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gruen

Schweizer Illustrierte GRUEN #1/ 2010

#1 8. März 2010 www.si-gruen.ch CHF 7.–

100% Grün. 100% Lifestyle.

+

Trend: Stopover in der Jugi

Simone Niggli-Luder „Es ist fünf nach zwölf” Axpo-Chef Heinz Karrer „Ich bin naturverliebt“


gruen

Warm angezogen

Eisige Tempera­turen beim Fototermin im Schloss Hünegg in Hilterfingen BE. Das SI-GRUEN-Team: Redaktorin Barbara Halter, Assistent Thomas Stöckli, Simone Niggli-Luder, Stylistin Marisa Pichler, Nicola Fischer, zuständig für Hair und Make-up, Fotografin Sarah Maurer und Ulrich Schneider, Vize-­­Präsident Stiftungs­rat Schloss Hünegg (v. l.). Kleines Bild: Nicola Fischer (l.) und Marisa Pichler machen Simone Niggli-Luder für das Titelbild zurecht.

Fotos: Susanne Märki (2), Esther Herzog

editorial niggli-luder. karrer. leser Simone Niggli-Luder ist die beste Orientierungsläuferin der Welt. Ihr Leistungsausweis? 15 Goldmedaillen. Dreimal Schweizer Sportlerin des Jahres. Den Platz auf dem Titelbild von SI GRUEN hat sich die Bernerin redlich verdient: Sie denkt grün. Und sie lebt grün. Beispiele gefällig? Der Sport­ star steuert seinen in einer Tombola (!) gewonnenen Audi A3 nur in Ausnahmefällen, sonst ist ÖV selbstverständlich. Die für ihre Trainingscamps in Skandinavien unvermeidlichen Flüge werden CO2-kompensiert. Bei den Luders zu Hause ist es eher kalt: 17 bis 18 Grad im Wohnzimmer – und in die Badewanne darf nur Töchterchen Malin. Simone NiggliLuder, ausgebildete Biologin, macht sich Sorgen: «Es ist fünf nach zwölf. Irgendwie bräuchte es den ökologischen Supergau, der allen die Augen öffnen würde.» Das Interview mit einer nachdenklich ge­stimmten Weltklasse-Athletin ab Seite 18. Heinz Karrer gehört zu den wenigen Spitzensportlern, die nach ihrem Rücktritt noch be-

rühmter geworden sind. Der frühere Handball-Nationalspieler ist CEO der Axpo Holding AG, Chef von 4000 Mitarbeitern und sorgt dafür, dass drei Millionen Menschen im Land zuverlässig mit Strom beliefert werden. Karrer hat ein kleines Problem: Er muss das Schweizer Volk davon überzeugen, 2013 ein Ja zum Bau eines neuen AKW in die Urne zu legen. Und was genau hat ein Kernkraftwerk-Bauer wie er in einem Magazin wie SI GRUEN zu suchen? Nun, wir möchten einfach wissen, wie der AxpoChef den Spagat schaffen will zwischen Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit. Wir wollen hören, was «Mister Strom» von Gas-Kombi-Kraftwerken, Wasserkraft und Sonnenenergie hält. Top-Manager Karrer privat? Eher Familienmensch denn Salon-Löwe. Lieber unterwegs zu den Gletschern und zu den Viertausendern als zur nächsten Cüpli-Party. Das Interview ab Seite 26. Stefan Leser ist CEO von Kuoni Schweiz. Er lockt uns in die Ferien – immer mehr auch in «grüne» Ferien. Kuoni

bietet mit wachsendem Erfolg streng ökologische Reisen an (im Programm Ananea), unterstützt über dreissig Projekte zu Nachhaltigkeit, Wasser- und Klimaschutz, kämpft vor Ort für faire Arbeitsbedingungen und gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen. Für Stefan Leser ist klar: «Wenn wir die Natur zerstören, zerstören wir auch unser Business.» Das Interview ab Seite 68. Urs Heller Leiter Ringier Zeitschriften

Urs Heller: „Simone Niggli-Luder denkt und lebt grün.“

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COVER

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18 72

Foto: Sarah Maurer Styling: Marisa Pichler Hair- und Make-up: Nicola Fischer / Style-Council Assistenz: Thomas Stöckli Outfit: Blazer von Zara, Dress Morgan Le Fay, bei Eclectic Zürich, Gürtel H & M, Armreife Globus und H & M

ganges Wie der heilige Fluss wieder rein und Tourismus-Magnet werden soll.

Starter

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10 Liz Hurley: Neues Leben als Bäuerin 12 Paul McCartney: Einsatz für Vegi-Tage 14 Henri Rousseau: Der Urwald-Maler

Storys

Money 90 Mikrokredite: Der Rubel rollt schon mit einer Handvoll Dollar 94 Ich fahre GRUEN: Fussball-Ass Alain Sutter und sein VW Golf Bluemotion 98 GRUEN Shopping: Genuss ohne Verzicht – die neuen Highlights aus dem Regal

heinz karrer Der Axpo-Chef im Spagat zwischen Umwelt und Umsatz.

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Fotos: Laif, Marc Wetli, Dean Blotto Gray, Giuliano Di Marco, Sarah Maurer, Oliver Nanzig

18 Simone Niggli-Luder: Der OL-Star über Umweltschutz und sein neues Haus 24 WWF-Footprint: Testen Sie sich selbst! Wie grün essen Sie wirklich? 26 Heinz Karrer: Der Axpo-Chef über Energie-Engpässe der Zukunft 32 Die GRUENE Liste: 30 Stars, die beim Umwelteinsatz keine Grenzen kennen 40 Mammut: Wie Firmenchef Rolf G. Schmid die Schweiz ins Freie treibt 46 Lausanne ganz GRUEN: Ein Bummel durch die Stadt des Geniessens 52 Jugendherbergen: Der neue Trend heisst Übernachten im Massenschlag 58 Fashion: Jeans – der blaue Klassiker ist diesen Frühling wieder voll hip! 68 Stefan Leser: Der Kuoni-Schweiz-Boss investiert in Umwelt – und in Personal 72 Ganges: Wie Indiens todkranker Fluss ­wieder gesund werden soll 78 Nicolas Müller: Kaum einer kennt ihn – aber er ist der erfolgreichste Boarder 82 Fabian Fuchs: Der Ex-Radprofi hat auch als Koch Erfolg – in der «Krone»

nicolas müller So lebt der v­ errückteste Snowboarder der Schweiz.

simone niggli-luder Das offene Interview über Ökoeinsatz und Umweltsünden.

58

52

40

fashion Die Denim-Darlings – Jeans ist wieder gross in Mode.

jugendherbergen Der neue Trend: Stopover im Massenschlag.

mammut Firmenchef Rolf G. Schmid rüstet die Schweizer Outdoor-Fans aus.

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Elizabeth Hurley

Schönes Landleben «Was darfs denn sein?» An diesem Stand stehen die Kunden Schlange: Denn – wer möchte sich nicht von Elizabeth Hurley, 44, bedienen lassen! Die ehemalige Schauspielerin und ihr Gatte Arun Nayar (wir erinnern uns an die pompöse, mehrtägige Hochzeit in Indien!) verkaufen auf dem Bauernmarkt in Cirencester Fleisch vom eigenen Hof. 2003 erstand Liz in der Grafschaft Gloucestershire im Südwesten Englands eine mehrere Millionen teure Farm. «Zuerst brauchte ich sie nur als Fluchtort, wenn ich genug von der Stadt hatte. Jetzt verbringen wir dort so viel Zeit wie nur möglich», schreibt sie auf ihrer Homepage. Ihr Bruder Michael leitet den Bio-Betrieb. Sie halten Rinder, Schafe und Schweine und pflanzen Getreide an. Wer mal in England weilt: Der Markt in der Stadt Cirencester findet jeden zweiten und vierten Samstag im Monat statt. www.elizabethhurleyfood.com

Letztes Jahr feierte die Naturschutzorganisation Pro Natura ihren 100. Geburtstag. Im Jubiläumsbuch «Die Stimme der Natur» (Kontrast Verlag) blicken die Umweltpioniere zurück auf ihre Geschichte. Ergänzend behandeln vier Essays aktuelle Themen wie die Ver­städterung der Schweiz oder die Bio­diversität. Eine mystische Bilderreise des Fotografen Markus Bühler-Rasom führt an den Silsersee, in den Aletschwald oder zu den Wölfen im Wildnispark Langenberg. www.kontrast.ch, www.pronatura.ch

Scarlett denkt an haiti charity zum umhängen Scarlett Johansson, 25, hat eine Handtasche entworfen, die mehr kann als Lippenstift und Handy transportieren. Ein Teil ihres Erlöses geht an die Organisation Oxfam, die sich momentan um die Opfer des Erdbebens in Haiti kümmert. «Mit dem Kauf trägt man dazu bei, den Menschen lebens­rettende Hilfe zu leisten, zum Beispiel durch die ­Versorgung mit Trinkwasser», sagte die Schauspielerin. Die schwarzweissen Taschen ziert eine alte Kartografie von Haiti. Sie ist ab März für rund 35 Franken bei Mango erhältlich. www.mango.com

„Alles Leben soll man achten, aber es gibt Grenzen. Jede Mücke, die ich nicht erschlage, rechne ich mir hoch an.“ Schauspieler und Buddhist Richard Gere

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Fotos: Bulls Press, Pro Natura, Mango, Adolph Press

gruen Fleisch von der eigenen Bio-Farm: Liz Hurley und ihr Mann auf dem ­Bauernmarkt im englischen Cirencester.

100 Jahre für die Natur


gruen Pauls Vegi-Truppe Am Montag gibts kein Fleisch: So wollen Paul McCartney und seine Töchter der Umwelt helfen. Ihre prominenten Freunde sind begeistert dabei. Gwyneth Paltrow: Keine Vege­ tarierin, aber überzeugt vom Meat Free Monday.

Tschüss Kotelett Die Idee ist einfach: Wer einmal die Woche einen fleischlosen Tag einlegt, hilft der Umwelt. Denn die Tier­ haltung belastet unser Klima erheblich. «Ein Bericht der Vereinten Nationen von 2006 zeigt, dass die Fleischindustrie mehr Treibhausgase ausstösst als der ganze Verkehr», sagt Paul McCartney. Zusammen mit seinen beiden kreativen Töchtern Stella, Designerin, und Mary, Fotografin, initiierte er darum den Meat Free Monday. «Es bedeutet zwar, dass man an diesem Tag etwas über sein Essen nachdenken muss, aber eigentlich ist das doch eine lustige Herausforderung», findet McCartney, der seit über dreissig Jahren ganz auf Fleisch verzichtet. Seine berühmten Freunde

Paul McCartney (Mitte, im schwarzen Anzug) mit seinen Meat-Free-MondayAnhängern.

David de Rothschild, Kelly Osbourne oder Moby unterstützen ihn dabei. Die britische Schauspielerin Gwyneth Paltrow widmet dem Tag sogar einen ausführlichen Eintrag auf ihrem Blog Goop. «Ich bin zwar keine Vegetarierin, aber als ich vom Meat Free Monday hörte, war ich fasziniert», schreibt die Schauspielerin. Ein befreundeter Koch stellte ihr die passenden Rezepte zur Ver­fügung. Dazu präsentiert Paltrow eine Auswahl an englischen Vegi-Kochbüchern. In Grossbritannien beteiligen sich auch Schulkantinen am Meat Free Monday, die belgische Stadt Gent hat den Donnerstag zum offiziellen Vegi-Tag erkoren, und die Firma Puma serviert montags in ihrem Personalrestaurant nur vegetarische Speisen. Höchste Zeit für die Schweiz nach­zuziehen! Statt am Freitag Fisch zu essen, könnte man doch den Tag zum Fleischfreien Freitag umbenennen. www.supportmfm.org, www.goop.com

„Bevor ich sterbe, möchte ich auf einem Bauernhof mit Hühnern und einem Gemüsegarten leben und einen John-Deere-Traktor haben.“ Schauspielerin Liv Tyler

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Fotos: Nicholas Harvey, Getty Images, Schroewig

Meat free monday


Fondation Beyeler

Exotische Traumreise Mit Rousseau Im urwald Man hört die Affen laut kreischen. Kann sich vor­stellen, wie sich die wilde Meute von Ast zu Ast schwingt und wie die Blüten ­riechen. Henri Rousseau weckt mit seinen ­berühmten Dschungelbildern die Sehnsucht nach exotischer, geheimnisvoller Natur. Der französische Maler (1844–1910) sah den Urwald nie mit eigenen

Augen. Er stammte aus einfachen Verhältnissen – Rousseau arbeitete als ­städtischer Zollbeamter in Paris. Eine Kunstschule besuchte er keine. Lange Zeit wurde er als naiver Maler verkannt. Die Urwaldgemälde erschuf Rousseau alle in seiner Fantasie. Naturbücher und Spaziergänge im botanischen Garten unterstützten seine Gedankenreisen. Hundert Jahre nach seinem Tod widmet die ­Fondation Beyeler dem

In weiss an die Golden Globes vintage-Braut Colin Firth begeistert gerade als schwuler Professor im Film «A Single Man» – und auch der Auftritt seiner Gattin Livia Giuggioli an den Golden ­Globes überrascht: Ihr weisses Kleid ist nichts anderes als ihr Hochzeitskleid von 1997! Giuggioli möchte damit ein Statement für verantwortungsvollere Mode setzen. Nicht zufällig führen sie und Firth in London den edlen Öko-Shop Eco. www.eco-age.com

Künstler eine Ausstellung. Bis zum 9. Mai sind in Riehen bei Basel rund vierzig seiner Meisterwerke aus renommierten Museen und Privatsammlungen Europas und Amerikas zu bewundern. Dazu gehören neben den Dschungelbildern Porträts und poetische Gemälde von französischen Städten und Landschaften. Täglich findet eine Führung durch die Ausstellung statt. www.beyeler.com

geld für Afrika MELINDA gates hilft Zum Glück hat Bill Gates eine Frau wie Melinda: Sie konnte den Microsoft-Gründer und reichsten Menschen der Welt überzeugen, sein Geld für wohltätige Zwecke zu spenden. Die Bill & Melinda Gates Foundation kämpft gegen Hunger und Krankheit in armen Ländern. Bis an ihr Lebensende wollen sie 100 Mil­ liarden Dollar spenden. Mit der französischen Präsidentengattin Carla Bruni-Sarkozy besuchte Melinda ein Kran­ ken­haus in Benin.

„Ich pflücke mir mein Frühstück jeden Morgen vom Baum. Wir leben in einer komplett solarbetriebenen Gemeinde mit Fussballplatz und Avocado- und Mangobäumen.“ Schauspieler Woody Harrelson

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Fotos: National Gallery of Art, Washington D.C., John Hay Whitney Collection, 1982, National Gallery of Art, Washington D.C., Courtesy of the Board of Trustees / Pro Litteris, Photoshot, Keystone, Reflex

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Rousseaus Gemälde «Tropischer Wald mit Affen» von 1910 ist im Beyeler Museum in Riehen ausgestellt.


Mit der freiwilligen CO2-Kompensation kann jeder den weltweiten Ausstoss an Kohlendioxid verringern. Wer CO2 produziert, zahlt dafür einen Betrag an Projekte, die anderswo die CO2-Emissionen verkleinern.

Lastwagenfahrt 1000 km

Lastwagen Ein LKW mit einer Ladung von 40 t und einem Verbrauch von 36 l Diesel / 100 km stösst auf 1000 km 1,1 t CO² aus.

G e

Haushalt Ein Zwei-Personen-Haushalt stösst in einer 100 m2 grossen Wohnung mit durchschnittlichem Stromund Heizölverbrauch jährlich 6,1 t CO² aus.

ld

Ge ld

Privater Unternehmen Verursacher produziert zu viel CO ²

– 190 700 t CO² über 7 Jahre

ld Ge

Kompensation Privatpersonen können ihre Emissionen kompensieren, indem sie bei Stiftungen wie zum Beispiel Myclimate ihren CO²-Ausstoss berechnen und für jede Tonne CO² einen gewissen Betrag zahlen. Mit diesem Geld unterstützen die Stiftungen Umweltschutzprojekte auf der ganzen Welt.

– 90 000 t CO²

Unternehmen produziert weniger CO ²

Börse

über 7 Jahre

t ka fi i rt Ze

Projekte

über 10 Jahre

Solarkocher Um der Abholzung auf Madagaskar entgegenzuwirken, erhalten die Einwohner klimafreundliche Solarkocher zu einem vergünstigten Preis.

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Kompostieren Auf Bali wird organischer Abfall kompostiert, der vorher deponiert wurde. So kann hochwertiger Kompost produziert werden.

0,1 t

INDIEN

1,2 t

10.–

Brasilien

1,8 t

China

4,6 t

1000 km mit dem Auto 280 kg CO² entstehen bei einem Mittelklassewagen (Benziner) auf eine Distanz von 1000 km.

Schweiz

5,6 t

Südafrika

7,3 t

9,7 t

17.– 1000 km mit dem Offroader Ein Offroader (Benziner) stösst auf 1000 km 450 kg CO2 aus.

1.15 500 km mit dem Elektromobil 45 kg CO²-Emissionen ent­ stehen bei einer 500 km langen Fahrt mit dem Elektroauto.

–.30

– 12 530 t CO² e

Organisation

kate rtifi Ze

pro Jahr

Zertifikat Staaten und Firmen sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihren CO²-Ausstoss zu verringern. Dies tun sie, indem sie weniger CO² produzieren oder für jede Tonne, die sie einsparen müssten, ein CO²-Zertifikat an einer Klimabörse kaufen. Die Projekte, welche Treibhausgase vermindern, erhalten für jede eingesparte Tonne CO² ein Zertifikat, das sie wiederum an einer Klimabörse verkaufen können.

KOMPENSATIONSBEISPIELE Im Alltag entsteht viel CO². Hier sehen Sie Beispiele von CO²-Verursachern und was es kostet, die jeweiligen Emissio­ nen zu kompensieren.

Nepal

Deutschland

verursacher In der Schweiz werden jährlich 40,2 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt. Je ein Drittel der CO2-Emissionen entsteht durch Verkehr, Haushalt und Industrie.

+ 6,1 t CO²

Waschmaschine Bei 100 Waschgängen mit einer Waschtemperatur von 40 Grad entstehen 62 kg CO².

CO²-AUSsTOSS PRO KOPF Der jährliche CO²-Ausstoss in Tonnen pro Kopf entlarvt die grössten Klimasünder.

Russland

11,0 t

Australien

18,8 t

USA

19,0 t

Bahrain

28,8 t

– 9982 t CO² über 7 Jahre

Prima fürs Klima www.myclimate.org en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_carbon_dioxide_emissions_per_capita www.bfe.admin.ch

Biomasse In Indien wird Elektrizität nicht mehr aus Diesel, sondern aus landwirtschaftlichem Abfall (zum Beispiel Sägespänen) gewonnen.

1000 km mit dem Zug Fährt man mit dem Zug, ent­ stehen auf einer Strecke von 1000 km nur 8 kg CO².

96.– Flug Zürich – New York 2,6 t CO² entstehen durch einen Hin- und Retourflug von Zürich nach New York.

368.– Haushalt Ein Zwei-Personen-Haushalt stösst in einer 100 m2 grossen Wohnung mit durchschnittlichem Strom- und Heizölverbrauch jährlich 6,1 t CO² aus.

2.30 100 Waschgänge Bei 100 Waschgängen mit einer Waschtemperatur von 40 Grad resultieren 62 kg CO².

Windenergie Auf Madagaskar entsteht ein Windpark, der sauberen Strom in das lokale Netz einspeist und mehrere Tausend Menschen versorgt.

–.40 Katar

www.bafu.admin.ch www.breathingearth.net de.wikipedia.org/wiki/CO2-Ausstoss

58,0 t

Spargeln aus Mexiko Ein Kilogramm eingeflogene Spargeln aus Mexiko kommen auf 12 kg CO².

Infografik: Ringier Infographics – Mathias Bader, Reto Flückiger, Christof Steinmann, Text: Franziska Blaser

Flug Zürich – New York

100-mal waschen

+ 1,1 t CO²

Fliegen Fliegt eine Person in der Economy-Klasse von Zürich nach New York und wieder zurück, gelangen 2,6 t Kohlendioxid in die Atmosphäre.

+ 2,6 t CO²

+ 62 kg CO²

G el d

gruen

Klimaneutral leben? CO2 kompensieren!

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gruen cover

Schlossherrin für einen Tag: Simone Niggli-Luder im herrschaftlichen Schlaf­zimmer des Jugendstilschlosses Hünegg in ­Hilterfingen BE.

simone niggli-luder

Leise, aber bestimmt Text: Barbara Halter / Fotos: Sarah Maurer / Styling: Marisa Pichler / Hair & Make-up: Nicola Fischer

Simone Niggli-Luder, 32, weiss, wo es im Umwel tschutz langgeht. Die OL-Läuferin und ­Biologin fliegt ungern, ernährt sich bewusst und zi eht bald mit ihrer Familie ins eigene Ökohaus.

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Sonst kennt man Sie auch eher im sportlichen Look. Das stimmt. Ich fand den Ausflug in eine etwas andere Welt aber spannend, es hat «gfägt»! Sie trainieren jeden Tag. Gehen Sie auch bei jeder Witterung raus? Ja. Bei Regen und Schnee braucht es ein bisschen mehr Überwindung, aber das gehört bei meinem Sport dazu. Wo führt Sie denn Ihre Lieblingsstrecke hin? Wenn ich zu Hause in Münsingen bin, gehe ich auf den Hürnberg. Ich trainiere aber auch mehrmals im Jahr in Skandinavien, das ist für mich zu einer zweiten Heimat geworden. Dort renne ich gern durch die Wälder mit ihren moosigen, weichen Böden. Hören Sie beim Trainieren Musik? Nein, nie. Das kann ich mir nicht vorstellen. In der Natur gibt es genug zu sehen und zu hören.

Sie sind Biologin und haben mit Malin eine eineinhalbjährige Tochter. Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft unseres Planeten? Ja. Es ist nicht so, dass ich jeden Tag schwarzmalen würde. Aber immer, wenn ich Meldungen über den Klimawandel höre oder lese, finde ich, dass uns dieses Thema beschäftigen muss. Ich hoffe, dass die künftige Generation die Natur auch immer noch so geniessen kann wie wir. War Umweltschutz vor Ihrem Studium bereits ein Thema für Sie? Ja. Meine Eltern waren beide Lehrer und haben ähnliche Ansichten wie ich. In Ihrer Diplomarbeit haben Sie sich mit biologischer Schädlingsbekämpfung beschäftigt. Worum ging es da? Ich habe einen Käfer untersucht, den man gegen eine schädliche Distel einsetzen kann, ohne dabei Chemie zu verwenden. Das war ein kleines Puzzleteil einer gross angelegten Forschung an der Uni Bern. Haben Sie die Klima-Konferenz in Kopen­ hagen verfolgt? Ein bisschen. Ich finde es bedenklich, dass am Ende nicht viel rauskam. All die mächtigen Leute, die in Kopenhagen zusammenkamen, hätten doch genug Einfluss, um ­etwas zu ändern. Was läuft falsch? Es ist relativ einfach, über den Klima­ wandel zu sprechen, aber danach Geld

i­ nvestieren will niemand. Irgendwie brauchte es einen ökologischen SuperGAU, der allen die Augen öffnen würde – es ist fünf nach zwölf. Sie wählen sehr gezielt Ihre Sponsoren aus. Was sind Ihre Kriterien? Ich möchte voll hinter den Produkten stehen können. Sie müssen zu meiner Person passen. Grundsätzlich soll nicht das Geld im Vordergrund stehen, sondern ein nachhaltiges Engagement. Wie würden Sie auf ein lukratives An­ gebot eines Autoherstellers reagieren? (Lacht.) Das hatte ich gottlob noch nie. Aber ein Ferrari würde wirklich nicht passen. Fahren Sie persönlich Auto? Ja, wir haben ein Auto. Ich habe es 2003­ an der Tombola zur Wahl des Sportlers des Jahres gewonnen. Ich war Glücksfee und habe mein eigenes Los gezogen. Das war völlig crazy, aber ein Jurist war dabei, und es ist alles richtig abgelaufen. Was ist es für ein Modell? Ein Audi A3. Der ist bezüglich Umweltfreundlichkeit nicht der Beste, aber auch nicht der Schlechteste. Wir versuchen das Auto aber sinnvoll einzusetzen. Das heisst? Wir kommen im Jahr etwa auf 15 000 Kilo­ meter. Zudem haben mein Mann und ich das Generalabonnement der SBB und sind Mitglied bei Mobility, der genossenschaftlichen Autoverleihung. Wie oft sind Sie im Zug unterwegs? Im Alltagsleben fast jeden Tag, auch zum Flughafen nehme ich die Bahn. Da wären wir beim Thema Fliegen … … ja genau. Das kann ich leider nicht vermeiden. Vier- bis fünfmal im Jahr fliege

„Irgendwie brauchte es einen ökologischen Super-GAU, der allen die Augen öffnen würde – es ist fünf nach zwölf.“ 20

Simone Niggli-Luder www.simoneniggli.ch Schloss und Region www.schlosshuenegg.ch www.hilterfingen.ch

Erste Doppelseite: Blazer von H & M, Foulard von UNA, Zürich, Jupe von Forte bei Vestibule, Zürich. Diese Seite: Kleines Foto: Blazer von Amity bei Globus, Schal von Himalayan Cashmere Company bei UNA, Zürich, Handschuhe von UNA, Hose von Our Legacy bei On y va, Zürich. Grosses Foto: Mantel See by Chloé bei Maud, Zürich, Pulli Armor Lux bei Dings, Zürich, Hose Svenson bei Dings, Stiefel Tretorn bei Dings.

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GRUEN: Einen Tag lang posierten Sie für uns im Schloss Hünegg im bernischen Hilterfingen. Wie gefiel Ihnen das? Ich fühlte mich in diesem üppigen Interieur wie in einem Märchenschloss! Obwohl ich in der Region wohne und wir unser Hochzeitsessen in Hilterfingen hatten, war ich das erste Mal im Schloss drinnen.

Manchmal hat man das Gefühl, dass der Wald in der Schweiz mit all den Joggern, Hundebesitzern und Bikern zum Rummel­ platz wird. Man trifft natürlich viele Leute an. Ich kann mir zum Glück meine Trainingszeiten frei aussuchen. Aber vor den Hunden habe ich schon Angst.

Bald zieht Simone Niggli-Luder mit Mann Matthias und Töchterchen Malin um: «In Münsingen bauen ­wir unser eigenes Minergie-Holzhaus.»

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gruen cover

ich nach Skandinavien. Zum Glück ist die WM im nächsten Jahr im norwegischen Trondheim und nicht in Japan wie auch schon. Kompensieren Sie Ihre Flüge? Ja. Ende Jahr bezahlen wir eine CO2-Kompensation ein – obwohl einige dies als ­reine Gewissensberuhigung kritisieren. Aber ich finde, das ist besser als gar nichts tun.

Konsequent: «Ich kaufe saisonale Lebensmittel. Erdbeeren im Winter finde ich eine Katastrophe, das könnte ich gar nicht essen», sagt Niggli-Luder.

