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Editorial Berlin, London, Brüssel. Das sind die Schauplätze, an denen sich die Geschichten des Schülerkolleg International 2012 entfalteten. Die Plätze der Protagonisten nahmen wir – die Schüler – sehr dankbar ein. Auf unserem Weg begleiteten uns die studentischen Betreuer und halfen uns bei allen Begegnungen und Erfahrungen. So konnten die abenteuerlichen Reisen, die Gespräche mit den Referenten internationaler Gesinnung, die kulturellen Erfahrungen und das ganze Drumherum stets zu einem guten Ende kommen. In dieser Jahrespublikation wollen wir uns an einige Geschichten zurückerinnern, wir wollen sie für die Zukunft festhalten und anderen einen persönlichen Einblick in die Welt des Schülerkollegs geben.

Impressum: Redaktion: Julian Bansemer Alexander Kauschanski Paulina Köhler Tim Kortendieck Felix Seliger Finn Robin Schufft Fotos: Julian Bansemer Alexander Kauschanski Martin Schmid Layout: Julian Bansemer Mit freundlicher Unterstützung von:

Kontakt info@schuelerkolleg-international.de www.schuelerkolleg-international.de Tönissteiner Kreis e.V. Haus der Deutschen Wirtschaft Breite Straße 29 10178 Berlin Telefon +49 (0) 30 310 118 93 Telefax +49 (0) 30 310 118 91 © Tönissteiner Kreis Eingetragen im Vereinsregister Amtsgericht Charlottenburg: Nr. VR 20824 Nz Geschäftsführerin: Alexandra Heldt

Das Motto des Schülerkollegs ist „weltweit wirken“. Durch die Eindrücke und Einblicke, die wir auf den verschiedenen Stationen unserer Reise durch Europa sammelten, ist uns die Bandbreite von Möglichkeiten bewusst geworden, wie genau dieses Motto von der Idee zur Wirklichkeit werden kann. Die Reihe von Vorträgen, Diskussionsrunden und Debatten, die wir unter uns oder mit den Referenten führten, zeigten uns, wo und wie jeder einzelne von uns in Zukunft wirken könnte. Die Perspektiven, die sich damit für uns öffneten, haben bei uns Jugendlichen dabei eine Schlüsselbedeutung. Wir alle stehen vor dem Schritt, vor der Entscheidung, in welche Richtung unser Leben gehen soll. Wir müssen uns nicht nur für eine neue Stadt, einen Studiengang, einen Beruf, sondern einen gesamten Lebensentwurf entscheiden. Die Welt ist weiter geworden, die Möglichkeiten vielfältiger. Unser Orientierungssinn ist davon allerdings überfordert. Daher war es umso wichtiger für uns, einen Einblick in den Berufsalltag internationaler Menschen zu bekommen. Wir haben erfahren, wie Wirtschaft, Politik und Journalismus auch über Ländergrenzen hinweg agieren. Gemeinsam konnten wir austesten, antasten, erforschen, nachdenken, aufnehmen und weitergeben. Wir besuchten auch einige Tore der Bildung. So lernten wir die Studienorte London, Oxford, Maastricht und Brügge kennen. Zu den Reisen, zur kulturellen Vielfalt, die wir im Theater, an den Sehenswürdigkeiten, Kirchen und auch den Straßen der Stadt entdeckten, passte auch unser Jahresthema „Migration und Integration“. Das Thema zog sich durch unsere Seminare, über den Moscheebesuch in Berlin, über Amnesty International bis zum Londoner Theaterstück „Belong“. Auch die Debatten und das Planspiel in Brüssel, in dem wir das europäische

Gesetzgebungsverfahren simulierten, behandelten Themen wie Asyl und Europa. Allerdings erfuhren wir in unserer Gruppe auch selbst einen ganz eigenständigen Integrationsprozess. Aus einer Schülergruppe, die zunächst aus dreißig einander unbekannten Jugendlichen und den Betreuern aus dem Tönissteiner Kreis und dessen Studentenforum bestand, entwickelte sich bald ein hochkomplexes und eng verknüpftes Netz der Beziehungen und Freundschaften, was sicherlich noch lange über die Grenzen des Schülerkollegs hinaus nachwirken wird. Gemeinschaft, Verständigung, Verantwortung und Bildung. Mit diesen Schlagwörtern lassen sich die Erfahrungen des Schülerkollegs umreißen. Die Beiträge dieser Publikation werden Ihnen helfen, aus Begriffen konkrete Vorstellungen zu zeichnen. Leider – oder auch zum Glück – werden Sie die Erlebnisse dieses Jahres mit dem Schülerkolleg International nie voll und ganz nachvollziehen können.. Wir danken dem Tönissteiner Kreis und seinem Studentenforum, der Robert Bosch Stiftung, unseren lockeren und engagierten Betreuern, den Mentoren und den zahlreichen Referenten für diese Reise durch die Welt der Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und des Journalismus, die uns für immer prägen wird. Ihr SKI-Jahrgang 2012


Inhalt

Berlin 06

London 16

Brüssel 28

Migration & Integration 42

6

Das Programm

16

Das Programm

28

Das Programm

44

Integration durch Bildung

8

Das Berufsbild “Diplomat”

20

Apps for Good

32

Brenne für Deine Leidenschaften!

46

Integration? Was bedeutet das?

10

Ein Gespräch mit Henry

22

Tagebucheintrag Amnesty International

33

Europäischer Kaffeeklatsch

48

Das Alumniwochenende in Bonn

11

Hipster vs. Hopper

23

London School of Economics

33

Lobbyismus - (k)ein Streitgespräch

50

Lukas Zeichnungen

12

Der Markt der Möglichkeiten

24

Die Goldfisch-Methode

15

Europäischer Auswärtiger Dienst

52

Das sind WIR!

14

Wo die Kanzlerin arbeitet...

25

Von Exzellenz und Eminenzen

15

Planspiel: Gesetzgebungsprozess EU

54 Danke

15

Du bist so wunderbar

27

“Keep calm and carry on!”

40

Der Abschlussabend


Berlin

Berlin intern. Die Hauptstadt im Laufschritt. Mittwoch, 7. März 2012 18:15 Uhr Begrüßung 19:30 Uhr Kennenlernen und Teambuilding 21:30 Uhr Vorstellungen: Schülerkolleg International: Jahresprogramm, Leitthema, Ziele; Studentenforum im Tönissteiner Kreis; Tönissteiner Kreis; Robert Bosch Stiftung

15:30 – 17:00 Deutscher Bundestag, Gespräch über die Arbeit als Mitarbeiter eines Abgeordneten 17:00 – 18:00 Uhr Besichtigung der Reichstagskuppel, BerlinPanorama 19:30 Uhr Abendessen im Restaurant „12 Apostel“ nach kurzem Spaziergang (Brandenburger Tor und Unter den Linden)

Donnerstag, 8. März 2012 Freitag, 9. März 2012 09:15 – 10:45 Uhr Auswärtiges Amt, Gespräch mit Diplomaten 11:15 – 12:30 Uhr Bundespresseamt, Gespräch mit Referentin der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration 13:30 – 15:00 Uhr Bundeskanzleramt, Hausführung 6 stylus magazine

Samstag, 10. März 2012

Sonntag, 11. März 2012

09:30 – 10:45 Uhr Besuch der Omar Ibn Al-Khattab Moschee in Berlin-Kreuzberg 11:00 – 13:00 Uhr Besuch im Quartiersbüro Reuterplatz 13:15 – 14:00 Uhr Freies Mittagessen in Berlin-Kreuzberg 15:00 – 18:00 Uhr Besprechung des Jahresprojektes mittels Metaplantechnik und Einteilung von Arbeitsgruppen 18:00 – 19:00 Uhr Freizeit 19:00 – 20:15 Dinner Speech zum Jahresthema

08:45 – 10:30 Uhr „Markt der Möglichkeiten“: Internationale Ausrichtung von Ausbildung und Beruf 10:30 – 10:45 Uhr Kaffeepause 10:45 – 11:45 Uhr Gespräch über die Arbeit im Bundeskanzleramt als Beamter der Europäischen Kommission 11:45 – 12:30 Uhr Feedbackrunde 12:30 – 13:30 Uhr Mittagessen Ab 13:30 Uhr Abreise

09:55 – 17:15 Uhr Axel Springer Akademie 18:30 Uhr Abendessen im Restaurant „Öz Adana“ Ab 21:00 Uhr Gesprächsrunde mit Möglichkeit zur Reflexion

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Berlin

Das Berufsbild “Diplomat” Ein Job mit vielen Facetten Diplomat sein, um die Welt reisen, neue Kulturen entdecken und nebenbei ein bisschen an der Weltpolitik schrauben? Nein, dieser Beruf hat viel mehr Facetten. Bei einem Besuch im Auswärtigen Amt führten wir eine spannende Diskussion über das Berufsbild des Diplomaten mit Mitgliedern des Tönissteiner Kreises. Wo die Karriere im Auswärtigen Amt beginnt? Mit einem langen Bewerbungsprozess, in dem die Eigenschaften überprüft werden, die man für eine Diplomatenlaufbahn mitbringen sollte. Ein Diplomat muss flexibel sein, denn er muss alle drei Jahre seinen Standort wechseln und sich schnell in bilaterale oder multilaterale Arbeit einfinden können. Es erleichtert die Arbeit als Diplomat wesentlich, wenn man Spaß am Gestalten von Politik hat. Ein weiterer wesentlicher Pluspunkt ist es, wenn man gut schreiben kann, denn Diplomatie ist oft „Journalismus nach innen“. 8 stylus magazine

Die Diplomatenkarriere ist eine von internationaler Bedeutung, daher müssen Diplomaten mindestens zwei Sprachen der UNO sprechen können.Auch exotischere Sprachen sind von Vorteil. Im Berufsleben kann es durchaus vorkommen, dass es in einigen Ländern „exklusive Clubs“ für die Botschafter gibt, die die Landessprache sprechen können. Dies ist beispielsweise in Japan der Fall. Klingt nach hohen Voraussetzungen? Ja, deswegen sollte man sich schon als Schüler für eine solche Laufbahn vorbereiten. Von besonderer Bedeutung ist das Lernen von Sprachen, das Reisen und das Teilnehmen an Schüleraustauschen. Man kann sich auch durch Interesse an politischen und wirtschaftlichen Fragestellungen auf die Karriere als Diplomat vorbereiten. Das Auswärtige Amt ist ein politisches Organ: Da stellt sich die Frage, ob ein Diplomat einer Partei

angehören muss. Dies ist nicht der Fall. Im Vergleich zu anderen Ministerien ist das Auswärtige Amt weniger von Parteipolitik geprägt. Trotzdem kann eine Mitgliedschaft in einer Partei helfen, schneller Karriere zu machen. Als Diplomat vertritt man Deutschland im Ausland. Muss man dafür „Deutscher“ sein, oder ist ein Migrationshintergrund auch gerne gesehen? Bewerben können sich alle deutschen Staatsbürger, das heißt ein Migrationshintergrund ist auf keinen Fall ein Nachteil. Da es wenige Bewerber mit Migrationshintergrund gibt, kann ein Migrationshintergrund eventuell sogar ein Vorteil sein.

von zu Hause arbeiten. Auch ist das Auswärtige Amt bestrebt, die Berufstätigkeit der Ehepartner mehr bei der Versetzungsplanung zu berücksichtigen. Und was, wenn man es dann einmal ins Auswärtige Amt geschafft hat? Einen typischen Tagesablauf gibt es nicht. Dieser variiert von Standort zu Standort, ebenso wie die Bedeutung der Arbeit eines Diplomaten in der heutigen Zeit. In europäischen Ländern kommt der Botschaft die Aufgabe zu, deutsche Politik zu erklären und Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, weniger jedoch, die Kommunikation zwischen Gastland und Deutschland zu ermöglichen, da die Politiker sich persönlich kennen und direkt kommunizieren. Bei entfernten Standorten und komplexen Ländern wie China kommt den Botschaften in deutlich größerem Maß die Rolle als Vermittler zwischen Berlin und dem jeweiligen Gastland zu. Hier muss die Botschaft Kontakte halten und

berichten, da die deutschen Politiker diese Politiker nicht persönlich kennen. Auf einen Diplomaten in diesen Ländern kommt eine besondere Herausforderung zu, aktiv mit zu gestalten, gute Kontakte zu pflegen und den Überblick über die Geschehnisse zu wahren. Ein Diplomat arbeitet im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland, was impliziert, dass er nicht immer frei handeln kann. Er kann auch nicht bestimmen, wohin er versetzt wird. Er muss gut mit Hierarchie umgehen können, denn man ist im Auswärtigen Amt niemals sein eigener Chef, sondern muss immer einer politischen Linie folgen. Der Diplomatenberuf hat auch Konsequenzen für die eigene Familie. In der Ehe ist es für den Partner oft schwer, denn er muss den Diplomatenberuf völlig akzeptieren. Das kann auch mit Frust verbunden

sein, da der Partner oft den eigenen Beruf nicht ausüben kann. Die Reaktion der Kinder auf die Umzüge ist oft ganz unterschiedlich: die einen freuen sich auf jeden Umzug und erleben die neuen Länder gerne, die anderen verweigern sich. Besondere Probleme kann es in der Pubertät geben, wenn die Kinder nicht von den Freunden wegziehen wollen. Zusammenfassend kann man sagen, dass der Diplomatenberuf ein Werdegang mit Vor- und Nachteilen ist. Diplomat zu werden, ist nicht eine Frage der Karriere, sondern eine Frage des Lebensstils. Die Entscheidung will gut überdacht sein, doch wenn man einmal im Auswärtigen Amt gelandet ist, wird man sicherlich viele wundervolle Erfahrungen machen und Möglichkeiten nutzen können. Michaela Morgalla, Hoang Ha Nguyen, Jenny Ho Nguyen

