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Schweizer Illustrierte GRUEN #4/ 2010

#4 25. Oktober 2010 www.si-gruen.ch CHF 7.–

100% Grün. 100% Lifestyle.

pascale bruderer

„Sogar mein Hund Kala hat ein GA” Albert II. Der Fürst im exklusiven UmweltInterview

+

9 Seiten Strick-Mode: Die neue Masche


gruen Engagement Für eine Saubere Insel

GRUEN-Redaktorin Barbara Halter zu Besuch auf der Malediven-Insel Kamadhoo. Diese Frauen sorgen dafür, dass der Müll eingesammelt wird. Bei der Entsorgung hilft das Four Seasons Resort Landaa Giraavaru.

Fotos: zvg, Gian Paul Lozza, Esther Herzog

editorial mailbox fürs volk Der Auftritt war schon sehr souverän: Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer steuerte das Parlament gelassen und sicher durch die Sessionen, liess sich auch bei Bundesratswahlen nie aus der Ruhe bringen. Das können andere auch. Aber nur wenige sind in der Öffentlichkeit so beliebt wie der SP-Shootingstar aus dem Aargauischen. Ihr Geheimnis? www.pascale-bruderer.ch – die Mailbox fürs Volk. «Bei ­Fragen, Rückmeldungen oder Anliegen erreichen Sie mich per Mail an die Adresse nrp10@pd.admin.ch», steht auf ihrer Website. Die Bürgerinnen und Bürger nehmen dies ziemlich wörtlich: «Nach der Departementsverteilung des neuen Bundesrats war die Mailbox voll», sagt die Politikerin. Pascale Bruderer sucht den Kontakt nicht nur elektronisch. Sie trifft sich immer wieder mit der Bevölkerung, mag ihr ­Terminkalender noch so voll sein. Beispiel für ein typisches Bruderer-Wochenende? Erst «Wysonntig» in Tegerfelden. Dann Wanderung von Habsburg nach Schinznach-Bad, organi-

siert von Aargau Tourismus. Dazwischen Interview und Fotoshooting mit SI GRUEN. Ihre Vorgaben? Kein grosses Styling, dafür ein gutes Gespräch. Ein grosses Styling braucht die bildschöne Politi­ kerin nicht. Und mit dem Gespräch war GRUENRedaktorin Monique Ryser sehr zufrieden. Seite 20. Geht es Ihnen auch so? Höre ich den Namen Fürst Albert, denke ich sofort an sein glanzvolles Leben in Monaco, an seine wilden Schwestern, an ein paar nicht allzu schnelle BobFahrten in St. Moritz und an seine zauberhafte südafrikanische Verlobte Charlene Wittstock, die er, so hoffen wir doch alle, im nächsten Sommer mit allem Pomp dieser Erde zum Altar führen wird. Diese Einschätzung ist zu kurz gegriffen: Der Regent von Monaco lebt nicht nur auf dem roten Teppich, er engagiert sich mit aller Kraft in der grünen Welt. Umweltschutz hat in Monacos Regierungsprogramm einen wichtigen Platz. Ihre Durchlaucht fährt Hybrid, «weil ich als gutes Beispiel vorangehen will». Seine

die höchste schweizerin im Endspurt

Die Zeit als Nationalratspräsidentin neigt sich für Pascale Bruderer dem Ende entgegen. Die Monate der Ausgewogenheit sind vorbei. Ab Dezember kann sich die 33-jährige Aargauerin wieder voll in die Dossiers stürzen.

Stiftung unterstützt nachhaltige Projekte. Beim Projekt «Solar Impulse» von Bertrand Piccard übernahm er die Patenschaft. Deshalb ist er auch schon nach Payerne gereist, um sich von den Fortschritten beim Traum vom sonnengetriebenen Flugzeug zu überzeugen. Die Besuche verlaufen völlig unkompliziert: Ihre Durchlaucht braucht für die Übernachtung keines der schönen Fünfsternehäuser am Lac Léman. «So ein kleines Hotel nahe der Autobahn genügt vollkommen», liess der Regent verlauten. Unkompliziert und überraschend war auch das Interview mit Fürst Albert II. Seite 26. Ich wünsche Ihnen viel ­Vergnügen mit SI GRUEN! Urs Heller Leiter Ringier Zeitschriften

Urs Heller: „Fürst Albert II.? Roter Teppich. Grüne Welt.“

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COVER

Foto: Gian Paul Lozza Hair und Make-up: Helve Leal / Style Council

Starter 10 Maggie Gyllenhaal: Einsatz für Kids 12 E-Tracer: Mit Vollgas zum Erfolg 14 Frank Schätzing: Neuer Fotoband

Storys 18 WWF-Footprint: Testen Sie sich! Wie grün sind Sie bezüglich Bewegung? 20 Pascale Bruderer: Die höchste Schweizerin über Endspurt und Umweltpolitik 26 Albert II.: Der Fürst über sein Engagement für die Umwelt 30 Passugger: Warum Firmenchef Urs Schmid auf teureren Öko-Strom setzt 36 Die GRUENE Liste: 30 Menschen, die mit ihrem Reichtum Gutes tun 44 Malediven: Wie Hotel-Chef Armando Kraenzlin den bedrohten Inseln hilft 50 Fashion: Die neue Strick-Mode – wohlig warm, Fair Trade und ökologisch 60 Die Toledos: Die Star-Designer stehen auf Stoffe aus St. Gallen 66 Walter Schmid: Der Kompogas-­ Erfinder ist das Herz der Umwelt Arena 74 Tobias Funke: So kocht der Aufsteiger des Jahres 2011 im «Obstgarten» 84 Grüner Samstag: Ein genussvoller Grenzgang im Dreiländereck

Money 92 Ich fahre GRUEN: Filmstar Carlos Leal und sein Toyota Auris Hybrid 96 Natanel Gluska: In Lenzburg kreiert er archaische Stühle mit der Kreissäge 100 Gold: Wahre Werte sind wieder gefragt. Nur: Goldabbau schadet der Umwelt 104 GRUEN Shopping: Genuss ohne Verzicht – die neuen Highlights aus dem Regal


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malediven Ein Schweizer Hotel-Chef ist das grüne Gewissen der Insel.

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albert ii. Monacos Fürst im exklusiven Umwelt-Interview.

Fotos: zvg, Reuters, Oliver Nanzig, Corbis, Gina Folly (2), Gian Paul Lozza

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passugger Firmenchef Urs Schmid setzt auf Öko-Strom und Klimafonds.

tobias funke Der Küchen-König vom «Obstgarten» in Freienbach SZ.

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die toledos Die Lieblings-Designer von Michelle Obama im Interview.

grüner samstag Ein genussvoller Grenzgang im Dreiländereck.

pascale bruderer Die höchste Schweizerin im grossen Interview.

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Spezialitäten von der Rigi ehrlich und gut Die Bauern auf der Rigi tun viel für den Erhalt der wertvollen Magerwiesen. Damit sich ihr Einsatz auch auszahlt, haben sie mit dem Verein NatuRigi Rigi-Gnuss-Chischtli entwickelt. So können die Bauern ihre hofeigenen Produkte direkt verkaufen – und alle anderen freuen sich über Mini-Meringues, Rigi-Kirsch oder Bergkräuter-Salz. Infos über den genauen Inhalt der Chischtli und Bestellung: www.naturigi.ch

Mit Kindern auf Schatzsuche in Bern Der Wanderführer «Kleine Abenteuer» richtet sich an Kinder vom Kindergarten bis zur Mittelstufe. Die sieben Touren führen rund um Bern – etwa auf den Gurten oder zum Natur­ schutzgebiet Elfenau. Zu jeder Route gibt es eine illustrierte Karte und Wissenwertes über das, was am Wegrand liegt. www.zytglogge.ch

Wie im märchen Erfolgreich Michiko Nagasaka liebt die Ele­ ganz. Und sie hat sich ge­sagt, dass Nachhaltigkeit nur funktioniert, wenn auch Ästhetik berücksichtigt wird. Ihr Laden Fairy Tale Select in Zürich läuft nach einem Jahr so gut, dass sie nun einen Online-Shop eröffnet hat. Japanische Keramik, kostbare Lackartikel und spiele­ rische Accessoires gehören zum kleinen, feinen Angebot. www.fairytaleselect.com

Maggie Gyllenhaal und ihr Mann Peter Sarsgaard waren bei der Eröffnung eines neuen SOS-Kinderdorfes in Indien dabei.

Maggie Gyllenhaal

Weg von der Strasse Jedes Kind braucht ein Zuhause: Was einfach tönt, ist leider in vielen Orten der Welt nicht Realität. Die amerikanische Schauspielerin Maggie Gyllenhaal («The Dark Knight») und ihr Ehemann Peter Sarsgaard, ebenfalls Schauspieler, engagieren sich darum als Botschafter für das SOS-Kinderdorf ­Alibaug an der indischen Südwestküste: «Es ist nur schwer zu akzep­ tieren, dass Indien trotz der dynamischen Wirtschaftsentwicklung, die sich in jüngster Zeit vollzogen hat, die weltweit grösste Zahl von Strassenkindern hat», sagt Gyllenhaal. Am 12. Oktober weihte das

Ehepaar, das selber eine vierjährige Tochter hat, das Kinderdorf ein. 140 Kinder erhalten dort in vierzehn Familienhäusern ein neues und sicheres Zuhause. Alleinstehende Mütter aus der Region finden in der Institution Beratung, um sich ein unabhängiges Leben aufzubauen. Finanziert wurde das neue SOS-Kinderdorf vom Kleiderlabel Esprit, das seit Jahren humanitäre Projekte unterstützt. www.sos-childrensvillages.org

„Ich liebe Würste auch, aber ich esse sie nicht.“ Jonathan Safran Foer, Autor des Bestsellers «Tiere essen»

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Fotos: zvg (2), Esprit, «Big Bang»-Kampagne, Getty Images

Geborgenheit für jedes Kind


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Schnell und stark: Der E-Tracer bringt es auf bis zu 240 km/h und hat einen 204-PS-Elektromotor.

e-tracer

Mit Vollgas zum Erfolg

Baut den E-Tracer in Winterthur: Peraves-Geschäftsführer Roger Riedener.

futuro-mobil Das Ding ist wind­ schnittig und sieht aus wie eine Kreuzung aus Motorrad, Kleinauto und Liegevelo. Entwickelt wurde es von Felix ­Wagner, einem ehemaligen Swissair-Piloten, und Roger Riedener, Geschäftsführer des ­Winterthurer Herstellers Peraves. Gleich zwei elektrisch betriebene Fahrzeuge nah­ men am globalen Wettbewerb Progressive Insurance Automotive X Prize in Michigan teil. Und die Bedin­gungen waren knallhart. Zwei Passagiere müssen über eine Distanz von mindestens 160 Kilo­ metern transportiert werden – mit einer Durchschnittsgeschwindigkeiten von 88 km/h. Der Verbrauch darf ein Äquivalent von 2,3 Liter auf 100 Kilometer nicht über­

schreiten. Dass auch Sicherheit, Fahr­ leistung und die Serientauglichkeit geprüft werden, ist selbstverständlich. Die E-Tracer schlugen voll ein und gewannen in der Kategorie «Alternative Class Tandem». Der Lohn: ein Siegerpreis von 2,5 Millionen Dollar. Total nahmen 111 Teams am ­prestigeträchtigen Wettbewerb teil. Der E-Tracer ist bereits ab nächstem Jahr als Serienfahrzeug erhältlich. Allerdings zum stolzen Preis von fast 100 000 Franken. Dafür gibt es ein Fahrzeug, das in fünf Sekunden von 0 auf 100 beschleunigt. Die ­Spitzengeschwindigkeit beträgt rasante 240 km/h. Bei so viel Erfolg – wovon träumt der ­Firmen-Boss noch? Riedener: «Von einem Investor, der eine Grossproduktion übernimmt. Dann wäre ein Preis unter 30 000 Franken möglich.“ Bis es so weit ist, beliefert ­Riedener die USProminenz. Der erste Kunde ist HollywoodStar Tom Hanks. www.peraves.ch

„Als Surferin möchte ich in sauberen Ozeanen schwimmen. Mein Hybridwagen verpestet die Umwelt nicht. Das macht mich glücklich.“ Cameron Diaz, Schauspielerin

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Fotos: zvg, Davids (1)

Roger Riedener und seine Peraves bauen wohl das ­Fahrzeug der Zukunft. In den USA gabs schon mal einen Preis dafür: 2,5 Millionen Dollar!


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Frank Schätzing erklärt das Meer: Für die TV-­ Dokumentation wurde allerdings gemogelt. Das Boot schippert auf einem deutschen Baggersee …

jetzt wohnt er wie bond HIGHTECH Rund acht Mil­lionen Franken hat sich Ex-Bond Pierce Brosnan, 57, sein neues Heim in Malibu kosten lassen. Die Super-Villa ist vollgestopft mit grünem Hightech: Die Solaranlage produziert so viel Strom, dass ihn Brosnan verkaufen kann. Das Wasser wird rezykliert. Weitere Gadgets: Spar-WCs, Böden aus wieder­ verwertetem Holz und ein solarbetriebener Komposthaufen. Allein das Sparlicht-System hat eine halbe Million verschlungen.

für trendy Tierschützer Da gibts selbst für Brigitte Bardot nichts zu schmollen: Die Tier­ schützerin hat mit Lancel eine Tasche ganz ohne Leder oder chemische Gerb- und Farbstoffe designt. Erhältlich in sechs Farben, aus Alcantara oder 100 Prozent Bio-Tweed. Sowohl Form und Farben basieren auf dem Lifestyle von SaintTropez, der Heimat der Bardot. www.lancel.com

Held der Ozeane Faszinierend Die unbekannten Tiefen der Ozeane ziehen ihn magisch an: Bei den j­ahrelangen Recherchen für den Thriller «Der Schwarm» haben sich beim Kölner Autor Frank Schätzing so viele Fakten angesammelt, dass es gleich für ein weiteres Werk reichte. Jetzt erscheint sein Sachbuch Nachrichten aus einem unbekannten Universum in einer illustrierten Sonderausgabe mit Aufnahmen und Animationen aus dem Fernseh-Dreiteiler, der im Oktober auf ZDF und Arte gezeigt wurde. Schätzing erklärt in seinem Buch mit viel Sachverstand und Ironie, wie das Leben im Urozean entstehen konnte. Er nimmt den Leser mit zu heissen Quellen, die aus dem Meeresboden sprudeln, zu Haien und Walen. Eintauchen bitte! www.kiwi-verlag.de

jetzt oder nie «11th Hour – 5 vor 12» heisst der Dokfilm von Leonardo DiCaprio, in dem er zum Handeln für eine saubere Welt aufruft. Der Schauspieler analysiert, wie die Menschheit das Ökosystem beeinflusst, und lässt fünfzig führende Wissenschaftler, Denker und Meinungsbildner zu Wort kommen. Bereits hat sich eine Internet-Community gebildet, die dem Film Taten folgen lässt. DVD erhältlich ab 30. Oktober. sz-shop. sueddeutsche.de

„Man unterstellt mir oft, ich würde meine Rolle als soziales Gewissen Amerikas geniessen. Aber ich hasse es, dass ich immer die sein muss, die den Mund aufmacht.“ Susan Sarandon, Schauspielerin

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Fotos: zvg (3), Public Address, Babirad Picture

Frank Schätzing

Leo ruft zum Handeln auf


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Das zweite Leben der PET Mehr als eine Milliarde PET-Flaschen landen jährlich in den Sammelbehältern. Und tauchen in Joghurtbechern, Fotofilmen und Fussballtrikots wieder auf. Text: Florian Schaffner / Infografik: Mathias Bader, Ringier Infographics

PET-Recycling in der Schweiz 187 PET-Flaschen hat der durchschnittliche Einwohner pro Jahr in der Schweiz leer getrunken. 46  574 Tonnen Plastik blieben dadurch im ganzen Land zurück; 37  543 Tonnen PET wurden wieder wiederverwertet – sie haben über die rund 30  0 00 Sammel­stellen ihren Weg in neue PET-Flaschen, Regenjacken, Verpackungsbänder oder Fotofilme gefunden. = in Verkehr gebrachte Menge PET in Tonnen

Einsparungen durch PET-Recycling in der Schweiz im Jahr 2009:

76 %

40 078 Personenwagen

81%

Dies entspricht dem jährlichen Ausstoss aller Personenwagen des Kantons Schaffhausen.

SH

= Rezyklierte Menge

% = Verwertungsquote

78 %

2

78 %

139 000t Treibhausgase (hauptsächlich CO )

36 Mio. l

21 572 Haushalte

PET-Recycling ist Umweltschutz Allein schon durch den steigenden Konsum ist die Industrie gezwungen, PET zu recyceln, um damit die eigenen Kosten tief zu halten. Das Recycling hat aber zusätzliche positive Nebeneffekte für alle: weniger Treibhausgase, ein­gesparte Energie und Schonung der Umwelt. Pro Kilogramm recyceltes PET werden drei Kilogramm Treibhausgase wie CO2, Methan oder Lachgas eingespart. 2009 waren das 139 000 Tonnen Treibhausgase, ungefähr so

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2006

viel wie die jährlichen Emis­ sionen aller Personenwagen im Kanton Schaffhausen. Da durch das Recycling gleich­ zeitig auf ein Teil der PET-Neuproduktion verzichtet werden konnte, wurden zudem 36 Millionen Liter Erdöl eingespart; genug, um alle Haushalte in Appenzell Ausserrhoden ein Jahr lang zu ­heizen. Die Wiederverwendung des recycelten PET in Textilien, Verpackungsmaterialien und neuen Flaschen schont nicht erneuerbare Ressourcen wie Erdöl oder Erdgas zusätzlich.

2007

2008

37 543

46 574

35 825

45 712

33 880

43 250

32 366

42 700

AR

Erdöl Diese würden ausreichen, um alle Haushaltungen im Kanton Appenzell Ausserrhoden ein Jahr lang zu heizen.

2009

Verwertungsquote Schweiz 81 Prozent der PET-Flaschen wurden letztes Jahr an 30  0 00 Sammelstellen in der Schweiz wieder entgegen­ genommen – ein neuer Rekord. Für die hohe Sammelquote musste aber hart gearbeitet werden: Der gesetzlich vor­ geschriebene Anteil von 75 Prozent wurde erst 2005 erst­ mals erreicht. Seither hat sich die Anzahl Sammelstellen fast verdoppelt; zu einem gros­sen Teil dank freiwilligen Sammlern wie Schülern, Mitarbeitern oder Konzertbesuchern.

Die Wiederverwerter www.pet-recycling.ch www.polyrecycling.ch www.cleanaway-pet.com www.carbotech.ch www.petcore.org www.pet


Flasche Recycling-Produkte Aus Polyethylenterephthalat (PET) werden Verpackungs­ bänder, Regenjacken und Foto­ filme hergestellt; selbst für Prothesen wird auf PET zurück­ gegriffen. Der grosse Teil des Plastiks bleibt aber in seiner ursprünglichen Form und wird in Flaschen wiederverwertet. Sportbekleidung PET wird in Form von Polyester recycelt. In einem Nike-Fussball­ trikot stecken acht PET-Flaschen, in einem Snowboard­anzug wer­ den achtzig PET-Flaschen ver­ wertet. Verpackungsmaterial Ob Joghurtbecher, Margarine­ behälter oder Biskuitschalen – PET findet seinen Weg in verschiedenste Verpackungs­ materialien.

= Verwertungsquote tiefer als 50% = keine Angaben

Neue Flaschen 60 Prozent des gesammelten PET wird in seiner ursprüngli­ chen Form wiedergeboren: als Flasche. In den neuen Flaschen in den Regalen stecken rund 35 Prozent recyceltes PET.

Quoten Pfandländer + Schweiz » 83% Schweden » 81% Island » 80% Deutschland »

78% Schweiz

» 74% Norwegen » 72% Dänemark » 36% Finnland Quelle: PCI for Petcore (2008) ( )

Europäische Verwertungsquote Im internationalen Vergleich stehen die Schweizer Sammler zwar jetzt schon gut da; Verbesserungs­potenzial gibt es aber dennoch. 2008 stand die Schweiz mit einer Sammelquote von 78 Prozent an vierter Stelle – hinter Schweden, Island und Deutschland.

Verpackungsschalen und Textilien

20 %

20 % Verpackungsbänder

60 %

neue Flaschen

Prozentanteile Recyclingprodukte Total des in der Schweiz im Jahr 2009 recycelten PET nach Kategorien der daraus recycelten Produkte in Prozent.

bottleplatform.eu www.plasticsrecyclers.eu Die Kontrolleure www.bafu.admin.ch

Quellen linke Seite: Bundesamt für Umwelt, rechte Seite: PET-Recycling Schweiz Grafik © Ringier Infographics

= Verwertungsquote höher als 50%

PCI for Petcore, 2008

Verpackungsbänder Egal, ob Papier, Baumwolle oder Holz zusammengeschnürt wird, PET-Verpackungsbänder ersetzen Stahlbänder je länger je mehr.

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gruen footprint

der gruen-footprint

Machen Sie sich Beine! Immer unterwegs, dauernd auf Achse. So ist das Leben heute. Wer dabei öfter in die Pedale tritt oder zu Fuss geht, tut sich und der Umwelt einen Gefallen.

1. Wie weit weg wohnen Sie von Ihrem Arbeitsplatz? O m  ehr als 50 Kilometer 0 Punkte O e  twa 25 bis 50 Kilometer 2 Punkte O e  twa 10 bis 25 Kilometer 4 Punkte O e  twa 1 bis 10 Kilometer 6 Punkte O Ich arbeite zu Hause oder gleich um die Ecke 8 Punkte

3. Wie viele motorisierte Fahrzeuge (vom Töffli über das Auto bis zum Motorboot) besitzen Sie? O m  ehr als drei 0 Punkte O d  rei 3 Punkte O z wei 6 Punkte

ihr persönlicher gruen-footprint Distanz zum Arbeitsort Arbeitsweg Motorisierung Wochenendeinkauf Freizeitverhalten Wochenendbeschäftigung Mobility Fahrzeugwahl Gesundheit TOTAL PUNKTE

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In die Pedale treten bringt Muskeln – und Test-Punkte.

O e  ines O k eines

9 Punkte 12 Punkte

4. Wo und wie erledigen Sie Ihren grossen Wocheneinkauf? O mit dem Offroader im Einkaufszentrum eine halbe Stunde Fahrt von meinem Zuhause 0 Punkte O m  it dem Kleinwagen bei uns im Zentrum 1 Punkt O Ich fahre mit dem Elektrovelo mit Anhänger zum Einkaufen 3 Punkte O Ich bestelle meine Einkäufe per E-Shopping zu mir nach Hause 3 Punkte O z u Fuss beim Quartierladen um die Ecke 4 Punkte 5. Welche der folgenden Aussagen kommt Ihrem Freizeitverhalten am nächsten? O Als passionierter Segelflieger nehme ich regelmässig an Wettkämpfen in ganz Europa teil 0 Punkte O Ich bike gern in den Bergen und transportiere dazu jeweils meine drei Mountainbikes mit dem Kleinlaster in die Bündner oder Tessiner Täler 4 Punkte O Zwei- bis dreimal wöchentlich fahre ich mit dem Auto ins Training hier bei uns im Dorf 8 Punkte O Ich besuche häufig Museen, Konzerte oder schöne Orte in der Schweiz, meistens fahre ich mit dem Zug 12 Punkte O M  ein Kräuter- und Gemüsegarten ist mein grosses Hobby – hier verbringe ich fast meine ganze Freizeit 16 Punkte 6. mein bevorzugtes wochenend-programm: 0 Punkte O S  hoppen in Paris, London oder Mailand O W  ellness in Kärnten 4 Punkte O V  erwandte besuchen im Thurgau 8 Punkte

Umfassend testen wwf.ch/footprint Footprint-Sponsor www.swisscanto.com Auto-Teilen www.mobility.ch www.verkehrsclub.ch

Fotos: Flora Press, WWF

2. Wie legen Sie Ihren Arbeitsweg zurück? O m  it der Familienkarosse oder mit dem Sportwagen 0 Punkte O m  it dem Kleinwagen 2 Punkte O m  it dem «Öko-Auto» (Elektroauto, Hybrid, Erdgasantrieb) 4 Punkte O m  it Tram, Bus und/oder Zug 6 Punkte O z u Fuss oder mit dem Fahrrad, beziehungsweise ich arbeite immer zu Hause 8 Punkte


O Wandern im Jura O Aktivitäten zu Hause oder in nächster Umgebung

12 Punkte

16 Punkte

7. Haben Sie sich schon mal überlegt, Ihr Auto zu verkaufen und stattdessen Mobility-Fahrzeuge, das Auto Ihres Nachbarn oder ab und zu ein Taxi zu nutzen? O N  ein, das kommt für mich überhaupt nicht infrage 0 Punkte O Ja, aber ich habe Streit mit meinen Nachbarn 1 Punkt O Ja, aber Taxis sind mir viel zu teuer 1 Punkt O Ja, das könnte ich mir gut vorstellen 3 Punkte O Ich habe schon jetzt kein Auto 4 Punkte 8. Sie haben einen Preis gewonnen und könnten sich eins der folgenden Fahrzeuge aussuchen. Welches würden Sie wählen? O O  ffroader 0 Punkte O Sportwagen 3 Punkte O Familienkombi 6 Punkte O Hybridfahrzeug 9 Punkte O Elektrovelo 12 Punkte 9. Was tun Sie schon heute für Ihre Gesundheit – und die Umwelt (mehrere Antworten möglich)? O Ich fahre ab und zu mit dem Velo zum Bahnhof statt mit dem Bus 2 Punkte O Statt Lift oder Rolltreppe benutze ich regelmässig die Treppe 2 Punkte O Bei schönem Wetter gehe ich auch mal zu Fuss zur Arbeit 2 Punkte O Ich verzichte höchstens auf mein Auto, wenn das Billett mal wieder wegen zu schnellen Fahrens weg ist 0 Punkte

AUSWERTUNG O 0 bis 34 Punkte

O 35 bis 62 Punkte

O mehr als 62 Punkte

Na ja, Ihr Mobilitätsverhalten ist nicht gerade klimafreundlich – aber das ist Ihnen vermutlich auch egal, solange die Klimaanlage in Ihrem Wagen noch funktioniert. Sie sind guter Schweizer Durchschnitt. Lösen Sie die innere Handbremse, es gibt erhebliches Verbesserungspotenzial bei ­Ihrem Mobilitätsverhalten. Davon würden auch Ihre Gesundheit und Ihr Portemonnaie profitieren. Ha, Sie sind ein richtiger Turbo! Begeistern Sie auch Ihre Freunde und Verwandten für ­klimaschonendes und lebensfrohes Unterwegssein.

an Ulrike Saul, Klima- und Mobilitäts­4 fragen expertin beim WWF Schweiz GRUEN: Welche Mobilitätsbereiche belasten die Umwelt am meisten? Interessanterweise ist es das Freizeitverhalten, während das Pendeln zur Arbeit die Umwelt etwas weniger belastet. So benutzen über 70 Prozent der Leute für Wochenendausflüge das Auto, obwohl praktisch jeder Punkt in der Schweiz bestens mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar ist. Das Einkaufen ist im Vergleich dazu deutlich weniger belastend. Wo sollen Leute ansetzen, wenn sie sich umweltfreund­ licher bewegen wollen? Nur noch zu Hause sitzen? Nein, es gibt ganz viele Möglichkeiten, seine Gewohnheiten anzupassen und trotzdem mobil zu bleiben. Mir fällt immer wieder auf, wie viele Leute den Weg ins Training, ins Fitness oder zum Biken im Wald mit dem Auto zurück­ legen. Hier könnte man den Hinweg problemlos in ein kleines Aufwärmen im Dauerlauf oder mit dem Velo umfunktionieren. Auch der Einkauf kann mit einem modernen Einkaufswagen gut zu Fuss oder mit dem Fahrrad erledigt werden. Hier profitieren Gesundheit und Fitness gleich mit. Sind denn Autos einfach nur schlecht? In der Regel haben Personenwagen tatsächlich eine schlechte Ökobilanz, weil sie viel und schweres Material für wenige Personen in Bewegung setzen müssen. Allerdings gibt

Ulrike Saul ist Mobilitätsexpertin beim WWF Schweiz.

es einige Möglichkeiten, Umweltschäden zu verringern: Am wichtigsten ist, ein leichtes, nicht übermotorisiertes Auto zu fahren und eine gute Aus­ lastung zu gewährleisten. In den nächsten Jahren kommen zudem Elektroautos auf den Markt, mit denen die Umweltbelastung des Verkehrssektors ebenfalls verringert werden kann. Aber Achtung: Der Strom muss aus erneuerbaren Energien kommen. Und was kann ich tun, wenn ich nun mal dreissig Kilometer vom Arbeitsort weg wohne? Prüfen Sie mit Ihrem Arbeit­ geber oder Vorgesetzten, ob Sie nicht ein oder zwei Tage von zu Hause aus arbeiten können. Die heutigen elektronischen Kommunikationsmittel ermöglichen das Arbeiten von fast überall her. Zudem zeigen Studien, dass Menschen, die weniger pendeln müssen, zufriedener und damit wohl auch effizienter sind als andere.

