstags 6.30–13 Uhr. Hinkommen: Von der Place Bel-Air fährt alle paar Minuten das Tram 13 in zwölf Minuten nach Carouge. GENF In Genf selber hat es mehrere Märkte, etwa in Plainpalais: Di, Fr, So 6.30–13 Uhr. GESCHÄFTE AU TEMPS POUR MOI Rue de Carouge 99, Di–Fr 11–18, Sa 10–17 Uhr. www.autempspourmoi.ch L’EMPREINTE CHAUSSURES & Co Rue Rousseau 1, Mo 12–19, Di–Fr 10–19, Sa 9–18 Uhr. lempreinte-chaussureseco.ch LES ENFANTS TERRIBLES Rue PrévostMartin 24, Di–Fr 9–21, Sa 10–18 Uhr. www.les-enfants-terribles.ch L’ENVIE DE FRAISES Rue des Battoirs 4, Mo–Fr 9–18.30, Sa 10–17 Uhr. www.enviedefraises.ch LES 3 PINCES Boulevard du Pont-d’Arve 19, Mo–Fr 10–18.30, Sa 10–17.30 Uhr. www.les3pinces.ch YOGA SHOP GENÈVE Rue JeanViolette 18, Mi und Do 12–18.30, Fr 10.30–19, Sa 10–18 Uhr. www.yogashop-geneve.ch RESTAURANTS FLEURS DE MARIE Rue de la Faucille 8, Mi–So 10–16 Uhr. www.fleursdemarie.ch I FEEL BIO Rue de la Corraterie 12, Mo–Fr 7.30–19.30 Uhr. www.ifeelbio.com HOLY COW! Rue de Carouge 14, Mo–Mi 11–22, Do–Sa 11–23 Uhr. holycow.ch ENTSPANNUNG UND KULTUR ATTITUDE BIO Rue Ancienne 16, 1227 Carouge, Mo–Fr 10–18.30, Sa 9–17 Uhr. www.attitude-bio-boutique.ch CAROUGE MANIA Führungen von Juni bis Oktober. Samstags um 11 Uhr beim Rathaus in Carouge. Erwachsene CHF 10.–, Kinder CHF 5.–. Programm unter www.carougemania.ch

Shopping www.laviedevantsoie.com www.bacsac.fr www.bibol.fr www.reinemere.com www.ferm-living.com www.julieplottierkids.com


Illustration: Anna Haas

www.elnaturalista.com www.pikolinos.com www.melissa.com.br/en Gr端ne Westschweiz www.nicefuture.com

53


gruen porträt

livia firth

Ökologisches Cocktailkleid – das ist kein Widerspruch. Livia Firth zeigt, wie glamourös Umweltschutz sein kann! Text: Sylvie Kempa Livia Firth, 42, trägt ihr Leer­ gut ins Rampenlicht. Nicht in seiner ursprünglichen Form, sondern umfunktioniert zur Haute Couture. Die italienische Filmemacherin und Ehefrau des britischen Schauspielers Colin Firth, 51, zeigt sich auf dem roten Teppich stets in nach­ haltig produzierter Mode aus fair gehandelten Materialien oder in Secondhand­Chic. Zur diesjährigen Golden­Globes­

54

Verleihung in Beverly Hills erschien sie in einer schulter­ freien Robe mit geometrischen Ziernähten und Mustereinsatz. Der edel schimmernde Stoff ist aus recycelten PET­Flaschen gefertigt und «fühlt sich an wie Seide». Der Stil erinnert an Sophia Loren. Livia Firth sieht darin aus wie eine Filmdiva aus den Sechzigerjahren. GiorgioAr­ mani hat das Kleid entworfen. «Er beweist damit, dass Eleganz

„Ethik und Design lassen sich gut kombinieren und gehören für mich einfach zusammen.“

und Nachhaltigkeit untrennbar zusammengehören», sagt Firth. Sie hat es sich zur Aufgabe ge­ macht, das Image ökologischer Kleidung zu entstauben. Eine Herausforderung, die sie «The Green Carpet Challenge» nennt. Ihr Feldzug für nachhaltige und fair gehandelte Materialien geht dieses Jahr in die dritte Saison. Er beginnt 2010, als Colin Firth für seine Hauptrolle im Film «A Single Man» für verschiedene Preise – auch für einen Golden Globe und einen Oscar – nominiert ist. Seine Ehe­ frau, die kurz zuvor im Londoner West End die Öko­Fashion­ Boutique Eco Age eröffnete, be­ schliesst, zu den bevorstehenden Preisverleihungen nur nachhal­ tig produzierte Kleider zu tra­ gen. Das positive internationale Echo ist gross. Und als Colin Firth im Jahr darauf mit seiner Hauptrolle in «The King’s

Livia Firth www.eco-age.com Green Carpet Challenge www.vogue.co.uk/blogs/livia-firth Engagement www.oxfam.org.uk

Fotos: Will Whipple

In PET­Flaschen zu den Oscars


Durch und durch ethisch: Livia Firth w채hlt Kleidung, Accessoires und Make-up nach strengen Kriterien aus.

55


Tom Ford, Giorgio Armani und Stella McCartney sind dabei Ihr Umweltbewusstsein bringt die Italienerin nicht von Haus aus mit. Im Gegenteil. «Die korrekte Mülltrennung hat mir mein Mann beigebracht.» Er nimmt bei ihrem ethischen Engagement eine wichtige Rolle ein. Nicht nur als Türöffner zu den glamourösen Anlässen der Filmindustrie, sondern auch als Vorbild. Er

1

1 Das Ehepaar Firth trägt bei den Golden Globes ökologische Armani-Kreationen. 2 Livia an den Filmfestspielen 2011 in Venedig. 3 Beverly Knight, Livia Firth, Jane Shepherdson und Annie Lennox (v. l.) versteigern Öko-Kleidung.

3

engagiert sich seit Jahren für den Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit – das zweite Steckenpferd des Ehepaars. Colin und Livia setzen sich für das britische Hilfswerk Oxfam ein und gewannen 2007 mit dem gemeinsam produzierten Dokumentarfilm «In Prison My Whole Life» eine Auszeichnung am Internationalen Filmfestival der Menschenrechte in Genf. Kennengelernt haben sich der britische Schauspiel-Liebling

„Ich wusste nicht, wie man Abfall korrekt trennt. Das hat mir mein Mann Colin beigebracht.“ 56

2

und die damalige Produktionsassistentin 1997 am Set der TV-Serie «Nostromo». Mittlerweile leben sie mit ihren zwei Kindern Luca, 11, und Matteo, 8, sowie Colins Sohn aus erster Beziehung, einer Katze und vier Fischen in London. Einen Zweitwohnsitz unterhält die Familie in der Toskana. Gut möglich also, dass es sich bei den PET-Flaschen, die Livia Firth kleidsam über rote Teppiche trägt, auch um eigenhändig getrenntes Leergut handelt. Denn Armani griff für «seine» Öko-Robe auf Newlife-Fasern zurück. Hergestellt wird das Garn von der italienischen Spinnerei Miroglio, die ausschliesslich in Norditalien gesammelte

Plastikflaschen verarbeitet. «Es kursiert das Gerücht, dass viele asiatische Firmen sich den Preis für Sammlung und Sortierung sparen wollen und deswegen auf fabrikneue Flaschen zurückgreifen – das ist natürlich kontraproduktiv», empört sich Livia Firth in ihrem Blog. Newlife dagegen besteht zu hundert Prozent aus Gebrauchtflaschen. In einem Wasser sparenden, nicht chemischen Prozess wird aus dreissig 1,5-Liter-Flaschen das Garn für eine Abendrobe gewonnen. Dank Beziehungen, Kompetenz und Leidenschaft geniesst Livia Firth mittlerweile international einen hervorragenden Ruf. Sie betreibt ein Beratungsbüro in Sachen Umweltschutz. Und in Anlehnung an ihren Londoner Laden seit Kurzem auch den Internet-Shop Eco Age. Ein Tummelplatz für Verbraucher, die wie Livia Firth der Ästhetik verfallen sind, sich aber auch für die Auswirkungen ihres Konsums interessieren.

Mode aus PET-Flaschen www.petinside.ch www.petrecycling.ch/de/news.html www.facebook.com/proudpetrecyclers

Fotos: Keystone, Corbis, Action Press

GRUEN PORTRÄT

Speach» erneut zu allen grossen Anlässen des Filmbusiness geladen wird, nutzt Livia die Gelegenheit, ihre Promotion für mehr Ethik im Modebusiness vor der Weltpresse zu wiederholen. Für die diesjährige AwardSaison gelang es der Schauspieler-Gattin nun, auch internationale Top-Designer von ihrer Sache zu überzeugen. Tom Ford, Stella McCartney oder Frida Giannini (Gucci) schneidern ihr ein Kleid auf den Leib, das ihren ökologischen Ansprüchen genügt: Die verwendeten Stoffe müssen zu fairen Bedingungen hergestellt werden, dürfen nur den niedrigstmöglichen ökologischen Fussabdruck hinterlassen. Ihr grösster Erfolg: die Zusammenarbeit mit Armani. «Livias Enthusiasmus hat mich inspiriert», sagt der Star-Designer. Und die gebürtige Römerin, die bereits als Mädchen von seiner Mode schwärmte, schreibt in ihrem «Vogue»-Blog: «Ich konnte nicht aufhören, diesen armen Mann zu umarmen, selbst als ich in Unterwäsche vor ihm stand, um Mass nehmen zu lassen. Er dachte bestimmt, ich sei verrückt. Aber vielleicht ist er sich diese Hysterie von Frauen, die in Unterwäsche vor ihm stehen, auch gewöhnt.»


GRUEN REPORTAGE

58

Fischer am Ufer der MasoalaHalbinsel im Osten Madagaskars. Als Tourist besucht man den Naturpark mit einem F端hrer.

Anlegen im


Paradies

MADAGASKAR Die viertgrösste Insel der Welt besticht durch eine einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt. Damit dies so bleibt, berät der Berner Jürg Brand Naturparks und exportiert biologisch und fair angebaute Vanille. Text: Judith Wyder / Fotos: Flurina Rothenberger

59


gruen reportage

Die Gegensätze könnten nicht grösser sein: Als es Jürg Brand 1992 – nach einem Studium der Geografie, Naturwissenschaften und Ethnologie als Doktorand und mit Tauchlehrer-Diplom in der Tasche – auf die viertgrösste Insel der Welt verschlug, spülte es ihn von der reichen, überschaubaren Schweiz in eines der ärmsten und unterentwickeltsten Länder der Welt. 1992 löste sich Madagaskar mit Geburtswehen vom sozialistischen Modell. «Die Unsicherheit in Antananarivo war damals gross. Und kaum angekommen, wurde ich auf dem Nachhauseweg von Taschendieben mit dem Messer bedroht. Ungeachtet dessen war alles spannend und aufregend für mich», erzählt Jürg Brand.

