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GRUEN

Schweizer Illustrierte GRUEN #3/2011

#3 8. August 2011 www.si-gruen.ch CHF 7.–

100% Grün. 100% Lifestyle.

CAROLINE CHEVIN „Wasserverschwendung ärgert mich” Prinz Charles «Ich verteidige die Natur»

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Luftiges für heisse Tage: 8 Seiten Mode


GRUEN Fotos: Stephan Rappo (2), Esther Herzog

EDITORIAL ZWEI LADYS UND EIN PRINZ Sie hat eine Hammerstimme – und das nicht nur auf der Bühne. Die Luzerner Sängerin Caroline Chevin, 37, kann auch mal privat laut werden, wenn ihr etwas nicht passt. Zum Beispiel beim Thema Verschwendung. «Ich persönlich achte sehr auf den Wasserverbrauch – ich kann es nicht ausstehen, wenn etwa in der Küche der Hahnen einfach so läuft. Darauf reagiere ich allergisch.» Die erfolgreiche Soul-Stimme («What You See Is What You Get») sagt klipp und klar, was für sie geht und was nicht. «Wenn ich einen Raum verlasse, so lösche ich das Licht!» Und: «Natürlich habe ich Elektrogeräte. Ich stecke die Dinger aber immer aus, wenn ich sie nicht brauche. Stand-by verbraucht auch Strom.» Caroline Chevin zeigt sich aber auch einsichtig. «Früher dachte ich, Ferien in der Schweiz seien nur etwas für Pensionierte. Da habe ich mich gründlich getäuscht.» Das Interview ab Seite 18. Sie war Bio-Bäuerin und Pferdetherapeutin in Reitnau, ehe sie 2008 als erste Grüne den Einzug in die Regierung des «Atom-Kantons» Aargau

schaffte: Susanne Hochuli, 45. Mit ihrer Arbeit beweist sie, dass für sie grüne Politik mehr ist als ein «Nein zur Atomkraft». «Ich habe die Grünen nie als Ein-Themen-Partei erlebt. Wichtig ist uns die Nachhaltigkeit und die Schonung der Ressourcen. Das gilt für alles, nicht nur für die Atomkraft.» Klare Worte. So deutlich äussert sie auch ihr Bekenntnis zur Schweiz: «Ich gehe nie im Ausland einkaufen, weil ich es schätze, dass unsere Bäuerinnen und Bauern Mehrarbeit in Kauf nehmen, um umwelt- und tiergerecht zu produzieren.» GRUENRedaktorin Monique Ryser hat Susanne Hochuli auf ihrem Hof besucht. Seite 38. Journalist Bob Colacello hat erreicht, was nur wenige schaffen: einen InterviewTermin bei Prinz Charles, 62. Der ewige Thronfolger öffnete die Türen zu seinem Landsitz Highgrove in Gloucestershire. Seinen weitläufigen Garten, Heimat von gefährdeten Blumen, Pflanzen und Bäumen, hat der Hausherr selbst angelegt. Der Blaublüter verriet dem Gast, weshalb er sich für die Umwelt engagiert: «Ich

BUNTE TRUPPE MIT VIEL HUMOR

Sie sind wohl die schrägste Wandergruppe der Schweiz: «Müller wandert». In der Dolderbahn wird ein Flashmob veranstaltet und lauthals gesungen (oben). Autorin Marysia Morkowska (kleines Bild ganz rechts) hat die «Müllers» einen Tag lang begleitet – und mutig mitgesungen. Seite 56.

denke an unsere Nachfolger. Und da bin ich der absolute Verteidiger der Natur. Punkt. Damit werde ich mich während des Rests meines Lebens auseinandersetzen und dafür kämpfen.» Warum setzt sich Charles so ein? Die Antwort: «Weil es mir wichtig ist. Wenn es mir nicht wichtig wäre, würde ich es lassen. Aber warum hängt mein Herz an so vielem? Ich weiss es nicht. Vermutlich ist es angeboren.» Der Blick in den royalen Garten ab Seite 26. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen mit SI GRUEN! Stephan Sutter Mitglied der Chefredaktion

Stephan Sutter: „Prinz Charles? Ein grüner Kämpfer!“

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GRUEN

GRUEN Schweizer Illustrierte

#3/2011

2011 #3 8. August

www.si-gruen.ch

CHF 7.–

100% Grün. e. 100% Lifestyl

CAROLINE CHEVIN „Wasser- dung verschwen ” ärgert mich Prinz Charles die Natur» «Ich verteidige

COVER

Foto: Sarah Maurer Styling: Kathrin Eckhardt Hair- und Make-up: Patrick Kaestli Outfit: Hut Inverni, bei Eclectic, Kleid IRO, bei Fidelio 2

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Luftiges für heisse Tage: 8 Seiten Mode

Starter 10 Vivienne Westwood: Recycling-Mode 12 Bob Geldof: Der Sir singt bei uns 14 Info-Grafik: Reichtum Biodiversität

Storys 16 WWF-Footprint: Testen Sie sich! Wie grün ist Ihre Shopping-Liste wirklich? 18 Caroline Chevin: Die Sängerin über Garten-Ambitionen – und was sie ärgert 26 Prinz Charles: «Ich denke an unsere Nachfolger auf der Erde und kämpfe» 30 Südafrika: Ein Trip entlang der Garden Route, der auch Einheimischen nützt 38 Susanne Hochuli: Für sie ist grüne Politik mehr als «Nein zur Atomkraft» 44 Die GRUENE Liste: 20 Politiker, die mit Zack für ihre Wahl werben 50 Robert Baldinger: Der Bioforce-CEO erzählt seine Erfolgsgeschichte 56 «Müller wandert»: Die Truppe garniert ihre Trips mit humorvollen Happenings 64 Fashion: Ein spätsommerlicher Tag auf dem Land – mit viel Musse 75 Olivier Baussan: Der Gründer der Kosmetiklinie L’Occitane im Interview 76 Grüner Samstag: Eine gemütliche Shopping-Tour durch Schaffhausen 82 Daniel Rindisbacher: Der Koch fand sein grosses Glück fast am Ende der Welt

Money 92 Ich fahre GRUEN: Hilde Schwab und ihr umweltfreundlicher Nissan Leaf 96 GRUEN Shopping: Genuss ohne Verzicht – die neuen Highlights aus den Regalen


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GRUEN 3/11

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GRUENE LISTE Nationalratskandidaten, für die Grün nicht nur eine Farbe ist.

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PRINZ CHARLES Der Blaublüter zeigt sein grünes Garten-Paradies Highgrove.

Fotos: zvg, Mario Testino / Art Partner, Vanessa Püntener, Marc Wetli, Sarah Maurer, Stephan Rappo, Angelika Annen

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GRÜNER SAMSTAG Flanieren und gemütliches Einkaufen in Schaffhausen.

CAROLINE CHEVIN Die Sängerin erhebt ihre Stimme – auch für die Natur.

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SUSANNE HOCHULI Die fröhlichste Regierungsrätin der Schweiz.

«MÜLLER WANDERT» Die wohl schrägste Wandergruppe unterwegs.

FASHION Ein Tag auf dem Land – Luftiges für die ganz heissen Tage.

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GRUEN

TÜFTELN FÜR UNSER KLIMA Auf dem ersten Platz liegt momentan das Gerät Leaf, das Pflanzenblättern nachempfunden ist und mittels Sonnenenergie täglich 20 Liter Trinkwasser produziert. Siegerpotenzial haben auch alle anderen sechs Projekte, die beim Wettbewerb für nachhaltiges Design von Victorinox teilnehmen. Den Gewinner ermitteln die Besucher der Website. timetocare.victorinox.com

«Weniger kaufen, dafür gut auswählen», rät die britische Designerin Vivienne Westwood ihren Kunden.

Modisch umdenken

DEUTLICH GESAGT Schrill und punkig – so kennt man Vivienne Westwood, 70. Genauso unerschrocken, wie sie sich kleidet, äussert sie sich auch zur Modeindustrie: «Ich finde, man sollte weniger kaufen, dafür gut auswählen.» Sie selber habe natürlich das Glück, Kleider ihrer Kollektion auszuleihen. «Aber ich trage auch Sachen, die ich schon über zehn Jahre lang habe. Wenn ich etwas liebe, dann trage ich es immer wieder.» Für den kommenden Herbst und Winter hat Westwood bereits zum zweiten Mal eine Ethical Fashion Africa Collection entworfen. Die Taschen und Accessoires bestehen aus RecyclingMaterialien wie elektrischen Kabeln, Aluminium, alten Werbebannern, Safari-Zelten und Plastiktüten. Produziert wurden sie von Frauen in Nairobi, die dafür einen fairen Lohn und eine bessere Perspektive für ihre Zukunft erhalten. www.viviennewestwood.co.uk

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SCHAUT IN DEN WALD Es riecht nach Tannennadeln, Vögel zwitschern, und vielleicht huscht sogar ein Reh vorbei – was gibt es Schöneres als einen Waldspaziergang! Der Dokumentarfilm Das Geheimnis unseres Waldes unternimmt einen Streifzug durch den Wald. Er stellt Menschen vor, die hier arbeiten, und dokumentiert Natur und Tiere während der vier Jahreszeiten. Als Erzählstimme konnte Bruno Ganz gewonnen werden. Zu sehen in den OpenAir-Kinos der Schweiz. www.docmine.ch

„Man dreht an den Schrauben der Natur, um alles optimal zu machen.Aber wenn man zu viel herumschraubt, dann endet das in einer Katastrophe.“ Dieter Moor, Moderator und Bio-Bauer

Fotos: Eventpress, Docmine, A-Way

VIVIENNE WESTWOOD

WO FUCHS UND HASE LEBEN


Fotos: Eventpress, Docmine, A-Way


Zurück auf der Rockbühne

ALTMEISTER Er kommt – und singt! Man vergisst ja so leicht, dass Bob Geldof eigentlich Musiker ist. In den letzten Jahrzehnten fiel der Ire vor allem als AfrikaAktivist auf: 1985 organisierte er das weltweite Benefizkonzert «Live Aid», 2005 wiederholte er das Spektakel unter dem Namen «Live 8». Geldof setzte sich für den Schuldenerlass der Dritten Welt ein, wurde von der Queen zum Ritter geschlagen und in Oslo für den Friedensnobelpreis nominiert. Diesen Frühling erschien nun nach zehnjähriger Schaffenspause sein neues Album How to Compose Popular Songs That Will Sell. Ein «entspannt unaufgeregtes Alterswerk», lobt es ein Kritiker. Am 4. Oktober – just einen Tag vor seinem 60. Geburtstag – gibt Bob Geldof ein Konzert im Zürcher Kaufleuten. Tickets bei www.ticketcorner.ch

«Wann immer ein Kind hungert, klingelt mein Telefon.» Jetzt macht Bob Geldof wieder Musik und kommt für ein Konzert in die Schweiz.

SCHÖN UND SPARSAM Da soll noch jemand über Energiesparlampen schnöden: Das Designermodell Plumen sieht so gut aus, dass es bereits in die Dauerausstellung des MoMa in New York aufgenommen wurde. Damit die Lampe richtig gut wirkt, hängt man sie ohne Schirm auf. Sie benötigt 80 Prozent weniger Energie als eine herkömmliche Glühbirne und hält achtmal länger. CHF 38.–, bei www.rrrevolve.ch

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DANACH GIBTS MINESTRONE

DER LANDSCHAFT ZUHÖREN TOUR DE KULTUR Eine neue Velotour durchs Zürcher Unterland bringt einem die Landschaftsgeschichte der Region näher. Auf der 35 Kilometer langen Strecke informieren acht Tafeln über Themen wie Hochstammbäume, den Bau der Eisenbahn oder die Entwässerung des Unterlands. Dazu kann man sich per Smartphone je ein Interview mit einem Zeitzeugen oder einem Spezialisten anhören. Diese Hörbeiträge sowie eine Karte mit der Route findet man auf der Website von Tradikula. www.tradikula.ch

Der Kabis knistert, der Sellerie wird zum Bongo und das Rüebli zur Flöte: Das Wiener Vegetable Orchestra macht Musik mit Gemüseinstrumenten. Wie das tönt? Mehr nach Klub denn nach Schrebergarten: Die Gruppe spielt einen Mix aus harten Beats, House, Dub, Funk und Free Jazz. Als Zugabe wird Gemüsesuppe serviert. 22. und 23. August am Zürcher Theater Spektakel. www. vegetableorchestra.org

„Ich war eine der Ersten auf Bermuda, die sich um Solarenergie kümmerten. Es fühlt sich grossartig an, ohne schlechtes Gewissen den Wäschetrockner anzuschmeissen.“ Heather Nova, Sängerin

Fotos: Laif, zvg, Heidrun Henke, Keystone

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BOB GELDOF


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Unser unbezahlbarer Reichtum

Biodiversität bedeutet Arten, Gene, Ökosysteme. In der Schweiz sind 3000 Pflanzen- und 40000 Tierarten bekannt.Vielen wird der Lebensraum verbaut. Text: Edith Arnold / Infografik: Mathias Bader, Ringier Infographics

BIODIVERSITÄT Monotone oder abwechslungsreiche Landschaft? Normalerweise fliegen auch Menschen auf Vielfalt. Blumenwiesen, Wildbäche, verwunschene Wälder – eine vielseitige Natur ist attraktiver und belebter, resistenter gegen den Klimawandel. Doch Häuser, Strassen, Schienen durchwachsen das Land und isolieren Ökosysteme. Daniela Pauli, Leiterin des Forums Biodiversität Schweiz, wundert sich über das tiefe Niveau, mit dem man sich heute zufriedengibt: «Trotz beachtlichen Anstrengungen gelingt es kaum

einem Land, den Verlust der Biodiversität zu stoppen. Dabei ist sie unsere Lebensgrundlage und hat neben dem ökologischen einen unvorstellbaren ökonomischen Wert.» Mit jährlich 16000 bis 54 000 Milliarden Dollar werden die Dienstleistungen der Ökosysteme bewertet. Dass sich der Einsatz für Biodiversität lohnt, ist sich Costa Rica bewusst: Das Land entwickelt sich zu einem Reiseziel für Naturinteressierte. Um das Potenzial für die Zukunft zu bewahren, trägt man zu den Lebensräumen und Arten grösste Sorge.

Natur in Bedrängnis 1

Wie sich für die Biodiversität wichtige Lebensräume in der Schweiz allein seit 1900 verändert haben. Moore

Auen

Trockenwiesen

100 %

64 %

18% 5%

1900

2010

Mögliche Risiken der chemisch-technischen Landwirtschaft 2 Nitratauswaschung gestörtes Bodenleben Monokultur steigende Kosten zunehmende Produktion chemischer Mittel

Erosion, Windverfrachtung Verlust der Artenvielfalt Mittelstandsbetriebe sterben steigende Umweltverschmutzung

steigender Energieverbrauch

Abbau von Ressourcen

Interessen der Industrielobby

abhängige Landwirtschaft

NATURNAHE LANDWIRTSCHAFT 5714 der 60034 Bauernbetriebe in der Schweiz sind biologisch (Agrarbericht 2010). Sie beherbergen gemäss Forschungsinstitut für biologischen Landbau «30 Prozent mehr Arten und haben je nach Höhenlage 46 bis 72 Prozent mehr naturnahe Flächen». «Mit Vielfalt punkten» derzeit 14000 motivierte IP-Suisse-Landwirte. Über den ökologischen Leistungsnachweis hinaus legen sie beispielsweise für Reptilien und Insekten Steinhaufen an oder locken Feldbrüter auf Getreideinseln. Die individuellen Massnahmen erfolgen in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Sempach.

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Trinkwasserbelastung

Organischer Dünger 3

Monokulturen

Kurzfristiges Wachstum, langfristige Verarmung: Monokulturen sind Biodiversitätsvertilger.

Insektenhotel 4

organische Düngemittel fördern das Bodenleben aktivieren den Stoffwechsel, dadurch kräftige Wurzelentwicklung

gute Bodenstruktur

Pflanzengesundheit

Schutz vor Erosion

reiche Ernten von guter Qualität gesunde Nahrungsmittel Ökologische Elemente ziehen Nützlinge an. Kohle, Steinmehl und effektive Mikroorganismen bereichern den Boden zusätzlich.

hohle und markhaltige Zweigabschnitte von Brombeere, Holunder oder Bambus Ohrwurmquartier

Schilf- und Strohhalme

gestapelte Holzscheite und Totholz

Lehmfüllung mit Nistlöchern angebohrte Stamm- und Astabschnitte Gitterziegel mit hohlen und markhaltigen Pflanzenstängeln eingerollte Schilfmatten

Wände aus Holz

Die Arbeit von Honigbienen ist unbezahlbar. Auch Wildbienen sind gute Bestäuber und akut bedroht. In ausgeräumten Landschaften finden sie kaum Unterschlupf. Umso schneller summen sie um Insektenhotels herum.

Bio im Netz www.naturernteland.ch www.biodiversity.ch www.biodiversitymonitoring.ch www.wsl.ch www.fibl.org www.vogelwarte.ch


1 Obstgärten Äpfel, Aprikosen, Zwetschgen, Quitten, Kirschen, Pflaumen, Birnen, Indianerbananen u.a. Zwei Drittel Niederstämmer, kombiniert mit einem Drittel Hochstämmern, ergibt schnelle und nachhaltige Ernten. Erdbeeren Gemischt mit Zwiebeln und Knoblauch zur Bekämpfung von Pilzkrankheiten.

2 Gewächshäuser Tomaten, Basilikum, Peperoni, Rettich, Radieschen, Salat

Konservierungshecke Felsenbirne, Sanddorn, Hagebutte, Eberesche, Mispel, Haselnuss, Berberitze, Holunder, Heckenrose, Schwarzdorn u.a. Wildfrüchte, die vor dem Verzehr konserviert werden.

Schmetterlingswiese

Veilchenwiese

Blütenhecke Schneeball, Pfaffenhut u.a. Nahrung und Unterschlupf für Insekten und Vögel. 4 Teegarten Eisenkraut, Pfefferminze, Melisse, Lindenblüte u.a.

3 Hügelbeete Kürbis, Zucchetti, Gurken, Kohlrabi, Lauch, Kartoffeln

Meditationsplatz

Baumkreis nach keltischem Baumhoroskop

Johannisbeeren Weihnachtshecke Korkenzieherhasel, Stechpalme u.a.

Weideland Himbeeren

Cassis

Brombeeren

5 Trockenmauern Lebensraum für wärmeliebende Tierarten wie Reptilien und Insekten.

NATUR ERNTELAND TANNENHOF, KLOTEN Aus 2,5 Hektaren Acker und Wiese ist in fünf Jahren ein kleines Paradies gewachsen. Besucher werden mit Himbeeren, Gojibeeren, Japanischen Weinbeeren verführt. Überall lässt sich auf dem Land am Waldrand etwas entdecken: Wildblumenstreifen, Schmetterlingswiese, Kräutergarten, Insektenhotel. Sich selbst überlassene Zonen regen zu neuen Ideen an. Hier ist Kloten auch Experimentierfeld.

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4 6 Stachelbeeren 3

Kräuterbeet Majoran, Peterli, Schnittlauch, Salbei, Basilikum u.a. 6 Teich Schafft ein Mikroklima für wärmeund feuchtigkeitsliebende Pflanzen. Lebensraum für Insekten, Amphibien und Vögel.

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Hecken zwischen den Beeten dienen als Sonnen- und Windschutz

7 Insektenhotel (siehe Grafik unten)

Heilkräuter Malven, Brennnesseln, Spitzwegerich, Schafgarbe, Löwenzahn u.a. Wachsen über das Areal verteilt je nach den von ihnen bevorzugten Standorten.

URBANE PERMAKULTUR Unterbau

Bepflanzung

60–80 cm hoch

Oben wächst Gemüse: Kartoffeln, Topinambur, Radieschen, Karotten etc.

Humusschicht

Rasenziegel (mit der Oberfläche nach unten) organisches Material wie verrottende Äste, Stroh, Laub, mit Erde beschichtet

Moorbeethecke Tundrabeeren, Blaubeeren u.a. Sägemehl und Rindenschnitzel sorgen für den benötigten sauren Boden.

Naschhecke Maibeeren, Trauben, Nüsse, Kornelkirschen, Nashi, Pflaumen, Hagebutten, Schlehen u.a.

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Hügelbeet 5 Hauptwindrichtung, Sonneneinstrahlung im Tagesverlauf

Pilzzucht Braunkappen, Shiitake, Limonenpilze, Austernpilze

Steine dienen als Wärmespeicher

«Vielfalt statt Einfalt», predigt Sepp Holzer, Mitbegründer der Permakultur. Als Einstieg in die Naturkreisläufe bieten sich Hügelbeete an. Auf der vergrösserten Anbaufläche lassen sich Mikroklimas inszenieren.

Bodenorganismen wie Regenwürmer, Milben, Pilze und Bakterien erzeugen beim Abbau von organischem Material Dünger und Wärme

Vertikale Begrünung, Waldgärten auf Dächern, Terrassen mit Kartoffeltürmen, Kräuterspiralen und Würmern im Kompost: Permakultur fängt die Energie eines individuellen Ortes ein, um damit Natursysteme zu kultivieren. «Je grüner städtische Räume sind, desto mehr fliegende und kriechende Arten mögen zirkulieren», sagt Marco Moretti, Leiter Biodivercity bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL. Für Biodiversitätsflüchtlinge vom Land könnten Städte durchaus Oasen bedeuten. Idealerweise werden Habitate bereits in neue Siedlungen eingeplant und mit bestehenden vernetzt.

Quellen: 1 «Wandel der Biodiversität in der Schweiz seit 1900», Haupt Verlag / 2 «Das grosse Buch vom biologischen Land- und Gartenbau», Voitl/Guggenberger/Willi, Orac Verlag / 3 «EM. Eine Chance für unsere Erde: Effektive Mikroorganismen», Anne Lorch, OL Verlag, / 4 «Das Insektenhotel», Wolf R. Günzel, Pala Verlag / 5 «Der Agrar-Rebell», Sepp Holzer, Goldmann Verlag / Grafik: © Ringier Infographics

www.cscf.ch www.biocontrol.ch www.ip-suisse.ch www.permakultur.ch www.biodivercity.ch

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GRUEN FOOTPRINT

DER GRUEN-FOOTPRINT

So macht shoppen Spass

Fleischtiger oder Vegetarier? Secondhand-Fan oder Fashion-Victim? Was auch immer Ihr persönlicher Style ist – er hat Auswirkungen auf die Umwelt. Manchmal macht weniger mehr Freude.

SHOPPING-STYLE Frisches und einheimisches Obst und Gemüse einkaufen macht Spass und hilft der Umwelt.

Saisonorientiertes Einkaufen Bio-Lebensmittel Fleischkonsum Einkaufsmobilität Papierprodukte Wasserkonsum Mode

TOTAL PUNKTE

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2 ACHTEN SIE BEIM KAUF VON LEBENSMITTELN AUF EIN BIO-, FAIR-TRADE- ODER MSC-LABEL? O Ja, ich kaufe konsequent Bio-Produkte. Bei Produkten aus dem Süden achte ich auf Fair Trade, bei Fisch auf das MSC-Label. O Ja, schon, aber ich bin da oft nicht so konsequent. Maximal ein Drittel der Produkte, die ich kaufe, tragen eines dieser Labels. O Dieser Labelsalat nervt mich. Ich beachte nur den Preis und das Aussehen der Produkte. O Etwa die Hälfte meiner Lebensmittel-Einkäufe besteht aus Bio-Produkten.

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Der umfassende Footprint-Test www.wwf.ch/footprint Footprint-Sponsor www.swisscanto.com Einkaufen www.wwf.ch (Tipps für den

Fotos: bab.ch, WWF

IHR PERSÖNLICHER GRUEN-FOOTPRINT

1 WELCHE FRISCHEN GEMÜSE UND FRÜCHTE KAUFEN SIE IM HERBST VORZUGSWEISE? O Am liebsten mag ich Granny-Smith-Äpfel, Bananen, Ananas und Mangos. O Ich achte darauf, welche inländischen Gemüse und Früchte gerade Saison haben. Wenn immer möglich kaufe ich Produkte aus der Region. O Ich gehöre zum Typ «Kurzentschlossen» und entscheide im Laden, lasse mich von Aktionen leiten. O Gemüse, Salate, Kräuter und Beeren habe ich selbst im Garten. Was mir fehlt, kaufe ich beim regionalen Bio-Stand auf dem Wochenmarkt oder beim nahen Bauernhof.