Der WWF unterstützt Schweizerinnen und Schweizer, ihren ökologischen Fuss­abdruck zu verringern – in jedem Lebensbereich. Für eine erste Standort­bestimmung bietet der WWF den Footprint-Rechner im Internet an. Spielerisch können Benutzerinnen und Benutzer ihre eigene Lebensrealität nachbauen. Konkrete Tipps und Tricks gibts ebenfalls. Der WWFFootprint-Rechner wird von Swisscanto, einem führenden Asset-Manager für Anlage- und Vor­sorge­­ lösungen, gesponsert. wwf.ch/footprint

Wandern im Jura www.juratourisme.ch Arbeiten zu Hause www.uvek.admin.ch (Home Office Day)

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Gruen Interview

pascale bruderer

„Die Leute wollen von uns Taten sehen“ Die höchste Schweizerin im ­Endspurt: Die letzte Session, die sie präsidierte, ist vorbei, jetzt freut sich Pascale Bruderer Wyss, 33, darauf, wieder mehr politisch Stellung zu beziehen. Auch in der Umweltpolitik.

Interview: Monique Ryser / Fotos: Gian Paul Lozza

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GRUEN: Wir waren im Aargau unterwegs: im Weindorf Tegerfelden, auf der Habsburg und im Bäderort Schinznach – eine grosse Vielfalt auf wenigen Quadratkilometern. Was bedeutet Ihnen der Aargau? Ich bin jedes Mal fasziniert von der ­Vielfalt unseres Kantons. Die Schönheit des Aargaus entdeckt man nicht auf den ersten Blick, man muss dazu in die Regionen gehen. Ich bin in Baden auf­ gewachsen und viel mit meiner Familie gewandert. So lernte ich den Kanton ­kennen. Und durch mein politisches

Pascale Bruder www.pascale-bruderer.ch Schweizerisches Parlament www.parlament.ch Aargau www.aargautourismus.ch


Hört Pascale Bruderer zu, schaut sie einen direkt an und ist hoch konzentriert. «Zuhören ist wichtig und geht nicht husch, husch.»

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gruen Interview Zwiegespr채ch mit Labradorh체ndin Kala. Sie f체hrt Pascale Bruderer und deren Ehemann Urs Wyss oft zu langen Spazierg채ngen aus.

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„Die Natur ist mir wichtig. Ich gehe auch viel zu Fuss und habe seit fünfzehn Jahren ein GA. Sogar unsere Hündin Kala hat eins.“ Engagement – das nun doch auch schon vierzehn Jahre dauert – auch alle Regionen. Der Aargau ist mein Zuhause. Es ist mir eine grosse Freude, die Bevölkerung dieses schönen Kantons in Bern zu vertreten. Wenn man Aargau sagt, denkt man sonst ja eher an Atomkraftwerke, Schwerindustrie, Agglomeration und weisse Socken … Ach, wissen Sie, ich musste als junge Politikerin auch mit vielen Etiketten, die man mir umhängte, leben. Der Aargau hat kein Zentrum, das macht eine Kurz­ beschreibung vielleicht schwieriger. Und ja, klar, es hat Industrie: Mein Vater arbeitete lange Jahre bei der BBC, heute ABB. Alstom, Axpo – das sind wichtige Arbeitgeber. Ich weiss um die Bedeutung des Werkplatzes und der industriellen Arbeitgeber im Kanton. Das ist sicher einer der Gründe, weshalb ich die Wirt­ schaft im nachhaltigen Sinne gern und überzeugt unterstütze. Bei eidgenössischen Abstimmungen gilt der Kanton Aargau als Indikator für die ganze Schweiz. Sind Sie als Aargauerin also guter Schweizer Durchschnitt? Wir neigen sicher nicht zu Extremen. Gerade durch die Vielfalt ergibt sich eine Art Schweiz im Kleinen. In dieser Vielfalt gründet ja auch unser politisches System. Es ist eine Kopfsache, dass man anerkennt, wie viel wir der Konkordanz zu verdanken haben – Stabilität zum Bei­ spiel. Aber Konkordanz ist nicht einfach da, man muss sie leben und auf andere Meinungen eingehen wollen. Ich bin mit hörbehinderten Menschen aufgewachsen. Das hat mich gelehrt, wie wichtig es für jeden Menschen ist, zu verstehen und ver­ standen zu werden. Dieses Bewusstsein hat mich geprägt, ich kommuniziere gern und höre gut zu. Nicht nur husch, husch – ich lasse mich auf Gespräche ein. Sind Sie ein Kopfmensch? Nicht nur. Der Bauch und Gefühle müssen in der Politik ebenso Platz haben. Ich

wollte in meinem Präsidialjahr bewusst einen Brückenschlag von der Politik zur Bevölkerung machen und auch spüren, was die Leute bewegt. Von aussen gesehen hat man eher den ­Eindruck, dass im Bundeshaus nur noch der Bauch spricht … Die Sachpolitik tritt manchmal in den Hintergrund, das spüre ich auch. Aber: In jeder Partei findet man Menschen, die guten Willens sind, Lösungen zu finden, und die überparteilich zusammenarbeiten wollen. Dieses Miteinander bringt uns weiter, daran orientiere ich mich. Auch wenn in den Medien eher das Gegen­ einander stattfindet – und ich möchte das nicht als Medienschelte verstanden wissen. Wir sind alle auch Leserinnen und Leser und wissen, dass solche Meldungen offen­ bar gern konsumiert werden.

Und wie waren die Reak­tionen nach der Departementsverteilung des neuen Bundesrates? Da war meine Mailbox wieder voll! Der Tenor war: Fangen diese Parteispiele nun auch im Bundesrat selber an? Gerade im Bundesrat mag es Einzelgänge und Machtgerangel nicht leiden. Die Departe­ mentsverteilung war wohl ein Fehl­start, ja. Aber das Potenzial des neuen Bundes­ ratsgremiums ist gross, und ich bin über­ zeugt, sie werden sich finden und gute Arbeit leisten. Als Nationalratspräsidentin müssen Sie neutral bleiben und sollen sich nicht in ­parteipolitische Diskussionen einmischen. Wie schwierig ist das? Das fällt mir manchmal schwer. Aber es gehört dazu, und ich selber erwarte von anderen Nationalratspräsidenten auch diese Ausgewogenheit. Ich habe das Vize­ präsidium der SP Schweiz deshalb auf Eis gelegt. Sich für ein Jahr zurück­

Sie waren in diesem Jahr an vielen Veranstaltungen und haben mit Leuten gesprochen. Was bewegt die Schweizerinnen und Schweizer, welche Fragen werden Ihnen oft gestellt? Wie ökologisch lebt Pascale Bruderer? Die Empörung über die Distanz zum Arbeitsort 2 hohen Löhne von Bankern Arbeitsweg 6 war gross. Die Leute begrei­ Motorisierung 9 fen nicht, dass ein Unterneh­ Wochenendeinkauf 4 men, das vom Staat gerettet Freizeitverhalten 12 werden musste, kurz darauf Wochenendbeschäftigung 16 schon wieder so überrissene Mobility 3 Löhne und Boni auszahlt. Fahrzeugwahl 9 Ausserdem höre ich oft, Gesundheit 6 dass man sich eine team­ fähige Regierung wünscht Total Punkte und von uns Politikern zu Recht mehr Sachpolitik ver­ 67 Punkte = Umweltbewusstsein in den Alltag integrieren – langt. Auch die Bundesrats­ Pascale Bruderer lebt es vor. Als Nationalratspräsidentin wahlen waren ein grosses war sie 2010 zwar viel mit dem Auto unterwegs Thema. Ich erhielt nach den – aber das gehört nun mal zum Amt. Wahlen zahlreiche Briefe Der GRUEN-Footprint wurde vom WWF Schweiz für und noch mehr E-Mails von SI GRUEN entwickelt. Der Test soll für den Alltag sensibilisieren Leuten, die sich erfreut über und Spass machen. Berechnen Sie Ihren eigenen Footprint auf den Seiten 18 und 19. den würdigen Ablauf der Wahl zeigten.

der gruen-footprint

SP www.sp-ps.ch Cleantech-Initiative www.cleantech-initiative.ch Brückenschlag der Generationen www.intergeneration.ch

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gruen Interview

zunehmen, ist ja kein Unglück. Ich freue mich aber darauf, ab Dezember wieder in die Tiefe der Dossiers gehen zu können. Gibt es Themen, die Sie nach dem intensiven Kontakt mit der Bevölkerung verstärkt aufnehmen werden? Was viele wirklich sehr beschäftigte, war die Finanzkrise. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir Regeln brauchen, damit nie mehr der Staat eine Bank retten muss. In dieses Thema habe ich viel Zeit investiert dieses Jahr. Wichtig ist und bleibt mir auch der Arbeitsmarkt. Wie steht es mit Umweltthemen? Die sind zentral – und jetzt weiche ich von meiner Zurückhaltung ab: Die ­Cleantech-Initiative der SP ist am Puls der Zeit. Sie will erneuerbare Energien und saubere Technologien fördern und damit neue, zukunftsträchtige Arbeitsplätze schaffen. Wir müssen der Innovation und dem grossen Potenzial, das wir in der Schweiz haben, zum Fliegen verhelfen. Ist die Bevölkerung in Umweltfragen weiter als die Politik? Ja, ganz klar. Ich habe schon vor Jahren ein Bürger- und Bürgerinnenbüro ein­ gerichtet. Bereits da merkte ich, dass sowohl junge wie ältere Menschen in Fragen der Umwelt endlich Taten sehen wollen. Sie haben genug von politischer Blockade. Ich war auch beteiligt am Schulprojekt «Eiger Climate» – Engagement und Enthusiasmus bei den Jungen sind gross, in eine nachhaltige Zukunft zu starten. Wieso geht es denn nicht vorwärts? Lange ging wenig, beim Bundesamt für Energie warteten über 5000 Projekte für Strom aus erneuerbaren Energien auf einen Unterstützungsentscheid. Jetzt wird der Finanzdeckel erhöht, es geht vorwärts. Autos könnten doch wirklich weniger Benzin verbrauchen. Ja, zumindest die westliche Autoindustrie war lange allzu passiv.

Pascale Bruderer am Tag ihrer Wahl zur Nationalratspräsidentin im Dezember 2009. Kommenden ­Dezember wird sie am ersten Sessionstag ihr Amt als höchste Schweizerin abgeben.

„Die Bevölkerung ist in Umweltfragen viel weiter als die Politik. Die CleantechInitiative ist am Puls der Zeit.“ 24

Bundesrat und Bundesverwaltung www.admin.ch Arbeitgeber www.krebsliga-aargau.ch Dafür setzt sich Pascale Bruderer ein www.72


„Am einfachsten ist es, umweltbewusstes Verhalten in den Alltag einzubauen. Dann gehts von allein.“ Die Schweiz war mal führend im Umweltschutz. Das kann wieder so werden, schliesslich sind wir punkto Innovation weltweit an der Spitze! Aber die Politik muss den Anstoss geben, damit sich das Potenzial entfalten kann. Ich bin optimistisch, denn auch in der Wirtschaft wächst das Bewusstsein, dass sich Ökonomie und Ökologie nicht widersprechen, sondern gegenseitig ergänzen und unterstützen. Wie wichtig ist Umweltschutz für Sie? Schon als Kind war mir die Natur wichtig, und sie ist es geblieben. Mir geht es beim Umweltschutz auch um Respekt – nicht zuletzt um den Respekt vor den künftigen Generationen. Wurden Sie durch die Anti-AKWBewegung politisiert? Nein, durch keine Bewegung – weder Anti-AKW noch Frauenfragen. Der Wille, für eine gesunde Umwelt und eine gerechte Gesellschaft einzustehen, kam bei mir aus der Familie heraus. Mit meinem frühen Einstieg in die Politik wollte ich vor allem Gleichaltrige motivieren, ebenfalls Mitverantwortung zu übernehmen.

Foto: Keystone

Wie sieht es mit Ihrer Ökobilanz aus? Vor gut drei Jahren haben mein Mann und ich eine neue Wohnung bezogen. Das gab uns Gelegenheit, auf effiziente Geräte zu ­setzen, die wenig Ressourcen verbrauchen. Das Haus wird zudem mit einer Luftwärmepumpe geheizt. Und im Alltag? Ich bin pingelig im Kampf gegen Stand-by-Verschwendung. Das geht mit Stromschienen ganz einfach. So pingelig, dass sich mein Mann manchmal ein wenig ärgert.

Unbedingt. Man muss sich nur vorstellen, wie wir den Stromverbrauch mit spar­samen Geräten senken könnten. Aber auch ich mag keine Mahnfinger und bin nicht überall vorbildlich. Am einfachsten ist es, umweltbewusstes Verhalten routine­mässig in den Alltag einzubauen. Dann geht es ganz ohne Verzicht auf Lebensqualität. Ich bin oft und gern zu Fuss unterwegs und habe seit fünfzehn Jahren ein General­ abonnement. Sogar unser Hund Kala hat ein GA. Ohne Einschränkung zu einer saubereren Welt? Wir dürfen nicht vergessen, dass die Menschen in den aufstrebenden Regionen der Welt denselben Wohlstand erreichen wollen, wie wir ihn haben. Wir haben ­deshalb die Verpflichtung, auf Energie­ effizienz und erneuerbare Energien zu ­setzen – und technisch ist bereits sehr viel machbar. Wie gesagt: Nun muss die Änderung im Kopf erfolgen.

Politologin & shootingstar Pascale Bruderer ist am 28. Juli 1977 geboren und in Baden AG aufgewachsen. Sie studierte in Zürich und Växjö in Schweden Politologie, Staatsrecht und Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Seit 2002 ist die SP-Frau Mitglied des Nationalrates und wurde 2009 zu dessen Präsi­ dentin gewählt. Ihre Mandate als SP-Vize­präsidentin, Unternehmens­ beraterin und Geschäftsführerin der Krebs­liga ­Aargau hat sie für die Zeit des Präsidiums suspendiert oder reduziert. Seit 2008 ist ­Bruderer mit Urs Wyss verheiratet. Das Paar wohnt in Obersiggenthal.

Nützt eigenes Verhalten überhaupt?

stunden.ch www.eigerclimate.ch Gebärdensprache lernen www.gebaerden-sprache.ch


gruen Öko-Fürst

fürst albert

„Nichts tun wäre kriminell“ Seine Durchlaucht Fürst Albert II. regiert über ein Reich von 2,02 Quadratkilometern. Sein Engagement für die Umwelt geht aber weit über Monaco hinaus. Text: Monique Ryser / Foto: Bernard Sidler / Dukas

Kaum an der Macht, setzte Fürst Albert II. von Monaco gleich ein Zeichen: Umwelt­ schutz wurde vom Tag der Thronbesteigung an, am 12. Juli 2005, zum Regierungs­ programm. «Ich habe Umwelt­ schutz zu meinem persönlichen Engagement gemacht und meine Regierung beauftragt, ehrgeizige Ziele festzulegen

und umzusetzen», so der Fürst und Marquis des Baux, mit vollem Namen Albert Alexandre Louis Pierre Rainier de Monaco. Heute gibt es im Fürstentum Subventionen, wenn man ein Elektro- oder Hybridauto kauft. Auch der 52-jährige Monarch ­selber fährt Hybrid, «weil ich als gutes Beispiel vorangehen will». Klar auch, dass alle Neu­ bauten energetische Standards

„Ich habe meine Regierung beauftragt, ehrgeizige Ziele fest­ zulegen und umzusetzen.“ 26

erfüllen müssen. Auch hier gibts ein Vorzeigeobjekt: Das Konferenzzentrum Grimaldi Forum ist ökozertifiziert, bietet Organisatoren papierlose und ökologisch korrekte Kongresse an und kühlt und heizt mit Meerwasser. Genau dabei bemerkten die Techniker: Das Mittelmeer hat in den letzten Sommern öfter als gewohnt eine Wassertemperatur von über 27 Grad erreicht. Die ­Systeme mussten deshalb neu justiert werden. Fürst Albert setzt bei seinem Engagement auf Fortschritt und Technik. «Wir stehen an der Schwelle einer neuen Epoche», sagt er in einer Rede. «Viele Fortschritte sind bereits in Sicht. Sie brauchen nur ein

bisschen Organisation und poli­ tische Hilfestellung. Ge­schieht das, treten wir von der Ära der Hoffnung in die Ära des vollendeten Fortschritts.» Genau in diese Richtung zielt auch das Projekt Solar Impulse von Bertrand Piccard: Der Schweizer Pionier will beweisen, dass ein bemanntes Flugzeug allein mit Sonnen­ energie mehrere Tage in der Luft bleiben kann. Fürst Albert II. ist Pate des Projektes. Durchlaucht, wie war Ihre Reaktion, als Sie von den Erfolgen hörten? Ich war sehr glücklich, dass der Nachtflug gelungen ist, und habe dem Piloten André Borschberg und seinen

Fondation Prince Albert II de Monaco www.fpa2.mc Meeresmuseum in Monte Carlo www.oceano.org


Mehr als einfach ein 足Regent: F端rst Albert II. von Monaco engagiert sich mit Geld und Geist f端r die Umwelt.

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gruen Öko-Fürst

„Die Forschung, die Solar Impulse betreibt, wird langfristig zu einer Umwälzung unserer Wirtschaft führen. Das steht für mich ausser Zweifel.“

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Mitarbeitern sofort gratuliert. Mit grossem Interesse habe ich auch verfolgt, dass Solar Impulse letzten Monat von Payerne nach Genf und nach Zürich geflogen ist und somit die halbe Schweiz überquert hat! Auch das ist ein immenser Erfolg für dieses wunderbare, talentierte Team. Wie verfolgen Sie die Fortschritte des Projektes? Ich besuche die Crew regel­ mäs­sig und werde durch meinen Freund Bertrand Piccard laufend informiert. Er ist übrigens Mitglied des Stiftungsrates meiner Stiftung, die sich ganz dem Umwelt­ schutz verschrieben hat. Wie kam es zum Engagement bei Solar Impulse? Bertrand hat mich zu Beginn des Projektes gefragt, ob ich die Patenschaft übernehmen

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möchte. Die Idee, ein Flugzeug allein mit der Energie der Sonne zu betreiben, hat mich fasziniert. Die Forschung, die Solar Impulse in diesem Zusammenhang betreibt, wird langfristig zu einer Umwälzung unserer Wirtschaft führen. Das steht für mich ausser Zweifel. Was fasziniert Sie? Piccard und sein Team von rund siebzig Personen nahmen eine aussergewöhnliche ­technische Herausforderung an. Sie haben es geschafft, ein Flugzeug zu konstruieren, das von Sonnenenergie gespiesen wird, in Höhenlage ­stabil bleibt und in dem ein Pilot sicher fliegen kann. In unserer Zeit, wo der Klima­ wandel so besorgniserregend ist, beweisen sie, wie gross das Potenzial der sauberen Energien ist und welche Perspektiven sich uns eröffnen, wenn wir sie

1 Fürst Albert II. mit Bertrand Piccard. Albert ist Pate von ­Piccards Solar Impulse, Piccard im Stiftungsrat von Alberts Umwelt­ stiftung. 2 Im Uno-Jahr des ­Delfins versenkte Albert II. eine DelfinSkulptur im Meer vor Monaco. Der Schutz der Meere liegt ihm besonders am Herzen. 3 Königliche Begegnung mit einem Pinguin. 2006 reiste der Fürst an den Nord-, 2009 an den Südpol.

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Solar Impulse www.solarimpulse.com Unterstützte Projekte www.theclimategroup.org www.laplaneterevisitee.org/fr www.mc2d.org Im rich-


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Fotos: Reuters, AFP, AP Images

geschickt nutzen. Solar Impulse weckt das Bewusstsein, dass der Mensch spektakuläre ­Fortschritte machen kann. Wir werden sensibilisiert, die Mittel, die uns zur Verfügung stehen, zu nutzen. Ihre Stiftung unterstützt nachhaltige Projekte. Was sind Ihre grössten Hoffnungen und Befürchtungen, wenn Sie an die Zukunft denken? Uns allen ist bewusst, dass es dringlich ist, unseren Planeten zu bewahren und zu schützen. Viel wird getan: von Staats­ chefs, Organisationen und von einzelnen Bürgern. Wir alle können unseren Beitrag leisten! Aber: Die Veränderungen unseres Verhaltens und unserer Konsumgewohnheiten müssten viel radikaler und vor allem international koordiniert sein. Ich denke da an Elektro­ autos oder an neuartige Bau­

materialien. Es ist an uns, diese Innovationen voranzutreiben. Ihre Stiftung fokussiert auf drei Bereiche … … die drei grossen Heraus­ forderungen der Zukunft: Bio­ diversität, Wasser und Klima­ veränderung. Zurzeit unter­ stützen wir über 130 Projekte auf fünf Kontinenten. Ich bin sehr stolz auf diese Entwick­ lung überall auf der Welt.

Wie ernst es ihm ist, beweist Fürst Albert II. immer wieder mit eigenem Handeln: Er reiste in die Arktis, die Antarktis, hat die Umweltdeklaration von Monaco initiiert, kämpft für ein Fischereiverbot von rotem Thunfisch im Mittelmeer, um ihn vor der Aus­rottung zu bewahren. Er spricht vor der Uno oder an Umwelt­ konferenzen. Er schwimmt zum Jahr des Delfins mit den

Säugern im Meer und hat die Mittelmeerländer in einer Koalition zusammengeschlos­ sen. Zudem unterstützt der Fürst The ­Climate Group für ­elektrische Mobilität, weil hier viel Potenzial vorhanden ist: «Wenn wir eine Chance haben wollen, unseren Kindern einen ­lebenswerten Planeten zu hinter­lassen, müssen wir

das Fundament der Wissen­ schaft und Technik, aber auch unsere Philosophie, auf der unser Wohlstand gründet, infrage stellen. Ein Beispiel dafür sind die Autos: Sie ­müssen mit ­sauberer Energie angetrieben werden, und wir müssen unsere Mobilität neu organisieren. Nicht zu handeln, wäre kriminell.»

Teile und Herrsche Schon Albert I., Urgrossvater des heutigen Regenten von Monaco, war der Natur verbunden: Als Ozeanograf galt er als Pionier und unternahm eine Expedition in die Arktis. Genau hundert Jahre später begab sich Albert II. auf seine Spuren. Der Enkel war es auch, der in Monte Carlo ein ozeano­grafisches Museum auf den Namen seines Ahnen gründete. Albert II. wird im nächsten Sommer die südafrikanische Ex-Schwimmerin Charlene Wittstock heiraten. Er selber ist ebenfalls sportlich aktiv und nahm als Mitglied des monegassischen Bobteams an fünf Olympischen Winterspielen teil. Zudem ist er Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees. Albert II. ist studierter Politologe. www.palais.mc

tigen Film www.youtube.com (Prince Albert II Foundation) Schutz des roten Thunfisches www.cites.org Kongresse www.grimaldiforum.com

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gruen unternehmen

passugger Wasser ist wertvoll, sagt Urs Schmid, Chef der PassuggerAllegra-Quellen in Graubünden. Mit Ökostrom und Klimafonds trägt er der Marke und der Umwelt Sorge.

Der Wassersam 30


mler

Links: In Amphoren wurde 足 fr端her das Passugger-Heilwasser gelagert. Rechts: Urs Schmid in einer Grotte in der PassuggerQuelle. Kalk und Eisen f辰rbten den B端ndner Schiefer.

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gruen unternehmen In der Abf端llanlage f端r Passugger und Allegra werden zum Grossteil Glasflaschen verwendet.

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Text: Monique Ryser Fotos: Oliver Nanzig Es rüttelt und scheppert, die Glas­flaschen stossen auf dem Fliessband rhythmisch aneinander. Sauber gewaschen laufen sie in eine enge Kurve und verschwinden in der Abfüllmaschine. Eine Gummimanschette legt sich um die Hälse, man hört ein leises Zischen. Jetzt ist es drin, das wertvolle Nass. «Der Champagner unter den Mineralwässern», wie Urs Schmid selbstbewusst sagt. Passugger. Ein Name, fünf Quellen, über vierhundert Jahre Geschichte. Und eine Landschaft, wild und ungestüm, mit dem Bach Rabiosa in der gleichnamigen Schlucht. An den Flanken der Felsen fünf kleine Türen, alarmgesichert. Vor über hundert Jahren hat hier Theophil von Sprecher die Quellen gekauft und die Passugger Heilquellen AG gegründet. Noch heute prangt der Name Theophil auf jeder Etikette der typischen grünen Glasflasche. Millionen von ihnen sind im Umlauf, eine genaue Zahl weiss selbst Firmenchef Schmid nicht. Zwar gibt es Passugger jetzt auch in PET-Flachen, «aber Glas ist qualitativ für das Wasser einfach besser», so der 47-Jährige. Pro Stunde können in der Anlage in Passugg bis zu 50 000 Flaschen abgefüllt werden. Für den Betrieb sorgen 23 Angestellte, darunter der Quellmeister.