Neben den Migranten sind im Auswärtigen Amt Frauen eine unterrepräsentierte Gruppe im höheren Dienst. Das Auswärtige Amt fördert deshalb die Karrieren von Frauen und bemüht sich, ein besonders familienfreundlicher Arbeitgeber zu sein, zum Beispiel kann man in Teilzeit oder zum Teil stylus magazine 9


Berlin

Ein Gespräch mit Henry 16:00 Herr Alt-Haaker (Leiter des Abgeordnetenbüros von Justizministerin Sabine LeutheusserSchnarrenberger) betritt den Raum. „Ihr seid aber sehr pünktlich“, sagt er und wischt sich über die Stirn, während er sich seinen Mantel auszieht und auf dem Tisch und nicht auf dem Stuhl dahinter Platz nimmt. „Können wir vielleicht die Tür offenlassen? Ich bin mit dem Fahrrad gekommen“. Wir erwarten ihn bereits. Henry hat, wie sich im Verlauf des Gesprächs herausstellt, einiges zu

bieten. Nicht nur die anscheinend recht schwierige Aufgabe, die FDP in diesen Tagen souverän zu vertreten, meistert er ohne Probleme. Der sympathische junge Mann im gelben Hemd erweist sich außerdem als begabter Erzähler mit einem beeindruckenden Lebenslauf: Er hat Philosophie, Germanistik und Public Policy studiert und unter anderem für die kanadische Botschaft in Berlin gearbeitet. Jetzt ist er als „Mann im Hintergrund“ verantwortlich für die politischen Inhalte unserer derzeitigen

Restaurantführer Justizministerin Frau LeutheusserSchnarrenberger. Dass er 2013 womöglich vorläufig die Arbeit wechseln muss, stört ihn nicht. „Darauf ist man in dem Beruf ja von vornherein vorbereitet“, sagt er. „Ich gehe dann eben woanders hin.“ Er habe sowieso Lust, mal wieder im Ausland zu arbeiten. Wenn Henry aus seinem bisherigen Leben erzählt, fängt man unwillkürlich an, dem „Monster Berufswelt“ etwas entspannter entgegenzublicken. Finn Robin Schufft

Wer bei den „12 Apostel[n]“ speist, nimmt unter einer farbenfroh ausgemalten Gewölbedecke in den beliebten S-Bahn-Bögen der Ostberliner Mitte Platz und fühlt sich schnell an Fresken der Renaissance wie in der Sixtinischen Kapelle erinnert. Die deutlich moderneren Deckengemälde und der abendliche Kerzenschein zaubern bei knuspriger Steinofenpizza und herausragenden Nudelgerichten eine ganz besondere Atmosphäre, die auch die zum Alexanderplatz donnernde S-Bahn wenige Meter über den Tischen nicht ruiniert... Himmlisch! Mitten im Berliner Bezirk Neukölln steht

das „Öz Adana“, ein türkischanatolisches Restaurant, das sich wie eine Trutzburg von seiner FastFood Nachbarschaft abhebt. Schon bei der freundlichen Begrüßung und einem Blick auf den sauberen, komplett einsehbaren Holzkohlegrill im Eingangsbereich bekommt man den Eindruck, dass es sich hier wirklich um ein Restaurant der gehobenen Klasse handelt. Eine Wahl auf der umfangreichen Speisekarte fällt schwer, doch der Kellner hilft gerne bei der Auswahl einer der köstlichen, traditionellen Grillspezialitäten. Das Gemüse schmeckt rauchig und das Fladenbrot saftig - eine kulinarische

Wirtschaftsberufe im Medienbereich

Hipster vs. Hopper

Der Medienbereich eignet sich nicht nur für Kreative, auch Wirtschaftsinteressierte können hier einen passenden Beruf finden. Dies wurde uns während unseres Besuchs im Axel Springer Verlag bewusst. Zwar dachten die meisten, dass wir uns an diesem Tag ausschließlich mit Journalismus beschäftigen würden, jedoch waren wir positiv überrascht, dass es auch für wirtschaftlich Interessierte etwas zu erfahren gab. Konzerne wie der Axel Springer Verlag verfügen über einen Wirtschaftsbereich. Dieser Bereich umfasst das Konzerncontrolling, Konzernrechnungswesen, die sogenannte Mergers & Acquisitions-Strategie, die

Ein Gespenst geht um in Berlin. Es trägt große Style-O-Rama Brillen, kauft in Bio-Supermärkten ausschließlich Selected-ZeroEmission-Feel-Good-Food und bevölkert die Vivacious-VintageAltbauten in Kreuzkölln mit SuperDooper-Local-Spirit. Es ist das Gespenst des Berliner-BionadeBiedermeier – auch bekannt als „Hipster“. Beim Besuch der schnieken, neuen Bars zur Faceto-Face-Communication am Prenzlauer und in Kreuzberg postet dieser Vorbote der Gentrifizierung ausnahmsweise mal nicht am HighEnd-HD-Smartphone kurze „greetz“,

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Konzernsteuern, Konzernfinanzen und Investor Relations. Die jeweiligen Mitarbeiter kümmern sich um Investitionsstrategien, Buchführung, analysieren und bearbeiten die Steuern und Finanzen des Konzerns, und pflegen Beziehungen zu anderen Unternehmen. Ein Konzerncontroller ist unter anderem für die Kosten- und Leistungsrechnung des Betriebs zuständig. Er ermittelt die Kosten bestimmter Abteilungen und erleichtert dadurch die Preisentscheidung. Der Controller kümmert sich auch um das gesamte weitere interne Rechnungswesen, insbesondere die Investitionsrechnung. Bei der Mergers & Aqcuisitions-Stra-

tegie geht es um Entscheidungen, das Unternehmen durch den eventuellen Aufkauf oder Zusammenschluss mit anderen Unternehmen auszuweiten. Die M&A-Mitarbeiter kümmern sich daher unter anderem um steuerliche Fragen und Erwerbsprüfungen, um festzustellen, ob sich eine Fusion beziehungsweise Akquisition überhaupt lohnt. Radu Nicolae Homorozan

sondern kann sich ungestört seiner Work-Life-Balance widmen. Was Fashion betrifft, definiert dieser Freund elektronischer Tanzmusik umgangssprachlich auch mal House genannt - die Mega-Styler StreetCouture. Kein Wunder, dass sich rund um die Weinmeisterstraße gleich ein ganzer Kiez auf den neuen Style in Bling-Bling-Berlin einstellt. Da müssen sich alteingesessene Hip-Hopper eine neue Hood suchen, um vor der wachsenden Ultra-FlipOut-Cali-Smoothie-Boosting Power zu flüchten. Arme Hip-Hopper. Für das Turbo-Rapid High-Organic Hipster Life ist eben nicht jeder

Reise in die Türkei war nie so nah und preiswert. Florentin Hildebrandt, Thilo Kerkhoff

gemacht. Gentrifizierung beschreibt einen stadtsoziologischen Umstrukturierungsprozess eines Viertels, in dem ursprünglich günstige Immobilien zunehmend von wohlhabenderen Bewohnern belegt und aufgewertet werden, was insbesondere in Innenstadt-nahen Quartieren von Metropolen zu einer Verdrängung der ursprünglichen Bewohner führt. Thilo Kerkhoff

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Berlin

Der Markt der Möglichkeiten Blumenkohl, Fisch, Wein, griechischer Schafskäse... ? – weit gefehlt! Wer hier seine Wochenendeinkäufe erledigen wollte, musste enttäuscht werden, denn dieser Markt am letzten Tag des Berlinwochenendes hatte Besonderes zu bieten: Wir durften uns über üppiges Informationsmaterial aller Art rund um das Motto des Kollegs „weltweit wirken“ freuen, angefangen bei Freiwilligendiensten, über Auslandsaufenthalte vor und während des Studiums, bis hin zu deren Finanzierung durch verschiedenste Stiftungen. Bei manchen Kollegiaten hatten wir sogar den Eindruck, dass sie die ganze Zeit eigentlich nur mit dem Sammeln und nicht mit der tatsächlichen Aufnahme der Informationen

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beschäftigt waren, so viel gab es zu finden und zu entdecken. Zentrales Element waren die tollen Erfahrungsberichte einzelner Mitglieder des Tönissteiner Kreises und seines Studentenforums. Unermüdlich schilderten sie ihren Werdegang und gingen offen auf die unzähligen Fragen aller Zuhörer ein, die schon fast gewohnheitsmäßig an der Tagesordnung waren. Als uns allen nach über einer Stunde Input der Kopf schwirrte, hatte die Veranstaltung ihren Zweck offenbar voll und ganz erfüllt: Wir dachten nur noch an Möglichkeiten über Möglichkeiten, die nur darauf warten, ausgeschöpft zu werden. Melchior Kupke

Liebes T agebu

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Berlin, d en 10.0 3.201

der Ta g heute war wir klich ein außerg Nicht n ewöhnlic ur Berli her Ta n hat m faszinie g. ic h rt, son m it seiner u dern au Mosche nglaubli ch der e in Ber chen Sc Be lin-Kreu ließ mic hönheit zberg, a such der Oma h nicht r Ibn A lso mitt mehr lo meiner g l-Khatt e s n . ewohnt ab en Umge Ich konnte fü in dieser Metr in eine f opole, b r u ür mich einen ku ng und vollkomm rzen Mo m Mosche e wurde m en neua einem Alltag en rtige W tfliehen ent meines man me elt eint Eracht rkte je u nd ens zwa auchen doch a Mosche . Diese uch so r sehr e die un f m o odern g rt nac glaublic h dem B ebaut, h angen etreten ehme Au Es folg d e r r a , welche te die B einen um esichtig wirklich gab. u n äußers t schön g des Gebetsr „Besicht a dekorie ums. Die ig rt und ser war Teppich ungsführer“ e ausges rzählte boden, tattet der Kro uns, da Raum e . Unser n s rleucht ete, die leuchter, welc s alle Wände, extra h h der T e andgef r den g ertigt w ribüne und viele roßen, wo gen o urden. au man Er erklä Kleinigkeiten m ffenen beten s unsere ehr, rte uns o llte, da mu zudem, mit das und uns slimischen Mit w ie und G k ebet er erem In ollegiat hört wir Innen k t halfen onnten d uns ged eresse an dies unserer . Auch er Relig uldig, d „Besicht ie io N s n eugier ig e Welt entgege zu vers dass es ungsführer“ a nkomme t u e n und h ch wich Mensch e tig, uns en. Es war un Taten serem zu rech n gibt, die den klar zu tfertig machen wahren en. Dies Islam missbra , Muslime uchen, e sind s , da sie somit n um ihre einer Me den Ko icht na inung n ra ch Allah Religion ach kein s Bräuc n falsch inter da, um e pr hen lebe de Leben z n. Doch etieren und u geben n Menschen ein ist nich ? en Sinn nachde t jede und Orie nklicher Ich denke, da ss ich ntierun im Hinbli durch d g im ck auf iesen Be Religion Denn wo such v en gewo llen nic iel r den bin. ht alle haben d R eligione emnach n dasse nicht a Meinung lbe Ziel lle Mens nach: J erreich chen da a. Alle R Stabilit en sselbe ät und eligione Ziel? Me ? Und n wolle Hoffnu glücklic in n n er g h werde einem M geben. ensche n. Das Dadurc Ziel des n „G h lü Mensch wollen a en. Doc cklich sein“ ist sein“? M lle Mens h was b an mus s chen omit da s „richt einhalte Einklang s höchst ig“ leben t diese zu sein e s „Glück , um mit und glü Punkt s lich seinem cklich z ind wir G ewissen wie u und Sit in ten mus der bei der Re werden. Und an ligion. N s man n diesem Einklang a u c n h z man fes u sein? Das ka leben, um mit s welchen Norm en nn einem einem G t glaub ewissen t, und nur die ein Weg man se in weiser, R eligion, lbs keine En an welc mich wa tschuld t einem sagen he r der M . Die Re ig oschee ung für ich zwa lg io besuch n g r scho rausam ist ein Einb n vieles e Tate erleben lick in e gehört n. Für konnte. in h e atte, a Welt, üb Ein Erle werden be bnis, da er die wird. s so sc r die ich nie s elbst hnell nic ht verg Deine J essen enny Ho Nguyen und Hoa ng Ha N guyen

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Berlin

Logbuch: Reichtagskuppel 08. 03. 2012, 18:14. Diing. Die Aufzugtüren gehen auf und vor uns er-streckt sich ein wundervoller Ausblick über Berlin. Hier das Brandenburger Tor, dort der Fernsehturm. Von keinem Punkt der Dachterrasse ist ein Ende der Hauptstadt in Sicht. Ein Blick zurück zeigt eine gläserne Halb kugel, in der sich die Abendsonne bricht - die Reichtagskuppel. Noch schnell ein offizielles Gruppenfoto mit lauter

grinsenden Gesichtern - und dann über eine Rampe zum höchsten Punkt. Zur rechten Seite kann man durch die Glasscheibe auf Berlin blicken, während zur linken mitten in der Kuppel ein umgedrehter, mit Spiegeln bestückter Konus fixiert ist. Interessant ist , dass diese Kuppelkonstruktion nicht nur als reine Kunstspielerei gedacht ist, sondern auch den darunter liegenden Plenarsaal des

Bundestags mit Licht versorgt. Oben, auf der Ausblicksfläche, sind wir gerade rechtzeitig, um die untergehende Sonne auf dem wolkenlosen blauen Himmel auf das Fotodisplay zu bekommen. Noch ein paar Gruppenfotos, dann wieder nach unten und weiter: zum Spaziergang durch Berlin.

