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S a m s t a g , 1 2 . S e p t e m b e r 2 0 0 9 / N r. 2 1 0

JUDITH STAMM Die ehemalige CVP-Nationalrätin stellte ihre Biografie in Seite 31 Unterägeri vor. NEUE LUZERNER ZEITUNG

NEUE URNER ZEITUNG

ZUG

ZENTRALSCHWEIZ

NEUE SCHWYZER ZEITUNG

NEUE OBWALDNER ZEITUNG

NEUE NIDWALDNER ZEITUNG

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Zugersee

Die Graugänse fressen das Schilf kahl EXPRESS 6 Am Zugersee leben derzeit rund 90 Graugänse aus ehemaliger Zucht. 6 Die massigen Wasservögel stehen auf der Liste der gefährdeten Tiere.

Abschüsse», erklärt er. Doch Graugans sei nicht gleich Graugans. Denn bei jenen am Zugersee handelt es nicht um wild geborene Graugänse, sondern um Gefangeschaftsflüchtlinge, präzisiert Uebelhart. Den Abschuss einzelner dieser Vögel würde man tolerieren. Doch: Diese lassen sich jedoch nicht eindeutig von den wilden Tieren unterscheiden – und so stehen alle Graugänse auf der Liste der gefährdeten Tiere.

Am Nordufer des Zugersees – wie hier im Gebiet Brüggli – halten sich die Graugänse gerne auf.

Einst ist sie aus Gefangenschaft geflohen, nun bedroht sie die Uferzonen am Zugersee: Abschüsse sollen helfen. VON LUC MÜLLER

Dem Zuger Schilf geht es schlecht: In den vergangenen 30 Jahren ist der Bestand um zwei Drittel geschrumpft. Verschiedene Ursachen wie die Überdüngung des Sees waren dafür verantwortlich. Doch nun wird die Graugans zum grossen Problem – im Frühling frisst sie die zarten Pflanzentriebe kahl. Das Schilf muss ein zweites Mal austreiben. Dadurch ist es weniger vital und kommt so nicht mehr zum Blühen. Die Folge: Das Schilfwurzelgeflecht ist nicht mehr in der Lage, die instabilen Seekreide-Böden zu armieren. Deshalb kommt es zur Erosion des Seegrundes, und die Flachwasserzonen werden allmählich zu Steilufern. Der Seeboden ist nun zu tief, damit das Schilf Wurzeln schlagen kann – der «Bannwald der Seeufer» bleibt an solchen Stellen für immer verschwunden.

«Der Verlust von Wasser-Land-Übergangsflächen ist aus ökologischer Sicht gravierend. Denn hier gibt es die grösste Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen», so Peter Ulmann, Leiter des kantonalen Amtes für Fischerei und Jagd. Er sitzt in der ämterübergreifenden Arbeitsgruppe Schilfschutz, die am Zugersee konkrete Hilfsmassnahmen

BILDER AMT FÜR FISCHEREI UND JAGD /REUTERS

das haben Versuche am Nordufer (im Gebiet Choller und Brüggli) gezeigt. Doch das Problem: Eine Zäunung kostet mehrere zehntausend Franken, zudem könne und solle das ganze Schilfufer im Naturschutzgebiet nicht eingezäunt werden. «Wächst der Bestand der Graugans weiter, wird es kaum möglich, adäquate Schutzmassnahmen zu erstellen», warnt Ulmann.

Gefrässiges Tier Die Verantwortlichen sind alarmiert: Die Graugans vermehrt sich fast explosionsartig – waren es 2005 noch 18 Exemplare, so leben nun rund 90 Tiere am Zugersee. Häufig sind diese in Zug auf der Öschwiese, in der Badi am Chamer Fussweg, im Brüggli sowie am Westufer bei Buonas anzutreffen. «Eine Graugans frisst zehnmal so viel wie ein Taucherli», rechnet Ulmann vor. Deshalb wird nun über die Erhöhung der Abschussquote diskutiert. Zwar steht die Graugans auf der Liste der geschützten Tiere: Verursachen Einzeltiere übermässige Schäden, dürfen diese durch die Wildhut abgeschossen werden, «wie viele Tiere, ist nicht explizit geregelt. Als Verwaltungspraxis gilt –

«Wir müssen mit den Gänsen leben lernen.» PETER ULMANN

plant und umsetzt. Die Umzäunung einzelner Schilfpartien hat sich als wirkungsvollste Massnahme erwiesen: Sie schützt gegen zerstörerischen Wellenschlag, gegen Treibgut und Vogelfrass –

nicht mehr als 10 Prozent des Bestandes», erläutert Ulmann. Das Jagdgesetz des Bundes gibt den Kantonen die Kompetenz. In den vergangenen vier Jahren wurden am Zugersee sieben Tiere durch den Wildhüter abgeschossen. «So können wir den Bestand nicht stabilisieren. Die Population wächst weiter.» Will man den Bestand wegen der verursachten Schäden massiv verringern, braucht es eine Bewilligung vom Bund.

Aus dem Reusstal geflohen Die Gefangenschaftsflüchtlinge sind Nachkommen von Gänsen, die in den Siebzigerjahren im Reusstal von einem Zuchtbetrieb abgehauen sind und sich in der ganzen Schweiz verbreitet haben, erklärt Christa Glauser, stellvertretende Geschäftsführerin vom Schweizer Vogelschutz. Im Gegensatz zu wild geborenen Graugänsen – die als Zugvögel nur im Winter in der Schweiz auftauchen (am Zugersee wurden sie noch nie gesichtet) – sind die Zuchttiere sehr zutraulich und wagen sich bis an die Badestrände, wo sie alles verkoten. Der Abschuss alleine regle das Problem sowieso nicht: «Die Gänse brauchen eine alternative Futterquelle.»

Mit Mass «Wir wollen jetzt aber nicht einfach wild Gänse abschiessen», betont Ulmann, «wir müssen mit den Gänsen leben lernen.» Die Schilfschutzthematik sei ein Schulbeispiel für den Interessenkonflikt im Natur- und Artenschutz. «Unsere Arbeitsgruppe plädiert für eine Bestandesregulation auf einem Niveau, das die Schutzorganisationen mittragen.» An einer Ortsbegehung im Mai war auch Thomas Uebelhart, Präsident des Zuger Vogelschutzes, im Schilf vor Ort. «Wir sind grundsätzlich nicht gegen

Zug

«Neues Kunsthaus soll beim Volk verankert sein»

Das Kunsthaus nimmt immer konkretere Formen an. Wird die geplante kantonale Richtplananpassung vom Kantonsrat abgesegnet, ist der Bau des neuen Kunsthauses auf einem guten Weg. Nun kann erst einmal die Bevölkerung aktiv werden – im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens – und Vorschläge und Anregungen zum Bauprojekt einreichen. Aus diesem Grund bekräftigt Martin Elbel, Präsident der Stiftung Freunde Kunsthaus Zug, dass das «neue Kunsthaus beim Volk verankert sein soll». Er plant Ende Oktober eine öffentliche Veranstaltung, «um mit einem grösseren Kreis an Interessierten in einen Dialog zu treten».

«Zunächst für Zuger spannend» Dies nicht nur, um die Nähe zum traditionellen Kunsthauspublikum zu suchen, sondern um aufzuzeigen, wie man ein möglichst breites Spektrum an

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Archäologisch heikel

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So langsam geht es ans Eingemachte. Ab heute kann die Bevölkerung ein Wörtchen mitreden.

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Schützenmattwiese

Erschliessung

Sportfeld Basketball Turnhalle Schützenmatt

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Perimeter Museumsbau

Grafik: Oliver Marx Quelle: Baudirektion Kt. Zug

Besuchern fürs neue Kunsthaus am See gewinnen kann. Für Elbel sind dafür nicht nur ein Café und ein Mehrzwecksaal für Musikveranstaltungen und Lesungen im künftigen Kunsthaus baulich

Denkbare Erweiterung

wünschenswert. Er will auch dafür Sorge tragen, dass für die Jugendlichen auf dem Schützenmattareal eine Lösung gefunden werden kann. «Natürlich ist das Gelände am See auch ein wunderschö-

ner Ort, und es muss deshalb für das Kunsthaus ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden», so der Stiftungsratspräsident. Er versichert, dass die private Hand einen wichtigen Anteil an der Finanzierung des neuen, rund 30 Millionen Franken teuren Kunsthauses übernehmen will. Auch was die Liga betrifft, in der ein künftiges Museum für Bildende Kunst in Zug spielen soll, bleibt Elbel bodenständig: «Es soll zunächst für die Zuger spannend sein.» Gleichzeitig sei es vom Programm und von der bedeutenden Sammlung Kamm her wie andere mittelgrosse Museen in der Schweiz natürlich auch für ein grösseres Publikum bestimmt.

Basketball beim Podium? Was das Bauvorhaben des Kunsthauses am See betrifft, sind laut kantonalem Richtplan bereits Leitlinien zu erkennen. Der Neubau soll entsprechend gut auf dem Schützenmattgelände platziert werden. Dabei wird ein Mindestabstand von 12 Metern zum Seeufer eingehalten. Zur Chamerstrasse hin zwischen 10 und 12 Meter – nach dem Abriss der Schützenmattturnhallen. Das Kunsthaus kann direkt von der Chamerstrasse aus angefahren werden – mit Einbahnregelung Rich-

tung Zug. Entlang dieser Einfahrt soll es einige wenige Betriebsparkplätze geben. Besucher mit Autos müssten bekanntlich die umliegenden öffentlichen Parkhäuser und Parkplätze ansteuern. Der Basketballplatz für die Jugendlichen, der dem Kunsthausneubau zum Opfer fällt, könnte laut Bericht in die Anlage beim Podium 41 oder beim Bürgerasyl integriert werden. Eine denkbare Erweiterung des Kunsthauses könnte nach Osten Richtung Rehgarten erfolgen. Das Feld von vermuteten archäologischen Funden auf der Schützenmatt, wo prähistorische Ufersiedlungen vermutet werden, wäre durch den Neubau nur am Rande berührt. Was die Finanzierung des neuen Museums anbelangt, wollen Stadt und Kanton auch eine angemessene Beteiligung der Zuger Gemeinden überprüfen. WOLFGANG HOLZ

HINWEIS 6 Der Bericht zur Anpassung des Richtplans ist bis 10. November im Internet unter www.zug.ch/ raumplanung einzusehen. Die Bevölkerung kann Vorschläge einbringen und an die Adresse richten: Amt für Raumplanung, Stichwort: Richtplananpassung Museumsstandort, Postfach, 6301 Zug 5


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Zentralschweiz am Sonntag

JULIA HOCHUELI

VOLKSNAH

BÄUMIG

Sie grub am Kantonalen Denkmaltag vor Zuschauern.

Eine Bundesrätin fühlt den Kernsern den Puls.

Auf ihrem Acker in Küssnacht am Rigi reifen leckere Äpfel.

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SC Cham - FC Basel

Cup-Duell unter besten Freunden Sie sind dicke Kumpel. Doch nun ist Schluss mit lustig – zumindest für ein Spiel. VON LUC MÜLLER

Zuger Kirschstängeli gegen Basler Läckerli: Der Cup-Knüller zwischen dem 1.-Ligisten SC Cham und dem SuperLeague-Vertreter FC Basel vom nächsten Sonntag wird ein besonderer Leckerbissen für alle Zuger Fussballfans (siehe Box). Und wieder einmal schreibt der Schweizer Cup seine eigene Geschichte – und das schon im Vorfeld. Bevor die Basler Millionarios überhaupt einen Fuss ins Hertistadion Zug gesetzt haben, wohin der SC Cham ausweicht, weil die eigene Heimstätte Eizmoos von der Infrastruktur her dem Spiel des Jahres nicht genügt. Der Cup-Fight wird ein Duell unter Freunden – unter zwei Super-Kumpeln. Nati-Captain und FC-Basel-Stürmerstar Alex Frei (30) duelliert sich mit Oliver Schmid (38), dem Co-Trainer des SC Cham. «Alex gehört zu meinen besten drei Freunden»,

verrät Schmid. «Wir telefonieren mehrmals in der Woche. Wir sprechen über alles.»

«Immer für mich da» Der Basler Stürmer mit FCL-Vergangenheit gibt die Blumen sofort zurück. «In meiner Karriere habe ich schon manche schwierige Zeit durchgemacht. Einige Kollegen haben sich dann plötzlich weniger gemeldet. Nicht so Oliver: Er war immer für mich da.» Das Duo steht im Fanshop des FC Basel direkt im Bauch des Fussballstadions St.-Ja-

kob-Park. Der Nati-Star hat eine stressige Woche hinter sich: am Mittwoch der Einsatz für die Nati gegen Lettland, am Donnerstag Rückflug aus Riga und am Freitag das Abschlusstraining beim FC Basel. Von diesem ist er direkt zu diesem Fototermin geeilt – und macht für Oli locker jeden Spass mit. Bindet sich den SC-Cham-Fanschal ums Handgelenk und witzelt mit seinem Kumpel. Die beiden haben eine FCL-Vergangenheit, die sie zu Freunden gemacht hat. Alex kam als 22-Jähriger in der Saison 1999/2000 zum FCL. Der acht Jahre ältere Oliver war da schon lange weg von den Luzernen, wo er bis 1992 im U-21-Team kickte. Der Kontakt zu den alten FCL-Spielern brach nie ab. «So lernte ich

Ein Superduo: Alex Frei und Oliver Schmid. BILD STEFAN KAISER

auch den jungen Alex Frei kennen. Wir haben uns sofort verstanden. Wir waren ab und zu im Luzerner Nachleben unterwegs.» Seit dieser Zeit hat sich der Spitzname «Baba« etabliert, wie sich das Duo gegenseitig nennt. Der Name stammt von Jassabenden, wobei sie den Trumpf-Buur «Baba» nennen.

Minigolf und Essen gehen Noch heute verbringen die beiden die Freizeit zusammen. Dann steht ein Minigolf-Match oder ein gutes Essen auf dem Programm – in Olivers Luzerner Wohnung übernachtet Alex des Öfteren: Hier kann der so richtig abschalten. Lachen, blödeln und gut essen – in der Öffentlichkeit sei das ungestört von Autogrammjägern nicht möglich, verrät Schmid. Und hat Alex nach InsiderTipps aus dem Chamer Team gebeten? «Nein», so Oli, «dafür hat einer meiner Spieler gefragt, mit welchem Spruch er Alex hässig machen könnte.» «Wir nehmen das Cup-Spiel sehr ernst. Basel muss gewinnen. Ich werde top motiviert auflaufen», so Frei. Auch die Chamer werden alles geben. «Das ist das wichtigste Spiel der Vereinsgeschichte», so Oliver.

EXPRESS 6 Der Nati-Captain und der Co-Trainer vom SC Cham kennen sich seit Jahren. 6 Alex Frei und Oliver Schmid haben sich beim FCL kennen gelernt.

2001: Im «FCL-Stübli» auf der Allmend BILD PD begann die Freundschaft.

DAS CUPSPIEL

Nur noch wenige Sitzplätze Wer noch einen Sitzplatz ergattern möchte für den Cup-Match zwischen dem SC Cham und dem FC Basel vom Sonntag, 20. September, um 14.30 Uhr im Zuger Hertistadion, sollte sich sputen. Laut Aussage von Urs Scherer, Präsident des SC Cham, läuft der Ticketvorverkauf auf Hochtouren. «Die rund 1600 Sitzplätze sind so gut wie ausverkauft – nur noch wenige sind zu haben.» Es könnte allerdings sein, dass einige Sitzplatztickets, die nach Basel gegangen sind, noch retourniert werden. Für die rund 4200 Stehplätze gibt es noch viele Eintrittskarten. Erwartet werden bis zu 5000 Zuschauer. wh

Baar

Mais um viel Lärm am Baarer Dorf-Fäscht Weil sich das OK nicht an alle Regeln gehalten hat, wird es nun vom Kanton zur Kasse gebeten. Nicht ganz okay, findet der Präsident.

schutz vom 31. August erfahren. Darin steht, dass am Samstag, 29. August, zwischen 22.04 und 23.04 Uhr vor einer Bühne mit Live-Musik Stichproben durchgeführt wurden. Dabei sei der gesetzliche Grenzwert von 93 dB(A) «massiv überschritten» worden. «Wenn

Arno Matter regt sich auf. Der OKPräsident des Baarer Dorf-Fäschts hat eine Rechnung über 600 Franken vom Kanton erhalten. Weil er sich am Baarer Dorffäscht nicht an die Schall- und Laserverordnung (SLV) gehalten hat. «Ich bin mir bewusst, dass ich den Schallpegel hätte kontrollieren sollen.» Denn er sei durchaus von der Gemeinde schriftlich darauf hingewiesen worden. Nicht die Tatsache also, dass er für die Lärmüberschreitung die Quittung erhält, stösst ihm sauer auf. «Im Gegenteil, der Sachbearbeiter hat korrekt gehandelt.» Aber die Weise, wie das Amt vorgegangen ist, findet er daneben. Dass nämlich am Dorf-Fäscht überhaupt gemessen wurde, hat er erst mit dem Schreiben – inklusive Einzahlungsschein – des Amtes für Umwelt-

«Ich will einfach mehr Augenmass.»

schenverstand wäre manchmal angebracht», findet er. Bis der Durchschnittswert einer Messung berechnet sei, sei das Konzert meist schon vorbei, erklärt Peter Stofer, dann nütze ein Einschreiten nichts mehr. Wer die Lautstärke über die erlaubten 93 db(A) aufdrehen wolle, müsse die Veranstaltung dem Amt für Umweltschutz melden und bestimmte Auflagen erfüllen:

Es brauche also keine eigentliche Bewilligung. Und Stofer ergänzt: «Man muss bedenken, dass auch Familien mit Kindern vor der Bühne standen.» Gerade Kinder und Jugendliche hätten ein sehr empfindliches Gehör. Peter Stofer findet darum, dass die Überwälzung der Kosten gerechtfertigt ist. Die Veranstalter würden die Bestimmungen kennen. Auch seien 600 Franken «abso-

A R N O M ATT E R , O K- P R Ä S I D E N T

die Grenzwerte nicht eingehalten werden, gehen die Messkosten zu Lasten des jeweiligen Veranstalters», sagt Peter Stofer, Abteilungsleiter Lärm des Amtes für Umweltschutz. In diesem Fall an den OK-Präsidenten Arno Matter.

Verhältnismässig? Dieser kann eines nicht begreifen: «Warum hat man uns oder dem Mischpulttechniker nicht umgehend gesagt, dass der Lärmpegel zu hoch ist? Wir hätten die Lautstärke sofort zurückgedreht. Etwas mehr gesunder Men-

Möchte am liebsten nichts mehr hören: Arno Matter.

BILD STEFAN KAISER

lut verhältnismässig». Man hätte auch eine Verzeigung machen können, die viel teurer würde. «Wir haben aber davon abgesehen, weil es die erste Kontrolle bei diesem Fest war.»

Freude an der Sache leidet Arno Matter geht es nicht um die 600 Franken, sondern ums Prinzip. «Wir arbeiten ehrenamtlich und ohne jeglichen Gewinn.» Peter Stofer ist der Meinung, dass man alle Veranstalter gleich behandeln müsse – auch NonProfit-Organisationen. Arno Matter sieht das anders. So verderbe man den Leuten, die Hunderte Stunden Fronarbeit für ein Volksfest investieren, die Freude an der Sache. Für den OK-Präsidenten war das Dorf-Fäscht dennoch eine absolut «gfreuti Sach. Die Zusammenarbeit unter den Vereinen war top.» Auch die Gemeinde Baar hat dem OK ein «Riesenkompliment» gemacht. Noch einmal betont Arno Matter: «Ich will keine gesetzesfreie Zone, sondern einfach mehr Augenmass.» Und: «Das nächste Mal hoffe ich, dass miteinander gesprochen wird, wenn es ProANDRÉE STÖSSEL bleme gibt.»


Donnerstag, 10. Juli 2008 / Nr. 158

Z U G E R G E M E I N D E N 23

Neue Zuger Zeitung

NACHRICHTEN

HÜNENBERG

Holzbrücke wird gesperrt

Hannes sammelt Bomio-Punkte

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Hünenberg – Die Holzbrücke über der Reuss zwischen Hünenberg und Sins wird wegen Bauarbeiten voraussichtlich ab Montag, 14. Juli, während zirka drei Tagen in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Der Durchgang für den Fussgänger- und Fahrradverkehr ist gewährleistet. Dies meldet die Sicherheits- und Bauabteilung im Amtsblatt. (red)

Hotel Ibis ist ein Nichtraucherhotel Baar – Ohne gesetzlichen Zwang wird das Hotel Ibis gegenüber dem Bahnhof seit dem 1. Juni rauchfrei geführt. Diese Initiative ist gemäss Communiqué der Accor Hotellerie eine Antwort auf das immer ausgeprägtere Bewusstsein der Gäste und Mitarbeiter, wie schwerwiegend die schädlichen Auswirkungen des Tabaks auf die Gesundheit seien. (red)

Wussten Sies?

Im Jahr 2007 am meisten Einsätze any. Wir haben Sie gestern gefragt, wie viele Einsätze der Rettungsdienst Zug im Jahr 2007 absolviert hat. Viele Lösungsvorschläge sind eingegangen. Die richtige Antwort lautet A: 3488. Damit absolvierte der Rettungsdienst Zug 2007 mehr Einsätze als je zuvor seit seinem Bestehen. So steht es im Rechenschaftsbericht 2007 des Regierungsrates auf der Seite 423. Die Gewinner der Sofortpreise sind: ● Marlis und Walter Nussbaumer,

Steinhausen ● Familie Daniel, Allenwinden ● Verena Müller-Gasser, Oberkirch Sie erhalten je zwei Tickets für den Film «In the Valley of Elah» im OpenAir-Kino Zug vom Sonntag, 3. August. Wenn Sie bei der gestrigen Frage die Antwort nicht wussten oder das Losglück sie nicht getroffen hat, so haben Sie morgen wieder die Chance, eine Frage zu beantworten. Denn die Neue ZZ stellt ihren Lesern während der Sommerferien jeden zweiten Tag eine Frage aus dem Kanton Zug. Zu gewinnen gibt es Sofort- und drei Hauptpreise. 1. Preis: eine Digitalfotokamera im Wert von 1000 Franken; 2. Preis: eine Einladung zum Anlass «Romantic Classics» vom Mittwoch, 20. August, mit Apéro und Galadiner für zwei Personen (inkl. Getränke) im Waldheim Risch im Wert von zirka 450 Franken, 3. Preis: ein Jahresabonnement der «Neuen Zuger Zeitung» (resp. Verlängerung des vorhandenen Abos um ein Jahr) im Wert von 362 Franken. Alle Teilnehmer, die eine richtige Antwort einsenden, nehmen an der Verlosung der Hauptpreise teil.

3488 Einsätze hat der Rettungsdienst Zug im letzten Jahr geleistet. BILD HANNA JARAY

as erste Trinkgeld – 20 Rappen. Hannes Hug, die DRS3-Quasselstrippe, strahlt. Am runden Stammtisch sitzen die ersten hungrigen Gäste und warten auf die belegten Brötchen. Die Wanduhr zeigt 8.30 Uhr an. «Die Sandwiches und der Kaffee sind top hier», erklärt Roberto Masciarelli und zieht an seiner Zigarette. Hannes Hug? Kenne er nicht. Dabei wurde der Radioprofi heute besonders angekündigt. Statt des Tagesmenüs steht sein Name draussen vor dem Eingang auf dem Stehschild. Lässig balanciert der Moderator einhändig ein Tablett mit Gläsern durch den Gastraum. «Wie in der Hotelfachschule», witzelt er.

Schnupperlehre als Koch

Renzo Bomio, Wirt des Restaurants Wartstein, sitzt vor einem Kaffee und beobachtet die Szene. «Er hat Talent. Das sehe ich schon jetzt.» Was er mit dem freien Tag heute anfange? «Wir haben uns gar keine Gedanken gemacht. Eigentlich wollten wir lange ausschlafen», fährt Ehefrau Esther dazwischen. Hug steht in weisser Kochschürze und mit dem Mikrofon bewaffnet an der Theke. Live-Schaltung. «Penne all’arrabbiata. Meine nächste Aufgabe», lässt er die Hörer wissen. Szenenwechsel. In der Küche fliegt das grosse Küchenmesser gekonnt übers Schneidebrett. «Ich hab mal eine Schnupperlehre als Koch gemacht». Statt Zwiebelringe hat Hannes Würfel gezaubert. Renzo Bomio, Tessiner Frohnatur, bleibt gelassen. Was ist mit seinem freien Tag? «Meine Frau und ich gehen heute ausreiten. Dazu sind wir

«Privat bin ich ein Küchendiktator.» H A N N E S H U G , M O D E R ATO R B E I DRS 3

schon lange nicht mehr gekommen», so der Chef. Eine 14-köpfige Gruppe hat sich zum Essen angemeldet. 11 Uhr. Der Stresspegel steigt. In der Küche ist Koch Ulf Hühnemörder auf Zack. Wurstsalat garniert, Menü 3 mit Salat, Extrawunsch für Tisch 46. Hannes Hugs Backen sind inzwischen rot gefärbt.

Improvisation als Stärke

«Privat bin ich ein Küchendiktator», sagt er und streut liebevoll Rüeblistreifen auf die Salate. Vorgesehen ist diese Kreation nicht. «Improvisation ist meine Stärke», entschuldigt sich der Moderator. Seine Spezialität: Salatsauce à la Hug. «Sojasauce, Limette, parfümierter

Vom Radiostudio in die Küche: Hannes Hug (rechts) tauschte gestern das Mikrofon gegen das Küchenmesser. Renzo Bomio, Wirt des Restaurants Wartstein, nimmt es mit Humor und freut sich über die ungewöhnliche Küchenhilfe. BILD STEFAN KAISER

Freier Tag für das Wirtepaar DRS 3 «geht fremd»: In der RadioSommerserie übernimmt Reporter Hannes Hug einen Tag lang den Job von Hörern. Angemeldet haben sich auch Esther und Renzo Bomio vom Restaurant Wartstein in Hünenberg. Gestern berichtete DRS 3 live aus dem Gasthof.

Zusätzlich ein Zahnlabor Zum letzten Mal Ferien hatten die zwei vor zehn Jahren. Neben dem Restaurant führt das Ehepaar in Luzern noch ein Labor für Zahntechnik. «Wer so viel arbeitet, hat einen freien Tag verdient», erklärte Hannes Hug, weshalb die Wahl auf die Bomios fiel. Seit Januar 2007 führen Esther und Renzo Bomio das Lokal – als Quereinsteiger. «Wir haben das ganze Grundstück hier gekauft, zu dem auch das Restaurant gehörte. Das war vorher verpachtet», so der Wirt. Leider musste der Pächter Konkurs anmelden. Renzo Bomio beschloss mit seiner Frau kurzerhand, das Restaurant

EXPRESS 6 Moderator Hannes Hug entlastet Wirte-Ehepaar Esther und Renzo Bomio. 6 Das Fazit ist positiv: Die Gäste sind zufrieden, der Moderator unverletzt.

Liessen sich gerne einen freien Tag schmecken: Esther und Renzo Bomio. BILD STEFAN KAISER

selbst zu führen, trotz des Labors. Im «Wartstein» finden drin bis zu 90 Personen Platz, draussen ebenso. 12 Mitarbeiter sind angestellt. uc

Essig ...», die nächste Bestellung flattert herein. Servicekraft Nicole Guyaz schwebt mit drei Tellern raus auf die Terrasse. 30 Gäste wollen bestellen. Hannes Hug begrüsst sie: «Von scharfen Speisen rate ich ab. Ich bin heute Koch.» Für Witze bleibt keine Zeit. «Einmal Salat italienisch, drei Wurstsalate, zwei Pizzen.» Der Radioprofi gibt Vollgas. «Für eine Pause ist keine Zeit», erklärt er. Ulf ist zufrieden: «Ich würde ihn als Lehrling nehmen.» Ein Topf fällt scheppernd auf den Boden. Hug entschuldigt sich. Den Gästen schmeckt das Essen. Und dem Wirtepaar der freie Tag. «Jetzt gehen wir ausreiten», so Esther Bomio mit einem Strahlen im Gesicht. LUC MÜLLER

Baar

Mieter haben sich schon gemeldet Drei Baugenossenschaften erstellen auf der Schürmatt 48 günstige Wohnungen. Aber nur, weil es das Land im Baurecht gibt. Noch ist die Wiese beim Schmidhof in Baar grün. Doch bis im Sommer 2010 sollen dort rund 50 günstige Mietwohnungen entstehen. Das ist das Ziel der drei Baarer Wohnbaugenossenschaften, die zusammen mit der Gemeinde für das genossenschaftliche Bauprojekt einen Architekturwettbwerb veranstaltet haben. Die Ergebnisse wurden gestern an der Weststrasse 3 präsentiert. Von den 24 Beiträgen hatte die Jury das Projekt Summerred der Archetage Architekten, Baar, als Sieger gewählt. Glücklich nahmen Kurt Schmid und sein Partner Romain Blanc die Gratulationen entgegen. «Endlich hat es wieder einmal geklappt», sagte Schmid.

Grosszügige Grünflächen Architekt Klaus Hornberger begründete den einstimmigen Entscheid der Jury so: «Die vier Gebäude mit den 48 Wohnungen in unterschiedlichen Grössen fügen sich mit den Kleinbauten harmonisch in das bestehende Quartier ein.» Eine verkehrsfreie Begeg-

Simon und Christian werden dereinst mehr Freunde zum Spielen haben. Vier neue BILD STEFAN KAISER Wohnblocks sind auf der freien Parzelle geplant. nungszone, grosszügige Grünflächen und Freizeitbereiche für Kinder und Erwachsene sowie das nachhaltige Minergiekonzept und eine kostengünstige Bauweise gehörten weiter zu den Punkten, welche der Jury positiv aufgefallen waren. Kurt Landis, Leiter des kantonalen Amtes für Wohnbauförderung, erwähnte, dass die Mieter dieser Wohnungen

Förderungsbeiträge bis 400 Franken beantragen könnten, sofern ihr Einkommen und Vermögen den Bedingungen entsprächen. Doch alle könnten die Wohnungen mieten, eine Durchmischung sei sogar gewünscht. Das letzte grössere genossenschaftliche Wohnbauprojekt sei in Baar vor über 10 Jahren realisiert worden, sagte Paul Hutter, Präsident der Baugenos-

senschaft Baarburg. Als Hauptgrund nannte er das fehlende Land: «Müssten die Genossenschaften ihre Grundstücke auf dem freien Markt erwerben, dann wären solche Projekte nicht realisierbar.» Ermöglicht hat das Projekt Schürmatt die Familie Andermatt, die der Gemeinde das Land zu einem fairen Preis verkauft hatte. Die Gemeinde stellt es nun den Genossenschaften im Baurecht zur Verfügung. Hutter ist sich bewusst: «Das Projekt ist im Kanton Zug nur ein kleiner Tropfen auf den heissen Stein.» Es wundert ihn nicht, dass er schon Anfragen erhalten hat. Baars Gemeindepräsident Andreas Hotz zufolge hatte Othmar Andermatt, ehemaliger Ständerat und Baarer Gemeindepräsident, das Land der Gemeinde mit der Auflage verkauft, es für eine Trägerschaft zu reservieren. Hotz begutachtete die ausgestellten Modelle und ergänzte: «Das Areal Schmidhof heisst neu Schüürmatt. Mir gefällt das geplante Siegerprojekt wegen seiner klaren Strukturen.» Als Vorteil wertet Hotz, dass der Sieger Kurt Schmid bereits die genossenschaftliche Überbauung Sagenbrugg realisierte und somit über ErfahMONIKA WEGMANN rung verfüge. Architekturwettbewerb: 1. Summerred, Archetage Architekten, Baar; 2. Trio, Jego Bau AG, Hünenberg; 3. Johnny, Amrein Herzig Architekten, Zug; 4. Birnenpark, Arge Glöggler Röösli Architekten, Zug.


26 Z U G E R G E M E I N D E N

Neue Zuger Zeitung Samstag, 23. August 2008 / Nr. 194

Neuheim

CHAMER GEMEINDEPRÄSIDENT:

250 Tonnen Sand für die Soccer

«Das wollte ich nie werden»

red. Vom Freitag, 29, bis Sonntag, 31. August, finden in Neuheim das 44. Grümpelturnier und gleichzeitig das 6. Beach-Soccer-Turnier statt. Unterhaltung und Spass in den Festwirtschaften sind garantiert.

EXPRESS 6 Der 55-Jährige verrichtet seine politischen Aufgaben im Nebenamt.

Kantonaler Schülercup ● Das Grümpi startet am Freitag mit

6 Arbeitstage bis zu 16 Stunden sind bei Bruno Werder keine Seltenheit.

dem Fyrabigplausch, an dem sich Teams von Vereinen, Firmen und freie Gruppen aus dem Kanton Zug und den angrenzenden Gemeinden beteiligen können. ● Am Samstag wird den ganzen Tag gekickt, in den Kategorien Stammtisch und Mixed: Hier müssen immer zwei Damen spielen und ihre Tore zählen doppelt. ● Am Sonntag steht die Kategorie Open im Einsatz. Ausserdem wird der Kantonale Schülercup ausgetragen, für alle 1. bis 6. Klassen aus dem Kanton Zug.

