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ParacelsusToday

Das Magazin der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität für Salzburg und Nürnberg

NR. 1 I MÄRZ/APRIL 2017 I € 3,–

Gesund für Körper und Seele Bergsport erhöht die Lebensqualität

PHARMAZIE NEU IN SALZBURG

Studium in moderner Prägung ab Herbst

IMPFEN MACHT SINN

Diskussionen nach Comeback der Masern

170 JAHRE ANÄSTHESIE

Die Geschichte der Narkose ist spannend


Marketingmitteilung

Wir feiern fünfjähriges Jubiläum, nachhaltiges Wachstum und zufriedene Kunden

5 Jahre Zürcher Kantonalbank Österreich AG Im Oktober 2011 startete die Zürcher Kantonalbank Österreich AG mit Sitz in Salzburg und Wien mit dem Anspruch, Private Banking auf höchstem Niveau zu bieten. Fünf Jahre später blicken wir auf eine überaus erfolgreiche Entwicklung in Österreich und Deutschland zurück. Der absolute Fokus auf qualitativ hochwertige Beratung und persönliche Betreuung spiegelt sich in der hohen Kundenzufriedenheit wider. Mit Sicherheit ausgezeichnet. Als 100-prozentige Tochter der sichersten Universalbank der Welt, der Zürcher Kantonalbank, Zürich, leben auch wir diesen Qualitätsanspruch und stellen ihn an oberste Stelle unseres Handelns. Einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg liefert das lokale Asset Management an den Standorten Salzburg und Wien. Wie bereits im Jahr 2015, konnten wir uns auch beim Österreichischen Dachfonds Award des GELD-Magazins 2016 Auszeichnungen für zwei Portfolios sichern. Neben diesen Auszeichnungen freuen wir uns über eine Erstplatzierung in der Kategorie „Dachfonds Aktienund Rentenfonds“ bei den Lipper Funds Awards 2017. Dieser Award gilt als weltweit anerkannter Maßstab für die Bewertung der Fonds-Performance. Die Zürcher Kantonalbank Österreich AG ist langjähriger und überzeugter Förderer der Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg und unterstützt den gemeinsamen Anspruch: Besonderes leisten zu wollen.

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Salzburg Getreidegasse 10 Horst Dick Tel: +43 662 8048-0 horst.dick@zkb-oe.at www.zkb-oe.at

Wien Hegelgasse 6 Silvia Richter Tel: +43 1 5128 100-0 silvia.richter@zkb-oe.at

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Editorial

4 Spotlight.

Impressum Paracelsus Today ist das Magazin der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg • Auflage: 34.100 Stück • Medieninhaber und Herausgeber: Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg - Privatstiftung, Strubergasse 21, 5020 Salzburg, Tel. +43 (0)662/24200, www.pmu.ac.at • Verlag: Magazinmanagement und Verleger: Schoba & Partner GmbH, Friaulweg 4, 8042 Graz, www. schoba.at, Geschäftsführerin: Mag. Eva Schoba • Chefredakteur: Dr. Gottfried Stienen • Chefin vom Dienst: Sabine Ritzinger • Art-Direktor: Josef Wiedenig • Produktion: Styria Media Design GmbH & Co KG, Gadollaplatz 1, 8010 Graz • Mitarbeiter/-innen dieser Ausgabe: Andreas Aichinger, Mag. Wolfgang Bauer, Dr. Ute Neubacher-Kürsten, Sabine Ritzinger, Claudius Söhn, Ilse Spadlinek, Dr. Gottfried Stienen, • Fotos: iStock, Shutterstock, Luigi Caputo, wild&team fotoagentur gmbH, Rudi Ott, St. Virgil• Coverfoto: iStock • Herstellung: Druck Styria GmbH & Co KG • Alle Angaben ohne Gewähr. Haftung für Irrtümer und Änderungen ausgeschlossen. Satz- und Druckfehler sowie alle Rechte vorbehalten.

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Inhalt

Pharmazie studieren in Salzburg.

Bewegung hält gesund Die helle und warme Jahreszeit bewirkt bei vielen Menschen ein Gefühl des Aufblühens. Körper und Seele fühlen sich frischer, Aktivitäten verlagern sich nach Aussen. „Das Wandern ist des Müllers Lust“ lautet die erste Zeile eines Gedichts von Wilhelm Müller aus dem Jahr 1821, zwei Jahre später von Franz Schubert zu einem bekannten Lied vertont. Eine längere Geschichte im ersten Heft dieses Jahres beschäftigt sich mit gesunden Aktivitäten im Freien und zwar mit dem Bergsport. Eine Studie der Paracelsus Universität in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck und dem Österreichischen Alpenverein hat sehr positive Wirkungen des Bergsports für Körper und Seele des Menschen nachgewiesen. Sollten Sie nicht in die Berge wollen, sondern per Flugzeug, etwa ans Meer verreisen, lesen Sie Wissenswertes über den Jetlag. Wir haben uns auch einem brandaktuellen Thema zugewendet. In Österreich, sogar europaweit herrscht eine Impf-Skepsis vor. Das ist gefährlich für die Gesundheit des Einzelnen und darüber hinaus. Werden Sie nicht immun gegen Argumente für das Impfen! Interessante Porträts einer Alumna der Paracelsus Universität oder des neuen Primars der Orthopädie und Traumatologie am Uniklinikum Salzburg, 170 Jahre Anästhesie und viel mehr Lesestoff werden Ihnen gefallen. Genießen Sie das Frühjahr.

Ihr Dr. Gottfried Stienen Chefredakteur

6 Short Cuts.

Neues aus der Uni.

10 Update.

Impfen oder nicht? Skeptiker contra Befürworter.

10 12 Research.

Ein Salzburger Forscher könnte Diabetikern das Leben erleichtern.

14 Research.

Ohne klinische Studien gäbe es keinen medizinischen Fortschritt.

14 18 Alumni.

Katrin Sickau leistet als Ärztin humanitäre Hilfe in Slums – in ihrer Freizeit.

22 Fokus On.

170 Jahre Anästhesie – spannend wie ein Krimi.

26 Very Personal.

Der Orthopäde Thomas Freude im Porträt.

26 30 Research.

Bergsport ist gut für Körper und Seele. Wie gut zeigt eine wissenschaftliche Studie.

34 Education.

Stefan Galler, der Mann für ungewöhnliche Lehrmethoden begeistert die Studierenden.

38 Point of View.

Studieren an der Paracelsus Universität sei alternativlos, meint Claudius Söhn.


Spotlight

Auf neuen Wegen Pharmazie studieren

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bgeleitet von einem bekannten Werbeslogan der österreichischen Bundeshauptstadt Wien darf formuliert werden: Salzburg ist anders. Konkret anders mit einem neuem Studium der Pharmazie an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität.

Starke Kooperationspartner mit vielen klugen Köpfen haben an der Entwicklung des neuen Lehrplans mitgearbeitet. Bewährte und notwendige Lehrinhalte sind im Curriculum selbstverständlich enthalten, doch vieles ist neu, anders, innovativ, kurz gefasst: state of the art! Mit dem erworbenen Wissen ist dann für jede Absolventin und jeden Absolventen eine Basis gelegt, die den Einstieg ins Berufsleben im In- und Ausland erleichtern wird. Ob in der Industrie, der Apotheke, der Forschung etc. Interessiert? Im Infokasten sind die Eckdaten prägnant aufbereitet.

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STUDIUM DER PHARMAZIE IN SALZBURG Standort

Salzburg, Paracelsus Medizinische Privatuniversität

Studium

Pharmazie (englische Bezeichnung: Pharmacy)

Studienform

Bachelor-Studium und Master-Studium

Organisationsform

Vollzeit

Akademischer Grad

BSc in Pharmacy; Mag. pharm.

Studiendauer

Bachelor: 6 Semester; Master: 4 Semester

Unterrichtssprache

Deutsch, Englisch

Studienplätze

50

ECTS

Bachelor: 180; Master: 120

Studiengebühr

Euro 7.200,- pro Semester

Kooperationspartner

Universität Salzburg; Privatuniversität Schloss Seeburg; Uniklinikum Salzburg; Österreichischer Apothekerverband; Nährstoffakademie Salzburg; Pharmazeutische Industrie

Stipendien

Förderstipendien der Paracelsus Universität nach sozialer Bedürftigkeit; Leistungsstipendien; staatliche Stipendien: Studienbeihilfe, Familienbeihilfe

Ansprechpartner

Claudia Jungwirth: +43 662 2420-80251; claudia.jungwirth@pmu.ac.at

ANMELDUNG ONLINE:

bis zum 14. Mai 2017 möglich www.pmu.ac.at/pharmazie

Gerne beraten wir Sie auch in einem persönlichen Gespräch.

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Mustertext

Bringt das Staunen zurück. Das neue C-Klasse Cabriolet. Das neue C-Klasse Cabriolet macht jeden schönen Tag zum Sommer – das ganze Jahr über. Entdecken Sie neue Lieblingsstrecken unter der Sonne – allein, zu zweit, zu dritt oder zu viert. Die modernen Motoren sind jederzeit für einen Spurt zu haben und glänzen dennoch mit zeitgemäßen Verbrauchswerten. Das neue C-Klasse Cabriolet verführt zum Einsteigen. www.pappas.at/c-cabrio Kraftstoffverbrauch (NEFZ) 4,5–8,0 l/100 km, CO2- Emission 116–181 g/km

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Short Cuts

Alumni im sozialen Einsatz Fast schon zur Tradition geworden ist Alumni-Glühweinstand am Alten Markt während der Weihnachtszeit in Salzburg. Zahlreiche ehemalige Studierende der Paracelsus Universität schenken an zwei Tagen den Besuchern des Salzburger Christkindlmarkts wärmende Getränke aus. Der gute Zweck dient der „Salzburger Wärme-

stube“. Diese wichtige Institution bringt jeden Donnerstag und am Wochenende bis zu 250 warme Mahlzeiten für hilfsbedürftige, obdachlose Menschen täglich auf den Tisch. Die Vorständin des Alumni Clubs, Georgina Brandner, durfte mit Stolz 2.500 Euro an die 2003 gegründete „Salzburger Wärmestube“ übergeben.

Diese Summe löste große Freude aus: MMag. Christof Eisl (links) vom mobilen Kinderhospiz Papageno durfte von den Studentinnen Taina Müller und Katharina Neudorfer sowie Rektor Prof. Herbert Resch den Scheck mit einem fünfstelligen Betrag entgegennehmen.

Wunderbares Engagement für unheilbar kranke Kinder Dankbarer Johannes Orsini-Rosenberg (3. von links), Obmann der Salzburger Wärmestube.

Wissen schafft Zukunft Die intensiven Bemühungen der Paracelsus Universität den Campus in Salzburg zu einem Ort des wissenschaftlichen Diskurses und Gedankenaustauch zu machen, tragen Früchte. 2016 wurden an 80 Veranstaltungstagen tausende Wissenschafter aus aller Welt bei Symposien, Kongressen oder Tagungen begrüßt. Das kleine Kongressbüro der Paracelsus Universität unter der

Federführung von Katharina Tschernutter (k.tschernutter@ pmu.ac.at) leistet hervorragende Arbeit, ein treuer Kooperationspartner ist dabei auch Salzburg Congress. Im Jänner dieses Jahres trafen sich 250 Lungenfachärzte, Physiotherapeuten und Sportmediziner an der Paracelsus Uni zum 7. D-A-CH Kongress für pneumologische Rehabilitation.

Es gibt hoffentlich viele besondere Momente im Leben. Einen besonderen Moment kosteten die Studierenden des Jahrgangs 2013 der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) beim Bekanntwerden des Erlöses des Benefiz-Balls im Jänner im Stieglkeller aus. Die Summe von 10.000 Euro (in Worten zehntausend) durfte auf den Spendenscheck für mobile Kinderhospiz „Papageno“ geschrieben werden. An einem wunderschönen Ballabend wurde für den guten Zweck getanzt, gefeiert, den kulinarischen Genüssen gefrönt und mit einer Tombola (attraktive Preise wurden vorab gespendet) Geld gesammelt. Unter den zirka 500 Ballgästen tauchte auch Rektor Herbert Resch ins Tanzgeschehen und Ballvergnügen ein, ebenso zahlreiche Primarii, die Studierenden natürlich, deren Eltern, Freunde und Förderer der Paracelsus Universität. Die Scheckübergabe war letztlich der verdiente Lohn für die Arbeit der Ballorganisatoren.Das Team von Papageno begleitet unheilbar kranke Kinder und deren Angehörige. Dr. Regina Jones, Oberärztin an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, eine Krankenschwester sowie speziell ausgebildete ehrenamtliche Hospizbegleiter/ innen stehen den Familien bei Krankenhausaufenthalten, vor allem aber zu Hause, zur Seite. Das Mobile Kinderhospiz wird zu 85 Prozent aus Spenden finanziert. Unterstützung wird dankend angenommen und stets benötigt. Konto: Papageno – mobiles Kinderhospiz in Salzburg IBAN: AT97 2040 4000 4150 2089 Salzburger Sparkasse: BIC: SBG

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Short Cuts

Honorarprofessur an Ludwig Aigner Univ.-Prof. Dr. Ludwig Aigner, Vorstand des Instituts für Molekulare Regenerative Medizin an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg, wurde am 1. Dezember 2016 zum Honorarprofessor der Paris Lodron Universität Salzburg (PLUS) ernannt. Rektor Univ.-Prof. Dr. Heinrich Schmidinger überreichte ihm das Dekret und betonte die gute Zusammenarbeit des PMU-Wissenschafters – und der Paracelsus Universität generell – in Forschung und Lehre. Besonders mit der Naturwissenschaftlichen Fakultät der PLUS verbindet Ludwig Aigner, sein Team und die Paracelsus Universität eine intensive Zusammenarbeit. So hält die Naturwissenschaftliche Fakultät Lehrveranstaltungen für mehrere PMU-Studiengänge ab – insbesondere den Kurs „Medizinische Basiswissenschaften“ (Biologie, Physik, Chemie) im ersten Studienjahr der Humanmedizin.