Du bist so wunderbar... Ein eindrucksvolles Berlin-Wochenende nahm sein Ende. Die deutsche Hauptstadt war der Schauplatz eines perfekten Starts in ein aufregendes SKI-Jahr.

Julia Kühn, Anna Steinberg

Einmalig. Die SKI’ler fanden auffällig schnell zueinander und verlebten schöne Tage in der Hauptstadt.

Wo die Kanzlerin arbeitet… Ein beeindrucktes „War das nicht hier?“ geht durch die Reihen. Wenige Tage zuvor saß die Bundeskanzlerin an dem langen dunkelgrauen Tisch und verkündete die Kandidatur Joachim Gaucks für das Amt des Bundespräsidenten. Wo die Kanzlerin Platz nahm, hängt jetzt eine weiße Leinwand und nach einem kurzen Film über das Gebäude verlassen wir den Saal auch schon wieder. Doch wir schlurfen nicht einfach hinaus. Der himmelblaue, flauschige Teppichboden unter einer turnhallenhohen Decke verleitet eher zum staatsmännischen Schreiten. Gehend oder schreitend, wir bewegen uns auf eine schier unendlich breite Steintreppe zu, die sich an einer roten, halbrunden Wand hinab zum Haupteingang zieht. Hier 14 stylus magazine

betreten die echten Staatsgäste das Kanzleramt, nachdem sie im Ehrenhof mit militärischen Ehren begrüßt worden sind. Und vermutlich sind sie genauso erstaunt wie wir, wenn sie sich in der 14 Meter hohen weiß-grauen Eingangskathedrale wiederfinden. Beim Rundgang durch den schier riesigen so genannten Leitungsbau des Kanzleramts (der Würfel in der Mitte) wissen wir nicht, ob wir uns über verschwendete Steuermillionen aufregen oder über diese herrliche Großzügigkeit freuen sollen. Diese setzt sich auch in der oberen „Sky-Lobby“ im fünften Obergeschoss fort, an deren Wänden imposante, sechs Meter breite, abstrakte und vor allem bunte Bilder hängen. Wer aus den Fenstern, die sich über drei Etagen strecken,

blickt, schaut in den Kanzlergarten mit Hubschrauberlandeplatz, den die Kanzlerin in ihrer schwarzen und gepanzerten Limousine über eine Brücke erreichen kann. Wer es bis in die „Sky-Lobby“ schafft, ist der Kanzlerin schon sehr nah – kommt aber nicht unbedingt weiter. Das Kanzleramt ist natürlich nicht nur groß, sondern dient vor allem der Regierungsarbeit, weshalb wir außer den Flurflächen nicht sehr viel besichtigen konnten, da in den Kabinetts-, Konferenzund Bankettsälen Konferenzen stattfanden. Was Angela Merkel von ihrer weiß-grauen Kathedrale mit himmelblauem Teppichboden hält, haben wir nicht erfahren. Thilo Kerkhoff stylus magazine 15


London

London was calling! “London ist ein modernes Babylon.” Mittwoch, 09.05.2012

Freitag, 11.05.2012

Samstag, 12.05.2012

Sonntag, 13.05.2012

Bis 18:30 Uhr Anreise 19:30 Uhr Abendessen und Vorstellung des Programms im Restaurant Giraffe in Soho 21:00 Uhr Weiterarbeit an der Jahrespublikation

9:00 Uhr Amnesty International 11:00 – 12:00 Uhr Führung London School of Economics 12:30 Uhr Mittagessen British Library 13:30 Uhr Tönissteiner Debatte in der British Library 17:15 Uhr Abendessen: The Phoenix Pub, Victoria 19:45 Uhr „Belong“ by Bola Agbaje, Royal Court Theatre, Sloane Square

9:00 Uhr Abfahrt nach Oxford 11:00 - 14.00 Uhr Merton College, Tour & Informationsgespräch mit Mittagessen in der College Hall 15:00 Uhr Rückfahrt nach London 15:00 ss- 19:00 Uhr Freier Nachmittag in London 19:30 Uhr Abschlussabend mit Bowling und Abendessen im All Star Lanes, Victoria House, Bloomsbury Place

9:30 Uhr Parliamentary Debating 12:30 Uhr Abschlussrunde 12:45 Mittagessen 13:30 Abreise

Donnerstag, 10.05.2012 10:00 – 12:00 Uhr CDI Europe – Apps for Good 13:00 Uhr Mittagessen Whitecross Street Market 15:00 – 17:00 Uhr Besuch der European Bank for Reconstruction and Development 18:30 Uhr Curry on Brick Lane 16 stylus magazine

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London Kosmopolitisch. Selbst im Getose einer Großstadt gaben die SKI’ler ein gutes Bild ab. Kunstvoll. Rund um die Brick Lane wimmelt es nur so vor Street-Art

Das Schülerkolleg nistete sich im von Backsteinhäusern geprägten Bloomsbury ein, als London sich auf zwei Großereignisse der Dekade vorbereitete: Das diamantene Thronjubiläum der Queen und die olympischen Sommerspiele 2012. Und so merkten wir schnell: In London liegt etwas in der Luft. Nicht nur der Geruch von „Fish and Chips“ oder der Geist des Empires, sondern auch simple Salutschüsse, die am Mittwochmittag das East End von London erschüttern, wenn sie vom Tower das „State Opening“ der Queen begleiten. Stilecht fährt die Monarchin in einer Kutsche zu den Houses of Parliament in Westminster. Dort eröffnet sie traditionell mit dem Verlesen einer Rede ihres Premierministers das Parlament. 18 stylus magazine

Mit diesen Traditionen erfreut sich die Monarchie in ganz London großer Beliebtheit, sodass Souvenirläden jedes denkbare Haushaltsprodukt von der Tasse bis zum Lätzchen mit dem Konterfrei der Queen oder dem Hochzeitsfoto von Prinz Wiliam und der jungen Herzogin von Cambridge („Kate“) verkaufen. Kitsch und Klamauk um die „Royals“ tragen in den Wochen vor der Bootsparade zum „Diamond Jubilee“ der Queen zum „British Feeling“ und zum britischen Patriotismus bei. Der „Union Jack“ ist daher allgegenwärtig. Als Hülle für’s Smartphone in der Tube, als patriotischer Eye-Catcher auf T-Shirts und Jacken und zuweilen weht er auch als Girlande über den Passanten in den Einkaufsstraßen. God Save the Queen! Thilo Kerkhoff

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London

Die European Bank for Reconstrution and Development

Apps for Good Apps for Good ist ein Programm der Organisation CDI Europe, die mit zahlreichen Schulen in Großbritannien, besonders in sozialen Brennpunkten, kooperiert. Durch die Zusammenarbeit mit Schülern kreiert die Organisation neue Apps, also kleine Programme, die man sich auf sein Smartphone oder Tablet runterladen kann. Apps gehören heute zu unserem Alltag. Digitale Geräte wie Smartphones oder Tablets ermöglichen uns viele Dinge im Leben leichter, schneller oder auch bequemer zu erledigen. Diese gesellschaftliche Entwicklung hat Apps for Good als

Anstoß genommen, um neue Apps zu entwerfen. Das geschieht vor dem Hintergrund, die Probleme von Schülern zu lösen und ihnen auf ihrem Lebensweg zu helfen. Zum Beispiel entwickelten die Schüler eine ÜbersetzungsApp für die Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern mit Migrationshintergrund. Schule wird somit für die Eltern barrierefrei. Apps for Good möchte so Leidenschaft für Technologie und soziale Unternehmen bei Jugendlichen wecken. Junge Menschen werden ermutigt, Technologien zu nutzen, um soziale Probleme zu lösen. Dabei

helfen sie durchaus nicht nur der Gesellschaft. Unternehmerische Fähigkeiten von teilnehmenden Jugendlichen werden verbessert und ihr Selbstvertrauen gestärkt. Für die Teilnehmer von heute wird es leichter sein, in die Arbeitswelt von morgen einzusteigen. Das Hauptziel des Programms Apps for Good ist daher, eine starke Verbindung zwischen jungen Menschen, wirtschaftlich orientierten Freiwilligen und Erziehern herzustellen, um gegenseitige Inspiration durch mobile Technologie zu ermöglichen. Radu Nicolae Homorozan, Volkan Akdogan, Mehmet Acikgöz

Warum ist die Arbeit von Amnesty International so wichtig? Obwohl wir im Zeitalter der Globalisierung leben und die Beteiligung der Bürger im politische Prozesse beteiligt sind wie nie zuvor, sind viele Länder von politischen Konflikten und gewalttägigen Auseinandersetzungen betroffen. Menschenrechtsverletzungen wie Folter, Verbrechen gegen ethnische Minderheiten, sowie Bürgerkriege sind gegenwärtig und die Gesellschaft trägt eine Verantwortung auf diese Geschehnisse aufmerksam zu machen, denn auch in der Zukunft werden diese Verbrechen sonst fortbestehen. Doch zusehen und nichts machen ist keine Lösung! Daher müssen wir uns für die 20 stylus magazine

Freiheit und Rechte Anderer verstärkt einsetzen. Als Einzelner kann man nicht viel erreichen, aber in einer Gruppe, die weltweit vernetzt und aktiv ist, hat man bessere Möglichkeiten und Chancen. Amnesty International handelt global und bewirkt durch die Kraft und Arbeit ihrer Mitglieder und Unterstützer einiges; sie wendet sich an Regierungen, zwischenstaatliche Organisationen, bewaffnete politische Gruppe, deckt Menschenrechtsverstöße auf, untersucht diese und mit unterschiedlichen Aktionen wie zum Beispiel Briefen, Pressearbeit, Eilaktionen übt sie

Mit den avantgardistischen Stahlund Glaspalästen, die neben der schneeweißen Kuppel von St. Pauls Cathedral in den Himmel der Londonder City ragen, wird in der Regel die Hedge-Fonds-Hochfinanz assoziiert. Die European Bank for Reconstruction and Development (EBRD) verfolgt jedoch andere Ziele. Seit ihrer Gründung 1991 treibt sie den Transformationsprozess der ehemaligen Ostblockstaaten hin zu einer freien Marktwirtschaft voran. Dazu initiiert und finanziert sie Projekte und nimmt diverse Beratungsfunktionen wahr. Damit ist die EBRD mehr als eine typische Geschäftsbank. Das kann man auch daran erkennen, dass sie Eigentum von 63 Ländern und zwei supranationalen Organisationen (EU und EIB) ist. Durch die Finanzierung von Mitgliedsstaaten kann die EBRD Projekte und Unternehmen unterstützen, die für Geschäftsbanken aus dem privaten Sektor nicht relevant wären. Das führt zu der Vorreiterrolle der EBRD, deren Ziel die Etablierung privater unternehmerischer Aktivitäten in den Einsatzländern ist. Ist

die EBRD erst einmal engagiert, bedeutet dies immer auch ein Startsignal für weitere private Investoren. Außerdem kann sie ihre Multinationalität zur Vernetzung und Ausschreibung von Projekten in den Einsatzländern nutzen. Die Unterstützung durch die EBRD hängt von der Erfüllung bestimmter Kriterien, wie beispielsweise Nachhaltigkeit, Schonung der Umwelt sowie demokratischen Bestrebungen des Einsatzlandes und der unterstützten Unternehmen ab. Dementsprechend sind die Rüstungs- und Tabakindustrie sowie Teile der Alkohol- und Glücksspielindustrievon einer Kooperation ausgeschlossen. Während die EBRD in 29 Ländern des osteuropäischen und eurasischen Raums und seit kurzem auch in Ägypten, Jordanien, Tunesien und Marokko engagiert ist, sind die 63 Eigentümer der Bank rund um den Globus zu finden. Die Bank wurde nach dem Ende des Kalten Krieges in der Überzeugung gegründet, dass die (freie) Marktwirtschaft im Zusammenspiel mit einer demokratischen