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Blumenkleid Sessùn bei Globus, Armreif Globus, Cardigan Marc O’Polo, Gürtel Woodwood bei On y va, Zürich, Strumpfhose Fogal, Schuhe Lele Pyp. Fotografin: Sarah Maurer für aich.ch / Styling: Marisa Pichler / Hair & Make-up: Nicola Fischer für style-council.ch / Assistent: Thomas Stöckli

Sie werben auf Plakaten für ­Bio-Geschäfte. Wo kaufen Sie persönlich ein? Das Gemüse kaufe ich an einem Bauernhofstand in Münsingen. Ich wähle nicht durchs Band Bio-Lebensmittel, bei Eiern und Milch achte ich aber immer drauf. Aus­serdem gehe ich zum Metzger oder zum Bäcker im Dorf.

„Ich bezahle eine CO2-Kompensation für meine Flüge. Einige kritisieren dies als reine Gewissensberuhigung, ich finde es besser als nichts tun.“ Wie warm ist es bei Ihnen zu Hause? Im Wohnzimmer zwanzig Grad, im Schlafzimmer heizen wir sehr wenig, dort ist es um die siebzehn, achtzehn Grad warm.

bahnen gebaut. Besser sollte man den ÖV billiger machen. Zudem finde ich die Förderung von nachhaltiger und umweltschonender Energie wichtig.

Worauf verzichten Sie? Ich kaufe saisonale Lebensmittel. So was wie Erdbeeren im Winter finde ich eine Katastrophe, das könnte ich gar nicht essen.

Welche Art Heizung haben Sie? Im Moment noch eine Ölheizung, aber wir bauen ein eigenes Haus in Münsingen, im März gehts los.

Wie muss man Umweltschutz vermitteln? Im Bereich Umweltschutz ist vieles schwammig, man muss den Leuten ganz konkret zeigen, was sie persönlich machen können.

Haben Sie als Spitzensportlerin einen ­speziellen Ernährungsplan? Nein, überhaupt nicht. Durch meine Eltern habe ich einen gesunden Ernährungsstil mitbekommen. Ich höre auf meinen ­Körper. Er sagt mir, was er braucht.

Wie sehen die Pläne aus? Wir bauen ein Holzhaus, das aus vor­ gefertigten Teilen besteht. Es wird ein Minergie-Haus, was inzwischen ja fast Standard ist. Wahrscheinlich gibt es eine Wärme­pumpen-Heizung mit Erdsonde, bezüglich Solarzellen sind wir noch am Abklären.

Kochen Sie gern? Ja, sehr. Wir sind viel unterwegs, müssen in Restaurants essen. Dann geniesse ich es extrem, zu Hause selber zu kochen. Wie oft essen Sie Fleisch? Wenig. Einmal, höchstens zweimal wö­ chent­lich. Wir haben am liebsten Poulet. Ich schaue auch, dass wir regelmässig Fisch essen. Wie ökobewusst ist Ihr Mann? Matthias ist sehr ähnlich wie ich, manchmal sogar noch konsequenter. Er hat beispiels­weise zu Hause bei den Elektro­ geräten Standleisten zwischengeschaltet. Was tragen Sie sonst zu Hause zum Umweltschutz bei? Wir haben Sparbrausen und bei den Wasser­ hähnen spezielle Aufsätze. Wie oft duschen Sie? Wegen der Trainings meist zweimal am Tag, aber dann ganz kurz. Baden Sie? Praktisch nie. Malin geniesst unsere Badewanne.

Gibt es weitere Kinderzimmer? Wir haben einfach ein grosses – aber aus diesem könnte man auch zwei machen. Nach der Geburt von Malin sind Sie erfolgreich in den Spitzensport zurückgekehrt. Was wäre die Alternative gewesen? Mami sein allein ist schon ein Job. Ausserdem könnte ich auch im Bereich der Biologie arbeiten, zum Beispiel in einem Ökobüro. Während meiner Schwangerschaft habe ich eine OL-Trainerausbildung gemacht. Ich ­würde gern später mein Wissen weitergeben. Wo könnte sich die Schweiz als Land noch verbessern? Der öffentliche Verkehr ist sicher sehr fortschrittlich. Trotz­dem werden immer noch viele Strassen und Auto­

Sie sind Botschafterin für Biovision oder «Velos für Afrika». Wie engagieren Sie sich dort? Ich stehe mit meinem Namen für die Organisationen ein. Bei Biovision habe ich in Afrika Projekte besucht. Sie setzen sich ­unter anderem für biologische Schädlingsbekämpfung ein. Ich bekomme viele Anfra­ gen und wähle ganz gezielt aus. Ich finde, man sollte nicht überall mitmachen.

der gruen-footprint Wie ökologisch ernährt sich Simone Niggli-Luder? Fleisch Fisch Käse Fertigprodukte Bio-Produkte Früchte und Gemüse Qualität Getränke Total Punkte

10 10 16 4 6 6 3 9

64

64 Punkte = Simone Niggli-Luder ist guter Schweizer Durchschnitt. Die Sportlerin isst gern Fisch. Wenn sie beim Kauf auf MSC- (www.msc.org/de) und Bio-­ Fische ­achten würde, gäbe es mehr Punkte. Der GRUEN-Footprint wurde vom WWF Schweiz für SI GRUEN ­entwickelt. Der Test soll für den Alltag sensibilisieren und Spass ­machen. Berechnen Sie Ihren eigenen Footprint auf den Seiten 24 und 25.

Simone Niggli-Luders Engagement www.biovision.ch www.velosfuerafrika.ch www.kovive.ch www.righttoplay.ch

23


gruen footprint

4. fertigprodukte: Wie häufig essen Sie Fertig- oder Tiefkühlprodukte (Pizza, Lasagne usw. vom Grossverteiler)? O mehrmals pro Woche 0 Punkte O mehrmals pro Monat 2 Punkte O nie 4 Punkte

der gruen-footprint

Wie GRUEN essen Sie?

5. bio-produkte: Welchen Anteil haben Bio-Produkte in Ihrem Einkaufswagen? O weniger als 20 Prozent 0 Punkte O 20 bis 70 Prozent 6 Punkte O über 70 Prozent 9 Punkte

Geniessen statt reinschaufeln: Das macht glücklich und satt – und schont die Umwelt. Testen Sie, wie grün Ihre Essgewohnheiten sind.

6. früchte und gemüse: Kaufen Sie Früchte und Gemüse konsequent nur dann, wenn Sie bei uns Saison haben? O nein 0 Punkte O manchmal 4 Punkte O meistens 6 Punkte O immer 8 Punkte 7. qualität: Wenn Sie vor der Fischtheke stehen, welches ist Ihr wichtigstes Auswahlkriterium? O Frische 1 Punkt O Empfehlung des Verkäufers oder der Verkäuferin 1 Punkt O Herkunft 3 Punkte O Ich kaufe nur MSC*- und Bio-Fische bzw. -Meeresfrüchte 8 Punkte *) Nachhaltig gefischte Wildfische erkennt man am MSC-Label des Marine Stewardship Council, Zuchtfische am Bio-Label.

Fleisch Fisch Käse Fertigprodukte Bio-Produkte Früchte und Gemüse Qualität Getränke

TOTAL PUNKTE

24

Wir wissen, wie wir uns gesund ernähren können. Aber wissen wir auch, welche Folgen jede einzelne Mahlzeit auf die Umwelt hat? Antwort gibt der vom WWF für GRUEN erstellte Test.

AUSWERTUNG

1. fleisch: Wie häufig essen Sie Fleisch (von den Speck­ würfeli über das Schinkensandwich bis zum Steak)? O mehr als einmal täglich 0 Punkte O einmal täglich 5 Punkte O zwei- bis dreimal pro Woche 10 Punkte O weniger als einmal pro Woche 20 Punkte O nie 25 Punkte

O 3 bis 40 Punkte

2. Fisch: Wie häufig essen Sie Fisch oder Meeresfrüchte (Crevetten und Lachsbrötli nicht vergessen)? O mehrmals pro Woche 0 Punkte O mehrmals pro Monat 10 Punkte O selten 15 Punkte O nie 25 Punkte 3. käse: Wie häufig essen Sie mehr als 50 Gramm Käse? 0 Punkte O zweimal täglich oder mehr O einmal täglich 4 Punkte O zwei- bis dreimal pro Woche 8 Punkte O zwei- bis dreimal pro Monat 16 Punkte O nie 20 Punkte

Testen Sie sich noch umfassender www.wwf.ch/footprint Sponsor www.swisscanto.ch Fleischlos essen www.wwf.ch/rezepte www.bettybossi.ch

O 40 bis 70 Punkte

O 70 bis 108 Punkte

Fotos: WWF

ihr persönlicher gruen-footprint

8. getränke: Was trinken Sie zu Hause am meisten? 2 Punkte O Bier und Wein O Fruchtsäfte, Süssgetränke 3 Punkte O Mineralwasser aus der Flasche 3 Punkte O selbst hergestelltes Sprudelwasser 6 Punkte O Leitungswasser 9 Punkte

Herzlichen Glückwunsch! Ihnen stehen tausend Möglichkeiten offen, um Ihren Ernährungs-Fussabdruck zu verringern. Probieren geht über studieren – legen Sie gleich los. Sie sind guter Schweizer Durchschnitt. Aber das kann ja wohl nicht Ihr Ziel sein. Also los, es gibt erhebliches Verbesserungspotenzial bei Ihren Ernährungsgewohnheiten. Viel Spass und guten Appetit! Super, Sie machen fast alles richtig! Laden Sie Ihre Freunde und Verwandten ein, und begeis­tern Sie auch diese für eine leichte, lustvolle Ernährung.

5 fragen an Jennifer Zimmermann, WWF GRUEN: Spielen die Ess­ gewohnheiten wirklich eine grosse Rolle, wenn es um nachhaltigen Lebensstil geht? Die Ernährung macht ein Drittel unseres gesamten ökologischen Fussabdrucks aus. Auf dem langen Weg der Lebensmittel bis auf den Teller wird eben viel Energie, Wasser und Landfläche verbraucht. Der Fleischkonsum gibt sehr viele Punkte. Weshalb? Die Fleischproduktion hat verschiedene negative Auswirkungen. Einerseits geht viel Energie verloren: Um eine Kilokalorie (kcal) aus Fleisch zu produzieren, benötigt es durchschnittlich fünf­ einhalb Kilokalorien in Form von pflanzlichem Futter. Und: Für ein Kilo Rindfleisch werden 15 500 Liter Wasser verbraucht – als Trinkwasser fürs Tier, zur Herstellung von Futtermitteln oder zur Bewässerung. Auch wird immer noch Wald abgeholzt, um Soja für Futtermittel anzubauen. Zudem produzieren Tiere durch die Verdauung grosse Mengen an klima­ schädigenden Methangasen. 18 Prozent der weltweiten Treib­ hausgas-Emissionen gehen aufs Konto der Tierhaltung. Also überhaupt kein Fleisch mehr essen? Die Schweizerinnen und Schweizer essen durchschnittlich neunmal pro Woche Fleisch. Darin inbegriffen sind auch die Speckwürfeli im Nüsslisalat oder die Schinkenstückli auf der Pizza. Wenn wir unseren Konsum nur schon auf dreimal

Jennifer Zimmermann, Ernährungsspezialistin beim WWF Schweiz.

pro Woche reduzieren, könnten wir die Belastung im Ernährungs­ bereich um 20 Prozent reduzieren. Die Devise lautet: Weniger, dafür bewusster. Sind Fische eine Alternative zum Fleisch? Bei den Fischen fällt vor allem der Energieaufwand für Fang und Transport ins Gewicht. Fische kommen oft von weit her und werden teilweise per Flugzeug transportiert. Zudem sind viele Bestände überfischt. Deshalb gilt: Wenn Fisch, dann mit dem Biooder dem Nachhaltigkeits-Label MSC oder aus Schweizer Seen. Was kann ich als Genuss­ mensch tun, um lustvoll und doch ökologisch zu essen? Fleisch und Fisch mit Verstand und in kleineren Portionen essen und dafür dann doppelt geniessen. Zudem gibt es auch viele hervorragende fleischlose Gerichte. Auf der WWFWebsite veröffentlichen wir alle zwei Monate saisongerechte vegetarische Rezepte.

Der WWF unterstützt Schweizerinnen und Schweizer dabei, ihren ökologischen Fuss­ abdruck zu verringern; sei dies beim Wohnen, beim Essen, bei der Mobilität oder in anderen Lebensbereichen. Für eine erste Standort­ bestimmung bietet der WWF den neuen Foot­ print-Rechner an. Spielerisch können Benutze­ rinnen und Benutzer in kurzer Zeit ihre eigene Lebensrealität nachbauen und erfahren, wie viele Planeten es brauchen würde, wenn alle so leben würden wie sie. www.wwf.ch/footprint.ch

Nachhaltige Meeresfische www.msc.org Schweizer Fische www.schweizerfisch.ch Wasserverbrauch de.wikipedia.org (virtuelles Wasser)

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gruen Interview

heinz karrer

„Strom ist saubere Energie“ Text: Monique Ryser / Fotos: Marc Wetli

Er beliefert Millionen Schweizer mit Strom. Für den Axpo-Chef ein Spagat zwischen Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit.

GRUEN: Ohne Strom läuft in unserer Welt nichts mehr … … und in Zukunft noch viel weniger. Der Stromverbrauch wird sich bis 2050 um 50 bis 70 Prozent erhöhen. Aber es gibt doch immer mehr Massnahmen zur Reduzierung des Stromverbrauchs? Das schon. Aber gleichzeitig ist Strom eine saubere Energie, und die Tendenz geht klar dahin, fossile Brennstoffe wie Öl und Benzin durch Strom zu ersetzen.

Nachhaltigkeit gehört zur ­Strategie – und Axpo-Chef Heinz Karrer sorgt dafür, dass das auch im Alltag gelebt wird.

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Der Konzern www.axpo.ch Die Konkurrenz www.alpiq.ch Der Verband www.vse.ch Der Entsorger www.nagra.ch Die internationalen

Saubere Energie? Der Strom aus Atomkraftwerken (AKW) ist CO2-frei. Aber sauber? Für unsere zwei Werke Beznau 1

und 2 haben wir eine Lebens­ zyklus-Analyse erstellen lassen. Dabei wurde alles – der ganze Kreislauf von der Urangewinnung über den Bau bis zur Lagerung der radioaktiven Abfälle – einberechnet. Diese Analyse zeigt, dass der Strom aus Kernkraftwerken sogar weniger Treibhausgase produziert als Wasserkraft. Dafür bleiben die hochgefährlichen radioaktiven Abfälle zurück, die bis zu 100 000 Jahre lang Strahlung abgeben. Das ist so. Das Problem der Lagerung muss gelöst werden. Ich bin zuversichtlich, dass wir bis 2020 einen Standort haben. Die Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioak-

tiver Abfälle) wird nach geologischen und Sicherheitskriterien einen geeigneten Platz finden. Aber niemand will ein solches Endlager bei sich haben. Da bin ich anderer Ansicht. Die Schweizerinnen und Schweizer haben ein grosses Verantwortungsgefühl und sind sehr wohl der Ansicht, dass wir die eigenen Probleme selber lösen müssen. Das gilt auch für die ­radioaktiven Abfälle. Und es ist ja kein Endlager: Das Lager muss so kon­ zipiert sein, dass man wieder an die Abfälle rankommt – künftige Reaktoren werden den grössten Teil der Abfälle als Brennstoff nutzen. Es gibt schon Forschungs­ ansätze, um die Langlebigkeit der Abfälle zu reduzieren.

Stromriesen www.rao-ees.ru/en www.edf.com www.eon.com Strom sparen www.1to1energy.ch www.greenpeace.ch

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Sie sind viel in den Bergen. Macht es Ihnen Angst, wenn Sie sehen, dass die Gletscher immer mehr zurückgehen? Ich bin nicht nur gern in den ­Bergen, ich bin naturverliebt. Die Natur zu schützen, ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Deshalb will ich meine Verantwortung wahrnehmen und in meinem Einflussbereich alles tun, um der Umwelt Sorge zu tragen. Als Privatmann, ­indem wir unser altes Haus energie­ gerecht umbauen. Als Konzernchef der Axpo, indem Nach­ haltigkeit zur Strategie gehört und im Alltag gelebt wird. Die Stromkonzerne haben für 2018 eine Stromlücke prognostiziert. Ist das Angstmache, damit sie ihre alten AKW ersetzen können? Überhaupt nicht. Die ­Stromlücke ist Tatsache. Nach 2020 müssen drei KKW abgeschaltet werden. Und ab 2016 laufen die ImportVerträge mit den französischen Kernkraftwerken kontinuierlich aus. Die Verträge wurden ab­geschlossen, als das Kernkraftwerk Kaiseraugst aufgegeben wurde und klar war, dass in den nächsten Jahren in der Schweiz kein neues KKW gebaut werden kann. Das Problem wurde dann einfach ins Ausland verlagert. Atomkraftwerke machen nun mal Angst, denken wir an den Unfall in Tschernobyl!

Das war eine Katastrophe. Ich kann mich noch gut erinnern, als es hiess, man solle keinen Salat aus dem Tessin essen, weil die Radioaktivität mit den Wolken bis in die Schweiz gelangt ist. Man muss aber wissen: Ein Unfall wie in Tschernobyl kann bei modernen KKW nicht passieren. Das Risiko ist immer da. Das stimmt. Auch wenn es noch so minim ist. Wir tun alles, ­dieses Risiko zu mindern. Axpo hat sich zum Ziel gesetzt, die ­sichersten Anlagen zu haben. Die Werke werden regelmässig von den Sicherheitsbehörden und von der Wano (World Association of Nuclear Operators) überprüft. Wir messen uns an den höchsten internationalen ­Sicherheitsstandards. Wir ­haben x-fach Redundanzen eingebaut, wir arbeiten mit der modernsten Technik, und wir schulen die Mitarbeiter laufend. Wir sind uns auch bewusst, dass der Mensch Fehler macht. Deshalb muss die Sicherheit auch dann gewährleistet sein, wenn ein mensch­ licher Fehler passiert. Dieser Prozess ist nie abgeschlossen, wir wollen uns laufend ver­ bessern. Die Axpo hält, wie auch die ­anderen grossen Schweizer Energiekonzerne, an der Atomenergie fest. Alle drei Konzerne wollen ein neues AKW bauen. Drei werden sicher nicht gebaut. Axpo und BKW haben sich auf zwei gemeinsame Ersatz-KKW in Mühleberg und Beznau ge­ einigt. Diese Werke müssen als erste ersetzt werden. Das ­Projekt liegt vor. Wir rechnen mit einem Abstimmungstermin 2013.

Hier läuft die Stromproduktion auf vollen Touren – Tag und Nacht. Blick in den riesigen Maschinenraum des Kernkraftwerks Beznau.

Und Sie glauben, dass die Stimmberechtigten Ja sagen? Ja. Der Strombedarf muss gedeckt werden. 40 Prozent der Schweizer Stromproduktion kom­men aus Kernkraft. Am Verbrauch hat die Kernenergie durch die Importe aus Frankreich sogar einen Anteil von bis zu 70 Prozent. Die Alternative zu einem KKW wären Gas-KombiKraftwerke, die aber die Umwelt viel mehr belasten. Regel­mässige Umfragen deuten seit ein paar Jahren auf eine zunehmende ­Akzeptanz der Kernenergie. Sie haben Gas-Kombi-Kraftwerke doch nur vorgeschlagen, weil sie Dreckschleudern sind und so die AKW als saubere Energieproduzenten erstrahlen lassen. Nein, die Alternative sind nun mal Gas-Kombi-Kraftwerke oder vermehrter Import von Kern- oder Kohlekraft aus dem Ausland. Ich denke aber, dass die Schweizerinnen und Schweizer ein hohes Verantwortungs-

„Ich liebe die Natur. Die Natur zu schützen, ist für mich eine Selbstverständlichkeit.“ 28

gefühl haben, ihre Probleme selber anzugehen. Es gäbe doch noch weitere ­Alternativen. Beispielsweise den Ausbau der Wasserkraft – immerhin ist die Schweiz das Wasserschloss Europas. Die Wasserkraft macht bereits 55 Prozent der Schweizer ­Energieproduktion aus, und die Axpo ist schon heute der grösste Schweizer Produzent von Strom aus Wasser. Wir bauen zurzeit für zwei Milliarden Franken im Glarnerland mit Linthal 2015 das grösste Wasser­ kraftwerk der Schweiz. Das Pump­speicher-Kraftwerk Limmern wird mit einer Leistung von 1000 Megawatt annähernd die Leistung des Kernkraftwerks Leibstadt erreichen. Wir haben auch viele KleinwasserKraftwerke am Netz. Nur: Man darf sich keine Illusionen machen. Die Wasserkraft kann nicht unbeschränkt ausgebaut werden. Der Klimawandel wird zu einem Rückgang der Wasserproduktion führen. Dann gibt es auch Umwelt­schutzgründe: Ein Wasserkraftwerk ist ein Eingriff in die Landschaft und den Wasserhaushalt. Die gesetzlichen Vorschriften schreiben zudem vermehrt Restwassermengen vor, um das Leben in Flüssen und Bächen zu schützen. Wir werden deshalb in den nächsten Jahrzehnten weni-

Foto: Axpo

gruen Interview

Ihnen kann das Abfallproblem egal sein. Sie sind für die Stromproduktion verantwortlich. Nein, das ist nicht so. Wir fühlen uns sehr wohl verantwortlich. Vom Anfang bis zum Schluss.

Strom sparen www.energiedialog.ch www.uvek.admin.ch www.hev-schweiz.ch Alternativenergien www.wind-data.ch www.poweron.ch

«Das Problem der Lagerung muss gelöst werden» – Axpo-Chef Heinz Karrer ist zuversichtlich.

www.suisse-eole.ch/de Die Stiftung www.energiestiftung.ch So sieht unsere Zukunft aus www.stromzukunft.ch

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gruen Interview

„Ich bin überzeugt, dass die Energieversorgung des nächsten Jahrhunderts anders sein wird.“ ger Wasser für die Stromproduktion zur Verfügung haben. Es gibt auch Windenergie. In der Schweiz liefern die Wind­ ener­­gieanlagen zurzeit 0,03 Prozent des Stromverbrauchs. Die Kleinräumigkeit der Schweiz und die geografische Lage sind nicht optimal, es eignen sich nicht zuletzt aufgrund des Land­­schaftsschutzes eigentlich nur Teile des Jura­bogens. Um ein KKW zu ersetzen, bräuchte es 6000 1-MW-Windturbinen und zusätzliche Regelkraft­werke. Sonnenenergie? Auch dafür ist die Schweiz nicht der ideale Ort. In Afrika oder im Süden Europas kann man die unbegrenzte Sonnen-

energie effizienter nutzen. Im Moment ist es noch einfacher und wirtschaftlicher, aus Sonne Wärme zu produzieren – viele Sonnenkollektoren auf ­Schweizer Dächern machen genau das. Aber auch hier ist das Potenzial in der Schweiz ins­gesamt limitiert. Nicht nur die Sonne, sondern auch der Erdkern liefert Hitze und damit Energie. Welche Chancen hat die Geothermie? Da sehe ich langfristig das grösste Potenzial. Bereits werden ja viele Liegenschaften mit Erdwärme geheizt – damit ­können fossile Energieträger ­ersetzt werden. Um Strom zu produ­zieren, müssten wir in rund 5000 Kilometer Tiefe

der gruen-footprint Wie ökologisch ernährt sich Heinz Karrer? Fleisch Fisch Käse Fertigprodukte Bio-Produkte Früchte und Gemüse Qualität Getränke Total Punkte

5 10 16 2 6 4 3 3

49

49 Punkte = Axpo-Chef Heinz Karrer liegt gut im Schweizer Durchschnitt. Es gibt aber bei ihm noch Verbesserungs­ potenzial bei den Ernährungsgewohnheiten. ­Vorschlag: Noch mehr Bio und weniger Käse! Der GRUEN-Footprint wurde vom WWF Schweiz für SI GRUEN ­entwickelt. Der Test soll für den Alltag sensibilisieren und Spass ­machen. Berechnen Sie Ihren eigenen Footprint auf den Seiten 24 und 25.

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eindringen. Im Moment sind wir technisch noch nicht so weit. Ich bin aber überzeugt, dass in den nächsten Jahrzehnten in diesem Bereich grosse Fortschritte gemacht werden. Könnten wir nicht noch warten, bis das der Fall ist? Nein, das geht sicher zu lange. Wir waren am Geothermie-­ Projekt in Basel beteiligt, das wegen der Auslösung eines kleinen Erdbebens abgebrochen werden musste. Es gibt noch viele ­Fragen zu klären. Wir befinden uns in einem Jahrhundert des Umbruchs – ich bin überzeugt, dass die Energieversorgung des nächsten Jahrhunderts eine andere sein wird als heute. Neben der Geothermie wäre auch die Kernfusion, die originäre Sonnenenergie, eine Option. Aber auch diese Technologie ist noch in weiter Ferne. Welches Potenzial haben neue Energien wie Wind, Sonne, Wasser und Biomasse? Heute machen sie in der Schweiz unter einem Prozent der Stromproduktion aus. Das wird kon­sequent ausgebaut, nicht zuletzt durch Axpo. Wir sind bereits der grösste Schweizer Produzent dieser neuen Ener­gien und wollen drei Milliarden Franken in den weiteren Ausbau inves­tieren. Trotzdem reicht es bei Weitem nicht, dass wir in den nächsten Jahrzehnten eine grundsätzlich andere Energie­politik machen könnten. ­Deshalb gilt nicht «entweder oder», sondern «sowohl als auch».

Die Dialogplattformen www.immergenugstrom.ch www.vimentis.ch www.energiedialog.ch

grösster strom-­ produzent der konzern beschäftigt über 4000 Mitarbeitende und versorgt zusammen mit Partnern rund drei Millionen Menschen in der Schweiz mit Strom. Die Axpo Holding AG mit Sitz in Baden ist im Eigentum der Nordostschweizer Kantone. DIE stromproduktion beruht auf Kernenergie, hydraulischer Energie und erneuerbaren Energien. Der Energieabsatz pro Jahr beträgt rund 32 000 Millionen kWh. Die Axpo AG ist auch im Stromhandel tätig. gesuch eingereicht Die Axpo AG und CKW ­haben zusammen mit BKW FMB Energie AG beim Bundesamt für Energie (BFE) je ein Rahmen­bewilligungs­ gesuch für den Ersatz der Kernkraftwerke Beznau und ­Mühleberg eingereicht. Der Bundesrat wird laut BFE voraussichtlich Mitte 2012 über die Rahmen­bewilligungs­ gesuche ­entscheiden. Zudem sind auch die Projektarbeiten für die Neukonzessionierung des hydraulischen Kraftwerks Beznau ­angelaufen.


die gruene liste

top 30 Sie ziehen sich aus, hungern oder demonstrieren. Sie fliegen im Solarflugzeug um den Globus oder leben während Monaten auf einem Baum. 30 Stars und Abenteurer, die sich mit engagierten Aktionen für das Klima und eine bessere Welt einsetzen. Text: Barbara Halter

Paul Watson, 59

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 Engagement: Sea Shepherd kämpft gegen Walfang, Robbenjagd und übermässige Fischerei. Mit schwarzen Schiffen und gehisster Piratenflagge verfolgen die Aktivisten die Jäger. Watson selbst nennt ihre Strategie «aggressive Nichtgewalt». Erst kürzlich kam es zu einem Zwischenfall: In der Antarktis rammten japanischen Walfänger sein Hightech-Boot «Ady Gil».  Na-ja-Faktor: Captain Watson schreckt vor militanten Mitteln nicht zurück: Er prahlt damit, 13 Walboote versenkt zu haben. Sea Shepherd beschiesst zudem illegale Fangflotten mit stinkender Butter­säure, um die Fische wertlos zu machen.

gruen-Faktor

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 GRUEN-Faktor: Über Watsons Methoden kann man geteilter Meinung sein. Böse Zungen bezeichnen ihn gar als rücksichtslosen Egozentriker. Trotzdem ernannte ihn das amerikanische «Time ­Magazine» 2000 zu einem Umwelthelden des 20. Jahrhunderts.

