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ParacelsusToday

Das Magazin der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität für Salzburg und Nürnberg

NR. 2 I JULI 2017 I € 3,–

Vorbeugen statt

Heilen Bernhard Paulweber kämpft für gesunden Lebensstil

HERZ-BEBEN VOR 50 JAHREN

DAS GEDÄCHTNIS IM FOKUS

FIT-FAKTOR SCHWIMMEN

Erste Transplantation eines Herzens als Weltsensation

Wieso vergessen wir und warum?

Gut für Herz-Kreislauf und Muskulatur


Bachblüte n f ür Männer Stiegl-Paracelsus Bio-Zwickl

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2/2017 ParacelsusToday

Braukunst auf höchster Stufe.


Editorial

4 Short Cuts.

Impressum Paracelsus Today ist das Magazin der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg • Auflage: 34.100 Stück • Medieninhaber und Herausgeber: Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg - Privatstiftung, Strubergasse 21, 5020 Salzburg, Tel. +43 (0)662/24200, www.pmu.ac.at • Verlag: Magazinmanagement und Verleger: Schoba & Partner GmbH, Friaulweg 4, 8042 Graz, www. schoba.at, Geschäftsführerin: Mag. Eva Schoba • Chefredakteur: Dr. Gottfried Stienen • Chefin vom Dienst: Sabine Ritzinger • Art-Direktor: Josef Wiedenig • Produktion: Styria Media Design GmbH & Co KG, Gadollaplatz 1, 8010 Graz • Mitarbeiter/-innen dieser Ausgabe: Andreas Aichinger, Mag. Wolfgang Bauer, Dr. Gerhard Moser, Mag. Elisabeth Prähauser, Dr. Ralph Bertram, Sabine Ritzinger, Ilse Spadlinek, Dr. Gottfried Stienen, • Fotos: Alamy, FH Oberösterreich, iStock, Kardinal Schwarzenberg Klinikum, Shutterstock, wild&team fotoagentur gmbH, Klinikum Nürnberg/ Stephan Schmidt, Salk• Coverfoto: wildteam • Herstellung: Druck Styria GmbH & Co KG • Alle Angaben ohne Gewähr. Haftung für Irrtümer und Änderungen ausgeschlossen. Satz- und Druckfehler sowie alle Rechte vorbehalten.

SPENDENBOX:

Neues aus der Uni.

6 Spotlight.

Wie lange gesund leben wir? „Gsund bleibn“ – mundartlich gesagt: Wie oft wünscht man dies Menschen, die einen durchs Leben begleiten – ob zum Geburtstag, beim Verabschieden oder bei anderen Gelegenheiten. Fragen wir uns auch selbst, ob wir genug tun, um gesund zu sein und zu bleiben? Viel wird über Lebensstil gesprochen, im Guten wie im Schlechten. Jeder führt seinen eigenen Lebenswandel, ist dafür verantwortlich und das ist auch gut so. Trotzdem sollten wir aufmerksam sein. Hinhören, wenn namhafte Ärzte Tipps zu einem gesunden Leben geben. Bewegung – überlegt, auch altersadäquat gemacht, hält den Körper, den Bewegungsapparat und letztlich Herz und Hirn fit. Dazu eine ausgewogene Ernährung, und die Chancen, bis ins Alter gesund leben zu dürfen, steigen. Wir haben uns dem Thema in diesem Heft ausführlich zugewendet und zahlreiche Experten zu Wort kommen lassen. Auch neue Entwicklungen bei Herzoperationen dürfen wir Ihnen präsentieren und natürlich erinnern wir uns an die Weltsensation vor 50 Jahren: die erste Herztransplantation durch Christiaan Barnard.

Paracelsus Today würde sich über Ihre Sympathiespende sehr freuen. Wir werden jeden Euro sinnvoll für neue Ausgaben mit anspruchsvollem und spannendem Lesestoff einsetzen. Bitte geben Sie bei der Anweisung Ihrer Spende beim Verwendungszweck „Paracelsus Today“ an. Unser Spendenkonto: Salzburger LandesHypothekenbank, SWIFT-Code: SLHYAT2S, IBAN: AT03 5500 0104 0001 3375

Genießen Sie den Sommer!

FEEDBACK ERWÜNSCHT:

Ihr Dr. Gottfried Stienen Chefredakteur

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Inhalt

Porträts über einen Alumnus oder einen Anästhesisten und Palliativmediziner erwarten Sie und Neuigkeiten von unseren medizinisch-wissenschaftlichen Partnern, ob in Schwarzach oder an der berühmten Mayo Medical School in den USA.

Raphael J. Morscher promovierte sub auspiciis praesidentis.

8 Focus On.

Medizingeschichte, geschrieben von Christiaan Barnard. Vor 50 Jahren wurde das erste Herz transplantiert.

8 12 Inside.

Der kleinste Herzschrittmacher der Welt wird am Uniklinikum Salzburg eingesetzt.

20 Research.

Gedächtnisforschung: Was bleibt in Erinnerung und warum?

22 Very Personal.

Primar Bernhard Paulweber im Porträt.

24 Update.

Pharmaziestudium in Salzburg: neu und mit großartigen JobPerspektiven.

28 Alumni.

David Fürst – Techniker auf dem Feld der Medizin.

32 Update.

Schwimmen – ein Workout für den gesamten Körper und sehr gesund.

36 Very Personal.

Dietmar Weixler über Palliativmedizin und die hohe Qualität der Ausbildung in Salzburg.

38 Outside.

Das Klinikum in Schwarzach ist ein wertvoller Partner der Paracelsus Uni in Humanmedizin und Pflegewissenschaft.

40 Friends.

“Baggern aus Leidenschaft” und Förderer der Paracelsus Universität: Matthias Moosleitner.

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Short Cuts

Wissensdurst Festival 2017 in Salzburg Mit einer besonderen Idee traten Wissenschafter aus Salzburg an die Öffentlichkeit. In einem Gasthaus fand im Mai das Wissensdurst Festival statt, bei dem lokale Wissenschafter der Salzburger Bevölkerung in entspannter Atmosphäre ihre Forschung näher brachten. Veranstalter war der Verein für lokale Wissenschaftskommunikation – neben Salzburg findet der Event auch in Wien und Innsbruck statt. Dank des Koordinators für Salzburg, Dr. Bruno Benedetti aus dem Institut für Experimentelle Neuroregeneration der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, und seinem Team aus engagierten jungen Forschenden (Michael Vogl, Richard König, aus dem Institut für Molekulare Regenerative Medizin sowie Theresa Neuper von der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg) fand dieses Event zum ersten Mal in Salzburg statt. Diese Bereicherung für die lokale wissenschaftliche Szene wurde im Rahmen des Projektes „Wissensstadt Salzburg“ unterstützt.

Spannende Forschungsthemen in entspannter Atmosphäre vermitteln junge Wissenschaftler aus Salzburg.

An drei aufeinanderfolgenden Tagen berichteten jeweils zwei Wissenschafter unter dem Motto „Unglaublich das Gehirn“ über ihre Forschungstätigkeit. Julia Marschallinger von der Paracelsus Universität – sie war eineinhalb Jahre an der renommierten Stanford Universität in Kalifornien tätig erzählte über die neuesten Erkenntnisse im Bereich Gehirnalterung und -verjüngung. Die Kollegen in Stanford konnten zeigen, dass die Alterung des Gehirns vehement von bestimmten Molekülen, die im Blut älterer Individuen angereichert sind, abhängig ist. Darauf aufbauend machten die Forscher die spektakuläre Entdeckung, dass durch Injektionen

von jungem Mäuseblut – und auch von menschlichem Nabelschnurblut – die Hirnleistung alter Mäuse enorm gesteigert werden konnte. Am Institut für Regenerative Molekulare Medizin an der Paracelsus Uni entdeckten die Forschenden, dass im alternden Gehirn ein Entzündungsprozess stattfindet, der auch bei Asthma erhöht und dort seit langem bekannt ist (Leukotrien-Signalweg). Durch die Behandlung alter Ratten mit dem Asthma-Medikament Montelukast wurde der erhöhte Signalweg gehemmt und es kam zu einer bemerkenswerten Verjüngung des Gehirns der alten Tiere und zu einer deutlich verbesserten Gehirnleistung.

„Teachers of the Year“ gewählt

PMU-Ehrensenator Walter Thaler (links) übergab den nach ihm benannten Social Award an Lukas Steinkellner (Bildmitte).

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Beim Jahresabschlussfest der Medizinstudierenden der Paracelsus Universität Ende Juni werden alljährlich die „Teachers of the Year“, „Lehrarzt des Jahres“ und „Lehrabteilungen des Jahres“ ausgezeichnet. Nach der Begrüßung durch Rektor Herbert Resch kürten die Studierenden aus dem ersten bis dritten Studienjahr Humanmedizin aus ihren Lehrenden die „Teachers of the Year“. Die Jahrgänge vier und fünf entschieden über die „Abteilungen des Jahres“, an denen Praktika und Lehreinheiten geleistet werden. Die Studierenden des fünften Studienjahres zeichneten zudem den „Lehrarzt des Jahres“ aus. Darüber hinaus wurden die USMLE-Auszeichnungen, der Helga und Walter Thaler Award und der ÖGZMK-Award vergeben und die Studierenden mit den besten Defensiones geehrt. Alle Preisträger und weitere Informationen unter www.pmu.ac.at

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Short Cuts

81 freudestrahlende Gesichter Der Große Saal der Stiftung Mozarteum bildete den schönen Rahmen der Akademischen Feier für 81 frisch gebackene „Bachelors of Science in Nursing“ der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg im Frühsommer. Univ.-Prof. Dr. Christian Pirich, Dekan für Studium und Lehre, übergab sieben Absolventen/innen des Bachelorstudiums Pflegewissenschaft Online und 74 Studienabgängern/ innen des dualen Bachelorstudiums Pflegewissenschaft 2in1-Modell ihre Dekrete über die Erlangung des akademischen Grades „Bachelor of Science in Nursing“. Festredner Prof. Rudolf Öhlinger, Ehrensenator der Paracelsus Universität, machte den Absolventen Mut, stets die Stimme für das zu erheben, was sie für ihre Patienten für gut und richtig halten. Darüber hinaus sei es wichtig, auch die eigene Gesundheit im Auge zu behalten.

Die neuen „Bachelors of Sience in Nursing“ feierten ihren Abschluss in der Stiftung Mozarteum.

Singen reduziert Stress bei Kindern

ZKB-Vorstandsvorsitzender Berlinger ist ein treuer Freund und Förderer der PMU.

ZKB feiert und fördert Ein Förderer der Paracelsus Universität schlägt in Salzburg Wurzeln. Die Zürcher Kantonalbank Österreich AG kam vor fünf Jahren in die Mozartstadt und betreut Privatkunden mit großem Erfolg. Anlässlich eines feierlichen Abends wurde mit Kunden im Schloss Klessheim gefeiert und gemeinsam auf die letzten fünf Jahre zurückgeblickt. Lucien Berlinger, der Schweizer ist Vorstandsvorsitzender, hob dabei auch das Engagement seiner Bank vor Ort hervor. „Als Tochterunternehmen der Zürcher Kantonalbank ist unsere Geschäftspolitik auf Nachhaltigkeit und Sicherheit, und damit letztendlich auch auf eine höhere Lebensqualität unserer Kunden, ausgerichtet. Die Investition in die Gesundheitsvorsorge und die Förderung junger Ärzte liegt uns sehr am Herzen. Daher tritt die Zürcher Kantonalbank Österreich AG als Sponsor der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg auf und unterstützt einen Studierenden durch die Finanzierung des Studienplatzes.“

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Bei psychisch kranken Kindern reduziert sich durch Singen und Musikhören Stress erheblich. Dies zeigt eine zweijährige Studie der Salzburger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die von den Salzburger Festspielen finanziert wurde. 36 jungen Personen im Alter zwischen zehn und 18 Jahren wurden verschiedene Kunstformen angeboten – und danach ihr Befinden mittels Fragebogen und Speichelproben gemessen. Im Speichel ist das Stresshormon Corti-

sol nachweisbar. Das Ergebnis war deutlich: Musikhören macht innerlich ruhiger, Singen z.B. im Chor, senkt den Stresshormon-Spiegel. Projektleiter Leonhard Thun-Hohenstein, Primar der Kinderund Jugendpsychiatrie, will jetzt in einer weiterführenden Untersuchung der Frage nachgehen, welche Auswirkungen kreatives Schaffen bei gesunden Kindern hat. Das internationale Interesse ist groß: Die Ergebnisse wurden auch in Boston in der Harvard Medical School präsentiert.

Medizin und Forschung zum Anfassen Anlässlich des Internationalen Weltgesundheitstages am 7. April 2017 veranstaltete die Paracelsus Universität in Kooperation mit der Shopping Arena Salzburg ein zweitägiges Event für die Öffentlichkeit. An zahlreichen Stationen, gestaltet von Wissenschaftern der Universitätskliniken für Augenheilkunde und Ophtalmologie, Neurologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie von Medizinstudierenden, konnte sich die Bevölkerung über medizinische Themen und Forschung

informieren sowie aktiv mitmachen. Das Angebot war vielfältig und reichte von der sensomotorischen Spielwiese und der Erforschung von Augenkrankheiten bis hin zum Ultraschall der Halschlagadern, Üben der Herzdruckmassage und Besichtigung eines Rettungsauto-Oldtimers. Die Teddyklinik der Medizinstudierenden war für die kleinen Gäste gedacht und fand großen Anklang. Auch der Salzburger Apothekerverband war mit einem Informationsstand an der Veranstaltung beteiligt.

Gemeinsam mit dem Roten Kreuz präsentieren die Medizinstudierenden einen Rettungs-Oldtimer.

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Spotlight

Das Feuer nähren Raphael J. Morscher hat als zweiter Studierender der Paracelsus Universität sub auspiciis praesidentis promoviert. Lesen Sie hier Auszüge aus seiner bemerkenswerten Dankesrede anlässlich der Verleihung des Ehrenrings der Republik Österreich durch Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen. Rede: Raphael J. Morscher (redigiert von Sabine Ritzinger) Fotos: • Paracelsus Uni/wildbild

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unge Menschen werden inspiriert durch Vordenker und getragen von Vorbildern. In jungen Menschen brennt das Feuer ihrer Vorkämpfer. Ich kann hier freudig von Personen berichten, die in meinem Studium fähig waren, das in mir lodernde Feuer zu erkennen und zu nähren. Lebhaft in Erinnerung, Eure Magnifizenz Prof. Resch, sind mir Worte von Ihnen, die mich bis zum heutigen Tage begleiten: „Zeigen Sie Dankbarkeit und Demut in Ihrer Arbeit für den Patienten! Demut, Freude und Achtung sollten im Lernen Ihre Grundgedanken sein. Ein Leben lang!“ Wir komplettierten damals als 5. Jahrgang den Vollausbau der Humanmedizin: pulsierende Aufbruchsstimmung an der

Raphael J. Morscher mit Rektor Resch, Bundespräsident Van der Bellen und Landeshauptmann Wilfried Haslauer (v.l.n.r.)