Im Bild v.l.n.r.: Prof. Ludwig Aigner mit Rektor Heinrich Schmidinger.

Case Club – die Lust an der Wissenschaft

Von links nach rechts: Claudius Söhn, Markus Geßlein, Max Willauschus

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Im Bild v.l.n.r.: Landrat Herbert Eckstein, Vorstand Werner Rupp und Dr. Dirk Asshoff (beide Kreisklinik Roth), Prof. Thomas Papadopoulos (Dekan für Lehre der PMU) und Prof. Wolfgang Söllner (Vizerektor PMU).

Starker Partner für die Lehre Das erste Lehrkrankenhaus der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Nürnberg ist die Kreisklinik Roth. 2018 wird der erste Jahrgang der Medizinstudierenden – in seinem fünften Studienjahr – den klinisch-praktischen Teil der Ausbildung absolvieren, unter anderem in der Kreisklinik Roth. „Wir sehen in der Ernennung zum Lehrkrankenhaus eine Auszeichnung und ein Gütesiegel

Die Paracelsus Universität am Standort Nürnberg startete im Jänner ein neues Format: den „Case Club“. Das von den Medizinstudenten Julian Müller-Kühnle, Claudius Söhn und Maximilian Willauschus ins Leben gerufene Projekt soll der Heranführung und kritischen Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Arbeiten dienen. Anders als bei herkömmlichen „Journal Clubs“ steht jedoch das gemütliche Beisammensein, Engagement und die Lust, sich mit einem wissenschaftlichen Thema oder Artikel genauer zu befassen, im Mittelpunkt. Pro Studienjahr sind vier Abende mit je einem Umfang von 90 Minuten angesetzt. Das entspricht drei Präsentatio-

und sind stolz darauf, das erste Lehrkrankenhaus in der Metropolregion Nürnberg zu sein“, betont Vorstand Werner Rupp. Der Vizerektor der Paracelsus Universität in Nürnberg, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Söllner, ergänzte: „Die Kreisklinik in Roth zeichnet sich durch eine hervorragende Krankenversorgung aus. Aus- und Fortbildung spielen dort schon immer eine besondere Rolle.“

nen zu je 30 Minuten. Den Auftakt machte Claudius Söhn, der über seine Famulatur in der Kardiologie im Klinikum Nürnberg Süd berichtete und eindrucksvoll das so genannte Takotsubo Syndrom, auch bekannt als Broken Heart Syndrom, präsentierte. Der zweite Vortrag des Abends kam von OA Dr. Markus Geßlein, dem betreuenden Arzt am Olympiastützpunkt Nürnberg, der Einblicke in seinen Werdegang als Chirurg gab. Den Abschluss bildete Max Willauschus mit der Präsentation seines „AGA-Students Casereports“ zu den physiologischen Grundlagen der Osteogenese und dem Krankheitsbild der Myositis ossificans traumatica.

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Inside

Bindung als Fundament fürs Leben Karl Heinz Brisch ist Lehrstuhlinhaber des Instituts für Early Life Care der Paracelsus Universität in Salzburg. Im Interview erklärt er, warum die Phase am Lebensbeginn das Fundament für das ganze Leben legt, wie Frühe Hilfen die Bindung zwischen Eltern und Kind unterstützen und welchen Forschungsfragen er sich widmet. Interview: Sabine Ritzinger • Foto: St. Virgil Salzburg/APA-Fotoservice/Hörmandinger

ParacelsusToday: Herr Prof. Brisch, was kann man sich unter der Thematik „Early Life Care“ vorstellen? Karl Heinz Brisch: Der Lebensanfang ist entscheidend für den Rest des Lebens und legt das Fundament für die Entwicklung eines Menschenkindes. Wenig ist festgelegt, die Umwelterfahrungen aktivieren spezifische Gene und prägen ganz entscheidend die Gehirnentwicklung und damit das weitere Leben. Kinder mit einer sicheren Bindung, dem „Urvertrauen“, haben die Ressourcen, um sich körperlich, seelisch und sozial gesund zu entwickeln. Man weiß aus Studien, dass Bindungssicherheit langfristig Auswirkungen auf die Empathiefähigkeit der Kinder und damit auf die emotionale Entwicklung ihrer Per-

Kinder mit einer sicheren Bindung haben eine große Ressource, sich körperlich, seelisch und sozial gesund zu entwickeln. Priv.-Doz. Dr. med. Karl Heinz Brisch, Leiter und Lehrstuhlinhaber des Instituts für Early Life Care an der Paracelsus Universität

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sönlichkeit hat. Bindungssicherheit und Empathie sind essenzielle Grundlagen, um zwischenmenschliche Beziehungen befriedigend leben zu können.Diese Erkenntnisse beeinflussen unsere Ansätze zu Prävention, Frühen Hilfen und Interventionen.

ParacelsusToday: Was sind die Ursachen für den Verlust der Bindungssicherheit? Karl Heinz Brisch: Bindungsstörungen entstehen ursächlich durch multiple unverarbeitete Traumatisierungen von Kindern durch Bindungspersonen, etwa durch massive Vernachlässigung, emotionale Gewalt, häufig wechselnde Bezugssysteme, mehrmaligem Verlust von Bezugspersonen, sexuelle und körperliche Gewalt. Psychotherapie von derartig traumatisierten Kindern ist möglich, aber sehr zeitaufwändig, um neue Beziehungserfahrungen zu verankern und Verhaltensweisen zu verändern. Prävention und frühzeitige Intervention sind wichtige Ansätze, um die körperliche und seelische Entwicklung von Kindern zu unterstützen.

ParacelsusToday: Der Lehrstuhl für Early Life Care ist der europaweit erste

seiner Art. Ist der Forschungsbereich so neu? Prof. Brisch: Es gibt bereits hochkarätige klinische Arbeit und auch Forschung in diesem Bereich, aber wenig umfassende interdisziplinäre Grundlagenforschung. Die Entwicklungszeiten von der Zeugung, zur Schwangerschaft, Geburt und frühkindlichen Entwicklung sind noch vergleichsweise unerforschte Bereiche. Mit der Etablierung des Instituts und des Lehrstuhls für Early Life Care werden wir Grundlagenforschung zu Fragen der Intervention und Prävention betreiben. So sind Störungen in der Schwangerschaft, Begleitung bei behinderten und chronisch kranken Kindern, die Bindung von Kindern und Pflegeeltern, depressive Eltern sowie Früh- und Totgeburt einige wichtige Themen auf unserer Aganda. Auch die postpartale Depression ist ein grundlegender Bereich, den es weiter zu beforschen gilt.

ParacelsusToday: Wie sieht es mit der personellen Ausstattung an Ihrem Institut aus? Karl Heinz Brisch: Meine Mitarbeiterin Katharina Trost hat schon in München am Dr. von Hauner´schen Kinderspital mit mir zusammengearbeitet, sie ist eine wichtige Schnittstelle am Institut. Mittlerweile sind zwei Ph.D.-Studentinnen – eben Frau Trost und Hannah Bischof – an Bord. Gemeinsam, unterstützt von Thimea Török in der Assistenz, haben wir mit der wissenschaftlichen Arbeit bereits begonnen. Es werden mit der Zeit noch mehr Ph.D.Studierende integriert, aber auch Masterstudierende aus dem Universitätslehrgang für Early Life Care. Letzere stehen bereits mit beiden Beinen im Berufsleben, da der Lehrgang berufsbegleitend absolviert wird. Sie eignen sich für eine andere Art von Forschung: weniger laborlastig, mehr praxisfundiert. Wir werden in der Forschung Längsschnittsstudien etablieren und auch in der Lehre tätig sein. ParacelsusToday: Sie beschäftigen sich seit langer Zeit mit dem Bereich Frühe Hilfen. Auf welche Kooperationen und Netzwerke können Sie zurückgreifen?

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Mustertext

Karl Heinz Brisch: Die Interdisziplinarität und Zusammenarbeit mit Experten, unter anderem aus Medizin, Pädagogik und Care, sind ein wichtiger Ansatz unseres Tuns. Kooperationen mit dem Universitätsklinikum Salzburg, den Instituten der PMU, der Ludwig Maximilian Universität München und dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München anderen Partnern Wissensaustausch und Synergien bringen. Das Zentrum Frühe Hilfen, die Österreichische Liga für Kindergesundheit, die GAIMH – Gesellschaft für Seelische Gesundheit in der Frühen Kindheit und der Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren werden wichtige Partner für unser Institut sein. Vielleicht erreichen wir ja längerfristig eine Ausstrahlungskraft, um weitere Institutsableger an anderen Universitäten zu etablieren und das Thema dort verankern zu können. •

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unter einem Dach

Panoramablick auf die Bergkulisse

ZUR PERSON Priv-Doz. Dr. med. Karl Heinz Brisch ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie und leitet die Abteilung für Pädiatrische Psychosomatik am Dr. von Hauner´schen Kinderspital der Ludwig Maximilian Universität München. Sein Forschungsschwerpunkt umfasst den Bereich der frühkindlichen Entwicklung und der Bindungspsychotherapie in allen Altersgruppen. Er entwickelte Präventionsprogramme für Kinder und Eltern und war Gründungsmitglied und im Vorstand der Gesellschaft für Seelische Gesundheit in der Frühen Kindheit (GAIMH - German-Speaking Association for Infant Mental Health). Seit 2000 organisiert er die renommierte Internationale Bindungskonferenz. Prof. Brisch wirkte an der Curriculumsentwicklung des 2016 gestarteten Universitätslehrgangs „Early Life Care“ mit, einem Kooperationsprojekt von Paracelsus Universität und St. Virgil Salzburg. Im vergangenen Jahr übernahm er die Leitung und den Lehrstuhl des neu gegründeten Instituts für Early Life Care an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg. Am 31. Mai 2017 um 19 Uhr hält Karl Heinz Brisch seine Antrittsvorlesung an der Paracelsus Universität (Haus A, HS 1, Strubergasse 21, 5020 Salzburg).

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Vielfältige Gestaltungsvarianten

Das Messe- und Kongresszentrum Salzburg punktet durch eine moderne Architektur, eine durchdachte Infrastruktur sowie zukunftsweisende Technik. Ob Messen, Firmen- oder Show-Events: Die 10 ringförmig angeordneten Hallen mit 36.712 m2 Ausstellungsfläche, die Salzburgarena und der Kongressbereich stehen für Veranstaltungen jeder Art zur Verfügung und bieten für Kongresse und Kongressmessen mit bis zu 5.000 Teilnehmern optimale Rahmenbedingungen.

Wir freuen uns auf Ihre Anfrage: kongresse@messezentrum-salzburg.at

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www.messezentrum-salzburg.at

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Update

Eingeimpftes Denken Der Zeitgeist gibt der Impfskepsis – die eine überaus bemerkenswerte Geschichte hat – neue Nahrung. Das Comeback der Masern ruft aber auch immer mehr Befürworter einer Impfpflicht auf den Plan. Autor: Andreas Aichinger • Foto: iStock

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ndreas Hofer, Mahatma Gandhi und Donald Trump haben etwas gemeinsam: Sie alle waren oder sind Impfskeptiker, teils sogar deklarierte Impfgegner. Der Tiroler Freiheitskämpfer und seine Getreuen etwa wehrten sich vehement gegen die von den bayerischen Besatzern zu Beginn des 19. Jahrhunderts eingeführte Pocken-Impfpflicht. Den Tiroler Seelen solle so „bayerisches Denken“ eingeimpft werden, so die damalige Befürchtung. Für den pazifistischen Revolutionär Gandhi stellten Impfungen gar eine „barbarische Praxis“ dar. Und der neue US-Präsident sorgte bereits 2014 mit einer seiner berühmt-berüchtigten Twitter-Botschaften für Aufsehen. Trump damals: „Healthy young child goes to doctor, gets pumped with massive shot of many vaccines, doesn‘t feel good and changes – AUTISM. Many such cases!” Ein Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus konnte aber tatsächlich längst wissenschaftlich widerlegt werden. Erfolgsstory Pockenausrottung. Die Geschichte der Impfskepsis ist so alt wie die Impfungen selbst. Nur wenige Jahre, nachdem der englische Landarzt Edward Jenner Ende des 18. Jahrhunderts die moderne Schutzimpfung gegen Pocken

entwickelt hatte, wurden höhnische Illustrationen auf Flugblättern verteilt, in denen die neue Methode als riesiges Monster dargestellt wurde. 1885 gingen im englischen Leicester 100.000 Menschen auf die Straße, um gegen die Pockenimpfung zu demonstrieren. Ein Abbild Jenners, in Form einer Puppe, wurde dabei anklagend zur Schau gestellt. Die Erfolgsgeschichte der aktiven Immunisierung war dennoch nicht aufzuhalten: 1980 konnte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Welt für pockenfrei erklären. Die Krankheit, die etwa ab dem 18. Jahrhundert die Pest als schlimmste Infektionskrankheit abgelöst hatte und der Millionen Menschen zum Opfer gefallen waren, war somit keine Gefahr mehr. Was hingegen bis heute nicht ausgerottet werden konnte, sind irrationale und unwissenschaftliche Einwände gegen das Impfen.

der bekanntesten Beispiele. Manchmal ist die Kritik esoterisch oder pseudowissenschaftlich. Und manchmal sogar lächerlich. So wie aus dem Mund der Schweizer Heilpraktikerin und Homöopathin Zita Schwyter, die Mitte Februar in der Toggenburger Zeitung eine besondere Befürchtung äußerte: Geimpfte Kinder könnten demnach plötzlich eine Vorliebe für das Masturbieren entwickeln … Dennoch muss dringend differenziert werden. Pamela Rendi-Wagner, Sektionsleiterin im Gesundheitsministerium und zuständig für Public Health, gab in einem Interview mit dem Standard folgende Einschätzung: „Nur vier Prozent sind richtige Impfgegner, etwa 40 Prozent sind skeptisch.“ Impfskepsis und Impfmüdigkeit jedoch kann mit guten Argumenten durchaus begegnet werden. Und oft hilft schon ein Hinweis auf das klassische Impfdilemma:

Impfmythen halten sich. Eine Welt, in der Fake News Hochkonjunktur haben und in der Horoskope, Homöopathie, Schüßler-Salze und Bach-Blüten bestens gedeihen, ist nach wie vor empfänglich für gefährliche Impfmythen aller Art. Die Sache mit dem Autismus ist da nur eines

Masern im Vormarsch. Wurde eine Krankheit gerade durch einen Impfstoff erfolgreich zurückgedrängt, so wird sie aufgrund ihres seltenen Auftretens ger-

Das Robert Koch Institut präsentiert 20 der häufigsten Einwände gegen das Impfen samt fundierten Gegenargumenten im Internet: www.rki.de/DE/Content/Infekt/ Impfen/Bedeutung/Schutzimpfungen_20_Einwaende.html

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1885 gingen im englischen Leicester sage und schreibe 100.000 Menschen auf die Straße, um gegen die Pockenimpfung zu demonstrieren. ne unterschätzt. Zudem ist natürlich jede Impfung spezifisch zu betrachten. Immerhin bestehen zwischen den unterschiedlichen Schutzimpfungen und ihren Indikationen teils erhebliche Unterschiede. Während Immunisierungen wie jene gegen FSME „nur“ einen einzelnen Menschen schützen sollen, sind andere wegen der erheblichen Ansteckungsgefahr auch für die öffentliche Gesundheit unverzichtbar. Das aktuell brennendste Beispiel dafür ist die (Kombinations-)Schutzimpfung gegen Masern: Um der als „Kinderkrankheit“ verharmlosten und potenziell lebensbedrohlichen Infektionskrankheit den Garaus machen zu können, hat die WHO eine Masern-Durchimpfung von 95 Prozent aller Europäer als Zielvorgabe definiert. Tatsächlich erreicht Österreich aber im besten Fall einen Wert von 87 Prozent. Über sechs Prozent der Zweibis Fünfjährigen (20.000 Kinder) hingegen sind gar nicht geimpft, weitere zehn Prozent (rund 39.000 Kleinkinder und 37.000 Schulkinder) kein zweites Mal. „Das reicht nach wie vor nicht aus, um Masern in Österreich auszurotten“, warnte die kürzlich verstorbene Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser im Vorjahr. Landesweit wurden zwischen 1. Jänner und 20. Februar 2017 bereits 55 Masernfälle gezählt – mehr als im gesamten Jahr 2016. Kein Wunder also, dass die Debatte über regulative Gegenstrategien voll entbrannt ist: Pflicht oder Kür? In der Steiermark gibt es konkrete Bestrebungen, Beschäftigte

in Landesspitälern – besonders wenn sie in „sensiblen“ Bereichen arbeiten – gegen Masern durchimpfen zu lassen. Für Neuanstellungen existiert bereits eine entsprechende Richtlinie. Auch Rudolf Schmitzberger, Impfreferent der Österreichischen Ärztekammer, befürwortete zuletzt eine Impfpflicht für ärztliches Personal. „Wer für sein Kind einen Platz in einem öffentlichen Kindergarten oder einer öffentlichen Schule will, muss die empfohlenen Impfungen nachweisen können“, fordern wiederum die NEOS in Wien. Auch Volksanwalt Günther Kräuter sieht die Notwendigkeit für eine Impfpflicht gegen Masern in Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen. Denn: „Die Aufrufe, Werbe- und Aufklärungskampagnen der Gesundheitspolitik führen nicht zum Ziel.“ Ein verpflichtendes Impfgespräch wäre ausreichend, meinen manche. Eine Impfpflicht gleiche der bereits existenten Verpflichtung, eine KFZ-Haftpflichtversicherung abzuschließen, geben andere zu bedenken. Immerhin würde das Schutzinteresse der Allgemeinheit die Freiheit einzelner bei weitem überwiegen. Fakt ist: Schutzimpfungen gehören unzweifelhaft zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die der modernen Medizin zur Verfügung stehen. Und nicht zu vergessen: Auch Impfskeptiker sind oft nicht immun – nämlich gegen gute, fundierte und überzeugend vorgetragene Argumente. • Schutzimpfungen gehören unzweifelhaft zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die der modernen Medizin zur Verfügung stehen.

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Research

Die Zeit für „Nadelorgien“ läuft ab: die Diabetiker werden gerne darauf verzichten. Den Forschern sei gedankt.

Urlaub für die Finger F

ür Typ-1-Diabetiker gehört es zur tagtäglichen Routine: Vier- bis fünfmal am Tag messen sie ihren Blutzucker durch einen Nadelstich in einen Finger. In zehn Jahren kommen so rasch mehr als 15.000 schmerzhafte Piekser zusammen. Raimund Weitgasser, Leiter des Kompetenz-Zentrums Diabetes der Salzburger Privatklinik Wehrle-Diakonissen, weiß um die große Herausforderung im Alltag. Weitgasser: „Zum Leben mit Diabetes gehört neben der Berücksichtigung von LebensstilMaßnahmen der tägliche Fingerstich zur Blutzuckermessung. Bei Patienten mit Insulintherapie sind diese Blutzuckerwerte essenzieller Bestandteil des Behandlungsregimes und notwendig für die tägliche selbstständige Anpassung der Insulindosis.“ Aber auch bei Diabetespatienten ohne Insulintherapie (also Typ-2- oder „Altersdiabetes“) sei die „Darstellung und Besprechung von Blut-

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Neue Blutzucker-Messmethoden sollen das Leben von Diabetikern leichter und sicherer machen. Auch dank der Forschungsergebnisse eines Salzburgers. Autor: Andreas Aichinger Foto: Shutterstock

zuckerprofilen“ gleichermaßen wichtig für Therapiekontrolle und Motivation, erklärt Weitgasser. Die Vorgeschichte ist bekannt: Erst seit Ende der 70er-Jahre können Blutzuckerwerte gemessen werden, und zwar anfangs nur mit Hilfe breiter Lanzetten zur Blutgewinnung und auch nur in Labors und Krankenhaus-Ambulanzen. Erst der technische Fortschritt ermöglichte zusehends mobile Geräte, die auch mit kleinen Bluttröpfchen das Auslangen fanden und erstmals eine Selbstkontrolle erlaubten. „Die Durchführung und Dokumen-

tation solcher Blutzuckermessungen in Form von Tagesprofilen lässt eine recht gute Beurteilung in Bezug auf die laufende Behandlung zu“, weiß Weitgasser. Doch „recht gut“ ist häufig einfach nicht gut genug. Stichprobenartige Messungen können nämlich die Tagesschwankungen des Blutzuckerspiegels oft nur ungenügend abbilden. Weitgasser: „Zur Beurteilung von Verläufen und Mustern wäre eine kontinuierliche Messung und Aufzeichnung dieser Werte nötig.“ Tatsächlich wird seit Jahren an derartigen Systemen auf Basis von Glukosesensoren gearbeitet. Weitgasser in „Lancet“. Doch es gibt noch ein weiteres Problem: die Gefahr der Unterzuckerung. Diese Hypoglykämien können zu schweren Komplikationen führen und sind vor allem in der Nacht eine Gefahr für Typ-1-Zuckerkranke. Genau hier setzt eine aktuelle und

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im renommierten Fachmagazin Lancet publizierte Studie an. Darin halten die Autoren – darunter Raimund Weitgasser, der auch an der Paracelsus Universität lehrt und forscht – fest, dass 30 bis 40 Prozent der 239 untersuchten Typ-1-Diabetiker pro Jahr eine bis drei schwere Hypoglykämie-Episoden hatten. Das zentrale Fazit der Studie: Mit einem neuen 14-Tage-Monitoringsystem lassen sich diese UnterzuckerungsPhasen deutlich reduzieren. Konkret wird bei diesem Monitoring-System eine 0,4 Millimeter dünne Fasernadel schmerzlos in das Unterhautgewebe gestochen, wo sie dann für bis zu zwei Wochen als Sensor verbleibt. Darüber auf der Haut – meist auf dem Oberarm – klebt ein dünner Transmitter, der die Werte des laufend gemessenen Gewebezuckers an ein Lesegerät oder Smartphone übermittelt. Flash Glucose Monitoring. Die so ermittelten Werte erlauben mit ein paar Minuten Verzögerung (da der Zucker nicht gleich in der Gewebeflüssigkeit ankommt) sehr gute und klinisch verwendbare Rückschlüsse auf den Blutzucker, erklärt Weitgasser. In den letzten Jahren wurden verschiedene derartige Glukosesensor-Systeme entwickelt, wobei vor allem zwei Haupttypen zu unterscheiden sind: einerseits das „Flash Glucose Monitoring“ (FGM) und andererseits das „Continuous Glucose Monitoring“ (CGM). Das in der Studie verwendete „Freestyle-Libre“-System von Abbott gehört zur ersteren Gruppe. Bei diesem FGM-System ist es notwendig, den Sensor mit dem Lesegerät aktiv zu scannen, um ihn zu aktivieren und damit den gemessenen Blutzuckerwert am Display darzustellen. Gleichzeitig wird ein Profil über die vergangenen acht Stunden angezeigt, das Muster und Verläufe der Werte anschaulich sichtbar macht. Unter anderem konnte so in der Studie gezeigt werden, dass sich die tägliche Zeit mit Anzeichen von Unterzuckerung durch das moderne Monitoring-System um 38 Prozent verringern ließ – und zwar im Vergleich zur klassischen Messung mit Teststreifen.

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Continuous Glucose Monitoring. Die zweite Gruppe, zu der Systeme wie das „Dexcom G4/G5“ oder das „Medtronic Enlite“ gehören, misst hingegen sogar kontinuierlich und gibt die Glukosewerte laufend und automatisch an das Lesegerät ab. Ein weiterer Vorteil dieser CGM-Systeme ist ihr integriertes Alarmsystem, das bei Messergebnissen über oder unter einem vorab definierten Grenzwert selbsttätig akustisch warnt. CGM-Systeme eignen sich besonders für Zuckerkranke mit stark schwankendem Blutzuckerspiegel oder mit signifikant wechselnden Tagesabläufen in Beruf und Sport. Aber auch der nächste Entwicklungsschritt ist längst am Markt: unter der Haut getragene Implantatsensoren wie das CGM-System „Eversense“ (Senseonics), das von Roche vertrieben wird. Top: Der 20 Millimeter kleine Sensor kann bis zu 90 Tage unter der Haut verbleiben. Die blutigen Nadelorgien könnten also tatsächlich schon bald der Vergangenheit angehören. •

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Braukunst auf höchster Stufe.


Research

Am Anfang steht die richtige Frage Das Salzburger Clinical Research Center ist eines der ersten Beratungszentren für klinische Studien in Österreich. Ohne klinische Studien gäbe es keinen medizinischen Fortschritt – das „Gewusst wie“ entscheidet. Autorin: Ilse Spadlinek • Fotos: iStock, Paracelsus Uni

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Research

Klinische Studien dienen vor allem dazu, neue Behandlungsmethoden zu untersuchen und die Wirksamkeit von Medikamenten und Medizinprodukten vor deren Zulassung zu prüfen.

hatte sich diese Gruppe trotz der kurzen Behandlungsdauer beinahe vollständig wieder erholt. Es war die revolutionäre Vorgehensweise, die James Lind weltberühmt gemacht hat – noch heute erinnert alljährlich der 20. Mai als „Tag der Klinischen Forschung“ (Clinical Trials Day) an ihn und sein Experiment – als erste bekannte und dokumentierte medizinische Interventionsstudie in der Geschichte der Medizin.

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Aufwändige Rahmenbedingungen. „Mit der Durchführung Klinischer Studien sind ja nicht nur Ärzte oder Ärztinnen, Wissenschafter und Datenmanager betraut. Mit im Team sind auch so genannte Study Nurses und Study Coordinators, wichtige Vertrauenspersonen für Patientinnen und Patienten“, erklärt Florian Lagler. Bei klinischen Studien sorgt ein umfangreiches Regelwerk für die Sicherheit der Teilnehmer, jede Studie muss von Ethikkommissionen genehmigt und durch Publikation in einer Fachzeitschrift öffentlich gemacht werden. „Wir forschen aber nicht, um Publikationen zu erstellen, sondern um klinische Probleme besser lösen zu können. Am Anfang steht die richtige Fragestellung, das Studiendesign ist dann entsprechend festzulegen. Aussagekräftig ist eine Studien nur dann, wenn das methodische Vorgehen eine zuverlässige Beantwortung der Fragestellung sicherstellt.“ Die Gültigkeit einer solchen Aussage zu erkennen, das ist aber auch für den nicht speziell in die Materie eingeführten Arzt oder die Ärztin sehr schwierig. Daher lernen die interessierten Teilnehmer in den Kursen und Workshops des CRCS nicht nur wie man Studien plant, erstellt und sich an ethische Richtlinien hält, sondern vor allem, wie man sie kritisch analysiert. Studie Komplementärmedizin. Als Beispiel für eine „nicht interventionelle“ Studie nennt das Studienzentrum am Universitätsklinikum Nürnberg der Paracelsus Universität das große Projekt

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u Zeiten des schottischen Schiffsarztes James Lind im 18. Jahrhundert starben Tausende Seeleute auf hoher See an einer schrecklichen Krankheit – an Skorbut. Lind vermutete „Fäulnis im Körper“ und plante, säurehaltige Nahrungszusätze auf ihre Wirkung dagegen zu testen. Am 20. Mai 1747 startete er ein Experiment: Er teilte 12 Skorbutpatienten in sechs Gruppen zu je zwei Matrosen ein, denen er zur Tagesration jeweils Zitrusfrüchte, Apfelwein, Essig, Schwefelsäure, Gewürzpaste und Meerwasser verabreichte. Obwohl der Vorrat an Orangen und Zitronen nach wenigen Tagen zu Ende war,

Wirksamkeit und Sicherheit. Grundsätzlich gelten diese Prinzipien, wesentlich komplexer und verfeinert, immer noch. Klinische Studien dienen heute vor allem dazu, neue Behandlungsmethoden zu untersuchen und die Wirksamkeit von Medikamenten oder Medizinprodukten vor deren Zulassung zu prüfen. Wie zum Beispiel das EU-Projekt „LENA“ mit dem Ziel, für herzkranke Kinder vom Neugeborenen bis zum Jugendlichen, eine sichere und altersentsprechende Darreichungsform des Medikaments Enalapril zu entwickeln. Das Problem war bisher die genaue Dosierung – Minitabletten mit nur 2mm Durchmesser und einer sehr geringen Menge Wirkstoff könnten die Lösung bringen. „Wir haben das Studiendesign und das Datenmanagement für diese multizentrische Studie mit Studienpartnern in Wien, Budapest, London und der Projektkoordination an der Universität Düsseldorf übernommen“, sagt Florian Lagler. Der Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde leitet das Clinical Research Center Salzburg (CRCS), das 2007 gegründet wurde und je zur Hälfte den Salzburger Landeskliniken und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität gehört. Hier wird Forschenden Beratung, Unterstüt-

zung und ein umfangreiches Aus- und Weiterbildungsprogramm in Kursen und Workshops angeboten.