Das Rating 10: Voller Einsatz, mit allen Konsequenzen 9: Nutzen ihre Vorbildfunktion 8: Guter Wille ist der Anfang zu Veränderung 7: Auf

gruen-Faktor

Alicia Silverstone, 33  Die Bloggerin: Die amerikanische Schauspielerin wurde 2004 von Peta zur «sexiest female vegetarian» gewählt – ganz nackt ­präsentierte sie sich in einer Kampagne der Tierschutzorganisation (siehe oben). Alicia Silverstone ist Veganerin, verzichtet also nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf alle anderen tierischen Produkte. Wie das geht, verrät sie in ihrem leider nur auf Englisch erhält­lichen Buch «The Kind Diet». «Ich versuche, objektiv aufzuzeigen, wie unsere Ernährungsentscheidungen und Umweltprobleme zusammenhängen», sagte sie zu ihrem Werk. Silverstone lebt mit ihrem Mann Christopher, der ebenfalls Vegi ist, in einem Ökohaus in Los Angeles. Dazu gehört ein Gemüsegarten, wo sie sich gern nackt betätigt, wie sie in einem Interview verriet.

 Engagement: Filmmässig herrscht bei Alicia Silverstone eher Ebbe – nach ihrem Durchbruch mit der Teeniekomödie «Clueless» kam nicht mehr viel. Dafür ist die Schauspielerin auf dem Gebiet

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des Umweltschutzes sehr umtriebig. Ihr guter Freund Woody ­Harrelson habe sie für dieses Thema sensibilisiert, sagte sie. Das Wissen gibt sie nun gern weiter. Neben dem Buch hat Alicia ihren eigenen Blog «The Kind Life». Dort verrät Silverstone Rezepte für Quinoa-Couscous oder Randensuppe. Sie gibt Tipps für trendige, ökologische Kleider und Accessoires und klärt ihre Leser über den Carbon-Footprint, die Emissionen an CO2 und anderen Treibhausgasen, auf. Ausserdem lancierte Alicia ihre eigene NaturkosmetikLinie Eco-Tools.  Na-ja-Faktor: Buch, Blog und Kosmetik-Linie – Alicia Silver­ stone mischt in der grünen Konsumwelt kräftig mit und verdient ­dabei wohl auch ziemlich gut.  GRUEN-Faktor: Silverstones Blog macht Spass – auch wenn er natürlich sehr auf Amerika ausgerichtet ist. Die Schauspielerin schreibt regelmässig und zeigt auch persönliche Fotos. Ihr Engagement scheint ihr wirklich ernst zu sein.

alle Fälle ein gutes Herz 6: Immer beim neusten Trend dabei 5: Ausziehen gibt Aufmerksamkeit und schmeichelt (auch) dem Ego

Foto: Peta

Foto: Eric Cheng / Sea Shepherd Conservation Society

 Der Öko-Pirat: Bereits als zehnjähriger Bub befreite Paul ­Watson Tiere aus den Fallen von Pelzjägern. 1971 protestierte er mit Gleichgesinnten gegen einen amerikanischen Atombombentest in Alaska. Aus dieser Gruppe heraus entstand später Greenpeace, wo er unter der Nummer 007 agierte. Für Watson war die Organisation aber bald zu wenig radikal. Der Kanadier zerstritt sich mit den anderen Mitgliedern und gründete 1977 die Sea Shepherd ­Conservation Society.

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Die First Gärtnerin: Michelle Obama hat einen Doktortitel in Jura, ist Mutter von zwei Mädchen und hat sich in ihrem ersten Jahr als amerikanische First Lady zum Vorbild vieler Frauen entwickelt. Ihre natürliche Art kommt bei der Mehrheit der Amerikaner gut an. Sie möchte ihre Position vor allem dafür nutzen, um Fettleibigkeit bei Kindern zu bekämpfen. «Ich möchte etwas schaffen, das bleibt. Etwas, bei dem die Leute später sagen werden: Das und das hat sich verändert, während diese Frau im Weissen Haus war. Ich hoffe, dass mir das auf dem Ernährungssektor gelingt.» gruen-Faktor

 Engagement: Die Gattin des US-Präsidenten packt an. Beim Anlegen des 102 Quadratmeter grossen Bio-Gartens im Weissen Haus nahm Michelle Obama selbst die Stechgabel in die Hand. Bald sollen dort verschiedene Gemüse und Küchenkräuter gedeihen. ­Unterstützung erhielt sie von Schulkindern, die beim Umstechen der Beete helfen durften. Um den Kindern Gemüse schmackhaft zu machen, trat sie ausserdem in der «Muppet Show» auf.

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 Na-ja-Faktor: Schwierig, was zu meckern – Michelle Obama macht einen guten Job. Dass ihr Mann mit seinem Klimagesetz nicht vorwärtskommt, liegt nicht am Paar im Weissen Haus.

gruen-Faktor

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 GRUEN-Faktor: Sehen, wie Kartoffeln wachsen, und selber in der Erde wühlen – das ist eine gute Idee, um Kindern die Natur näherzubringen. gruen-Faktor

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Chrissie Hynde, 58  Das Rock-Chick: Chrissie steht gern in der ersten Reihe – ob als Frontfrau der Rockband The Pretenders oder als Aktivistin. «Ich sehe mich an erster Stelle als Tierrechtlerin, meine Musik ist mehr ein Hobby, das mir die Möglichkeit gibt, mich für Tiere ­einzusetzen», sagt sie. Hynde ernährt sich seit 1969 vegetarisch. In ihrem Geburtsort Akron, Ohio, eröffnete sie «The Vegi Terranean». Das Restaurant serviert veganes Essen mit italienischem Touch. Auf der Karte stehen zum Beispiel Pizza Chrissie’s Choice mit Pilzen oder Risotto mit gegrillten Artischocken. gruen-Faktor

 Engagement: Bei Protestaktionen macht Hynde gern mit: Vor einer McDonald’s-Filiale in Amerika verteilte die Rockerin ­Chicken McCruelty, also Hühnchen von McGrausam, um den Kunden den Appetit zu verderben und die Tierhaltung des Fast-Food-Riesen ­anzuprangern. In England posierte sie mit zwei Rindern und warb für ein Buch über eine freundlichere Milchwirtschaft.

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Fotos: Reflex, Getty Images

 Na-ja-Faktor: Tierschutz scheint wirklich ihr Lebensinhalt zu sein.

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gruen-Faktor

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 GRUEN-Faktor: «Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung», sagte einst der überzeugte Vegetarier Albert Einstein. Wer weniger Fleisch isst, hilft CO2 und Wasser sparen. Die industriell angelegte Tierzucht belastet die Umwelt sehr.

Das Rating 10: Voller Einsatz, mit allen Konsequenzen 9: Nutzen ihre Vorbildfunktion 8: Guter Wille ist der Anfang zu Veränderung 7: Auf

gruen-Faktor

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Daryl Hannah, 49

David de Rothschild, 31

 Die Unerschrockene: Die Schauspielerin verschanzte sich schon stundenlang auf einem Baum, um einen Bauernhof zu retten, segelte auf dem Schiff der Umweltschutzorganisation Sea Shepherd mit oder blockierte mit Aktivisten den Zufahrtsweg zu ­einem Kohleabbaugebiet.

 Der Flossbauer: Der jüngste Spross der englischen Bankiers­ familie de Rothschild führt spektakuläre Expeditionen durch, um auf die bedrohte Umwelt hin­ zuweisen. Als Nächstes will er mit seiner «Plastiki», einem Floss aus PET-Flaschen, von Nordamerika nach Australien segeln.

gruen-Faktor

9

Lewis Pugh, 40

Christina Applegate, 38

 Der Eis-Schwimmer: Der Brite schwamm am Nordpol in minus 1,7 Grad kaltem Wasser. Dieses Jahr plant er, in einen Gletschersee beim Mount Everest zu springen. Mit seinen Aktionen will Pugh aufrütteln: «Hört endlich auf, über die Klima-Erwärmung zu sprechen. Handelt!»

 Die Betroffene: «Streiche Grausamkeit von deiner Wunschliste», fordert die Schauspielerin nackt auf einem Plakat gegen Pelz. Applegate engagiert sich auch für die Früherkennung von Brustkrebs. Sie erkrankte selbst daran und musste beide Brüste amputieren lassen.

gruen-Faktor

7

Natalie Imbruglia, 35

Miranda Kerr, 26

 Duschen mit Natalie: Zusammen mit Häschen Topsy ­posierte die Sängerin nackt auf ­einem Peta-Plakat. Versehen mit dem Satz: «Ihm ist egal, wie klein der Pelzbesatz ist.» Die Austra­ lierin engagiert sich zudem für den Wasserschutz. Ihr Tipp: Duschen statt baden.

 Die Koala-Retterin: Das Model posierte nackt und an einen Baum gefesselt auf dem Titel des australischen Magazins «Rolling Stone». So machte die Australierin auf das drohende Aussterben der Koalas aufmerksam. Die Freundin von Orlando Bloom hat auch eine Naturkosmetik-Linie.

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Christy Turlington, 41

Mike Horn, 43

 Das Yoga-Model: «Lieber nackt als im Pelz», findet das ­Topmodel und liess die Hüllen fallen. Die Amerikanerin liebt Yoga über alles und schrieb ein Buch darüber. Auch engagiert sie sich als Care-Botschafterin im Kampf gegen die Müttersterblichkeit in Lateinamerika.

 Der Segler: Der Abenteurer segelt mit einer Crew aus Jugendlichen um die Welt. Die PangaeaExpedition soll den jungen Menschen die Schönheit des Planeten zeigen und sie überzeugen, dass wir diesen schützen müssen. Der gebürtige Südafrikaner lebt in Château-d’Oex VD.

gruen-Faktor

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alle Fälle ein gutes Herz 6: Immer beim neusten Trend dabei 5: Ausziehen gibt Aufmerksamkeit und schmeichelt (auch) dem Ego

Fotos: Schroewig News & Images, Wire Image / Getty Images, Bulls Press, Babiradpicture (2), People Picture, Getty Images, Keystone

die gruene liste

Michelle Obama, 46

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gruen-Faktor

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Martin Vosseler, 61

 Die Sparsame: Die Schauspielerin geht lieber nackt als im Pelz, mag vegane Taschen des ­Labels Matt & Nat: «Es ist nicht cool, ein unschuldiges Tier zu töten und sich mit ihm zu schmücken.» Mendes wuchs in einfachen Verhältnissen auf und lernte, sparsam mit Sachen umzugehen. gruen-Faktor

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Charlize Theron, 34

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Fotos: Schneider Press, Christian Flierli / Pixsil, A-Way, Adolph Press, Gnoni Press, Babiradpicture, CMK Group / CMK Images, Dukas

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 Der Solar-Flieger: Die Verbindung von Abenteuer und Wissen­ schaft liegt bei Bertrand Piccard in der Familie: Sein Grossvater und sein Vater machten mit technischen Innovationen die Erforschung des Luftraums und der Tiefen des Ozeans möglich. Dr. Piccard, der Psychiater ist, beschäftigt sich vor allem mit der Fliegerei. Seine Nonstop-Umrundung der Erde im Heissluftballon machte ihn 1999 weltbekannt. Nach diesem Erfolg gründete er die Stiftung Winds of Hope, die sich für die Bekämpfung der Krankheit Noma einsetzt. Piccard lebt mit seiner Familie in Lausanne.

 Der Solar-Pionier: Der Arzt aus Basel trat aus Protest gegen eine Strasse in den Hungerstreik. 2007 überquerte er als Erster im Solarboot den Atlantik. Auf seinem «Sunwalk 2008» wanderte Vos­ seler in sieben Monaten von Los Angeles nach New York, um für erneuerbare Energien zu werben.

 Engagement: Seit 2003 widmet sich Piccard seinem neuen Projekt «Solar Impulse». Er plant, die Erde in einem nur durch ­Solar-Energie betriebenen Flugzeug ohne Schadstoffemissionen zu umrunden. Momentan werden in der Westschweiz erste ­Testflüge durchgeführt. Eine besondere Herausforderung wird der erste Nachtflug mit gespeicherter Sonnenenergie sein.

Eva Briegel, 31

 Die Helferin: «Wenn Sie Ihren Hund nicht anziehen würden, dann tragen Sie bitte auch keinen Pelz», findet die Schauspielerin in einer Anti-Pelz-Kampagne. Die Südafrikanerin unterstützt in ihrer Heimat von HIV betroffene Kinder und Familien. Theron ist UN-Friedensbotschafterin. gruen-Faktor

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Thomas D, 41

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Bertrand Piccard, 52

 Die Kompensiererin: Die Sängerin der deutschen Band Juli liess sich für eine Vegi-Kampagne im Wirsing-Outfit ablichten. Sie findet, «dass kein Mensch das Recht hat, Tiere zu essen». Briegels Band kompensiert ihren CO2Ausstoss, indem sie in Panama Bäume pflanzen lässt.

 Na-ja-Faktor: Keiner! Einem Mann wie Bertrand Piccard ­gebührt nur Bewunderung.

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Nadja Auermann, 38

 Der Vegi-Rapper: «Esst meine Freunde nicht», sagt Thomas D und posiert nackt mit Schwein Erika auf einem Plakat. Die Sau hat der Musiker von zu Hause mitgebracht. Er lebt mit seiner Familie in einer Kommune, verzichtet auf Fleisch und trägt Shirts der Ökomarke Armedangels. gruen-Faktor

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Sadie Frost, 44

 Die Freizügige: Statt im ­roten Badedress liess sich die Schauspielerin in einem Bikini aus ­Salatblättern ablichten. Ob für Robbenbabys oder gequälte Hühner von Kentucky Fried Chicken: Pam ist Dauergast bei Peta. Als Designerin entwirft sie eine ökologische Kleiderlinie.

 Die bewusste Designerin: «Zeig Pelz die nackte Schulter», fordert die englische Schauspie­ lerin und lässt die Hüllen fallen. ­Vegetarier-Kollege Bryan Adams durfte ihr nacktes Hinterteil ablichten. Konsequent ist sie auch als Designerin. Ihr Label Frost French verzichtet auf Pelz.

gruen-Faktor

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Julia Butterfly Hill, 36  Die Baumfrau: Im Dezember 1997 bestieg die damals 23-jährige Julia Butterfly Hill einen Mammutbaum – und blieb fast zwei Jahre dort wohnen, um gegen die Abholzung des sechshundert ­Jahre alten Baums zu protestieren. Hill lebte auf einer kleinen Plattform, von wo aus sie Interviews gab und Spendenaktionen leitete. Ein ­Eimer diente als Toilette, ein Team versorgte die Veganerin mit ­Essen. Über ihre Zeit auf «Luna», wie sie den Baum nannte, schrieb Hill das Buch «Die Botschaft der Baumfrau». Ihre Geschichte wird mit der Schauspielerin Rachel Weisz verfilmt.

 Die Ernste: Das deutsche Model zeigte seine langen Beine auch für Peta und unterstützt Hilfsprojekte. «Wir leben in einer Halligalli-Gesellschaft; es wird Zeit, wieder über soziale Verantwortung zu sprechen», findet sie. «Meine Kinder wissen schon mit acht, was Fair Trade ist.»

Pamela Anderson, 42

Das Rating 10: Voller Einsatz, mit allen Konsequenzen 9: Nutzen ihre Vorbildfunktion 8: Guter Wille ist der Anfang zu Veränderung 7: Auf

 GRUEN-Faktor: Mit «Solar Impulse» will Piccard das ­riesige Potenzial von erneuerbaren Energien aufzeigen. Mit neusten Techno­ logien gegen den Klimawandel und die verknappenden Rohstoffe kämpfen macht Sinn und bringt vor allem den nächsten Generationen etwas.

 Engagement: Die Protestaktion machte aus der unbekannten Julia Butterfly Hill eine prominente Umweltschützerin. Sie gibt ­Seminare, engagiert sich für die Situation von Häftlingen, gegen die Militär-Industrie oder für einen nachhaltigen Lebensstil. Ihre neusten Projekte sind «What’s Your Tree» und «Off the Mat into the World». Beide Programme unterstützen Menschen, die sich für eine bessere Welt einsetzen.  Na-ja-Faktor: Der besetzte Baum und das Gebiet rundherum sind geschützt – allerdings sind 97 Prozent der Redwoods in Kalifornien verschwunden und der Rest der Mammutbäume vor dem Abholzen bedroht. gruen-Faktor

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 GRUEN-Faktor: Die Aktion liegt über zehn Jahre zurück, doch Hill ist immer noch aktiv. Das ist nachhaltiger Einsatz!

alle Fälle ein gutes Herz 6: Immer beim neusten Trend dabei 5: Ausziehen gibt Aufmerksamkeit und schmeichelt (auch) dem Ego

Fotos: Fred Merz / Rezo, Bulls Press

die gruene liste

Eva Mendes, 36

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Fotos: Wire Image (3), Bildmaschine, DPA Picture, WENN Deutschland, Laif, Marcus Gyger

gruen-Faktor

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Cosma Shiva Hagen, 28

 Die Flughafen-Gegnerin: Die Schauspielerin kaufte zusammen mit Umweltschützern Land rund um den Flughafen Heathrow. So protestieren sie gegen den Bau von weiteren Landebahnen. «Wir werden das verhindern, und wenn wir einziehen und Gemüse anpflanzen müssen», sagte sie.

 Die Hundefreundin: Mit ­einer Peta-Kampagne klärt die Schauspielerin Konsumenten über Hundepelze auf, die unter Fan­ tasienamen verkauft werden. Sie isst nur Bio-Fleisch, propagiert fair produzierte Baumwolle und ist Botschafterin für Naturkosmetik von Annemarie Börlind.

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Felix Finkbeiner, 12

Heather Mills, 42

 Der Baumpflanzer: Das deutsche Wunderkind gründete mit neun Jahren die international vernetzte Umweltschutzorgani­ sation Plant for the Planet. Felix animiert Kinder, in jedem Land der Erde eine Million Bäume zu pflanzen. In Deutschland hat er sein Ziel bereits erreicht.

 Die Militante: Das ehema­ lige Model drang mit anderen ­Aktivisten in eine Schweinefarm ein oder brutzelte Vegi-Burger für Kinder in der Bronx. Um unseren Planeten zu retten, setzt Mills ganz auf fleischlose Ernährung. Im englischen Brighton führt sie das vegane Restaurant VBites.

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Jessica Biel, 28

Edward Norton, 40

 Die Bergsteigerin: Jessica Biel startete das Jahr 2010 mit ­einer guten Tat: Die Schauspielerin bestieg mit einer Gruppe von Aktivisten den Kilimandscharo in Afrika. Damit wiesen sie auf die Wassernot hin und sammelten Geld für Länder, denen es an sauberem Trinkwasser fehlt.

 Der Läufer: Der amerika­ nische Schauspieler nahm im letzten Jahr am New York Marathon teil und schaffte die Strecke in 3:48:1 Std. Mit seinem Lauf sammelte er Geld für The Maasai Wilderness Conservation Trust, eine Organisation, die in Kenia die Massai und die Natur unterstützt.

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Mia Farrow, 65

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Emma Thompson, 50

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 Die Hungernde: Um auf die leidenden Menschen in der sudanesischen Krisenregion Darfur aufmerksam zu machen, hungerte die Schauspielerin zwölf Tage lang. Farrow ist UN-Sonder­ botschafterin zur Ausrottung der Kinderlähmung und besuchte Darfur schon mehrmals.

Vera Weber, 35

gruen-Faktor

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 Die Robben-Schützerin: Die Tochter von Umweltaktivist Franz Weber reiste nach Kanada zur Robbenjagd. Von der Schweiz for­ dert sie ein Importverbot von Rob­ benprodukten. Sie ist Delegierte des Verwaltungsrats des Grand­ hotels Giessbach in Brienz BE, wo es auch vegetarische Küche gibt.

Das Rating 10: Voller Einsatz 9: Nutzen Vorbildfunktion 8: Guter Wille 7: Ein gutes Herz 6: Immer trendy 5: Ausziehen fürs Ego


gruen unternehmen

Mammut

Text: Natascha Knecht / Fotos: Oliver Nanzig

Skifahren, Wandern, Biken, Spazieren: Noch nie haben so viele Leute ihre Freizeit aktiv in der Natur verbracht wie heute. Gewinner dieses Trends ist das Schweizer Bergsport-Unternehmen Mammut – dank CEO Rolf G. Schmid.

Der Outdoor -König Rolf G. Schmid trägt in seiner Freizeit niemals etwas anderes als Mammut. Der 50-jährige Ökonom (lic. oec. HSG) leitet das Schweizer Traditionsunternehmen im aargauischen Seon seit 1995. Damals betrug der Umsatz 25 Millionen, heute über 200 Millionen Franken.

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Die Firma Mammut www.mammut.ch Das historische Mammut www.mammutmuseum.ch Der Mammut-Testevent basecamp.mammut.ch

Schnee- und Lawineninfo www.slf.ch Klettergärten www.kletterportal.ch www.schweizerseiten.ch/klettern.htm

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gruen unternehmen Im ganzen Alpenraum gibt es wohl kaum einen Gipfel, der nicht mithilfe einer Mammut-Ausrüstung bezwungen wurde. Wer sich in den Schweizer Bergen bewegt – sei es im anspruchsvollen Hochgebirge, auf einfachen Wanderwegen oder normalen Skipisten –, der merkt: Ohne Mammut geht da offensichtlich gar nichts. Funktionsjacken, Rucksäcke, LawinenverschüttetenSuchgeräte, Schuhe, Kletterseile: Die Marke ist omnipräsent und deckt fast alles ab, was der abenteuerlustige Bergfreund begehrt. Und selbst in der Stadt ist das Logo neuerdings ganz gross in Mode. Hinter diesem Mammuterfolg steckt Rolf G. Schmid, Chef der Mammut Sports Group. Ein freundlicher, ruhiger Ökonom mit Seitenscheitel und Brille, der selber noch nie auf einem Viertausender stand. Und dem schwindlig wird, wenn er über steile Felswände hinabschauen muss. Seine grosse Leidenschaft ist der Wassersport, am liebsten rudert der Vater von zwei erwachsenen Kindern auf dem Lago Maggiore. Aber genau wie seine

Kundschaft strebt auch der 50-Jährige unermüdlich nach Höherem. Er hat Mammut in der Schweiz zur Nummer eins des Outdoor-Markts getrimmt, dessen Umsatz treibt er von Jahr zu Jahr in noch erhabenere Höhenlagen. Gleichwohl erlaubt sich Schmid keine Rast: «Der Gipfel ist noch nicht erreicht.» Zwar spürt auch er die Krisenjahre. Doch nur im positiven Sinn. Man könnte gar sagen, sie seien für ihn ein Geschenk «von ganz oben». Denn letztlich, so erklärt Schmid, löste die allgemein schwierige Wirtschaftslage den OutdoorBoom in der Bevölkerung erst richtig aus. «Im Alltag werden viele bis an ihre Grenzen gefordert. Der Druck und die Hektik haben enorm zugenommen. Darum suchen viele Menschen einen Ausgleich, der komplett im Gegensatz zu ihrem ­normalen Leben steht.»

Vertrauenswürdig, bescheiden, bodenständig – so ist der Chef, und so ist auch Mammut

Hinzu komme, dass viele, vor allem Junge, weniger Arbeit, dafür mehr Freizeit hätten und diese aktiv an der frischen Luft verbringen möchten. «Bewegung in der Natur empfinden viele als nach­ haltiger als Gewichteheben im Studio. Outdoor ist in, weil es individuell ist. Man geht mit der Familie, mit Freunden oder allein. Man erlebt Einmaliges.» Schmid nennt diese Entwicklung Rück­ besinnung. «Dieses schnelle Konsumieren der vergangenen Jahre liegt einfach nicht mehr im Trend», sagt er. «Man kauft sich nicht mehr Wie ökologisch isst Rolf G. Schmid? schnell dieses und jenes. Man reist nicht mehr schnell Fleisch 10 ins Ausland. Man verbringt Fisch 10 die Ferien wieder in der Käse 16 Schweiz und merkt, dass es Fertigprodukte 2 hier auch ganz schön ist.» Bio-Produkte 6 Wandern sei nicht mehr verFrüchte und Gemüse 0 pönt, gelte nicht mehr als Qualität 1 «blödes Tschumpeln». Getränke 6 Schmid redet klar und wirkt Total Punkte dabei sympathisch, bescheiden, bodenständig, ver­ 51 Punkte = Kein Wunder, weiss Rolf G. Schmid so trauenswürdig. Exakt jene genau, was die Kundinnen und Kunden wollen: Eigen­schaften, die er auch Beim GRUEN-Essens-Test schliesst er als dem Image von Mammut guter Schweizer Durchschnitt ab. verpasst hat. «Dieses typisch Der GRUEN-Footprint wurde vom WWF Schweiz für Schweizerische ist der Erfolg SI GRUEN entwickelt. Der Test soll für den Alltag sensibilisieren unserer Marke», sagt er. und Spass machen. Berechnen Sie Ihren eigenen Footprint auf den Seiten 24 und 25. «Wir haben nie versucht, etwas anderes zu sein.»

der gruen-footprint

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„Unser Design ist stubenfähig geworden. Mammut wird auch in der Stadt akzeptiert.“ Völlig unschweizerisch dagegen ist das Mammut. Niemand würde auf Anhieb eine urschweizerische Marke hinter diesem Namen ver­muten. Doch begann alles 1862 mit einer Seilerei in Dintikon AG. Die ersten Bergseile hatten bald den Ruf, «stark wie ein Mammut» zu sein. «Später nannten uns alle nur noch Mammut. So lag der Firmenname geradezu auf der Hand.» Heute liegt der Hauptsitz im Industrie­ gebiet zwischen Seon und Lenzburg AG, weitab der prachtvollen Bergwelt. Untergebracht sind hier Büros, Designabteilung, Logistik und die ohrenbetäubend laute Seilproduktion. Im palastgrossen Gebäude arbeiten 250 Leute. Vor allem Junge, die am Wochenende Alpinsport treiben und die in Mammut-Kleidung zur Arbeit erscheinen.

Der Mammut-Spagat zwischen Profi-Alpinisten und Stadtwanderern Ihr Chef hingegen trägt in der Firma einen Casual-Anzug ohne Krawatte. Am Handgelenk – das ist ihm wichtig – immer

Die Bio-Baumwolle von Mammut www.remei.ch Outdoor-Studie www.evb.ch (Clean Clothes Campaign / Firmenbewertung)

Die Bergsportseile gehören zur Kern­ kompetenz von Mammut – auf diesem Markt ist das Schweizer Unternehmen weltweit führend. Die Seile werden zu hundert Prozent in Seon AG produziert.