6 Denn zusätzlich hilft er auf dem Bauernhof seines Sohnes aus.

NEUHEIM

Sitzung an Sitzung In Neuheim, der kleinsten Gemeinde des Kantons Zug, amtet seit dem 1. Januar 2007 Thomas Kessler als Gemeindepräsident. Zusätzlich ist er im Gemeinderat zuständig für den Bereich Bildung. «Alles zusammen ergibt das ein Pensum von 40 bis 50 Prozent», so Kessler. Hauptberuflich arbeitet er in einem 70-Prozent-Pensum als Projektleiter Gebäudetechnik beim Amt für Hochbauten der Stadt Zürich. Für alle Belange des Gemeindepräsidiums und Führung des Gemeinderates arbeite er eng mit dem Gemeindeschreiber zusammen. Im Bereich Bildung seien die engsten Mitarbeiter der Rektor und der Musikschulleiter.

Ferienatmosphäre Auch wenn Neuheim keinen Strand besitzt, wird neben dem Grümpi für Sommerfeeling gesorgt: Am 29. August beginnt das Strandfussballturnier. Eigens für das Beach-Soccer-Turnier wird die Sand AG, Neuheim, 250 Tonnen Sand zu einem 20 mal 30 Meter grossen Spielfeld aufschütten. Um den Spass zu steigern, wird ähnlich wie beim Eishockey mit 90 cm hohen Spielbanden gespielt. Als Rahmenprogramm werden am Freitag und Samstag DJs bis in die frühen Morgenstunden mit Latino-, Rock- und Popklängen für Stimmung sorgen. Festzelt und Bar werden im Strandlook aufgebaut und sorgen ein bisschen für Ferienatmosphäre

IMPRESSUM Redaktion Neue Zuger Zeitung: Christian Peter Meier (cpm), Chefredaktor; Nelly Keune (ny), stv. Chefredaktorin; Jürg J. Aregger (JJA), Dienstchef; Wolfgang Holz (wh), Chefreporter; Kanton/Stadt Zug: Marco Morosoli (mo), Ressortleiter; Yvonne Anliker (any), stv. Ressortleiterin; Karl Etter (ke); Chantal Desbiolles (cd); Andreas Oppliger (opp), red. Mitarbeiter; Zuger Gemeinden: Monika Wegmann (MW), Ressortleiterin; Luc Müller (uc); Andrée Stössel (ast), red. Mitarbeiterin; Freiamt: Bianca Theus (bts), red. Mitarbeiterin; Sport: Charly Keiser (kk), Leiter; Adrian Lustenberger (lua), red. Mitarbeiter; Kultur: Markus Mathis (mam); Fototeam: Christof Borner-Keller (CB), Leiter; Werner Schelbert (WS), Stefan Kaiser (STK); Sonntagsausgabe: Sarah Kohler (sak). Verlag: Daniel Troxler, Leiter Verlag Zug. Anzeigen: Markus Odermatt, Filialleiter Publicitas. Redaktionsleitung Neue Luzerner Zeitung und Regionalausgaben: Chefredaktor: Thomas Bornhauser (ThB); Stv. Chefredaktor/ überregionale Ressorts: Stefan Ragaz (az); Regionale Ressorts: Stefan Inderbitzin (sti), Gruppe Gesellschaft und Kultur: Arno Renggli (are). Ressortleiter: Nachrichten: Dominik Buholzer (bu); Sven Gallinelli (sg); Politik: Raphael Prinz (pri); Markt/Wirtschaft: Inge Staub (ist); Gesellschaft und Kultur: Arno Renggli (are); Zentralschweiz: Cyril Aregger (ca); Sport: Andreas Ineichen (ain); Leben: Hans Graber (hag); Dossier: Iwona Meyer-Swietlik (im); Montag: Manuel Gübeli (mag); APERO: Thomas Huwyler (huwy); Zisch: Robert Bachmann (bac); Fotos: Eveline Bachmann (ev). Ombudsmann: Dr. Andreas Z’Graggen Herausgeberin: Neue Luzerner Zeitung AG, Maihofstrasse 76, Luzern. Erwin Bachmann, Delegierter des Verwaltungsrates, E-Mail: erwin.bachmann@lzmedien.ch Verlag: Jürg Weber, Geschäfts- und Verlagsleiter; Ueli Kaltenrieder, Lesermarkt; Edi Lindegger, Anzeigenmarkt. Adressen und Telefonnummern: 6301 Zug, Bundesplatz 14, Postfach. Redaktion: Telefon 041 725 44 55, Fax 041 725 44 66, E-Mail: redaktion@neue-zz.ch. Abonnemente und Zustelldienst: Telefon 041 725 44 22, Fax 041 725 44 11. E-Mail: abo@lzmedien.ch Billettvorverkauf: Tel. 0900 000 399 (60 Rp./Min.). Technische Herstellung: Neue Luzerner Zeitung AG, 6002 Luzern, Maihofstr. 76, Postfach, Tel. 041 429 52 52, Fax 041 429 52 89. Anzeigen: Publicitas AG, Bundesplatz 14, Postfach, 6304 Zug, Telefon 041 725 44 44, Fax 041 725 44 33. Agenturleiter: Markus Odermatt. Fax für Todesanzeigen an Sonn- und Feiertagen: 041 725 44 66. Abonnementspreis: 12 Monate Fr. 362.–/6 Monate Fr. 189.– (inkl. 2,4% MWSt). Die irgendwie geartete Verwertung von in diesem Titel abgedruckten Anzeigen oder Teilen davon, insbesondere durch Einspeisung in einen Online-Dienst, durch dazu nicht autorisierte Dritte ist untersagt. Jeder Verstoss wird gerichtlich verfolgt.

Chrampfer statt Dorfkönig: Chams Gemeindepräsident Bruno Werder. BILD DOMINIK HODEL

D

ienstwagen, Chefsekretärin und ganz viel Ansehen. Bruno Werder, Gemeindepräsident von Cham, zerstört mein naives Luftschloss gnadenlos. «Diktator oder König. Jemand mit solchen Charakterzügen kann auf diesem Posten nicht bestehen», erklärt er mir. Und der chice Dienstschlitten und die viel zitierte weibliche rechte Hand? Werder schüttelt nur lächelnd heftig den Kopf.

Hinter den Kulissen Was macht eigentlich so ein Gemeindepräsident den ganzen lieben Tag lang: delegieren, regieren, repräsentieren – ich versuche das Geheimnis hinter den Kulissen zu erforschen und hefte mich an Chams höchsten Gemeindepolitiker. 10 Uhr in der Verwaltung Mandelhof. Chefbüro. Bruno Werder erzählt von seinem politischen Werdegang. Mit 37 Jahren Wahl in den Kantonsrat. Ab 1998 gewählter Gemeinderat. «Das wollte ich nie werden, hab ich früher immer gesagt.» Vier Jahre als Bauchef. Dann 2002 die Wahl zum Gemeindepräsidenten von Cham. Bisher fehlt dem Job der Glamourfaktor komplett. Geistig drücke ich den Knopf auf der imaginären Gegensprechanlage und bestelle einen Kaffee

Unterschriftsmappen auf den Tisch. Der schwarze Filzstift fliegt dynamisch unten rechts über die Beschlüsse. Der 55-Jährige ist heute schon seit 5.15 Uhr Budget im Schnelltempo auf den Beinen. Von Müdigkeit keine Mein Tagtraum platzt. Sitzung, Sit- Spur. Gemeindepräsident ist er nur im zung, Mittagspause, Sitzung, Abendver- Nebenamt. Der Meisterbauer hilft sonst immer anstaltung. Der Blick in die Agenda von Bruno Werder zeigt: Der Dorfkönig ist auf dem Hof aus, den er dem Junior ein harter Arbeiter mit grosser Sach- verpachtet hat. Gestern bis 19.30 Uhr kompetenz. 16-stündige Arbeitstage an der Gemeinderatssitzung mit anseien keine Seltenheit. Vollgas sei ange- schliessendem Eröffnungsbesuch bei sagt. «Ja, zu allen Themen muss man einem Gastgeber bis 23.15 Uhr, heute in eine Meinung haben. Entscheidend ist, aller Frühe raus aus den Federn und im die grossen Linien im Auge zu behalten. Büro zu Hause noch bis 6.45 Uhr E-Mails beantwortet Die Detailarbeit maund Sitzungen vorchen die Fachkräfte «Geschäften und bereitet. Dann war er in den Abteilungen.» noch eine Stunde auf Also doch: Delegieverhandeln. Das ist dem Feld, um Karren heisst das Zaueine meiner Stärken.» toffeln zu ernten. berwort. BRUNO WERDER, Die nächste SitWerder widerlegt GEMEINDEPRÄSIDENT CHAM zung wartet. Zum meine These durch Thema Baugesuch. Fachwissen, das er locker aus dem Ärmel schüttelt. Nach Zwei Vertreter einer Institution haben Pensum gerechnet ist er zu 25 Prozent sich angemeldet. «Geschäften und verGemeindepräsident und zu 30 Prozent handeln. Das ist eine meiner Stärken», Finanzchef. Der Mann kennt sich aus verrät Bruno Werder, «Festreden halten, mit Zahlen. Im Schnelltempo führt er das mach ich nicht so gerne.» Hallo, mich durch das Budget 2008 – ebenfalls Gruezi, Sali – Werder marschiert zum sein Aufgabenbereich. Jetzt kommt Be- Sitzungssaal. «Immer freundlich sein wegung ins Chefbüro. Die Assistentin und keine schlechte Laune zeigen. Und des Gemeindeschreibers reicht zwei in hektischen Situationen cool bleiben. «wie immer. Und in den nächsten zwei Stunden keine Telefonate durchstellen. Danke!»

Voller Terminkalender Der Blick in die Agenda zeigt, wie ein Montag bei Thomas Kessler abläuft: ● 7.30 Uhr bis 8.30 Uhr: Besprechung mit dem Rektor ● 8.30 Uhr bis 9.30 Uhr: Besprechung mit dem Gemeindeschreiber ● 10 Uhr bis Mittag: Post erledigen und eventuell weitere Besprechung (zum Beispiel Anliegen von Bürgern). ● 14 bis 17 Uhr: Gemeinderatssitzung (alle zwei Wochen). uc

Das ist wichtig.» Gelernt habe er viel vom Kommunikationsberater, der in Klausurtagung des Gemeinderates dabei war.

Zwölf Sichtmäppchen Das sei doch Landwirtschaftszone. Am besten wäre es, wenn man den Besitzstand einfach übernehme. Eine Umzonung könne Jahre dauern, gibt der Gemeindepräsident noch zu bedenken. Nebendran sitzt der Bauchef und notiert alles. 45 Minuten und ein Glas Mineralwasser später ist die Sitzung beendet. Der Bauchef übernimmt die ganze Sache. Um 14 Uhr tagt die «Gruppe Standortmarketing». Dazu müsse er sich noch kurz in die Akten schmeissen. Ich fläze mich derweil auf dem schwarzen Lederstuhl. Der Chefsessel des Gemeindepräsidenten. Das erhabene Gefühl hält sich in Grenzen. Zwölf Sichtmäppchen stapeln sich vor mir. «Das sind nur die allerwichtigsten Geschäfte», sagt Werder und schiebt wuchtig die Türen der zwei Aktenschränke zur Seite. Ordner an Ordner in Reih und Glied. Das sei der Rest, der immer wieder mal auf der Tagesordnung stehe, sagt Bruno Werder. Ich stehe auf – vor Achtung – und verlasse den Raum. LU C M Ü L L E R

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Wir freuen uns... ... auf vielseitigen Lebensraum. Mit offener Parklandschaft, Hotel & Restaurant, Seniorenresidenz & Wohnungen. Ruedi Achleitner, Architekt | lic. iur. Philipp Andermatt, Rechtsanwalt | Martina Arnold, Mitgl. Bau- und Planungskommission GGR Stadt Zug | Marc Bachmann, Unternehmer, Inhaber bachmann + partner | lic. iur. Diego Benz, Rechtsanwalt/Notar | lic. iur. Sabine Bollmann, Präsidentin Jungfreisinnige Zug | Dr. HP. Brändli, dipl. Physiker ETH | lic. iur. Peter Brändli, Rechtsanwalt | Ursi Brändli, dipl. Kinderkrankenschwester | Aldo Britschgi, Informatiker, Pilot | Philip C. Brunner, Hotelier | lic. iur. Irène Castell-Bachmann, Kantonsrätin | Der Stadtrat von Zug | Dr. iur. Nina J. Frei, Vizepräsidentin FDP Kanton Zug | Dr. iur. Markus Frigo, Rechtsanwalt/a. Stadtrat | Simone Glarner, PR-Beraterin | Daniel Gruber, MSc/MBA, Unternehmer | lic. iur. Daniel Grunder, Kantonsrat/Fraktionschef | Studio für Werbung & Design Walter F. Haettenschweiler, Grafiker, Maler | lic. iur. Andrea Hodel, Rechtsanwältin/Urkundsperson | lic. iur. Stephan Huber, Rechtsanwalt | Dr. Karl Kobelt, PR-Berater, Mitglied GGR und BPK | Margerita Leemann, Hauswirtschaftslehrerin, Leiterin «Kochstudio» | Dr. Hajo Leutenegger, Präsident Zuger Wirtschaftskammer | Stephan M. Leuthard, < w m > % "0 g 1 + b n I% K 6 % 4 g h 8 % 7 S % tV Q 6 o -U n p g U T -ik -/jk R lO y 8 l% U 3 % 9 n D p % S y < /w m >

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Überparteiliches Komitee «Belvedere JA» Postfach 1025 | 6301 Zug | Fax 041 728 71 66 | info@belvedere-ja.ch | www.belvedere-ja.ch

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Zentralschweiz am Sonntag *

MICHAEL ELSENER

O H N E A LT E R S G R E N Z E N

GEFÄHRLICHER BERG

Der Hünenberger Komiker probt gerade sein zweites Soloprogramm.

In Steinhausen tanzten Jung und Alt am Fasnachtsball.

Felsstürze am Gotthard bedrohen die Autobahnstrecke.

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Kanton Zug

Ausländische Fahrausweise

Lorbeeren für die Homepage

Mit kontrollierter Fahrweise EXPRESS

Rechts vor links: für viele Lenker aus fremden Ländern etwas Neues. Deshalb werden sie getestet: Nicht alle dürfen später weiterfahren. Der Internetauftritt des Kantons Zug gefällt. SCREENSHOT

any. Im Januar des vergangenen Jahres hat sich der Kanton Zug auf einem Gebiet erneuert – komplett. Zu diesem Zeitpunkt nämlich wurde der neue Internetauftritt, der mit der Gemeinde Hünenberg geteilt wird, aufgeschaltet. «Die neue Homepage ist ein Meilenstein», sagte Regierungsrat Joachim Eder bei der Präsentation der neuen Website. Seither ist der Online-Auftritt laufend erweitert worden. Das hat sich nun auch gelohnt. Die TechnologieZeitschrift «anthrazit» habe das neue Portal 2009 zum ersten Mal in den Kreis der 200 besten Websites der Schweiz aufgenommen, sagt Urs Fuchs, Leiter der Staatskanzlei. Die Zeitschrift kürt jedes Jahr die 200 besten Websites der Schweiz in verschiedenen Sparten. In der Kategorie E-Government/Kantone gehört der Zuger Internetauftritt laut Mitteilung der Staatskanzlei zu den fünf besten.

Zugang für alle Zudem hat die Stiftung «Zugang für alle» der neuen Website des Kantons per 1. Februar die Zertifikatsstufe AA+ verliehen. Das ist die höchste Qualitätsstufe, welche die schweizerische Zertifizierungsstelle für behindertengerechte Technologienutzung vergibt. Seit dem Inkrafttreten des Behindertengleichstellungsgesetzes im Januar 2004 sind öffentliche Verwaltungen verpflichtet, neue Websites auch für behinderte Menschen barrierefrei anzubieten. «Mit der Freischaltung von www.zug.ch hat Zug diese Forderung erfüllt», sagt Fuchs. Zufriedenheit messen Und Zug bleibt dran, den Internetauftritt laufend zu verbessern. So konnte, wer die Homepage vom 1. Oktober 2008 bis 5. Januar 2009 besucht hat, eine Online-Umfrage ausfüllen. «Wer teilgenommen hat, hat an der ZeGo-Studie mitgemacht», sagt Fuchs. Ziel der Studie ist es, die Zufriedenheit der Schweizer Bevölkerung mit dem jeweiligen E-Government-Portal zu messen. Mit E-Government ist der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik in der Verwaltung gemeint (damit beispielsweise ein Geburtsschein per Internet bestellt werden kann). ZeGo ist ein Forschungsprojekt, das von Javier Bargas am Institut für Psychologie an der Universität Basel geleitet wird. «Wir erhoffen uns mit der Teilnahme Hinweise, wie wir unsere Homepage verbessern können», sagt Fuchs. Vor allem durch den Vergleich mit anderen Kantonen, denn Zug führt die Umfrage nicht alleine durch. Die Resultate von ZeGo sollen Mitte April vorliegen. ZeGo ist eine unter mehreren Studien, die von der Arbeitsgruppe Studien und Umfrage der Schweizerischen Staatsschreiberkonferenz in Auftrag gegeben wurden. Das übergeordnete Ziel ist das gleiche wie bei ZeGo: die Zufriedenheit der Bevölkerung mit E-Government zu messen. HINWEIS 6 Wer mehr über die ZeGo-Studie wissen will, findet Informationen unter www.zego-study.ch. Die Homepage des Kantons ist unter www.zug.ch zu finden. 5

6 177 Kontrollfahrten wurden 2008 im Kanton Zug absolviert. 6 15 Prozent der Lenker aus dem Ausland fallen bei der Fahrt durch.

VON LUC MÜLLER

Das Auto ruckelt beim Anfahren. Der Motor wird unsanft abgewürgt. Renata Strenger (31) am Steuer lächelt leicht gequält. Seit ihrem 18. Lebensjahr fährt die Brasilianerin schon Auto, in der Millionenmetropole São Paulo hat sie täglich vierspurige Highways bewältigt. Doch nun muss sie ihre Fahrtauglichkeit auf Schweizer Strassen unter Beweis stellen. Denn seit knapp einem Jahr wohnt sie in Zug, wo ihr Mann bei einem internationalen Ölkonzern angestellt ist. Sie arbeitet bei einem ausländischen Grosskonzern in Rotkreuz. Damit ihr brasilianischer Fahrausweis in einen schweizerischen umgetauscht wird, muss sie eine Kontrollfahrt absolvieren (siehe Box). Verkehrsexperte und Prüfer Hansruedi Wyss auf dem Nebensitz beruhigt die angespannten Nerven von Strenger mit lockerem Small Talk. Denn die 31-Jähri-

«Seit vergangenem Jahr gelten aber verschärfte Verkehrsvorschriften in Brasilien. Die Kontrollen sind nun sehr streng.» Welche Verkehrsregel in der Schweiz war ganz neu für sie? «Den Rechtsvortritt habe ich nicht gekannt, der existiert in Brasilien nicht.» 2008 nahmen die Prüfer des Strassenverkehrsamts 177 Kontrollfahrten ab: Nach Angaben von Amtsleiter Markus Feer fielen rund 15 Prozent der ausländischen Lenker durch. Hansruedi Wyss nennt Gründe: «Einige fahren eher übervorsichtig und gefährden so die übrigen Verkehrsteilnehmer.» Er habe auch schon Lenker geprüft, da sei nach wenigen Minuten klar gewesen, «die können nicht richtig fahren». Pauschalisieren will Wyss nicht: «Kontrollfahrten mit Fahrern aus Indien oder Nigeria waren problemlos, obwohl in diesen Ländern ganz anders gefahren wird.» Bei Nichtbestehen stelle die Sprachbarriere schon ein Problem dar. «Die Fahrer suchen nach Ausflüchten und wollen den Entscheid nicht richtig verstehen», erzählt Wyss.

«In São Paulo herrscht ein crazy Chaos auf den überfüllten Strassen.» R E N ATA S T R E N G E R , BRASILIANERIN IN ZUG

ge steht unter Druck. Sie hat nur einen Versuch: Vergeigt sie die Prüffahrt, wird ihr die Fahrerlaubnis direkt entzogen. Als Konsequenz müsste die Lenkerin die komplette Fahrausbildung von neuem beginnen: von der Theorieprüfung bis hin zur praktischen Fahrprüfung. Prüfer Wyss gibt Richtungsanweisungen auf Englisch. Die Brasilianerin hält ordnungsgemäss am Stopp-Schild, parkt elegant rückwärts ein und lässt der alten Dame am Fussgängerstreifen den Vortritt. Nach zwei Überholmanövern auf der Autobahn führt die Fahrt zurück zum Strassenverkehrsamt in Steinhausen. Hansruedi Wyss gratuliert zur bestandenen Testfahrt.

Strenge Kontrollen in Brasilien Vier Fahrstunden habe sie als 18-jährige Fahranfängerin gebraucht, um die praktische Prüfung zu bestehen. «In São Paulo herrscht ein crazy Chaos auf den überfüllten Strassen. Trotzdem läuft der Verkehr irgendwie recht zügig – dank dem ständigen Einsatz der Autohupe», erzählt Renata Strenger.

Erleichterung ynach bestandener Kontrollfahrt: Prüfer Hansueli Wyss und Lenkerin BILD STEFAN KAISER Renata Strenger.

Das Recht des Stärkeren Konkreter wird Roger Stoll, Präsident des Schweizerischen Fahrlehrerverbandes Sektion Zug. In seiner Fahrschule macht er Fahrer aus aller Herren Ländern fit für die Schweiz. «Je grösser das Auto, desto mehr Rechte auf der Strasse. Diese Denkweise der russischen Fahrer muss ich oft korrigieren.» Auch die Lenker aus dem asiatischen Raum könnten jeweils fast nicht glauben, dass Velofahrer in der Schweiz als gleichwertige Verkehrsteilnehmer gelten. Dass Fussgänger am Zebrastreifen Vortritt geniessen: Auch das sei für viele sehr erstaunlich. «Es gibt auch Länder, wo man ohne Fahrprüfung mit Geld zu einem Ausweis kommt», so Stoll. Ein Iraker mit legalem Fahrausweis sei mit einem BMW bei ihm vorgefahren. Doch schnell wurde ihm klar: Der Mann beherrscht sein Fahrzeug nicht. «Erst bremste er mit dem rechten Fuss, dann mit dem linken.» Nach 38 Fahrstunden sei er reif für die Fahrprüfung gewesen. Übrigens: Auch die Schweizer stehen auf dem Prüfstand – wer sich in Amerika niederlässt, der muss ebenfalls eine Kontrollfahrt absolvieren.

FÄLSCHUNGEN AUF DER SPUR

LÄNDER

Ausweisvorlagen und der richtige Riecher

Russen müssen, Amerikaner nicht

te waren gefälscht. Zwei davon stammten aus dem Irak, jeweils eins aus Italien und der Türkei. «Bei einer Ausweisfälschung handelt es sich um ein Offizialdelikt», so Schlatter, «die Polizei zeigt die Personen bei der Staatsanwaltschaft an.» Das Strassenverkehrsamt wird über die Fälschung informiert und zieht den Ausweis ein.

Um sich für eine Kontrollfahrt anzumelden, müssen die ausländischen Staatsbürger ihren Fahrausweis dem Strassenverkehrsamt vorlegen. Besteht ein Verdacht, dass die Dokumente gefälscht sind, übergibt das Strassenverkehrsamt die Papiere zur Überprüfung der Zuger Polizei. Ausweise aus Krisengebieten werden in jedem Fall kontrolliert.

Vier gefälschte Ausweise Nach Angaben von Marcel Schlatter, stellvertretender Kommunikationsbeauftragter der Zuger Strafverfolgungsbehörden, wurden im vergangenen Jahr 113 Fahrausweise unter die Lupe genommen: Vier Dokumen-

«Ausweisfälschung ist ein Offizialdelikt.» M A R C E L S C H L ATT E R , ZUGER POLIZEI

Erfahrungsreiche Beamte Zur Kontrolle stehen dem Kriminaltechnischen Dienst Vorlagen von Ausweisen aus aller Welt zur Verfügung. Zudem werden Registrierungen geprüft. «Nicht zu unterschätzen ist die Erfahrung der Beamten», sagt Marcel Schlatter. LUC MÜLLER

Wer einen ausländischen Fahrausweis besitzt und sich länger als ein Jahr in der Schweiz aufhält, muss diesen innerhalb eines Jahres gegen einen schweizerischen Fahrausweis umtauschen. Das bedingt eine praktische Kontrollfahrt beim Strassenverkehrsamt. Ausgenommen davon sind Menschen aus EU- und Efta-Staaten sowie aus den USA, aus Kanada, Neuseeland, Japan, Korea oder Kroatien. Ein Fahrtest wird unter anderem für Personen aus folgenden Ländern verlangt: Russland, Serbien, Montenegro, Kosovo, Südafrika, Indien und Indonesien. uc


Z U G E R G E M E I N D E N 27

Dienstag, 14. Oktober 2008 / Nr. 238 Neue Zuger Zeitung

NACHRICHTEN

Unterägeri

Geld für Kinderspielplatz

Im Holz lagert die Geschichte

Oberägeri – Der Gemeinderat spricht an die Erneuerung des öffentlichen Kinderspielplatzes und den Einbau eines öffentlichen WCs beim renovierten Restaurant Raten einen einmaligen Beitrag von 70 000 Franken. (red)

Kleider werden eingesammelt Cham – Im Auftrag der SoliTex wird am Montag, 20. Oktober, ab 7 Uhr Haushaltswäsche gesammelt. Die Abteilung Umwelt der Gemeinde Cham bittet, den Kleidersack zu beachten, der per Post verschickt wurde. Das Sammelgut ist gut sichtbar an der Strasse abzustellen. (red)

Werkhof bietet Häckseldienst an Neuheim – Die Gemeinde bietet am Freitag, 24. Oktober, einen Häckseldienst an. Private Interessierte, Hausverwaltungen und Landwirte, die das Häckselgut im Garten wiederverwenden, können sich beim Werkhof anmelden. Dies ist telefonisch bis Mittwoch, 22. Oktober, Telefon 041 755 35 92, möglich. (red)

Risch-Rotkreuz

Tipps gegen Erkältung

Das Haus Unterblacki stammt aus dem Mittelalter – nun wird es als Wohnhaus saniert und bringt so einige Geheimnisse ans Tageslicht. VON LUC MÜLLER

Am Anfang steht ein Stück Holz. Am Schluss ergibt sich daraus die ganze Historie eines Gebäudes. Dazwischen ist Adriano Boschetti-Maradi am Werk – der Herr der Ringe. Als Mittelalterarchäologe geht er der Bausubstanz physisch auf den Grund: Dank dendrochronologischer Datierung kann er bestimmen, wann ein Baum gefällt wurde, dessen Holz im Gebäude verbaut ist. Boschetti ist Mitarbeiter der Kantonsarchäologie, die zusammen mit der Denkmalpflege bei der Direktion des Innern ein Amt bildet. Im Mittelalter seien Hölzer nicht lange gelagert, sondern vorzugsweise im gleichen Jahr verbaut worden, sagt Boschetti.

Hölzer von 1350 «Wir von der Denkmalpflege kümmern uns um die historische Komponente, die Nutzungsgeschichte des Gebäudes», erklärt der Kantonale Denkmalpfleger Georg Frey. Und wo steht nun das älteste Gebäude im Kanton Zug? «Meist ist der Kern oder ein Teil des Hauses sehr alt, nicht

das ganze Gebäude», erklärt Boschetti. Hauses zu bewahren, wenn dieses umDie ältesten datierten Hölzer, die in gebaut wird. einem Haus verbaut sind, stammen von Umbau des Hauses von 1510 1350 und befinden sich im NebengeIn Unterägeri passiere das momentan bäude des ehemaligen Restaurants auf ideale Weise. «Die Bauherrschaft Steinbock in Steinhausen. In der Zuger Altstadt stehen Gebäude hat Freude an der Geschichte des mit Hölzern, die auf das Jahr 1371 Hauses und sie wollen möglichst viel zurückgehen. So beispielsweise das der Bausubstanz erhalten», sagt Denkehemalige Kornhaus, das heutige «Haus malpflegerin Monika Twerenbold, welche die RestaurieMeisen» neben dem rung begleitet. Kaufhaus. «In Zug «Die Bauherrschaft hat Das Haus Untergibt es sehr viele blacki in WissenHolzbauten aus dem Freude an der Geschichte schwändi sei «eines Spätmittelalter, die des Hauses.» der besterhaltenen im 14. und 15. JahrG E O R G F R E Y, Häuser aus dem Mithundert errichtet DENKMALPFLEGER telalter, das saniert wurden», sagt der werden kann», erMittelalterarchäologe. Diese wurden in der Ständerbau- zählt Adriano Boschetti-Maradi. Fast weise errichtet – einer Konstruktion, bei die gesamte Holzstruktur ist aus dem der Kanthölzer ein Gerüst bilden, das Jahre 1510 erhalten. Zu den Prunkstücken des zweistöckigen Hauses gehört mit Bohlen ausgefacht ist. die originale Bohlenbalkendecke in der Stube. Diese Decke des geschützten 500 Jahre alte Bauernhäuser In der Region Zug sind vor allem in Hauses muss erhalten bleiben, das der Bergregion Bauernhäuser zu fin- wurde in der Baueingabe festgelegt. Das Haus bestand früher aus einem den, die mehr als 500 Jahre alt sind: Das Haus Spittel in Neuheim (Hinterburg- Wohnteil mit Stube und einem Hauswirtschaftsteil mit Vorratskammer. Der strasse) zählt beispielsweise dazu. Diese Bauernhäuser sind als Block- Rauch des Herdes zog nicht durch bauten errichtet: Zu Kanthölzern bear- einen Kamin ab, sondern durch eine beitete Baumstämme wurden liegend Öffnung in der Decke. Bei der gegenwärtigen Restaurierung aufeinandergeschichtet. Die alten Häuser sollen nicht zu wird der Anbau, der aus dem 18. Museen werden, sondern bewohnt Jahrhundert stammte, abgerissen und sein, sagt Frey. Dabei gehe es im besten durch einen Neubau ersetzt. Drin sind Fall jedoch darum, die Geschichte des Küche und Bad geplant.

EXPRESS 6 In Unterägeri steht eines der besterhaltenen Häuser aus dem Mittelalter. 6 Es wird momentan unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten saniert.

Das alte Bauernhaus wurde im 18. oder 19. Jahrhundert umgebaut. Der Küchenbereich von 1510 wurde zu einem Flur umfunktioniert und eine Toilette eingebaut.

Gute Zusammenarbeit Das Haus hat die Familie MahlerHenggeler gekauft, die nun mit ihren drei Kindern einzieht. «Der Umbau ist spannend, immer wieder kommt etwas Interessantes zum Vorschein», sagt Ursula Mahler-Henggeler. Zum Beispiel 48 menschliche Zähne, die in den Wandritzen steckten. «Die Leute haben die Zähne gesammelt. Vielleicht steckt ein Aberglaube dahinter. Das Motiv ist nicht definitiv geklärt», so Denkmalpfleger Frey. Das Haus sei für sie wie ein Sechser im Lotto, sagt Ursula Mahler-Henggeler. Die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege sei sehr gut gewesen. «Im Internet haben wir recherchiert, dass um das Jahr 1900 eine Familie mit elf Kindern in diesem Haus gewohnt hat.»

red. Gesund durch den Winter? – Auf diese Frage gibt morgen Mittwoch, 14 Uhr, Saal Dorfmatt in Rotkreuz ein Vortrag Antwort. Der Anlass gehört zur Reihe «Gesund Altern in Risch und Meierskappel», die sich regelmässig mit Altersthemen beschäftigt. Urs Rebmann aus Rotkreuz wird über Grippe und Erkältung bei älteren Leuten sprechen. Schwester Theresita und Schwester Marta vom Kloster Heiligkreuz in Cham referieren über die Welt der Hausmittel und Kräuter. Das Projekt läuft seit über drei Jahren erfolgreich. Wie die Gemeinde RischRotkreuz mitteilt, werden in Zusammenarbeit mit den Hausärzten die teilnehmenden über 65-Jährigen unterstützt, gesund zu bleiben. Sie sollen so lange wie möglich ein selbstständiges Leben in gewohnter Umgebung führen können.

Jahrgänge 1943 eingeladen Wer am Projekt teilnimmt, füllt einen Fragebogen zu seiner Gesundheit aus. Die Personen bekommen dann einen persönlichen Gesundheitsbericht. Zudem besteht die Möglichkeit, sich von der Gesundheitsberaterin Esther Thalmann beraten zu lassen. Ende 2008 werden nun die Personen mit Jahrgang 1943 persönlich zur Teilnahme am Projekt eingeladen. Wer älter als 65 Jahre ist und sich nun im Nachhinein noch für das Projekt anmelden möchte, kann dies jederzeit tun. Kontaktperson ist Esther Thalmann: esther.thalmann@risch.zg.ch oder Telefon 041 798 18 38.

Begutachtet die Zähne in der Wand: Edgar (links), Ursula Mahler-Henggeler und deren Vater Alois Henggeler. Im Hintergrund ist die Bohlenbalkendecke.

BILD CHRISTOF BORNER-KELLER

ANLÄSSE

Cham

Oberägeri

Abba im Lorzensaal

Mehr Platz für die Gesundheit

Die komischste Band der Schweiz

Das Reha-Zentrum Cham hat ausgebaut. Das wird gefeiert – mit einem Tag der offenen Tür.

red. Da kann herzlich gelacht werden: Am Samstag, 25. Oktober, macht die Gruppe Les Trois Suisse Halt in der Aula Maienmatt. Saalöffnung ist um 19.30 Uhr. Ab 19 Uhr ist im Foyer die Kultur-Bar geöffnet. Der Eintritt an der Abendkasse kostet 20 Franken, Kinder zahlen 15 Franken. Reservationen können per E-Mail unter der Adresse claudia.haeusler@oberaegeri.zg.ch getätigt werden.