Staatsauffassung den anderen Wirtschaftsformen überlegen ist. Das Prinzip der Kooperation mit Privatinvestoren ist eine vielversprechende Vorgehensweise, die durch genaue Länderstrategien und Analysen der Länderentwicklung begleitet und evaluiert wird. Abschließend bleibt jedoch, gerade in Zeiten der Schuldenkrise in Europa und einer wachsenden Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland und anderswo die Frage offen, wie nachhaltig die Partnerländer und vor allem deren Bevölkerung von der Arbeit der EBRD profitiert haben und weiterhin, wie die European Bank For Reconstruction and Development auf neue globale Entwicklungen wie den Arabischen Frühling oder die Schuldenkrise reagieren kann und wird. Fakt ist, dass der neu gewählte Präsident Suma Chakrabarti (Juli 2012) auch in den nächsten Jahren alle Hände voll zu tun haben wird Till Eichler, Thilo Kerkhoff

auf Regierungen, Institutionen und Wirtschaftsunternehmen Druck aus. Es ist sehr traurig zu wissen, dass es weltweit Menschen gibt, die unterdrückt werden und hilflos alles über sich ergehen lassen müssen. Jeder Einzelne kann, soll und muss zum weltweiten Frieden beitragen und diesen unterstützen! Mehmet Acikgöz

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London

London School of Economics 12

5.20 den 11.0 London,

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er Tag. esonder b in e h c Amnesty r wirkli nter von e C Heute wa s t h Rig wurden gen. Wir im Human n e a b f p t f m n e u h k m einen serer An freundlic racht, u ir b e w g n “ e Nach un m d u r ra ional, wu Amnesty ntations Internat eiter bei b t „Präse r r A a it e M in e in rbeit der danach k in die A c li b in E n alten. kleine urden al zu erh n io t a n erletzt w v r e t h Inte c e nr andelt Mensche idrig beh n w e s r e t d h , c n e r he erweitig m Mensc oder and Es ging u t r e lt o gef indem sie arbeiter . nesty Mit m wurden A n e ei der r e erbern b em weit w in e e lb y it s m A nde Amnesty rch das rächsru r, dass eispiel du e B b ü m Eine Gesp r u a z d , t igneten ütz te uns einer gee unterst r l e y informier d s A o n s o alt gung v ines Anw Beantra nzieren e a in F d n Finden u eitern, ft. y zu erw t s Unterkun e nden. n m A von und erku it e n b e r ig A t h ie ic k in d nce telle bes en Einblic iese Cha Arbeitss d ie n d e b Um unser h a c h so viel ten wir dana wie immer m itkollegia u M , n n durften e e ll ig e r t issbegie gen zu s Unsere w utzt Fra nehmen. n u e z g s it u m a h h c c u li s r e ü B nat sem ckend. h von die beeindru h c li wie möglic b u igenen ngla m seine e mnesty u A u n r u o v n h it e sic de immer n die Arb aft wür nn jeder h e c w s , ll n e e Wir finde s h e e de? Die G de gesch mern wür Was wür m ü k n e it nhe Angelege ft der erden. w und Kra r it e e h n e trist f f ch die O t uns au a h n e ll a s gef Besonder Weg auf den er. it it e m b r g a la it h M r Ratsc ein gute s n u e d r luss wu ou need!“ Zum Sch n is all y io s s a „P gegeben: Nguyen enny Ho J d n u a rgall haela Mo Deine Mic

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Who are the people of the Schülerkolleg International 2012? We are a group of young students in search of a place to realise our ideas and our potential. But where can we find such a place? For those of us interested in the social sciences, the London School of Economics and Political Science (LSE) seems like a great place to learn about the subjects we are interested in and prepare for our future. The LSE was founded in 1895 and joined the University of London as a constituent college in 1900. It is located in several modern buildings spread out around the Aldwych in the London Borough of Westminster. As a public research university specialising in social

sciences, the LSE belongs to the foremost social science universities in the world, frequently ranked alongside outstanding institutions like Harvard, Berkeley and Stanford. It actually is part of the so-called Golden Triangle between the Universities of Cambridge, Oxford and London. It is thus not very surprising that the LSE has in the past produced many famous alumni and noble prize winners, and at present has the lowest undergraduate admissions rate in Great Britain. Moreover, the LSE has a remarkable international presence and is able to reach from its central London campus around the world. This might be due largely to its cosmopolitan student body with around 9,000 full

time students from 140 countries. When we got the chance to visit the LSE during our trip in May, we were able to get a first-hand experience of the School. The atmosphere there was in fact quite overwhelming and it felt like a place where one can come up with great ideas. The two students who took us around campus helped us get a good glance at what life at LSE might be like. Based on our visit, the LSE seems like a wonderful place to study and thus spend some of the most exciting years of one’s life. I am sure that at LSE one can find oneself, pursue one’s dreams and explore new possibilities. Hoang Ha Nguyen Thi

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London

Die Goldfisch-Methode Zwei Kreise. 30 Stühle. Konferenzraum der British Library. Im äußeren Kreis springen die Augen der Beobachter aufmerksam hin und her. Im inneren pulsiert die Diskussion. „Und gerade in diesen Punkten schwächelt die britische Innenpolitik“, schließt Paulinas argumentatives Feuerwerk. Sie berührt ihren Hintermann kurz an der Schulter, die beiden tauschen die Plätze und die Diskussion folgt einem neuen Impuls. Moment mal. Was passiert hier? Wir befinden uns gerade in einer sogenannten FishbowlDiskussion. Ihren Namen verdankt diese Diskussionsmethode ihrer Sitzplatzanordnung, die entspricht nämlich einem Goldfischglas. Die Fishbowl-Methode lässt jeden Teilnehmer demokratisch zu Wort

kommen. Und das ganz ohne Chaos. Debattiert wird in der Mitte, im kleinen Kreis. Um in den Kreis einzutreten, muss nur einer der Diskutierenden angetippt werden. Somit entscheidet jeder für sich selbst, in welchem Moment er gerne in die Diskussion eintreten möchte. Und so kommen auch die Debatten schnell zum Punkt. Denn bei jedem Themenwechsel versammeln sich die jeweiligen Experten rasch in der Mitte. Hier liegt auch der Vorzug der Fishbowl: gemeinsam benutzen alle ihr Wissen zur schnellen Problemlösung – oder eben zur hitzigen Diskussion. Schwimmen lernen mussten wir Schülerkollegiaten im Goldfischglas trotzdem. Das erste Gespräch war Problemen der Integration verschiedener Länder gewidmet.

Von Exzellenz und Eminenzen Die Argumente flogen in dieser Runde in einem scharfen Ton durch die Luft. Einer beschuldigte den nächsten. Keiner wollte nachgeben. Jeder gab sein Bestes, um im Kreis zu überleben. Im Gespräch danach ergab sich allerding, dass niemand wirklich mit diesem Diskussionsstil zufrieden war. Die Chance alles wieder gutzumachen gab es also in der zweiten Runde. Wir suchten nach Wegen für eine gelungene Integrationspolitik. Aus der hitzigen Debatte war nun ein konstruktives Gespräch geworden. Na klar. Denn ein Gespräch kommt zu mehr Essenz, wenn alle gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Und so haben wir uns wie Fische im Aquarium wieder vertragen. Alexander Kauschanski

Nachdem die Kollegiaten bereits drei Tage die kosmopolitische, britische Hauptstadt entdeckt hatten, ging es am Samstag des London Wochenendes in die „City of Dreaming Spires“ nach Oxford – bekannt für seine exzellente Uni und die Architektur der altehrwürdigen Colleges. Das Merton College in Oxford war Ziel unserer Busfahrt. Etwas entfernt von den Hauptstraßen liegen die zwei bis dreistöckigen Gebäude mit – das Klischee wird erfüllt – efeubewachsenen Fassaden, die durch kühle Sandsteingänge miteinander verbunden sind. Zum Merton College gehört neben einem Park, auf dessen Wiesen Studenten einen sommerlichen Tag im Mai genießen, auch eine Kapelle. Nach einer kurzen Führung über das Gelände hören wir einen Vortrag von Cressida Ryan über die University of Oxford, das College und das Bewerbungsverfahren. Generell bewirbt man sich an englischen Universitäten immer mit einem „Personal Statement“, in dem die eigene Motivation für das Studienfach begründet wird. Für ein Studium in Oxbridge (Oxford oder Cambridge) werden zudem Interviews geführt. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Gründe, warum Oxford im Vergleich zu Cambridge die bei weitem bessere Universität sei… Uns wird schnell klar, dass sich das britische Hochschulsystem und insbesondere die College-Organisation stark von den deutschen Universitäten unterscheiden. Dies gilt auch für die Mensa: zum Mittagessen gehen wir nicht in einen Zweckbau der Siebziger Jahre sondern schreiten über knarrende Parkettdielen in einen mit dunklem Holz vertäfelten Saal, in dem wir – wie bei Harry Potter – an langen Tafeln Platz nehmen und unter dem strengen Blick der in zahllosen Ölgemälden verewigten College-Honoratioren und Eminenzen unser Menü genießen. Thilo Kerkhoff

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London

British Parliamentary Debating Workshop Am letzten Tag des LondonWochenendes durften wir diskutieren! Das Britische Parlament ist ja gemeinhin eher als verbales Schlachtfeld, denn als Ort sachlicher Debatten bekannt, und so waren wir gespannt, was uns erwartete. Zwei Studenten der London School of Economics and Political Science, in deren Räumlichkeiten der Workshop stattfand, leiteten uns an und sorgten für einen interessanten

Vormittag. Nach kurzer Einführung in das Prozedere des Workshops teilten wir uns in zwei Gruppen mit je einem Studenten auf und begannen sofort zu diskutieren, die Themen stellten wir uns selber. Dabei probierten wir verschiedenste Debattierformen aus, um unterschiedliche Perspektiven auf ein Problem zu bekommen. Wir sprachen natürlich Englisch, wobei manche die Sprache eher „erlebten“ als sprachen. Dieser

Umstand störte nicht groß, sorgte aber gelegentlich für allgemeine Erheiterung. Abschließend trafen wir uns wieder, um über den Sinn der olympischen Spiele zu diskutieren; Ergebnis: Abschaffen!

“Keep calm and carry on!” Menschenrechte, englischer Rasen und erstaunlich gutes Essen. Das Wochenende in London war der Höhepunkt des SKI-Jahres.

Danach hieß es Abschied nehmen - voneinander und von dieser großartigen Stadt. Melchior Kupke

Fascinating. Die Tage in London werden wohl allen SKI’lern unvergessen bleiben.

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Brüssel

Europa verstehen in Brüssel. Vom Schüler zum Nobelpreisträger! Donnerstag, 11.10.2012 Bis 13:30 Uhr Anreise nach Köln / Hauptbahnhof, gemeinsamer Bustransfer nach Brüssel 15:30 – 17:30 Uhr Universität Maastricht 19:00 Uhr Check-In Jugendherberge 19:30 Uhr Abendessen - Jugendherberge 20:30 Uhr abendlicher Spaziergang durch das Zentrum von Brüssel Freitag, 12.10.2012 8:30 Uhr Abfahrt Ständige Vertretung der BRD bei der EU 9:00 – 10:15 Uhr Die Vertretung deutscher Interessen in der EU 28 stylus magazine

10:30 – 12:00 Uhr (Streit-)Gespräch zum Lobbyismus in der EU 12:30 Uhr Mittagessen - La Pineta Gemeinsame Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg und des Landes Schleswig-Holstein bei der EU 13:45 – 15:00 Uhr Europäische Kommission - Herausforderungen des Schengenraums 15:15 – 16:30 Uhr Der Europäische Auswärtige Dienst - Aufbau und Perspektiven des EAD 16:30 Uhr Freizeit in Brüssel, selbständiges Abendessen 19:45 Uhr Kaai-Theater 20:30 Uhr Postmoderner Tanz von Lucinda Childs

Samstag, 13.10.2012

Sonntag, 14.10.2012

Konrad-Adenauer-Stiftung – Europabüro Brüssel 9:30 – 10:15 Uhr Die Arbeit polit. Stiftungen in Brüssel und weltweit 10:30 – 11:30 Uhr Bedeutung des Europäischen Parlamentes für europäische Politik - wie demokratisch ist die EU? 11:30 – 12:15 Uhr Der Beruf des EP-Assistenten 12:15 Uhr Mittagessen mit Mitgliedern des TK 16:00 Uhr Planspiel: Der Gesetzgebungsprozess der EU 19:00 Uhr Spaziergang durch ‘Matonge’ (afrikanisches Viertel) 19:30 Horloge du Sud’ - Afrikanisches Restaurant Bunter Abschlussabend

9:30 – 10:15 Studieninformationen zum College of Europe in Brügge und Natolin 10:15 – 12:00 Uhr Einzelgespräche und persönliches Feedback 12:00 Uhr Mittagessen 13:30 Uhr Abfahrt nach Köln/Hauptbahnhof

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Brüssel Gekonnt gesprungen.

Großartige Gespräche.

Es gab nichts, was die Stipendiaten davon abhielt, pünktlich zum nächsten Termin zu erscheinen.

Sie prägten das SKI 2012.

Ganz glücklich, zeigte man sich bei Anwesenheit von Keksen.

Gewohnt gespannt. Wissbegierig zeigten sich die Kollegiaten – zu jeder Tages- und Nachtzeit! 30 stylus magazine

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Brüssel

Brenne für Deine Leidenschaften!