Research

Wir forschen nicht, um Publikationen zu erstellen, sondern um klinische Probleme besser lösen zu können. Priv.-Doz. Dr. Florian Lagler, Leiter des Clinical Research Centers Salzburg

• Als „Goldstandard“ eines Studiendesigns gilt aufgrund ihrer Eigenschaften die randomisiert kontrollierte Studie, die auch am häufigsten angewendet wird. • Randomisiert = per Zufall ausgewählt • Versuchsgruppe = die Probandengruppe, welche einen Wirkstoff bekommt • Kontrollgruppe = Vergleichsgruppe, bekommt Placebo (oder anderen Wirkstoff) • Verblindet = die Probanden wissen nicht, welcher Gruppe sie angehören • Doppelt verblindet = auch der Versuchsleiter weiß es nicht

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Die klinische Prüfung von Arzneimitteln untersucht die Wirkungen und Nebenwirkungen sowie die Verträglichkeit.

„Komplementärmedizin in der Onkologie“. Für krebskranke Patienten spielt die Komplementärmedizin oft eine wichtige Rolle, die wissenschaftliche Datenlage auf diesem Gebiet lässt jedoch sehr zu wünschen übrig. Das Wissen über Komplementärmedizin in der Krebstherapie und über die gegenwärtige Versorgungspraxis in Deutschland wird nun gesammelt, wissenschaftlich bewertet und ein Kompetenznetz eingerichtet. Die Onkologie am Klinikum Nürnberg hat die Studienleitung für dieses Projekt übernommen – ein Ziel ist es auch, Informations- und Beratungsmöglichkeiten für Experten und Patienten aufzubauen, wovon man sicher auch in Österreich profitieren wird. Derzeit werden über 200 klinische Studien der verschiedenen Salzburger Universitätskliniken vom CRCS koordiniert, nicht eingerechnet 86 offene Studienprotokolle an der Onkologie, wo allein das Krebsforschungszentrum in den vergangenen 12 Jahren 551 klinische Studienleistungen erbracht hat. Die Konkurrenz ist groß, weltweit werben Universitäten und Kliniken um die Forschungsbudgets

der Industrie und versuchen, mit schnellen Verfahren oder guter Infrastruktur zu punkten. Neues Genehmigungsverfahren. Eine neue EU-Verordnung könnte sich für das „kleine Studienland“ Österreich günstig auswirken: Arzneimittelprüfungen sollen in Zukunft zentral bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) eingereicht und genehmigt werden, „anstelle der vielen nationalen Anträge, die derzeit für eine internationale multizentrische Studie nötig sind. Dann wird es vor allem von der Qualität des einzelnen Studienzentrums und nicht mehr so sehr von der Größe des Landes abhängen, ob man zum Zug kommt“, ist Lagler überzeugt. Und noch etwas soll die neue EU-Regelung bringen: mehr Transparenz. Alle Prozesse und Daten rund um klinische Studien werden in einem EMA-Webportal für Fachleute abgebildet und auch für Laien verständlich zusammengefasst. Ein schwieriges Vorhaben, aber bereits Ende 2018 soll es so weit sein. Bis dahin lohnt vielleicht ein erster Blick auf ein kleines „Studien-Einmaleins“ auf dieser Seite. •

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Update

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Alumni

Katrin Sickau beim Einsatz auf den Philippinen, wo sie arme Menschen in den Slums medizinisch versorgte.

Mission Menschlichkeit Katrin Sickau absolviert derzeit ihre Facharztausbildung für Innere Medizin an der Salzburger Uniklinik für Geriatrie. Dankbar für ihre erfüllende Arbeit und ihr „privilegiertes Leben“ hilft sie bei Auslandseinsätzen bedürftigen Menschen in Slums. Autorin: Sabine Ritzinger • Fotos: privat

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ch bin von meiner Arbeit hier absolut erfüllt. Die Geratrie ist das Fach der Zukunft und ich habe Zeit, meine Patienten und ihre Angehörigen rundum und ohne Zeitdruck zu betreuen“, schwärmt Katrin Sickau, Assistenzärztin an der Universitätsklinik für Geriatrie an der Christian-Doppler-Klinik in Salzburg. Sie arbeitet noch nicht lange hier: Bis vor kurzem bestritt die Absolventin der Paracelsus Universität ihre Facharztausbildung in Innerer Medizin am Krankenhaus Oberndorf. Die Vorstellung, Patienten länger begleiten zu können, weckte den Wunsch nach Veränderung. Mensch im Mittelpunkt. Und so wechselte die junge Ärztin an die Geriatrie

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am Universitätsklinikum Salzburg unter Primar Prof. Bernhard Iglseder, wo ihr Wunsch erfüllt wurde: Hier hat sie Zeit für die Untersuchung und Abklärung, für die medizinische und soziale Betreuung von Patienten – und sie kann sich auch deren Angehörigen und der Frage widmen: Wie geht es für den Menschen nach dem Klinikaufenthalt weiter? „Im Umfeld eines großen Universitätsklinikums stehen uns Ärzten zudem mehr infrastrukturelle Möglichkeiten zur Verfügung, es gibt klare Leitlinien und die Zusammenarbeit mit den anderen Abteilungen ist sehr intensiv.“ Die „aufwändigen“ Krankheitsbilder machten die Arbeit spannend und die vielen Ausbildungsmöglichkeiten gäben ihr Möglichkeiten, „sich zu entfalten“.

Aufgewachsen im deutschen Landshut, entstammt sie keiner Medizinerdynastie, sondern einer aus Lehrern und Beamten. Ihr Bruder ist Pharmazeut und sie die erste Medizinerin in der Familie. „Und so sorgte mein Studien- und Berufswunsch wohl eher für Verwunderung. Dabei wollte ich bereits als Kind Ärztin werden und armen Kindern in Afrika helfen“, erzählt Katrin Sickau. Sie verfolgte ihr Ziel konsequent,

Als europäischer Arzt sollte es man sich leisten können, auf eigene Kosten den Ärmsten dieser Welt zu helfen. 1/2017 ParacelsusToday


Alumni

Man verändert bei den Hilfseinsätzen für Arme nicht die Welt, aber die Welt des einzelnen Patienten. Dr. Katrin Sickau, Assistenzärztin an der Salzburger Universitätsklinik für Geriatrie

absolvierte eine zweijährige Ausbildung zur Rettungssanitäterin und arbeitete vier Wochen mit einer deutschen Ärztin zusammen in einem Buschkrankenhaus in Ghana. Dieses Praktikum musste sie allerdings vorzeitig abbrechen, weil ihr die Zusage für einen Studienplatz an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg dazwischenkam. Turnus als Wegweiser. „Da ich keinen Studienplatz in Bayern erhielt, habe ich mich an der Paracelsus Universität und an der Medizinischen Universität in Wien beworben“, sagt Sickau. Die Wahl der Naturverbundenen fiel schließlich auf Salzburg. Das Medizinstudium sei kompakt und anstrengend gewesen, mit “wenig Zeit zum Durchschnaufen“, doch Highlights waren für sie vor allem die gute Gemeinschaft mit den Studienkollegen und das Forschungstrimester am Institut für Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinkums Salzburg unter Leiter Markus Hell. „Ich hatte während des Studiums Interessen – wie die Infektiologie –, aber noch keine Idee, in welche Disziplin ich gehen möchte. Deshalb entschloss ich mich, den Turnus in Allgemeinmedizin zu absolvieren und so in verschiedene Fächer hineinzuschnuppern.“ Als sie den Turnus 2015 beendete, schloss sie die Facharztausbildung für Innere Medizin am Krankenhaus Oberndorf an. Hilfsmission. Nun war auch ihr Kindheitstraum, Menschen in Entwicklungsländern helfen zu wollen, wieder akut geworden. Die Assistenzärztin bewarb sich bei den German Doctors für einen medizinischen Einsatz in Entwicklungsländern. Und im November 2015 war es

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schließlich so weit: Abflug auf die Philippinen, um dort arme Menschen in den Slums medizinisch zu versorgen. „Wir waren mit einem Jeep und vielen Kisten voller Medikamente, Wundversorgungsequipment und Nahrungsmitteln für Kinder unterwegs, ein Tisch diente als Behelfsordination“, erinnert sich die Ärztin. Und findet es nach wie vor erstaunlich, mit welch einfachen medizinischen Mitteln und ohne Geräte man so viel bewirken kann – zum Beispiel bei Infektionen. Einsatz mit Herz. So belastend der humanitäre Einsatz auch war, sowohl körperlich als auch mental: Durch die Lebensfreude der armen Menschen und ihre Dankbarkeit sei so vieles zurückgekommen. „Man verändert zwar nicht die Welt, jedoch die Welt des einzelnen Patienten“, freut sich Sickau. Es waren immerhin hundert Patienten, die sie mit einem Ärzteteam täglich behandelte. Und weil sie um ihr “privilegiertes Leben” weiß und etwas an Bedürftige weitergeben will, steht auch schon der nächste humanitäre Einsatz bevor: Im September 2017 geht es nach Nairobi, wo sie gemeinsam mit fünf Ärzten aus verschiedenen Disziplinen im größten Slum der Stadt tätig werden wird. Schwerpunkt ist die Behandlung von Tuberkulose, Aids und Unterernährung. “Obwohl ich noch nicht lange an der Geriatrie bin und für zwei Monate ausfallen werde, hat Klinikvorstand Bernhard Iglseder viel Verständnis für mein – vorsichtig vorgetragenes – Ansinnen gezeigt und stellt mich frei”, erzählt sie mit einem Strahlen. Bergfex und Musikerin. Vor der nächsten Reise im Zeichen der Nächstenlie-

In der Natur findet Katrin Sickau den „Ausgleich zur Beschäftigung mit Krankheiten“.

be bleibt noch ein bisschen Zeit, unter anderem für die liebsten Hobbies: “Ich bin gerne in den Bergen unterwegs und entspanne beim Bergsteigen, Mountainbiken und Klettern.” Neben ihrer Leidenschaft für die Natur lebt Sickau in ihrer Freizeit auch jene zur Musik aus: beim Geigespielen im Uniorchester Salzburg und als Mitglied der Kirchenmusik der Franziskanerkirche Salzburg. Das bräuchte sie “als Ausgleich zur täglichen Beschäftigung mit Krankheiten”. Den seelischen Support erhält die gebürtige Landshuterin von ihrer Familie. “Sie unterstützt mich in all meinen Wegen – wenn auch mit Sorge, sobald es mich wieder einmal in gefährliche Gebiete zieht”, erklärt die Frau, die Mut und Herz in sich vereint. •

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Education

Horizont-

Erweiterungen Beim Bachelorstudium Pflegewissenschaft 2in1-Modell steht auch ein attraktives Auslandspraktikum auf dem Stundenplan. Die Erfahrungen sind rundum positiv. Autor: Andreas Aichinger • Foto: privat

Eintauchen in eine oft völlig andere Welt, eine andere Kultur und deren Pflegealltag ist eine unschätzbare Erfahrung für die Pflege-Studierenden der Paracelsus Universität. Im Bild Florian Lang (links) und Tobias Hochwagen.