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Mammut bemüht sich, öko­ logischer und sozialer zu sein – auch aus Konkurrenzgründen

Extrem werbewirksam! Profi-Bergsteiger Stephan Siegrist setzt das Mammut-Logo spektakulär ins Bild. Hier im Chouia-Couloir, direkt unterhalb des Jungfraujochs.

eine Uhr. Er war früher in der Uhren­ industrie tätig und steht zu seinem «Uhrentick» (er besitzt gegen 60 Stück). «Von IWC bis Swatch ist alles dabei. Manchmal tausche ich mehrmals täglich.» Auf die Uhr hingegen schaut der Rotarier selten. Zwölf-Stunden-Arbeitstage sind nichts Aussergewöhnliches. Selbst in der Freizeit bleibt er seiner Firma konsequent treu. Da trägt er nie etwas anderes als Mammut. Er geht sogar so weit, dass er einmal, als er im Verzascatal einen Bungeejump wagen wollte und Sekunden vor dem Sprung feststellte, dass er einen Gürtel der Kon­kurrenz trug, wieder zurücktrat. Dabei musste Schmid erst tief abtauchen, als er 1995 das Ruder des Alpin-Unternehmens übernahm. Mammut schrieb rote Zahlen und war nur ein Insider-Label für jene Spitzenbergsteiger, die sich an den höchsten und schwierigsten Erdengipfeln versuchen. Schmid entschied damals, auf 4000 Metern sei die Luft einfach zu dünn, und zielt seither auf alle Breitensportler am Berg: Snowboarder in Graubünden, Gletschertourenfans im Wallis, Schönwetterwanderer im Berner Oberland, Spaziergänger am Jurasüdfuss. Trotzdem gehören die Profibergsteiger im Himalaja oder in Patagonien weiterhin

Die unabhängige, nicht politische Organisation Erklärung von Bern wollte es im vergangenen Jahr genau wissen und durchleuchtete Transparenz und ­soziale Verantwortung von 29 international bekannten Outdoor-Firmen, die ihre Produkte auch in der Schweiz anbieten. Mammut schnitt zusammen mit der kalifornischen Marke Patagonia am besten ab, vor Odlo, Helly Hansen, Haglöfs und Jack Wolfskin, alle – auch Mammut und Patagonia – in der Kategorie «gut, aber noch stark verbesserungsfähig».

zu Schmids Zielgruppe. Sie sind wichtig für die Vermarktung der Marke. Ihre überwältigenden Leistungen setzen beim einfachen Berggänger tiefe Sehnsüchte frei, die manch einer mit der Anschaffung eines Mammut-Produkts kompensiert.

Jedes Mammut-Produkt muss den Ansprüchen zwischen 1000 und 8000 Metern standhalten Eine enge Seilschaft besteht seit Jahren mit Stephan Siegrist, 37. Dem Extrembergsteiger aus Ringgenberg BE sind schon auf allen Kontinenten Erst­begeh­un­gen gelungen – immer mit einer MammutAusrüstung. Wenn das Schweizer Fern­ sehen mit ihm die Eiger­nordwand live durchsteigt oder eine Everest-Expedition dokumentiert, ist das Mammut-Logo dabei. Überhaupt gibts im gesamten Alpenraum kaum noch einen Filmdreh über die Bergsteigerei, bei dem der Chef nicht die Ausrüstung zur Verfügung stellt und seine Marke clever ins Bild rückt. Dass Mammut in den Einkaufsmeilen der grossen Deutschschweizer Städte jüngst mehrstöckige Monobrand-Stores eröffnen liess, brachte zusätzlich viele neue, labelorientierte Kunden – allerdings auch Kritik von Berufsbergsteigern. Die

Mammut ist Mitglied u. a. von www.europeanoutdoorgroup.com fairwear.org Der Profi-Alpinist www.stephan-siegrist.ch

Foto: Robert Bösch, Oliver Nanzig

gruen unternehmen

CEO Rolf G. Schmid sagt offen, mit der Nachhaltigkeit stehe Mammut noch ganz am Fusse des Berges. «Aber wir nehmen das Thema sehr ernst und haben erste Schritte vorangetrieben.» Er selber wende zehn Prozent seiner Arbeitszeit für ökologische, soziale und wirtschaft­ liche Verantwortung auf. Zudem hat er kürzlich 150 Stellenprozente neu geschaffen und zwei Experten in sein Team nach Seon geholt, die den bisherigen MammutVerhaltenskodex überarbeiten und weiterführen. Ziel sei auch, die Herstellung der einzelnen Produkte für die Kunden transparent zu machen, etwa via Footprint-Chronicles auf der Website. Die ­Klet­ter­seile produziert Mammut zu hundert Prozent in der Schweiz, die CO2Emission der Seilerei wird über Myclimate kompensiert. Sämtliche restlichen Mammut-Produkte (ausser Barryvox) sind «designed» in Switzerland und dann «made» in China, Vietnam, Deutschland, Portugal, Rumänien und den Philippinen. Bei der Bekleidung integriert Mammut zum Teil Bio-Baumwolle oder ökologisch hergestellte Schweizer Stoffe. Die Arbeitsbedingungen der Partnerunternehmen in den Ost-Ländern entsprechen dem Kodex der Internationalen Arbeits­ organisation – dies lässt Mammut als Mitglied der Fair Wear Foundation von unabhängigen Teams regelmässig überprüfen. Ebenso die Zulieferkette. Um die Umweltprobleme global und bran­ chen­übergreifend anzupacken, engagiert sich Mammut in den Arbeitsgruppen der European Outdoor Group. Auch in Seon übernimmt der Chef soziale Verantwortung, etwa indem er pro Jahr zwanzig Prak­tikanten beschäftigt – bei einer Beleg­schaft von 250 Leuten. «Ein Aufwand, den sich wenige Firmen leisten.»

Mammut-Rucksäcke: In der Schweiz entworfen, auf den Philippinen produziert.

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sehen sich plötzlich auf gleiche Höhe mit urbanen Trendsettern gestellt und befürchten, Mammut schaffe diesen Spagat zwischen Stadtwanderern und Profibergsteigern langfristig nicht ohne Zerrung. Rolf Schmid nimmt diesen Einspruch sportlich: «Sicher, unser Design ist stubenfähig geworden, und unser Logo wird mitunter auch an der Zürcher Bahnhofstrasse akzeptiert. Aber wir bleiben am Berg. Wir bieten kein einziges Produkt, das den Ansprüchen zwischen 1000 und 8000 Metern nicht genügen könnte.» Outdoor-Sportler lieben die Natur, und viele achten beim Kauf darauf, unter welchen Bedingungen ihre Ausrüstung hergestellt wurde. Darum vermarkten sich die meisten Firmen in der Branche gezielt als «fair und nachhaltig» – selbst jene, die ihre Ware in Billigländern zu Hungerlöhnen produzieren und dann in der Schweiz teuer absetzen.

Die MammutnachhaltiGkeit

Die Nachhaltigkeits-Anstrengungen der restlichen Firmen bewertet die Studie als «ungenügend» oder gar «ignorant». Kein einziges Unternehmen erreichte die Kategorie «sehr gut». Schmid sagt dazu: «Mammut ist zwar weiter als die meisten. Doch auch wir stehen noch am Anfang.» Ein ökologisches Problem schaffen auch die Funktionskleider sämtlicher Marken. Sie müssen mit umweltschädlichen ­Membranen hergestellt werden, um überhaupt gegen Wind und Wetter schützen zu

„Wir alle sind süchtig nach erfolgreichen Gipfelbesteigungen.“ können. Eine ausgediente Goretex-Jacke etwa müsste der Kunde recyceln – wie eine Batterie oder ein TV-Gerät. Aber die wenigsten tun das. Immerhin sei die Ökobilanz seiner Ware besser als jene von Billigprodukten, sagt Rolf G. Schmid. Denn eine Mammut-Jacke halte bei normalem Gebrauch mindestens zehn Jahre. Dennoch ist ihm bewusst, dass ein naturfreundliches Image gerade unter den Outdoor-Konkurrenten nötig sein wird, um ganz obenauf zu bleiben. Darum schritt er bereits zur Tat und brachte bei Mammut erste Steine ins ­Rollen (siehe Box links). Mit Weitsicht und Ausdauer – so will Schmid seine Ziele auch künftig in Angriff nehmen. Die Alpengipfel hat er mit seiner Marke inzwischen alle

die mammutgeschichte 1862 gründet Kaspar Tanner im aargauischen Dintikon eine handwerk­ liche Seilerei. Sein Betrieb floriert, er zieht 1878 ins benachbarte Lenzburg. Daraus wird 1919 die Seilerwarenfabrik AG Lenzburg, ab 1968 heisst sie Arova Lenzburg AG. 1982 wird das Familien­ unternehmen von der Conzzeta Holding, den ehemaligen Zürcher Ziegeleien von Jacob Schmidheiny, übernommen und ins nahe Seon umgesiedelt – unter dem Namen Arova-Mammut AG. Seit 2002 heisst die Firma Mammut Sports Group. Im Jahr 2000 kauft Mammut die US-Firma Climb High. 2001 kommt der norwegische Schlafsack-Spezialist Ajungilak dazu. 2003 die Schweizer Traditionsmarke Raichle und die Rhein­ taler Skiwachsfirma Toko AG. 2009 erwirtschaftet Mammut über 200 Millionen Franken Umsatz, davon 75 Prozent im Ausland.

bezwungen, in der Schweiz zwischen Dufourspitze und Rheinufer jede Höhenlage erobert. Nun führt er die MammutExpedition ins Ausland: Skandinavien, Amerika, Japan. «Dort sind wir Nobodys und können noch enorm zulegen», sagt er. «Outdoor steht heute erst am Anfang. Der richtige Boom kommt noch. Wir alle sind süchtig nach erfolgreichen Gipfelbesteigungen.»


gruen city-trip Ab nach Lausanne! Unser Programm für einen perfekten Samstag: Am Markt Käse kaufen, durch Boutiquen streifen und das Französisch etwas auffrischen.

Text: Barbara Halter Fotos: Véronique Hoegger Gäbe es die Top Five der schönsten Ausblicke aus dem Zugfenster – der folgende würde ganz oben stehen: Kurz vor Lausanne schiesst die Eisenbahn aus dem Tunnel, und es öffnet sich der Blick über die Rebberge, den Genfersee und das Mont-Blanc-Massiv. Für einen Moment klebt man sehnsüchtig an der Scheibe. In der Westschweiz erzählt man sich, bei diesem Anblick hätten schon Deutschschweizer an Ort und Stelle ihr Retour­ticket ­zerrissen … Zehn Minuten später fährt der Zug in Lausanne ein. Am Bahnhof wartet die Métro M2 – die neu gebaute Bahn haben die Lausanner dem Engagement ihres Grünen-Stadtpräsidenten Daniel Brélaz zu verdanken. Im Düsentempo gehts hoch zur Place de la Riponne. Am Samstag reihen sich auf dem grossen Platz vor dem imposanten Palais de Rumine Stände mit Käse, Gemüse, Fleisch und Brot. Das Frühstück liegt schon ein Weilchen zurück, einem Pain aux Raisins kann

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1 Die knusprigen Brotlaibe von der Ferme César werden im Holzofen gebacken. 2 Modischer Notausgang: Die Boutique Sortie de Secours führt Marken, die bei der Produktion auf Mensch und Umwelt achten. 3 Parmaschinken-Sandwich und ein frisch gepresster Apfel-Rüebli-Ingwer-Saft: Im «Ozimi» isst man gesund und leicht. 4 Schmuck für Individualisten: bei Nano+ in der Cité, der Altstadt von Lausanne. 5 Frühlingsboten: In der Rue de Bourg reihen sich die Blumenstände. 6 Drogerie mit Stil: L‘Herboriste liegt etwas weg vom Zentrum. Trotzdem: Hingehen! 7 Handgemacht, natürlich und fein duftend: Seifen der welschen Firma Cocooning. 4

8 «Pause Cocooning»: für einen Bio-Tee oder einen Latte macchiato am Nachmittag.

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Sonnige Pause: GRUEN-Redaktorin Barbara Halter vor der Kathedrale ­Notre-Dame.

lausanne ganz gruen

Eine Stadt mit Savoir-vivre 46

Au Marché www.lafermecesar.ch www.cenovis.ch www.tommefleurette.ch www.gruyere.com Shopping www.terroir-vaudois.ch www.ekobo.

org www.ethosparis.com www.article-23.com www.lesfeesdebengale.fr www.laurepaschoud.com www.pomponette.ch

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man da schlecht widerstehen: süss, lecker und schön klebrig. Die Welschen mögen Brötchen, die mit Butter und Cenovis bestrichen sind – für Nicht-Kenner schmeckt die salzige Hefepaste gewöhnungsbedürftig! Ein Hingucker sind die urchigen, im Holzofen gebackenen Brote von Jean-Luc Clement von der Ferme César. Um die zwei Kilo wiegen sie. Auf Wunsch teilt der Chef die Bio-Brote, aber man kann auch gleich ein ganzes nehmen, durch die langsame Teigführung bleiben sie lange frisch. Acht Sorten stehen zur Auswahl, sie sind mit Oliven oder Aprikosen verfeinert, für den Sonntag gibts auch Zopf. Zum Brot gehört Käse – diesen kaufen wir bei Christian Willen. Auf langen Messern reichen Willen und seine Mitarbeiter Häppchen zum Degustieren über die Theke, schneiden von den grossen Laiben Stücke ab und schlagen sie in weisses Papier ein. Die kleinsten Kunden erhalten Käsestücke in den Buggy gereicht: «Votre fromage est super bon!», sagt ein Knirps keck mit Piepsstimmchen zum Chef. Da hat er recht. Willen ist spezialisiert auf Schweizer Käse: neun Sorten Gruyère, darunter auch dreijährigen. Biologische Ziegenund Schafskäse oder Tomme Fleurette aus Rohmilch – bei dieser Auswahl verweilt man gern etwas länger! Weiter gehts über die Place de la Riponne zu Serge Luchino, der winterliches BioGemüse wie Topinambur, Federkohl oder Mangold feilbietet – und schliesslich runter ins Zentrum von Lausanne. Am Samstag ist in der ganzen Stadt Markt, von der Place de la Palud, wo zur vollen Stunde beim Glockenspiel historische Figürchen vorüberziehen, bis zur Rue de Bourg säumen Stände die Gassen. Nicht zu übersehen ist der kleine Tisch mit dem hellgrünen Sonnenschirm von Fée Verte: Ein junges Paar verkauft hier Ingwer in hoher Dosis, als Saft, Essig oder Gelee. Wer mag, kann probieren. Raphaël und Mélanie Donnets selbst hergestellte Produkte haben sich innert kürzester Zeit zum Renner entwickelt. Sie enthalten keine Konservierungsstoffe, helfen gegen Erkältung und bringen den Kreislauf in Schwung. Den Ingwer beziehen sie aus Brasilien. «Dort wird er natürlicher angebaut als jener in China», erklärt Mélanie Donnet. Der Schluck Ingwersaft hat sein Bestes getan, doch nach dem Marktbummel fühlen sich die Füsse wie Eisblöcke an. Wenn die Bise über den Genfersee zieht, kanns in der Stadt bitterkalt werden. Auf zu

La Ferme Vaudoise bei der Place de la Palud! Im heimeligen Geschäft wird einem gleich warm. Man fühlt sich hier wie in einem Hofladen auf dem Land, karierte Tischdecken, Strohballen und Holzwände sorgen fürs passende Ambiente. Besitzer Jean-Daniel Pavillard ist Bauer und verkauft hier Lebensmittel mit dem Zertifikat Produits du Terroir vaudois. Mit wenigen Ausnahmen stammt alles aus dem Kanton. Im Winter hängen an einer Wand pralle Saucisses aux choux, die bekannten Waadtländer Kabiswürste. In der Kühltheke daneben steht eine riesige Schüssel Sauerkraut. Auch verschiedene Fonduemischungen sind erhältlich. Kuhmilch-Allergiker greifen zum Fondue au fromage de chèvre oder de brebis – die aus 100 Prozent Ziegen- oder Schafmilchkäse bestehen. Ob so viel Leckereien meldet sich der

„Bei der Ferme Vaudoise fühlt man sich wie in einem Hofladen, karierte Tischdecken, Strohballen und Holzwände sorgen fürs passende Ambiente.“ Magen mit einem vorwurfsvollen Knurren. Zeit für das Mittagessen. Wenige Schritte von der Ferme Vaudoise befindet sich das Café de L‘Hôtel de Ville. Die Wände der charmanten Gaststube sind getäfert oder mit bunten Bildern behängt, alte Blechtafeln und Beizentische sorgen für Gemütlichkeit. Am Samstag ist das Café meist proppenvoll, wer hier essen möchte, reserviert am besten im Voraus – und bringt genügend Hunger und Zeit mit. Die Portionen sind riesig, und wenn das Lokal gefüllt ist, wartet man etwas länger. Vanessa Desponds, eine der beiden Chefinnen, steht allein in der Küche und zaubert dort fantasievolle, leckere Salate mit Frischkäse. Gut schmecken auch die gebackenen Kartoffeln, die ebenfalls mit sehr viel gekochtem Gemüse, Grünzeug und gesunden Kernen garniert werden. Die Zutaten stammen vom Markt. «Wir

verwenden nur saisonale Gemüse und Früchte», erklärt Desponds. Wer es gern schnell möchte, geht ins Ozimi in der Rue de Bourg, beim ersten Mal sucht man das Restaurant etwas, es befindet sich nicht direkt an der Strasse, sondern im Parterre eines Einkaufszentrums – einfach beim Swatch-Shop rein. Im hellgrün-weiss eingerichteten Lokal wird saisonale, frische, biologische Küche serviert. Viele Stammgäste kommen jeden Mittag vorbei. «Mir ist es wichtig, gesunde, leicht bekömmliche und abwechslungsreiche Gerichte anzubieten. Es soll wie zu Hause schmecken», ist die Devise von Lucie Zimmitti. Täglich stehen ein Menü, dazu Salate, Gemüsekuchen und frisch gepresste Säfte zur Auswahl. An der Theke kann man alles begutachten und bestellen. Wir setzen uns mit einem Parmaschinken-Sandwich und einem Apfel-Rüebli-Ingwer-Saft an den langen Esstisch. Die Chefin empfiehlt, den warmen Verveine-Sirup zu probieren – der ist wirklich sehr lecker! Wer mal unter der Woche in Lausanne ist, kann auch ins Passe-moi le Sel in der Nähe der Place de la Riponne gehen. Das Konzept ist ganz ähnlich wie im «Ozimi»: Angeboten werden ein Tagesmenü, eine Suppe, Salate und Sandwichs. Das Restaurant ist allerdings am Samstag geschlossen. Den Nachmittag verbringen wir mit Shopping und Kultur. Wer sich modisch und ethisch korrekt einkleiden möchte, wird bei Sortie de Secours fündig. Die Boutique mit den brombeerfarbenen Wänden führt Mode, die ganz gezielt ausgewählt wurde. «Alles, was ich hier verkaufe, wurde mit Respekt gegenüber den Menschen und der Umwelt hergestellt», sagt Isabelle Boucharlat. Zu entdecken gibt es französische Kleider-Labels, die in der Deutschschweiz kaum erhältlich sind, wie beispielsweise Ethos, Art 23 oder Les Fées de Bengale. Aus der Schweiz sind die Schals von Laure Paschoud, die sie aus alten Kimonos schneidert. Ein Must beim ökologischen Lausanne-Trip ist der Besuch bei Cocooning. Hier findet man die besten Zutaten, um sich daheim von der stressigen Welt zu ver­ abschieden: Badesalze, Duftkerzen oder Massageöle. Begonnen hat die Erfolgs­ geschichte der kleinen welschen Firma von Fabienne und Stephan Frei mit selbst gemachten Seifen. 28 Sorten stehen zur Auswahl, je nach Saison kommen weitere Kreationen dazu. Alle Seifen enthalten Glycerin, das eine gute Hautverträglichkeit garantiert. «Die Cocooning-Produkte

Shopping www.collpart.com www.eumadis.com www.boutique-de-sirop.ch Stadt www.lausanne.ch Museen www.musees-vd.ch www.

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1 Von einer Lausannerin designt, in Vietnam fair produziert: Taschen von Coll.part, ­gesehen bei Particules en Suspension. 2 La Ferme Vaudoise verkauft Waadtländer Spezialitäten wie Cidre, Apfelwein. 3 Konzept Natur: Die französische Kette Nature & Découvertes eröffnete in ­Lausanne ihre erste Schweizer Filiale. 4 Energie-Knollen: Fée Verte stellt aus Ingwer Saft und Essig her. 5 Welcher solls denn sein? Christian Willen hat neun Sorten Gruyère. Erst probieren, dann ein grosses Stück, s‘il vous plaît! 6 Charmant: Das Café de L‘Hôtel de Ville liegt ganz zentral an der Place de la Palud. 7 Bambus-Schüsseln von Ekobo: Mise en Scène führt eine grosse Auswahl davon. 4

8 Eier und Äpfel: In den Gassen von Lausanne findet man Frisches direkt vom Hof.

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olympic.org www.elysee.ch Ausstellung zum Darwinjahr www.oh-my-god.ch Tanz und Theater www.bejart.ch www.vidy.ch

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sind zu 100 Prozent natürlich, wenn möglich enthalten sie biologische oder regionale Ingredienzien», erklärt Stephan Frei. Daneben wird auch auf die Ästhetik Wert gelegt: Die quadratische Form entspricht dem Goldenen Schnitt. In die Wohlfühloase integriert ist das kleine Kaffee Pause Cocooning – hier bleibt man gern etwas länger, fläzt sich in die Korbstühle, geniesst einen Tee aus Bio-Kräutern oder einen Latte macchiato. Abtauchen kann man auch bei Nature & Découvertes. Aus den Boxen zwitscherts und tönts nach Regenwald. Einige kennen das Geschäft vielleicht von einem ParisBesuch. Die französische Kette bietet alles, um den Städtern die Natur näher­ zubringen: Gartenutensilien, Kosmetik, Spielsachen für natürlich-pädagogische Erziehung und naturwissenschaftliche Messgeräte. Wenn das Wetter schön ist, sollte man in Lausanne unbedingt zur Kathedrale Notre-Dame hochsteigen. Der Blick über die Stadt und den Genfersee ist «extra­ordinaire», anschliessend kann man durch die Cité, die dahinterliegende Altstadt, streifen. In einer der reizenden Gassen liegt die kleine Boutique Nano+. Die Goldschmiedin Marie-Lise GasserForbach führt hier neben eigenen Kreationen eine Auswahl an nicht ganz alltäglichem Schmuck von jungen Designerinnen. Zum Beispiel La Pomponette aus der Westschweiz: eine Kollektion verspielter, aus Stoff, Bändern, Pompons und Perlen gemachter Ohrringe, Broschen und Anhänger. Wer weniger Lust auf Shopping hat, spaziert von der Cité aus zur Fondation de L‘Hermitage und schaut sich dort eine Ausstellung an – bis am 24. Mai sind hundert Meisterwerke aus dem Städel Museum Frankfurt zu bewundern. Hinter dem Schloss Saint-Maire führt ein steiler Weg zum Museum hoch, oder man nimmt den Bus Nr. 16 und fährt bis Hermitage. Toll ist der elegante Parc Mon Repos. Die Anlage ist aus dem 19. Jahrhundert, in der Villa aus dem 18. Jahrhundert, die in der Mitte liegt, residierte der französische Schriftsteller Voltaire, wenn er sich in Lausanne aufhielt. Vom Zentrum aus kann man gut zu Fuss zum Park gehen – auf dem Weg liegen auch noch ein paar hübsche Geschäfte. Beispielsweise Mise en Scène und Particules en Suspension in der Rue Marterey: In Ersterem findet man ein feines und sorgfältig ausgewähltes Sortiment an Designstücken zum Verschenken oder für zu Hause. «Ich teste

immer zuerst alles persönlich, bevor es in den Laden kommt», sagt Besitzer Eric Allenbach. So auch die Salatschüssel der französischen Marke Ekobo, die perfekt zeitgenössisches Design mit ethisch korrekter Produktion verbindet. Die Schalen, Löffel oder Boxen werden in Vietnam aus Bambus gefertigt und sind an der Aussenseite mit glänzendem Lack überzogen. Ein Farbtupfer für jede Küche! Ebenfalls aus Asien, aus Kambodscha, sind die Taschen von Coll.part, die man in der Geschenk-Boutique Particules en Suspension bekommt. Die in Lausanne wohnhafte Designerin Nina Raeber hatte die Idee, aus alten Fischfuttersäcken, die in den zahlreichen kambodschanischen Fischfarmen verwendet werden, bunte Umhängetaschen, Portemonnaies oder Hüte zu schneidern. Hergestellt werden

„Wer keine Lust auf Shopping hat, spaziert von der Cité zur Fondation de L’Hermitage und bewundert dort die Meisterwerke aus dem Frankfurter Städel Museum.“ die Recycling-Teile in Werkstätten, die gleichzeitig soziale Projekte sind und benachteiligten Menschen eine faire Anstellung bieten. Von der Rue Marterey gehts zum Abschluss unseres Lausanne-Besuchs zu L‘Herboriste. Das Interieur der Drogerie ist von 1900, dunkelbraune Holzgestelle säumen die Wände. «Wir haben uns hier den Traum einer etwas anderen Drogerie erfüllt», erzählt Rino Cassano, einer der beiden Besitzer. Mit viel Stil, Liebe und Geschmack haben sie ihr Sortiment zusammengestellt: Naturkosmetik von Eumadis, biologische Olivenöle, selbst gemachte Konfitüren, Sirupe von 1001 Fleurs, Küchentücher aus dem Emmental oder parfümierte Papiere für den Kleiderschrank. Ein Platz zum Verweilen und Schmökern und der Ort, sich ein hübsches Andenken an Lausanne zu gönnen!

adressen und öffnungszeiten Markt Markt ist Mi und Sa von 7 bis 13 Uhr auf der Place de la Riponne, der Place de la Palud und in den Gassen von Lausanne. Geschäfte La Ferme Vaudoise Place de la Palud 5, Mo, Di, Do 9–13 und 14–18.30, Mi und Fr 9 –18.30, Sa 7.30 –17 Uhr www.lafermevaudoise.ch Sortie de Secours Rue Saint-Roch 2, Di–Fr 12–18.30, Sa 10–17 Uhr www.sortie-de-secours.ch Nature & Découvertes Place Pépinet 3, Mo–Fr 9–19, Sa 9–18 Uhr www.natureetdecouvertes.com Boutique Cocooning Rue du Grand St-Jean 16, Mo 13.30–18.30, Di–Fr 9.30–18.30, Sa 10–17.30 Uhr www.cocooning.ch Nano+ Cité-Devant 8, Mo–Fr 12–18.30, Sa 10–17 Uhr www.nanoplus.ch Mise en Scène Rue Marterey 36, Di–Fr 13.30–18.30, Sa 10.30–17.30 Uhr www.misenscene.ch L’Herboriste Avenue du Léman 12, Mo 14–19, Di–Fr 9–12.30 und 14–19, Sa 9–17 Uhr www.lherboriste.ch particules en suspension Rue Marterey 4, Mo–Fr 10.30–19, Sa 10.30–18 Uhr www.particules.ch RESTAURANTS Café de l‘hôtel de ville Place de la Palud 10, Di 9–18, Mi–Fr 9–23.30, Sa 9–18 Uhr Ozimi Rue de Bourg 16–18, Mo 11–14, Di–Fr 11–15, Sa 10.30–16 Uhr www.ozimi.ch Passe-moi le sel Rue du Tunnel 16, Mo–Do 9–15, Fr 10–14 Uhr www.passemoilesel.ch ENTSPANNUNG UND KULTUR Parc mon RePos Der Park ist täglich geöffnet. Von Mai bis Oktober gibt es bei schönem Wetter auch ein Restaurant. www.lafolievoltaire.ch Fondation de L‘Hermitage Route du Signal 2, Di–So 10–18, Do 10–21 Uhr www.fondation-hermitage.ch

Grüne Westschweiz www.nicefutur.com www.ethicalfashiondays.ch www.marchebio.ch www.festivaldufilmvert.ch www.greentech-expo.ch


gruen reportage

Jugendherbergen

Stopover im Mas senschlag Statt teurer Laken lieber das Kajüten­bett und spannende Kontakte: Die Jugis erleben eine Renaissance, auch bei gestandenen Städtern. Ein Besuch der Gegensätze in Zermatt. Text: Marysia Morkowska

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Jugendherbergen schweizweit www.youthhostel.ch Zermatt www.zermatt.ch

1 Die Jugendherberge Zermatt ist eines der wenigen Gebäude, die nicht im Chaletstil gebaut sind. 2 Das Matterhorn ist überall. Der Blick auf das nächtliche Zermatt und den Berg der Berge.