Fotos: bab.ch, WWF

3 WIE WÜRDEN SIE SICH CHARAKTERISIEREN, WENN ES UM IHREN FLEISCHKONSUM GEHT? O Ich bin ein «Fleischtiger». Bei mir kommt Fleisch täglich auf den Tisch, meist sogar am Mittag und am Abend. O Ich fühle mich als «Normalo». Ich esse fünf- bis siebenmal pro Woche Fleisch, aber nicht in rauen Mengen. O Zwei- bis dreimal pro Woche eine Mahlzeit mit einem feinen Bio-Fleisch reicht mir vollkommen. O Igitt, ich bin Vegetarier oder Veganerin. 4 WIE UND WO KAUFEN SIE DIE DINGE FÜR DEN TÄGLICHEN GEBRAUCH EIN? O Meist in der Nähe mit dem Velo oder zu Fuss. Pro Monat mache ich etwa einen Grosseinkauf mit dem (Mobility-)Auto im nahe gelegenen Einkaufscenter. O Einmal pro Woche fahre ich für den Grosseinkauf ins Einkaufscenter. Kleinere Einkäufe mache ich in der Nähe, wenn immer möglich zu Fuss oder mit dem Velo. O Einkaufen ohne Auto geht für mich nicht, egal wo und wie viel ich einkaufen muss. O Ich kaufe alles für den täglichen Gebrauch zu Fuss oder mit dem Velo im Quartier/Dorf. 5 ACHTEN SIE BEIM KAUF VON PAPIERPRODUKTEN AUF EINE NATURVERTRÄGLICHE HERSTELLUNG? O Selbstverständlich. Druckpapier, Glückwunschkarten, Couverts, Haushalt- und WC-Papier müssen Recyclingpapier oder FSC-zertifiziert sein. O Für mich muss in erster Linie der Preis stimmen. O Ich achte bei einem Teil der Papierprodukte auf FSC oder Recycling. O Ich kaufe grundsätzlich nur Recyclingpapier. 6 WAS TRINKEN SIE LIEBER: MINERALWASSER ODER HAHNENWASSER? O Sprudelndes Schweizer Mineralwasser schmeckt mir am besten – zu Hause und in der Beiz. Aber gekühlt muss es sein. O Zu Hause trinke ich viel Wasser ab dem Leitungshahnen. Auch in der Beiz bestelle ich Hahnenburger. O Am liebsten mag ich kühles Mineralwasser aus einer edlen Flasche, wie es aus England oder Frankreich kommt. O Ich mache praktisch immer mit einem Sodagerät aus Hahnenwasser Sprudelwasser. Auswärts trinke ich meist Schweizer Mineralwasser. 7 WIE SIEHT DER INHALT IHRES KLEIDERSCHRANKS AUS? O Meine Kleider kommen fast ausschliesslich aus Secondhand-Shops, oder sie sind Bio- oder Fair-Tradezertifiziert. Ich kaufe Kleider sehr zurückhaltend. O Etwa die Hälfte meiner Kleider stammt aus Secondhand-Läden, aus Bio- oder Fair-TradeProduktion. Ich informiere mich über die Umwelt- und Sozialstandards der verschiedenen Kleidermarken. O Ich habe qualitativ hochwertige Kleider, die ich lange tragen kann. Auf umwelt- und sozialgerechte Produktion achte ich nicht wirklich. O Die aktuelle Fashion zu tragen, ist mir wichtig. Ich habe hohe modische Ansprüche. Marke, Form und Farben sind mir wichtiger als Material und Produktionsbedingungen.

Alltag) www.labelinfo.ch www.msc.org www.mutterkuh.ch

3 FRAGEN 0

an Jennifer Zimmermann

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GRUEN: Meeresfische und -tiere sind in der Schweiz sehr beliebte Speisen. Die Meere werden aber überfischt. Können wir noch mit gutem Gewissen Krevetten oder Fische aus Wildfang essen? Fisch sollte genau wie Fleisch als Delikatesse genossen werden. Von Zeit zu Zeit ein MSC-Fisch aus Wildfang oder Krevetten aus Bio-Zuchten kann man aber mit gutem Gewissen essen. Warum rät der WWF zu weniger Fleischkonsum? Ein Gericht mit Fleisch belastet das Klima im Schnitt dreimal mehr als ein vegetarisches Menü, denn die Fleischproduktion ist sehr energieintensiv: Um eine Kilokalorie Fleisch zu produzieren, müssen durchschnittlich 17 pflanzliche Kilokalorien verfüttert werden. Zudem stossen die Tiere über ihre Verdauung grosse

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Jennifer Zimmermann ist Konsum- und Ernährungsberaterin beim WWF Schweiz.

Mengen Methan aus, ein sehr aggressives Treibhausgas. Wie kann ich als Konsumentin sonst noch einen Beitrag leisten? Wichtig ist vor allem, mit Mass zu konsumieren. Wer auf Qualität und Langlebigkeit setzt, trägt bereits viel zum Schutz der Umwelt bei. Internetbörsen, Flohmärkte und Brockenhäuser bieten zudem die Möglichkeit, die Gebrauchsdauer von Produkten noch zu erhöhen.

Der WWF unterstützt Schweizerinnen und Schweizer, ihren ökologischen Fussabdruck zu verringern – in jedem Lebensbereich. Für eine erste Standortbestimmung bietet der WWF den Footprint-Rechner im Internet an. Spielerisch können Benutzerinnen und Benutzer ihre eigene Lebensrealität nachbauen. Konkrete Tipps und Tricks gibts ebenfalls. Der WWF-FootprintRechner wird von Swisscanto, einem führenden Asset-Manager für Anlage- und Vorsorgelösungen, gesponsert. www.wwf.ch/footprint

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AUSWERTUNG 9

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O Mehr als 45 Punkte

Wenn Sie so weitermachen, liefert die Natur bald keine Rohstoffe mehr, um alle Ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Das Bessere ist stets der Feind des Guten, sagte schon Erich Kästner. Sie wüssten, wie nachhaltiges Einkaufen geht – just do it! Genau so, Gratulation! Erzählen Sie Freunden und Bekannten, wie viel mehr Shopping-Spass das bringt.

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GRUEN COVER

CAROLINE CHEVIN

Auftritt am Ihr neuer Song «What You See Is What You Get» läuft im Radio rauf und runter: Caroline Chevin, 37, erhebt ihre Stimme aber auch für die Natur. Text: Barbara Halter / Fotos: Sarah Maurer Styling: Kathrin Eckhardt / Hair & Make-up: Patrick Kaestli

Pedalo fahren auf dem Vierwaldstättersee: «See und Berge bedeuten für mich Heimat», sagt Caroline Chevin, die in Weggis LU aufgewachsen ist.

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See

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GRUEN: Berge, See, ein Dampfschiff – weckt diese Kulisse Heimweh bei Ihnen? Ja, das Zusammenspiel von See und Bergen bedeutet für mich Heimat. Ich bin in Weggis aufgewachsen, und in meiner Anfangszeit in Zürich fehlte mir beim Schwimmen im See etwas – bis ich merkte, dass es die Berge waren.

Energiesparen ist momentan ein grosses Thema. Hat die Katastrophe in Fukushima bei Ihnen etwas verändert? Bezüglich Atomenergie sind wir doch alle sensibilisiert worden. Ich freue mich sehr, dass so viele Nationen nach anderen Lösungen suchen. Klimawandel, Umwelt­ verschmutzung, Naturkata­ strophen: Wie sehen Sie die Zukunft unseres Planeten? Wenn ich daran denke, wie unsere Welt in zwanzig oder fünfzig Jahren aussieht, wenn wir weitermachen wie bisher, nimmt mich das sehr mit. Wir Menschen sind einfach dumm. Wir haben so viel von der Natur geschenkt bekommen und machen es mit unserer Gier und Bequemlichkeit zunichte.

Was wählen Sie: Stadt oder Land? Ich bin ein Landmeitli, das sich aber ebenso wohlfühlt in einer Grossstadt wie New York – dort habe ich auch eine Zeit lang gelebt. Eben bin ich von Zürich nach Affoltern am Albis gezogen und geniesse es extrem. Wieso haben Sie Zürich verlassen? Einerseits wegen der Liebe, andererseits war jetzt der richtige Zeitpunkt, um wieder Richtung Land zu ziehen. Haben Sie am neuen Ort einen Garten? Ich habe eben mit Gärtnern begonnen, habe gejätet und weisse Sommerblumen gesät. Diese Arbeit finde ich so medi­ tativ. Man ist allein und kann seine Gedanken fliessen lassen.

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„Ich kann es nicht ausstehen, wenn der Wasserhahnen ein­ fach so läuft. Darauf reagiere ich allergisch.“ Da kommt schon einiges zu­ sammen. Ich stecke die Dinger aber immer aus, wenn ich sie nicht brauche. Stand­by ver­ braucht schliesslich auch Strom.

Ihre Ambitionen im Garten? Die sind im Moment sehr tief gesetzt! Wichtig sind mir vor allem Kräuter und Blumen. Aber ich muss mir erst noch ein wenig Wissen darüber aneignen.

Löschen Sie das Licht, wenn Sie das Zimmer verlassen? Klar. Es muss nicht das ganze Haus erhellt sein, wenn man nur in einem Raum ist. Da lasse ich lieber mal eine Kerze im Zimmer nebenan brennen.

Wie umweltfreundlich ist Ihre neue Wohnung? Ich lebe mit meinem Freund in einem alten, renovierten Haus. Wir haben eine Holz­ schnitzelheizung. Ich persön­ lich achte sehr auf den Wasser­ verbrauch – ich kann es nicht ausstehen, wenn etwa in der Küche der Hahnen einfach so läuft. Darauf reagiere ich allergisch.

Momentan kein Thema, aber wie warm ist es bei Ihnen im Winter? Rund 21 Grad. Ich bin ein extremer «Gfrörli». Klar, zieht man auch eine Wolljacke an, aber ich habe nicht gern kalt.

Auf welche könnten Sie verzichten, auf welche nicht? Alle Geräte zum Musikhören sind für mich als Sängerin unverzichtbar. Dagegen hatte ich die letzten Jahre keinen Fernseher. Jetzt haben wir wieder ein Gerät, aber ich habs noch nie eingeschaltet.

Wie viele Elektrogeräte haben Sie? Staubsauger, Stereoanlage, Mixer, Föhn, Computer …

Wie oft duschen Sie am Tag? Einmal. Ausser wenn ich verschwitzt von einem Konzert nach Hause komme – dann

Was kann man dagegen tun? Die kleinen Einsparungen im Alltag sind sicher wichtig, die summieren sich ja auch. Ich bin zudem seit Ewigkeiten Mitglied bei Pro Natura. Ich würde mich auch gern im Bereich Littering engagieren – dieses gedankenlose Weg­ werfen nervt mich wahnsinnig. Haben Sie einen Vorschlag? Ich würde mit einer Schul­ klasse in die Natur gehen und dort den Müll zusammen­ sammeln. Die Jugendlichen müssen sensibilisiert werden. Woher kommt Ihre starke Verbindung zur Natur? Da meine Eltern früher in Weggis ein Hotel führten, ver­ brachten wir Kinder die Som­ merferien immer mit meinen Grosseltern in der Auvergne. Dort waren wir den ganzen Tag draussen. Mein Grossvater war ein grosser Naturfreund und kannte alle Vögel von ihrem Pfeifen her – ich denke sehr oft und gern an diese Zei­ ten zurück. Eigentlich sollten alle Kinder so was erleben

Tourdaten www.carolinechevin.ch Dafür engagiert sich Caroline Chevin www.pronatura.ch www.lfvk.ch

Erste Doppelseite: Kleid Maud bei Globus; Schuhe Zara; Armreif «Bone cuff» von Elsa Peretti, bei Tiffany & Co. Links: Kleid «Sea-ny» bei Vestibule, Zürich; Armreif Eclectic, Zürich. Rechts: Kleid IRO bei Fidelio 2, Zürich; Schuhe Mango. Make-up: Patrick Kaestli, mit Produkten von Bobbi Brown, Assistent: Yves Suter.

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geht es aber zack, zack und ab ins Bett.


Armreif Eclectic, Zürich. Rechts: Kleid IRO bei Fidelio 2, Zürich; Schuhe Mango. Make-up: Patrick Kaestli, mit Produkten von Bobbi Brown, Assistent: Yves Suter.

Der Sommer ist ihre Jahreszeit – dann tritt Caroline Chevin an Festivals auf und ist so viel wie möglich draussen.


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„Wir Menschen sind dumm. Wir haben so viel von der Natur geschenkt bekommen und machen es mit unserer Gier und Bequemlichkeit zunichte.“

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GRUEN COVER Caroline Chevin am Luzerner Schweizerhofquai. Die Stadt kennt sie aus ihrer Zeit als KV-Lehrling bei einer Bank.


„Früher dachte ich, Ferien in der Schweiz seien nur etwas für Pensionierte. Da habe ich mich getäuscht.“

Zweite Doppelseite: Seidenkimono und Jeans Zara; Schuhe Marc O’Polo, bei Globus. Links: Kleid Massimo Dutti; Lederjacke Sandro, bei Globus; Schuhe Comptoir des Cotonniers, bei Globus; Tasche Steve Mono, bei Making Things; Ring Mango. Rechts: Hut Inverni, bei Eclectic; Kleid IRO, bei Fidelio 2; Armreif Massimo Dutti. Wir danken dem Hotel National Luzern für den Dayroom.

habe ich mir kürzlich das «Tibits»-Kochbuch gekauft. Kaufen Sie Bio-Produkte? Anfangs hat mein Freund immer geschmunzelt, wenn ich mit meinen Bio-Sachen nach Hause gekommen bin. Aber ich achte auf gute Qualität, gebe für ein Schweizer Bio-Poulet gern mehr Geld aus. Da habe ich lieber nur einmal die Woche Fleisch als fünfmal.

dürfen, statt zu Hause vor der Playstation zu sitzen. Sie haben noch keine Kinder. Sind welche geplant? Ja, es ist ein Traum von mir – man weiss natürlich nie, ob sich dieser auch erfüllt. Auf alle Fälle möchte ich ihnen das weitergeben, was ich von meinem Grossvater gelernt habe. Diesen Sommer treten Sie an über 16 Festivals auf. Wie sind Sie unterwegs? Mit dem Auto, anders komme ich nach einem Konzert gar nicht mehr nach Hause. Aber ich appelliere immer an die Band, dass wir Fahrgemeinschaften bilden. Sind wir mehrere Tage zusammen unterwegs, haben wir einen Bus. Was für ein Auto fahren Sie? Einen Golf Variant 1.4. Der braucht sechs Liter auf hundert Kilometer. Das ist sehr sparsam! Wenn es geht und Sinn macht, nehme ich den Zug. Ich besitze seit Jahren ein Halbtax. Wo verbringen Sie Ihre Ferien? Ich war schon in Australien, viel weiter geht wohl nicht.

Früher dachte ich, Ferien in der Schweiz seien nur etwas für Pensionierte. Ich habe mich aber getäuscht: Erst kürzlich habe ich Bilder von einem Wasserfall im Jura gesehen – einfach traumhaft, da muss ich bald hin. Achten Sie beim Einkaufen auf die Herkunft der Produkte? Ich gestehe, dass ich ab und zu sündige: Den Erdbeeren aus Italien konnte ich beim letzten Einkauf nicht widerstehen. Grundsätzlich achte ich aber bei Gemüse und Früchten auf Schweizer Produkte und die Saison. Da hilft auch mal die Tabelle im «Tiptopf» weiter. Die Natur hat sich das ja gut ausgedacht: Im Sommer gibt es kühlende Tomaten, und im Winter isst man Wurzelgemüse – das wärmt. Kochen Sie denn Wurzelgemüse? Ja, das esse ich sehr gern. Ich koche wenn möglich jeden Tag, und zwar ohne Fertigprodukte. Ich probiere gern neue Sachen aus, als Inspiration

Andere Labels, die Sie kennen? Bananen kaufe ich nur von Max Havelaar, und wenn ich einen Kuchen backe, dann nehme ich Fair-Trade-Schokolade. Auch meine Abschminkpads sind aus Bio-Baumwolle – bei Alltagsgegenständen ist das bei mir voll drin. Wo kaufen Sie ein? Meist bei den Grossverteilern. Ich gehe auch mal auf den Markt, in Luzern oder in

Zürich auf dem Helvetiaplatz. An meinem neuen Wohnort möchte ich bald einen Hofladen ausfindig machen. Verwenden Sie Naturkosmetik? Ja, ich habe begonnen umzustellen – die Granatapfelprodukte von Weleda sind super oder auch die Linie Mádara. Unsere Haut ist das grösste Organ, und da möchte ich nicht irgendwas draufschmieren. Beim Essen achte ich ja auch darauf – es muss von aussen und innen stimmen. Ihre grösste Öko-Sünde? Wenn ich fix und fertig bin, stehe ich gern lange unter der heissen Dusche. Ich weiss ganz genau, dass man das nicht machen sollte. Ich nehme mir immer wieder vor, das Wasser abzustellen, wenn ich die Haare shampooniere. Manchmal klappt es.

DER GRUEN-FOOTPRINT Wie ökologisch lebt Caroline Chevin? Saisonorientiertes Einkaufen

6

Bio-Lebensmittel

6

Fleischkonsum

10

Einkaufsmobilität

12

Papierprodukte

6

Wasserkonsum

6

Mode

3

Total Punkte

49

49 Punkte = Gratulation! Inländische Produkte kaufen, wenig Fleisch essen und Leitungswasser trinken – so punktet Caroline Chevin und ist mit ihrem Konsumstil auf dem richtigen Weg. Der GRUEN-Footprint wurde vom WWF Schweiz für SI GRUEN entwickelt. Der Test soll für den Alltag sensibilisieren und Spass machen. Berechnen Sie Ihren eigenen Footprint auf den Seiten 16 und 17.

Das mag die Sängerin www.tibits.ch www.weleda.ch www.madaracosmetics.ch www.maxhavelaar.ch www.fairtrade.net

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gruen porträt

prinz charles

„Ich bin der Verteidiger der Natur“ Er polarisiert wie kaum ein anderer: der Prince of Wales. Auf seinem Landsitz Highgrove verrät der Blau­ blüter, warum er so grün denkt. Vielleicht hat keiner mehr Gutes getan und so viel Schlechtes als Lohn kassiert als Prinz Charles. Nennen wir ihn mit seinem offiziellen Titel: His Royal Highness, Prince of Wales. Seine Minusposten: Mama Queen, 85 Jahre alt, die nicht im Traum daran denkt, den Thron frei zu machen. Seine erste Ehe mit Diana, seine Liebelei mit Camilla Par­ ker Bowles, die seine zweite Frau werden sollte, seine Schwägerin Fergie, die Palast­

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Interna gegen Bares an die Boulevardpresse verkaufen wollte. Und und und. Seine Plus­ punkte: die Söhne William und Harry. Und dann gibts noch etwas anzufügen, was ihm ebenfalls wichtig ist: Biopflanzen, nach­ haltige Entwicklung, erneuerbare Energien, Architekturpflege, Kunsterziehung, reli­ giöse Toleranz – und die Rettung der Re­ genwälder. Alles begann 1976. Charles gründete den Prince’s Trust – seine Stiftung. In all den Jah­ ren hat der Blaublütige 50000 benach­

Foto: Jonathan Becker / Getty Images

Text: Bob Colacello

Der Prinz www.princeofwales.gov.uk www.highgroveshop.com www.highgrovegardens.com Seine Stiftungen www.princescharities.org


Ein nachdenklicher Prinz auf Highgrove. Den Garten hat er nach seinen Pl채nen anlegen lassen.

www.rainforestsos.org www.duchyofcornwall.org/poundbury/index.html Clarence House auf Twitter twitter.com/clarencehouse

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Wenn er dann so spricht, mit einem Akzent der oberen Zehntausend oder besser Tausend, dann ist er abwechselnd grandios und demütig, selbstgerecht und übertrieben, belehrend und bezaubernd – aber immer will er seine Botschaft loswerden, und die ist in seinen Augen immer korrekt.

Ein kleines Cottage allein für den Prinzen, um zu beten oder zu meditieren Der Prinz trägt einen hellgrauen Zweireiher mit einem weissen Hemd und einer gestreiften Krawatte. Das Erste, was ich bemerke, als ich nach dem Security-Check in Highgrove einfahre, ist ein geschnitztes Holzschild: «Vorsicht, Sie betreten ein altertümliches Gebäude.» Das Haus von Charles und Camilla, gebaut in den 1790er-Jahren, ist eine dreistöckige Steinvilla mit einem Schieferdach. Die Halle, die wir auf dem Weg zur Terrasse durchqueren, ist geschmückt mit Aquarell-Landschaften in leuchtenden Farben, gemalt von Prinz Charles. Den weitläufigen Garten, Heimat von gefährdeten Blumen, Pflanzen und Bäumen, hat der Hausherr selbst angelegt. Für die Öffentlichkeit seit 1992 zugänglich, hat der Park über eine viertel Million Besucher angelockt und rund 500 000 Franken in die Kassen gespült. Ganz am Ende des Parks – und nur der Königlichen Hoheit vorbehalten – ist ein kleines, ockerfarbenes Cottage. Genannt The Sanctuary – möbliert mit ein paar wenigen Stühlen, Kerzen und einem grossen Steinkreuz. Hier zieht sich Charles zurück, um zu meditieren und zu beten. Ein paar Tage vorher war ich bei einem Black-Tie-Dinner im St. James’s Palace. Zum Wohltätigkeitsessen hatten Camilla und Charles geladen – die Einnahmen be-

stimmt für die Stiftung des Prince of Wales. Beim Dinner sass ich neben Camilla, die ein langes Chiffonkleid trug, verziert mit silberner Perlenstickerei. Dezent ihr Schmuck, kleine Diamant-Ohrringe, und kaum Make-up. Immer wieder unterbrach sie die Unterhaltung mit ihren Lachsalven, erzählte vom Elefanten-Projekt ihres Bruders Mark Shand oder dem Gala-Dinner im Weissen Haus unter George W. Bush. In Highgrove habe ich Charles auf meinen Verdacht angesprochen, dass ich nur neben Camilla sass, damit sie mich «ausspionieren» konnte. Seine Reaktion – ein vergnügtes Kichern. Der Mann im Garten mit seinen dezidierten Meinungen, der Mensch hinter dem Titel, ist ein Mann, der schwer zu fassen ist. Trotz unserer Unterhaltung, den Texten, die er verfasst hat, ist er schwer festzunageln – weder politisch noch religiös oder gar philosophisch. Irgendwie verständlich. Wenn jemand Jahrzehnte warten muss, bis die Mutter den Weg zum angestrebten Job freigibt. Charles’ Rolle scheint gleichzeitig königliches Gewissen und Störenfried zu sein. Vielleicht eine Erklärung, weshalb er so abgelehnt und so bewundert wird. Nach unserem Interview gehts zum nächsten Dinner. Warum macht er das alles? «Weil es mir wichtig ist. Wenn es mir nicht wichtig wäre, würde ich es lassen. Aber warum hängt mein Herz an so vielem? Ich weiss es nicht. Vermutlich ist es angeboren.» Bob Colacello arbeit seit 1993 für «Vanity Fair». Dieser Artikel, «The Prince and the Planet», erschien im November 2010. Übersetzung: Stephan Sutter 1 Prinz Charles’ Landsitz in Cornwall hat neun Schlafzimmer und vier Empfangsräume. 2 Highgrove gilt als einer der schönsten Gärten Englands und kann von April bis Oktober besucht werden.

DIE GRÜNE OASE Highgrove, der Landsitz von Charles bei Tetbury in Gloucestershire, zählt mittlerweile zu den schönsten Gärten in England. Zum Anwesen gehören ausser parkartigen Flächen und Wäldern rund 360 Hektaren. Der Hausherr achtet strikt darauf, dass sie ausschliesslich nach ökologischen Grundsätzen bewirtschaftet werden. Auf den Weiden tummeln sich Aberdeen-Angus-Rinder und Schafe. Nach der Scheidung von Diana hat Charles auch das Innere des Hauses total umgestalten und auf Camillas Geschmack zuschneiden lassen.

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1

Bio-Food vom Prince of Wales www.duchyoriginals.com Die britische Monarchie www.royal.gov.uk

2

Fotos: Jonathan Becker / Getty Images (2), Mario Testino / Art Partner

GRUEN PORTRÄT

teiligten jungen Menschen zu einer eigenständigen Firma verholfen. Der Prinz hat einen Grossteil seiner Zeit – und seines Vermögens – der Philanthropie verschrieben. Jährlich generiert er durch seinen Einsatz 150 Millionen Dollar für die Prince’s Charities – zwanzig Non-Profit-Organisationen, die er persönlich betreut, überwacht. Und: Rund sechzig Prozent seines jährlichen Einkommens gehen an diese Organisationen. 2009 bis 2010 waren es rund 26 Millionen Dollar – Erlöse aus seinem Herzogtum Cornwall. Doch solch klare Fakten hatten es immer schwer gegen Schlagzeilen über Bettgeflüster und Butler mit leichten Zungen. Nach Jahren, in denen er als Spinner, Langweiler oder noch schlimmer betitelt wurde, entschied der 62-jährige Prinz, seine eigene Musik zu spielen. Vor zwei Jahren veröffentlichte der Verlag Harper Collins das Werk «Harmonie. Eine neue Sicht unserer Welt». Autor: HRH Prince Charles. Ein überraschendes grünes Manifest. Charles schreibt als Eröffnung im ersten Kapitel: «Ein Ruf zur Revolution. Die Erde ist in Gefahr: Sie kann nicht mithalten mit dem, was wir von ihr verlangen. Sie verliert ihr Gleichgewicht – und wir Menschen sind der Grund dafür.» «Ich bin der Meinung, dass die Menschen keine Ahnung haben, wie schwierig es ist, sich weit aus dem Fenster zu lehnen.» Das hat mir Charles in Highgrove, an seinem wunderschönen Sitz in Gloucestershire, erklärt. «Es ist nicht lustig, wenn alle nur auf deinen Kopf zielen. Aber wenn du das mehrfach erlebt hast, dann macht es dich ruhig. Denn du weisst, was kommt. Ich denke an unsere Nachfolger. Und da bin ich der absolute Verteidiger der Natur. Punkt. Und damit werde ich mich während des Rests meines Lebens auseinandersetzen und dafür kämpfen.»


„Die Erde kann nicht mithalten mit dem, was wir von ihr verlangen. Sie verliert ihr Gleichgewicht – und wir Menschen sind der Grund dafür.“

Prinz Charles achtet strikt darauf, dass Highgrove ausschliesslich biologisch bewirtschaftet wird.