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gesamten Universität. Jeder Einzelne war Pionier. Als ich im letzten Jahr des Medizinstudiums in Harvard war, konnte ich vor allem eines feststellen: Wir müssen keinesfalls den Vergleich mit Absolventen der besten Universitäten scheuen. Hier gilt es allen Lehrenden aufrichtig zu danken: für ihr Engagement, für ihr Vertrauen und für ihr Verständnis, das sie uns entgegengebracht haben. Im Rahmen meines Forschungstrimesters am Kinderspital Zürich entstanden erste Grundgedanken meiner wissenschaftlichen und klinischen Tätigkeit: durch eine einzigartige Verbindung von Stoffwechsel, Genetik und Kinderonkologie zu erforschen, wie Tumoren ihre molekularen Bausteine synthetisieren, wie sie Energie bereitstellen und wie wir dieses Wissen in der Therapie nützen können. Umso mehr freute es mich, 2012 von Professor Barbara Kofler in die Arbeitsgruppe am Salzburger Kinderspital aufgenommen zu werden. Aufbauend auf basiswissenschaftlichen Erkenntnissen konnten wir erstmalig zeigen, dass eine veränderte Ernährung das Tumorwachstum in kinderonkologischen Modellen verringern kann. Nach Abschluss der Studien in Salzburg ermöglichte mir ein PMU-Long Term

Fellowship als Teil des Doktorates einen Forschungsaufenthalt an der Princeton University unter der Leitung von Prof. Rabinowitz. Es ist für einen jungen, wissensdurstigen Menschen überwältigend, sich im Gesamten der Forschung widmen zu können, begrenzt nur von eigener Vorstellungskraft und Fähigkeit. Entstanden ist dadurch eine Arbeit, die erstmalig Veränderungen im Folsäurestoffwechsel von Tumoren mit mitochondrialer Funktion und angeborenen Stoffwechselerkrankungen verbindet. Bereits während des PhD-Studiums hatte ich mit Professor Wolfgang Sperl einen Mentor, der es verstand, mich in seinem Reich – der Kindermedizin und dem Stoffwechsel – zu faszinieren und zu prägen. Auch wenn es erscheint, dass ich hier meine Geschichte erzählt habe, so ist es meine Familie, die den Kern meiner Persönlichkeit und jeder Leistung bildet – und der ich aus tiefstem Herzen danke. So möchte ich mit einem Zitat von Bernhard von Chartres schließen: Wir sind gleichsam Zwerge, die auf den Schultern von Riesen sitzen, um mehr und Entfernteres als diese sehen zu können – freilich nicht dank eigener scharfer Sehkraft oder Körpergröße, sondern weil die Größe der Riesen uns emporhebt. •

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Inside

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Focus On

Historisches Herz-Beben Medizingeschichte, spannend wie ein Thriller: Vor 50 Jahren wurde das erste menschliche Herz erfolgreich transplantiert. Doch viele Details sind kaum bekannt. Autor: Andreas Aichinger • Fotos: Pictorial Press Ltd./CTK/Granger Historical Picture Archive/Alamy Stock Phot; Shutterstock

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Focus On Mit der ersten Transplantation eines menschlichen Herzens vollbrachte der Südafrikaner Christiaan Bernard eine medizischische Großtat – obwohl der Patient nur 18 Tage überlebte.

diesen Mann zu retten“, trifft Edward Darvall schließlich eine Entscheidung.

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„Dennoch bleibt der Triumph der medizinischen Wissenschaft“, schrieb Journalisten-Legende Thomas Chorherr in seinem Seite-1-Kommentar in der Tageszeitung Die Presse vom 22. Dezember 1967. „Man wird weiterarbeiten, weiter experimentieren.“ In einem ausführliche-

Überholmanöver Barnards. Denn ursprünglich war ein US-amerikanisches Chirurgen-Trio in der Pole-Position gewesen: Richard Lower, der gemeinsam mit Norman Shumway die verwendete OP-Technik in Standford entwickelt hatte, dazu Adrian Kantrowitz, der den ersten kommerziell verfügbaren Herzschrittmacher entwickelt hatte. Allen dreien gemeinsam war, dass ihre herztransplantierten Versuchshunde weitaus länger überlebt hatten als jene Barnards. Mit dem pikanten Detail, dass der Südafrikaner noch 1966 bei Lower am Medical College of Virginia dessen Techniken studiert hatte. Apropos Hunde: Die erste experimentelle Herztransplantation an den Tieren geht auf das Jahr 1905 zurück, wobei sowohl Wien als auch Chicago diese Premiere für sich reklamieren. Bereits 1964 war es zu einem ersten, er-

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chuld waren der Alkohol und ein Stück Karamellkuchen: Am 2. Dezember 1967 sind die 25-jährige Bankkauffrau Denise Darvall und ihre Familie im südafrikanischen Kapstadt auf dem Weg zu einer Einladung zum Nachmittagskaffee. Unterwegs steigen Darvall und ihre Mutter aus, kaufen in einer Bäckerei den Kuchen und gehen zurück zum Auto, einem grünen Ford Anglia. Beim Überqueren der Straße werden die beiden Frauen vom Wagen eines Mannes, der alkoholisiert und viel zu schnell unterwegs ist, erfasst. Die Mutter stirbt auf der Stelle, Tochter Denise wird mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht. Am Ende bleiben dem verzweifelten Ehemann und Vater Edward Darvall gerade vier Minuten, um eine schwere Entscheidung zu treffen: Soll das Herz seiner hirntoten Tochter für eine medizinische Pioniertat gespendet werden? Hintergrund: Im Krankenhaus wartet der 54-jährige Gemüsehändler Louis Washkansky nach mehreren Herzattacken ebenso verzweifelt auf ein Spenderherz. Doch eine Transplantation ist noch nie an einem Menschen durchgeführt worden. „Wenn ihr meine Tochter nicht retten könnt, müsst ihr versuchen,

Medizinhistorische Großtat. Christiaan Barnard, ein 45-jähriger Herzchirurg aus Südafrika, hatte schon seit längerem auf seine Chance gewartet. Am 3. Dezember 1967 führt Barnard schließlich das 31-köpfige Transplantationsteam an, dem in einer fünfstündigen Operation im Groote-Schuur-Krankenhaus in Kapstadt die erste Herztransplantation am Menschen gelingt. Beim zweiten Anlauf beginnt das Herz von Unfallopfer Denise Darvall tatsächlich wieder im Körper von Louis Washkansky zu schlagen. Es ist eine medizinhistorische Großtat, deren Kunde rasch um den Erdball zieht und die eine breite Öffentlichkeit bewegt. Dass es während der Operation zu schweren Kommunikationsproblemen zwischen Barnard und einer OP-Schwester und in der Folge zu einem falschen und beinahe tödlichen Abklemmen der Herz-Lungen-Maschine gekommen war, wird erst später bekannt. Noch heute erinnert im Groote-Schuur-Krankenhaus das „Heart of Cape Town Museum“ (Herztransplantationsmuseum) an diese Operation und ihre Folgen. Neben dem kranken Herzen Washkanskys ist hier auch das Spenderherz der jungen Frau zu sehen. Die Tragik: Es sollte letztlich nur 18 Tage lang im neuen Körper schlagen. Am Ende starb der mit Medikamenten gegen die Abstoßungsreaktion vollgepumpte Washkansky an einer Lungenentzündung.

ren Bericht im Blattinneren ist unter anderem zu lesen, dass sich Barnard nach dem Tod seines Patienten zunächst in einem Zimmer im Krankenhaus eingeschlossen und jedes Gespräch verweigert hatte. Zudem verweist die Zeitung auf die Bedenken von Kardiologen aus aller Welt – darunter auch des erst 2015 verstorbenen Kardiologie-Giganten Fritz Kaindl aus Wien. Das Argument der damaligen Skeptiker: Die Schwierigkeiten lägen „heute“ nicht mehr in der Operationstechnik, sondern vielmehr in der Bekämpfung der Abwehrreaktionen. Wahrscheinlich sei die Operation zu einem für die medizinischen Möglichkeiten zu frühen Zeitpunkt durchgeführt worden, mutmaßt Die Presse anno 1967. Und dafür gibt es auch tatsächlich eine simple und letztlich wenig rühmliche Erklärung: Um die erste Herztransplantation an einem Menschen war zu diesem Zeitpunkt längst ein Wettlauf entbrannt.


Focus On

Barnards Herztransplantation war damals eine ethisch herausfordernde, aber auch couragierte und bahnbrechende Entscheidung.“ Univ.-Prof. Dr. Uta Hoppe, Vorständin der Universitätsklinik für Innere Medizin II, Kardiologie und internistische Intensivmedizin Salzburg

OP-Superhero und Lebemann: Bernards Weltruhm lockte schöne Frauen und bescherte ihm sogar eine Audienz beim Papst.

folglosen Versuch einer klinischen Herztransplantation durch James Hardy am University of Mississippi Medical Center gekommen. Implantiert wurde damals das Herz eines Schimpansen, das zwar eine knappe Stunde lang schlug, aber ohne je einen ausreichenden Kreislauf zu stützen. Der Patient starb, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Und dann, vor 50 Jahren, kam Barnard. „Wie kann er nur? Er hat keine Forschung betrieben!“ soll das der enttäuschte Richard Lower damals kommentiert haben. Frauenheld & Spargelkönig. Bereits am 2. Jänner 1968 führte Barnard die zweite Herztransplantation in Kapstadt durch. Der Patient – der südafrikanische Zahnarzt Philip Blaiberg – überlebte immerhin knapp 20 Monate lang. Der endgültige Weltruhm des damals 45-Jährigen war somit nicht mehr aufzuhalten. Dass OPSuperhero Barnard noch dazu recht passabel aussah, machte ihn auch zum Ziel weiblicher Begehrlichkeiten. Bis zu 200 Briefe von Verehrerinnen am Tag, wilde Nächte mit Gina Lollobrigida, einem Sexsymbol dieser Tage, und letztlich drei Scheidungen zeugen davon. Neben einer Audienz beim Papst und einem Empfang beim amerikanischen Präsidenten wurde Christiaan Barnard auch die kaum geringere Ehre zuteil, im niederösterreichischen Marchfelderhof zum „Spargelritter“ ernannt zu werden. Doch SpargelJet-Set und Opernball-Besuche mit einer

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Ex-Miss-Austria sind nicht der einzige Österreich-Bezug Barnards: Seine Stiftung war in der Alpenrepublik ansässig, ein Hotel diente als Wiener Wohnsitz und wenige Tage vor seinem Tod wurde ihm offenbar noch die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen. Viel wichtiger aber ist ein anderes Österreich-Faktum:

nen pro Jahr durchgeführt, und die Herausforderung liegt nach wie vor primär in der Organisation eines Spenderherzens samt Logistik einerseits und in der Immunsuppression andererseits.

Fünf große Röhren. Die chirurgische Technik hingegen ist Routine, wie es Zuckermann einmal in einem Interview mit dem Standard pointiert auf den Punkt Das erste Herz des Landes wurde am gebracht hat: „Es sind nur fünf große 11. Oktober 1983 an der Innsbrucker Röhren, die aneinanderUniversitätsklinik transgenäht werden.“ Nach plantiert, und zwar von wie vor sind allerdings einem Team rund um die auch die starken emoChirurgen Raimund Martionalen und auch ethigreiter – der als wohl wichschen Aspekte ein Thetigster österreichischer ma, wie auch Uta Hoppe Pionier der Transplanbestätigt. Die Primaria tations-Chirurgie seinen an der Universitätsklinik Platz in der Geschichte für Medizin II, Kardiohat – und Franz Gschnitlogie und internistische zer. In einer achtstündiIntensivmedizin der Pagen Operation wurde eine racelsus Universität mit so genannte heterotope Blick auf Barnards PiTransplantation durchDie erste Herztranplantation oniertat vor 50 Jahren: geführt, bei der das Herz wurde auf einer Südafrikani„Das war damals eine des Patienten im Körper schen Briefmarke verewigt. ethisch herausfordernverbleibt und das Spende, aber auch couragierte und bahnbrederherz gleichsam als „Huckepack-Herz“ chende Entscheidung.“ Schließlich sei eingesetzt wird. 1984 erfolgte in Wien ein Herz doch mit völlig anderen Assodie erste orthotope Herztransplantation, ziationen aufgeladen als etwa eine Niebei der das Herz vollständig ersetzt wird, re oder ein Stück Hornhaut, so Hoppe, durch Axel Laczkovics, Ernst Wolner und die früher bei der Nachbetreuung von Hermann Kassal. Generell markieren die Transplantations-Patienten mitgearbeitet 80er-Jahre jene Ära, in der es durch mohat. Die volle Tragweite der guten Gefühderne Immunsuppressiva wie dem aus le im Erfolgsfall konnte die Welt übrigens norwegischen Schlauchpilzen isolierten kürzlich via Videoclip mitverfolgen: Der „Cyclosporin A“ erstmals in größerem erste 16-jährige und mit einem HerzfehStil gelang, die Abstoßungsreaktionen in ler geborene Amari Hall feiert darin seine den Griff zu bekommen. 2007 schließgelungene Herztransplantation in einem lich sorgte Andreas Zuckermann, heute Krankenhaus in Baltimore – mit einem Leiter der Transplantationsambulanz am sitzend im Bett performten Freudentanz. AKH in Wien, mit der ersten TransplantaUnd am Ende tanzt sogar das Personal tion eines schlagenden Spenderherzens mit. Das nennt man dann wohl herzhafte für Schlagzeilen. Im Schnitt werden heute Lebensfreude ... • in Österreich etwa 60 Herztransplantatio-

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Inside

Hi-Tech für das Herz Kardiologen und Herzchirurgen am Salzburger Uniklinikum bieten minimalinvasive Eingriffe auf der Höhe der Zeit an. Implantiert werden unter anderem ein Mini-Herzschrittmacher und neue Herzklappen. Autor: Andreas Aichinger • Fotos: SALK/Beate Erfurth

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r ist 26 Millimeter lang und nur zwei Gramm leicht. Er sieht aus wie eine kleine Kapsel, vergleichbar der Verabreichungsform vieler Medikamente. Doch dieses kleine Wunderding ist keine Arznei und wird auch nicht durch Schlucken an seinen Bestimmungsort transportiert. Vielmehr ist der „Micra“ so etwas wie der kleinste Herzschrittmacher der Welt – und seit dem Vorjahr auch für Patienten aus Salzburg verfügbar. „Das ist in erster Linie eine Entwicklung für ältere Patienten“, erklärt Uta Hoppe. Im Vorjahr hat die gebürtige Krefelderin, die seit 2011 Primaria an der Uniklinik für Medizin II, Kardiologie und internistische Intensivmedizin der Paracelsus Uni ist, erstmals die winzigen Taktgeber implantiert respektive mitgewirkt. Hoppe: „Die Erfahrungen sind super, wir hatten bei keinem einzigen Patienten ein Problem damit.“