Wasser muss in Bewegung bleiben, sonst verliert es Kraft und Leben Nur wenige Stunden vergehen vom Moment, in dem das Mineralwasser den Berg verlässt, bis zur Abfüllung. Rund 900 Meter lang ist die Leitung von der Quelle bis zur Flasche. «Wasser muss immer in Bewegung bleiben, sonst verliert es seine Kraft und sein Leben», erklärt Urs Schmid. Warum das so ist? Er

wisse es nicht. Er wisse nur, dass es wahr sei. Denn Wasser, das sei etwas Mystisches, Geheimnisvolles. «Auch nach zwei Gutachten haben wir nicht herausgefunden, woher das Wasser unserer Quelle genau kommt.» Es ist einfach da, ist zwischen zwanzig und dreissig Jahren unterwegs und hat immer die gleiche Qualität. Die ausgewogene Mineralisation von über 1000 Milligramm pro Liter sei seit Jahr­hunderten gleich. Schwankungen

Das unterirdische Wasservorkommen hat sich mehrere Ausgänge gesucht und muss an diesen verschiedenen Austritten gesammelt werden.

stoff an den Wänden bei den Quellen sichtbar ist. Die roten Partikel, die natürlich im Wasser vorkommen, werden vor dem Abfüllen herausgefiltert, da sie sich sonst am Boden der Flasche ablagern würden. Zugefügt wird einzig Kohlensäure. Schmid geht raschen Schrittes weiter in der Rabiosaschlucht und öffnet eine andere, gut versteckte Tür. «Wir haben noch ungenutzte Quellen, die Mineralisationen von bis zu 8000 Mil-

Passugger ist sehr rar – die Quelle gibt das Wasser nur zögerlich frei Nicht immer kommt überall gleich viel Wasser, so als ob die Theophil-Quelle den Nutzern beweisen möchte, wer da von

„Wir haben noch andere Quellen, die Mineralisationen von bis zu 8000 Milligramm pro Liter haben.“ gebe es einzig in der Wassermenge. «Aber auch da nicht dramatisch. Vor allem verwenden wir nur ein Viertel von dem, was die Quellen hergeben.» Nun nimmt es doch wunder, was den Manager, der sich sein Fachwissen in grossen Getränkekonzernen erworben hat, dazu bringt, von Mystik und Geheimnis zu sprechen. Schmid öffnet eine der fünf Türen und gewährt Einlass: ein Felsengang, roh ­herausgehauen. Zuhinterst im Gang ein gemauertes Auffangbecken, nur kniehoch. Kein sprudelnder Wasserfall, kein Glucksen oder Gurgeln, nur Stille und ein Becken voller Wasser, das Tropfen für Tropfen aus dem Bündner Schiefer rauszudrücken scheint. Das ist Passugger? Damit werden 50 000 Flaschen pro Stunde gefüllt? Schmid lacht. «Früher wurde hier abgefüllt. Heute sammeln wir das Wasser aus Naturbecken acht bis zwölf Meter tief im Fels drin. Mit diesem Schlauch hier.» «Dieser Schlauch hier» hat die Dicke eines Gartenschlauchs und wird mit einer kleinen Pumpe betrieben. Auch er macht nicht wirklich Eindruck. Schmid klärt auf: Es ist nur ein Quellaustritt, den wir da sehen.

wem abhängt. Ein Mineralwasser heisst so und wird von den kantonalen Labors auch als dieses ausgezeichnet, wenn es eine bestimmte Mineralisation hat. Beim Passugger sind es hohe Werte an Kalzium, Natrium und Magnesium, die für den Geschmack verantwortlich sind. Und Eisen, dessen roter Farb-

ligramm pro Liter haben. Zum Trinken eher gewöhnungsbedürftig, aber wir überlegen uns trotzdem, sie in kleinen Flaschen anzubieten.» Ulricus und Helene hat man diese Quellen im vorletzten Jahrhundert genannt und sie waren dafür verantwortlich, dass das heute 175 Einwohner zählende Passugg zum Kur­-

der gruen-footprint Wie ökologisch lebt Urs Schmid?

Distanz zum Arbeitsort Arbeitsweg Motorisierung Wochenendeinkauf Freizeitverhalten Wochenendbeschäftigung Mobility Fahrzeugwahl Gesundheit Total Punkte

4 0 9 4 8 16 0 6 2

49

49 Punkte = Urs Schmid hat einen kurzen Arbeitsweg und Passugg ist nur per Bus erreichbar. Als Geschäftsmann muss man mobil sein – trotzdem: Es lohnt sich, mal an einem «Bürotag» per Bus zu fahren. Das fägt! Der GRUEN-Footprint wurde vom WWF Schweiz für SI GRUEN entwickelt. Der Test soll für den Alltag sensibilisieren und Spass machen. Berechnen Sie Ihren eigenen Footprint auf den Seiten 18 und 19.

Die Firma www.passugger.ch www.allegra.ch Mineralwasser www.getraenke.ch/mineralwasser Ökostrom www.repower.com

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gruen unternehmen

ort mit Kurhotels und 17 Gasthöfen wurde. «Leute aus ganz Europa kamen hierher, um Trinkkuren zu machen», erzählt Schmid. Passugg sei bekannt dafür gewesen, die Fettleibigkeit zu bekämpfen. Ob es am Wasser lag oder daran, dass die Kurgäste die Schlucht hinauf bis zur Trinkhalle wandern mussten, kann heute nicht mehr genau rekonstruiert werden. Ein Chronist schrieb jedenfalls: «…  fördernd auf den Besuch wirkt besonders der Umstand, dass die verschiedenen Quellen verschiedene Kuren gestatten, sodass zum Beispiel der Herr Vater in Passugg zur gleichen Zeit eine Kur gegen seine Dickleibigkeit obliegen kann, während sich das Töchterchen, das zur Bleichsucht neigt, vom Stahlwasser rote Wangen holt.» Der Kurbetrieb wurde 1979 eingestellt. Zu Dickleibigkeit neigt Urs Schmid nicht. Aber ein kräfti-

gendes Wasser hätte er brauchen können, als er sich aus der Weinbranche zurückzog und arbeitslos wurde. «Ich war beim RAV (Regionale Arbeitsvermittlung) gemeldet und wusste: Ich wollte selbstständig als Unternehmer tätig sein.» Und er wusste noch eines: Seit die Firma Passugger 1998 dem Grosskonzern Feldschlösschen gehörte, wurde die Marke nicht mehr so gepflegt, wie sie es verdient hätte.

Seit 2005 sind die Quellen wieder in Bündner Hand «Also machte ich eine Liste mit 200 potenziellen Bündner Investoren und sondierte bei Feldschlösschen über einen Verkauf.» Beides gelang. Seit 2005 ist die älteste Bündner Quelle wieder im Besitz von fünf Einheimischen. Und seitdem ist viel geschehen: «Wir haben gemerkt,

Urs Schmid in der Rabiosaschlucht bei Passugg GR. Hier lag früher die Trinkhalle, die bei einem Erdrutsch zerstört wurde.


„Wir leben von der Natur und wollen ihr Sorge tragen. Der Climaqua-Fonds trägt dazu bei.“ dass wir auch PET anbieten müssen. Da unser Wasser aber vor allem in der gepflegten Gastronomie positioniert ist, musste sie etwas hermachen.» So wurde der Bündner Architekt Valerio Olgiati mit dem Design der Flasche beauftragt. Der Ästhetik war damit Genüge getan, doch ungelöst war der Umweltgedanke. «Wir leben von der Natur und wollen ihr Sorge tragen. PET passt so nicht unbedingt in die Firmenphilosophie», gibt Schmid zu. Aus diesem Grund wurde der Climaqua-Fonds gegründet: Mit jeder verkauften

PET-Flasche gehen ein bis zwei Rappen in den Fonds, der in der Schweiz nachhaltige Projekte unterstützt.

100 Prozent Ökostrom kostet zusätzlich 35 000 Franken pro Jahr Seit diesem Jahr wird die ganze Produktion mit Ökostrom des bündnerischen Stromunternehmens Repower betrieben. «Das kostet zusätzlich 35 000 Franken. Aber wir finden, dass wir das uns und der Marke schul­dig sind», so der unermüdliche

Schmid. Denn: «Passugger verdient Demut.» Ach ja, zu Passugger gehört auch die Allegra Quelle, die das stille Wasser beiträgt. Sie liegt nicht in der Rabiosaschlucht, sondern in Malix. Sie wurde entdeckt, als man eine Quelle suchte, um Brauchwasser für die Firma zu haben, um nicht das kommunale Netz zu belasten. Gefunden hat man ein weiteres Mineralwasser von ausserordentlicher Reinheit. Wasser sei mystisch und geheimnisvoll, sagt Schmid. Man beginnt es zu glauben.

Innovative Schweizer Die Schweiz mit ihren Bergen ist prädestiniert für das Vorkommen von Mineralwasser. Auch unbekanntere Quellen treten mit Innovation auf den boomenden Markt. Cella Nova Die Mineralquelle Bad Knutwil lanciert Cella Nova. Natürliche Inhaltsstoffe, vor allem QM24 aus der Teepflanze, sollen die Zellen schützen. www.knutwiler.ch Goba Cola Die Mineralquelle Gontenschwil (Flauder) erfand ein Schweizer Cola aus Kräutern und Blüten aus dem Säntisgebiet und mit Stevia gesüsst. www.mineralquelle.ch (Beide Produkte zu beziehen beim Getränkehändler)


die gruene liste

top 30 Sie sind stille Schaffer, die ihren Einsatz nicht an die grosse Glocke hängen. SI GRUEN präsentiert 30 Menschenfreunde, ­welche die Welt an ihrem Reichtum teilhaben lassen und Gutes tun. Text: Stephan Sutter

Roger Federer, 29

Foto: Marcel Grubenmann / Federer Foundation

 Der Maximum-Mann: Es gibt kaum noch einen Rekord, den der Schweizer auf den Tennisplätzen dieser Welt nicht gebrochen hätte. In seiner beispiellosen Karriere hat er über 56 Millionen ­Dollar an Preisgeldern erspielt. Ein Mehrfaches spülen zusätzlich die Werbeeinnahmen der Sponsoren wie Jura, Gillette, Rolex oder Wilson in die Kasse von Roger Federer. Der Baselbieter RacketKünstler wird wohl als bester Tennisspieler aller Zeiten und als bestverdienender in die Geschichte eingehen.

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 Engagement: «Im Sport lernen wir zu kämpfen – für das gesetzte Ziel. In vielen Ländern bleiben aber einer Mehrheit Bildung und Sport trotz bestem Willen verwehrt», so Roger Federer. Mit ­seiner Roger Federer Foundation (RFF) will er das ändern. Die ­Stiftung unterstützt Schulen in Äthiopien, Tansania und Simbabwe. In der Schweiz hilft die RFF sportlich talentierten, finanziell schwächer gestellten Kindern.  Na-ja-Faktor: Im äthiopischen Kore Roba gehen täglich vierhundert Kinder zur Schule, die RFF unterstützt. Sie teilen sich eine einzige Toilette. Da bestünde Verbesserungspotenzial.

gruen-Faktor

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 GRUEN-Faktor: Absolut transparente Stiftung. Auf der Homepage rogerfedererfoundation.org wird jeder Förderbeitrag akribisch aufgelistet. Die RFF unterstützt nur Projektpartner, die über ein ­Minimum an Führungsinstrumenten verfügen.

Das Rating 10: Der Sinn des Reichtums ist, freigiebig davon zu spenden (Pascal) 9: Spenden als Lebensaufgabe 8: Vorbildfunktion, auch für


gruen-Faktor

David Rockefeller, 95

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 Der Grosszügige: In den Siebzigerjahren war der New Yorker einer der mächtigsten Wirtschaftsführer der Welt mit Kontakt zu den wichtigsten Politikern. Oft wurde er als «Weltbankier» bezeichnet. Er ist der jüngste Sohn des Milliardärs John D. Rockefeller jr. und Enkel und Erbe des Ölmagnaten John D. Rockefeller, dem die ­Standard Oil Company gehörte. Sein Vermögen vermehrte Rockefeller als Chef der Chase Manhattan Bank, die er von 1960 bis 1981 führte. Unter seiner Ägide stieg sie zur zeitweise grössten Bank der Welt auf. Einfluss auf die Weltpolitik nahm Rockefeller durch den Council on Foreign Relations, dessen Präsident er ab 1975 war. Im Council versammelten sich Wirtschaftsführer aus den USA und ­Europa zum Meinungsaustausch.

feller unterstützt Universitäten, internationale Wirtschaftsinstitute, aber auch private Firmen. Dabei gibt er sich freizügig und verteilt Gelder ohne grosse Restriktionen: «Wenn ich eine Firma ­unterstütze, die von fähigen Leuten geleitet wird, so wissen die als Insider ­besser, was gut für sie ist, als ich als Outsider.» Kürzlich hat Rockefeller 225 Millionen Dollar zur Gründung des David Rockefeller Global Development Fund aus seiner Privatschatulle bereitgestellt. 1998 erhielt er von US-Präsident Bill Clinton die ­Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA.

 Engagement: 1940 gründete Rockefellers Vater den Rockefeller Brothers Fund. Das Stiftungskapital betrug rund 58 Millionen Dollar. Heute verfügt die Stiftung über eine Milliarde Dollar. Rocke-

 GRUEN-Faktor: ­Professionell gemanagte Stiftung mit einem 17-köpfigen Vorstand, der Grossteil davon sind Familienmitglieder. Unter www.rbf.org können Anträge online eingereicht werden.

weniger Reiche 7: Zurückgeben, wenn es das Leben gut gemeint hat 6: Am Anfang jeder Veränderung steht eine gute Idee

Foto: Laif

 Na-ja-Faktor: Es gibt kaum ein Feld, das die Stiftung nicht ­besetzt. Kritiker werfen dem Fund vor, sich zu verzetteln, politisch zu agieren und die Gelder nach dem Giesskannen-Prinzip zu verteilen.

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die gruene liste

Oprah Winfrey, 56  Die Verletzliche: Sie ist die Königin der Talkshows. 21 Milli­ onen Menschen in 105 Ländern sehen die «Oprah Winfrey Show». Das Erfolgsrezept der Amerikanerin: ihre Emotionalität, Verletzlich­ keit und ihr Mitgefühl. Legendär ist ihr Händchen. Wie einst bei König Midas wird alles, was sie anfasst, zu Gold. Für Oprah Win­ frey bedeutet Erfolg vor allem eines: «Die innere Kraft und den Mut zu haben, um zu sagen: Nein, so lasse ich nicht mit mir umgehen.» Aufgewachsen in Nashville, verdankt sie ihr Selbstvertrauen und ihre Disziplin ihrem strengen Vater.

 Engagement: Oprah Winfrey engagiert sich vor allem für ­ rziehungsinitiativen. Sie hat die Leadership Academy for Girls E ­gegründet, stellt Gelder für Stipendien zur Verfügung und baut Schulen in Südafrika. Mit oprahsangelnetwork.org unterstützt sie aber auch Menschen, die anderen in ihrer Umgebung helfen. Zum Beispiel beim Wiederaufbau der Küste nach dem Hurrikan ­Katrina.  Na-ja-Faktor: Ihre eigene Verletzlichkeit, sprich das Drücken auf die Tränendrüsen, setzt sie gekonnt ein, um ihre gesetzten ­Ziele so schnell wie möglich zu erreichen.

gruen-Faktor

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 GRUEN-Faktor: Sie setzt ihren enormen materiellen Erfolg ein, um das Leben anderer ­Menschen zu verändern. Ihr tief ­verwurzeltes Credo: Erziehung und Bildung bedeuten Befreiung.

Stephan Schmidheiny, 62  Der Entschleuniger: «Ich bin ein moderner Nomade. Ich ­fühle mich frei», so der zweitgeborene Spross der Schweizer Industriellen­ familie. Das war nicht immer so. Schon mit 29 war er Chef von zwanzig Eternitfabriken. Es dauerte fast drei Jahrzehnte, bis sich der Milliardenerbe entschleunigen konnte. 1994 gründete er die Avina Stiftung und trennte sich von allen industriellen Mehrheits­ beteiligungen. Ziel von Avina: die Unterstützung einer offenen Zivil­ gesellschaft in Lateinamerika. 2003 transferierte er eine Milliarde in den Viva Trust. Heute lebt er in Costa Rica und in Hurden SZ.

Fotos: Action Press, zvg

 Engagement: Schon zehn Jahre vor dem Uno-Gipfel 1992 in Rio unterstützte er in Südamerika Aufforstungsprogramme. Avina hat seit der Gründung über 400 Millionen in Projektförderung ­investiert. Als Hilfe zur Selbsthilfe. Als Präsident der Stiftung Avina Schweiz finanziert Schmidheiny Nottelefone, Frauenhäuser und Arbeitsprogramme. Er ist Gründer des World Business Council for Sustainable Development, Autor des Bestsellers «Kurswechsel».

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 Na-ja-Faktor: In Eternit steckt das Wort Ewigkeit – die AsbestTragödie der Achtzigerjahre wird wohl immer mit dem Namen Schmidheiny verknüpft bleiben.

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 GRUEN-Faktor: «Ich habe verstanden, dass reich sein vor ­allem auch heisst, Verantwortung zu übernehmen», so ­Schmidheiny, der seinen persönlichen Kurswechsel geschafft hat.

Das Rating 10: Der Sinn des Reichtums ist, freigiebig davon zu spenden (Pascal) 9: Spenden als Lebensaufgabe 8: Vorbildfunktion, auch für


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Otto Beisheim, 86

 Der Bescheidene: «Ich habe zu viel Geld. Was soll ich sonst mit dem Zeug?», so der ehema­lige Sekundarlehrer. So spendete er sein ganzes Vermögen, 4,5 Millionen, der Uni Bern. Luxus kennt er nicht. «Was soll ich mit einem Lamborghini, ich kann ja nicht schneller fahren als erlaubt.»

 Der Diskrete: Der gebürtige Deutsche machte mit der Cash-&Carry-Kette Metro Milliarden. Er finanziert mehrere Kindergärten und die Otto Beisheim School of Management. Sein Vermögen: über 5 Milliarden Franken. Seit 1988 ist er Schweizer und lebt ­offiziell in Baar, Kanton Zug.

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Luc Hoffmann, 87

Pierre ­Landolt, 62

 Der Stille: Sein Grossvater gründete Hoffmann-La Roche. Er selbst ist Mitbegründer und bis 1988 Vizepräsident des WWF und war zudem lange Jahre Vize der Emanuel-Hoffmann-Stiftung. Heu­ te setzt er sich mit seiner eigenen Stiftung Mava für den Naturschutz ein.

 Der Idealist: Er ist der Urgrossenkel des Firmengründers, Jurist und Leiter der Familien­ stiftung Fondation Sandoz. Wichtig ist für Landolt der Schutz grund­legender sozialer Werte. ­Neben wirt­schaftlichen Investi­ tionen fördert die Stiftung Kunstund Kulturvorhaben.

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Alain ­ Bordier, 66

Hannelore Greve, 83

 Der Begeisterte: Tibet und der Buddhismus haben es dem Genfer Regisseur angetan. Er wurde zum begeisterten Kunstsammler und konvertierte. Als bei ihm zu Hause alles aus den Nähten platzte, hat er in Greyerz im April 2009 das Tibet-Museum eröffnet und seine Stiftung gegründet.

 Die Baulöwin: Gemeinsam mit ihrem verstorbenen Mann Hel­ mut stellte sie einen Bauriesen auf die Beine. Ihre Stiftung finanzierte der Uni Hamburg zwei Flügelbauten. Für den Bau der Elbphilharmonie spendete die Hamburgerin 30 Millionen Euro. Sie vergibt den Hannelore-Greve-Literaturpreis.

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George Soros, 80

Ernesto Bertarelli, 45

 Der Finanzspekulant: Der Amerikaner lässt 100 Mil­lionen Dollar für die Menschenrechts­ organisation Human Rights Watch springen. Seine grösste Spende. Ohne sein Geld gäbe es die Rroma Foundation zum Schutz der Roma nicht. Dieses Jahr hat Soros bereits 700 Millionen lockergemacht.

 Der Sportliche: Der SeronoErbe und Alinghi-Boss hat mit der Fondation Bertarelli 3,5 Millionen Pfund für den Schutz des ­Chagos-Archipels im Indischen Ozean gespendet. Zudem werden zum Beispiel Kindergärten in Süd­afrika, die ETH Lausanne und Sportprojekte unterstützt.

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weniger Reiche 7: Zurückgeben, wenn es das Leben gut gemeint hat 6: Am Anfang jeder Veränderung steht eine gute Idee

Fotos: Adrian Moser / Der Bund, Schneider Press, Hervé Hôte, Tobias Sutter, zvg, Intertopics, Laif (2)

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Alfred Bretscher, 90

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die gruene liste

Hausi Leuten­ egger, 70

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Hans ­Vontobel, 93

 Der Gutmütige: Er war ­Turner, Bobfahrer und Schau­ spieler. Und Selfmademan, der ein Unternehmen ohne Bank­ kredit auf die Beine gestellt hat. Hausi geniesst und ist spendabel. «Oft gebe ich 200 Franken Trink­ geld, weil ich Menschen gern eine Freude mache.» gruen-Faktor

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Guy Laliberté, 51

Phil Knight, 72

 Der Clown: Der Kanadier wurde reich durch die Gründung des Cirque du Soleil. Rund 17 Mil­ lionen verlor er beim OnlinePoker. Sein Kind, The One Drop Foundation, soll dafür sorgen, dass jeder Mensch auf der Welt Zugang zu sauberem Trinkwasser hat. Sein Einsatz: 100 Millionen Dollar.

 Der Dankbare: Der NikeMitbegründer hat nicht vergessen, wer ihm das Management-Wissen beigebracht hat. 1962 schloss er sein Studium erfolgreich an der Uni Stanford ab. Jetzt spendiert der Amerikaner seiner Uni den Bau eines neuen Campus. 105 Millio­ nen macht er dafür locker.

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Barron Hilton, 83

Fotos: RDB (2), Intertopics, Redux / Laif (2), Getty Images, Keystone, Caro

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 Das Urgestein: Vierzig Jahre leitete der Jurist die Geschicke «seiner» Privatbank. Noch heute geht er täglich ins Büro. Die Von­ tobel-Stiftung unterstützt Pro­jekte gemeinnütziger Schweizer Institu­ tionen, setzt sich für Menschen in Bedrängnis ein und hilft der medizinischen Forschung.

Maja Oeri, 55

 Der Hotel-König: 2007 ver­ kaufte er seine Hotelkette. Nun kümmert er sich vollamtlich um die von seinem Vater gegründete Conrad N. Hilton Foundation, die sich weltweit gegen Armut und Krankheit einsetzt. Jährlich wird der mit 1,5 Millionen Dollar do­ tierte Hilton-Preis vergeben. gruen-Faktor

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 Die Scheue: Tue Gutes, und sprich nicht darüber. Die Erbin von Hoffmann-La Roche bleibt im Hin­ tergrund. Öffentliche Auftritte hasst sie. Durch ihre Stiftung LaurenzHaus, die sie nach dem frühen Tod ihres Sohnes errichtet hat, unter­ stützt sie das Basler Kunstmuseum mit 50 Millionen Franken.

Bill Gates, 55

Michael R. Bloomberg, 68

 Der Leader: 1999 errichtete der Microsoft-Gründer die Bill & Melinda Gates Foundation, die grösste Privatstiftung mit einem Kapital von über 35 Milliarden. Die Stiftung setzt sich für Ent­ wicklungshilfe, die Bekämpfung von Krankheiten und Entwick­ lung von Impfstoffen ein.

 Der Mehrkämpfer: New Yorks Bürgermeister setzt sich als Politiker und Privatmann ein. Bis 2012 sollen alle Taxis HybridAntrieb haben und alle Flachdä­ cher begrünt sein. Seine Stiftung hat im letzten Jahr verschiedene Institutionen mit über 200 Millio­ nen Dollar unterstützt.

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Das Rating 10: Der Sinn des Reichtums ist, freigiebig davon zu spenden (Pascal) 9: Spenden als Lebensaufgabe 8: Vorbildfunktion, auch für


Hilde, 64, und Klaus Schwab, 72  Das Power-Paar: Er hat dafür gesorgt, dass Davos in der ­Agenda jedes Wirtschaftsführers ein absolutes Must ist. Ohne sie hätte es das World Economic Forum (WEF) aber nie gegeben. ­Bereits 1971 gründete er die European Management Conference als Stiftung. 1987 wurde sie dann in WEF umbenannt. Der ehemalige Professor der Uni Genf sitzt in mehreren Verwaltungsräten und ist mehrfacher Ehrendoktor diverser Universitäten. Das Paar ist seit 1971 verheiratet und hat zwei Kinder. Sie leben in Cologny GE.

 Engagement: Zusammen mit seiner Frau Hilde gründete er 1998 die gemeinnützige Schwab Foundation for Social Entre­ preneurship – ein weltweites Netzwerk für soziale Unternehmensleistung. Mit dem Preisgeld von einer Million Dollar aus dem ­renommierten Dan-David-Preis schuf Schwab die Stiftung The ­Forum of Young Global Leaders.  Na-ja-Faktor: Globalisierungsgegner kritisieren das WEF als Symbol der Machtausübung einer neoliberalen Elite.

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 GRUEN-Faktor: «Ihr» WEF hat Auswirkungen auf die Geschichte. Er war einer der Ersten, die Nachhaltigkeit auf die ­Agenda setzten. Und: Dass es 1988 zwischen der Türkei und Griechenland nicht zum Krieg kam, ist dem Forum in Davos zu verdanken.

Richard Branson, 60  Der Rastlose: Virgin, die Jungfrau, hat dem Briten Glück und Geld gebracht. Branson betreibt unter diesem Namen eine Flug­ gesellschaft. Es gibt auch Virgin Trains, Virgin Mobile und Virgin Megastore. Als 20-jähriger Schulabgänger erfand er den Erfolgs­ namen und gründete als Erstes einen Plattenladen und ein gleichnamiges Label. Mit 2,5 Milliarden Dollar ist er laut «Forbes» die Nummer 236 der Superreichen. Branson ist der Star-Unternehmer Grossbritanniens. Ein Mann mit Talent für spektakuläre PR-Auftritte, in die er gern einen Schuss Selbstveräppelung dazugiesst.

 Na-ja-Faktor: Branson sponsert das Formel-1-Team Brawn GP, das mit Fahrer Jenson Button erfolgreich unterwegs ist. Und das passt gar nicht zu seinem Kampf gegen den Klimawandel und für die Senkung des weltweiten CO2-Ausstosses. gruen-Faktor

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 GRUEN-Faktor: Branson ist ein Promi-Milliardär mit ­eigener Insel und nicht überprüfbarem Einsatz. Keine Stiftungs-Site!

weniger Reiche 7: Zurückgeben, wenn es das Leben gut gemeint hat 6: Am Anfang jeder Veränderung steht eine gute Idee

Fotos: Keystone, Dukas

 Engagement: Mit seiner Foundation Virgin Unite setzt er sich vor allem für die Aids-Prophylaxe und für die Einschränkung von Werbung und Sponsoring von Tabakfirmen im Sport ein. «Rund 50 Prozent meiner Zeit verbringe ich mit sozial orientierten Unternehmungen», so Branson. Zudem kämpft er gegen die Klima­ erwärmung. Für seine Verdienste schlug ihn Königin Elizabeth II. 1999 zum Ritter. Seither darf er sich «Sir Richard» nennen.