Europäischer Kaffeeklatsch

Zu Besuch an der Maastricht University. Auf unserem Weg in die europäische Hauptstadt Brüssel machten wir Zwischenstopp in einer der ältesten und schönsten Städte der Niederlande, in Maastricht. Mit der Unterzeichnung des Vertrags über die Europäische Union am 7. Februar 1992 erlangte die Stadt allgemeine Bekanntheit und war somit jedem von uns ein Begriff. Aber die Stadt selbst war gar nicht der eigentliche Grund unseres Aufenthalts: In Maastricht liegt eine der am stärksten international orientierten Universitäten Europas, denn fast die Hälfte der ca. 16.000 Studierenden und ein Drittel der 4.000 Dozenten kommen aus dem Ausland. Auch der Weg ins Ausland ist, bedingt durch die riesige Zahl an Partnerunis, mit denen die „Maastricht University“ (MU) kooperiert, fast schon eine Selbstverständlichkeit. Die Unterrichtsprache ist nahezu ausschließlich Englisch, und auch unter den Studierenden wird eigentlich nur Englisch gesprochen, was ja mit Blick auf das spätere Berufsleben wirklich hilfreich ist.

Egal ob Espresso, Cortado, Café au lait, Caife Gaelach oder Türk kahvesi, Kaffee ist eines der beliebtesten Getränke in Europa. Wie wir während des SKI-Wochenendes in Brüssel immer wieder hörten, scheinen fast alle, die auf die eine oder andere Weise in die EUPolitik verwickelt sind, Wert auf ihre Tasse Kaffee zu legen. Egal ob Lobbyist, Parlamentsassistent oder Stiftungsmitarbeiter, auffallend oft wurde uns gesagt, dass man über eine Tasse Kaffee ins Gespräch kommen würde. Dies ist, wenn man genauer darüber nachdenkt, auch nicht verwunderlich. So

In einem kleinen Vortrag haben uns zwei Studierende ihre Universität näher gebracht und uns die Vielfalt dieser Einrichtung bewusst werden lassen. Der europäische Gedanke, der in Maastricht vor

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ca. 20 Jahren neu belebt wurde, spiegelt sich auch in dem Angebot an Studienfächern wider. Neben Recht, Medizin, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bietet die Universität auch European Studies und European Law an – zwei Studienfächer, die speziell auf Aufgaben im Europäischen Kontext vorbereiten und besonders für unsere Generation, die in einem immer enger verflochtenen Europa leben wird, spannend sind. Was die MU aber im Vergleich mit den „handelsüblichen“ Universitäten vor allem auch auszeichnet ist die Art, wie hier unterrichtet wird: „Weg mit dem Frontalunterricht!“ lautet seit der Gründung der Universität 1976 die Parole, und so entstand die innovative Form des „ProblemBaised Learning“, kurz PBL. Die Studenten werden in Kleingruppen mit einem Tutor zusammengefasst und bekommen keinen – unter Umständen – langweiligen Vortrag zu hören, sondern müssen sich, allein ausgehend von ihrem persönlichen Interesse und den Fragen, die ihnen zu einem Thema auf dem Herzen liegen, selbst den Stoff erarbeiten. Der Tutor gibt nur Hilfestellung und spricht am Ende unbehandelte Aspekte an. Dadurch kann und muss sich jeder Studierende zwangsläufig an entstehenden Diskussionen beteiligen, sich aktiv einbringen,

andere Meinungen anhören, selbst Vorträge und Referate halten und mit jeder Faser seines Körpers an dem Stoff interessiert sein, weil er sonst nichts lernen wird. Einfach nur „drinnen sitzen“ gibt es hier nicht, und darf es auch gar nicht geben. Durch das PBL versucht man genau das Gegenteil und fördert Eigeninitiative und Selbstständigkeit in einem hohen Maße. Das sollte doch das eigentliche Ziel eines Studiums sein: den persönlichen Interessen auf den Grund zu gehen und dies wirklich aus dem persönlichen Wissensdrang zu tun. Für sein Fach zu brennen, voller Leidenschaft alle scheinbar unmöglichen Herausforderungen mit Freuden anzunehmen. Wir selbst durften uns im Anschluss an die kurze Einführung in einer „Session“ mit der Form des PBL vertraut machen und haben dabei viel Spaß gehabt. Der Besuch der insgesamt dritten Universität hat uns noch einmal völlig neue Perspektiven eröffnet und war ein großartiger Einstieg in unser Europäisches Abschlusswochenende in Brüssel. Melchior Kupke

gibt beispielsweise der Deutsche Kaffeeverband auf seiner Homepage gute Gründe an, Kaffee zu trinken. Kaffee vertreibt Müdigkeit, was bei einem Arbeitstag von morgens früh bis abends spät bestimmt hilfreich ist. Mit über 800 enthaltenen Aromen ist Kaffee eines der aromareichsten Lebensmittel und schmeckt einfach gut. Der wohl wichtigste Grund ist aber, dass kein anderes Getränk für so viel Geselligkeit sorgt: Wie bei einem Date verläuft das Gespräch bei einer Tasse Kaffee unkompliziert und gibt die Möglichkeit, sein Gegenüber aufgrund der lockeren Atmosphäre schnell einzuschätzen.

Der Kaffeeklatsch scheint also ein wichtiges Mittel zur ungezwungenen Kommunikation in den Wirren der Europapolitik zu sein. Dumm ist nur, dass Kaffee an sich gar nicht in der EU angebaut wird. Hier zeigt sich, dass wir auf den globalen Markt angewiesen sind. Ohne den Rest der Welt gäbe es also wohl keine Europäische Union, denn wie schon Alexander Pope (1688-1744) wusste: „Kaffee die Politiker weise macht, damit sie können erkennen, was sonst verhüllt das Dunkel der Nacht.“ Juliane Springer

Lobbyismus - (k)ein Streitgespräch Lobbyismus ist ein Thema, das oft in einen eher kritischen Zusammenhang gebracht wird. Trotzdem scheint es ein wesentlicher Teil der Europapolitik zu sein, denn in Brüssel arbeiten laut Lobbycontrol.de schätzungsweise um die 15.000 Lobbyisten, die täglich ihre Interessen dort vertreten. Während unseres Aufenthaltes in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der Europäischen Union durften wir neben den Gesprächen mit den Referenten des Tönissteiner Kreises auch an einer Diskussion zwischen Anton Bauch von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und Ina Hinzer vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zum Thema „Lobbyismus in der EU“ teilnehmen. Im Bezug auf die inhaltliche Arbeit

mag es zwischen BDA und DGB den einen oder anderen Unterschied geben, jedoch stellte sich in unserem Gespräch schnell heraus, dass sich die Meinungen der beiden Referenten zum Thema Lobbyismus sehr ähneln. Sowohl BDA als auch DGB sind Sozialpartner der Europäischen Union und immer wieder wurde im Verlauf der Unterhaltung von beiden die Wichtigkeit des Fachwissens der Interessenverbände für die europäische Politik betont. Ina Hinzer bejahte die Frage der SchülerkollegiatInnen, ob die großen Verbände nicht viel einflussreicher seien als die kleinen. Es gebe schon sehr große Unterschiede zwischen den verschiedenen Verbänden, neben Geld seien aber ihrer Meinung nach gute Kontakte und Fleiß genauso

wichtig. Zudem, so Anton Bauch, habe es die Informationsgewinnung durch Lobbying schon immer gegeben und es werde ja auch niemand gezwungen eine bestimmte Position anzunehmen. Der hitzige Disput, nach Lesen des Punktes „(Streit-)Gespräch“ im Programm von manchen Kollegiaten erwartet, blieb also an diesem Oktobermorgen aus. Dennoch ist deutlich geworden, dass das Thema Lobbyismus sehr komplex ist und dass wir trotz eines etwas undurchsichtigen Systems auf die Expertisen der verschiedenen Interessenvertreter in Brüssel nicht verzichten können. Juliane Springer

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Brüssel

Europäischer Auswärtiger Dienst

Parlamentarische Assistenten

„Welche Telefonnummer hat Europa?“ Diese Frage, die Henry Kissinger noch vor mehr als 30 Jahren stellte, sollte heute niemanden mehr beschäftigen, zumindest nicht, seit es den Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) gibt. Aber was genau ist der EAD, was wird von ihm erwartet und was kann er wirklich umsetzen?

Am Samstag, den 13.10.2012, besuchten wir das Europabüro der KonradAdenauer-Stiftung in Brüssel. Nach dem Vortrag über die Bedeutung des Europäischen Parlaments (EP) für europäische Politik führten wir ein interessantes Gespräch mit Andreas Bühler und Jens Müller über die Arbeit als parlamentarische Assistenten. Beide sind schon seit längerem als Assistenten von zwei verschiedenen Abgeordneten des Europäischen Parlaments tätig, Andreas Bühler von Heide Rühleund Jens Müller von Michael Cramer (beide Bündnis 90/Die Grünen) . Jedoch kamen sie auf unterschiedlichen Wegen dahin. Jens Müller absolvierte zum Beispiel zunächst ein Praktikum im Büro des Abgeordneten, war dort anschließend während seines Masterstudiums in Europäischer Wirtschaft als freier Mitarbeiter beschäftigt und wurde schließlich nach Ende seines Studiums fest eingestellt. Es gibt kein festes Rezept dafür, wie man EP-Assistent wird, denn vieles hängt davon ab, dass

Der EAD wurde als Folge des 2009 in Kraft getretenen Lissabonner Vertrags , der starke Veränderungen im auswärtigen Handeln der EU mit sich brachte, 2010 gegründet. Er soll sich folglich um außen- und sicherheitspolitische Angelegenheiten kümmern. An dessen Spitze steht der Posten des Hohen Vertreters der Union für Außen- und Sicherheitspolitik, welcher momentan von der Britin Lady Catherine Ashton eingenommen wird.

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Mittlerweile werden viele Themen nicht mehr von einzelnen Ländern beschlossen; die EU spielt als Ganzes eine große Rolle weltweit. Hierbei übernimmt der EAD eine Repräsentationsfunktion, damit die EU auch im Ausland geschlossen auftreten kann. Es wird versucht, eine gemeinsame Position aller Mitgliedsstaaten zu entwickeln, welche bei Verhandlungen im Ausland und in internationalen Organisationen vertreten wird. Auch repräsentiert der EAD die EU im Ausland durch EU-Delegationen, welche wie Botschaften im diplomatischen Bereich tätig sind. So gibt der EAD nicht nur dem Ausland einen Ansprechpartner, sondern ermöglicht gleichzeitig kleineren Mitgliedsstaaten, auf internationaler Ebene gehört zu werden. Beispiele der Themenbereiche, mit denen sich der

EAD beschäftigt, sind die Klimapolitik, Einhaltung der Menschenrechte, Förderung von Sicherheit weltweit, Friedenskonsolidierung und die Erweiterung der EU. Die Devise „Gemeinsam ist man stärker als alleine!“ klingt zwar recht plausibel, jedoch muss man sich die Frage stellen, inwiefern der EAD als Ansprechpartner wirklich respektiert wird. Dies ist wohl eines der Hauptprobleme des Europäischen Auswärtigen Dienstes. Vor allem die Vereinigten Staaten scheinen die EU ungern als eigenen Akteur anzunehmen, schließlich lässt sich auf kleinere Einzelstaaten mehr Druck ausüben. In Zukunft wird es darum gehen, die diplomatischen Vertretungen im Ausland weiter auszubauen und mehr Anerkennung zu gewinnen. Naira Dehmel

man einen guten Eindruck hinterlässt und im richtigen Moment präsent ist. Jedoch sind Praktika hierbei nahezu unverzichtbar, denn durch sie ist man in der Lage, Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen zu sammeln. Aberwas sind eigentlich die Tätigkeiten von parlamentarischen Assistenten? Parlamentarische Assistenten haben häufig unterschiedliche Aufgaben, die stark variieren können, denn ihre Tätigkeiten sind so unterschiedlich und vielfältig wie die Zahl der Abgeordneten und deren Charaktere, weshalb EP-Assistenten als Büroleiter, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Sekretär, politischer Berater oder Pressesprecher unterschiedlichen Tätigkeiten nachgehen können. Diese Vielfalt ist es, die die Tätigkeit sehr interessant macht und neue Türen öffnen und Träume ermöglichen kann – aber oft auch einen stressigen Arbeitsalltag mit sich bringt. Genau wie die Tätigkeiten variieren auch die Gehälter stark, je nach

Berufserfahrung, Alter, Herkunft und den Erwartungen der Abgeordneten. Angestellt sind die Assistenten auf Antrag der Abgeordneten direkt beim Europäischen Parlament, wobei jeder Abgeordnete über ein eigenes Budget für Personalausgaben verfügen kann. Ein Großteil der 754 Abgeordneten beschäftigt jeweils einen oder mehrere parlamentarische Assistenten. Insgesamt sind mehr als 3.000 Mitarbeiter direkt für die Abgeordneten und deren Fraktionen im Europäischen Parlament tätig, ca. 1.500 davon arbeiten als akkreditierte parlamentarische Assistenten. Diese große Anzahl von parlamentarischen Assistenten im Europäischen Parlament zeigt uns, wie wichtig sie für Abgeordnete sind. Sie gehen vielen verschiedenen Tätigkeiten nach und spielen eine entscheidende Rolle - sie sind “die rechte Hand der Europa-Abgeordneten“. Mehmet Acikgöz