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GRUEN REISEN Busch oder Ozean? Springbock oder Curry? Auf einer Reise entlang der Garden Route lassen sich die gegensätzlichsten Wünsche erfüllen. Glücklich werden dabei auch die Einheimischen – denn übernachtet wird in Fair-Trade-Hotels. Text: Barbara Halter / Fotos: Flurina Rothenberger

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SÜDAFRIKA

Von Safari bis


Sieht schÜn aus, ist aber bitterer Ernst: zwei Giraffen-Bullen am Kämpfen im Amakhala Game Reserve.

Samosas

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GRUEN REISEN

1

2 1 Die Farm 215 ist der Ort für Ruhe suchende Naturfreunde – nur gerade sechs Zimmer zählt das kleine, individuell gestaltete Hotel. 2 Auf der Veranda der Suite: Die drei frei stehenden Häuschen werden mit Solarstrom betrieben. 3 Unterwegs mit dem Jeep im Amakhala Game Reserve auf der Pirsch nach Elefanten, Geparden und Löwen. 4 Blick über die Fynbos-Vegetation: Im Cape Floral Kingdom am südlichsten Zipfel von Südafrika wachsen über 700 Pflanzenarten.

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Kurz vor der Dämmerung erlebt man die Natur am südafrikanischen Kap besonders intensiv: Das bläuliche Abendlicht verwandelt die hier typische Fynbos-Vegetation mit ihren struppigen Büschen und den zarten Gräsern in einen verwunschenen Garten. Der Wind zieht einem um die Ohren, sonst ist es totenstill. Kein Strassenlärm, keine Stadt, kein gar nichts. Auf unserer Reise entlang der Garden Route sind wir mitten im Nichts gelandet: auf der Farm 215 von Maarten Groos. Der ehemalige Banker aus Holland ist nach einem Sabbatical in Südafrika hängen geblieben. Hat einen Bauernhof inklusive 800 Hektaren Land gekauft und ein kleines Hotel eröffnet. Das Highlight sind drei futuristische Suiten aus Holz, Glas und Beton, die wie ausgesetzt in der Landschaft stehen. Jede wird mit Solarenergie betrieben, dafür verzichtet man auf Föhn, Fernseher und Klimaanlage. Die puristisch eingerichteten Zimmer wirken wie ein Spiegel

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der umliegenden Natur. Diese lässt sich zu Fuss oder reitend entdecken – rund um die Farm grasen Pferde der African Horse Company, die bei Bedarf für einen Ausritt eingefangen und gesattelt werden. Das Reservat wartet mit einer Wucht an Vielfalt auf: Über 700 Pflanzenarten wachsen hier, darunter 50 bedrohte Blumensorten wie seltene Schwertlilien. Um dieses weltweit einzigartige Ökosystem zu bewahren, müssen auf der Farm 215 nicht einheimische invasive Pflanzen ständig abgeholzt werden. Ein unerwünschter Gast ist beispielsweise der Eukalyptusbaum. Einst aus Australien wegen seines Holzes importiert, ist der Baum nur noch ein Ärgernis: Er wächst schnell und braucht Unmengen von Wasser. «Ganze Bäche versickern, weil diese Bäume alles Wasser aufnehmen. Wenn wir nichts dagegen unternehmen, wird es hier in dreissig Jahren knapp mit Wasser», sagt Maarten Groos beim Nachtessen. Im kleinen Restaurant fühlt man sich wie zu Besuch bei Freunden. In den Regalen stehen Botanikbücher, im offenen

Cheminée flackert ein Feuer, und zwei Hunde schlafen ausgestreckt auf dem Betonboden. An den robusten Holztischen wird jeden Abend ein Menü mit oder ohne Fleisch serviert – «farm food with a twist» nennt Groos seine Küche. Das Brot ist selbst gebacken und die Mehrheit der Produkte aus biologischem Anbau. Der respektvolle Umgang mit der Natur schliesst auf der Farm 215 auch die Menschen mit ein – das Hotel ist einer von landesweit 65 Betrieben mit einem FairTrade-Label. Was bei der Banane selbstverständlich ist, soll in Südafrika auch im Tourismus üblich werden: Wer die Rechte seiner Angestellten respektiert, gerechte Löhne sowieAufstiegsmöglichkeiten garantiert und sich verantwortlich gegenüber Natur und Kultur verhält, kann sich zertifizieren lassen. Jennifer Seif, Direktorin der Non-Profit-Organisation Fair Trade in Tourism South Africa (FTTSA), treibt das Projekt seit zehn Jahren voran. «Unsere Vision ist es, dass der Tourismussektor ein fairer Arbeitgeber wird und dass viele

Farm 215 www.farm215.co.za www.africanhorseco.com www.fynbos.sa.com Spier www.spier.co.za www.cheetah.co.za www.wildlands


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hochwertige Jobs geschaffen werden.» Die Situation des Landes, insbesondere seine Vergangenheit, beschäftigt wohl jeden Reisenden. Zur Vorfreude auf das vielfältige Land mischen sich auch Vorbehalte. Und wie erwartet passiert man dann auch bald nach Ankunft in Kapstadt auf der Autobahn die Bretterbuden der Townships.

Auf der Cooking Safari knetet man Teig für Fladenbrote und lernt Samosas formen Das Hotel Spier in Stellenbosch beschäftigt Leute, die in den nahen Townships leben. 155 Zimmer, 3 Restaurants, 1 Weingut und 350 Angestellte zählt der Betrieb, der bezüglich Fair Trade Vorbildcharakter hat. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht eine kostenlose Gesundheitsstation zurVerfügung. Sie erhalten Weiterbildungskurse, etwa im Bereich Computer, und können dadurch beruflich aufsteigen. Darüber hinaus laufen Projekte in den nahen Townships Nyanga oder Kayamandi. Eine

„Ich komme nie weg von hier.Aber mit meinen Kochschülern reise ich durch die Welt.“ Faldela Tolker

Angestellte des «Spiers» zeigt dort Kindern, wie man einheimische Pflanzen zieht, und übergibt ihnen mit Erde und Samen gefüllte PET-Flaschen. Für die Setzlinge erhalten die Familien im Gegenzug Sachen wie Velos oder Schulmaterial. Dem Touristen aber bleiben diese Projekte meist verborgen. In einigen Fällen hinterlassen sie aber ein unvergessliches Erlebnis, wie die Cape Malay Cooking Safari in Kapstadt. Der Treffpunkt liegt im BoKaap-Viertel, wo die Häuser bonbonfarben gestrichen und die Bewohner muslimischen Glaubens sind. Ihre Vorfahren kamen im 19. Jahrhundert als Sklaven aus Südostasien nach Südafrika, dementsprechend würzig wird hier gekocht. Faldela Tolker leitet die kleine Kochschule bei sich zu Hause. An ihrem Küchentisch knetet man den Teig für Rotis – ein hauchdünnes Fladenbrot mit beängstigend viel Butter drin. Danach verrät sie den Trick, wie man perfekte Samosas – frittierte indische Teigtaschen – formt. Ab und zu schaut eines der vier Kinder oder das Grosskind in der

trust.org Hog Hollow Country Lodge www.hog-hollow.com Amakhala www.amakhala.co.za Kochen in Kapstadt www.andulela.com

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GRUEN REISEN


Impala-Weibchen und Zebras im Amakhala-Reservat: Sie trifft man mit Sicherheit auf jedem ÂŤgame driveÂť, den Safaris, an.

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gruen reisen

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Küche vorbei. An die fremden Leute haben sie sich längst gewöhnt. Es gibt Wochen, da bevölkern täglich Touristen das winzige zweistöckige Reihenhaus. Faldela Tolker selbst möchte die Gäste auf keinen Fall missen. «Ich komme ja nie weg von hier. Aber mit meinen Kochschülern reise ich durch die Welt.» Tourismus als Chance, um die Armut zu reduzieren und den sozialen Aufstieg zu er­ möglichen – davon ist auch Markus Schra­ der vom Staatssekretariat für Wirtschaft überzeugt. Das Seco unterstützt als Teil der Schweizer Entwicklungsarbeit Schwellen­ länder wie Südafrika oder Ägypten, die mit wenig Aufwand auf einen hohen Stand ge­ bracht werden können. Von der Schweizer Botschaft in Pretoria aus gibt Schrader Wissen weiter und leistet Anschubfinanzie­ rung. «Dabei wollen wir nicht neue Lodges generieren, sondern den Angestellten exis­ tenzsichernde Löhne garantieren.» Diese Unterstützung braucht Andy Fermor längst nicht mehr. Seine Hog Hollow Country Lodge wurde bereits 2005 aus­

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„Bei der Gründung der Lodge haben wir viele Leute aus der Region eingestellt.“ Justine Weeks, Safari Lodge

gezeichnet. Fermor hat viele Jahre im Aus­ land verbracht, bevor er nach dem Ende der Apartheid den Einstieg in den Tourismus wagte. «Ich habe mir immer gesagt: Wenn ich wieder in meine Heimat zurückkehre, dann will ich die lokale Bevölkerung unter­ stützen.» Die ehemalige Hippie­Unterkunft hat sich mit den Jahren in eine Vier­Sterne­ Lodge verwandelt – mit der wohl schöns­ ten Terrasse, die man sich vorstellen kann. Morgens frühstückt man dort bei Vogelge­ zwitscher und überblickt den dunkelgrünen Dschungel. Für Lacher sorgt ein Blauaffe, der zum Buffet flitzt und mit je einem Muf­ fin in seinen Händen davonrennt. Während des Tages lockt die nahe Plettenberg Bay mit traumhaften Stränden, an denen man surfen, baden oder von Juli bis Dezember Wale beobachten kann. Noch mehr Tiere – und zwar egal, zu wel­ cher Jahreszeit – bietet das Amakhala Game Reserve eine Stunde entfernt von Port Eli­ zabeth. Wo einst Schaf­ und Rinderherden grasten, leben heute wieder Elefant, Nas­ horn, Büffel, Löwe und Leopard – «the big

Südafrika www.suedafrika.net www.suedafrika-guide.de www.suedafrika.org www.gardenroute.de www.kapstadt.de www.encounter.co.za


2

3

1 Traumhaft schlafen – doch in der Safari Lodge lohnt sich frühes Aufstehen. Bei Sonnenaufgang startet die erste Pirschfahrt. 2 Die Zimmer der Bush Lodge liegen mitten in der Natur. Da verirren sich auch mal Spinnen nach drinnen – aber die Crew hilft schnell. 3 In dieser Wanne bleibt man gern länger liegen. Ein Erlebnis ist auch die Freiluftdusche. 4 Nach einem Tag am Indischen Ozean geniesst man die Ruhe in der Hog Hollow Country Lodge. Jedes Zimmer hat einen Balkon. 5 Frühstücken auf der grossen Terrasse von «Hog Hollow». Das Buffet ist auch bei den Affen rundherum bekannt.

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FAIR REISEN IN SÜDAFRIKA FAIR TRADE IN TOURISM SOUTH AFRICA Südafrika betätigt sich seit mehr als zehn Jahren als Pionier in der Entwicklung von einem verantwortungsvollen Tourismus. Die von FTTSA zertifizierten Häuser reichen von Backpacker-Unterkünften bis zu Fünf-Sterne-Hotels. Zum Angebot gehören auch Tour-Anbieter. www.fairtourismsa.org.za ERSTE FAIRE-TRADE-REISE Kuoni bietet eine 15-tägige Reise von Port Elizabeth nach Kapstadt an. Zum Package gehören klimakompensierte Flüge, zehn Übernachtungen in Fair-Trade-Lodges, Safari und Mietauto. Preis ab CHF 5590.–. Darin enthalten ist auch eine Fair-TradePrämie von 5 Prozent, die vor Ort für Schulen, Kliniken oder erneuerbare Energien eingesetzt wird. www.ananea.ch

five», die grossen fünf, wie sie von den kolonialen Grosswildjägern wegen ihrer Gefährlichkeit genannt wurden. Im Amakhala-Reservat sind diese glücklicherweise nur zum Anschauen da. Fünf Farmerfamilien haben dafür vor zehn Jahren ihre Grundstücke zusammengelegt und die wilden Tiere wieder angesiedelt. Jede Familie führt im 7000 Hektaren grossen Naturreservat eine Unterkunft. Eine davon ist die Safari Lodge. In den luxuriösen Bungalows lassen sich die vorderen Wände hochziehen, und wenn man Glück hat, kann man vom Himmelbett aus grasende Antilopen beobachten. Die Umstellung von der Farm zum Hotel hat sich für Justine Weeks, die mit ihrem Mann die Lodge besitzt, besonders im sozialen Bereich gelohnt: «Wir brauchen jetzt viel mehr Personal und konnten Leute aus der Region einstellen. Darauf bin ich stolz.» Viele davon haben ihre erste Anstellung hier. Wie Zed Ngquse, der als Fahrer in der Safari Lodge begonnen hat und dem seine Arbeitgeber eine Rangerausbildung finanzierten. Wir lernen

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ihn auf unserer abendlichen Pirschfahrt, dem sogenannten «game drive», kennen. Im offenen Jeep kurvt man gemütlich durchs Reservat, lauscht Zeds Ausführungen über die Tiere und späht gespannt über die Ebene.

Zwei Giraffen-Bullen umrunden sich und schlagen einander die Köpfe in die Flanken Hat sich da nicht etwas bewegt, riecht es nicht nach Elefant? Doch der beissende Geruch stammt von einer toten Antilope, die halb zersetzt unter einem Busch liegt – Nase zu und schnell weiter. Statt die Elefanten treffen wir auf zwei kämpfende Giraffenbullen: In einem lautlosen Tanz umrunden sie sich und schlagen einander gezielt mit ihren langen Hälsen die Köpfe in die Flanken. Die untergehende Sonne erleuchtet dabei die dunkelgrünen Sträucher und das gelbliche Gras mit voller Wucht. Und ein weiteres Mal bittet man darum, die blaue Stunde möge nicht enden.

www.portelizabeth.co.za Die Vegetation www.fynbos.co.za www.plantzafrica.com Das Wetter www.southafrica-infoweb.com/wetter

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gruen IntervIew

susanne hochulI

„Der Wandel ist möglich!“ Die Aargauerin Susanne Hochuli, 45, ist die fröhlichste Regierungsrätin der Schweiz. Und sie beweist: Grüne Politik ist mehr als «Nein zu Atomkraft». Interview: Monique Ryser / Fotos: Marc Wetli

Dieser Garten, welch eine Pracht! Ja, schön, nicht? Das ist mein Refugium. Hier kann ich mich perfekt erholen. Ich hege und pflege viele Kräuter, auch Heilkräuter. Mit denen aromatisiere ich auch das Hahnenwasser. Gibt es im Sommer etwas Besseres? So viel Zeit für den Garten haben Sie als Aargauer Regierungsrätin sicher nicht? Nein, leider nicht. Aber ich mache es so: Ich nehme meinen Laptop und meine

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Akten hier auf den Tisch und mache mir einen Zeitplan. Eine Stunde muss ich arbeiten, danach darf ich eine Stunde gärtnern. Und dann holen Sie sich frisches Gemüse fürs Znacht? Nein, Gemüse ist nicht so mein Ding. Ich koche auch nicht oft. Meine Mutter kommt aber immer wieder mit feinen frischen Sachen rüber. Heute gerade Kohlrabi und Gurken, die essen wir dann gleich roh. Ich liebe das. Aber mir geht es mehr darum, mit den Händen die Erde

zu bearbeiten. Das ist mir viel wichtiger als die Ernte. Ich muss aufpassen, dass ich überhaupt daran denke, die Beeren abzulesen, obwohl ich doch ganz viele habe. Sie wurden 2008 als erste Grüne in den Aargauer Regierungsrat gewählt. Vorher waren Sie Bäuerin und Pferdetherapeutin. Fehlt Ihnen der Hof? Nur manchmal. Ich gehe mit meinem Hund Mira täglich um zwanzig nach fünf und nach Möglichkeit auch abends laufen. Ich lebe hier in Reitnau auf dem Land und gehe den Feldern nach. Ich kann nicht anders, als genau zu beobachten, wie sich die Saaten entwickeln, wie weit sie sind, ob es genügend geregnet hat. Ja, da kommt manchmal für einen Moment der Gedanke, wie schön das Bauern ist. Aber ich bin mit Leib und Seele Regierungsrätin und würde um keinen Preis tauschen wollen. Sie sind die einzige Grüne im «AtomKanton» Aargau, und dann kommt

Susanne Hochuli im Web www.ag.ch/regierungsrat www.susanne-hochuli.ch www.ag.ch/dgs Ihre Heimat www.reitnau.ch


Ein verwunschener Garten mit kleinem Gartenhaus. Und mittendrin Susanne Hochuli ‌

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GRUEN INTERVIEW

Bundesrätin Doris Leuthard, Kantonsgenossin und von der CVP, und verkündet den Atomausstieg. Jetzt fällt Ihnen doch das ganze Parteiprogramm weg? Ich habe die Grüne Partei nie als EinThemen-Partei erlebt. Unser Thema ist die Nachhaltigkeit und die Schonung der Ressourcen. Das gilt für alle Themen, nicht nur für die Atomkraft. Die Schnelligkeit des Entscheids muss Sie aber doch überrascht haben? Ich hatte vor allem einen Gedanken: Der Wandel ist möglich! Nach Jahrzehnten, in denen die Grünen darauf hingewiesen haben, dass Atomenergie keine sichere Energie ist, dass wir nicht eine Technologie benutzen dürfen, deren Abfallproblem nicht gelöst ist, besteht nun plötzlich Einigkeit darüber, dass wir das in der heutigen Form nicht mehr wollen. Das freut mich. Andererseits bin ich auch sehr traurig, denn der Grund für den Sinneswandel war ein schrecklicher Unfall. Das hätte nicht passieren dürfen. Aber offenbar sind wir Menschen erst dann bereit, einen Wechsel zu wagen, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht. Womit sollen Ihre grünen Kolleginnen und Kollegen nun Wahlkampf machen, wenn «Atomkraft? Nein danke» als Programm nicht mehr reicht? Wie ich bereits gesagt habe, ist die Grüne Partei vielschichtiger. Es geht uns darum, die Ressourcen zu schonen und

„Die Menschen sehnen sich nach Natur, weil sie ihnen Wohlbefinden schenkt.Wir Menschen brauchen die Natur, nicht sie uns.“ sinnvoll einzusetzen. Das ist auf jeden Lebensbereich anzuwenden. Konkret: Was heisst das für die Gesundheitspolitik, der Sie als Departementschefin im Aargau vorstehen? Die «Aargauer Zeitung» hat eine Umfrage veröffentlicht, in der die Bewohnerinnen und Bewohner befragt wurden, was ihnen wichtig ist im Kanton. Mit Abstand am meisten genannt wurden: Natur und Landschaft! Weit vor den Arbeitsplätzen und der Nähe zu den Zentren Zürich und Basel. Das zeigt deutlich: Die Menschen sehnen sich nach intakter Natur, weil sie ihnen Wohlbefinden schenkt. Die Verbindung zur Gesundheitspolitik ist klar: Wer sich wohlfühlt, wer sich erholen kann, ist gesünder. Ziel einer nachhaltigen Gesundheitspolitik muss sein, die Gesundheit zu erhalten, nicht nur die Krankheit zu bekämpfen. Menschen auf dem Land gehen beispielsweise weniger zum Arzt als Menschen in der Stadt. Ich 9 selber habe mir die Grenze von drei Arztbesuchen 9 pro Jahr gesetzt. Das ist ein 10 Mittel, sich selber etwas 8 zu beschränken. Damit 6 wir uns recht verstehen: 6 Das gilt natürlich nicht für 6 Kranke, sondern für gesunde Menschen wie mich.

DER GRUEN-FOOTPRINT Wie ökologisch lebt Susanne Hochuli? Saisonorientiertes Einkaufen Bio-Lebensmittel Fleischkonsum Einkaufsmobilität Papierprodukte Wasserkonsum Mode Total Punkte

54

54 Punkte = Eine Regierungsrätin kann nun mal nicht in Secondhand-Kleidern repräsentieren, und auch eine Glückwunschkarte ist halt mal auf Hochglanzpapier. Kein Problem, sonst ist alles vorbildlich. Der GRUEN-Footprint wurde vom WWF Schweiz für SI GRUEN entwickelt. Der Test soll für den Alltag sensibilisieren und Spass machen. Berechnen Sie Ihren eigenen Footprint auf den Seiten 16 und 17.

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Was machen Sie politisch für die Gesundheitsförderung? Ich habe zum Beispiel zusammen mit dem Bildungsdirektor ein Programm zur Gesundheitsförderung in den Schulen gestartet. Schon im Kindes- und Jugendalter beginnt, was sich später als

Gesundheit oder eben als Krankheit manifestiert. Wir dürfen uns bei den Kosten trotzdem keine Illusionen machen: Wir werden immer älter, und es gibt immer mehr Mittel und Therapien, die Krankheiten zu bekämpfen. Und es ist nur logisch, dass wir das in Anspruch nehmen wollen. Wie sollen die Kosten gesenkt werden? Ich sage es so: Mein Vater starb mit 53 Jahren an Krebs. Das war schlimm – er wollte leben und nicht sterben. Heute gäbe es wohl Therapien, die sein Leben verlängert hätten. Das Beispiel zeigt: Kosten senken ist eine Illusion. Das ginge nur, wenn der heutige Leistungskatalog der obligatorischen Krankenpflegeversicherung massiv eingeschränkt würde. Das hätte zur Folge, dass sich gewisse Leute bestimmte Therapien noch leisten könnten und andere eben nicht. Ich frage mich: Wie käme eine solche Zwei- oder Drei-Klassen-Medizin an? Wollen wir eine solche Entsolidarisierung? Wohl kaum. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir als Gesellschaft auch solch grundsätzliche Fragen diskutieren müssen, um herauszufinden, was tauglich ist und was nicht. In der Schweiz leben immer mehr Menschen. Schadet das der Umwelt? So einfach ist die Frage nicht! Wirtschaftlich sind wir nur so stark, weil wir die nötigen Arbeitskräfte auch im Ausland rekrutieren können. Die Erfolgsgeschichte der Schweiz ist denn auch eine Geschichte der Einwanderung und der Integration. Der Wohlstand, den wir uns so erarbeitet haben und weiter erarbeiten, hilft uns in allen Bereichen. Wir müssen aber lernen, unseren beschränkten Raum mit mehr Menschen zu teilen. Dazu braucht es neue Ideen in der Siedlungsentwicklung. Es braucht

Bio-Landbau www.fibl.org www.bioaktuell.ch www.bioforumschweiz.ch Haflingerpferde www.haflinger-swiss.ch


‌ immer zu einem Spass aufgelegt. Mit ihrer unkomplizierten und frÜhlichen Art schaffte sie den Sprung in die Regierung.

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gruen IntervIew

„Unsere Bäuerin­ nen und Bauern arbeiten mehr, um gesund und tiergerecht zu produzieren. Da­ für zahle ich gern einen fairen Preis.“ die Erkenntnis, dass wir auf weniger, aber geschickt genutztem Wohnraum ebenso glücklich sein und dafür Erholungsräume erhalten können. Es geht darum, auch einmal auf etwas zu verzichten, um etwas anderes nicht kaputt zu machen. Das gilt individuell, aber auch für die Gesellschaft als Ganzes. Die Natur wird immer weniger, weil wir immer mehr bauen und verbauen. Das ist ein grosses Problem, ja. Gerade deshalb ist es wichtig, die vorhandenen Naturwerte zu erhalten. Tatsache ist: Wir brauchen die Natur, sie braucht uns nicht. Man sieht das an kleinen Dingen, zum Beispiel an den winzigen, zähen Pflanzen, die sich durch die Asphalt­ strassen kämpfen und sich ihren Lebens­ raum zurückerobern. Was ich damit sagen will: Die Umwelt zu schützen, ist für die Menschheit nicht bloss ein Wunsch, sondern absolut existenziell und zudem völlig unideologisch.

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Idylle zu Hause: Die Hundenäpfe für Mira stehen ebenso bereit wie die Birkenstock-Sandalen und die Hängematte.

Der Kanton Aargau hat seine Vision eines Hightech- und Cleantech-Kantons vorgestellt … … weil wir uns für die Zukunft fit machen wollen. Der Kanton Aargau hat sowohl mit Blick auf die Produktion als auch mit Blick auf die Forschung einen hochwertigen Energie­Cluster, der sich zunehmend mit neuen Herausforderungen konfrontiert sieht. Das ist eine Chance, die wir nutzen wollen – auch für die kleinen und mittleren Unternehmen. Es geht um die Vermehrung und Vernet­ zung des Know­hows und letztlich um Arbeitsplätze und Volkseinkommen. Der Regierungsrat will helfen, dass das gelingt, und politisch einen nachhaltigen Beitrag für den Forschungs­ und Werk­ platz Aargau leisten. Sie haben in Ihrem Departement auch das Militär, das Ihnen einige Bürgerliche der «Stahlhelmfraktion» am liebsten wegnehmen würden.

Nun ja, es gab zu Beginn meiner Amts­ zeit ja auch eine Polemik, weil ich im Büro die High Heels ausziehe und barfuss gehe und im Sommer ab und an auf der Treppe draussen vor dem Departement ein Sandwich esse. Jetzt habe ich sogar noch ein Tattoo am Fussgelenk, und trotzdem bin ich sehr gern Militär­Direktorin! Ich weiss natürlich um den Verteidigungs­ auftrag der Armee. Das Militär hat aber auch andere wichtige Aufgaben. Denken wir an Umweltkatastrophen oder an Epidemien. Dann braucht es das Militär, um Soforthilfe leisten zu können. Aber auch in diesem Bereich fände ich es nach­ haltiger, wir hätten statt der Wehrpflicht einen generellen Gemeinschaftsdienst – alle Bürgerinnen und Bürger würden eine bestimmte Zeit ihres Lebens der Gesell­ schaft zur Verfügung stellen. Das würde einerseits die Frauen einbeziehen, sie andererseits aber auch entlasten, weil in der Betreuung von Angehörigen beispiels­ weise meist Frauen die Arbeit übernehmen.