Taktgebender Mini. Die ältere Zielgruppe für den sondenlosen Mini-Schrittmacher ergibt sich aus zwei Faktoren, wie die Pri-

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maria erklärt. Zum einen würden jüngere Patienten meist Zweikammersysteme benötigen, der „Micra“ ist hingegen derzeit nur als Einkammersystem verfügbar. Der zweite Punkt ist die Lebensdauer der Batterie. Zwar beträgt sie bis zu 15 Jahre, kann aber im Einzelfall – je nachdem, ob nur Überwachung oder oftmalige Stimulation notwendig ist – auch lediglich sieben Jahre betragen. Eine Besonderheit des im Februar 2016 erstmals in Salzburg eingesetzten „Micra“ ist jedoch, dass seine Batterie nicht wie bei den großen Brüdern ausgetauscht werden kann, er verbleibt nämlich im Körper. Allerdings ist es durchaus möglich, auch mehrere der Mini-Schrittmacher hintereinander zu implantieren. Für junge Menschen, die noch ihr ganzes Leben vor sich haben, eignen

sich allerdings die klassischen Systeme besser. Zwar habe die „Chirurgie noch immer den ersten Stellenwert“, gerade für ältere, oftmals inoperable Menschen sei die neue Option hingegen eine perfekte Wahl, weiß die Kardiologin. Schonend und schnell. Das liegt vor allem auch an der schonenden minimalinvasiven Art der Implantation. Uta Hoppe: „Die Eingriffe sind in den letzten Jahren immer minimalinvasiver geworden.“ Konkret wird der kleine Schrittmacher durch eine Beinvene und das so genannte „Transcatheter Pacing System“ direkt in die rechte Hauptherzkammer geführt, wo sich der smarte Winzling mit vier kleinen Häkchen direkt am Herzmuskel verhakt. Top: Der in enger Zusammenarbeit zwischen Herz-

Die Eingriffe sind in den letzten Jahren immer minimalinvasiver geworden. Univ.-Prof. Dr. Uta Hoppe, Primaria der Universitätsklinik für Medizin II, Kardiologie und internistische Intensivmedizin in Salzburg

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Inside

Kardiologin Uta Hoppe setzt mit MiniHerzschrittmachern und HerzklappenErsatz mittels Schlüsselloch-Technik auf minimalinvasive Interventionen.

chirurgen und Kardiologen durchgeführte Eingriff dauert nur knapp eine halbe Stunde und ist ohne Narkose möglich. In der Folge übernimmt das kleine Gerät alle Funktionen, die bisher auf das große unter dem Schlüsselbein sitzende Aggregat und die in das Herz führende Elektrode aufgeteilt waren. Zudem ist mit weniger Komplikationen – etwa Infektionen und Entzündungen – zu rechnen als bisher. Einzige Einschränkung: Aufgrund der vergleichsweise hohen Kosten und der noch fehlenden Lanzeiterfahrungen ist der Einsatz der Mini-Herzschrittmacher derzeit an klare und strenge Indikationen bei älteren Patienten gebunden und auch quantitativ limitiert. Herzklappen durchs Schlüsselloch. Einen ähnlichen minimalinvasiven und somit für die Patienten sehr schonenden Ansatz verfolgen die Primaria und ihr Team auch an einer anderen Front. Der Ersatz funktionsgestörter Herzklappen – etwa bei einer Aortenklappenverengung – gehört zu den häufigsten herzchirurgischen Operationen. Dank einer relativ neuen minimalinvasiven „Schlüsselloch“-Technik (durch Zugang über die Leistenarterie) existiert auch hier eine schonende Alternative zur klassischen Öffnung des Brustkorbes

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samt Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine, die ebenfalls vor allem bei Patienten und Patientinnen mit höherem Alter oder Risiko zum Einsatz kommt. Auch diese Transkatheter-Aortenklappenimplantation (Transcatheter Aortic Valve Implantation, kurz TAVI) wird bereits seit einigen Jahren am Salzburger Universitätsklinikum ange-

Der Mini-Herzschrittmacher „Micra“ ist nur 26 mm lang und zwei Gramm schwer.

boten. Im Vorjahr wurden laut Hoppe etwa 80 Klappen derart implantiert. Der Clou: Die alte Klappe wird nicht mehr entfernt, sondern von der neuen – die über einen Katheter an ihren Einsatzort gebracht wird – gleichsam an die Wand gedrückt. Das aus drei winzigen Dreiecken aus Schweine- oder Rindergewebe bestehende HiTech-Ersatzventil fürs Herz wird sanft und langsam entfaltet und nimmt danach bei schlagendem Herzen seinen Dienst auf.

Der Eingriff erfolgt im Schlaf ohne Vollnarkose und führt im Vergleich zum klassischen Verfahren zu einer deutlich kürzeren Rekonvaleszenz. „Unsere Patienten können schon nach zwei, drei Tagen nach Hause gehen“, erklärt Hoppe. Minimalinvasive Zukunft. Im Vorfeld eines Eingriffes lohnt sich eine gezielte Vorbereitung, wie eine Untersuchung des Herzzentrums Bonn zeigt. Demnach hat der Einsatz von Physiotherapie mit Atemund Gehtraining vor einem TAVI-Eingriff einen positiven Einfluss auf die Ergebnisse drei Monate nach der Intervention. Und auch das ist entscheidend: Einschlägige Studien zeigen, dass in puncto Haltbarkeit keine Nachteile der TAVI-Methode gegenüber konventionellen Klappenprothesen feststellbar sind. Der internationale Trend geht zudem dahin, diese Eingriffe bereits auch bei mittlerer Risikolage durchzuführen. Last but not least behandeln die Spezialisten am Universitätsklinikum auch undichte Mitralklappen, die zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer liegen. Sie werden seit kurzem via „MitralklappenClipping“ ebenfalls minimalinvasiv repariert. Die Zukunft hat also auch für Herzpatienten in Salzburg längst begonnen. Und jede Wette: Das ist erst der Anfang.•

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Education

Auf Herz und Nieren geprüft Die USMLE – United States Medical Licensing Examination – Step 1 ist ein wichtiger Schritt im Medizinstudium an der Paracelsus Universität: Die verpflichtende Prüfung ist nicht nur für US-Praktika nötig, sondern vermittelt und festigt das medizinische Grundlagenwissen. Autorin: Sabine Ritzinger • Foto: Paracelsus Uni

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n den beiden Standorten der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg und Nürnberg waren in letzter Zeit fünf Großbuchstaben in aller Munde: USMLE, die Abkürzung für „United States Medical Licensing Examination“. Dieses amerikanische Staatsexamen ist berühmt, berüchtigt – und Voraussetzung für die Anerkennung als Arzt in den USA. „Step 1“ – es gibt darüber hinaus „Step 2 Clinical Knowledge“, „Step 2 Clinical Skills“ und „Step 3“ – ist im Medizinstudium der Paracelsus Universität verpflichtend abzulegen und gilt als eine Benchmark für die Qualität der ersten drei Studienjahre dieextern erhoben wird. Medizinstudierende, die zum Step 1 dieser Prüfung antreten, werden in Prüfungszentren mittels Multiple Choice-Fragen zu den Grundlagen der Medizin getestet: anatomy, bichemistry, microbiology, pathology, pharmacology, physiology – um nur einige Themen zu nennen. Wie man in der Auflistung erkennen kann, wird die Prüfung auf Amerikanisch abgelegt.

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Eine große Herausforderung für die Medizinstudierenden im dritten Studienjahr, auf die sie sich mehrere Monate lang sehr intensiv vorbereiten. „Wir arbeiten hauptsächlich mit dem Buch, First Aid for USMLE´ (ein umfangreiches Werk mit über 600 Seiten), aber auch online mit Fragedatenbanken“, erzählt Medizinstudent Philipp Schwaiger. Während österreichische Studierende schon ihre Ferien genießen, sitzt er mit seinen Kollegen Fabian Stangl und Christoph Ebner sowie Kollegin Irina Pancis in den Lernräumen der Paracelsus Universität. Seit etwa 12 Wochen bereiten sie sich allein und in Gruppen auf den großen Tag vor – sechs Tage die Woche und das bis zu 12 Stunden täglich: Die Prüfung ist (war) im August zu absolvieren. Den Großteil des Prüfungsstoffs haben die künftigen Ärzte schon im Unterricht erarbeitet, wo jedem Fach die entsprechenden Seiten des Standarddruckwerks zugewiesen sind. „Wir haben nie wieder die Chance, die medizinischen Themen-

Bereiten sich seit Wochen intensiv auf die USMLE vor: Philipp Schwaiger, Fabian Stangl, Christop Ebner und Irina Pancis (v.l.n.r.).

gebiete so vernetzt zu lernen wie jetzt“, sagt Christoph Ebner, „diesen Grundstock können wir dann perfekt im Klinisch-Praktischen Jahr einsetzen.“ Und Irina Pancis ergänzt: „Mit der USMLE bekommen wir ein Gespür für Zusammenhänge, für das Ganze, und können die Themen besser integrieren.“ Alle Vier schätzen die Prüfung als die wohl schwierigste im ganzen Studium ein. „Der Stresslevel ist höher als bei jeder anderen Prüfung bisher“, bekennt Fabian Stangl, „aber mit intensivem Lerneinsatz ist das Ganze sicher machbar.“ Wie ihre Kollegen in Salzburg sind auch die Nürnberger Medizinstudierenden des dritten Studienjahres im Lernfieber. Als erster Jahrgang am Standort Nürnberg, da die Paracelsus Uni dort erst seit drei Jahren besteht. Also keine älteren und erfahrenen Mitstudierenden, die man zur USMLE befragen und von denen man sich Tipps zum Lernen holen kann? Doch, denn die Salzburger Gruppe hat die Nürnberger in zwei Tutorials eingehend gebrieft. •

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Die Disziplin

für komplexe Fälle Wer am Herzen erkrankt, hat eine immer bessere Prognose. So sinkt die Sterblichkeit durch kardiologische Ereignisse, wie etwa nach einem akuten Herzinfarkt, seit Jahren. Dies ist auch auf die stete Entwicklung der Herzchirurgie zurückzuführen, die immer komplexere Fälle erfolgreich behandeln kann. Autor: Wolfgang Bauer • Foto: iStock

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m heurigen Jahr sind es gleich zwei Jubiläen, die die Erfolgsgeschichte der Herzmedizin symbolisieren. Vor 40 Jahren, im September 1977, gelang es dem Kardiologen Andreas Grüntzig in Zürich erstmals, ein verengtes Herzkranzgefäß mit einem aufblasbaren Katheter wieder durchgängig zu machen. Das Gefäß war um etwa 80 Prozent verengt, mit Hilfe der damals revolutionären Methode der Ballondilatation konnte wieder eine normale Durchblutung hergestellt werden. Seither ist die Implantation von Stents, also von Gefäßstützen zur Aufdehnung und zum Offenhalten von Gefäßen, als Domäne der so genannten interventionellen Kardiologie nicht mehr wegzudenken. Pionier der Herztransplantation. Bereits zehn Jahre vor Güntzings Gefäßaufdehnung, im Dezember 1967, sorgte die weltweit erste Herztransplantation für großes Aufsehen. Christiaan Barnard verpflanzte in einem Krankenhaus in Kapstadt einem Mann das Herz einer jungen Frau, die bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Der Patient verstarb jedoch nach 18 Tagen aufgrund einer Lungenentzündung. Um die gefürchteten Abstoßungsreaktionen zu verhindern, war seine Immunabwehr herabgesetzt worden. Barnard transplantierte in seiner Karriere insgesamt 50 Herzen, das ist etwa halb so viel wie gegenwärtig jährlich in Österreich verpflanzt werden. Herztransplantationen machen aber nur einen Bruchteil der herzchirurgischen Interventionen in Österreich aus. Überhaupt weisen Herzoperationen im Vergleich zur medikamentösen Therapie oder zur interventionellen Kardiologie deutlich weniger Fallzahlen auf, aber: „Wir Herzchirurgen sind zumeist dann gefragt, wenn es sich um komplexe Fälle handelt. Man kann mit Fug und Recht behaupten: Je komplexer, desto chirurgischer“, sagt Rainald Seitelberger, Vorstand des Salzburger Universitätsklinikums für Herzchir-

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urgie. Und er denkt dabei nicht nur an den lebensbedrohlichen Riss der Aorta. Komplexere Operationen. In Österreich werden jährlich an die 6000 Herzoperationen durchgeführt. Eine Größenordnung, die sich seit Jahren konstant verhält. Dabei stehen die Korrektur angeborener Herzfehler, die Überbrückung verengter oder verstopfter Gefäße durch einen Bypass oder die Sanierung bzw. der Austausch von Herzklappen im Vordergrund. Und das, wie erwähnt, auf einem immer höheren Komplexitätsgrad. „Sind zum Beispiel die Gefäße stark verkalkt und die Verengungen so ausgeprägt, dass sie für einen Stent nur schwer zugänglich sind, dann ist eine Bypass-OP angezeigt. Vor allem die Langzeitergebnisse sind in solchen Fällen besser“, verdeutlicht Seitelberger. Das liegt nicht nur an der Schwere der Krank-

dann möglich, wenn die Herzklappe nicht stark verengt, sondern nur undicht ist, das Blut also zurückfließen kann. Eine Klappen erhaltende OP ist bei den Mitralklappen, den Aortenklappen und den Trikuspidalklappen am ehesten möglich.“ Muss man jedoch die kranke Herzklappe entfernen und durch eine biologische ersetzen, so kann man diese relativ leicht am Klappenring verankern. Früher war dies nur über viele Nähte möglich. Die neue Technologie verkürzt die Dauer einer Herzoperation und senkt die Belastung für die Patienten.