Cham – Die unvergesslichen Hits der schwedischen Popgruppe Abba sind am Mittwoch, 29. Oktober, 20 Uhr, im Lorzensaal in einer LiveShow zu hören. Abba Gold heisst die Show, die die Songs der Kultband inszeniert. Tickets und Infos auf der Homepage www.dominoevent.ch oder bei Ticketcorner. (red)

Dekorationen zu Halloween Oberägeri – Im Pfrundhaus wird es am Dienstag, 21. Oktober, 14 bis 17 Uhr, gruselig. Für einen Unkostenbeitrag von 3 Franken werden kleine Halloween-Dekorationen gebastelt. Anmeldung bis am kommenden Donnerstag bei Karin Bossard, Tel. 041 750 73 30. (red)

ningsgeräte für Patienten bereit. Bis anhin war dort, wie Maarten Dujin erklärt, der Tierfuttershop der ehemaligen Tierklinik eingerichtet.

ast. An der Hünenbergerstrasse 2 feiert das Reha-Zentrum Duijn & Portengen eine Neueröffnung. Nach dem Abschluss der Umbauarbeiten lädt das Team am kommenden Samstag, 18. Oktober, zum Tag der offenen Tür ins Zentrum für Physiotherapie, Sportrehabilitation und Fitness.

Neu auf drei Stockwerken Bisher befand sich das Rehabilitationszentrum im ersten und zweiten Stock an der Hünenbergerstrasse. Der Fitnessbereich wurde nun um 140 Quadratmeter erweitert. Jetzt stehen auch im Erdgeschoss medizinische Trai-

«Wir haben drei neue Behandlungszimmer», sagt Duijn, der das Zentrum seit Januar 2007 zusammen mit Roland Portengen führt. «Wir verfügen jetzt über insgesamt acht Behandlungsräume.»

Auch ausserhalb Im Team von Roland Portengen und Marteen Duijn arbeiten alles in allem elf Physiotherapeuten und fünf weitere Mitarbeiter. Diese behandeln Patienten aber nicht nur in den eigenen Therapieräumen, sagt Marteen Duijn: «Wir bieten auch Therapien in der AndreasKlinik an.»

Roland Portengen (links) und Marteen Duijn führen das Reha-Zentrum Cham BILD PD seit 2007.

HINWEIS 6 Der Tag der offenen Tür im Reha-Zentrum Cham, Hünenbergerstrasse 2, findet am Samstag, 18. Oktober, von 9 bis 16 Uhr statt. Weitere Infos www.rehazentrumcham.ch 5

Intimer Blick hinter die Kulissen Mit ihrem Programm The Making of begeistert die «komischste Popband der Schweiz», so die Kritiker, das Publikum mit einem intimen Blick hinter die Kulissen. Die Zuschauer erleben, was sich hinter der Bühne wirklich abspielt. Die drei geben selbstironisch Einblick in ihr Innenleben – und erzählen vom schmalen Grat zwischen Erfolg und Fiasko.


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S a m s t a g , 1 8 . O k t o b e r 2 0 0 8 / N r. 2 4 2

DOLFI MÜLLER Zugs Stadtpräsident machte beim Start des Oktoberfestes Seite 22 den Bieranstich. NEUE LUZERNER ZEITUNG

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Volksinitiative in der Stadt Zug

Hochhäuser ja, aber nicht am Seeufer Gebäude sollen in Zug nicht über 25 Meter hoch sein. Die Initianten der Initiative sagen aber nicht generell Nein zu weitern Hochhäusern. V O N K A R L E TT E R

Das Unterschriftensammeln ging gleich in einem: Gegner des Bebauungsplans Belvedere in Zug sammelten Unterschriften gegen die Neuüberbauung des Areals des ehemaligen Kantonsspitals und verhinderten durch ihren Abstimmungssieg die zwei Hochhäuser in Seenähe. Zugleich erhielten sie auf die Initiativbogen Unterschriften für «Hochhausstandorte mit Vernunft». Gestern stellten die Initianten, unter ihnen Martin Spillmann-Parazzini und Carlos Lusser, die Initiative vor, für die der Abstimmungstermin vom 8. Februar 2009 bereits vorgesehen ist.

«Die Stadt Zug hat zwei Heiligtümer: Beide Initianten fürchten die Bebaudas Seeufer und den Zugerberg. Zum ungspläne, mit denen überall wieder Zugerberg schaut die Korporation, Hochhäuser möglich wären. Werden solche von den Bürbeim Seeufer tun wir gern bekämpft, koses», so Spillmann. tet das Zeit, Geld «Wir sind aber keine und Nerven und stifFundis und wollen tet oft Unfrieden. nicht Hochhäuser generell verhindern. Die Initiative Aber es soll nicht Die Initiative will: bald da, bald dort ● Gebäude sollen eines entstehen.» nur bis 25 Meter, also Und Lusser ergänzt: 7 bis 8 Geschosse «Wir sind nicht aus hoch werden. Prinzip gegen Hoch● Hochhäuser solhäuser, wir verstelen im Stadtgebiet hen, dass Stadt und «Die Stadt Zug hat zwei zwischen dem SeeKanton Hochhäuser Heiligtümer: das Seeufer ufer und den Bahnwollen, doch soll und den Zugerberg.» linien Zug–Luzern nicht der ganze KanMARTIN SPILLMANNund Zug–Arthton zugebaut werPA R A Z Z I N I , I N I T I A N T Goldau unmöglich den. Eine moderne sein. Stadt soll Hochhäuser haben.» Wenn Räume für Hochhäu- ● Ein Leitbild definiert mögliche ser ausgeschieden seien, erhöhe sich Standorte für Hochhäuser, ausserhalb dieser Zonen sind solche nicht erlaubt. die Planungssicherheit für Investoren.

Den Initianten schweben Standorte in der Stadt an der Achse Zug–Baar vor. »Glücklicherweise sind innerhalb der vorgesehenen Zone am See in Sachen Hochhäuser noch keine Todsünden passiert», so Lusser.

Parteien zu überzeugen suchen Das Initiativkomitee umfasst etwa die gleichen Personen wie das gegen das Belvedere: Ausser Spillmann und Lusser sind es Susanne Giger Riwar, Erika Weber-Stalder und Aleksander Cvetkovic. Sie wollen auf die Parteien zugehen und das Anliegen erläutern und nahebringen. Spillmann kennt die gesetzlichen Vorgaben anderer Städte: Zürich will keine Hochhäuser am Seeufer. Eine Studie in Basel-Stadt gleicht der Zuger Hochhausstudie, die in den Richtplan einfloss und die Seeufer von Hochbauten freihält, und dem kantonalem Grundsatzpapier mit dem Seeufer als Ausschlussgebiet. Im Weitern fordert das Konzept Berns schlanke Bauten und wenig Schattenwurf.

EXPRESS 6 Zwischen den Bahnlinien und dem See soll es in Zug keine Hochhäuser geben. 6 Ein Leitbild gibt laut den Initianten den Bauherren Planungssicherheit.

Der Stadtrat fasst am Dienstag seine Stellungnahme zur Initiative zuhanden des Gemeinderats. Für die Initianten sind drei Punkte unabdingbar: ein verbindliches Hochhaus-Leitbild, die Schutzzone am Seeufer und der Ausschluss einer späteren «Päcklipolitik». Dies wäre bloss mit Bestimmungen in Bauordnung und Zonenplan möglich, die sich rasch wieder ändern lassen. HINWEIS 6 www.hochhausinitiative.ch (ab 10. November); info@hochhausinitiative.ch (sofort aktiv). 5

Jagdsaison

«Psst, ich glaub, ich hab ein Reh gesehen» Sie pirschen durchs Dickicht und sind verschossen ins Naturerlebnis: Vier Zuger Jäger suchen den Bock.

JAGD UND REGELN

400 Tiere dürfen geschossen werden Im Kanton Zug wird nach dem Patentsystem gejagt. Es gibt sechs Jagdbezirke. Jagdberechtigt ist nur, wer im Kanton Zug den zweijährigen Jagdlehrgang absolviert hat und die Jagdprüfung besteht.

Drei lange Hornstösse und ein Juchzer hinterher: so das Signal, wenn der Bock erlegt ist. Jäger Thomas sorgt mit seiner Vorführung für Gelächter, ansonsten herrscht absolute Ruhe hier im Wald auf dem Walchwiler Berg. Jäger sind Frühaufsteher. Im Halbkreis stehen Klaus, der Versicherungsfachmann, Heiri, der Unternehmer für Landwirtschaftsmaschinen, Thomas, der Rechtsanwalt, und Hugo von der Polizei. Bewaffnet mit einem Becher dampfendem Kaffee und einem Gipfeli. Die Gewehre hängen aufgeklappt über den Schultern. Die tiefgrünen Baumwipfel zeichnen sich vom dunkelblauen Morgenhimmel ab. Ein Hauch von Naturromantik liegt über der Szenerie.

Keine reine Männersache Der Ausbildungsschwerpunkt liegt vor allem im Bereich Sicherheit, Recht und Wildkunde. Die Ausübung der Jagd erfolgt nach strengen rechtlichen Vorgaben. Das Amt für Fischerei und Jagd ist für den Vollzug zuständig und führt mit seinen Wildhutorganen Kontrollen durch. Der Zuger Kantonale Patentjägerverein (ZKPJV) vertritt die Interessen der Zuger Jäger gegenüber der Jagdverwaltung. Der Verein hat rund 300 Mitglieder, rund 10 Prozent davon sind Frauen. Der ZKPJV unterhält eine Nachsucheorganisation: durch die Jagd oder den Strassenverkehr verletzten Tieren wird nachgeforscht. Zudem sorgt er für Aus- und Weiterbildung. Vorgaben des Bundes legen die Ziele der Jagd fest: Erhaltung der Artenvielfalt und Lebensräume (Schutz vor Wildfrass), Artenschutz und nachhaltige Nutzung der wildlebenden Tiere.

Scharfe Kontrollen Die Jagd – ein uraltes Brauchtum zur Regulierung des Wildbestandes und dem Naturschutz verbunden? Oder doch eher das Vergnügen privilegierter Rambos? Schnellen Schrittes bewegen sich die Weidmänner über den Kiesweg, ebenso schnell kommt die Antwort von Klaus: «Einfach das Gewehr

«Jagd ist Passion.» T H O M A S , J ÄG E R

im Herbst rausholen und draufballern, so läuft es nicht.» Scharf geschossen wird erst nach scharfen Kontrollen und Auflagen vom Amt für Fischerei und Jagd (siehe Box). «Jagd ist Passion. Der Jäger hat Respekt vor dem Tier. Jäger müssen charakterstark sein», ergänzt Thomas. Jagdhund Sina schwänzelt vor Vorfreude – sie wird in wenigen Minuten pfeilschnell durchs Dickicht rasen, mit der Schnauze dicht über dem sumpfigen Boden. Im Hochmoor Eigenried hängen Nebelschwaden. Kuhglocken durchbrechen die Stille.

Wirbelndes Herbstlaub Ein lang gezogener Hornstoss erklingt. Jagdleiter Thomas bahnt sich einen Weg durch nasse Gräser und mannshohes Gestrüpp. Gelbe Herbstblätter wirbeln durch die Luft. Schnalzen, glucksen, kreischen: Thomas versucht mit Lauten das Wild aus der Reserve zu locken. Die Schuhe stecken

Das Horn, der Hund, die Flinte und die Jäger: Hugo, Klaus, Heiri und Thomas, der die Richtung vorgibt. im Schlamm, das Herz pocht. Die Jagdkollegen haben Position bezogen. Im Visier sind heute Rehböcke, zwei Tiere dürfen nach Kontingent erlegt werden. Sina bellt. Thomas treibt den Hund an. Mit vereinten Kräften versuchen sie, das Wild aus dem Unterholz zu locken. Drei Hornstösse: Der Trieb ist abgeblasen. «Irgendwas hat sich bewegt. Ich glaub, ich hab ein Schmalreh gesehen», sagt Hugo. Zum Schuss ist niemand gekommen. «Von zehn Gelegenheiten, die sich zum Abschuss bieten, nimmt

man nur eine wahr. Oft schiesst man gar nicht», erklärt Klaus. Die Distanz zum Tier muss unter 35 Meter liegen, die Richtung zum Schulterblatt stimmen – «ganz viele Faktoren müssen zusammenspielen, auch die persönliche Stimmungslage ist wichtig».

Zeit für Melancholie Die Sonne lässt das Jagdgebiet auf dem Walchwiler Berg in den schönsten Farben erleuchten. Thomas ist wieder in den Büschen und läuft die Wild-

BILDER WERNER SCHELBERT

wechsel ab: die Laufwege der Rehe. Das plattgedrückte Gras zeigt sie an. Am Waldrand hat Hugo seinen Platz eingenommen: auf der aufklappbaren Sitzfläche seines Wanderstocks. Rehe seien schnell und schlau, so Hugo. Deshalb hätten die Tiere eine Topchance zu entwischen. Vor dem Ausnehmen der Tiere habe er immer noch grossen Respekt. Jagdpause bei der Hütte des Skiclubs Oberwil. Milder Sonnenschein und ein Cervelat aus dem Rucksack. Da wird

Rehjagd vor allem im Oktober Die Jagdzeit für Hirsche (Rotwild und Damwild) lief vom 1. bis 24. September. Rehwild (Niederwild) darf im Monat Oktober und am 8. und 15. November gejagt werden. Dabei gibt es Zielvorgaben, die das Amt für Fischerei und Jagd publiziert: In den sechs Jagdbezirken dürfen in diesem Jahr 400 Tiere geschossen werden. Bis zum 14. Oktober wurden rund 180 Tiere erlegt. Der Rehwildbestand soll bei rund 1200 Tieren gehalten uc werden.

selbst der Jägersmann melancholisch. «Auf der Lauer hat man Zeit zum Nachdenken. Über Gott und die Welt. Da lässt sich gut vom Beruf abschalten», sind sich die Jäger einig. Die Schrotflinten bleiben bisher stumm. «So, weiter Kameraden», sagt Heiri und schultert sein Gewehr. Die Gruppe zieht weiter durchs Gebüsch. Bald sind nur noch die Rufe des Treibers aus der Ferne zu hören. Der Juchzer wird während des ganzen Jagdtages nicht ertönen – und auch LUC MÜLLER kein Schuss.


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M i t t w o c h , 1 3 . A u g u s t 2 0 0 8 / N r. 1 8 6

MIRIAM DE SEPIBUS Die 23-jährige Degenfechterin aus Baar zeigt bei ihrem Sport Seite 24 ein anderes Gesicht. NEUE LUZERNER ZEITUNG

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Kanalisation

Der rutschige Abstieg in die Unterwelt Hier unten regieren ganz eigene Gesetze: die des Gewässerschutzverbandes. Fehltritte werden dabei sofort bestraft. VON LUC MÜLLER

Die Füsse werden kalt. Kontrollblick: Die Fischerstiefel sitzen. Knapp an den Oberschenkeln fliesst alles vorbei, was der Körper so täglich hergibt. An den grünen Gummistiefeln klebt inzwischen Toilettenpapier. Cham unterirdisch – das war die Idee. Jetzt stehe ich mitten im Friesenchamer Stollen der Kläranla-

ge Schönau. Mit flottem Schritt watet Gemeinden der Region, ausser NeuHans Kramis, stellvertretender Betriebs- heim, sind an die Abwasserhauptleitunleiter des Gewässerschutzverbandes der gen des GVRZ angeschlossen. Neuheim Region Zugersee-Küssnachtersee-Ägeri- hat eine eigene Kläranlage. Auch Gemeinden aus dem see (GVRZ), durch Kanton Schwyz und den feuchten Abwas«Ratten laufen hier nicht Luzern reinigen ihr serkanal. «Ratten Abwasser in Cham. laufen hier nicht rum. Aber ein totes Kalb rum. Aber ein totes Rund 130 000 Beschwamm mir entgegen.» Kalb schwamm mir wohner hängen hier HANS KRAMIS, mal entgegen», eram Abwassernetz, so G E WÄ S S E R S C H U T Z V E R B A N D zählt Kramis, wähdie Angaben vom rend der Lichtkegel Gewässerschutzverseiner Handlampe die Wände abtastet. band-Geschäftsführer Mario Bertschler. Der hält inzwischen mit beiden HänNur keinen Fehltritt den die Leiter fest, die mitten im Geruch? Erträglich. Standfestigkeit? Abwasserkanal an der Wand angelehnt Bestens, aber was ist das unter meinem steht. Eleganter Ausstieg aus der ChaStiefel? Nur keinen Fehltritt jetzt. Alle mer Unterwelt – an den Stiefeln tropft

Wie aus dem Film «Der dritte Mann»: der Weg durch die Kanalisation birgt einige Abenteuer.

das Restwasser ab. «Die Arbeit ist vielfältig. Technik, Umwelt und Biologie. Immer was Neues», sagt Kramis und legt die Stiefel zusammen. Seit rund 30 Jahren ist er dabei.

EXPRESS

75 Kilometer langes Netz Nächste Station Vereinigungsbauwerk Hammer. Der Wagen hält nach kurzer Fahrt über den Waldweg vor einem Betonbunker. Kramis schliesst die grosse Eisentür auf. Wassergetöse dringt ans Ohr, fauliger Geruch in die Nase. Was in der Stadt Zug durch die Toilette gespült wird, fliesst nun als Fluss unter meinen Füssen. Mit grosser Geschwindigkeit. Mario Bertschler schiebt noch ein paar Zahlen nach. 75 Kilometer lang

6 Alle Gemeinden ausser Neuheim reinigen das Abwasser in Cham.

BILD CHRISTOF BORNER-KELLER

6 130 000 Einwohner hängen am Abwassernetz des Gewässerschutzverbandes.

sind die Abwasserkanäle des Gewässerschutzverbandes. 20 Pumpwerke und 10 Regenbecken gehören ebenfalls zum Inventar. Jährlich reinigt die Kläranlage Schönau 19 bis 20 Millionen Kubikmeter Abwasser. Händewaschen im nebenstehenden Betriebshäuschen. Der Griff an die Leiter hinunter zum Kanal hat Spuren hinterlassen. 11.04 Uhr. Obermühlestrasse im Aussengebiet von Cham. Der Boden hat mich verschluckt. Die Eisentreppe führt ins Dunkle. Ein Blick von den Stufen aus muss genügen – der Platz unten im rund 5 Meter tiefen Stollen ist zu eng. Mit vereinten Kräften rücken Bertschler und Kramis den Schachtdeckel mit einem Pickel wieder an die richtige Position. Schon kurz später donnert ein Lastwagen drüber.

Der persönliche Abstieg Der Plan: den Untergrund der Stadt Zug zu betreten. Drei Männer, ein Pickel und die Zuger Kantonalbank fest im Blick. 11.32 Uhr: Alles läuft perfekt. Jeder Handgriff sitzt. An der Vorstadt fliesst der Verkehr in gewohntem Rhythmus. Die Fischerstiefel sitzen. Mein persönlicher Abstieg beginnt. Eine fette Spinne flüchtet aus dem Lichtstrahl ins nasse Dunkel. Eine zweite folgt ihr hektisch. An Spinnweben vorbei führt der Weg Sprosse für Sprosse dem Abwasser entgegen. Der Schachtboden ist erreicht. Hier ist es gefährlich rutschig. Der Strassenlärm von oben vermischt sich mit dem Wasserrauschen von unten. Links führt ein schmaler Weg in Richtung Chamerstrasse. Der Lichtstrahl erfasst ein paar Meter des gewaltigen Schlundes. In gebückter Haltung marschiere ich ein paar Meter dem dunkeln Nichts entgegen. Höhe des Kanals: 1,20 Meter. Das Geräusch eines Busses ist noch dumpf zu hören. In die andere Richtung führt der Kanal bis zum Landsgemeindeplatz. Ich bin ganz unten angekommen und meinem Ziel doch so nah: Zug unterirdisch – einfach oberirdisch gut. Der Aufstieg glückt problemlos. Auf den Schreck gönne ich mir erst einmal einen Gang zur Toilette.

Baar

Strafobergericht

15 Prozent mehr Umsatz für Trumpf

Ein fatales Treffen am späten Abend

red. Nach drei Jahren mit einem Umsatzwachstum von über 20 Prozent erhöhte die Maschinenfabrik Trumpf Schweiz den Umsatz des im Juni beendeten Geschäftsjahrs erneut. Diesmal um 15 Prozent auf 977 Millionen Franken. Weitere Zahlen gibt das deutsche Unternehmen für seine Schweizer Gesellschaft nicht bekannt. Trumpf Schweiz profitierte im vergangenen Geschäftsjahr von der weltweit guten Konjunktur, die das Exportgeschäft kräftig angekurbelt hat. Die Entwicklung im Schweizer Markt trug ebenso zu diesem Wachstum bei. Diese Steigerung ist erneut auf den Erfolg in der Lasertechnologie zurückzuführen, gibt Trumpf bekannt. Flachbettlasermaschinen und Systeme zum Laserbeschriften verzeichneten starke Zuwachsraten. Der Auftragseingang stieg im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent auf 955 Millionen Franken. Im abgelaufenen Geschäftsjahr baute Trumpf Schweiz die Anzahl Arbeitsplätze wiederum aus. Am 30. Juni 2008 beschäftigten die Unternehmen an den Standorten Baar und Grüsch insgesamt 815 Mitarbeiter (763 im Vorjahr), davon 62 Lernende.

Ein Mann soll seine Ex-Frau gewürgt haben. Er hält sich für unschuldig. Das versucht er bereits vor der dritten Instanz zu beweisen. Der 50-Jährige wirkt im Gerichtssaal unscheinbar, aber er kämpft verbissen. Der Mann will seine Unschuld beweisen. Dafür bemüht er bereits die dritte richterliche Instanz. Zweimal ist er schon gescheitert.

Ein Polaroid-Foto als Beweis Das Strafobergericht hat gestern den Vorfall, der sich vor drei Jahren abgespielt hat, nun noch einmal aufgerollt. Es muss beurteilen, ob der Mann von den beiden Vorinstanzen zu Recht wegen einfacher Körperverletzung und Drohung verurteilt worden ist. Der Vorwurf: In nächtlicher Stunde soll der Beschuldigte mit Wurzeln in Kleinasien seine damalige Ehefrau gewürgt und ihr gedroht haben. Als Beweis für sein strafbares Tun liegt ein Polaroid-Bild,

das sie selber fotografiert hat, bei den Prozessakten. Im Weiteren belasten die Äusserungen der Angegriffenen den Mann. In ihrem Urteil hielt die Einzelrichterin fest: «Gemäss ihrem Bekunden habe sie der Beschuldigte am Hals gepackt, das heisst ihren Hals von vorne mit beiden Händen umfasst und derart zugedrückt, dass sie keine Luft mehr bekommen habe.»

Auskunftspersonen hat den Vorfall in vollem Umfang mitverfolgt.

Die Folgen eines Racheaktes? Und hier setzt der Verteidiger ein. Er sagt: «Die Frau will dem Beschuldigten schaden.» Und er glaubt an einen «Racheakt». Seine These untermauert der Rechtsvertreter des Beschuldigten wie folgt: «Fast täglich macht die Frau ihn bei seinen Kindern schlecht. Gemeinsame Bekannte, Freunde, NachVorfall von fünf Minuten Der ganze nächtliche Angriff, so barn müssen schon fast täglich anhöschreibt die Einzelrichterin in ihrem ren, wie schlecht und kriminell der Urteil weiter, habe wohl gegen fünf Beschuldigte sei.» Der Verteidiger ist Minuten gedauert. auch überzeugt, dass Zur Begründung «Der Verteidiger geht die Frau sich die des Schuldspruchs Würgemale selber gegen den Mann mit dem Zweihänder vor.» beigebracht habe. schreibt die RichteS T A A T S A N W A LT Ihm scheint auch rin der Vorinstanz: unwahrscheinlich, «Es sind keine Gründe ersichtlich, warum die Frau ihren «dass eine angeblich bis zur Atemnot Ex-Ehemann zu Unrecht einer straf- gewürgte Person ihrem Peiniger nachrechtlichen Verfolgung hätte aussetzen rennt». Der Anwalt des Beschuldigten vergisst aber auch nicht zu sagen, dass sollen.» Wohl gibt es Zeugen der nächtlichen sein Mandant seine Ehefrau bis zur Auseinandersetzung, doch keine dieser Trennung vor acht Jahren immer gut

behandelt habe. Diese Tatsachen dürften hingegen nicht dazu führen, dass in einem Strafverfahren nur einer Partei geglaubt und wichtige Beweismittel wie auch neutrale Zeugen ignoriert würden, führte der Verteidiger weiter aus.

«Zum Repertoire» Der Staatsanwalt will diese Äusserungen nicht unbeantwortet lassen. Er sagt: «Der Verteidiger geht mit dem Zweihänder vor.» Solche Übergriffe wie derjenige, den das Strafobergericht nun nochmals beurteilen muss, gehören für den staatlichen Anklagevertreter «zum Repertoire des Beschuldigten». Er hat auch keinen Zweifel, dass die Frau die Wahrheit gesagt hat. Der Beschuldigte bleibt aber bei seinem Empfinden: «Ich habe niemandem gedroht, ich habe mich nur verteidigt.» Auf ein eigentliches Schlusswort zum Fall verzichtet er – sagt aber, dass er zeitlebens für die Menschen- wie auch die Frauenrechte gekämpft habe. Ob der dritte Anlauf Erfolg hat, weiss er bald: Das Urteil kommt per Post. MARCO MOROSOLI


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M i t t w o c h , 1 0 . S e p t e m b e r 2 0 0 8 / N r. 2 0 9

KÄTHI LEUTWYLER Ein Unwetter ist schuld, dass sie die Räume der Zuger Märlibühne Seite 27 schliessen muss. NEUE LUZERNER ZEITUNG

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Solarenergie

Zuger bekommen wenig vom Kanton Die Schweizer Solarbranche boomt – verkauft wird aber fast nur ins Ausland. Der Grund: fehlende Förderung. Auch beim Kanton Zug gibt es nicht viel zu holen. V O N N E L LY K E U N E

Normalerweise ist der Kanton Zug in Statistiken immer an erster Stelle zu finden – bei den Steuern oder beim Einkommen zum Beispiel. Normalerweise. Wenn es um die Förderung von Solaranlagen auf Ein- und Mehrfamilienhäusern geht, rangiert der Kanton auf einem der letzten Plätze. Während Musterkantone wie Basel fast die Hälfte einer Solaranlage finanzieren, gibt es beim Kanton Zug bisher nichts zu holen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue WWF-Studie. So knauserig sind in der Region sonst nur noch die Kantone Schwyz und Obwalden. Entsprechend steht erst auf 3 Prozent aller Schweizer Einfamilienhausdächer eine Anlage, schätzt David Stickelberger vom Fachverband Swisssolar. Das, obwohl eine der grossen Schweizer Solarfirmen direkt vor der Haustür in Rotkreuz produziert. In der Schweiz werden laut Swisssolar rund 500 Millionen Franken mit Solartechnologie verdient, 90 Prozent davon allerdings im Ausland. Der Zuger Baudirektor Heinz Tännler ist nicht der Meinung, dass im Bereich Energieeffizienz im Kanton allgemein

Nachholbedarf besteht: «Der Kanton verfügt über einen eher neuen Gebäudebestand, das bedeutet auch, dass die Energieeffizienz hoch ist. Es gibt eine ganze Liste an Aktivitäten bezüglich Energieeffizienz – es wird also nicht wenig getan.» Es sei jedoch richtig, das der Kanton bisher kein Geld zur Förderung von Solaranlagen bereitstelle. «Es bewegt sich aber etwas. Im Frühjahr wurde eine Motion der CVP betreffend Förderung der erneuerbaren Energie erheblich erklärt. Die Baudirektion arbeitet diesbezüglich einen Vorschlag an die Regierung aus.» Dafür zahlen aber schon mehr als die Hälfte aller Zuger Gemeinden Förderbeiträge aus (siehe Kasten).

ren. «Nach Bundesrecht ist auch bei Sonnenkollektoren eine Baubewilligung erforderlich. Daran halten wir uns», sagt Baudirektor Tännler. Je nach Einschätzung der betroffenen Gemeinde könne im Einzelfall aber auch entschieden werden, dass eine einfache Bauanzeige genüge.

Noch nicht mustergültig Bei der Umsetzung der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn) ist in Zug, wie in den anderen Zentralschweizer Kantonen, ebenfalls noch nicht viel geschehen. Die MuKEn sieht unter anderem vor, dass nur 80 Prozent des Wärmebedarfs von Neubauten für Heizung und Wasser mit fossilen Energien geAnlagen müssen deckt werden dür«Komplizierte Bewillibewilligt werden fen. gungsverfahren für die Laut Bruno TrüsLaut Tännler ist Anlagen schrecken ab.» sel, Stadtökologe der der Kanton hier aber BRUNO TRÜSSEL, Stadt Zug, sei jedoch ebenfalls am AufhoS TA D T Ö K O L O G E die Anschubfinanlen: «Der Kanton zierung der Anlagen wird einer der ersten nicht der einzig entscheidende Aspekt sein, der die neuen Mustervorschriften für die wenigen Solaranlagen auf Zugs – die deutlich weitergehe – umsetzt. Ab Dächern: «Komplizierte Bewilligungs- kommenden Jahr soll es so weit sein.» verfahren für die Anlagen schrecken die Darüber hinaus würde auch die RevisiLeute ab. Ich würde mir in Zug da ein on des Bau- und Planungsgesetzes die einfacheres Vorgehen wünschen.» Möglichkeit bieten, Boden gutzumaWährend fünf Kantone bei Solaranla- chen. «Mit der Revision soll auch der gen ganz auf eine Baubewilligung ver- Minergiestandard für Arealbebauungen zichten, gilt in Zug das übliche Verfah- und Bebauungsplänen vorgeschrieben

FÖRDERUNG

EXPRESS

So viel zahlen die Gemeinden

6 Bisher fördert der Kanton Solaranlagen mit keinem Rappen.

300 Franken pro Quadratmeter für thermische Solaranlagen. 1000 Franken pro Kilowatt zertifizierter Spitzenleistung (peak) für netzgekoppelte fotovoltaische Solarenergieanlagen. ● Baar: Je nach Art der Anlage zwischen 300 und 390 Franken pro Quadratmeter für thermische Anlagen. Für netzgekoppelte Anlagen 1000 Franken pro kW peak. ● Cham: Sockelbeitrag zwischen 1000 und 1500 Franken sowie zwischen 200 und 300 Franken pro Quadratmeter. Netzgekoppelte Anlagen: 2000 Franken pro kW peak. ● Steinhausen: 300 bis 390 Franken für thermische, 1000 Franken pro kW peak. ● Risch-Rotkreuz: keine Förderung ● Hünenberg: 300 Franken pro Quadratmeter, 1000 Franken pro kW peak. ● Unterägeri: Energieförderpreis dotiert mit 20 000 Franken im Jahr. In diesem Jahr haben sich fünf Projekte beworben. ● Oberägeri: Bisher keine Förderung, ist aber im Rahmen der Bewerbung um das Label Energiestadt geplant. ● Menzingen: keine Förderung ● Walchwil: keine Förderung ● Neuheim: keine Förderung ny ● Zug:

HINWEIS 6 Mehr Infos zur unter wwf.ch/studien 5

6 Dafür gibt es aber von mehr als der Hälfte der Gemeinden einen Beitrag.

werden», sagt Tännler. «An dieser Stelle könnten Vorschriften bezüglich Sonnenkollektoren einfliessen.» Das sei aber noch offen.

Mieter wollen Solarstrom Obwohl sich etwas bewegt im Kanton, ist Zug bisher nur bei den steuerlichen Abzugsmöglichkeiten der Anlagen top. Das, obwohl laut dem WWF eine kantonale Förderung das Vertrauen in die Technologie stärken würde. Das streitet Tännler nicht ab: «Natürlich ist die Förderung von erneuerbarer Energie nicht allein Sache der Gemeinden. Die Angebote von Kanton und Gemeinden müssen sich ergänzen, dürfen sich aber nicht konkurrenzieren.» Und längst wecken solche Anlagen nicht nur das Interesse von Investoren und Bauherren, sondern auch die Mieter verlangen heute danach. Laut WWF sei das Bedürfnis nach Warmwasser dank Sonnenkollektoren bei den Mietern sogar grösser als bei Hausbesitzern. In einer früheren Umfrage gaben 90 Prozent an, dass sie Solarstrom wollen. Zwei Drittel waren auch bereit, dafür mehr zu bezahlen.

Klub Langer Menschen

Schon von klein auf mit Grösse gesegnet Selbstironie und Selbstbewusstsein sind gross bei ihnen. Kleingeister entlarven sie mit Schlagfertigkeit – nur im Flugzeug hilft nichts. «Gibts die auch in 49?» Beim Schuhkauf ist das die Standardfrage von Joris Kuhn. Er lebe halt auf grossem Fuss – stehe da aber drüber. Der 29-Jährige aus Baar beweist Humor. Seine Körperlänge von 2 Metern macht ihn zum Mitglied beim Klub Langer Menschen (KLM), Sektion Zürich. Auch Barbara Ochsner, Präsidentin des KLM Zürich, pariert Anspielungen schlagfertig. Auf die obligate Frage, ob sie Basketball spiele, antwortet sie jeweils cool: «Nein, aber machst du Minigolf?» Bohrende Blicke, Getuschel hinter dem Rücken, staunende Kinder – die 1,94 Meter grosse Chamerin hat gelernt, damit umzugehen. «In der Masse abtauchen ist nicht möglich. Das würde man sich schon mal wünschen», sagt die 32-Jährige. Das Selbstbewusstsein hat sie von zu Hause mitbekommen. Die Mutter sei zwar nur 1,70 Meter gross, die Schwester aber auch 1,82 Meter. Und die Cousinen seien ebenfalls gross gewachsen. Eine überdurchschnittliche Körpergrösse war für Ochsner so ganz normal. Als 10-Jährige haben die Eltern aber wegen ihrer Grösse den Arzt aufgesucht. Mittels Röntgenbild der Handknochen stellte der Arzt die Prognose: Das Mädchen werde bis 1,88 Meter gross. Heute kämpft sie ab und zu mit Bein- und Armschmerzen sowie Platzproblemen im Flugzeug. Kuhn hat Schmerzen im dem Kreuz: Die Rückenwirbel sind zu schnell gewachsen. 2 Meter und mehr – in Kanada nichts Extravagantes. «Der Besuch in Übersee war ein Schlaraffenland für mich. Schuhe und Kleider in Übergrösse und erst noch topmodisch», schwärmt Kuhn. In der Schweiz sei alles erhältlich, aber Spezialbett, -schuhe, -kleider, das gehe

alles ins Geld. «Viele denken, Grosse haben es im Leben viel leichter als Kleine. Das stimmt definitiv nicht», ärgert sich Kuhn. «Gstabig und unbeweglich. Das ist das Vorurteil, das ich öfters höre», so die Vereinspräsidentin, die als Bewegungspädagogin arbeitet.