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die gruene liste gruen-Faktor

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Warren Buffett, 80

Michael Hilti, 63

 Der Super-Stifter: Der Gross­ investor will 85 Prozent seines auf 47 Milliarden geschätzten Ver­ mögens der Bill & Melinda Gates Foundation vermachen. Der Rest geht an vier Familien-Stiftungen. Gründete mit Gates die ­Kampagne The Giving Pledge, die bereits vier­ zig Milliardäre als Mitglieder hat.

 Der Bestimmte: Der Boss der Hilti Foundation setzt klar auf Schwerpunkte. Seit 1996 unter­ stützt er die Expeditionen des Unterwasser-Archäologen Franck Goddio. Der hat vor der ägypti­ schen Küste den antiken Hafen von Alexandria und Teile des ­Königsviertels wiederentdeckt.

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Willy Mayer, 67

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Hansjörg Wyss, 74

 Der Netzwerker: Er ­gründete einen Serviceklub der anderen Art: Im Usitawi-Network treffen sich nachhaltig denkende Unternehme­ rinnen und Unternehmer, fördern ökologisches und ethisches Wirt­ schaften und unterstützen lokal und weltweit ökologische und so­ ziale Projekte. gruen-Faktor

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Walter Haefner, 100

Fotos: Laif, zvg, Gian Paul Lozza, Asia Kepka, RDB (2), Keystone (2)

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 Der Offene: Mit Schrauben und Platten zur Behandlung von Knochenbrüchen hat er sein Ver­ mögen gemacht. Offen sagt er: «Die Tradition der Philanthropie gibt es kaum mehr.» Er unterstützt die Uni Basel. In den USA hat er erreicht, dass 12 Millionen Hekt­ aren zu Nationalparks wurden.

Burkhard Varnholt, 42

 Der Grandseigneur: Die Stiftung des Zürcher Amag-Grün­ ders und Kunstliebhabers schüttet jährlich bis zu 20 Millionen aus. Die Glückskette darf immer mit einer grossen Spende rechnen. Er ermöglichte unter anderem auch Operationen von Kindern mit Fehlbildungen in China. gruen-Faktor

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 Der Mutige: Für den Basler Banker begann alles vor zehn Jah­ ren mit einem Brief aus Uganda mit der Bitte um eine Spende. Varnholt schickte Geld und reiste nach Afrika, um die Familie zu treffen. Dann gründete er die Or­ ga­nisation Kids of Africa. Auch Oswald Grübel spendet dort.

Branco Weiss, 81

Andreas Reinhart, 65

 Der Pragmatiker: «Im Ge­ gensatz zu vielen anderen weiss ich, dass ich mein Vermögen nicht mitnehmen kann», so der Zürcher Hightech-Unternehmer. Sein Ziel ist es, das Sinnvolle zu fördern. Also spendet er der ETH Zürich 23 Millionen für ein wissenschaft­ liches Labor in Science-City.

 Der Ehrliche: Der Chef der Volkart Holding investierte in rund vierzig Beteiligungen. Drei ­Viertel bezeichnet er als Misserfolg. 1990 gründete er die Volkart Vision, die auf entwicklungspolitische und humanitäre Projekte ausgerichtet ist. Daneben fördert er kulturelle Institutionen.

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Das Rating 10: Der Sinn des Reichtums ist … 9: Lebensaufgabe 8: Vorbildfunktion 7: Zurückgeben 6: Gute Idee


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Die Malediven leiden besonders unter der Klimaerwärmung – zu schützen gibt es dort aber auch eine einzigartige Unterwasserwelt. Text: Barbara Halter 

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Land unter Was 44


Der Hotelmanager taucht ab: Armando Kraenzlin schwimmt neben einem Walhai in der bekannten Hanifaru-Bucht.

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Hinkommen Die Four Seasons Resorts Kuda Huraa und Landaa Giraavaru sind von der Hauptstadt Malé aus per Boot oder Wasserflugzeug erreichbar. Edelweiss Air fliegt im Sommer einmal und im Winter dreimal wöchentlich nach Malé. Ihr Einsatz für die Natur: Beim Hinflug werden Mülltüten verteilt, die man beim Abflug gefüllt zurückgeben kann. Sie werden in der Schweiz entsorgt. www.edelweissair.ch

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Armando Kraenzlin arbeitet seit 25 Jahren im asiatischen Raum. Er leitete auch das andere maledivische «Four Seasons» auf Kuda Huraa, wo er den Tsunami ­miterlebte. In beiden Resorts logieren die Touristen ­luxuriös – und bezahlen auch dementsprechend. «Man muss sich bewusst sein, dass wir vom Ei bis zum Toilettenpapier alles einfliegen müssen.» Kraenzlin fühlt sich nicht nur seinen Gästen, sondern auch der Bevölkerung und der Natur verpflichtet. Vor zehn Jahren initiierte er eine Berufsausbildung im Hotelbereich nach Schweizer Vorbild. Dieses Jahr eröffnete auf ­Landaa Giraavaru das Marine Discovery Centre. Eine Ausstellung erklärt die Unterwasserwelt, und mit einem eigenen System werden Korallen gezüchtet. Wer will, kann Pate werden: Unter Anleitung bindet man kleine Korallenteile an ein dreistöckiges Metallskelett, das dann im Meer versenkt wird. Per Internet lässt sich alle paar Monate das Wachstum beobachten.

Sechs Meeresbiologen und mehrere Volontäre arbeiten im Meereszentrum unter der Leitung des Briten Guy Stevens. Im Sommer fährt Stevens täglich zur HanifaruBucht – ein einzig­artiger Ort, um Manta­ rochen zu beobachten. Von Juni bis Oktober spielt sich dort ein faszinierendes Schauspiel ab. Durch den speziellen Schnitt der Bucht werden bei Flut riesige Mengen von Plankton ­hineingespült – ein Festessen für unzählige Mantas, die mit offenen Mäulern die Bucht durchstreifen. Manchmal tauchen auch ­riesige Walhaie auf.

Der Tourismus zu den Manta­ rochen in der Hanifaru-Bucht muss streng kontrolliert werden Die friedlichen Tiere lassen sich aus nächster Nähe beobachten. «Die Mantas interessieren sich auch für uns – was für mich ein Beweis für ihre Intelligenz ist», sagt Guy Stevens. Seit fünf Jahren katalogisiert er die

Fotos: zvg

Alles fühlt sich so leicht und unwirklich an: der Gang zum Frühstück nach der morgend­ lichen Yoga-Stunde auf der Plattform über dem Meer. Der weisse Sand, der unter den Zehen wie Puderzucker zerstäubt. Der Blick übers türkisfarbene Wasser. Das ­Paradies heisst Landaa Giraavaru und liegt auf den Malediven. Für die Topografie sind ver­ sunkene Vulkane, die darauf gewach­senen ­Korallenriffe und Jahrmillionen zuständig. Für (fast) alles andere: Hotel­direktor Armando Kraenzlin. Der 49-jährige Luzerner war bereits bei der Planung des Four Seasons Resort auf Landaa Giraavaru­ dabei – als die Insel noch ein Urwald und unbewohnt war. Er weiss: Gebaut wird ­ohnehin, Tourismus ist die Lebensader des Inselstaats. «Wir wollten die Essenz dieses Orts behalten. Kein Marmor und keine Kronleuchter installieren, sondern Räume kreieren, wo der Sand und die Natur ins Zimmer kommen.» Fürs Treffen hat sich Kraenzlin die weiss-luftige Lounge des ­Restaurants Blu ausgesucht. Der General Manager trägt lederne Zehensandalen und luftige Hosen – später wird er mit dem Velo in die warme Tropennacht entschwinden.

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Das Hotel www.fourseasons.com Korallenprojekt www.seamarc.com www.innafushi.com www.reefscapers.com Mantarochen www.maldi


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6 1 Ein Muss: Im Reef Club auf Kuda Huraa den Sonnenuntergang geniessen. 2 Für Prinzessinnen und ihre Prinzen: Villa Royal Beach mit Meerblick. 3 Sicht auf das «Four Seasons Kuda Huraa»: Auf der kleinsten Insel befindet sich das Spa. 4 Ankommen im Paradies: Die Palmen-Allee führt zur Rezeption auf Landaa Giraavaru. 5 Am Pool liegen und aufs Meer blicken. 6 Von Juni bis Oktober kommen die Manta­ rochen in die Hanifaru-Bucht. 7 Exklusiv: Alle Beach-Villas auf Landaa Giraavaru haben einen eigenen Pool. 8 Die Zimmer im «Four Seasons» sind bis ins Detail stimmungsvoll eingerichtet.

Tiere. Bei jeder Ausfahrt werden sie foto­ grafiert. Anhand ihrer weissen Unterseite mit den schwarzen Punkten können die Mantas voneinander unterschieden ­werden. 2000 Exemplare sind bereits in der Datei. Damit möchte Stevens mehr über die Man­ tas erfahren, die an vielen Orten der Welt gejagt werden. Seine Forschungsberichte haben Magazine und Fernsehteams auf die Malediven gelockt. Die Hanifaru-Bucht wird täglich von vielen Touristen besucht – auch das «Four Seasons» bietet «Manta

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Watch» an. «Jetzt liegt es auch an mir, dass der Rummel nicht zu gross wird», sagt Stevens. Die Anzahl an Booten und Gästen in der Bucht ist gesetzlich begrenzt, doch noch kontrolliert dies niemand. In einem Sitzungszimmer des «Four Sea­ sons» wird die Problematik der HanifaruBucht diskutiert. Eine Gruppe von jungen Maledivern erarbeitet während zwei Tagen eine Powerpoint-Präsentation zum Schutz der Mantas, die in einigen Wochen dem ­Fischereiminister vorgetragen werden soll. Zusammen mit Stevens leitet Marie Saleem das Seminar. «Sie ist in unserer Arbeit mit den Gemeinden unseres Atolls sehr wichtig. Sie hat als Einheimische einen ganz anderen Zugang zu den Leuten», sagt Kraenzlin. Auf der Nachbarinsel hilft sie den Frauen, ein Abfallsystem aufzubauen – damit das Schiff des «Four Seasons» alle drei Wochen problemlos den Abfall mit­ nehmen kann. Normalerweise entsorgen die Malediver diesen auf dem offenen

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Meer, weil es keine staatliche Müllabfuhr gibt. Ein anderes Projekt besteht mit einer Gruppe von Jugendlichen, die gern einen Fussballplatz möchten und dafür auf ihrer Insel Unterschriften gegen den Verzehr von Schildkröten und deren Eiern sammeln. «Wir unterstützen gern die Bevölkerung, aber ohne Gegenleistung gibt es nichts», sagt Kraenzlin. Fussballplatz gegen Natur­ schutz: ein fairer Deal. Das Interview mit dem maledivischen Präsidenten auf den Seiten 48 und 49.

„Wir unterstützen gern die Bevöl­ kerung, aber ohne Gegenleistung gibt es nichts.“ Armando Kraenzlin

vianmantas.com www.manta-research.org www.mantapacific.org www.saveourseas.com Malediven www.malediven.net

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„Wir mussten schon einige Dörfer versetzen“ Aufrütteln – oder im Meer ver­ schwinden: Staatspräsident Moha­ med Nasheed engagiert sich dafür, dass die Malediven trotz steigendem Meeresspiegel eine Zukunft haben.

Interview: Barbara Halter GRUEN: Gemäss Wissenschaftlern werden bis Ende dieses Jahrhunderts durch den ansteigenden Meeresspiegel die Malediven überflutet sein. Gibt es bereits Anzeichen dafür? Die offensichtlichste Auswirkung sind die Erosion und das Eindringen von ­Salz­wasser. Wir haben bereits über ein ­Dutzend Inseln, auf denen ganze Dörfer versetzt werden mussten. Die Bewohner sind wütend – niemand will sein ange­ stammtes Haus verlassen. Es ist natürlich, dass sich unsere Inseln verändern, dass sie sich heben und wieder überschwemmt werden. Aber es scheint, als würde es immer schlimmer werden. Wie kämpfen Sie dagegen an? Unsere Mittel sind limitiert. Wir bauen Dämme und Wellenbrecher, um die Inseln

vor dem Meer zu schützen. Die Hauptstadt Malé ist durch eine 100 Millionen Dollar teure Mauer geschützt, die von Japan finanziert wurde. Auch die anderen Inseln hätten dies nötig, doch dafür reicht unser Budget nicht aus. Ein natürlicher Schutz bieten die ­Korallenriffe um die Inseln herum. Richtig – sich dem Klimawandel an­zupassen bedeutet nicht, nur Beton zu gies­sen. Wir haben ein Korallenbeobach­ tungsprojekt gestartet, um herauszufinden, wie wir sie schützen können.

mit Korallenriffen – ist die Erwärmung und Ansäuerung der Meere. Was passiert mit den Korallen, wenn sich das Meer erwärmt? 1998 wurde durch El Niño viel heisses Wasser zu den Malediven geführt. Koral­ len sind sehr sensibel, wenn die Tempera­ tur ansteigt. In gewissen Gebieten wurden neunzig Prozent der Bestände zerstört. Zum Glück haben sie sich inzwischen gut erholt. Wir sind auf unsere Korallen­ riffe angewiesen. Sie schützen unsere Inseln und den Fischbestand. Zudem

„Wenn die Welt zulässt, dass die Klimakrise in einer Katastrophe endet, haben wir keine andere Wahl, als die Malediven zu verlassen.“ Geologen haben herausgefunden, dass sich Korallen dem steigenden Wasserstand anpassen. Ist das die Lösung? Die Korallen wachsen mit dem Meeres­ spiegel, dies konnten wir in der Vergangen­ heit beobachten. Doch die dringende Sorge der Malediver – und aller Länder

bringen sie viele Touristen zu uns, die tauchen und schnorcheln wollen. Wenn die Malediven trotz all Ihren Massnahmen überflutet werden, soll die Bevölkerung um­gesiedelt werden. Wie konkret sind diese Pläne?


In Zukunft CO2-neutral: Präsident Mohamed Nasheed will bis 2020 das Erdöl durch ­erneuerbare Energien ersetzen.

Foto: zvg

Niemand will die Malediven verlassen. Die Regierung macht alles Erdenkliche, damit es nicht so weit kommt. Doch wenn die Welt zulässt, dass die Klima­ krise in einer Katastrophe endet, haben die zukünftigen Generationen keine andere Wahl. Ich glaube, es ist richtig, dass wir heute darüber sprechen. Nur so können wir die Probleme lösen, die das Morgen bringen mag. Sie haben vor der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 die Länder dringendst dazu aufgerufen, endlich etwas zu tun. Doch ein bindender Vertrag zur Senkung von Treibhaus­ gasen blieb aus. Darüber war ich sehr enttäuscht. Dennoch bringt die Übereinkunft von Kopen­ hagen kleine Fortschritte. Zum ersten Mal an­erkannte eine Mehrheit der Länder, dass sie ihre Treibhausgase reduzieren müssen. Der Klimawandel ist nicht länger nur ein Thema für die reiche Welt. Dies ist wichtig, denn in Zukunft werden die steigenden Emissionen von den auf­ strebenden Wirtschaften kommen. Zudem verspricht das Abkommen finanzielle Unterstützung für arme Länder, damit sie sich dem Klimawandel anpassen können

und grüne Entwicklungen fördern. Darauf müssen wir aufbauen und einen bindenden Vertrag anstreben.

Compagnie Benjamin de Rothschild und BeCitizen erstellen wir einen Investment­ plan zur Umsetzung der CO2-Neutralität.

Wie überzeugt man die führenden Länder, damit endlich etwas passiert? Heute kann jeder Kohlendioxid in die Luft lassen, ohne dafür zu bezahlen. In erster Linie müssen wir einen weltweit gültigen Preis für Kohlenstoffdioxid (CO2) fest­ legen. Dieser muss so hoch sein, dass die Folgen des Klimawandels kompensiert werden und die Investitionen in grüne Technologien steigen.

Was tun Sie privat für die Umwelt? Ich gehe zu Fuss zur Arbeit – statt die Präsidenten-Limousine zu benutzen und Benzin zu verbrauchen. Das gibt mir auch die Gelegenheit, mit der Bevölkerung in Kontakt zu treten. Im Oktober werde ich Solarzellen auf meinem Haus installieren, um unser Bekenntnis für erneuerbare Energien zu zeigen und natürlich um unsere Elektrizitätskosten zu senken.

Sie haben sich zum Ziel gesetzt, Ihr Land bis 2020 CO2-neutral zu machen. Wie wollen Sie das erreichen? Herzstück unserer Strategie ist der ­Wechsel von Öl zu erneuerbaren ­Energien. Neben dem Umweltschutz stehen auch Sicher­ heits- und Wirtschaftsüberlegungen dahinter. Erdöl kostet sehr viel. Auf ab­gelegenen Inseln beträgt der Preis für Elektrizität bis zu 50 US-Cents für eine Kilowattstunde (Schweiz: 1 kWh im Durchschnitt 20,2 Rappen). Wir haben Vereinbarungen mit internationalen Unternehmen, die Wind- und Solar­ anlagen bauen. Mithilfe der Firmen La

zur person Im Oktober 2008 wurde Mohamed ­Nasheed, 43, in der ersten demokrati­ schen Wahl zum Präsidenten der Male­ diven gewählt. «Anni», wie er genannt wird, studierte in England Meereswissen­ schaften. Während der 30-jährigen Amts­ zeit seines Vorgängers Maumoon Abdul Gayoom sass Nasheed wegen politischer Aktivitäten lange Zeit im Gefängnis. www.presidencymaldives.gov.mv

President Nasheed spricht vor der UN in New York www.youtube.com («Our country will not exist»)

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mode Wohlig warm wird einem ums Herz bei der neuen Strickmode. Sie überzeugt auch mit inneren Werten: Fair-Trade-Kaschmir, handgeknüpft oder aus ökologischem Alpaka. Zum Liebhaben!

Von wegen alter Zopf Fotos: Bruno Fournier / Redaktion: Richard Widmer / Hair: Nobu Fujiware / Make-up: Martena Duss / Model: Marcella, New Madison

Mohair-Strickjacke Ronia, BLLACK NOIR. Handgestrickter Wollschal Multi String, PEOPLE TREE. Kaschmirhose Hella, ANTONIA ZANDER.

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gruen fashion Handgestrickte Jacke aus Merino- und Alpakawolle, CLARE TOUGH. Hand足 gestricktes Wollkleid Freya, PEOPLE TREE. Stiefel Big Lips CHRISTIAN LOUBOUTIN.

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Kaschmirpullover, FTC CASHMERE. Handgekn端pfte Weste aus Alpaka- und Schurwolle von Miguel Adrover, HESSNATUR. Kaschmirhose Hella, ANTONIA ZANDER.

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gruen fashion Von aussen nach innen: Kaschmir-Mohair-Mantel, ANTONIA ZANDER. Cardigan Rib aus einem Kaschmir-足 Gemisch, LARENS. Kaschmirjacke Bolero, LARENS. 足Leisure-Cardigan aus BabyAlpaka-Wolle, FOGAL. 足Kaschmir-Cardigan LARENS. Pullover Tunika aus BioBaumwolle und Wolle, LA 足REDOUTE. Kaschmirhose, ANTONIA ZANDER.

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Cardigan Ivette aus Wolle, Alpaka und Mohair, MARC O’POLO ORGANIC. MerinoKapuzen-Bolero Liesel, STEWART + BROWN, bei gtb-shop.de. Handgestrickte Kaschmirschals, CLARE TOUGH. Overknees Big Lips, CHRISTIAN LOUBOUTIN.

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Kleid und Jacke aus Wolle, STELLA McCARTNEY GREEN KNITS. Overknees Unique 140, CHRISTIAN 足LOUBOUTIN.

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Masche um Masche von Hand gefertigt Christina Krämer verbindet mit ihrer StrickKollektion für Damen und Herren Exklusivität mit traditionellem ­Handwerk.

Text: Susanne Märki Fotos: Julia Blank

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verwendet. Pro Saison strickt Krämer jedes Stück der Kollek­ tion selber. Danach übergibt sie die Produktion an Strickerinnen – diese benötigen pro Teil unge­ fähr 16 bis 24 Stunden.

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Deutschland. 2006 wagte sie den Schritt in die Selbstständig­ keit. Am Stricken begeistert Krämer das Material, das Tasten und Fühlen der verschiedenen Qualitäten und das Produzieren mit den Händen. «Besonders ist auch, dass beim Handstrick alle 1 Ein Pullover aus der MännerMasse vorher genau durchdacht Serie «Alp» (CHF 798.–). 2 + 3 Fällt fliessend, fast wie Seide: werden müssen. Man kann nicht Strickkunst aus der Damen-Linie einfach etwas enger nähen oder «Ghosts» (CHF 498.–). abschneiden.» 4 Feiert Erfolge an der Limmat: die deutsche Mode-Designerin Mit ihrer Arbeit vereint sie Krea­ Christina Krämer. tivität und Leidenschaft für tra­ ditionelles Handwerk. Die Ein­ zelstücke des Labels «Christina Krämer Collection» sollen Aus­ druck einer Gegenbewegung zur globalen Massenproduktion sein. «Ein Zeichen für Entschleu­ nigung in einer rasanten Zeit.» Die Kollektion ist bis 27. No­ vem­ber bei J*A*M by Jacky’s Choice an der Manessestrasse 73 4 in Zürich zu kaufen. Christina Krämer studierte nach ihrer Ausbildung zur Beklei­ dungsschneiderin Modedesign in Bielefeld. Bevor sie nach Zü­ rich kam, arbeitete sie während zehn Jahren als Designerin in

Das Label www.christinakraemer.com Weiterer Verkaufsort www.globus.ch (11. November bis 1. Dezember in Zürich)

Foto: Alexander Palacios (1)

Herbst! Die perfekte Zeit, um sich in ein exklusives Strick­ modell der Designerin Christina Krämer einzuhüllen. Ihre Capes, Schals und Pullover werden Ma­ sche um Masche von Hand her­ gestellt. Das grobe Maschenbild kennzeichnet ihre Kollek­tion, die vorwiegend aus Merinowolle und Baby-Mohair mit Seide ge­ fertigt wird. Die Wolle stammt zu 80 Prozent aus der Schweiz. Zum Konzept von Christina Krä­ mer gehört, dass sie nur natürli­ che und biologische Materialien


Spitzenmässige Swiss Connection Die Lieblingsdesignerin von Michelle Obama steht auf Stoffe aus St. Gallen. Den neusten Wurf präsentierte sie in der Schweizer Botschaft.

Interview: Monique Ryser

Swiss Made für die Ewigkeit: Michelle und Barack Obama an der Vereidigung 2009.

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Michelle Obama machte sie weltberühmt: An der Ver­ eidigung von Barack Obama als 44. US-Präsident im Januar 2009 flimmerte ihr gelbes Kleid mit Mantel als standes­ gemässer Farbtupfer über alle Bildschirme. Und Designerin Isabel Toledo war von diesem Moment an ein Star. Auch die Schweiz und ihre lange Textil­tradition kamen in die Schlagzeilen, denn der bestickte Stoff, aus dem Toledo das Lemongrass-Origami-­ Ensemble geschneidert hat, stammte von der St. Galler Firma Forster Rohner. Man tut Toledo Unrecht, wenn man ihre künstlerische Bedeutung darauf reduziert, die Designerin von Michelle Obama zu sein. Kenner der Modeszene haben ihre Krea­ tivität und ihre herausragenden Fähigkeiten als Schneiderin schon lange anerkannt. «Nur grosse Designer können allein ihre Arbeit sprechen lassen. Toledo tut genau dies», lobte das «Time-Magazine», lange bevor die Scheinwerfer auf die

kubanischstämmige Amerika­ nerin leuchteten. ­Isabel und ihr Ehemann Ruben Toledo bilden ein kreatives Duo: Sie diskutieren ihre Ideen, er, der Illustrator, wandelt sie in Skizzen um. Isabel wiederum fertigt die Kleider, die Skulp­ turen gleichen. Ausgangspunkt für die Designerin sind immer die Stoffe. Mit Vorliebe Kreati­ onen der St. Galler Textilfirma Forster Rohner. Die neuste Kollektion, die Isabel Toledo an der Soirée Suisse der Schweizer Botschaft in Washington vorstellte, war ganz einer Neuheit gewidmet: Sti­ ckerei in maskulinen Dessins auf Tüll, erfunden vom Krea­ tiv-Chef von Forster Rohner, Hans Schreiber. Wegen des Tragkomforts dieser Innova­ tion liess das Textil-Haus – ebenfalls als Novum – eine Männerkollektion schneidern. Isabel Toledo nahm dieselben Stoffe und verwandelte sie in feminine Kunstwerke. GRUEN: Wie haben Sie die Stoffe und Stickereien von Forster Rohner entdeckt? Wir sind seit vielen Jahren Kunden von Forster Rohner. Seit wir hier in New York leben und arbeiten, haben wir der Welt grösstes und bestes Angebot aus allen Bereichen gleich vor unserer Nase. Wir lernten den Namen Forster Rohner wegen ihrer grandiosen Geschichte kennen.

Fotos: Reuters, Torkil Gudnason / Corbis, Monika Pamp

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Isabel toledo

Michelle Obama www.whitehouse.gov/administration/first-lady-michelle-obama Isabel Toledo www.youtube.com (Isabel and Ruben Toledo)


„Wir schauen immer auf den Schweizer Markt – er steht für saubere und langlebige Produkte.“

Fashion-Designerin Isabel Toledo macht keine Trends mit, sondern steht auf Langlebigkeit. Sie liebt die Stoffe von Hans Schreiber (rechts), Kreativ-Chef von Forster Rohner.

St. Galler Traditionsfirma www.forsterrohner.ch Stickerei auf Tüll für Männer www.forstercollection.com

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1 + 2 Models präsentieren in der Schweizer Botschaft in ­Washington Modelle aus der ­Kollektion von Isabel Toledo. Stoff: bestickter Tüll von Forster Rohner. 3 Für sich erfunden und von der Besitzerfamilie als so gut befunden, dass gleich eine ­Herrenkollektion entstand – die Inno­vation von Hans Schreiber.

Schon vor langer Zeit haben wir die Archive erforscht und sind sehr glücklich, dass die Firma auch heute noch so exquisite Stoffe herstellt. Hat Ihre Begeisterung dafür auch mit Schweizer Qualität zu tun? Ja und nein. Schweizer Erzeugnisse stehen generell für saubere, gesunde, langlebige und sorgfältig hergestellte

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­ rodukte. So schauen wir P ­instinktiv immer, was es Neues auf dem Schweizer Markt gibt. In Mode und Fashion müssen aber immer auch Über­ raschung, Magie und Poesie eine Rolle spielen. Auf diese Elemente müssen wir bei der Wahl unserer Materialien ebenso schauen. Was ist Ihre Botschaft als Fashion-Designerin?