Susanne Hochulis Partei www.grueneaargau.ch www.gruene.ch Das unterstützt sie www.wwf.ch Hier verbringt sie die Sommerferien


Susanne Hochuli trainiert mit ihrem Haflinger Atréju auf dem Sandplatz ihres Hofes in Reitnau AG.

Wie hat sich die Landwirtschaft seit Ihrer Kindheit entwickelt, die Sie auf einem Bauernhof verbracht haben? Das Bewusstsein für die Anforderungen an eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft ist enorm gewachsen. Früher band man die Kühe beispielsweise ganze Winter lang im Stall an. Nicht aus bösem Willen, sondern weil man dachte, es mache ihnen nichts aus. Das ist heute zum Glück ganz anders. Aber auch die Entwicklung im Bio-Landbau und in der integrierten Produktion ist sehr erfreulich. Gut für die Landwirtschaft und gut für uns Konsumentinnen und Konsumenten. Dafür sind die Lebensmittel in der Schweiz teurer. Aus gutem Grund – sie sind ja auch besser. Ich gehe nie im Ausland einkaufen, weil ich es schätze, dass unsere Bäuerinnen und Bauern Mehrarbeit in Kauf nehmen, um umwelt- und tiergerecht zu produzieren.

Müssten Ihrer Ansicht nach nicht alle Landwirte Bio-Bauern werden und biologisch produzieren? Nein, Bio-Bauer zu sein, ist eine Philosophie, eine Lebenseinstellung – wie wenn ein Arzt Homöopath wird, statt Schulmedizin zu betreiben. Ich habe das Land meines Hofes verpachtet und lasse es bewusst biologisch bewirtschaften, weil ich es schön finde, zu sehen, wenn so gebauert wird. Ganz abgesehen davon: Auch die Nicht-Bio-Bauern produzieren heute umweltgerechter. Das ist wichtig, weil für mich entscheidend ist, dass die Bauern Produzenten bleiben können. Ich halte nichts davon, Landschaftsgärtner aus ihnen zu machen. Sie sollen gesunde Lebensmittel produzieren und dafür einen fairen Preis bekommen. Wir Konsumentinnen und Konsumenten können mithelfen, indem wir saisongerechte Schweizer Produkte kaufen. Wir sind genauso verantwortlich für eine gesunde Umwelt wie die Bauern.

PERSÖNLICH Susanne Hochuli wurde 2009 als erste Grüne in den Aargauer Regierungsrat gewählt. Sie steht dem Departement Gesundheit und Soziales vor. Als Tochter des Initianten der Kleinbauerninitiative, René Hochuli, wurde sie schon früh politisiert. Sie lernte Kindergärtnerin, arbeitete als Journalistin und übernahm nach dem Tod ihres Vaters den elterlichen Hof in Reitnau AG. Als Reitpädagogin bot sie auch Pferdetherapie an. Heute hat sie noch drei Haflingerpferde. Zusammen mit ihrer 18-jährigen Tochter bewohnt sie den umgebauten Schweinestall des Hofes. Das Bauernhaus, in dem ihre Mutter wohnt, wird zurzeit energetisch saniert und mit einer Erdsonde ausgestattet. Das Land hat sie an ihren ehemaligen Lebenspartner verpachtet, der es biologisch bewirtschaftet.

(per Zug und Velo) www.berlin.de www.ostsee.de Vereinigung der Kleinbauern www.kleinbauern.ch

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DIE GRUENE LISTE

TOP 20 Wer bei den Nationalratswahlen vom 23. Oktober 2011 gewählt werden will, muss eine klare Botschaft haben, auffallen und auf Zack sein.Wir präsentieren 20 PLAKATE von Kandidatinnen und Kandidaten, für die Grün nicht nur eine schöne Farbe ist. Text: Monique Ryser

Hübscher und Glättli Urbane Geniesser: Lilith Claudia Hübscher, 48, und Balthasar Glättli, 39, holten sich Inspiration beim angesagten Kaffee-Kapselsystem und dessen Protagonisten George Clooney. Ob Glättli die Augen schliesst, weil er die Konkurrenz mit dem Frauenschwarm scheut? «Augen zu» geht auf einem Bild eigentlich gar nicht, sagt unser Chef. Da aber Lilith Claudia uns direkt anschaut und auch zeigt, dass sie Biss hat, wird die träumerische Note geschickt konterkariert. Grüne Geniesser ist eine clevere Botschaft.

Engagement: Die Zürcher Kantonsrätin aus Winterthur und der Stadtparlamentarier aus Zürich kämpfen neben dem Nationalratsmandat auch für den Ständerat. Meist bekommt man so genügend Stimmen für die Grosse Kammer. Hübscher lädt in ihrer Freizeit als Exkursionsleiterin zu Vogelexkursionen unter dem Titel «Schräge Vögel», wohnt in einer fünfköpfigen WG und wird im Fall einer Wahl knallgrünen Dinkelgras-Vollfrischapfelsaft vom BioBauern offerieren. Glättli darf sich rühmen, in Zürich eine Flanierzone am Stadelhofen initiiert und den Velofahrern vor dem Opernhaus freie Fahrt geschaffen zu haben. Na-ja-Faktor: Glättli möchte eine Lenkungsabgabe für Wohnraumverbrauch einführen. Das tönt schon etwas stalinistisch.

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9

GRUEN-Faktor: Beide sind gute Beispiele für urbane Grüne, die sich auch genauso präsentieren. GRUEN-FAKTOR

Das Rating 10: Auffällig gute Idee! 9: Hingucker 8: Professionell, aber etwas unterkühlt 7: Hausbacken 6: Was will uns der Kandidat /


10

GRUEN-FAKTOR

Aline Trede, 27 Ikone: Aline Trede bedient sich eines Bildes, das zur Ikone des Feminismus wurde, und scheut sich nicht, Kopftuch zu tragen. Die Postkarte entstand zum diesjährigen Frauenstreiktag und hat eine doppelte Botschaft: Junge packen an, und Humor ist ein guter Begleiter, wenn man etwas erreichen will. Er hilft, nicht aufzugeben, und täte auch der Politik manchmal gut: Wer gute Laune hat und Spass versteht, ist nicht, wie Griesgrame behaupten, etwas beschränkt. Im Gegenteil: Wenn sie gewählt werde, wolle sie als Erstes «für mehr Lachen im Nationalrat sorgen». «Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich dort alle so wichtig nehmen, dass sie gar nicht mehr gesamtschweizerisch denken können, sondern nur noch sich selber in den Vordergrund stellen.» Das Gefühl haben wir auch.

Engagement: Trede ist Vize-Präsidentin der Grünen Partei der Schweiz und Stadtparlamentarierin in Bern. Stolz kann sie sagen, dass sie alle ihre politischen Vorstösse im Stadtparlament durchgebracht hat, «manchmal auch mit bürgerlicher Hilfe, da wir mit unserer Musikband Fraktionszwang über die Parteien hinweg Freundschaften pflegen». So wurde denn, seit den Achtzigerjahren erstmals wieder, in Bern ein autofreier Tag durchgeführt – auf Initiative von Aline Trede. Beteiligt war sie auch am Gegenvorschlag zur Offroader-Initiative, und sie ist überzeugt: «Den Atomausstieg schaffen wir auch noch.» Sie bezieht deshalb auch schon lange Ökostrom und zahlt den entsprechenden Aufpreis, fährt konsequent

die Kandidatin sagen?

Velo und Zug (auch wenn sie an eine Probe der Band Fraktionszwang fährt, steigt sie nicht in einen Offroader ein) und kauft regionale und Bio-Produkte. Na-ja-Faktor: Da sucht man die Nadel im Heuhafen vergebens. GRUEN-Faktor: Nachhaltigkeit heisst für sie auch, Migration als Chance zu sehen, Solidarität, statt dem Geld nachzujagen, und eine Kreislaufwirtschaft, statt immer neue Rohstoffe zu verbrauchen. Und: «Eine Schweiz mit der kleinsten Suizidrate der Welt.»

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DIE GRUENE LISTE GRUEN-FAKTOR

9

Franziska Teuscher, 53

Jonas Fricker, 34

Das Original: Sie ist ein sicherer Wert und die mächtigste grüne Politikerin. Seit 1995 ist die Biologin im Nationalrat. Als VCSPräsidentin und Vize der Grünen kämpft sie unter anderem für den ÖV und die 3E-Strategie (Energie sparen, effizient nutzen, erneuerbare fördern). Schon 1995 hat sie eine Klimastrategie gefordert!

Mister Der Aargauer ist schon alt Parteipräsident und alt Grossrat und möchte nun Mister werden: Mister Nachhaltigkeit. Und erster grüner Bundesrat, der das letzte AKW vom Netz nimmt. «Um meiner drei Monate alten Tochter intakte Lebensgrundlagen zu hinterlassen.» Nur wer hohe Ziele hat, erreicht auch was – recht so!

GRUEN-FAKTOR

8

Bastien Girod, 28

Schwyter und Schmid

6

Footprint: Silvia Schwyter, 58, (Dritte von links) und Christian Schmid, 41, (Zweiter von rechts) sind Spitzenkandidaten der Grünen Thurgau. Der Kanton ist Spitze bei der Förderung erneuerbarer Energien. Der Fuss, wohl ein ökologischer Fussabdruck, könnte also kleiner sein.

GRUEN-FAKTOR

GRUEN-FAKTOR

10

Hürlimann Giger, Lang

GRUEN-FAKTOR

7

Zugkunft: Andreas Hürlimann, 29, Susanne Giger, gibt kein Alter an, sowie Jo Lang, 56 und bereits Nationalrat, wollen im Kanton Zug gewählt werden. Lang ist das Zugpferd und dürfte keine Probleme haben. Uns gefällt der Slogan: «Bezahlbare Wohnungen für diejenigen, die nicht ihr Geld für sich arbeiten lassen können.»

Daniel Vischer, 61

GRUEN-FAKTOR

6

10

46

GRUEN-FAKTOR

Handzeichen: Die Untermalung seiner Worte mit den Händen gehört zu seinem Markenzeichen. Der Zürcher, der beim SwissairGrounding schweizweit bekannt wurde, wagt mit Energie, Vielfalt und hängenden Schultern die Wiederwahl. Etwas beliebig für einen, der auf südländische Art mit den Händen spricht.

Christine Häsler, 48

Basisdemokraten Handarbeit: Die Jungen Grünen St. Gallen drucken ihre Plakate ab Holzschnitt selber beim Künstler Martin Amstutz. Nicht kommerzielle Nutzung und Effizienz zählen, sondern basisdemokratische Entstehung. Spitzenkandidaten sind Debora Buess, 20, und Michael Sarbach, 30.

Ganzheitlich: Der Zürcher versteht es wie kaum ein anderer, immer genau den richtigen Gang einzulegen. Sein Plakat fällt auf und zwingt zum genaueren Hinschauen. Das tut auch er, der im Bereich Klimaszenarien forscht. In der ersten Legislatur hat er mit Offroadern Furore gemacht, jetzt will er die Wirtschaft ergrünen lassen.

GRUEN-FAKTOR

9

Denkerin: Die Fraktionspräsidentin der Grünen im Berner Grossen Rat wünscht sich mehr Brückenbauerinnen und weniger Muskelspiele und Rechthaberei. Als Behinderten-Lobbyistin weiss sie: Jede darf Schwächen haben. Ihre ist: «Ich liebe einen PorscheCayenne-Fahrer.» Und wir lieben das stimmige Plakat.

Das Rating 10: Auffällig gute Idee! 9: Hingucker 8: Professionell, aber etwas unterkühlt 7: Hausbacken 6: Was will uns der Kandidat /


Gertrud Häseli, 48 Konzeptkunst: Wäre diese Installation nicht von Gertrud Häseli, sondern von jemandem mit klingenderem Namen, würde diese Werbung unter Konzeptkunst laufen. So sagen wir einfach: Nehmen Sie Platz, Madame. Zwar mahnen die Tücher ein ganz klein wenig an Operationssaal, aber schliesslich braucht es Einschnitte und Eingriffe, will man die Welt grüner machen. Die Bundesstadt ist sich mit Zaffaraya und Zeltcamp vor den BKW einiges gewohnt. Eine Aargauerin, die so ihren Weg nach Bern bewirbt, dürfte sich also heimisch fühlen – aber nicht mehr auffallen.

Engagement: Gertrud Häseli ist Präsidentin der Grünen Kanton Aargau, Grossrätin und Bio-Bäuerin in Wittnau. Neben grünen Anliegen setzt sie sich auch ein für Arbeit und Bildung für Sozialhilfebezüger, familienergänzende Kinderbetreuung, Offenheit und Gleichstellung statt Geschlechterkampf. Zu Hause wird mit Solarenergie geduscht und mit Holz geheizt. Eines ihrer Ziele ist die 2000-Watt-Gesellschaft. Na-ja-Faktor: «Worte sind schön, aber Hühner legen Eier» ist ein Slogan, den wir nicht ganz verstehen.

GRUEN-FAKTOR

9

GRUEN-Faktor: Wertschätzung gegenüber den Mitmenschen ist ihr ebenso wichtig wie der Schutz der Umwelt. Als Bio-Bäuerin weiss sie, wovon sie spricht, und tritt ganz konkret den Beweis an, dass sie auch Mehraufwand dafür in Kauf nimmt.

Michel Seiler, 62 Echt: Hier ist einer, der nichts vorspielt, der sich zeigt, wie er ist, und damit sagt, dass das genügen muss. Er ist einfach der Michel Seiler aus Trubschachen BE, und er will in den Nationalrat. So herrlich unaufgeregt ist nur, wer in sich ruht – und mit einer Frau namens Holle zusammen ist. Seiler ist Heimleiter im Berghof Stärenegg, wo Kinder nach anthroposophischen Grundsätzen leben und in die Schule gehen. Seine Eltern hatten das erste anthroposophische Schulheim gegründet, er hat in der Zwischenzeit das System in 35 Höfen in der Schweiz und in Europa eingeführt.

Engagement: Seiler ist Gemeindepräsident von Trubschachen und begrüsst die Besucher der Website mit folgenden Worten: «Höger, Wäuder, Bäch u Schache, ueche, ache, schnuufe u lache.» So soll es sein. Er lebt Selbstversorgung vor, möchte maschinelle Arbeit verteuern, dafür menschliche Arbeit durch weniger Steuern günstiger machen. «Das führt zu weniger Arbeitslosigkeit, mehr Zufriedenheit und weniger Energieverbrauch.» Na-ja-Faktor: Im Politbetrieb im Parlament drohen Originale abgeschliffen zu werden.

GRUEN-FAKTOR

die Kandidatin sagen?

10

GRUEN-Faktor: «Ich wohne und arbeite am gleichen Ort und in einer Gemeinschaft. Heize und koche mit Sonne und Holz, habe einen kleinen Lohn, produziere in Frankreich Solarstrom, fahre nur im Gemeinschaftsauto und mit Flyer-Velo.» Hut ab, Herr Seiler.

47


DIE GRUENE LISTE GRUEN-FAKTOR

9

Kunz, Bänziger

Jolanda Spiess, 30

Duopol: Nachhaltig und Strahlen ist nicht wirklich originell, aber zum Bild von Marlies Bänziger und Markus Kunz, beide 51, passts einfach! Die Nationalrätin und der NR-Kandidat wollen, dass die Schweiz als grünes Land eine Vorreiterrolle spielt. Dass sie eine Wahl als Privileg bezeichnen, ehrt sie und freut die Wählenden.

Kindergerecht: Die Stadt Zug will zur 2000-Watt-Gesellschaft werden, und Jolanda Spiess-Hegglin hat sich dafür eingesetzt. Ihre beiden Kinder, 2 und 4, werden darauf vorbereitet: So kennt der Vierjährige das kantonale Busnetz und alle Bahnhöfe von Zug nach Locarno auswendig. Das nennen wir zukunftsgerichtet.

GRUEN-FAKTOR

8

Müller, 51, Schreiber, 41

Die grünen Oberwalliser

7

Teamwork: Nein, wir wollen nicht hören, Wallis und grün gehe nicht zusammen! Geht sehr wohl, wie dieses Gruppenbild der Grünen Oberwallis beweist. Es scheint aber, als ob die Kandidierenden in die Natur reinmontiert wurden – das ist doch etwas gewagt. Trotzdem gefallen sie uns.

GRUEN-FAKTOR

GRUEN-FAKTOR

6

GRUEN-FAKTOR

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Alec v. Graffenried, 49

Katharina Prelicz, 51

Aristokratisch: Dass einer mit Bernburger Namen vor einem Weinberg posiert, ist passend – und nimmt Rücksicht auf die neuen grünen Wählerschichten. Er ist bereits Nationalrat und kandidiert auch für den Ständerat. Er hat es geschafft, ein Netzwerk «Nachhaltiges Bauen» zu etablieren. Das ist wirklich stark.

Sozial: Die Zürcherin engagiert sich vor allem im Sozialbereich, denn «gleiche Lebenschancen für gegenwärtige und zukünftige Generationen» bedingen auch eine intakte Umwelt. Prelicz-Huber definiert grüne Politik auch als Friedensprojekt. Recht so, wir würden raten, das noch deutlicher zu machen,

GRUEN-FAKTOR

6

Urs Frieden, 55

Zeugin, 34, Meier, 47

6

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GRUEN-FAKTOR

Ökoheim: Geri Müller ist ein Altbekannter, Patricia Schreiber will es werden. Die beiden Aargauer sind vor allem in einem ein Vorbild: Sie wohnt in einem MinergieP-Haus, er baut ein 500-jähriges Gebäude energiegerecht um. Ein solcher Leistungsausweis würde sich auch eignen, um die Aargauer zu überzeugen.

Liber(ban)al: Michael Zeugin, 34, und Beat Meier, 47, aus Winterthur sehen etwas brav aus. Dabei werden die Grünliberalen doch als neue starke Kraft gehandelt. «Ökologisch erneuerbar, gesellschaftlich liberal» ist zwar eingängig, aber wir hättens trotzdem gerne etwas konkreter.

GRUEN-FAKTOR

9

Mit Hirn: Das ist noch kein Plakat, aber es könnte eins werden. Der grüne alt Stadtratspräsident von Bern produziert hier Strom für ein Rap-Konzert am Anti-AKWCamp. Seinen Slogan «Mehr Hirnund Solarzellen» finden wir stark. Er ist auch beteiligt an «100 Solardächer für Bern» und engagiert sich in der Fussball-Fanarbeit.

10: Auffällig gute Idee! 9: Hingucker 8: Professionell, etwas unterkühlt 7: Hausbacken 6: Was will uns der Kandidat /die Kandidatin sagen?


GRUEN UNTERNEHMEN

A. VOGEL

Die Naturheilmittel von Alfred Vogel sind weltbekannt. Bioforce-CEO Robert Baldinger hat aus der Ein-Mann-Marke eine florierende Firma geformt. Text: Christine Zwygart / Fotos: Michael Lio

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Tinktur der N


Robert Baldinger probiert Neuheiten gern selber aus. Das bekannteste Produkt von Bioforce ist das St채rkungsmittel Echinaforce.

N atur

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GRUEN UNTERNEHMEN Blüten, Blätter und Stängel der Schafgarben kommen vom Feld schnellstmöglich in die Produktion.

Die jungen Triebe des Efeus enthalten einen Wirkstoff, der Hustenreiz lindert. Löwenzahn regt den Gallenfluss an, und Arnika hilft bei lokalen Schmerzen und Entzündungen. Nur frisch verarbeitet entfalten die Pflanzen ihre ganze Wirkung – davon war Naturheilkunde-Pionier Alfred Vogel bereits in den Dreissigerjahren überzeugt. Und dieser Philosophie ist die Bioforce AG treu geblieben. In Roggwil TG stellt die Firma heute die VogelProdukte her: Innerhalb von 24 Stunden nach der Ernte werden die Frischpflanzen hier zu

In der Fabrik in Roggwil TG werden die Pflanzen verkleinert und eingelegt. So entsteht eine Tinktur.

„Die Mitarbeiter sehen von A bis Z, was wir produzieren.Von der Anlieferung der Pflanzen bis zum Abholen der Heilmittel.“ Tinkturen und Naturheilmitteln verarbeitet. «Das ist unser Markenzeichen und unterscheidet uns von anderen Produkten aus getrockneten Pflanzen», erklärt CEO Robert Baldinger, 59. Die Anerkennung des gelernten Chemikers gegenüber dem einstigen

BIOFORCE – DIE KENNZAHLEN Die Bioforce AG gehört zu 80 Prozent einer von Gründervater Alfred Vogel geschaffenen Stiftung, die restlichen Aktien sind im Besitz von Mitarbeitern und Mitgliedern der Familie Vogel, die seit der ersten Stunde dabei sind. Der Umsatz von 108 Millionen Franken teilt sich in drei Geschäftsfelder auf: Naturheilmittel (62 Prozent), Nahrungsmittel (36 Prozent) und Publikationen (2 Prozent). In Roggwil TG werden jedes Jahr 200 Tonnen Frischpflanzen verarbeitet. Eine ähnliche Anlage betreibt die Firma im holländischen Elburg, und in Colmar (F) entstehen die Frischkräutersalze. Weltweit beschäftigt Bioforce 345 Personen, davon 145 in der Produktion in Roggwil sowie im Verlag und im Heilkräuter-Schaugarten in Teufen AR. www.avogel.ch

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Fünf Anlagen für flüssige, feste und pulverförmige Medikamente stehen zum Verpacken zur Verfügung.

Pionier schwingt mit: «Vogel schwamm damals mit seiner Theorie gegen den Strom. Doch sein Wissen stammt von unzähligen Reisen in fremde Länder, wo er viel über pflanzliche Heilkräfte lernte.» Aus dem Ein-Mann-Betrieb von damals ist eine Firma mit weltweit 345Angestellten geworden. In Roggwil verlassen jedes Jahr 5,2 Millionen Packungen Tabletten, Sprays, Tropfen, Cremes und Kapseln die Produktionshalle. «Wir achten auf biologischen Anbau der Pflanzen und handeln stets mit Respekt vor Umwelt und Mitmenschen», sagt Baldinger. Auch der Grundgedanke der Ganzheitlichkeit ist geblieben. So bietet das Unternehmen nicht nur Heilmittel an, sondern stellt auch biologische Nahrungsmittel her und liefert

Informationen rund um ein Leben in Einklang mit der Natur. «Mit dieser Einheit wollte Alfred Vogel die Menschen ermuntern, gesund zu leben. Daran halten wir noch heute fest.» Der Chef selber geht mit gutem Beispiel voran und kommt jeden Morgen mit dem Velo zur Arbeit.

Der Indianerhäuptling und die Samen der Echinacea Das bekannteste A.-Vogel-Produkt ist Echinaforce. Das Präparat, das die Abwehrkräfte stärkt und gegen Erkältung hilft, erwirtschaftet allein ein Viertel des ganzen Umsatzes. «Sind die Winter streng, zahlt sich das für uns aus», sagt Robert Baldinger mit einem Augenzwinkern. Die

Die Firma www.bioforce.ch Publikationen und Produkte www.avogel.ch Label «Friendly Work Space» www.gesundheitsfoerderung.ch


Inhaltsstoffe des Heilmittels stammen vom Roten Sonnenhut, der Echinacea purpurea – einer Pflanze mit violett-roten Blütenblättern, die ein stachliges Zentrum umfächern. Die Blumen wachsen auf den Feldern rund um den Firmensitz, verteilt auf 600 Aren, betreut von drei Bauern. Drei Jahre kann eine Pflanze genutzt werden, dann kommen die Wurzeln aus der Erde, und die Felder liegen drei Jahre brach. «Der Boden braucht diese Ruhe», so der CEO. Gedüngt wird hier mit Kompost, der aus der Produktion entsteht – also mit den Abfällen der Pflanzen selber. Das verwendete Saatgut des Roten Sonnenhuts stammt aus South Dakota in den USA: Alfred Vogel reiste 1953 dorthin und lernte Sioux-Häuptling Ben Black Elk kennen. Dieser weihte ihn in das Wissen der heilenden Wirkung von Echinacea ein und schenkte ihm ein paar Samen. Die Setzlinge auf den BioforceFeldern sind bis heute Zöglinge davon. Sind die Blumen «reif» und haben ihre volle Wirkung entfaltet, werden sie maschinell geerntet. Ein Häcksler verkleinert die Blüten samt Blättern und Stängeln. In grossen Tanks werden sie in Alkohol eingerührt und eingelegt, damit sich die Wirkstoffe herauslösen. Filtriert entsteht eine Tinktur, aus der sich durch Destillieren ein Extrakt für Tabletten herstellen lässt. Gelagert werden die wertvollen Tinkturen in gigantischen Tanks aus Chromstahl – dem Herzstück der Firma. Je nach Bedarf können die einzelnen Heilmittel von hier weiter zu Tabletten, Sprays oder Kapseln verarbeitet und verpackt werden.

In Holland ist A.Vogel so bekannt wie Coca-Cola In Teufen AR können Besucher durch Gärten mit Heilpflanzen wandeln – und Alfred Vogels Museum besuchen.