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anzutreffen wie die Kader­ abteilungen exklusiver Privatbanken auf dem Betriebs­ ausflug. In den 174 Betten der Doppel- bis Achterzimmer nächtigen Lehrtöchter ebenso wie Professoren. Letztere sind Teil eines Trends. Viele Leute, die sich locker ein Fünfsternehotel leisten könnten, steigen hier ab. Sie beziehen ihre Betten selbst und benutzen das WC im Gang. Sie respektieren die Nachtruhe ab 22 Uhr und nehmen in Kauf, dass die Réception von 10 bis 16 Uhr geschlossen ist. Und sie sind restlos begeistert.

Pflegeleichte Gäste und überhaupt alles ­andere als versnobt Nach Auskunft des Betriebs­ leiters Ueli Zürcher benehmen sich diese Gäste erst noch «pflegeleicht», also überhaupt nicht versnobt. Einer von ihnen ist Daniel, 55. Der Zahnarzt aus Lausanne ist ein Mann von Welt, der sich mit Luxusabsteigen auskennt. In Designerkleidern sitzt er im

Speisesaal. Die Einrichtung ist funktional: dunkler Linoleumboden, karge Möblierung und nüchternes Licht wie überall in den Häusern. Vor sich hat Daniel ein Plastiktablett mit dem Essen vom Selbst­ bedienungsbuffet. Umgeben ist er von einer Gruppe kichernder Thailänderinnen und jungen, rotbackigen Schneesportlern. Der arrivierte Dentist strahlt vor Zufriedenheit. «Hier weht ein wahrhaft kosmopolitischer Geist», schwärmt er. Alle sind voller Action unterwegs – die einen von der Piste an die Bar, die andern nach Paris oder Milano. Der Betrieb, so fasst Daniel zusammen, ist freundlich, unkompliziert und sauber. Mehr braucht er nicht. Sein Doppelzimmer mit Dusche und WC kostet pro Person zwischen 85 und 110 Franken, je nach Saison. «Man kann sein Geld bedeutend weniger idiotisch ausgeben als für überflüssigen Luxus», meint er pointiert. Ariane verbringt in diesen Wänden gar einen «Abenteuerurlaub», wie sie sagt. Für

3 1 Ein Zweierzimmer in der Jugi Zermatt. Kosten: Zwischen 85 und 110 Franken. Blick aufs Matterhorn inbegriffen. 2 Das Bett muss man selber ­machen, geschlafen wird nordisch. 3 Ein Wunder der Baukunst: Auf dem Klein Matterhorn steht das futuristische Restaurant, das im Minergie-P-Standard gebaut wurde. 4 Im Restaurant gibts leider nur Fast Food, dafür ist man den Bergen ganz nah. 5 Sonne hats auf dem Klein Matterhorn im Übermass. Die Solarzellen, in denen sich die höchsten Gipfel der Schweiz, Frankreichs und Italiens spiegeln, wandeln sie in Energie um.

angesprochen.» Diese unausgesprochene Regel scheint gut zu funktionieren. Für eine Woche solcher Erlebnisferien zahlt Ariane 443.20 Franken inklusive Mitgliedschaft beim Verein Schweizer Jugend­ herbergen, Kurtaxe und Ökorappen. Inbegriffen ist auch die Halbpension. Sie besteht aus mehrheitsfähigem, im Hause zubereitetem Essen. Heute steht Stracciatella-Suppe auf dem Speisezettel, gefolgt von

e­ inmal wollte die Werbefachfrau alleine in die Ferien ­verreisen. Um nicht im Hotel garni zu vereinsamen, wählte die 37-Jährige das Kajütenbett im Vierbettzimmer.

Vereinsmitgliedschaft, Kurtaxe und Ökorappen sind inbegriffen Seltsam fand sie anfangs, die Zimmertür nicht hinter sich abschliessen zu können. Für Privatsphäre sei dennoch gesorgt, erzählt Ariane: «Wer auf dem Bett liegt, wird nicht

Fotos: Stephan Rappo (4)

Silbergrau schimmern die Fassaden aus Sumpfkalk, goldbronzen die Fensterrahmen. Was für edle, moderne Häuser! Ausgerechnet die als Billig­ hotel verschriene Jugend­ herberge! Staunend stehen die Gäste vor dem Ensemble der Zermatter Jugi: das Mutter­ haus aus den Fünfzigerjahren, umrahmt von zwei eleganten Erweiterungsbauten, die als Perlen der Schweizer Architektur gelten. Sie zählen zu den wenigen Nicht-Chalets im Feriendorf. Ja, dies ist wahrlich ein einzigartiger Ort. Nicht nur von aussen, sondern auch von innen. Aus vielen Zimmern bietet sich ein fulminanter Blick aufs Matterhorn. Fünf verschiedene QualitätsZerti­fizierungen bescheinigen dieser Adresse besondere Nach­haltigkeit und touristische Kompetenz. Und vor allem verfügt keine andere weit und breit über eine derart breit gefächerte Klientel. Aufgekratzte Horden partyfreudiger Jugendlicher sind hier ebenso

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Die Bahn aufs Klein Matterhorn www.seilbahnen.org (Rekorde) Touristenzentrum Klein Matterhorn www.minergie.ch Pistenplan www.

mildem Pouletgeschnetzeltem an grüner Currysauce mit Basmati-Reis und zum Dessert Apfelkuchen. Das üppige Mahl schmeckt lecker, kein bisschen nach Convenience. Nach sechs Jahren als Betriebsleiter staunt Ueli ­Zürcher immer noch über die schnell wechselnden Stimmungen in den Häusern: «Sie sind von Tag zu Tag kaum wiederzuerkennen.» Am Wochenende herrscht

„Die Stimmung ist jeden Tag anders – am Wochenende Jubel und ­Trubel, sonst eher Ruhe“, sagt Jugi-­ Leiter Ueli Zürcher.

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meist «Jubel und Trubel», wie er sagt, sonst eher Ruhe. Ueli Zürcher schätzt ein Drittel seiner Gäste auf 15- bis 25-jährig. Ein weiteres Drittel besteht aus Familien, rund 40 Prozent sind Ausländer. Im Winter kommen vor allem Junge, die dem Schneesport und den Freuden danach frönen. Im Sommer sind es eher Wandervögel, also gereiftere Semester. Alle, alle kommen sie und gehen. In der Herberge ver­ weilen sie nur zum Essen und zum Schlafen. Ansonsten geniessen die Gäste die zahlreichen Lustbarkeiten, die das Edelferiendorf zu bieten hat. Morgens geht es auf die Hänge, etwa ins «Matterhorn glacier paradise». Die Talstation liegt in der Nähe. Von der Gondel aus sind die Umweltbemühungen zu sehen, die Zermatt seit 2002 pionierhaft leistet. Neben den Skipisten liegen gross­ zügige Schutzräume für Fauna und Flora. Sie sind von Gämsspuren durchzogen. Hoch und höher schwebt die Gondel hinein in die Bergwelt. Das Panorama von 38 Vier­

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tausendern präsentiert sich geradezu atemberaubend. Die Gipfelstation des Klein Matterhorns auf 3883 Metern über Meer ist nicht nur der höchste per Bahn zu erreichende A­ussichtspunkt Europas. ­Statistisch gesehen handelt es sich um den sonnigsten Ort der Schweiz.

Hightech in der Höhe und kulinarische Höhepunkte am Pistenrand Deshalb steht hier seit knapp einem Jahr ein Touristen­ zentrum der besonderen Art: das höchstgelegene MinergieP-Gebäude, das kaum Fremdenergie benötigt. Schade nur, dass in dieser Stätte der Superlative bloss Fast Food auf den Tisch kommt. Dafür lohnt ein kleiner Ausflug: Von der Gondel-Bergstation aus durchquert man einen ­kurzen Tunnel zur Südseite des Klein Matterhorns. Langsames Gehen sei empfohlen, ansonsten droht das Drama. Die bereitstehenden Tragbahren und Sauerstoffmasken

zermatt.net Die besten Cremeschnitten www.zumsee.ch Neu eröffnet www.cervo.ch Matterhorn aus Käse www.horu-kaeserei.ch

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gruen reportage kommen täglich mehrmals zum Einsatz. Per Lift geht es nochmals 50 Meter in die Höhe. Das «Dach Europas» mit seinem grandiosen 360-Grad-Panoramafernblick ist erreicht. Nach vielen Ahs und Ohs gehts dann wieder talwärts, sei es auf den Ski oder mit der Gondel. Nahe der Station Furi liegt das GaultMillau-Restaurant Zum See, das bedeutend mehr Gaumenkitzel bietet. Die Cremeschnitte etwa ist Welt­spitzenklasse. Zu diesem sympathischen Lokal gelangt man auch auf einem Winterwanderweg vom Dorf aus, in einem romantischen Spaziergang von knapp einer Stunde. Als empfehlenswert erweist sich auch das neu eröffnete «Cervo». Es liegt am Wald-

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und Dorfrand am Ende der Sunnegga-Abfahrt. In dieser gelungenen Mischung aus Lodge, Jagdhaus und Chalet paart sich alpiner Charme mit einer guten Dosis Moderne.

Regionaler Schaum-­ wein und ein Walliser Plättli im neu eröffneten «Cervo» Das Interieur gestalteten der Zürcher Innenarchitekt Roger Bächtold und sein P.5-Team zusammen mit der Besitzer­familie Lauber. In der Designer-Bar und Après-SkiLounge samt Matterhornblick wird Apéro vom Feinsten ­aufgetragen. Eine fabelhafte Alter­native zu Prosecco bietet der regionale Bec de Fin Bec. So nennt der junge Sittener

„Die Pralinés der Boîte à Chocolat sind besser als fast jeder Kuss. Und dienen als Bettmümpfeli im Kajütenbett.“ 56

1 Schon wieder der Berg – diesmal als kulinarische Schokokunst in der Boîte à Chocolat. 2 Für diese Cremeschnitten fährt man meilenweit – mit den Ski bei der Station Furi die Talabfahrt in Angriff nehmen und im Restaurant zum See rasten. 3 Ein Walliser Plättli mit Hobel­ käse, Trockenfleisch, Walliser Brot und einem Glas Wein muss einfach sein. 4 Das neue Hotel und Restaurant Cervo verbindet alpine Gemütlich­ keit mit moderner Gestaltung. 5 Gäste aus der Jugi ordern im Restaurant Cervo auch mal eine Flasche mehr – wie hier den Bec de Fin Bec, einen Walliser Schaumwein.

Weinbauer Yvo Mathier den Schaumwein, den er aus seiner 2008er-Amigne probehalber gekeltert hat. Ein Volltreffer! Das Walliser Plättli mit Trockenfleisch und Hobelkäse mundet ebenfalls. Wer grösseren Hunger mitbringt, ist im Restaurant gut aufgehoben. Im traditionellen Stübli kann man Gemütlichkeit tanken. Mit seinen liebevoll designten Details bildet das «Cervo» den Gegenpol zur funktional eingerichteten Jugendherberge. Die bei der Unterkunft sparenden, wohlsituierten Gäste sind

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«Cervo»-Besitzer Daniel Lauber übrigens bereits auf­gefallen. Bei ihm geben sie das beiseitegelegte Geld nämlich grosszügig wieder aus: «Sie bestellen gerne eine Flasche teuren Wein extra», sagt ­Lauber, «und scheinen ihn besonders zu geniessen.» Zermatt bietet unzählige Arten, den gesparten Batzen wieder zu verjubeln. Bars, Boutiquen, Klubs – für jede und jeden ist etwas dabei. So viel zeigt der Bummel durch das autofreie Dorf, in dem nebst Fuss­gängern nur Elektroautos ­verkehren. Einen Laden sollte man auf keinen Fall verpassen: die Boîte à Chocolat an der Bahnhofstrasse. Dieses Eldorado für Leckermäuler lockt mit rund hundert verschiedenen hochqualitativen Schokoladen. Die hausgemachten Pralinés schmecken besser als fast jeder Kuss. Deshalb machen sie sich später in der schnörkel­ losen Jugi besonders gut. Als Kajütenbettmümpfeli sorgen sie für einen betörenden Moment der Sinnlichkeit.

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Design und ökologie Jugi-Tipps Das verstaubte Image der Jugis gilt schon lange nicht mehr. Neben Zermatt sind ­folgende zwei Häuser unsere Favoriten für den Winterurlaub: Valbella GR Die Jugendherberge hat viele Stammgäste. Das Publikum ist aus dem Party-Alter heraus und geniesst am Abend gern die gemütliche Atmosphäre im Haus. Auch Alleinreisende fühlen sich hier wohl. Der Minergie-zertifizierte Bau steht direkt im Skigebiet, nach dem Sport lädt die ­Leitung jeweils zum gediegenen Après-Ski mit Glühwein.

Fotos: Stephan Rappo (5)

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Bettmümpfeli www.boiteachocolat.ch Perlender Wein www.finbec.ch Unfallfrei im Kajütenbett www.bfu.ch (Kajütenbett) Valbella www.

Scuol GR Das neue Minergie-Haus liegt in der Nähe von Bahnhof und Bergbahnen. Der Eingangsbereich besteht aus einer Lounge mit offenem Cheminée, im ersten Stock lockt die Arvenstube mit tollem Ausblick in die Bündner Bergwelt. Es gibt Zweierbis Sechserzimmer, viele davon verfügen über eine eigene Dusche und WC. Die Jugi in Scuol ist bei Familien beliebt. Steinbock-Label Die Jugendherberge in Zermatt trägt es bereits, jene in Valbella und Scuol befinden sich im Zertifizierungsprozess. Bis 2011 wollen die Schweizer

Gäste schätzen das warme Interieur der Jugi Valbella.

Jugendherbergen ihr gesamtes Netzwerk mit dem Steinbock-Label auszeichnen lassen. Die Betriebe verpflichten sich, Energie, Wasser und Abfallverbrauch zu reduzieren, umweltfreundliche Stoffe zu verwenden und ökologische Waren einzukaufen. Je nach Nachhaltigkeitsleistung erhalten die Tourismusbetriebe ein bis fünf Steinböcke. Mitgliederausweis Dieser kann vor Ort gelöst werden, pro Person beträgt die Jahresgebühr CHF 33.–, für Familien CHF 44.–. Als Alternative gibt es Tages­ mitgliedschaften für CHF 6.–.

In der Arvenstube der neu gebauten Jugi in Scuol.

lenzerheide.ch Nachhaltiger Preis www.moppert.ch Scuol www.scuol.ch Steinbock-Label www.steinbock-label.ch

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gruen fashion

Schulterfreier Jeans-Overall, AMERICAN APPAREL. Weites Top mit Spitzenborden, aus Bio-Baumwolle, H & M. Loafers aus vegetabil gegerbtem Leder, ANITA MOSER. Gürtel, privat.

Mode

Jeans für immer: Der blaue Klassiker ist diesen Frühling wieder im Trend – als maskuline Hemden, sexy Hotpants oder hochgerollte Hosen im Boyfriend-Look. Fotos: Giuliano Di Marco / Assistent: Gianni Baumann / Redaktion: Irene Münger / Hair & Make-up: Emmanuel Florias, Style Council Model: Luisa Bianchin, am Model Management

Denim-Dar ling

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gruen fashion

Bezugsquellen: American Apparel, www.americanapparel.net; Anita Moser, www.anitamoser.ch; Boutique Roma, www.boutique-roma.ch; Camper, www.camper.com; Globus, www.globus.ch; H & M, www.hm.com; Kuyichi, www.kuyichi.com; Levi’s, www.levi.com; Tommy Hilfiger, www.tommyhilfiger.de

Einteiler aus natürlich eingefärbter Bio-Baumwolle, KUYICHI. Geschnürte Flats aus natur­farbenem Leder, ANITA MOSER. Hotpants mit Latz, aus hellem Denim, H & M. Maskulines, weit geschnittenes Jeans-Hemd aus Bio-Baumwolle, mit Knopf­ leiste, KUYICHI.

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gruen fashion Kurze Weste mit Knöpfen, aus hellem Denim, LEVI’S. Darunter: hellblaues Jeans-Gilet, beidseitig in Spitzen verlaufend, ohne Ärmel, HILFIGER DENIM, bei Globus. Ärmel­loses Hemd aus dunklem Denim, mit Druckknöpfen, LEVI’S. Five-Pockets aus gewaschenem Denim, PRPS, bei Boutique Roma. Schnürschuhe, CAMPER. Hut, privat.

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Geknöpftes, langärmliges Hemd aus hellem Denim, LEVI’S. Weit geschnittene Jeans-Jacke mit Dreiviertel-Ärmeln, KUYICHI.

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gruen fashion Hemdbluse mit Brusttasche, H & M. Hotpants aus Stonewashed Denim, AMERICAN APPAREL. Flache Schnürschuhe aus natürlich gefärbtem Leder, ANITA MOSER.

Helles Denim-Hemd aus BioBaumwolle, mit kurzen, geknoteten Ärmeln, KUYICHI. Shorts mit Ledergürtel, im Used-Look, RALPH BY RALPH LAUREN, bei Globus.

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Supermodel, fotografin, designerin

Und Aushängeschild des Labels Odd Molly, für das Helena Christensen eine Wohnkollektion entwirft.

Im Wunderland Verspieltes Seidentop aus der aktuellen Frühling/SommerKollektion von Odd Molly. Grieder, Big, Zürich, und Globus, CHF 289.–

Bohemien mit Herz Ein nach­ mittag im park

Das Single-JerseyKleid mit Bordürendruck passt zu Romantikerinnen und macht einen Tag in der City zum Ausflug in die Natur. www.hessnatur.com, CHF 109.–

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ein tag im Büro

Ob kurz oder lang, verspielt oder schlicht: Tops für jeden Tag aus Bio-Baumwolle gibts von Essentials – und zwar in (fast) allen Farben des Regenbogens. Erhältlich bei Globus, CHF 69.–

Shopping-ausflug

Ob frisches Bio-Markt-Gemüse oder Highlights aus Fair-Trade-Boutiquen: In der Greenista-Bag hats Platz für alles. Manor, CHF 4.90

zum cocktail

Schicke Bohemiens tragen zur CocktailHour das BaumwollModell von Sessùn. Das Label wurde 1996 von Emma François auf einer Südamerikareise ins Leben gerufen. Entdeckt bei Wink Fashion, Zürich, CHF 179.–

Grüne Mode www.oddmolly.com www.natur.ch www.gruenemode.com/kategorie/gruene-mode-labels www.treehugger.com

Fotos: Odd Molly, Paul Seewer (5)

Das dänische Supermodel Helena Christensen, 41, entwirft in ihrem Bohemien-Wonderland im West Village, New York, eine Wohnkollektion für das Fair-Trade-Label Odd Molly.


gruen beauty

Echt engagiert

eigenwillig schön

Wie die Mutter, so die Tochter: Cosma Shiva Hagen verbiegt sich nicht – muss sie als Börlind-Botschafterin auch nicht! Talentiert, engagiert und schön! Gerade hat Cosma Shiva Hagen, 28, für das Fair-TradeLabel Armedangels ein T-Shirt entworfen. Für die Naturkosmetik-Marke Börlind tritt sie als Botschafterin auf. «Ich kann mich für eine Marke nicht verbiegen, aber hier passt alles perfekt», erklärt die Tochter von Sängerin Nina Hagen begeistert. Besonders beeindruckt ist die eigenwillige Jung­ schauspielerin von Börlinds KaritébutterProjekt. Zum 50-Jahre-Jubiläum hat die Schwarzwälder Firma die Fair-Trade-­ Produktion ins Leben gerufen, welche 170 Familien in Mali eine Zukunft sichert.

Die deutsche Jung­ schauspielerin macht keine Kompromisse – das gefällt!

Gegen die Zeit Für das NatuRepair Skin Renewal Fluid von Annemarie Börlind ist Cosma Shiva Hagen noch ein wenig zu jung. Alle, die mit natürlichen Wirkstoffen gegen die Zeichen der Zeit kämpfen wollen, freuts umso mehr. Müller Vitalshops, Coop City, 30 ml CHF 78.–

Fotos: Börlind, Paul Seewer

Gepflegte mähne Das Bio-Shampoo (Ecocert) aus der neuen Série nature von L’Oréal macht Haare sanft. Sogar die Verpackung ist aus recyceltem Plastik. www. loreal-professionnel.com, 250 ml CHF 25.–

duft-juwel

Der Ecocert-zertifizierte Duft Tous H2O trumpft auch mit FSC-Verpackung und Flakon aus recyceltem Glas auf. Manor, 30 ml CHF 54.–

bestseller

schön wie vom profi

Profi-Schminker schwören auf die Schmink­ linie Couleur Caramel (Ecocert). Lidschatten No. 48. www.attitude-bio.com, CHF 17.20

Seit der Lancierung ist Nutriganics von The Body Shop zum Topseller avanciert. Die Ecocertzertifizierte Linie mindert mit der Smoothing Eye Cream kleine Augen­ fältchen. 15 ml CHF 22.90

Grüne Beauty www.couleur-caramel.com www.thebodyshop.com www.ecocert.com thegreenbeautyguide.com

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gruen reisen

Stefan leser

„Reputation ist unser Kapital“ Text: Monique Ryser und Zeno van Essel / Fotos: Tom Haller

«Wenn wir die Natur zerstören, zerstören wir auch unser Business.» So die klare Aussage des CEO von Kuoni Schweiz, Stefan Leser. Der europäische Reiseanbieter mit Schweizer Wurzeln investiert deshalb in Umwelt, Personal und bietet auch streng ökologische Reisen an. «Mit zunehmendem Erfolg», sagt Leser.

GRUEN: Tourismus und Nachhaltigkeit – das passt doch nicht zusammen. Das ist auf den ersten Blick ein Wider­ spruch. Wir produzieren ganz klar Emis­ sionen, und gleichzeitig leben wir von der Natur. Wenn wir etwas verbrauchen oder beschädigen, beispielsweise ein Korallen­ riff, dann sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen. Gleichzeitig sind weltweit aber auch neun Prozent der Arbeitnehmenden

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direkt oder indirekt vom Tourismus abhän­ gig. Es geht also um die Balance.

bei Themen wie Wasserschutz oder Abfall­ management.

Umweltschutz als strategisches Ziel von Kuoni? Wir tragen eine grosse Verantwortung und arbeiten stetig daran, die negativen Aus­ wirkungen zu mildern und die positiven Einflüsse zu stärken. Insofern ist der Tou­ rismus ein positiver Katalysator. Nehmen wir Entwicklungsländer als Beispiel: Wir unterstützen die Anbieter in diesen Ländern

Und das funktioniert? Wir dürfen nicht oberlehrerhaft oder als neue Kolonialherren auftreten. Für viele Länder ist die Schaffung von Arbeits­ plätzen das wichtigste Thema. Deshalb ­haben wir hier mit der Kuoni-Akademie auch ein Programm, das jungen Menschen erstmals eine Ausbildung ermöglicht. Da­ bei vermitteln wir unsere Werte und

Das Unternehmen www.kuoni-group.com Kuoni Schweiz www.kuoni.ch Der CEO auf Facebook www.facebook.com

Der gebürtige Bayer Stefan Leser, 42, führt das Schweizer Geschäft des ­internationalen Reiseanbieters Kuoni.

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„Die Öffnung Vietnams wäre ohne Tourismus nicht möglich gewesen. Insofern sind wir indirekt politisch.“

Prinzipien – dazu gehört die Nachhaltigkeit oder das Aushandeln von fairen Arbeits­ bedingungen. Wer besucht die Kuoni-Akademie? Alle, die in tourismusnahen Bereichen ­tätig sein wollen. Es gibt aber auch heiklere Themen wie Kinderprostitution, unsoziale Arbeits­ bedingungen, gravierende Umweltverschmutzungen. Wie sprechen Sie die an? In Kenia oder Thailand über Kinderpros­ titution zu sprechen, ist schwierig – aber wir tun es trotzdem. Man muss sensibel sein, taktvoll. Das sind Themen, die auch bei uns nicht offen diskutiert werden. Wir müssen den Partnern vermitteln, dass ein nach­ haltiges Verhalten auch wirtschaftlich sinn­ voll ist. Kuoni engagiert sich weltweit in über dreissig Projekten zu Nachhaltigkeit, Wasser- und Klimaschutz, Arbeitsbedingun­ gen und vor allem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Ausbeutung. Die Touristik-Branche steht unter enormem Preisdruck. Kuoni profitiert auch davon, dass in gewissen Ländern alles viel billiger ist – eben vielleicht weil die Arbeitsbedingungen nicht korrekt sind. Kostendruck haben wir da, wo der Kunde den Mehrwert der höheren Kosten nicht spürt. Wird der Service oder die Qualität verbessert, spürt das der Kunde direkt, und er ist bereit, dafür zu bezahlen. Den Schutz von Kulturstätten, Wasser oder eben eines

Korallenriffs spürt er nicht sofort. Aber wir leben von diesen Natur- oder Kulturschön­ heiten, das macht die Attraktivität vieler Destinationen aus. Deshalb sind das für uns lohnende langfristige Investments. Gibt es auch Hotels oder Destinationen, mit denen Kuoni aus diesen Gründen nicht zusammenarbeitet? Ja. Aber wichtiger sind auch hier Mass­ nahmen wie die Kuoni-Akademie: In Myan­ mar – Burma – beispielsweise können wir jungen Leuten eine Perspektive geben. Damit greift Kuoni in die Strukturen der Länder ein. Ist Kuoni politisch? Wir sind indirekt politisch, indem wir ­bestimmte Werte fördern und fordern. Aber das ist keine Einwirkung auf die politischen Strukturen. Über die Akade­ mie helfen wir, Lebensgrund­ lagen zu schaffen. Der Tou­ rismus ist insofern politisch, als er auch zu Öffnung und Entwicklung führen kann: Die Öffnung Vietnams wäre 5 ohne Tourismus nicht mög­ 15 lich gewesen. 20

der gruen-footprint Wie ökologisch lebt Stefan Leser? Fleisch Fisch Käse Fertigprodukte Bio-Produkte Früchte und Gemüse Qualität Getränke Total Punkte

4 6 6 3 9

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68 Punkte = Der Kuoni-Chef ist noch im gut schweizerischen Mittel. Vorbildlich sein Wasserkonsum: Schweizer Hahnenwasser kanns mit jedem importierten Wässerchen aufnehmen. Der GRUEN-Footprint wurde vom WWF Schweiz für SI GRUEN entwickelt. Der Test soll für den Alltag sensibilisieren und Spass machen. Berechnen Sie Ihren eigenen Footprint auf den Seiten 24 und 25.