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Praktische Poesie und magi­ scher Realismus! Ich liebe Dinge, die überdauern und für die Ewigkeit gemacht sind. Ich liebe Innovation und Neu­ heiten ebenso wie Langlebig­ keit, Sicherheit und Vertraut­ heit. Alle diese Elemente ver­ suche ich zu verbinden. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Michelle Obama? Michelle Obama ist seit vielen Jahren eine Kundin. Sie trug meine Kleider, bevor wir uns kannten. Sie lebte ja in Chicago und kaufte dort in einem Laden ein, der meine Kollektionen führt. Es war ein solches Vergnügen, als ich sie kennenlernte – eine gross­ artige Frau und eine wunder­ bare Kundin. Sie repräsentiert die ideale Fashion-Kundin von heute: die moderne, arbeits­ tätige Frau, die professionell denkt, gut aussieht, genau weiss, in welchen Kleidern sie sich wohlfühlt und wie sie sich anziehen muss.

Sind Sie sensibilisiert auf Nachhaltigkeit und Ökologie? Ja, absolut. Ich bin ein Land­ mädchen aus Kuba und wuchs inmitten von Bergen und Land­ wirtschaft auf. Die Natur und deren Schutz, also die Nach­ haltigkeit, waren mir immer ein Anliegen – sowohl im ­täglichen Leben als auch bei der Arbeit. Das war und ist mein Way of Life. Aus diesem Grund bevorzuge ich exzellente Textilien, die qualitativ hoch­ wertig sind und lange schön bleiben. Meine Kleider sind zeitlos, damit sie der Trägerin stets Freude machen: Sie haben Tragkomfort, ­Qualität und bleiben modisch. Die Kurz­ lebigkeit von Trends hat mich nie interessiert. Trends sind das Gegenteil von wahrem Design. Was ist das Thema Ihrer neusten Kollektion, die Sie an der Soirée Suisse der Schweizer Botschaft in Washington vorgestellt haben?

Think swiss in den USA Die Schweizer Botschaft in Washington hat mit dem Programm «Think Swiss – Brainstorm the Future» zum Ziel, die innovative, moderne, grüne und Hightech-Schweiz in den USA ins Bewusstsein zu rücken. An Events – wie der Soirée Suisse – werden Innovationen aus der Schweiz vorgestellt. Nicht nur Textilunternehmen wie Forster Rohner oder Baumann Collection waren präsent, sondern auch eine Schrift, die von Schweizer Grafikern entworfen wurde und Taxis und die Subway in Manhattan ziert. www.thinkswiss.org, www.eda.admin.ch (Vertretungen)

Toledo in Genf www.septieme.com und Paris www.colette.fr

Fotos: Monika Pamp (2), zvg

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1 Schweizer Qualität: Botschafter Urs Ziswiler (links) konnte Isabel und Ruben Toledo bereits zum zweiten Mal für einen Event gewinnen. 2 Ronit Ziswiler in einem Kleid von Isabel Toledo.

Ich arbeite nicht mit Themen. Ich lasse die Textilien den Weg für die Form vorgeben. Jeder Stoff spricht seine eigene ­Sprache, und ich versuche, diese innere Qualität sichtbar zu machen. Diese Kollektion ist eine Gratwanderung zwischen Schnitt und Struktur im Äus­ seren, denen Weichheit und Ver­ letzlichkeit im Inneren gegen­

überstehen. Die bestickten Stoffe, die ich dafür verwen­ dete, sind beides: robust und delikat. Viele Zuschauer waren fasziniert von der Tat­sache, dass die meisten von mir verwende­ ten Stoffe zur Hauptsache aus Baumwolle bestehen. So sind sie pflegeleicht und können von Hand gewaschen werden, das gilt sogar für einige meiner

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Abendkleider und Mäntel. Die Kreationen sehen sehr grazil und delikat aus. Dank der ­Fabrikation der Stoffe gebe ich aber die Garantie für ein langes Fashion-Leben. Bestes Aushängeschild für Tragbarkeit und Eleganz der Kleider von Isabel Toledo ist Botschaftergattin Ronit

­ iswiler, die ihre Gastgeberin­ Z nenrolle am Lunch in einem orangen Toledo-Kleid mit Mantel und am Abend in einem dunklen Veston wahrnahm. Auch Hans Schreiber erschien in bestickter Baumwolle – aus der eigenen Kollektion. Und er kündet an: «Forster Rohner arbeitet immer häufiger mit Bio-Baumwolle.»

Fotos: Monika Pamp

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gruen Porträt

WALTER SCHMID

Das Herz der Umwelt Arena

Anfang 2012 will KompogasErfinder Walter Schmid mit der Umwelt Arena das erste Kompetenz-Zentrum für ­Ökologie eröffnen. Text: Urs Bärtschi / Fotos: Dan Cermak

Die Eingebung kam unter der Dusche. Draussen brannte die Sonne, drinnen lief die Ölhei­ zung zur Warmwasseraufberei­ tung. «Ein Unsinn», dachte sich Bauunternehmer Walter Schmid, während er sich die letzten Shampoo-Reste aus dem Haar wusch. Knapp ein Jahr später war sein erstes mit Sonnenkol­ lektoren bestücktes Mehrfami­

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lienhaus bezugsbereit. Das war 1975. Walter Schmids Ausflüge in die Öko­szene beschränkten sich bald nicht mehr auf den Bau umweltfreundlicher Häu­ ser. 1989 ent­wickelte er das Elektro-Nutz­fahrzeug Solcar – ein Projekt, das mangels Kauf­ interessenten floppte, ihn aber auf eine entscheidende Idee brachte: «In ­jeder Pflanze, in je­ dem organischen Produkt ist Sonnenenergie gespeichert, die

wir zurück­gewinnen können.» Auf dieser Grundlage entwi­ ckelte er das heute weltweit be­ kannte Kompogas-Verfahren, das aus orga­nischen Abfällen CO2-neutrale Energie gewinnt. Und was treibt Schmid heute an? «Umweltschutz ist Menschen­ schutz. Das Interesse an ökolo­ gischen Lösungen wächst stetig. Das Beschaffen von seriösen Informa­tionen ist aber schwie­rig – egal ob für Entwickler, An­ bieter oder Konsumenten. Das Know-how und auch die Pro­ dukte sind oft irgend­wo vorhan­ den, doch fehlt es an einer zent­ ralen Informa­tionsstelle», erklärt er die Idee der Umwelt Arena. So steht er nun in einer riesigen Baugrube, mitten in der Einkaufs­ meile von Spreitenbach AG. Hier soll das erste KompetenzZentrum für Ökologie entste­ hen. Es herrscht reger Betrieb. Ein Lastwagen nach dem an­ dern fährt vor und wird von

einem gros­sen Pneulader mit Steinen und Kies beladen. Pro Tag stehen 250 Fuhren an.

Weltweit erste Grossbaustelle mit CO2-­ neutralem Baubetrieb Bis der gesamte Aushub fertig ist, werden es wohl über 10 000 sein. Eine erhebliche Umwelt­ belastung, Herr Schmid? «Na­ türlich sorgt jede Baustelle für Emissionen wie Lärm, Dreck und Staub. Umweltschutz und schonender Umgang mit Res­ sourcen genies­sen bei uns aber schon in der Bauphase oberste Priorität. Wir betreiben hier die weltweit erste Grossbaustelle mit CO2-neutralem Baubetrieb», erzählt der Visionär. So fahren die Lastwagen und Bau­ma­ schinen teilweise mit Kom­ pogas und Biodiesel aus ge­ brauchtem Pommes-frites-Öl. Symbolträchtiger Blickfang

Seine Vision www.umweltarena.ch Seine Firma www.wschmidag.ch Seine Entwicklung www.kompogas.ch


Bau- und Generalunternehmer Walter Schmid engagiert sich seit Jahrzehnten f端r Umweltprojekte.

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gruen Porträt ist ein auf dem Baukran mon­ tiertes Windrad, mit dessen Hil­ fe Strom für den Kranbetrieb produziert wird. Solarzellen auf den Baucontainern generieren ebenfalls Strom, und der Ener­ giekonzern Axpo liefert zusätz­ lich ein CO2-neutrales Strom­ produkt aus Wasserkraft und Biomasse. Der Rest an CO2Ausstoss wird mit dem Kauf von entsprechenden Zertifikaten kompensiert. Auch der Aushub von rund 100 000 Kubikmetern wird nicht einfach deponiert, sondern zu Beton aufgearbeitet und direkt wieder für den Bau der Umwelt Arena verwendet. Und die Kosten? Walter Schmid rechnet mit einem Investitions­

bedarf von gut 40 Millionen Franken. Ab Anfang 2012 sollen auf drei Stockwerken und 10 000 m2 Nutzfläche neben permanenten und temporären Ausstellungen Themenwochen, Firmenanlässe und die unter­ schiedlichsten Veranstaltungen rund um das Thema Ökolo­gie Geld zurück in die Kassen spülen.

Von Bügeleisen zu Wärmepumpen bis hin zu Elektro-Fahrzeugen Abgedeckt wird das gesamte Spektrum von nachhaltigen Pro­ dukten, Dienstleistungen und ­Informationen. Dazu gehört der

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energieeffiziente Kühlschrank genauso wie Solarzellen, Wär­ mepumpen, aber auch nachhal­ tig gefertigte Kleidung, Lebens­ mittelherstellung, Recycling oder umweltfreundliche Fahr­ zeuge. Unabhängige Experten­ gruppen wie beispielsweise Energie Schweiz (BFE) und weitere Organisationen werden die Qualität der ausgestellten Produkte beurteilen und sicht­ bar für den Besucher deklarie­ ren. Im geplanten Mobilitäts­ park sollen zudem Autos, Motor­räder und Fahrräder zu Testfahrten bereitstehen. Schmid hätte gerne drei bis fünf starke Partner mit langfristigen Verträ­ gen an Bord. Das Interesse von

„Umweltschutz muss erlebbar sein. Die Technik dazu ist vorhanden, aber man muss sie zu den ­Leuten bringen.“ 68

Grossverteilern, Energiekonzer­ nen und anderen Firmen scheint vorhanden. Zurzeit verhandelt der gewiefte Geschäftsmann mit diversen Interessenten – tiefer lässt er sich aber noch nicht in die Karten blicken. «Umweltschutz muss erlebbar sein», ist Walter Schmid über­ zeugt. «Nur so wird der Konsu­ ment die Faszination ökologi­ scher Technik und Systeme verstehen und sich letztlich da­ rauf einlassen.» So will er auf­ zeigen, dass ökologische Pro­ dukte langfristig günstiger sind als herkömmliche. «Heute wer­ den die meisten Produkte auf­ grund ihrer Leistung und nicht aufgrund ­ihres Verbrauchs ge­ kauft. Gleich ob Glühbirnen, Föhn oder Bügeleisen, der Kon­ sument orien­tiert sich an der Angabe der Wattzahl. Wichtiger für die Umwelt, aber auch fürs eigene Portemonnaie ist der Verbrauch. Die Käufer sollten wissen, dass sie ­etwas für die Umwelt tun und über die Lebensdauer der Ge­räte erst noch Geld sparen.» Dennoch ist Walter Schmid kein typischer Grüner. Er ist auch er­ folgsorientierter Unternehmer und sucht überall die Grenzen – etwa im Sport. Sei es beim Jog­

Energie Schweiz www.bfe.admin.ch/energie CO2-Kompensation www.myclimate.org Fotovoltaik www.solarch.ch

Foto: zvg (1)

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gen, Velo- oder Skifahren. Die Ausflüge in die Ökoszene finanziert er sich durch den Rein­ gewinn seiner Bau- und Ge­ne­ralunternehmung, die er mit 22 Jahren als Drei-MannBetrieb gegründet hat. Heute beschäftigt er über 120 Mitarbeiter. «Ökologie und Ökonomie lassen sich nicht abkoppeln. Ein Umweltprojekt, das langfristig nicht auch ökonomisch funk­ tioniert, macht keinen Sinn.»

Ökologie und Ökonomie lassen sich nicht ­voneinander abkoppeln

3 1 Hübsch und nützlich: Seit über 23 Jahren liefert die Solar-Fassade der W. Schmid AG Strom für das Betriebsgebäude. 2 Das gab es noch nie: Mit dem Windrad auf dem Baukran produziert Walter Schmid CO2-neutralen Strom für den Kranbetrieb. 3 Die Architektur der Umwelt Arena mit dem riesigen FotovoltaikDach steht für Innovation, Hightech und Umweltbewusstsein.

Diese Denkweise hat ihn 2006 dazu bewogen, den Energie­ konzern Axpo zuerst als Partner, ab 2011 als Alleinbesitzer der Kompogas AG an Bord zu holen. «Kompogas war an einem Punkt angelangt, an dem weiteres Wachstum – und das braucht es für eine garantierte Zukunft – nur mit enormen Investitionen

und ­einem starken Partner möglich war», erklärt er den Verkauf. Durch Kompogas hat Schmid auch gelernt, dass die optische Verpackung den Erfolg eines Projekts stark beeinflussen kann. Deshalb liess er für den Bau der Umwelt Arena seinen Sohn, den Zürcher Architekten René Schmid, diverse Entwürfe zeichnen: «Als ich das aktuelle Design sah, war ich mir sicher, dass die Umwelt Arena ein Erfolg wird.» Das Aufsehen erregende Dach trägt eine gigantische Fotovoltaik-Anlage (ca. 5200 m2), die so viel Strom liefert, dass neben dem Eigenbedarf auch Energie ins Stromnetz zurück­ gespeist werden kann. Damit hilft sie mit, dass die Umwelt Arena CO2-neutral betrieben werden kann. So ist ein weiteres Credo von Walter Schmid erfüllt: «Man muss die Kreisläufe schliessen und nicht mehr aus der Natur be­ziehen, als man ihr wieder zurückgeben kann.»


Sabine Beer litt früher unter Hautproblemen – geholfen hat ihr der Saft der Aloe vera. Heute baut sie die Pflanze in Spanien an und macht Naturkosmetik.

Text: Barbara Halter Mit einem scharfen Messer schneidet Gutsverwalter Claudio Itcou ein dickes, dunkelgrünes Blatt von einer Aloe vera ab. Das Gel, das bei der Schnittstelle herausfliesst, fühlt sich erst etwas klebrig an. Es zieht aber innert Sekunden in die Haut ein und hinterlässt ein frisches Gefühl. Auf dem kargen Feld im spanischen Andalusien, mit Blick aufs Meer, stehen die stacheligen Aloen dicht nebeneinander. Sie sind so gross, dass sie einem teilweise bis zu den Hüften reichen. Zwischen den Pflanzen toben die drei Hunde Lara, Molly und Bobby umher, während der Verwalter mit Sabine Beer das Feld begutachtet. Die 56-jährige Hamburgerin baut hier auf rund zwei Hektaren Aloen für ihre Kosmetik-Linie Santaverde an. Die drahtige Pflanze ist seit Jahrtausenden für ihre Feuchtigkeit spendende, heilende und pflegende Wirkung bekannt. «Ich litt noch als Erwachsene unter Akne und trug immer eine dicke Schicht Makeup», erzählt Sabine Beer. In Spanien, wo die Familie jeweils den Sommer in ihrer Finca verbrachte, entdeckte sie die Kraft der Aloe vera. «Bei einem weinseligen Abend sprach mich unser amerikanischer Nachbar auf meine Haut an und meinte: «Mädchen, ich gebe dir mal was dafür.» Er marschierte mit einem frischen Aloe-vera-Blatt an und riet ihr, den Saft aufzutragen. Es wirkte. Die Haut erholte sich langsam. Zurück in

Deutschland, beschaffte sich Beer allerlei Pflegeprodukte, auf denen Aloe vera stand. Und es wirkte nicht. «Da kam das Unternehmerische bei meinem Mann und mir durch. Es sollte doch möglich sein, eine Creme herzustellen, die genauso wirksam ist wie die frische Pflanze.» Parallel zu ihrem normalen Le­ben und ihren Berufen in Hamburg begannen die Beers zu experimentieren. Die Ferien-Finca in Spanien erwies sich als idealer Ort für den ­Anbau. Die Temperaturen schwanken zwischen zwei und fünfzig Grad. Diese grossen Unterschiede verlangen von den Pflanzen viel und bewirken, dass die Aloverose, der Hauptwirkstoff der Aloe, besonders hoch konzentriert vorkommt. Für die Rezeptur der Produkte liessen sich Sabine und Kurt Beer von Kosmetik-Fachleuten und Chemikern beraten. Mit einer Apothekerin zusammen wurde die erste Emulsion hergestellt.

Durch den Handschälprozess bleibt der gesamte Wirkungs­ komplex der Aloe erhalten Auf Tierversuche und Konservierungs­ stoffe verzichtet Santaverde. Der Anbau in Spanien passiert unter streng biologischen Richtlinien. Es werden keine synthetischen Dünger, Pestizide und Herbizide verwendet. Die Bodenpflege und die Ernte verrichten die Angestellten von Hand. Mitten im hüge­ligen Feld steht das gläserne Produk­ tionslabor, das gleichzeitig auch Besuchern offen steht. Während der Erntezeit von Mai bis Oktober bringen Gutsverwalter Itcou und seine Helfer die frisch geschnittenen Blätter in die Verarbeitung. Alles muss ganz sauber sein. Eine Pharmazeutin überwacht die Produktion, die flinken Arbeiterinnen tragen alle Schutzbekleidung. Sie schnei-

„Wenn mir was gefällt, dann möchte ich es ein Leben lang benutzen. Ob das eine Creme oder ein Möbelstück ist.“ Sabine Beer 70

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Santaverde und Xingu www.santaverde.ch www.santaverde.de Zertifikate von Santaverde www.bio-siegel.de www.caae.es www.na-

Fotos: Santaverde

gruen beauty

Aloe vera aus Spanien


4 1 Sabine Beer mit Molly – einem der drei Hunde, die sie aus dem Tierheim geholt hat. 2 Jedes Jahr werden maximal sieben Blätter pro Aloe-vera-Pflanze geerntet. 3 Jedes einzelne Blatt wird im Produktionslabor auf der Farm von Hand geschält. 4 Die Finca Santaverde liegt bei Estepona an der spanischen Costa del Sol.

den bei jedem einzelnen Blatt links und rechts die Dornen weg. Dann lösen sie von Hand das dicke, weisse, fast durchsichtige Filet aus der grünen Schale. Dabei wird ge­ nau darauf geachtet, dass das Arzneimittel Aloin aus den Blattschalen nicht mit dem inneren Gel in Berührung kommt. «Auf un­ se­ren Handschälprozess sind wir besonders stolz», sagt Beer. «Nur so bleibt der ge­sam­te Wirkungskomplex der Aloe auch ­wirklich erhalten.» Die Gel-Filets werden dann schnellstens hinuntergekühlt und in Deutsch­land zu purem Direktsaft verar­ beitet. Bei Kosmetik-Produkten wird als Haupt­ bestandteil meist Wasser verwendet. Santa­ verde ersetzt dies mit Aloe-vera-Saft. Eine kleine Firma in Deutschland mixt die Pro­ dukte nach der Rezeptur von Sabine Beer. In ihrem Sortiment setzt sie auf «Less is more» und möchte sich auf zwanzig bis

dreissig Produkte beschränken. Beer spricht gern von Lebensprodukten, deren Rezep­ turen nicht pro Saison geändert werden: «Wenn mir was gefällt, dann möchte ich es doch ein Leben lang benutzen. Ob das nun eine Creme oder ein Möbelstück ist.» In Hamburg kauft Sabine Beer im Bio-Laden ein, sie versucht, nachhaltige Kleidung zu tragen. «Aber ich will auf keinen Fall dogmatisch sein. In Andalusien kann ich gut leben, obwohl es keine Bio-Äpfel gibt – aus­ ser was den Müll angeht. Da bin ich sehr ‹ökig›.» Darum hat sie auch beim ­Einkaufen in Spanien immer die eigenen Tüten dabei. Der Erfolg mit Santaverde hat ein weiteres Produkt nachgezogen, die Anti-AgingLinie Xingu. Die Inhaltsstoffe stammen von ihrer Fair-Trade-Farm im brasilianischen Regenwald, wo uralte Cashew-Bäume wachsen. Während man hier nur die weis­ sen, bananenförmigen Nüsse kennt, haben die Beers herausgefunden, dass die CashewFrucht reich an Antioxidantien ist und ge­ gen die Hautalterung hilft. Wie bei der Aloe wird daraus Saft gemacht, der dann statt Wasser in die Produkte kommt und für Wir­ kung sorgt.

Naturkosmetik aus aloe vera Aloe-vera-Saft statt Wasser, so lautete die Grundidee von Santaverde. Die Linie besteht aus Produkten zur Gesichtsund Körperpflege und zum Sonnenschutz. Viele davon sind mit oder ohne Duft erhältlich. Die Produkte eignen sich auch sehr gut für Personen mit Haut­ problemen. Sie sind in Bio-Geschäften, Reformhäusern, Drogerien und Parfümerien erhältlich.

true.de www.kontrollierte-naturkosmetik.de www.leapingbunny.org Online kaufen www.vatter-naturkosmetik.ch

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Bio-Queen

Jo Wood is(s)t «grün» aus Überzeugung: ­Vieles, was für die vier Kinder und sechs Enkel auf den Tisch kommt, stammt aus dem eigenen Öko-Garten.

Edler ÖkoDuft Duftet nach frischen

Frangipani-Blüten: Eau de Toilette Tula von Jo Wood. Die preis­ gekrönte Bio-Kosmetik aus England gibts bei Wink Fashion (Corner 8) in Zürich. www.wink­ fashion.ch. Zu bestellen bei www.jowood­ organics.com, CHF 98.–

Grünes Rock-’n’Roll-Leben

Sie war dreissig Jahre lang mit den Rolling Stones auf Tour, dabei ist sie eine Pionierin der Öko-Bewegung: Jo Wood, 55, Ex-Frau von Gitarrist Ron Wood. Jetzt gibt es ihre edle Bio-Kosmetik in der Schweiz.

Balsam für Haut und Seele

Regenerierender und beruhigend wirkender Balsam für die Nacht von Le Petit Olivier. Mit hochwertigem Argan-Öl, Karitébutter. Etwa in Sun-Store-Apotheken. CHF 25.90

Eine Rose im Winter

Die Kollektion Pure & Natural ist Niveas erste grüne Make-up-Linie mit bis zu 95 Prozent natürlichen Inhaltsstoffen. Mit dabei: der Frischmacher-Blush Desert Rose. CHF 17.90

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Serum mit weissem Tee- und Karanjaöl von Lavera Faces My Age. Soll die Haut sichtbar festigen, sie nachhaltig mit Feuchtigkeit ver­ sorgen und natürlichen UV-Schutz bieten. Im Fachhandel. CHF 25.50

Minis zum Verlieben

Die Londoner Aromatherapeutin Andrea Garland schenkt Vintage-Döschen mit ihrer Bio-Kosmetik ein neues Leben. Bei www.andreagarland.co.uk, ab ca. CHF 25.–

Grüne Kosmetik www.jowoodorganics.com www.lepetitolivier.fr www.nivea.ch www.lavera.de www.andreagarland.co.uk

Fotos: Bulls Press, Inge Zinsli (5)

Beauty-Nektar


gruen genuss

tobias funke

Der 28-Jährige ist für den GaultMillau der «Aufsteiger des Jahres 2011»: Tobias Funke und sein «Obstgarten» in Freienbach SZ. Und Funke, der bei Horst Petermann lernte, setzt auf Nachhaltigkeit.

Text: Peter Ruch / Fotos: Gina Folly

Der Wunderkn 74


Tobias Funke setzt aufs Lokale – auch beim Fleisch. Und er will wissen, wo die Tiere aufwachsen.

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gruen genuss Herbstdessert: Zwetschgenmousse auf pochierten Zwetschgen.

Beurre parfumé – mit Rosmarin und wenig Zitronenschale.

Eigentlich ist das alles ja fast zu gut, um wirklich wahr zu sein. Tobias Funke ist gerade einmal 28 Jahre jung, sieht gut aus – und er kocht wie ein König. Der GaultMillau adelt ihn und seinen «Obstgarten» in Freienbach SZ neu mit 16 Punkten – und hat ihn zudem zum «Aufsteiger des Jahres 2011» gekürt! Dazu kommt: Funke kann sich ausdrücken wie ein alter Profi, der sich schon seit Jahrzehnten im Haifischbecken unter Kunden, Lieferanten und Presse tummelt. Er spricht überlegt, er redet gescheites Zeugs, er hat Charme und Witz und ganz viel Sachkenntnis, er ist freundlich und fast schon übertrieben höflich. Und wenn er wollte, dann würde man ihm auch noch die Grossmutter abkaufen. Das will er aber gar nicht, er will nur, dass seine Gäste im «Obstgarten» zufrieden und glücklich sind, gern

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Der «Aufsteiger des Jahres 2011» am Herd: Tobias Funke in der Küche des «Obstgartens».

„Wir verwenden in unserer Küche keine Geschmacksverstärker oder Bindemittel, es wird alles frisch hergestellt.“ wiederkommen, ihn weiterempfehlen. Obwohl er das eigentlich schon fast gar nicht mehr nötig hat: Vor nicht einmal ­einem halben Jahr hat Funke von der Rapperswiler «Falkenburg» in sein eigenes Haus gewech­ selt, und es ist an sieben Tagen die Woche immer bis auf den letzten Platz besetzt. Aus­ ser am Samstag über Mittag, dann ist der «Obstgarten» nämlich geschlossen. Doch Funke, der in der Nationalmannschaft der Schweizer Spitzenköche Fussball spielt, ist nicht einfach nur cool, jung

und erfolgreich – wir erleben hier mit dem 28-Jährigen eine ganz neue Generation von Köchen, die nicht nur von Nachhaltigkeit reden, sondern sie vor allem auch leben. Sie sind mit einem besseren Verständnis für die Umwelt aufgewachsen – und sie wissen, dass sie viel Sorge tragen müssen zu der Welt, für die sie kochen. Saisonal, das haben ja mittlerweile die meisten Chefs begriffen, doch mit dem ­Regionalen, da tun sich viele noch schwer. Denn sie haben das so gelernt, Hummer aus

Sein Lokal www.funkesobstgarten.ch Fünf Dörfer, eine Gemeinde www.freienbach.ch de.wikipedia.org/wiki/Freienbach www.sz.ch Die


Maine, Lachs aus Kanada, je exotischer das Gemüse und die Früchte, desto besser. Natürlich kommt Funke in seiner Küche auch nicht aus ohne Produkte aus dem Ausland, Hummer gibt es einfach keinen hierzulande, und für das Reh muss er dann und wann schon auch auf Tiere aus dem ­benachbarten Österreich zurückgreifen. Und dann ­serviert er, als wirklich aussergewöhnliche Spezialität, Wagyu (vergleichbar mit dem KobeBeef; die mit Bier oder auch Wein getränkten japanischen Rinder, die vollkommen hormonfrei aufwachsen dürfen) aus Aus­ tralien. Doch prinzipiell gibt sich der jun­ge Mann alle nur erdenkliche Mühe, lokale Produzenten zu berücksichtigen.