Infos über Heilpflanzen www.pharmawiki.ch Alles über den Gründervater www.alfredvogel.com

«Unsere Mitarbeiter sehen von A bis Z, was wir produzieren. Von der Anlieferung der Pflanzen bis zum Abholen der Heilmittel an der Rampe», sagt Robert Baldinger. Das sei ein

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GRUEN UNTERNEHMEN

„Die Leute wollen heute wissen, von wo ein Produkt kommt. Und die Globalisierung verstärkt diesen Trend.“ Anreiz, der nicht jede Firma bieten könne. Stolz erzählt er, dass Bioforce als eines der ersten KMU das Label «Friendly Work Space» von Gesundheitsförderung Schweiz erhielt: «Ich führe das Unternehmen so, wie ich selber gern geführt werden möchte.» Baldinger stiess 1995 zur Firma. Ihm ist es in den vergangenen Jahren gelungen, das Lebenswerk des Pioniers weiterzuführen – und vor allem auch weiterzuentwickeln. Es gibt Länder, da ist die Marke A. Vogel so bekannt wie CocaCola: 90 Prozent der Holländer kennen die Produkte – in der Schweiz sind es etwa 70 Prozent. Zwei Drittel der in Roggwil hergestellten Ware sind für den Export bestimmt. Die Heilmittel aus der Schweiz sind in über zwanzig Ländern weltweit etabliert, selbst in Südafrika und

Kanada stehen die Packungen mit dem grün-weissen Logo und dem Schriftzug A.Vogel in den Läden. Pflanzliche Präparate können heilen – aber nicht immer. «Wir ersetzen keine Operation oder schulmedizinische Behandlung», betont CEO Baldinger. Und auch bei Bakterien sei stärkeres Geschütz gefragt. Er sieht die Naturheilmittel viel mehr als Bestandteil einer breiten Palette im Gesundheitswesen. «Jeder Mensch soll selber wählen, was für sein Problem im Moment das Beste ist.» Und dabei den gesunden Menschenverstand walten lassen. In Teufen AR, auf einem Plateau hoch über dem Dorf, hat Alfred Vogel gelebt, als Naturheilarzt gearbeitet und Bücher verfasst. «Der kleine Doktor», ursprünglich geschrieben für

DER GRUEN-FOOTPRINT Wie ökologisch lebt Robert Baldinger? Saisonorientiertes Einkaufen

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Bio-Lebensmittel

6

Fleischkonsum

10

Einkaufsmobilität

12

Papierprodukte

9

Wasserkonsum

6

Mode

3

Total Punkte

55

55 Punkte = Der CEO geht mit gutem Beispiel voran und widerspiegelt in seinem persönlichen Verhalten auch die ökologische Philosophie des Unternehmens. Der GRUEN-Footprint wurde vom WWF Schweiz für SI GRUEN entwickelt. Der Test soll für den Alltag sensibilisieren und Spass machen. Berechnen Sie Ihren eigenen Footprint auf den Seiten 16 und 17.

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Menschen in abgelegenen Gebieten, entwickelte sich zum Klassiker. Das Buch mit Tipps zur Selbsthilfe in der Naturheilkunde hat sich 2,5 Millionen Mal verkauft und wurde in zwölf Sprachen übersetzt.

Neue Mittel gegen Hitzewallungen und akute Erkältung In den Räumen des ehemaligen Wohnhauses ist heute der Verlag der Firma untergebracht, ebenso ein Museum mit Vogels antiken Instrumenten. Umgeben ist das Gelände von einem Garten, in dem die Besucher die Heilpflanzen betrachten und etwas über ihre Wirkungsweise lernen können. «Die Leute wollen heute wissen, von wo ein Produkt kommt. Und die Globalisierung verstärkt diesen Trend», ist Robert Baldinger überzeugt. Die Pflanzen, die Bioforce nutzt, wachsen grösstenteils in der Schweiz. Nur wenige exotische Exemplare stammen von Plantagen in Florida, Südafrika oder auch Deutschland. Immer mehr Menschen – vor allem auch die zunehmende Zahl von Senioren – befassen sich mit Gesundheit, LebensqualitätundUnabhängigkeit. «Mit unseren Produkten liegen wir im Trend. Das ist gut für unsere Zukunft.» Aus dem firmeneigenen Forschungslabor kommen zudem

Die beiden Standort-Gemeinden www.roggwil-tg.ch www.teufen.ch

immer wieder Innovationen, die neue Märkte erschliessen sollen – wie der eben entwickelte Halsschmerzen-Spray, ein Gemisch aus Salbei (entzündungshemmend), Rotem Sonnenhut (antiviral) und Pfefferminze (kühlender Effekt). «Dieses Produkt wird uns helfen, etwas aus dem Wintergeschäft mit Echinaforce herauszukommen», hofft CEO Baldinger. Von der Idee über klinische Tests bis hin zum bewilligten Produkt vergehen Jahre, und die Anforderungen für die Zulassung eines neuen Medikaments sind enorm. «Wir arbeitend dafür auch mit Partnern wie Universitäten und Hochschulen zusammen, sonst wäre die Forschung gar nicht möglich.» So hatten die Schweizer Wintersportler an den Olympischen Spielen im kanadischen Vancouver im Gepäck ein brandneues Heissgetränk gegen Erkältung, bestehend aus Echinacea und Holunder. «Die Rückmeldungen waren durchwegs positiv. Also entwickeln wir weiter in diese Richtung.» Auch ein Präparat aus Salbei gegen Hitzewallungen sehe derzeit erfolgversprechend aus. Und die neuen Sofort-Energie-Toffees aus Früchten, Kakao und grünem Hafer hat der Chef gleich selber ausprobiert: «Die nahm ich mit auf eine Velotour und fand sie eine gute Alternative.»


gruen reportage

Zunächst gehts über Asphalt. Die ersten Plaudereinheiten werden ausgetauscht.

müller wandert Das Aktionskollektiv «Müller wandert & vereint» zelebriert Wandern als «Pfad-Art». Das Gehen paart sich mit humoristischen Happenings.

Text: Marysia Morkowska Fotos: Stephan Rappo

Gemeinsam heiter weiter 56

Müller wandert www.muellerbewegt.ch Mit den «Müllers» sympathisierende Künstlergruppe www.burythejumbo.com


«Müller»-Initiator Ste Haltiner auf der Suche nach der richtigen Abzweigung.

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gruen reportage

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Am Stadelhoferplatz in Zürich, samstags um 12 Uhr. Inmitten des Shopping-Taumels begrüsst sich ein bunter Haufen junger Menschen. Lauter urbane Gestalten, die meisten von ihnen sind Mitte dreissig. An ihren Füssen stecken schicke Stüssi-

Treter, robuste Scarpa-Wanderschuhe und ausgelatschte Flipflops. Die Stimmung knistert vor vergnügter Vorfreude. Denn der Newsletter von «Müller wandert & vereint» hat zu einem «Swissness Survival Day» eingeladen. Das bedeutet so viel wie ein lustiges GemeinschaftsHappening, das bevorsteht, eine

Auf dem Loorenkopf-Turm wird die Höhenangst ausgelotet – auch schriftlich.

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sogenannte «Müller-Aktion». Kaum jemand weiss, was nun folgt. Aber genau darin liegt der Reiz. «Müller-Aktionen» sind wie Wundertüten, die sich laufend auspacken.

1 Anfangs läuft die Gruppe diszipliniert wie echte helvetische Wandervögel. 2 So erfolgen die Briefings für die «Müller-Aktionen». 3 Nach der Stadt gehts allmählich in die Natur über.

In der General-GuisanMaske gings zur Generalversammlung Vorerst wirkt das Szenario helvetisch bieder. In einer Vorstellungsrunde nennen die 23 Teilnehmenden ihre Lieblingswanderung. Aletschgletscher und Kistenpass werden erwähnt, ebenso «der Weg von der Badewanne zum Kühlschrank» oder «auf der Dachterrasse im Kreis herum». Ste Haltiner, einer der beiden Initianten, sagt «vo Luzern uf Wäggis zue» und schmunzelt. Dann hält er die gelbe Wanderkarte hoch und erklärt, dies sei das Zeichen zum Hinterherlaufen – «wie bei anderen Wandergruppen auch». Amüsiertes Kichern antwortet.

Los gehts. Einige hundert Meter über Asphalt, dann am Botanischen Garten vorbei. Ins Gespräch zu kommen, fällt leicht. Moise, Geschäftsführer einer Internet-Firma, «müllert» schon lange mit. Er schwärmt von der zweitägigen Wanderung im Pizolgebiet, die ironisierend als Vereinsaktivität inszeniert war. Als Generalversammlung zogen alle beim Gehen eine General-Guisan-Maske an: «Die anderen Wanderer kamen aus dem Staunen nicht heraus», lacht er. Dann verabschiedete man das Budget. Wortwörtlich. Jeder warf ein Geldstück

Initiator von Müller wandert www.steund.de Hedonistische Internationale www.hedonist-international.org World Peace Academy Basel


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den Berg hinunter. Debbie ist Creative Director einer EventAgentur und gehört zum harten Kern der Gruppe. Ihr gefällt, dass immer wieder neue Leute teilnehmen. «Man geht zusammen auf eine Reise», sagt sie, «und erlebt andere Blickwinkel.» Nun biegt die Wandergruppe ins Wildbachtobel ein. Das Tempo ist gemächlich, denn zuerst müssen sich alle gründlich sattplaudern. Und der dreijährige Wim wechselt immer wieder mal die Schulter.

Und nun kommt der Müller’sche «Swissness Survival Day» Nach drei viertel Stunden erfolgt der erste Halt im Wald. Ste Haltiner erklärt, laut dem Bundesamt für Statistik hätten ausländische Touristen in den Schweizer Bergen oft Unfälle. Nun gelte es, eine Taskforce aufzubauen. Der Müller’sche «Swissness Survival Day» sei

3

„Mir gefällt, dass immer neue Leute kommen, man zusammen auf eine Reise geht und andere Blickwinkel erlebt.“ Debbie die Schulung dafür. Das heutige Motto laute «Mut/Angst». Es biete sich die Möglichkeit, dieses urschweizerische Thema näher kennenzulernen. Alle schmunzeln, denn ganz offensichtlich handelt es sich um eine Performance – also um künstlerisch angehauchtes Spiel. Nun übernimmt der zweite «Müller»Initiator. Iokke lautet sein Künstlername. Er macht Schreiund Schüttelübungen, welche die Gruppe brav nachahmt. Nach diesen Gesangsvorbereitungen wird das Lied «Mir Senne heis luschtig» intoniert. Alle sollen die erste Strophe mit

dem Jodel auswendig lernen. Für einen Flashmob in der Dolderbahn, wie sich später herausstellt. Begonnen hat «Müller wandert & vereint» im Januar 2005. Damals verkehrten die beiden Initiatoren in der urbanen PartySubkultur und suchten ihr Glück in Technobeats. Ste Haltiner absolvierte die Zürcher Hochschule der Künste, Iokke hatte eine Londoner Filmschule bereits hinter sich. Sie begannen, über ihre Wertvorstellungen zu diskutieren. Auch darüber, was ihnen innerlich Halt und Boden gab. So entdeckten sie ihre Fas-

zination für urchige helvetische Rituale wie Jassen und Cervelatbraten. Sie erinnerten sich an den Charme ländlicher Schulausflüge. «All diese romantischen Dinge», erzählen sie, «wolltenwirineinemzeitgemässen, urbanen Kosmos wieder aufleben lassen.» Also inszenierten sie eine Galerie als Vereinslokal und stilisierten die Vernissage zur Vereinsgründung. Das Lied vom Wandern als «des Müllers Lust» wurde namensgebend. Künstlerisch sind die «Müller»Macher von der Happeningkunst der Sechzigerjahre

www.world-peace-academy.ch Flashmob www.nullsinn.ch http://flashmob.bplaced.net http://flashmob.twoday.net

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gruen reportage

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1

inspiriert. Museen sind ihnen ein Gräuel und selbstdarstellerische Künstler-Egos erst recht. Sie interessieren sich mehr für Fragen der Wahrnehmung. «Wir lachen gern und mögen Menschen», lautet ihr Credo. So entstand das Motto «Gemeinsam heiter weiter». Ihre Wander-Aktionen nennen sie «Pfad-Art» – in Anleh-

nung an die Streetart. Bei einer von ihnen schnupperten die Teilnehmer an Kirschblüten. Bei einer anderen spazierten sie mit Gehörschutz über die verkehrsreiche Hardbrücke. Denn Wandern bedeutet unter anderem, die Sinne zu öffnen. Seit 2007 ist das «Müller»-Kollektiv auch die Zürcher Sektion der Hedonisti-

schen Internationale. Dieses lose Netzwerk von AktivistenGruppen zwischen Berlin, Malmö und Seattle propagiert Lebensfreude abseits der materialistischen Spassgesellschaft. Ihre Aktionen führen die Gruppen in Eigenregie durch. Und weil die «Müller»-Initianten nichts vom mahnenden Zeigefinger halten, sondern auf Vergnügtheit setzen, weiteten sie ihre skurril-hintersinnigen Happenings aus. Als im Oktober 2008 die Finanzblase platzte, zog man an den Paradeplatz und liess Seifenblasen steigen.

Die Stimmung steigt wie bei einer übermütigen Primarschulklasse

Die beiden Diakonissinnen haben Freude an den «Müller»-Wanderern.

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Inzwischen ist es ruhiger um die beiden Künstler geworden. Ste, 36, arbeitet als SocialMedia-Manager und Iokke, 39, als Heilpädagoge. «Müller» hat sich als Marke etabliert. Neuerdings werden die beiden Krea-

tiven offiziell mit Aktionen beauftragt, so von der World Peace Academy in Basel. Sie brachten deren ausländischen Studenten die «Swissness» näher. Die Wahl der Friedens-Akademie fiel auf die «Müllers», weil sie die Schweizer Volkskultur nicht politisch ausschlachten. Die heutige Samstagswanderung in Richtung Loorenkopf geht weiter. Noch eine gute Stunde vorbei an Bäumen und Dickicht. Die Hitze steigt, selbst im Schatten treten Schweissperlen auf die Stirn. Eine Raupe, die über den Kiesweg kriecht, wird bewundert. Die Gespräche hüpfen daher wie muntere Rehlein. Matthias, der im Bundesamt für Entwicklungshilfe arbeitet, erzählt von einer Wanderung in den peruanischen Anden. Simona, Projekt-Portfolio-Managerin in einem Lebensmittelkonzern, begeistert sich an der erholsamen Wirkung der Natur. Endlich kommt der Loorenkopf-Turm in Sicht. Zeit für

Wanderung zum Loorenkopf-Turm www.ausflugstipps.zvv.ch Interessante Tageswanderungen, auch in Zürich www.wandersite.ch


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das Picknick! Die Stimmung steigt wie bei einer übermütigen Primarschulklasse. Schnell sind die Tupperware mit den Rüebli und Fencheln ausgepackt, ebenso die Käsesandwiches und Appenzeller Biberli. Genüsslich wird schnabuliert, getauscht und geschnorrt.

In der Dolderbahn singen die «Müllers» laut das «Puuräbüebli» Bald erfolgt die Einführung in die nächste «Müller-Aktion». Bei der Rettung ausländischer Touristen in den Schweizer Bergen, so erläutert Ste Haltiner, sei es ratsam, sich mit der Höhenangst auseinanderzusetzen. Wer wolle, könne nun auf den Turm steigen, so hoch, bis die Angst komme. Und eben dort einen Satz hinschreiben, der das Wort «Höhenangst» positiv-kreativ ergänzt. Wasserlösliche Filzstifte zirkulieren. Anschliessend folgt das Briefing für das letzte

1 Turnschuhe jeglicher Couleur tragen die urbanen Aktivisten durchs Leben. 2 Diese Flipflops wurden für drei Franken in Buenos Aires gekauft. 3 Viviana und Simon sind das erste Mal dabei. 4 Die beiden «Müller»-Initianten Iokke (l.) und Ste Haltiner.

Happening: ein Flashmob in der Dolderbahn. Ein Flashmob ist ein scheinbar spontaner Menschenauflauf an öffentlichen Plätzen, bei dem die Teilnehmer ungewöhnliche Dinge tun, etwa tanzen oder erstarrt stehen bleiben. Eine einzelne Person beginnt, für die unwissenden Passanten völlig überraschend. Nach und nach tun es ihr die eingeweihten Mitspieler gleich. Die Aktionsgruppe wird also konspirativ «Mir Senne heis luschtig» anstimmen. «Singen in der Öffentlichkeit braucht Mut», sagt Ste Haltiner, darum ist dieser Flashmob Teil des

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«Swissness Survival Day». Auf dem letzten Kilometer vor dem «Dolder Grand» splittert sich die Wanderschar in kleine Gruppen auf, um möglichst unauffällig an der Station einzutreffen. Das nichts ahnende Publikum in der Dolderbahn besteht aus einer Handvoll jungen Erwachsenen und Kindern sowie älteren Eheleuten. Letztere staunen, als der Gesang beginnt. Je länger, desto mehr zeigen ihre Gesichter Freude. Für einmal sprengt die Schweizer Volkskultur alle Grenzen. Spontan stimmen die «Müllers» auch das «Puuräbüebli» an. Am Römerhof bekommen die lustigen Aktivisten noch eine letzte Inspiration auf den Weg. Zu Hause sollen sie das Licht anschalten und ihren Schattenwurf mit Kreide nachzeichnen. Anschliessend darüberhüpfen. Über den eigenen Schatten zu springen, sei eine einschneidende Erfahrung, fabuliert Ste Haltiner. Dann beginnt es zu regnen.

DIE ZWEI NÄCHSTEN EVENTS Begonnen hat «Müller wandert & vereint» im Januar 2005. Die beiden Initianten Ste Haltiner und Iokke entdeckten ihre Faszination für urchige helvetische Rituale wie Jassen und Cervelatbraten und wollten sie wieder aufleben lassen. Sie erinnerten sich an den Charme ländlicher Schulausflüge. Die «Swissness Survival Days» von «Müller wandert & vereint» (www.muellerbewegt.ch) sind als Trilogie angelegt. Der zweite Teil ist dem Thema «Energie/Lethargie» gewidmet, der letzte steht unter dem Motto «Orientierung/Ekstase».

Zusammen wandern www.wandern.ch www.wandertreff.ch www.ppb.ch www.bergsportschulen.ch www.sac-cas.ch

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GRUEN WANDERN

Geschichte erleben Reisen wie Thomas Cook oder die Route des Sbrinz entdecken: Auf den Via-StoriaKulturwanderungen wird Vergangenheit lebendig.

Text: Monique Ryser VIA SPLUGA Schwankende

Stege, enge Brücken, abgrundtiefe Schluchten: Der Saumweg über den Splügenpass war nichts für schwache Nerven. Heute ist der Weg sicher und breit, aber keineswegs weniger eindrücklich. VIA COOK Der englische Tourismuspionier Thomas Cook

kam 1863 erstmals mit einer Reisegruppe in die Schweiz. Die Via Cook führt von Genf über das Wallis und das Berner Oberland in die Zentralschweiz und entlang dem Jurasüdfuss in die Dreiseenregion. Diese Schönheiten haben das Reiseland Schweiz begründet. VIA FRANCIGENA Die Via Francigena folgt der Route, die Sigerich der Ernste, Erzbischof von Canterbury, im Jahr 990 in seinem Reisetagebuch festhielt. Die von ihm genannten Etappenorte in der Schweiz sind Yverdon, Orbe, Lausanne, Vevey, Aigle, SaintMaurice, Orsières und BourgSaint-Pierre. Um die Route heute angenehmer zu gestalten,

sind weitere Stationen hinzugefügt worden. VIA GOTTARDO Die Via Gottardo folgt grösstenteils der zu Beginn des 13. Jahrhunderts erschlossenen Route von Basel beziehungsweise Schaffhausen über den Gotthardpass nach Chiasso und Mailand.

Täler der Birs und der Schüss führt, ist von grosser historischer Bedeutung. Beim Felsentor Pierre Pertuis mit seiner antiken Inschrift wird ihre Geschichte fassbar wie kaum an einem anderen Ort.

VIA JACOBI Als Teil des europäischen Jakobswegs führt die Via Jacobi dem Alpenfuss entlang vom Bodensee nach Genf – quer durch die Schweiz. Wie Perlen auf einer Kette reihen sich Kapellen, Kirchen und Herbergen.

VIA RHENANA Die Route erschliesst Untersee und Hochrhein, die historische Wasserstrasse von Konstanz nach Basel. Sie führt durch Naturlandschaften und verbindet Kulturzentren von europäischer Ausstrahlung wie die Städte Konstanz, Schaffhausen und Basel und das Unesco-Weltkulturerbe der Insel Reichenau.

VIA JURA Die Via Jura, die von Basel nach Biel durch die

VIA ROMANA Die Via Romana führt von Genf über


Nyon, Lausanne, Orbe, Yverdon-les-Bains, Avenches, Murten, Studen, Solothurn und den Oberen Hauenstein nach Augst. Auf stimmungsvollen «Römerstrassen», echten und vermeintlichen, verbindet die Via Romana die wichtigsten römischen Fundstellen der Schweiz.

Foto: Stephan Rappo

VIA SALINA «Auf Gold kann man verzichten, nicht aber auf Salz», schrieb der römische Staatsmann Cassiodor. Auf historischen Land- und Wasserwegen verbindet die Via Salina die Unesco-Welterbestätten Bern, Salins-les-Bains (F) und Arc-et-Senans (F).

Wem der Hausberg nicht reicht, der ist auf Kulturwegen richtig.

VIA SBRINZ Sbrinz wurde im späten Mittelalter zum Exportschlager der Innerschweiz auf den norditalienischen Märkten. Nicht zuletzt dank ihm entwickelte sich der Saumpfad über den

Grimsel und den Griespass nach Domodossola zur gut ausgebauten Handelsroute. VIA STOCKALPER Vor mehr als 300 Jahren baute der Briger Handelsherr Kaspar Stockalper den Saumpfad über den Simplonpass aus und legte damit den Grundstein zu seinem Handelsimperium. Die Wanderung führt von Brig über den Simplonpass nach Gondo und Domodossola (I). VIA VALTELLINA Den Spuren der Weinsäumer folgend, erlebt man die traditionelle alpine Kultur von drei Ländern und drei Sprachregionen in ihrer ganzen Vielfalt. Ein Muss ist die Fahrt mit der Rhätischen Bahn auf der Unesco-Welterbe-Strecke Albula/Bernina. Routen, Packages und spezielle Angebote: www.kulturwege-schweiz.ch


GRUEN FASHION

MODE

Ein Tag auf dem Land Feldblumen pfl체cken, faul auf der Wiese liegen und den zirpenden Grillen lauschen: ein sp채tsommerlicher Nachmittag mit Stil und Musse. Fotos: Angelika Annen / Redaktion: Karin Anna Biedert Assistenz: Bonnie N체scheler / Hair & Make-up: Davide Asquini, Style Council / Model: Miriam M., Fotogen

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Baumwollhemd mit Stehkragen, FAMILY AFFAIRS. Hoch geschnittene Denim-Shorts, AMERICAN APPAREL. Ledersandalen mit Holzabsatz, ZARA.

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gruen fashion

Jeans-Latzhose aus BioBaumwolle, hess natur. Bßstenhalter mit VintageCharme, aus Baumwolle und Spitze, hanro. Handgefertigtes Goldketteli, namagÉ, bei Glam.in.

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Papierhut, inverni. Handgefertigtes Seidenkleid mit Spitzenband, Klamott. Feine Goldkette mit Kleeblatt-Anhänger, namagÉ, bei Glam.in. Bestickte Decke, privat.

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Langes Kleid mit Volant am Saum und mit Spitzeneinsatz am Oberteil, H & M ORGANIC. Sandalen mit Holzabsatz, ZARA. Lederarmband, mit K端hen appliziert, privat.

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Bezugsquellen: American Apparel americanapparel.net, Coop Naturaline coop.ch, Family Affairs toujours-toi-family-affairs.com, Glam.in glam.in, H & M hm.com, Hanro hanro.ch, Hess Natur hessnatur.com, Inverni inverni.it, Klamott klamott.ch, Levi’s levi.com, Lyn Lingerie lynmay.ch, Sessun sessun.com, Spitzenhaus, Börsenstrasse 14, Zürich, Zara zara.com. Location: Dank an Familie Wilhelm-Nägeli und Familie Biedert, Hasliberg. Bildproduktion: Postproduction Aschmannklauser

Von Hand gehäkeltes Spitzentuch, spitzenhaus zürich. Baumwoll-Top, coop naturaline. Breit gerippte Cordhose, sessun. Ledergurt mit Applikationen, privat.

gruen fashion


Lyn Lingerie lynmay.ch, Sessun sessun.com, Spitzenhaus, Börsenstrasse 14, Zürich, Zara zara.com. Location: Dank an Familie Wilhelm-Nägeli und Familie Biedert, Hasliberg. Bildproduktion: Postproduction Aschmannklauser

Karohemd aus Bio-Baumwolle, LEVI’S. Von Hand gehäkeltes Höschen, PETIT DÉJEUNER, bei Lyn Lingerie.

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GRUEN FASHION

MUTTER-TOCHTER-POWER

Charu und Shruti Patel stehen hinter Savannah Chic, das für Fair-Trade-Schmuck made in Afrika steht. Armreif aus Messing und Horn, 6-teilig. www.savannah-chic.com CHF 65.–

SEXY IN ÖKO

Emma Watson, 21, will mit ihrem Engagement für People Tree das Interesse an ökologischer Fair-TradeFashion ankurbeln. Eine Auswahl führt etwa Maud in Zürich.