Wegen politischer Instabilität werden viele Projekte auf Eis gelegt Heute gehört die Hauptstadt Antananarivo, kurz Tana, zu den sichersten Städten Afrikas. Sie liegt malerisch auf einem Hochplateau und verteilt sich über sieben Hügel. Backsteinhäuser mit Giebeldächern prägen das Stadtbild. Neben den Kolonialbauten stehen bunte Märkte, auf denen nicht nur Gemüse, exotische Früchte, Fisch und ZebuFleisch angeboten werden, sondern auch Blechspielzeug und handgeschnitzte Stempel. Jürg Brand, 48, hat in diesem vermeintlichen Wirrwarr Wurzeln geschlagen. Die Erfahrung, dass sich hier gute Ideen mit wenig Geld verwirklichen liessen, habe dabei geholfen. «Zusätzlich braucht es das nötige Mass an Anpassung und Mut

zum Risiko.» Ein Jahr vor seiner Ankunft hatte Madagaskar ein siebenmonatiger Generalstreik lahmgelegt. Dieser führte schliesslich zu einem Umsturz an der Spitze. Da der damalige Präsident nicht bereit war, seinen Sitz kampflos zu räumen, liess er auf die Demonstranten schiessen, was jedoch seinen Abgang nur beschleunigte. 2002 wiederholte sich dasselbe Szenario, und seit dem Militärputsch von 2009 wird Madagaskar von Andry Rajoelina, dem ehemaligen Bürgermeister der Hauptstadt, und einem Übergangsparlament regiert. Neuwahlen wurden seither immer wieder verschoben. Die Folgen dieser politischen Instabilität bekommt Jürg Brand als selbstständiger Umweltberater und Konsultant der Weltbank direkt zu spüren: «Viele geplante internationale Investitionen wurden wegen der unsicheren politischen Lage auf Eis gelegt.» Projekte im Dienste der Natur realisierte Brand gleichwohl. Für die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) hat er zu Beginn den Bodennährstoff-Kreislauf in einem Gebiet untersucht, wo die Entwaldung zu einer starken Bodenerodierung führt. Das stetige Bevölkerungswachstum hat in Verbindung mit dem gezielten Roden der Wälder für landwirtschaftliche Zwecke und zur Holzgewinnung zu grossen Umweltproblemen geführt. Laut Schätzungen des WWF ist die ursprüngliche Waldfläche mit ihren vielen Tierarten, die es ausschliesslich hier gibt, bereits auf rund zehn Prozent geschrumpft. Beim Aufbau des Netzwerks der madagassischen Nationalparks figuriert der Ber-

„Madagaskar ist als Reiseland ein Traum. Unkomplizierte Touristen finden hier anstatt ausgetrampelter Pfade noch viel Ursprünglichkeit vor.“ Jürg Brand 60

1

2

3

Madagaskar www.madagaskar.ch www.madainfo.de www.wwf.de/regionen/madagaskar Masoala National Park www.masoala.org www.


4 1 Bourbon-Vanille aus dem Biosphären-Reservat Mananara: gibt den Bauern ein faires Einkommen und verhindert so das Abholzen. 2 Einfach, aber liebevoll zubereitetes Mittagessen auf der Insel Nosy Mangabe. 3 Der Berner Jürg Brand lebt auf Madagaskar und exportiert BioFair-Trade-Vanille in die Schweiz. 4 Ein bedrohtes Paradies: Wegen des enormen Bevölkerungswachstums auf Madagaskar werden Wälder gerodet, und einzigartige Tierarten verschwinden. 5 Auf einem Trampelpfad durch den Regenwald auf der MasoalaHalbinsel.

5

ner bis heute als technischer Berater der Weltbank und der Regierung. Daneben hat er sich schon früh das Ziel gesetzt, finanziell unabhängig zu sein. Vor zehn Jahren begann Jürg Brand an der kaum erschlossenen, immer wieder von Zyklonen heim­ gesuchten und dennoch traum­

haften Ostküste, Vanille anzu­ bauen. Das Risiko, stellte er schnell fest, war kaum kalku­ lierbar, denn der Marktpreis des «schwarzen Goldes» unterlag schon damals starken Schwan­ kungen. Unbeirrt verfolgte Brand das Vanilleprojekt weiter, das auch Bauern vor dem Preis­ verfall schützen sollte. 2004 gründete er in Zusammenarbeit mit Slow Food, Intercooperation und der madagassischen Natio­ nalparkbehörde eine Genossen­ schaft für Vanillebauern. Dieser gehören heute rund 1200 Bauern aus 50 Dörfern an. In der Kleinstadt Mananara be­ findet sich das Sammellager. Seit 2005 besitzt die Genossen­ schaft das Label Bio Suisse, seit 2006 produziert sie nach den Prinzipien des fairen Handels. Hauptabnehmer der Vanille­ schoten ist die Schweizer

parcs-madagascar.com www.humanrightsmasoala.org Masoala-Halle Zürich www.zoo.ch www.freundemasoalas.ch www.savethelemur.org

61


Bungalow-Anlage bei Ankify: Ausgangspunkt, um per Boot ins Naturparadies Nosy Be zu reisen.

62

Die nordwestliche K端ste Madagaskars: Ideale Reisezeit ist zwischen Mai und Oktober.


GRUEN REPORTAGE 1 1 Chamäleons werden in der Nacht aktiv. Um sie zu entdecken, braucht es Geduld – oder einen guten Führer. 2 Weisskopf-Makis sind auf Madagaskar endemisch: Es gibt sie sonst nirgends auf der Welt.

Firma Pronatec. «Ein Glücksfall für uns», sagt Brand. «So haben wir einen kontinuierlichen Marktabsatz und die Bauern ein regelmässiges Einkommen.» Die Bio-Zertifizierung beschert den Vanille-Bauern einen bis zu dreissig Prozent höheren Verkaufspreis. Zehn weitere Prozent gehen an die laufenden Kosten der Kooperative. Dorfprojekte wie Brückenbauten werden aus einer FairTrade-Prämie finanziert. «Die Genossenschaft», sagt Brand, «ist ganz klar mein Baby, auch wenn ich mein Geld zurzeit vor allem noch als Umweltberater verdiene.» Der Berner mit den stahlblauen Augen weiss, dass ihm als ausländischem Geschäftsmann in einem politisch instabilen Land wie Madagaskar immer noch jederzeit Ungemach drohen kann. Zur Vorbeugung versucht er, diskret zu leben und bei Bürokratischem so korrekt wie möglich zu sein. Für ausländische Besucher gelten alle diese Unannehmlichkeiten nicht. «Madagaskar ist als Reiseland ein Traum», ist Jürg Brand überzeugt. «Unkomplizierte Touristen finden

hier anstatt ausgetrampelter Pfade noch viel Ursprünglichkeit vor.» Zum Beispiel auf einer Trekkingtour durch den Masoala National Park. Angeboten wird die Expedition vom Reisebüro Priori, das vom Schweizer Franz Stadelmann gegründet und heute vor Ort von madagassischen Frauen geführt wird. Die Reise ins Herz des Regenwaldes beginnt ganz im Nordosten, in der Provinzstadt Maroantsetra. Hier besteigt man ein Motorboot aus Holz und

2

steuert als erste Anlaufstelle eine unbewohnte Insel an.

Die Kreisch-Laute der Lemuren wiegen einen in den Schlaf Hier auf Nosy Mangabe, übersetzt «grosse blaue Insel», wird im Zelt genächtigt. Mit einem lokalen Führer unternimmt man am Tag und in der Nacht Streifzüge durch die Natur: entdeckt dank seinen geübten Augen Frösche, Geckos und ganz oben in den Baumkronen auch rote

und braune Lemuren – die Halbaffen, die es nur auf Madagaskar gibt. Nach drei Tagen tuckert man weiter übers wogende Meer zur Tampolo Lodge auf der Masoala-Halbinsel – wohl die schönste Ecke, die man sich vorstellen kann. Jeden Morgen nach dem Erwachen taucht man in diese grüne, feuchte, unbekannte Welt ein. Unvergesslich dieses Naturparadies, wo der Regenwald auf das Meer trifft und einen die KreischLaute der nachtaktiven Lemuren in den Schlaf wiegen.

MADAGASKAR VANILLE UND TOURISMUS Antsiranana

Indischer Ozean Mahajanga Toamasina Antananarivo Marolambo

Madagaskar

Antalaha Maroantsetra Nosy Mangabe Mananara Nord

Toliara

100 km

Masoala National Park

FAIRER HANDEL Die Schweizer Firma Pronatec vertreibt seit dreissig Jahren biologische und fair gehandelte Rohstoffe. Diese stammen direkt von Kleinbauern. Durch den Anbau von Bourbon-Vanille erhält die Bevölkerung im BiosphärenReservat Mananara ein Auskommen. Gleichzeitig werden so die rar gewordenen tropischen Regenwälder Madagaskars geschützt. www.pronatec.com REISEN Experte für Öko-Touren auf Madagaskar ist das vom Schweizer Franz Stadelmann gegründete Reisebüro Priori. Der Hauptsitz befindet sich in der Hauptstadt Antananarivo. Gepflegt wird ein sanfter Tourismus, der Umwelt und Bevölkerung mit einbezieht. Individuelle Touren können über das Madagaskarhaus in Basel zusammengestellt und gebucht werden. www.priori.ch

Vanille aus Madagaskar www.biovanille.ch Unterkunft im Masoala National Park tampolodge.marojejy.com

63


gruen fashion

mode

Bl端tenzart

Fr端hlingserwachen in Pastellfarben und reinem Weiss: Dazu passen transparente Stoffe, feine Spitze und Minijupes.

Fotos: Raphaela Pichler / Redaktion: Karin Anna Biedert Hair & Make-up: Monika Spisak, Style Council / Model: Matilde R., Studio KLPR

66


Durchsichtige Bluse mit Baumwoll-Plastron und Bubikragen, Sara VidaS. Minijupe aus Baumwoll-SeidenGemisch, mit ausgefranstem Saum, Odeeh.


gruen fashion Popeline-Bluse mit Spitzenbesatz und Bubikragen, Faltenrock in Pastelltรถnen, Sara VidaS.

68


Dreilagiges Sommerkleid mit Broderie anglaise und Lackleder-Mules, beides Louis Vuitton. Weisse Baumwoll-Sรถckchen, AntipAst, bei Eclectic.

69


gruen fashion Bio-Baumwoll-Spitzenkleid, H&M CONSCIOUS COLLECTION. BaumwollSรถckchen ANTIPAST, bei Eclectic. Mules aus Lackleder, LOUIS VUITTON.

70


Gef端ttertes BaumwollSpitzenkleid, Paul & Joe SiSter, bei Grieder.

71


GRUEN FASHION

72

Transparentes Kleidchen aus Leinen-BaumwollGemisch, ÉTOILE ISABEL MARANT, bei Grieder. Overknee-Socken aus Baumwolle, ZURLI SOCKEN.


Bezugsquellen: Eclectic eclecticshop.ch, Grieder bongenie-grieder.ch, H & M Conscious Collection hmconsciouscollection.com, Little Black Dress littleblackdress.ch, Louis Vuitton louisvuitton.com, Odeeh odeeh.com, Sara Vidas saravidas.ch, Zurli Socken zurli-socken.ch. Blumenarrangements: Marisa Pichler marisapichler.ch, Redaktionsassistenz: Selina Hangartner, Fotoassistenz: Severin Jakob, Bildproduktion: Postproduction Aschmannklauser

Taillenkleid ÂŤHazelÂť, in Baststoff-Optik, mit Reverskragen und Quetschfalten, LITTLE BLACK DRESS.

73


GRUEN FASHION

GRÜNE MODEPRINZESSIN Die Britin Lily Cole, 23, trägt ein Beanie (Strickmütze) des Labels The North Circular, das sie mitgegründet hat.