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Brüssel

Herausforderungen und Perspektiven des Schengenraumes Ein kleiner Ausflug in die Niederlande, „Kaffee“ kaufen? Oder doch für eine Nacht nach Paris, Frankreich? Waren solche spontanen Auslandsaufenthalte vor 1985 noch mit umständlichen Grenzkontrollen verbunden, sind sie heutzutage für viele Menschen selbstverständlich: Die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit, die viele Menschen innerhalb großer Teile Europas genießen, zählt sicherlich zu einer der großen Errungenschaften der EU. Das Schengener Abkommen hat es vielen Bürgern ermöglicht, ohne die bis dahin üblichen Personenkontrollen bei jeder einzelnen Grenzüberschreitung innerhalb des Schengenraums zu reisen. Vielen jungen Leuten ist ihre Freiheit oft gar nicht mehr bewusst, weil sie diese von jeher gewohnt sind. Doch wir alle profitieren von den Bestimmungen des Abkommens; so haben auch in jüngster Vergangenheit viele weitere Staaten ihre Grenzkontrollen abgeschafft, zuletzt

Liechtenstein im Dezember 2011. Auch die EU-Staaten Rumänien und Bulgarien streben an, am Schengener Abkommen voll teilzuhaben. Bei unserem Besuch in der Landesvertretung der Freien und Hansestadt Hamburg und des Landes Schleswig-Holstein hörten wir uns von Frau Dr. Monika Moßhammer, von der EU Komission, einen Vortrag über den Schengenraum an und bekamen dabei die Möglichkeit, mit ihr über den Wegfall der Kontrollen an den Grenzen dieser beiden Länder zu sprechen. Sie erklärte uns, dass mit dem positiven Ergebnis der Schengenevaluierung, dem Feststellungsverfahren zur Eignung betreffender Länder, die Voraussetzungen dafür zwar gegeben seien, es im Ministerrat jedoch noch Mitgliedstaaten gäbe, die Bedenken bei der Zusammenarbeit mit Rumänien und Bulgarien bei der Bekämpfung von

Korruption und organisierter Kriminalität haben. Ein weiteres Problem, das man vielleicht nicht auf den ersten Blick sieht, ist ganz anderer Art: Griechenland ist aufgrund seiner geographischen Lage bisher getrennt vom Schengenraum, eine Weiterreise innerhalb desselben ist nur per Schiff und Flugzeug möglich. Das würde sich durch den Beitritt der zwei Staaten ändern. Der aufschlussreiche Vortrag von Frau Dr. Monika Moßhammer hat uns die Schengen-Thematik sehr viel näher gebracht und uns einmal mehr bewusst gemacht wie vielfältig die Arbeitsfelder in der EU sind. Zugleich war er ein kleiner Ausflug in den abwechslungsreichen Arbeitsalltag einer Mitarbeiterin in der Europäischen Kommission. Nabila el Arbi, Ali Mustaha, Melchior Kupke

Ein “postmoderner” Abend im Kaai-Theater Um den ereignis- und gesprächsreichen Freitagnachmittag bei der Ständigen Vertretung und die Gespräche mit Mitarbeitern der Europäischen Institutionen kulturell abzurunden, besuchten wir am Abend das KaaiTheater am Square Sainctelette. Gegen 20 Uhr trafen wir alle dort ein, um uns die Neuaufführung des postmodernen Tanzes „Dance“ der international bekannten Choreographin Lucinda Childs anzusehen. Einst noch Lunatheater genannt und in der Nähe des „Quai des Péniches“ gelegen, zeigt das KaaiTheater heute Theaterstücke, Tänze sowie Konzerte aus der ganzen Welt und ist insbesondere für die Darstellung unkonventioneller Werke bekannt. Da es für die meisten von uns Kollegiaten die bisher erste Vorstellung eines „postmodernen Tanzes“ war, war auch die Neugierde auf das Stück entsprechend groß. Aufgeführt wurde der Tanz in einem hohen Saal, der einem Auditorium glich und schon nach kurzer Zeit von Zuschauern gefüllt war. Genauso nonkonformistisch wie der Begriff der „Postmoderne“ schon

Fully Schengen members Other EU member states 36 stylus magazine

impliziert, war auch die Darbietung der von Childs konzipierten Choreographie und überraschte uns letztlich alle. Insgesamt war der Tanz in drei Abschnitte unterteilt, wobei im zweiten Teil die Choreographin selbst in einem Soloauftritt von 1979 gezeigt wurde. Besonders beeindruckend daran war vor allem die Symmetrie und Synchronie, mit der die uniformiert weißgekleideten Tänzer in minimalistischen Bewegungen leichtfüßig über die Bühne sprangen, sich drehten und hüpften. Begleitend dazu wurde der Tanz von einer durchgängig rhythmischen, aber monotonen Musik von Philip Glass untermalt, die die einzelnen Bewegungsvariationen hervorhob. Parallel dazu wurden Schwarz-Weiß-Filmaufnahmen der gleichen Tanzausschnitte aus der ersten Aufführung von 1979 auf eine deckenhohe Mattscheibe projiziert, die vor der Bühne angebracht war. Hierdurch wirkten die Live-Performer so, als würden sie sich synchron zu den gefilmten Tänzern über ihnen bewegen. Manchmal wurden sogar mehrere Aufzeichnungen gleichzeitig projiziert, sodass der Tanz mehrdimensional wirkte. Nach etwa einer Stunde

war die Vorstellung beendet und es folgte ein Podiumsgespräch mit der amerikanischen Choreographin. Zusammenfassend ergaben sich in unserer Gruppe hierzu viele verschiedene Eindrücke zum Abend: Während einige sich vor allem für die Kunstfertigkeit und Präzision des Tanzes begeistern konnten, wurde die Choreographie für die anderen mit der Zeit zu lang und monoton, da diese nur wenig Abwechslung bot. Ebenfalls enttäuschend war für viele der fehlende Bezug zur postmodernen Stilrichtung, die sich vor allem auf einfache Bewegungen fokussiert, die von jedem unerfahrenen Tänzer nachgeahmt werden könnten. Im Gegensatz dazu war „Dance“ von Lucinda Childs jedoch sehr komplex. Trotzdem war dieses Zusammenspiel aus Bewegungen, Musik, Tanzpartnern und der Unterstreichung durch den Film äußerst bewundernswert und bereitete letzten Endes zweifellos allen einen schönen Abend. Jenny Ho Nguyen, Michaela Morgalla

Associated Schengen members EU member states which apply only some Schengen laws stylus magazine 37


Brüssel

Konrad-Adenauer-Stiftung Die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. (KAS) ist die parteinahe Stiftung der CDU. Gegründet wurde sie 1955 als „Gesellschaft für christlichdemokratische Bildungsarbeit“ und weitergeführt seit 1964 unter dem Namen des ersten Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland. Die KAS setzt sich national und international mit politischer Bildung für die europäische Einigung, die transatlantischen Beziehungen und die entwicklungspolitische Zusammenarbeit, sowie für den Frieden, die freiheitliche Demokratie, Gerechtigkeit und soziale Marktwirtschaft ein. Ferner fördert die Konrad-Adenauer Stiftung Kunst und Kultur sowie die Dokumentation und Erforschung der geschichtlichen Entwicklung der christlich-demokratischen Bewegung. Als parteinahe Stiftung ist es ihr außerdem wichtig, eine meinungsbildende Einwirkung auf die Gesellschaft auszuüben.

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Um diese Ideale und Ziele zu erreichen bietet die Konrad-AdenauerStiftung mehrere verschiedene Leistungen an. Neben Tagungen und Kongressen erarbeitet sie wissenschaftliche Grundlagen und aktuelle Analysen, die für das politische Handeln relevant sind. Kunst und Kultur unterstützt die Stiftung durch Ausstellungen, Lesungen und Preise, zum Beispiel den KASLiteraturpreis. Ferner werden begabte Studenten und Doktoranden durch die Studentenförderung, die Graduiertenförderung, die Ausländerförderung und die JournalistenAkademie gefördert. Um die freie, verantwortungsvolle und ethische Berichterstattung zu fördern betreibt die Konrad-Adenauer-Stiftung außerdem Medienprogramme. Innerhalb Deutschlands sind zur Durchführung dieser Aktivitäten der Hauptsitz in der Nähe von Bonn, sechzehn regionale Bildungswerke, die Akademie Berlin,

die Internationale Bildungsstätte sowie das Archiv für die ChristlichDemokratische Politik essentiell. Auch international ist die KonradAdenauer-Stiftung durch Büros in 120 Ländern vertreten, zum Beispiel auch in Brüssel. Durch diese Büros werden verschiedene Projekte durchgeführt, wie beispielsweise vier regionale Rechtsstaatsprogramme für Südosteuropa, Lateinamerika, Asien und Subsahara-Afrika, die die Entwicklung des jeweiligen Verfassungsrechtes, des Menschenschutzes, des Integrationsrechtes und des Verfahrensrechtes mit dem Ziel der Demokratisierung unterstützen. In Konfliktregionen werden zudem die friedliche Entwicklung und die Überwindung des Konfliktes durch positive Einflüsse unterstützt. Hoang Ha Nguyen Thi

Planspiel: Der Gesetzgebungsprozess der EU 13. Oktober 2012, Brüssel. Die Tagesordnung: Überarbeitung der „Richtlinie über die Erteilung von Aufenthaltstiteln für Drittstaatsangehörige, die Opfer des Menschenhandels sind oder denen Beihilfe zur illegalen Einwanderung geleistet wurde und die mit den zuständigen Behörden kooperieren“ (Richtlinie 2004/81/EG des Rates). Der Hintergrund: Die EU-Kommission will die bestehende Richtlinie konkretisieren, da sie den Mitgliedsstaaten zu viele Freiheiten ließ und die betreffenden Personen somit der Willkür aussetzte, während die Mitgliedsstaaten ihrerseits einen Missbrauch der Richtlinie durch Immigranten befürchten. Zugleich möchten Lobbyisten ihre Interessen bei der Gesetzgebung durch den Ministerrat und das Europäische Parlament durchsetzen. Mit dieser Aufgabe wurden die 30 Stipendiaten des Schülerkolleg International konfrontiert, die im Rahmen eines Planspieles die Regeln und Eigenarten des Gesetzgebungsprozesses der Europäischen Union erleben konnten

und sich gleichzeitig intensiv mit dem Jahresthema „Migration und Integration“ auseinandersetzten. In den Räumen des Europabüros der Konrad-Adenauer-Stiftung schlüpften sie in die Rollen der verschiedenen politischen Akteure und durchliefen auf diese Weise das sogenannte „ordentliche Gesetzgebungsverfahren“. Dass dies zu einem Ergebnis führen würde, schien bei der Vorstellung des erarbeiteten Gesetzesvorschlages durch die Kommissionsmitglieder noch fraglich – nicht nur die anwesenden Pressevertreter hatten einige Zweifel. Und bei der folgenden Pressekonferenz von Ministerrat und Parlament erschien ein Scheitern der Gesetzesinitiative unausweichlich. Die Meinungsverschiedenheit gipfelte in einer Morddrohung, die ein Ratsmitglied gegenüber einer marokkanischen Journalistin äußerte und so für Schlagzeilen sorgte: „Tod den Kommissionsbeamten“. Doch entgegen der pessimistischen Erwartungen konnten sich die Vertreter der Menschenrechte, der Beschäftigung und der Einreisekontrolle und -begrenzung in den einberufenen

Vermittlungsausschüssen bei mitunter hitzigen Diskussionen auf einen Konsens einigen – und letztendlich eine neue Richtlinie erlassen, die nicht nur einen neuen Titel erhielt, sondern auch einige inhaltliche Konkretisierungen und Veränderungen erfuhr, um die Situation der Betroffenen zu verbessern und den Menschenhandel wirksamer bekämpfen zu können. Ob dieser Erfolg auf das politische Geschick und das Fachwissen der Kommissare, der Parlamentarier und der Ratsmitglieder zurückzuführen war oder doch eher auf der bei Gourmetkeksen und Kaffee präsentierten Expertise der Lobbyisten beruhte, konnten selbst die anwesenden Journalisten nicht vollständig aufklären. Fest steht aber: Es wurde viel gelernt und ebenso viel gelacht. Und so konnte trotz der begrenzten Zeit und notwendiger Vereinfachungen ein durchaus sehenswertes Ergebnis der gemeinsamen Arbeit präsentiert werden. Julia Kühn

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Brüssel

”YALLA! YALLA!”