SÜSSE TRÄUME IN BIO

Trägertop mit Schleifchen, aus Bio-Baumwolle. Dazu gibts passend lange und kurze Pyjamahosen. Aus der Organic-HomeKollektion Maddison Weekend. Bei Manor, www.manor.ch CHF 22.90

Wohlfühl-Outfits made in Switzerland, Fair-Trade-Schmuck aus Indien und Afrika und ökologische Fashion aus England und Schweden: die SI-GRUEN-Modefavoriten. Redaktion: Kristina Köhler

SWISS MADE Kleid aus Seidentaft von Paradis des Innocents. Bereits seit zwanzig Jahren schneidern die Schweizer Designerinnen Stefania Samadelli und Simone Klemm raffinierte Klassiker. Oetenbachgasse 7, Zürich. www.paradisdesinnocents.ch CHF 960.–

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Die britische Designerin Safia Minney, 47, beschloss auf einer Südostasien-Reise, ihren Traum von ökologischer Fair-TradeMode zu verwirklichen. 1991 gründete sie People Tree. Das Label gehört heute zu den Pionieren in Ethical Fashion und wird gern von Prominenten (etwa Schauspielerin Emma Watson, Fashion-Ikone Vivienne Westwood) getragen und unterstützt. Unterdessen gibt es die People-Tree-Stiftung. Die Organisation setzt sich gegen Armut und für menschenwürdige Arbeitsbedingungen ein und unterstützt Umweltprojekte in Asien, Amerika und Afrika.

NATÜRLICHES AUS SCHWEDEN

Die Herbst/Winter-Kollektion von Gudrun Sjödén ist online! Wildledershopper (4 Farben) und Strickjacke (Bio-Baumwolle/Wolle). www.gudrunsjoeden.ch CHF 176.–/CHF 225.–

EIN HERZ FÜR ORISSA

Die Schweizer Stiftung Real Time Trust kämpft gegen vergiftetes Wasser und baut Schulen in Orissa, Indien. Mit dem Kauf des FairTrade-Schmucks (Baumwolle/Bronze) unterstützen Sie das Projekt zu 100 Prozent. www.realtimetrust.ch CHF 69.–

Schön in Grün www.emma-watson.net Faire Mode www.peopletree.co.uk www.gudrunsjoeden.ch www.realtimetrust.ch

Fotos: Andrea-Carter Bowman / People Tree, Inge Jurt (6)

Zauberhaft und stets fair


gruen fashion

jeans

Der Look, der auch der Umwelt gefällt Abgeschabt und wie gebraucht müssen sie aussehen: Doch damit Jeans ihren Used-Look erhalten, braucht es viel Wasser und gefährliche Chemikalien.

Fotos: zvg

Text: Barbara Halter Trends zählen meist mehr als der Umweltschutz – diese Erfahrung machte die Firma Levi’s vor fünf Jahren mit ihren Eco-Jeans: Der Denim-Stoff war aus Bio-Baumwolle, gefärbt mit natürlichem Indigo, die Knöpfe roh und nicht galvanisiert – doch die dunkelblaue Hose kam bei den Kunden nicht an und verschwand nach zwei Jahren wieder aus dem Sortiment. «Grund dafür war das Aussehen der Jeans. Wir hatten das Finishing nicht so hinbekommen, dass die Verbraucher sie genug attraktiv fanden», sagt Michael Strehler, Senior Vice President von Levi’s. Beliebt sind ausgewaschene, abgeschabte Jeans. Um diesen Used-Look zu bekommen, werden die Hosen am Ende der Produktion beim Finishing mehrmals gewaschen und mit Chemikalien oder Sand behandelt. Gerade Letzteres stellt eine gesundheitliche Gefahr dar, denn der quarzhaltige Sand gelangt in die Lungen der Arbeiter und macht sie krank. Levi’s verzichtet seit Ende 2010 auf die Sandstrahltechnik und lanciert eine spezielle «WaterLess»-Kollektion. Diese Modelle verbrauchen beim Finishing durchschnittlich 20 Prozent weniger Wasser. Bei einer Kollektion von 1,3 Millionen Jeans macht dies rund 20 Millionen Liter Wasser aus – das ist so viel, wie ein Schweizer in 342 Jahren verbrauchen würde. Einen Schritt weiter geht das 2001 gegründete holländische Unternehmen Kuyichi: Die Jeans werden aus ökologischen Stoffen genäht wie etwa aus Hanf, rezykliertem PET-Polyester oder aus Bio-Baumwolle.

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Die Waschungen sind auch hier ein Thema: «Wir suchen konstant nach neuen Wegen, um den Vintage-Look hinzubekommen», sagt Imogen Nulty, die Designerin für Frauen-Denim bei Kuyichi. Anstelle von Bleichungsmitteln werden umweltfreundliche Chemikalien wie Ozon verwendet. Auf Sandstrahlung verzichtet Kuyichi grundsätzlich. In drei von vier Produktionsstätten wird das Wasser gereinigt und mehrmals verwendet. Beim Wasserverbrauch verweisen Levi’s und Kuyichi auch auf die Konsumentinnen und Konsumenten: Jeans müssen nicht oft gewaschen werden. Alle zwei Wochen genügten völlig, so Michael Strehler. «Echte Fans waschen ihre Jeans aus Angst, dass sie sich verändern könnten, sowieso nicht, sondern lüften sie aus oder stecken sie in die Tiefkühltruhe.»

2 1 Levi’s hat neu eine «WaterLess»-Jeans, bei deren Produktion Wasser eingespart wird. 2 Vollständig ökologisch hergestellt sind die Jeans der holländischen Firma Kuyichi.

Firmen store.levi.com/waterless www.kuyichi.com Sandstrahlverbot www.evb.ch/sandstrahlen

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GRUEN BEAUTY

WILL ACHTSAM LEBEN

Das australische Fotomodell Miranda Kerr hat eine BioKosmetiklinie und ein Buch über natürliche Schönheit lanciert.

Lichte Schönheit

Sie versprechen einen erleuchteten Teint, eine watteweiche Seidenhaut, glänzendes Haar und Glutlippen: die neuen BioSchönmacher für den Spätsommer. Redaktion: Kristina Köhler

Ein Botticelli-Engelsgesicht, eine schlanke Lichtgestalt: Das australische Fotomodell Miranda Kerr, 28, ist seit Jahren im Model-Olymp. Das Geheimnis ihres äusseren und inneren Strahlens? Sie meditiert zweimal täglich, da sie praktizierende Buddhistin ist. Zudem versucht sie, so bewusst wie möglich zu leben, und verwendet ausschliesslich Bio-Kosmetik. Jetzt hat sie ihre eigene Organic-Linie lanciert: Kora. Trotz ihrer neuen Rolle als Mutter (Flynn, 7 Monate) findet sie stets Zeit für ihren Blog. www.koraorganics.com/blog

LEGENDÄRE SINNES-FRUCHT

Reichhaltige Duschcreme mit pflegendem Granatapfel-Extrakt. Duftet zart nach Vanille und Sandelholz. Die Anti-AgingPflegelinie Granatapfel von Weleda gibts etwa bei Coop City. www.weleda.ch CHF 14.60

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Die holländische BioKosmetik Greenland gibts neu in der Schweiz (bei Changemaker in Zürich oder in Bern). Macht die Haut watteweich: Körperbutter Pure & White mit BaumwollblütenExtrakt. www.greenland.nl CHF 20.–

STRAHLE-TEINT

Nach der erfolgreichen Lancierung der Bio-Makeup-Linie von Une folgt jetzt die Bio-Hautpflege. Unser Favorit: das «Strahle»-Programm-Kit mit drei Produkten. Etwa bei Manor, Sun-Store-Filialen. www.unebeauty.com CHF 14.90

Der Harmonic Conditioner von Intelligent Nutrients lässt sich multifunktional verwenden: als Haar-Conditioner, als Reinigungscreme fürs Gesicht und als Rasiercreme. In der Reisegrösse à 60 ml etwa bei www.naturesenses.com CHF 10.–

Botticelli-Engel www.mirandakerr.net Grüne Beauty www.changemaker.ch www.living-nature.de www.naturesenses.com

Fotos: Inge Jurt (5)

KLEIN & OHO

SOMMERGLUT

Lippenstift in der Farbe Summer Rain von Living Nature, einer Bio-Kosmetikmarke aus Neuseeland. Die Produkte enthalten alle traditionelle neuseeländische Pflanzenextrakte. Im Fachhandel oder bei www.portanatura.ch CHF 37.–

KOKON AUS BIO-WATTE


Literat mit Weltkonzern Er studierte Literatur und verkaufte Öl auf dem Markt: So gründete der Franzose Olivier Baussan, 64, die Kosmetikfirma L’Occitane.

diese Frauen, und wir gründeten eine Genossenschaft. Gleichzeitig entwickelte mein Chemiker eine Formel, um aus der Karitébutter eine Creme herzustellen. Die ist dann 1985 zur Geburt meiner Tochter herausgekommen. Ich weiss noch genau, wie ich auf der Maternité den schwangeren Frauen die Produkte verteilt habe.

Interview: Barbara Halter GRUEN: Olivier Baussan, was wollten Sie als Kind werden? Ich war ein Träumer und hatte keine speziellen Pläne. Meine Eltern zogen mit uns in die Provence auf einen Hof mit Ziegen, Olivenbäumen und Lavendel. Als ich als 23-Jähriger mit L’Occitane begann, griff ich auf diese Erinnerungen zurück.

Foto: zvg

Damals waren Sie Literaturstudent und verkauften auf dem Markt selbst destillierte Öle. Das tönt romantisch – wie war die Realität? Für mich war es das grösste Glück. Mit dem Öl habe ich auf dem Markt gleichzeitig Geschichten erzählt. Nämlich was geschieht, wenn man Rosmarin, Salbei oder Lavendel schneidet und destilliert. Was ist mit der Literatur passiert? Ich habe das Studium abgebrochen. Heute erzähle ich Geschichten mit meinen Produkten – etwa wie ich durch Zufall hier auf Korsika einen Destillateur entdeckte, der aus Immortellen Öl macht. Inzwischen bauen auf der Insel acht Bio-Bauern die Blume an, und wir machen daraus AntiAging-Produkte.

GRUEN BEAUTY

OLIVIER BAUSSAN

Wie wird man erfolgreich? Ich hatte immer das Glück, Teilhaber zu finden, die sagten: «Hör zu, du interessierst dich für Poesie, also machst du das Marketing. Wir kümmern uns ums Geschäft.» Allen voran Reinold Geiger. (Der Österreicher besitzt die Mehrheit der Firma und führt seit 1996 die Geschäfte. Anm. der Red.)

Olivier Baussan mit gelb blühenden Immortellen auf der Insel Korsika.

L’Occitane ist heute ein Weltkonzern. Was ist aus Ihren Idealen geworden? Es ist nicht einfach, unsere Philosophie zu bewahren. Es geht mir nicht nur um die Pflanzen, sondern auch darum, die Beziehung zwischen Mensch und Natur zu respektieren und alte Werte zu bewahren. Das müssen alle im Team verstehen, sonst ist das Unternehmen gestorben. Eines Ihrer Lieblingsprojekte ist das der Karitébutter aus Burkina Faso. Wie geht diese Geschichte?

In den Achtzigerjahren lernte ich eine Journalistin kennen, die mir über Frauen in Burkina Faso erzählte, die Kariténüsse sammeln und so ihr eigenes Geld verdienen. Ich besuchte

Nur ein Teil der Produkte trägt das Ecocert-Label für Naturkosmetik. Wieso? Bei Ecocert müssen 95 Prozent der Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs sein. Bei unserer Immortelle-Linie sind es 92 Prozent. Wir verwenden kleine Mengen an Silikon, damit die Creme besser einzieht. Ist ein Produkt zu 100 Prozent natürlich, beeinträchtigt dies oft Qualität, Haltbarkeit und Textur. Das wollen wir nicht.

DIE KOSMETIKLINIE L’Occitane verwendet in seinen Pflegeprodukten hauptsächlich vegetabile Öle anstelle von Mineralöl. 80 Prozent der Linie sind frei von Parabenen. Die Firma führt keine Tierversuche durch, und viele Rohstoffe kommen aus biologischem Anbau. Rund 25 Produkte des Sortiments tragen das EcocertLabel für Naturkosmetik. Produziert wird in Manosque, 50 Kilometer von Aix-en-Provence, Frankreich. Weltweit gibt es über tausend Boutiquen.

Die Firma www.loccitane.com Die Stiftung www.foundation.loccitane.com Naturkosmetik www.ecocert.com

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gruen city-trip Schaffhausen geniessen nicht nur Touristen: Zu entdecken gibt es einen kleinen Markt, charmante Gassen mit Boutiquen und ein nostalgisches Bad auf dem Rhein.

Text: Barbara Halter Fotos: Vanessa Püntener Im Abteil rufen die Fahrgäste laut «Look!» und «Lueg do!», als der Schnellzug aus Zürich kurz vor Schaffhausen den Rhein­ fall passiert. Wer sich in Fahrtrichtung rechts gesetzt hat, wird mit einen phäno­ menalen Blick über die reissenden Wasser­ massen belohnt. Das macht gleich Lust, etwas Tourist zu spielen. Wir nutzen den frühen Morgen, um erst mal über den Markt in Schaffhausen zu bum­ meln. Vom Bahnhof aus erreicht man in wenigen Minuten die Fussgängerzone, läuft über den Fronwagplatz mit seinen bei­ den Brunnen und zweigt dann in die Vor­ dergasse ein. Dort bauen zweimal wöchent­ lich Produzenten und Händler ihre Stände auf. Am Dienstag läuft alles sehr beschau­ lich und ruhig ab, am Samstag brummts zwischen den Ständen. Bei Käsehändler Urs Meier steht man auch mal Schlange – aber das ist ja ein gutes Zeichen. Zwischen neunzig und hundert Sorten Käse aus Kuh­, Schaf­ und Büffelmilch stehen zur Aus­ wahl. Urs Meier kann zu den meisten

GRUEN-Redaktorin Barbara Halter beim Landsknechtbrunnen auf dem Fronwagplatz.

schaffhausen

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Ein Sommertag am Rhein Am Markt www.eulenhof.ch www.dein-bauer.ch/eulenhof.html www.tommefleurette.ch In den Boutiquen und Restaurants erhältlich


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1 Oliven- und Kernenbrötchen bei Silvia’s Vollkornbrote am Schaffhauser Wochenmarkt. 2 Nostalgisch schön: die Holzkabinen in der Rhybadi. Hier kann man sicher und geschützt im Rhein baden. 3 Das Melamingeschirr von Rice ist fair produziert. Gesehen bei Lieblings. 4 Cassis, Stachelbeeren, Trübeli, Himbeeren und Co. am Stand von Eichenberger Obst. 5 Siedfleisch mit Meerrettichschaum, Salat aus Pro-Specie-Rara-Tomaten und RosmarinFocaccia, serviert in der «Schützenstube». 6 Sitzhocker aus alten Olivenbehältern verkauft die Boutique Fäsch. 7 Blumen von Puntino: Das Geschäft gehört zur Schaffhauser Stiftung Altra. 4

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8 Die Klassiker unter den Holzschuhen: Swedish Hasbeens bei Shoes and more.

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www.mineralquelle.ch www.lumabeef.ch www.jackpot.dk www.cottonfield.dk www.plingcollection.com www.swedishhasbeens.com

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GRUEN CITY-TRIP

eine kleine Geschichte erzählen. In seiner Freizeit strampelt er mit seinem Bike über die Berge und macht sich auf die Suche nach Käseproduzenten. Zurück kommt er mit Spezialitäten wie dem Alpkäse von der Küblisbühlegg im Entlebuch oder La Dzorette – aus Kuhrohmilch, umhüllt mit gerösteten Fichtennadeln – von Michel Beroud aus dem Waadtland. Zum Käsestand gehört eine kleine Theke, wo Urs Meier ein paar Sorten Bohnenkaffee einer kleinen Rösterei aus Konstanz verkauft. Wer will, kann gleich eine Tasse davon trinken. «Wenn ich schon sage, dass dieser Kaffee speziell gut ist, soll man das auch überprüfen können», findet Meier. Genau aus diesen Gründen machen Märkte doch so viel Spass! Gleich nochmals probiert wird gegenüber bei Bio-Bauer Georg Weber, und zwar seine zarten, süsslich schmeckenden Rüebli. «Für diese bin ich bekannt. Viele essen sie roh oder machen daraus Babybrei.» Zu Weber kommen die Kunden auch wegen der kalt gepressten Öle. Mit seinem hohen Anteil an Omega-3Fettsäuren liegt besonders das Leinöl voll im Trend. «Die Nachfrage ist sehr gross. Wir pressen das Öl alle zwei Wochen frisch.» Eine ganze Ernährungsphilosophie steckt auch hinter dem Vollkornbrot von Silvia Stamm. Sie mahlt am Vortag das Korn frisch, süsst nur mit Honig, verwendet wenig Hefe und lässt den Teig lange gehen. «Solches Brot sättigt besser, ist länger haltbar und auch für Allergiker verträglich.» Zum Angebot gehören Brote aus Weizen, Roggen, Hafer, Dinkel oder Emmer. Für den Sonntagsbrunch gibt es Zöpfe und Brioches. Als kleiner Znüni empfehlen sich die Fitnessbrötchen mit Mandeln, Haselnüssen und Rosinen. Ein Genuss!

Aus Rosen Konfitüre machen: Am Stand von Altra gibts die Zutaten dazu Klein und charmant ist der Stand von Altra. Zur Schaffhauser Stiftung gehören eine geschützte Werkstatt, ein Landgut und eine Bio-Gärtnerei. Von dort werden Gemüse, Kräutersetzlinge und Duftpflanzen am Markt verkauft. Besonders originell sind die Tee-Sträusschen, die man drei bis vier Tage zu Hause einstellt, danach mit heissem Wasser überbrüht und als Tee geniessen kann. Je nach Saison enthält so ein Gebinde Kräuter und Blumen wie Minze oder Rosen. Aus Letzteren lassen sich auch Konfitüre oder Sirup machen – die Rezepte und Rosen dazu findet man auch bei Altra. Die Stiftung führt ganz nah vom Markt in der

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Sporrengasse ein Geschäft mit Blumen und Spielwaren. Im Puntino werden Frauen mit Behinderungen zu Floristinnen ausgebildet. Rund ein Drittel der Schnittblumen stammen aus der eigenen Bio-Gärtnerei, der Rest wird dazugekauft. Der untere Stock ist für Spielsachen aus geschützten Werkstätten reserviert. Der Renner ist hier ganz klar «Waldi» – ein hölzerner Dackel auf Rädern zum Nachziehen. Neben dem Markt in der Vordergasse kann man auch beim Schafuuser Puuremärkt direkt bei Produzenten einkaufen. Im ehemaligen Feuerwehrdepot beim Kirchhofplatz bieten sieben Bauernfamilien aus der Umgebung regionale Spezialitäten wie Fleisch, Wein, Konfitüren, Käse, Bauernbrot oder Gemüse an. Sozusagen ein grosser Hofladen mitten in der Stadt. Nach so viel guten Esswaren knurrt den Marktbesuchern meist der Magen: Wenn

„In seiner Freizeit strampelt Urs Meier mit seinem Bike über die Berge und macht sich auf die Suche nach kleinen, speziellen Käseproduzenten.“ man unter der Woche Schaffhausen besucht, empfiehlt sich dann die Schützenstube – am Samstag ist das Lokal leider nur für Gesellschaften offen. Annegreth Eggenberg pflegt hier eine «authentische und ehrliche Küche». «Ich versuche, so viel wie möglich aus der Nähe zu verarbeiten. Nicht fanatisch, sondern genussvoll.» Auf Ingwer kann sie nicht verzichten, auf Fleisch aus dem Ausland dagegen schon. Eggenberg sucht ständig Produkte von kleinen Produzenten, wie etwa das Goba Cola der Mineralquelle Gontenbad oder das Schaffhauser Luma Beef. Bei schönem Wetter sitzt man in der Gartenwirtschaft vor dem Restaurant und sieht, wie die Köchin ab und zu rauskommt, um Basilikum oder andere Kräuter aus den grossen Töpfen zu zupfen. Beim Essen sollte man unbedingt auch in den Brotkorb greifen – hier wird alles selbst gebacken.

Am Samstag offen ist dagegen die Fassbeiz. Als Unkundige läuft man leicht am Eingang vorbei – das GenossenschaftsRestaurant befindet sich in einem Hinterhof, den man von der Webergasse durch einen Gang erreicht. Gerade an heissen Sommertagen ist der kleine mit Reben bewachsene Hof der perfekte Ort, um sich ein bisschen zu erholen. «Frisch gekocht mit Produkten aus der Region» lautet auch hier die Philosophie. Die Gerichte werden jeweils auf der grossen Schiefertafel angekündigt, immer erhältlich sind Teigwaren mit selbst gemachter Pesto-Sauce.

Den Shopping-Nachmittag starten wir nach dem Mittagessen in der Webergasse Wer in der Fassbeiz gegessen hat, kann den Shopping-Nachmittag gleich in der Webergasse starten. Früher hauste in den niedrigen Häusern die ärmere Bevölkerungsschicht, in den Fünfzigerjahren etwa die Fremdarbeiter. Die Gasse mit ihren kleinen Boutiquen ist sehr charmant. Die Häuser tragen Namen wie «Gelbe Ilge», «Zum Rosengarten» oder «Zur Unruh». In Letzterem befindet sich der Fassladen mit Kleidern, Accessoires und Geschenkartikeln, die alle ökologisch und nachhaltig hergestellt werden – wie Kleider von Jackpot und Cottonfield. Gleich gegenüber muss man unbedingt einen kurzen Stopp bei Shoes and more machen. Die hübsche, kleine Schuh-Boutique gibt es erst seit diesem Frühling. Inhaberin Priska Frei verkauft hier unter anderem Swedish Hasbeens – robuste, bunte Holzzoccoli, die nach ihrem Boom in den Siebzigerjahren ein modisches Revival erleben. Die Schuhe werden von Hand in kleinen Werkstätten gefertigt, das Leder natürlich gegerbt, und die Sohle besteht aus europäischem Eschenholz. Übrigens kann man sich die Holzschuhe auch bei Priska Frei bestellen – sie schickt sie einem nach Hause. Wir verlassen die Webergasse und gehen zu Fäsch, einer knallbunten Boutique, in der man etwas Zeit braucht, um das ganze Angebot an Accessoires, Spielzeug und kleinen Geschenken zu durchforsten. Neben Petitessen für Kitsch-Fans führt Cécile Sperl auch Recycling-Produkte. Wie die Gürtel aus ausrangierten Feuerwehrschläuchen von FrischFrech oder die Sitzhocker aus alten Oliven-Blechbüchsen von Rafinesse & Tristesse. Rund um die Vordergasse, wo am Morgen die Marktstände aufgereiht waren, gibt es einige besondere Einkaufsmöglich-

In den Boutiquen und Restaurants erhältlich www.frischfre.ch www.rafinesse-tristesse.com www.ellybis.ch www.traumkleid.li www.rice.dk


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1 Im Restaurant Wii am Rii ist jeder Tisch ein Unikat, und das Menü hat auf der Schiefertafel Platz. 2 Vogelhaus und Futterstation in einem, von Pling Collection, erhältlich im Fassladen. 3 Der Wochenmarkt findet zweimal wöchentlich in der Vordergasse statt. 4 Schuhputzbürsten von Scheffmacher – seit 1880 werden diese selbst produziert. 5 Schwarze Schokolade mit Chili und Maracuja: Für ein Glace von El Bertin muss man oft Schlange stehen. 6 An heissen Sommertagen ist der Hof der Fassbeiz genau richtig. 7 Selbst gepresstes Rapsöl vom Eulenhof: Familie Weber stellt auch Bio-Leinöl her.

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8 Gegen hundert Sorten Käse verkauft Urs Meier am Markt. Eine Rarität ist der La Dzorette, Kuhrohmilchkäse mit Fichtennadeln.

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Schaffhausen www.schaffhausen.ch www.schaffhauserland.ch www.stadt-schaffhausen.ch www.blauburgunderland.ch

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GRUEN CITY-TRIP

keiten. Eine bunt-romantische Welt bietet Lieblings. Die Boutique gehört zu jenen Orten – ohne dass man jetzt die banalsten Geschlechter-Klischees bedienen möchte –, wo Frauen am liebsten gleich alles kaufen möchten und Männer genervt die Augen verdrehen. Sasha und Tina Küenzi stellen ihr Sortiment ganz einfach zusammen: Was ihnen persönlich gefällt, kommt in den Laden. Dazu gehört auch Schweizer Design wie die Papeteriewaren von Ellybis und die Kinderkleider von Traumkleidli oder die fair produzierten Küchenutensilien der dänischen Firma Rice. Die Schwestern Küenzi sind vielen von ihren selbst fotografierten Postkarten her bekannt. Die Sujets mit Blumen, Süssigkeiten und gemusterten Hintergründen sind praktisch in der ganzen Schweiz erhältlich.