Die Masche vom Grosi Model und Schauspielerin Lily Cole setzt mit ihrem Label The North Circular auf made in England – und auf Grossmutters Strickkunst. Text: Nina Lienhard

EYE-CATCHER IN SILBER

Metallic-Tasche von der englischen The Cambridge Satchel Company, mit verstellbarem Henkel und zwei Schnallen. www.asos.com, ca. CHF 160.–

DIE UHR TICKT

Die Schmuckstücke des Labels La Tonkinoise à Paris werden aus alten und kürzlich recycelten Stücken hergestellt. Verschiedene Modelle, erhältlich bei Changemaker. CHF 99.–

PATCHWORK IST KULT Die Jacken des deutsch-vietnamesischen Labels Thu Thu werden aus verschiedenen Stoffen produziert, sodass jedes Stück ein Unikat ist. Erhältlich bei Kari Kari in Zürich. CHF 735.–

74

HÄLT WARM UND SCHMÜCKT SCHWEDISCHES SEVENTIES-FEELING Clogs von Swedish Hasbeens werden nach ökologischen Produktionsmethoden mit Respekt für Mensch und Umwelt hergestellt. www.swedishhasbeens.com, ca. CHF 250.–

Handgestrickter Wollschal aus Wensleydale-Schafswolle des britischen Labels The North Circular. Erhältlich in Beige und Navy. www.thenorthcircular.com, ca. CHF 300.–

Fashion-Hits im Netz www.karikari.ch www.thu-thu.com www.cambridgesatchel.co.uk www.latonkinoiseaparis.com

Fotos: Kate Tomlinson für The North Circular, Paul Seewer (2), zvg (3)

Bei Kaffee und Kuchen hatten die Models Lily Cole und Katherine Poulton die Idee für ihre Mode-Linie The North Circular. Sie heuerten begnadete Strickerinnen wie Katherines Grossmutter an, die von Hand Pullis, Mützen und Schals anfertigten. Mit dem Stricklabel Izzy Lane, das sich für die britische Wollindustrie einsetzt und Schafe vom Schlachthof rettet, fanden sie einen engagierten Partner. Das Besondere an The North Circular: Verwendet wird fast nur Wolle der Wensleydale-Schafe, die keine Borstenhaare enthält und darum auf der Haut nicht kratzt.


GRUEN BEAUTY

SEXY MAMA

Jessica Alba, 30, US-Schauspielerin und zweifache Mutter, hat eine natürliche BabyKosmetik-Linie und eine Website mit nützlichen Infos für Eltern lanciert: www.honest.com.

STOPPT DEN WASSERVERBRAUCH!

Die erste natürliche Kosmetikserie, die zum Wassersparen aufruft: Stop the Water While Using Me! In Changemaker-Filialen. www.changemaker.ch, ab CHF 19.–

HAUTSCHUTZ

Fotos: Corbis, Changemaker, Paul Seewer (4)

Wenige wissen, dass die Biomarke Sonnentor auch Naturkosmetik führt – und was für hübsche! Das Star-Produkt: Reichhaltige Creme fürs Gesicht mit Mandeln und Granatapfel. www.portanatura.ch CHF 35.–

Neues Glück!

Ein Schutzengel für die Haut, Samtpflege für den Körper und vor Frische glühende Lippenfarben: Die neue Naturkosmetik hüllt uns im Frühjahr in Glücksgefühle. Redaktion: Kristina Köhler

INNER GLOW SAMTENE KÖRPERHAUT

Santaverde lanciert zwei neue Körperpflegeprodukte: Aloe Vera Body Lotion Classic und Sensitive. Beide befeuchten die Haut intensiv. Fachhandel, Marionnaud. www.santaverde.de je CHF 49.90

KULT-KOSMETIK AUS DEN USA

Die nostalgisch verpackte Kosmetik Burt’s Bees gibts jetzt in ausgewählten Apotheken. Etwa die Mandelmilch-Handcreme, die 100 Prozent natürlich ist. www.burtsbees.com CHF 16.50

Er trägt den vielversprechenden Namen Inner Glow – inneres Strahlen: der neue Lippenstift von Dr. Hauschka. Wie immer ohne jegliche Zugabe von chemischsynthetischen Stoffen, Parabenen und Silikon. Limitierte Edition. www.dr.hauschka.de CHF 31.–

Mehr Kosmetik stop-the-water-while-using-me.com Jessica Alba jessicaalba.net Babykosmetik www.honest.com

75


BITTE LÄCHELN

Der Peugeot 3008 Hybrid4 macht eine gute Figur – bleibt beim eis-skulpturenWettbewerb aber trotzdem ausser Konkurrenz.

Peugeot 3008 HYbrid4

Der Familien-HybriD im Winter-Härtetest Familie studer geniesst beim ski-Weekend in Grindelwald be nicht nur Platzangebot und Design des Peugeot 3008 Hybrid4. Die Gewinner der leseraktion sind auf winterlichen bergstrassen auch froh um den allradantrieb.

76

andere wären bei so viel schnee und eis zu Hause geblieben. Doch um den Peugeot 3008 Hybrid4 einem Härtetest zu unterziehen, ist kühles Winterwetter genau richtig. «ich habe einfach den Drehschalter auf ‹4WD› gestellt, und schon hat der Hybridallradler die ganze Familie sicher und problemlos den berg hochgebracht», erzählt raphael studer, 41, aus boswil aG. Der Verkäufer war es auch, der die Familie zur grossen leseraktion anmeldete, bei der man

eine exklusive testfahrt im Peugeot 3008 Hybrid4 und ein unvergessliches Wochenende im Vier-sterne-superior-Hotel belvedere in Grindelwald be gewinnen konnte. «mitgemacht habe ich, weil ich autofan bin und bisher noch nie ein Fahrzeug mit Hybridantrieb fahren konnte», erzählt der aargauer, der als aussendienstler rund 30000 Kilometer pro Jahr fährt. Und wie schneidet der Peugeot 3008 Hybrid4 im Vergleich zu seinem Firmen-


PUBLIREPORTAGE

PLATZ FÜR FUN Die Studers laden vor dem Hotel Belvedere ihre Winter-Ausrüstung aus.

DIE RICHTIGE WAHL Mit dem Wählrad

SICHTBAR GEMACHT Elektromotor und Dieseltriebwerk harmonieren perfekt.

Kombi ab? «Mir gefällt er ausgezeichnet. Das schicke und frische Styling ist ganz nach meinem Geschmack.» Erstaunt ist HybridNeuling Raphael, dass er von der komplizierten Technik nichts spürt. «Aber auf dem Display kann ich das Zusammenspiel von Diesel und Elektromotor gut mitverfolgen.»

Ihr gefällt der leise Motor – im reinen Elektrobetrieb ist er manchmal fast zu geräuschlos. «Man muss beim Parkieren sehr aufmerksam sein, da die Passanten lautlose Autos nicht gewohnt sind.» Dank der grossen Fensterfronten und der übersichtlichen Karosserie ist das aber kein Problem. Manchmal sind es aber auch nur kleine Details, die grosse Begeisterung auslösen. «Das Head-up-Display ist unglaublich praktisch. So eines brauche ich unbedingt im nächsten Familienauto», sagt Raphael Studer. Die gross gewachsenen Teenager Jasmin, 13, und Robin, 14, sitzen bequem. «Cool sind die loungigen Sitze mit der praktischen Mittelarmlehne. So sitzt jeder von uns ungestört», erzählen die Schüler. Ein wenig unruhig wird es dann doch noch auf der Rückbank. Aber nur, weil nach Stunden im Schnee die Fahrt am Abend zu TV-Koch René Schudel ins Restaurant Benacus nach Interlaken geht.

kann der Allrad-Modus eingestellt werden.

Sparsam, leise, aber trotzdem mit viel Durchzugskraft ALLES IM BLICK Raphael Studer, 41, ist begeistert vom hellen Innenraum – und dem Head-up-Display.

Peugeot 3008 HYbrid4 Antrieb 2,0-l-Diesel (163 PS) an der Vorderachse, E-Motor an der Hinterachse (37 PS) Leistung 0 bis 100 km/h 8,5 s; Spitze 191 km/h Verbrauch 3,8 l/100 km CO2-Ausstoss 99 g/km Energieeffizienz A Preis ab 46500 Franken Basisausstattung Einparkhilfe hinten, Hill Assist, ZweizonenKlimaautomatik, Regen- und Lichtsensor, Tempomat, WIP Bluetooth etc. www.peugeot.ch

Und genug Power hat der Peugeot 3008 HYbrid4 ebenfalls. «Schon Dieselmotoren alleine haben viel Drehmoment, zusammen mit dem Elektromotor ist aber noch mehr Durchzugskraft vorhanden», ergänzt Raphael Studer. Ehefrau Daniela, 38, in der Administration einer Garage tätig, war erst etwas skeptisch, da sie nie Autos mit Automatik fährt. «Aber man gewöhnt sich schnell an den Komfort und kann sich ganz aufs Fahren konzentrieren», sagt sie.

77


GRUEN GENUSS

NORBERT BRUNE

Der Meister der Forellen Der Blausee im Kandertal gehört zu den schönsten Orten der Schweiz. Zum Idyll passt, dass die Küche auf regionale Produkte setzt. Text: Peter Ruch / Fotos: Gina Folly

78


Der Küchenchef und sein Fisch-Reservoir: Norbert Brune und «sein» Blausee.

79


GRUEN GENUSS

Der Frage, ob es ihn denn nicht langweile, immer nur Forellen zuzubereiten, ringt Norbert Brune, seit 14 Jahren Küchenchef im «Blausee»-Restaurant, nur ein Lächeln ab. «Was erwarten Sie denn als Antwort?», fragt er zurück. Und gibt sie dann doch gleich selber: «Nein, natürlich nicht. Ich verfüge unterdessen über mehr als 200 Rezepte, wie ich sie zubereiten kann. Die Forelle ist ein wunderbares Tier, sie lässt dem Koch unglaublich viele kreative Möglichkeiten. Und deshalb habe ich immer noch Freude an diesem Fisch.» Selbstverständlich muss Brune Spass haben, an die Möglichkeiten glauben – es

schwimmen 800 000 Fische vor seinen Kochtöpfen herum. Die Forellenzucht im und rund um den Blausee ist die grösste der Schweiz. Nun hat man allgemein nicht nur die besten Assoziationen zum Thema Fischzucht. Doch abgesehen davon, dass es hier nicht so romantisch ist wie in dem berühmten Schubert-Lied («In einem Bächlein helle …»), ist es so gut, wie es nur sein kann. Die Blausee-Zucht wurde 1978 neu aufgebaut und war eine der ersten Anlagen der Schweiz, die nach Bio-Standards zertifiziert wurden. Das ist heute noch so, auch wenn die Auflagen über Jahre immer strenger wurden; mit einer Besetzung von dreissig Kilo pro Kubikmeter gehört die Zucht zu den vorbildlichsten. Fische werden

„Ich verfüge unterdessen über mehr als 200 Rezepte, wie ich die Forelle zubereiten kann.“

2

Die wichtigsten Infos auf einen Blick www.blausee.ch Die Sage


LECKERES AUS DEM SEE Forellen- und Lachsforellenfilets mit Safran und Gemüse, in Pergamentpapier gegart (für 6 Personen) 600 g Blausee-Forellenfilets ohne Haut 600 g Kartoffeln, gekocht 500 g Gemüse, gekocht (je nach Saison Karotten, Stangensellerie, Kefen, Spargeln usw.) 360 g Geflügelfond 300 g Rahm Salz und Pfeffer aus der Mühle 1 Prise Safranblüten 1 Bund Schnittlauch, fein geschnitten 6 Stück Back-/Pergamentpapier, je ca. 40×40 cm gross 20 g Butter, flüssig 1 1 Eingebettet in eine winterliche Märchenlandschaft: das Restaurant und Hotel Blausee. 2 Hier geniessen Sie klassisch: Blick in den Speisesaal des Restaurants. 3 Der Chef legt Hand an: Norbert Brune in seiner Küche.