«Es ist mir sehr wichtig, dass die Tiere keinen Stress haben. Ich will wissen, wo sie aufwachsen» Funke bezieht fast alles Fleisch von einem Metzger in Wollerau, der wiederum seine Tiere von den Bauern in der Umgebung erhält. «Das ist mir schon sehr wichtig», sagt Funke, «dass die Tiere auch keinen Stress haben. Ich habe auch die einzelnen Bauernhöfe besucht, wo die Tiere aufwachsen, damit ich mir ein Bild machen konnte, wie das dort aussieht, wie die hygienischen Umstände sind, ob die Rinder und Kälber auch genug Auslauf erhalten.» Dann spricht er von der Muttertierhaltung, Funke ist da sehr kompetent, man hört, dass er sich mit dem Thema beschäftigt hat. Er erzählt dann auch noch, dass im «Obstgarten» nur Fische und andere Meerestiere auf den Tisch kommen, die die Standards des WWF ­erfüllen. Auch da kann er tief ins Detail ­gehen, das ist nicht bloss warme Luft: «Sicher servieren wir keine Rochen mehr. Und auch unser Thunfisch kommt definitiv nur aus nachhaltiger Fischerei – man kann es sich heute als Koch gar nicht mehr leisten, in solchen Dingen nicht ein absolut einwandfreies Gewissen zu haben.» Und schliesslich kommt er noch auf das Thema Zöliakie zu sprechen, die Gluten-Unverträglichkeit, die immer mehr Men­schen betrifft. «Wenn uns Gäste mit­ teilen, dass sie unter Zöliakie leiden, dann können wir sie absolut beruhigen, wir sind in der Küche darauf vorbereitet. Und sowieso, wir verwenden in unserer Küche keine Geschmacksverstärker oder Bindemittel, es wird alles frisch hergestellt, da braucht sich niemand irgendwelche Sorgen zu machen.» Einzig mit dem Gemüse und den Früchten hat Funke noch etwas Sorgen. Er hat jetzt zwar einen Produzenten gefunden, der ihm die Spargeln in der Qualität – «die kann man ungekocht essen!» – liefert, die er sich

Wollerauer Kalbsrücken und zwetschgenmousse Produkte aus der Region spielen bei Tobias Funke im «Obstgarten» in Freienbach SZ die Hauptrolle. Kalb und Würstchen liefert der Metzger aus Wollerau, die Zwetschgen fürs Dessert der Bauer von nebenan. Kalbshohrücken mit Kürbisgnocchi (für 4 Personen)

 640 g Kalbshohrücken  1 Zweig Rosmarin  Erdnussöl, Salz, Pfeffer  150 g Milken, vom Metzger  parieren lassen  4 Kalbswürstli

Kalbshohrücken salzen und pfeffern. Mit Rosmarin im Erdnussöl langsam an­ braten. Dann im Backofen bei 80 Grad zwei ­Stunden niedergaren. Die Milken in einer Pfanne mit gesalzenem Wasser, Lorbeerblatt, Thymianzweig und Pfeffer­ körnern auf­kochen lassen. Topf vom Herd nehmen. Deckel drauflegen, Milken eine halbe Stunde ziehen lassen. Aus dem Wasser nehmen, vor dem Anrichten kurz in Butter braten. Kalbswürstchen langsam im Erdnussöl braten. Zum Anrichten Hohrücken in Tranchen schneiden, mit ­Milken und Würstli auf dem Teller anrichten und mit Kalbsjus glasieren. Gnocchi  400 g Kartoffeln (Agria)  30 g Eigelb  125 g Weissmehl  Salz, Pfeffer, Muskatnuss, Butter Kartoffeln schälen, in gesalzenem Wasser gar kochen. Kartoffeln durch ein Haarsieb streichen. Eigelb und Weissmehl dazu­ geben, abschmecken und zu einem glatten Teig kneten. Teig zu Gnocchi formen, im Salzwasser kurz blanchieren. Vor dem An­ richten in der Pfanne in Butter schwenken.

und die Masse kurz im Kühlschrank runter­ kühlen. Den Schlagrahm unterheben, im Kühlfach erkalten lassen (mind. 4 Std.). Biskuit  80 g Eigelb  10 g heisses Wasser, Salz  je 120 g Zucker und Mehl  160 g Eiweiss Eigelb mit dem heissem Wasser zur Rose schlagen, Zucker, Salz und Mehl unter­ heben. Das geschlagene Eiweiss darunter­ ziehen. Die Masse auf einer Backmatte ausstreichen (ca. 1 cm dick) und bei 190 Grad hellbraun backen. Abkühlen und Rondellen ausstechen (Ø ca. 10 cm). Karamell und Zwetschgenschnitze  150 g Zucker  100 cl Vieille Prune  1 Zimtstange  1 Vanillestange  8 Fellenberger Zwetschgen, in Schnitzen Zucker in einer Pfanne hellbraun karamel­ lisieren, mit Vieille Prune ablöschen, Zimtund Vanillestange dazugeben, aufkochen. Etwa vier Esslöffel beiseite stellen, den Rest über die Zwetschgenschnitze giessen. Mit Klarsichtfolie abdecken und bei Zimmer­ temperatur eine Stunde stehen lassen. Zum Anrichten Biskuitrondellen auf den Teller legen, mit der Kararmellsauce be­ streichen, Zwetschgenschnitze drapieren, eine Nocke Mousse obendrauf geben.

Fellenberger Zwetschgen (für 4 Personen) Zwetschgenmousse  250 g Milch  250 g Zwetschgenpüree (Marinello)  150 g Zucker  3 1/2 Blatt Gelatine  30 cl Vieille Prune  5 dl Vollrahm, geschlagen Milch mit Zucker aufkochen und die in kaltem Wasser eingelegte Gelatine darin Wollerauer Kalbsvariation: Kalbsrücken mit auflösen. Zwetschgenpüree, Vieille Prune Milken, Würstchen und Kürbisgnocchi.

Inseln Ufnau und Lützelau www.ufnau.ch Übernachten www.haus-zur-krone.ch Die Wanderung www.schwyzer-wanderwege.ch

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gruen genuss

„Sicher servieren wir keine Rochen mehr. Auch unser Thunfisch kommt definitiv nur aus nachhaltiger Fischerei.“ vorstellt und wünscht für sein Restaurant, er hat einen Lieferanten für Kirschen, «den habe ich schon als Kind gekannt». Aber: «Wir haben in diesem Jahr keine Erd­beeren serviert», sagt er dann auch noch, «die Qua­ lität der Schweizer Erdbeeren war heuer einfach nicht so, wie wir das hier verlan­ gen.» Wir schauen dann auf die Karte – und stellen fest, dass das Angebot für Vegeta­ rier nicht gerade ausufernd ist. «Ja», gibt Funke zu, «aber wenn uns die Gäste im Voraus bei der Reservierung mitteilen, dass sie gern vegetarisch speisen wollen, dann kreieren wir ein Menü ganz nach ihren Wünschen. Und das ist dann nicht einfach ein Gemüseteller.» Und nein: Der Genuss kommt bei so viel Sorgfalt in der Wahl der richtigen Pro­dukte nicht zu kurz. Funke, der unter anderem

schon im «Schloss» in Rapperswil und – wohl noch prägender – bei der Kochlegende Horst Petermann in den «Kunststuben» ge­ arbeitet hat, kocht auf sehr hohem Niveau, ist wunderbar kreativ, ohne es mit Mätzchen und Schäumchen und sonstigen Gadgets zu übertreiben.

Auch die Pasta ist von Hand und im Haus selbst gemacht, der Käse stammt aus dem Zürcher Oberland Auch die Preise sind überraschend fair im «Obstgarten», die Mittagsmenüs sind schon fast als Sonderangebot zu bezeichnen. Fünf Köche, eine stolze Anzahl, sind im wunderbar einfach und gerade deshalb sehr stilvoll eingerichteten «Obstgarten» mit sei­

Gediegen: das Bistro. Hier wird der Traditions­ küche saisonal ausgerichtetes Leben eingehaucht.


Acht Stufen führen zum Genuss: Die Küche des «Obstgartens» ist das Reich von Tobias Funke.

Auch bei den gebrannten Wassern setzt Hausherr Tobias Funke auf das Regionale.

nen verschiedenen Stuben beschäftigt, da ist ein solcher Aufwand, die massgeschneiderte Erfüllung aller Wünsche der Gäste, möglich. Der Aufwand, der in der Küche betrieben wird, ist gewaltig. So bietet Funke etwa einen «modernen» Rehpfeffer an, für den er das Filet vom Reh zwar schön lang in die Beize legt, dieses Fleischstück aber nach der Bestellung des Gastes aus der Beize nimmt, trocken tupft, à la minute anbrät und dann wieder in die Sauce gibt, die er aus einem Teil der Beize sowie anderen Betriebsgeheimnissen geschaffen hat. Das ist sehr viel Arbeit, doch das schmeckt auch ganz hervorragend. Auch die Pasta, alles von Hand und im Haus selbst gemacht. Käse? Eigentlich nur aus dem nahen Zürcher Oberland. Brot? Das wird für das GourmetRestaurant natürlich selber gebacken. Erleben wir hier die Geburt eines neuen hellen Sterns am Schweizer Kochhimmel? Die Wahrscheinlichkeit ist gross. Ausser vielleicht, wenn das Fernsehen den jungen, sehr begabten Mann entdeckt; zu hohe Bild­schirmpräsenz hat sich bisher noch immer negativ auf die Kochkünste ausgewirkt, und das wäre schade um das Können des Tobias Funke.


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2 Reto (l.) und Urs Bischofberger bestaunen die Model-Decke, die ihr Vater anfertigen liess.

Die Biberbäcker und ihr Schatz Sie haben Biberli im Blut. Kein Wunder, sind sie doch fast in der Backstube aufgewachsen. Die Brüder Bischofberger stellen in vierter Generation die Appenzeller Spezialität her – seit 2002 auch in Bio-Qualität.

Text: Lisa Merz / Fotos: Stephan Rappo Das grösste Geheimnis der Brüder Bischofberger? Die Gewürzmischung für ihre ­Bärli-Biber. Seit vier Generationen hüten sie es wie einen Schatz. «Nicht einmal un­ se­re Mut­ter kennt es», sagt Urs Bischofberger, 41, und zwinkert Bruder Reto, 45, zu. Zusammen haben sie vor zehn Jahren das Biber-Spezialhaus in Weissbad AI übernommen. Hier sind die beiden auch auf­ gewachsen. Die Fabrikräume dienten den Geschwistern damals als erweitertes Spielzimmer. «Wenn am Samstagnachmittag die Hallen leer standen, konnten wir uns richtig austoben!»

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Heute würde das wegen strengerer Hygie­ ne­vorschriften und der neuen Maschinen nicht mehr gehen. Eines aber, erzählen die Brüder, habe sich nie geändert: der Biberli-Duft, der in jeden Winkel der Fabrik ­dringe. Eine Mischung aus gerös­ teten ­Mandeln, Nelken und Honig. Die ­Bischof­bergers stellen alles selbst her: den Honigteig und die Mandelfüllung. Seit 2002 auch in Bio-Qualität. «Dank der ­natürlichen Rohstoffe wie Weizenmehl, Rohrzucker, ­Mandeln, Honig und Gewürzen sind Biber ideal für zwischendurch», sagt Reto Bischofberger. Achtzehn Angestellte schauen, dass der Teig gleichmässig ausgewallt wird, dass die Biberli richtig schön goldbraun gebacken werden und natürlich, dass das richtige ­Motiv den Biber ziert. «Ohne Prägung

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fehlt ihm etwas Entscheidendes», erklärt Urs Bischofberger. Im grossen FamilienFundus bewahren sie etliche Motive von original Appenzeller Bauernmalerei auf. Ihr ­ältestes Model, wie man die geschnitzten Holzvorlagen nennt, stammt von 1824. Der Bio-Biber kann sogar Auszeichnungen vorweisen. Bio Suisse verlieh dem KnospeProdukt vor drei Jahren den ersten Preis in der Kategorie Kleinbackwaren. Doch das beste Gütesiegel verleihen die Macher gleich selbst: Auch nach vierzig Jahren essen sie noch jeden Tag einen Bärli-Biber. 1 Aus den geschälten Mandeln entsteht die hausgemachte Füllung. 2 Erst die Prägung macht den Biber komplett. Das «Schölleschöttä»-Motiv verwendete schon der Urgrossvater. 3 Bio-Biber gibts im Coop für CHF 1.50.

Bischofberger Biber www.baerli-biber.ch Mehr über Coop Naturaplan www.naturaplan.ch Die Region www.ai.ch


publireportage

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Fotos: Martina Meier

Hagebutten – ernten ohne zu säen Stubenhocker, auf­ gepasst: Das Leben spielt sich draussen ab! Also raus aus dem weichen Sofa, rein in gute Schuhe – und auf gehts zu einem Spaziergang in der klaren Herbstluft. Ich und meine Frau Ursula gehen jeden Tag raus, unser Labrador würde sonst rebellieren. Und was wir da alles nach Hause bringen! Gestern kam Ursula mit «Tierli»-Beeren heim, den sauren Beeren der Dirlitze, auch Kornelkirsche genannt. Daraus gibts wunderbare Konfi. Die Vögel mögen sie, und wir Menschen machen einen grossen Fehler, wenn wir wild wachsende Früchte gering schätzen. Das ist ernten, ohne zu säen – die Natur bietet dem Kenner eine Fülle von Gaben! Zu ihnen gehören auch Hage­ butten – nichts anderes als die Früchte von wilden Rosen. Nach der Blüte entsteht aus dem Blütenboden die orange­ rote Hagebutte, die, korrekt ausgedrückt, eine Scheinfrucht ist. Scheinfrucht, weil die ­vielen kleinen Nüsschen unter der Schale die eigentlichen Früchte sind. Wer erinnert sich nicht, als Kind Hagebutten geöffnet und die pelzigen Nüsschen den Gschpänli unters Hemd gesteckt zu haben? Um dann zu lachen, weil die Früchtchen schrecklich jucken. Solche Erinnerungen begleiten einen das ganze Leben.

gruen kolumne

chrüter-oski

Hagebutten sind Vitamin­bomben. Gekocht geben sie Desserts, roh auf­ geschnitten Juckpulver.

Hagebutten sind aber nicht nur schön anzusehen, weil sie oft noch als einziger Farbtupfer leuchten, sondern auch weil sie sehr gesund sind: Hagebutten haben extrem viel Vitamin C – die Natur hat vorgesorgt, dass wir auch in der frostigen Jahreszeit zu unseren Vitaminen kommen. Ich ziehe diese natürlichen Vitamine jeder Brausetablette vor. Am liebsten sind mir die Hage­butten der Hundsrose: Die sind etwas grösser. Aber auch alle anderen eignen sich. Am meisten findet man an Waldrändern, Bachläufen und in Hecken.

Die Konfi ist schnell gemacht: 1,5 kg Hagebutten waschen und grob schneiden, mit 750 g geraffelten Äpfeln, 2 dl Wasser, 1 dl Rotwein und 1,2 kg Zucker 30 Minuten kochen, durch ein Sieb streichen und in Gläser füllen. Zu meiner Zeit als Wirt haben wir pro Jahr sicher an die 650 Gläser gemacht. Der daraus hergestellte Hagebutten­ kuchen war eines der beliebtes­ ten Desserts. Er ist auch das per­ fekte Zvieri nach dem Herbstspaziergang! Oskar Marti, 62, hat mit seiner Frau Ursula 25 Jahre lang die «Moos­pinte» in Münchenbuchsee BE geführt. Heute berät er Gastrounternehmer.

gruen rezept hagebuttentorte zum verlieben Mürbeteig: 180 g Mehl, 1 Prise Salz, 50 g Zucker, 100 g Butter, 2–3 EL Wasser Guss: 150 g Puderzucker, 5 Eier, 6 EL Hagebuttenkonfi Mehl, Salz und Zucker mischen, Butter in Flocken zugeben, alles gut verreiben. Wasser bei­ geben, zu Teig zusammenfügen, 30 Minuten ruhen lassen. Kuchen­ blech auslegen, Zutaten für den Guss vermischen, über den Teig verteilen. Im vorgeheizten Ofen bei 160 Grad 40 Minuten backen. Mit Rahm servieren.

Oskar Marti www.chrueteroski.ch Bücher www.at-verlag.ch Das Lied dazu www.wikipedia.org – «Ein Männlein steht im Walde»

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gruen city-trip Herbstlich im Dreiländereck unterwegs: erst in Rheinfelden flanieren, dann am Markt in ­Lörrach einkaufen und von Riehen aus durch die Reben spazieren.

Text: Barbara Halter Fotos: Gina Folly Schmale, malerische Gassen mit Kopfstein­ pflaster, versteckte Hinterhöfe und ­barocke, herausgeputzte Fassaden – wer Rhein­felden AG nicht kennt, staunt ob der charmanten kleinen Altstadt. Am Samstagmorgen ste­ hen in der zentralen Marktgasse ein paar hübsche Stände: Bei Brogli’s vom Widmatt­ hof in Zeiningen liegt knuspriges, selbst ge­ backenes Holzofenbrot in den Auslagen, Trockenfleisch aus Freiland­haltung, Ein­ gemachtes wie süsse Rüebli-Konfitüre und viel saisonales Gemüse. Die Tische biegen sich fast wegen der riesigen Kürbisse. Wil­ li Brogli hilft bei der Auswahl und hat auch gleich ein Rezept parat: «Der ButternussKürbis schmeckt gebraten sehr gut. Man schneidet ihn in feine Scheiben und backt ihn im Ofen.» Vom Markt sind es nur ein paar Schritte bis zum weiss-roten Storchennest-Turm. Davor befindet sich auf der linken Seite das Keramikatelier von Christine Burch. Über einen sonnigen, gelb gestriche­

Rheinfelden entdecken: GRUEN-Redaktorin Barbara Halter in der Tempelgasse.

Dreiländereck

Ein Grenzgang mit Genuss 84

Rheinfelden www.widmatthof.ch www.tourismus-rheinfelden.ch www.kurzentrum.ch www.rheinfeldenmedical.ch www.baslerpersonen


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1 Gutedel und Spätburgunder – Rotweine der deutschen Winzergenossenschaft ­Haltingen tragen das Ecovin-Label. 2 Ein Stück «Himmlische Johannisbeer­ torte» schlemmen und die kostbare Tapete im Café Inka in Ötlingen bewundern. 3 Hofladen in Ötlingen: Auswählen und ein paar Euros ins Kässeli werfen. 4 Farbenfroh und klar: die Keramiksachen von Christine Burch in Rheinfelden. 5 Knusprig: Zopf und Holzofenbrot von den Broglis am Markt in Rheinfelden. 6 Gemüsewähe bei «Ninas selbst gemachten Spezialitäten» am Lörracher Markt. 7 Sicht vom Dreiländerblick in Ötlingen über den Weinweg und das Markgräflerland.

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8 Ohne einen bunten Herbststrauss verlässt keiner Lörrach. Der Markt in der Innenstadt ist weit herum bekannt.

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schifffahrt.ch www.augustaraurica.ch Die Stoffe bei Prachmais www.amybutlerdesign.com www.michaelmillerfabrics.com

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gruen city-trip

nen Hauseingang betritt man ihr liebevoll eingerichtetes Geschäft. Ihr Sortiment be­ steht aus pastellfarbenem Alltagsgeschirr mit Müeslischalen, Tassen und Krügen. Sie stellt aber auch hauchdünne weisse Wind­ lichter aus Porzellan her und drollige Wich­ tel mit geraden roten Kappen – alles Unika­ te, jedes trägt einen Namen. Geht man im Geschäft eine kleine Stufe hoch, steht man in Burchs offenem Atelier. «Mir ist es wich­ tig, dass die Kunden das Handwerk erleben können, den Ton riechen und sehen, wie meine Sachen entstehen.» Es gilt einfach: «Berühren verboten.» Wer dem nur schwer widerstehen kann, meldet sich für einen Kurs bei Christine Burch an. Ebenfalls aktiv und kreativ betätigen kann man sich im Hinterhof des gleichen ­Hauses. Hier hat Simone Schöttli ihre ­Nähwerkstatt Prachmais eingerichtet. Unter der Woche stehen jeden Morgen von neun bis elf Uhr vier Arbeitsplätze zur ­Verfügung. Die ­Stunde kostet fünfzehn Franken, dafür steht einem Simone ­Schöttli als Unterstützung zur Seite. Ihr ­alter Bauernschrank ist voll­ gestopft mit bunten Stoffen und Bändern. «Ich liebe die amerikanischen Quiltstoffe von Amy Butler oder Michael Miller.» Als Inspira­tion dienen auch die vielen ­genähten ­Sachen von Schöttli, die sie verkauft: Kos­ me­tikbeutel, Sommerjupes, Brillen­etuis oder Schals. Mutig mixt sie gemusterte Stoffe miteinander, verziert sie mit bunten Pompons oder romantischen Blumen­ stickereien – ein Stil, der gleich gute ­Laune verbreitet.

Der Markt in Lörrach ist so ­beliebt, dass sich die Leute ­zwischen den Ständen stauen Wir verlassen Rheinfelden und gehen nach Lörrach. Der Markt dort ist weit herum ­bekannt und beliebt – vor allem die Basler fahren gern am Samstag über die Grenze nach Deutschland. Auf dem Marktplatz drängt sich Stand an Stand – rund 150 «Be­ schicker» sind offiziell jeden Samstag da. Manchmal ist das Durchkommen fast un­ möglich, Kinderwagen und Leute mit prall gefüllten Taschen verstopfen die ­schmalen Gassen. Aber wir haben Zeit und lassen uns gemütlich über den Platz treiben. Bestau­ nen die ländlichen bunten Blumensträusse, schauen den Bäuerinnen beim Abwägen der süssen Zwetschgen zu – natür­lich darf man vor dem Kauf probieren. Und wir schmunzeln über die Kinder, die munter die zum Degustieren aufgeschnittenen Salami­ scheibchen bei Raymondo Delikatessen futtern. «Sorgfältig ausgewählte Exklusiv­

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produkte» werden hier verkauft. Alpkäse, Salami und der Speck mit der ­Kräuterkruste kommen aus kleinen Sennereien und Metz­ gereien, die Raymondo ­Minias alle persön­ lich kennt. Ganz unscheinbar ist der Käsestand von Andreas Marek: «Wir beschränken uns bewusst auf eine kleine, feine Auswahl an Berg-, Butter- und Ziegenkäse.» Die neun Sorten liefern eine Sennerei-Genossen­ schaft aus dem Bregenzerwald und ein Ein­ mannbetrieb im Westallgäu. Daneben gibt es auch Butter zu kaufen, diese ist wie der Käse aus Rohmilch. Die Kühe werden nur mit Gras oder Heu gefüttert. «Sobald sie ­Silofutter bekommen, hat der Käse einen leicht bitteren Abgang.» Jeden Samstag ­gehen fünfzig bis siebzig Kilogramm Käse über den Ladentisch, besonders der

Gerber, der den «Wilden Mann» leitet. Zum Glas Wein aus der Region geniesst man hier einen typischen Flammkuchen. Vegetarier wählen die Variante Tomaten-Mozzarella. Für ein kleines Mittagessen empfiehlt sich auch das Café-Bistro Glashaus am Chester­ platz. Wenn es genug warm ist, kann man draussen an der Sonne sitzen. Bedient wird man von einem Team von Menschen mit und ohne Behinderung – das geht manch­ mal etwas länger als gewohnt, aber ge­ schieht mit sehr viel mehr Sorgfalt und Liebe als anderswo. Auf der Karte stehen Salate, gebackene Kartoffeln oder Gemüse­ kuchen – alles frisch aus biologischen und saisonalen Produkten zubereitet.

„Wir lassen uns über den Markt treiben. Schauen den Bäuerinnen beim Abwägen der Zwetschgen zu, die man vor dem Kauf natürlich probieren darf.“

Die Region um Lörrach ist im Herbst wunderschön, man muss unbedingt raus in die Natur. Für den Nachmittag fahren wir weiter nach Riehen BS und nehmen dort den ausgeschilderten Weinweg. Zehn Minuten von der Fondation Beyeler entfernt geht eine steile Treppe hoch, die einen mitten in den Schlipf führt. Am unteren Teil des Tüllinger Hügels bewirtschaftet die Gemeinde Riehen auf 3,5 Hektaren einen eigenen Rebberg, wo hauptsächlich die Sorten Blauburgunder und Riesling-Sylva­ ner wachsen. Im September wird unter der Leitung von Rebmeister Jakob Kurz «ge­ herbstet» – die Trauben gelesen. «Ich bin zufrieden. Der Öchslegrad im Wein wird ähnlich gut wie im letzten Jahr», sagt Kurz. Die Riehener Trauben werden bei Coop ge­ keltert und dann vom Grossverteiler und der Gemeinde selbst vertrieben. Die Schlip­ fer-Weine tragen das Label Vinatura. Der Aufstieg im «Schlipf» – der Name kommt vom lehmigen, leicht rutschenden Untergrund, der dazu führt, dass alle paar Jahre die Grenzsteine zwischen der Schweiz und Deutschland neu verlegt werden müs­ sen – bringt einen leicht ins Schwitzen. Bald erreicht man den alten Grenzstein mit einem geschmiedeten Weinmandli. Hier kann man rechts abbiegen, die Schlaufe des Tüllinger Weinwegs machen – und im Wii­schänk zuem Dülliger Schnägg ein­ kehren. Die Einrichtung des kunterbunten Lokals ist nichts für Puristen, doch für ein Glas neuen Wein lohnt sich der Halt alle­ mal. Der «Dülliger Schnägg» ist eine typi­ sche Straussenwirtschaft, vergleichbar mit den Schweizer Besenbeizen. Die «Straus­ sis» dürfen maximal 16 Wochen im Jahr ge­ öffnet haben. Der «Dülliger Schnägg»

Heumantelkäse, dessen Schale mit fünf ver­ schiedenen Blüten verfeinert ist, ­schwindet ruckzuck. Bei Ninas selbst gemachten Speziali­ täten findet man süsse oder salzige Wähen, jetzt im Herbst zum Beispiel mit KürbisFüllung. Nina Ulrich stellt, der Firmen­ name sagts, alle ihre Produkte selbst her und verwendet nur biologische Zutaten. Neben den Wähen bietet sie an ihrem Stand eine grosse Auswahl an Gläschen mit Brotaufstrichen wie Hummus oder OlivenCreme und süsse Konfitüren an. Wenn die Taschen gefüllt sind, kehrt man beim Wilden Mann ein – falls man sich ­einen Platz ergattern kann. Denn am Sams­ tag trifft sich hier ganz Lörrach. Zuerst zu Kaffee und Gipfeli, ab elf Uhr fliessen dann Bier und Prosecco. Regionale Produkte, teilweise aus biologischem Landbau, sind den Betreibern wichtig. «Speziell bei uns ist die Rohmilch, die wir für unseren Cappuccino verwenden», sagt Hanspeter

Raus in die Natur – der Weinweg von Riehen nach Ötlingen ist im Herbst besonders schön

Lörrach www.loerrach-landkreis.de www.burghof.com www.nellie-nashorn.de www.naturpark-suedschwarzwald.de www.schwarzwald-touris


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1 Bergkäse aus Rohmilch gibt es bei Andreas Marek auf dem Lörracher Markt. 2 Unterwegs auf dem Weinweg: Die Route führt von Riehen über Tüllingen bis nach Ötlingen. 3 Herbstliches auf dem Markt: Rund 150 «Beschicker» kommen jeden Samstag nach Lörrach. 4 «Herbsten» im Schlipf: Hier bewirtschaftet die Gemeinde Riehen ihren eigenen ­Rebberg. 5 Bringen Farbe ins Leben: die süssen ­Kosmetiktäschli von Prachmais. 6 Probieren! Jägersalami und Südtiroler Cacciatori bei Raymondo Delikatessen. 7 Es gärt in der Flasche – der neue Wein vom Markt muss schnell weg. 4

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8 Im «Wilden Mann» in Lörrach trifft man sich nach dem Markt zum Frühschoppen.