Richtlinien für chirurgische Eingriffe. Es gibt in der Herzchirurgie klare Richtlinien (Guidelines), etwa ob eine Herzklappe saniert oder gegen eine künstliche oder biologische ausgetauscht werden soll, sagt der Klinikvorstand. Oder zu welchem Zeitpunkt welche Behandlung stattfinden soll. Heißt das, dass die Herzchirurgie Wir Herzchirurgen sind zumeist aufgrund der genauen Guidelines weniger personalisiert ist? „Ich dendann gefragt, wenn es sich um ke, beides ist wichtig. Personenbekomplexe Fälle handelt. zogene Entscheidungen können in Univ.-Prof. Dr. Rainald Seitelberger, der Herzchirurgie nur auf Basis von Vorstand der Universitätsklinik für Herzchirurgie strengen Guidelines getroffen werin Salzburg den, mit der Abwägung zwischen ihnen und der individuellen Situation des Patienten sind wir eigentlich jeden Tag heit, sondern ist auch dem Umstand zu konfrontiert.“ verdanken, dass immer mehr Bypässe mit körpereigenen Arterien gemacht werWas die zukünftigen Herausforderungen den können und nicht mehr mit Venen an seine Disziplin angeht, so ist der Herzaus dem Unter- oder Oberschenkel. „Das spezialist überzeugt, dass noch mehr mimacht zwar die Operation aufwändiger, nimalinvasive Techniken zur Anwendung ergibt aber für den Patienten eine bessere kommen werden. Auch die Komplexität Prognose“, erklärt der Herzchirurg. der Fälle wird zunehmen, die Anzahl von rund 6000 Herz-OPs pro Jahr in ÖsterNeue Technologien. Die chirurgischen reich aber in den kommenden Jahren staBehandlungen von Herzklappen weisen bil bleiben, so seine Einschätzung. Ebenso ebenfalls eine Entwicklung auf, die seit wie die Anzahl der Herztransplantationen, Jahren steil nach oben zeigt. Sie können die vornehmlich in speziellen Zentren wie zunehmend minimalinvasiv, also ohne am AKH Wien durchgeführt werden. Die oder nur mit teilweiser Öffnung des BrustUniklinik in Salzburg wird weiterhin als korbs, durchgeführt werden. Darüber hinZentrum für Bypass-, Herzklappen- und aus kann man immer öfter körpereigene Aneurysmaoperationen inklusive thorakale Herzklappen sanieren, man muss sie also Stentimplantationen fungieren, mit mehr weniger oft durch eine künstliche oder bioals 600 Operationen pro Jahr. • logische ersetzen. Seitelberger: „Das ist

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Die Heilkraft der Alpen Im Rahmen der „Alpinen Gesundheitsregion SalzburgerLand“ stehen Best Agers im Mittelpunkt neuer gesundheitstouristischer Angebote in Salzburg und Bayern. Die Paracelsus Universität untersucht als wissenschaftliche Projektpartnerin die Wirksamkeit heimischer Naturressourcen. Autorin: Sabine Ritzinger • Foto: SalzburgerLand Tourismus, Illustration iStock

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enschen ab 65 Jahren – so genannte „Best Agers“ – sind aufgrund der demografischen Entwicklung eine große und wachsende Gruppe in unserer Gesellschaft. Sie sind heutzutage aktiv wie nie zuvor und am Erhalt ihrer Vitalität interessiert. Gesundheit ist ein wichtiges Reisemotiv und macht die ältere Bevölkerungsschicht zur attraktiven Zielgruppe im Tourismus. Naturressourcen nutzen. Mit der Gründung der „Alpinen Gesundheitsregion SalzburgerLand“ bieten verschiedene Partner aus Tourismus, Medizin und Wissenschaft ein maßgeschneidertes Paket an gesundheitstouristischen Angeboten mit wissenschaftlichem Hintergrund. Die Naturressourcen des Landes Salzburg und ihre medizinisch nachweislich positive Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden sind ein wertvolles Gut und eine riesige Chance für den Tourismus. Wissenschaftliches Fundament. Damit die Tourismusregionen Salzburg und

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Oberbayern davon profitieren können, haben sich Partner auf beiden Seiten im EU-geförderten Projekt „Trail for Health Nord“ zusammengetan, um die Wirkung von Heilressourcen auf ältere Gäste zu untersuchen und sie in buchbare Angebote zu gießen. Die Paracelsus Universität hat in der Jungbrunnen-BERG-Studie erstmals untersucht, ob ein aktiver Wander- und Heilbad-Urlaub das Immunsystem von Menschen ab 65 Jahren stärken kann. Durch Alterungsprozesse leidet auch das Immunsystem und wird mit der Zeit schwächer. Die Ergebnisse: Ein einwöchiger Aufenthalt mit Wandern und Heilbaden verbessert signifikant das Gleichgewicht und erhöht langfristig die Sauerstoffsättigung und damit die körperliche Leistungsfähigkeit. Passgenaue Angebote. „Aktive Natururlaube sind die beliebteste Urlaubsform in dieser Altersgruppe“, sagt Arnulf Hartl, Studienleiter und Leiter des Instituts für Ecomedicine an der Paracelsus Medizinische Privatuniversität. „Diese Zielgrup-

pe schätzt vor allem die Luftqualität und den Naturraum in Österreich und Bayern. Mangelnde Fitness, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Beweglichkeitsmankos oder Übergewicht werden als Motive für einen Gesundheitsurlaub genannt, aber auch die Stärkung des Immunsystems.“ In den drei Partnerorten Abtenau/Tennengau, Bad Wiessee/Tegernsee und Bad Reichenhall werden aus den Studienergebnissen evidenzbasierte gesundheitstouristische Angebote entwickelt. Unter der Federführung der ITG – Innovationsservice für Salzburg – erarbeiten Touristiker und Regionsvertreter gemeinsam passgenaue und buchbare Angebote für ältere Gäste. Das Bayerische Staatsbad Bad Reichenhall entwickelt neue gesundheitstouristische Produkte mit den AlpeSole Heilquellen. •

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Research

Faszination Gedächtnis Yvonne Höller von der Salzburger Uniklinik für Neurologie bekam das renommierte Hertha Firnberg-Stipendium zuerkannt. Es dient der Förderung von Frauen in der Wissenschaft – und bedeutet für die Neurowissenschafterin eine große Auszeichnung. Autorin: Ilse Spadlinek • Foto: privat

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ill man das Gedächtnis erforschen, so gehören heute Medizin, Psychologie, Biologie und auch Informatik und Mathematik dazu. „Mein Mathematiklehrer war sehr enttäuscht, als ich mich entschloss, statt Informatik doch Psychologie zu studieren“, erzählt Yvonne Höller. „Aber das Gedächtnis hat mich immer schon fasziniert. Was bleibt in Erinnerung, und warum? Wieso vergisst man Dinge, die man sich merken wollte? Das Gedächtnis begleitet uns täglich auf Schritt und Tritt; ohne das Erinnerungsvermögen wäre ein normales Leben unmöglich.“ Die junge Neurowissenschafterin gehört seit 2008 zum Forschungsteam der Salzburger Universitätsklinik für Neurologie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU). 2016 bekam sie das Hertha Firnberg-Stipendium zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) zuerkannt. Dieses besondere Stipendium ist nach der ersten Wissenschaftsministerin Österreichs benannt, die sich große Verdienste um Österreichs Universitäten erworben hat. Parallel-Lauf der Studien. Zum Studium der Psychologie zog es die gebürtige Südtirolerin an die Universität Salzburg. „Denn obwohl meine Heimat wunderschön ist, erschien es mir dort doch zu

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eng, und Innsbruck war zu nah, um richtig weg zu sein. Ich fand Salzburg überschaubar und trotzdem weltoffen, mit den Bergen zum Wandern als Zugabe.“ Die Entscheidung hier zu leben, habe sie nie bereut. Während des Studiums ergab sich für Höller die Möglichkeit einer Laborstelle in einer Arbeitsgruppe mit Schwerpunkt biologische Psychologie – und bereits hier begann ihre Arbeit mit dem Elektroencephalogramm (EEG), die bis heute ihre Forschungstätigkeit prägt. Gegen Ende des Psychologiestudiums studierte sie dann doch noch Informatik. „Erst dadurch hat meine Dissertation in Psychologie, die sich ja schon mitten in den Neurowissenschaften abspielte, so

EEGs aufgegriffen. Wir haben gemeinsame Publikationen und Projektanträge geschrieben, was für mich sehr lehrreich war. Dank der Technik kann ich die Methoden heute selbst so bauen, wie ich

Für mich ist die methodische Forschung genauso spannend wie die angewandte Forschung. Dipl.-Ing. Mag. Dr. Yvonne Höller, Salzburger Universitätsklinik für Neurologie richtig Freude gemacht“, quittiert sie den „Parallel-Lauf“ rückblickend. Schließlich bot man der begabten Jungforscherin eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universitätsklinik für Neurologie an, die sie auch beibehielt, als Eugen Trinka zu deren Vorstand berufen wurde. „Er hat sofort mein Interesse für die quantitativen Analysen des

sie brauche. Für mich ist die methodische Forschung genauso spannend wie die angewandte Forschung.“ Wertvolle Mitarbeiterin. Obwohl personenbezogen, sieht Primar Trinka die Vergabe des Hertha Firnberg-Stipendiums an seine Mitarbeiterin auch als eine große Anerkennung der – an Auszeichungen nicht armen – Forschungs-

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Research

Yvonne Höller (rechts) und ihr Team forschen im Bereich neurologischer Erkrankungen wie Epilepsie und Demenzerkrankungen.

arbeit an der Klinik. „Der Themenkreis, mit dem sich Yvonne Höller beschäftigt, ist eng mit den größten neurologischen Erkrankungen verbunden. Davon sind bereits 30 Prozent der Bevölkerung betroffen, Tendenz steigend. Epilepsien und Demenzerkrankungen gehören dazu. Bei bestimmten Epilepsie-Formen, aber auch bei der Alzheimer-Demenz, kommt es zu Gedächtnisverlusten. Die Pathologien für beide Erkrankungen liegen vermutlich im Hippocampus, jenem Teil des Gehirns, der für das Gedächtnis – vor allem für neu erlernte Inhalte – zuständig ist. Es ist die Forschungsidee von Yvonne Höller, hier einen gemeinsamen Nenner zu suchen, sowohl was den Ausdruck der Gedächtniserkrankungen als auch einen ´Marker´ dafür betrifft. Der Marker ist die EEG-Aktivität, die unter Umständen bei Epilepsien und bei De-

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menzen in einem ähnlichen Frequenzbereich stattfindet. Das ist Kern dieser Forschungsarbeit.“ Nachhaltig forschen. Die Wissenschafterin fühlt sich jetzt „an vielen Fronten ernster genommen, weil das erfolgreiche Einwerben von Drittmitteln heute eines der wichtigsten Bewertungskriterien von Forschern ist“. Vor allem aber ermöglicht das Stipendium, einen bestimmten Themenkreis auch konzentriert länger zu bearbeiten und „nicht von einem Projekt zum anderen hüpfen zu müssen“. Bei der Suche nach dem gemeinsamen Nenner kam es auch zur Zusammenarbeit mit Ludwig Aigner, Vorstand des Instituts für Molekulare Regenerative Medizin der Paracelsus Universität, und mit dem Vorstand der Salzburger Uniklinik für Geriatrie, Bernhard Iglseder. „Wir haben

uns dem Thema Montelukast gewidmet: Dabei wollen wir mittels Pharmaco-Elektroencephalogramm die Auswirkung des Asthma-Medikaments auf das menschliche Gehirn dokumentieren.“ Wie steht es mit den Themen Wissenschaft – Frauen – Kinder – Karriere? „Da liegen die größten Hindernisse darin, sich etwas zuzutrauen“, sagt die Mutter einer fünfjährigen Tochter. „Dazu kommt, dass familiäre Aufgaben immer noch klassisch von Frauen bewältigt werden. Vielleicht müssen Männer erst selbst erleben, wie wichtig diese Aufgaben sind und dass sich Kinder auch positiv auf die Karriere auswirken können. Ich fühle mich heute mit unserer Tochter leistungsfähiger als vorher, weil ich die Zeit mit ihr genießen und nach einer solchen ‚Pause’ wieder effizient forschen kann.“ •

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Very Personal

Die Arbeit mit Patienten ist am schönsten

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Bernhard Paulweber hat fast immer ein Lächeln im Gesicht. Er strahlt Ruhe aus, kann zuhören und gerät beim Gespräch über seine Arbeit als Arzt ins Schwärmen. Die Leidenschaft für seinen Beruf ist unübersehbar und man nimmt ihm jedes Wort ab. Autor: Gottfried Stienen Foto: Paracelsus Uni/wildbild

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ernhard Paulweber ist Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin I in Salzburg. Angestrebt hat er diesen Top-Job nie. Ursprünglich hatten sich andere (Paulweber: „Sehr gute Kollegen“) beworben, doch es kam anders. Seit wenigen Monaten hat nun Paulweber die Leitung einer sehr großen Abteilung (siehe www.salk.at) inne – gewiss eine Herkulesaufgabe. Das scheint ihn nicht zu beunruhigen. „Ich habe während des Bestellungsverfahrens ohnehin schon als vertretender Chefarzt gearbeitet. Als mich dann mein Team motiviert hat, mich doch selbst zu bewerben, nahm alles seinen Lauf“, erzählt der Klinikvorstand, unaufgeregt, sich selbst sofort in den

Schatten stellend und von einer „schönen Aufgabe“ mit einem „tollen Team“ redend. Wenn der Salzburger von einer breit angelegten Klinik spricht, muss man beipflichten. Die Innere Medizin hat neun Spezialambulanzen, 75 Betten, 13 Dialyseplätze und Patienten, die ambulant und kurzzeitig stationär behandelt werden. Manchmal über viele Jahre, sogar Jahrzehnte. „Es gibt Krankheitsbilder, die zum Tod führen können, und wir helfen den Patienten über lange Zeit, oft zehn oder 20 Jahre, mit Therapien.“ Und er wolle keinen Patienten im Stich lassen. Viele positive Rückmeldungen von ihnen seien eine hohe Motivation, weiterhin zu