übrigens im Blausee seit 1878 gezüchtet. Damals wurde auch das Hotel errichtet und das Ziel beschrieben – «das schönste Naturidyll der Schweizer Alpenwelt». Brune ist ein ganz lockerer, cooler Koch. Er hat nicht nur die Routine, er hat auch die Ruhe weg. Er weiss, was er kann, und er kann viel. Sein Chef, Peter Zemp, weiss, was er an ihm hat. Es braucht eine gute Organisation, wenn an einem Tag ein Seminar mit vielen Teilnehmern verpflegt sein will und am nächsten Ruhe herrscht, weil ein Schneesturm durchs Berner Oberland fegt und Gästen der Weg zum Blausee – nur zu Fuss! – zu beschwerlich ist.

Die Pergamentpapiere in der Mitte mit flüssiger Butter bestreichen. Das nicht allzu gross geschnittene Gemüse und die Kartoffeln daraufgeben. Die Forellenfilets mit Salz und Pfeffer würzen und auf das Gemüse legen. Alle vier Ecken des Papiers über der Mitte mit einer Büroklammer zusammenfügen. Rahm und Geflügelfond mit dem Safran kurz aufkochen und dezent mit Salz würzen. Je ein Sechstel der Flüssigkeit in die Pergamentpäckchen giessen. Alle Päckchen auf ein Backblech setzen und im vorgeheizten Ofen bei ca. 200 Grad 12 bis 15 Minuten garen. Aus dem Ofen nehmen, Büroklammern entfernen, den Fisch mit Schnittlauch bestreuen. Das Gericht in Pergament auf einem vorgewärmten Teller servieren.

Verschiedenste Besitzer gaben sich während Jahrzehnten die Klinke in die Hand

3

In den vergangenen mehr als 130 Jahren hat «der Blausee» wilde und oft auch schwierige Zeiten erlebt, es gab viele Wechsel unter den Besitzern, Nationalrat Bally aus Schönenwerd gehörte dazu, der BiskuitFabrikant Oscar Kambly. 1978 über-

www.kandergrund.ch/Tourismus/blauseesage.htm Das Bergbeizli www.chuestall-blausee.ch

Frisches Frühlingsgericht: Forelle mit Gemüse, in Pergamentpapier gegart.

81


GRUEN GENUSS

nahm dann die Hess-Gruppe die Anlage. Heute gehört sie einem ehemaligen Mitarbeiter von Donald Hess, einem Herrn Lienhard. Direktor Peter Zemp, ein noch junger Mann, ist erst seit vergangenem Jahr im Amt – und staunt selber immer noch, was der Blausee, die Fischzucht, das Hotel und das Restaurant alles zu bieten haben. Sechs Personen arbeiten allein in der Fischzucht, die gesamte Verarbeitung geschieht vor Ort, es wird auch geräuchert, es werden Terrinen produziert, auch eine wunderbare Mousse, welche die «Blausee»-Gäste mit nach Hause nehmen können. Die Forellen vom Blausee werden aber nicht nur im «Blausee»-Restaurant gegessen, sondern auch an den Coop in der Region Bern geliefert. Ab April kann man dort auch die geräuchten Lachsforellen kaufen, eine ganz besondere Blausee-Spezialität. Das Hotel blieb bis in die Dreissigerjahre geöffnet und wurde 1998 wieder in Betrieb genommen. Oft wird vergessen, dass sowohl Restaurant wie auch Hotel das ganze Jahr über offen sind – im Winter ist es oft so, dass es kaum Gäste hat. Peter Zemp: «Eine Nacht am Blausee ist so erholsam und entspannend wie eine Woche Ferien

„Eine Nacht am Blausee ist so erholsam und entspannend wie eine Woche am Meer.“ am Meer.» Und man glaubt es ihm gern, wenn man da so vor dem Cheminéefeuer sitzt und auf die wunderbare Landschaft schaut. Der See friert auch im Winter nicht zu, denn er hat einen warmen, unterirdischen Zufluss. Es ist wahrlich eine Wintermärchen-Landschaft, man kann stundenlang einfach nur sitzen und schauen. Wunderbar ist auch, über die verschlungenen Wege rund um den See zu schlendern, die Felsen wirken im Winter noch mehr wie Gnome oder Riesen, die den Spaziergänger beobachten. Im Frühling dann, wenn die Landschaft wieder zum Leben erwacht, ist das Gebiet ein kleines Paradies. Und dann ist da noch diese unglaubliche Ruhe: Auch wenn die Hauptstrasse nur einen halben

Kilometer entfernt ist, so hört man doch gar nichts davon, weil mächtige Felsen das Gelände umgeben. Zemp und Brune wollen nun die Karte für den Sommer weiter vereinfachen, weniger Gerichte anbieten, dafür mehr Spezialitäten. Und natürlich achten sie auf besonders nachhaltige Produkte. Der Käse stammt nur aus der Umgebung, genau wie das Trockenfleisch und die -würste, die alle aus dem Kandertal stammen. Man hat auch begonnen, mit dem «Tropenhaus» im wenige Kilometer entfernten Frutigen zusammenzuarbeiten, auch das ist eine nachhaltige Beziehung. Weit über 100 000 Gäste kommen jährlich an den Blausee, und allein schon deshalb hat die Philosophie,


lokale Produkte zu verwenden, eine wichtige Breitenwirkung, ist so etwas wie allerbeste Werbung für die benachbarten «grünen» Produzenten. Zemp überlegt sich gar, eigene Kartoffeln anzupflanzen – Platz genug ist auf dem riesigen Gelände vorhanden. Das Holz für das Cheminée stammt aus dem eigenen Wald – man versucht hier vielleicht nicht alles, aber auf jeden Fall viel, um den Blausee als kleine, paradiesische Insel inmitten des hektischen Alltags zu erhalten.

Eine Forelle aus dem Blausee kann bis zu 4,5 Kilo schwer werden Natürlich wird die «Blausee»-Karte von Fisch dominiert, also von der Forelle. Der Höhepunkt ist die Lachsforelle, die bis zu 4,5 Kilo schwer werden kann – und als Ganzes am Tisch serviert sowie auf Wunsch auch vor den Augen der Gäste filetiert wird. Wer die Forelle wirklich liebt, dem sei die Tavolata empfohlen – Brune serviert neun verschiedene Vorspeisen, drei Hauptspeisen und ein Dessert, alles von der Forelle (ausser das Dessert). So richtig gut sind

Brunes Rauchforellen-Ravioli mit Lauchgemüse sowie das Forellenfilet mit Schalotten an Sherrysauce. Doch es soll ja auch Menschen geben, die keinen Fisch mögen. Da können wir zum Beispiel einen ausgezeichneten Hackbraten empfehlen, mit gefühlten zwei Litern Rahm in der Sauce. Das Restaurant/Hotel ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch ein Grossbetrieb sich um die Kleinigkeiten kümmern kann. Natürlich ist viel Geld dahinter – aber auch viel Enthusiasmus. Sie sind umtriebig dort oben, im Berner Oberland, es gibt das berühmte Open-Air-Kino im Sommer und sonst viele Aktionen. Doch es ist kluger, nachhaltiger Tourismus, der da propagiert wird, und auch das macht den Blausee zu einem sehr sympathischen Ausflugsziel. Es bleibt noch die Frage offen, weshalb der Blausee denn so blau ist – die Farbe ist wirklich erstaunlich, ein Blick auf den See, und schon ist man ruhiger, entspannter. Es seien die Tränen eines verliebten Mägdleins gewesen, das ihren Geliebten verloren habe, erzählt die Geschichte. Auch wenn man das nicht glauben muss, es passt zu diesem Ort, der zu den romantischsten der Schweiz gehört.

Der Blausee friert auch im Winter nie zu. Grund: Der See hat einen warmen unterirdischen Zufluss.


gruen genuss

Käserei mit Tradition

In der Käserei Gohl im Emmental arbeiten die Generationen Hand in Hand – und das seit hundert Jahren. Mit viel Liebe produziert Familie Guggisberg ihren Bio-Geisskäse.

Text: Lisa Merz Fotos: Nathalie Bissig Als kleiner Junge hat Hans Guggisberg in der Käserei gewohnt. Dort, wo jetzt grosse Stahltöpfe stehen, lauter Lämpchen leuchten und strenge Hygienevorschriften gelten, hat seine Mutter für die ganze Familie gekocht. Käse haben die Guggisbergs schon damals gemacht. «Nach der Schule musste ich Holz hacken, damit wir die Milch erwärmen konnten», erinnert sich Hans Guggisberg. Heute ist er siebzig Jahre alt und konnte die Käserei seinem Sohn Samuel übergeben. «Jetzt bin ich halt nur noch Hilfsarbeiter», sagt er und lacht. Auch seine Frau Martha, 67, steht noch fast jeden Morgen parat, um die Milch von den Bauern entgegenzunehmen. Einen Teil davon wird zu einem weichen Bio-Geisskäse verarbeitet. Nachdem die Milch pasteurisiert wurde, füllt sie Hans Guggisberg «hurti» in eine grosse Stahlwanne und 1 Bio-Bauer Beat Neuenschwander liefert täglich die frische Geissmilch für den Käse. 2 Sobald die Masse die richtige Konsistenz hat, wird sie in Förmchen gepresst. 3 Das Bio-Geisskäsli vom Spitzebärg gibts im Coop für CHF 4.40.

1

84

Martha und Hans Guggisberg sind seit 47 Jahren verheiratet. Vor zwei Jahren übergaben sie die Käserei ihrem Sohn Samuel.

bricht die Masse so lange, bis sie die richtige Konsistenz hat. Im Gegensatz zum harten Käse hat ein Weichkäse mehr Wasser und wird nur bei 30 Grad erhitzt, beim Emmentaler sind es 53 Grad. Nach etwa zwei Stunden wird die Masse in Förmchen gepresst. 1000 Bio-Geisskäsli produzieren die Guggisbergs täglich – aus 1350 Litern Milch. Aus der ganzen Umgebung wird sie frisch von den Bauern geliefert. Einer von ihnen ist Beat Neuenschwander. Sein Hof ist etwa fünfzehn Autominuten von der Käserei

2

Gohl entfernt und liegt exakt auf tausend Metern. Er merkt sofort, wenn einer seiner 65 Geissen etwas fehlt. Nach dem Melken tastet er bei jeder das Euter ab. «So spüre ich gleich, wenn eine Fieber hat», erklärt der Bio-Bauer und krault eine Geiss hinter dem Ohr. Handarbeit ist auch beim Einpacken der Geisskäsli gefragt. Dreimal in der Woche treffen sich Martha Guggisberg und zwei Nachbarinnen, um jedes einzelne sorgfältig «iizliire». Ein paar Sachen verändern sich halt doch nie.