Gross und schlank als Ideal Und die Vorteile einer überdurchschnittlichen Körpergrösse? «Das Schönheitsideal ist schlank und gross. Nicht klein und dick», so Joris Kuhn schelmisch. Und Barbara Ochsner doppelt nach: «Früher im Ausgang wurde ich schon öfters von grossen Männern angesprochen.» Inzwischen ist sie

«Nein, aber machst du Minigolf?» BARBARA OCHSNER, KLUB LANGER MENSCHEN

Alles andere als von oben herab: Barbara Ochsner, Präsidentin Klub Langer Menschen Zürich, und Mitglied Joris Kuhn. BILD DOMINIK HODEL

glücklich liiert: mit einem kleineren Mann. «Auch meine Partnerin müsste nicht gleich gross sein. Das spielt gar keine Rolle», erzählt Joris Kuhn. Als grosser Mann erlebt er auch amüsante Geschichten. Beim Einkaufen im Supermarkt sehe er zuoberst auf die Regale drauf. «Meist ist es hier oben sehr staubig. Ich hab mit meinem Finger schon ‹bitte putzen› in die Schmutzschicht geschrieben.» Dem Klub können Frauen ab 1,80 Metern und Männer ab 2 Metern beitreten. «Unser Klub ist keine Selbsthilfegruppe. Wir, rund 200 Mitglieder, haben Fun zusammen», erklärt Barbara Ochsner. Sie geniesst jeweils den Ausgang mit gleich Grossen. «Beim Gespräch höre ich alles. Mit kleineren Freundinnen ist es schwieriger, das Gespräch findet immer tief unten statt. Bei lauter Musik verstehe ich so fast nichts», sagt sie mit einer ganz grossen LUC MÜLLER Portion Selbstironie. HINWEIS 6 Wer Mitglied des KLM werden will, findet alle Infos unter: www.klm-schweiz.ch 5


Donnerstag, 23. Oktober 2008 / Nr. 246

Z U G E R G E M E I N D E N 21

Neue Zuger Zeitung

NACHRICHTEN

Hünenberg

Firma wird übernommen

Einsatz nicht nur bei Krisen

Unterägeri – Die SchleunigerGruppe, die seit einigen Monaten zur Metall Zug gehört, hat per 1. Juli die ebenfalls im Bereich Kabelmaschinen tätige Pawo Systems AG, Unterägeri, übernommen. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, bedeute der Schritt für Pawo eine frühe Nachfolgeregelung, für die Schleuniger-Gruppe strategische Weiterentwicklung. Arbeitsplätze, Firmenstandorte und der Firmenname von Pawo blieben erhalten. Die Pawo AG wurde 1980 von Paul Woecke in Baar gegründet, der Umzug nach Unterägeri erfolgte 2000. (red)

460 Fahrzeuge mehr als 2007 Baar – In der Gemeinde Baar waren per Ende September 12 268 Personenwagen, 849 Lieferwagen, 118 Lastwagen, 31 Cars und Kleinbusse, 1401 Motorräder, 260 Landwirtschaftsfahrzeuge und 107 Arbeitsfahrzeuge gemeldet. Das sind laut einer Mitteilung der Gemeinde mit allen übrigen Fahrzeugarten total 16 057 Fahrzeuge und somit 460 mehr als im Vorjahr. Im Kanton Zug seien, so die Gemeinde, 83 702 Fahrzeuge im Verkehr. (red)

Cham

Sport und Spiel auch am Sonntag red. Am kommenden Sonntag sind alle Interessierten zum Projektstart von «Open Sunday Cham» – die offene Turnhalle am Sonntag – eingeladen. Sie können sich in der Turnhalle Röhrliberg über das Konzept von Midnight-Projekte Schweiz informieren.

Für Kinder in der Primarstufe Der Open Sunday findet ab 26. Oktober jeden Sonntag in der Turnhalle Röhrliberg statt. Hier können sich Kinder von der 1. bis zur 6. Primarstufe bei Spiel und Sport treffen. Ziel sei es, Kinder auch während der Wintermonate am Sonntagnachmittag zu Bewegung zu motivieren und neben der Gesundheit auch die soziale Integration zu fördern, schreibt die Gemeinde. Corinne Sigrist ist die sportpädagogische Leiterin der Sonntagnachmittage und Ansprechperson für Eltern und Kinder. HINWEIS 6 Projektstart am Sonntag, 26. Oktober, Turnhalle Röhrliberg. Hallenöffnung ist um 13.30 Uhr. Apéro um 14.15 Uhr. 5

IMPRESSUM Redaktion Neue Zuger Zeitung: Christian Peter Meier (cpm), Chefredaktor; Nelly Keune (ny), stv. Chefredaktorin; Jürg J. Aregger (JJA), Dienstchef; Wolfgang Holz (wh), Chefreporter; Kanton/Stadt Zug: Yvonne Anliker (any), Ressortleiterin a.i.; Karl Etter (ke); Chantal Desbiolles (cd); Andreas Oppliger (opp), red. Mitarbeiter; Zuger Gemeinden: Monika Wegmann (MW), Ressortleiterin; Luc Müller (uc); Andrée Stössel (ast), red. Mitarbeiterin; Freiamt: Bianca Theus (bts), red. Mitarbeiterin; Sport: Charly Keiser (kk), Leiter; Adrian Lustenberger (lua), red. Mitarbeiter; Kultur: Markus Mathis (mam); Fototeam: Christof Borner-Keller (CB), Leiter; Werner Schelbert (WS), Stefan Kaiser (STK); Sonntagsausgabe: Sarah Kohler (sak). Verlag: Daniel Troxler, Leiter Verlag Zug. Anzeigen: Markus Odermatt, Filialleiter Publicitas. Redaktionsleitung Neue Luzerner Zeitung und Regionalausgaben: Chefredaktor: Thomas Bornhauser (ThB); Stv. Chefredaktor/überregionale Ressorts: Stefan Ragaz (az); Regionale Ressorts: Stefan Inderbitzin (sti); Sport: Andreas Ineichen (ain); Gruppe Gesellschaft und Kultur: Arno Renggli (are). Ressortleiter: Nachrichten: Dominik Buholzer (bu); Sven Gallinelli (sg); Politik: Politik: Fabian Fellmann (ff); Markt/Wirtschaft: Inge Staub (ist); Gesellschaft und Kultur: Arno Renggli (are); Zentralschweiz: Cyril Aregger (ca); Sport: Andreas Ineichen (ain); Piazza: Hans Graber (hag); Dossier: Iwona Meyer-Swietlik (im); Montag: Manuel Gübeli (mag); APERO: Thomas Huwyler (huwy); Zisch: Robert Bachmann (bac); Fotos: Eveline Bachmann (ev). Ombudsmann: Dr.AndreasZ’Graggen,andreas.zgraggen@neue-lz.ch Herausgeberin: Neue Luzerner Zeitung AG, Maihofstrasse 76, Luzern. Erwin Bachmann, Delegierter des Verwaltungsrates, E-Mail: erwin.bachmann@lzmedien.ch Verlag: Jürg Weber, Geschäfts- und Verlagsleiter; Ueli Kaltenrieder, Lesermarkt; Bruno Hegglin, Werbemarkt; Edi Lindegger, Anzeigenmarkt. Adressen und Telefonnummern: 6301 Zug, Bundesplatz 14, Postfach. Redaktion: Telefon 041 725 44 55, Fax 041 725 44 66, E-Mail: redaktion@neue-zz.ch. Abonnemente und Zustelldienst: Telefon 041 725 44 22, Fax 041 725 44 11. E-Mail: abo@lzmedien.ch Billettvorverkauf: Tel. 0900 000 399 (60 Rp./Min.). Technische Herstellung: Neue Luzerner Zeitung AG, 6002 Luzern, Maihofstr. 76, Postfach, Tel. 041 429 52 52, Fax 041 429 52 89. Anzeigen: Publicitas AG, Bundesplatz 14, Postfach, 6304 Zug, Telefon 041 725 44 44, Fax 041 725 44 33. Agenturleiter: Markus Odermatt. Fax für Todesanzeigen an Sonn- und Feiertagen: 041 725 44 66. Abo-Preis: 12 Mt. Fr. 362.–/6 Mt. Fr. 189.– (inkl. 2,4% MWSt). Die irgendwie geartete Verwertung von in diesem Titel abgedruckten Anzeigen oder Teilen davon, insbesondere durch Einspeisung in einen Online-Dienst, durch dazu nicht autorisierte Dritte ist untersagt. Jeder Verstoss wird gerichtlich verfolgt.

Ab Sommer 2009 schickt Hünenberg einen Sozialarbeiter in die Schule: Er soll auch den Eltern helfen.

EXPRESS 6 Verschiedene Zuger Gemeinden haben die Schulsozialarbeit eingeführt. 6 Die Gemeinde Hünenberg hat im Budget 2009 dafür einen Betrag eingesetzt.

INTERVIEW VON MONIKA WEGMANN

Der Gemeinderat hat den Entscheid gefällt: Ab dem Schuljahr 2009/10 wird in Hünenberg die Schulische Sozialarbeit eingeführt. Dieser Bereich wird dem Sozialamt angegliedert. Wie Christian Bollinger, Leiter der Sozialabteilung, sagt, wurde bereits ein Betrag in das Budget 2009 aufgenommen. Gibt es gravierende Probleme, weil der Gemeinderat die Schulische Sozialarbeit einführen will? Christian Bollinger: Überhaupt nicht. Die Einführung der Schulsozialarbeit ist eines der Legislaturziele des Gemeinderates bis 2010. Das Sozialamt hat vorgängig einen Bericht erarbeitet. Darin wird aufgezeigt, wie Probleme gelöst werden können und wie die Erfahrungen mit der Schulischen Sozialarbeit in den anderen Gemeinden sind. Wenn in Hünenberg die Welt noch heil ist, warum braucht es dann die Schulische Sozialarbeit? Bollinger: Unser Ziel ist die Verbesserung der sozialen Dienstleistungen für Kinder, Jugendliche und Familien. Die Sozialarbeit kommt meist dann zum Einsatz, wenn es Krisen gibt. Ich verstehe sie aber ebenso als Beitrag zur Verbesserung des Zusammenlebens. In der Schule stellt sie eine Chance dar, präventiv zu arbeiten. Wieso will sich die Schule um die Familien kümmern? Bollinger: Der Fokus der Schulischen Sozialarbeit richtet sich nicht nur auf

Welches Pensum wird die Stelle beanspruchen? Bollinger: Da im Schulhaus Eichmatt Kinder aus Cham und Hünenberg zusammentreffen, ist hier ein Pensum von 40 Prozent vorgesehen. Cham hat bereits die Schulische Sozialarbeit eingeführt. Für die übrigen Hünenberger Schulhäuser kommen noch 20 Prozent dazu. Das Konzept für die Schulische Sozialarbeit steht: Christian Bollinger, Leiter des Sozialamtes, ist dafür zuständig.

Wie sind die Erfahrungen in den übrigen Gemeinden? Bollinger: Grundsätzlich positiv. Neuheim, Walchwil und Hünenberg haben bis jetzt aber noch kein Angebot. In Menzingen ist jetzt ein Pilotprojekt gestartet. In Steinhausen existiert die Schulische Sozialarbeit schon länger und ist voll ausgelastet.

BILD WERNER SCHELBERT

den einzelnen Schüler oder die Gruppe. In einer Umfrage ist zum Ausdruck gekommen, dass auch Familien einbezogen werden sollten. Beispielsweise bei Verwahrlosung oder wenn ein Kind unter strengen Eltern leidet. Liegen die Probleme im sozialen Bereich, muss man mit den Eltern reden. Probleme mit Kindern in der Schule werden normalerweise von den Lehrern selber gelöst? Bollinger: Bis jetzt ist dies so abgelaufen. Zum Teil hat die Lehrperson den schulischen Heilpädagogen oder bei gröberen Problemen die Vormund-

schaft eingeschaltet. Der Schulische Sozialarbeiter kann näher mit Lehrern und Kindern zusammenarbeiten. Durch seine Anwesenheit im Schulhaus werden die Lehrpersonen gestärkt und die Früherkennung wird verbessert. Und wo liegen die Grenzen der Schulischen Sozialarbeit? Bollinger: Sie kann die vormundschaftlichen Behörden nicht ersetzen und keine Wunder bewirken. Doch sie kann dazu beitragen, schwierige Situationen im Schulhaus besser zu meistern.

Die Schule muss immer mehr Erziehungsarbeit leisten, für die eigentlich die Eltern zuständig wären. Bollinger: Die heutige Welt ist kompliziert. Von daher sollten auch die Schulen und Institutionen den Nachwuchs auf die Aufgaben in der Gesellschaft vorbereiten. Natürlich ist die Erziehung eigentlich eine Aufgabe der Familie. Aber scheinbar können nicht alle Familie dies gewährleisten. Die Schulische Sozialarbeit kann hier einen Beitrag leisten, damit die Kinder ihren Weg finden. Wir machen das vor allem für die Jugend.

Unterägeri

Der Holzpreis spaltet die Gemüter Die Grosssägerei vor Ort ist unzufrieden mit der Offerte für das Holz aus dem heimischen Wald. Alles sei marktgerecht, so die Antwort. Wo gehobelt wird, da fallen Späne: Bruno Zimmermann ist einiges gewohnt im hart umkämpften Sägereigeschäft – doch nun hat er genug. Der Besitzer der einzigen Grosssägerei im Kanton Zug ärgert sich über die Korporation Unterägeri und vor allem über den Waldwirtschaftsverband des Kantons Zug, der die Holzpreise bestimmt. Dieser vermarktet zentral das Holz aller Korporationen im Kanton. «Seit 60 Jahren kaufe ich Holz der Korporation Unterägeri. Ich darf ruhig behaupten, dass ich der grösste Kunde der Korporation bin», erzählt Zimmermann. Bisher habe es keine Probleme gegeben, doch nun seien die Verantwortlichen beim Waldwirtschaftsverband (WV) Zug auf dem Holzweg. Dieser verkaufe grundsätzlich Trämel, auf zwei bis drei Grundmasse geschnittenes Holz, und Langhölzer, ganze Baumstämme. «Für Trämel braucht es viel mehr Arbeitsschritte, die geschnittenen Hölzer müssen noch nach Länge sortiert werden», so Zimmermann. Beim Langholz hingegen könnten die Baumstämme einfach hingelegt werden.

Billiger im Kanton Zürich «Obwohl viel weniger Arbeit anfällt, ist der Preis für die Langhölzer höher als für Trämel», ärgert sich der Sägereibesitzer. 5 Franken mehr sollte Zimmermann anfangs zahlen, nach Verhandlungen mit dem Waldwirtschaftsverband seien es nun noch 3 Franken mehr. Das sei unverständlich. Die meisten Kunden kauften Trämel, er sei einer der wenigen, der noch Langholz brauche. «Im Kanton Zürich sind die Preise für Trämel und Langholz gleich.» Die ausländischen Kunden kauften nur Trämel. «So bezahlen ausländische Sägereien eigentlich weniger für Korporationsholz als ich hier vor Ort», rechnet Zimmer-

Bruno Zimmermann, Chef der gleichnamigen Sägerei, ärgert sich über die aktuellen Preise für Langholz. Das Preisangebot sei gut, Zimmermann vor. Er hat für dieses Jahr 1700 Kubikmeter Holz beim Waldwirt- mann werde nicht über den Tisch schaftsverband bestellt: davon 700 Ku- gezogen, ergänzt Iten. Es sei ihm freigestellt, ob er das Holz bikmeter Langholz, zu diesem Preis kaudas er unbedingt «So bezahlen ausländische fe oder nicht. braucht. Denn er Sägereien für Korporaschneidet das Holz tionsholz eigentlich Nur selbst in ganz verPreisempfehlung schiedene Längen. weniger als ich vor Ort.» Langholz werde Wegen des LangBRUNO ZIMMERMANN, auf dem Mark zu holzpreises hat sich SÄGEREIBESITZER teureren Preisen anZimmermann direkt geboten, erklärt Ruebei der Korporation di Bachmann, Geschäftsführer des Unterägeri beschwert. «Wir konnten ihm nicht weiterhelfen. Waldwirtschaftsverbandes des Kantons Wir verkaufen unser Holz zentral beim Zug. Denn Langholz könne nur an Waldwirtschaftsverband», so Adrian gewissen Stellen im Wald rausgeholt werden, und zudem würden schönere Iten, Forstchef der Korporation.

BILD STEFAN KAISER

Holzpartien verwendet. Er habe Zimmermann auf der Basis der Preise des Kantons Zürich eine Offerte gemacht. Dort seien die Preise für Trämel und Langholz gleich. Es handle sich dabei aber nur um eine Preisempfehlung. Mit 3 statt 5 Franken Mehrkosten für das Langholz sei man Zimmermann schon sehr entgegengekommen, so Bachmann. «Lässt er das Langholz aus Zürich kommen, zahlt er definitiv mehr.» Die Rundholzvermarktung habe die Korporation Unterägeri an die Geschäftsstelle des WV Zug delegiert, was von der Firma Zimmermann nicht akzeptiert werde. LUC MÜLLER


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M o n t a g , 2 . F e b r u a r 2 0 0 9 / N r. 2 6

PETER SCHÖN Am Samstag hat er das Zepter übernommen. Für ein Jahr ist er nun Seite 27 Faschallminister. NEUE LUZERNER ZEITUNG

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Leinenpflicht

Im Detail liegt der Hund begraben Der Kanton lässt die Gemeinden bezüglich Hunderegelungen an der langen Leine – was diese nicht schätzen.

nenberger Reglements 2008 gekippt. Im gültigen Hunderegelwerk der Gemeinde Risch aus dem Jahre 1982 ist jedoch explizit aufgeführt, dass die Vierbeiner in der Nacht und in Wäldern an der Leine zu führen sind.

VON LUC MÜLLER

Gemeinden warten auf Kanton Ein Blick in die Reglemente der Zuger Gemeinden macht also klar: Ein allgemein gültiges Gesetz bezüglich Leinenpflicht fehlt. So existiert beispielsweise in Unterägeri kein Hundereglement. In öffentlichen Anlagen sind die Tiere aber an der Leinen zu führen, was ein Passus aus dem Reglement über die Benutzung von öffentlichen Anlagen und Gebäuden ausweist. Wieder anders sieht es in der Gemeinde Oberägeri aus: Seit 1992 besteht ein Hundereglement. Ein Leinenzwang ist darin nicht festgeschrieben. Geregelt ist jedoch, dass bissige Hunde an der Leine zu führen sind, was auf Anzeige hin geprüft und allenfalls aus-

Seit dem 1. Januar wissen die Hundebesitzer in Hünenberg ganz genau, wann sie ihren vierbeinigen Liebling an die Leine nehmen müssen: «In öffentlichen Lokalen und auf öffentlichen Anlagen sowie in Naturschutzgebieten.» So steht es neu im redigierten Hundereglement. Zudem dürfen Hunde während der Vegetationszeit in landwirtschaftlichen Kulturen nicht laufengelassen werden. Ursprünglich sollte die Leinenpflicht auch bei Dunkelheit und in Wäldern gelten (siehe Box), doch der Regierungsrat hat diese beiden Punkte bei der Genehmigung des revidierten Hü-

geführt wird. In der Stadt Zug gibt es auch kein Reglement für die Vierbeiner. Die Badeverordnung sagt hingegen klar aus, dass zu offiziellen Badeplätzen wie beispielsweise dem Brüggli keine Tiere mitgenommen werden dürfen. Zudem verlangt die Verordnung über den Schutz von öffentlichen Anlagen, dass die Hunde hier an der Leine zu führen sind. Die Gemeinde Menzingen kennt ebenfalls kein Hundereglement und keinen Leinenzwang. Gemeindeschreiber Peter Bugmann bringt auf den Punkt, was viele Gemeinden denken: «Wir warten auf eine allgemeingültige Regelung von Seiten des Kantons. Es macht keinen Sinn, dass jede Gemeinde selbst ein Hundereglement erarbeitet.»

Regelung für Naturschutzgebiet Der Kanton schreibt im Gesetz über den Natur- und Landschaftsschutz vor, dass die Einwohnergemeinden für Na-

turschutzgebiete von lokaler Bedeutung Schutzmassnahmen treffen können. Die Gemeinden sprechen deshalb in diesen Gebieten einen Leinenzwang aus. Für die Einhaltung der Vorschriften ist die Zuger Polizei verantwortlich. Weiterführende Regelungen bestehen nach Angaben von Paul Schmuki, Generalsekretär der Direktion des Innern, auf Kantonsebene aber nicht.

Neuer Sachkundenachweis Auch auf Bundesebene gibt es kein Gesetz, das den Leinenzwang verbindlich regelt. Die revidierte Tierschutzverordnung stellt jedoch Anforderungen an neue Hundehalter. Seit September 2008 müssen Personen, die sich erstmals einen Hund anschaffen, einen Sachkundenachweis ablegen. «Wir warten zuerst ab, wie sich die neuen Bundesregelungen für Hundehalter auswirken. Wir schauen, welche Resultate die Vorschriften für die Hundekurse bringen», sagt Schmuki. Vorher

EXPRESS 6 In den Gemeinden ist der Leinenzwang unterschiedlich geregelt. 6 Der Kanton macht nur Aussagen zu Massnahmen in Naturschutzgebieten.

würden im Kanton keine neuen Regelungen ausgearbeitet. Ab April werden solche Hundekurse beispielsweise bei Agility Team und Hundeschule in Niederwil angeboten. «Einen allgemeinen Leinenzwang lehne ich ab. Das ist keine artgerechte Haltung», erklärt Lingg, der die Hundeschule seit über zehn Jahren leitet. Auf öffentlichen Plätzen oder in Strassennähe sei es aber vernünftig, den Hund anzuleinen – auch zum Schutz des Hundes.

HÜNENBERG

Zwei Anzeigen seit dem 1. Januar Das Hundereglement der Gemeinde Hünenberg kam am 18. Juni 2007 wegen einer Teilrevision vor die Gemeindeversammlung. Dabei stimmte der Souverän einem Antrag zu, der den Leinenzwang umfassend regeln sollte. Gegen die Entscheidung der Gemeindeversammlung wurde Beschwerde beim Regierungsrat eingereicht. Weil der Beschwerdeführer jedoch die erforderlichen Vorkosten für den Antrag nicht bezahlt hat, trat der Regierungsrat gar nicht erst auf die Beschwerde ein.

In den Gemeinden des Kantons Zug gibt es verschiedene Regelungen bezüglich Leinenpflicht für Hunde.

BILD FABIENNE ARNET

Keine Anzeige bisher Im revidierten Hundereglement hat der Regierungsrat den Leinenzwang bei Dunkelheit und in Wäldern nicht genehmigt. «Waldgebiete liegen allgemein nicht in der Zuständigkeit von Gemeinden, deshalb hat der Regierungsrat die Regelung ausgenommen», erklärt Paul Schmuki, Generalsekretär der Direktion des Innern. Nach einer Güterabwägung habe der Regierungsrat zudem den Leinenzwang bei Dunkelheit als unverhältnismässig beurteilt. Seit dem 1. Januar gab es zwei Anzeigen wegen freilaufender Hunde im Hünenberger Naturschutzgebiet im Reussspitz, wie Gemeinderätin Renate Huwyler (Sicherheitsvorsteherin) erklärt. Sporadisch macht die Zuger Polizei hier Kontrollgänge in dem Gebiet. uc

Bezirksgericht Zürich

«Er rammte mir das Knie mit Wucht ins Gesicht» Ein Basler brach einem Zuger Wasserballspieler die Nase. Letzterer zog daraus die Konsequenzen. «Er ist ein grosses Talent gewesen, hat nun aber aufgehört», bedauert Markus Suter, Trainer der Wasserball Nationalliga-B-Mannschaft des Schwimmclubs Zug, den Abgang seines ehemaligen Spielers Kevin Steinmann. «Er sagte mir, das Richten seiner Nase sei so mühsam, dass er sich das nicht noch einmal antun wolle.» Doch was hat das Ende von Steinmanns Karriere mit seiner Verletzung zu tun? «Wasserball ist in der Regel sehr fair, und es gibt kaum gravierende Verletzungen», sagt Suter. Dies ganz im Gegensatz zu vielen anderen Mannschaftssportarten. Doch auch im Was-

serball sind die Sportler nicht vor Verletzungen gefeit. Vor allem die Nase sei exponiert, ergänzt der Trainer.

Absichtliche Tätlichkeit Und genau dieser Körperteil stand im Zentrum der Geschehnisse am 12. November 2006 in Leimbach bei der U 19-Begegnung zwischen dem Schwimmclub Zug und dem Schwimmverein beider Basel. «Der Gegner hat mit der Hand meinen Kopf gepackt, und dann rammte er mir das Knie mit voller Wucht ins Gesicht. Die Folge war ein gebrochenes Nasenbein», schildert Kevin Steinmann die Situation. Die Basler seien immer aggressiver geworden, weil sie gegen das vermeintlich schwache Zug in Rückstand geraten seien, erinnern sich Steinmann wie Suter. Ob gar der Basler Trainer einen seiner Spieler auf Steinmann gehetzt habe, mit dem Auftrag, ihn «aus dem

den. «Meinem Bruder, der auch mitspielte, drohte der Täter ebenfalls und sagte ihm: Wenn Du nicht ruhig bist, dann mache ich das auch mit dir.» Für Steinmann ist deshalb klar: «Er hat das mit Absicht getan, und der Ball war sowieso weit weg.» Ein Grund also, um in Freispruch Revision zu gehen? Das Bezirksgericht Fehlanzeige: «Ich Zürich hat nun aber ziehe es nicht wei«Er hat das den Basler Spieler ter», resigniert Steinfreigesprochen. Der mann. Sein Anwalt mit Absicht getan.» Angeklagte beteuersähe nur eine gerinKEVIN STEINMANN, te seine Unschuld ge Siegchance, da es E H E M A L I G E R WA S S E R B A L L E R und erklärte, er habe im Amateursport, seinen Gegner nicht fernab der Kameras, mit Absicht, sondern bei einem Zwei- meist keine hieb- und stichfesten Bekampf um den Ball verletzt. Steinmann weise gäbe, «um solche Brutalos» zu ist jedoch mit dem Urteil nicht zufrie- überführen.

Spiel zu nehmen», sei durchaus wahrscheinlich, so Suter. «Denn Kevin war einer der Besten auf dem Feld.» Er habe die Tat jedoch nicht gesehen, denn sie sei abseits des Spielgeschehens passiert. «Ich habe dem Ball nachgeschaut», stellt der Trainer klar.

Ist also Wasserball gar nicht so ungefährlich? «Doch es ist», erklärt Suter: «Beim Wasserball hat es bislang weltweit nur einen einzigen Todesfall gegeben», erklärt der Betriebsleiter des Wasser Sport Centers Leimbach. Grund sei eine Halskette gewesen, die die Halsschlagader durchtrennt habe. Seit dem Vorfall sei Schmuck im Wasserball reglementarisch verboten. Der Vorfall in Leimbach sei zudem nur ein Einzelfall. «Mir fällt allerdings auf, dass gewisse Spieler schon häufiger Gewalt anwenden als andere, halt so wie im normalen Leben», fügt Markus Suter an. Er hofft weiterhin, dass Steinmann zum Wasserball zurückkehren wird. «Nein, die Chancen sind sehr gering», sagt dieser jedoch. Er habe genug. «Ich werde mir in diesem Jahr in einer weiteren Operation das Loch in der Nasenscheidewand korrigieren lassen müssen.» C H A R LY K E I S E R


28 Z U G E R G E M E I N D E N

NACHRICHTEN Raiffeisenbank mit neuer Leiterin Walchwil – Die Geschäftsstelle der Raiffeisenbank Zug in Walchwil hat jetzt ein neu zusammengesetztes Team. Angela Lanker (Bild) ist die neue Geschäftsstellenleiterin. Laut Mitteilung kennt sie das Bankgeschäft von Grund auf. Sie war in den letzten elf Jahren in führender Position für Raiffeisen tätig. Angela Lanker wird unterstützt von André Tamai, seit sieben Jahren Kundenberater, und Mathias Weber, Berater mit Spezialkenntnis Anlagen. (red)

Baar

Insider auf dem Räbethron Kurz nach 19 Uhr kam es am traditionellen Martinimöhli zum Höhepunkt des Abends, als der Obmann der Ehrengilde, Erich Hug, den neuen Räbevater ankündigte. Ohne Fanfaren, aber mit leichtem Bammel, wie der designierte Räbevater sagte, betraten Martin und Sandra Neese-Hörning das «Maienriesli», wo sie mit einem herzlichen Applaus begrüsst wurden und allen Spekulationen ein Ende bereiteten. Anscheinend hatte eine Bemerkung, die der Obmann am 11. 11. zur Person des neuen Oberhauptes machte, im Vorfeld zu wilden Vermutungen geführt. Sein Hinweis, dass es sich beim Neuen «nicht um einen Ersten» handle, genügte, um die Gerüchteküche in Gang zu setzen.

Mit der Fasnacht verbunden Ob es nun der erste oder zweite Martin ist, dürfte weniger von Belang sein als die Tatsache, dass mit Martin und Sandra Neese zwei erprobte Fasnächtler ins hohe Amt berufen wurden. Als langjähriger Lakai und verdientes Vorstandsmitglied der Fasnachtsgesellschaft weiss der designierte Räbevater genau, was ihn erwartet. Dabei kam er, wie er selber sagte, rein zufällig zur Fasnacht. Als Student sei er vor 25 Jahren kurzfristig für seinen Studienkollegen Andreas Hotz als Zeremonius eingesprungen, was ihm so gut gefallen habe, dass er sieben Jahre als Lakai mitmachte. In diesem Zeitraum bekam die Fasnacht für ihn eine ganz besondere Bedeutung: Er lernte nämlich seine zukünftige Frau kennen, die als Ehrendame im Einsatz stand. Trotz oder vielleicht gerade wegen des Insiderwissens der beiden mussten die Verantwortlichen dem Vernehmen nach einige Überzeugungsarbeit leisten, um sie für das Amt zu gewinnen. Mit den beiden Buben im Alter von neun und zwölf Jahren dürften die Neeses eine geradezu ideale Räbefamilie abgeben. Und mit ihrem Motto «d Räbefasnacht isch s Zähni» machen sie deutlich, dass sie die neue Aufgabe mit viel Enthusiasmus in Angriff nehmen. HANSRUEDI HÜRLIMANN

Räbe-Nachwuchs: Martin und BILD CB Sandra Neese-Hörning.

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Neue Zuger Zeitung

Samstag, 14. November 2009 / Nr. 264

Risch-Rotkreuz

Der gesamte Vorstand gibt auf Bei der SVP Risch-Rotkreuz endet der schwelende Streit in einen Eklat. Nun will der Zuger Philipp C. Brunner für Ruhe sorgen. Ob das gelingt, hängt nicht nur von ihm ab.

sprochen haben, dass diese die Parteikasse übernehme, habe Ferdi Brunner den ehemaligen Präsidenten Franz Zoppi zur Kasse bitten wollen. Althaus: «Brunner hat bereits wieder mit weiteren Gerichtsklagen gedroht.» Was den gesamten Vorstand – nach dem Ärger der letzten Monate – dazu animiert

VON MONIKA WEGMANN

An der ausserordentlichen Generalversammlung der SVP Risch-Rotkreuz vom Mittwoch hat nicht nur der gesamte Vorstand das Handtuch geworfen. Auch der Wahlleiter und die beiden Revisoren traten im Verlaufe des Abends zurück. «Sie alle haben die Nase voll», sagt Vreni Althaus, die bisherige Aktuarin.

Streit um die Prozesskosten Der Streit ist eine Folge des misslungenen Parteiausschlusses von Ferdi Brunner. Ihn hatte die Partei im März vor die Tür gestellt, musste ihn jedoch nach einem Gang durch die Instanzen per Vergleich wieder aufnehmen (siehe «Neue Zuger Zeitung» vom 3. Oktober). Am Mittwoch nun entbrannte eine Diskussion um die Frage, wer die dadurch entstandenen Kosten bezahlen soll. Während sich die Mitglieder laut Althaus bei der Abstimmung dafür ausge-

«Mein Ziel ist es, einen Nachfolger zu finden.» PHILIPP C. BRUNNER, INTERIMSPRÄSIDENT

habe, die Ämter per sofort niederzulegen. «Wir können nicht mehr, das macht uns kaputt», sagt Althaus, noch immer mit spürbarem Frust. Ferdi Brunner habe daraufhin selber Vorschläge für einen neuen Vorstand gebracht: Marc Schmid, Antoinette Gnos-Horat, Bernadette Schwerzmann – und sich selber. Zu ihnen stiess dann

noch Thomas Eberhard. Laut Althaus haben die vier aber nicht das absolute Mehr, sondern nur das einfache Mehr erreicht, da es viele Enthaltungen gab. «Ferdi Brunner wurde nicht gewählt.» Um Ruhe in die schwierige Situation zu bringen, erklärte sich der anwesende Vizepräsident der kantonalen SVP, Philip C. Brunner, bereit, interimistisch das Präsidium zu übernehmen.