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Very Personal

Wir müssen in die Richtung denken, dass wir ein gesundes Altern erleben wollen. Bernhard Paulweber, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin I in Salzburg forschen, neue Therapieansätze weiter wissenschaftlich zu verfolgen. „Ich habe eine Reihe von wissenschaftlich sehr interessierten Mitarbeitern im Team“, sagt Paulweber. Deren Forschungsarbeit ist nötig, man denke nur an Diabetes, eine so genannte Zivilisationskrankheit mit hoher Dunkelziffer und Folgen bis ins Alter. Bei chronischen Krankheiten sei noch viel zu erreichen, meint er, letztlich sterben zirka 40 bis 50 Prozent der Patienten nach Arterienverkalkung an Schlaganfall oder Herzinfarkt. Eine Lebensstiländerung kann dem am besten vorbeugen. Paulweber wird nicht müde, dies zu betonen. Zudem sei es relativ einfach, positive, gesundheitsfördernde Schritte selbst zu setzen. Tägliche Bewegung, der Konsum von Obst, Hülsenfrüchten, pflanzlichen Ölen und öfters Fisch statt Fleisch. Das sei die wirkungsvollste Prävention beim einzelnen Menschen und erspart diesem und schlussendlich auch dem Gesundheitssystem hohe Kosten bei möglichen Behandlungen. „Wir müssen in die Richtung denken, dass wir ein gesundes Altern erleben wollen“, betont der Mediziner der in vielen Vorträgen und auch in den Medien gebetsmühlenartig darüber spricht. Der 61-jährige hat als einziges von sieben Kindern den Beruf des Arztes gewählt, weil „mich Biologie und Themen wie die DNA des Menschen schon frühzeitig interessiert haben“. Nach dem Studium an der öffentlichen medizinischen Universität in Innsbruck mit Abschluss „Sub auspiciis

praesidentis“ hat Paulweber gleich am damaligen Landeskrankenhaus Salzburg in der Neurologie und auch Chirurgie sieben Monate gearbeitet. Der damalige Professor Friedrich Sandhofer nahm den jungen Mediziner im Turnus unter seine Fittiche und weckte beim Assistenzarzt Paulweber dessen Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten. Auslandsaufenthalte in London („dort habe ich 1985/86 molekulare und genetische Aspekte näher studiert“), eineinhalb Jahre in San Francisco an der University of California („da bin ich durch diesen per Stipendium finanzierten Aufenthalt 1990/91 in die Basisforschung eingestiegen“) oder acht Monate in Münster („die Entdeckung von Gendefekten hat mich dort beschäftigt“) haben allesamt die Entscheidung für die klinische Medizin bekräftigt und untermauert. Am Uniklinikum Salzburg bringt Bernhard Paulweber sein Wissen und seine Leidenschaft als Stoffwechselexperte (Stoffwechselerkrankungen sind komplex, sie können auch gegeneinander auf sich einwirken“), Primar, Forscher und Lehrender an der Paracelsus Universität ein. Er wird hochgeschätzt, sein Fachwissen ist unstrittig. Er ist immer wieder Initiator und Triebfeder von Studien, die zukünftig dem Land, eben dem einzelnen, dienen sollen und länger gesund im Alter halten mögen. Von 2006 bis 2010 leitete Paulweber die große Aktion „Gesundes Salzburg“, wo in ausgewählten Gemeinden in Zusammenarbeit mit Gesundheitsinstitutionen Salzburgs, dem Gesundheitsressort der Landespolitik und der Uniklinik Tausende Menschen zu einer Lebensstiländerung

angeregt wurden und der Erfolg auch gemessen wurde. Derzeit ist der umtriebige Kliniker in führender Rolle in der Studie „Paracelsus 10.000“ in Salzburg aktiv. Mit dieser wissenschaftlichen Tätigkeit wird ein großer Datensatz geschaffen, der für spätere Behandlungen am Standort Salzburg wichtig sein wird. „Die personalisierte Medizin wird immer bedeutender. Wir benötigen noch mehr Wissen über verschiedene Lebensgewohnheiten, um mit neuen Medikamenten in Therapien helfen zu können.“ In dieser Studie sind die Paracelsus Universität, das Uniklinikum Salzburg und das Land finanziell beteiligt, undauch mit der Zurverfügungstellung von Räumlichkeiten, etwa Labors oder Untersuchungsräumen. Mehrere Fachrichtungen erforschen somit „das Leben der Salzburger, auch in verschiedenen Regionen“. Wie lebt ein Experte des gesunden Lebensstils, 61 Jahre jung (Paulweber kam übrigens im Landeskrankenhaus zur Welt), nun selbst – von der täglichen Arbeit über zehn Stunden abgesehen? „Ich bin begeisterter Radfahrer“, sagt der Vater von fünf Kindern, drei davon im Erwachsenenalter. Und im Winter werden die Langlaufskier aus dem Keller geholt. Bewegung wird ergo gemacht, bei der Ernährung erübrigt sich eine Nachfrage. Fast immer sind Erdnüsse oder Obst auf Paulwebers Schreibtisch zu sehen. Am Tag des Interviews mit Paracelsus Today leider nicht. Das Gespräch wurde allerdings in den frühen Abendstunden geführt. •

Tägliche Bewegung und gesunde Ernährung sind die beste Prävention. ParacelsusToday 2/2017

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Ein weiter Horizont Das Pharmaziestudium muss nicht zwangsläufig in die Apotheke führen – den Absolventen stehen weitere interessante Berufs- und Karrierewege offen. Autorin: Elisabeth Prähauser Fotos: Berger + Parkkinnen Architekten, iStock

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ie öffentliche Apotheke ist ein nach wie vor beliebter Klassiker: Von der Herstellung verschiedener Arzneien über die Kundenberatung bis hin zum Verkauf beinhaltet dieses gängige Berufsfeld der Pharmazie zahlreiche Aufgabenbereiche. In Österreich sind rund 5.800 Apothekerinnen und Apotheker in 1.400 öffentlichen Apotheken für täglich rund 300.000 Kunden im Einsatz. Die Nachfrage nach gut ausgebildeten Apothekern ist hoch. „Bei dieser vielseitigen und abwechslungsreichen Arbeit sind die fachliche Arzneimittelberatung und der wertschätzende Umgang mit den Kunden und Patienten von großer Bedeutung“, erklärt Thomas Veitschegger, Vizepräsident des Österreichischen Apothekerverbandes und Präsident der Apothekerkammer Oberösterreich. Pharmazeutische Industrie. Die österreichischen Pharmaunternehmen – Hersteller und Depositeure – bieten ein breites Beschäftigungsfeld und sind mit rund 18.000 Mitarbeitern ein wichtiger Arbeitgeber für Pharmazeuten. Besonders Fachexperten mit Forschungserfahrung sowie Zusatz-Know-how in Betriebswirtschaft, Gesundheitsökonomie und Kommunikation sind hier gefragt, bestätigt Jan Oliver Huber, Generalsekretär der

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Pharmig (Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs). Pharmaforschung. „In diesem vielseitigen Bereich besteht die Herausforderung darin, Grundlagenforschung mit therapeutischer Anwendung zu verknüpfen – vom Verständnis für die Pathologie von Krankheiten bis zur Suche nach neuen Zielstrukturen und die Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten“, informiert Johanna Pachmayr, Vorständin des Instituts für Pharmazie der Paracelsus Medizinische Privatuniversität. Dafür sind die Zusammenarbeit der verschiedenen pharmazeutischen Wissenschaften – Pharmazeutische Biologie, Pharmazeutische Chemie, Pharmakologie, Pharmazeutische Technologie und Klinische Pharmazie – sowie die Anbindung an eine Klinik essenziell. Klinische Pharmazie. Klinisch-pharmazeutisch zu arbeiten bedeutet, als Mit-

glied in einem interdisziplinären Team aus Ärzten, Pflegenden, Diätologen, Psychologen und anderen Disziplinen die bestmögliche Therapie für einen Patienten zu erreichen. „Pharmazeutisch betrifft das vor allem das Wahrnehmen und Vermeiden von arzneimittelbezogenen Problemen sowie die Beratung zur Applikation und Kombination von Arzneimitteln“, sagt Sigrun Gundl von der Abteilung für Arzneimittelinformation der Landesapotheke Salzburg. Individuelle Nischen. Absolventen eines Pharmaziestudiums können sich auch auf Nischen wie Fachjournalismus, Unternehmensberatung und Bankwesen spezialisieren. ANMELDUNGEN für das Studium der Pharmazie in Salzburg für das Wintersemester 2017/18 unter: www.pmu. ac.at/pharmazie

Die Paracelsus Universität wächst, daher wird ein neues Haus, direkt am bestehenden Campus errichtet. Im Bild eine Visualisierung des geplanten Gebäudes für Studierende und Forscher.

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Update

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Der neue Vizedekan für Forschung Sascha Pahernik ehrte die Nürnberger Forscher des Jahres Steffen Pfeiffer und Guiseppe Santarpino (v.l.n.r.).

Die Forscher des Jahres am Standort Salzburg: Johann Sellner (links) und Adam Culvenor.

Ausgezeichnete Forscher Das „Paracelsus Science Get Together“ in Nürnberg bot den Forschenden der Paracelsus Universität die Gelegenheit, ihre Arbeit zu präsentieren und sich mit Kollegen auszutauschen. Autor: Ralph Bertram • Fotos: Klinikum Nürnberg/Stephan Schmidt, PMU/wildbild

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in Kernziel der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) war von Beginn an der Auf- und Ausbau exzellenter Forschung. Auch am Standort Nürnberg ist man auf bestem Wege, sich als anerkannte akademische Einrichtung auf der Forschungslandkarte zu verankern. Zum insgesamt achten Mal – und zum zweiten Mal in Nürnberg – veranstaltete die Paracelsus Universität Ende Juni das „Paracelsus Science Get Together“. Die Veranstalter rund um das Forschungsreferat der Paracelsus Universität in Nürnberg freuten sich, mehr als 150 Besucher zu begrüßen, darunter eine ca. 40-köpfige Delegation aus Österreich, die bereits in den frühen Morgenstunden mit einem Reisebus aus Salzburg angereist war.

Wissenschaftliche Poster-Fair. Zum Science Get Together waren im Vorfeld über 150 Posterbeiträge angemeldet worden, welche wieder einen weiten thematischen Bogen über zahlreiche Disziplinen der Medizin und Gesundheitsforschung

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spannten. Forschende aus den konservativen und chirurgischen medizinischen Fächern präsentierten insbesondere Daten aus klinischen Studien, Fallberichten und aktuellen Behandlungsmethoden. Die Kollegenschaft aus den experimentellen, medizinisch-technischen, theoretischen und fachlich angrenzenden Disziplinen stellte vorwiegend grundlagenwissenschaftliche (bio-)medizinische Forschungsergebnisse vor. Mehr als jedes dritte Poster stammte dabei von in Österreich tätigen Forschenden. Erfreulich auch war auch die aktive Teilnahme seitens der Kooperationspartner der Paracelsus Universität, wie der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung Nürnberg/Heroldsberg oder der Paris Lodron Universität Salzburg sowie weiterer Hochschulen und Krankenhäuser. Ehrung für Forschungsleistungen. Eine Jury unterzog die präsentierten Poster einer eingehenden Prüfung und kürte insgesamt vier Preisträger. Die Preisverlei-

hung erfolgte in einer Akademischen Feier, in deren Rahmen auch die Paracelsus Wissenschaftspreise für publikatorische Leistungen an elf Nürnberger Forschende übergeben und die „Forscher des Jahres“, Steffen Pfeiffer und Giuseppe Santarpino von der Universitätsklinik für Herzchirurgie, ausgezeichnet wurden. Darüber hinaus wurden die bestpublizierende Klinik 2016 in den drei Kategorien chirurgische, konservative und medizinisch-theoretische Fächer geehrt sowie die „Teachers of the Year“ der Nürnberger Medizinstudierenden. Einige Tage vor der Veranstaltung in Nürnberg waren am Standort Salzburg die Paracelsus Wissenschaftspreise an 27 Forschende vergeben, und die „Forscher des Jahres“, Johann Sellner (klinische Fächer) und Adam Culvenor (theoretische Fächer), gekürt worden. Nähere Informationen im Newsarchiv unter www.pmu.ac.at.

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Tel. 08671 505-1000 Fax 08671 505-1771 mail@rv-direkt.de 27


Alumni Die Entwicklung hybrider chirurgischer Simulatoren ist ein sehr anspruchsvolles und für David Fürst „extrem spannendes“ Feld.

Fürstliche Leidenschaft für das Wunder Mensch David Fürst entwickelt hybride chirurgische Simulatoren für die Ausbildung und das Training von Medizinern. Mit dem Doktoratsstudium Medizinische Wissenschaft konnte der PMU-Alumnus sein Interesse für Medizin mit seiner Leidenschaft für Technik verbinden. Autorin: Sabine Ritzinger Fotos: FH Oberösterreich, privat

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avid Fürst, Absolvent des Doktoratsstudiums Medizinische Wissenschaft an der Paracelsus Universität , hat eine etwas andere Vorgeschichte als jene Alumni, die üblicherweise in Paracelsus Today vorgestellt werden. Er kommt aus dem (medizin-)technischen Bereich, entwickelt hybride chirurgische Simulatoren und ist ein spannendes Beispiel dafür, wie sich Technik und Medizin auf hohem Niveau – und zum Wohle des Patienten – paaren können. „Ich war schon als Kind an Technik interessiert und deshalb stand eine entsprechende Ausbildung für mich außer Frage“, erzählt David Fürst. Und so besuchte er nach der Grundschule die HTL für Mechatronik am Linzer Technikum und entschied sich danach, „etwas Sinnvolles, nämlich

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die Medizin, zu integrieren“ – und daher für das Diplomstudium der Medizintechnik an der Fachhochschule (FH) Oberösterreich. Nach seinem Studienabschluss 2010 startete der junge Akademiker als wissenschaftlicher Mitarbeiter am FH-Department für Medizintechnik mit Schwerpunkt in der chirurgischen Simulation. Das Wunder Mensch. Ein Arbeitskollege, der im Jahr zuvor das Doktoratsstudium Medizinische Wissenschaft an der Paracelsus Universität in Salzburg begonnen hatte, brachte Fürst auf den Gedanken, sich ebenfalls zu bewerben. „Ich wollte eine Sensibilität für humane Strukturen entwickeln, mich mit den komplexen Funktionen des menschlichen Körpers auseinandersetzen“, begründete er seine Studienwahl. Das gelang ihm

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Alumni

Der menschliche Körper ist ein faszinierendes Konstrukt. Dr. scient. med. David Fürst

unter anderem in einem Anatomiekurs am menschlichen Präparat im Rahmen seiner Post Doc-Ausbildung: „Ich bin schrittweise in die Medizin hineingewachsen – der menschliche Körper ist ein faszinierendes Konstrukt.“ Mit den geblockten Anwesenheitszeiten an der Paracelsus Universität und den vorlesungsfreien Zeiten war das Studium „gut machbar, aber dennoch ziemlich anstrengend“. Doch die Mühen lohnten sich und mündeten in seiner Dissertation zur „Entwicklung eines neuartigen Simulators für die minimalinvasive Wirbelsäulenchirurgie“ und dem Abschluss zum „Dr. scient. med.“ im Jahr 2016. Felix Eckstein, Vorstand des Instituts für Anatomie und Fachbereichsleiter Humanmedizin an der Paracelsus Universität, betreute seine Doktorarbeit und unterstützte bei einem Forschungsprojekt zur „Charakteristik künstlicher Knochenstrukturen“. Rückblickend sagt Fürst: „Ich würde das Doktoratsstudium sofort wieder machen, denn neben vielen anderen Dingen vermittelte es mir die Expertise zur Durchführung von wissenschaftlichen Studien.“ Patientenphantom mit Extras. Das in Salzburg erworbene Know-how bringt er am Simulationszentrum an der Fachhochschule Oberösterreich ein. Dieses ist seit kurzem in neuen und größeren Räumlichkeiten beheimatet und wird gemeinsam mit Kollegen des Kepler Universitätsklinikums betrieben. Als Mitarbeiter der FH-Forschungsgruppe ReSSL (Research Group for Surgical Simulators Linz) beschäftigt sich David Fürst aktuell unter anderem mit der Neu- und Weiterentwicklung hybrider Simulatoren, an denen Chirurgen ihre Fertigkeiten unter realitätsnahen Bedingungen üben können. „An unseren physikalischen Patientenphantomen werden das chirurgische Stabilisieren und Wiederaufrichten von Frakturen im Wirbelkörper trainiert“, erklärt der 31-Jährige. Hybride Simulatoren kombinieren die Vor-

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teile von modellbasierten Simulatoren und reinen Virtual Reality Systemen. Morphologische Strukturen und physiologische Prozesse können detailliert visualisiert werden, Navigationssysteme erfassen die Position von Instrumenten, Implantaten und anatomischen Strukturen in Echtzeit. Darüber hinaus vermittelt der Simulator

Privat trainiert der Triathlet rund zehn Stunden die Woche für Wettkämpfe: Ein zeitraubendes Hobby als Ausgleich zur geistigen Tätigkeit.