3

Coop Naturaplan www.coop.ch Käserei Gohl www.kaeserei-gohl.ch Gasthaus mit Regionalprodukten www.baeregghoehe.ch


Foto: Das Gartenarchiv, Martina Meier

Frühlingstrunk Birkensaft Frühlings- oder Maibaum nennt man die Birke, diesen wunderschönen, stolzen Baum, der bis 30 Meter in den Himmel ragen und bis 120 Jahre alt werden kann. Die alten Germanen glaubten, die Birke heile Menschen, indem sie die Krankheiten anziehe und aufnehme. Dazu umarmten die Leute den Baum, der so seine Heilkräfte ausüben konnte. Man mag lachen darüber, wenn Menschen Bäume umarmen, aber wirft dieser alte Brauch nicht ein ganz anderes Licht darauf? Die Rinde der Birke mit ihrem glänzenden Weiss verlockt einen geradezu, sie zu berühren und zu spüren. Die Birke steht auch im Ruf, Liebeszauber ausüben zu können. Und dass sie das genau richtige Material für Hexenbesen lieferte. Was hingegen sicher ist und nicht nur dem Volksmund entstammt, ist die Heilwirkung: Birkensaft wird noch heute für Haarwasser verwendet. Neu wieder im Trend ist, im Frühjahr eine Entschlackungskur mit Birkensaft zu machen. Mein Vater hat jeweils im März, wenn bei zunehmendem Mond die Birkenäste geschnitten wurden, den austretenden Saft mit einem passenden Gefäss aufgefangen. Diesen Saft kochte er kurz auf und füllte ihn heiss in Flaschen. Daraus kann man einen ex-

quisiten Fischfond herstellen: Fischgräte, Lauchabfälle, Zwiebel, Lorbeerblatt, Pfefferkörner, Salz und ein Schuss Weisswein ist alles, was man dafür braucht. Der Fond wirkt entgiftend, entwässernd, regt den Stoffwechsel an und lässt die Haare spriessen – deshalb sollte man ihn Menschen mit Haaren auf den Zähnen besser nicht verabreichen … Der Birken-FischFond hat aber auch noch einen kulinarischen Reiz: Er wirkt leicht betörend, frühlingshaft, erfrischend und überraschend. Wie man heute zu Birkensaft kommt? Am besten fragt man den Gärtner oder das Stadtbauamt, wann der Frühlingsschnitt geplant sei. Die Birken «bluten» nach dem Schnitt stark, und mit einem passenden Gefäss wird einem sicher erlaubt, den Birkensaft aufzufangen. Oder aber man besorgt sich einen reinen Birkensaft, wie er heute für Entschlackungskuren angeboten wird. Was gar nicht geht, ist, selber an Ästen rumzuschneiden. Ich bin überzeugt, dass ein so starker Baum wie die Birke die Heilwirkung ins Gegenteil verwandeln kann, wenn man sich ihm respektlos und gewalttätig nähert. Die Natur sorgt für uns, aber auch für sich. Und das ist gut so. Oskar Marti, 65, hat mit seiner Frau Ursula 25 Jahre lang die «Moospinte» in Münchenbuchsee BE geführt. Heute berät er Gastrounternehmer.

GRUEN KOLUMNE

CHRÜTER-OSKI

GRUEN REZEPT FISCHFILET GEDÄMPFT MIT BIRKE 8 Grashechtfilets / 30 g Butter / 2 gehackte Schalotten / ½ dl Noilly Prat / 2 dl Fisch-Birken-Fond / Rahm / Salz / Birkenblätter Gehackte Schalotten in ausgebutterter flacher Pfanne verteilen, gesalzene Fischfilets mit der Haut nach unten einschichten, Fisch-Birken-Fond mit Noilly Prat mischen und darübergiessen.

5 bis 7 Minuten pochieren. Fond abgiessen und mit Kartoffelstärke binden, Rahm dazugeben, mit Salz und Zitronenschale abschmecken. Fisch mit Sauce nappieren und mit Birkenblätter-Streifen dekorieren.

Haarwuchsmittel www.birkenhaarwasser.de Birkenkur www.weleda.ch Oskis Bücher www.at-verlag.ch

85


Green LounGe präsentiert von

Nachhaltig Geld verdienen – das geht, sagt Reto Tarreghetta, Mitglied der Geschäftsleitung von Swisscanto. «Langfristig ist das sogar der einzige Weg.»

Für die nächste Generation

Sie unterstützen unter anderem den Footprint-rechner des WWF. Mit dem Footprint­Rechner schlagen wir eine Brücke zur Bevölkerung, weil jede Person damit ihren ökologischen Fuss­ abdruck errechnen kann. Pro Jahr wird der Footprint­Rechner gut 200000­mal «gespielt». Das ist beachtlich! Ich selber habe nach dem Test beispielsweise meinen Fleischkonsum reduziert. Auch der Schweizer nachhaltigkeitspreis Prix nature Swisscanto an der natur Messe in Basel wird unterstützt. Mit dem Prix Nature Swisscanto wollen wir mit einer prominenten Person der

86

Nachhaltigkeit zu noch mehr Nachahmern verhelfen. Die Botschaft erreicht mehr Leute, wenn Stress oder Simone Niggli­Luder darüber sprechen, als wenn ich das tue. Swisscanto unterstützt auch soziale Institutionen wie das Schweizerische rote Kreuz (SrK) und Die Sozialfirma. Die Sozialfirma ist nachhaltig, weil sie Menschen, die keinen Job finden, zu Arbeit verhilft. Mit dem SRK haben wir 2007 den Swisscanto Swiss Red Cross Charity Fund entwickelt, in den man investiert und den Gewinn hälftig mit dem SRK teilt. Seit der Lancierung wurden so schon über drei Millionen Franken ans SRK überwiesen! In erster Linie ist Swisscanto aber ein Vermögensverwalter. Da muss doch auch die Performance stimmen! Ja, klar. Der Swisscanto Swiss Red Cross Charity Fund ist ein gutes Beispiel: In der Finanzkrise hat er eine positive Performance hingelegt. Ziel dieses Fonds ist der Kapital­ erhalt. Im Übrigen haben auch viele ver­ mögende Personen in diesen Fonds investiert. In den nachhaltigen Fonds haben wir mehrheitlich gut gearbeitet. Klar sind sie auch von den Schwankungen der Weltmärkte betroffen, aber nicht mehr als andere auch.

Der Begriff nachhaltigkeit hat Konjunktur. Was verstehen Sie darunter? Der Begriff kommt aus der Forstwirtschaft und beschreibt, dass nur so viel Holz geschlagen werden soll, wie auch wieder nachwächst. Für mich heisst es, dass unsere Handlungen nicht auf Kosten der nächsten Generationen gehen dürfen. Mit unseren nachhaltigen Finanzprodukten und der Ausrichtung von Swisscanto leisten wir unseren Anteil. Ich bin überzeugt: Steter Tropfen höhlt den Stein. Das ganze Interview: www.schweizer-illustrierte.ch oder www.swisscanto.ch/multimedia

SWISSCANTo Green LounGe nAchhALTIGKeIT Als Fondsanbieter der Kantonalbanken fühlt sich Swisscanto der nachhaltigkeit verpflichtet. In der Green Lounge erklärt das Mitglied der Geschäftsleitung, Reto Tarreghetta, wieso der Vermögensverwalter sich in dem Bereich engagiert. Mehr über Nach­ haltigkeit bei Swisscanto finden Sie unter: www.swisscanto.ch/nachhaltigkeit

Foto: Geri Born

Gruen: Swisscanto legt grossen Wert auf nachhaltigkeit. Wie wirkt sich das konkret im unternehmen aus? Sie ist die Basis für unternehmerisches Handeln. Ökologie und Ökonomie müssen im Gleichgewicht sein, gesellschaftliche Verantwortung ist ein Muss. Konkret heisst das: Wir sind verlässlich, denken langfristig, haben faire Preise, stellen das Kunden­ interesse ins Zentrum und verhalten uns integer. Wir handeln aber auch im Kleinen, so haben unsere Aussendienst­Mitarbei­ tenden alle ein SBB­GA und besuchen die Kunden per Zug.

reto Tarreghetta ist Mitglied der Geschäftsleitung von Swisscanto und treibende Kraft für nachhaltige Anlagen.


Money GRUEN

AUTO SHOPPING GELD WOHNEN REISEN

CORNWALL, WIR KOMMEN

GLAMOURÖS GRÜN Meeresluft schnuppern, entspannen – und einen zügigen Spaziergang an der Küste von Cornwall unternehmen. Idealer Ausgangspunkt dafür ist das Hotel The Scarlet im britischen Mawgan Porth. Gastgeberinnen sind drei Schwestern, die sich hier den Traum von einem grünen Luxushotel verwirklicht haben. Regenwasser füllt den Pool, mit Windkraft wird Strom erzeugt, und in der Dusche stehen handgemachte Seifen für die Gäste bereit. Dies sind nur drei Beispiele der 101 grünen Aktivitäten des Hotels. Gut zu wissen: Die 37 Zimmer sind für «adults only». www.scarlethotel.co.uk

87


gruen leben

Nachfüllen ist cool! 2

1

Eine Welt ohne unnötigen Abfall? Der Verein Refiller macht einen ersten Schritt. Das Motto ist simpel: nachfüllen statt wegwerfen. Das schont Umwelt und Portemonnaie.

Text: Lisa Merz Früher, da füllte der Milchmann die Milch einfach in ein Chesseli, den Käse liess man sich im Tante-Emma-Laden in Papier einwickeln, und das Fleisch war nicht in mehrere Schichten Plastik eingeschweisst. Heute gibts als Zusatz nach dem Einkaufen von Lebensmitteln gleich noch einen halben Sack Abfall dazu. Schon klar, eine Welt ohne Verpackung ist unmöglich. Aber eine Welt ohne unnötige Verpackung sollte doch zu schaffen sein – aus diesem Gedanken entstand die in Bern gegründete Organisation Refiller. Projektleiter João Almeida, 25, und Stefanie Derungs, 27, sind seit der Gründung dabei.

88

4 1 Im Sommer wollen die Refiller Picknicks veranstalten. Ziel: null Abfall. 2 Der Projektverantwortliche João Almeida kommt aus Portugal und lebt in Bern. 3 + 4 Ich bin auch ein Refiller: Den Sticker gibts gratis auf der Homepage.

Es störte sie, dass nach einem schnellen Kaffee unterwegs am Schluss der leere Kartonbecher übrig blieb. «Angenommen, eine Million Schweizer trinkt jeden Tag einen Kaffee im Wegwerfbehälter, hat das bereits 5110 Tonnen Abfall pro Jahr zur Folge», sagt João Almeida. Dabei ist die Lösung so

einfach: Für den Kaffee für unterwegs gibts einen Wärmebecher, das Wasser füllt man in eine wieder verwendbare Flasche ab, und der Salat fürs Büro kommt in eine Lunchbox. «Wir sind keine Aktivisten. Das Nachfüllen soll Spass machen!», erklärt João Almeida. Anstatt mit dem Zeigefinger zu mahnen, entwerfen sie lieber einen trendigen Sticker, mit dem man die Nachfüllbehälter verschönern kann und sich gleichzeitig als Refiller outet. Nachfüllen lohnt sich, das merken auch die Take-away-Betreiber. Zwar sind sie am Anfang noch etwas skeptisch, wenn João Almeida sie zum Mitmachen bewegen will. Doch sobald er ihnen vorrechnet, dass ein Wegwerfbehälter zwischen 20 und 90 Rappen kostet, füllen die meisten gern die mitgebrachten Gefässe auf. Alle profitieren: die Verkäufer, der Konsument und die

Alles über Refiller und Event-Daten www.refiller.ch Unpackaged in London www.beunpackaged.com Partner www.euforia.ch

Fotos: Verein Refiller

3


Umwelt. Letztere hat es bitter nötig – allein die Schweiz produziert jährlich mehr als 260000 Tonnen Haushaltabfall. Das ist pro Person ein Kilo täglich. Aber nicht nur der Abfall, auch der Ressourcenverbrauch ist ein Problem. «Es ist einfach verrückt, wie viel Energie es braucht, um umweltfreundliches Mineralwasser aus Einwegflaschen zu trinken. Hahnenwasser ist bis zu tausend Mal ökologischer», sagt Almeida. Natürlich macht das Ganze nur dann Sinn, wenn man den Mehrwegbehälter oft benutzt. Nach dem zehnten bis zwanzigsten Gebrauch reduziert sich der Energiebedarf für die Herstellung im Vergleich zu Wegwerfprodukten.