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ch habe mein Auslandspraktikum gemeinsam mit vier Studienkollegen an der University of Indonesia in Jakarta absolviert“, erzählt Andreas Malzer zufrieden. Im vergangenen Oktober hatte der Paracelsus-Studiosus die Gelegenheit bekommen, im Rahmen des Bachelorstudiums Pflegewissenschaft 2in1-Modell einige Wochen in der indonesischen Hauptstadt zu verbringen. Unter anderem konnten sich die Studierenden aus Salzburg dabei in einem allgemeinen Krankenhaus, in einem Altenpflegeheim („eine Erfahrung, die mich besonders beeindruckt hat“) und einem der in Ja-

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karta häufig anzutreffenden Primärversorgungszentren ein Bild von der Arbeit der Pfleger und Pflegerinnen machen Andreas Malzers Fazit: „Mir hat an diesem Praktikum besonders gefallen, dass wir sehr viele Möglichkeiten zum gegenseitigen Austausch sowohl mit Studierenden als auch mit Lehrkräften hatten.“ Attraktive Partner. Generell bietet das im 5. oder 6. Studiensemester verpflichtende Praktikum eine Vielzahl an Möglichkeiten. Neben der Praxis in einer an die Hochschule angeschlossenen Klinik oder extramuralen Pflegeeinrichtung

können die Studierenden auch andere Chancen nutzen, etwa an Lehrveranstaltungen teilnehmen oder Forschungsprojekte kennenlernen. Zusätzlich müssen die sie einer selbstgewählten pflegerelevanten Fragestellung nachgehen, die anhand wissenschaftsbasierter Literatur beantwortet werden muss. Generell sollen interkulturelle Kompetenzen und Wissen über andere Pflegeausbildungsund Gesundheitsversorgungssysteme erworben werden. Aktuell bestehen Kooperationen mit Studiengängen der Pflege und Pflegewissenschaft (Schools of Nursing), unter anderem der University of North Florida, der Old Dominion University (Virginia), der Brock University Ontario (Kanada), der University of Adelaide in Australien, der Khon Kaen University (Bangkok, Thailand) oder der University of Stirling in Schottland. Pflegealltag im Ausland. Die Dauer der Praktika beträgt zwei bis vier Wochen, wobei die Studierenden in der Regel zwei Wochen auf das eigentliche Praktikum verwenden und die anderen beiden Wochen für die Bearbeitung des Berichtes nützen. Oder aber auch, um das jeweilige Land besser kennenzulernen. Im Studienjahr 2015/16 sind 87 Studierende des Bachelorstudiums Pflegewissenschaft 2in1 Modell ins Ausland gegangen, 2016/17 werden es bereits 108 sein. „Das Auslandspraktikum bietet die Möglichkeit, wenigstens kurz in eine andere Kultur und deren Pflegealltag einzutauchen, eine Sensibilität für das Fremde zu entwickeln und den eigenen Horizont zu erweitern“, unterstreicht Susanna Holzer die Bedeutung für die Studierenden. Holzer, die am Institut für Pflegewissenschaft und -praxis als Koordinatorin für internationale Kooperationen und Studierendenaustausch fungiert: „Wir leben in einer multikulturellen Zeit, in der Arbeitgeber der Auslandserfahrung immer mehr Bedeutung beimessen.“ Und auf Seiten der Studierenden, die das Auslandspraktikum bereits absolviert haben, ist ein anderer Satz immer wieder zu hören: „Es war eine einzigartige Erfahrung, die wir nicht missen wollen.“ •

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Update

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„This is no humbug!“ Ein 170. Geburtstag, eine Eisenhammer-Methode, und sogar Paracelsus mischt mit: Die Geschichte der Anästhesie ist spannend wie ein Krimi. Autor: Andreas Aichinger • Fotos: Shutterstock, iStock, Paracelsus Uni/wildbild

„G

entlemen, this is no humbug!“ ruft John Collins Warren begeistert. Warren, einer der anerkanntesten US-amerikanischen Chirurgen seiner Zeit, war soeben Zeuge eines bedeutenden Ereignisses der Medizingeschichte geworden: Der Zahnarzt William Thomas Green Morton hatte vor Ärzten und Studenten der Harvard University einen 20-jährigen Buchdrucker mit Blutschwämmchen am Hals erfolgreich operiert. Und zwar, nachdem dieser durch das Einatmen von Diethylether-Dämpfen anästhesiert worden war. Wir schreiben den 16. Oktober 1846. Nach dem Eingriff gab der Patient an, sich an nichts zu erinnern und kei-

ne Schmerzen zu haben. Ein weiterer im Bostoner Massachusetts General Hospital anwesender Chirurg, Henry Jacob Bigelow, erkannte rasch die Tragweite des Geschehens:

Der 24. Januar wird noch heute als „Ether Day“ gefeiert, im Vorjahr zum 170. Mal. „Heute habe ich etwas gesehen, das um die Welt gehen wird.“ Tatsächlich sorgte Bigelow mit einem Fachvortrag und den darauf basierenden Berichten in Tageszeitungen selbst für die rasante

Verbreitung der medizinischen Sensation. Bereits am 24. Januar 1847 wurde die Äthernarkose in Leipzig angewendet, drei Tage später an der Zweiten Chirurgischen Universitätsklinik in Wien, wo der niederösterreichische Arzt Franz Schuh – nach Versuchen an Tieren – unter Äthernarkose eine Amputation durchführte. Der Tag der Premiere in Boston jedoch gilt als Geburtsstunde der modernen Allgemeinanästhesie. Er wird noch heute als „Ether Day“ gefeiert, im Vorjahr zum 170. Mal. Der historische Saal wiederum ist heute als „Ether Dome“ bekannt. Die Sache mit dem Humbug-Sager soll übrigens mit einem gescheiterten Versuch des Jahres 1845 am selben Ort zu tun haben: Als die Gabe von Lachgas nicht zum Erfolg geführt und ein Patient während des Zahnziehens vor Schmerzen gebrüllt hatte, quittierte das Auditorium das Scheitern mit Hohngelächter. Und eben dem berühmten Wort „Humbug“. Die stillen Helden. Die ganze Wahrheit aber ist eine andere. Denn eigentlich gebühren die Lorbeeren einem anderen: Bereits am 30. März 1842 hatte der US-amerikanische Arzt Crawford Long eine Geschwulst eines Patienten entfernt, während dieser Ätherdämpfe aus

Ein Bild als Zeitzeuge aus dem 19. Jahrhundert. Anästhesiologen und Ärzte bei einer Operation.

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einem getränkten Handtuch inhalierte. Auch dieser Eingriff soll ohne Schmerz erfolgreich verlaufen sein. Long jedoch ließ sich mit einer Veröffentlichung der Ergebnisse zu lange (bis 1849) Zeit und hatte das Nachsehen. Doch damit nicht genug: Schon am 13. Oktober 1804 hatte der japanische Arzt Hanaoka Seishu das Brustdrüsengewebe einer Patientin unter Verwendung eines selbst entwickelten Narkosemittels entfernt. Die isolationistische Ausrichtung des damaligen Japan war aber verantwortlich dafür, dass die westliche Welt davon vorerst nichts erfuhr. Apropos Narkosemittel: Anfangs hatte sogar Äthertag-Hero Morton versucht, seine Substanz durch Beimengung von Parfüm zu verschleiern und durch ein Patent reich zu werden. Erst auf kollegialen Druck hin gab er zu, dass es sich um Diethylether handelt. Der wiederum wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erstmals hergestellt. Bereits um das Jahr 1525 beobachtete Paracelsus höchstpersönlich die einschläfernde Wirkung eines aus Schwefelsäure gewonnenen „süßen Öls“ bei Hühnern. Eis und Schnee. Die Geschichte der Lokalanästhesie hingegen lässt sich in Europa mindestens bis ins Jahr 1646

zurückverfolgen. Der italienische Arzt Marco Aurelio Severino kühlte damals vor einem Eingriff ein Operationsgebiet mit einer Mischung aus Schnee und Eis. Den entscheidenden Durchbruch brachten aber Kokablätter, die im Rahmen der kaiserlich-österreichischen Weltumseglung (1857 bis 1859, „Novara-Expedition“) nach Europa gebracht worden waren. Wie zuvor schon viele Völker Südamerikas bemerkten nun auch die Österreicher Karl von Scherzer, Sigmund Freud und schließlich der Augenarzt Carl Koller die betäubende Wirkung des daraus gewonnenen Kokains. Letzterer – gelegentlich auch „Coca-Koller“ genannt – führte 1884 eine Augenoperation nach Oberflächenanästhesie mit Kokain durch und gilt somit als Begründer der Lokalanästhesie in der Augenheilkunde. Die Spinalanästhesie hingegen, bei der Rückenmarksnerven betäubt werden, wurde erstmals vom deutschen Chirurgen August Bier in Kiel durchgeführt. Von Hodenzug bis Hi-tech. 1898 hatten Bier und sein Assistent August Hildebrandt aneinander wechselseitig Spinalanästhesien durchgeführt. Der Erfolg war klar, als „ein starker Schlag mit einem Eisenhammer gegen das Schien-

Die ultraschall gestützte Regionalanästhesie war der jüngste Meilenstein. Univ.-Prof. Dr. Peter Gerner, Universitätsklinik für Anästhesiologie, perioperative Medizin und allgemeine Intensivmedizin

bein“ und „starkes Drücken und Ziehen am Hoden“ nicht mehr als schmerzhaft empfunden wurde. Einer der jüngsten Meilensteine der Anästhesie-Geschichte schließlich wurden abermals von zwei Österreichern, Stephan Kapral und Peter Marhofer, gesetzt: die ultraschallgestützte Regionalanästhesie, die zielgerichtetes Arbeiten auf Sicht ermöglicht. Für Salzburgs obersten Anästhesisten Peter Gerner war dieses Verfahren „ein echter Durchbruch“ (siehe Interview auf S. 24). Im Medizinischen Simulationszentrum des Clinical Research Center Salzburg (www.crcs.at) hat indes längst die Zukunft begonnen: Am hochmodernen „Human Patient Simulator“ können unter anderem Intensivmediziner, Chirurgen und eben auch Anästhesisten den Ernstfall üben. Und das ist mit Sicherheit kein Humbug. •

Ein Bild als Zeitzeuge aus dem 21. Jahrhundert. In modernen Operationssälen können Patienten mit Narkosemittel in einen leichten Schlaf versetzt und bestens kontrolliert werden.

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Univ.-Prof. Dr. Peter Gerner ist Vorstand der Universitätsklinik für Anästhesiologie, perioperative Medizin und allgemeine Intensivmedizin

Der Weg zur perfekten Blockade Er war im Ether Dome, freut sich über rot-weiß-rote Durchbrüche und steht vor einem Rätsel: Peter Gerner, Vorstand der Salzburger Universitätsklinik für Anästhesiologie, perioperative Medizin und allgemeine Intensivmedizin, im Interview.

ParacelsusToday: Was waren denn aus Ihrer Sicht die wichtigsten Meilensteine in der Geschichte der Anästhesie? Peter Gerner: Die erste offizielle Äthernarkose 1846 war sicher so ein Meilenstein. Ich bin öfter in diesem Ether Dome gesessen, weil dort noch immer Vorlesungen stattfinden. In puncto Lokalanästhesie war es der Wiener Augenarzt Carl Koller, der 1884 erstmals eine Augenoperation nach einer Oberflächenanästhesie mit Kokain durchgeführt hat. August Bier hat schließlich 1898 in Kiel erfolgreich Spinalanästhesien angewen-

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det, also eine rückenmarknahe Form der Regionalanästhesie, welche die untere Körperhälfte schmerzfrei macht. Auch Regionalanästhesien an Arm oder Bein wurden bereits vor Jahrzehnten durchgeführt. Dieses Spritzen in der Nähe der Nerven hat im Großen und Ganzen funktioniert, aber mit einer relativ hohen Fehlerquote, weil man ja die Nerven nicht sehen konnte. Erst die ultraschallgestützte Regionalanästhesie hat das möglich gemacht und war der jüngste wichtige Meilenstein.

ParacelsusToday: Die ultraschallgestützte Regionalanästhesie ist zwei Österreichern zu verdanken. Welche Rolle spielt sie im klinischen Alltag? Peter Gerner: Ja, und zwar Stephan Kapral und Peter Marhofer. Wenn in den letzten 25 Jahren eine Innovation in der Anästhesiologie das tägliche Leben verändert hat, dann diese. Heute sehen wir während der Durchführung der Regionalanästhesie sehr gut Nerven, Gefäße und Muskeln am Monitor und wissen ganz genau, wo das örtliche Betäubungsmittel für eine gezielte Nervenblockade platziert werden muss. Eine Allgemeinanästhesie kann so oft vermieden werden, und nach der OP sind die Patienten weitgehend, oft sogar völlig schmerzfrei. Anwendungsfelder sind primär Eingriffe an den Extremitäten, etwa Schulter-, Hüft- und Knieoperationen, aber auch im Bereich des Oberbauchs und der Lunge. Dazu kommt die Anwendung im Bereich der postoperativen Schmerztherapie. ParacelsusToday: Anästhesie ist ja quasi die Eintrittskarte in die Welt der modernen operativen Medizin. Liegt darin die Faszination Ihres Fachs?

Peter Gerner: Wenn ein Anästhesist etwas macht, beispielsweise ein Narkosemittel verabreicht, dann hat das innerhalb von Sekunden massive Auswirkungen. Falls ein Patient aufhört zu atmen, muss er schnell die entsprechenden Schritte setzen, damit dieser nicht stirbt. Ein berühmtes Beispiel dazu ist der Tod von Michael Jackson. Auch in der Regionalanästhesie sehen wir innerhalb von Minuten, ob eine Blockade perfekt ist oder nicht. Vor allem aber wären viele notwendige Operationen früher ohne entsprechende Anästhesie gar nicht durchführbar gewesen. Die Patienten hätten solche Eingriffe nicht überlebt.