Will Ruhe in die Sache bringen «Man muss die Sache nicht dramatisieren», versucht der neue Präsident zu beruhigen. «Die Leute haben verschiedene Meinungen und sich ineinander verbissen. Ich will mit Bedacht und dem nötigen Fingerspitzengefühl Ruhe in die Sache bringen», so der Zuger. Der Vorstand werde sich in den nächsten Tagen intern konstituieren, die nächsten Parteianlässe organisieren und später die Weichen für die Wahlen 2010 stellen. «Als Kantonal-Vize fühle ich mich verpflichtet, bei der Behebung der internen Blockaden zu helfen. Aber ich sehe meinen Einsatz hier interimistisch. Mein Ziel ist es, einen Nachfolger zu finden», sagt Philip C. Brunner. Zudem sei es wichtig, das Schiff nicht zu versenken; schliesslich habe der bisherige Vorstand viel Arbeit geleistet und einiges erreicht. Gewisse Änderungen im Vorstand könnte es vielleicht

EXPRESS 6 Seit der ausserordentlichen Generalversammlung ist der Vorstand neu konstituiert. 6 Interimspräsident ist Philipp C. Brunner, Vizepräsident der SVP Kanton Zug.

Anfang Jahr geben, wenn die Generalversammlung der Ortspartei stattfinde.

Nichtwahl akzeptiert Ferdi Brunner hat seine Nichtwahl akzeptiert. «Aber vom Vorstand bin ich masslos enttäuscht, dass er alles hingeschmissen hat.» Dabei verhehlt er nicht, dass es an sich schon sein Ziel gewesen sei, auf einen anderen Vorstand hinzuwirken. «Ja, ich wollte von unserer Seite drei Personen und aus dem anderen Lager zwei Personen in den Vorstand bringen», gibt Ferdi Brunner zu. Schliesslich sei das sein gutes Recht und seine Pflicht, für Ordnung zu sorgen. Wegen gewisser Vorkommnisse sei er vorbereitet an die Versammlung gegangen. «Ich bin nach wie vor zur Partei gestanden.» Ferdi Brunner glaubt nicht, dass die Partei jetzt Schaden leidet. «Die SVP ist stark genug.»

STEINHAUSEN

Zuger Audienz bei der Schönheitskönigin

Lächeln, schreiben, Charmeoffensive: Die amtierende Miss Schweiz, Linda Fäh, besuchte gestern das Zugerland in Steinhausen.

S

o. Ich bin als Nächster dran. Im Hintergrund wischt die Reinigungskraft nochmals schnell durch. Vor mir setzt eine junge Mutter noch ihre Kleine auf den Schoss der schönsten Frau der Schweiz. Nun stehe ich vor Linda Fäh. Der Blonden, die so brav und bieder sein soll – wie die Boulevardpresse getitelt hat. Den Kaugummi für den guten Atem habe ich noch schnell runtergeschluckt. Ich bin top vorbereitet – mein Notizblock ist voll mit Fragen. Hinter mir drängelt bereits der nächste Fan – seine Handykamera hat er auf die Miss gerichtet. Die sitzt auf einem gläsernen Thron im Einkaufscenter Zugerland in Steinhausen. Weisse Jacke, schlichtes T-Shirt. Rote Hose und flaches Schuhwerk. Von üppigem Glamour keine Spur. «Was wissen Sie von Zug», frage ich die St. Gallerin, die gestern Werbung machte

für einen kalorienarmen Schokodrink der Migros. «Den Zugersee. Ich war da schon mit meinem Freund spazieren», sagt die Miss. Und lächelt. Was ich gleich für eine Nachfrage nutze. «Gibt Ihnen die ewige Lächlerei nicht auf die Nerven?» Nein, nein, erklärt sie. Hinter mir hat sich inzwischen eine längere Schlange gebildet, trotzdem bleibt die PR-Managerin gelassen. «Die Frau, die hinter Ihnen ansteht, muss gleich zur Arbeit, könne Sie sie schnell vorlassen?» Ich bin ganz Gentleman und komme dem Wunsch nach.

Jeden Tag Schokolade

Zweite Gesprächsrunde. «Ich habe Verwandte in Baar», verrät die amtierende Schweizer Schönheitskönigin. «Ich war aber noch nie bei ihnen auf Besuch, denn sie sind entfernt verwandt», doppelt sie noch nach. «Léger.

Für einen Genuss ohne Reue.» So heisst der Slogan des Produktes, das Linda Fäh vertritt. Was ist mit Burger oder Schokolade? «Seit ich Miss bin, esse ich jeden Tag ein Stück Schoggi», gesteht die Blondine. Und auch auf Fast Food verzichte sie nicht. «Dass ich nicht einfach die Langweilige bin» – diese Aussagen der Medien möchte sie gerne revidieren. «Oder finden Sie, ich bin langweilig?» Nein, nein – sage ich. Und mir schiesst die neuste Beldona-Kampagne der Miss durch den Kopf. Verführung aus 1001 Nacht: So setzt der Unterwäschehersteller seine neuste Weihnachtskollektion ins Szene, welche die St. Gallerin an ihrem Körper präsentiert. Gleich mal einhaken – mit einer politischen Frage dazu. «Was halten Sie von der Minarett-Initiative?» Kleine Pause. Ein Blitz erhellt ihr Gesicht. Eine

BILD STEFAN KAISER

weibliche Bewunderin hat Fäh ins Visier genommen. Zwei weitere Fotoapparate klicken. «Zu dieser Initiative habe ich keine Meinung», antwortet sie. Am Abstimmungswochenende habe sie wahrscheinlich einen Auftritt irgendwo.

Ganz natürlich

Ich verabschiede mich. «Und wo ist das Krönchen», fragt ein Knirps seine Mutter, die sich mit vollem Einkaufswagen in die Schlange einreiht. «Sie ist in Natur so schön wie auf den Plakaten», schwärmt eine 21-Jährige, die für ihren Kollegen ein Autogramm ergattert hat – selbst habe sich dieser nicht getraut. Die Zuger Sympathien sind der Miss sicher. «Sie ist so natürlich. Sie trägt nicht mal hochhackige Schuhe, das ist toll», schwärmt eine Mittvierzigerin und trägt zwei Autogrammkarten für ihre Töchter nach Hause. L U C M Ü L L E R

ANLÄSSE Wanderung Unterägeri – Die Senioren-Wandergruppe Ägerital trifft sich am 18. November, 13 Uhr, bei der ZVB-Haltestelle für die Wanderung von Rotkreuz nach Hünenberg. (red)


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S a m s t a g , 1 2 . J u l i 2 0 0 8 / N r. 1 6 0

HANS HILDEBRAND Der Zuger Unternehmer bohrte das grösste Loch zur Gewinnung Seite 27 von Erdwärme. NEUE LUZERNER ZEITUNG

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Geständiger Deutscher

Mörder warf Rotkreuzerin in den Rhein Der verhaftete Arbeitslose Gabor Sprungk gesteht den Doppelmord von Mansfeld. Vermutlich hat er auch die seit über einem Jahr vermisste Rotkreuzerin getötet. VO N J Ü R G J. A R E G G E R

Wolldecke gewickelt in den Rhein geworfen». Ende 2007 suchten auf Anordnung von Schwyter Spezialisten des Deutschen Roten Kreuzes aus Hannover mit einer Hundestaffel, die für das Auffinden von Leichen im Wasser trainiert ist, den Rhein ab. Sie taten dies von Diepoldsau bis zur Bodenseemündung auf einer Länge von 17 Kilometern – ergebnislos. Als Ausgangsort wurde Diepoldsau gewählt, weil dort das Handy der vermissten Mutter geortet wurde.

Seit dem 23. Juni 2007 wird in Rotkreuz Maria K. (47) vermisst. Der wegen Doppelmords gesuchte DeutFast aussichtslose Suche sche Gabor Torsten Sprungk (36) ge«Im Moment besteht keine Absicht stand diese Woche auf eine neue SuchStaatsanwalt Roland aktion nach der ver«Im Moment besteht keine Schwyter, ihren missten RotkreuzeAbsicht auf eine neue Leichnam bereits am rin», führte gestern 23. Juni bei DiepoldBarbara Reifler weiSuchaktion nach der versau SG in den Rhein ter aus. Wenn missten Rotkreuzerin.» geworfen zu haben. Sprungk die Leiche B A R B A R A R E I F L E R VO N D E R Dies gab gestern tatsächlich in DieZ U G E R S TA AT S A N WA LT S C H A F T Barbara Reifler, stellpoldsau in den vertretende MedienRhein geworfen haverantwortliche der Zuger Strafverfol- be, sei wahrscheinlich, dass diese ingungsbehörden, bekannt. Ergänzend zwischen in den Bodensee gelangt sei. sagte Staatsanwalt Hendrik Weber in Und die Suche dort sei vergleichbar mit Halle gegenüber mehreren Medien, der Suche nach einer Stecknadel im Sprungk habe «die Leiche in eine Heuhaufen. Im Übrigen verweigerten

Vor Staatsanwalt Roland Schwyter gestand der verhaftete Ostdeutsche den Doppelmord. BILD MARTIN HEIMANN die Untersuchungsbehörden gestern weitere Angaben zum Verschwinden von Maria K. und zu einem Tatmotiv. In der Medienmitteilung heisst es dazu nur: «Nach ersten Befragungen liegen ernsthafte Hinweise und Aussagen von

VORSTRAFEN

EXPRESS

Verurteilt wegen Vergewaltigung

6 In Ostdeutschland erdrosselte am 29. Juni ein Vorbestrafter zwei Personen.

● Eine lange kriminelle Vorgeschichte weist Gabor Torsten Sprungk auf. Eine wegen Vergewaltigung 1996 durch das Landgericht Halle in im Bundesland Sachsen-Anhalt ausgesprochene elfjährige Haftstrafe wurde 1998 auf acht Jahre reduziert. ● Im Dezember 2007 erhielt der Mann wegen Fahrens ohne Erlaubnis in drei Fällen vier Monaten Haft unbedingt. ● Am 2. April 2008 wurde er vom Landgericht Halle wegen Fahrens ohne Ausweis, Erwerbs und Besitzes von Kinderpornografie, EC-KartenBetrugs (er hatte in Deutschland die EC-Karte der vermissten Rotkreuzerin K. eingesetzt) und Diebstahls von Schusswaffen zu zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt. ● Freigesprochen wurde Sprungk im April von der Anklage, die Scheune seiner Eltern angezündet und einen Schaden von 400 000 Euro verursacht zu haben. Deshalb wurde er vorübergehend freigelassen. JJA

6 Ob er auch die vermisste Rotkreuzerin umgebracht hat, ist noch unklar.

S. vor, dass er mit ihrem gewaltsamen Tod in Zusammenhang steht.»

Doppelmord gestanden Im Beisein der drei Kriminalbeamten aus Halle, die wie berichtet am Dienstag nach Zug gereist waren, gab Gabor Torsten Sprungk zu, in Mansfeld den Doppelmord an der 76-jährigen Rentnerin und dem 64-jährigen Bereitschaftsarzt begangen zu haben. Sprungk hat die beiden erdrosselt. Die Zuger und deutschen Polizisten werteten auch den gestohlenen Mercedes des ermordeten Arztes nach Spuren aus. «Es ist vorgesehen, das Auto den Hinterbliebenen zu übergeben», führte Barbara Reifler zur Frage aus, was mit dem Auto passiert.

BAAR

Die sympathische Rasselbande aus dem 7. Stock SOMMERSERIE

Leben in Zug

Im Kanton Zug wohnen die unterschiedlichsten Familien. Wir porträtieren in den nächsten Wochen jeden Samstag eine von ihnen.

Bonus: Alle Artikel www.zisch.ch/bonus

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Serie

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Leben in einer Grossfamilie möchte keine verzichten. «Viele meiner Freunde sind Einzelkinder. Ich habe gerne so viele Schwestern», so die Älteste, die in der 4,5-Zimmer-Wohnung wie ihre Mutter ein eigenes Zimmer hat. «Dort habe ich aber keine Ruhe. Immer kommt eine rein.» Die andern vier Schwestern teilen sich einen Raum, zwei Hochbetten stehen drin. «Wir spielen viel zusammen. Und wenn es Ärger gibt, halten wir zusammen», plaudert Vjollca und hüpft aufs Bett. Besa weint und will auch was erzählen: «Wir spielen immer alle zusammen Eile mit Weile.»

Ein verschworener Haufen (von links nach rechts): Geburtstagskind Merlana, Nesthäkchen Besime, Mutter Luljeta Borova, Vjollca, Besa und Albiana.

V

jollca (8) grinst und zeigt ihre Zahnlücken. Ihre Schwester Besa (5) schreit «cheese» und zappelt wild mit den Füssen. Die Älteste, Merlana (12), will erst gar nicht, und das Nesthäkchen Besime (4) weint. Albiana (10) aber setzt sich gekonnt in Pose. Fototermin bei der fünfköpfigen Familie Borova – der ganz normale Wahnsinn. Mittendrin sitzt die nervenstarke Mutter Luljeta. Trotz des ganzen Rummels bleibt sie gelassen. «Die Leute schauen einem schon schief an mit so vielen Kindern», erzählt die 29-Jährige. Seit zwei Jahren ist die allein erziehende Mutter wegen eines Rückenleidens auf Sozialhilfe angewiesen. Früher hat sie im Verkauf gearbei-

schon gepackt», erzählt sie vorwitzig. Für ein paar Tagen geht sie zu einem Freund. Und was ist mit Familienferien? Im vergangenen Jahr seien sie alle im Tessin gewesen: mit 12 Koffern waren sie «Nicht das Geld, sondern unterwegs. Mit 12 Koffern Vieles gibt es im in die Ferien der Respekt für die GrossHaushalt in fünfDie Familie wohnt familie fehlt.» oder zehnfacher Ausin Baar im 7. Stock L U L J E TA B O R O VA , M U TT E R führung: Schwimmeines Wohnblockes. VON FÜNF KINDERN sachen, SchulmateriSozialhilfe, allein eral, Schuhe und Kleiziehend, fünf Kinder: Eine Mischung, die auch bei den Nach- der. «Die Waschmaschine läuft täglich barn öfters für Vorurteile sorgt. «Ist bis zu dreimal», verrät die Mutter. etwas im Haus kaputt, wird zuerst mal Das alles geht ins Geld: Ende Monat bei uns nachgefragt.» Besime schleppt kann es eng werden. Fastfood, Taschenihren kleinen Reisekoffer an. «Ich hab geld, Videospiele – Extrawünsche liegen tet – und noch die Kinder betreut. «Mein Chef war verständnisvoll», sagt sie und legt liebevoll den Arm um ihre Kleinste. Die hat «Spitzeblaatere» und gibt sich ganz tapfer.

BILD CHRISTOF BORNER-KELLER

nicht drin. Am schlimmsten ist Weihnachten. «Da sind Diskussionen mit den Kindern vorprogrammiert, die natürlich dasselbe wie ihre Freundinnen wollen.»

Freier Tag erwünscht Der Wunsch der Mutter ist bescheiden: einen freien Tag ganz für sich. Normalerweise halten die Kinder ihr Mami von 6 bis 21 Uhr auf Trab. «Es geht nicht ums fehlende Geld. Was fehlt, ist der Respekt für die Arbeit, die ich für die Grossfamilie leiste», ärgert sich Luljeta Borova, die mazedonische Wurzeln hat. Die Kinder sind alle in der Schweiz geboren. Trotz materiellem Verzicht: Die Mädchenbande hält zusammen. Auf das

Keine Geheimnisse möglich Die Wohnung ist tipptopp aufgeräumt. Die Kinder müssen im Haushalt anpacken. «Die Küche putzen, die Teller in die Abwaschmaschine räumen und den Tisch sauber machen. Das ist in dieser Woche meine Arbeit», so Albiana. Nur manchmal funktioniert das Zusammenspiel innerhalb der Mädchenbande nicht: Wenn die Mutter ein Geheimnis nicht erfahren soll. Die Kleinste verplappert sich gern. Zum Abschied geben die fünf artig die Hände: Albina, die Ruhige. Vjollca, die «Schnurritante». Besa, der Sturkopf. Besime, der Wirbelsturm. Und Merlana, die Selbstkritische. So charakterisiert die Mutter «ihre Schätze». Merlana feiert heute Samstag übrigens ihren 12. Geburtstag. Geschenke sind erwünscht. Am besten ganz viele. Über einen iPod würde sie sich am meisten freuen. LUC MÜLLER


Samstag, 6. Dezember 2008 / Nr. 283

K A N T O N / S TA D T Z U G 21

Neue Zuger Zeitung

Zuger Kantonsspital

«Schritt in die richtige Richtung» Der Entscheid der Regierung zur Fallpauschale wird von den Parteien begrüsst. Sie warnen jedoch vor zu viel Optimismus. VON YVONNE ANLIKER

Die Wirren um die Freistellung des ehemaligen Spitalchefs Robert Bisig der letzten Wochen liessen fast einen anderen Konflikt in Vergessenheit geraten, den das Zuger Kantonsspital seit rund zwei Jahren austrägt: den Streit mit Santésuisse, dem Branchenverband der Krankenversicherer, um die Fallkostenpauschale, auch Baserate genannt. Die Baserate entspricht dem Durchschnittspreis pro Fall in einem Spital.

Beruhigung erhofft Am Donnerstag nun hat die Regierung in dieser Sache einen Entscheid gefällt. Sie erhöht rückwirkend ab 1. Januar 2008 die Baserate (Neue ZZ von gestern). Damit habe sie ein Zeichen im Streit zwischen dem Spital und Santésuisse gesetzt, ein Zeichen für das Personal, sagt Gesundheitsdirektor Joachim Eder. Die Zuger Parteien begrüssen den Entscheid der Regierung. Für Daniel Grunder (Baar), FDP-Fraktionschef, ist es ein «weiser Entscheid, der beiden Streitparteien gerecht wird». Er erhofft sich eine Beruhigung der Situation im

greifen. Für 2008 rechnet der Kanton mit einer Mehrbelastung von 700 000 Franken, die Prämien steigen pro Kopf und Jahr um 6 bis 7 Franken. «Der Kanton kann sich die Mehrkosten sicher leisten», sagt Markus Jans (Cham), Fraktionschef der SP. Die Auswirkungen auf die Prämien könVerantwortung ne Zug zudem über Sie ist nicht die die PrämienverbilliEinzige, die davon gungen steuern. ausgeht, dass sich Für Daniel GrundSantésuisse ans Buner ist es schlicht «ein desverwaltungsgevertretbarer Entricht wenden wird. scheid» – trotz Mehr«Deshalb steht die «Ich werde den Verdacht kosten. Auch CVPRegierung weiter in nicht los, dass hier auf Fraktionschef Martin der Verantwortung», einem hohen Niveau Pfister (Baar) kann so Straub. Denn ein geklagt wird.» sich hinter die Regieneues Spital mache rung stellen. «Ich benoch keinen PatienSTEPHAN SCHLEISS, grüsse die vertrauten gesund, deshalb P R ÄS I D E N T S V P K A N TO N Z U G ensbildende Massmüsse weiterhin für nahme», sagt er. das Personal gesorgt werden. «Beispielsweise mit einem Aber: «Gleichzeitig muss auch die ReTeuerungsausgleich.» Ob dieser ausge- gierung darauf achten, dass die Gerichtet werden kann, konnte am Don- sundheitskosten nicht immer weiter nerstag Daniel Staffelbach, Spitalchef ansteigen.» ad interim, nicht versprechen. Es sei Hoffen auf eine Erklärung auch fraglich, ob eine ReallohnerhöAuch Stephan Schleiss (Steinhausen), hung möglich sei, so Staffelbach. Präsident der SVP Kanton Zug, will die finanziellen Auswirkungen durch die Folgen seien vertretbar Der Entscheid der Regierung hat erhöhte Baserate differenzierter komnicht nur Folgen für das Personal – mentieren. «Die Frage ist, wo sich das sowohl die Steuer- als auch die Prämi- Zuger Kantonsspital im nationalen Verenzahler müssen tiefer in die Tasche gleich befindet?» Ob es überhaupt über Spital. «Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Regierung hat Power bewiesen», ergänzt die Alternative Kantonsrätin Vroni Straub (Zug). «Der Gesamtarbeitsvertrag ist nicht mehr gefährdet.» Straub ergänzt aber: «Im Moment.»

EXPRESS 6 Die Parlamentarier sind sich sicher, dass die Exekutive objektiv argumentiert hat. 6 Alle gehen davon aus, dass Santésuisse den Entscheid beanstanden wird.

eine kompetitive Kostenstruktur verfüge? «Ich werde den Verdacht nicht los, dass hier auf einem hohen Niveau geklagt wird», sagt Schleiss. Und: «Ich erhoffe mir am Donnerstag Klärung zu solchen Fragen.» Dann tagt nämlich der Kantonsrat und der Regierungsrat will an dieser Sitzung all die Interpellationen beantworten, die nach dem Abgang von Robert Bisig eingereicht worden sind.

Objektiv? Ja, aber Dass der Entscheid der Regierung objektiv ausgefallen sei, obwohl der Kanton über 90 Prozent der Spitalaktien hält, glauben alle Parteien. «Die Exekutive kann sich eine subjektive Haltung gar nicht leisten, sonst wäre sie vor Bundesverwaltungsgericht kaum glaubhaft und würde sicherlich verlieren», sagt Grunder. Dieses Argument unterstützt auch Jans. Er gibt jedoch zu bedenken, «dass die Regierung sicherlich auch wegen der Wirren um Robert Bisig unter Druck und Zugzwang gestanden ist».

Also, dann wollen wir mal ...

S

o, ganz ruhig bleiben. Mann, Mann, Mann, Mann – okay, okay, okay. Dann wollen wir mal. Gut, vier Zeilen sind gefüllt. Toll. Ich bin dabeieieieieieiei. Gibt das einen

SEITENBLICK Luc Müller über Schreibstau

Sinn? So nun aber zum Punkt. Ohne Abschweifungen auf den Kern kommen. So kurz mal zur Toilette. (Auf dem Weg zurück habe ich gleich noch vier Büros gesaugt und alle Büroklammern nach Grösse geordnet.) Jetzt aber. Also. Wo ist eigentlich auf der Tastatur das Eurozeichen? Egal. Zeilen sind Geld, jetzt nur nichts sinnlos verbraten. Wenn Fliegen hinter Fliegen fliegen, fliegen Fliegen hinter Fliegen ... Nein, nein, nein. Das muss doch noch mehr kommen. Zug: Im Zuge der zügigen Zuchtverordnung zahlen Zehntausende Z... Vielleicht mehr was in Richtung weihnächtliche Besinnlichkeit? Oder doch zu den Perimeterbeiträgen, die das Strassenreglement vorsieht? So jetz hab ichs: Liebe Zuger Gemeinden, vielen Dank für die Zusammenarbeit in diesem Jahr. Und bis auf bald – denn Themen gibt es bei euch noch wie Sand am Meer.

Gospelchor Zug

Alternative Fraktion

Rock und Pop aus Gospelkehlen

Winiger löst Fähndrich ab

Mit Beatbox im Gepäck: Der Gospelchor Zug interpretiert Klassiker neu und lässt auch das Publikum mitsingen. «Wir sind nicht die Beatles», gibt Chorleiter Bertrand Gröger zu, «trotzdem hat der Gospelchor Zug einen Schritt Richtung Rock und Pop getan.» Das fünfte Programm «Gonna Sing» unter Grögers Leitung, der den Chor seit 2004 dirigiert, schert also für einmal aus dem Gospelschema aus. Und beginnt das Konzert in der Aula der Kantonsschule Zug mit dem Beatles-Klassiker «Sgt. Pepper’s Lonely

Hearts Club Band» in einer Version, die verblüfft. Ein federnder Rhythmus treibt das Pingpong-Spiel zwischen Männer- und Frauenstimmen an.

Unsentimental, aber rührend Es blieb nicht die einzige Überraschung an diesem Abend: Zu «Gonna Sing» kommt der Beatboxer Julian Knörzer auf die Bühne, dessen originelle Geräuschkulisse locker ein Schlagzeug ersetzen konnte. Auch sein spielerisches Duell mit Saxofonist Beat Bürgi begeistert. Neben rhythmisch ausgefeilten Stücken finden auch langsame wie «You raise me up» Platz, in einer gänzlich unsentimentalen, vokal vielschichtigen

Interpretation, die trotzdem rührt.

Perfekter Mix Das professionelle Niveau des Chors wird vom Publikum sehr geschätzt, «die farbige Lichtshow, die Kleidung, alles hatte einen roten Faden», meint Christian Meyer. Hervorragende Solisten wie Christof Tschudi und Sandra Meyer singen ihre Parts mit Herz und wunderbar weichen Stimmen, aber auch der Chor hat jederzeit ein perfektes Timing, klare Stimmen und sogar wenn nur gesummt wird, kann es einem kalt den Rücken runterlaufen. Besucher Rolf Häusler gefällt das Programm sehr gut: «Ein perfekter Mix

Schlägt auch ungewohnte Töne an: der Gospelchor Zug bei seinem Auftritt in der Kantonsschule in Zug.

aus peppigen und langsamen Stücken.» Damit passt er genau in die Zielgruppe, denn OK-Leiter Kurt Brunke erklärt: «Wir wollen mit Hits aus den 60ern und 70ern ein junges Publikum ansprechen.» Aber nicht nur das Programm, auch der spürbare Enthusiasmus beim mithopsenden Dirigenten wird geschätzt, besonders, dass das Publikum kurz vor der Pause auch mitsingen darf. JULIA HÄCKI

HINWEIS 6 Heute, 6. Dezember, 20 Uhr, Kantonsschule Zug; 7. Dezember, 17 Uhr, Heinrichsaal, Hünenberg; 13. Dezember, 19.30 Uhr, Mehrzweckhalle Bützenen, Sissach/B; 14. Dezember Klinik am Zugersee in Oberwil. Infos und Tickets: www.gospelchor.ch 5

BILD ALEXANDRA WEY

any. Rosemarie Fähndrich (Steinhausen) gibt ihr Amt als Fraktionschefin der Alternativen im Kantonsrat nach sechs Jahren ab. Sie konzentriert sich künftig auf ihre berufliche Tätigkeit im bildungs- und entwicklungspolitischen Umfeld eines Hilfswerks. Erwina Winiger (Cham, Bild) vormalige Kantonsratpräsidentin, übernimmt ab sofort. Sie wolle dafür einstehen, dass die Fraktion weiterhin «eine konsequente, links-grüne Politik verfolgt». Für das Amt des Vizefraktionschefs ist Stefan Gisler (Zug) vorgesehen.


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S a m s t a g , 1 3 . S e p t e m b e r 2 0 0 8 / N r. 2 1 2

ELSI LIM Ein Geschenk der Zugerin gab den Ausschlag für eine Initiative, von Seite 20 der Hungrige profitieren. NEUE LUZERNER ZEITUNG

NEUE URNER ZEITUNG

NEUE SCHWYZER ZEITUNG

ZUG

ZENTRALSCHWEIZ NEUE OBWALDNER ZEITUNG

NEUE NIDWALDNER ZEITUNG

NEUE ZUGER ZEITUNG

Familienhilfe

Dubioser Verkäufer JJA. Erneut ist in der Stadt Zug ein Mann unterwegs, der angeblich für die Familienhilfe des Kantons Zug kleine Orchideen verkauft. Der Mann trat am Donnerstagnachmittag an der Ägeristrasse und gestern Vormittag an der Bahnhofstrasse in Zug in Erscheinung. Gestern rückte die Zuger Polizei aus, konnte ihn aber nicht antreffen. Die Familienhilfe hatte bereits im Frühjahr mitgeteilt, dass dieser Verkäufer nicht in ihrem Auftrag unterwegs sei. Eine Geschäftsfrau erinnerte sich daran und kaufte ihm diesmal nichts ab. Laut ihren Angaben ist der Mann über 50 Jahre alt, trug eine Brille, Jeans, ein karriertes Hemd und Birkenstocksandalen. Im Frühjahr wies er sich aus und stellte für die Blumen eine Quittung aus.

NACHGEFRAGT bei Robert Lussi, Naturforscher, Zug

Wer zahlt für Waldameisen? Der Zuger Robert Lussi sieht den Bestand der Waldameisen im Schweizer Mittelland gefährdet. Der 76-jährige Naturkundler macht sich stark für den Schutz der Waldameisen. Seit zwei Jahren bietet er Waldameisenseminare im bündnerischen Castasegna an.

E

Die Stadt profitiert dreifach

in neues Hotel, eine Seniorenresidenz und zwei Hochhäuser mit Wohnungen: diese Bauten sollen auf dem alten Areal des Zuger Kantonsspitals entstehen. Deshalb werden die Stadtzuger am 28. September über den Bebauungsplan Belvedere abstimmen. Jede der geplanten Bauten verspricht einen Mehrnutzen für die Stadt – auch die zwei Hochhäuser. Denn gerade sie sind Ausdruck einer Bauphilosophie, für die sich sowohl der Stadtrat als auch der Grosse Gemeinderat ausgesprochen haben: In Zug soll verdichtet gebaut werden. Keine andere Bauweise berücksichtigt diese Ausrichtung so stark wie hohe Gebäude. Wenn mit dem raren Gut Boden also wirklich sparsam umgegangen werden soll, reicht es nicht, nur fünfstöckige Häuser zu realisieren, wie es einige Belvedere-Gegner behaupten. Sondern, dann braucht es den Mut, wirklich in die Höhe zu gehen. Zudem entstehen in den zwei Hochhäusern 60 neue Wohnungen. Wer nun sagt, dass diese für einen Teil der

LEITARTIKEL

Yvonne Anliker zum Bebauungsplan Belvedere yvonne.anliker@neue-zz.ch Zuger Bevölkerung nicht erschwinglich sein wird, hat Recht. Doch auch im oberen Segment hat es in der Stadt und im Kanton Zug zu wenig Wohnraum. Die 60 neuen Miet- und Eigentumswohnungen werden also den Druck auf andere Immobilien abschwächen können. Ausserdem wäre es vermessen, an dieser Lage die Realisierung von günstigem Wohnraum zu fordern. Ein grosses Bedürfnis abdecken wird auch das Hotel mit integriertem Restaurant und Wellness-Bereich. Diese langfristige Hotelbetten-Aufstockung braucht Zug dringend, um touristisch und für weltweit tätige Unternehmen attraktiv zu bleiben. Zudem ist die Lage in Zugs Süden für ein erstklassiges

Hotel ideal. Auf den im Stadtzentrum geplanten Erweiterungsbau des Parkhotels langfristig zu setzen, ist insofern nicht geschickt, weil dieser möglicherweise um das Jahr 2025 für den Bau des Stadttunnels weichen muss. Auch die Seniorenresidenz mit den 14 Pflegezimmern entspricht einem Bedürfnis. Es ist selbstverständlich, dass auch weniger bemittelte Senioren in Zug Wohnraum und Pflegeplätze benötigen. Dafür nun aber ein ausgereiftes Projekt den Bach hinunterzuschicken, ist nicht klug. Denn es gibt keinerlei Garantie, dass auf dem Areal anstelle von Belvedere ein Pflegeheim eingerichtet werden könnte. Die alten Gebäude eignen sich auf den ersten Blick zwar gut, um ein solches zu realisieren. Doch ein Grossteil der Bauten ist marode, und eine Sanierung lohnt sich laut Experten nicht. Noch wichtiger ist: Das Land gehört nicht der Stadt, sondern dem Kanton. Dieser hat nach dem Ja der Stimmbürger im November 2003 zu einem Spitalneubau in Baar klar gesagt, dass er die nun ungenutzte Liegenschaft in der Stadt zu marktgerechten Bedingungen

verkaufen will. Das Angebot der zwei Belvedere-Investoren Olle Larsson und Alfred Müller für das Areal liegt bei 34 Millionen Franken – ein fairer, aber durchschnittlicher Preis. Müsste ihn jedoch die Stadt bezahlen, wäre auf dem Areal kaum ein öffentliches Pflegeheim möglich – ausser, Zug nähme in Kauf, grosse Abschreibungen zu machen. Im Klartext: Jedes Pflegebett an dieser Lage käme extrem teuer zu stehen. Es ist auch utopisch zu glauben, ein solches Heim wäre von heute auf morgen erstellt. Der Zeitfaktor darf nicht unterschätzt werden. Umso weniger, als längst nicht klar ist, ob der Kanton das Land der Stadt verkaufen will. Ein Ja zu Belvedere heisst jedoch nicht, dass es nicht schnelle Lösungen für den Pflegebettennotstand in der Stadt Zug braucht. Doch dieses Problem ist anders anzugehen – notfalls mit einer Zwischenlösung. Denn ein Nein zu Belvedere schafft keinen einzigen Pflegeplatz, aber provoziert ein jahrelanges Provisorium an bester Lage.