Die Refiller mahnen nicht mit dem Zeigefinger – nachfüllen soll stolz machen Die Refiller orientieren sich an der Theorie der Abfallhierarchie. Das heisst, sie setzen sich für Precycling ein. Also Abfall vermeiden, statt ihn zu verbrennen oder zu recyceln. Denn auch dieser Vorgang benötigt Energie; so braucht es zum Beispiel sehr hohe Temperaturen (1300 Grad), um Glas

einzuschmelzen. Dazu kommen die Transportwege im Lastwagen. «Wir sagen nicht, dass recyceln schlecht ist, wir wollen einfach einen noch besseren Weg aufzeigen!» Ein paar einfache Tipps helfen, überflüssigen Abfall zu vermeiden: 1. Mit gut verschliessbaren Lunchboxen oder Wärmebechern spart man nicht nur Verpackung, sondern auch Geld (Refiller bekommen bei ausgewählten Take-aways einen Rabatt). 2. Halten Sie Ausschau nach Produkten in wieder verwendbaren Behältern: Bier zum Beispiel gibt es in der ökologischen Mehrwegflasche oder aber als Einwegflasche. 3. Eine Lieblingstasse im Büro macht gute Laune und erspart Abfall. 4. Wer auf dem Markt einkauft und seine eigenen Taschen mitbringt, braucht keine Verpackungen. Zudem kommen Produkte vom Markt aus der Region und verursachen deshalb geringere Transportkosten und belasten die Umwelt weniger. In London gibt es bereits den Laden Unpackaged, der komplett auf Verpackungen verzichtet. Den Reis füllt man in seine mitgebrachten Boxen, das Gemüse verstaut man in den Jutesack, und die Eier transportiert man im wieder verwendbaren Karton – klingt doch ganz einfach!

so gehts!

Mehrweg statt Einweg! Refiller will einen neuen Lebensstil vermitteln und bietet auf der Homepage passende Behälter an. Dort findet man auch die Daten für spannende Refiller-Events wie den wöchentlichen Lunch-Treff in Zürich.


GRUEN WANDERN

Reisen im Fluss der Zeit

Bei einer Wanderung von Stein am Rhein nach Schaffhausen erzählen die Wege Geschichten. Via Storia hält die Erinnerungen daran lebendig.

Text: Lisa Merz Wie Hüter vergangener Zeiten säumen Klöster das Rheinufer zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen. Seit dem Mittelalter verweilen sie an bester Lage direkt am Fluss. Diesen Logenplatz haben sie dem Rhein zu verdanken, er brachte Reichtum und lieferte auf einfachem Weg Steine, Sand und Holz für die riesigen Bauten. Der Fluss war bis ins Eisenbahnzeitalter ein wichtiger Verkehrsweg. Die Entdeckungsreise beginnt in Stein am Rhein. Am Eingang des Städtchens steht seit 1007 das Kloster St. Georgen, das heute ein Museum ist. Kaum ist

man durch den steinernen Rundbogen in den Innenhof getreten, wähnt man sich im Mittelalter. Ist da eben ein BenediktinerMönch durch die niedrige Holztür verschwunden? Kein Wunder, täuscht einen die Wahrnehmung, ist doch das Kloster eine der am besten erhaltenen Anlagen der Schweiz aus dieser Zeit.

Als Transportweg liess der Rhein Städte erblühen Im Städtchen erzählen die reichen Fassadenmalereien von der Handelszeit. Stein am Rhein lag an einem strategisch wichtigen Punkt: am Ausfluss des Untersees. Dort mussten die Güter von den grossen Bodenseeschiffen auf Flussschiffe umgeladen werden. Auch die etlichen Zölle auf Salz, Pfeffer und Getreide füllten die Stadtkasse. Salz gehörte zu der meisttransportierten Ware. Es kam aus den Salinen in Bayern

und Tirol zum Bodensee und wurde auf dem Rhein bis nach Schaffhausen gebracht. Auch Personen wurden auf den Rheinschiffen transportiert. Vor allem die Messen und Jahrmärkte lockten. So auch im Jahr 1527, als 200 Schaffhauser bei Diessenhofen die Chilbi besuchten und bei der Rückkehr dermassen betrunken waren, dass sie ein Schiff umstiessen und mit Frauen und Kindern im Rhein baden gingen. Da scheint es zu Fuss sicherer zu sein. Vorbei an der ehemaligen Probstei in Wagenhausen, passiert man Rheinklingen und erblickt nach einem Marsch auf Uferwegen bald die Rheinbrücke in Diessenhofen. Leider gibt es das Winkhaus nicht mehr – früher wurden von der Brückenmitte aus einem kleinen Fenster die Güterschiffe eingewiesen. Dafür hat man von der gedeckten Holzbrücke noch immer den gleich schönen Ausblick wie im

1 1 Das Städtchen Diessenhofen lädt in der Streckenmitte auf eine Pause ein. 2 Im Naturschutzgebiet Schaarenwald gibts historische Befestigungsanlagen. 3 Früher wurden Fässer und Kisten vor Stein am Rhein auf Frachtschiffe umgeladen. Der Künstler Johann J. Biedermann hielt die Szene um 1805 fest.

Fotos: HO, Cornel Doswald / Via Storia, Schweizerische Nationalbibliothek / Graphische Sammlung, Infografik: Nigel Simmonds

HIER GEHTS LANG ROUTE UND INFOS Schaffhausen

Bad Zurzach Laufenburg Rheinfelden Basel Altstadt

0

Ellikon Eglisau

Kreuzlingen Berlingen

Zürich

15 km

Schaffhausen

90

Stein am Rhein

Diessenhofen

Alt Paradies Schaarenwald Stein am Rhein Wagenhausen 0 1 2 3 km

ROUTE Der Kulturwanderweg beginnt am Bahnhof Stein am Rhein und folgt auf dem Rheinuferweg einem der unberührtesten Abschnitte des Flusses. Die Strecke verläuft weitgehend über (teilweise unbefestigte) Pfade und geschotterte Feldwege. Bei Alt Paradies setzt man mit der Fähre (April–Oktober) über den Fluss und nimmt am Nordufer den direkten Weg nach Schaffhausen. FÜR DEN HUNGER Auf der ganzen Strecke gibt es Feuerstellen, Restaurants und Badis. INFOS 22 Kilometer, 5½ Stunden. Eignet sich auch für Familien. Wer möchte, kann die Wanderung jederzeit mit Schiff oder Zug abkürzen.

2

Wanderroute www.kulturwege-schweiz.ch ViaStoria www.viastoria.ch Öffnungszeiten Klöster: St. Georgen www.steinamrhein.ch


4 fragen an Hanspeter Schneider

13. Jahrhundert, als hier vermut­ lich zum ersten Mal eine Brücke gebaut wurde. Wer genau hin­ sieht, entdeckt am linken Ufer ganz hinten das Kloster St. Katha­ rinental. Dort blieb den Nonnen die Aussicht auf den Rhein aber verwehrt – das Treiben auf dem

3

Fluss lenke von der Klausur ab, fand die damalige Priorin. Deshalb liess sie 1714 das alte Kloster abreissen und erbaute trotz Geldmangel eine Anlage ganz nach ihrem Geschmack. Die Ordensschwestern hatten danach keinen Kontakt mehr zur

Aussenwelt. Als Entschädigung bekamen sie eine wunderschöne Klosterkirche, die man noch heu­ te besichtigen kann. Rheinabwärts, beim ehemaligen Kloster Paradies, bringt einen Roland Walter mit seiner Fähre von April bis Oktober auf die deutsche Seite des Flusses. Von dort geht es auf der Rheinpro­ menade bis nach Schaffhausen. Auch diese Stadt verdankt ihren Reichtum dem einstigen Handel auf dem Rhein und ihrer guten Lage. Um den unpassierbaren Rheinfall zu umgehen, mussten die Güter umgeladen werden und ein kurzes Stück auf Wagen zurücklegen. Als Mitte des 19. Jahrhunderts die Eisenbahn den Gütertrans­ port übernahm, verloren die Schiffer ihre Arbeit. Trotzdem, auch heute fahren noch etliche Schiffe zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen. Zu den Kurs­ schiffen gesellen sich im Sommer Gummiboote und traditionelle Weidlinge, die gemütlich neben­ einander hergondeln.

grUen: Herr Schneider, wie unterscheiden sich die Kulturwege von gewöhn­ lichen Wanderwegen? Sie haben eine Geschichte. Via Storia versucht die Bedeutung von historischen Verkehrswegen wieder aufleben zu lassen. Sobald diese in Zusammenhang mit einer Stadt oder einer Siedlung stehen, lernt man die Landschaft neu kennen. Hat das auch einen positiven einfluss auf die natur? Sicher, was man kennt, das schätzt man auch. Zudem steht bei uns der langsame Verkehr im Mittelpunkt. Vor dreissig Jahren sollten Sie die historischen Verkehrswege im auftrag des Bundes archivieren. Jetzt sind die Wege für alle zugänglich. Wieso? Wir können die Wege am besten schützen, wenn wir sie nützen. Zudem ist auch das Interesse der Bevölkerung sehr gross. Woran erkennen Sie das genau? Unsere mehrtägigen Angebote werden immer besser gebucht. Wir spüren auch, dass sich die Menschen wieder mehr einen Bezug zur Region wünschen und sie das Bedürfnis nach Ursprünglichkeit haben. Hanspeter Schneider, 58, Geschäftsführer von Via Storia aus Burgdorf BE, beschäftigt sich seit dreissig Jahren mit historischen Verkehrswegen.

St. Katharinental www.denkmalpflege.tg.ch Kloster Paradies www.klostergutparadies.ch fähre www.faehre-paradies.ch

91


GRUEN AUTO

«ICH FAHRE GRUEN»

„Unsere Familie war wohl e grüne Familie der ersten S t FACTS & FIGURES FIAT 500C ERDGAS TURBO Antrieb 0,9-Liter-Zweizylinder, 85 PS, 145 Nm ab 1900/min Leistung 0–100 km/h in 11,5 s, Spitze 173 km/h Verbrauch 2,9 kg/100 km bzw. 4,2 l/100 km, CO2 71/92 g/km, Energieeffizienz A; Reichweite 1000 km Masse Länge 4,55 m, Breite 1,63 m, Höhe 1,49 m, Kofferraum 185 Liter Preis ab CHF 30400.–

92

Mit ihrem Fiat 500 Erdgas setzt sich Yangzom Brauen, 31, stilvoll für die Umwelt ein. Doch auch für Tibet zeigt die Schauspielerin viel Engagement.