ParacelsusToday: Dennoch gibt es einen Mangel an Anästhesisten und Anästhesistinnen, auch Ihre Klinik ist ja derzeit auf der Suche. Sie können gerne die Werbetrommel rühren … Peter Gerner: Das Spannende an unserem Fach ist, die Medizin als Gesamtes zu überblicken. Ein Querschnittsfach wie unseres lebt von der Zusammenarbeit mit allen anderen Disziplinen. Warum es – übrigens im gesamten deutschsprachigen Raum – einen Anästhesisten-Mangel gibt, ist mir ein Rätsel. Nachdem es im Studium kein verpflichtendes Fach ist und viele es nicht kennen, kommen offenbar viele Studierende gar nicht erst auf die Idee, diesen Weg einzuschlagen. Auch ich selbst wollte eigentlich nicht Anästhesist werden, weil mir das Fach im Studium nie begegnet ist. Als angehender Unfallchirurg mit fixer Ausbildungsstelle musste ich dann allerdings die mir unbekannte Anästhesie als Gegenfach wählen, anfangs durchaus unwillig. Aber dann hat mich die Anästhesie vom ersten Tag an in ihren Bann gezogen. •

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Arzt, Dirigent GoetheFan Er wollte Germanistik studieren, jedoch kein Lehrer werden. Dann eher Physiker, noch besser Atomphysiker. Das ergab sich auch nicht. Er liest Johann Wolfgang von Goethe und gerne Biographien. Und er verbringt viel Zeit in Operationssälen, berufsbedingt als Orthopäde und Chirurg und das mit Freude. Autor: Gottfried Stienen Foto: Paracelsus Uni/wild+team

Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen! Ihr durchstudiert die groß – und kleine Welt, um es am Ende gehn zu lassen, wie`s Gott gefällt. Johann Wolfgang von Goethe, Faust 1, Studierzimmer. (Mephistopheles)

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Very Personal

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homas Freude leitet seit einem Jahr als Primar die Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie am Uniklinikum Salzburg. Keine einfache Aufgabe, schließlich tritt Freude in die ziemlich großen Fußstapfen eines Herbert Resch, über die Landesgrenzen bekannt als hervorragender Unfallchirurg, nun Rektor der Paracelsus Universität. Der Respekt vor seinem Vorgänger ist bei Freude gegeben, doch der gebürtige Bayer geht seinen eigenen Weg. Die täglichen Herausforderungen sind beachtlich, wurde doch die vormalige Klinik für Orthopädie (damaliger Primar Ulrich Dorn) und die Klinik für Unfallchirurgie und Traumatologie zusammengelegt. Mit rund 100 Betten und 46 Ärztinnen und Ärzten in Salzburg, 8 weiteren Betten in der Landesklinik Hallein (eine zugehörige „Unfallambulanz“) und 22 Betten in der Landesklinik St. Veit für die Rehabilitation steht Thomas Freude der größten Fachklinik im Uniklinikum Salzburg vor. Die Fusion dieser beiden Fachrichtungen zu einer Klinik ist dem System in Europa angepasst und Freude steht zu dieser „Zusammenlegung.“ Das mag gar einfacher klingen, als es tatsächlich ist, bedarf es von allen Beteiligten in einem neuen, großen Team Sensibilität und ein bisschen Zeit. Der Chef versucht nicht autoritär zu führen („Das ist nicht zeitgemäß“), sondern will ein Teil einer Entwicklung sein, die ein großartiges Ärzteteam bilden soll und wird. Und mit Nachhaltigkeit. Freude sieht sich dabei nicht als Manager, sondern eher als „Dirigent, der mit sehr guten Solisten arbeitet.“ Der Weg nach Salzburg war für den in der Nähe von Traunstein geborenen

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47jährigen kein direkter, sondern führte über mehrere Stationen. Familiär mit dem ärztlichen Beruf vorbelastet (elterliche Praxis, ein Onkel war Chirurg) arbeitete Freude einige Jahre als Internist an der Klinik in Traunstein, war in Regensburg, an der Klinik rechts der Isar in München und fünf Jahre in Tübingen, ehe er dem Ruf aus Salzburg folgte. Die Attraktivität eines Universitätsklinikums, die unmittelbare Nähe zu seinem Heimatort und vor allem die anspruchsvolle Tätigkeit als Vorstand der Orthopäde zu arbeiten, an der Paracelsus Universität lehren und forschen zu können, lockten Freude. „Salzburg ist eine Destination für Forscher, hier kann man Ideen liefern, diese mit Wissenschaftern umsetzen und sich mit den neuen Herausforderungen in der Orthopädie und Traumatologie auseinandersetzen“, meint Freude mit Blick auf die demographische Entwicklung der Bevölkerung. „Im Jahr 2050 werden 25 Prozent der Menschen hierzulande über 70 Jahre sein.“ Es wird mehr interdisziplinär gearbeitet werden, der Internist, der Chirurg, der Anästhesist, der Physiologe sind gefordert. „Seit Anfang März habe ich auch einen Geriater als Spezialisten im Team“ erläutert Freude. Die Materialforschung für Implantate beispielsweise wird neue Möglichkeiten eröffnen. „Der Patient wird vor einer Operation ausgiebig informiert, die minimal-inversiv operativen Eingriffe ermöglichen den Patienten eine schnellere Mobilisierung nach der Operation, die Rehabilitation wird leichter.“ Thomas Freude liebt seinen Beruf, sein Name ist quasi Verpflichtung. Zwölf Stunden Arbeit oder ein wenig mehr noch, sind gewohnte Praxis und verkraftbar. Die Familie hat dafür Verständnis, „meine Frau ist Chirurgin in

Ich freue mich, dass Univ.Prof. Freude Vorstand der Univ. Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie geworden ist. Mit seiner exzellenten fachlichen Kompetenz und seiner überlegten Art wird er die grossen Aufgaben der Fächerzusammenführung sowie die Eingliederung der Abteilung des KH Hallen gut bewältigen. Prof. Dr. Herbert Resch, Rektor der Paracelsus Universität

Traunstein.“ Das macht`s leichter. Die Aufgabe in Salzburg hätte auch Herkules Spaß bereitet. Leidenschaft und Können („Ich operiere gerne und mache das auch schon lange“), verbunden mit dem Drang neues Wissen zu schaffen, halten Freude in Atem. Neben einer breiten Grundversorgung bietet die Freud(e) sche Klinik spezialisierte Versorgung, etwa Eingriffe an der Wirbelsäule, Hüfte und Becken an. Er wisse natürlich, dass „seine Klinik“ durch Herbert Resch über viele Jahre eine hohe Reputation erlangt habe, internationale Beachtung vor allem im Bereich Schulter. Das jährlich stattfindende Schulterforum Salzburg führt seit vielen Jahren die besten Experten ins Land und „wird natürlich weiterhin von uns organisiert und abgehalten werden. Wir werden dieses Ansehen gerne als Anspruch für die Zukunft nehmen“, meint Freude. Keinesfalls minder ist die Begeisterung von Freude für die Lehre an der Paracelsus Universität. „Wissen weiterzugeben ist Pflicht, ebenso eine gute Lehre zu machen, die Studierenden zu begeistern“, betont der Primar. Salzburg soll ein hoch attraktiver medizinischer Standort in Europa werden. Die Möglichkeiten seien vorhanden, die Lebensqualität hier sei gegeben. In der teils kargen Freizeit fährt Freude gerne Ski, geht in die Berge, hört klassische Musik. Von allem gibt`s in Salzburg genug. Und was macht Goethe? •

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Jetlag – der Zeitzonenkater Autorin: Ute Neubacher-Kürsten • Fotos: iStock, privat

wohl kognitiv als auch körperlich. Meist verschwinden diese subjektiven Beschwerden nach kurzer Zeit, objektiv messbare Symptome wie Körpertemperatur und Hormonstatus passen sich oft erst nach bis zu zwei Wochen an. Der Schweregrad ist individuell sehr unterschiedlich.

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innen kürzester Zeit Tausende Kilometer zurückzulegen und gleichsam am anderen Ende der Welt aus dem Flieger zu steigen, gehört wohl zu jenen technischen Errungenschaften, auf die nur mehr wenige verzichten möchten. Allerdings hat uns diese Möglichkeit der Fortbewegung ein Phänomen beschert: den Jetlag. DIAGNOSE: Jetlag gehört zu den Zirkadianen SchlafWach-Rhythmusstörungen. Nach einer schnellen Reise über mehrere Zeitzonen ist die Innere Uhr mit Sitz im Hypothalamus nicht mehr mit der neuen Ortszeit synchronisiert. Licht und Dunkelheit tre-

ten zu ungewohnten Zeiten auf, der natürliche Rhythmus – Hormonproduktion, Blutdruck, Körpertemperatur sowie Essens- und Schlafzeiten – kommt aus dem Takt. Ein wichtiger Faktor scheint dabei Melatonin zu sein: Es wird bei Dunkelheit vermehrt, bei Licht vermindert freigesetzt. Die Flugrichtung hat erfahrungsgemäß einen Einfluss auf die Ausprägung , meist wird der Jetlag bei einer Reise nach Osten stärker empfunden. SYMPTOME: Die häufigsten Beschwerden sind Einund Durchschlafstörungen, Müdigkeit, aber auch Stimmungsschwankungen und verminderte Leistungsfähigkeit, so-

VORBEUGUNG UND BEHANDLUNG: Es gibt zahlreiche Verhaltensempfehlungen, welche die Anpassung am Zielort erleichtern sollen: zum Beispiel am Tagesrhythmus des Zielorts teilzunehmen, viel Zeit im Freien zu verbringen sowie Alkohol und Schlafmedikamente zu vermeiden. Auch kann versucht werden, die Innere Uhr durch Lichtexposition (Lichtbrillen) an die Zeit anzupassen. Häufig wird auch Melatonin in einer Dosierung von 0,5 bis 5 mg empfohlen, wobei hierbei die Problematik der Wechselwirkungen mit anderen Arzneien, wie Antiepileptika und Antithrombosemitteln, zu berücksichtigen ist (British Med Journal 2006, Efficacy and safety of exogenous melatonin for secondary sleep disorders). Ausreichend Flüssigkeit während des Fluges und spezielle Diäten werden ebenfalls diskutiert. In den ersten Tagen nach einem Fernflug ist es sinnvoll, sich zu schonen. Wegen der mit dem Jetlag einhergehenden Müdigkeit und den Konzentrationsstörungen ist in dieser Zeit insbesondere bei riskanten Tätigkeiten Vorsicht geboten. •

Dr. Ute Neubacher-Kürsten ist Ärztin für Allgemein- und Familienmedizin in Salzburg und Lehrärztin des Instituts für Allge-mein-, Familien- und Präventiv-medizin der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität. Sie besitzt das Diplom für Akupunk- tur/TCM der Österreichischen Ärztekammer und ist Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) und der Salzburger Gesellschaft für Allge-meinmedizin (SAGAM).

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Im Herbst startet das beste Pharmaziestudium Österreichs Gut ausgebildete Pharmazeuten sind die Zukunft im Apothekenbereich. Der Österreichische Apothekerverband fühlt sich seinem Nachwuchs verpflichtet und hat gemeinsam mit der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) ein innovatives Studium der Pharmazie entwickelt. 2017 ist es soweit. „Ich freue mich, dass die PMU das modernste Pharmaziestudium mit einer hohen Ausbildungsqualität und einem starken Praxisbezug anbieten wird. Schließlich ist die Paracelsus Universität vor allem für ihre modernen Lehrmethoden, für ihre hohe Ausbildungsqualität und einen starken Praxisbezug bekannt. Sie ist ein idealer Partner für die Umsetzung eines innovativen Curriculums der Pharmazie“, sagt Vizepräsident Mag. Thomas Veitschegger, der im Präsidium des Österreichischen Apothekerverbands für das PMU-Projekt verantwortlich ist.

wirtschaftlichen Kenntnissen ist ebenfalls ein ganz wesentlicher Bestandteil des Curriculums.

Der Lehrplan des neuen Pharmaziestudiums zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er neben der naturwissenschaftlichen Grundausrichtung auch die Aspekte der Klinischen Pharmazie sowie die Verknüpfung pharmazeutischer Theorie und Praxis berücksichtigt. Die Vermittlung von gesundheitsökonomischen und betriebs-

„Verglichen mit den Curricula der öffentlichen Universitäten zeichnet sich unser Curriculum durch eine viel größere Praxisnähe aus, was natürlich auch der geringeren Studierendenanzahl von 50 pro Jahrgang geschuldet ist. Diese werden verpflichtende Praktika nicht nur in einer öffentlichen Apotheke absolvieren, sondern ebenso in Industrie und Forschung. An den öffentlichen Universitäten gibt es keines dieser drei Praktikumsmodule. Zudem sind wir international hervorragend aufgestellt, fachspezifisches Englisch ist da also ebenfalls unverzichtbar. Ganz wichtig ist darüber hinaus die sozial-kommunikative Kompetenz mit Persönlichkeitsbildung, Kommunikation, Präsentationstechnik und ähnlichen Social Skills“, erklärt Apotheker Priv.-Doz. DDr. Philipp Saiko, der an der Entwicklung des Curriculums maßgeblich beteiligt war.

Mag. Thomas Veitschegger, Vizepräsident des Österreichischen Apothekerverbands

Priv.-Doz. DDr. Philipp Saiko, Apotheker, Vorstandsmitglied im Österreichischen Apothekerverband

Innovatives Curriculum und hohe Ausbildungsqualität

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Apotheke oder Top-Position in der Pharmaindustrie Die Inhalte des Studiums legen den Grundstein sowohl für das erfolgreiche Führen einer Apotheke als auch für eine Top-Position in der internationalen Pharmaindustrie. Die Absolventinnen und Absolventen werden das Potenzial haben, aktiv die Zukunft des Gesundheitswesens mitzugestalten. Am Campus der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg können sich die Studierenden von Beginn an mit angehenden Pflegewissenschaftern und Medizinern austauschen. So kann das gegenseitige Verständnis für die jeweiligen Aufgaben der „anderen“ bewusst zu einer Symbiose und zu einer Win-win-Situation für alle gemacht werden.