– ein mit Silikon ummantelter, künstlicher Wirbelkörper – den trainierenden Chirurgen eine realitätsnahe Haptik. Höhere Patientensicherheit. „Der hohe Realitätsgrad der Simulatoren durch modernste Technologie ermöglicht das Erlernen essenzieller chirurgischer Fertigkeiten in einer geschützten Umgebung und führt zu mehr Patientensicherheit, zumal die 3-D-Bilder bei der detaillierten Beurteilung des Eingriffs helfen“, betont der Medizintechniker. Fürsts Dissertationsbetreuer Felix Eckstein sieht das genauso: „Die Kooperation von Technik und Medizin ist ungeheuer wichtig. Es wird ja auch kein Pilot ins Cockpit eines Flugzeugs gelassen, bevor er nicht mehrere Hundert Flugstunden am Simulator absolviert hat.“ Und er ergänzt: „Leider wird das Simulationstraining in der medizinischen Ausbildung noch stiefmütterlich behandelt und ist in den Weiterbildungscurricula noch nicht verpflichtend verankert.“ Dass besonders die Simulation chirurgischer Interventionen sehr anspruchsvoll ist, weiß Florian Lagler, Geschäftsführer des Clinical Research Centers Salzburg und Leiter des Medizinischen Simulationszentrums Salzburg: “Die Herstellung von Modellen mit realitätsgetreuer Haptik oder auch die Implementierung von Funktionen zur objektiven Evaluation der Trainingsleistung sind nur mit hohem Entwicklungsaufwand zu erzielen.“ Apropos Training. Privat arbeitet David Fürst nicht am virtuellen Körper, sondern intensiv am eigenen: Seit 2007 nimmt der begeisterte Triathlet an Wettkämpfen im In- und Ausland teil und absolviert dabei auch die Langdistanzen. „Ich brauche das als Ausgleich zur geistigen Tätigkeit, auch wenn diese Sportart mit sechs Trainingseinheiten pro Woche ein zeitraubendes Hobby ist.“ Sein Lächeln deutet darauf hin, dass er diese zehn Stunden Freizeit pro Woche gerne opfert. •

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Focus On

Institiutsvorstand Josef Niebauer mit Martina Berthold (Landesrätin für Sport), Christian Stöckl (Gesundheitsund Spitalsreferent u. LH-Stv.), Herbert Resch (Rektor), Heinrich Magometschnigg (Ärztlicher Direktor Uniklinikum/ LKH), Anton Wicker (Vorstand Uniklinik für Physikalische Medizin) und Alfred Aigner (Vorstand 1977–2004).

Sportlich! Das Universitätsinstitut für präventive und rehabilitative Sportmedizin feierte 40-jähriges Bestehen – und seine Erfolgsgeschichte in Medizin und Forschung. Autorin: Sabine Ritzinger • Fotos: SALK/wildbild

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er Grundstein zum Erfolg und zur hervorragenden Reputation wurde vor vier Jahrzehnten gelegt: Am 1. Juni 1977 nahm das Institut für Sportmedizin des Landes Salzburg am damaligen Salzburger Landeskrankenhaus seinen Betrieb auf. Am 13. Juli 1977 wurde unter seinem Leiter und Gründungsvater, dem Internisten Alfred Aigner, die erste sportmedizinische Untersuchung durchgeführt. Das Jubiläum wurde Anfang Juni mit zahlreichen Gästen aus Sport, Medizin und Politik sowie Freunden und Partnern gefeiert. „Mein Ziel war die Professionalisierung der sportmedizinischen Betreuung in Salzburg“, erinnert sich Sportmediziner Alfred Aigner, der das Institut bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2005 leitete. Die anfängliche „Baracke“ wich 1984 mit der Übersiedelung in die Lindhofstraße einem modernen Quartier, mit der Einrichtung der ersten Ganztagsplanstelle für einen Sportmedizin-Turnusarzt 1991 kam auch die personelle Entwicklung ins Laufen. Im Oktober 2003 wurde das Institut

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schließlich – analog zu den Ernennungen der Abteilungen der Landeskliniken zu Universitätskliniken – zum „Universitätsinstitut für präventive und rehabilitative Sportmedizin“ der neu gegründeten Paracelsus Medizinischen Privatuniversität ernannt. So klein das Institut auch begonnen hatte, entwickelte es sich mit der Zeit zur ersten Anlaufstelle für Freizeit- und Gesundheitssportler, Spitzenund Nachwuchssportler sowie Sportvereine – und führt mittlerweile jährlich etwa 3000 sportmedizinische Untersuchungen durch. Das erfahrene Team unter Vorstand Josef Niebauer, dem Nachfolger Aigners, genießt größtes Vertrauen und Ansehen im Bereich der sportmedizinischen Untersuchungen und der Leistungsdiagnostik. Primar Niebauer, ein Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin, arbeitet Hand in Hand mit Sportmedizinern, Internisten, Kardiologen, Allgemeinmedizinern, Orthopäden, Physiotherapeuten, Psychologen und Sportwissenschaftern. Und auch die wis-

Gründungsvater Alfred Aigner mit seinem Nachfolger Josef Niebauer.

senschaftliche Arbeit und Forschungsleistung des Universitätsinstituts kann sich sehen lassen: Das institutseigene Forschungslabor arbeitet schwerpunktmäßig mit molekularbiologischen Methoden. Zahlreiche Studien und Publikationen im Bereich des Breiten-, Gesundheits- und Leistungssports zeugen von der intensiven wissenschaftlichen Arbeit. „Wenn ich die wissenschaftlichen Leistungen Prof. Niebauers betrachte, war jeder Euro für das Institut gut angelegt. Und auch in der Medizinlehre überzeugt er mit Lehrveranstaltungen, die immer außerordentlich gut besucht sind“, lobt Herbert Resch, Rektor der Paracelsus Universität. „Ich bin sehr froh, dass Niebauer trotz interessanter Angebote – von Sydney bis Heidelberg – Salzburg treu geblieben ist.“ •

2/2017 ParacelsusToday


Inside

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ParacelsusToday

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Update

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er 1951 in Salzburg verstorbene Sahara-Forscher Ladislaus Almásy staunte nicht schlecht, als er anno 1933 in einer Höhle in der Nähe des ägyptischen Wadi Sora („Tal der Bilder“) Höhlenmalereien von schwimmenden Figuren entdeckte. Sein damaliger Fund – die so genannte „Höhle der Schwimmer“ – enthielt auch einen besonderen Siegelzylinder aus Ton mit einschlägigen Abbildungen. Es handelt sich dabei um das älteste historische Zeugnis für das Schwimmen überhaupt. Sechs- bis zehntausend Jahre später (das Alter der Funde ist nicht exakt datierbar) ist diese spaßbringende Form der Fortbewegung im kühlenden Wasser noch immer populär – besonders natürlich im Sommer. Und nicht selten schafft es das Schwimmen sogar aufs Treppchen der beliebtesten Sportarten der Österreicherinnen und Österreicher. Die Vorteile dieser Bewegungsform respektive Sportart liegen nämlich auf der Hand: Gelenkschonendes Workout. Bedingt durch das sanfte Medium Wasser ermöglicht das Schwimmen ein besonders

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gelenk- und bänderschonendes Training, das Ausdauer und Kraft gleichermaßen herausfordert. Im Kraftbereich ist beim Kraulen oder Brustschwimmen ein Workout für den gesamten Körper leicht realisierbar, alle großen Muskelgruppen werden trainiert, Arme und Beine ebenso gestärkt wie die Rumpfmuskulatur. Und natürlich tut Schwimmen der Kondition und dem Herz-Kreislauf-System richtig gut. Doch genau in diesem Moment betritt der sportmedizinische „Spielverderber“ die Bühne. Josef Niebauer, TopExperte der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität beziehungsweise des Universitätsklinikums Salzburg in Sachen Sportmedizin: „Wer im Strandbad oder am See kurz ins Wasser geht, fünf Brustzüge macht und dann wieder aufhört, der hätte vom sportmedizinischen Standpunkt her auch zu Hause kalt duschen können.“ Die meisten Menschen würden viel zu kurz und zudem an viel zu wenigen Tagen im Jahr wirklich schwimmen, sagt der Vorstand des Universitätsinstituts für präventive und rehabilitative Sportmedizin der Paracelsus Uni. Niebauer: „Wir müssen realistisch bleiben.

Wer nur zum Abkühlen ins Wasser geht, wer nur badet und herumplantscht, der wird nicht viel profitieren, das wird völlig überbewertet.“ Doch auch diese Medaille hat natürlich zwei Seiten: 20 Minuten Minimum. Denn prinzipiell sei das gesundheitliche Potenzial des Schwimmens „recht groß“, weiß Niebauer. Die entscheidene Einschränkung: „Wenn man Schwimmen in einem Atemzug mit Ausdauersportarten wie Laufen oder Radfahren nennen will, dann sind 20 oder noch besser 30 Minuten Dauerschwimmen das Minimum an Ausdauerleistung. Nur dann sind wir schon in einem Bereich, in dem Schwimmen sein gesundes Potenzial entfaltet und sowohl dem Herz-Kreislauf-System als auch der ganzen Muskulatur gut tut.“ Das große Aber: „In diesen Bereich kommen leider die Wenigsten.“ Dabei reiche es durchaus, die genannten 20 oder 30 Minuten locker schwimmend im Wasser auszuhalten. „Das ist dann schon toll“, so Niebauer. Wer allerdings mit dieser Schwimmintensität für sich Neuland betritt, sollte drei Sicherheitsregeln beachten:

2/2017 ParacelsusToday


Update

Schwimmen statt Plantschen

Schwimmen ist eine der gesündesten Sportarten überhaupt. Aber Vorsicht: Baden allein gilt nicht – Dauer und Häufigkeit entscheiden. Autor: Andreas Aichinger • Foto: iStock

• Untrainierte sollten die Dauer des Schwimmens nur langsam steigern. • Schwimmen Sie parallel zum Ufer oder in stehtiefen Gewässern (z.B. nördliche Adria, Neusiedler See). • Im Zweifelsfall ist es ratsam, sich vorab ärztlich untersuchen zu lassen. Wie immer, wenn es um Bewegung und Sport geht, gilt aber vor allem eine Devise: einfach machen! „Wir sind dankbar für jeden, der überhaupt Sport macht“, stimmt auch Josef Niebauer zu. Logische Konsequenz: „Es ist wichtig, die Latte tief zu legen.“ Gemäß der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO sollte man an mindestens drei Tagen in der Woche jeweils zwischen 30 und 60 Minuten körperlich aktiv sein und in Summe zweieinhalb Stunden in der Woche Bewegung machen. Je mehr und je länger geschwommen wird, desto besser ist es natürlich. Doch selbst wer letztlich eben doch nur im See badet, tut sich etwas Gutes. Niebauer schmunzelt: „Das Gesunde am Schwimmen ist in solchen Fällen eben, dass man zu Fuß an

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den See gegangen oder mit dem Fahrrad hingeradelt ist.“ Doch selbst für erfahrene Ausdauersportler sei Schwimmen empfehlenswert, erklärt der Sportmediziner. Etwa, um oftmals beim Training vernachlässigte Zonen wie die Rückenmuskulatur zu schulen. „Schwimmen ist auch eine gute Abwechslung und ein toller Ausgleich für Jogger oder Radfahrer, die praktisch nur ihre Beine beanspruchen, oberhalb der Gürtellinie aber keinen Trainingseffekt haben.“ Top: Neoprenanzug. Wer Schwimmen ernsthaft betreiben will, kann dabei auf eine Reihe von Hilfsmitteln zurückgreifen. An vorderster Stelle steht dabei wohl ein einfacher Neoprenanzug mit kurzen Ärmeln und Beinen. Gerade an kühleren Tagen in der Vor- und Nachsaison lassen sich so deutlich mehr Schwimmtage nutzen, als das nur mit Badehose oder Bikini möglich wäre. Selbstverständlich eignen sich auch klassische Flossen oder Tools wie die Schaumstoff-Schwimmhilfe „Pull Buoy“ (sie wird zwischen die Oberschenkel geklemmt, um die Armmuskulatur verstärkt zu fordern) perfekt dazu, den

Trainingseffekt ehrgeiziger Naturen weiter zu erhöhen. Der Schwimmstil (Brustschwimmen oder Kraulen) ist hingegen letztlich sekundär. „Da soll sich jeder aussuchen, was er möchte“, empfiehlt Josef Niebauer. Und auch die althergebrachte Regel mit dem Schwimmverbot nach einer Mahlzeit sieht der Experte locker: „Das ist ein Mythos ohne Grundlage.“ Wer gerade wirklich viel gegessen hätte, würde ohnedies nicht auf die Idee eines Schwimmausflugs kommen. Niebauers goldene Regel ist somit recht simpel: „Wenn man sich danach fühlt, dann geht man einfach ins Wasser und schwimmt.“ In diesem Sinn: Viel Vergnügen im Wasser! •

Wer nur badet und herumplantscht, wird nicht viel profitieren. Univ.-Prof. Dr. Dr. Josef Niebauer, Vorstand des Universitätsinstituts für präventive und rehabilitative Sportmedizin in Salzburg

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Mustertext Body Check

Sommerleid Ohrenschmerz Autor: Gerhard Moser • Fotos: iStock, Paracelsus Uni

Bei Tauchgängen besteht überdies die Gefahr des Barotraumas. Dabei führen starke Druckdifferenzen ohne adäquaten Ausgleich zu erheblichen Spannungen am Trommelfell, die bis zur Trommelfellruptur führen können. Eine akute Hörminderung und Tinnitus sind begleitende Symptome.