Text: Jürg A. Stettler Fotos: Dan Cermak Die Schweizerin mit tibetischen Wurzeln wird am 18. April 1980 als Tochter eines Schweizer Ethnologen und einer tibetischen Künstlerin geboren. Sie wächst in Bern auf, wo sie die Schauspielschule besucht. Nach ersten Rollen beim Schweizer Fernsehen

klopft sie 2005 in Hollywood an. Brauen spielt an der Seite von Charlize Theron in «Æon Flux». Nach diversen Film- und TV-Rollen, unter anderen in «Cargo», präsentiert Brauen 2009 mit «Eisenvogel» ihr erstes Buch. Die Geschichte von drei Generationen Tibeterinnen wird in der Schweiz und Deutschland zum Bestseller. Neben der Umwelt setzt sich die 31-Jährige auch immer wieder für die Befreiung Tibets ein und sass deshalb gar während einer Nacht in einem Moskauer Gefängnis. GRUEN: Sie fahren einen besonders sparsamen Erdgas-Fiat und haben dennoch MS-Sportfelgen aufgezogen. Passt das?

Verein Tibeter Jugend in Europa www.vtje.org Erdgasautos www.erdgasfahren.ch Fiat www.fiat.ch Erdgas als Energieträger


SBB erhalten. Mit Tram und Zug unterwegs zu sein, ist in der Schweiz problemlos möglich. Auch für längere Strecken nutze ich gern den Zug.

„Dank Erdgas/ Biogas fahre ich klimaschonend und erst noch rund 30 Prozent günstiger als mit herkömmlichem Benzin.“ Kürzlich bin ich nach St. Moritz gefahren und war erstaunt, wie behände der Fiat die Steigung erklomm. Zudem kann man ihn dank seiner geringen Länge überall parkieren – echt cool!

eine S tunde“ Ja, ich fahre gern sportlich. Das ist mit meinem TwinAir-Turbo durchaus möglich, und dazu passen die Felgen perfekt. Wieso fahren Sie ausgerechnet ein Erdgas-Auto? Wir sind so fortschrittlich und können Roboter bauen oder Tiere klonen. Doch für die Umwelt tun wir noch zu wenig. Mein erster Schritt war der Umstieg auf ein Erdgasauto. Dank Erdgas/Biogas fahre ich klimaschonend und erst noch rund dreissig Prozent günstiger als mit Benzin. Verzichten muss ich dennoch auf nichts, denn mein kleines Cabrio ist flink, agil und sportlich. Trotz lediglich 85 PS?

Und Erdgas tanken ist kein Problem? Inzwischen gibt es über 130 Gas-Tankstellen in der Schweiz. Das ist mehr als ausreichend. Zudem reichen mir die zehn Kilo Erdgas locker für 300 Kilometer, und dann habe ich immer noch Benzin für weitere 700 Kilometer an Bord. Weil ich so hohe Reichweiten gewohnt bin, vergesse ich manchmal fast zu tanken.

Und wie sieht es in Los Angeles aus? Ohne Auto geht es in L.A. fast nicht, da der öffentliche Verkehr sehr schlecht ausgebaut ist. Inzwischen bin ich öfter mit dem Velo unterwegs. Echt praktisch dabei: die speziellen Veloträger am Heck der Linienbusse, falls man nicht die ganze Strecke strampeln mag. Ich habe mir auch schon überlegt, den Fiat mit nach Amerika zu nehmen. Schliesslich kann ich den Wagen ja zur Not auch bloss mit Benzin fahren und verbrauche immer noch weniger Sprit als die meisten Autos in den USA. Als Schauspielerin und Autorin sind Sie viel unterwegs. Auch oft im Flugzeug … Klar ist Fliegen nicht gerade nachhaltig. Daher versuche ich – obwohl ich ein Familienmensch bin –, meine Flüge auf ein Minimum zu reduzieren. Gewisse Termine lassen sich ja kombinieren, damit man nicht sinnlos CO2 ausstösst. Zudem hat Skype den visuellen Austausch mit meiner Familie auch ohne Reisen massiv vereinfacht. Was muss sich betreffend alternativen Energien noch ändern? Gewisse Anreize des Staates, wie Erdund Biogas zu verbilligen, wären hilfreich. Zudem würden die alternativen Technologien durch eine weitere Verbreitung günstiger, was diese wiederum vorantreiben würde. Ich wünschte mir ausserdem, dass Wind- und Sonnenenergie besser genutzt werden. In L.A. ist es beispielsweise bei Neubauten obligatorisch, einen gewissen Prozentsatz an Sonnenkollektoren zu verbauen. So was sollte auch in der Schweiz möglich sein.

Lebten Sie schon immer so nachhaltig? Mein Bruder Taschi und ich sind so aufgewachsen. Ich habe einst Birkenstock getragen und bin im Reformhaus einkaufen gegangen. Wurde man vor zehn Jahren dafür noch etwas schief angeschaut, ist es inzwischen sogar ‹fashionable›. Unsere Familie war wohl eine grüne Familie der ersten Stunde. Wir haben schon vor über zwanzig Jahren Abfall getrennt, Produkte WEGE KOMBINIEREN aus der Region bevorzugt Am meisten Sprit braucht sowie Wasser und Strom der Motor, wenn er kalt gespart. ist und nie auf Betriebstemperatur kommt. Bei KurzKlingt sehr vorbildlich … strecken ist ein Verbrauch Als wir vom Dorf in die von bis zu 30 l/100 km mögStadt zogen, haben wir gar lich! Auch warmlaufen lassen unseren Familienwagen bringt nichts und ist gar verkauft. Dafür hat die verboten. Daher viele Wege ganze Familie ein GA der mit einer Fahrt erledigen.

GRUEN FAHRTIPP

Sie setzen sich nicht nur für nachhaltige Ressourcennutzung ein, sondern auch für Tibet … Meine Grossmutter musste einst aus Tibet fliehen. Ich wünsche mir eine reale Autonomie, sodass wir als Volk unsere Kultur leben und der Dalai Lama aus dem Exil zurückkehren kann. Ich war mit sechs Jahren zum ersten und bislang letzten Mal in Tibet und möchte irgendwann in ein freies Tibet zurück.

www.erdgas.ch Tibet www.tibetconnection.org Yangzom Brauen www.yangzombrauen.com Dalai Lama www.dalailama.com

93


GRUEN AUTO

Kein Mauerblümchen

VW JETTA HYBRID Der VW Jetta ist in Amerika ein Verkaufsschlager. Bei uns ist der Stufenheck-Golf aber selten zu sehen, dabei gefällt der solide Arbeiter mit viel Platz und gutem Komfort. Seine Beliebtheit dürfte ab 2013 vielleicht steigen, dann fährt der Jetta auch in der Schweiz als Hybrid-Variante vor. Sie kombiniert einen spritzigen 1,4-Liter-TSi-Benziner (150 PS) mit einem 27-PS-E-Motor. Und trotz Sprintvermögen (0–100 km/h in unter 9 s) gibt sich der VW mit 5,2 l/100 km zufrieden. Clever: Auf Knopfdruck lässt sich der Hybrid-VW auch rein elektrisch fahren – und zwar bis 70 km/h schnell und bis zu zwei Kilometer weit. www.volkswagen.ch

INTELLIGENTER ENERGIEKREIS MAZDA TAKERI Unter der aufregenden Karosserie des Takeri verbirgt sich eine technische Weltpremiere. Die elegante Studie ist mit dem regenerativen Bremssystem i-ELoop ausgerüstet: ein System, das mit Kondensator-Speichertechnik statt Batterien arbeitet und so ein schnelles Speichern und Entladen der Energie ohne Kapazitätsverlust erlaubt. i-ELoop soll im Stadtverkehr eine Spriteinsparung von bis zu zehn Prozent ermöglichen. www.mazda.ch

DER KOREANER ELEKTRISIERT KIA RAY EV Kia stellt mit dem Ray EV sein erstes Serien-Elektroauto vor. Zu kaufen vorerst leider nur in Korea. Schade, denn die coole, 3,59 Meter kurze Elektro-Kiste würde sich auch für den Kurzstreckeneinsatz bei uns gut machen. Ein 68-PS-Elektromotor mit 167 Newtonmetern sorgt für den nötigen Schub. Eine Lithium-IonenPolymer-Batterie speichert Saft für maximal 139 Kilometer Reichweite. www.kia.ch

VORTEILE DANK FRED ER-FAHREN

Der knuffige Eisbär Fred hilft als clevere Mobilitäts-App beim umweltbewussten Autofahren. Erspielte Punkte können in den M-Way-Shops gegen Rabatte und Preise eingelöst werden. www.m-way.ch

PLUG-IN-HYBRID VOLVO XC60 Mit dem XC60 als BenzinPlug-in-Hybrid zeigten die Schweden Anfang Jahr in Detroit einen zugleich aufregenden wie sparsamen Crossover – Werksverbrauch der Studie: 2,3 l/100 km. Noch eine Spur sparsamer ist der V60 mit Diesel-Plug-in-Hybrid-Technik. Der ab November 2012 erhältliche Kombi soll mit 1,9 l/100 km auskommen. Zu kaufen ist der nur beim Sprit knausrige Volvo ab 78600 Franken. www.volvocars.ch

94

Infos zur Elektromobilität www.forum-elektromobilitaet.ch Wissenswertes zum Kondensator de.wikipedia.org/wiki/Kondensator

Fotos: zvg

SPARSAME CROSSOVER-STUDIE


PEUGOT 3008 HYBRID4 Optisch ist der Crossover von Peugeot kein Unbekannter, dennoch ist der 3008 Hybrid4 etwas Besonderes. Denn der Franzose ist der erste Serien-Hybrid, der einen Elektroantrieb mit einem sparsameren Diesel- statt einem Benzinaggregat verbindet. Unter der Haube arbeitet an der Vorderachse ein 2,0-LiterTurbodiesel mit 163 PS, gekoppelt mit einem 37-PS-Elektromotor an der Hinterachse. Spannend: Eine mechanische Verbindung zwischen den Achsen gibt es nicht, dennoch wirkt das Zusammenspiel der beiden sehr stimmig. Einzig das Motor-Schleppmoment ist sehr gut spürbar, sobald man vom Gas geht. Das ist gewollt von Peugeot, aber anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Mit sanftem Gas schafft man im 3008 übrigens fast 70 km/h rein elektrisch, bis der Selbstzünder anspringt. Tritt man das Pedal dagegen voll durch, kann der Hybrid-Löwe dank 500 Nm durchaus vehement losstürmen. Von 0 auf 100 km/h gehts in respektablen 8,5 Sekunden. Viel wichtiger: Der Franzose schafft dank seiner ausgeklügelten Technik einen Werksverbrauch von lediglich 3,8 l/ 100 km. Damit knackt er mit nur 99 g/km CO2-Ausstoss die magische Emissionsgrenze von 100 g/km – Chapeau! Erstaunlich, dass

Die Karosse mit den markanten LED-Leuchten. Ein E-Motor an der Hinterachse macht den Peugeot 3008 Hybrid4 nicht nur sparsam, sondern gleichzeitig auch zum 4 × 4.