Der Abschlussabend Nach einem harten Arbeitstag in der Konrad-Adenauer-Stiftung konnten es die Kollegiaten kaum erwarten, etwas zu essen und sich auszutoben. Doch davor gab es noch einen erholsamen Spaziergang durch das afrikanische Viertel Matonge und einige wundervolle Gruppenbilder. Als das afrikanische Restaurant in Sichtweite kam, lief dem einen oder anderen auch schon das Wasser im Munde zusammen. Wir setzten uns an die Tische in den für uns reservierten Raum und konnten die afrikanischen Gerichte kaum mehr erwarten. Doch gab es bereits bei der Bestellung Probleme, nämlich die Qual der Wahl. Sollte man nun Hühnerfleisch in Bambus oder doch lieber in Erdnusssoße nehmen? Auch die Wahl der exotischen Getränke gestaltete sich schwierig. Während alle gespannt auf ihr Essen warteten, verteilte Theres spannende und vor allem lustige

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Aufgaben, welche das Warten um einiges leichter machten, da wir diesen Aufgaben unsere volle Konzentration widmen mussten! So entstanden bunte Gruppen, die jeweils einen speziellen Auftrag zu erledigen hatten. Das Warten auf das Essen hat sich gelohnt, denn es war sehr lecker und für einige wahrscheinlich das erste afrikanische Abendessen. Während des Essens gab es auch musikalische Unterhaltung – live von einer afrikanischen Band. Die Band, die die politischen und historischen Hintergründe der Lieder erklärte, hat uns außerordentlich gut gefallen und nach dem Essen zum Tanzen motiviert. Aufgrund unserer Defizite in afrikanischen Tänzen wurde uns von der Band neben der musikalischen Unterhaltung auch ein kleiner Tanzkurs geboten. Doch nachdem die drei Herren gegangen waren, war der Abend

noch lange nicht zu Ende: An der Reihe waren nun die Präsentationen der Aufgaben, die wir während des Wartens in Gruppen bearbeiten sollten. Einige mussten Gedichte, andere Pantomimen vortragen, um die Eindrücke der Wochenenden in Berlin, London und Brüssel darzustellen. Alles in allem war es sehr lustig und abwechslungsreich. Da – wie in der Überschrift erwähnt – dies unser Abschlussabend war, wurde bis spät in die Nacht gefeiert. Es gab sehr viele unterschiedliche Gesellschaftsspiele, die allen viel Freude bereiteten. Am Ende waren dann aber auch alle vom Tag und von der Nacht müde.

Das Flair der Haupstadt Europas zog alle Stipendiaten und Teamer in ihren Bann und raubte einem, aufgrund eines straffen Zeitplanes, die letzten Kräfte. Wehmütig gingen die Stipendiaten auf vorerst unbestimmte Zeit auseinander.

Was ist Europa?

Es ist eine kränkelnde Frühgeburt,

Nach Erich Fried

sagt Herr Schröder. Es ist, was es ist,

Es ist ein Monster, sagt die Vernunft. Es ist, was es ist,

Es ist alternativlos,

sagt die Bürokratie.

sagt Frau Merkel. Es ist, was es ist,

Es ist nicht chic,

sagte? der Rettungsschirm.

sagt die Megalomanie. Es ist, was es ist,

Es ist überflüssig,

sagt die place Schumann.

sagen die Skeptiker. Es ist eine Notwendigkeit für jeden,

Es ist Geldverschwendung,

sagte? Herr Adenauer.

sagt die Sparsamkeit. Es ist, was es ist,

Es ist ein Friedensprojekt!

sagt der Zweitsitz in Straßburg.

Sagt das Nobelkomitee. Das ist es!

Es sind Kuhhändel,

Wissen wir alle.

sagen die Beobachter. Es ist, was es ist,

Volkan Akdogan, Radu Nicolae Homorozan

sagte? der Euro.

Thilo Kerkhoff

sagen die Diplomaten.

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Migration & Integration

Migration & Integration Das Jahresthema im Diskurs. „Recognize yourself in he and she who are not like you and me.” Carlos Fuentes Das Jahresthema des Schülerkollegs International 2012 lautet „Migration und Integration“. Deutschland wurde lange nicht als Einwanderungsland bezeichnet, doch in Zeiten der Globalisierung, dem demographischen Wandel und der EU sind Themen wie Asylrecht, Einwanderungsbestimmungen, die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen und die Akzeptanz von fremden Kulturen und Religionen wichtiger als je zuvor.

Begriff ‚integrare‘, also wiederherstellen, abgeleitet. Soziale Integration wurde früher als Anpassung einer Randgruppe an die Lebensweise einer Gesellschaft verstanden, was unter anderem das allmähliche Aufgeben von abweichenden Verhaltensweisen nicht ausschloss. Heute wird soziale Integration zunehmend als wechselseitiger Lernprozess zwischen einer Gesellschaft und einer Minderheit gesehen. Integration beinhaltet das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen in einem Land, die jedoch alle auf der gleichen Wertebasis, der Verfassung des Landes, beruhen.

Das Wort Migration kommt vom lateinischen ‚migrare‘, was so viel bedeutet wie ‚wandern‘ oder ‚sich bewegen‘. Verlegt jemand seinen oder ihren Lebensmittelpunkt, spricht man von Migration. Integration wird vom lateinischen

Es gibt viele verschiedene Formen von Migration und Integration und im Laufe des Jahres haben wir Schülerkollegiaten viele verschiedene Organisationen, Menschen und Meinungen zu unserem Jahresthema kennengelernt. Wir haben gesehen,

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wie sich Menschen auf vielen verschieden Ebenen für ein besseres Miteinander einsetzen und ich denke, dass wir alle mehr als nur ein paar Zahlen und Fakten gelernt haben. Ein Land wie Deutschland ist auf Migration angewiesen und wer weiß, vielleicht wird der eine oder die andere sich noch intensiver mit dem Thema beschäftigen. Fest steht: Migration und Integration gehen jeden von uns etwas an. Julia Kühn

„Da n Mut k mei n Ku tersp er He lt r cen uren rache kunf , w n b , b t ha a tro egü nst s mei in da be ic t z ich ne d s P h z ig r b w eig em, da t. Ei ent n P erufl odukt ei s i r der lich obl che n C zweie ?“ – em Id Ann entifi habe han- r ka a S i tei tion ch nbe : W er rg bin

n igratio in, die M e b s t ie s d s e bewu orteile s die V ben, achteil s N e L a r d e in , d e h ation l ich mir kann, finde ic die Migr ationalen Au„Obwoh deutet in bringen e b b h s h ic e s d ic hi mit sen ür m guyen T chen. F Erlebnis ng Ha N a o wettma wundervollen H – n t ist.“ das vo gepräg s n e s h fwac

„Die Polit ik sc der. haff D t die aber ie haup ts R in de n Kö ächlich ahmenbe e Ve pfen dingu r der Mens änderun ngen für g chen b stat muss m esseres einer tfind Mitein M en.“ an– Ju einung nach liane Sprin ger

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Migration & Integration

Integration durch Bildung Ein Besuch bei Neuköllner Quartiersmanagern Um einmal an einem praktischen Beispiel zu erfahren, wie Integration in Deutschland stattfinden kann, besuchten wir in Berlin ein QuartiersmanagementBüro im Neuköllner Reuterkiez. Finanziert durch die EU startete 1999 in Berlin das Quartiersmanagement (QM) mit damals 15 Quartieren. Grund dafür waren infrastrukturelle Defizite in hoch verdichteten Altbaugebieten. Ein erster Indikator war die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Hinzu kamen Abhängigkeit von Transferleistungen, eine stagnierende Wirtschaft, Leerstand von Gewerbe- und Wohnräumen, Migration aus bildungsschwachen Gebieten, sowie der gleichzeitige Wegzug von einkommensstarken Haushalten (Segregation). Ein Beispiel für diese Quartiere ist das Reuter-Quartier. Das Reuter-Quartier ist ein Altbauquartier aus der Gründerzeit. Etwa 45 Prozent der ca. 19.000 Einwohner haben einen Migrationshintergrund, die Arbeitslosenquote liegt weit über dem Bundesdurchschnitt. In einigen Schulen sprechen bis zu 95 Prozent der Kinder Deutsch nicht als Muttersprache, weswegen einkommensstarke Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter das Quartier immer noch häufig verlassen. 44 stylus magazine

2006 geriet der Reuterkiez in die Schlagzeilen, als die Lehrer der dort ansässigen Rütli-Schule in einem Brandbrief eine Umstrukturierung des Schulsystems forderten, da sie der Gewalt sonst nicht mehr standhalten könnten. 2007 wurde daraufhin der Bildungsverbund gegründet, unterstützt durch die Stiftung „Ein km² Bildung – Kein Kind geht verloren“. Es sollten Gemeinschaftsschulen gegründet werden mit 13 Jahrgangsstufen. Alle sollten die Chance haben, das Gleiche zu lernen und das Gleiche zu erreichen. Eine weitere Hilfestellung sollte die Zusammenarbeit von Psychologen und Eltern sein, die gemeinsam die Verantwortung für das Kind übernehmen. Desweiteren wurde das Projekt „IKM“ (Interkulturelle Moderation) ins Leben gerufen mit dem Ziel, nicht deutschsprachige Eltern im Schulalltag zu integrieren. Sozialarbeiter mit gleichem sprachlichen und kulturellen Hintergrund sollten den Dialog zwischen Eltern und Schule ermöglichen. Während die Qualität der Schulen durch das Modellprojekt erfolgreich verbessert werden konnte, trat bald ein neues Problem auf: zu wenige Kitaplätze. Das

Bildungsgefälle innerhalb des Quartiers führte dazu, dass bildungsorientierte Eltern frühzeitig die Kitaplätze belegten und somit den bildungsfernen Haushalten keine Plätze mehr zur Verfügung standen. Die Erstellung des Bildungskatalogs für den Reuter-Kiez sollte daher die Möglichkeit bieten, Informationen über Kitas, Schulen und Freizeitangebote zu erlangen. Inzwischen hat parallel zu diesen Entwicklungen ein anderer Prozess begonnen: der Reuterkiez wird „hip“, ärmere und alteingesessene Bewohner können sich die Mieten oft nicht mehr leisten; es kommt zu Verdrängung. Diese Entwicklung sorgt für heftige Diskussionen. Das QM-Team versucht deswegen auch, verstärkt beim Einsatz der Fördermittel des Programms „Soziale Stadt“ unerwünschte Verdrängungstendenzen zu prüfen.

Omar Ibn Al-Khattab Moschee in Berlin-Kreuzberg

Zu Besuch im Kiez

Der Besuch bei den Neuköllner Quartiersmanagern bot uns Kollegiaten also einen Einblick, wie in Deutschland aktiv mit den Herausforderungen von Migration und Integration umgegangen wird. Nabila el Arbi stylus magazine 45


Migration & Integration

Integration? Was bedeutet das?

Gegenseite die Hand gereicht werden, das heißt dass der Staat bestimmte Maßnahmen ergreifen müsse, die die Integration fördern sollen, was in Deutschland ihrer Meinung nach lange Zeit vernachlässigt worden sei.

von großer Bedeutung, da sie die elementaren Bestandteile für ein harmonisches Zusammenleben ausmachen würden, weshalb darauf sehr viel Wert gelegt werden müsse. Mehmet Acikgöz

Gegenseitiges Verständnis, Aufklärung, Bildung und Integration seien in einer multikulturellen Gesellschaft

» Wann bin ich integriert? » Woher komme ich? Wohin gehe ich?

„Jeder Kultur trägt ein gut in S an Lä sich u tückchen ndern n wie Au d wie man hen ka stralie nn, ka nn n durch den Ein sich eine K seultur ten e fluss in gro v ßes S on Migranrentw ickeln. tück weite[…] Eg Küche a , im All tag o l ob in der auf p der in oli Be können tische Ans ichten zug v ie l von M : Wir Migrat ensch io en mit Wissen nshintergru nd zurüc lernen kg Welt e , in klein eben und s o die es bis vernet schen zen.“ – m Julian e Sprin ehr ger

» Was bin ich? Deutsch? Türkisch? » Oder Deutschtürkisch? Am 08.03.2012 führten die SchülerkollegiatInnen im Bundespresseamt ein Gespräch mit Frau Gonca Türkeli-Dehnert, Referentin im Arbeitsstab von Staatsministerin Prof. Dr. Böhmer (Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration). Im Bundespresseamt waren wir in einem hellen, großen Raum untergebracht. Die Gesichter spiegelten die Freude wider angesichts der Möglichkeit, hier endlich ein paar von unseren Fragen loszuwerden. Das Gespräch mit Frau Türkeli-Dehnert war interessant und informativ: sie erzählte nicht nur über ihre Arbeit als Referentin, sondern berichtete angesichts unseres Jahresthemas auch von ihren eigenen Erfahrungen mit den Themen Migration und Integration. Frau Türkeli-Dehnert ist Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund. Sie wurde in Deutschland geboren und wuchs in zwei Kulturen auf, der 46 stylus magazine

türkischen zuhause und der deutschen außerhalb des Familienlebens. Schon damals legten ihre Eltern viel Wert darauf, dass sie die deutsche Sprache lernen und gut beherrschen würde.

und offen, sie sprach fließend akzentfreies und korrektes Deutsch. Dennoch würden ihr Menschen von beiden Seiten mit Vorurteilen und verwirrten Gesichtern begegnen.

Wie sie, eine

es wohl dazu kam, dass eine Deutschtürkin, für CDU-Ministerin arbeitet?

Was ist sie also? Gut in die deutsche Gesellschaft integriert oder wandernd zwischen zwei Kulturen?

Sie befürworte die CDU, habe sich beworben und sei nach mehreren Bewerbungsgesprächen eingestellt worden.

Zum Thema Religion und Kultur teilte sie uns mit, dass sie eher eine liberale Einstellung hat. Sie befolge nicht alle Regeln, aber feiere dennoch wichtige religiöse und kulturelle Feste mit der Familie.