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chmerzen im Bereich des äußeren Ohres sind nach Tauchgängen und Badebesuchen im Sommer nichts Seltenes. Diese können durch kontaminiertes Wasser und starke Druckdifferenzen beim Tauchen entstehen. SYMPTOME: In kontaminierten Gewässern können Schmutzpartikel oder Mikroorganismen (Bakterien, Pilze; in den Tropen auch Algen- oder Planktonarten) in den Gehörgang gelangen. Irritationen der Gehör-

ganghaut, z. B. durch Ohrstöpsel oder Wattestäbchen, und ein feuchtwarmes Milieu begünstigen eine Infektion der Haut des äußeren Gehörgangs. Meistens findet sich ein verstopfter, geröteter äußerer Gehörgang mit Schuppung, gelegentlich mit einer Rötung der Ohrmuschel und Entzündung in diesem Bereich. Es besteht eine starke regionäre Schmerzempfindlichkeit mit fallweiser Schwellung der Ohrmuschel. Häufig nachweisbare Keime sind Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus, Proteus mirabilis und E. coli.

Priv.-Doz. Dr. Gerhard Moser ist 1. Oberarzt an der Salzburger Universitätsklinik für HNO und Lehrender im Humanmedizinstudium an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität.

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DIAGNOSTIK UND THERAPIE: Der Gehörgang ist geschwollen, gerötet, das Trommelfell häufig nicht einsehbar, und die Untersuchung mit dem Ohrtrichter ist schmerzhaft. Gelegentlich findet sich eitriges Sekret. Ein Abstrich für die Mikrobiologie erleichtert ggf. die gezielte Therapie. Die Säuberung des Gehörgangs und insbesondere die in kurzen Intervallen durchzuführende antibiotische Streifenbehandlung sind die wichtigsten Maßnahmen. Bei Tauchern müssen zusätzlich eine Audiometrie und ein bildgebendes Verfahren zum Ausschluss einer zusätzlichen Innenohrschädigung durchgeführt werden. Meist klingt eine Otitis externa bei konsequenter Behandlung innerhalb einer Woche ab. Im Falle einer regionären Ausbreitung ist die stationäre Aufnahme angebracht. PRÄVENTION: Tauchern und empfindlichen Schwimmern ist prophylaktisch eine adäquate Gehörgangpflege zu anzuraten: Nach Wasserkontakt sollten die äußeren Gehörgänge mit sauberem Süßwasser ausgespült und anschließend ausreichend getrocknet werden. Zur Rückfettung der Gehörganghaut wird mit dem kleinen Finger wenig Panthenolcreme in den Gehörgangeingang gebracht. •

2/2017 ParacelsusToday


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ParacelsusToday 1/2017

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Very Personal

Paracelsus Palliativ Praktiker

Die Palliativmedizin widmet sich der Lebensqualität schwer Kranker und sterbender Menschen.

Der Universitätslehrgang Palliative Care der Paracelsus Uni genießt höchstes Ansehen. Absolvent Dietmar Weixler – den eine besondere Familiengeschichte motiviert – weiß, warum. Autor: Andreas Aichinger • Fotos: iStock, Schewig Fotodesign

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r ist ein absolutes Highlight und wirklich unerreicht in Österreich“, schwärmt Dietmar Weixler. Der 55-jährige gebürtige Salzburger ist Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin und als Oberarzt an der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Landesklinikum im niederösterreichischen Horn tätig. Doch im Grunde widmet Weixler seine Arbeit schwerpunktmäßig einem Thema, dessen wahre Bedeutung noch immer den derzeitigen

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gesellschaftlichen Stellenwert übersteigt: der Palliativmedizin, also der medizinischen Seite der Betreuung schwer kranker und sterbender Menschen. Das Rüstzeug dafür hat er sich an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg geholt, und zwar im Rahmen des Universitätslehrgangs (ULG) „Palliative Care“, jener dreistufigen und berufsbegleitenden akademischen Palliativausbildung, die er noch heute in höchsten Tönen lobt. Weixler, der auch Notarzt ist

und langjähriges Mitglied des Teams des Rettungshubschraubers Christophorus 2 war: „Das ist die beste Qualität an Palliativmedizin, die man in Österreich zur Zeit bekommen kann.“ Am Sterbebett der Oma. Die Frage nach den Wurzeln seines Interesses für die Palliativthematik beantwortet der Mediziner ohne zu zögern biografisch: „Ich war 18 oder 19 Jahre alt, als ich das langsame Sterben meiner Großmutter an einer onkologischen Erkrankung miterlebt habe. In ihrer Todesnacht bin ich einem inneren Ruf gefolgt und zu ihr ins Krankenhaus gegangen. Die ganze Nacht lang bin ich dann bei ihr gesessen, das war sicher sehr prägend.“ Auf

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Very Personal

Der Universitätslehrgang Palliative Care ist die beste Qualität an Palliativmedizin, die man in Österreich zur Zeit bekommen kann. Dr. Dietmar Weixler, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin am Landesklinikum Horn-Allentsteig

einer zweiten familiären Ebene führt der am Neujahrstag 1962 Geborene auch seinen Urgroßvater, den oberösterreichischen Hygieniker Heinrich Reichel, ins Treffen. Ab der Zwischenkriegszeit hatte Reichels Interesse als Eugeniker auch der „Rassenhygiene“ gegolten. Als einer von über 80 Urenkeln Reichels kann sich Weixler heute „vorstellen, dass ich eine Art Gegenentwurf“ lebe. Als ihm schließlich auch noch eine Kollegin und Freundin von einem Palliativkurs vorschwärmte, nahm die Idee konkrete Formen an. Dazu kommt, dass Dietmar Weixler von einer der Lichtgestalten der Palliativ- und Hospizbewegung energisch zu dieser Ausbildung ermuntert wurde: Hildegard Teuschl. Die engagierte Caritas-Socialis-Schwester war 1987 auf die von der britischen Ärztin Cicely Saunders begründete Hospizidee aufmerksam geworden. Teuschl bereitete in der Folge dem Hospizgedanken und der Palliative Care in Österreich den Boden und begleitete in den Jahren 2005 und 2006 auch das Akkreditierungsverfahren für den Universitätslehrgang „Palliative Care“ an der Paracelsus Universität. Dietmar Weixler, der bereits ab 2003 den ersten Aufbaulehrgang dazu absolviert, wird von der 2009 verstorbenen HospizPionierin „sehr mütterlich und fürsorglich“ für die Materie begeistert. 2006 wird er schließlich „Akademischer Palliativexperte“ und schließt den dreistufigen Lehrgang 2007 mit dem Titel „Master of Science (palliative care)“ ab. Thema seiner Masterarbeit ist die Kooperation von mobilen Palliativteams mit niedergelassenen Medizinern. Als Vorstand des Vereins „Mobiles Hospiz Horn“ knüpft der Palliativexperte, der einst beim Staatsmeister in Wien Volleyball gespielt und auch des-

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wegen in der Bundeshauptstadt Medizin studiert hatte, nahtlos an dieses Thema an. Zwar sei die Zeit des berufsbegleitenden Studiums „ziemlich anstrengend“ gewesen, dafür voller Highlights, die seine Arbeit noch heute prägen. Dazu zählen etwa die Kommunikationsseminare mit dem zu früh verstorbenen Paar- und Familientherapeuten Peter Fässler-Weibel. Oder generell die „Vernetzung und die Begegnung mit Menschen, die Dinge aus einer anderen Perspektive“ betrachten würden, etwa mit Theologen oder Philosophen: „Das hat mich schon sehr beeindruckt und im Denken angeregt.“ Wissen weitergeben. Schon Hildegard Teuschl hatte den Wahl-Niederösterreicher (der heute mit seiner Familie im Kamptal lebt) dazu motiviert, sein Wissen und generell die palliative Flamme auch an die nächste Generation weiterzugeben. Zehn Jahre lang war Weixler zuletzt Leiter des medizinischen Aufbaulehrgangs zum ULG Palliative Care der Paracelsus Uni, und wird auch in Zukunft im palliativmedizinischen Aufbaulehrgang Vorträge halten. Zuvor war er übrigens auch Lehrbeauftragter an der MedUni Wien und fungiert zudem als Partner der alljährlichen „Salzburger Palliativkurse“, in deren Rahmen das Ärztekammer-Diplom für Palliativmedizin erworben werden kann. Auch in der Forschung ist der Mediziner seit langem aktiv und hat sich speziell mit der „palliativen Sedierungstherapie“ – vereinfacht gesagt einer medikamentös herbeigeführten Bewusstlosigkeit am Lebensende – beschäftigt und auch an einer einschlägigen Leitlinie dazu federführend mitgearbeitet. Mit dem eigenen Lebensende hat sich der verheiratete Vater zweier Kinder im

Medizinische Versorgung und Forschung rund um die Palliativ Care liegen Weixler am Herzen. Volksschulalter natürlich auch schon beschäftigt. Weixler: „Für mich ist das Altern einerseits ein Alltagsthema. Andererseits macht mir die Hochaltrigkeit Angst, die ist für mich nicht erstrebenswert. Ich habe eine Patientenverfügung, die ich immer wieder aktualisiere.“ In seiner Freizeit liest Dietmar Weixler „wahnsinnig gerne“, schreibt aber auch selbst „ins Absurde gehende“ Texte und legt bei der Renovierung seines Passivhauses selbst Hand an. Aktiv will der 55-Jährige indes dem steigenden Bedürfnis nach Palliativ-Pflege und -medizin begegnen. Die Bedeutung des Universitätslehrgangs Palliative Care der Paracelsus Universität werde in Zukunft weiter wachsen, glaubt er. Nicht zuletzt einer besonderen Zielgruppe legt er den Unilehrgang besonders ans Herz: „Allen, die der Beziehung zu den Patienten eine besondere Bedeutung beimessen und die sich Zeit für den Menschen, für Gespräche und für Begleitungen nehmen wollen.“ •

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Outside

Von Humanität, Qualität und Moderne Das Kardinal Schwarzenberg Klinikum in Schwarzach ist das zweitgrößte Spital im Bundesland Salzburg. Das Lehrkrankenhaus der Paracelsus Universität verbindet christliche Tradition und zukunftsweisende Gesundheitsversorgung. Autorin: Sabine Ritzinger • Fotos: Kardinal Schwarzenberg Klinikum/Mrazek

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it über 500 Betten, 13 Primariaten und 56 Ambulanzen sowie rund 30.000 stationär und 70.000 ambulant behandelten Patienten im Jahr ist das Kardinal Schwarzenberg Klinikum Schwarzach das zweitgrößte Spital des Bundeslandes Salzburg. Das Außergewöhnliche an diesem modernen Schwerpunktkrankenhaus: Es ist eine Einrichtung der Barmherzigen Schwestern und kann auf eine über 170-jährige, an christlichen Werten orientierte Tradition zurückblicken. So ist die „Menschlichkeit mit hohem fachlichen Standard und höchster Qualität in Diagnostik, Pflege und Therapie“ ein Teil des Leitbilds und auch die

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hohe persönliche Zuwendung sowohl für Patienten als auch Mitarbeiter. Engagierte Lehre. „Den Anspruch auf Ausbildung nehmen wir ernst“ lautet der Claim des Klinikums Schwarzach – und sowohl die Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) als auch deren Studierende profitieren von dieser Einstellung. Aus der Tätigkeit als Lehrkrankenhaus der Paracelsus Universität in der Humanmedizin und in der Pflegewissenschaft hat sich über viele Jahre eine wertvolle und über die Lehre hinausgehende Partnerschaft entwickelt. „Wir haben den idealen Hintergrund, um Studierende auszubilden: klei-

ne, persönliche Gruppen, gute und qualifizierte Lehrende und einen strukturierten Plan für die Praktika. Dadurch können Probleme besser geklärt sowie Stärken und Schwächen besser adressiert werden“, erklärt Ludwig Gold, der gemeinsam mit Rosa Laner (Schwester Katharina) die Geschäfte des Klinikums führt. Medizin hautnah. Die Kooperation im Bereich der Humanmedizin startete im Jahre 2013 mit der Ernennung des Kardinal Schwarzenberg Klinikums zum Lehrkrankenhaus der Paracelsus Universität. Seither können die Medizinstudierenden im Rahmen ihres Klinisch-Praktischen Jahres

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Outside

(KPJ) im fünften Studienjahr am Klinikum Schwarzach mitarbeiten und schon früher im Studium Famulaturen absolvieren. „Im Rahmen des KPJ werden die Studierenden in die Aufnahmeprozeduren der Patienten eingebunden, auch das Assistieren im Operationssaal und die Unfallerstversorgung stehen auf der Agenda“, sagt der Ärztliche Leiter Andreas Valentin. Studierende in früheren Stadien des Medizinstudiums sind zu Famulaturen willkommen. „Ich bin mit den Studierenden hochzufrieden. Sie sind sehr engagiert, teamfähig und finden einen guten Kontakt zu den Patienten“, freut sich der Mediziner. Fundierte Pflegeausbildung. Die Zusammenarbeit mit dem Institut für Pflegewissenschaft und -praxis der Paracelsus Universität begann 2011 im Rahmen des Studiums Pflegewissenschaft 2in1-Modell. Bei dieser dualen Ausbildungsform absolvieren die Studierenden ihre wissenschaftliche Ausbildung an der Paracelsus Universität (mit dem Abschluss als Bachelor of Science in Nursing) und den pflegepraktischen Teil an einem Lehrkrankenhaus der PMU bzw. deren Gesundheits- und Krankenpflegeschule. An Lettzeren erwerben die Studierenden neben den praktischen Skills das allgemeine Diplom der Gesundheits- und Krankenpflege, das psychiatrische Diplom der Gesundheits- und Krankenpflege oder das Diplom in Kinder- und Jugendlichenpflege – so auch in Schwarzach. „Das 2in1-Modell hat sich als sehr gelungene Kooperation herausgestellt“, betont Geschäftsführerin Rosa Laner. „Die Absolventinnen und Absolventen sind am Arbeitsmarkt Innergebirg sehr begehrt – und am Klinikum Schwarzach ebenso. Rund 75 Prozent der von uns Ausgebildeten bleiben bei uns im Haus.“ Der wissenschaftliche Hintergrund, den die Pflegestudierenden an der

ParacelsusToday 2/2017

Studierende des Humanmedizinstudiums und der Pflegewissenschaft der Paracelsus Uni werden am Klinikum Schwarzach intensiv eingebunden.