Clevere Kombination man dem Peugeot 3008 Hybrid4 beim Fahrverhalten das Mehrgewicht der innovativen Technik von rund 100 Kilo kaum anmerkt, fährt er sich doch sehr komfortabel. Hübsch gemacht ist auch das Cockpit mit dem Display, das über den aktuellen Kraftfluss oder den Ladezustand des Nickel-Metall-HybridAkkus Auskunft gibt. Praktisch der Drehknopf, über den man zwischen den einzelnen Fahrmodi wählen kann – von ZEV für Sparsame über 4WD für Traktionsbewusste bis hin zu Sport für die, die gern etwas zügiger unterwegs sind. www.peugot.ch

FACTS & FIGURES PEUGEOT 3008 HYBRID4 Antrieb Hybridantrieb: 2,0-Liter-Diesel (163 PS), E-Motor (37 PS) Leistung 0–100 km/h in 8,5 s; Spitze 191 km/h Verbrauch 3,8 l/100 km; CO2 99 g/km; Energieeffizienz A Masse (L×B×H) 4,37 m, 1,84 m, 1,64 m; Kofferraum 420–1501 Liter Preis ab CHF 46500.–


GRUEN SHOPPING

Die grüne Shoppingliste Am Morgen zwitschern die Vögel wieder, grüne Blättchen spriessen – sei willkommen, Frühling! In die Küche gehören nun frische Kräuter. Das Leben wird leichter und bunter. Redaktion: Barbara Halter

2

3

FEIN AUFGEROLLT

SONNENGRUSS ÜBEN

DELIKATESSE AUS DER SCHWEIZ

4

5

6

GEHÖRT AUFS KÜCHENFENSTER

EINE REICHT NIE

FÜR DIE KLEINEN

7

8

9

SAUBERE TELLER

BRINGT FARBE AUF DEN TISCH

FAIRE-SOCKEN-ABO

Passen wunderbar zu Bärlauch-Pesto: Tagliatelle von Bio Natur plus aus Hartweizengriess. Bei Manor Food, 375g CHF 3.50

Frische Kräuter werten jedes Gericht auf: Rosmarin im Topf aus biologischem Anbau. Von Coop Oecoplan, CHF 4.90

Ecover-Geschirrspülmittel mit Zitrone und Aloe vera. Vollständig biologisch abbaubar, schont die Haut. Im Bio-Geschäft, 1 l CHF 7.70

96

Yogamatte «Encore» aus recyceltem Gummi. Gibt perfekten Halt und Dämpfung. 5mm dick, www.jadeyoga.ch CHF 91.50

Bio-Mandeln, umhüllt mit dunkler Schokolade. Durch den Kauf werden Kleinbauern in Palästina unterstützt. www.pakka.ch CHF 11.90

Tischset «Zacapa» aus Baumwollstoff aus Guatemala, maschinenwaschbar bis 40 Grad. 42×32cm. www.helvetas.ch, 2er-Set CHF 29.–

Kalt gepresstes Baumnussöl von Slow Food, fördert die Anpflanzung von Nussbäumen. Erhältlich bei Coop, 1dl CHF 10.90

Bio-Getreideriegel Farmer Junior BananeApfel aus Vollkorn-Haferflocken. Ohne Zuckerzusatz. Migros, 6 Riegel CHF 3.80

Blacksocks liefert auch Socken aus fairer BioBaumwolle. Urban Comfort, Schnupperpaket mit 3 Paar, www.blacksocks.com CHF 54.–

Einkaufen www.migros.ch www.coop.ch www.manor.ch www.globus.ch www.ecover.com www.kneipp.de www.toms.com www.alois

Fotos: Paul Seewer, zvg

1


10

SÜSSER START IN DEN TAG

Mit einem Stück Brot, dick bestrichen mit der neuen Bio-Erdbeerkonfitüre von der Migros. 350g CHF 3.70

13

IM KOPF VERREISEN

Von Wien bis Aspen: Bildband «Green Hotels» mit über 100 Reisezielen für nachhaltige Erholung. Brandstätter, CHF 30.50

16

REINSCHLÜPFEN

Stoffschuhe von Toms mit stabiler Gummisohle und lederner Innensohle, in den Grössen 36 bis 46 erhältlich. rrrevolve.ch CHF 89.–

18

EIN SÜDTIROLER

Beta Delta Chardonnay von Alois Lageder, aus biodynamischem Weinbau. Zu Fisch oder Geflügel. www.bindellaweine.ch CHF 21.–

11

SCHLING MICH UM DEN HALS

Bunter Handwebschal aus 100 Prozent Leinen, in drei verschiedenen Varianten erhältlich. www.vivanda.ch, 55×180cm CHF 89.90

14

SCHÖN ORDENTLICH

Wäschesack mit Gestell aus FSC-Buche, hergestellt in einer geschützten Werkstatt in Bern. www.faircustomer.ch CHF 113.–

17

RIECHT NACH GRAPEFRUIT

Das Bio-Öl von Kneipp regt den Hautstoffwechsel an, schützt vor Feuchtigkeitsverlust. Mit NaTrue-Label, Migros, 100 ml CHF 13.80

19

VOYAGE, VOYAGE

Bringt die Welt ins Wohnzimmer: Kissenbezug mit Druck von alten Landkarten, aus BioBaumwolle. Bei Globus, 40×40cm CHF 27.90

12

ALADIN, DIE RECYCLING-LAMPE

Kleine Laterne aus alten Blechdosen, in Indien hergestellt, mit Hängevorrichtung. Bei Globus, CHF 12.90

15

INS MÜESLI MISCHEN

Enthalten viel Vitamin E und ungesättigte Fettsäuren: Cashewnüsse Bio Fairtrade von Coop, 100 g CHF 3.20

20

LIEBE GRÜSSE VOM FRÜHLING Wer freut sich nicht, wenn wieder mal eine Karte im Briefkasten liegt? Besonders, wenn sie so hübsch ist wie die des Designerinnen-Duos Younikat. Produziert werden die Karten mit frühlingshaften Tiermotiven in der Jobfactory Basel, einem Unternehmen, das Jugendlichen zu besseren Chancen auf dem Lehrstellenmarkt verhilft und sie in die Arbeitswelt integriert. 5-teilige Postkartenserie mit Affe, Hase, Vogel und Co. auf silbernem Papier. Format A6 mit abgerundeten Ecken, CHF 15.–. www.younikat.com/shop

lageder.eu www.cbv.at www.jobfactory.ch Labels www.natrue.org www.maxhavelaar.ch www.slowfood.ch www.fsc-schweiz.ch

97


GRUEN

Impressum Leitung GRUEN /Verlagsdirektor Urs Heller Mitglied der Chefredaktion Stephan Sutter Redaktion Barbara Halter (Leitung) Monique Ryser

ANITA LEHMEIER

Mitarbeit Edith Arnold, Karin Anna Biedert, Sylvie Kempa, Kristina Köhler, Anita Lehmeier, Nina Lienhard, Oskar Marti, Lisa Merz, Peter Ruch, Jürg A. Stettler, Judith Wyder

DIE GRUEN-KOLUMNE

Das Mantra des Pendlers

98

Grafik / Produktion Fabienne Rodel (Leitung / Layout) Mathias Bader (Infografik) Doris Wüthrich (Satztechnik) Design Beling Thoenen Design Korrektorat Marco Morgenthaler, Irène Müller, Susan Winkler Verlag der Ringier-Zeitschriften Dufourstrasse 23, 8008 Zürich Telefon 044 259 61 11 Fax 044 259 68 44 gruen@schweizer-illustrierte.ch

„Der einzige Vorteil der Blechkiste gegenüber dem Zug: Man darf rauchen!“ allein am Home Office Day 2011, eine irre Menge für einen Tag. Würde man den Heimbürotag nicht nur jährlich, sondern gar monatlich durchführen, ergäbe das 110 376 Tonnen des Treibhausgases, die nicht in Luft und Lungen gelangten. Eine wöchentliche Durchführung ersparte der Umwelt gar 478 296 Tonnen von dem Dreckzeug. Ein erdrückendes und schwer zu widerlegendes Argument. Bedenken von Bossen und Brötligebern, dass Heimarbeiter statt brav büezen nur blaumachen, zeugen von unbegründetem Misstrauen. Wir Schweizer sind so fleissige und loyale Arbeitnehmer, dass wir uns auch einreden lassen, sechs Wochen Ferien für alle wären unser Untergang.

Zu Hause arbeiten www.homeofficeday.ch Staumeldungen www.viasuisse.ch

Marketing Verena Baumann Druck Swissprinters AG 4800 Zofingen Telefon 058 787 30 00 Papier Inhalt: Furioso matt, FSC-zertifiziert, 80 g/m2 Umschlag: WFC, matt gestrichen FSC-Mix, 200 g/m2

Foto: Christian Hug

Die einen gehen für die morgendliche Wellness joggen, die andern machen den Sonnengruss. Mein Wohlfühlprogramm: zwei Minuten rituelles Radiohören, nach Nachrichten und Wetter. Dann nämlich folgt das Mantra der Staumeldungen, die Litanei des Stockens, Schleichens und Stehens vor dem Gubrist, beim Milchbuck, zwischen Härkingen und Effretikon, von Brüttisellen bis Blegi und so weiter. Als ÖV-Pendlerin staune ich täglich über dieses ewig gleiche «rien ne va plus» auf unseren Strassen. Wie kann man da nur Tag für Tag freiwillig mitmachen, Jahr für Jahr noch hartnäckigere Verstopfung stoisch erdulden? Wo doch die Alternative, der Schienenweg, weltmeisterlich pünktlich, zuverlässig, sicher und staufrei ist! Ausserdem kann man im Zug Zeitung lesen, plaudern, die galoppierende Verbetonierung unseres Landes studieren, käfele oder dösen. Der einzige Vorteil, der die private Blechkiste gegenüber dem Zug bietet: Man darf rauchen. Zugpendler müssen ihrer Sucht auf tristen Perrons im Freien frönen – eine üble Sache, sehr stillos. Liebe SBB, wenn ihr aus einer zufriedenen Kundin eine glückliche machen wollt, dann richtet doch wieder ein paar Raucherabteile ein. Ob dieses Angebot allerdings viele Pendler von der Strasse auf die Schiene bringen würde, bezweifle ich. Die meisten Automobilisten nehmen doch Stau so stoisch hin wie schlechtes Wetter, scheussliche Musik am Radio oder Fusspilz. Ich jedenfalls bin allen dankbar, die den Stellungskrieg im Asphaltdschungel freiwillig auf sich nehmen. Würden diese Individual-Verkehrer alle umsteigen und auch noch zum Zug kommen wollen – guet Nacht! Eine formidable Massnahme,

Bildredaktion Susanne Märki (Leitung) Geraldine Haas

die täglichen Völkerverschiebungen auf Schiene und Strasse einzudämmen, scheint mir die Idee des Home Office Day. Statt ins Büro zu fahren, arbeitet man einen Tag zu Hause. Technik sei Dank stellt das in vielen Branchen und Jobs kein Problem dar. Mailen, telefonieren, Excel-Listen schreiben, selbst konferieren kann man daheim ebenso gut wie im Büro. Ein dritter Testlauf für den Home Office Day startet am 10. Mai. Die Initianten versprechen dem Einzelnen mehr Lebensqualität und der Allgemeinheit weniger Verkehr und damit weniger Schadstoffe. Konkret reden sie von 9198 Tonnen CO2

SI-GRUEN_2012_01  

People- und Lifestyle-Magazin

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you