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Wie können wir als Touristen nachhaltig sein? Jeder und jede kann das ­Engagement des Reisever­ anstalters prüfen und gezielt nach einem Nachhaltig­keitsLabel wie «Ananea» oder «Travelife» suchen. Eine gründliche Vorbereitung und verantwortungsvolles Ver­ halten an Ort gehören auch dazu. Beim Fotografieren von Menschen fragen, verdäch­ tige Beobachtungen im Be­ reich sexueller Ausbeutung

von Kindern melden. Wasser sparen, lokal produzierte Souvenirs kaufen und mehr. Sie erwähnen die «Ananea»-Reisen. Die sind schön, nachhaltig, aber auch teuer. Was ist mit den Billigreisen? «Ananea» ist ein Nischenprodukt, wie die Haute Couture in der Mode: Es setzt einen Trend. Die Ganges-Expedition (siehe Seite 72) ist ein Extrembeispiel für diese neue Art Tourismus. Aber auch günstige Reisen bei Helvetic Tours erfüllen unsere Werte und Kriterien. Das geht nicht anders, sonst sind wir nicht glaubwürdig. Das grösste Gut des Unternehmens ist die Reputation. Gewisse Dinge stehen nicht zur Disposition! Die Fliegerei gehört zu den grössten Luftverschmutzern, aber die Flüge werden immer billiger. Das ist nicht konsequent. Die Mobilität der Menschen einzuschrän­ ken, ist keine Lösung. Sie ist nicht aufzuhal­ ten. Wir müssen hingegen auf technischen Fortschritt setzen. Die Swiss zum Beispiel wird mit der laufenden Erneu­erung der Flotte viel umweltverträglicher sein. Auch kann man bei Flügen das CO2 kompensie­ ren. Wir bieten das bei jeder Buchung an, und es wird immer häufiger gemacht. Sie erfüllen die Träume der Kunden. Wie haben sich diese Träume verändert? Früher waren Meer und Sonne Kerninhalt, heute eher «neue Kulturen kennen lernen» und «Zeit mit der Familie verbringen». Was macht Kuoni im Fall einer Katastrophe wie in Haiti? Zunächst leisten wir kurzfristige Hilfe. Katastrophenhilfe muss man aber trennen von langfristigem Engagement. Das Enga­ gement in einem Land muss langfristig sein und lokalen Nutzen bringen.

Kuoni-Akademie www.kuoniacademy.co.in Schutz vor sexueller Ausbeutung von Kindern www.kinderschutz.ch www.fedpol.ch


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ganges

Der heilige Fluss wird rein Heiligtum und Kloake. Der Ganges ist beides. Unterwegs mit dem Schweizer Abenteurer Andy Leemann, der den heiligen Fluss auf dem Schlauchboot von der Quelle bis zum Delta bereiste. Text: Zeno van Essel / Foto: Bialobrzeski / Laif

Das Bad im Ganges gilt als eines der wichtigsten Rituale im Hinduismus zur Reinigung der Seele.

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gruen reisen

kommen Exkremente und ­Leichenreste sowie Choleraund Typhusbazillen. Der Mix ist so giftig, dass sogar malaria­ erregende Moskitos dort nicht mehr brüten.

Ganga ist krank. Todkrank. Sie wird ­täglich neu vergiftet Ein schöner Ort für Ferien? So gesehen wohl kaum. Jedenfalls nicht für Menschen, die sich die Vorzüge der westlichen Hygiene-Gesellschaft gewohnt sind. Wer würde hierzulande schon freiwillig in einen Fluss steigen, in dem seit vielen Generationen die Verstorbenen bestattet werden, die dann – so will es der Glaube – als Wasserleiche unberührt den Fluss hinabtreiben, an Land angespült und von streunenden

Gangotri CHINA Neu-Delhi Bareli

NEPAL Barabanki

Kanpur

Allahabad

Kathmandu Patna Ganges

INDIEN 150km

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BHUTAN

BANGLADESCH

Kolkata

Golf von Bengalen

Hunden zerfleischt werden. Doch ausgerechnet in dieser spirituellen Gegend, wo Mythos und Moderne auf unheilige Weise aufeinandertreffen, geht ein Schweizer, unterstützt vom grössten Schweizer TouristikUnternehmen Kuoni, auf Erkundungstour. Mit dem Schlauchboot von der Quelle bis zum Delta. 2500 Kilometer durch felsige Bergbäche, vorbei an seichten Sandbänken, über mächtige Mäander bis hin zum uferlosen Meerdelta. Quer durch eine Landschaft, die von einzig­artiger Schönheit ist und unglaublich viel Abwechslung bietet. Und wo trotz der hohen Umweltbelastung noch immer so seltene Tierarten wie der Flussdelfin oder die Ganges-Schildkröte heimisch sind. Noch. Denn schleichend nimmt die Artenvielfalt am Ganges ab. Nicht nur die ­Verschmutzung, auch die Ableitung des Ganges-Wassers für Industrie und Landwirtschaft tragen dazu bei, dass der Lebensraum an diesen seit Menschengedenken heiligen Gefilden immer knapper bemessen ist. Von aussen betrachtet fällt das kaum auf. Denn auf dem langen Weg, auf dem sich der Fluss durch steppige Wüstenlandschaft, dann wieder, von dichtem Urwald umgeben, durch die Hochebene der indischen Provinz Uttar ­Pradesh windet, übernehmen die Vegetation

und das sandige Ufer eine gewisse Filterfunktion. Trotzdem wird Ganges-Wasser getrunken, es wird darin gebadet, Kleider werden damit gewaschen, Kinder davon ernährt. Für Millionen von Menschen ist es ein Lebens­ elixier. Nicht nur für das ­geistige Wohl, auch im welt­ lichen Alltag. Nirgends wird das so deutlich, als wenn man mit einem kleinen Schlauchboot diesen gewaltigen Strom hinabfährt. Ständig von Wasser umgeben, und doch ist sauberes Trinkwasser ein rares Gut.

1 Gestrandet: Teilweise führt der Ganges so wenig Wasser, dass Sandbänke den Weg versperren. 2 Begegnungen: Bei der Reise über den Ganges begegnet man Menschen, die das Wasser als lebendigen Teil einer Gottheit verehren.

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Trinkwasser ist rar. Nur vereinzelte Dörfer haben einen Brunnen Andy Leemann, der erfahrene Expeditionsleiter, hat darum ein Team von ortskundigen einheimischen Helfern rekrutiert, die die Crews auf den drei Booten in regelmässigen Abständen mit dem Nötigsten versorgen: Treibstoff, Brennholz – und eben Trinkwasser. Denn nur vereinzelt verfügen Dörfer über saubere Brunnen. Die meisten Menschen ­schöpfen das Trinkwasser noch immer aus dem Ganges. Oft wird es vor dem Genuss nicht einmal abgekocht. Grund, warum Durchfall-Erkrankungen bei Kindern immer noch eine hohe Sterblichkeit zur Folge haben. Leben und Tod. Vergänglichkeit und Wiederauferstehung.

Die Expedition www.ribexpedition.com Der Hauptsponsor www.kuoni.com Die Unterstützer www.greencross.com

Fotos: Rib Expedition, Helge Bendl, Zeno van Essel

Die göttliche Ganga wohnt im Himalaja und streckt ihren schlanken Körper bis hin zum Golf von Bengalen, wo sie sich als breiter Strom majestätisch ins Meer ergiesst. Ihr Wasser ist heilig. Es befreit von ­Sünden und öffnet nach dem Tod das Tor in den Himmel. Was andere Menschen als den Fluss Ganges bezeichnen, ist für die Hindu viel mehr: Ganga ist die Personifizierung eines himmlischen Lebewesens. Mehr als alles andere verkörpert es Reinheit. Sein Wasser dient in vielen Riten zur materiellen und spirituellen Reinigung. Manche Homöopathen nutzen Ganges-Wasser sogar als Basis für ihre Medizin. Doch Ganga selbst ist krank. Todkrank. Ihre Verschmutzung ist enorm. Täglich werden über 1,2 Milliarden Liter vergiftetes Abwasser in sie geleitet. Die Belastung durch Kolibakterien ist 2000-mal höher als in Indien erlaubt, und das Wasser enthält hohe Konzentrationen von Cyaniden, Arsenen, Blei, Zink, Chrom und Quecksilber. Hinzu

„Dort, wo die ­Leichen mit dem Wasser des Ganges mittreiben, ist es tief genug.“ Andy Leemann

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Hindu-Mönche bei der rituellen Waschung mit Gletscherwasser an der Quelle des Ganges im Himalaja.

indische Regierung zwar ein Sanierungsprogramm, bei dem Millionen von Dollars in den Bau von Kläranlagen investiert wurden. Doch für den Betrieb fehlt das Geld, und so hat sich nicht viel geändert.» Erst als vor wenigen Jahren private indische und ausländische Organisationen begannen, die Verschmutzung zu bekämpfen und die Lebensräume zu

„Die Ganges-Reise von Andy ­Leemann liefert uns ­wichtige Inputs.“ Matthias Leisinger

Auf der Ganges-Expedition wurde das gesamte Zeltund Küchenmaterial auf drei Schlauchbooten transportiert.

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s­ chützen, trat eine leichte Verbesserung ein. Der WWF zum Beispiel trägt in der Millionenstadt Kanpur dazu bei, die Abwasser zu entseuchen, indem Giftstoffe mithilfe von Bakterienkulturen gebunden werden, um sie dann heraus­ zufiltern. Eine andere Organisation setzt sich für den Schutz seltener Tierarten ein, und wieder eine andere Organisation sorgt dafür, dass zumindest ein Teil der menschlichen Überreste, die den Fluss hinabtreiben, herausgefischt und entsorgt werden. «Am Anfang fischten wir jeden Tag bis zu 170 Leichen aus dem Ganges», erzählt Rakesh K. Jaiswal, Gründer der Organisation Eco Friends. Genau diese toten Körper ­dienen Andy Leemann und ­seinem Team als Orientierungs­ hilfe. «Dead Body Navigation» hat der Schweizer Abenteurer sein System genannt, um im oft unkalkulierbaren Flusslauf seine Fahrrinne zu finden. «Dort, wo die Leichen mit dem Wasser mittreiben, ist es tief genug», sagt er. Und so kämpfen sich Andy und seine Truppe den Ganges hinab. Treffen Menschen, die die Fremden wie Heilige will­ kommen heissen. Denn noch nie sind Menschen von der Quelle bis zum Delta den ­heiligen Fluss hinabgefahren

und haben dabei mehr oder weniger unfreiwillig täglich Dutzende Male darin gebadet, um mit vereinten Kräften das festgefahrene Boot von einer Sandbank wegzuzerren.

Auf dem Fluss sieht man Gegenden, die mit dem Auto unerreichbar sind Den Ganges hautnah zu spüren. Von der Flussseite her Ge­genden zu erkunden, in die man sonst mit dem Auto kaum hinkommt, und dabei den spannungsvollen Wechsel zwischen jahrtausendealter Bauernkultur und explodierender Industriegesellschaft zu erleben, das sind die Beweggründe für diesen aussergewöhnlichen Trip. Erkenntnisse, die auch für Haupt­ sponsor Kuoni von gros­sem Wert sind: «Wer im modernen Tourismus neue Destinationen erkunden will, muss sich mit den Problemen vor Ort aktiv auseinander­setzen», sagt ­Matthias Leisinger, Verantwort­ licher für Nachhaltigkeit bei Kuoni. «Die Reise von Andy Leemann liefert uns wichtige Inputs. Das ermöglicht es uns als Reise­veranstalter, solche einmaligen Erlebnisse – mit ­Respekt und Rücksichtnahme auf die Lebens­umstände in ­diesen Regionen – einmal auch unseren Kunden anbieten zu können.»

Die Unterstützer www.wwf.com www.friendsofganges.org www.ecofriends.org www.cleanganga.com www.rivernetwork.org

Fotos: Helge Bendl

Während man an den alten Hindu-Tempeln vorbeizieht, vor denen Dutzende Menschen in bunten Gewändern ihre Gebetsrituale, die Pujas, ab­halten, überkommt einen dieses bleierne Gefühl zeit­ losen Gleichmuts, das das Leben in dieser Region prägt. Genau diese von religiöser Zuversicht geprägte Ein­ stellung, dass der Fluss mit gött­licher Geduld alles aufnimmt und auf wundersame Weise in neues Leben überführt, macht es schwierig, die Bevölkerung von der Verschmutzung zu überzeugen. «So ist es verständlich, dass der Ganges lange Zeit bedenkenlos seinem Schicksal überlassen wurde», sagt Apal Singh, der Logistik-Chef der Expedition. «1985 startete die


publireportage

natürlich andros – für saft und kraft

Für den Power-Kick: Blutorangen aus der Flasche Blutorangen enthalten besonders viel Vitamin C. Schon ein Glas Saft davon reicht, um den täglichen Bedarf zu decken. ANDROS Blutorangensaft aus dem Kühlregal schmeckt wie frisch gepresst.

Natürlicher Vitaminkick: Der natursüsse ANDROS Blutorangensaft enthält keine Konservierungsstoffe.

Der Frühling nähert sich, doch der Winter hat seine Spuren hinterlassen. Nebel, Kälte, trockene Luft und wenig Sonne ­setzten den meisten Menschen zu. Jetzt ist es noch wichtiger, Gutes für seine Gesundheit zu tun! ANDROS Blutorangensaft enthält besonders viel Vitamin C, welches das Immun­ system stärkt, die Eisenaufnahme verbessert, bedeutend für den Aufbau von Binde­ gewebe und Knochen ist sowie die Zellen vor schädlichen freien Radikalen schützt. Ausserdem enthält ANDROS Blutorangensaft natürlichen Fruchtzucker, der Energie spendet. Ein Glas weckt die Lebensgeister, erfrischt und schmeckt ausgezeichnet.

Foto: Fabienne Bühler

So gut wie selbst gepresst: Blutorangensaft aus dem Kühlregal Selbst mit professionellen Geräten ist das Pressen von Blutorangen mühsam: Ehe man sichs versieht, hinterlassen rote Spritzer Flecken auf den Kleidern. Gut zu wissen, dass es dafür eine echte Alternative gibt: ANDROS Blutorangensaft. Er ist ebenso vitaminreich und schmeckt genauso frisch und vorzüglich wie der selbst gepresste Saft. Warum? Für einen Liter ANDROS Blutorangensaft werden nach der Ernte an Ort und Stelle bis zu drei Kilogramm sonnengereifte Früchte behutsam gepresst, kurz pasteu­ risiert, direkt abgefüllt und sofort kühl ­gelagert. Dank der schonenden Flash-­ Pasteurisierung bleiben der Geschmack und die Vitamine zu 100 Prozent erhalten.

100 Prozent reine Natur. Nichts anderes. Das schmeckt man! ANDROS Blutorangensaft wird – wie übrigens bei allen ANDROS Fruchtsäften – nichts hinzugefügt. So ist denn auch die Beigabe von künstlichen Zusätzen oder Zucker kein Thema. Die natursüssen ANDROS Fruchtsäfte enthalten weder Konservierungs- noch Farb- und Aromastoffe und schmecken deshalb wunderbar fruchtig frisch. Dies im Gegensatz zu den meisten herkömmlichen Fruchtsäften, die aus eingedicktem Konzentrat hergestellt werden. Machen Sie doch am besten selbst den Test und probieren Sie ANDROS

Blutorangensaft. Sie werden feststellen: Er schmeckt wie selbst gepresst, und dies erst noch ohne Arbeit. Achten Sie aber darauf, ANDROS Blutorangensaft stets im Kühlschrank aufzubewahren und nach dem Öffnen innert drei bis vier Tagen zu verbrauchen.

Warum sind Blutorangen rot? Die tiefrote Farbe wird in den Pigmenten von Fruchtfleisch und Schale hervorgerufen und entsteht in trockenen Gebieten mit hohen täglichen Temperatur-Differenzen. ANDROS Blutorangensaft gibts bei Coop, ­Globus, Le Shop, Manor, Spar, Volg und in vielen Tankstellen-Shops. www.andros.ch

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gruen porträt

nicolas müller

Det äne am Bärgli ... ... steht der verrückteste Snowboarder der Schweiz

Er ist einer der besten Snowboarder der Welt. Nicht gewusst? Ihm ist es egal. Er braucht nur den Berg und seinen Bio-Laden. Text: Lisa Merz / Fotos: Gian Paul Lozza

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gruen porträt 1 Jede Scheefläche ist für Nicolas Müller eine Spielwiese. Sein kreativer Stil inspiriert viele. 2 Am freestyle.ch in Zürich stehen Fans für ein Autogramm des 27-Jährigen Schlange. 3 Bei ihm kommt nur Bio in die Tüte – im Churer Bio-Laden Rägewurm deckt Müller sich ein.

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Preis schauen muss. Was ihn gluschtet, packt er ein. Er stellt drei Einkaufskörbchen bereit, wendet sich dem Gemüse zu. Er dreht den Chinakohl ein paarmal in der Hand. Packt ihn behutsam in eine braune Papiertüte, klebt die Preisetikette drauf. Dasselbe macht er mit den Tomaten, dem Broccoli und dem Salat. «Es steckt einfach mehr Liebe drin», erklärt der Vegetarier und greift nach einem Pack Tofu-Wienerli. Schon seine Eltern und seine Grossmutter assen kein Fleisch.

Hoch oben hört er nur seinen Herzschlag. Innert Sekunden muss er sich entscheiden. Sich auf seine Sinne verlassen. Den Schnee spüren. «Ich fühle die Natur und fahre nur, wenn das Gefühl stimmt», sagt Nicolas Müller. Seit zehn Jahren gewinnt der 27-Jährige alle wichtigen internationalen Freeride-Contests. In Japan zücken Fremde ihre Handykameras, wenn sie dem Zürcher auf der Strasse begegnen, und bitten um ein Autogramm. In Laax GR geniesst er die Ruhe. Und hier erkennen ihn nur Leute aus der Szene. Im nahen Churer Bio-Laden

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Rägewurm hat ihn die Verkäuferin sogar komisch angeschaut, als er das erste Mal auftauchte. «Sie fragte sich wahrscheinlich, was dieser Snowboarder bei ihr will», erzählt er lachend und zieht wieder einmal seine breite Hose hoch, die er leger in den Knien trägt. Diese Begegnung fand vor drei Monaten statt, als er in sein neues Haus in Laax gezogen ist. «Ein eigenes Daheim war schon immer mein Traum, darauf habe ich gespart.» Dank seinem Erfolg kann er sich diesen Wunsch erfüllen. Genauso wie den, dass er nur noch im Bio-Laden einkaufen geht. Und zwar so, dass er nicht auf den

«Damals wollten mir viele Angst machen. Sie meinten, aus mir würde nie etwas» Sie haben ihn immer unterstützt. Auch dann, als er mit 16 Jahren die Bezirksschule schmiss und jedem Contest nachreiste. Die FIS-Rennen interessieren ihn nicht. «Dort gibt es zu viele Regeln. Da darf ja nicht einmal ein Sticker auf dem Board kleben.» Müller braucht seine Freiheit: «Damals wollten mir viele Angst machen. Sie meinten, aus mir würde nie etwas.» All diese Skeptiker würden heute zu ihm kommen und ihm gratulieren, erzählt Müller. Kein Wunder: Neben etlichen Preisen kürte ihn das renommierte amerikanische «Snowboarder Magazine»

Sponsoren www.burton.com www.nike.com www.oakley.com www.swatch.com www.nicolasmueller.com

Fotos: Dean Blotto, Oakley

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gleich zweimal zum «Rider of the Year». Durch diese Erfolge und seine spektakulären Filmeinlagen erhält er 2005 den Ritterschlag der Snowboardszene: die Aufnahme ins zehnköpfige Burton Global Team. Hier sind nur die Besten. Im Bio-Laden merkt man nichts von Starallüren: Müller nimmt aus seinem mitgebrachten Stoffsack zwei leere Eierkartons hervor und füllt sie auf. Das Altglas gibt er der Verkäuferin zurück. «Ich werfe so wenig wie möglich weg.» Auch sein Board ist recycelt. Letztes Jahr lancierte er zu­sam­men mit Burton ein Ökobrett – das «Eco Nico». Die Kanten sind wieder­ verwertet, das Holz nachhaltig produziert und die Oberfläche lackfrei. Die limitierte Edition ist bereits ausverkauft. Müller weiss, dass er für viele Fans ein Vorbild ist: «Auch ich wollte mit dreizehn einfach so sein wie Snowboard-Ikone Terje Håkonsen. Mit meinem Ökobrett und meinen Ökokleidern möchte ich Menschen dazu animieren, über Umweltschutz nachzudenken.» Beim Wein und beim Bier geht er vorbei, er trinkt keinen Alkohol. Erst bei den Kräutertees bleibt der Single stehen. Er begutachtet alle Etiketten, entscheidet sich

„Mit meinem Ökobrett und meinen Ökokleidern möchte ich Menschen animieren, über Umweltschutz nachzudenken.“ für den Druidentrank: Apfelminze, Haselnuss­blätter und Goldmelisse, um «Zauberkräfte zu entdecken». Die kann er brauchen, wenn er in Alaska vom Helikopter in einen noch unbefahrenen Hang hinabspringt. «Dort fühle ich mich klein wie eine Ameise. Trotzdem bin ich dort nicht allein. Jede Schneeflocke, jeder Stein besitzt eine Seele. Respektiere ich sie, beschützen sie mich.» Nur ein einziges Mal verletzt sich Müller schwerer am Fussgelenk: Er hört nicht auf seine innere Stimme, lässt sich zu einer Wettbewerbsteilnahme überreden – prompt passierts! «Diese Anlässe sind crazy. Ich brauche Ruhe. Erst in der Natur kann ich mich

richtig ausdrücken.» Sein Fahrstil sei einmalig, meinen Kollegen: Mit seiner Kreativität schmiegt er sich dem Schnee regelrecht an und fährt seine Linie, als ob ein Messer durch weiche Butter schneidet. Die Kasse im Rägewurm klingelt ununterbrochen: 417.80 Franken. Seine Sponsorenverträge mit Burton, Oakley, Swatch und seit Neuestem Nike sollen ihn angeblich reicher machen als Skiweltmeister Didier Cuche. «Keine Ahnung, ob das stimmt. Ums Finanzielle kümmert sich meine Agentin in den USA.» Mehr interessiert er sich für Umweltprojekte: Er ist Botschafter von Suddenrush, Hersteller von natürlichen Energieshots, und Präsident der Umwelt­ organisation Breathe. In Costa Rica forstet er den Regenwald auf und säubert Strände. Kein schlechtes Gewissen, dass er viel um die Welt fliegt? «Hey, so erreicht meine Botschaft viel mehr Leute. Und wer kann schon behaupten, dass er 800 Quadratmeter Regenwald schützt!» Nicolas Müller nimmt seine vier vollen Taschen mit Bio-Produkten, klemmt sich ein Fünf-Liter-Mostfass unter den Arm und fährt mit seinem Erdgasauto dem nächsten Berg entgegen.


gruen genuss

Fabian Fuchs

Vom Helfer zum Chef

Fabian Fuchs war ein erfolgreicher Velo-­ Profi. Heute führt er die «Krone» in Blatten, wird vom GaultMillau mit 16 Punkten geadelt – und denkt ganz lokal. Text: Peter Ruch / Fotos: Sandi Kozjek

Einst Rad-Profi, heute Spitzenkoch: Fabian Fuchs setzt voll auf frische Produkte.

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gruen genuss

Nein, ganz in die Ecke gestellt hat er sein Velo nicht. Am Sonntag und am Montag, wenn die «Krone» geschlossen ist, holt Fabian Fuchs den Drahtesel wieder hervor, «für eine Stunde oder zwei», sagt er. Das sei ihm wichtig, sagt der ehemalige Rad-Profi, der zu Beginn der Neunzigerjahre in Diensten des spanischen Banesto-Teams stand und als Helfer seinen Teil zum Sieg von Miguel Indurain beim Giro d’Italia 1992 beitrug. «Ich kann dann abschalten, an etwas anderes oder auch einmal gar nichts denken», erzählt der 48-jährige Fuchs, «und natürlich ist es auch gut für die Gesundheit.» Ein grossartiger Siegfahrer wie sein Captain Miguel Indurain war Fabian Fuchs, der von 1987 bis 1992 seine Brötchen als Profi verdiente, nie. Achter wurde er 1988 in der Tour de Romandie, 1992 dann 21. im Giro. Doch er war eine wertvolle Verstärkung für die jeweiligen Teams, «ich fuhr damals ganz gut bergauf», und er genoss die Zeit, kam viel in der Welt herum; Fuchs möchte die Erfahrung nicht missen. Trotzdem beendete er 1992 mit 31 Jahren seine Velo-Karriere – weil er wusste, dass es da noch andere Dinge gab, als in die Pedale zu treten. «Ich wusste schon mit fünf oder sechs Jahren, dass ich einmal Koch werden wollte», erzählt er mit seinem verschmitzten Lächeln. Fuchs lernte dann tatsächlich Koch,

Blattner forellenfilets mit Limone und Schwarzwurzeln Flusskrebse, Forellenfilets, Schwarzwurzeln – was aus der Region kommt, hat beim Innerschweizer 16-Punkte-Koch Fabian Fuchs Vorrang auf dem Teller. Im Ofen bei 190 Grad 4 Min. backen und im ausgeschalteten Ofen 5 Min. nachziehen lassen.

 8 Flusskrebse Flusskrebse in Salzwasser ca. 3 Min. kochen. Dann die Scheren entfernen und diese nochmals ca. 2 bis 3 Min. kochen. Schwanzstücke und Scheren in Eiswasser abkühlen. Krebse und Scheren aufschneiden, das Fleisch herauslösen.

Kochen ist Teamwork! Fabian Fuchs ist stolz auf seine Equipe: «Wir geben mächtig Gas.»

schaffte noch eine weitere Ausbildung als Konditor-­ Confiseur, arbeitete während seiner Zeit als Elite-Amateur im Sommer halbtags in der Küche, im Winter dann voll.

Die «Krone» wurde nach den Wünschen von Fabian Fuchs umgebaut Als Velo-Profi konnte Fuchs das entsprechende Kleingeld auf die Seite legen, um sich nach Abschluss seiner Karriere noch einmal ganz auf die Weiter­ bildung zu konzentrieren. In Mürren im «Palace» arbeitete

Stilvoll angerichtet! Der Käse wird in der «Krone» auf der Silber­ platte serviert.