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Research

Wissen schaffen über den Bergsport

Bewegung ist gesund. Bewegung in den Bergen ist jedoch gesünder. Das kann eine aktuelle Studie mit Beteiligung des Instituts für Ecomedicine der Paracelsus Universität eindrucksvoll nachweisen. Autor: Wolfgang Bauer • Fotos: Paracelsus Universität

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er Bergsport ist möglicherweise bald um eine Definition reicher. Bekannt ist ja die lapidare Formulierung des französischen Alpinisten Lionel Terray, der vom Bergsteigen als der „Eroberung des Unnützen“ sprach. Er hatte unter anderem 1955 den 8485 hohen Makalu, den fünfthöchsten Berg der Welt, erstbestiegen. Der Bergsport wird zunehmend als gesunde Aktivität betrachtet, die sich auf Körper und Seele überaus positiv und nachhaltig auswirkt. Das haben in den vergangenen Jahren mehrere Studien des Instituts für Ecomedicine der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg nachgewiesen. Das Institut besteht zwar erst seit 2015, doch

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sein Leiter, der Immunologe Arnulf Hartl, befasst sich bereits seit 2006 mit Fragen der Wirkungen natürlicher Ressourcen auf Prävention und Heilung von Zivilisationserkrankungen. Fokus alpine Ressourcen. Begonnen hatte es mit einer ungewöhnlichen Fragestellung: Gibt es eine Wirkung der Sprühnebel der Krimmler Wasserfälle auf die Atemorgane? Es folgte eine viel beachtete Studie, die einen signifikanten Effekt dieser Nebel auf allergische und asthmatische Beschwerden nachweisen konnte. Eine weitere „Wasserfall-Studie“ Jahre später konnte zeigen, dass der regelmäßige Aufenthalt beim Gartlwasserfall in Kärnten stressreduzierend

wirkt und das Immunsystem stärkt. Der Aufenthalt im Gasteiner Thermalwasser wiederum verbesserte in Verbindung mit Bergwanderungen nachhaltig die Osteoporose-Werte: Nach einer Woche intensiven Bergsports in Kombination mit Balneotherapie ließen chronische Rückenschmerzen nach. Das sind nur einige der wichtigsten Ergebnisse der vergangenen Jahre. „In unseren Studien konnten wir nicht nur signifikante gesundheitliche Wirkungen unserer alpinen Ressourcen nachweisen. Es hat sich auch gezeigt, dass die positiven Effekte sehr nachhaltig waren“, sagt Arnulf Hartl. So verbesserte eine Woche Wandern in Kombination mit Radon-Bädern die Osteoporose-Werte der

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Research

Studienteilnehmer ganze 240 Tage lang. Und drei Wochen „Atemtherapie“ bei den Krimmler Wasserfällen reduzierte die Atemwegsprobleme von Asthmatikern und Allergikern für mehrere Monate.

dass es von Bedeutung ist, auch die psychische Befindlichkeit bei körperlicher Aktivität wissenschaftlich unter die Lupe zu nehmen. Der Grund: „Je besser die psychische Befindlichkeit eingeschätzt wird, desto geringer wird die physische Belastung empfunden“, erklärt Hartl. Outdoor oder Indoor? Die Ergebnisse dieser Befragung bildeten eine gute Ausgangsbasis, um den Blick auf unmittelbare Effekte des Bergsports zu fokussieren – den eigentlichen Kernpunkt der Bergsportstudie. Diesbezüglich war von Interesse, welche körperliche Aktivität sich effektiver und nachhaltiger auf Gesundheit und Lebensqualität auswirkt: Bergsport oder eine vergleichbare Indoor-Aktivität. Und so wurden mehr als 40 Versuchspersonen in drei verschiedenen Situationen untersucht: bei einer Bergwanderung, bei einer an Intensität vergleichbaren Belastung auf einem Laufband (auf dem man

PRICKELNDES ERLEBNIS. # g a st e i n e r

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Gesundheitseffekte des Bergsports. Viel beachtet sind auch die Ergebnisse einer erst kürzlich abgeschlossenen Studie, die sich mit den Effekten des Bergsports auf die Lebensqualität und Gesundheit beschäftigte. Die kontrollierte Interventionsstudie wurde in Kooperation mit dem Institut für Sportwissenschaft der Universität Innsbruck und dem Österreichischen Alpenverein durchgeführt, die Ergebnisse wurden im Spätherbst letzten Jahres anlässlich eines großen Fachsymposiums in Wien präsentiert. Am Beginn der Studie stand eine Querschnittsbefragung von mehr als 1500 Personen mit Hilfe standardisierter Fragebögen. Die Teilnehmer sollten ihren

Gesundheitszustand, ihr Bewegungsverhalten, ihre psychische Belastung und andere gesundheitsrelevante Parameter einschätzen. Abgefragt wurden unter anderem auch Beziehungsstatus, Bildungsniveau, Body-Mass-Index und die Mitgliedschaft in einem alpinen Verein. Das Ergebnis: Es waren die Bergsportler, die angaben, gesünder und fitter zu sein sowie mehr und öfter Bewegung zu machen. Besonders auffällig war, dass sich hohe körperliche Aktivität – von mehr als drei Stunden pro Woche – nicht nur günstig auf das körperliche Wohlergehen und die Fitness auswirkt, sondern auch auf die psychische Gesundheit. Womit man Ergebnisse früherer Studien bestätigen konnte, die zeigten, dass Bergwandern bei depressiven Patienten eine sinnvolle Ergänzung der konventionellen Therapie darstellt. Außerdem konnte man durch die Querschnittsbefragung nachweisen,


Research

Hohe körperliche Aktivität wirkt sich nicht nur auf das körperliche Wohlergehen und die Fitness aus, sondern auf die psychische Gesundheit.

das Bergaufgehen simulieren konnte) sowie in sitzender Tätigkeit. Zwischen diesen Untersuchungssituationen lag jeweils eine Woche. Die Bergwanderung fand von der Bahnstation Hungerburg zur Höttinger Alm nördlich von Innsbruck statt (600 Höhenmeter, sechs Kilometer Distanz, Dauer: 100 Minuten). Nach einer zehnminütigen Pause auf der Alm ging es in 70 Minuten wieder abwärts. Dieses zeitliche Raster (100 min – 10 min – 70 min) war auch bei den beiden anderen Interventionen gegeben, also auch in der Laufbandsituation sowie in der Kontrollsituation, der sitzenden Tätigkeit in einem ruhigen Raum mit Zugang zu Computern und der Möglichkeit sich zu unterhalten. Ein Hauptaugenmerk bei den unmittelbaren Effekten richtete sich auch auf die psychische Befindlichkeit der Teilnehmer. Das hat seinen Grund: Zum einen steht psychisches Wohlergehen in direktem

Es zeigte sich, dass sich körperliche Aktivität generell positiv auswirkt, wobei der Bergsport der Indoor-Belastung überlegen ist. Univ.-Doz. Dr. Arnulf Hartl, Leiter des Instituts für Ecomedicine

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Zusammenhang mit Gesundheit und hat einen erheblichen Einfluss auf das Konzept der Lebensqualität. Zum anderen stellt es einen wesentlichen Motor für die Beibehaltung körperlicher Aktivitäten wie Bergsteigen dar. Die psychische Befindlichkeit wurde wie das subjektive Anstrengungsempfinden mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens ermittelt. Zusätzlich wurden physiologische Parameter wie Blutdruck, Herzfrequenz und Herzratenvariabilität gemessen. Auch Speichelproben wurden entnommen, um Stressparameter ermitteln zu können. Ergebnisse. „Das Belastungsempfinden auf dem Laufband und beim Wandern war in etwa gleich“, resümiert Arnulf Hartl. Es gab bei beiden Interventionen so gut wie keine Unterschiede bezüglich Blutdruckwerten und die Herzratenvariabilität. Allerdings hatten die Teilnehmer beim Bergwandern eine um sechs Prozent höhere Herzfrequenz, was jedoch subjektiv nicht so empfunden wurde. Ganz anders die ermittelten psychischen Parameter. „Es zeigte sich, dass sich körperliche Aktivität generell positiv auswirkt, wobei der Bergsport der IndoorBelastung überlegen ist“, sagt Hartl. Denn Energielosigkeit und Angst verschwanden beim Bergsport in größerem Ausmaß als auf dem Laufband. Die Stimmung und das Gefühl der Gelassenheit erhöhten sich durch die Outdoor-Aktivität stärker als bei der Belastung drinnen. Die sitzen-

de Tätigkeit im Rahmen der Kontrollsituation war dem gegenüber unterlegen: Die positiven Dimensionen der psychischen Befindlichkeit gingen runter, die negativen Parameter erhöhten sich. Ähnliche Effekte kennt man aus japanischen Studien, die sich mit dem Aufenthalt im Wald befassten. Diese zeigten, dass körperliche Aktivitäten im Freien, zum Beispiel Waldläufe, der Gesundheit förderlicher sind als die gleichen Belastungen in geschlossenen Räumen, zum Beispiel auf dem Laufband. Das Prinzip „Green Exercise“ zeigte also deutliche Vorzüge. Gestaltet vs. unberührt. Wie geht es nun wissenschaftlich weiter, nachdem sich „Green Exercise“ auch in den heimischen Bergen bewährt hat, Herr Hartl? „Jetzt interessiert uns die Frage, ob es gesünder ist, sich in einer anthropogen (von Menschen) gestalteten Natur zu bewegen oder in unberührter Natur. Gibt es zum Beispiel Unterschiede, wenn man eine Skitour entlang einer Skipiste macht oder in der unberührten Natur eines Nationalparks?“ In dieser aktuellen Studie will das Institut für Ecomedicine die immunologischen Parameter noch tiefergehender erforschen als zuletzt und auch Technologien wie Virtual Reality in Kombination mit medizinisch-psychologischen Messungen einsetzen. Noch heuer werden die Teilnehmer der Studie rekrutiert, Ergebnisse sollen in zwei Jahren vorliegen. •

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Update

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Education

Der Mann der Stunde Stefan Galler hält an der Paracelsus Universität in Salzburg die Lehrveranstaltung „Physiologie erregbarer Zellen“ ab – und erregt bei den Studierenden mit seinen ungewöhnlichen Lehrmethoden Begeisterung für den Stoff und Lust aufs Mitmachen. Autorin: Sabine Ritzinger Foto: Luigi Caputo

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efragt man die Medizinstudierenden der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg über ihren Lehrenden, ist der einhellige Tenor: „Professor Galler ist ein Knaller!“ Denn der Name Stefan Galler und dessen Lehrmethoden in seiner Lehrveranstaltung „Physiologie erregbarer Zellen“ im ersten Studienjahr rufen wahre Begeisterung hervor. „Durch die kreative und auch lustige Art der Wissensvermittlung wird man spielerisch, aber trotzdem hoch professionell, an den Lernstoff herangeführt“, erzählt Medizinstudent Franciscus Inama. Und seine Kollegin Sophie Keller ergänzt: „Die Lehrmethoden sind erfrischend anders.

Meine Art, den Unterricht zu gestalten, lässt den Druck vergessen, der dahintersteckt. 34

Prof. Galler hat uns quasi auf eine Reise mitgenommen und die Lehrinhalte schrittweise aufgebaut.“ Spannung durch Wettbewerbe. Doch was ist so besonders an der Art und Weise, wie der Biologie-Professor das Entstehen zellulärer Erregung und die molekularen Mechanismen für Lebensfunktionen wie Sehen, Denken, sich Bewegen vermittelt? Die Antwort Stefan Gallers geht mit einem Strahlen einher: „Man muss clever vorgehen, um gute Lernerfolge zu erzielen. So habe ich mir im Verlauf der Jahre einiges überlegt.“ Galler lehrt seit 1990 an der Naturwissenschaftlichen Fakultät (NAWI) der Paris LodronUniversität und seit 2003 zusätzlich an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU). Der Durchbruch in der Lehre gelang dem Uniprofessor, als er

Wissenswettbewerbe startete. „Ich hatte immer schon alle meine Lehrinhalte in Fragen formuliert, um Wiederholungshilfen anzubieten. Doch als ich begann, mit diesen Fragen Wettbewerbe zu veranstalten, stieg das Interesse enorm. Der Hörsaal war zum Bersten voll und zu Hause lernte man ständig mit“, berichtet der Physiologe, der an der NAWI molekulare Mechanismen der Muskelkontraktion erforscht. „Salzburg sucht den Bio-Star“ und „Science Cup“ heißen die Wettbewerbe, die Gallers Einführungsvorlesungen an NAWI und PMU in eine heiß umkämpfte Physiologie-Arena verwandeln. Bei ersterem Bewerb beantworten die Teilnehmenden Multiple-Choice-Fragen mittels Digi-Vote-Handsendern; in der zweiten Challenge treten Studentengruppen in

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Education Stefan Galler lehrt das Entstehen zellulärer Erregung – und verwandelt den Hörsaal in eine heiß umkämpfte Physiologie-Arena.

Mein Stoffgebiet ist schwierig, und die Lehrbücher sind unbefriedigend. Deswegen poche ich aufs Mitmachen in meinen multimedialen Unterrichtsstunden. Univ.-Prof. Mag. Dr. Stefan Galler

flüssen an Theos Sehzellen bei Reizung durch Ritas ästhetische Photonen über die gemütswirksamen Neurotransmitter bis hin zum Kraftakt der Myosinköpfe in Theos starken Muskeln. Einfallsreichtum beweisen auch die Studierenden bei der Namensgebung für ihre Gruppen. So formierten sich beispielsweise die Physiohasen, Leberläuse, Myosinbande, Golgi-Apparate, OH-Hühner, Sauren Basen, Linzer Schnitten und die Gallersteine. Wortduellen gegeneinander an. Nicht weniger als 400 schriftlich formulierte Fragen kamen heuer in den 16 Doppelstunden der Vorlesung „Physiologie erregbarer Zellen“ zur Sprache. Manche Fragen wurden parallel zur Vorlesung gestellt, andere in einer eigenen Wiederholungs-Session am Ende der Lehreinheit. „Bio-Derbys“, „Ralleys“, „Duelle“ und „Physio-Runs“ heißen die einzelnen Fragespiele der Wettbewerbe. Am beliebtesten sind jedoch die „Bell-Rondells“, bei denen die Antwort möglichst schnell übermittelt werden muss. Nach einem Glockenton bedienen die Studierenden ihre Handsender in Sekunden, und die Namen der Sieger erscheinen unter dem Jubel der Betroffenen gleich danach am Bildschirm. Einfallsreich. Eine weitere Besonderheit von Gallers Unterricht sind die virtuellen

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Maskottchen Theo und Rita, die sich plump und drollig in die wissenschaftlichen Themen einmischen. „Parodien schärfen den Analysegeist und halten die Studierenden bei Laune“, sagt Galler. Die Kurzweil lässt sich durchaus nachempfinden: Rita stößt sich an Theos Trägheit. Deswegen sucht sie nach physiologischen Tricks, um ihn zu beschleunigen, greift aber meist daneben. Theo prahlt über die schnellen Ereignisse in seinen erregbaren Zellen und liegt meist richtig. So kann Rita ihn nur noch mit Fangfragen überlisten. Die angehenden Ärztinnen und Ärzte beantworten alle Fragen und korrigieren wissenschaftliche Ungereimtheiten. Zum Schluss streckt Theo Rita die Hand entgegen, und die Studierenden wenden all ihr Wissen an, um das molekulare Geschehen richtig zu analysieren. Der Bogen spannt sich von den Ionen-