Zum Munot hochsteigen oder Gelati essen bei El Bertin? Wir können nicht widerstehen Wie in einer anderen Zeit kommt man sich vor, wenn man in der Münstergasse den kleinen Laden der Familie Scheffmacher betritt. Seit 1880 und in vierter Generation werden hier Bürsten verkauft. An den Wänden hängen Flaschenputzer und Schrubber, in Kisten liegen Schuh- und Fegbürsten aus Holz und Naturborsten. Den grössten Teil des Sortiments stellen die Scheffmachers in der Werkstatt im oberen Stock selbst her. «Mein Mann und ich haben an der eigenen Produktion viel Freude. Er bedient die Maschinen, ich mache die Handarbeit», sagt Verena Scheffmacher. Zum Angebot gehören auch Fassbürsten, die man zum Reinigen von Weinfässern braucht. Wobei wir beim Schaffhauser Wein wären, den man im Felsenkeller bekommt. Die Weinhandlung importiert aus Spanien, Frankreich und Italien. Aber auch regionale Erzeugnisse wie der Blauburgunder haben ihren Platz. Auf einer Galerie im Geschäft gibt es eine Produzentenplattform, wo zwanzig Winzer aus der Region ihre Weine präsentieren können. Da findet man auch den Munötler, der auf dem Rebenhügel bei der bekannten Festung wächst und der Stadt Schaffhausen gehört. Ein Besuch des Munot gehört bei einem Ausflug nach Schaffhausen eigentlich zum Pflichtprogramm. Von der Unterstadt führt eine lange Treppe hoch – dummerweise befindet sich aber nur ein paar Schritte davon El Bertin Glacé, und dieser Versuchung kann man nur schlecht widerstehen. 1997 eröffneten hier vier junge Schaffhauserinnen und Schaffhauser eine Gelateria. «Von

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der Glace-Produktion hatten wir keine Ahnung, wir wollten einfach etwas machen, das es in Schaffhausen noch nicht gibt», sagt Gabriel Gmür. Der kleine Laden läuft inzwischen wie verrückt, an manchen Tagen schlängeln sich die wartenden Kunden bis in die Gasse raus. Zeit genug, um sich schon mal zu überlegen, welche der 22 Sorten man wählen soll. Je nach Saison wechselt das Angebot – im Sommer aktuell ist zum Beispiel Sauerrahm-Limette, Wassermelone oder Maracuja. Abkühlung findet man auch in der Rheinbadi: Das alte Holzbad von 1870 schwimmt auf dem Fluss und entzückt mit seinen nostalgischen Umkleidekabinen mit rotweiss gestreiften Vorhängen. In den verschiedenen Becken – früher badeten Frauen und Männer hier getrennt – kann man ein paar Längen schwimmen und sich danach auf den Holzpritschen an die Sonne

„Das alte Holzbad von 1870 entzückt mit nostalgischen Umkleidekabinen. In den Becken im Rhein schwimmt man ein paar Längen und legt sich dann an die Sonne.“ legen. Der Sprung direkt in den Rhein ist dagegen wegen der nahen Turbinen strengstens verboten. Dafür muss man flussaufwärts spazieren, zum Lindli, der bewaldeten Uferpromenade. Nahe beim Rhein befindet sich unser letzter Tipp: das Wii am Rii. An vier Abenden in der Woche kochen hier Ueli Münger und seine Partnerin Gabi. Sie kaufen morgens auf dem Markt ein und bereiten alles von Grund auf zu. «Bei uns muss man essen, was es gibt», sagt Ueli Münger. Das aktuelle Menü entnimmt der Gast der schwarzen Tafel an der Wand, die «Weinkarte» steht in Form von Flaschen auf der Theke aufgereiht. In der urchigen Gaststube fühlt man sich schnell wohl. Die grossen Fenster sind hochgezogen und lassen die laue Sommerluft rein. War da nicht noch etwas? Genau – der Rheinfall: Den überlassen wir heute lieber den Touristen.

ADRESSEN UND ÖFFNUNGSZEITEN MÄRKTE WOCHENMARKT in der Vordergasse: jeden Di und Sa 7–12, Di nur bis 11 Uhr. SCHAFUUSER PUUREMÄRKT Altes Feuerwehrdepot, Kirchhofplatz, Fr 9–12 und 13.30–17.30, Sa 8–12 Uhr. EINKAUFEN FASSLADE Webergasse 11/13, Di–Fr 9–11.45 und 13.45–18.30, Sa 9–16 Uhr. www.fasslade.ch FÄSCH Schützengraben 19, Di–Fr 11–18, Sa 9–16 Uhr. www.fash.ch FELSENKELLER Sporrengasse 11, Di–Fr 10–12 und 13.30–18.30, Sa 9–16 Uhr. www.felsenkeller.sh LIEBLINGS Vordergasse 47, Mo 13.30–18.30, Di–Fr 9–12 und 13.30–18.30, Sa 9–16 Uhr. www.lieblings.ch PUNTINO Sporrengasse 9, Di–Fr 9–12 und 13.30–18.30, Sa 8.30–16 Uhr. www.altrash.ch/puntino.html SCHEFFMACHER Münstergasse 20. Mo–Fr 7.30–12 und 13.30–18 Uhr, Sa zu. SHOES AND MORE Webergasse 20, Do/Fr 9.30–12 und 13.30–18, Sa 10–16 Uhr. www.shoesandmore.ch ESSEN EL BERTIN GLACÉ Unterstadt 13, täglich 12–23, Fr/Sa bis 24 Uhr. www.elbertin.ch FASSBEIZ Webergasse 13, Mo–Do 8.30–23.30, Fr/Sa 8.30–00.30 Uhr. www.fassbeiz.ch RESTAURANT SCHÜTZENSTUBE Schützengraben 27, Mo–Fr 9.30–23.30 Uhr. www.schuetzenstube.ch WII AM RII Fischerhäuserstrasse 57, Mi–Sa ab 16 Uhr. (Wer um 16 Uhr schon essen will, sollte sich anmelden.) www.wiiamrii.ch ENTSPANNEN RHEINBADI Rheinuferstrasse, August: Mo–Fr 7–20, Sa/So 9–19 Uhr, bis Mitte September: Mo–Fr 8–19, Sa/So 9–18 Uhr. TIPP Der WWF Schaffhausen lanciert Ende August einen Einkaufsführer für die Schaffhauser Altstadt. Dieser führt Geschäfte auf, die umweltfreundliche, sozialverträgliche und regionale Produkte anbieten. www.wwf-sh.ch

Anschauen www.munot.ch www.rheinfall.ch www.modern-art.ch www.allerheiligen.ch www.stadttheater-sh.ch Hören www.radiomunot.ch


Illustration: Anna Haas

Anlässe www.das-festival.ch www.jazzfestival.ch www.filmfestivalschaffhausen.ch Schifffahrt www.urh.ch

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GRUEN GENUSS


Hier auf 1000 Metern ticken die Uhren langsamer – und das liegt nicht nur am Berner Oberländer Dialekt.

DANIEL RINDISBACHER Die Aussicht vom Restaurant Panorama in Aeschiried ist grandios. Zu Daniel und Luzia Rindisbacher fahren die Gäste aber auch aus anderen Gründen.

Gipfel-Glück Text: Peter Ruch / Fotos: Sandi Kozjek

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gruen genuss Der Chef in der Küche – woher die Produkte kommen, ist ihm sehr wichtig.

„Als ich in die Kochlehre ging, da kümmerte sich noch kein Mensch darum, woher das Fleisch oder das Gemüse kam.“

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Aeschi liegt auf 860 Metern über Meer, eine wunderbare Sonnenterrasse über dem Thunersee, die bestens ab Spiez erreichbar ist. Noch ein bisschen weiter ab von den Hauptstrassen, auf gut 1000 Metern über Meer, befindet sich dann Aeschiried. Schöne Flurnamen gibt es dort oben, das Tannemattli, die Äbene, das Bärbrunnemoos und die Schitmatti. Es könnte sein, dass die Strasse noch weiter führt, aber wir wissen es nicht, weit kann es nicht mehr gehen, dort oben ist so ein bisschen das Ende der Welt. Und der Anfang zum Glück. Zu ihm auf den Berg, sagt Daniel Rindisbacher denn auch, komme man nicht zu-

fällig, in sein Restaurant Panorama in Aeschiried fahre man, weil man genau hierher wolle. Denn hier oben, da ist die Welt noch in Ordnung, der Stress darf im Unterland bleiben, die Luft ist gut und die Aussicht, wie sich das für ein Restaurant mit den Namen Panorama auch gehört, eine Wucht, man sieht an schönen Tagen bis ins Kandertal und auf den Niesen sowieso. Das Haus selber liegt am wunderbaren Panoramaweg ins Kiental. Und so sitzt man dann in aller Ruhe auf der Terrasse, die Uhren gehen etwas langsamer (und das nicht allein wegen dem Berner Oberländer Dialekt), die Wolken und die Wanderer ziehen vorbei, und so langsam stellt sich auch der Hunger ein.

Das Restaurant www.restaurantpanorama.ch Die Gemeinde www.aeschiried.ch Die Musikanten www.aeschiried-oergeler.ch Die


Man könnte jetzt in der Panoteca eine Kleinigkeit einkaufen gehen. Das sollte man sowieso tun, es gibt wunderbare Leckerbissen, die man hier oben gar nicht erwarten würde: spanischen Schinken, wunderbare Salami, Konfitüren und natürlich die hausgemachten Teigwaren, die Daniel Rindisbacher in seiner «Manufaktur» herstellt. Fünf bis sechs Tonnen sind es unterdessen jedes Jahr, natürlich kommen sie im Restaurant auf den Tisch, es gibt aber bereits viele Wirte, die Rindisbachers Köstlichkeiten servieren. Und dann sind da die Kunden der Panoteca, die sich fleissig bedienen. Die «glücklichen» Eier für die frische Pasta kann der Koch bereits aus der näheren Umgebung beziehen, und der Plan ist, bald auch mit regionalem Hartweizengriess arbeiten zu können. Das frische Wasser aus den Bergen, sagt Rindisbacher, sorge für den ganz besonderen Geschmack. Diese Pasta ist ausgezeichnet, hauchfeine Tajarin sind es, eigentlich eine piemontesische Spezialität, die aber in Aeschiried auf neue Höhen gebracht wird. Viel Eigelb ist eines der Geheimnisse. Im Restaurant gibt es diese Tajarin dann mit verschiedenen eigenen Saucen oder auch mit Krevetten. Und nein, diese stammen nicht aus dem Thunersee, von dort bezieht der Koch aber die Felchen. Wir empfehlen sie als «Danieli», vor allem wegen der ausgezeichneten Alpenkräuter.

Weinberge am Monte Carasso und in Seftigen im schönen Gürbetal Natürlich kocht Rindisbacher nur saisonal – und wo es nur geht auch mit regionalen Produkten. Das geht bei ihm sogar noch einen Schritt weiter, denn noch so manches bleibt bei den Rindisbachers in der Familie. Es begann in den Sechzigerjahren, als Vater Rindisbacher im Tessin, am Monte Carasso, einen Weinberg kaufte, den die Familie heute noch bewirtschaftet. Später kam dann noch ein weiterer Weinberg dazu, in Seftigen im Gürbetal, den bewirtschaftet der Bruder von Daniel. Die Rindisbacher Weinmanufaktur ist übrigens die einzige Weinkellerei in der Stadt Bern. Der Bruder ist so nebenbei noch Architekt – und kümmert sich, ebenfalls so nebenbei, auch um die Galloway-Rinder, die auf dem familieneigenen Weideland glücklich aufgezogen werden. Die eigene Dauerwurst ist einer der Bestseller in der Panoteca, das Entrecote vom Galloway-Rind einer der Klassiker im Restaurant.

Die Karte im «Panorama», vom «GaultMillau» mit 14 Punkten ausgezeichnet, ist ansonsten eher klassisch ausgerichtet, das Chateaubriand ist weit herum berühmt, das Stroganoff eine Spezialität des Wirts, es gibt Steaks vom Schwein und vom Rind; für Vegetarier könnte Rindisbacher noch ein bisschen kreativer sein, aber wir befinden uns hier im Berner Oberland, da gehört halt ein rechter «Bitz» Fleisch auf den Teller.

Die Kunden sind besser informiert – sie wollen keinen Tomatensalat im Winter Doch Rindisbacher bemüht sich auch sonst sehr um regionale Produkte. Er arbeitet unter anderem mit den AlpenEgli, die ennet dem Lötschberg erfolgreich gezüchtet werden. Er hat auch schon den Kaviar aus dem Tropenhaus in Frutigen verarbeitet; aus Frutigen stammt auch das Trockenfleisch. Der Lachs wird im Haus gebeizt, eigenen Honig haben die Rindisbachers natürlich auch; der Käse stammt aus dem benachbarten Suldtal oder von den Könnern von Jumi aus Boll. Für das Gemüse, oft ein Problem bei Köchen, die auf einheimische Produkte setzen, hat er einen Lieferanten aus dem Berner Seeland gefunden. Da steckt viel Arbeit dahinter, zuverlässige Produzenten zu finden, die nicht nur die gewünschte Qualität, sondern auch anständige Quantitäten liefern können. «Als ich in die Lehre ging», erzählt der Koch, «da kümmerte sich noch kein Mensch darum, woher das Fleisch oder das Gemüse kam.» Das sei heute an-

Lecker knusprig: saftige Entrecotes vom Galloway-Rind mit frischem Gemüse.

MIT KNUSPERKRUSTE ENTRECOTES Tajarin «Danieli» und knusprig gebratene Alpen-Egli aus Raron VS (für 4 Personen) 200g Tajarin, getrocknet 1 Ramati-Tomate 2 Eschalotten 4 Knoblauchzehen 8 Eglifilets Salz, Pfeffer, Paprika 1dl Weisswein 1 EL Mehl 2 EL Olivenöl Gehackte Peterli, Thymian, Salbei und Schnittlauch 60g Butter 1dl Bouillon Tomate abziehen und würfeln. Eschalotten hacken, Knoblauch in Scheibchen schneiden. Eglifilets mit Salz, Pfeffer, wenig Paprika, ½ dl Weisswein und Mehl marinieren. Knoblauch und Eschalotten im Olivenöl andünsten, Tomatenwürfel dazugeben, mit dem restlichen Weisswein ablöschen. Gehackte Kräuter dazugeben. Mit Bouillon und Butter aufmontieren. Die al dente gekochten Tajarin dazugeben und anrichten. Parallel die Eglifilets im Olivenöl knusprig braten und auf die Tajarin anrichten. Entrecote vom Galloway-Gourmet-Beef, gratiniert mit Rosmarinkruste (für 4 Personen) 4 Entrecotes à 150g Kruste 30g Rosmarin 10g Peterli 100g Weissbrot, getrocknet 100g Butter, weich ½ Zitrone, Abrieb 1 Messerspitze Senf 1 Knoblauchzehe Salz, Pfeffer Kräuter und Knoblauch hacken. Das Weissbrot fein mahlen. Die Zutaten gut mit der Butter mischen und zwischen 2 Backpapierblättern 3–5mm dick auswallen. Gut kühlen, damit die Butter stockt. Die Entrecotes mit Salz und Pfeffer würzen und in einer heissen Bratpfanne beidseitig kurz anbraten. Das Fleisch auf ein Gitter legen und mit der Kruste belegen. Im Ofen (Oberhitze/Grill) knusprig gratinieren. Das Fleisch zum Anrichten in drei Stücke tranchieren und zum Beispiel mit Gemüse und Bratkartoffeln servieren. Einen kräftigen Porto-Jus dazu reichen.

Wanderungen www.aeschi-tourismus.ch www.wandersite.ch www.loetschberger.ch Der Markt staedte.ritterturniere.com

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GRUEN GENUSS

Der Speisesaal: das Essen geniessen – und die grandiose Aussicht.

Das «Panorama» – Ende der Welt, Anfang des Glücks.

ders, die Kunden seien viel besser informiert, sie wollen keinen Tomatensalat mitten im Winter. Und die vielen Stammgäste im «Panorama» wissen darum, sie schätzen es sehr, dass sich Rindisbacher alle Mühe gibt, vernünftig und nachhaltig zu arbeiten. Das passt auch gut zu diesem Haus, das so ein bisschen am Ende der Welt liegt. Müssen wir wirklich noch erwähnen, dass die

„Zu mir auf den Berg kommt man nicht zufällig, hier will man hin.“ „Panorama“-Chef Daniel Rindisbacher Preisgestaltung im «Panorama» und in der Panoteca sehr kundenfreundlich ausfällt? Es gibt allerdings einen klaren Nachteil dort oben in Aeschiried: Man muss wieder runter. Leider hat das «Panorama» keine Hotelzimmer zu bieten, eine hübsche Ferienwohnung würde es geben, aber ein längerer Aufenthalt bedarf ja dann auch längerer Planung. Das ist eigentlich schade, denn

grad die hauseigenen Weine, der Laurò aus dem Tessin (90 Prozent Merlot, 10 Prozent Cabernet Sauvignon), doch auch der Seftiger Versus (Cabernet Dorsa, Gamaret, Pinot noir) sind schon sehr verlockend. Die Weinkarte ist ansonsten eher klein, aber dafür haben wir Verständnis, es passt gut zu diesem Haus, dass es vor allem auf (familien)eigene Produkte setzt.


GRUEN GENUSS

Mrs. und Mr. Bean Noppa und Jörg Helbling sind im Tofu-Fieber. Damit möchten sie auch andere anstecken. Dank Qualität und neuen Kreationen sind sie auf dem besten Weg.

Text: Lisa Merz / Fotos: Stephan Rappo Tofu ist langweilig? Nicht wenn Noppa und Jörg Helbling ihn in kulinarische Überraschungen verwandeln. Mal zaubern sie sesamverzierte Kugeln, mal thailändische Tätschli, mal Soja-Spinat-Röllchen. Jeden Tag steht Noppa Helbling, 35, in der Tofurei im zürcherischen Rüti und hilft bei der Produktion – das meiste ist Handarbeit. «Ich möchte nicht zu viele Maschinen», erklärt sie und lässt ein paar Sojabohnen durch ihre Finger gleiten. Die gelben BioBohnen kommen aus der Schweiz und sind der Grundstein von Tofu. Zuerst werden sie acht bis zwölf Stunden lang eingeweicht, dann püriert und aufgekocht. Danach wird die Milch vom Rest getrennt. Weiter gehts wie in einer herkömmlichen Käserei – einfach vegan. Denn statt Lab sorgt Nigari (Meersalz) für die Gerinnung der Sojamilch. Sobald sich der Quark von der Molke trennt, presst man ihn in Formen. Nach einem Bad im Wasser ist der Tofu bereits fertig. Der ganze Vorgang dauert etwa eineinhalb Stunden. Danach gehts ans Zaubern. «Tofu besitzt wenig Eigengeschmack. Deshalb ist er unglaublich wandelbar», erklärt Jörg Helbling, 56. Die meisten Rezepte stammen von seiner Frau Noppa, die in

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Alles Bio! Im Lagerraum der Noppa AG stapeln sich 13 Tonnen Sojabohnen. Sie werden von BioBauern aus der ganzen Schweiz geliefert.

China aufgewachsen ist. Vor zwölf Jahren haben sich die beiden in Indien kennengelernt. Er machte Yoga-Ferien, sie lernte Englisch. Als Noppa ihm dann in die Schweiz folgte, wollte sie sich selbstständig machen. Durch Zufall konnten sie die kleine Tofurei eines Bekannten kaufen. «Eigentlich wollte ich nur nebenbei im Tofu-Geschäft meiner Frau mithelfen», erzählt Jörg Helbling, der bis zu diesem Zeitpunkt als Filmer arbeitete. «Doch das Tofu-Fieber hat mich schnell gepackt! Es gibt noch unzählige Varianten zum Ausprobieren.» Die

neuste Kreation ist in Zusammenarbeit mit Fabian Zurbriggen entstanden. Der Walliser lebte sieben Jahre in einem Kloster in Japan und kam mit Original-Tofu-Rezepten zurück in die Heimat. Das Resultat: Délicorn Bio-Atsu-Age, dicker, frittierter Tofu, den man in Coop-Filialen kaufen kann. 1 Die Sojabohnen werden zur Weiterverarbeitung über Nacht in Wasser eingelegt. 2 Eineinhalb Stunden Arbeit braucht es, bis aus den Bohnen Tofu wird. 3 Neuste Kreation: Coop Délicorn BioAtsu-Age (dicker, frittierter Tofu), CHF 6.40.

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Coop Délicorn www.delicorn.ch Noppa AG www.noppa.ch Bio Knospe www.biosuisse.ch

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Foto: Martina Meier

Kamille verdient eine zweite Chance Die meisten kennen die Kamille nur als Tee. Als Tee, den man dann trinkt, wenns einem mies geht. Ganz mies. Folglich denkt man bei Kamille an Tee und an mies – und käme nie auf die Idee, das wunderbare Kraut auch mal in gesundem Zustand zu riechen, zu trinken, zu essen. Schade, sehr schade! Denn die Kamille ist eines der kraftvollsten, hübschesten und wohlriechendsten Heilkräuter und wird seit Jahrtausenden kultiviert und verarbeitet. Schon die alten Ägypter, aber auch skandinavische Völker verehrten die Kamille als heilig. Weil sie der Sonne ähnelt, wurde sie auch mit dem jeweiligen Sonnengott verehrt. Jetzt steht die Echte Kamille in voller Blüte. Zu finden im Kornfeld neben rot blühendem Mohn und blau blühenden Kornblumen. Die weissen, fiedrigen Blütenblätter umringen ein knallgelbes Körbchen. Verreibt man die Blüte zwischen den Fingern, kommt der aromatische Duft so richtig zur Geltung – unbedingt probieren! Man findet die Kamille auch an Wegrändern, meistens neben Gebäuden oder aber im Bauerngarten und auf Schutthalden. Denn: So nützlich und wirksam die Kamille ist, so anspruchslos ist sie. Diese bescheidene Heilpflanze wächst für jedermann, damit die heilenden Wirkstoffe auch von Arm und Reich gepflückt

GRUEN KOLUMNE

CHRÜTER-OSKI

Eine kalte GurkenKamillen-Suppe, dekoriert mit auf der Wiese geernteter frischer Kamille.

und getrocknet werden können und – in gut verschlossenen Dosen aufbewahrt – zur sofortigen Behandlung bereitstehen. Die heilenden Substanzen der Kamillenblüten sind ätherische Öle und Wirkstoffe, die krampflösend, schmerzstillend, entzündungshemmend und wundheilend sind. Bekannt ist auch die Wirkung gegen Blähungen. Es ist schade, dass die Kamille in der K��che nur ein tristes Dasein fristet. Ganz anders als Rosmarin oder Salbei – auch das Heilkräuter, die ganz selbstverständlich als Küchenkräuter Verwendung finden.

Lösen wir also die schlechte Programmierung von Tee und mies auf und genehmigen uns eine Kamillencreme, herzustellen wie eine Vanilleoder gebrannte Creme: Zwei Esslöffel getrocknete Kamillenblüten mit der Milch aufkochen. Mit etwas Vanille und Zitronensaft aromatisieren und zu frischen Beeren servieren. So wird aus dem Heilkraut wieder ein Küchenkraut. Eines, das Wohlbefinden und Genuss vermittelt. Oskar Marti, 62, hat mit seiner Frau Ursula 25 Jahre lang die «Moospinte» in Münchenbuchsee BE geführt. Heute berät er Gastrounternehmer.

GRUEN REZEPT KALTE GURKENKAMILLEN-SUPPE 2 dl Gemüsebouillon, 3 Beutel Kamillentee oder 3 EL getrocknete Kamille, 1 EL Maizena, 2 EL Rahm, 2 Salatgurken, 2 Nature-Joghurt, 2 Knoblauchzehen, Salz, Pfeffer Bouillon und Kamille aufkochen, 10 Min. ziehen lassen, mit Maizena und Rahm abbinden. Gurken schälen, halbieren (eine Hälfte in Würfel schneiden, beiseitelegen). Bouillon, Gurke und Joghurt im Mixer pürieren, würzen, kalt stellen. Vor dem Servieren Gurkenwürfel beigeben.

Oskar Marti www.chrueteroski.ch Seine Kochbücher www.at-verlag.ch Hier war Oski Gastkoch www.shangri-la.com (Manila)

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das nachhaltige statement von

Wenn alle so leben würden wie wir, brauchten wir 2,8 erden, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. michael arnold vom WWF schweiz zum Footprint-Rechner.

GRUEN: Was ist ein ökologischer Fussabdruck – oder auf Englisch Footprint? damit kann ich berechnen, wie viele natürliche Ressourcen ich verbrauche und wie viele erden nötig wären, um meinen lebensstil zu gewährleisten. Für die ganze Welt berechnet heisst das, dass wir heute 1,5 erden benötigen. Wir verbrauchen also 50 Prozent mehr Ressourcen, als überhaupt nachwachsen können. Woher kommt das Konzept des Footprints? der schweizer ingenieur mathis Wackernagel hat das wissenschaftliche modell dazu entwickelt. er will menschen dafür sensibilisieren, dass wir zu viel Ressourcen verbrauchen und über unsere verhältnisse leben. heute kann man den Footprint für Personen, Firmen oder ganze länder berechnen. die Bevölkerung der schweiz hat umgerechnet einen Fussabdruck von 2,8 erden. Welche Faktoren werden berücksichtigt? Fünf Bereiche: ernährung, Konsum, strom, Wohnen und mobilität. am meisten ins gewicht fällt die ernährung, da Fleisch die Umwelt sehr stark belastet. ebenso stark zu Buche schlagen das heizen und die mobilität.

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Michael arnold ist leiter Firmenpartnerschaften beim WWF Schweiz.