Stammtische

Hier wird fast alles aufgetischt

Robert Lussi, weshalb braucht es ein Waldameisenseminar? Robert Lussi: Waldameisen sind wichtig für den Schutz des Waldes und für die Erhaltung seines ökologischen Gleichgewichts. Die Ameisenvölker ernähren sich von Schädlingen wie Borkenkäfern oder Zecken. In Wäldern mit genügend Waldameisen kann der Bestand der Schädlinge tief gehalten werden. Wird denn heute zu wenig für die Waldameisen getan? Lussi: Nicht unbedingt, aber oftmals fehlt ganz einfach das Wissen. Leider ist die Waldameise bei der heutigen Ausbildung von Förstern und Wildhütern völlig vergessen gegangen. Das notwendigeWissen wollen wir den Waldfachleuten vermitteln. Viele meinen es gut mit den Waldameisen, machen dann aber das Falsche. Man kann nicht einfach einen Ameisenhaufen umsiedeln und glauben, damit sei es getan. Geplant ist ein Waldameisenseminar ausschliesslich für Zentralschweizer Förster und Wildhüter. Lussi: Richtig, denn gerade hier herrscht ein grosser Nachholbedarf. An den bisherigen Seminaren hatten wir zwar einige Förster aus der Zentralschweiz, vor allem aus dem Kanton Zug, den ich in dieser Beziehung als Vorzeigekanton bezeichnen möchte. Doch es braucht überall gut ausgebildete Fachleute. Ohne diese werden wir bald keine Waldameisen mehr haben. Wann wird das Seminar stattfinden? Lussi: Geplant ist es für die kommenden Herbstferien. Die Räumlichkeiten in Castasegna sind bereits reserviert. Ob wir es aber auch durchführen können, ist leider noch ungewiss, denn uns fehlen die notwendigen finanziellen Mittel. Bisher verfügten wir über Stiftungsgelder, dieses Geld ist nahezu aufgebraucht. Und wer soll für das Waldameisenseminar bezahlen? Lussi: Eine Möglichkeit sind grosse Unternehmen wie zum Beispiel Versicherungen. Vielfach sind die Förster aber auch Angestellte von Korporationen. Es wäre wünschenswert, wenn auch diese einen Beitrag an die Seminare leisten würden. ERNST ZIMMERLI

Im Schäfli in Neuheim: Hier werden noch Wahrheiten aufgetischt.

Hinhocken, zuhören, trinken, ausrufen, nachbestellen, lachen, blödeln, diskutieren. In der Runde ist vor allem eines wichtig. «Ein Grosses!», «Zwei!», «Drei!», «Vier!» – für den Flüssigkeitshaushalt ist wieder gesorgt. Ist mein Bierglas halb voll oder halb leer? Für tiefschürfende philosophische Gedankengänge bleibt mir keine Zeit. «Oft könnt ihr nicht mal Unterägeri von Oberägeri unterscheiden», sagt Hans, und Ivo doppelt nach: «Auch Namen schreibt ihr immer wieder falsch.» Ich halte mein Glas fest und rufe: «Prost!» Gibt es noch Stammtische in der Region? Die Antwort auf die Frage, die wir uns im Büro gestellt haben, ist eindeutig: Ja! Im Restaurant

Bären in Oberägeri ist das Beieinandersitzen noch eine Institution.

BILD STEFAN KAISER

Alösler Fasnacht im nächsten Jahr – Themen, die mal gross ins Blatt gehörten. Wirtin Margrith Giglio weiss, dass die Gäste den Stammtisch schätzen. «Deshalb gibt es ihn bei uns noch ganz bewusst», sagt sie und trägt ein paar Biere an den Tisch. Die Kirchturmuhr zeigt inzwischen 18.40 Uhr.

Korporationswahlen als Thema Und die heissen Politthemen der Woche? «Die Korporationswahlen. Darüber wird diskutiert», rückt Franz raus. Sind es nun sechs oder acht Kandida«Mit dem Züri-Dialäkt ten, die sich für die fünf Posten als KorFrotzeleien zur chasch dänn grad porationsrat wählen Begrüssung abfaare.» «Mit dem Zürilassen wollen? «JeTHOMAS, Dialäkt chasch dänn denfalls ist es besser, S TA M M T I S C H I M « S C H Ä F L I » grad abfaare.» Gedass es eine Auswahl lächter. Die Stammgibt, als dass alle einfach so reinrutschen», findet Ivo, und tischrecherche hat mich nach Neuheim geführt. Zur Begrüssung am runden Tury nickt anerkennend. In die Korporation komme man übri- Tisch beim Restaurant Schäfli gibt es gens nicht so einfach hinein, sagt Ivo. erst mal ein paar Frotzeleien. Die weiSie schon, bei der Heirat, sagt er noch, chen schnell Neugierde. Wo wohnst du, und seine Freundin Nicole lacht. Mor- bist du zum ersten Mal in Neuheim, gartenschiessen, Chilbi und die 100. warum bringt ihr nicht mehr Regional-

sport? «Ohne Stammtisch hat das Leben keinen Wert, das kannst du aufschreiben», erklärt Bruno vergnügt. Und Brigitta findet, dass einer der Vorteile von Neuheim sei, dass man sich noch kenne. Thomas, Ur-Neuheimer, liebt an seinem Dorf die Ruhe. «Wir haben keine Durchgangsstrasse», erklärt er, während ein Töff laut vorbeiknattert. Die geköpften Bierflaschen werden abgeräumt, «die beste Serviertochter der Welt» bringt frischen Gerstensaft. «Die Akzeptanz am Stammtisch ist gross», erläutert Bruno, «hier kann sich jeder hinhocken.» Der EVZ habe wieder alt ausgesehen, ärgert sich Thomas. «Bei uns geht es friedlich zu, darum haben wir keinen Polizeiposten», so Hans. Politik? Heute ist eher König Fussball das Thema. Noch weiss an diesem Abend keiner, dass die Nati mit 0:1 im Rückstand liegt. Ein Fernseher läuft nicht, dafür das Bier. L U C M Ü L L E R


Sonntag, 16. Januar 2011 / Nr. 3 Zentralschweiz am Sonntag

Neuer Laden für Sozialhilfebezüger

Kantone

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So einfach hats der Taschendieb

BAAR Noch vor Ende letzten Jahres wollte die Caritas im Kanton einen Laden für Sozialhilfebezüger und finanziell Benachteiligte eröffnen. Nun hat es doch ein wenig länger gedauert, aber: Am 1. Februar öffnet der Markt in Baar. Dieser Standort, sagt Projektleiter Tom Giger, ist nicht zufällig gewählt. «Ein Caritas-Markt soll grundsätzlich an Standorten aufgebaut werden, wo auch die Kunden erreichbar sind.» Eine Analyse im Vorfeld habe ergeben, dass die meisten der Kunden einen Laden in der Region Baar aufsuchen würden. «Zentral an der Bahnhofstrasse 8a haben wir nun ein geeignetes Ladenlokal gefunden, das uns zu sehr fairen Bedingungen zur Verfügung steht», so Giger. Die Caritas zieht also ins neue Bahnhofsgebäude ein.

Standortfrage brauchte Zeit Rund 100 000 Franken an Startkapital investiert die Caritas jeweils für einen neuen Markt – und sie stellt das Betriebskapital für vier Jahre. Danach sollte ein Standort selbsttragend sein. Dass es länger als geplant gedauert hat, einen Standort in Baar zu finden, sei auf die Kosten zurückzuführen. «Der Preis für einen zahlbaren Standort war massgebend.» Auch in Zug sind Caritas-Kunden armutsbetroffene Personen und Familien, die mit dem Existenzminimum oder weniger leben müssen. Giger: «Weil wir die angebotene Ware möglichst kostengünstig abgeben, sind wir auf eine Infrastruktur angewiesen, die tragbare Kosten aufweist.» Daher arbeiten im Markt meist Freiwillige und Engagierte aus der Region. Diese habe man erst ansprechen und motivieren wollen, sagt Giger. «Zuerst mussten diese Faktoren stimmen, das war wichtig.» Die lokalen Partner sind inzwischen gefunden. Dazu zählen die katholischen Kirchgemeinden Baar und Steinhausen – und mit ihnen auch 35 Freiwillige, die im Markt Baar arbeiten werden. «Sie werden nun auf ihre Tätigkeiten vorbereitet.»

KulturLegi oder Sol ID nötig Im Betriebskonzept werden nicht nur die Öffnungszeiten – von Dienstag bis Samstag –, die Bedienung, die Warenpflege und -beschaffung geregelt, sondern auch die Zielgruppe definiert. Denn: Ohne Einkaufsberechtigung darf man im CaritasMarkt nicht einkaufen. Diese muss vorgängig bei den lokalen Sozialund Beratungsstellen beantragt werden. Als Einkaufskarte werden im Laden die KulturLegi und die Zuger Sol ID anerkannt. Dafür sind die Preise der Markenartikel durchschnittlich um 40 Prozent tiefer als bei den Grossverteilern. Zudem sollen beim ersten Einkauf ab dem 1. Februar alle Kunden einen Gutschein über 10 Franken erhalten. «Armutsbetroffene Menschen erhalten dadurch etwas mehr finanziellen Spielraum in ihrem Alltag», erklärt Tom Giger. CHANTAL DESBIOLLES chantal.desbiolles@zugerzeitung.ch

Christophe Ambre demonstriert in der Zuger Metalli sein Können. Bilder Stefan Kaiser

ZUG Vorsicht Taschendiebe! Wie raffiniert und schnell sie arbeiten, demonstriert ein Profi. LUC MÜLLER luc.mueller@zugerzeitung.ch

Die junge Frau hat absolut nichts bemerkt – ihr Portemonnaie ist längst weg. Christophe Ambre hält es in seinen Händen. Der Trickdiebkünstler mit französischem Akzent hat ganze Arbeit geleistet: Er hat sein Gegenüber charmant in ein Gespräch verwickelt und auf dem Restauranttischchen einen Stadtplan ausgebreitet. Ambre hatte die Damenhandtasche längst im Fokus.

Zuger Polizei dabei Im Auftrag unserer Zeitung ist Christophe Ambre heute in der Stadt Zug unterwegs, um Passanten zu bestehlen und ihnen vor Augen zu führen, wie leicht man zum Opfer werden kann,

«Als Jugendlicher war ich selbst als Taschendieb aktiv.»

Shows auftritt und in Deutschland auch Polizisten schult, hat die Finger bereits in der Tasche. Er zieht ein Zigarettenpäckchen hervor und schaut in den Geldbeutel. Den lässt er aber zurück, «denn es waren keine Noten drin», wie Ambre sagt. «Haben Sie eine Zigarette?», fragt der Franzose. Die Frau findet ihre Glimmstängel nicht – Ambre gibt sie ihr zurück. «Ich bin baff», so die Bestohlene.

Trick mit den fliegenden Münzen Christophe Ambre ist in Paris aufgewachsen. «Als Jugendlicher war ich selbst als Taschendieb aktiv», gesteht er mit einem Lächeln. «30 Prozent ist Technik, der Rest Psychologie. Ich erkenne, welche Personen sich bestehlen lassen.» Ambre treibt es nun auf die Spitze – er weist sein Opfer darauf hin, dass er ihm nun ein paar Gegenstände entwenden wird. Ein 55-Jähriger lässt sich auf das Experiment ein. Ambre lenkt ihn mit einem Münzentrick ab und nestelt an der Armbanduhr. Der Mann hält sie bewusst fest – Sekunden später ist er unkonzentriert. Die Uhr im Wert von 500 Franken baumelt zwischen den Fingern von Ambre. «Ich begreif das nicht», erklärt der Beklaute, «ich habe

Nach Verzögerungen doch noch eröffnet: Caritas Markt in Baar. Bild Werner Schelbert

HINWEIS 6 Christophe Ambre lässt sich buchen. Infos unter www.taschendieb.ch 5

zen weiter, der sich direkt vom Tatort entfernt.

C H R I S TO P H E A M B R E , TRICKKÜNSTLER

wenn man nicht vorsichtig ist (siehe Box). Die Aktion wird von Joe Müller, Präventionsbeauftragter der Zuger Polizei, begleitet – er versorgt die Bestohlenen nach Aufklärung der Tat mit einem Flyer voller Tipps. «Ich bin erstaunt, wie unauffällig er das gemacht hat», erklärt die 35-Jährige, während sie ihre eben entwendete Geldbörse mit einem Lächeln wieder verstaut. «Ab jetzt werde ich den Reissverschluss der Tasche immer schliessen.» Im Einkaufszentrum Herti hat Ambre sein nächstes Opfer im Blick. Eine ältere Dame ruht sich auf der Sitzbank aus. Ihre Einkaufstasche hat sie neben sich hingestellt. Der 38-jährige Franzose, der in ganz Europa als Trickdieb in TV-

mich gewehrt, aber die Uhr ist weg.» Die nächsten Opfer sind zwei Damen. Marlies Inauer (61) ist ihre rund 1500 Franken teure Uhr los, auch das Portemonnaie ist weg. Ambre gibt ihr alles zurück. Susanne Odermatt (55) hat kein Zigarettenetui mehr. «Das ging blitzschnell», so ihr Kommentar. Inauer wurde am Bahnhof Zug schon bestohlen. «Einer half mir den Koffer in den Zug zu tragen. Nach dem Einsteigen fehlten Flugtickets und Geld.» Zum Schluss demonstriert Ambre einen gängigen Trick: Sein Kollege wirft ein paar Geldstücke direkt vor die Füsse der erstaunten Opfer – diese sind abgelenkt, Ambre packt die Handtasche. Innerhalb von zwei Stunden hat Christophe Ambre locker zehn Opfer gefunden. Dabei waren die Bedingungen hier im Metalli gegen 14 Uhr für den Trickdieb nicht optimal. «Am besten ist es, wenn viele Personen zusammenstehen und ein Gedränge herrscht.» Bei einem gleichen Test im Zürcher Hauptbahnhof hatte er innerhalb einer Stunde rund 20 000 Franken erbeutet.

Joe Müller, Präventionsbeauftragter Zuger Polizei

Wo sind die Taschendiebe aktiv? Welche Erfahrungen gibt es in Zug mit Taschendieben? Joe Müller: Meist sind diese bandenmässig organisiert. Oft sind zwei Täter gleichzeitig unterwegs: Der eine lenkt die Leute ab, greift zu und gibt die Beute blitzschnell seinem Kompli-

An welchen Orten langen die Täter mit Vorliebe zu? Müller: Dort, wo sich viele Menschen aufhalten und wo ein Gedränge herrscht. Die klassischen Orte sind der Bahnhof, Restaurants, Bars, das Metalli

NACHGEFRAGT oder andere grosse Einkaufszentren. 2009 gab es im Kanton Zug 187 Anzeigen wegen Taschendiebstählen. Gibt es spezielle Zeiten, in der Taschendiebe unterwegs sind? Müller: In den Stosszeiten: am Mor-

Die Polizei rät ZUG uc. Die Zuger Polizei erklärt, wie man sich vor Taschendieben schützen kann: ● Geld, Schecks, Kreditkarten und Ausweise immer in verschiedenen Innentaschen und möglichst dicht am Körper tragen. ● Hand-, Umhänge- und Einkaufstaschen verschlossen tragen. ● Seien Sie aufmerksam, wenn Sie jemand anrempelt. ● Den Geldbeutel nicht oben in die Einkaufstasche legen. ● Handtaschen und Kleidungsstücke mit Portemonnaies und Wertsachen in öffentlichen Lokalen nicht an Stuhllehnen hängen. ● Achten Sie beim Anprobieren von Kleidern auf Ihre Wertsachen. ● Nichts unbeaufsichtigt lassen. Zum Thema Sicherheit steht die Zuger Polizei gern mit Rat und Tat zur Seite. Melden Sie sich unter 041 728 41 41 oder informieren Sie sich unter www.zugerpolizei.ch

gen, über den Mittag und am Abend. Dann werden gerne Passagiere bestohlen, die schnell in den Zug einsteigen oder ihn verlassen. Auch in der Weihnachtszeit sind viele Leute in der Stadt. Wir verstärken dann die Patrouillen, die gezielt auf Taschendiebe achten. Erkennen wir, dass Diebe aktiv sind, verstärken wir auch unter dem Jahr unsere Anstrengungen. Sei dies durch uniformierte Präventionspatrouillen oder durch zivile Fahnder. Was wird meistens geklaut? Müller: Beliebt sind Portemonnaies und Handys. Oft stehen Diebe auch in der Nähe von den Geldautomaten und beobachten jemanden bei der Eingabe des Pincodes. Sie klauen das Portemonnaie mit der Bankkarte drin und heben dann viel Geld ab. LUC MÜLLER


Donnerstag, 12. Februar 2009 / Nr. 35

Z U G E R G E M E I N D E N 19

Neue Zuger Zeitung

NACHRICHTEN

Baar

Neue Gewerbeflächen

Der Mann mit dem Tunnelblick

Hünenberg – Nachdem die Alfred Müller AG im Sommer 2008 das erste Gebäude des neuen Gewerbezentrums Rothus-Bösch in Betrieb genommen hat, wird sie in einem zweiten Bau weitere 2770 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stellen. Die Räume können gemäss dem Unternehmen gemietet oder gekauft werden. Das Gewerbegebiet Bösch in Hünenberg (Bild) wird in den kommenden Jahren noch etwas weiterwachsen. (red)

Cham

Raser mit 190 Sachen unterwegs red. Ein 31-jähriger Japaner war gestern trotz Schneefalls um 9 Uhr morgens auf der A 4 mit 190 Stundenkilometern unterwegs. In Cham fiel der Raser einem zivilen Polizeifahrzeug auf. Die Polizisten nahmen die Verfolgung auf, wobei die Nachfahrmessung teilweise Spitzengeschwindigkeiten von über 190 Stundenkilometern ergab. Die Verfolgung musste aber wegen der prekären Witterungsverhältnisse und des regen Verkehrs aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden.

In Brunnen gestellt Nach Angaben von Marcel Schlatter, stellvertretendem Kommunikationsbeauftragten der Zuger Strafverfolgungsbehörden, konnte der Raser mit Unterstützung der Kantonspolizei Schwyz schliesslich am Autobahnende in Brunnen angehalten werden. Der Lenker wird sich vor der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug verantworten müssen. In der Schweiz darf er auf unbestimmte Zeit kein Auto mehr lenken. Zur Sicherheit musste er ein Bussendepot von 2000 Franken direkt bezahlen.

LESERAKTION

Ihre alten Fasnachtsfotos

Alles im Blick: Streckenwärter Beat Amstad auf seinem Kontollgang kurz nach dem Tunneleingang bei Baar-Litti.

Bei seinem Lauf bleiben nur seine privaten Gedanken auf der Strecke – alles andere entfernt oder notiert Beat Amstad ganz akribisch. VON LUC MÜLLER

Während der Fasnachtstage, vom Schmutzigen Donnerstag, 19. Februar, bis Güdelzischtig, 24. Februar, startet die «Neue Zuger Zeitung» eine Leseraktion. ● Wie haben Sie früher die Fasnacht gefeiert? An welchen Bällen waren Sie allein oder mit Freunden aktiv, und welches Kostüm haben Sie getragen? Befinden sich solche Schnappschüsse aus den Sechziger- bis Achtzigerjahren in Ihrem Fotoalbum oder in einer Kiste? Oder haben Sie bereits welche in elektronischer Form? ● Wir suchen nostalgische Erinnerungen an Ihre lustigsten Stunden. Die schönsten Fasnachtsbilder unserer Leser werden ausgewählt und zwischen dem 19. bis 24. Februar auf unseren Fasnachtssonderseiten veröffentlicht. ● Einsendeschluss ist am Montag, 16. Februar. Nach den Fasnachtstagen erhalten Sie die eingesandten Fotos garantiert zurück. Unsere Adresse: Redaktion «Neue Zuger Zeitung», Postfach, 6301 Zug. ●

GRATULATIONEN 98. Geburtstag. Baar – Bei guter Gesundheit und geistiger Frische feierte gestern Josefina Hubli im Altersheim Martinspark in Baar den 98. Geburtstag und damit ein hohes Wiegenfest. Wir gratulieren und wünschen ihr nachträglich nur das Allerbeste und dass sie in ihrer geliebten Umgebung noch viele kleine Spaziergänge machen kann.

Der Puls steigt. Mit 120 Stundenkilometern rast der Schnellzug kurz vor dem Gesichtsfeld durch – in der Sicherheitsnische wartet Streckenwärter Beat Amstad seelenruhig die Durchfahrt ab. Noch lange zieht der Luftstrom nach. Einmal in der Woche marschiert er mitten auf den Gleisen durch den Albis-Zugtunnel. Von Litti bei Baar bis Sihlbrugg sind das rund 3,5 Kilometer.

Angekratzte Schiene Eine Helmlampe spendet Licht, mit einer Handlampe leuchtet der 58-Jährige gleichzeitig die Gleise ab. Im Tunnel nimmt der Luftzug zu. Das sichere Anzeichen: Der nächste Zug rollt an. Albert Iten (38), Technischer Assistent, warnt per Hornstössen. Er ist heute ausnahmsweise als Begleiter dabei. Alle 50 Meter sind in der Tunnelwand Nischen eingebracht – Iten und

BILD STEFAN KAISER

Amstad warten darin, bis der Interregio Oberseite ist leicht einseitig abgefahren geräuschvoll durchgezogen ist. Im Nor- – für den Laien nicht zu sehen. Die malfall fahren pro Stunde acht Züge Lichtkegel tasten die dunklen Tunneldurch den Tunnel, dessen Grundsub- wände ab. Auch auf die Fahrleitungen stanz mehr als 112 Jahre alt ist. «Ich muss er ein Auge werfen. kenne viele, die nie hier durchlaufen würden. Dieser Job in der Dunkelheit Neuer Cisalpino auf Probefahrt ist nicht für jedermann», sagt Amstad Amstad verlangsamt seine Schritte. und bückt sich über die Gleise. Hier ist In der beleuchteten Kilometeranzeige die Schienenoberfläche angekratzt. Der ist eine Glühbirne auszuwechseln. Streckenwärter macht eine Notiz in «Nein, für private Gedanken bleibt keiseinem Streckenbuch. ne Zeit. Ich muss meinen Blick überall «Früher kamen einem ab und zu haben.» Das automatische Warnsystem Ratten entgegen, doch seit der Sanie- schlägt an. Gelbe Lichter blinken. Die rung 1984 sind Tiere im Tunnel selten. nächste Zugsdurchfahrt. Der neue CisEinen toten Hund habe ich auch schon alpino auf Probefahrt. entdeckt.» Amstad Die Gleisstrecke ist täglich alleine auf besteht aus mehre«Früher kamen einem ab den Strecken in der ren rund 108 Meter Region Zug und eilangen Gleisstränund zu Ratten entgegen.» nem Teil des Kangen, die zusammenB E AT A M S TA D , tons Aargau für Kongeschweisst werden. S B B - S T R E C K E N WÄ R T E R trollgänge unter«Auf solche Schweisswegs. Pro Tag läuft er verbindungen achte bis zu 14 Kilometer ab – bei Wind, ich besonders. Diese hier ist angerissen», erklärt der 58-Jährige, während er Regen oder Sonnenschein. das Stück mit Kreide markiert. 5 Meter breit Ein Schulterblick zurück: Der TunnelDer nächste Zug zischt durch den eingang in Richtung Baar hat sich zum rund 5 Meter breiten und 5,6 Meter kleinen weissen Punkt verengt. Inzwihohen Tunnel. «Da war ein Rattern zu schen ist der Kanton Zürich erreicht, hören«, analysiert der Streckenläufer. wie die Kilometertafel an der schmutEin Kontrollblick auf das Gleisstück: Die zig-dunklen Wand ausweist. Schwelle

EXPRESS 6 Der SBB-Streckenläufer durchquert den Albistunnel einmal pro Woche. 6 Täglich ist er bis zu 14 Kilometer auf verschiedenen Gleisstrecken unterwegs.

für Schwelle taucht kurz im Licht auf und verschwindet langsam wieder in der Dunkelheit. Unter den Füssen knirscht der Gleisschotter.

Schmerzende Augen Beat Amstad ist wieder fündig geworden. Auf der Schienenoberfläche ist eine hauchdünne Einkerbung zu sehen. In einer der Nischen lagert ein rotes Plastikteil. «Das lag kürzlich neben dem Gleis. Das stammt vermutlich von einem Zug», so die Analyse des Streckenläufers. Das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels ist zu sehen. Noch eine leichte Kurve, dann ist Sihlbrugg erreicht. Die Augen schmerzen kurz wegen der Helligkeit. Draussen tanzen die Schneeflocken. Zwei Stunden zuvor in Baar-Litti fiel noch kein Schnee. ANZEIGE

Steinhausen

Aussen ist so gut wie alles fertig Die Gemeinde hat eine neue «landmark». Sie ist vor allem blau. Dunkelblau. Wie ein grosser, blauer Legoklotz liegt der gewaltige Neubau den Swisspor-Firma in der Senke verschneiter Hügel. «Ende April legen wir mit der Produktion los», verrät Firmenchef Bernhard Alpstaeg. Während an dem neuen Gebäude aussen schon fast alles fertig ist – unter anderem ist die Dachbegrünung noch nicht abgeschlossen –, montieren Arbeiter im Inneren der im Mai 2007 abgebrannten Dämmstofffabrik die neuen Maschinen. «Sie kosten 15 Millionen Franken», verrät Alpstaeg. Im Herbst soll die neue Fabrik offiziell eingeweiht werden. 70 Mitarbeiter kehren dann an ihren Arbeitsplatz in Steinhausen zurück. Sie haben übergangsweise an anderen

Swisspor-Standorten gearbeitet. Es kommt sogar zu Neueinstellungen. «Denn nicht alle wollen wieder hierher», so Alpstaeg. Der eine oder andere hätte in der Westschweiz eine Partnerin gefun-

den. Der Firmenpatron schätzt sich glücklich, dass der Kelch der Finanz- und Wirtschaftskrise bisher an seinem Unternehmen vorbeigegangen sei. «Wir sind solide finanziert.» WOLFGANG HOLZ Auf die Piste, Ab CHf 1060.– für 3 NäCHte. iNklusive skiPAss uNd WellNess. Machen Sie Ihren Skiurlaub im März zu einem Erlebnis: Geniessen Sie Gastfreundschaft, Spitzengastronomie und ein umfassendes Wellness-Angebot. Alles inklusive. Spezielle Angebote für 3 bis 7 Nächte.

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24 ZUGER LEUTE

* Zentralschweiz am Sonntag 30. November 2008 / Nr. 13

Velokurierin

Sie strampelt sich gerne ab Der Lohn für die Fahrt durch Regen oder Schnee sind eine trainierte Muskulatur und begeisterte Kommentare. VON LUC MÜLLER

Wer nicht unbedingt muss, schwingt sich bei dieser Hundskälte nicht aufs Velo. Klamme Finger, tropfende Nase und eisige Ohren – nein danke. Christine Rüegger hingegen scheint der Gedanke zu erwärmen, dass sie gleich für die nächsten sieben Stunden in die Pedale treten darf. Die Velokurierin strahlt übers ganze Gesicht. «Sobald ich auf dem Fahrrad sitze, ist mir egal, welches Wetter herrscht. Ich bin dann in meinem Element», schwärmt die gebürtige Chamerin. «In meinem Job kann ich Beruf und Sport verbinden. Das ist ideal.» In einem kleinen Büro an der Zuger Neugasse hat die Firma Velokurier Luzern eine Aussenstelle: 15 Angestellte führen Aufträge per Drahtesel aus, als Filialleiterin ist Rüegger für die Koordination zuständig.

Je länger, desto besser In einem Teilpensum ist sie zudem als Lehrerin tätig – natürlich unterrichtet sie Sport. «Ach Du Arme, als Lehrerin hast du ja immer Ferien», sei die spöttische Standardbemerkung, «erzähl ich aber, dass ich Velokurierin bin, sind alle durchwegs begeistert.» Täglich strampelt die 26-Jährige bis zu 60 Kilometer ab. Formvollendete Beine und ein knackiger Po sind die Belohnung, «die Muskulatur hat sich verändert, und ich habe mehr Appetit», verrät sie. Mit auf dem Rücken geschnalltem Rucksack schlängelt sie sich drei Mal die Woche durch die engen Gassen der Altstadt. Spurtet mit 40 Stundenkilometern nach Baar oder Cham und erklimmt «kurze, aber heftige» Steigungen am Zugerberg. «Je länger eine Fahrt dauert, desto besser. Dann komm ich erst richtig in Schwung.» Nein, Muskelkater habe sie nach einem Arbeitstag auf dem Velo nicht mehr. Das letzte Mal hätten die Beine so richtig geschmerzt, als sie mit einem mit 60 Kilogramm beladenen Anhänger nach Sihlbrugg gefahren sei. Ein Kunde hatte 20 Päckchen mit Flyern geordert. «Velofahren ist wie eine Sucht. Auch in der Freizeit setze ich mich noch gerne auf den Sattel.» Dokumente für Anwaltskanzleien oder Behörden, Blutproben sowie Röntgenbilder für Ärzte und Spitäler, ein Hörgerät zur Reinigung oder Sandwiches für die Mittagspause in den Büros – die Kuriere transportieren fast alles. Meistens kennen sie den Inhalt jedoch nicht. Über die Kühlerhaube geflogen Warum lassen Kunden überhaupt per Velokurier transportieren? «Gerade in der Stadt sind wir brutal schnell.» Kein Transportmittel könne da bezüglich Wendigkeit und Tempo konkurrieren. «Ich halte mich aber immer an die Verkehrsregeln», sagt sie mit einem Augenzwinkern und schiebt ein erfrischendes Lachen nach. Wenn sie schon mal durch die Fussgängerzone radle, dann mit allergrösster Vorsicht. Problematisch seien eher die Autofahrer –

Weitere Auskünfte

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m Anfang war ein sperriger Satz: «Wegen unterschiedlicher Auffassungen in Bezug auf die Unternehmensphilosophie, die Neuausrichtung des Zuger Kantonsspitals am Markt und deren Umsetzungstempo haben der Verwaltungsrat und Robert Bisig entschieden, dass Robert Bisig sein Amt als CEO zur Verfügung stellt.» Und fett über dieser Mitteilung stand: Ausser dieser Medienmitteilung werden keine weiteren Auskünfte erteilt.

Diese Aufforderung zum Nachhaken ist genau elf Tage alt. Seither hat unsere Zeitung das Drama

ZUG UM ZUG Christian Peter Meier

um die Absetzung des beliebten Spitalchefs in mehreren Akten erzählt. Süffig und korrekt. Weil die unmittelbar betroffenen Personen nichts wussten, nichts sagten oder nicht sprechen durften, haben wir andere verlässliche Informanten aufgespürt. Mit dem Resultat, dass am (vorläufigen) Schluss der Geschichte die üblichen Quellen wieder munter sprudeln. Und auch der Direktbetroffene reden darf (siehe eine Seite weiter vorne). Da hüpft das Herz des Journalisten! Denn dieser «Fall» illustriert zwei Tatsachen – eigentlich Binsenwahrheiten, die aber trotzdem oft ignoriert werden: Erstens: Schweigen ist nicht Gold, sondern schlecht. Wenigstens dann, wenn brennende Fragen im Raum stehen. Wer schweigt, lässt andere reden. Zweitens: Wir Medien sind tatsächlich nicht nur Informationsquellen für unsere Konsumenten, sondern – mit den gleichen Konsumenten im Rücken – auch eine Kontrollinstanz.

Trotzt der Kälte: Christine Rüegger. BILD FABIENNE ARENT

«viele setzen keinen Blinker beim Ab- Reifen habe ich mir gegönnt. Der Super biegen oder vergessen den Blick in den Marathon Plus ist besonders strapazierRückspiegel.» Seit acht Jahren ist die fähig.» 26-Jährige nun schon per Velo unterwegs. «Über die Kühlerhaube hat es Nur dünne Handschuhe mich geschleudert. Der Wagen hat mir Noch kurze Zeit, dann beginnt ihre klar die Vorfahrt genommen.» Mit Prel- Schicht. Thermounterwäsche. Ein dilungen und einem demolierten Rad sei ckeres Fahrradleibchen. Eine dünne ihr bisher einziger orangefarbene Jacke, Unfall aber glimpfeine zweite drüber. «Sobald ich auf dem Velo lich ausgegangen. «Ich achte eher daDas Rad müssen rauf, dass ich nicht sitze, ist mir egal, welches die Kuriere selbst schwitze. Beim FahWetter herrscht.» stellen. Deshalb ren bekomme ich CHRISTINE RÜEGGER, fährt Christine Rüeggenug warm.» Die VELOKURIERIN ger kein einzigartiges Finger sind nur mit Topmodell, sondern dünnen Handschuein gelbes Citybike mit 24 Gängen. Das hen bedeckt, «ich muss ja die SendunRad müsse vor allem robust sein, vom gen quittieren und so öfters zum KugelRennrad sei sie weggekommen. «Neue schreiber greifen. Da kann ich keine

EXPRESS 6 Seit acht Jahren ist sie als Velokurierin in der Region Zug unterwegs. 6 Täglich legt sie auf ihrem Fahrrad bis zu 60 Kilometer zurück.

dicke Fingerlinge gebrauchen.» Jetzt noch den Fahrradhelm montieren und die Sonnenbrille aufsetzen. Schon entschwindet Christine Rüegger dem Zugersee entlang. Die wenigen Enten am Ufer hocken ganz dicht aneinandergekuschelt – eine bissige Kälte hat die Seepromenade fest im Griff.

Welche Entwicklung wird diese Geschichte noch nehmen? Nun, Robert Bisig dürfte dank seines unbestrittenen Leistungsausweises einen neuen Job als Führungskraft finden. Falls nicht, kann er seine Regierungsratsrente beanspruchen. Aus dem Verwaltungsrat werden sich wohl noch weitere Personen verabschieden – freiwillig oder nicht. Sollte am Schluss keiner von der alten Garde übrig bleiben, würde das nicht gross erstaunen. Und auf dem politischen Parkett? Dort werden womöglich die Alternativen einen Triumph feiern. Sie erwägen eine Volksinitiative zur Rückumwandlung der Kantonsspital AG in eine öffentlich-rechtliche Institution. Vor zehn Jahren haben sie sich vergeblich gegen die Privatisierung gewehrt. Zurzeit halten sie ein ungleich besseres Blatt in den Händen.