Beliebt trotz Strenge. Er sei sehr streng, gibt Galler zu, freue sich aber, wenn man das nicht bemerkt. „Mein Stoffgebiet ist schwierig, und die Lehrbücher sind unbefriedigend. Deswegen poche ich aufs Mitmachen in meinen multimedialen Unterrichtsstunden und erreiche dadurch erstaunliche Lernerfolge. Meine Art, den Unterricht zu gestalten, lässt den Druck vergessen, der dahintersteckt.“ Das scheint der Mann gut zu beherrschen. Denn die Studierenden sind voll des Lobes über den engagierten Lehrenden und seine kurzweiligen Stunden. Auch mehrere Preise für exzellente Lehre wurden Stefan Galler im Laufe der Jahre zuteil. Am meisten freut sich er jedoch, wenn sich Studierende Jahre später dankend über seinen Unterricht und das daraus resultierende, nachhaltige Wissen äußern. •

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Spenden

1 Jahr, 625 Millionen Euro Herr und Frau Österreicher spenden fleißig für den guten Zweck. Vor allem für Kinder, Tiere und Katastrophenhilfe. Doch auch die Paracelsus Uni belegt einen Spitzenplatz. Autor: Andreas Aichinger • Foto: Shutterstock

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s ist ein noch immer gerne gepflegter Mythos. Aber sorry: Herr und Frau Österreicher sind keine Spendenweltmeister. Sondern liegen gut im europäischen Mittelfeld, wie die nackten Zahlen zeigen. Tatsächlich lag das durchschnittliche Spendenaufkommen pro Einwohner und Jahr hierzulande zuletzt bei 72 Euro. In der Schweiz hingegen war es dreimal so hoch, in Großbritannien mit 260 Euro pro Kopf noch höher. Und in den USA spielt man mit 1.057 Euro ohnedies in einer eigenen Spenden-Liga. Aber Spendenkultur und vor allem auch die Löcher im sozialen Netz, die mit Spendengeldern gestopft werden müssen, sind kaum miteinander vergleichbar. Zurück nach Österreich: Der vom Fundraising Verband Austria (Dachverband für spendenwerbender Organisationen, FVA) veröffentlichte „Spendenbericht 2016“ zeugt von einer

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steigenden Tendenz des Spendenaufkommens. FVA-Geschäftsführer Günther Lutschinger anlässlich der Präsentation: „Die Menschen in diesem Land schreiben Solidarität groß: Das zeigt der errechnete Spitzenwert von 625 Millionen Euro für das vergangene Jahr (Anm.: 2015).“ Bisherige Berechnungen ergeben, dass dieser Spendenrekord auch im Jahr 2016 eingestellt werden konnte. Zum Vergleich: 2014 hatten sich Österreichs gemeinnützige Organisationen über ein Spendenvolumen von 570 Millionen Euro gefreut. Die aktuelle Entwicklung ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass die durchschnittliche Spendenhöhe gestiegen ist, und zwar auf 122 Euro pro Jahr. Besonders im Kleinspenderbereich gilt die Devise: Immer weniger Spender geben immer mehr. Bemerkenswert sind die regionalen Unterschiede: Mit durch-

schnittlichen 178 Spenden-Euros liegen die Menschen aus der Steiermark und Kärnten in puncto Spendenhöhe an der Spitze, in Sachen Spendenbeteiligung hingegen sind es die Niederösterreicher und Burgenländer. Sympathie & Solidarität. „Die Beweggründe für das Spenden sind so vielfältig wie die Menschen selbst und nicht auf einzelne Motive reduzierbar“, erklärt Bernhard Hofer, Geschäftsführer des Umfrageinstituts Public Opinion. Und weiter: „Die Sicherheit, dass die Spenden zweckgemäß ankommen, Sympathie mit der Organisation und Solidarität mit Armen und Schwachen sind aber die drei Hauptmotive geblieben.“ Profiteure der rot-weiß-roten Spendenfreudigkeit sind in erster Linie Kinder, Tiere und die Opfer von Katastrophen im Inland. Das Ranking der größten Spendenvolumina

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Spenden

an Non-Profit-Organisationen in Österreich wurde im Jahr 2015 von der Caritas angeführt. Und zwar mit Spenden in der Höhe von 72,32 Millionen Euro, gefolgt vom Österreichischen Roten Kreuz und SOS Kinderdorf. Die Plätze vier bis zehn nahmen folgende Organisationen ein: Ärzte ohne Grenzen, die Dreikönigsaktion, Licht für die Welt, die St. Anna Kinderkrebsforschung, Greenpeace, Licht ins Dunkel sowie Missio. Schon auf Platz elf aber folgt ein vertrauter Name: PMU im Spitzenfeld. Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU), die es mit 9,3 Millionen Euro (nach 8,1 Millionen im Jahr 2014) ins absolute SpitzenSpendenfeld geschafft hat. Hintergrund: Die Paracelsus Universität wird von einer gemeinnützigen Privatstiftung betrieben und ist daher nicht gewinnorientiert, allfällige Gewinne werden vielmehr für neue Investitionen in Lehre und Forschung verwendet. Das großartige Spendenergebnis wird allgemein als Würdigung der langjährigen erfolgreichen Arbeit der Universität in Lehre und Forschung gesehen, spricht aber auch Bände über das besondere Vertrauensverhältnis zu – großteils langjährigen – Spendern und Spenderinnen. Viele namhafte Persönlichkeiten aus der Wirtschaft sowie private Mäzene unterstützen die medizinische Ausbildung und Forschung in Salzburg. Aber auch österreichweit verzeichneten die Spenden für Forschung zuletzt ein kräftiges Plus von 27 Prozent. Und Rückenwind kam auch vom Gesetzgeber: Stiftungs-Beflügelung. Mit 1. Jänner 2016 ist ein neues Bundesstiftungsgesetz in Kraft getreten, das den Stiftungssektor „beflügeln“ soll. Ausgangspunkt waren ernüchternde Zahlen gewesen: 2015 waren die jährlichen Investitionen gemeinnütziger Stiftungen in Österreich lediglich bei maximal 25 Millionen Euro gelegen, in der Schweiz jedoch bei 1,2 Milliarden Euro. Deklariertes Ziel des

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Die Beweggründe für das Spenden sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Bernhard Hofer, Geschäftsführer „Public Opinion“

„Gemeinnützigkeitspakets“ der Bundesregierung war es somit, sich bei gemeinnützigen Stiftungsinvestitionen an die Eidgenossen anzunähern und durch eine Reihe von Vereinfachungen die Szene zu motivieren. „Das Gründen einer gemeinnützigen Stiftung soll in Zukunft so schnell und einfach sein wie das Gründen eines Vereins“, gab Vizekanzler und Bundesminister Reinhold Mitterlehner damals die Richtung vor. Sein Ziel: „Wir wollen die Forschungsinvestitionen durch den gemeinnützigen Sektor in den nächsten Jahren auf 100 Millionen Euro anheben. Damit können wir unsere Innovationskraft durch Wissenschaft und Forschung deutlich erhöhen.“ Erleichterung für Spender. Am 1. Jänner 2017 schließlich legte die Bundesre-

gierung die „größte und einschneidendste Reform der Spendenabsetzbarkeit seit deren Einführung 2009“ nach. Mit insgesamt 187 Millionen Euro wird in Österreich etwa jeder dritte SpendenEuro steuerlich geltend gemacht. Eine der zentralen Änderungen dieser „Spendenabsetzbarkeit Neu“: Nicht mehr die Spender, sondern die von ihnen bedachte Organisation muss die entsprechenden Daten zur geleisteten Spende an die Finanzbehörden weitergeben. Dazu muss beim Spenden neben der Spendenhöhe auch der vollständige Name samt Geburtsdatum bekannt gegeben werden – was sich noch nicht allgemein herumgesprochen haben dürfte. Wie sich die neue Regelung auf die zukünftige Spendenbereitschaft auswirken wird, bleibt daher abzuwarten. Unter www.spenden.at hat der Fundraising Verband Austria dazu eine Informationsseite eingerichtet. •

Ein herzliches Dankeschön den Freunden und Förderern der Paracelsus Universität: ACM Projektentwicklung GmbH | Agrana Zucker GmbH | Aicher, Max | Apollon SE | Ball Corporation | Bankhaus Carl Spängler & Co. AG | BTU Beteiligungs GmbH | Capsumed Pharm GmbH | DBS Gesellschaft - Kubin, H. und Kainberger, P. | DBW Industrieberatung Naue KG | DEBRA Austria | die ärztebank | Die Hayward Privatstiftung | dm drogeriemarkt GmbH | DS Smith Packaging Deutschland Stiftung & Co. KG | Frey, Andrea | Fürst Developments GmbH | G. Hinteregger & Söhne Bauges. mbH. | Gebrüder Woerle Ges.m.b.H. | Georg Pappas Automobil GmbH | Greither, Andreas | Hagleitner Hygiene International GmbH | Hansjörg Wyss Foundation | HYPO Salzburg | Intertops Sportwetten GmbH - Train, Detlef | Jacoby GM Pharma - Jacoby, Heinrich | Johnson & Johnson Medical Companies | Kastner & Partners | Kellerhals, Helga & Erich | Köhn & Kollegen GmbH | Krones AG | Kuhn Holding GmbH | Kuhn, Irmgard | Kuhn, Stefan | Lenz, Gerhard | M. Kaindl Holzindustrie | MedAustron GmbH | MED-EL | Miele GesmbH | Moosleitner Ges.m.b.H | Österreichische Lotterien GesmbH | Paracelsus Rotary Club | Rauch Fruchtsäfte GmbH & Co OG | Red Bull - Mateschitz, Dietrich | Roche Group | Sallmann GmbH | Salzburg AG | Salzburg Aluminium AG | Salzburger Sand- und Kieswerke GmbH | Salzburger Sparkasse Bank AG | Schröcksnadel, Peter | Schwarzbraun, Familie | Segafredo Zanetti Austria Ges.m.b.H. | SeneCura Kliniken- und HeimebetriebsgmbH | Senoplast Klepsch & Co GmbH & Co KG | Siemens AG Österreich | Stahlwerk Annahütte Max Aicher GmbH & Co KG | Stieglbrauerei zu Salzburg GmbH | Straniak Stiftung, Hermann und Marianne | von Schilgen, Eva Maria | VR - meine Raiffeisenbank eG, Altötting-Mühldorf (D) | Wozabal Textilservice GmbH & Co KG | Zürcher Kantonalbank Österreich AG

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Point of View

Alter nativ los

Claudius Söhn ist Medizinstudent des ersten Jahrgangs an der Paracelsus Universität in Nürnberg und derzeit in seinem dritten Studienjahr. Hier erzählt er über seine Bedenken im Vorfeld des Studiums und warum es ihn mittlerweile voll und ganz begeistert. Autor: Claudius Söhn • Foto: Rudi Ott

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or vier Jahren stand ich vor der Frage: Wie kann ich mir den Wunsch, Medizin zu studieren, erfüllen? Mit einer Abiturnote von 1,9 hatte ich auf dem regulären Weg über den Numerus Clausus keine Chance. Meine letzte Hoffnung waren die privaten Universitäten im In- und Ausland. Nach einem neunmonatigen Pflegepraktikum in der Allgemeinchirurgie bewarb ich mich an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Nürnberg, da ich von Bekannten, die am PMU-Standort Salzburg studierten, viel Gutes gehört hatte. Bedenken verflogen. Schon beim Auswahlverfahren merkte ich, dass es sich nicht um ein „Medizinstudium light“ handelte, das den Privatuniversitäten gerne nachgesagt wird. Der mehrstündige Test und das Interview sind gezielt darauf ausgerichtet, 50 Bewerber zu finden, die kompetent und motiviert genug sind, das anstrengende Studium durchzuziehen und später als Arzt eine gute Arbeit zu leisten. Als es 2013 in Nürnberg losging, hatte ich durchaus Befürchtungen: Bekomme ich eine Ausbildung, die ebenso gut ist wie z.B. jene an der 20 Kilometer entfernten Universität Erlangen? Nach den ersten drei Wochen, den so genannten „Beginners Weeks“, waren meine Bedenken verflogen. Mittlerweile gibt es für mich keine Alternative zur und viele gute Gründe für diese Universität: der frühe Kontakt zu Klinik und Ärzten, Fächer

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und Themen, die anregen, über den Tellerrand hinaus zu schauen und ein guter Zusammenhalt zwischen den Mitstudierenden in Nürnberg und Salzburg. Lehre mit Mehrwert. Auch Fächer, die das Grundlagenwissen und Handwerkszeug eines Arztes ausmachen, werden nicht vernachlässigt. Für die neu gegründeten Lehrstühle Anatomie und Physiologie wurden renommierte Wissenschafter gewonnen, die uns neben ihrem Lehrstoff auch ihre wissenschaftliche Arbeit nahebringen. Durch Praktika in der Klinik oder Vorträge von Ärzten werden viele Themen veranschaulicht und in Bezug zur Praxis gesetzt. Ich habe öfter das Angebot der Ärzte angenommen, ihnen zu schreiben und kurzfristig in den OP oder auf die Station zu gehen. Kein Selbstläufer. Für mich steht jetzt nach dem dritten Studienjahr der Step 1 der United States Medical Licensing Examination (USMLE) an. Das ist der erste Schritt der amerikanischen Zulassungsprüfung zum praktizierenden Arzt und testet in einer achtstündigen Prüfung den Stoff der ersten drei Studienjahre in englischer Sprache. Zugegeben: Das Medizinstudium in Nürnberg ist anstrengend und kein Selbstläufer, man muss viel lernen und sich manchmal auch durchbeißen. Aber jedem, der hoch motiviert ist und sich nicht scheut, über den Tellerrand zu blicken, um ein guter Arzt zu werden, kann ich das Studium an der Paracelsus Uni nur empfehlen. • Der Text ist ein Auszug aus einem Artikel in „kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin“.

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ParacelsusToday 1/2017

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Paracelsus Today  

Nr.: 1 | März/April 2017

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