Eine gute Integration in Deutschland gelinge dann, wenn man die deutsche Sprache beherrsche, die deutsche Kultur kenne, deutsche Freunde habe, mit denen man ausgehe, und auf die Bildung viel Wert lege, kommentiert Frau Türkeli-Dehnert. Integration bedeute nicht, dass man die eigenen Wurzeln leugnen oder die Werte der eigenen Kultur aus dem Heimatland aufgeben müsse. Man müsse nicht zwischen zwei Kulturen hin- und herwandern, vielmehr könne man sich das “herauspicken“, was man für richtig halte und worauf man persönlich viel Wert lege.

Im Gespräch zeigte sich Frau TürkeliDehnert sehr aufgeschlossen

Damit die Integration in einem Land gelinge, müsse auch von der

Außerdem hat Gonca Türkeli-Dehnert einen deutschen Ehemann, daher der Nachname „Türkeli-Dehnert“.

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Bonn

“Rheinische Sparkasse” oder “Waschmaschine” Das Alumniwochenende in der Ex-Hauptstadt Bonn Ein kleines Extra-Bonbon in unserem SKI-Jahr war das AlumniWochenende, bei dem Mitglieder des aktuellen Jahrgangs und SKITeilnehmer der vergangenen Jahre die Möglichkeit hatten, in der Bundesstadt Bonn zusammenzukommen und dort angenehme drei Tage miteinander zu verleben. Neben dem schönsten und Standardprogrammpunkt eines jeden SKI-Treffens, nämlich dem gegenseitigen Kennenlernen und Kontakteknüpfen, gab es auch ein offizielles Programm, das sich sehen lassen konnte. Es handelte sich dabei hauptsächlich um Behörden, die sich in unserem zweiten Regierungssitz angesiedelt haben, wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im Finanzministerium, das berühmtberüchtigte Bundeskartellamt im ehemaligen Bundespräsidialamt und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im ehemaligen Bundeskanzleramt. Der Name der BaFin ist wohl lang genug, 48 stylus magazine

um sich selbst zu erklären. Sie wurde 2002 mit Zusammenlegung der Aufsichten von Kreditwesen, Wertpapierhandel und Versicherungswesen gegründet und ist in das Bundesministerium der Finanzen eingegliedert. Sie soll für ein stabiles Finanzsystem sorgen und dabei insbesondere die Geldwäsche bekämpfen. Mit der vergangenen Wirtschaftskrise und der Forderung nach einer strengeren Bankenaufsicht von einigen Seiten im Hinterkopf ergaben sich hier für die Teilnehmenden während des Vortrags einige Dinge zum Nachhaken. Etwas bekannter sind sicherlich die Aufgaben der zweitgenannten Behörde. Das Bundeskartellamt ist bestrebt, illegale Preisabsprachen aufzudecken und somit unlauteren Wettbewerb in Form von Kartellen und Monopolen zu verhindern. Ein bekanntes aktuelles Beispiel sind die illegalen Preisabsprachen von verschiedenen Stahlkonzernen über die Preise für Schienen, die an die deutsche Bahn verkauft worden sind. Das BMZ Entwicklungshilfe,

koordiniert die die Deutschland

Ex-Hauptstadt-Allüren Mit viel Spaß durften sich beim Alumnitreffen in Bonn SKI-ler jahrgangsübergreifend kennenlernen. Doch auch das Programm ließ sich mit einem Besuch des Bonner Bürgermeisters, der Bundesfinanzaufsicht und des Bundeskartellamtes sehen.

Zusammenhalt. Was verbindet mehr als ein aufregendes SKI-Jahr?

verschiedenen Entwicklungs- oder Schwellenländer auf der Welt zugesteht. Das Engagement des BMZ reicht dabei von der Festlegung der Höhe der materiellen und finanziellen Förderungen bis zur Koordinierung konkreter Projekte. Ein Highlight für die ehemaligen Kollegiaten war ein Treffen mit dem Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch im prunkvollen Alten Rathaus, wo er sonst auch Gäste aus aller Welt empfängt, wie etwa Ban Ki-moon, den Generalsekretär der Vereinten Nationen. Neben Diskussionen über Bankenregulierung, Wettbewerbsaufsicht, Entwicklungshilfe und ob nun die „rheinische Sparkasse“ (Kanzleramt in Bonn) oder die „Waschmaschine“ (Kanzleramt in Berlin) besser aussähen, war auch das Gespräch mit den ehemaligen SKI’lern darüber, wie es für sie nach dem Jahr weitergegangen ist, wie sich das SKI im Lauf der Zeit entwickelt hat und wo wir alle eines Tages noch hinwollen, äußerst angeregt. Robin Reh

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SKI 2012

Lukas Zeichnungen .... Furios, scharfsinnig, einzigartig.

“Die meisten Artikel in dieser Publikation entstanden auf der Basis von Notizen, welche die Kollegiaten während der Vorträge, Debatten und ähnlichem gemacht haben. Auch diese Zeichnungen bilden hier keine Ausnahme. Sie entstanden aus meinen Notizen, aus Notizen in Form von Bildern, meist verknüpft mit meinen Gedanken und Fragen. Oft bilden diese Strichmännchen meinen Zugang zu einem Thema, auch wenn sie in meinem Kopf immer schöner aussehen, als auf dem Papier.” Luka Döring

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SKI 2012

Das sind WIR! Mehmet ist eines der drei Fototiere. Er ist sehr offen und gesprächsfreudig, so dass er sich schnell mit fast allen angefreundet hat. Das Gute ist: Es bleibt nicht bei Small-Talk – tiefgründige Debatten führt er liebend gerne. Adila ist zwar sehr schweigsam, aber trotzdem stets sozial engagiert und hilfsbereit. Sie nimmt viel Anteilnahme an der Umwelt und hat den Rhythmus im Blut. Ein anderes der drei Fototiere ist Volkan. Dass er karriereorientiert ist, sieht man schon an seiner Vorliebe für Herrenanzüge. Stets schlagfertig ist er ein absoluter Stimmungsmacher, der – man glaubt es kaum – die Politik im Auge hat. Der herzlichste Sportler der Welt ist Julian. Er liebäugelt mit einem Studium an der WHU, geht fleißig Joggen und ist ein klasse Redner, der mit seiner sehr sympathischen Art besticht. Die berlinerische Bremerin Naira ist einzuordnen in die Zeit der Hippies – hübsch und immer gut drauf! Aber so ganz stimmt „berlinerische Bremerin“ doch nicht, es müsste eher „nordeuropäische Bremerin“ oder so ähnlich heißen, so viel wie sie schon herumgekommen ist. Und reisen? Das hat sie kaum noch nötig – schließlich war sie ja schon fast überall! Luka ist eine der wenigen, die naturwissenschaftlich orientiert ist. Ihre sinnreichen und lustigen Männchen, mit denen sie sich alles merkt, werden wir nie vergessen! Auch ihre Vorliebe für Pipi-Langstrumpfartige verschiedenfarbige Socken ist einmalig. Der aufmerksame Till ist DER Bewerber bei der BILD-Zeitung – am liebsten als Europakorrespondent! Schließlich ist er ein Sunshine-Boy, liebt Klezmer Natur und ist die Ausgeglichenheit in Person! Nabila ist bekannt für ihr ungehemmtes Lachen, mit dem sie schnell alle ansteckt. Als Schnappschuss-Fotografin bekommt sie oft das Wort Paparazzi entgegengeworfen, doch im Nachhinein werden ihre Bilder nur gelobt. Lena weiß immer was sie will. Nur kann sie sich nicht entscheiden, ob sie Natalie Portman, Emma Watson oder doch lieber Darth Vader in Person ist. Trotz ihrer Abneigung zu Kunst hat sie den besten Sinn für Humor. Florentin ist ein berüchtigter Dieb, der trotz Schlafentzugs gut unterwegs ist. Aber bringen alle Hexen ihre Geliebten um? – So sah es jedenfalls während der Werwolf-Nächte aus. Naturwissenschaftlich interessiert kann er andere schnell mitnehmen und weckt Begeisterung mit Leichtigkeit. Dürfen Küken auch am Kolleg teilnehmen? Jenny wirkt fast wie eines – stets verpeilt, verliert sie alles, schmeißt jedes einzelne Glas um und wirkt selbst dann noch total süß und ist fast schon zu gutherzig. Ihr Grinsen dabei ist nahezu viral ansteckend. Radu der Rattenscharfe ist eigentlich keine Ratte, sondern eher ein Vogel. Genauer gesagt ein Spaßvogel. Er ist so ein alter Sack, dass er sich auch in seiner Rolle als Big Daddy gut behaupten kann.

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Es wird jemand gesucht, der auf eine intelligente Art und Weise einen Spitzen-Humor hat? Steffen ist die richtige Wahl! Sensibel und mitfühlend bringt er schnell gute Laune ein! Wie der gegen fast alles allergische Marcel überleben kann ist fast jedem ein Rätsel, doch irgendwie schafft er es... Er ist nicht nur ein sehr sympathischer Junge, sondern DER Junge, der wettbewerbsvernarrt auf Naturwissenschaften in Weltklasse zusteuert! Was ferne Länder angeht, so hat er immer etwas Spannendes zu berichten. Alexander ist der Meisterfotograf und Schauspieler unter den Kollegiaten. Hyperaktiv steuert er auf die Harvard-Universität zu. Als bester Zimmergenosse wurde Thilo bezeichnet – Leider gibt es kein Kollektivzimmer für alle Kollegiaten zusammen. Mit seiner ausgeglichenen Art kommt er immer sympathisch rüber. Paulina hat immer einen vollen Terminplan. Dass liegt daran, das sie sich auf Anhieb mit jedem gut versteht und man mit ihr einfach über alles reden kann. Außerdem hat sie einen guten Geschmack und ist eine super Shopping-Beraterin. Tim ist ein echter Gentleman… des vergangenen Jahrhunderts! Dass er mit Gollum in Verbindung gebracht wird, wirkt überraschend, denn seine beeindruckende Formulierungsfähigkeit geht weit über ein schlichtes „Mein Schatzzzzzzz“ hinaus. Immer technikbegeistert sorgt er so stets für einen gesitteten Umgang. Ihm gelingt es mühelos als Alleinunterhalter einen ganzen Bus trotz Müdigkeit in beste Laune zu versetzen. Juliane hat zwar ein bezauberndes Lächeln ist jedoch trotzdem Bahnhofsverliererin. Sie kann sehr gut zuhören, doch wenn es darauf ankommt, stehen ihre Debattierfähigkeiten den anderen nicht nach. Melchior ist ein Meister der Tasten, geradezu ein Virtuose. Als bescheidenes Welttalent ist er aber auch sehr leichtgläubig. Fast wie ein kecker Schmetterling ist Carolin unterwegs. Trotz, oder gerade wegen ihres angenehmen Dialektes ist sie eine überzeugende Schauspielerin, die als Werwölfin eine genauso gute Figur macht, wie als kompetente und überzeugende Diskussionspartnerin. Immer gut gelaunt, kann man mit ihr viel Spaß haben. Sieger-Typen haben wir auch unter den Kollegiaten. Bestes Beispiel: Michaela. Stets wettbewerbsfreudig schwebt sie in ihren Zukunftsvisionen als Pilotin durch die Lüfte. Das Dritte der drei Fototiere ist Ali – gutherzig, witzig und humorvoll spinnt er auch so manche süßen Gedanken. Wenn es zu laut wird, ist Hoang Ha die erste, die sich zu Wort meldet. Genauso gütig wie ihre Landeskollegin lässt sie sich schnell für alles begeistern, doch London hat sie sofort richtig in ihr Herz geschlossen. Robin ist zwar kreativ, aber gleichzeitig auch sehr konservativ – zumindest was Bücher angeht. Da heißt es, je älter desto besser! Er ist also sehr sprachinteressiert. Schwarzfahren? Für diesen Kerl kein Problem! Qui parle français? Da ist Louise ganz vorne! Die nun schon Halbfranzösin ist überall begabt, egal ob es um Musik, Sprachen, Schule oder Sonstiges geht. Am liebsten ist ihr aber immer noch der Sport. Dazu gehören vor allem Klettern und Zirkusartistik! Finn ist der Weltenbummler der Zukunft. Zudem hat er einen allseits anerkannten guten Geschmack und er gibt sich alle Mühe sich vegetarisch zu ernähren, scheitert jedoch kläglich daran. Felix ist ein echter Schlaufuchs und zwar auf elitäre Art! Auch sein Modegespür geht in diese Richtung: Immer mit dem Feinsten ausgestattet – natürlich ausschließlich von Hollister! Brauchst du jemanden zum Reden? Bei Julia bist du da gut aufgehoben, denn sie hat ein fantastisches Bauchgefühl, mit dem sie jeden direkt einschätzen kann. Anna ist das zweite Küken in unseren Reihen, eigentlich sogar DAS Küken. Immer schön brav und lieb hilft sie jedem gerne.

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SKI 2012

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Kajetan von Armansperg

Nikolaus von Peter (TK)

Sophie de Belsunce

Dr. Birgit Peters (TK)

Marcus Bleinroth (TK)

Mathias Schallnus

Liesa Brauer

Lena Schipper

Mascha-Sofie Hochfeld

Martin Schmid

Moira Kettner (TK)

Theres du Vinage

Verena Kroth

Cornelius Vogt stylus magazine 55


SKI-Jahrespublikation 2012  

SKI-Jahrespublikation 2012

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