„Unsere Fische wachsen in aller Ruhe. Deshalb ist ihr Fleisch auch so fest – es ist toll, mit solchen Produkten zu arbeiten.“ 84

Blattner Flusskrebse auf Lauch und Linsen (für 4 Personen)

er, war Küchenchef im «Bahnhof», Luzern. «Die wichtigste Station war für mich sicher die ‹Krone› in Bätterkinden, dort habe ich von Res Hubler sehr viel gelernt, er hat mich stark beeinflusst.» Schon damals hatte der gebürtige Malterser die «Krone» im benachbarten Weiler Blatten als Traum vor Augen. Das wunderbare Haus aus dem 16. Jahrhundert mit seinem schönen Garten überstieg aber seine finanziellen Möglichkeiten. Doch der ­ehrgeizige Koch hatte Glück, Theo Meierhans kaufte die «Krone», die auch als Poststelle diente, und baute sie nach den Wünschen von Fuchs um. Ob es im beschaulichen Luzerner Hinterland wirklich eine offene Küche braucht, die es den Gästen erlaubt, den Köchen bei der Arbeit zuzusehen, ist Geschmackssache, doch der Umbau ist gelungen, es gibt verschiedene heimelige Säli, eine schöne Gaststube, im Sommer einen herrlichen Garten. Im Jahr 2000 war es

Sein Restaurant www.krone-blatten.ch Blattens Geschichte www.staatsarchiv.lu.ch Die Wallfahrtskirche www.st-jost.ch www.saint-josse-

dann so weit, Fuchs, kurz zuvor zum zweiten Mal Vater geworden, startete durch.

Nur frische und aller­ beste Ware kommt in Blatten auf den Tisch Heute ist die «Krone» eine feste gastronomische Grösse in der Innerschweiz. Seit Jahren wird sie vom GaultMillau mit 16 Punkten ausgezeichnet, dazu immer hoch gelobt, denn Fuchs schafft im Hinterland von Luzern einen schwierigen Spagat. Bis zu 80 Personen ­finden nämlich Platz in diesem schönen Haus mit dem Rundbogengiebel und den Schindelholzwänden, das meist, sowohl mittags als auch abends, bis auf den letzten Stuhl besetzt ist. Da ist es alles andere als einfach, über Jahre die hohe Konstanz zu schaffen, die Fuchs von sich und seinem Team verlangt, vor allem deshalb, weil es in der Gaststube und in den Säli auch noch ver­ schiedene Karten gibt. Das

 80 g Lauch  35 g Rahm  100 g Ei  100 g Rahm  10 g Butter  Salz, Pfeffer

Lauch längs halbieren, waschen. Grob schneiden, in Salzwasser weich kochen. Abtropfen, mit 35 Gramm Rahm mischen, mixen. Durch ein ­feines Sieb passieren, mit Ei und Rahm mischen. Butter schmelzen, unter Rühren zur Masse geben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. ­Masse in Formen füllen oder auf einem Blech aus­giessen. Im Steamer (Dampf) bei 90 Grad ca. 30 Min. pochieren. Kühl stellen, in Form schneiden.

 90 g Beluga-Linsen  180 g Gemüsefond oder Hühnerbouillon  70 g Zwiebeln, gehackt  Olivenöl, 1 Lorbeerblatt  1 dl Gemüsevinaigrette

Zwiebeln in Olivenöl andünsten, mit Fond oder Bouillon auffüllen. Linsen und Lorbeerblatt zugeben. Bei schwacher Hitze weich sieden, bis alle Flüssigkeit aufgesogen ist. Auskühlen. Mit Gemüsevinaigrette marinieren, abschmecken. Anrichten

 500 g frische Schwarzwurzeln  1 Bund Blattpetersilie  wenig Butter, Zitronensaft, Salz, Pfeffer

Schwarzwurzeln waschen und schälen. In Salzwasser mit etwas Zitronensaft weich kochen. Abtropfen, auskühlen lassen, dann feinblättrig schneiden. Petersilie hacken. Schwarzwurzeln in Butter leicht sautieren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Petersilie untermischen.

 250 g Rahm  10 g Fischfond  2 Eier  45 g Limonensaft  25 g Olivenöl

Rahm und Fischfond zusammen aufkochen. Die Eier trennen. Eigelb glatt rühren. Abwechselnd den Limonensaft und das Olivenöl unter das Eigelb mischen. Dies gelingt am besten mit einem Stabmixer. Am Schluss das Eiweiss langsam zugeben, gut mischen. Die Masse mit dem warmen Rahm-Fischfond-­Gemisch gut verrühren und auf 83 Grad erwärmen. Vor dem Servieren erwärmen und mit dem Stabmixer aufschäumen.

 2 Jakobsmuscheln Jakobsmuscheln mit einem Demidoff-Messer halbieren. Leicht salzen, auf beiden Seiten kurz anbraten. Anrichten Limonensauce und Schwarzwurzeln auf einem Teller anrichten. Fisch daraufsetzen, mit Jakobsmuschel und Schwarzwurzelchips garnieren.

Lauchflan und Linsen auf einem Teller anrichten, Flusskrebse darauflegen, nach Belieben mit ­Vinaigrette beträufeln. Blattner Forellenfilets mit Limone und Schwarzwurzeln (für 4 Personen)

 2 Forellenfilets  100 g Fischfarce (z. B. Lachs)  100 g Blaumohn

Forellenfilets in vier gleichmässige Stücke schneiden. Leicht würzen, mit Fischfarce ca. 1 cm dick bestreichen. Mit Blaumohn ­bestreuen.

Innerschweizer Komposition: Blattner Flusskrebs auf einem Lauchflan und Beluga-Linsen.

europe.eu Die Lieferanten www.bio-luzern.ch Shopping www.hug-luzern.ch www.luzerner-top-firmen.ch

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gruen genuss Heimelig! In der «Krone» gibts diverse Säli, eine Gaststube und im Sommer einen wunderschönen Garten.

„Uns stehen immer 20 Forellen in einem Teich zur Verfügung, das ist auch die Garantie, dass sie absolut frisch sind.“

Wunderbar! Das Haus im luzer­ nischen Weiler Blatten stammt aus dem 16. Jahrhundert.

grosse Menü mit sechs Gängen kostet hundert Franken, in der Gaststube gibt es den preiswerten Dreigänger. Und Fuchs, der ehemalige Spitzensportler, ist allerorten. Kein Gericht verlässt die Küche, ohne dass er es ­kon­trolliert hätte. «Was wir hier betreiben, hat schon auch etwas mit Sport zu tun, zweimal am Tag, fünfmal in der Woche geben wir mächtig

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Gas, wollen nur das Beste», sagt er mit einem gewissen Stolz. Und stolz ist er auch auf sein Team, «allein sind solche Leistungen nicht möglich». Über die Jahre hat sich Fuchs zudem ein festes Netz von lokalen Produzenten ge­schaffen, die ihn mit Gemüse, Früchten, Wachteleiern, Fischen, aber auch Fleisch und Wild beliefern. «Das ist mir sehr wichtig. Es hat sich rumgesprochen, dass ich ein guter Abnehmer von guten Produkten bin. Und ich arbeite gern mit hiesigen Sachen, Zwetschgen, Kirschen, da können mir die Bauern auch 150 Kilo bringen, die können wir bestens verwerten.» Bekannt, schon fast berühmt ist die «Krone»

für ihre einheimischen Fische und Krebse, die bezieht Pächter Fuchs beim Besitzer seines Restaurants, weil die Qualität einzigartig gut ist. «Die Fische dürfen in aller Ruhe wachsen, sie kommen erst nach drei ­Jahren in die Pfanne, nicht schon nach einem halben Jahr, wie das bei den meisten Fischzüchtern üblich ist. Deshalb ist ihr Fleisch auch so wunderbar fest, es ist grossartig, mit solchen Produkten arbeiten zu dürfen.» Für Fuchs stehen im­mer zwanzig Forellen in einem speziellen Teich zur Verfügung, das ist auch die Garantie, dass sie absolut frisch sind. Aber Fuchs sagt dann auch noch, dass es schwierig sei, ausreichende Quantitäten

Wandern in der Region www.luzerner-wanderwege.ch www.grenzpfad.ch

für sein grosses Restaurant zu ­finden. «Aber ich bin da ganz ehrlich, ich gaukle niemandem etwas vor. Wenn wir Wild auf der Karte haben, dann ver­ arbeiten wir schon bis zu fünfzehn Rehrücken pro Woche – so viel kann uns die lokale Jagdgemeinschaft gar nicht liefern, unmöglich. Ich deklariere ganz klar die Herkunft unserer Produkte und achte natürlich stark darauf, dass wir nur ganz frische, allerbeste Ware kriegen.» Auf Produkte wie bretonischen Hummer oder wild gefangenen Steinbutt verzichtet er ganz bewusst, «wir müssen da auf dem Boden bleiben». Das passt gut zu diesem Mann, der so genau weiss, was er will und kann.


gruen genuss

Joghurt aus der Bergluft Sie nennt sich stolz die höchst­ gelegene Molkerei Europas: Die Lataria Engiadinaisa in Bever GR produziert auf 1706 Metern Joghurt und Käse aus Bergmilch.

Text: Barbara Halter Fotos: Anne Gabriel-Jürgens Bever gehört noch den Einheimischen: Das schmucke Dörfchen mit den 747 Einwohnern liegt zwar in der Nähe von St. Moritz, doch der Anteil an Zweitwohnungen ist tiefer als sonst im Engadin. Aber auch hier spürt man im Winter die Hochsaison – zum Beispiel in der Lataria Engia­dinaisa, kurz Lesa. In der Molkerei ist die Nachfrage nach Joghurt jetzt besonders gross. «Im Moment produzieren wir auch am Samstag», sagt Geschäftsführer Alex Nietlispach. In der Joghurtproduktion arbeiten ständig zwei Personen. Jeden Abend impfen sie, wie der Experte sagt, homogenisierte Milch mit Joghurtkulturen. Am Morgen ist diese in den drei grossen Tanks ge­ronnen, und das fertige Nature-Joghurt kann mit Fruchtkonzentrat verfeinert und in durchsichtige PET-Becher abgefüllt werden. Sieben verschiedene Sorten stehen zur Auswahl: «Am gefragtesten sind Waldbeeren und Apfel/Birne», verrät Nietlispach. «Auch die saisonalen Spezia-

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Alex Nietlispach leitet die Lataria Engia­dinaisa in Bever. In «seiner» Molkerei wird nur Engadiner Milch verarbeitet.

litäten wie Marroni mögen viele Leute.» Die Lesa, die höchstgelegene Molkerei Europas, verarbeitet ausschliesslich Engadiner Bergmilch. Lastwagen sammeln die Milch in den Dörfern ein und bringen sie nach Bever – jährlich sind dies rund 6,5 Millionen Liter, davon die Hälfte in Bio-Qualität. Durch die Ver­arbeitung vor Ort bleiben die Arbeitsplätze im Engadin erhalten. Die Bauern beteiligen sich zu 20 Prozent an der Betriebsgesellschaft Lesa. Neben Joghurt stellen die 14 Angestellten auch Käse her. Im Reifungskeller lagern

rund 6000 Laib Bergkäse. Wenn der Reifeprozess abgeschlossen ist, transportiert ihn die Rhätische Bahn zusammen mit allen anderen Produkten ins Unterland. Die Joghurt findet man unter dem Label Pro Montagna bei Coop im Kühl­regal, 140 Gramm für CHF 0.90 und 500 Gramm für CHF 2.65. 1 Milch aus dem Engadin: Ab 1000 Metern Höhe spricht man von Bergmilch. 2 Das Joghurt wird in PET-Becher abgefüllt, die Sorte Waldbeeren ist besonders beliebt. 3 Von den Pro-Montagna-Joghurt gehen fünf bis zehn Rappen an die Bergbevölkerung.

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Die Molkerei www.lesa.ch Die Region www.bever.ch Mehr über Pro Montagna www.coop.ch

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Wettbewerb: Der richtige Partner macht glücklich. Senden Sie uns ein Foto von Ihnen und Ihrem Haustier und gewinnen Sie einen Anlagefonds, der so gut zu Ihnen passt wie Ihr Liebling. Wir verlosen Fondsanteile im Gesamtwert von 10 000 Franken. Alle Informationen zum Wettbewerb finden Sie unter www.swisscanto.ch/partner.

Money gruen

auto shopping geld wohnen reisen grün golfen im «penha longa» SINTRA Ritz-Carlton macht Ernst mit dem Engagement für die Natur – auch auf dem Golfplatz! Im Fünf-­Sterne-Resort Penha Longa bei Sintra in Portugal wurden zwei Millionen Euro in eine neue Anlage in­vestiert. Die Umweltorganisation Audubon dankts mit einem Zertifikat. Anfang April mischen sich Weltklasse-­Spieler unter die «grünen Golfer» – am Estoril Open de Portugal. www.ritzcarlton.com

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Oft genügen einige hundert oder tausend Franken, um aus der Armut auszubrechen. Mikrokredite machens möglich. Jetzt gibts den Fonds dazu.

Text: Monique Ryser Drei Banker-Frauen hatten anlässlich der UN-Frauenkonferenz 1975 in Mexiko-Stadt eine Vision, wie die Armut in Entwicklungsländern zu lindern wäre: Ein weltweites Netzwerk sollte armen Frauen den Zugang zu Krediten und Geschäfts-Know-how ermöglichen. Denn: Über 70 Prozent der Armen sind Frauen. Oft würden 50 oder 100 Dollar ausreichen, um einer selbst­ständigen Arbeit nachzugehen. Doch mittellose Menschen können keine Sicherheit bieten und sind deshalb nicht «kreditwürdig». Die Frauen schritten zur Tat und legten den Grundstein für das Women’s World Banking (WWB). 1978 gründete in Bangladesch Muhammad Yunus ein Forschungsprojekt: Der Professor wollte beweisen, dass kleine Kredite ­Gros­ses bewirken können. Daraus entstand die Grameen Bank. Beiden Initiativen war

Hasija Begovic (Bosnien-Herzegowina) hat dank eines 700-Dollar-­Mikrokredits eine eigene Schneiderei aufgebaut.

María Lucía Potosí aus Ecuador hat dank des Responsability-­Anlagefonds einen Kredit von 200 Dollar erhalten.

Fotos: Finca, Mi-Bospo

gruen money

Eine Handvoll Dollar, und der Rubel rollt

gemein, dass sie die Not der Armen nicht durch milde Gaben lindern wollten, sondern durch wirtschaftliche Anreize: Kredit geben, um Arbeit zu schaffen und den Menschen ein Einkommen durch eigene Kraft zu ermöglichen. Die Zürcherin Rosmarie Michel, die als Vice-Chair bei WWB amtete, betont: «Wir sind auf die Bedürfnisse der Kreditnehmer fokussiert. Uns interessiert, was die Menschen brauchen.» Nicht staatliche Organisationen (NGOs) stellten im ­jeweiligen Land eine lokale Arbeitsgruppe auf die Beine, die Kreditvermittlung, Know-how-Transfer und Administration übernahm. «Der Risikofonds von WWB deckte 50 Prozent des Risikos ab, und mit dieser Sicherheit konnte die lokale Bank Kredite gewähren», so Michel, die als eine der ersten Frauen in der Schweiz in Verwaltungsräten von Firmen wie Credit Suisse, Valora, ZFV-Unter­ nehmungen und anderen Einsitz hatte. Etwas ist bei Mikrokredit-Instituten fundamental anders: Die Frauen und Männer, die Kredit wollen, müssen nicht zur Bank kommen – die Bank schickt die Berater und Beraterinnen zur Kundschaft. Die Geschäfts­idee wird diskutiert, die Höhe des Kredits und der Rück­ zahlungs­plan verhandelt. «Die Rückzahlung erfolgt monatlich, und meistens wird nach der letzten Abzahlung ein neuer Kredit ge­währt», erklärt Rosmarie Michel. «Die Kredite sind klein und betragen oft zwischen 50 und 100 Dollar.» WWB betreut heute 4,3 Milliarden ­Dollar, an denen 20 Millionen Menschen teil­ haben. Frauen machen noch 73 Prozent der Kreditnehmer aus. Für Michel ist klar,

Rosmarie Michel zu Mikrokrediten: „Frauen holzen keine Wälder ab und fischen keine Meere aus.“ dass vor allem die Kreditvergabe an Frauen gefördert werden muss: «Frauen holzen keine Wälder ab und fischen keine Meere aus. Sie fischen für den lokalen Markt und investieren den Gewinn hauptsächlich in Erziehung und Gesundheit. Damit stärken sie die einheimische Gesellschaft», so die ehemalige Besitzerin der Zürcher Confiserie Schurter, die vor Kurzem den Women’s Finance Award gewonnen hat. Michel hat sich auch eingesetzt, dass 2005 in der Schweiz ein Anlagefonds emittiert wurde, mit dem Private direkt in Mikro­finanzInstitutionen (MFI) investieren können: der Responsability Global Microfinance Fund. Hinter dem Anbieter Responsability Social Investments AG stehen als Gründer Aktionäre wie Credit Suisse, Raiffeisen Schweiz, Swiss Re oder Bank Vontobel AG. Responsability verwaltet aktuell rund 900 Millionen Dollar, die in 260 Institutionen in über 60 Ländern investiert sind. Mit 1000 Franken (oder Dollar oder Euro) kann jeder dabei sein. «Wir arbeiten eng mit lokalen Mikrofinanz-Institutionen zu­sammen», erklärt Cécile Koller, Head Research bei Responsability. Das können

Banken sein, NGOs oder Kooperativen. Im Gegensatz zu Women’s World Banking oder Grameen Bank operiert der Fonds ohne Subventionen oder Spenden. «Unsere MFI müssen ein gutes Geschäftsmodell haben und finanziell profitabel sein. Nur so sind die Investitio­nen nachhaltig.»

Der CS-mikrofinanz-Fonds Der Responsability Global Microfinance Fund der Credit Suisse ist der einzige Mikrofinanz-Fonds, in den Private investieren können. In Entwicklungs­ ländern haben nur fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung Zugang zu Finanz­ dienst­leistungen. Weltweit gibt es rund 500 Millionen Mikro­unternehmen. Sie sind Hauptlieferant der Arbeitsplätze. Pro in Mikrounternehmen investierten Dollar werden bis zu zwölf Dollar im vorund nach­gelagerten Gewerbe generiert. Der Gewinn des Fonds wird reinvestiert.


gruen money

Kapseln sammeln statt Energie verschwenden Kaffee geniessen und dann die bunte Kapsel in den Müll werfen? Bitte nicht! Die Alu-Verpackung lässt sich recyceln – so wie es die Firma Nespresso tut.

Text: Barbara Halter 

Es gibt 2150 Sammelstellen, wo die gebrauchten Kapseln abgegeben werden können Die Begeisterungsfähigkeit der hiesigen Angestellten für das Produkt ist ein Grund, weshalb der Konzern in der Schweiz pro­ duziert. Wer den Betrieb besucht oder bei einer der vielen Boutiquen vorbeigeht, merkt schnell, dass hier nicht nur Kaffee, sondern eine ganze Passion verkauft wird. Nur gerade ein bis zwei Prozent der welt­ weiten Ernte entsprechen dem Qualitäts­ anspruch von Nespresso. Damit das Aroma bis zum Kunden erhalten bleibt, wird der frisch geröstete und gemahlene Kaffee in bunte Alu-Kapseln gepresst. Die Gewinnung und Herstellung von Alu­ minium benötig allerdings viel Energie. Umso wichtiger ist es, dass das silbrige Leichtmetall gesammelt und wieder­ verwertet wird. «Aluminium ist kein Abfall.

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Die Siebanlage in Moudon: Hier werden Kapseln und Kaffeepulver voneinander getrennt.

Solange wir es recyceln, bleibt es als Roh­ material erhalten», erklärt Geschäftsleiter Richard Girardot. Nespresso begann 1991 in der Schweiz ein Entsorgungssystem aufzubauen. «Inzwi­ schen gibt es 2150 Sammelstellen. Jeder Kunde findet innerhalb von zehn Kilome­ tern einen Ort, wo er die Kapseln abgeben kann», sagt Girardot. Neuerdings gibt es sogar eine Application für das iPhone, die einem die nächstgelegene Sammelstelle anzeigt. Die gebrauchten Kapseln landen im Recyclingwerk in Moudon VD. Die

„Aluminium ist kein Abfall. Solange wir es recyceln, bleibt es als Rohmaterial Richard Girardot, CEO Nespresso. erhalten.“

Barec-Gruppe führt die Wiederverwertung durch. In einer ehemaligen Kartonfabrik steht die speziell erstellte Trennanlage. Wöchentlich treffen zwei bis drei gefüllte Sattelschlepper von 24 Tonnen ein. Die Kapseln werden in einem Schredder geöffnet, das Kaffeepulver getrocknet, und nach Passieren der Siebanlage landen Pulver und Alu in getrennten Tonnen. Ersteres wird kompostiert und zu Dünger verarbeitet, Letzteres zu Würfeln gepresst. Diese werden im Ausland geschmolzen und wiederverwendet. Die Qualität des Materials bleibt nahezu erhalten – das Sekundäraluminium kann beispielsweise für Maschinen wiederverwertet werden. Auch der Energieverbrauch ist positiv: Das Recycling verbraucht nur fünf Prozent der Neuproduktion. Das Thema Aluminium veranlasste Nespresso zu einer neuen Zusammen­arbeit: Die Firma unterstützt den Abenteurer Mike Horn, der mit einer Segeljacht aus recyceltem Aluminium und einer Gruppe Jugendlicher auf seiner Öko-Expedition Pangaea weilt.

Die Firma www.nespresso.com Recycling-Experten www.barec.ch Abenteurer Mike Horn www.pangaea-mikehorn.com

Fotos: zvg

Es umhüllt in hauchdünner Form Schoko­ ladentafeln, konserviert als Tube Tomaten­ püree oder hält als Kapsel gemahlenen Kaffee frisch: Aluminium ist als Verpackungs­ material beliebt. Das Metall lässt sich ein­ fach verarbeiten, und es überzeugt wegen seiner hohen Barriere-Eigenschaften. Das heisst: Alu sorgt dafür, dass der Inhalt lange frisch bleibt. Genau diese Eigenschaften sind für den Kaffeehersteller Nespresso entscheidend. Die 1986 in der Schweiz gegründete Firma agiert im GourmetBereich. In der neu eröffneten Produktions­ stätte in Avenches VD wird für die ganze Welt produziert. Davon profitiert auch die Region: 340 Arbeitsstellen und eine Kinder­ tagesstätte wurden geschaffen, mit der Abwärme der Fabrik werden Haushalte beheizt.


Die explosive Kraft des Frühlings Aus Grau und Weiss wird farbenfroh. Auf einen Schlag. FrühlingsTipps von Urs Sutter, Gartendesigner des Hotels des Jahres Grand Resort Bad Ragaz.

Text: Monique Ryser Fotos: Désirée Good Der Frühling, auch Frühjahr oder dichterisch Lenz genannt, ist die Zeit zwischen dem Win­ ter und dem darauf folgenden Sommer. Das lehrt das Lexikon Wikipedia. Und das hat so über­ haupt nichts mit dem zu tun, was das Wort Frühling bei den Menschen auslöst. Frühling! «Endlich», als tiefer Seufzer ausgestossen. Frühling! Das Wort, das Hoffnung und Gewissheit zugleich bedeutet: Alles wird gut. «Der Frühling ist nicht ein zwei­ felnder Geselle, der nicht weiss, ob er nun durchstarten will oder nicht. Er erscheint. Plötzlich. Explosionsartig.» So formuliert es Gärtner und Gartengestalter Urs Sutter. Nie mehr im ganzen Jahr wird ein solcher Überfluss herrschen. In nur einigen Tagen bilden Primeln im noch harten Boden weiche Kissen aus Blumen. Die im letzten Herbst gepflanzten Blumenzwiebeln wachsen in Windeseile zu starken Pflanzen heran und strecken ihre farbenfrohen Blütenblätter der Sonne entge­ gen. «Die Natur produziert nur im Frühjahr solch starke, leuch­

gruen garten

Urs sutter

tende Farben», so Sutter. «Ich kenne niemanden, dem bei die­ ser überschwänglichen Farben­ pracht nicht das Herz aufgeht.» Der Gartengestalter empfiehlt deshalb, Frühlingsblumen als natürliche Medizin gegen die Reste des Winterblues: Im Gartencenter angetriebene rot leuchtende Tulpen, weisse Nar­ zissen, goldgelbe Aprilglocken kaufen und zu Hause – sei es auf dem Balkon oder im Garten – farbige Blickpunkte setzen. «Nicht ein Pflänzli hier und eines dort, lieber alles zusam­ menstellen und einen Farben­ rausch erzeugen. Wer mehr Platz hat, kann auch hier einen roten Fleck, dort einen gelben Farbtupfer setzen. «Die Natur machts vor, wir müssen nur nachahmen», will er betont haben.

Schwerpunkte setzen, mit Farben klotzen, nicht kleckern Wer sich nie mehr nerven will, schon wieder vergessen zu haben, im Herbst bereits an den Frühling zu denken, dem kann mit Sträuchern geholfen werden. Die Frühlingsbotin schlechthin ist die Kamelie. Die­ ser unbändig blühende Strauch in Rot, Orange oder Weiss hält sich gut in einem Topf, den man im Winter sorgfältig abdeckt. Und wieso nicht schon jetzt für den Sommer vorsorgen? Jetzt gibts Zwiebeln von Anemonen, Callas, Dahlien oder Schwert­ lilien – stecken und in ein paar Monaten geniessen.

Der Frühling kommt explosionsartig, er überlegt sich nicht, ob er will oder nicht.

«Es empfiehlt sich, zu planen, was man wo platzieren will. Bei den ersten Gartenarbeiten auch mal den Blick schweifen lassen. «Garten und Balkon sind dann attraktiv, wenn sie Schwer­ punkte haben. Jeder Garten hat seine eigene Energie. Wenn man die nutzt, entsteht das, was man ausgewogen und schön

nennt», so der Rat des Garten­ gestalters. Die richtigen Orte findet man einfach: «Dem eige­ nen Gefühl vertrauen.» Harmo­ nisch wirds dann, wenn in jeder Jahreszeit andere Ecken und Winkel die Hauptrolle spielen dürfen. Also Augen auf und mit der Harke in der Hand das Gartenjahr planen.

Ein Garten von Sutters Hand www.gartendesign.li Blumenzwiebeln www.bakker.ch Kult www.bauernregeln.ch www.emil.ch

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Eine Situation, die es in fast allen Bereichen des Konsums gibt … Wir können nicht billige Kleidung kaufen und uns dann vor dem Fernseher aufregen, dass sie mit Kinderarbeit produziert wird. Der Markt diktiert die erzielbaren Preise. Die Produzenten müssen sich darauf einstellen.

„Umweltschutz ist vor allem eine Sache des gesunden Menschenverstands. Und wir alle tragen dafür die Verantwortung.“ Kinder spielen zur Entspannung. Aber Er­ wachsene setzen sich vor den Fernseher, ge­ hen ins Kino oder hocken im Restaurant. Wir bewegen uns noch viel weniger draussen.