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mus.info Riehen www.verkehrsvereinriehen.ch www.arena-riehen.ch www.kunstinriehen.ch www.fondationbeyeler.ch www.naturbadriehen.ch

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gruen city-trip

öffnet im Frühling zur Spargelzeit. Im Herbst schenken sie eigenen Wein aus und servieren dazu Deftiges wie «Zwieble­ waie» oder «Buurespeck». Wer nochmals ein bisschen gehen mag, be­ sucht das alte Kirchlein Sankt Ottilien auf dem Tüllinger Berg. Von hier aus geniesst man einen schönen Blick auf Lörrach, Riehen und Basel. Diesen Ausblick sollen schon die drei Schwestern Chrischona, Margaretha und Ottilia genutzt haben, die verteilt auf dem Dinkelberg oberhalb von Bettingen, in Binningen sowie auf dem ­Tüllinger Berg in Einsiedeleien lebten und sich am Abend mithilfe von brennenden Öllämpchen gute Nacht wünschten. Wir folgen weiter dem Weinweg Richtung Ötlingen. Der gemütliche Spazierweg führt durch die grünen Rebberge mit Blick auf Weil am Rhein. Fünfzig rote Thementafeln informieren, verteilt auf dem Weg, über den Weinbau: über die angebauten Sorten, die unterschiedlichen Traubennamen in der Schweiz und in Deutschland, den Boden, den Alltag der Winzer. Die hier angebauten Gutedel (Chasselas) oder Spätburgunder (Pinot noir) landen grösstenteils in der Haltinger Winzergenossenschaft. Keller­ meister Markus Büchin ist zu dieser Jahres­ zeit täglich in den Weinbergen unterwegs, probiert die Trauben und entscheidet, wann geerntet wird. Eine kleine Fläche wird auch ökologisch bewirtschaftet, daraus entsteht Wein mit Ecovin-Label. Übrigens: Der Kellermeister sieht es gar nicht gern, wenn die Wanderer Beeren aus den Trauben ­klauben (zugegeben, die Versuchung ist gross …). «Das lockt die Wespen an.» Ganz neu bietet die Winzergenossenschaft im September eine Art Schnupperkurs an, bei dem man für ein paar Stunden mit Eimer und Schere in die Weinberge steigt, Trau­ ben ablesen kann und dazu allerlei Interes­ santes über den Weinbau erfährt.

Ötlingen ist schnell erkundet, doch das Café Inka darf man auf keinen Fall verpassen Nach einem lockeren einstündigen Spazier­ gang erreicht man das Dörfchen Ötlingen, das auf einem kleinen Hügel thront. Ein­ gangs des Dorfes befindet sich der Drei­ länderblick mit gleichnamigem Restau­ rant. Von hier gibts einen schönen Ausblick übers Markgräflerland bis nach Basel. In der Ferne sieht man das Elsass und die Vogesen. Der Gang durchs charmante Weindörfchen ist schnell erledigt – man soll es aber auf keinen Fall wieder verlassen, bevor man

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nicht das Café Inka gesehen hat. Ein Pfeil weist von der Hauptstrasse den Weg in den schönen Innenhof, um den sich das denk­ malgeschützte landwirtschaftliche Anwe­ sen der Familie Koger gruppiert. Im Som­ mer stehen dort auf dem Kopfsteinpflaster einige Bistro-Tische. Wer im Hof sitzt, soll unbedingt einen kurzen Blick in die Gast­ stube werfen. Die Wände des ehemaligen Festsaals sind mit einer alten Tapete ausge­ kleidet, die 1819 bei Dufour & Leroy in Pa­ ris gedruckt wurde. Sie zeigt Ereignisse aus dem Leben der Inkas vor der Eroberung durch den Spanier Francisco Pizarro. Wie das wertvolle Stück nach Ötlingen kam, ist leider unbekannt. Nach der Schliessung des Restaurants verfiel der Festsaal in eine Art Dornröschenschlaf – er diente ganz plump als Abstellkammer. Erst in den Achtziger­ jahren wurde die Tapete aufwendig reno­ viert, und 1994 eröffneten Christine Koger

„Am Nachmittag schlemmt man im Café Inka, typisch deutsch, Kaffee und Kuchen. Zehn verschiedene Torten und Kuchen stehen täglich zur Wahl.“ und ihre Tochter Barbara das Café Inka. Am Nachmittag schlemmt man hier, typisch deutsch, Kaffee und Kuchen. Die Glasvitri­ ne bei der Theke wird täglich mit einer Aus­ wahl an leckeren Torten und Kuchen be­ stückt. Daneben gibt es kleine vegetarische Speisen. «Wir stellen alles frisch her und verwenden hochwertige regionale Produk­ te. Fertig- und Halbfertigprodukte gibt es in unserer Küche nicht», sagt die Inhaberin. Nach der «himmlischen Johannisbeertorte» tut ein bisschen Bewegung ganz gut, wir machen uns auf den Rückweg nach Riehen. Doch beim Hofladen, gleich um die Ecke des Cafés Inka, wird nochmals gestoppt. In den Auslagen liegen saisonale Gemüse und Früchte. Man nimmt, was man möchte, und legt die Euros passend in die Kasse: Ein Glas Erdbeerkonfitüre ist genau das rich­ tige Mitbringsel vom Schlemmertag im Dreiländereck.

adressen und öffnungszeiten Märkte Rheinfelden Mi und Sa 8–13 Uhr in der Marktgasse. www.rheinfelden.ch Lörrach Di, Do und Sa 7–13 Uhr auf dem neuen Marktplatz. www.loerrach.de einkaufen Keramikatelier Christine Burch Kupfergasse 11, Rheinfelden. www.ch-keramik.ch Prachmais Nähwerkstatt Simone Schöttli, Kupfergasse 11, Rhein­felden, Mo–Fr 9–11 Uhr. Anmeldung: Tel. 076 511 44 64. www.prachmais.com Riehener Schlipfer Werkhof der Gemeinde Riehen, Haselrain 65, Mo–Fr 8–12 und 14–16.30 Uhr. Im ­Ökonomiehof an der Rössligasse 61 ­findet jeden vierten Freitag im Monat eine Degustation mit Beratung (15.30–18 Uhr) statt. www.riehen.ch Winzergenossenschaft Haltingen Winzerweg 8, Weil am Rhein-Haltingen, Mo–Fr 8–12 und 14–18 Uhr, Sa 9–13 Uhr. www.wg-haltingen.de RESTAURANTS zum wilden Mann Basler Strasse 172, Lörrach, täglich 9–24 Uhr, Fr und Sa bis 1 Uhr, So 15–24 Uhr. www.zum-wilden-mann.com Café-Bistro Glashaus Chesterplatz 9, Lörrach, Mo–Sa 8–18 Uhr. www.glashaus-loerrach.de Café Inka Dorfstrasse 95, Weil am RheinÖtlingen, Di–Sa 12–18 Uhr. STRAUSSENWIRTSCHAFT Wiischänk zuem dülliger schnägg Dorfstrasse 27, Lörrach-­ Tüllingen, Mi und Do 18–23 Uhr, Fr 18–24 Uhr, Sa 17–24 Uhr, So 11.30–21 Uhr. Die Herbstsaison 2010 dauert bis 21. November. www.schnaeggestraussi.de DER WEINWEG Der grenzüberschreitende Weinweg ver­bindet die drei Gemeinden Weil am Rhein (Deutschland), Lörrach und Riehen (Schweiz). Er ist vier Kilometer lang und lässt sich in zwei Stunden gemütlich ­begehen. www.derweinweg.de

Weil am Rhein www.weil-am-rhein.de www.onlinetour-weil.de www.design-museum.de www.vitra.com Ökologischer Wein www.viti


Illustration: Anna Haas

swiss.ch (Vinatura) www.ecovin.de Dreil채ndereck www.tourismtrirhena.com www.wandersite.ch/Dreilaendereck.html

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Green lounge präsentiert von

«Die Natur pflegen» Ein Verein, drei Aufgaben. Patrick T. Fischer engagiert sich mit dem Verein Grünwerk für Naturschutz – in der Schweiz und in Kamerun. Mit nachhaltigem Erfolg.

Pro Jahr werden rund 4000 Arbeitstage von Zivildienstleistenden absolviert. Was machen sie genau? Wir gehen in Naturschutzgebiete, die von Verlandung oder Verbuschung bedroht sind – in den Kantonen Zürich und Schaffhausen. Auch Naturschutzgebiete brauchen Pflege, sonst geht die Artenvielfalt verloren! Früher wurden diese Arbeiten durch die öffentliche Hand bezahlt, heute fehlt das Geld dazu, weshalb wir Zivildienstleistende einsetzen. Wie beliebt ist das Angebot? Wir sind bis 2011 ausgebucht. Besonders schön ist, dass einige Absolventen des ­Einsatzes ihren Berufswunsch geändert haben und nun etwas lernen oder studieren, was mit Natur und Umweltschutz zu tun hat. Das ist wahre Nachhaltigkeit!

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Ein weiterer Schwerpunkt ist Jugend und Natur. Was tun Sie da genau? Schulklassen arbeiten mit uns in Naturschutzlagern. Und Jugendliche, die eine Auszeit brauchen, leisten Kurzeinsätze bei uns, um in Schule und Alltag den «Rank» wieder zu finden. Im MoZi, unserem mobilen Klassenzimmer, erleben und ­erforschen Kinder den natürlichen Lebensraum von Tieren und Pflanzen, zum Beispiel mit einem Blick durch das Mikroskop. Wie sieht Ihr Engagement in Kamerun aus? Wir haben ein Hilfswerk übernommen, das im Süden von Kamerun aktiv ist – in einer Region, wo sonst keine anderen Hilfswerke tätig sind. Dort gibt es Tropenwald, der aber durch Rodung stark bedroht wird – mit verheerenden Folgen. Wir arbeiten mit Forschungsanstalten, haben über ­hundert lokale Kooperativen aufgebaut und schulen die Bauern in Umweltschutz. Was nützt das? Wenn sich die Bauern zusammentun, sich in landwirtschaftlichen Techniken schulen lassen und die Vermarktung gemeinsam angehen, gibt das ein Einkommen, mit dem sich anständig leben lässt. Das verhindert,

dass weiter Tropenwald abgeholzt wird, allein um Geld zu verdienen. Wie nachhaltig sind Ihre Aktivitäten? In Südkamerun soll aus Eigeninitiative eine Sparkasse und eine Kooperative gegründet werden. Fantastisch! www.verein-gruenwerk.ch Das ganze Interview im Web-TV: www.schweizer-illustrierte.ch

swisscanto green lounge green lounge Swisscanto engagiert sich seit 1998 erfolgreich auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit – damit auch kommende Generationen ein Leben in einer gesunden Umwelt und einer intakten sozialen Umgebung führen können. Als führender Vermögensverwalter der Kantonalbanken fühlt sich Swisscanto den Themen Umwelt und Soziales verpflichtet und ermöglicht in der Green Lounge verschiedenen Organisationen, ihre Ideen und Initiativen vorzustellen. www.swisscanto.com, www.natur.ch

Foto: Geri Born

Der Verein Grünwerk engagiert sich in drei Bereichen. Welche sind das? Der Verein wurde im Jahr 2000 ursprünglich gegründet, um ein Angebot für Zivildienstleistende zu schaffen. Wir setzen sie im Bereich Naturschutz ein und haben grossen Erfolg damit. Daraus entwickelte sich dann das Programm «Jugend + Natur». Zudem sind wir in Südkamerun mit der Stiftung Fonjak aktiv.

Patrick T. Fischer ist Gründer und Geschäftsleiter des Vereins Grünwerk.


Money gruen

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oase in Paris entgiften mit stil Wieder mal nach Paris! In den TGV hüpfen und wenige Stunden später im Hôtel Gabriel einchecken. Das Boutique-Hotel Garni liegt nahe des MaraisQuartiers, die Zimmer sind hell und ruhig, das Personal ausgesprochen freundlich. Es ist das erste Detox-Hotel von Paris: Das biologische Frühstück, das harmonische Ambiente, ein spezieller Behandlungsraum und Bio-Pflege sorgen für Entgiftung und helfen den Gästen, ihre Batterien wieder aufzuladen. www.gabrielparismarais.com

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gruen auto

«ICH FAHRE GRUEN»

Carlos Leal: „Umweltschone Autofahren ist mir wichtig.“ facts & figures Toyota Auris Hybrid

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 Antrieb Hybridantrieb 1,8-LiterVierzylinder (99 PS) und zwei Elektromotoren (82 PS); maximale Systemleistung (136 PS)  Leistung 0 bis 100 km/h 11,4 s; Spitze 180 km/h  Verbrauch 3,8 l/100 km, CO2 89 g/km; Energieeffizienz A  Masse (L×B×H) 4,25 m, 1,76 m, 1,51 m; Kofferraum 279 bis 1260 l  Preis ab CHF 33 900.–

Mit der Hip-Hop-Gruppe Sens Unik gibt Carlos Leal gerade sein Comeback. Auf der Strasse setzt der Schauspieler auf den Toyota Auris Hybrid.

sich die Rolle als Casino-Direktor im BondStreifen «Casino Royale». Nach Rollen in einer spanischen TV-Serie und diversen ­Filmen, unter anderem Hauptrollen in «Verso» und «Sennentuntschi», lebt der 41-Jährige inzwischen mit der belgischen Schauspielerin Jo Kelly und dem gemeinsamen Sohn in Madrid und Los Angeles.

Text: Jürg A. Stettler / Fotos: Tobias Sutter Der Schauspieler und Musiker Carlos Leal kam 1969 als Sohn spanischer Immigranten in Lausanne zur Welt. Er absolvierte eine Lehre als Tiefbauzeichner und gründete zusammen mit Freunden 1990 die Hip-HopBand Sens Unik. 2005 verliess er die Gruppe und wandte sich der Schauspielerei zu. Mit einem Zaubertrick beim Casting sicherte er

Sie haben spanische Wurzeln. Sind Sie ein temperamentvoller Autofahrer? Nein, ich bin «très» cool und auch sehr relaxt. Das ist übrigens auch eine gute Beschreibung für meinen Fahrstil. Ziemlich zahm für einen Hip-Hopper. Da erwartet man eher einen blubbernden V8 als einen Toyota Auris Hybrid …

Carlos Leal www.carlosl.com Toyota www.toyota.ch Sens Unik www.laut.de/Sens-Unik Infos zu Hybrid-Fahrzeugen www.hybrid-


Verkehrsmittel. In L. A. ist das etwas anderes, da benutze ich meistens das Auto. Das muss man in Amerika, denn der Grossteil des Lebens vom Shoppingcenter ausserhalb des Zentrums bis hin zu Drive-in-Schaltern von Banken ist auf Autos ausgelegt.

„Allein die Tatsache, dass noch jemand nach mir kommt, der diese Welt benutzen muss, lässt mich in­­ tuitiv anders denken.“

dem Einsteigen ja nicht jedes Mal genau überlegen, wo ich hin will oder wie weit es bis zur nächsten Steckdose ist.

ndes Mag sein, aber die Umwelt und umweltschonendes Autofahren sind mir wichtig. Auch wenn in der letzten Zeit ein regelrechter Hype darum entstanden ist. Diese Sensibilisierung eines grossen Teils der Bevölkerung für Umweltthemen sollte man unbedingt nutzen. Meinen Hybrid-Auris, den ich vor allem bei Terminen in der Schweiz fahre, finde ich ein gutes Beispiel für umweltverträgliche Mobilität. Wären Sie bereit, auf ein Elektrofahrzeug umzusteigen? Für Elektromobile ist meiner Meinung nach die Zeit noch nicht ganz reif. Die Technik ist für den Endkunden noch zu umständlich im Handling, die Reichweiten noch zu gering und die Kosten zu hoch. Ich will mir vor

Wie sehen Sie die Mobilität der Zukunft? Man sollte die Sonnenenergie besser nutzen und auch die Produktion von künstlichen Treibstoffen vorantreiben. Nur so können wir den heute noch immer sehr hohen Benzinund Dieselbedarf der Welt weiter senken. Können Sie sich an Ihr erstes Auto ­erinnern? Klar, ich habe vor dem Toyota bislang nur drei Autos gehabt. Das erste war ein Volvo P 121 Kombi, danach hatte ich einen Volvo P1800 und einen Jaguar XJ8.

Gibt es etwas, das Sie auf Schweizer Strassen nervt? Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Baustellen es hier gibt. Unglaublich, ich muss einmal mit dem Vorsteher des Verkehrsdepartements sprechen. Es muss irgendeine Mafia geben, die darauf besteht, dass es so viele Baustellen gibt. Irgendwann will ich wissen, wer meine Steuergelder in Asphaltprojekte steckt. Worauf können Sie am Steuer nicht verzichten? Musik. Im Radio kommt aber meist so viel Schrott, dass ich lieber CD höre oder meinen MP3-Player anhänge. Am besten mit Musik zum Chillen, um mich nach einem harten Alltag zu erholen. Haben Sie einen Glücksbringer an Bord? Nein, was ich jedoch sicher im Auto habe, ist ein «Bordell» (lacht). Es gibt Essensreste, Spielsachen von meinem Sohn Elvis, Zeugs von mir oder meiner Frau. Im Wagen siehts teilweise richtig schlimm aus. Was tun Sie neben Ihrem Hybrid-Auto um Ressourcen zu sparen? Ich kann mir durchaus vorstellen in einem Minergie-Haus zu leben. Zugegeben, mein Zweitwohnort Amerika ist momentan nicht gerade ein Vorbild für den Umweltschutz.

Hat sich Ihre Einstellung zur Umwelt seit der Geburt Ihres Sohnes verändert? Wodurch unterscheidet sich der Toyota Ja. Allein schon die Tatsache, dass noch Auris Hybrid am meisten von konventiojemand nach mir kommt, der diese Welt nellen Autos? benutzen muss, lässt mich Neben dem umwelt­ intuitiv anders denken freund­lichen Antrieb durch und handeln. Ich hoffe, die vielen Warnsysteme für Elvis wird die Sorge mit ihren Signaltönen. um die Umwelt einst Da fühle ich mit allen Tonetwas ganz Normales technikern mit, denn für sein. Obwohl er übrigens die sind moderne Wagen Sinnvoller Einsatz schon jetzt sehr gern ein ­Horror beim Filmen. Setzen Sie «Verbraucher» Auto fährt. Meist schläft Im dümmsten Moment wie zum Beispiel Sitzheizung er dann innert kürzester beginnt meist irgendwas oder Klimaanlage nur dann Zeit ein. Was wir auch zu piepsen. ein, wenn Sie diese tatsächschon genutzt haben, als lich benötigen. Daher: Bei er nicht einschlafen wollte. Als Schauspieler sind offenem Fenster oder SchieSelbst wenn dies nicht Sie viel unterwegs, meist bedach die Klimaanlage optimal für die Umwelt, im Auto? ausschalten. Denn die kann aber gut für die Nerven Nein, in Madrid oder je nach Auto den Verbrauch der Eltern war … Paris nutze ich öffentliche um bis 30 Prozent erhöhen.

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autos.info Carlos Leal www.myspace.com/lealcarlos Innovative Toyota-Antriebskonzepte www.de.toyota.ch/innovation/hybrid

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Der Super-Stromer

Mercedes SLS E-Cell Ab 2013 will Mercedes seinen Super-Sportwagen SLS als sprintstarkes E-Fahrzeug mit 533 PS, 250 km/h Spitze und 200 km Reichweite lancieren. Äusserlich unterscheidet sich der knallgelbe Super-Stromer nicht vom 571-PS-Benziner. Im Cockpit prangt jedoch statt einer Tachonadel eine Tachoscheibe, und statt des Tourenzählers klärt eine Digitalanzeige über Kraftfluss und Restkapazität des 450-Kilo-Akkus auf. Äussert imposant gestaltet ist auch die Mittelkonsole, die von einem grossen Touchscreen im iPad-Format dominiert wird. Zu kaufen ist die E-Flunder ab 2013 ab rund CHF 560 000.–. www.mercedes.ch

Stop and Go für alle Audi A1 Der neue A1 bietet Audi-Vollwertkost mit schickem Styling und edlem Interieur, aber alles auf bloss 3,95 m Länge. Audis Kleinster ist zwar kein Raum-, dafür ein Kurvenkünstler und vermittelt viel Fahrspass. Gleichzeitig schont er, egal mit welcher Moto­ risierung (86 bis 122 PS), sogar die Umwelt. Denn alle Modelle sind serienmässig mit einem Stopp-Start-System ausgerüstet. Zu ­kaufen ist der A1 ab CHF 24 900.– . www.audi.ch

Klein, aber oho – dank TwinAir Fiat 500 C TwinAir Durch Reduktion des Hubraums, elektrohydraulische Ventilsteuerung (MultiAir) und Turbo minimiert Fiat die Emissionen seiner Modelle. Der neuste Zweizylinder-Benziner presst so aus 0,875 Liter Hubraum 85 PS. Vorerst wird er im Fiat 500 und 500 Cabrio eingebaut. Damit sprinten diese in 11 Sekunden auf 100 km/h, benötigen aber nur 4,0 l/100 km. Preis: ab ca. CHF 20 000.–. www.fiat.ch

Der Grüne Lotse

Dank Garmin EcoRoute HD findet man nicht nur schnell zum nächsten Fahrziel, sondern kann sich dank der Option «weniger Benzin» auch sparsam lotsen lassen. www.garmin.ch

Eruf stormster Der Porsche-Spezialist Ruf zeigte vor zwei Jahren den 911er mit Elektroantrieb. Nun haben die Deutschen die Technik in den Cayenne verpflanzt. Resultat: ein lautloser SUV mit 367 PS, aber ohne Emissionen und mit einer Reichweite von bis zu 180 Kilometern. Möglich machts Technik von Siemens, welche Motor und Leistungselektronik liefert. Der Preis: ab ca. CHF 320 000.–. www.ruf-automobile.de oder www.siemens.ch

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Alles zu Stopp-Start-Systemen de.wikipedia.org/wiki/Start-Stopp-System Die sparsamsten Autos www.autoumweltliste.ch

Fotos: zvg

Mit Strom ins Gelände


Optisch ist dem E-Golf die fortschrittliche Technik nicht anzusehen. Ein Display in der Mittelkonsole verrät Details zu aktuellem Kraftfluss und Ladeaktivität. www.volkswagen.ch

Noch kostet alleine die 26,5-kWBatterie des Golf Blue-E-Motion rund 15 000 Franken.

Elektropower fürs Volk Ab 2013 setzt auch VW auf Strom. Neben dem neuen Kleinwagen Up! wird der Golf als Blue-E-Motion-Modell an den Serienstart rollen.

facts & figures VW GOLF BLUE-E-MOTION

Text: Jürg A. Stettler Den Trend zum Elektromobil habe man bei Volkswagen verschlafen, gab VW-Boss Martin Winterkorn kürzlich selbstkritisch zu. Doch nun hat er seinen Entwicklern Dampf gemacht. Und schon sind mit den Blue-E-­ Motion-Versionen des Stadtautos Up! und des Golf sowie dem nur für China entwickelten Lavida erste Prototypen vorhanden. In drei Jahren soll der rein optisch nicht von seinen Brüdern mit herkömmlichem Antrieb zu unterscheidende E-Golf an den Serienstart gehen. Im Innern ist bis auf die kW-Anzeige samt Reichweitenangabe anstelle des klas­ sischen Drehzahlmessers nicht vieles neu.

Doch unter der längst bekannten Golf-Optik arbeitet Hightech pur. Der vorne einge­baute Elektromotor (115 PS) lässt den Golf Blue-EMotion lautlos und wie vom Gummiband gezogen loszischen. Bis Tempo 50 kann da kein Benziner mithalten. Den Spurt auf Tempo 100 schafft der E-Golf in 11,8 Sekunden, aber bereits bei 135 km/h ist Schluss. So wird die Reichweite von immerhin 150 Kilometern nicht unnötig minimiert. Gespeichert wird der Strom in 180 Lithium-Ionen-Zellen, was das Fahrzeuggewicht um 205 Kilo erhöht. Clever: Der Fahrer kann die Intensität der Bremsenergierückgewinnung via Schaltwippen am Lenkrad (wie beim DSG-Getriebe) in vier Stufen selbst bestimmen. Von D für «niedrig» bis D3 für «maximal» – mit hoher Bremswirkung und hoher Energierückspei-

 Antrieb Elektromotor 115 PS, Lithium-Ionen-Akku 26,5 kW  Spitze 135 km / h  0 bis 100 km / h 11,8 s  Reichweite bis zu 150 km  Länge 4,20 m  Breite 1,79 m  Höhe 1,48 m

sung in die Batterie. Statt mit dem Brems­ pedal Energie sinnlos zu vernichten, können geübte Fahrer den E-Golf so via Schaltpaddel und Rekuperation verzögern und gleichzeitig die Batterie laden. Normalerweise wird der E-Golf jedoch über den Stecker hinter dem VW-Emblem im Kühlergrill mit Strom versorgt. Die Ladezeit dauert dann zwischen 3,5 (mit 380 V) und 6 Stunden (220 V).


gruen money Das Atelier steht zwischen ehemaligen Industriegebäuden der Wisa-Gloria-Werke in Lenzburg.

Der mit dem Holz spricht Natanel Gluskas Werkzeug ist die Kettensäge. Mit ihr formt er archaische Stühle, Liegen und Bänke – Kunstobjekte, die zum Gebrauch bestimmt sind.