Wie sieht Ihr eigener Fussabdruck aus? ich komme auf 1,6 erden. Und das, weil ich in einem minergie-haus wohne, sehr selten fliege und wenn, nur in europa, alle geräte immer ganz abschalte, sparlampen benütze und Ökostrom beziehe. ich habe meinen Fussabdruck weiter reduziert, indem ich weniger Fleisch konsumiere. ich verzichte heute beim sandwich auf salami und nehme eins mit gemüse. das ist genauso gut, und ich geniesse es doppelt, wenn ich etwa dreimal pro Woche Fleisch esse. Was ist das Ziel des Footprint-Rechners? Pro Jahr wird der Rechner rund 200000 mal benützt. er zeigt ihnen beispielhaft auf, in welchen Bereichen sie übermässig Ressourcen verbrauchen. der WWF gibt viele tipps für den alltag, um den eigenen abdruck zu reduzieren. Kann man damit wirklich ein Umdenken bewirken? Ja, da bin ich überzeugt. vielleicht erschrickt man im ersten moment oder ist erstaunt – ich hätte auch nicht gedacht, dass ich noch 1,6 erreiche. das motiviert aber gleichzeitig, etwas gegen den Ressourcenverschleiss zu tun und eigene gewohnheiten zu hinterfragen.

Wie wichtig ist der Footprint-Rechner für den WWF? ganz zentral. Unsere grossen Ziele sind die erhaltung der artenvielfalt und die Reduktion unseres ökologischen Fussabdrucks. es ist unbequem, aber wahr: Wir leben von unserem Kapital und nicht von den Zinsen. Und irgendwann ist das guthaben aufgebraucht. das ganze interview im Web-tv: www.schweizer-illustrierte.ch www.swisscanto.ch, www.wwf.ch

sWisscanto GREEN loUNGE NachhaltIGKEIt als führender Fondsanbieter der Kantonalbanken fühlt sich swisscanto der Nachhaltigkeit verpflichtet und präsentiert in der Green lounge verschiedene Partner, mit denen in diesem Bereich eng zusammengearbeitet wird. mehr über die Zusammenarbeit mit dem WWF und dem Footprint finden sie hier: www.swisscanto.ch/footprint

Foto: geri Born

«Wir leben vom Kapital»


Money GRUEN

AUTO SHOPPING GELD WOHNEN REISEN

VOGELHAUS DE LUXE BÄUMIG Wer als Kind immer von einem Baumhaus geträumt hat – voilà, hier ist die erwachsene Version. Das Treehotel befindet sich im Norden von Schweden, mitten im unberührten Föhrenwald. Sechs individuell designte Häuser stehen zur Auswahl: zum Beispiel The Cabin (Bild) für zwei Personen. Alle Zimmer haben eine ökologische, wassereffiziente Badezimmereinrichtung und werden mit Ökostrom betrieben. Übernachtungen sind auch im Winter möglich. www.treehotel.se

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GRUEN AUTO

«ICH FAHRE GRUEN»

Hilde Schwab: „Mir war d i Atomausstiegsdebatte zu e i FACTS & FIGURES NISSAN LEAF Antrieb Elektromotor 109 PS, laminierter Lithium-Ionen-Akku 24kWh Leistung Spitze 145km/h, 0–100km/h 11,9s Reichweite bis zu 175km Masse Länge 4,45m, Breite 1,77m, Höhe 1,55m Preis ab 49950 Franken Marktstart ab Herbst 2011, der Leaf ist aber ab sofort auf www.nissan.ch reservierbar

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Zusammen mit Mann Klaus bringt Hilde Schwab die Weltelite ans WEF nach Davos. Nachhaltigkeit ist ihr wichtig, so fährt sie einen Nissan Leaf.

Interview: Jürg A. Stettler Fotos: Dan Cermak Vor 41 Jahren meldete sich Hilde Stoll auf eine Stellenanzeige. Ein Professor für Betriebswirtschaft der Universität Genf suchte eine neue Mitarbeiterin. Seit 1971 sind die beiden verheiratet, haben zwei Kinder und leben im Genfer Vorort Cologny.

Der Name des Professors: Klaus Schwab, 73, Gründer des World Economic Forum (WEF). Seit vielen Jahren versammelt das Power-Duo in Davos die Weltelite aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Hilde Schwab, 65, vermisste dabei aber lange immer etwas: Leute, welche die diskutierten Veränderungen im Umwelt- und im sozialen Bereich mit innovativen und nachhaltigen Lösungen an der Basis umsetzen und dadurch einen grundlegenden Wandel bewirken. Deshalb gründete die Aargauerin 1998 zusammen mit ihrem Mann die Schwab Foundation for Social Entrepreneurship – ein weltweites Netzwerk von sozialen Unternehmern. Seit Kurzem fährt sie nun den brandneuen Nissan Leaf.

Hilde Schwab im Net www.schwabfound.org twitter.com/hildeschwab www.weforum.org Batterie-Projekt www.betterplace.com Junge


Es wird sicher mehr Elektromobile und weitere Fahrzeuge mit alternativen Antrieben auf der Strasse geben, aber auch neue Kombinationen aus privatem und öffentlichem Verkehr.

„Die Politik muss weitere Anreize für die Industrie schaffen, damit sich diese in Richtung mehr Nachhaltigkeit bewegt.“ sungsmelodie ertönte, die Lämpchen gingen an, aber dann passierte nichts. Schliesslich rief ich meinen Sohn an, und der meinte bloss: «Ja, Mami, fahr doch einfach los!» Ich war so an ein Motorengeräusch nach dem Starten gewöhnt, dass mir nicht bewusst war, dass der Leaf längst abfahrbereit war.

d ie e inseitig.“ GRUEN: Ihr Elektromobil hat eine Reichweite von 175 Kilometern, reicht das? Klar, der Leaf ist für mich genau das richtige Auto. Ich fahre im Jahr etwa 5000 Kilometer, meist in der Region Genf. Dafür reicht der Elektro-Nissan vollkommen. Hatten Sie keine Umstellungsprobleme? Überhaupt nicht. Im Gegensatz zu herkömmlichen E-Mobilen, die eher wie Prototypen wirkten, ist der Leaf ein echtes Auto. Eines mit allem Komfort wie Klimaanlage oder Rückfahrkamera. Die Bedienung ist so intuitiv. Startknopf drücken, Gang einlegen, einfach perfekt. Wobei ich fast nicht zur ersten Leaf-Fahrt gestartet wäre. Ich stieg ein, drückte den Start-Knopf, die Begrüs-

Geniessen Sie dieses lautlose Vorwärtskommen? Es ist herrlich, geräuschlos durch die Stadt zu kurven. Das fasziniert auch meine Kolleginnen, die schon mit dem Leaf mitfuhren. Einzig in Quartierstrassen muss ich achtsamer sein, da Fussgänger oder Velofahrer nicht mit einem lautlosen Auto rechnen. Wenn Sie mit Ihrem Mann unterwegs sind: Wer sitzt dann am Steuer? Das hält sich in etwa die Waage. Wenn ich fahre, dann sitzt er meist daneben und liest oder telefoniert. Sitzt er am Steuer, ist es umgekehrt. E-Mobile sind gut und recht, doch woher soll der Strom kommen? Ich denke vor allem an Strom aus Wasserkraft oder Erdwärme. Aber auch das birgt Gefahren, wie Probebohrungen in Basel zeigten. Die Krux: Eigentlich galt auch Atomstrom als «sauberer» Strom. Wie sehen Sie die Mobilität in zwanzig Jahren?

Mit der Schwab Foundation engagieren Sie sich für soziales Unternehmertum. Könnten Sie sich eine Foundation für umweltschonende Mobilität vorstellen? Absolut, wir haben auch einige Social Entrepreneurs, die auf diesem Gebiet tätig sind. Wir versuchen auch, das World Economic Forum grüner zu machen. Deshalb haben wir beim Neubau unseres Hauptquartiers grössten Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Das Gebäude verbraucht 40 Prozent weniger Energie als vergleichbare Objekte. Und wir haben ein Mobilitätskonzept für unsere Mitarbeiter entwickelt. Wie funktioniert das? Für 300 Mitarbeiter gibt es nur 120 Parkplätze. Diese muss man mieten. Mit dem Mietertrag unterstützen wir dann diejenigen, die mit dem ÖV zur Arbeit kommen. Was unternehmen Sie noch? Wir haben verschiedene Beiräte geschaffen, wo sich Experten treffen und über Umwelt, Wasserknappheit, Energieversorgung etc. diskutieren. Im Forum of Young Global Leaders sind viele innovative Jungunternehmer. Shai Agassi mit dem Projekt Better Place etwa. Er hatte die Idee einer Wechselstation für Batterien von E-Mobilen und setzt dies nun in Israel und Dänemark um. Seit ich den Nissan Leaf fahre, tauschen wir unsere Erfahrungen mit E-Mobilen im Alltag aus.

Tut die Politik genug, um die Umwelt zu schützen und Energie zu sparen? Sie muss weitere Anreize für die Industrie schaffen. Ausserdem müssen zusätzliche Mittel in die Forschung fliessen. Mir war beispielsweise die Atomausstiegsdebatte viel zu einseitig. Die Schweiz hat einfach OPTIMALE DREHZAHL beschlossen: Wir steigen Optimalen Drehzahlbereich aus. Aber man müsste des Motors nutzen. Daher im doch auch Alternativen ersten Gang nur anrollen, zum Atomstrom bereitsofort den zweiten einlegen und sicherstellen, die beim und zwischen 1500 und 2000/ Stilllegen der Atomkraftmin hochschalten. Moderne werke zur Verfügung Benziner und Diesel vertrastehen. Da hätte ich mir gen Tempo 50 im höchsten eine etwas offenere Gang. Das spart Sprit und Debatte gewünscht. verringert den Verschleiss.

GRUEN FAHRTIPP

Führungspersönlichkeiten www.weforum.org/community/forum-young-global-leaders Infos zum Elektroauto www.nissanleaf.ch

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GRUEN AUTO

Schwede stromert los

VOLVO C30 ELECTRIC Der schwedische Autohersteller Volvo hat mit der Serienproduktion seines Elektromodells C30 Electric begonnen. Bis Ende 2012 will Volvo mindestens 250 Stück des kompakten Stromers an Leasing-Kunden, auch in der Schweiz, ausliefern. Vom Band läuft der C30 wie gewohnt in Belgien, wird dann aber in Schweden mit den modellspezifischen Elektronikteilen, der 24-kWh-Batterie und dem 111-PS-Elektromotor bestückt. Und dieses Elektroherz stammt übrigens aus der Schweiz: vom Rheintaler Elektro-Pionier Brusa. Es lässt den C30 in sechs Sekunden auf 70 km/h spurten und erlaubt 150 Kilometer Reichweite. www.volvocars.ch

POTENZIAL AUSSCHÖPFEN MAZDA SKYACTIV-TECHNIK Um den Flottenverbrauch zu senken, nahm sich Mazda die herkömmlichen Motoren, Getriebe, Chassis und Fahrwerke zur Brust. Durch gezielte Optimierungen resultierten erstaunliche Effizienzsteigerungen. So verbraucht zum Beispiel ein derart überarbeiteter 2,0-Liter-Benzinmotor trotz etwas mehr Leistung 15 Prozent weniger. Als erstes Modell von der SkyactivTechnik profitiert ab 2012 der Kompakt-SUV CX-5. www.mazda.ch

TESTPHASE LÄUFT TESLA MODEL S ALPHA Seit 2006 produziert Tesla den zweisitzigen, vollständig elektrisch betriebenen Roadster. Nun beginnt der US-Hersteller mit der weltweiten Erprobungsphase seines zweiten Modells, des Model S, mit bis zu sieben Plätzen. «Der Wagen ist für seine Grösse enorm agil. Die Kombination aus steifer Karosse und tiefem Schwerpunkt zahlt sich aus», erläuterte Tesla-Entwickler Graham Sutherland nach ersten Tests. www.teslamotors.com

13 000 BÄUME GEPFLANZT

Der japanische Reifenhersteller Yokohama liess im Rahmen des Projekts «Green Wave 2011» weltweit 13000 Bäume pflanzen. Zudem nutzt er bei seinen Reifen auch Öl aus Cashewnuss-Schalen. www.yokohama.ch

FIAT 500 TWINAIR PLUS Die Italiener peppen den Fiat 500 mit dem sparsamen Zwei-Zylinder-Turbobenziner optisch auf. Der weiterhin 85 PS starke Kleinwagen (Dreitürer und Cabrio) fährt als TwinAir Plus klar frecher und sportlicher vor. Dafür sorgen schwarz lackierte 16-Zoll-Alufelgen, Heckspoiler, Sportsitze für Fahrer und Beifahrer sowie ein Lederlenkrad. So glänzt der Spar-Benziner nun mit zum Drivestyle passendem Lifestyle. www.fiat.ch

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Fahren mit Köpfchen www.cleverunterwegs.ch Touring Club Schweiz www.tcs.ch Sparsamste Autos www.autoumweltliste.ch

Fotos: zvg

SPORT UND LIFESTYLE


Der Elektroantrieb ist der A-Klasse E-Cell von Mercedes bis auf die Beklebung und den fehlenden Auspuff nicht anzusehen.

Stern am Elektrohimmel Mit der A-Klasse E-Cell präsentiert Mercedes ein Elektromobil, das bis zu 255 Kilometer Reichweite mit einem üppigen Platzangebot verbindet.

Text: Jürg A. Stettler Am meisten Platz nahmen und nehmen bei E-Mobilen die Batterien ein. Daran scheiterte 1972 der von Mercedes erbaute Transporter LE 306. Zwar fuhr er schon damals völlig emissionsfrei, aber zum einen besass er wegen der riesigen Batterie kaum Ladefläche, zum anderen ging ihm bereits nach 70 Kilometern der Strom aus. Das ist bei der heutigen A-Klasse E-Cell ganz anders. Die modernen 36-kWh-Lithium-Ionen-Akkus von Entwicklungspartner Tesla sind viel kompakter und finden locker im Sandwichboden der A-Klasse Platz. Daher gibts beim Platzangebot keine Abstriche, und dem Fünftürer bleibt wie seinen Pendants mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren ein Kofferraumvolumen von 435 bis 1370 Litern. Praktisch: Die im Boden untergebrachten Batterien verhelfen der A-Klasse gar zu einem tieferen Schwerpunkt. Das macht den Stromer noch agiler. Einzig bei Nässe bekundet er mit dem fülligen Drehmoment von 290Nm etwas Mühe. Elektronische Helfer greifen zügelnd ein und garantieren so optimale Traktion. Den Sprint von 0 auf 60 km/h absolviert der Fünfplätzer mit seinem 95-PS-

Elektromotor in 5,5 Sekunden. 14 Sekunden dauert es dann aber bis zur 100-km/h-Marke. Macht nichts, der E-Mercedes schwimmt auf der Autobahn problemlos mit. Erst bei 150 km/h wird er zugunsten einer besseren Reichweite abgeregelt. Und nimmt man den Fuss vom Gas, beginnt der Stromer sogleich mit der Rekuperation. Beim Bremsen wird der Energierückfluss zudem noch verstärkt. So schafft die Elektro-A-Klasse eine Reichweite von bis zu 255 Kilometern. Das macht die A-Klasse zu einem absolut familien- und alltagstauglichen E-Mobil. 500 Stück werden nun für vier Jahre an ausgewählte Kunden verleast – eventuell auch in der Schweiz.

FACTS & FIGURES MERCEDES A-KLASSE E-CELL Antrieb Elektromotor 95 PS, Lithium-Ionen-Akku 36 kWh Spitze 150 km/h 0–100 km/h 14 s Reichweite bis zu 255 km Masse Länge 3,88 m, Breite 1,76 m, Höhe 1,59 m Preis noch unbekannt

DIE ELEKTRO-A-KLASSE von Mercedes ist genauso alltagstauglich wie ihre konventionell motorisierten Brüder und bietet so 435 bis 1370 Liter Kofferraumvolumen. www.mercedes.ch

Mercedes www.mercedes.ch Elektroautos www.elektroauto-tipp.de 125 Jahre Autobau www.125-years-of-automobiles.com

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GRUEN SHOPPING

Die grüne Shoppingliste Den Nachmittag in der Badi verbringen, eine Wanderung machen oder einfach zu Hause bleiben: Egal wofür man sich entscheidet – diese Produkte bereiten draussen und drinnen Freude. Redaktion: Barbara Halter

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MIT SONNE TELEFONIEREN

HÜBSCH UND PRAKTISCH

PASST IN DEN RUCKSACK

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ARABISCH GENIESSEN

BERGE BESTEIGEN

BRINGT ORDNUNG

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VANILLE IM GLAS

BEQUEM STRANDEN

FRUCHTIG LECKER

Solarhülle fürs iPhone 4. Geeignet als Ladeunterstützung. Für einen vollen Akku brauchts 10 bis 14 Stunden. www.rrrevolve.ch CHF 89.–

Schmeckt auf Toast, zum Salat oder im Sandwich: Kichererbsencreme mit Wasabi, von Florentin. Im Bio-Geschäft, 170g CHF 6.20

Bio Vanille Bourbon, gemahlen: verfeinert Cremen, Kuchen und Guetsli. ¼ Teelöffel entspricht einem Stängel. Coop, 15g CHF 3.90

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Necessaire aus handgewobener Baumwolle, aus Guatemala, zwei Grössen. Erhältlich bei Helvetas. www.helvetas.org CHF 19.–/27.–

Kariertes Trekking-Hemd von Löffler, umweltschonend und ethisch produziert in Europa. Erhältlich im Sportfachgeschäft, CHF 79.–

Für stundenlanges Lesen in der Badi: Strandklappstuhl aus FSC-Akazienholz, auch in Gelb und Blau erhältlich. Pfister, CHF 19.–

Nicht zu süss und schön knusprig: VollkornNussstängeli aus biologischen Zutaten. Gesehen bei Migros, 270g CHF 3.40

Recycling-Set für Glas, Papier und PET. Die Taschen sind mit Klettverschluss verbunden, 20/27×40×30cm. www.shop.wwf.ch CHF 24.90

Besonders beliebt bei Hitze und trockener Luft: Sanddorn-Granatapfel-Bonbons. Im Bio-Geschäft, 100g CHF 4.–

Produkte www.migros.ch www.florentin-bio.com www.loeffler.at www.coop.ch www.pfister.ch www.mihounexpected.it www.manor.ch

Fotos: Inge Jurt, zvg

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SCHÖN FLAUSCHIG

Spa-Tuch aus Bio-Baumwolle, mit umweltverträglichen Farb- und Hilfsstoffen produziert, 50×100cm. Bei Manor, CHF 19.90

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TOPINAMBUR UND PASTINAKE

Kochen, was bei uns wächst: Inspiration gibt «Alte Gemüsesorten – neu gekocht» von Keda Black. AT Verlag, CHF 27.90

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DURSTLÖSCHER

Glückstee aus Bohnenkraut, Hanf, Zitronenverbene, Rosenblüten und Apfelminze. Migros, 33cl CHF 1.–

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ZUM INDISCHEN CURRY

Fairtrade-Basmati-Reis im Kochbeutel. Einfacher geht Reis kochen nicht. Ein Beutel reicht für zwei Personen. Coop, 4×125g CHF 3.90

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ERFRISCHUNG FÜR YOGIS

Sigg-Trinkflasche «Sun Salutation», benannt nach dem Sonnengruss, einer der bekanntesten Yoga-Übungen. Fachhandel, CHF 27.–

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PLATZ NEHMEN

Sitzhocker aus rezykliertem Karton, hält über eine Tonne Gewicht aus, 42×30×30cm, von Miho. Bei Changemaker, Zürich, CHF 49.–

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GLÜCK ANBAUEN

Aus dieser Papiertüte wächst Rotklee. Keimzeit fünf bis sieben Tage, mit Anleitung. Von Garden.in.a.bag, bei Globus, CHF 11.90

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FETT, GEH WEG!

Ökologisches Geschirrspülmittel von Held. Die Flasche besteht neu aus PE auf Zuckerrohrbasis. Bio-Geschäft, 500ml CHF 5.40

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PASTA MIT PESTO

Für Koch-Muffel: Bio Pesto rosso aus getrockneten Tomaten, Schafskäse und Pinienkernen. Coop, 130g CHF 5.90

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KOCHT DAS WASSER SCHON?

Hausgemachte breite Nudeln aus Hartweizengriess (luftgetrocknet). Globus Organic, 250 g CHF 7.30

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EISBOMBE AUS DEM BECHER Manchmal muss es ein bisschen mehr als nur ein Sorbet sein: Dann sind die Kreationen von Ben & Jerry’s genau richtig. Die amerikanische Glacemarke verarbeitet deftige Zutaten wie Marshmallows, Karamell oder Brownies. Die neuste Kreation heisst «Coconutterly fair» und ist eine Mischung aus SchokoladenGlace, Kokosnuss-Karamell-Strudel und Karamell-Crunch-Stücken. Sie ist Fairtrade-zertifiziert und erhältlich in allen Ben & Jerry’sVerkaufsstellen und bei Coop. 150 ml CHF 4.50. www.benjerry.ch

www.maxhavelaar.ch www.ribaldus.com www.sigg.com www.at-verlag.ch www.liebharts-gesundkost.de www.held-clean.ch

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GRUEN

Impressum Leitung GRUEN /Verlagsdirektor Urs Heller Mitglied der Chefredaktion Stephan Sutter Redaktion Monique Ryser (Leitung), Barbara Halter, Kristina Köhler

ANITA LEHMEIER

DIE KREISEL-KOLUMNE

Mitarbeit Edith Arnold, Urs Bärtschi, Karin Anna Biedert, Anita Lehmeier, Oskar Marti, Lisa Merz, Marysia Morkowska, Peter Ruch, Jürg A. Stettler, Christine Zwygart

Oben hui – unten pfui!

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Grafik / Produktion Fabienne Rodel-Hany (Leitung / Layout) Mathias Bader (Infografik) Doris Wüthrich (Satztechnik) Design Beling Thoenen Design Korrektorat Andrea Leuthold, Marco Morgenthaler, Irène Müller Verlag der Ringier-Zeitschriften Dufourstrasse 23, 8008 Zürich Telefon 044 259 61 11 Fax 044 259 68 44 gruen@schweizer-illustrierte.ch

„So als wenn Helvetia, die Bilderbuch-Schönheit, Fusspilz hätte.“ beneidet man die Autofahrer um den Kreisel. Beim Bau und Dekor dieser Verkehrskarussells scheut man weder Kosten noch Mühe. Da will jede Gemeinde den schönsten und grössten haben. Am besten gleich mehrere. Da geben Politiker, Gärtnereien, Gestalter, Künstler alles. Auf meinem Lieblingskreisel leuchtet nachts Glaskunst von Roberto Niederer, multicolor, magisch! Ich umrunde ihn immer dreimal. Kreiselnd kriegt man Kunst und Kreatives (selten), Kitsch und Kurioses (oft) serviert. Kreisel sind so etwas wie Swissminiatur auf Kommunalebene. Eine Expo auf einem winzigen Fleck, die Schweiz im Kleinen. Märkliin-Land, der Hamburger hat das scharf erkannt.

Miniwelt www.swissminiatur.ch (Melide) www.miniatur-wunderland.de (Hamburg)

Marketing Verena Baumann Druck Swissprinters AG 4800 Zofingen Telefon 058 787 30 00 Papier Inhalt: Furioso matt, FSC-zertifiziert, 80 g/m2 Umschlag: WFC, matt gestrichen FSC-Mix, 200 g/m2

Foto: Christian Hug

«Donnerwetter! Ich denk, ich bin in Märkliin-Land», meinte der Hamburger – er sprach das mit zwei i aus, und es tönte wie ein dickes Lob. Dann drückte er wieder die Nase am Zugfenster platt und schwelgte weiter in Landschaftsbetrachtung. Es war sein Erstkontakt mit der Schweiz, sein Entzücken gross. Der Herr im Zugabteil hatte Ort und Zeit prima getroffen für sein Blind Date mit Helvetia. Die Schweiz zeigte sich von ihrer Schoggiseite. Mit Sommer, Sonne und Postkartensujets. An solchen ist die Zugstrecke Zürich–Luzern reich: vier Seen, viel Grün, Kühe darauf, Alpenpanorama und ein Bahnhof von Calatrava. Märkliin-Land in echt eben. Ob das denn überall in der Schwiiz – wieder mit zwei i – so sei? So landschaftlich gesehen. Für meine Antwort, die Langversion, müsste ich von Schweiz Tourismus eigentlich einen Orden erhalten. Ich empfahl ihm das Berner Oberland, massiv viel Landschaft da. Die Innerschweiz, klar, mein Homeland. Den Thurgau. Das Engadin. Das Tessin auszulassen, wäre schade, das Lavaux unverzeihlich. Und und und. Überall schön da, nicht wahr? Wenigstens an der Oberfläche, unten drunter verblasst der Glanz ganz schnell. So als wenn Helvetia, diese BilderbuchSchönheit, Fusspilz hätte. Ich rede von Unterführungen. Diese tristen Röhren, die Menschen unter Strassen oder Schienen durchschleusen. Viele Menschen, jeden Tag. Ich weiss das, ich pendle. Warum nur sind alle Unterführungen so hässlich? Muss das sein? Sichtbeton beleidigt das Auge, Wahlplakate den guten Geschmack. Öde Bauzäune werden durch die Hinterlassenschaften von Sprayern und Kindergärten selten schöner.

Bildredaktion Susanne Märki

Wo bleibt die Kunst? (Schweiz Tourismus sollte Banksy einladen. Für den genialen Strassenkünstler würde ich sogar auf meinen Orden verzichten.) Weit verbreitet sind auch rundum verkachelte Unterführungen, die mit diesem gewissen Schlachthof-Charme. Oder die mit offenen Decken, so wie im kaputten Raumfrachter in «Alien». Und so manch trendbewusste Unterführung trägt Neon. Die Art, die aus jedem Teint, ausnahmslos, Blauschimmelkäse macht. Apropos: Die Unterführung mit guter Luft wird noch gesucht, die mit genug Platz auch. Als ÖV-Benutzer und somit Unterwelttourist


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