«ICH FAHRE GRUEN»

Alain Sutter: „Mit Elektro autos habe ich keine Berührung sängste“ facts & figures VW Golf Bluemotion

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 Antrieb 1,6 Liter, Vierzylinder, Turbodiesel, 105 PS  0 bis 100 km/h 11,3 s  Spitze 190 km/h  Verbrauch 3,8 l/100 km, CO2 99 g/km, Energieeffizienz A  Masse Länge 4,20 m, Breite 1,78 m, Höhe 1,48 m   Kofferraum 350 bis 1305 l   Preis ab CHF 32 500.–

Alain Sutter liebt es, in der Natur zu sein, und achtet vor allem auf die richtige Ernährung. Der Ex-Fussballer zu Kindheit, Kleiderkauf und Karossen.

Text: Andreas Faust Fotos: Dan Cermak Mit 17 Jahren debütierte Alain Sutter in der ersten Mannschaft der Zürcher Grass­ hoppers. Nach vier Schweizer Meistertiteln wechselte der defensive Mittelfeld­ spieler von GC in die deutsche Bundesliga. In 96 Spielen erzielte er elf Tore für den

1. FC Nürnberg, den FC Bayern München und den SC Freiburg. Danach liess er mit einer Saison bei Dallas Burn in den USA seine Aktiv-Karriere ausklingen. Insgesamt 63-mal lief der gebürtige Berner in der Schweizer Nati auf. Heute ist der 42-Jährige als Fussball­ experte und Kommentator beim Schweizer Fernsehen am Ball und steht dem ChallengeLigisten FC Winterthur beratend zur Seite. GRUEN: Alain Sutter, woran denken Sie bei der Farbe Grün als Erstes? Nicht mehr sofort an einen Fussballplatz – diese Zeit ist lange vorbei. Ich bin heute viel öfter im Wald als auf dem Fussballrasen. Sie sind viel in der Natur unterwegs?

Alain Sutter www.alainsutter.ch Volkswagen www.volkswagen.ch Gesunde Ernährung www.foodnews.ch Sprit sparen leicht gelernt www.

Die Verbindung zur Natur ist bei mir seit der Kindheit da. Entweder habe ich draussen Sport getrieben oder gespielt. Als ­Fussballer war ich ja zwangsläufig im Freien. Geben Sie das Ihrem Sohn Taya weiter? Jetzt im Winter ist der Kleine beim Skifahren und Snowboarden natürlich dabei. Bewe­ gung an der frischen Luft finde ich für die Entwicklung der Kinder sehr wichtig. Aber im Alltag bleibt ihnen wenig Raum, um sich in der Natur zu bewegen. Sie sind in der ­Schule stark engagiert, und Hobbys wie Spielkon­ solen oder Computer fesseln sie ans Haus. Und die Erwachsenen? In unserem Alter ist es noch viel schlimmer.

Sehen Sie das als Gefahr? Gefährlich wird es, wenn wir das Bewusst­ sein für die Natur verlieren. Unser Lebensstil begünstigt dies leider. Eigentlich müsste es uns auffallen: Wir sind Teil der Natur. Wenn wir sie nicht schützen, entziehen wir uns die Lebensgrundlage. Verdrängen wir unsere Verantwortung? Es wäre falsch, jemandem die Schuld für unser Verhalten zuzuweisen. Jeder von uns trägt Verantwortung. Wir wollen zum Bei­ spiel alles zu jeder Zeit essen können – auch wenn eine Ananas dafür um die halbe Welt reisen muss. Doch wir dürfen uns nicht über den Importeur beschweren: Früchte aus Hawaii würden nicht importiert, wenn sie nicht gekauft würden. Wie halten Sie es privat? Richtige Ernährung ist für mich ein zentraler Punkt beim Umweltschutz. Ich kaufe Bio-Produkte, weil sie umweltschonend angebaut werden und ihre Qualität besser ist. Das Problem ist aber, dass viele eine solche Ernährung nicht zahlen können. Wer ökonomisch unter Druck steht, kann sich nur preiswerte, aber weniger hochwertige Le­ bensmittel leisten.

Lässt sich daran etwas ändern? Die Masse entscheidet, was produziert wird. Bio ist vielen zu teuer: Wenn man die Erzeu­ ger unterstützt, können Bio-Produkte preislich mit den übrigen Lebensmitteln gleichziehen. Dann wäre Wettbewerb möglich. Sehen Sie sich als Vorbild? Ich versuche, mich aus innerem Antrieb um­ weltbewusst zu verhalten. Wenn ich schon in der Öffentlichkeit stehe, dann will ich mich für meines Erachtens Sinnvolles einsetzen. Zum Beispiel beim Autofahren … Die sparsamen Bluemotion-Modelle sind der Grund, warum ich mich mit VW verbun­ den fühle. Ich kann mich damit identifizieren, weil es darum geht, selber was zu tun. Ohne dass ich dabei perfekt sein wollte: Auch ich mache bei manchen Umweltsünden mit. Was ist Ihnen wichtig beim Auto? An erster Stelle Sicherheit und geringer Verbrauch. Auch Platzangebot und Design sind von Bedeutung – in dieser Reihenfolge. Wie viele Kilometer fahren Sie im Jahr? Etwa 25 000 Kilometer. Eben: Auch ich sün­ dige. Die besten Kilometer wären ja die, die man nicht fährt. Immerhin verbraucht mein Auto wenig und stösst so wenig CO2 aus.

Fahren wir in 30 Jahren noch wie heute? Die Autoindustrie hat sich noch nie so stark für die Umwelt engagiert wie jetzt. Aber wir stehen erst am Anfang der Entwicklung. Wichtig ist, dass spritspa­ rende Autos wie die Blue­ motion-Modelle von VW auf grosse Stückzahlen kommen. Nur dann lohnt sich ihre Produktion. GEWICHT KOSTET SPRIT Schon 20 Kilo zusätzliches Und das Elektroauto? Gewicht im Auto erhöhen Das ist eine Frage des Ge­ den Verbrauch um etwa samtsystems: Wenn wir alle 0,1 l/100 km. Montierte Dach­ Elektroautos mit erneuer­ träger sorgen für 7,5 Prozent barer Energie betreiben Mehrverbrauch, bei einer könnten, wäre ich der Erste, Dachbox sind es bis zu der so ein Auto fährt. Wenn 16 Prozent. Was unterwegs aber zusätzliche Atomkraft­ nicht benötigt wird, sollte werke nötig wären, würde daher zu Hause bleiben. ich mir das überlegen.

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ecodrive.ch Fairer Handel www.maxhavelaar.ch www.drivingcenter.ch www.tcs.ch Intelligenter Auto fahren www.cleverunterwegs.ch

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Lasst Blumen sprechen

Ford Focus Econetic Mit überarbeitetem Antrieb tritt die zweite Generation des Ford Focus mit Spritspartechnik an. Wer einen besonders verbrauchsgünstigen Fahrstil an den Tag legt, den belohnt der Kompakte mit seltenen Tankstellenbesuchen und Blumen – Letzteres aber leider nur virtuell auf dem Cockpit-Display. Dank einer serienmässigen StoppStart-Automatik und neu auch Bremsenergie-Rückgewinnung verbraucht der 109 PS starke Turbodiesel lediglich 3,8 l/100 km und stösst nur 99 g/km CO2 aus. Zu haben ist der Ford Focus Econetic ab sofort als fünftürige Limousine in der Ausstattung «Carving» ab CHF 32 850.–. www.ford.ch

Dynamischer Saubermann Mazda CX-7 Zur Modellüberarbeitung spendiert Mazda dem SUV CX-7 zur neu gestalteten Front endlich auch einen Turbodiesel. Bei einer Leistung von 173 PS überzeugt er durch seinen Verbrauch von nur 7,5 l/100 km und die aufwendige Abgas-Nachbehandlung. Dazu wird dem Abgas Harnstoff zugemischt und so der Anteil schädlicher Stickoxide um bis zu 40 Prozent verringert. Der CX-7 mit Dieselmotor ist ab CHF 42 900.– erhältlich. www.mazda.ch

Praktisch mit Gasantrieb Fiat Qubo Natural Power Der ­pfiffige Fiat Qubo ist neu mit umwelt­ freund­lichem Erdgas-Antrieb zu haben. Im Gas­betrieb leistet er 70 PS und stösst nur 119 g/km CO2 aus. Die Gastanks werden unter dem Kofferraumboden montiert, ohne das Ladevolumen zu schmälern. Weil der Benzintank erhalten bleibt, schafft der Minivan ab CHF 22 200.– eine Reichweite von rund 940 Kilometern. www.fiat.ch

Garmin Ecoroute

Navis von Garmin haben ab sofort serien­ mässig die Ecoroute-Funktion an Bord. Sie gibt Feedback zur Fahrweise und zeigt mögliches Spritsparpotenzial auf. www.garmin.ch

BMW 116i Das Einstiegsmodell der 1er-Reihe verfügt ab sofort über einen grösseren Motor, verbraucht neu aber weniger. Mit seinen 122 PS genehmigt sich der Zweiliter-Vierzylinder nur 6,1 l/100 km und emittiert 143 g/km CO2 – Bremsenergie-Rück­ gewinnung und Stopp-Start-Automatik machen es möglich. Dank Heckantrieb verfügt er dennoch über sportliche Fahreigenschaften. Der Preis des BMW 116i: ab CHF 32 400.–. www.bmw.ch

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Die sparsamsten Autos www.autoumweltliste.ch Naturgas-Tankstellen in der Schweiz www.erdgasfahren.ch

Fotos: zvg

Kompakt und genügsam


Mit dem schick gestylten FCX Clarity rollt Honda ins Zeitalter des emissionsfreien Autofahrens.

Serienreife Zukunft Der Honda FCX Clarity mit Brennstoffzelle zeigt, dass emissionsfreies Fahren heute schon möglich ist. Nur die passenden Tankstellen fehlen.

Text: Andreas Faust Die Bewohner Kaliforniens werden be­sonders verwöhnt. An beinahe 365 Tagen im Jahr können sie unter makellos blauem Himmel die Sonne geniessen. Und sie sind die Einzigen, die mit dem Honda FCX ­Clarity schon ausprobieren dürfen, wie sich das Auto der Zukunft fährt. Äusserlich lässt sich die fünfplätzige Mittelklasse-Limousine ihren umweltfreundlichen Antrieb allerdings nicht anmerken. Ihr Design ist schnittig, aber nicht so ausser­ gewöhnlich, wie man es von einem Versuchs­ fahrzeug erwarten würde. Und auch das Interieur wirkt so ausgereift, als sei der FCX schon millionenfach vom Band gelaufen. Den eigentlichen Antrieb verantwortet ein 136 PS starker Elektromotor, der bereits beim Anfahren ein mächtiges Drehmoment liefert, aber nur ein sonores Surren von sich gibt. Den nötigen Strom liefert ein moderner Lithium-Ionen-Akku. Dieser wird aber nicht etwa an der Steckdose, sondern über eine Brennstoffzelle geladen: «Über der Hinterachse sitzt ein 4,1 Kilogramm Wasserstoff fassender Tank mit 350 Bar Druck», erklärt Cyril Kalbassi vom Honda-

Forschungszentrum im deutschen Offenbach. Durch die Reaktion des Treibstoffs mit Sauerstoff aus der Umgebungsluft entsteht in der Brennstoffzelle Strom, der in der ­Batterie gespeichert wird. Aus dem Auspuff quillt als einziger Rückstand Wasserdampf. Noch ist der Kreis der Testfahrer auf zweihundert glückliche Kalifornier beschränkt, die eine monatliche Leasinggebühr von umgerechnet 640 Franken zahlen. Denn während die Autotechnik serienreif scheint, fehlt es noch an der nötigen Infrastruktur: Kalifornien ist derzeit die einzige Region weltweit, in der Wasserstoff-Tankstellen in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen.

Die gestaffelt platzierten Anzeigen gibt es auch in normalen Honda-Modellen.

facts & figures Honda FCX

 Antrieb Elektromotor 136 PS, Brennstoffzelle, Lithium-Ionen-Akku  Spitze 160 km/h  Tank Wasserstoff 171 l  Reichweite bis zu 460 km  Länge 4,84 m  Breite 1,85 m  Höhe 1,47 m  Gewicht 1625 kg

In wenigen Minuten werden 4,1 Kilo Wasserstoff in den Tank gedrückt.

Honda FCX Clarity www.automobiles.honda.com Brennstoffzelle www.wikipedia.ch (Brennstoffzelle) www.diebrennstoffzelle.de

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Die grüne Shoppingliste

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Wer Wert auf eine grüne Küche legt, darf sich freuen! Von der Fertig-Pizza bis zum Gourmet-Schmaus: In den Regalen wächst das Sortiment von Bio- und Fair-Trade-Produkten stetig!

scharfe versuchung

Der Coco-Senf nach einem Rezept aus dem Schwarzwald wird in Bio- und Fair-Trade-Qualität produziert. www.nardias.ch, 150 g CHF 11.50

Redaktion: Ursula Borer

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Olivenöl mit Herz

herzhafte beilage

süsser trinkgenuss

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gesunder snack

schnelle verpflegung

aus der alpenregion

Vom Verkaufspreis des Bio-Olivenöls Olio Nobile geht ein Franken pro Liter an die Schweizerische Herzstiftung. www.olio-nobile.ch, 0,5 l CHF 42.–

Figurbewusste verzichten auf Schokolade und gönnen sich Organic-Ananasscheiben als Snack zwischendurch. Globus, CHF 16.50

Wenns schnell gehen muss, greift man einfach zur Bio-Pizza von Betty Bossi. Gibts in diversen Varianten. Coop, 350 g CHF 7.95

Der Bio-Bifidus-Drink mit Erdbeere von Naturaplan fördert die Verdauung und stärkt das Immunsystem. Coop, 33 cl CHF 2.85

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knusprig gebacken

Berg-Vorzugsbutter von Pro Montagna. Die Stiftung übernimmt die Patenschaft für Schweizer Bergregionen. Coop, 150 g CHF 2.70

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engagiertes mahl

guter tropfen

sündige BIO-platte

Mit dem Wein Organic Malbec / Cabernet Sauvignon 2008 aus Mendoza, Argentinien, ­stossen Geniesser an. Globus, 75 cl CHF 14.90

gesunde Verdauung

Vom Projekt «Geo schützt den Regenwald» gibts die Trinkschokolade Rio Napo Grand Cru Bio. www.kaffeezentrale.ch, 300 g CHF 15.90

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Asiatisch kochen und Gutes tun: mit dem Basmatireis mit dem Siegel «Max Havelaar Fairtrade». Migros, 1 kg CHF 4.20

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Den Bio-Kartoffelstock von Stocki mit dem Bio-Suisse-Label gibts neu mit vier praktischen Portionenbeuteln. Coop, 4 × 145 g CHF 3.95

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Trauben, Nüsse und Käse gehören zu einer perfekten Platte – wie zum Beispiel das Bio-Rahmchäsli. Migros, 125 g CHF 3.20

Grüne Küche www.bio-inspecta.ch www.bio-suisse.ch www.coconutresearchcenter.org www.promontagna.ch www.maxhavelaar.ch

Das Bio-Weizen-Sauerteigbrot ohne Hefe von Naturaplan bringt Abwechslung auf den Frühstückstisch. Coop, 500 g CHF 3.50

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Fotos: Paul Seewer

1

instant-kick

Der Nescafé Green Blend weist dank grünen Kaffeebohnen einen hohen Anteil an Antioxidantien auf. Coop, 100 g CHF 8.50

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fruchtige erfrischung

Süsse Erfrischung für Klein und Gross: Bio-Sirup Cassis/Himbeere vom Holderhof in Niederwil SG. Coop, 5 dl CHF 5.90

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glückliche Hühner

Ob Rühr- oder Spiegelei: Die Freilandeier aus der Organic-Linie von Globus kommen aus artgerechter Haltung. 4 Stück CHF 3.70

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Koffeinfrei durst löschen

Die Bio-Cola von Naturaplan ist eine koffeinfreie Alternative zum Original. Entdeckt im Regal bei Coop, 50 cl CHF 1.30

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knabbern À la hollywood

Madonna & Co. schwören auf die Anti-AgingWirkung von Goji-Beeren. In Bio-Qualität bei www.vita-shop.ch erhältlich, 200 g CHF 23.–

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erstklassig versüsst

Sucrisse aus feinstem Bio-Zucker versüsst den Fair-Trade-Kaffee oder den Organic-Tea. Entdeckt bei Migros, 500 g CHF 2.80

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ehrlich und fair

Die Honige Azahar, Campanilla und Acahual sind im Set erhältlich, Bio-zertifiziert und fair her­ gestellt. Infos www.claro.ch, 3 × 125 g CHF 9.90

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raffiniert am herd Sarah Wiener kocht, wie es ihrem Naturell entspricht: mit grosser ­Leidenschaft und tausend Ideen, aber trotzdem bodenständig. Der Geschmack ist ihr dabei das Wichtigste – und dass die Zutaten frisch und ökologisch sind. Darum ist sie von der neuen Organic-Linie von Globus begeistert. Lohas freuts: Dieses Jahr kommen 200 neue Bio-Produkte in die Delicatessa. Und wer damit wie Sarah Wiener kochen will, holt sich Inspiration im Buch «Frau am Herd» (Knaur ­Verlag). Buchhandel, CHF 46.90

www.holderhof.ch www.gesundheitstrends.de/ernaehrung/tipps/goji-beeren.php www.sarah-wiener-stiftung.org

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Grüner wohnen

1

Bio-Bettwäsche, FSC-Leuchten, Fair-Trade-Teppiche oder RecyclingProdukte: Es gibt viele Wege, sein Zuhause grüner zu machen. Schön, dass man dabei auf eine coole Optik nicht verzichten muss!

gesund schlafen

Die Wohlfühldecke aus Sojaprotein wurde aus Resten hergestellt und wirkt beruhigend. www.tatswitzerland.com, ab CHF 275.–

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fröhlich schlafen

finnisches Design

Süsse Träume

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gesund liegen

korrekt snacken

Kunst am boden

Die Rosshaar-Matratze mit Ökotex-Bezug vom Schweizer Hersteller Riposa stärkt den Rücken. www.riposa.ch, CHF 2450.–

Perfekt für jeden Apéro: Die Snack-Schale Six aus Aluminium wird fair in Indien produziert. www.faircustomer.ch, CHF 44.90

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Tipps für ein Grünes Zuhause

ökologisch verstauen

«The Little Green Book of the Home» enthält 250 praktische Tipps für ein grünes Zuhause. www.amazon.de, ca. CHF 15.–

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Handgefertigte Lampe aus Birkenholz vom finnischen Innenarchitekten Seppo Koho. Entdeckt bei www.grueneerde.ch, CHF 1229.–

Die Boxen aus recycelten Zeitschriften peppen das Zuhause auf und schaffen Ordnung. In drei Grössen erhältlich. Manor, ab CHF 19.90

Der Kissenbezug aus Organic Cotton verleiht ein gutes Gewissen und sieht echt süss aus. Globus, 50 × 70 cm CHF 32.90

Teppiche finden langsam wieder Einzug in stylische Wohnungen. ­Kein Wunder, wenn sie so schön wie moderne Kunst sind – wie etwa das Seiden-Unikat «Johnny I’m going to Jackson No. 35» von Pfister (250 ×  300 cm, CHF 11 500.–). Noch cooler ist, dass es das Siegel von Step hat. Das Label steht für Fair-Trade-Teppiche und wurde 1995 von Brot für alle, Caritas, Erklärung von Bern, Fastenopfer, Swiss­aid und Schweizerischer Interessengemeinschaft Orientteppich (IGOT) gegründet und gehört seit 2007 zur Max Havelaar-Stiftung.

Grüner wohnen www.maxhavelaar.ch www.label-step.org www.greenlivingonline.com www.thegreenguide.com

Fotos: Paul Seewer

Bettbezug Confetti aus der Wohnkollektion von Gudrun Sjödén. Gibts in diversen ­Farben. www.gudrunsjoeden.ch, CHF 68.–


Die schöne neue Technik

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Moderne Elektrogeräte werden nicht nur ständig verbessert. Immer mehr Hersteller setzen auf recycelte Materialien, energiesparende Technik und alternative Energiequellen wie Solarzellen oder Wasser. aus recycling-material

Der Canon-Rechner F-718SGA aus recycelten Kopiergeräten hat eine antibakterielle Tastatur. www.canon.ch, CHF 34.90

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Mit Solarzellen

sparsamer Kaffee-genuss

mit wasserkraft

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wiederverwendete hülle

Ohne Quecksilber

es werde licht

Strom bezieht das Blue-Earth-Handy von Samsung durch die Solarzellen auf der Rückseite. www.samsung.ch, CHF 529.–

Das spritzwassergeschützte Sony Ericsson Elm ist aus Recycling-Kunststoff hergestellt. www.sonyericsson.ch, CHF 329.–

Der Kaffee-Vollautomat Café Iona SI 50 von Satrap mahlt und schäumt Milch im Spar­ programm. Coop, www.coop.ch, CHF 799.–

Casios Green-Slim-Projektoren sind die ersten Quecksilber-freien Geräte auf dem Markt. www.casio-projectors.eu, ab CHF 1290.–

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sparsamer tv-Spass

mit sonnen-power

LED und Lichtsensor sei Dank: Der LCD-TV TS9975ch von Toshiba braucht nur 117 Watt Strom. www.toshiba.ch, ab CHF 4290.–

Das Solar-Panel gibt es als Zubehör für das LG Pop GD510. www.lge.com, Handy CHF 249.–, Panel CHF 59.–

Statt Batterien nutzt diese umweltfreundliche LCD-Digitaluhr Wasser. Gibts in Grau, Blau, Rot und Grün. Bei Manor, CHF 9.90

Das Varta Dynamo Light lässt sich dank Kurbel ganz ohne Batterien betreiben. Bereits eine Minute Kurbeln erzeugt 30 Minuten Licht. Die fast 10 Zentimeter lange und solide Kurbel ermöglicht ein kraft­ sparendes Aufladen des LithiumIonen-Akkus (verspricht eine lange Haltbarkeit) und lässt sich nach Gebrauch im Gehäuse versenken. Die drei weissen nebeneinander­ liegenden LED ergeben einen runden Lichtkegel von ca. 20 Zentimeter Durchmesser (bei 50 cm Abstand). Ideale Taschenlampe für unterwegs. www.varta-consumer.ch, CHF 20.–

Grüne Electronics www.greenpeace.org/electronics planetgreen.discovery.com/go-green/home-electronics

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Leitung GRUEN / Verlags­direktor Urs Heller Mitglied der Chefredaktion Stephan Sutter Redaktion Monique Ryser (Leitung), Ursula Borer, Barbara Halter, Zeno van Essel

Was denn nun – Jö oder Wow!? Wir hatten das Jahr des Panda­ bären, des Rotkehlchens, der rosa Flussdelfine und anderer aussterben­ der Kuscheltier-Arten. Heuer steht das Jahr der Biodiversität auf dem Programm der Umweltschützer. Auf gut Deutsch bedeutet das Vielfalt. Diese zu bewahren, ist es höchste Zeit, denn Vielfalt ist selten geworden dieser Tage. Winzig sind inzwischen die Nischen, wo Variations­ reichtum und Wildwuchs, Fantasie und Fülle, Auswahl und Andersartigkeit noch zu Hause sind. Das krasse Gegenteil von Vielfalt, nämlich Einfalt und Einerlei, beherrscht unsere Umwelt. Jedenfalls da, wo der Mensch dem lieben Gott ins Hand­ werk gepfuscht und Strassen gebaut hat. Schauen Sie sich da mal um: Tristes Grau von Beton über Granit bis Asphalt, so weit das Auge reicht. Als wäre das ewig gleiche Grau des Strassenbelags nicht schon fad genug, sind auch noch die meisten Autos grau. Gut möglich, ist das von allen Farben die sicherste, sicher aber auch die ödeste. Von freudlosem Einerlei sind nicht allein die Unfarben der Autos, sondern auch deren Gestalt. Der Grossteil der Gefährte sieht sich zum Verwechseln ähnlich, die Diversität tendiert gegen null. Aus der gesichtslosen grauen Masse ­stechen die paar Anders-Autos umso mehr hervor. Die Hingucker teile ich in zwei Sparten ein: Jö und Wow! Zu Jö zählen Smart und Beetle, Mini, Mito oder ­Cinquecento, putzige Kleinwagen mit korrekt kleinem Durst. Diesen Darlings der Damen stehen die Boys’ Toys, die Blechspielzeuge der grossen Buben, gegen­über. Wow!-Wagen verkehren am anderen Ende der automobilen Palette,

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Mitarbeit Urs Bärtschi, Franziska Blaser, Natascha Knecht, Andreas Faust, Anita Lehmeier, Lisa Merz, Marysia Morkowska, Irene Münger, Peter Ruch Bildredaktion Susanne Märki (Leitung), Danielle Vetterli

tragen magische Namen, von Aston Martin über Mustang bis Porsche. Auf- und Gefallen ist ihr Kerngeschäft, Schönsein und Design ihr Daseinszweck. Als Grün- und Gutmensch mag ich natürlich Jö-Autos. Die Kleinstwagen kommen auch meiner eigenen Kompaktbauweise entgegen. Als Ästhetin und Diversitäts-Anhängerin stehe ich aber auf Wow!-Wagen, selbst wenn ich in Nobelkutschen oder SportCoupés meist kaum übers Lenkrad sehe. Die Patent­lösung heisst Wahrig. Das dicke Wörterbuch verhilft mir zu Überblick. Aber selbst Jö und Wow!, den letzten Vertretern von Vielfalt, fehlt heute der Mut

Grafik / Produktion Fabienne Hany (Leitung), Karin Strebel, Mathias Bader (Infografik), Doris Wüthrich (Satztechnik) Design Beling Thoenen Design Korrektorat Andrea Leuthold, Irène Müller Verlag der Ringier-Zeitschriften Dufourstrasse 23, 8008 Zürich, Telefon 044 259 61 11 Fax 044 259 68 44 gruen@schweizer-illustrierte.ch

„Tristes Grau von Beton über Granit bis Asphalt, so weit das Auge reicht.“ zum Bekenntnis: Ja, ich bin Winzigwagen. Oder: Ja, ich bin ein Luxusauto – und stolz darauf. Correctness, Ökokalkül und Sicher­ heitsstreben haben die kecken Heckflossen zu traurigen Stummeln gestutzt, Kühler­ figuren von Luxuslimousinen verbannt und Ami-Schlitten, einst so lang wie Flug­zeugträger, auf Normmass schrump­ fen lassen. Die Nobelklasse macht auf be­scheiden, während die Kleinstwagen mit Extras gern ein wenig grosstun. Alle machen ein bisschen auf Jö und Wow!, alle verfügen über ein Quäntchen Öko UND eine Portion Prestige, alle streben das Mittelmass an. Als gäbe es davon nicht schon genug!

Haben den Jö-Effekt www.smart.ch www.cinquecento.ch www.volkswagen.de

Marketing Verena Baumann Druck Ringier Print Zofingen AG 4800 Zofingen Telefon 062 746 31 11 Papier Inhalt: Presto Web Silk, FSC-zertifiziert, 80 g/m2 Umschlag: Magno Satin, FSC-Mix, 200 g/m2

Foto: Inge Zinsli

die gruen-kolumne

Impressum


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