Text: Christine Oppelt / Fotos: Xandra Linsin

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Vor der Halle liegen dicke Baumstämme wie schlafende Elefanten. Auf ihrer ver­witterten Rinde zeichnen sich tiefe Risse ab, jeder Quadratzentimeter sieht anders aus. Wenn Natanel Gluska mit einem Werkstück be­ginnt, kann man ihn hier beim Grobschnitt beobachten. Dann bringt seine ­Kettensäge auch das Innerste der Stämme an die Oberfläche: Jahresringe, die sich zum Kern hin verjüngen, Astansätze, Ver­letzungen, die der Baum in seinem langen Leben davontrug, vielleicht auch eine faule Stelle. «Es ist eine ganz besondere Energie, die frei wird, wenn ich einen Stamm aufschneide. Man kann es

mit Worten eigentlich nicht beschreiben, aber jeder, der im Wald schon mal einen Baum umarmt hat, weiss, was ich meine», sagt der 42-Jährige.

«Ein Stuhl ist für mich wie ein Mensch – er hat Beine und einen Körper» Seit vier Jahren arbeitet er auf dem Areal der ehemaligen Kinderwagenfabrik WisaGloria in Lenzburg. Er hat dort ein eigenes Haus bezogen: die alte Heizungszentrale aus Sichtbeton mit einer grossen, ver­glasten

Der Künstler www.natanelgluska.com Die Stadt www.lenzburg.ch www.wisa-gloria.ch Designauktionen www.wright20.com www.quitten


Der Künstler bei der Arbeit: Die schwere ­Kettensäge ist sein wichtigstes Werkzeug.

Rückfront. Unterhalb rauscht der Aabach vorbei, der einst die Mühlen im Industriequartier antrieb. In der hohen Halle liegt nun ein dicker Holzboden, der das Atelier von einem unterirdischen Lager trennt. Was hier zu sehen ist, stammt aus einer 17-jährigen Schaffenszeit. Viele ­Stücke sind gegangen, einige sind ge­blieben. Und immer wieder entstehen neue Stühle, Liegen oder Bänke, die von Kunden aus aller Welt bestellt werden. ­Prominente Liebhaber der GluskaArbeiten sind Donna Karan, die sich auf Long Island gern auf einer seiner Liegen ablichten lässt, oder Philippe Starck, der gleich meh-

rere seiner Designhotels, darunter das «Sanderson» in London und das «Mondrian» in Los Angeles, mit den archaischen Möbelstücken ausstattete. Auch der Schweizer Verleger Michael Ringier hat Gluska-Arbeiten im Garten stehen. Die Faszination der Möbel hat mehrere Facetten. Zum einen ist es das Material: massives, rohes Holz. Dann die Art der Bearbeitung, die sich auf der Oberfläche abzeichnet: kraftvoll mit dem grossen Schwert einer Kettensäge, feinfühlig mit Holzhammer und Beitel. Das Ergebnis ist so ursprünglich und ungefiltert, dass es die Kraft, die für seine Ent­-

stehung nötig war, gleichsam weiterhin ausstrahlt. «Das Schöne an meiner Arbeit ist, dass sie so einfach ist. Ich brauche nichts weiter als meine Hände und mein Werkzeug», erklärt Natanel Gluska. Als er vor bald zwanzig Jahren von Amsterdam in die Schweiz kam, jung und verliebt, hatte er wenig mehr als sein Malzeug im Gepäck. Natanel Gluska, der in Israel geboren wurde und im Norden des Landes nahe der Grenze zum Libanon aufwuchs, bemalte schon als Kind alles, was er in die Hände bekam: «Meine Eltern wurden verrückt mit mir.» Also schickten sie ihn auf eine Kunst-

baum.de www.kollerauktionen.ch www.phillipsdepury.com Designmessen www.designmiamibasel.com www.designunddesign.ch

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gruen money Die ehemalige Heizungszentrale ist geräumige Werkstatt und lichtdurchfluteter Ausstellungsort.

Es braucht nicht viel: Den Rohling bearbeitet ­Natanel Gluska mit einfachen Holzwerkzeugen.

schule, wo er das Abitur machte. Dann folg­ ten drei Jahre Armee. Drei weitere Jahre ­arbeitete er als Taucher, um sich Geld für ein Studium im Ausland zu verdienen. Sein Traum: die Rietveld Academie in Amsterdam, wo er 1989 im Fach Malerei abschloss. Seinen heutigen Werkstoff entdeckte der Künstler erst in Zürich. «Ich ging durch einen Park und sah einige gefällte Bäume liegen, da durchfuhr es mich wie ein Blitz», be­ schreibt er den Moment. Er machte erste Versuche und entwickelte sehr schnell eine Technik, mit der er den Baumstamm bear­

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beiten konnte. Das Motiv war von Anfang an der Stuhl. Natanel Gluska sieht ihn als figuratives Objekt mit Beinen und einem Körper. Auch Holz hat für den Künstler eine besondere Bedeutung. In seiner Heimat Israel sind Bäume ein kostbares Gut. In der Schweiz sind sie eine Ressource, von der er sich das nimmt, was andere nicht brauchen. Wie lange die dicken Baumstämme schon in den Sägewerken lägen, sei ihm egal, er kön­ ne mit jedem Holz arbeiten. «In den ganzen Jahren ist es noch nie vorgekommen, dass einer meiner Stühle auseinandergebrochen ist. Er bekommt Risse und verändert sich, aber das ist ­normal», sagt er. Nach der Fer­ tigstellung werden die Objekte, die über­ wiegend aus Schweizer Eichenholz entste­ hen, einmal mit Leinöl eingelassen. Obwohl sich Natanel Gluska nicht als Desi­ gner, sondern als Künstler sieht, möchte er, dass seine Stühle den menschlichen Propor­ tionen angepasst sind, ein gewisses Mass an Bequemlichkeit bieten und also auch be­ nutzt werden. Dennoch, «Gluskas» sind kei­ ne Designermöbel, darauf besteht der Wahl­ schweizer. Das manifestiert sich auch in den Preisen, die man dafür zahlen muss. Zwi­ schen 15 000 und 25 000 Franken kosten die Objekte, die Kunden in seinem Atelier aussuchen können oder die er nach Auftrag herstellt.

„Eine ganz besondere Energie wird frei, wenn ich einen Baum aufschneide.“

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publireportage

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Natur pur, Energie pur, Genuss pur

Foto: Fabienne Bühler

Während trüben und kalten Tagen ist es besonders wichtig, sich mit schönen Dingen zu verwöhnen und zu träumen. Zum Beispiel vom Strand unter Palmen, wo aromatische Ananas serviert wird. Holen Sie sich dieses Gefühl mit einem Drink aus erfrischendem ANDROS Ananassaft nach Hause. Kurze kalte Tage und die Hektik gegen Jahresende setzen vielen Menschen zu. Die ersten Anzeichen eines Winterblues machen sich bemerkbar. Dagegen gibt es eine gesunde und köstlich schmeckende Idee: Einfach die Augen schliessen und sich ein Glas ANDROS Ananassaft pur oder einen Ananassaft-Cocktail gönnen. Hören Sie schon das Rauschen der Palmen? Spüren Sie, wie Sonnenstrahlen Ihre Lebensgeister wecken und der natursüsse Saft neue Kraft gibt? Das Geheimnis? 100 % Natur ohne Konservierungs-, Farb- und Aromastoffe oder Zuckerzusätze. ANDROS Ananassaft wird direkt nach der Ernte aus sonnengereiften Früchten gepresst, kurz sanft pasteurisiert, sofort abgefüllt und kühl gelagert. Er schmeckt deshalb wie frisch von der Plantage und enthält auch genauso viele Vitamine und Nährstoffe. Aus einer halben Ananas werden rund 2 dl Saft gepresst, der viel natürlichen Fruchtzu-

cker für den raschen Energiekick und nebst anderen wertvollen Nährstoffen 60 mg Vitamin C enthält ( = Tagesbedarf). Gönnen Sie sich diesen gesunden Genuss: pur oder in einem Cocktail, mit Familien und Freunden oder ganz für sich allein. Cin Cin!

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gruen money

Der Wert des Goldes Gold im Höhenflug: Während der Preis des Edelmetalls wegen der grossen Nachfrage steigt, profitieren Privatpersonen beim Verkauf des Altgoldes. Aber: Goldabbau belastet die Umwelt.

Text: Monique Ryser

Gold hat einen Mythos, der Sicherheit und wahren Wert vermittelt – auch heute noch Gold wurde seit Menschengedenken ge­ schürft und verarbeitet. Richtig los gings aber erst 1848, als auf dem Sägereigelände des Schweizers Johann August Sutter in ­Kalifornien ein Goldnugget gefunden ­wurde. Das löste den kalifornischen Gold-Rush aus. Die USA, Südafrika, die Russische ­Föderation und Australien gehören heute zu den gröss­ ten Goldabbauern weltweit. Von WildwestFilmen stammt das Bild, wie Gold gewonnen werden kann: Im Bach stehend, siebt ein ­Arbeiter Gestein durch in der Hoffnung, dass etwas Gold im Sieb zurückbleibt. Der heu­ tige Goldabbau hat mit dieser Idylle wenig zu tun. «Ein Ehering aus Gold produziert zwanzig Tonnen Giftmüll», sagte Keith Slack,

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Rund 165 000 Tonnen Gold gibt es weltweit. Etwa 20 Prozent davon liegen bei Staatsbanken.

Co-Direktor der Kampagne «No Dirty Gold», in einem Interview mit dem Magazin «Spie­ gel». Denn: Heute wird Gold oft mit Zyanid vom Stein getrennt. «No Dirty Gold» schätzt, dass weltweit von Minen 182 000 Tonnen ­Zyanid verbraucht werden. Zwar gibt es inter­nationale Standards, es gibt die UnoKonventionen zu Biodiversität, das KyotoProtokoll und auch nationale Regelungen. Vermehrt wird Gold aber in Entwicklungs­ ländern abgebaut, wo diese Regeln nicht genügend überwacht werden. Für die Ent­ wicklungsländer Mali, Tansania, Ghana und Guyana ist Gold in der Zwischenzeit zum wichtigsten Exportgut geworden. Einige Händler bieten Fair-Trade-Gold an, bei dem sichergestellt sein soll, dass sowohl soziale

„Gold wird ­hauptsächlich mit ­Zyanid abgebaut und hinterlässt grosse Umwelt­ verschmutzung.“

als auch umweltgerechte Bedingungen ein­ gehalten werden. Die Experten widerspre­ chen sich aber, ob dieses aus kleinen Minen stammende Gold wirklich sauberer produ­ ziert werden könne als in grös­seren Minen. Geschätzt wird, dass bis heute rund 165 000 Tonnen Gold geschürft wurden, 60 Prozent davon seit 1960. Da Gold über ­Jahrhunderte als weltweit gültige Währung verwendet wurde, haben auch Staatsbanken Gold in ­ihren Tresoren. Am meisten lagern bei der amerikanischen Federal Reserve, nämlich rund 8000 Tonnen. Dieses Gold ist zu Gold­ barren geschmolzen, die ein Gewicht von 400 Unzen – das Gewichtsmass von Gold – oder 12,44 Kilogramm wiegen. Der Grossteil des existierenden Goldes ist aber in Schmuck im weitesten Sinne und in Kunstgegen­ ständen verarbeitet. Rund 10 Prozent wer­ den in Elektronik und Medizin verwendet. Mehr und mehr wird das Gold aus Geräten wieder gesammelt, eingeschmolzen und weiterverwertet. In der Schmuckproduktion ist bereits rund ein Viertel Recycle-Gold, wie der World Gold Council schätzt. Das ist auch die umweltfreundlichste Variante: Denn Gold ist nicht nur mystisch, sondern auch ­unendlich lange und immer wieder weiterverwertbar. Ohne dass auch nur das Geringste verloren geht.

Alles über Gold www.gold.org Aktueller Goldpreis www.thebulliondesk.com Gold und Umwelt www.nodirtygold.org

Foto: Keystone

Der Run auf Gold nimmt absurde Züge an: Die amerikanische Bank J. P. Morgan reakti­ viert zurzeit einen Keller in Manhattan, einem der teuersten Pflaster der Welt, um einen Goldtresor einzurichten. Grund: Ihre Kunden kaufen vermehrt Gold, das sie dann bei der Bank lagern lassen wollen. Nach der langen Zeit der virtuellen Werte, die nur in den ­Büchern existierten, sind wieder wahre und fassbare Wertanlagen gefragt. Also kauft man sich ein paar Barren Gold. Sogar Gross­ investoren und in den USA und Gross­ britannien vermehrt auch Pensionskassen kaufen Gold. Doch nicht nur die grossen Players sind dem Goldrausch verfallen, in der Schweiz treten fast jedes Wochenende Gold­ käufer in Restaurant-Säli auf, wo Privatleute den Schmuck der Grossmutter verhökern können. Dabei bekommen sie oft einen viel zu tiefen Preis. Denn was viele nicht wissen: Der Goldpreis wird – ein Unikum – noch heute morgens und nachmittags am Bullion Desk in London festgelegt. Es gibt also einen weltweit gültigen täglichen Goldpreis.


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Öko pur! Das Haus aus Stroh Ziel: ein nachhaltiges Haus. Resultat: ein Haus, das von allein wächst und sich selbst wieder abbaut – ein Haus aus Stroh. Der ­Erschaffer heisst: Stroh, Florian Stroh.

Text: Stephan Sutter / Fotos: Thomas Schuppisser

1 Das Strohgebäude mit einem Grundriss von 5,5 × 5,5 Metern. 2 Strohglu? Striglu? Florian Stroh vor ­seiner Kreation in Lungern (strohf@student.ethz.ch).

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Der Auftrag ist glasklar. Ein Haus – nachhaltig und landschaftlich passend. Das Departe­ment Architektur der ETH Zürich gibt klare Vorgaben für die Semesterarbeit. Die Architektur-Studenten machen sich an die Arbeit. Auch ein 25-jähriger Baselbieter aus ­Bottmingen. Seine Idee: ein Haus, das von allein wächst und dann nach Gebrauch wieder in den Zyklus der Natur eintaucht. Ein Haus aus Stroh, sagt sich Florian Stroh. Aus 180 Strohballen mit dem stolzen Gewicht von 3,5 Tonnen baut er in Lungern sein Bio-Tipi. Sein Credo: «Biologische Nachhaltigkeit und Agrotourismus sollen sich künftig auf den ­Wiesen der Bauern treffen.»

Mit wenigen Kosten einen reizvollen ­Gewinn erzielen Die Bau­anleitung liefert der ­Baselbieter mit. Fünfzehn ein­ fache ­Skizzen. Dazu die Bud­ge­ tierung: Stroh ist für die meisten Bauern bereits vorhanden. Sie

benötigen 35 Europaletten als Fundament. Kosten: für das Depot der Paletten und ein paar Holzbalken zur Sta­bilisierung – 100 Franken. Eine Abdeckplane aus Kunststoff: 150 Franken. Das Total der Kosten inklusive Arbeit: 1200 Franken. Von Juni bis Sep­ tember kann das Strohhaus vermietet werden. Möglicher Gewinn: 10 000 Franken.

Es ist Herbst – das Strohhaus geht nun in die nächste Phase Stroh hat sein Haus auf dem Land der Familie Ming erbaut. Susanne Ming, Präsidentin des Vereins Schlaf im Stroh!, ist begeistert und hat positive Rückmeldungen erhalten. Ein über 70-jähriges Ehepaar habe bei ­ihnen nach einem Zimmer gefragt. Da alle anderen Zimmer bereits besetzt waren, haben die beiden im Strohhaus über­ nachtet. In der Nacht hat es stark geregnet. Doch die Senioren haben es als warm und ­gemütlich empfunden.

Die Ausbildungsstätte www.ethz.ch Die Schlafstätten www.schlaf-im-


2

Nun ist Herbst. Das Haus von Florian Stroh geht in die nächste Phase über. Aus dem Haus wird Streu für die Kühe. Der BaldArchitekt, der ein Praktikum bei den Basler Architektur-Ikonen Herzog & de Meuron absolviert hat, erklärt: «Der Bauer verwendet das Strohhaus als Zwischen-

den Baustoff optisch erfahren und auch ­riechen können», führt Stroh weiter aus. Die für den Bau verwendeten Strohballen können je nach Bedarf wieder dem Landwirtschaftsbetrieb zugeführt respektive als Streuein­ lage im Stall verwertet werden. Das Äussere des Strohhauses

„Mit dem Bau verwendet der Bauer das Stroh als Zwischenlager, statt es in einem Raum zu lagern.“ lager – statt das Stroh in einem Raum zu lagern –, um damit gleichzeitig eine Schlafgelegenheit zu bie­ten und einen Profit daraus zu ziehen.» Der Innenraum der 3,5 Tonnen schweren Konstruk­tion soll für bis zu vier Personen Platz bieten. Die Wände werden nicht verputzt, das Stroh steht so in direktem Kontakt mit den Gästen. «Man soll

mag gewöhnungsbedürftig erscheinen, im Innern eröffnet sich dem Besucher eine Welt von natürlicher Romantik. Susanne Mings Ehemann Alois ist überrascht, wie kühl es im Innern des Hauses ist – trotz sommerlichen Temperaturen. Florian Stroh zeigt sich zuversichtlich, dass seine Idee künftig schweizweit Fuss fassen wird.

stroh.ch www.abenteuer-stroh.ch www.erlebnishof-ming.ch


gruen shopping

Die grüne Shoppingliste Durch bunte Blätter tanzen und sich daheim eine Wollkissenburg bauen. Der Herbst ist da! Mit ihm viele neue grüne Produkte, die uns die raue Jahreszeit versüssen. Redaktion: Kristina Köhler

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Warme Engelsbeine

Kuscheltiger

Schatztruhe

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Wärmende Sternlein

Öko-Festtagsabwasch

Schokolade & Mandeln

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Wie Popeye durch den Winter

Rotmäntelchen

feines Alpenröslein

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Fashion Bamboo – Strümpfe aus Bambus, Baumwolle und Viskose. In verschiedenen Farben. Gibts bei Migros. CHF 12.90

Fair-Trade-Kaschmirjacke, mit kleinen Pailletten besetzt. FTC Cashmere Shop, Zürich, Tel. 043 817 61 05, CHF 579.–

Halibut Fischölkapseln von Merz: mit natürlichem Vitamin A und D. CHF 37.80 Halibut Plus bietet zehn weitere Vitamine. CHF 49.40

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Homewear aus Bio-Baumwolle, von Maddison Weekend by Manor. Kapuzenjacke CHF 69.90, Leggins CHF 39.90

Geschirrreiniger-Tabs von Migros Plus, phosphatfrei und zu 97 Prozent biologisch abbaubar. 30 Stück CHF 5.30

Gequilteter Mantel mit Applikationen, Stickereien. Von Gudrun Sjödén. Tel. 0800 960 69 69, www.gudrunsjoeden.ch CHF 299.–

Deko-Lackkugeln mit verschiedenen Motiven, handbemalt. Gudrun Sjödén. Tel. 0800 960 69 69, www.gudrunsjoeden.ch CHF 66.–

Dunkle Schweizer Bio-Schokolade (60 Prozent Kakaoanteil) mit Mandelsplittern von Natura­ plan, Max Havelaar. Bei Coop, CHF 2.50

Alpenrosengelee, eine Köstlichkeit aus Graubünden. Von Scarnuz Grischun. www.scarnuzgrischun.ch CHF 4.50 (plus Versandkosten)

Winter-Ideen www.migros.ch www.manor.ch www.gudrunsjoeden.ch www.ftc-cashmere.com www.scarnuz-grischun.ch www.vertbaudet.ch


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Kleiner Tanzbär

Das Versandhaus Vertbaudet hat eine neue Bio-Baumwoll-Kollektion lanciert. Hübsche Pro­ dukte für Kinder und Mütter. Jeans CHF 34.90

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Kostbare perlen

Bio-Prosecco Selezione Raphael Dal Bo von Naturaplan. www.raphaeldalbo.com, bei Coop, 75 cl CHF 13.90

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Flaum-Hülle

Baby-Body von Campus Baby, aus BioBaumwolle und mit Max-Havelaar-Gütesiegel für fairen Handel. Bei Manor, CHF 19.90

Fotos: Paul Seewer, Inge Zinsli (2)

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Hohes SuchtpotenZial

Feine Bio-Mandelgipfeli von Naturaplan, die wirklich fast auf der Zunge zergehen. Bei Coop, 189 g CHF 4.50

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Für den Wunschzettel

Es ist da, das neue (200 Rezepte starke) Jahreszeiten-Kochbuch der australischen Kult-Köchin Donna Hay. AT-Verlag, CHF 46.90

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Zauberhafte Verschnürung

Vintage-Paketbänder à zehn Meter, von House Doctor, aus Samt und Baumwolle. Bei Globus, je CHF 24.90

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Träumen von der Alp

Bio-Berg-Orangenminzetee mit Ringelblumen. Pro Montagna, Bio-Suisse. 15 Rappen für die Coop-Patenschaft. 15 Säcklein, CHF 6.20

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Super Softie

Watteweiche Eco-Spitzenunterwäsche aus Modal und Elasthan. Migros-­ Eco-Standard. CHF 22.90, CHF 12.90

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Leckeres Ringelreihen

Bio-Apfelringe von Naturaplan, aus Schweizer Anbau. Un­geschwefelt und ungezuckert. Bei Coop, 150 g CHF 8.95

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spaziergang im Schnee

Mantel Mayfair von Icebreaker, aus neusee­ ländischer Merinowolle und nachhaltiger Produktion. Etwa bei Bächli Bergsport, CHF 499.–

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Mit Siddharth durchs 2011 Der aufstrebende indische Fotograf Siddharth Jain, 30, hält auf seinen Reisen durch seine Heimat Alltagsmomente in poetischen Bildern fest. Der Helvetas-Taschenkalender 2011 zeigt eine Auswahl seiner berührenden Fotos. Etwa jene der tanzenden Familienmitglieder bei einer Hochzeitszeremonie. Weitere Arbeiten von Siddharth Jain gibts auf seiner Website www.siddharthjain.co.in. Aus 100 Prozent Recyclingpapier, in Helvetas-Shops oder zu bestellen beim Helvetas-Fairshop, www.helvetas.ch, CHF 25.–

www.at-verlag.ch www.coop.ch www.globus.ch www.icebreaker.com www.maxhavelaar.ch www.helvetas.ch

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Leitung GRUEN / Verlags­direktor Urs Heller Mitglied der Chefredaktion Stephan Sutter

Klassenkampf im Zugsabteil Öffentliche Verkehrsmittel sind was Wunderbares. Wer sie benutzt, entledigt sich damit zweier ­gros­ser Sorgen unserer Zeit: Stress mit Staus und Parkplätzen. Man steigt ein, man lässt sich fahren, man steigt aus. So weit, so gut. Das einzige Problem beim ÖV ist das Ö, sprich die anderen. Schon Jean-Paul Sartre, der notorische Schwarzmaler unter den modernen Denkern, kam zum Schluss: Die Hölle sind die anderen. Eine Erkenntnis, die jeder Berufspendler nachvollziehen kann. Es sind immer die anderen, die nerven, stören, stressen: der Teenie im Zugsabteil mit den lausigen Kopfhörern und ebensolcher Musik. Der Möchtegern-Gordon-Gekko, der zu laut und zu lang telefoniert. Die Madame, die sich zu heftig und zu herb parfümiert. Der Nebenmann, der die NZZ so energisch umblättert, dass er deren Slogan «Lesen macht keinen Lärm» mit jeder Seite wider­ legt. Der Trampel, der seinen Koffer auf mein Rosenbouquet plumpsen lässt. Der Gesundheitsfreak, der sein Knuspermüesli mümmelt und jeden Bissen Bircher-­ Benner-mässig 17-mal kaut. (Ja, ich gebs zu, ich hab mal mitgezählt. Ein Müesli lang, 23-mal 17 Kaubewegungen – von den 391 Schmatzern ganz zu schweigen.) Soll sie doch im Ruhewagen reisen, die sensible Schnepfe, mögen Sie jetzt einwenden. Sie haben recht, lieber Leser, aber nur theoretisch. Um im Ruhewagen – wenn überhaupt einer mitfährt – einen Platz zu erobern, müsste man flink sein wie ein Windhund und Ellbogen aus Kruppstahl haben. Sowieso: Erster Klasse zu reisen, ist keine Lösung, die obigen Beispiele stammen nämlich aus der ersten Klasse. Die ist aber, seit viele Firmen ihrem Kader lieber ein GA statt eines

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Redaktion Monique Ryser (Leitung), Kristina Köhler, Barbara Halter

anita lehmeier

Mitarbeit Urs Bärtschi, Andreas Faust, Anita Lehmeier, Oskar Marti, Lisa Merz, Christine Marie Oppelt, Peter Ruch, Herbie Schmidt, Raoul Schwinnen, Jürg A. Stettler, Richard Widmer

­ lotten-Benz samt Parkplatz spendieren, F nicht mehr das, was sie mal war: halb leer und voll easy. Die erste ist zur Businessclass verkommen. Und wie es da so zugeht, erklärt uns Martin Suter seit Jahren aufs Trefflichste: ungehobelt, neidvoll, tückisch. Kurz: höllisch. Nun macht man sich hierzulande, in der dienstältesten Demokratie, mit der Forderung nach Klassenunterschieden sofort des Snobismus verdächtig. Mir egal: Ich wünschte mir von den SBB mehr Klassen, und zwar drei, wie einst gehabt. Nur sollte die neue nicht wie anno dazumal die billige Holzklasse sein,

Bildredaktion Susanne Märki Grafik / Produktion Fabienne Hany (Leitung / Layout) Mathias Bader (Infografik), Doris Wüthrich (Satztechnik) Design Beling Thoenen Design Korrektorat Simone Hügli, Andrea Leuthold, Irène Müller, Susan Winkler Verlag der Ringier-Zeitschriften Dufourstrasse 23, 8008 Zürich Telefon 044 259 61 11 Fax 044 259 68 44 gruen@schweizer-illustrierte.ch

„Die Hölle sind die andern, sagte schon Sartre. Zugpendler wissen das.“ sondern wie im Flieger eine richtig feine First Class. Wo man über dick gepolsterte Kopfhörer gute Musik empfängt. Wo man in schalldichten Kabinen telefoniert. Wo man beim Boarding mit wohlduftenden, warmen Handtüchern und einem eben­ solchen Lächeln empfangen wird. Wo jeder Sitz genug Ellbogenfreiheit sogar für die «Zeit» bietet. Wo nettes Personal feines Essen serviert, Rosensträusse ins Wasser stellt und im Bedarfsfall auf elementare Anstandsregeln nach Knigge hinweist. Klar käme diese Luxusklasse den Reisenden entsprechend teuer zu ­stehen. Doch Pendlern, die mehr Lebenszeit im Zug zubringen als auf ihrem Sofa, wärs das wohl wert. Wetten, dass …?, ­verehrte SBB.

Jean-Paul Sartre www.sartre-gesellschaft.de Premium-Klasse http://railjet.oebb.at

Marketing Verena Baumann Druck Swissprinters AG 4800 Zofingen Telefon 058 787 30 00 Papier Inhalt: Presto Web Silk, FSC-zertifiziert, 80 g/m2 Umschlag: Magno Satin, FSC-Mix, 200 g/m2

Foto: Christian Hug

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