Als zweitgrößtes Spital im Bundesland Salzburg und Lehrkrankenhaus der PMU ist das Klinikum ein wertvoller Kooperatinspartner. Rechts im Bild: Ludwig Gold und Rosa Laner (Geschäftsführung)

Paracelsus Universität erwerben, sei auch im klinischen Alltag geschätzt: „Die 2in1Studierenden fragen anders, sie fragen fundiert“, erklärt die Geschäftsführerin. Herausforderung Innergebirg. Auch aus den Entwicklungen und Trends in Medizin und Pflege ergeben sich immer neue Ansätze in der Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen. Einer der Hauptakteure ist Jürgen Osterbrink, Vorstand des Instituts für Pflegewissenschaft und -praxis der Paracelsus Uni. „Gemeinsam mit der Klinik-Geschäftsführung identifizieren wir wichtige Themen der Gesundheitsversorgung, entwickeln diese mit unseren Absolventen weiter und erarbeiten Praxislösungen“, erklärt Osterbrink. Die besonderen Umstände in der Region Innergebirg stellen die Gesundheitsversorgung vor besondere Herausforderungen: die Witterung, lange Distanzen bis zum nächsten Arzt oder zur nächstgelegenen Klinik, der steigende Hausärztemangel im ländlichen Bereich. Hier sind neue Ansätze gefragt.

Versorgung der Zukunft. „Aus dieser Notwendigkeit heraus müssen Primärversorgungszentren entstehen, die an die Bedürfnisse der Patienten angepasst sind“, erklärt Geschäftsführer Ludwig Gold. Dazu werden Modelle überlegt, wie man solche Zentren an einem oder mehreren Standorten im Innergebirg betreiben kann; eigene Versorgungs- und Pflegekonzepte, welche die Versorgung ohne stationäre Aufenthalte gewährleisten, müssen erarbeitet werden. Im Wissensaustausch mit Partnern wie der Paracelsus Universität liegen große Hoffnungen und Chancen. „Dass Prof. Osterbrink international bestens vernetzt ist – als Mitglied des ICN-Boards of Directors (International Council of Nurses) und mit seinem Institut als Collaborating Centre der Weltgesundheitsorganisation WHO – hat große Vorteile für Salzburg und das Innergebirg“, betont Ludwig Gold. Und auch Jürgen Osterbrink sieht den gemeinsamen Weg als „langfristig“ an und schätzt die klaren Vorstellungen des Klinikums und den Austausch „fern jeder Polemik“. •

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Friends

Des Müllers Liebe zu Baustoffen Baustoffen ein zweites Leben zu geben, klingt unwirklich. Alte Gebäude mit viel Geschichte schlicht zu vernichten, mag beim ersten Hinhören wenig Sympathie wecken. Matthias Moosleitner sieht das anders. Autor: Gottfried Stienen Foto: Paracelsus Uni/wildbild

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Lebensjahre sind Matthias Moosleitner nicht anzusehen. Dieser Mann hat Energie, sein unternehmerischer Geist ist spürbar, eine positive Schlitzohrigkeit vermutet man zu erkennen. Moosleitner ist gebürtiger Bayer, er lebt nahe der Salzburger Grenze und dort, exakt in Saaldorf-Surheim nahe bei Freilassing, befindet sich die Firmenzentrale der Moosleitner GmbH. Mit markigen Slogans wie „Die geballte Kraft am Bau“ oder „Baggern aus Leidenschaft“ wurde in den vergangenen Jahren Aufmerksamkeit erregt – gewollt natürlich. Dahinter steckt ein gut geführtes Unternehmen in der Baubranche, das sich mit Abbruch- und Erdarbeiten,

Kies, Sand, Beton sowie Recycling und Humus beschäftigt. Die Auseinandersetzung mit diesen Materialien, deren Leben und eben deren möglicher und sinnvoller Wiederverwertung beschäftigt Matthias Moosleitner, seine Frau Martina und rund 135 angestellte Mitarbeiter. Geplant war diese Laufbahn von MM nie. Der junge Matthias lernte Müller, hatte doch sein Vater vor rund 70 Jahren eine Getreidemühle in Saaldorf gebaut, gleich beim Bauernhaus. Eines Tages wurde anbei Erde abgetragen und Schotter gefunden – und Matthias verlor des Müllers Lust an Korn und Mehl, absolvierte die Handelsschule und stieg mit

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Friends

zwei LKW und einer Schubraupe 1962 ins Baugeschäft ein. Alles Weitere ist Geschichte, Matthias Moosleitner hatte sein berufliches Los gefunden. Umweltgedanke. Mittlerweile hat er eine Vielzahl von alten Gebäuden auf dem Gewissen (das Justizgebäude in Salzburg, das altehrwürdige Paracelsus Bad, die Druckerei Huttegger oder das Hofbräu Kaltenhausen, um nur einige zu nennen), doch halt: „Ich rede nicht von einem Abbruch, sondern von Rückbau“, betont Moosleitner. „Wir führen viele Baustoffe in ein zweites Leben. Schotter, Zement etc. sind natürliche mineralische Baustoffe. Wenn wir ein Gebäude abtragen, trennen wir Holz, Kabel, Dämmmaterial und anderes. Schlussendlich recyceln wir bis zu 75 Prozent der Materialien“, sagt der Bayer mit einem Sensor für unsere Umwelt und ergänzt, dass er einer der ersten Verfechter gewesen sei, Baustoffe in den Recyclingprozess einzubinden. Und es ist gar nicht so befremdend, wenn der Chef einer Baufirma Präsident der Baustoff Recycling Bayern e.V. ist. der Unternehmer mit Augenzwinkern: „Ehrenhalber“. Auch beim Thema Erdbewegungen hat Moosleitner den Umweltgedanken im Kopf. „Wir tragen oft kontaminierte Böden ab, lagern diese sinnvoll und lassen Mikroorganismen arbeiten, die in zwei bis vier Monaten den Boden säubern und einen guten Humus schaffen.“ Heute fahren 75 bis 80 Lastkraftwagen unter der Flagge von Moosleitner auf den Straßen, eingeteilt, gelenkt und beobachtet in einem kleinen Logistikraum in der Zentrale in Saalbach-Surheim von drei Angestellten vor Bildschirmen. Dort werden die Abläufe der diversen Zulieferungen, die Fahrten zu drei Mischwerken an unterschiedlichen Standorten, der Abtransport von Kies, Schotter, Erde kontrolliert und die Kipper zu den Baustellen gelotst.

ParacelsusToday 2/2017

Ein herzliches Dankeschön den Freunden und Förderern: ACM Projektentwicklung GmbH | Agrana Zucker GmbH | Aicher, Max | Alumni Club der Paracelsus Universität | Apollon SE | Ball Corporation | Bankhaus Carl Spängler & Co. AG | BTU Beteiligungs GmbH | Capsumed Pharm GmbH | DBS Gesellschaft - Kubin, H. und Kainberger, P. | DBW Industrieberatung Naue KG | DEBRA Austria | die ärztebank | Die Hayward Privatstiftung | dm drogeriemarkt GmbH | DS Smith Packaging Deutschland Stiftung & Co. KG | Frey, Andrea | Fürst Developments GmbH | G. Hinteregger & Söhne Bauges. mbH. | Gebrüder Woerle Ges.m.b.H. | Georg Pappas Automobil GmbH | Greither, Andreas | Hagleitner Hygiene International GmbH | Hansjörg Wyss Foundation | HYPO Salzburg | Intertops Sportwetten GmbH - Train, Detlef | Jacoby GM Pharma - Jacoby, Heinrich | Johnson & Johnson Medical Companies | Kastner & Partners | Kellerhals, Helga & Erich | Köhn & Kollegen GmbH | Krones AG | Kuhn Holding GmbH | Kuhn, Irmgard | Kuhn, Stefan | Lenz, Gerhard | M. Kaindl Holzindustrie | MedAustron GmbH | MED-EL | Miele GesmbH | Moosleitner Ges.m.b.H | Österreichische Lotterien GesmbH | Paracelsus Rotary Club | Rauch Fruchtsäfte GmbH & Co OG | Red Bull - Mateschitz, Dietrich | Roche Group | Sallmann GmbH | Salzburg AG | Salzburg Aluminium AG | Salzburger Sand- und Kieswerke Gesellschaft m.b.H. | Salzburger Sparkasse Bank AG | Schröcksnadel, Peter | Schwarzbraun, Familie | Segafredo Zanetti Austria Ges.m.b.H. | SeneCura Kliniken- und HeimebetriebsgmbH | Senoplast Klepsch & Co GmbH & Co KG | Siemens AG Österreich | SPAR Warenhandels-AG | Stahlwerk Annahütte Max Aicher GmbH & Co KG | Stieglbrauerei zu Salzburg GmbH | Straniak Stiftung, Hermann und Marianne | von Schilgen, Eva Maria | VR - meine Raiffeisenbank eG, AltöttingMühldorf (D) | Wozabal Textilservice GmbH & Co KG | Zürcher Kantonalbank Österreich AG

Zeit ist Geld, die „Einsätze“ an den verschiedenen Baustellen müssen geordnet abgewickelt werden. Vor der Digitalisierung war dies anders: „Früher hatten wir mit unseren Fahrern noch Funkkontakt“, erwähnt Moosleitner schmunzelnd. Das Gros des Geschäfts wird im Großraum Salzburg gemacht. Das war immer schon so, denn „im Raum Berchtesgaden und Umgebung wurde und wird auch heute noch bei weitem nicht so viel gebaut und investiert wie in Salzburg. Trotz starker Mitbewerber sei genügend Arbeit für alle da, behauptet Moosleitner. Seine Frau Martina ist intensiv ins Unternehmen eingebunden, in allen Firmen der GesmbH. Prokuristin und auch Eigentümerin einer Firma. „Vor 21 Jahren hatte ich mir vorgenommen, aus Moosleitner eine Marke zu machen“, sagt die dynamische Filzmooserin. Sie wollte in einer Branche, wo logischerweise Staub und Schmutz unangenehme Begleiterscheinungen sind, ein positives, anderes Image schaffen. Es ist ihre gelungen. Werbung wirkt, wenn die Botschaft ver-

standen wird. Und sie weist mit gewissem Stolz darauf hin, dass im Hause Moosleitner „ein gutes Team“ täglich am gemeinsamen Erfolg arbeitet. „Das ist doch auch bei Euch an der Paracelsus Universität so“, meint Martina Moosleitner. Basis des Erfolgs seien Vertrauen und natürlich qualitätsvolle, ehrliche Arbeit. Nicht zuletzt deshalb unterstützt die Familie Moosleitner seit Jahren die Universität. Die Liebe zum Beruf in einer gar nicht so einfachen Branche ist bei den Inhabern spürbar. Heute hat Moosleitner tonnenschwere Lastkraftwagen „im Griff“. Einst lenkte Matthias schnellere Gefährte und zwar Rallyeautos. Das mag gar nicht so interessant sein und ist auch einige Zeit her, doch wie Moosleitner diese Boliden fuhr, war außergewöhnlich. Sechsmal (!) gewann der rasende Bayer den Europameister-Titel. Sie dürfen dennoch getrost davon ausgehen, dass der Geschäftsmann heute langsamer Auto fährt. Bei aller Leidenschaft – hoffentlich zumindest. •

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Point of View

Ehrendoktor der Paracelsus Uni und vormaliger Dean der Mayo Medical School, Tony Windebank (Mitte), mit Rektor Resch und Yaszemski.

Rektor Herbert Resch (rechts) und Michael Yaszemski (Mayo Clinic) trafen Salzburger Medizinstudierende, die zum Forschungstrimester in Rochester weilten.

Eine lebendige

Partnerschaft

Man mag sich: gemeint sind die Mayo Medical School und die Paracelsus Medizinische Privatuniversität. Autor: Gottfried Stienen • Fotos: Paracelsus Uni/privat

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2016-2017 Rankings“ zur Nummer Eins der Kliniken in den USA und darüber hinaus zur Gewinnerin in acht Kategorien gewählt worden. Chapeau!

Die Mayo Medical School mit vier Standorten in Nordamerika arbeitet erfolgreich daran, den ohnehin schon exzellenten Ruf in der Patientenversorgung, der Forschung und der Ausbildung von angehenden Ärztinnen und Ärzten noch zu verbessern. Immerhin führt die Mayo Clinic seit vielen Jahren die Rankings der US-Kliniken und medizinischen Fachbereiche an. So war sie in den „U.S. News & World Report

Die Paracelsus Universität hat sich seit ihrer Gründung in 14 Jahren zu einer angesehenen Universität mit beachtenswerter Forschungskraft und einer ausgezeichneten Lehre entwickelt und ist am Wissensstandort und Wirtschaftsstandort Salzburg ein bestimmender Faktor geworden. Partnerschaften gehören gepflegt und weiterentwickelt. Bei einem Besuch in Rochester/Minnesota von Rektor Herbert Resch und Vizerektor Wolfgang Söllner vom zweiten Standort Nürnberg wurde mit dem neuen Mayo-Dean (Rektor) Frederic B. Meyer vereinbart, dass ab sofort die

ie Partnerschaft zwischen der Paracelsus Universität und der Mayo Medical School in den USA wurde offiziell mit einer schriftlichen Vereinbarung in der Salzburger Residenz am 30. Jänner 2003 festgehalten und veröffentlicht. Seit damals ist viel geschehen, auf beiden Erdteilen.

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Plätze für Studierende aus Salzburg und Nürnberg an den Mayo-Standorten Rochester und Scottsdale aufgestockt werden. Bekanntlich können die Studierenden im vierten Studienjahr das Forschungstrimester eben dort absolvieren. Im Gegenzug haben junge Wissenschafter der Mayo Clinic nun die Möglichkeit, im Rahmen eines Sabbaticals bis zu vier Monate an der Paracelsus Universität im Bereich der Regenerativen Medizin zu forschen. Zudem sollen Ärzte der Mayo Clinic auf Wunsch mehrere Wochen in Salzburg im klinischen Bereich mitarbeiten. Rektor Herbert Resch betonte als „Junior“-Partner die Ehre der engen Kooperation mit einer weltberühmten Klinik und Universität. „Dadurch wurde die internationale Sichtbarkeit der Paracelsus Universität wesentlich erhöht.“ Resch selbst war während seines Besuchs als einer von vier Europäern als Referent auf dem „Mayo Clinic Course on Shoulder Tendon Transfer & Complex Rotator Cuff Repair“ geladen und hielt fünf Vorträge über MuskelersatzOperationen im Bereich der Schulter. „Der Zugang zu internationaler Medizin auf höchster Ebene wurde möglich“, sagt Resch auf die Bedeutung dieser Zusammenarbeit angesprochen und ergänzt: „Es bringt der Paracelsus Universität gleichzeitig Reputation als Partner einer derart renommierten Universität und erhöht den Anteil der Bewerbungen von an Medizin interessierten jungen Leuten.“ Und Salzburg will und wird weiterhin eine exzellente Ausbildung in der Humanmedizin anbieten. •

2/2017 ParacelsusToday


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Paracelsus Today  

Nr.: 2, Juli 2017

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