BAHNHOF ZUG: LANCIERUNG RAIL CITY UND 5-JAHR-JUBILÄUM

Champions League, Champagnerlaune, Charmeoffensive «Mit 5200 Gebäuden und 6 Milliarden Franken Ertragswert sind wir nicht die kleinste Immobilienfirma», sagt Remo Zberg, der Leiter Bewirtschaftung SBB Immobilien, bei seiner Rede zur Lancierung Rail City Zug. «Das ist der schönste Bahnhof der Schweiz», bekennt Rail-City-Leiter Kurt Hürlimann: «Zumindest bis der neue Aarauer Bahnhof fertig ist.» Die Ernennung zu einem der acht Rail Citys kommentiert Stadtpräsident Dolfi Müller so: «Wer schafft es schon, in nur fünf Jahren in die Champions League der Schweizer Bahnhöfe auf-

Freuen sich über die Aufwertung des Zuger Bahnhofs: Hans Marti, Andreas Kaufmann BILDER CHARLY KEISER und Andreas Bossard (von links).

zusteigen.» Hans Marti, Leiter Kontaktstelle Wirtschaft, ist begeistert: «Ich finde es sensationell, dass unsere Stadt mit nur gerade 23 000 Einwohnern einen Top-acht-Bahnhof hat.» Das sei eine weitere Auszeichnung für Zug. «Ich bin natürlich stolz», gibt Stadtrat Andreas Bossard zu. Für ihn sei der öffentliche Verkehr ein Schlüsselgebiet seines Departements. Freude am «Aufstieg» zeigt auch der Leiter des SBB-Rechenzentrums, Andreas Kaufmann: «Seit der Einführung steigern wir unseren Umsatz überproportional.» Werner Klein wohnt in Luzern und seine Freundin in Zürich: «Der Bahnhof Zug ist der beste Arbeitsplatz, den ich mir wünschen kann», sagt der Verwaltungsrat einer Vermögensgesellschaft. Elisabeth Hehn wohnt seit acht

Arbeiten im Bahnhof: Werner Klein (links), Elisabeth Hehn und Kurt Hürlimann. Jahren in Walchwil und arbeitet auch in der Zuger Rail City: «Im Zuger Bahnhof gibt es eine ‹Trading Community›, die ihresgleichen sucht – und zwar weltweit.» C H A R LY K E I S E R


ZÜricHSee 5

ZÜricHSee-ZeitUnG beZirk meiLen Montag, 20. juni 2011

Die gute Laune ist ihr wichtigstes Instrument HerrLiberG / St. GALLen. Mit Witz, Fröhlichkeit und einem anspruchsvollem Repertoire hat der Musikverein Herrliberg am Samstag das Abenteuer Eidgenössisches Musikfest in St. Gallen bestritten.

Die Krawatten sind gelockert, die obersten Hemdenknöpfe geöffnet – gleich folgt der genussvolle Biss in die St. Galler Olma-Bratwurst. «Kann ich noch Senf dazu haben?», frotzelt Klarinettist Stephan Schudel (50). Die Bedienung im Festzelt zeigt sich schlagfertig und meint mit einem Lächeln: «Ach, die Zürcher sind wieder einmal frech.» Genau diese Geselligkeit und Fröhlichkeit liebe er am Musikverein (MV) Herrliberg, ergänzt Nino Wrede (20), der seit 2008 dabei ist und Fagott spielt. «Musik machen steht zwar auch bei uns im Vordergrund, aber wir sind nicht so verbissen und ernst», sagt das jüngste Vereinsmitglied.

In Container ausgelagert

Zu wenig Show gemacht

Herzklopfen und Nervosität Rückblick. 13.51 Uhr: Der grosse Moment steht kurz bevor. Fast zwei Monate intensives Proben liegt hinter den Musikern. Nun machen sie sich auf den Weg zur Aula-Bühne: Klarinettistin Gaby Streiff (49) «mit Herzklopfen und einem Kribbeln im Bauch», Tubaspieler Urs Farrér (45)

HombrecHtikon. Die SVP stimmt der Jahresrechnung 2010 zu und sagt Ja zum Projektierungskredit für die Sanierung des Gemeindehauses. An der Parteiversammlung der SVP Hombrechtikon präsentierte Finanzvorsteherin Jeannette Honegger (SVP) die Jahresrechnung der Politischen Gemeinde 2010. Dank höherer Steuereinnahmen habe man die Rechnung im Positiven abschneiden können, sagte die Gemeinderätin in ihrem Referat. Etwas mehr Sorge bereite ihr allerdings die Zukunft. «Die finanzielle Situation ist für Hombrechtikon ungewiss», begründete sie. Der Finanzausgleich sei im vergangenen Jahr noch kein Thema gewesen, werde aber entscheidend in die diesjährige Budgetierung einfliessen. Dazu käme die neue Pflegefinanzierung und nicht zuletzt auch die Veränderungen im Spital Männedorf. «Wir werden auch dieses Jahr wieder knapp kalkulieren müssen.» Die SVP Hombrechtikon beschloss anschliessend an das Referat, die Jahresrechnung 2010 anzunehmen, wie die Partei in ihrer Mitteilung schreibt.

Luc MüLLer

Trotz Dauerregen ist die Laune an diesem Samstag prächtig. Die Herrliberger haben ihren Auftritt am Eidgenössischen Musikfestival – gemäss den Organisatoren das grösste Musikfest der Welt – bereits hinter sich. Mit Filmmusik («How to train you dragon»), einem Stück aus dem Musical «West Side Story», und der Komposition «Flashing winds» waren die Zürcher angereist. 74,6: So die Wertung der Jury, die maximal 100 Punkte vergeben kann. «Enttäuschung schwingt mit», gesteht Stephan Schudel, der seit 32 Jahren im Verein musiziert. «Die anderen Bands haben viel stärker auf Showeinlagen gesetzt», so seine erste Analyse, «das hat mehr Punkte gebracht.» Und Wrede doppelt nach: «Unser Verein spielt in der Kategorie Unterhaltungsmusik. Mit unseren Stücken haben wir eher Konzertmusik dargeboten, das war vielleicht ein Problem.» Die nächste Runde Bier wird bestellt. Die Anspannung ist verflogen. Vor rund drei Stunden sah das noch ganz anders aus.

SVP befürwortet alle Geschäfte

Diese drei Herrliberger spielen die grössten und die kleinsten instrumente (von links): tubaspieler othmar Hobbi, Piccolospielerin brigitte meier und Urs Farrér mit es-bass-tuba. Bilder: Luc Müller

mit «Anspannung, die ich aber brauche, um gut zu spielen» und Werner Steiger (Waldhorn) mit «schrecklicher Nervosität». 14.10 Uhr: Das Saxophon-Solo kommt sauber daher, die Trommeleinlage begeistert. Nach rund 20 Minuten ist alles vorbei. «Wir haben schwierige Stücke gespielt», bilanziert Dirigent Bircher, «wir sind an die oberste Grenze unseres Könnens gegangen. Ich bin zufrieden mit unserer Leistung.» Ein paar Punkte mehr habe er sich schon erhofft, so Hanspeter Bircher (45), der in Chur wohnt und seit vier Jahren den MV Herrliberg musikalisch leitet. In St. Gallen hatte er einen seiner letzten

grossen Auftritte, nun zieht er sich zurück. Auf September sucht der Herrliberger Verein deshalb einen neuen Musikchef. 23 Musiker spielen im MV Herrliberg – in St. Gallen war das Orchester 36-köpfig. «Um jede Stimme zu besetzen, haben wir Musiker von den Nachbarvereinen dazugeholt», so Bircher. So auch Werner Steiger, der sonst für den MV Uetikon ins Waldhorn bläst: «Heute waren wir fast eine vereinigte Zürichseemusik.»

Der Nachwuchs fehlt Seit 50 Jahren ist Hermann Schatt Musiker: Im Mai wurde er zum Kanto-

nalen Ehrenveteran gekürt. Fünf Mal war er schon an einem «Eidgenössischen» dabei, das alle fünf Jahre stattfindet. «Mit der Akustik im Saal bin ich heute nicht gut zurecht gekommen.» Dem MV Herrliberg ist der Euphoniumspieler seit seinem 16. Lebensjahr treu: «Dass man gemeinsam etwas unternimmt, das ist der Trumpf am Vereinsleben.» Jedoch wollten sich immer weniger Junge an einen Verein binden, erklärt Präsidentin Vreni Kleiner, die Klarinette spielt: «Früher waren wir viel mehr Mitglieder.» An ein Musikfest kann sich Schatt noch gut erinnern: «Ein paar Kollegen machten ab, dass sie vom ‹Eidgenössischen› in Luzern nach Herrliberg laufen, wenn sie einen Goldkranz erspielen», erzählt der Hornspieler, «das kam dann auch so. Eine Woche später haben sie das Versprechen eingelöst.»

Danach befasste sich die SVP mit dem zweiten Geschäft auf der Traktandenliste der Gemeindeversammlung. Das Gemeindehaus, ein Bau aus dem Jahr 1961, «platze aus allen Nähten», sagte Tino Ponato (SVP), Ressortvorsteher Hochbau und Liegenschaften, an der Parteiversammlung. Es sei zu einer Zeit gebaut worden, als Hombrechtikon eine Einwohnerzahl von rund 3500 Personen hatte. «Die Bevölkerung hat sich seither mehr als verdoppelt», sagte Ponato. Seinen Erläuterungen zufolge herrscht Sanierungsbedarf am 50-jährigen Gebäude. Zudem werden dringend mehr Räumlichkeiten benötigt. Aufgrund des Platzmangels arbeite man beispielsweise bei den Abteilungen Tiefbau und Werke seit Anfang 2011 in gemieteten Containern, und in der ganzen Gemeindeverwaltung gäbe es nur noch ein einziges Sitzungszimmer. Mit einem geschätzten Gesamtkredit von 2,6 Millionen Franken, wolle man das Hauptgebäude auf eine Weise aufstocken, welche die Bedürfnisse an Büroräumlichkeiten für die nächsten 15 bis 20 Jahre abdecken würde, sagte Ponato. Wie die Partei mitteilt, liessen sich die Mitglieder von Tino Ponatos Darstellung überzeugen und fassten einstimmig die Ja-Parole für den Projektierungskredit in der Höhe von 230 000 Franken, der für das Bauvorhaben benötigt wird. Gastreferent des Abends war SVPKantonsrat Claudio Zanetti. Der Zolliker, der für einen Sitz im Nationalrat kandidiert, berichtete über den Drang der Politiker, die seiner Meinung nach «stets neue und oft unnötige Gesetze verabschieden und den Bürger bevormunden». (zsz)

Zufrieden mit Schlussresultat

Lassen sich nach getaner Arbeit die St. Galler olma-bratwurst schmecken (von links): Sandro baer, Gerda Wrede, monica Vretscha und Vreni kleiner.

Rudolf Huber (66, Tenorhorn) spielt seit 52 Jahren beim MV Herrliberg und ist somit das dienstälteste Mitglied. Was hat sich in den vergangenen Jahrzehnten alles geändert? «Das ‹Eidgenössische› wird immer mehr zu einer Sportveranstaltung, früher war der Ehrgeiz noch nicht so stark. Man freute sich einfach, dabei zu sein.» Dabei sein ist alles: Das galt am Ende auch für den MV Herrliberg. In seiner Stärkeklasse «Unterhaltungsmusik Mittelstufe Harmonie» belegten die Musiker in ihrer Gruppe unter acht Teilnehmern den siebten Platz. Das Fazit von Es-Bass-Tubaspieler Urs Farrér: «Wir waren in St. Gallen nicht schlechter als in den Proben. Es hat alles so geklappt, wie wir es wollten. Deshalb ist unsere Truppe mit ihrer Leistung zufrieden.»

Eine Rechnung und viele Informationen Uetikon. Die Gemeindeversammlung von heute Abend im Riedstegsaal weist nur ein Geschäft auf: die Jahresrechnung der Gemeinde. Sie fällt positiv aus. Budgetiert war nämlich ein Minus von 0,64 Millionen Franken. Tatsächlich schloss Uetikon mit einem Plus von 0,54 Mio. ab. Mehr zu reden geben dürfte daher der zweite Teil des Abend. Der Gemeinderat informiert über drei wichtige Projekte. Dazu gehören die Umgestaltung des Verkehrsknotens Kleindorf, die Busverbindung Bahnhof–Binziger und das Projekt Wärmeverbund Zentrum. Die Gemeindeversammlung findet um 20 statt. (di)


ZÜRICHSEE

ZÜRICHSEE-ZEITUNG BEZIRK MEILEN MONTAG, 25. JULI 2011

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Musste sich noch nicht von seiner Familie und seinem Stofftier (dem «weissen Wolf») verabschieden: Georgy Pachomov. Vater Alexander Pachomov, Tochter Elisaveta, Mutter Nina und die Dolmetscherin Zarina Tadjibaeva spendeten ihm Kraft während seiner Zeit in der Schweiz (von links). Bild: Sabine Rock

Georg , der kleine Held aus Chabarowsk UETIKON. K M a R a K S Pa ä

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Statt Benzin kommt Sand in den Tank Frankfurter Professor entdeckt Silizium als neuen Energieträger - Anwendung in der Praxis eines Tages denkbar

Sand steht im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen nahezu unbegrenzt zur Verfügung. UNSEREM MlTARBEITER Luc MÜLLER

• Abgefüllt in einem kleinen Plastikfläschchen liegt ein unscheinbares schwarzes Pulver auf dem Tisch, das die Energieprobleme der Zukunft lösen könnte. Norbert Auner, Professor am Institut für Anorganische Chemie der Universität Frankfurt am Main, nimmt das kleine Döschen in die Hand. Silizium heißt der Stoff, der als Energieträger ungeahnte Vorteile mit sich bringen könnte. Und dabei ist dieses Element aus Wüsten- oder Seesand herzustellen, denn der enhält Quarz, eine Verbindung aus Silizium und Sauerstoff. Auners Idee klingt bestechend: Er hat ein Verfahren entwickelt, aus dem Rohstoff Sand, der nahezu unbegrenzt zur Verfügung steht, Energie zu produzieren, ohne dabei wie heute noch üblich auf Kohle. Erdöl oder Erdgas zurückzugreifen. Diese fossilen Rohstoffe basieren auf Kohlenstoff, bei ihrer Verbrennung entsteht nicht nur das Treibhausgas Kohlendioxid, sie werden auch in absehbarer Zeit nicht mehr zu Verfügung stehen. Erneuerbare Energien wie Solarthermik, Biomasse und Wasserkraft allein können den Energiebedarf noch nicht decken. „Der Energieträger der Zukunft ist sicher Wasserstoff. Doch auch bei sei-

ner Erzeugung werden fossile Brennstoffe benötigt", so Auner. Außerdem sei die Speicherung aufwändig und der Transport nicht ohne Risiko. Bei Auners Modell ist sowohl Ausgangs- als auch Endpunkt schlichter Sand. Mit Energie aus regenerativen Quellen und durch chemische Prozesse wird dem Sand der Sauerstoff entzogen. Das so gewonnene Silizium speichert die zur Trennung eingesetzte Energie, wird somit zum Energieträger, der auch gefahrlos transportiert werden kann. Wertvolle Nebenprodukte Wird das Silizium verbrannt, also mit Sauerstoff wieder zu Siliziumdioxid, also zu reinem Sand, umgewandelt, setzt es 75 Prozent der eingesetzten Energie wieder frei. Es entstehen zudem wertvolle Nebenprodukte. So liefert die Verbrennung mit Sauerstoff eben den hochwertigen Sand. Wird statt dessen Stickstoff eingesetzt, entsteht Siliziumnitrid, ein keramisches Material, das zu Ammoniak weiterverarbeitet werden kann. Dieser liefert zum Beispiel den Grundstoff für die Düngemittelindustrie und kann mittels Elektrolyse zerlegt werden, wobei dann Wasserstoff entsteht. Das Interessante für die Industrie: Diese Prozesse laufen nach Auners Verfahren schon

bei Temperaturen zwischen 150 und 700 Grad Celsius ab. Ein Brodeln im Lagertank Dass Silizium auf diese Art reagiert, ist eigentlich nichts Neues. Bisher waren aber hohe Temperaturen nötig, um diese Reaktion in Gang zu setzen. Erst Auner ist es gelungen, den Stoff schon bei niedrigen Temperaturen zur Reaktion zu bringen. Diese Erkenntnis brachte 1998 ein Vorfall beim SilikonHersteller Wacker in Burghausen. In einem Lagertank hatte Silizium, einer der Grundstoffe bei der Herstellung von Silikonen, begonnen zu brodeln. Im Tank befand sich neben Silizium auch Kupferoxidstaub. Rasch zugefügter Stickstoff konnte diese Reaktion nicht wie üblich „ersticken". Ganz im Gegenteil, er förderte die Verbrennung sogar. Somit kann - zumindest im Labor aus Silizium. Luft und Stickstoff Energie produziert werden, die neben Wasserstoff und Ammoniak auch wertvolle Werkstoffe als Nebenprodukte liefert und kein Kohlendioxid freisetzt. Mit Hilfe von Silizium kann direkt vor Ort Wasserstoff gewonnen werden, der für Kraftwerke oder Brennstoffzellen eingesetzt werden kann. Wird Silizium mit Wasser vermischt, bildet sich bereits bei Raum-

temperatur ohne Zusätze WasserstotT und Sand. „Die Produktionsroute mit Wasser haben wir erst vor rund zwei Jahren entdeckt", sagt Auner. Der Wissenschaftler hält diesen Weg für das bedeutende Ergebnis: „Denn jetzt lässt sich bereits über zwei Stufen aus Sand Wasserstoff herstellen." Die Herstellung von Silizium ist bisher im Großverfahren noch abhängig von Kohlenstoff. Nun geht es darum, das Verfahren für die Industrie reif zu machen. Mit Vertretern der Industrie laufen Gespräche, so Auner. Musteranlagen im Großformat gibt es jedoch noch keine. Doch die Experten interessieren sich für die Idee des Frankfurter Chemikers. Auch der Silikon-Hersteller Wacker betreibt intensive Forschungen in diese Richtung, wie ein Unternehmenssprecher sagt. Bisher ist zur Produktion von Silikonen, die aus dem Grundstoff Silizium entstehen, noch giftiges Chlor nötig. Gerade die Erkenntnis, dass Silizium mit Stickstoff schon bei niedrigen Temperaturen verbrennt, eröffne nun neue Wege in der Silikonherstellung. Einige Produktionsschritte könnten wohl zukünftig eingespart werden, so der Sprecher. Sand als Treibstoff Auch für die Autoindustrie könnte das

Energiemodell des Frankfurter Professors von Nutzen sein, wenn Fahrzeuge mit aus Silizium gewonnenem Wasserstoff betrieben werden können. Daniel Herbst vom Institut für Kraftfahrzeugbau der Universität Karlsruhe hat im vergangenen Jahr das Silizium-Modell von Auner genauer unter die Lupe genommen. Versuche mit Fahrzeugen, die mit Wasserstoff betriebenen Brenstoffzellen fahren, haben gezeigt, so Herbst, dass Silizium ein optimaler Energiespeicher sei und eines Tages durchaus Benzin ersetzen könnte. Momentan seien die Versuchsfahrzeuge, die in einem Reformer direkt im Motor das Silizium in Wasserstoff umwandeln wegen des aufwändigen Aufbaus des Motors noch zu schwer. Herbsts Fazit: „Damit ist die Wasserstofferzeugung mit Hilfe von Silizium für den Serieneinsatz in Pkw noch nicht geeignet." Jedoch stelle sie in Verbindung mit Brennstoffzellen eine sicher handhabbare gewichts- und kostengünstige Alternative zu Battenesystemen dar. In Europa werde es wohl nicht rentabel sein, 50 Auner. Silizium in den nötigen Großmengen herzustellen, da für riesige Windparks oder Solaranlagen zu wenig freie Landfläche zur Verfügung stehe. Doch die Technologie könne in Regionen exportiert werden, in denen „Sand und Sonne im Überfluss existieren".


Neue Vorschriften der US-Börsenaufsicht reichen bis in die Pfalz BASF und Industrieverband wehren sich - Chefs börsennotierter Unternehmen müssen bei US-Aufsichtsbehörde Eid auf Bilanzen leisten VON UNSEREM REDAKTIONSMITGLIED Luc MÜLLER

• LUDWIGSHAFEN. Deutsche Unternehmen, die an der New Yorker Börse und bei Nasdaq gelistet sind, wehren sich gegen neue Vorschriften der US-Börsenaufsicht SEC, die seit Anfang August gelten. Sie sehen Gefängnisstrafen bei Bilanzfälschungen und die Ermittlung bei deutschen Wirtschaftsprüfern vor. Der Bundesverband der Deutschen Industrie will nun für die betroffenen Firmen bei der SEC Ausnahmeregelungen aushandeln. Als ein an der New Yorker Börse notiertes Unternehmen ist auch der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF von den neuen Auflagen der Securities and Exchange Commission (SEC), der Aufsichtsbehörde für Wertpapiergeschäfte in den USA, betroffen. Insgesamt sind 24 deutsche Firmen vom neuen US-Börsenrecht berührt, neben der BASF auch Siemens, DaimlerChrysler und die Deutsche Bank. „Unsere Rechtsabteilung hat das neue USRecht geprüft. Wir möchten nun, dass für deutsche Firmen Ausnahmen gemacht werden", sagte ein Sprecher der Münchner Siemens AG. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat sich mit den betroffenen deutschen Firmen zusammenge-

setzt, um sich im Vorgehen gegen die US-Vorschriften abzustimmen. „Wir haben uns mit einer Erklärung direkt an die SEC gewendet, um Ausnahmeregelungen zu erreichen", sagte Peter Wiesner, Rechtsexperte des BDI in Brüssel auf Anfrage. „Das deutsche System bietet gleichwertige Sicherheit. Wir halten es deshalb nicht für notwendig, dass deutschen Firmen dieselben Vorschriften auferlegt werden wie US-Unternehmen", so die Forderung. „Die verantwortlichen Mitglieder des Vorstands von Daimler-Chrysler unterschreiben bereits Erklärungen an die Wirtschaftsprüfer, und nach deutschem Recht ist der Vorstand für den Jahresabschluss verantwortlich", so diev Auskunft bei Daimler-Chrysler in Stuttgart. Die neue Vorschrift mit dem Namen Sarbanes-Oxley Act betrifft Rechnungslegung und Bilanzprüfung, wobei die SEC mehr Kontrollrechte bei europäischen Firmen erhalten hat. Das neue Gesetz bestraft Bilanzfälschungen und die Vernichtung von Geschäftsunterlagen härter: Es drohen bis zu 20 Jahren Haft. Bis gestern mussten deutsche Vorstände bei der SEC eine eidesstattliche Erklärung ablegen, dass ihre Firmen-Bilanzen korrekt erstellt wurden. Bei Verstößen haften die Vorstandschefs. „Diese Garantieerklärung birgt Gefahren. Es kann immer mal vorkommen, dass

Deutsche Unternehmen wie die BASF, deren Aktien an der New Yorker Börse gehandelt werden, müssen sich neuen Regeln beugen. —FOTO-. IMO

ein Prüfer unabsichtlich einen Fehler macht", sagte BDI-Rechtsexperte Wiesner. In deutschen Firmen wird die interne Bilanzprüfung durch die zuständigen Aufsichtsräte vorgenommen. Wegen der geltenden Mitbestimmung sind dort auch Arbeitnehmer vertreten. Nach amerikanischem Verständnis sind diese aber nicht unabhängig

genug: Das US-Recht will nun deutsche AGs zwingen, die Betriebsräte umzubauen. Die SEC hat neu das Recht, europäische Wirtschaftsprüfer zu kontrollieren und von ihnen Informationen zu verlangen. Dies gilt auch für Tochterfirmen von amerikanischen Konzernen in Europa. „Die neuen US-Vorschriften sind grundsätzlich nicht mit deutschem Recht zu verein-

baren", so Wiesner. „Die Stoßrichtung des Gesetzes ist eigentlich gut. Dadurch soll das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Kapitalmärkte zurückgewonnen werden", so ein Experte vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) in Düsseldorf. Doch das Gesetz greife schwerwiegend in die geltende deutsche Wirtschaftsprüfung ein. Eines der Hauptprobleme: In Deutschland

sind Wirtschaftsprüfer gesetzlich an eine Verschwiegenheitspflicht gebunden. Ein Rechtsexperte des IDW sagt dazu: „Informationen dürfen nur an das geprüfte Unternehmen weitergegeben werden und nicht an Dritte." Das US-Bilanzrecht sehe nun vor, dass Firmen an der New Yorker Börse und der Technologiebörse Nasdaq nur noch notiert würden, wenn sie zustimmten, Informationen von Wirtschaftsprüfern an die SEC weiterzugeben. In Deutschland hat die Bundesregierung zu Jahresbeginn eine neue Qualitätskontrolle für Wirtschaftsprüfer eingeführt. Und auf Vorschlag der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex gab es bereits Gesetzesänderungen. „So ist die Rechnungslegung bei Konzernabschlüssen verschärft worden", sagte der IDW-Experte. Deutsche Unternehmen müssen grundsätzlich nach deutschem Handelsgesetzbuch (HGB) bilanzieren. Die Bilanz kann aber auch nach IAS (International Accounting Standards) oder den US-Regeln GAAP (Generally Accepted Accounting Principles) erstellt werden. Für Unternehmen an der US-Börse sind Bilanzen nach GAAP Pflicht. Ab dem Jahr 2005 müssen alle börsennotierte EU-Firmen ihre Bilanz nach den IAS erstellen. Dies soll Bilanzen transparenter machen. ;—Kommentar


Verwandeln Computerspiele Menschen in Killer? So einfach ist es nicht: Verschiedene Faktoren müssen zusammenkommen - Experten warnen aber: Spiele bauen Hemmungen ab kommt, dann darf es an Jugendliche bis 18 Jahren nicht mehr verkauft werden. Zudem • Computerspiele, die Gewalt zeigen, sind wären Werbung und der Vernicht die alleinige Ursache dafür, dass Ju- kauf über Versandhandel ungendliche gewalttätig werden. Soweit sind tersagt", sagt Monssen-Engbersich die Fachleute einig. Gewalt verherrli- ding. Ganz vom Markt käme chende Spiele könnten aber Totungshem- das Produkt nur, wenn die mungen abbauen, schränken viele Experten Strafvollzugsbehörde wegen ein. Deshalb prüft die Bundesprüfstelle für des Paragrafen 131 „Gewaltdarjugendgefährdende Schriften (BPjS), ob das stellung" des Strafgesetzbuvom Erfurter Amokläufer bevorzugte Com- ches ein Verbot ausspräche. puterspiel „Counterstrike" zumindest in der In der US-Version von radikaleren US-Version nicht mehr an Ju- „Counterstrike", das der Erfurgendliche verkauft werden darf. ter Robert Steinhäuser mit Vorliebe spielte, sind nach einem „Bevor ein Computerspiel auf den Schuss mit Maus und Tastatur an den Markt kommt, lassen Firmen bei uns getroffenen Spielfiguren Einschusslöfreiwillig prüfen, ob das Produkt nicht cher zu sehen. Zudem spritzt Blut, wie Jugendschutzbestimmungen verletzt", Redakteur Christian Stephan von der erzählt der Leiter der Unterhaltungs- Fachzeitschrift „PC-Magazin" erklärt. software Selbstkontrolle (USK), Klaus- Ansonsten, so sagt er, gebe es keine Peter Gerstenberger. In „Counterstri- wesentlichen Unterschiede zwischen ke" (zu deutsch: Gegenschlag) be- der US-Version und der deutschen kämpfen sich Polizisten und Terror- Ausgabe. Wirkliches Schießverhalten, gruppen. Das Urteil der USK: Die deut- so meint er, „kann an diesem Spiel sche Version ist geeignet für 16-Jähri- nicht geübt werden, auch wenn die ge, die amerikanische Version für Grafik sehr realistisch ist". 18 Jährige. Mit der USK, einem gemeinnützi- Keine Studien bekannt ger Träger der Jugendhilfe, arbeitet auch der Verband der Unterhaltungs- Die Vertreiberfirma von „Counterstrisoftware Deutschland (VUD) zusam- ke", Sierra Entertainment Deutschmen. Die Kennzeichnungen der USK land, verneint auf ihrer Internetseite, haben indes keine rechtliche Wirkung dass sich ein unmittelbarer Zusam- sie dienen vielmehr als Empfehlung menhang zwischen Gewalt in Compufür die Konsumenten. Bisher ist kein terspielen und Gewalt in der Wirklichdurch die USK gekennzeichneter Titel keit nachweisen ließe. Zumindest seien ihr keine entsprechenden Studien durch ein Urteil verboten worden. Am 16. Mai nimmt nun aber die bekannt. Bundesprüfstelle für jugendgefährdenEine Studie, wie die Präsentation de Schriften (BPjS), die auch im Beirat von Computerspielen auf die Benutzer der USK sitzt, in einem Indizierungs- wirkt, hat indes die Fachhochschule verfahren die amerikanische Version für Pädagogik in Köln im Februar abgevon „Counterstrike" unter die Lupe. schlossen. Wie ein Spieler den Inhalt Diese Version ist seit rund zweiein- eines Spiels wahrnehme und deute, halb Jahren auf dem Markt. Dass dies sei abhängig von seinen „realen Legeschieht, liegt nach Angaben der benserfahrungen" und „seinen Bezü BPjS-Vorsitzenden Elke Monssen-Eng- gen zu anderen Medien", lautet ein Faberding daran, dass die Jugendbehör- zit der Studie. In ihr haben 80 Spieler de von Bochum bereits Ende vergange- im Alter zwischen 16 und 37 Jahren nen Jahres eine Überprüfung der US- acht Computerspiele getestet, anschlieVersion gefordert habe. ßend wurden sie von Sozialpädagogen „Wenn das Spiel auf den Index zu ihren Gefühlen befragt. Zuvor hatVON UNSEREM REDAKTIONSMITGLIED Luc MÜLLER

Blick auf die Welt durchs Zielfernrohr: Aus dieser Perspektive heraus läuft das Computerspiel „Counterstrike". Der 19jährige Amokläufer, der Ende April in einem Erfurter Gymnasium 16 Menschen tötete und sich anschließend selbst richtete, soll begeisterter „Counterstrikeu-Spieler gewesen sein. — FOTO DDP

ten die Probanden über ihre Lebenssituation Auskunft gegeben. „Hin Computerspiel alleine ist nicht Ursache für Gewalt", behauptet Heike Esser, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Kölner-Studie beteiligt war. Nicht jeder der „Counterstrike" spiele, werde automatisch zum Killer. „Verschiedene Persönlichkeitsfaktoren sind von Bedeutung", sagt Esser. Demgegenüber bemängelt Elke Ostbomk-Fischer von der Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie, die zudem selbst Dozentin

an der Fachhochschule für Pädagogik in Köln ist, dass derartige Untersuchungen „nicht langfristig angelegt sind". Solche Studien würden nur die unmittelbare Reaktion der Probanden erfassen. Das aber „kann beispielsweise für Eltern irreführend sein", weil sich angestaute Gefühle unter Umständen erst später Bahn brächen. „Die Spiele sind so konstruiert, dass sie Jugendliche fesseln und das löten und Zerstören als Spaß empfunden werden", kritisiert Ostbomk-Fischer. Sie fühlten dazu, „dass Tötungshemmun-

gen abgebaut werden". Erst das Zu sammenspiel der Faktoren „längerfristige Disposition der Persönlichkeit", „Auslöser" und „tyrannische Gelegen heit" führe jedoch zum Ausbruch von großer Gewalt. Beim Amoklauf in Erfurt sei es zum Aufeinandertreffen der drei Faktoren gekommen. Die „tyrannische Gelegen heit" habe sich darin gezeigt, dass der Amokläufer sich überlegen fühlte und sich in der Schule als einer öffentli chen Einrichtung frei bewegen konn te, ohne zunächst gestoppt zu werden


ORTSTERMIN

Zum tödlichen Kissen fehlt noch der Täter In der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft Frankenthal lagern 4000 Gegenstände VON UNSEREM REDAKTIONSMITGLIED Luc MÜLLER

• Aus dem fein säuberlich verpackten Bündel ragt ein Gewehrlauf. Daneben liegen zwei Äxte. Gottfried Heil, Leiter der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Frankenthal, deutet auf einen unscheinbaren grünen Plastikbottich. „Darin wollte jemand in einem Säurebad eine Leiche entsorgen". Seit fünf Jahren katalogisiert und verwaltet der Justizbeamte Heil Gegenstände, die in Zusammenhang mit einer Straftat stehen. „Der Job macht mir Spaß. Es kommt keine Routine auf. Heute geht es um Rauschgift, morgen um Betrug", sagt Gottfried Heil. Die oft unheimlichen Geschichten, die hinter all den aufbewahrten Messern, Waffen und Schlagstöcken stecken, ließen ihn inzwischen kalt. Auch an blutverschmierte Kleider, die im Originalzustand zu verwahren sind, hat er sich gewöhnt. Ein Fall habe sich aber trotzdem in sein Gedächtnis eingebrannt. „In Grünstadt verstarb vor ein paar Jahren ein Baby in einem Wäschekorb. Als der Korb hier gelagert wurde, bekam ich doch ein mulmiges Gefühl", erinnert sich der Leiter der Asservatenkammer. Gottfried Heil steuert auf ein weiteres Regal zu. Er wirft einen kurzen Blick auf einen der rosafarbenen Zettel, die er an alle asservierten Objekte geheftet hat. Er zieht ein Kissen hervor, nimmt es aus der Plastikfolie. „1988 wurde damit jemand ermordet. Bis heute ist der Täter noch nicht gefunden", erzählt er. Momentan lagern in der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft rund 4000 Gegenstände. •»' Neben Computern, auf denen Kinderpornos gefunden wurden, stapeln «sich auch Waschmaschinen, Stereoanlagen und Haschischpfeifen. Autos würden außerhalb, unter anderem bei Abschleppuntcrnehmen, um-

Wie hinter diesem Gewehr und den zwei Äxten steckt hinter allem in der Asservatenkammer eine Geschichte von Verbrechen und Betrug.

tergestellt. „An einem Tatort sichergestellte Geldsummen werden hier im Tresor eingeschlossen." Werden Drogen asserviert, würden diese genau abgemessen. Nach Ablauf eines Verfahrens werden sie in der Verbrennungsanlage in Ludwigshafen vernichtet. Gottfried Heil schließt die schwere Kellertür hinter sich. Der Raum, der mit Kameras überwacht wird, ist nun elektronisch gesichert. „Alle drei Monate werden Asservate, die nach Abschluss eines Falles nicht mehr gebraucht werden, verbrannt", sagt er auf dem Weg zu seinem Büro. Die zu asservierenden Gegenstände beschriftet Heil mit dem Aktenzeichen des ent-

FOTO: BOLTE

sprechenden Falles. Zudem bekommen die Asservate von ihm eine fortlaufende Nummerierung. Nach Jahreszahl ordnet er die Objekte dann in den Regalen der zwei Asservatenkammern. Bevor Äxte oder Einbruchswerkzeug hierher kommen, werden vom Landeskriminalamt die Spuren darauf gesichert. „Nach einer Straftat stellt die Polizei auch kleinste Gegenstände sicher. Der zuständige Dezernent eines Verfahrens entscheidet, welche Objekte aufbewahrt werden", so Lothar Liebig, Leitender Oberstaatsanwalt in Frankenthal. Die Asservate dienen beim Prozess als Beweisstücke.

