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© Nadja Chawaf

Zufriedene Lehrkräfte als ein Baustein des Erfolgs: Die „Musikschule Bertheau & Morgenstern“ möchte ihre Lehrkräfte möglichst langfristig an sich binden (links). Das Geheimnis des Erfolgs von „Emmas kreativer Flötenschule“ liegt nicht zuletzt in den Backkünsten von Inhaberin Annelie Kronbügel (rechts).

der Anteil von Einzelunterricht ist hoch: Annähernd zwei Drittel der erteilten Unterrichtsstunden werden als Einzelunterricht erteilt. Außer Instrumentalunterricht werden die verschiedensten Kurse angeboten. Dabei gibt es neben der musikalischen Früherziehung, dem Instrumentenkarussell und Kursen für Eltern und Kleinkinder auch Ensemblespiel in den unterschiedlichsten Zusammensetzungen vom Blockflötenquartett über verschiedene Bands bis hin zu Chor- und Orchesterangeboten, aber auch eher unübliche Angebote wie eine Bodypercussion-Gruppe. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die vielen Veranstaltungen. Rund hundert Veranstaltungen werden von der Musikschule jedes Jahr durchgeführt. Außer den von den Lehrkräften veranstalteten Klassenvorspielen gibt es auch regelmäßig öffentliche Konzerte an unterschiedlichen Orten. Dieses breite Spektrum ist natürlich auch für die LehrerInnen attraktiv. Monatlich bewerben sich zehn bis 15 Lehrkräfte. Für Festanstellungen reichen die Entgelte, die insbesondere für den Einzelunterricht zu zahlen sind, leider nicht, und auch die Honorare liegen geringfügig unter denen, die von den öffentlichen Musikschulen in Brandenburg gezahlt werden. Dafür werden Zusatztätigkeiten wie Klassenvorspiele und Konzerte ebenfalls honoriert und insbesondere für aufwendigen Kurs- und Klassenunterricht sind die Honorare deutlich höher. „Wir wollen unsere Lehrer natürlich möglichst langfristig an uns binden und gleichzeitig möglichst viele attraktive Angebote für unsere Schüler anbieten“, sagt Andreas Bertheau. „Deshalb bieten wir unseren Lehrkräften die Möglichkeit, einmal im Jahr eine Weiterbildungsveranstaltung zu besuchen, für die wir die Kosten übernehmen.“ Darüber hinaus werden auch eigene

Weiterbildungen veranstaltet, die teils mit externen, teils mit eigenen DozentInnen durchgeführt werden. Ein wichtiges Standbein für die Musikschule ist die intensive Zusammenarbeit mit der Hoffbauer Berufsakademie. Dabei funktioniert die Zusammenarbeit in zwei Richtungen: Die Musikschule übernimmt die musikalische Ausbildung der Studierenden und gleichzeitig kommt es immer wieder dazu, dass Studierende später an der Musikschule mitarbeiten. Zum Geheimnis des Erfolgs gehören auch regelmäßige Innovationen: „Es ist ganz wichtig, dass sich die Musikschule und ihr Angebot ständig weiterentwickelt, um Kunden zu behalten und neue Kunden zu gewinnen“, erklärt Katrin Morgenstern. So bietet die Musikschule zusätzlich zum Instrumentenkarussell die „Miniband“ an. Und gerade wird mit „Play together“ ein neues Angebot für 13- bis 16-Jährige entwickelt, da in dieser Altersklasse die Fluktuation besonders hoch ist.

Alles, was glücklich macht Ein nicht weniger innovatives, aber gänzlich anderes Konzept verfolgt Annelie Kronbügel mit Emmas kreativer Flötenschule. Der kleine Laden in der Wisbyer Straße in Berlin strahlt bereits von außen eine heimelige Atmosphäre aus. Durch das Schaufenster fällt der Blick auf einen großen Blumenstrauß und eine gemütliche Kaffeetafel, und wenn man den Laden betritt, liegt ein leichter Duft nach frisch gebrühtem Kaffee und selbstgebackenem Kuchen in der Luft. Hier wird sofort klar, dass dies kein Ort ist, in dem es nur um optimalen Instrumentalunterricht geht, dies ist ein Ort zum Leben. Es war jedoch ein recht langer Weg von den ersten Ideen bis zur Eröffnung.

Annelie Kronbügel hatte bereits langjährige Erfahrungen im Unterrichten sowohl an einer Musikschule als auch als Vertretung am Musikgymnasium Carl Philipp Emanuel Bach Berlin; sie wollte jedoch gerne ein Angebot machen, bei dem sie auch ihre anderen Begabungen und Interessen einsetzen konnte. Die Idee für ihre kreative Flötenschule kam ihr während eines Probespiels in der Vorweihnachtszeit. Um die Wartezeit zu überbrücken, hatte sie einige Weihnachtsbasteleien, die sie noch fertigstellen wollte, mitgenommen, und diese Basteleien begeisterten die übrigen Kandidatinnen und Kandidaten des Probespiels so, dass sie beschloss, auch dieses Talent für das Unterrichtskonzept zu nutzen. Aber auch danach war noch eine große Menge an Vorarbeiten zu erledigen. Mit Hilfe der Existenzgründerberatung der Arbeitsagentur beschaffte sie sich einen Überblick über alle nötigen Schritte. Danach besuchte sie Coachings in den Bereichen Buchhaltung und Marketing, die durch die KfW finanziert wurden. Die nächste Schwierigkeit stellte die Anfangsfinanzierung dar, denn selbstverständlich war keine Bank bereit, einer freischaffenden Flötistin und Flötenlehrerin einen Kredit zu gewähren. So musste schließlich ihr Mann als Angestellter den Kredit beantragen, und auch die Eltern haben sich – nicht nur finanziell – beteiligt. Endlich konnten der Laden eingerichtet, Logos und Broschüren entworfen und die Internetseite (www.emmaskreativcafe.de) erstellt werden. Von Anfang an hat sie ihr eigenes Konzept umgesetzt. So beginnt der Unterricht nicht sofort mit Flötespielen, sondern mit einer kleine Massage oder etwas Tanzen zu einer Musik, die die SchülerInnen auswählen, oder auch mit einigen Atem- oder Rückenübungen. „Die Schülerinnen und Schü-

musikschule )) DIREKT 03/2015  
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