Dabei würden auch schon mal von der Gerichtsmedizin konservierte Leichenstücke vorgeführt. „Nach Abschluss eines Verfahrens kann es sein, dass beschlagnahmte Computer oder Handys hier von der Staatsanwaltschaft weiter benutzt werden", sagt Liebig. Andere Gegenstände werden im Landgericht regelmäßig an die Öffentlichkeit versteigert. Der Erlös fließe in die Staatskassen. Gottfried Heil verabschiedet sich schnell. Die Arbeit ruft. „Heute werden elf Kartons zur Asservierung angeliefert", sagt er und hetzt durch den Flur.


Ein Leben ganz weit oben Der Weiler Juf in der Schweiz gilt als höchstgelegene ganzjährig bewohnte Siedlung Europas - Der Ort ist beliebtes Ziel von Tagesausflüglern

• Der Finger wandert auf der Landkarte über das dicht besiedelte Mittelland, überfliegt die Voralpen und schlängelt sich vorbei an dreitausend Meter hohen Berggipfeln in ein nur noch grau schattiertes Hochtal hinein und bleibt zuhinterst beim Weiler Juf stehen. Das Dörfchen auf 2126 Metern Ober dem Meeresspiegel im Schweizer Kanton Graubünden gilt als die höchstgelegene ganzjährig bewohnte Siedlung Europas. Zwei Bauernbetriebe, ein Kiosk mit Souvenirladen und Poststelle, ein Gasthaus und 20 klarte Wohnhäuser bilden die karge Infrastruktur. Ansonsten türmen sich um die rund 30 Einwohner Bergmassive wie das Wengenhom (2883 Meter), das Gletscherhorn (3107 Meter) oder der Stallerberg (2579 Meter). Trotzdem; Wild-romantische Vorstellungen von einem Leben in völhger Abgeschiedenheit von Wintern, in denen alles in Schneemassen versinkt, rückt Markus Menn zurecht. Er arbei-

Hoch in den Bergen, aber mit regelmäßiger Busverbindung zum Rest der Welt: Der 30-Einwohner-Ort Juf. -FOTO ZIAWU tet hier oben als Poststellenleiter, Postbote und Ladenbesitzer und vermietet Ferienwohnungen. „Vor allem das Wetter nimmt man auf über 2000 Meter intensiver wahr. Wenn der Wind so

richtig auffrischt, spürt man das ganz anders als im Tal. Aber sonst leben wir nicht fernab von der Welt" Mit dem Auto ist das Dörfchen über »die asphaltierte, breite und wintersi-

chere Kantonsstraße", wie der Tourismusverein in seiner Broschüre wirbt, von Zürich aus in rund zweieinhalb Stunden zu erreichen. Von der Kantonshauptstadt Chur schlangelt sich täglich siebenmal ein Bus, das so genannte Postauto, in Richtung Juf. An einen äußerst schneereichen Winter erinnert sich Sybille Luzi vom örtlichen Verkehrsverein aber noch genau. 1974 mussten nach mehreren Lawinen einige ältere Einwohner ausgeflogen werden. Und per Hubschrauber wurde Brot für die herangeschafft, die den Schneemassen weiter trotzten. Postbote Menn ist in Juf aufgewachsen und hat dann zehn Jahre in Zürich gearbeitet. „Doch es hat mich wieder in die Berge gezogen. Die Ruhe hier oben ist unbezahlbar", schwärmt er. Die Ruhe suchen auch immer mehr Touristen: „Im Sommer tummeln sich mehr Besucher als Einwohner hier oben." Das Dörfchen hat sich darauf eingerichtet. Rund zehn Betten stehen für Gäste bereit Nach Angaben von Sybille Luzi kommen auch immer mehr Skifahrer. Rund zwei Kilometer

von Juf entfernt gibt es zwei Skilifte. Zu Jufs 30 Bewohnern gehören auch zwei Familien mit insgesamt vier Kindern. Zur Schule gehen sie in Cresta, dem Hauptort des Averstals. Hier stehen auch die einzige Kirche sowie die Gemeindeverwaltung und ein großer Supermarkt. Oberhalb von Cresta liegt Platta. Mit 2132 Metern über dem Meeresspiegel liegt der Weiler noch höher als Juf. Aber ganzjährig bewohnt ist er nicht Konkurrenz aus Italien Ganz unangefochten trägt Juf den Titel der hochstgelegenen ganzjährig bewohnten Siedlung Europas trotzdem nicht Auch Trepalle, ein zur italienischen Gemeinde Livigno gehörender Weiler, beansprucht diese Besonderheit für sich. Trepalle, so lässt das Verkehrsbüro Livigno verlauten, erstrecke sich sogar bis auf eine Höhe von 2210 Metern. Aber Die Kirche von Trepalle liegt auf 2096 Metern über dem Meer. Das sei entscheidend für die Höhenangabe, wie sie auf der Landkarte ver-

zeichnete werde, erklärt Martin Gurtner vom schweizerischen Bundesamt für Landestopographie in Bern. Die offiziell in Karten eingezeichneten Höhen würden dem Dorf- oder Siedlungszentrum entsprechen - also dem Bahnhof, einer Kirche oder Hauptkreuzungen. Das Zentrum von Juf liegt auf 2126 Metern über dem Meer, also deutlich höher als der Messpunkt bei der Kirche von Trepalle. Deshalb dürfe Juf sicher weiterhin zu Recht als höchstgelegene, ganzjährig bewohnte Siedlung gelten, schrieb Gurtner in der Graubündner Zeitschrift „Terra Grischuna". Markus Menn von der Poststelle Juf berichtet, dass die besondere Lage des kleinen Weilers viele Tagesausflügler anlockt „Die Touristen lassen sich zur Erinnerung oft Briefmarken mit dem Poststempel von Juf abstempeln." Nein, einen Sonderstempel habe er nicht, daran habe er noch gar nicht gedacht Ein Schild mit der Aufschrift „Höchstgelegene Siedlung Europas* am Dorfeingang gibt es auch nicht. Aber „Das wäre aber eine gute Idee", findet Menn.

Tomaten, Mozzarella, Schinken - mehr nicht In Zürich steht die einzige Pizza-Fachschule außerhalb Italiens - Expansionspläne und Kontakte in Richtung Deutschland ernster Stimme. In seiner Pizza-Fachschule, die einzige offizielle Fachschule für Pizzabäcker außerhalb von Ita• Auf den ersten Blick scheinen alle lien, kann sich jeder alle wichtigen Italien-Klischees bestätigt An der Grundkenntnisse aneignen. Wand hängt ein großes Poster mit den Der Lehrplan vermittelt die HerstelKickerhelden des AC Mailand in Jubel- lung von verschiedenen Pizzateigen, posen, daneben prangt ein Schal des Kenntnisse über Zutaten und Wein soFußballvereins. Und Cosimo Bruno, wie Maschinenkunde und BuchfühInhaber der Pizzafachschule Zürich, rung. Wie eine originale Pizza zubereiparliert gestenreich bei einem Espres- tete werden muss, gibt unter anderem so mit zwei Kollegen. Doch wenn es das europäische Institut für die italieum seine Pizza-Schule geht, ist nichts nische Pizza in Straßburg vor, von vom sprichwörtlich liebenswerten ita- dem die Pizza-Fachschule Zürich in lienischen Schlendrian zu spüren. diesem Jahr den Titel „Alta scuola di „Der Pizzaiolo (Pizzabäcker) war bis- Qualita" (Hohe Schule der Qualität) beher eine fast folkloristische Figur, die kam. Zudem arbeitet Bruno mit dem zwar phantasievoll und geschickt Italienischen Kochverband (FIC) zuagierte, aber meist nicht über fundier- sammen. te Fachkenntnisse verfügte. Da wurde Den Weg in Brunos Schule finden viel improvisiert", sagt Cosimo mit Leute, die bereits im Gastgewerbe arVON UNSEREN MITARBEITER Luc Müller

beiten und sich hier weiterbilden. Aber auch Schulabgänger, die eine Berufsausbildung zum Pizzabäcker machen, drücken hier die Schulbank, oder Menschen, die vorher in einer ganz anderen Branche gearbeitet haben. Vermittelt werden sie vom örtlichen Arbeitsvermittlungscenter (RAV). Nach Angaben des Schulleiters stellen die 34- bis 44-Jährigen die größte Gruppe. Vom Bauarbeiter zum Pizza-Lehrer Er selbst sei 1979 als Bauarbeiter in die Schweiz nach Luzern gekommen, erzählt Cosimo Bruno, während er einen Pizzateig vorbereitet 1995 habe er dann für eine Beraterfirma in der Gastronomiebranche gearbeitet. »Ich habe schnell gemerkt dass für eine profes-

sionelle Pizzabäcker-Ausbildung im deutschsprachigen Raum eine Marktlücke besteht." In Mailand ließ er sich 1995 zunächst selbst zum Pizzabäcker ausbilden, im Jahr 2000 machte er zusätzlich die Ausbildung zum Kursleiter für Pizzaioli. Der Einsteiger-Kurs für einen Pizza10I0 dauert etwa drei Wochen und kostet rund 2500 Pranken (zirka 1500 Euro). Zur Ausbildung gehört auch ein mehrwöchiges Praktikum, das nach Kursende in einer Pizzeria absolviert wird. In den Kantonen Tessin und Graubünden wird das Diplom, das jeder Pizzaiolo zum Abschluss des Kurses erhält, bereits offiziell anerkannt „Über 90 Prozent unserer Schüler haben nach ihrem Abschluss eine Stelle gefunden", erklärt Cosimo Bruno

nicht ohne Stolz. „Ich bin glücklich, dass ich schon manchem Arbeitslosen wieder eine Perspektive geben konnte", fügt der Pizza-Chef an. Nach Ende des Lehrgangs bei Bruno kann ein Pizzabäcker bis zu 3500 Schweizer Pranken (rund 2100 Euro) brutto im Monat verdienen. In der Schweiz gebe es rund 2700 Restaurants und Pizzerien, die monatlich bis zu 25 neue Pizzabäcker suchen, so der Schulleiter. Nun versucht Bruno auch in Deutschland mit einer weiteren Pizza-Fachschule Fuß zu fassen. Zum Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Baden-Württemberg hat er schon Kontakt Während er von seinen Expansionsplänen erzählt, schiebt Bruno einen fertigen Pizzateig in den Ofen. Nach wenigen Minuten serviert er kleine

Pizzen, bestrichen mit einer dicken Schokoladensauce. .Das ist der Trend dieses Jahres. Die Dessertpizza, die in Italien schon länger auf der Speisekarte steht", verrät der Meister. Bruno hat klare Vorstellungen, wie eine Pizza schmecken muss: „Pizza Hawai gibt es bei mir nicht Früchte und Mozzarella vertragen sich nicht" Tomaten, Mozzarella und Vorder- oder Kochschinken - mehr brauche es eigentlich nicht „Ganz wichtig: Die Pizza nicht mit Belag überladen. Das schmeckt nicht", sagt Bruno noch. Sonntags ist der Meisterbäcker meist nicht zu erreichen. Da spielen selbst Pizzateigkugeln keine Rolle. Dann hat Bruno in Mailand auf der Tribüne nur Augen für die Lederkugel auf dem Rasen, der seine Lieblinge vom AC Mailand hinterher jagen.


DIE

RHEINPFALZ

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LEBEN HEUTE

NR. 166

SAMSTAG, 20. JULI 2002

Im Land der Heidi wird nicht spontan gelacht Wie ein Schweizer seine Nachbarn Deutschland und Österreich sieht - eine Beschreibung ganz ohne Klischees, versteht sich nerf Herrlicher! Wenn der Alpenfirn sich rötet, Betet, freie Schweizer, betet! Eure fromme Seele ahnt Gott im hehren Vaterland, Gott, den Herrn, im hehren Vaterland." Doch nun ist genug über uns Schweizer gesagt. Lieber ein Blick zu den „Schwaben",

ben. Mit seinem fetten Mercedes ver;ht er zur Skisaison anzureisen und verursacht natürlich schon den ersten Kurven zur Passstraße einen Stau, weil er halt in den Bergen doch ' guter Au-

Herz ist rein", so „Bild". Was mich besonders auszeichnet: Ich hasse Sinnenfreuden (es könnte ja jemand Anstoß daran nehmen) und ich bin penibel auf Sauberkeit bedacht (ich lasse keinen Krümel Staub liegen). Das Auto wird selbstverständlich jede Woche gründlichst gewaschen. Und wenn ich

(die Schweizer haben tief aufgeatmet, dass diese Elf nicht den Titel geholt hat) ja sowieso nicht. Und immer diese Schlagermusik. Am liebsten startet der Deutsche dazu natürlich eine „Polonaise-Blankenaiu se oder schunkelt vor einem frisch gezapften Bier mit seinem Sitznachbarn. Dazu verdrückt er seinen geliebten Saumagen oder ein Eisbein. Ein positiver Zug des Deutschen: Er ist fast so fleißig wie der Schweizer und die Beamten können ganz schön penibel sein. Respekt! Ganz anders als die Österreicher. Machen immer gern auf Kunst beflissen. Und was heißt schon „Wiener Schmäh". Das ist einfach deren schlampige Art, die sie mit einem Handkuss zu überspielen versuchen« Doch ist der „Ösi" im Innern sowieso nur am „Heurigen" interessiert und schwärmt in weinseliger Stimmung über die „ach so tolle Kaiserin Sissi".

spontanes Lachen auf offener Straße,

„Mozartkugel" und Stephansdom

Luc Müller > Mein Gott, hab ich's gut. Ich bin unglaublich reich, bin für mein Leben gern ein Arbeitstier (immer schon um 7 Uhr sitze ich im Büro) und immer top organisiert. So weiß es zumindest die Boulevard-Zeitung „Bild", die kürzlich den Lesern fachkundig erklärte, warum die Schweizer so spießig sind. Aber gleichzeitig ist nicht alles so rosig, denn ich führe ein ängstliches Leben. „Der Schweizer hat immer vor irgendetwas Angst, und er ist nicht

Schweizer unse-

Sauberkeit geht über alles Am wohlsten ist es mir unter Gleichgeseinesgleichen zusammensitzt. Auch h Angst vor Ausländern - das hat „Bild" sehr gut erkannt - und darum bin ich so froh, dass sich mein Heimatland noch nicht dem Joch der EU unterworfen hat. Noch kurz was zu den Eidgenossinnen. „Sauberkeit geht ihr über alles. Ihr Reich ist Küche, Kinder und gelegentlich die Kirche", lese ich in „Bild". Besser kann man es nicht ausdrücken. Man kann uns Schweizer lieben oder hassen, aber die Schweiz sollte man auf jeden Fall immer ernst nehmen. Das weiß auch die „Frankfurter Rundschau"; „Der Schweizer ist als Gegner nicht zu unterschätzen. Und solange es ihm gelingt, seinen GeßlerHut auf die Spitzen der höchsten Baume und renommiertesten Institute (in Frankfurt) zu pflanzen, müssen wir ihn wohl oder übel grüßen." Recht so. Wir Schweizer sind nun einmal „cle- „Ach wie nett, ver und geschäftstüchtig." Aber das in der Schweiz liegt uns seit jeher im Blut. Nicht ver- habe ich auch gebens haben unsere Ur-Väter auf schon Urlaub dem „Rütli", der Wiege der Schweiz, macht. So ein Tolles den Eid zur Unabhängigkeit geschwo- Land, und die Leute sind ren. Noch heute singen wir am Natio- so freundlich", höre ich oft. nalfeiertag am 1. August bei Bratwurst Was für ein Gegensatz. „Mach und Bier voller Inbrunst; „Trittst im Platz, ich bin Deutscher!" Als ellMorgenrot (daher, Seh ich dich im bögelnder Aufschneider wird der DeutStrahlenmeer, Dich, du Hocherhabe- sche in der Schweiz gerne beschrie-

ße Socken trägt, ist schon fast ein Klassiker. Aber es geht ja noch dicker. Mit großer Selbstverständlichkeit wird im Italienisch sprechenden Tessin nur auf Hochdeutsch bestellt. So ist es halt: eine Fremdsprache spricht.das Volk des Fußball Vize-Weltmeisters

Dabei ist Wien doch auch nur Provinz. Ein Stephansdom und das Burgtheater machen noch lange keine Weltstadt aus. „Kaiserschmarren" und „Mozartkugeln" machen sowieso nur dick. Aber was soll's, die Österreicher können den Schweizern ja eh nicht das Wasser reichen. Man hat ja gesehen, was passiert, wenn die da drüben mal große Politik machen wollen. Schon ist ganz Europa verärgert und boykottiert die Alpenrepublik. Die „Ösis" sind halt ein bisschen verschlafen und nicht so richtig intelligent. Gut, Skifahren können sie noch so halb. Aber in der Abfahrt geht's ja eh nur bergab. Wenn man den ganzen Tag im Kaffee. haus rumsitzt, dann kann ja nichts zu Stande kommen. Eigentlich haben wir nichts gegen die Österreicher, die sind ja schließlich auch ein Bergvolk - das verbindet. Eher schon ein bisschen Mitleid Die „Ösis" können machen, was sie wollen: Sie bleiben immer ein bisschen hinterwäldlerisch und linkisch. Aber das kann ja auch ganz nett sein. Übrigens noch etwas: Es wurde ja oft gespöttelt darüber, dass die Schweizer schon wieder nicht an der Fußballweltmeisterschaft teilgenommen haben. Es ist aber nur ein böses Gerücht, dass die Schweizer Fußballnationalmannschaft in Südkorea und Japan nicht mitgespielt hat, weil die Mehrheit der Schweizer Bürger bei einer Volksabstimmung dazu Nein gesagt hat.

KLISCHEES UND VORURTEILE Wer mit Klischees um sich wirft, wie es in dem Hauptartikel auf der linken Seite geschieht, muss diese richtig einzuordnen wissen, Klischees werden hier in übersteigender der Form verwendet, sodass sie sich zwar an der Grenze zur Boshaftigkeit bewegen, aber dennoch als Neckerei zu verstehen sind. Und das Spiel wird von den Schweizern, Deutschen und Österreichern auch so verstanden, denn die wissen selbst um das, Bild, das von ihnen überzeichnet verbreitet wird. Auf humorvolle und selbstironische Art nehmen sich denn die „Schwaben1*, die „Ösis" oder „Kuhschweizer" auch gerne mal selber auf die Schippe und schlüpfen in Rollen, die sämtliche Klischees bedienen. Die Übersteigerung kennzeichnet die Klischees in dem Sinne, dass diese als plump und lächerlich erscheinen und so ihre Ernsthaftigkeit verlieren. Gefährlich wird es dann, wenn Klischees plötzlich in Vorurteile umschlagen. „Als Vorurteile erscheinen kannte menschliche Wertvorstellungen verstoßen, nämlich gegen die Normen", definiert die Vorurteilsforschung, im wesentlichen die Psychologie, Sozialpsychologie, und die Soziologie (in: Information zur politischen Bildung Nummer 271/2001). So verletzten Vorurteile die Rationalitätsnorm durch vorschnelles Urteilen ohne genauere Kenntnis des Sachverhaltes, durch starres, dogmatisches Festhalten an Fehlurteilen, indem triftige Gegenargumente nicht anerkannt werden. Die Forschung hat gezeigt, dass „keine Übereinstimmung zwischen der Realität und unserer subjektiven Wahrnehmung besteht oder bestehen muss", wie der Soziologe Werner Bergmann in seinem Artikel „Was sind Vorurteile?" erklärt, {in: Informationen zur politischen Bildung, Nummer 271/2001), „Zahlreiche Faktoren wie unsere Interessen, Erfahrungen, Bedürfnisse und Motive bestimmen mit, was und wie wir etwas (selektiv) wahrnehmen", schreibt Bergmann weiten Im Alltag würden Vorurteile meist sowieso nicht durch persönliche Erfahrungen oder Konflikte mit Mitgliedern einer andern Gruppe entstehen. Die Lernpsychologie und die Soziaisationstheorie nehmen an, dass vorhandene soziale Wertungen gegenüber andere Gruppen von der Familie, Freunden, der Schule und heute primär durch die Massenmedien vermittelt werden, (uc)

Warum der Österreicher zwei Mal rückwärts fährt Witze verbreiten mit Vorliebe Klischees - Die Schweizer können nicht mal schnell genug Schnecken sammeln und die Ostfriesen keine Essiggurken essen • Eine unerschöpfliche Quelle von Klischees bilden Witze. Im deutschsprachigen Raum ist denn auch schon hinlänglich bekannt, dass die Ostfriesen dümmlich sind, die Österreicher ein bisschen hinterwäldlerisch und die Schweizer ganz schön langsam.

dazu: „Österreich startet ein neues For- zer. Ich beweise es Dir gleich." Der Bunschungsprojekt. Spitzenwissenschaßler despräsident geht zu seinem Chauffeur der Alpenrepublik wollen herausfinden, und sagt: „Fahren Sie zu mir nach Hauwohin das Licht geht, wenn man es aus- se und sehen Sie nach, ob ich dort bin." schaltet. Die Wissenschaftler befinden Der Chauffeur fährt sofort los. „Der ist sich alle in einem fensterlosen Raum. wirklich strohdumm", sagt der österreiSie zählen bis zehn. Dann wird das chische Regierungschef „Es wäre doch Licht ausgeschaltet. Alle beginnen fieber-viel einfacher gewesen, Sie vom Telefon die Ostfriesen zur Zielscheibe von haft zu suchen. Plötzlich kommt einer aus anzurufen." Ein weiteres Besispiel dazu: »Ein angerannt und ruft: „Ich hab's. Im Anekdoten, wobei immer der linkiBerner und ein Österreicher wollen sich Kühlschrank isses." sche Bauer vom hohen Norden dargeIn den Witzen treten auch gerne Ös- umbringen und stürzen sich gleichzeitig stellt wird: „Warum essen die Ostfriesen terreicher und Schweizer gemeinsam vom Berner Münster. Wer kommt zukeine Essiggurken? Weil sie mit dem auf, wobei je nach Staatsangehörigkeit erst untern an? Der Bemer, der ÖsterreiKopf nicht ms Glas reinkommen." der eine dem andern geistig klar über- cher hat sich verflogen," legen ist: „Ein österreichischer BusfahDümmliche Ostfriesen rer kommt rückwärts an die schweizeri- Langsame Schweizer sche Grenze gefahren. Fragt der SchweiGern wird in den Witzen das bäuerlizer: „Warum fahren Sie rückwärts?" Die Witze über die Schweizer drehen che Umfeld Ostfrieslands durch den „Weil ich gleich in ein Bergdorf in der sich oft um ihre Langsamkeit: „Ein Kakao gezogen: „Warum tragen OstfrieSchweiz fahren muss und dort oben Schweizer und ein Deutscher gehen in sinnen beim Melken Kopftücher? Damit nicht wenden kann, aber heute Abend den Wald um Schnecken zu sammeln, man sie von den Kühen unterscheiden vorwärts runterfahren möchte.u Abends einiger Zeit treffen sie sich wieder kommt der Ösi wieder rückwärts an die und der Deutsche hat den Korb voll mit Auch der Spruch „Wit bringt man Schweizer Grenze gefahren. Der Schwei-Schnecken, der Korb des Schweizers hinDen Ostfriesen Bellen bei? Indem man zer nWas ist los, warumfahren Sie wie- gegen ist vollkommen leer Der Deutsche sagt; ,Da hinten gibt es Freibier!" WoGängiges Klischee: Alle Österreider rückwärts?" Darauf der Ösi: „Ich fragt ihn: „Sag mal, warum hast Du rauf der Ostfriese antwortet: „Wou, wou, denn keine einzige gefunden? Hier hat wou?" lebt von der Anspielung auf cher lieben die "Sissi" — FOTO: KEYSTONE konnte oben doch wenden!" Sogar auf höchster politischer Ebe- es doch viele Schnecken!" Sagt der den Dialekt, der für viele ländlich und bäuerisch klingt. Am häufigsten wird rauf der Wirt: „Nehmen Sie doch ne verhalten sich die Österreicher Schweizer: „ja, Schnecken hat es schon dümmlich: „Der österreichische Regie- viele. Aber immer, wenn ich eine aufrieder Ostfriese einfach als doof darge- Hirn!"). stellt (..Zwei lassen sich als Astronauten Ähnliche Berühmtheit haben die rungschef besucht den Schweizer Bun- ben wollte ... husch, husch war sie weg," anheuern: „Wohin fliegen wir eigent- „Österreicher-Witze" erlangt. Die Be- despräsidenten, um sich über all die Ös- Gern wird in den Witzen auch über lich?", fragt der eine, „Zur Sonne", ant- wohner der Alpenrepublik gelten eben- terreicher-Witze zu beschweren, die den Reichtum der Schweizer gespötwortet der andere, „Du spinnst, das ist falls als trottelig: „Zwei Österreicher man sich in der Schweiz erzählt, telt: „Ein Mann will in Zürich Geld einviel zu heiß." „Am Tag schon, aber wir nach der Fahrprüfung. „Bist durchkim- "Man könnte auf die Idee kommen, legen. „Wie viel wollen Sie einzahlen?" fliegen ja nachts.") oder als beschränkt ma?" „Na!" ..Warum ned?" „Vorm Krei-alle Österreicher seien dumm", sagt er. Flüstert der Mann: „Drei Millionen." ("Ein Ostfriese geht in ein Restaurant sei is io gstonden," „ja und?" „Bin i „Du solltest das nicht so ernst nehmen", „Sie können ruhig laut sprechen. In der und sagt: „Ich möchte etwas essen, was holt dreißig Mol im Kreis gfoan." „Host antwortet sein Schweizer Amtskollege, Schweiz ist Armut keine Schande", be- So stellt man sich Deutschland vor: Biertrinkende Trachten, die mit Begeisterung Blasmusik hören. ich bisher noch nie gehabt habe." Da- di verzöhlt?" Eine weitere Kostprobe „Es gibt ja auch bei uns dumme Schwei- ruhigt der Bankangestellte, (uc)

Menschen in zünftigen -FOTO: KUN


Oh du fröhliche, oh du schräge Weihnachtszeit Als Straßenmusiker in der Fußgängerzone - Nach einer knappen Stunde 16 Euro in der Kappe VON UNSEREM REDAKTIONSMITGLIED Luc MÜLLER

• Ist das jetzt c oder doch eis? Ich gebe mich gelassen und überbrücke die Passage mit einer eigenwilligen Improvisation. Eine ältere Dame kramt in ihrem Geldbeutel. 50 Cent fliegen in die Baseball-Mütze, die auf meinem Saxofon-Koffer liegt. Ich setze kurz das Mundstück ab und blättere im Notenheft „Die schönsten Weihnachtslieder in sehr leichten Bearbeitungen". Jetzt laufe es wohl schon ein bisschen besser, spricht mich ein Mann an. Die Töne seien nun sauberer. In der Bahnhofstraße, wo ich mich leicht versteckt in Höhe Stadtsparkasse postiert habe, zieht es unangenehm. Die Fingerspitzen sind leicht unterkühlt. Jetzt gebe ich Gas. Mit geschlossenen Augen mache ich einen auf abgebrühten Jazz-Musiker. Das hohe C klingt hölzern, quietscht leicht. Einer dick-eingehüllten Frau auf dem Weg zum Markt gefällt es trotzdem. 1 Euro kommt dazu. Ich schlage „Stille Nacht, Heilige Nacht" im Notenheft auf. Zum Glück kein Kreuz und kein B. Irgendwie hat das bei dem Typen in den U-Bahngewölben von London besser geklungen, denke ich mir so nebenbei. Dieser Meinung ist auch der ältere Herr, der nur leicht mit dem Kopf schüttelt. „Wo kann man den abstellen, ist ja grausam", sagt er zu unserem Fotografen, wie ich später erfahre. Dafür kann ich soeben eine Frau mit Kinderwagen beeindrucken. Ihr Kleiner lächelt. Ich werfe der Mutter einen coolen Blick zu. Schließlich bin ich Saxofonspieler. Prompt spiele ich ein D statt F. Oh du fröhliche, oh du schräge Weihnachtszeit, habe ich so- Vor allem ältere Leute würdigten den musikalischen Einsatz, indem sie eine —FOTOBOLTE eben gespielt. „Stellen Sie sich doch Münze in die Kappe warfen. weiter nach vorne, da hat letzte WoEigentlich hab ich Last auf einen her. „Summer time" überblättere ich. che auch schon einer gestanden", gibt mir ein Gemüsehändler einen Tipp. Glühwein. Doch die Kunst geht vor. Ich entscheide mich für „Misty" von Er legt noch eine Münze in meine Ich packe mein „Real Book der Jazz Erroll Garner. Das Mundstück sitzt, Kappe. Kleine Pause ist angesagt. Ich Standards" aus. Der Klassiker unter der Trageriemen ist gerichtet. Mein den Musikern. Das macht doch was Gott, bringe ich das Stück gefühlvoll reibe meine Hände.

rüber, denke ich mir noch. Schon steht ein älterer Zuhörer da und schaut kritisch auf das Notenblatt. „Jetzt stimmt es wieder", sagt er mit einem Lächeln und zieht davon. Ich steige wieder auf die Weihnachtslieder um. Die bringen mehr Gewinn ein. „Oh du fröhliche, oh du selige" zum Fünften. Zwei Damen gesetzteren Alters setzen ihre Einkaufstaschen ab. Wieder klimpert es in der Mütze. Ich reiße mich zusammen. Drei junge Mädels mit Handtäschchen schlendern Arm in Arm Richtung Marktplatz. Jetzt zählt nur Gefühl. Der rechte Mittelfinger scheint aber das E nicht zu finden. Doch noch geschafft. Der komplizierte Lauf über vier Töne ist bewältigt. Die Damen aber nicht überwältigt davon. Kein Geld, kein Blick. Meine Zuhörerschaft hat sich endgültig definiert. Rüstige Rentnerinnen mit gepflegtem Halstuch und braunen Wintermänteln. Die wissen wohl noch, wie hart es nach dem Krieg war, als keiner etwas hatte. Und viele auf der Straße standen. Ich setze langsam zum finalen Höhepunkt an. Nochmals „Stille Nacht, heilige Nacht" als Zugabe, die eigentlich keiner gewünscht hat. Die Finger sind nun endgültig vor Kälte erstarrt und meine Nase läuft. Ich packe zusammen. Aus dem soeben abmontierten Saxofonhals tropft der Speichel heraus. Eine knappe Stunde hat mein Auftritt gedauert. Beifallsstürme blieben aus. Ich habe mir fest vorgenommen, mehr zu üben. Schließlich habe ich den Typen aus London noch nicht vergessen. Dem werd ich's noch zeigen, denk ich mir und trotte mit meinem Notenständer davon. Das eingespielte Geld in Höhe von 16,10 Euro habe ich übrigens für den krebskranken Labinut aus dem Kosovo gespendet, der in der Uni-Klinik in Heidelberg liegt und dessen Eltern immer noch Geld für seine Behandlung brauchen.


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          Neue  Zuger  Zeitung ( 175    31    2010),              .      « »          .           .  Zug         « »      Alaska Metals  AG            .

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Âñå ðóêîïèñè, ôîòîñíèìêè è êîððåñïîíäåíöèÿ, ïðèñëàííûå â ðåäàêöèþ áåç çàêàçà íå âîçâðàùàþòñÿ è íå ðåöåíçèðóþòñÿ. Ó Ñ Ë Î Â È ß : Òî÷êè çðåíèÿ ðåäàêöèè è àâòîðîâ íå âñåãäà ñîâïàäàþò. Îòâåòñòâåííîñòü çà ïîäáîð, òî÷íîñòü ôàêòîâ, öèòàò è äàííûõ íåñóò àâòîðû ïóáëèêàöèè. Ïóáëèêàöèè, ïîìå÷åííûå çíàêîì ® ïóáëèêóþòñÿ íà ïðàâàõ ðåêëàìû.

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Zeitungsartikel Luc Müller